Sezession
12. November 2014

Strukturieren in Deutschland, mobilisieren in Dresden, präsentieren in Berlin

Götz Kubitschek / 25 Kommentare

Es ist für uns interessant zu beobachten, wie intensiv die rechten, konservativen Strömungen derzeit an neuen Bach- und Flußbetten graben - und wie die längst vorhandenen Läufe versuchen, den Strömungen eine Richtung zu geben und möglichst viel in die eigenen Kanäle zu leiten.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Die Frage hintangestellt, ob und wie das parteipolitische Engagement der AfD auf der einen und die Protestdemonstrationen der HOGESA in Köln, der PEGIDA in Dresden oder auch der namenlosen Anti-Linken in Erfurt etwas austragen werden: Die Lage ist eine ganz andere als jene, in der wir uns vor zwei Jahren befanden.

+ Die AfD ist deutschlandweit dabei, sich stabile Strukturen zu geben. Dieser rein funktionale Vorgang wird überlagert von einer Grundsatzdiskussion über die Ausrichtung der Partei. Auch wenn die führenden Köpfe nach Außen den Burgfrieden wahren: Krieg oder Friede mit dem Establishment steht als Frage hinter jeder Positionierung. Andre Lichtschlag vom libertären Magazin eigentümlich frei hat dies mit einer Beschreibung dreier politischer Grundtypen vor einiger Zeit schon veranschaulicht:

Er sehe zum einen jene am Werk, die schon immer zum Establishment dazugehört hätten, zum zweiten solche, die endlich dazugehören wollten. Beide stünden nicht für eine Alternative. Dies sei dem dritten Typ vorbehalten, jenem nämlich, der von Außen käme und nicht das Ziel habe, Aufnahme in die Mitte der Gesellschaft zu finden. Auf diesen Typus komme es an.

Da gibt es nicht viel zu ergänzen: Ja, natürlich, auf diesen Typus kommt es an, und er wird sich hoffentlich je länger je mehr auf seinen "Mangel an Versöhnung" (Gottfreid Benn) besinnen, der ihn doch erst in die Politik trieb.

+ Daß dieser "Mangel an Versöhnung" auch bei den PEGIDA-Demonstrationen in Dresden eine Rolle spielt, ist augenscheinlich. Man darf die Dynamik dieser wie aus dem Nichts entstandenen, identitär aufgeladenen Züge nicht überbewerten, aber vielleicht wird man in ein paar Wochen über die kleinen Anfänge nur noch lächeln. Interpretieren muß man den neuen Mut zum Protest zum einen aus der wohlbegründeten Sorge der Deutschen um den Status, Herr im Eigenen zu sein: Das allzu Fremde tritt machtvoll in den Raum, ohne anzuklopfen, denn das Tor ist ausgehängt.

Der andere Grund: Die vielen kleinen und größeren Erfolge einer Verteidigung des Eigenen auf verschiedenen Ebenen haben den Resonanzboden erweitert - angefangen bei der für die "Mitte der Gesellschaft" verheerend verlaufenen Sarrazin-Debatte, über die Erfolge der AfD und die Stuttgarter Demonstrationen gegen die Frühsexualisierung im Unterricht bis hin zur Debatte um die Schuld am Ausbruch des I. Weltkriegs und den Bestsellern von Pirincci, Buschkowsky oder Ulfkotte. Im Gespräch mit dem Nachbarn oder dem Vereinkameraden über Namen und Themen anknüpfen zu können: Das ist die Auswirkung der Erfahrung, daß doch etwas möglich sei.

+ Bleibt der schwankende Boden, auf dem der Intellektuelle seit jeher steht: die Kulturkritik, jene kleine Schwester des Kulturpessimismus, der wiederum eine verbockte oder schwächelnde oder abseitige oder desillusionierte oder tatenarme oder trotzige Haltung zum Heute ist (oder von allem ein bißchen). Jedenfalls: Mein Verlag präsentiert endlich einmal wieder Bücher in Berlin, und zwar am Freitag, den 28. November, 19 Uhr in sehr zentral gelegenen Räumlichkeiten. Es ist Platz für vierzig Leute, es wird Brot und Wein geben, und Kositza und ich werden erzählen, was los war und was in der edition nordost, dem literarischen Arm des Verlags, geplant ist. Anmeldungen bitte an verlag(at)antaios.de, wir nehmen 5 € für die Kost und nennen den Ort, sobald wir ausgebucht sind.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (25)

Ein Fremder aus Elea
12. November 2014 12:24

Kulturkritik ist, intellektuell gesehen, die Mutter des Kulturpessimismusses, letzterer könnte, etwas unappetitlich, ihre Fehlgeburt genannt werden.

Kulturkritik ist dabei ein recht weites Feld, bedingt durch die unterschiedlichen Grade der Bereitschaft, kulturelle Fundamente in Frage zu stellen.

Das allzu Fremde tritt machtvoll in den Raum, ohne anzuklopfen, denn das Tor ist ausgehängt.

Das darf man bei dem ganzen Mummenschanz nicht vergessen: daß das Tor ausgehängt ist.

Zunächst einmal muß das Argument in die Politik zurückkehren, und mit ihm die Notwendigkeit bürgerlicher Mitsprache und Kontrolle.

Kein Hartz IV für jeden Europäer ohne Voraussetzungen.

Schaut her, so verrückt sind wir nicht!

Das ganze politische Verhältnis hängt schief. Soll das Volk wirklich damit zu Frieden sein, daß man ihm, wo es gar nicht anders geht, immer gerade so viel wie nötig entgegenkommt? Politik als "Wilde Maus", wo man sich ständig denkt: "Puh! Doch nicht aus der Kurve geflogen."

Und wie sollte es anders gehen? Wenn alles von internationalen Verträgen abhängt, welche Gesetze ein Land erlassen darf, und welche nicht. Als nächstes auf der Liste: TTIP.

Gleichzeitig rumort es immer mehr. Und wer kümmert sich darum?

Wenn wir es nicht können... Und im Krieg ist alles erlaubt...

Höchste Zeit das Tor wieder einzuhängen, nicht nur die Einwanderung zu kontrollieren, sondern auch die Politik unseres Landes.

Meyer
12. November 2014 16:03

Sofern man unter Politik nichts anderes als kalkulierende Machtpolitik versteht: Ein Argument hatte zu keinem Zeitpunkt einen anderen Zweck als Mummenschanz für jene, die naiv sind. Staatsrechtlich: Idiotes.

In Zeiten der idiotischen Idiotes benötigt man selbst für den argumentativen Mummenschanz keinerlei Tiefe mehr. Der dünne Anstrich reicht: Bild + Glotze.
(Schröder irrte sich, als er glaubte, so die Wähler zu beeinlussen. Bild (et al.) und Glotze setzen die Schröders in den Sessel und diktieren ihm sein Programm. Wer war eigentlich Axel Springer?)

Der Staat in Deutschland wird sich natürlich ändern. In und nach seinem Zusammenbruch.
Politik würde sich ändern, wenn man sanktionieren könnte. Kann man aber nicht. Ohnmacht. Alles bleibt im Konjunktiv.
Diejenigen, die sanktionieren können, bestimmen die Politik. Und die sitzen wohl kaum in Mitteleuropa.

CitizenKane
12. November 2014 16:13

Es ist für uns interessant zu beobachten, wie intensiv die rechten, konservativen Strömungen derzeit an neuen Bach- und Flußbetten graben – und wie die längst vorhandenen Läufe versuchen, den Strömungen eine Richtung zu geben und möglichst viel in die eigenen Kanäle zu leiten.

Diese Erkenntnis kommt nun just zu der Zeit in der sich eine doch bedenkliche Resignation bei den Sezessionisten einzuschleichen schien, selbst bei dem kämpferischen Lichtmesz.

Die Langmütigkeit der Deutschen kann einen aber auch wirklich zur Verzweiflung bringen.
Es hatte sich ganz offensichtlich die Meinung verfestigt, man könne das Eigene ohne Kampf erhalten.
War ja auch ganz wohlig auf der Couch der „Entlasteten Gesellschaft“ (Sloterdijk)

Als ich vor ca. 8 Jahren begann in Foren zu debattieren, vornehmlich zunächst beim SPON wunderte ich mich, wie weit die „Volksmeinung“ doch von der veröffentlichten Meinung abwich und es tatsächlich Leute gab, die so dachten wie ich – ich war nicht anders (sic)!
Ganz zu schweigen von PI auf deren Blog ich mich über einen Hinweis im SPON-Forum (Naziseite) mit größten Gewissensbissen wagte, wo es aber mangels Gegnern bald recht langweilig wurde.

Auch im Bekanntenkreis und beruflichen Umfeld fand und finde ich kaum Übereinstimmung mit der veröffentlichten Meinung – selbst nicht bei den Leerern.

Es sind doch interessante Zeiten, in ganz Europa tut sich was!
Es war und ist nur eine Frage der Zeit – und die beschleunigt sich nun, wie es aussieht stetig - bis das Kartenhaus des polit-medialen Kartells in sich zusammenbricht.

Im Übrigen handelt es sich bei unseren Gegnern nicht um gefährliche, in der Wolle gefärbte Ideologen.
Es geht bei denen, den diversen NGO’s, den Krampf-Gegen-Rechts-Leuten den „Experten“ für Rassismus, Diskriminierung uswusf. und den Medienheinis nur, wie schon immer, um die Sicherung der Pfründe oder wie es der dicke Pfälzer so treffend wie salopp ausgedrückt hat, „um den Bimbes“.
Und für die Antifanten usw. rockt es links eben besser. Links ist Popkultur, war es doch schon bei den 68ern. Hatte der Langhans nicht gesagt es ging uns eigentlich nur darum die Mädels rumzukriegen?
Alles anthropologische Konstanten.

Ein gebürtiger Hesse
12. November 2014 17:20

Ein Montags-Besuch in Dresden wird langsam zu einer Pflichtaufgabe. Wie schön wäre es, wenn sich die zweite Alternative Kubitscheks bewahrheitete und man später über die kleinen Anfänge tatsächlich nur noch lächelte. Wer weiß, vielleicht werden diese Eckdaten: Dresden, November 14 dereinst in keinem Schulaufsatz zum Thema "Die Wiedererlangung der deutschen Souveränität am Ende des Multi-Kulturalismus" fehlen dürfen ... Wie wäre es mit einer Klassenfahrt der Sezessionisten (Autoren wie Leser) an den Ort des Geschehens? Bekommen wir sowas organisiert?

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
12. November 2014 17:20

die Schwärmerische, die Nacht, kommt,
Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns,
Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen,
Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.

(Hölderlin, Brod und Wein)

Brot und Wein hat ja fast was Sakrales...

Schön, dass auch hier gesehen wird, dass sich was tut im Lande. Es ist ein großer Unterschied, ob man mitten drin ist in der Geschichte, sie gerade erlebt, oder mit dem Blick des Späteren,der weiß wie alles endete, das Geschehen analysiert.

Wir sind mitten drin.

Nordlaender
12. November 2014 18:36

@ Citizen Kane

"Als ich vor ca. 8 Jahren begann in Foren zu debattieren, vornehmlich zunächst beim SPON wunderte ich mich, wie weit die „Volksmeinung“ doch von der veröffentlichten Meinung abwich und es tatsächlich Leute gab, die so dachten wie ich – ich war nicht anders (sic)!"

Tja, auf diesem Forum des überaus verpönten SPIEGELs gab es tatsächlich einige Jahre Glasnost. Schrillte dort lange bei gefährlichen Begriffen wie z.B. "Ausländer" unverzüglich das Nazometer, konnte man während dieser Phase dort einen guten Austausch zwar nun nicht gerade mit Rechten, aber immerhin doch mit ganz sympathischen Konservativen pflegen. Vielleicht gab es dort damals sogar DAS beste Großforum in ganz Europa, mit zahllosen Diskursen über Politik, Wirtschaft, Kulturelles, aber auch Unterhaltung, Sportgeschehen, ungezwungenes Geplauder im Cafe Spontan.

Dann hat man das Forum so massakriert, zusammengestutzt, die Möglichkeit der Persönlichen Nachrichten abgeschafft. Wunderte mich, wenn dort heuer noch 10 Prozent der Menge schrieben, die dort noch vor wenigen Jahren aktiv waren. Diese Selbstverstümmlung dürfte wohl unmittelbar darin begründet sein, den Bürgern ("der rechten Gefahr aus der Mitte") den Austausch zu vermiesen.

Ein Fremder aus Elea
12. November 2014 18:53

Meyer,

Macht von oben, Macht von unten.

Es kommt die Zeit, sich dran zu erinnern.

Wozu gäbe es Medien, wenn es keine Macht von unten gäbe?

der letzte Deutsche
12. November 2014 20:57

Wer, wie ich, vom Alter her ein 68er (aber nur vom Alter her !) den
geistigen Abstieg dieses Restgebildes eines ehemaligen Deutschlands, die sich potenzierende Dekadenz des größten Teiles seiner Bewohner,
die Selbstzerstörung eines ganzen Kulturvolkes, gesteuert von seinen
politischen und geistigen Eliten, nun seit ca. 5 Jahrzehnten ansehen
und mit geballten Fäusten in der Hosentasche, mit ständig ansteigender
ohnmächtiger Wut über sich ergehen lassen mußte, hat wohl zur Zeit
noch erhebliche Probleme, auch nur ein laues Lüftchen an positiven
Veränderungen in "unserem Sinne" wahrzunehmen oder zu erkennen.

Es gibt nichts, was ich mehr herbeisehnen würde als ein Deutschland,
das in jeder Hinsicht dieses Gebilde BRD ablöst, das die Besatzer seit
1945 aus diesem einstmals schönen Lande gemacht haben. Was Leben
in einem freien Lande, nicht unter Kolonialrecht der USA, mit einer
freien Wissenschaft, mit einer frei gewählten eigenen Regierung,
deren Mitglieder nicht nur als Kolonialverwalter fungieren, mit unabhängigen nicht käuflichen oder korrumpierten Medien (Ulfkotte !) bedeutet, weiß doch heute kein lebender Deutscher mehr. Die Umerziehung unserer Besatzer nach der "Befreiung" im Jahre 1945
hat aus uns ein Volk von Duckmäusern und Verrätern gemacht.

Unsere größten Feinde sind heute unsere Nachbarn, die mit uns Tür
an Tür leben (Gutmenschen und Verfechter der Political Corectness),
die bedenkenlos den Austausch der Restdeutschen vornehmen, um für
Mitglieder anderer, kulturfremder Völker Platz zu schaffen. Die Intelligenz und die Einsicht, damit den Genozid ihres eigenen Vol-
kes und damit auch ihrer eigenen Nachkommen einzuleiten, ist ih-
nen wohl abhanden gekommen.

Dennoch, auch wenn die Hoffnung schwindet, möchte ich mich nicht
"kampflos" ausliefern. Mein noch vorhandener Stolz verbietet mir dies.
"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."
(Bertolt Brecht - Ein Linker hat halt auch nicht immer unrecht !)

CitizenKane
12. November 2014 22:37

@ Nordlaender

Diese Selbstverstümmlung dürfte wohl unmittelbar darin begründet sein, den Bürgern („der rechten Gefahr aus der Mitte“) den Austausch zu vermiesen.

Ja, ja, die Deppen werden übermütig!
Man kann die Wirkmächtigkeit des Internetz‘ nicht hoch genug bewerten.

Da entstehen, um in Kubitscheks Bild zu bleiben, Rinnsale, die sich zu Bächen vereinen.
Man lernte die ideologisch linientreuen, ehrgeizigen Zensurschnösel zu überlisten, konspirative Strategien einzuüben. ;-))
Über die Privatnachrichten könnten Netzwerke entstehen, die sich auch bildeten, mit Treffen usw..
Die haben schon gewusst, warum Sie das abgeschafft haben.
Und Sie (Du?) werden sich vielleicht noch an Charles Foster Kane’s Schlitten erinnern?
Die Vorhersehbarkeit, zu welchem Thema Sie kein Forum aufmachen, ist das Eingeständnis ihrer Schwäche.
Der größte Strang zu einem Einzelthema war „Gibt es Gott“, das war immer lustig! Läuft auch nicht mehr.
Gut! Wenn Sie den Humor verlieren, sind sie bald am Ende.

Th.R.
12. November 2014 22:55

Auch in Annaburg in Sachsen-Anhalt sind vorgestern 700 ganz normale Deutsche gegen die unhaltbaren Zustände in der BRD auf die Straße gegangen:

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/demonstration-annaburg102_zc-a2551f81_zs-ae30b3e4.html

https://www.mz-web.de/jessen/nach-der-demo-annaburger-nacht-blieb-friedlich,20641004,29018858.html

Wir Deutsche müssen zusammenhalten; standhaft fest zusammenstehen wie ein aus einzelnen Teilen zusammengefügter Schirm aus Stahl!

Wir haben alle die Pflicht, jeder einzelne!, offensiv für die Würde unseres Volkes einzutreten und diesem System ab jetzt ohne Scheu entgegenzutreten!

Schluß jetzt! Wir hören auf, die Zumutungen dieser Irregeleiteten weiter hinzunehmen. Das Wohl des Volkes hat der Maßstab zu sein, und nicht die Verlautbarungen eines seelenlosen Staatsautomaten, der außer Kontrolle geraten ist und ziel- und orientierungslos uns alle gegen die Wand zu fahren droht!

Kuschen vor dieser Bande? Wie lächerlich dumm sind wir eigentlich?

Nordlaender
13. November 2014 08:16

@ Citizen Kane

"Man lernte die ideologisch linientreuen, ehrgeizigen Zensurschnösel zu überlisten, konspirative Strategien einzuüben. ;-))"

Mich hatte dort irgendwann einer von der Staatssicherheit enttarnt und gemeldet, als Vergleichsnazi wurde ich dann für immer gesperrt. Diese Person hatte im Cafe Spontan Alarm geschlagen wegen der "Braunen Armee-Fraktion" ("Nationalsozialistischer Untergrund"), keiner wollte so recht einsteigen darauf, dann fiel ich unangenehm auf wegen mangelnder Hochachtung gegenüber dem Ewigen Österreicher und sprach über die Arbeitslager unter Dschugashvili.

"Der größte Strang zu einem Einzelthema war „Gibt es Gott“, das war immer lustig!"

Erinnere mich. Daß man aber auch immer gleich so hoch hinaus muß. Warum nicht "Gibt es den menschlichen Geist? (Das menschliche Gemüt?)." Oder, falls ja, wo ist er denn hin, nach der von der christlich-demokratischen Union eingeleiteten geistig-moralischen Wende, wo läuft er denn?

Rumpelstilzchen
13. November 2014 09:06

Von der Kulturkritik über den Kulturpessimismus zum Kult ( Brot & Wein)...

Die Kultur lebt aus dem Kult.
Und auf dieses innere Ursprungsverhältnis
muss zurückgegriffen werden,
wenn sie als Ganzes in Frage gestellt wird.

Josef Pieper,,Muße und Kult

Rumpelstilzchen
13. November 2014 09:40

Diese Erkenntnis kommt nun just zu der Zeit in der sich eine doch bedenkliche Resignation bei den Sezessionisten einzuschleichen schien, selbst bei dem kämpferischen Lichtmesz.

Citizen cane

Gönnt Herrn Lichtmesz etwas Muße, Ihr Hirnhunde ! Ihr Geistesarbeiter !

Die geistige Erkenntniskraft des Menschen nun, so haben die Alten es verstanden, sei beides in einem: ratio und intellectus; und das Erkennen sei ein Zusammenwirken von beiden. Der Weg des diskursiven Denkens sei begleitet und durchwirkt vom mühelos gewahrenden Schaublick des intellectus, der ein nicht aktives, sondern passives oder vielmehr rezeptives, ein tätig empfangendes Vermögen der Seele sei.

Josef Pieper

Ein Fremder aus Elea
13. November 2014 09:52

Rumpelstilzchen,

ich versuche noch, an den Text ranzukommen, aber nach einer Zusammenfassung, welche ich gefunde habe, scheint Pieper mit Muße dasselbe zu meinen wie ich mit Würde.

Hartwig
13. November 2014 10:39

Ich bin überrascht von den Strömungen die G.K. oben skizziert. Ich bin zwar sicher, dass das Abendland dadurch nicht gerettet wird, wenn es denn überhaupt zu retten wäre. Aber dennoch: Vor zwei oder drei Jahren gab es allerhöchstens diese NPD-Demonstrationen, deren Teilnehmerzahl oft eher zwei- denn dreistellig war. Immer umringt von hunderten Polizisten und Antifanten; und allein schon deshalb respektabel.
Nun gibt es ein wohl kaum mehr unterdrückbares Unbehagen. HogeSa, pegida, ... ja und selbst diese Annaburger Bürger, die laut der mdr-Meldung wohl um Haaresbreite einem "runden Tisch gegen rechts" entronnen zu sein scheinen. Was auch immer in den Medien steht, dort sind Bürger nicht mehr bereit, das Treiben von Zigeunerkindern zu dulden; sie benennen es und demonstrieren dagegen. Ein allererster Schritt. Man sollte in Rechnung stellen, das der normale Bürger trotz Einschüchterung erst einmal den Hintern bewegt hat.
@Raskolnikow stellte kürzlich die in den Raum, 'Maul halten oder Partisan werden'. Falsch ist das nicht, wenn man bedenkt, was nötig wäre, um als 'erbitternden Widerstand leistendes Volk' in die Geschichte einzugehen.
Leute wie ich, und die in Köln und Dresden bringen es nur zum Maulheldentum. Aber vielleicht besser als gar nichts.

Rumpelstilzchen
13. November 2014 10:47

Lieber Fremder,
Sie müssen nicht an den Text 'rankommen'.
Bestellen Sie doch einfach das wunderbare Büchlein " Muße und Kult", Kösel Verlag.
Das ist wahrlich kein Text, an den mal rankommen muß. Obwohl es m. E. ein 'must-have Buch' ist, wie man auf dummdeutsch sagt.
Josef Pieper sieht Ernst Jünger als hervorragenden Diagnostiker, d.h. Kulturkritiker. Dessen Beschreibung der 'Totalen Arbeitswelt' stellt er die Muße als zweckfreies Tun gegenüber. Ganz in der Tradition der klassischen Theologie.
Überhaupt sind Piepers Bücher über die Kardinaltugenden immer noch die beste Antwort auf die Gesinnungsethiken. ( Weltoffenheit, Toleranzreligion)
Josef Pieper taucht auch im Staatspolitischen Handbuch 3 als Vordenker auf.
Bald ist Weihnachten. Zeit, an Bücher ranzukommen !

Martin
13. November 2014 12:13

HoGeSa Demo am Wochenende wurde jetzt, wenn auch mit deutlichen Auflagen, erlaubt:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/hogesa-gericht-erlaubt-anti-salafisten-demo-in-hannover-a-1002656.html

Meyer
13. November 2014 17:46

@ Fremder aus Elea

Da haben Sie natürlich recht. Nur diese Macht der Masse war selten erfolgreich ohne mediale (und sei es der Bibel-Druck) Lenkung.
Die Massenmedien in der BRD hingegen dienen der Lenkung dieser Massen und entzweien die Deutschen (und die Minderheiten) in allen nur erdenklichen Fragen - um sie von den wenigen relevanten Fragen abzulenken (teile und herrsche!).

Es wäre interessant, alles das aufzulisten, was für die BRD als in Stein gemeißelt fest steht. Das sind jene Entscheidungen, die ihr Wesen ausmachen; das sind jene Entscheidungen, die sie als Zwitterwesen bestimmen: "Dominion" (also unsouveräne Kolonie gegenüber dem Hegemon und gleichzeitig wirksames Herrschaftsinstrument über die Bevölkerung).

Man könnte die Auflistung der Entscheidungen eindampfen. Der mineralische Rest bliebe: die "Westbindung" als einzige conditio sine qua non der Existenz der BRD.

Die Einmütigkeit der Presse, als Mittel der psychologischen Dauerkriegsführung gegen ein einiges deutsches Volk, ist ein Indiz dazu, daß sie (auch ohne Ulfkotte hätten wir es geahnt) ein Mittel der Fremdherrschaft ist. Deshalb meine Frage: Wer war Axel Springer? Etwas anderes als Chodorkowski in Rußland?

Ein Strohmann. Das Lizensierungsverfahren der Presse nach der Niederlage indiziert, daß dieser Vorgang strukturell ablief.

Das Niedergang der herkömmlichen Presse und das Aufkommen einer neuen medialen Struktur via Internet wird zwei direkten Folgen haben:
-Divergenz in den Inhalten - die Meinungen treiben aueinander, Unsicherheit in der Beurteilung einer Behauptung als Wahrheit, deshalb Rückkehr quaisreligiöser Bekenntnisse,
-Versuch der Staaten, die Herrschaft über "das Netz" zu erlangen.

Und das wird die Entwicklung der Massen befördern:
- Chaos, Glaubenschaos, Zerfall in leicht lenkbare Gruppen,
- Versuch der Staaten, die Ordnung mit drastischen und zunehmend totalitären und gesetzesnegierenden Mitteln zurückzuerobern,
- Versuch der Staaten und NGOs den Zerfallsprozeß zu lenken.

Der Ausgang ist nicht determiniert, sondern offen, solange der Staat die Herrschaft über das Netz nicht zurückgewinnen kann. Schafft er es, so folgt eine bleierne Zeit.

Die Massen werden gelenkt und lenken nicht.

Die "Rechte" formuliert lediglich die Überlebensvorausetzungen eines Staates. Dennoch negiert die Politik offensichtlich jedes auf die politische Existenz gerichtete Erfordernis, nicht nur in der BRD, in der ganzen westlichen Welt (außer den USA - außenpolitisch).
Das ist kein Zufall, sondern, so die daraus induzierte Vermutung: Struktur. Reale Machtstruktur.

Die "Rechte" glaubt hingegen mehrheitlich immer noch an die ideologische Fehlerhaftigkeit der eigenen Führung, anstatt daß sie zur Kenntnis nimmt, daß es sich dabei um die Existenzvoraussetzungen aller westlichen Staaten (also des modernen Pendents zum attischen Seebund) handelt. Die Politik wird gerade durch die Massen gelenkt. Diese wiederum werden gelenkt (und abgelenkt) von den Massenmedien.

Zweitens verkennt die "Rechte" daß es hier nicht um Ideologie geht, der man intellektuell (a la Gegen-68) etwas entgegensetzen könnte (auch nicht um Stil), sondern darum, zu erkennen, daß der Einfluß gering bleiben wird. (Anders als bei '68, die im Interessenrahmen des Hegemons gedacht und gehandelt haben. Die linke Welle ist in allen westlichen Staaten losgetreten worden. Die Epizentren, einige Universitäten in den USA, kann man deutlich ausmachen. In Frankfurt wurde bloß nachgeplappert.)

Dennoch ist gerade die Arbeit der Sezession (als Paradebeispiel) entscheidend. Erstens um diejenigen, die letztendlich aus weitgehend eigener Kraft einen Selbstschutz gegen die massenmediale (und konsumistische) Beinflussung besitzen eine gesitige Bestätigung zu geben und deren Intentionen auch gedanklich zu untermauern. Wieviele Menschen man erreichen kann? Wahrscheinlich: Mehr als gedacht, weniger als erhofft.

Weiter wird es entscheidend sein, einen "Plan B" zu erarbeiten, der es erlaubt, deutsche Strukturen auch in einem in Zukunft mehrheitlich nicht-deutschen Staat zu errichten, bzw. Strukturen, die auch in einer existenziellen Krise der BRD bestehen können.

Zusammenfassung:
- Ja, es kommt auf die Massen an.
- Aber: Vor allem auf die Fähigkeit, diese konzertiert zu beeinflussen.
- Die derzeitige Beeinflussungsfähigkeit der Etablierten Kräfte geht zurück (bei gleichzeitiger Erhöhung der Konzertiertheit und Einheitlichkeit).
- Es ist aber keine andere Kraft in Sicht, die das übernimmt, sondern es handelt sich um eine Auflösung der alten Strukturen zugunsten des Internets.
- Die Tendenz, daß staatliche Strukturen dauerhaft schwinden (van Creveld), dürfte nicht nur durch finanzökonomische Entwicklung, sondern auch durch das Schwinden der massenmedialen Herrschaftsstrukuren beschleunigt werden.
- Die Masse alleine ändert nur etwas zum besseren, wenn sie entsprechend gelenkt wird.

Nemo Obligatur
13. November 2014 20:56

"Im Gespräch mit dem Nachbarn oder dem Vereinskameraden über Namen und Themen anknüpfen zu können: Das ist die Auswirkung der Erfahrung, daß doch etwas möglich sei."

Das trifft es gut. Das ist auch meine Erfahrung. Vielleicht keine Einbahnstraße und man wird auch nicht immer offene Türen einrennen. Aber der Vergleich mit sagen wir 2011 ist frappierend: "Da geht noch was", würde ich sagen. Hoffen wir, daß die Sezessionisten mit dem einen oder anderen Zwischenruf gehört werden. Mehrheit, Meinungsführer gar - das möchte ich gar nicht sein.

Schmidt
13. November 2014 21:38

@Meyer
"Weiter wird es entscheidend sein, einen „Plan B“ zu erarbeiten, der es erlaubt, deutsche Strukturen auch in einem in Zukunft mehrheitlich nicht-deutschen Staat zu errichten, bzw. Strukturen, die auch in einer existenziellen Krise der BRD bestehen können."

Bitte haben Sie noch etwas Geduld.

Windwärgut
14. November 2014 20:57

"Man sollte in Rechnung stellen, das der normale Bürger trotz Einschüchterung erst einmal den Hintern bewegt hat."
Das ist ja richtig großzügig gegen die "Masse" von der "Elite" (realiter oft nur als Forenhelden, Klassikerzitierer, Kommentarschreiber und Plan B-Erarbeitungs-Anreger auftretend).
Und nein, es ist nicht richtig, dass Maulheldentum besser ist als gar nichts, Maulheldentum ist gar nichts. Wobei "auf die Straße gehen" schon mehr ist als bloßes Maulheldentum.

Leser
14. November 2014 21:36

Ich wünschte ich könnte was geistreiches beitragen, aber ich bin schon beim tschechern. Hab mich jedenfalls gefreut, mal wieder was von Meyer und Schmidt zu lesen.

Hartwig
15. November 2014 21:40

@ Windwärgut
Für Sie, der ein Anhänger der Wortklauberei zu sein scheint:
Ich war am vergangenen Montag in Dresden. Es ist besser als gar nichts, ... und es ist Maulheldentum (für einen Leipziger ist schon das Ertragen des Dresdner Dialekts eine Heldentat ;-), sächsisch ist nämlich nicht gleich sächsisch: alle Dresdener vom Montag: Respekt!!! Und das mit der Mundart ist zu 38 Prozent spassig gemeint).
Maulheldentum = Kein Heldentum aber ein verbales Inaussichtstellen von Heldentaten ... oder so ähnlich; also ein Anfang ... ohne Gewähr einer Entwicklung.
Wir werden sehen. Ich versuche es einzurichten, am kommenden Montag wieder dabei zu sein. Soll wohl etwas ungemütlicher werden. Es kommt also auf jeden einzelnen an.

Windwärgut
16. November 2014 17:01

An Hartwig
Wortklauberei kann beim dem sonst hier üblichen Wortgeklaube gar kein Vorwurf sein.
Allerdings ist "auf die Straße gehen" in meinen Augen schon mehr als Maulheldentum dem oft genug nichts folgt.
Zum Dresdner Dialekt haben Sie recht, sagt ein Leipziger der jetzt heldisch das Schwäbische in Mundart und Art erträgt.

Götz Kubitschek
16. November 2014 21:32

badeschluß, mädels, badeschluß.
gruß! kubitschek

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