Sezession
21. November 2014

„Was tun mit Rußland?“ – Die Libertären tagten auf Usedom

Ellen Kositza / 20 Kommentare

Sie machen das Leben schön und die Welt interessant - die Dinge, die erstens anders, zweitens “als man denkt“ sind. Kategorien helfen beim Denken und Strukturieren: Links ist rot, und rot ist der Osten - wenigstens am Tagesbeginn. Der Osten ist sozialistisch. Dieser Tag ist nun aber schon alt - seit vielen Jahren. Die Dämmerung fällt, die Konturen verschwimmen im Zwielicht: So läßt sich das Resultat der ersten großen Konferenz des Monatsmagazins eigentümlich frei (ef) zusammenfassen, die unter dem Konterfei eines sonnenbebrillten, somit verborgenen Wladimir Putin die Ausgangsfrage gestellt hatte: „Wer bedroht unsere Freiheit mehr - Ost oder West?“

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Drei Novembertage lang debattierten neunzig Teilnehmer und sechzehn Referenten in einem Grandhotel an der Ostsee zum Thema „Was tun mit Rußland?“ Ef, 1998 gegründet und herausgegeben von André Lichtschlag, versteht sich als libertäre, heißt: marktradikale Stimme. Klassische Liberale und Anarchokapitalisten finden hier ihr intellektuelles und nonkonformes Forum. Lichtschlags Selbstverständnis: „Erst mit seinem Eigentum kann jeder tun und lassen, was er für richtig hält, ganz eigentümlich und freisinnig. Der Massenmensch kollektivistisch-totalitärer Ideologien dagegen ist eine Nummer, austauschbar und gewöhnlich. Er muss andere um Erlaubnis bitten. Und er wird dabei zwangsläufig feige und verlogen.“ Man sieht sich auf Seiten „der libertären Gegenwehr, gegen die zunehmende neosozialistische Enteignung.“

"Westler sind bedrohlicher!", hätte der Oberflächengutachter die Ausgangsfrage der Konferenz beantworten können. Doch mitnichten. Der Austragungsort Usedom, viele hundert Kilometer von der rheinischen Basis des Magazins entfernt, durfte als Omen gelten: Es zündete ordentlich. Neben kulturellen Einlagen (etwa der orthodoxe Konvertit und Verleger Gregor Fernbach über die „Neumärtyrer“ Alexander Schmorell und Zar Nikolaus II.; formal kontrapunktisch dazu eine putinkritikerkritische Einlage der Kultfigur Dr. Alfons Proebstl) gab es ordentlich Feuer von beiden Seiten.

Als dezidierte Anti-Ostler standen der Publizist und Fernsehproduzent Günther Ederer (aktuelle Publikation: Träum weiter Deutschland! Politisch korrekt gegen die Wand) und der libertäre Blogger Igor Ryfkin als deutliche Minderheit gegen die Westbindungsskeptiker. Beide hatten an der Ostsee mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen: Ryfkin mit seiner polemischen Kritik an Alexander Dugin, die zugleich die Konservative Revolution als Wegbereiter des NS, Alain de Benoist als Rechtsextremisten und Carl Schmitt als in der Wolle gefärbten Antisemiten auffaßte, und Ederer, der erstens die Rolle westlicher Geheimdienste bei diversen osteuropäischen „Revolutionen“ unwirsch vom Tisch wischte und zweitens einen generalisierten homo sowjeticus ausmachte, der nicht an Freiheit, sondern an Gewalt interessiert sei.

Dem stand die Aussage Thomas Fasbenders gegenüber, der seit über zwanzig Jahren in Moskau lebt: „Ich fühle mich dort freier.“  Ein Glanzlicht neben dem Vortrag von Christoph Braunschweig (Eine kritische Bilanz zur Ökonomie Rußlands) stellte der Vortagsblock mit Robert Grözinger (Die Rolle der Medien und des Internets im neuen Ost-West-Konflikt), Bruno Bandulet (Die geopolitischen Ambitionen und Herausforderungen Rußlands) und Erich Weede (Ein schwaches Rußland ist nicht im deutschen Interesse) dar.

Ob Fetzen geordnet fliegen können?  Können sie, hier wurde es unter Moderation des subtil-klugen ef-Urgesteins Carlos Gebauer vorexerziert. Grözinger hatte in seinem Beitrag die Rolle des dezentralen Internets als „Hauptkampfplatz“ des Ukrainekonflikts dargestellt. Vor Jahren sagten Medienkenner, Pressefreiheit sei die Freiheit etwa 200 reicher Leute, ihre Meinung zu verbreiten. Peter Scholl-Latour korrigierte bereits, die Zahl habe sich auf vier oder fünf reduziert. Nun der Bruch: Grözinger parallelisierte – keineswegs blindlings optimistisch - die durch den Buchdruck ermöglichte Reformation mit der „Internetreformation“ ein halbes Jahrtausend später.

Banduelt und Weede feilschten an Details, was die Rolle Deutschlands, „eingeklemmt zwischen Jakobinern im Westen und Bolschewisten im Osten“ (Gebauer) betrifft. Daß es „Vasallenbande“ seien, die ein nicht-souveränes Deutschland an die USA knüpften und daß sich Deutschland unter der „Schuldknechtschaft fremder Schulden“ befinde, war Konsens. Ebenso, daß „der Westen Rußland in Chinas Arme prügelt“ (Weede). Bandulet fordert vehementer als Weede eine Emanzipation von der USA. Bei Ederer blieb da nur Kopfschütteln, gar über Stunden. Auch dies: eine Bewegung!


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (20)

Tom Prox
21. November 2014 12:38

Fest steht jedenfalls, dass wir unser Land nicht einseitig auf die Seite Rußlands stellen können. Das wäre der ökonomische Gau für Deutschland, wenn man alleine die vielen Autoexporte ( Porsche, Audi, BMW ) in die USA betrachtet. Es gibt für uns aus rein ökonomischen Gründen kein "entweder USA oder Rußland ".
Viel wäre für unsere Souveränität schon geholfen, wenn man die tausende US-Spione im Land rausschmeißen würde und die ca 70 000 noch verbliebenen GIs mitsamt ihrer atomaren Bewaffnung dazu . Ich vermute, dass es geheime Verträge gibt, in denen uns die USA gezwungen haben bis auf unabsehbare Zeit den europäischen Festland-Flugzeugträger für die Amis zu spielen.

Deutschland hat nunmal eine unschätzbar wichtige, geographisch - strategische Position in Europa. Und welcher imperiale Staat gibt sowas
freiwillig auf ?

Deutschland ist eine starke europäische Mittelmacht, die zu Rußland und den USA gute Beziehungen pflegen sollte . Diese Stärke beruht im wesentlichen nur auf unserer hochentwickelten Ökonomie und der Wucht des wettbewerbsfähigen Exports. Der demokratisch überhöhte, typisch deutsche Idealismus, den Merkel gegenüber Rußland dummerweise ausgiebig pflegt, sollte auf Normalmaß geschrumpft werden.

Was gegenüber China ( s. Tibet ) toleriert wird und geht , müßte doch bei Rußland auch funktionieren.

Gustav Grambauer
21. November 2014 12:40

Herr Prox,

"Das wäre der ökonomische Gau für Deutschland, wenn man alleine die vielen Autoexporte ( Porsche, Audi, BMW ) in die USA betrachtet."

... und die mit Luftgeld bezahlt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=HlfrjJ3JL5Q

Am Tag X wird abgerechnet.

- G. G.

Martin
21. November 2014 12:44

Fest steht jedenfalls, dass wir unser Land nicht einseitig auf die Seite Rußlands stellen können.
...
Was gegenüber China ( s. Tibet ) toleriert wird und geht , müßte doch bei Rußland auch funktionieren.

Von einem Hegemon sich an den anderen heranschmeißen war noch nie ein guter Rat, daher vollkommen richtig, dass Deutschland sich nicht einseitig auf die Seite Russlands stellen kann.

Der Vergleich mit China/Tibet hinkt aber leider gewaltig, da China sich Tibet zu einem Zeitpunkt einverleibt hat, als es weltpolitisch noch nicht die große Nummer war, die es heute ist und Russland nach einem Land (die Ukraine) strebt, dessen territoriale Integrität es selber im Budapester Memorandum garantiert hat. Eine Garantie ist mehr als die entsprechende Anerkenntnis nach den UN- Regularien. Von daher hat Russland selber es in seiner Zeit der Schwäche zugelassen, dass sich diese Ländern nun einmal gebildet haben und auch bei der "Freiheit" sollte gelten, "geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen".

Unabhängig von der Ukrainefrage sollte man aber auf rechter/konservativer Seite sich einmal ernsthaft überlegen, ob die dort so gerne gepflegten Pro-Russland/ Pro-Putin Meinungen nicht eher darauf beruhen, dass man eben Sympathie für Putin/Russland empfindet, weil dieser dem "Westen" die Stirn bietet und nicht zu allem Ja und Amen sagt. Wenn man einmal dieses Argument, nach dem Muster "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" für einen kurzen Moment bei Seite legt und sich Russland in seinem derzeitigen Zustand anschaut, dann kann einem recht schnell auffallen, dass dies ein Land des gnadenlosen Kapitalismus und der Ausbeutung ist und zwar bereits in der Stufe des Oligopolistentums (daher auch der Ausdruck "Oligarchen") und ein Land ist, das moralisch noch immer die staatsverordnete Gottlosigkeit von über 70 Jahren Sozialismus zu verdauen hat (nicht umsonst hat dieses Land eine der höchsten Abtreibungsquoten weltweit - Da sind die Zahlen in Deutschland im Vergleich dazu fast marginal und die sind ja bekanntermaßen schon sehr hoch). Die wenigen Renaissancen in Form der orthodoxen Kirche und einigen konservativen Schreibern darf man nicht überbewerten.

Zusammengefasst: Es liegt im ureigenen Interesse Deutschlands, mit Russland sehr gut auszukommen und hier auch moderierend als Vasall im Westbündnis aufzutreten. Vermutlich macht das Herr Steinmeier wohl auch. Als "Systemalternative" oder "Vorbild" oder gar zukünftiger "Bündnispartner" taugt Russland aber mitnichten, denn Russland selber ist Deutschland weitaus weniger wohlgesonnen, als es sich viel hier erträumen.

Monika
21. November 2014 14:35

Rückblende

Ich erinnere an die Zeiten des Kalten Krieges , als Europa geteilt war.

1. die Linke hat es nie interessiert, was hinter dem Eisernen Vorhang geschah. Die Verbrechen des real-existierenden Sozialismus wurden mit einem Fingerschnipp weggewischt. Um den hehren Traum vom Sozialismus nicht zu zerstören. Die westliche Linke hat die Arbeiterklasse ein zweites Mal verraten. Und sie träumt bis heute....

2. die Rechte hat es auch nicht interessiert, was hinter dem Eisernen Vorhang geschah. Nicht mal, wie es dem eigenen Volk ging. Es ging ihr weniger um die Freiheit von Völkern und Volksgruppen als um Landverlust und zumindest ideologische Landrückgewinnung.

3. und die Etablierten und Großmächte hatten sich mit dem geteilten Europa abgefunden und wunderbar arrangiert.

Sehr wenige Intellektuelle in Westeuropa ( vor allem Frankreich) oder USA interessierten sich für den real-existierenden Sozialismus.

Einer davon war Wolfgang Strauss, der den Zerfall des Sowjetimperiums für die 80-er Jahre klar voraussah, aber auch die westlichen Begehrlichkeiten:

"Heute ist sonnenklar: Die Feinde der "Solidarität" saßen nicht nur im Kreml, in Ost-Berlin, im Hradschin, im Warschauer Politbüro. Das sozialistische, christlich-nationale neue Polen mit seiner Avangarde, der Bauern-, Studenten- und Arbeitergewerkschaft Solidarnosc, wurde auch von etablierten Kräften im Westen gefürchtet, vielleicht sogar gehaßt. Privatkapitalisten , Multis, Banker, Sozialdemokraten, seelenlose Technokraten , wertneutrale Liberale, Steinzeitkommunisten, Moskaupilger aller Farben, sie alle, Privilegierte und Apologeten der herrschenden Zustände - der in Jalta festgeschriebenen Machtverhältnisse -, fühlten sich durch das Neue in Polen existentiell herausgefordert. Sie spürten die Erschütterung ihrer Herrschaftsfundamente.

In: Wolfgang Strauss, Lieber stehend sterben als auf Knien leben
Die verratene Arbeiterklasse Von Kronstadt bis Kattowitz

Wolfgang Strauss würde Dugin milde lächelnd einen Spinner nennen, Benoist einen Pappheiden und Altlinke, die nach Moskau pilgern ( siehe aktuelle JF) mindestens schillernde Gestalten,.

Ja, ein paar hofften damals auf einen dritten Weg ( Ota Šik) zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Wir waren jung und naiv.

Als die Mauer fiel, da wurden die Felle ( = Bananen) schon verteilt, als der Bär ( Entschuldigung ! Die Affen) noch steppten.
Auch ich dachte damals : Da ist noch mehr drin. Mehr als die Freiheit, zwischen 40 Joghurtsorten wählen zu können.
Und die geschichtsvergessene 25 Jahr Party in Berlin - ernüchternd.

Deshalb und nur deshalb sollten die freiheitsliebenden Europäischen Völker genau schauen, was da passiert.

Einen weiteren Verrat wird Europa nicht überleben.

Carabus violaceus
21. November 2014 14:59

„Erst mit seinem Eigentum kann jeder tun und lassen, was er für richtig hält, ganz eigentümlich und freisinnig. Der Massenmensch kollektivistisch-totalitärer Ideologien dagegen ist eine Nummer, austauschbar und gewöhnlich. Er muss andere um Erlaubnis bitten. Und er wird dabei zwangsläufig feige und verlogen.“ Man sieht sich auf Seiten „der libertären Gegenwehr, gegen die zunehmende neosozialistische Enteignung.“

Genau aus dem Grund kann ich mit diesen libertären Marktradikalen nichts anfangen. Es existieren schlichtweg keine "neosozialistischen Enteignungen",

Einwurf Kositza: Zahlen Sie Steuern? Evtl. den Höchstsatz? Grundsteuern? Grunderwerbssteuern? Hatten Sie je mit "Zwangsanschlüssen" zu tun? Sowohl was den Rundfunk als auch die öffentliche Fäkalentsorgung angeht? Haben Sie von den Stichworten "Krippenoffensive" und "Bildungsplan" gehört? Mir - als Bürgerin, Mutter, Eigentümerin - setzen schon mal all diese Punkte sehr zu.

da das Gegenteil der Fall ist. Stichwort - Privatisierung des Postwesens, des öffentlichen Personennahverkehrs, öffentliches Wohneigentum etc.

Sogar die Linkspartei (!) hat 2006 zur Wohnungsprivatisierung in Dresden beigetragen, übrigens an einen US-Investor! Siehe hier: https://www.who-owns-the-world.org/2006/03/20/jenseits-der-roten-linie-in-dresden-haben-linkspartei-politiker-fuer-die-privatisierung-von-oeffentlichem-wohneigentum-gestimmt-aus-finanznot/

Dietmar Bartsch von den Linken redete seinerzeit sogar einer "progressiven Entstaatlichung" das Wort - https://www.who-owns-the-world.org/2006/08/30/pressespiegel-trubel-in-der-linken-um-privatisierungspolitik/ - und ist sich damit im Geiste mit Lichtschlag und Co. einig.

Wenn wir uns wirklich von den USA emanzipieren möchten und eine "europäische Großraumordnung mit interventionsverbot für raumfremde Mächte" anstreben, so gilt das natürlich auch für die Wirtschaft. Mit Sicherheit besitzen Anteilseigner aus Übersee große Summen an Aktien, wodurch das Problem der Verlagerung des Kapitals entsteht - "Das Kapital kennt keine nationalen Grenzen". Der Staat sollte hierbei also verstärkt eingreifen.

Das libertäre Argument, das jetzige System wäre nicht kapitalistisch sondern sozialistisch, kann damit entkräftet werden. Der Staat mag zwar Einkommen besteuern und Steuersätze von über 50 % erheben, aber auch dieses Geld wandert letztenendes in private Taschen, da die Politik von Wirtschaftslobbyisten durchsetzt ist - in dieser Hinsicht fehlt also der starke Staat.

Carabus violaceus
21. November 2014 15:07

Nachtrag: ...große Summen an Aktien "deutscher" Produzenten, wie Audi, BMW...

Martin
21. November 2014 15:53

Mit Sicherheit besitzen Anteilseigner aus Übersee große Summen an Aktien

So einfach ist es nicht. An den sog. DAX Unternehmen besitzen mindestens ebenso große Anteile - vermutlich sogar deutlich mehr - auch Personen/Gesellschaften/Gruppen aus dem arabischen Raum, aus China und auch aus Russland (und natürlich noch aus einigen Ländern mehr).

Karl
21. November 2014 18:02

@ Carabus violaceus

"Es existieren schlichtweg keine „neosozialistischen Enteignungen“, da das Gegenteil der Fall ist."

Eben, wenn dann findet eine Enteignung von Volksvermögen statt, in manchen Fällen dürfen wir es dann "günstig" leasen, damit bei uns die Lichter nicht gleich ausgehen.

Die Liberalen (Libertären) haben sowieso einen an der Waffel. Hayek hatte im Jahr 1944 sein Buch „The Road to Serfdom“ publiziert, in dem jede Form von Sozialpolitik als Vorstufe für Sozialismus, Faschismus und Kommunismus diffamiert wurde, was ihm in den USA gleich eine Millionenauflage verschaffte.

Für die in der US-Presse als große Philosophin gefeierte Ayn Rand sind Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen der Reichen nur ein verabscheuungswürdiger Diebstahl an denen, die unserer Gesellschaft allen Reichtum durch ihre Leistung schaffen. Wer arm ist, soll die gerechte Strafe für seine durch mangelnde Leistung selbstverschuldete Lage ertragen. Soziale Leistungen des Staates würden nur die Faulheit belohnen und fördern.

Der Forderung nach Liberalisierung folgt die Auflösung aller nationalen und sozialen Strukturen, die dem Menschen Halt und Sicherheit
geben. Wer will denn sowas?

Weltversteher
21. November 2014 20:33

Tom Prox: ...auf die Seite Rußlands stellen können. Das wäre der ökonomische Gau für Deutschland...

Ich verstehe überhaupt nicht, wieso Rußland ein (ökonomischer) Gau Deutschlands werden sollte. Wurden solche Pläne nicht eher dem Gröfaz nachgesagt?

Bernhard
21. November 2014 20:41

Auch hier gilt, das Gemeinsame mit den Libertären zu suchen, das Trennende aber nicht zu unterschlagen.

Gustav Grambauer
21. November 2014 22:04

Karl, das Konzept des Liberalismus kulminiert in der "Schöpferischen Zerstörung", wo er sich mit dem Bolschewismus amalgamiert: "Getrennt marschieren, vereint schlagen"

Wikipedia verschweigt dies nicht einmal:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schöpferische_Zerstörung

- G. G.

Stil-Blüte
21. November 2014 22:58

@ Carabus violaceus

Die berühmte Sandsteinfigur 'Herkules besiegt Cerberus' von Balthasar Permoser im Großen Garten in Dresden ist nur Mythos. Hier hat Cerberus, Sitz in New York, 2006 die besten Filetgrundstücke gefressen. Damit hat der Höllenhund hier zum 3. Male gesiegt (13. Februar 1945, sozialistischer Abriß und nun 2006). Welche Städte, Dörfer, Werke, Landschaften blieben eigentlich von seiner Gefräßigkeit verschont?

Ellen Kositza
21. November 2014 23:11

In der aktuellen JF - leider nicht online, aber diese Nummer lohnt ohnehin den Kauf - haben sie zum Thema Rußland/Ukraine übrigens ein höchst interessantes Langinterview mit John Mearsheimer. Online und ausführlich findet man Mearsheimer hier: https://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/putin-reagiert-560/

Irrlicht
22. November 2014 02:15

Da Kositza Maersheimer ins Spiel bringt: Für ihn ist die geopolitische Auseinandersetzung ein Schachspiel, mit Jalta als Ausgangsstellung. Wie wenig relevant der Ausgang dieses Spiels um die Ukraine für den Status Deutschlands ist, wird in einem von ihm gehaltenen Vortrag über Chinas Aufstieg deutlich, in dem auf die Frage nach der möglichen Prioritätenverschiebung der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik von Europa nach Asien eine Begründung dafür gibt, warum sich die USA nicht aus Europa zurückziehen sollten: Im Fall eines Rückzugs sei nicht das sich im Niedergang befindliche Russland ein Problem, das sich den USA stellende wesentliche Problem sei die Frage: Was würde mit den Deutschen passieren? Die Sicherheitslage in Europa würde sich grundlegend ändern, insbesondere der Deutschen wegen, und es seien tatsächlich eher die Deutschen als die Russen, weshalb alle nervös seien.
( https://www.youtube.com/watch?v=eOXSXOIWC2U ab 1:11:30 und ab 1:14:00)

RL
22. November 2014 10:26

Der US-Alptraum ist ein Bündnis zwischen Deutschland und Rußland. Deutscher Erfindungsgeist und Fleiß gepaart mit den Bodenschätzen Rußlands, würde die Amis zu einem wirtschaftlichen Zwerg degradieren.
Dies wollen die Vereinigten Staaten mit allen Mitteln verhindern.

Ein Fremder aus Elea
22. November 2014 10:39

„Wer bedroht unsere Freiheit mehr – Ost oder West?“

Wir selbst. Wer sonst?

Ich habe die Gründe für unsere heutige ökonomisch-gesellschaftliche Lage heute morgen auseinandergesetzt:

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2014/11/zur-ausschuttung-der.html

Zu Rußlands allgemeiner politischer Lage habe ich dies geschrieben:

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2014/11/kleine-geschichte-der-ethnischen.html

Die einzige Frage, welche sich einem russischen Vertreter zu stellen lohnte, ist diese:

"Auf welcher Grundlage habe sie die Lage in der Ukraine nach dem Putsch so kritisch eingeschätzt, daß sie die Abspaltung der Krim derart bündig unterstützt haben?"

Wird nicht gefragt.

Die Frage an die Ukraine wäre: "Warum stellen sie sich so dumm an?" und die Frage an die FAZ wäre: "Warum ist es Ihnen gleich, wie sich die Ukraine anstellt? Denken Sie nicht, daß es besser wäre, konstruktive Kritik zu üben, um ihren Kurs positiv zu beeinflussen?"

Wird auch nicht gefragt.

Nun ja, weit entscheidender ist aber, wie gesagt, was wir uns selbst antun.

Andrenio
23. November 2014 09:15

Interessiert jemand wirklich, was die USA geostrategisch planen? Wer der englischen Sprache mächtig ist, braucht sich nur das Buch von Zbigniew Brzezinski "The big chessboard" aus 1997 zu Gemüte führen und schon stellen sich die nachfolgenden Ereignisse wie eine Blaupause dar. Übrigens: wer sich die deutsche Ausgabe "Die einzige Weltmacht" als Taschenbuch zulegte, kann jetzt Preise über € 149 erzielen. Warum wohl? Spricht nach libertärem Verständnis für ein knappes Angebot bei deutlich höherer Nachfrage.
Auf dem Kongress in Usedom, der übrigens in seiner Vielfalt kaum zu toppen war, kamen die geopolitischen Themen leider erst am Schluss, als alle schon zum Aufbruch drängten.
Besonders hervorzuheben waren die Vorträge derjenigen, die in Russland leben und einen einzigartigen Blick ins Innenleben dieses riesigen Landes gaben. Ganz besonders kann man das Buch von Thomas Fasbender als Festtagslektüre ans Herz legen " Freiheit statt Demokratie, Russlands Weg und die Illusionen des Westens". Ellen Kositza gab die durch ihren persönlichen Kommentar die Anregung dazu. Habe gleich einen Stapel gekauft zum Verschenken.
Überhaupt nicht einleuchten kann mir nach der Tagung der angebliche Gegensatz zwischen Konservativ/Rechts und Libertären. Vielmehr ist es die ideale Ergänzung: Was den einen an Gehlen'schem Denken in Institutionen abgeht, fehlt den anderen an Verständnis für Geldwerttheorie und Wirtschaft.
Übrigens: Die Libertären scheinen sich dem geopolitischen Denken eher anzunähern als die klassische Rechte. Mahan, Mackinder, Haushofer, Brzinski und Mearsheimer kommen dort weit häufiger vor. Dugin hat übrigens eine der hellsichtigsten Analysen zum Ukraine-Krim-Konflikt geliefert. Seine geopolitischen Analysen sind Pflichtlehrstoff an russischen Militärakademien.
Noch ein Wort zum Dollarfalschgeld: Versuchen Sie bei Ihrem Nachbarn mit Monopolygeld einzukaufen...das kann nicht gut enden. Die einzigen die von Anfang nach dem Motto Mediamarkt gehandelt haben, waren die Saudis, die sich nur mit Gold bezahlen ließen. Dies ist vielleicht auch der Grund, dass sich niemand ernsthaft um den in den USA lagernden deutschen Goldschatz kümmert. Könnte ja sein, dass er gar nicht mehr da ist. Dasselbe Schicksal scheint auch das ukrainische Gold ereilt zu haben. Im Tausch gegen die Milliarden von Frau Nuland?

Carabus violaceus
23. November 2014 22:13

@ Frau Kositza: "Zahlen Sie Steuern? Evtl. den Höchstsatz? Grundsteuern? Grunderwerbssteuern? Hatten Sie je mit „Zwangsanschlüssen“ zu tun? Sowohl was den Rundfunk als auch die öffentliche Fäkalentsorgung angeht? Haben Sie von den Stichworten „Krippenoffensive“ und „Bildungsplan“ gehört? Mir – als Bürgerin, Mutter, Eigentümerin – setzen schon mal all diese Punkte sehr zu."

- ich stimme Ihnen vollkommen zu - der Bürger wird hier mehr oder weniger gegängelt. Aber: Steuerabgaben waren im real existierenden Sozialismus der DDR sehr gering, so das sich daran niemand wirklich gestört hat, natürlich waren die Löhne auch geringer. Gemessen am heutigen Steueraufkommen, war dies höchstens ein Bruchteil. Hinzu kamen aber wiederum noch Vergünstigungen: Eine Art "zweite Lohntüte" mit günstigen Lebenserhaltungskosten etc. Aber mir geht es hier nicht um den Vergleich ehem. DDR - BRD. Mit "Zwangsanschlüssen" für Biokläranlagen / Fäkalentsorgung haben wir bei uns im Ort auch zu kämpfen - derartige Verordnungen, die das Privateigentum betreffen, nach dem Motto: "bis zum ... muss ihr Grundstück diese und jene Neuerung aufweisen", gab es damals nicht. Zu den aberwitzigen Bildungsplänen ala Gender und Frühsexualisierung: Das sind Hirngespinste von linken Reformern (Linkspartei) und linksliberalen Grünen - aktuell sollen solche destruktiven Ideen in Thüringen ja in die Praxis umgesetzt werden. Zu DDR-Zeiten wären solche Leute mit ihren gesellschaftszersetzenden Ideen und Tendenzen höchstwahrscheinlich in Bautzen gelandet. Man kann dem Ostblock viel Schlechtes vorwerfen, aber in Hinsicht auf die kulturelle Wertevermittlung war das kommunistische System "kulturkonservativ" geprägt. Diese Einschätzung habe ich sogar mal beim konservativen US-Autor Prof. Paul Gottfried gelesen.

Mir geht es eher um die sog. "Libertären": wenn sich nun libertäre Marktradikale in der "DDR 2.0" wähnen und die "Sozialismuskeule" schwingen, kann ich das eben nicht ernst nehmen. Die "Bolschewismus / Sozialismuskeule" ist im Übrigen also genauso sinnlos wie die "Faschismuskeule" mit der man uns täglich malträtieren will...

Simon
25. November 2014 12:58

Natürlich waren die Steuern in der DDR niedrig, die DDR hätte auch gar keine Steuern einziehen müssen. Wozu auch? In einer Planwirtschaft, in der die Plankommission entscheidet wie hoch die Löhne, Preise sind und was produziert wird, haben Steuern überhaupt keinen erkannbaren sinn. Der Staat muss sich ja nicht finanzieren, wenn er etwas haben will, dann ordnet er das einfach an.

Dass die DDR "kulturkonservativ" war, ist eine ziemlich absurde Behauptung. Die DDR hat die Berufstätigkeit der Frauen forciert und mit ihrer Krippenpolitik die traditionelle Familie zerstört. Allein die Zahl der Alleinerziehenden spricht eine deutliche Sprache. Bleibend ist auch, dass die DDR den größten Anteil von Christen und Religionslosen in ganz Europa hat.

Carabus violaceus
25. November 2014 14:06

@ Simon: https://zuerst.de/2013/07/22/identitat-vs-globalismus/

"Paul Gottfried lieferte in seinem Beitrag zum Kultur-Marxismus die ideengeschichtliche Grundierung zum Thema. So sei der Kultur-Marxismus vor allem ein westliches Phänomen, welches in den ehemals marxistischen Ostblockstaaten – zumindest bis zum Kollaps der Sowjetunion 1989/90 – völlig unbekannt gewesen sei. Denn in der Kulturpolitik sei der real existierende Kommunismus stets „konservativ“ ausgerichtet gewesen. Orthodoxe Leninisten, so Gottfried, hätten einen Kulturmarxisten der Frankfurter Schule in ihren Reihen als „Fremdkörper“ betrachtet. Paul Gottfried weiß, wovon er spricht: In jungen Jahren war er selbst Schüler des Philosophen und Soziologen Herbert Marcuse, der auch als intellektueller Vater der sogenannten Neuen Linken gesehen wird.

Der Marxismus der Frankfurter Schule sei mit dem des Bolschewismus nicht zu vergleichen. Der Kultur-Marxismus habe stets auf die westlich-liberalen Gesellschaften Westeuropas und der USA abgezielt. Den Köpfen der Frankfurter Schule sei es vor allem darum gegangen, die Fundamente der westlichen Zivilisation zu attackieren, Professor Gottfried zählte als Beispiele die Familie, die Geschlechterrollen und die Hierarchien auf – aber auch nationale und kulturelle Identität seien in das Visier der Kultur-Marxisten gerückt."

Im Übrigen können wir davon ausgehen, daß die Berufstätigkeit von Frauen in sämtlichen technisch-fortschrittsgläubigen Ideologien forciert wird, egal ob Liberalkapitalismus oder Kommunismus. Dringen Technik, Kommunikation etc. in jeden noch so kleinen Lebensbereich vor, rekrutieren diese Systeme eben sämtliche Kräfte - eine wirkliche "Totale Mobilmachung". In der DDR war auch nicht jeder in einer Krippe, ich zum Beispiel nicht. Meine Eltern haben mir auch stets ein traditionelles Familienbild vermittelt, das geschah auch in sämtlichen anderen Familien (auch bei denen, die die Krippe besucht haben). Zudem: die hohe Zahl der Alleinerziehenden ist wohl eher ein Nachwende-Phänomen.

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