Sezession
1. Dezember 2014

Das war`s. Diesmal mit: Will Vesper, alten Häusern, Herbert Grönemeyer, AfD

Ellen Kositza / 37 Kommentare

26.11.2014 --- In der Süddeutschen Zeitung schildern sie einen „Besuch bei einer Partei in schwerer Sinnkrise“. Gemeint ist und besucht wurde die AfD. Nicht viel Neues in diesem Großbericht. Man äugt: „Leute wie Gauland oder Lucke“ gäben der Jungen Freiheit „selbstverständlich Interviews“, anders als Politiker anderer Parteien, die „Distanz zu dem Blatt“ halten, weil sie „es jenseits des politischen Comments“ sehen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Es heißt weiter, daß „Zeitung und Partei eine Symbiose eingegangen“ seien. „In Büro der AfD im Potsdamer Landtags-Schloss liegt die Junge Freiheit auf den Schreibtischen, andere Blätter [gemeint wohl : Zeitungen, E.K.] sieht man kaum.“ Und : „Bei der nationalkonservativen Wochenzeitung würde sich niemand Sorgen machen, wenn man sie rechts nennt.“ Das kann nur heißen: Der SZ-Autor ist selbst ein Vorgestriger! Denn ich behaupte: Niemand in der JF würde nicht wenigstens von heftigstem Magengrimmen ergriffen, wenn man sein „Blatt“ rechts (ohne Anführungszeichen) nennte.

Passend dazu ist mir Herbert Grönemeyers neuster skeptopatriotischer Hit „Unser Land“ zu Gehör gekommen. Klingt ein wenig wie ein notdürftig gereimtes Werbeliedchen zum "Blatt".  Superhinreißend find ich das wippende Klatschpublikum. Unser Land, unsere Bürger.  Ich kann kaum weggucken!

Lang, breit – wir verliern uns in Gleichgültigkeit
Stumpf, platt – wir bügeln alle Kratzer glatt
Schwarz, rot – stimulierend wie Knäckebrot

 

27.11. 2014

Es heißt, man brauche sich keine Mühe zu machen mit der Spinnenentfernung. Jedes Haus habe ein Spinnensoll, und das Soll werde nicht überschritten. Entfernst du vier, kommen vier neue. Ich glaub das nicht. Unsere Fenster verdunkeln sich jedenfalls, wenn ich mal zwei Wochen lang müßig bin und mich nicht als Rausschmeißerin oder Killerin betätige.

Ob die Spinnenregel auch für Säugetiere gilt? Just an dem Tag, als wir unsere Ziegen an Leute mit mehr Freizeit abgegeben haben, stellte sich eine gepflegte, behalsbandete, sehr große, schmusige, getigerte Katze ein. Sie öffnet Türen, steigt durch gekippte Fenster. Länger als zwei Stunden ist sie nicht draußen zu halten. Wir haben bekanntlich viele Hauseingänge.  Nun ist es so, daß unsere Familie aus vier Katzenfreunden und fünf strikten Katzengegnern besteht, und daß in diesem Punkt bei uns Demokratie herrscht. Also können wir sie nicht behalten. Irgendwo (ziemlich sicher: JF) hatte ich grad gelesen, daß der Intellektuelle zur Katze tendiert, wohingegen der hierarchisch orientierte Konservative den „unterwürfigen“ Hund bevorzugt. Wir sind also summa summarum ein konservativ-intellektueller Haushalt mit leichtem konservativem Übergewicht.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (37)

Langer
1. Dezember 2014 10:27

Braucht jemand eine Katze? Unter unseren Lesern?

Kommt darauf an - welche Rasse Sorte denn?
Nichts gegen die gemeine Hauskatze. Aber wenn man weiss, dass es so etwas wie Russisch Blau gibt, dann will man als Hochintellektueller doch lieber so einen Panther, oder?

Hesperiolus
1. Dezember 2014 12:37

Wie Jünger in den Parerga zu seinen Annäherungen schreibt, leistet die Katze dem musischen Menschen besser Gesellschaft als der Hund. Sie stört die Gedanken, Träume, Phantasien nicht. Sie ist ihnen sogar günstig durch eine sphinxhafte Ausstrahlung. Albrecht Erich Günther...hielt sie für dämonenfeindlich und führte darauf ihren unschätzbaren Beitrag zur Hausgemütlichkeit zurück. Und Gerhard Nebel stimmt Goethe in kaum einer Hinsicht so begeistert zu wie in seiner Abneigung gegen Hunde. Gewiß läßt sich manches für sie anführen, etwa ihre Treue, aber stärker als alles Pro ist das Kontra des Menschen mordenden Gebells...Kaum ein Lärm aber kommt an widrig zerreißender Penetranz dem Gekläff des Hundes gleich, der mithin als einer der fürchterlichen Entmenscher des Menschen bezeichnet werden muß.
Nichts gruseliger als das Anti-Idyll von Neubausiedlung mit (Schäfer-)Hund wie hier 0:30:
https://www.youtube.com/watch?v=qRSCKSPMuDc

Simon
1. Dezember 2014 13:50

Naja, ein Hund kann ein echter Freund sein, eine Katze ist allenfalls ein Mitbewohner. Von Hunden hat man schon gehört, dass sie sich neben das Grab ihres Herrchens gelegt haben, um dort zu sterben.
Mir ist einmal eine Katze zu gelaufen und nach zwei Wochen habe ich die Besitzerin ausfindigt gemacht, als die Dame kam, um ihre Katze abzuholen, hat die Katze sie gar nicht zur Kenntnis genommen, sondern wollte einfach nur weiter dösen. Bei einem Hund ist so ein Verhalten unvorstellbar.

Ich erinnee mich an einen schönen englischen Film aus den 80er, der in der Thatcher-Zeit in der Arbeitsklasse spielt. Im Mittelpunkt der Geschichte stand ein englischer Kohlearbeiter und Gewerkschaftler, den eine tiefe Freundschaft zu seinem Schäferhund verband. Als er von einem Kumpel gefragt wird, warum er sich keine Katze zu legt, antwortet er: "Da kann ich mir auch gleich ne Nutte kaufen."

Albert
1. Dezember 2014 14:27

Will Vesper ist ein Geheimtipp - ein grandioser Lyriker, einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts! Ich bin begeisterter Anhänger von Will Vesper. Will Vesper hat für mich so eine große Bedeutung, weil es ihm gelungen ist, das "Werden" der deutschen Lyrik - also den Prozess der Entstehung - in sein Werk mit einfließen zu lassen. Seine Lyrik ist für mich angewandte Literaturgeschichte ...

Sein beeindruckendes Werk von Hunderten Gedichten und Kurzgeschichten wegen eines oder zwei "ns-affinen" Versen verdammen zu wollen, ist Kulturbarbarei. Da stehen wir doch drüber ...

Eigentlich sollte man mal eine Will-Vesper-Fan-Seite im Internet aufziehen, gibt's noch nicht, habe ich grad gesehen ...

Ob das Zitat über die Juden-Katze stimmt? Ich bezweifle das. Diese Behauptung stammt von Bernward Vesper, und der war zum Zeitpunkt dieser Behauptung nicht gut auf seinen Vater Will Vesper zu sprechen und obendrein scharf auf eine RAF-Schnitte.

Interessanter ist folgende Frage: Wieso ist es den Gegnern Will Vespers gelungen, in unseren Gehirnen den Namen "Vesper" und die Geschichte von der "Juden-Katze" zu verknüpfen? Warum denkt heute jeder, der den Namen Will Vesper hört, zuerst an die angebliche Juden-Katze? Seit 1945 sind Hunderte Artikel verfaßt worden, in denen Will Vesper auf eine angebliche "NS-Affinität" reduziert wird. Heute interessiert sich niemand mehr für diese Argumentation. Einzig die "Juden-Katze" spukt seit einigen Jahren durch unser Hirn ... Erst seit einigen Jahren, möchte man hinzufügen. Was macht das Bild von der "Juden-Katze" gerade heute so erfolgreich - erfolgreicher als die Stapel von Anklage-Literatur? Und zwar so erfolgreich, daß sogar Ellen Kositza diese Geschichte reproduziert?

Rainer Gebhardt
1. Dezember 2014 15:01

Habe meinem Welsh-Terrier gerade gesagt, daß ein Katze besser zu den Büchern paßt, kulturgeschichtlich gesehen. Er hat mich erst ganz komisch angeschaut, und jetzt packt er seine Sachen.

Martin
1. Dezember 2014 15:40

Wir bevorzugen ordinäre Hauskatzen, am liebsten Kater. Die werden dann kastriert und bekommen ihr regelmäßiges Essen und die Tierarztbesuche von uns bezahlt. Im Übrigen lebt so ein Kater dann völlig eigenständig, ohne dass man sich groß um das Tier kümmern muss und hält einem den Garten dann weitestgehend (komplett geht nicht, es stellt sich immer ein gewisses biologisches Gleichgewicht ein) Mäuse-, Wühlmäuse- und Rattenfrei (für die letzten beiden Arten sollte es schon ein Tier mit einem gewissen Kampfgewicht sein). Zeit für Gassigehen und Ansprache etc., wie es ein Hund benötigt, habe ich nicht. Ein Freigang-Kater ist für mich eher ein Nutztier, auch wenn die Tiere schon erstaunlich zutraulich und sogar ein bisschen anhänglich werden. Das derzeit bei uns lebende Exemplar ist über 10 Jahre alt geworden, hat von den vielen Kämpfen ausgefranste Ohren und darf dafür jetzt, nach all den Jahren, auch mal nen Gang runter schalten und sich bei der Kälte ein warmes Plätzchen im Haus suchen.

Rumpelstilzchen
1. Dezember 2014 15:52

Die Erzählung vom alten Großvater und seinem Enkel findet sich bei den Brüdern Grimm und geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Sie stand früher in jeder Schulfibel.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Der_alte_Gro%C3%9Fvater_und_der_Enkel
Die modernen Karrieremenschen sind auf neuartige Weise mit dem Problem der Alten konfrontiert.
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gesetz-in-china-verpflichtet-kinder-zu-kontakt-mit-eltern-a-908736.html
Um die Alten zu speisen, wird es in China immer auch wieder Hundeleben kosten.

Olaf
1. Dezember 2014 16:33

Der Grönemeyer-Song erinnert mich an den Campino-Song "Tage wie diese". Abgesehen davon, dass die Talentfreien Toten Hosen die Melodie von David Bowie geklaut haben, war es absurd zu sehen, wie deutsche Fußballfans den Song der linksradikalen Band, die ausdrücklich niemals zur deutschen Nationalmannschaft hält, als ihre Sommerhymne grölten. Auch Gröni beschimpft das deutsches Publikum mehr oder weniger, und die Leute klatschen und wippen fröhlich dazu.

Carsten
1. Dezember 2014 18:22

Das ein Hund "unterwürfig " sei, ist Quatsch. Der Hund sucht die Sicherheit, die ihm ein klar strukturiertes soziales Gefüge mit seinem "Leitwolf" bietet. Wenn man sich nicht selbst konsequent als "Leitwolf" durchsetzt, ist es mit der angeblichen "Unterwürfigkeit" ganz schnell vorbei, dann versucht der Hund nämlich selbst, die Führung zu übernehmen.

Unser Hütehund folgt nur mir aufs Wort. Dafür fordert er auch deutlich adäquate Beschäftigung ein. Bei den anderen Familienmitgliedern hört er nur, wenn er sich eine Belohnung verspricht. Und selbst mich versucht er, zu überlisten: Wenn er glaubt, dass ich es nicht bemerke, legt er sich heimlich auf mein Bett, steht aber sofort auf, wenn er mich kommen hört und tut ganz unschuldig.

An Simon: "Bei einem Hund ist so ein Verhalten unvorstellbar."
Stimmt nicht. Ich hatte mal einen Hund in Urlaubspflege, dem es hier so wohl ging, dass er auch nicht zurück wollte. Hunde können auch beleidigt sein. Wenn mein Hund mal (sehr sehr selten) etwas zu kurz kommt, hört er am nächsten Tag betont nachlässig.

Ach ja, der olle Gröhlemeyer... die Linken sind halt die wahren Ewiggestrigen.

Distelherz
1. Dezember 2014 19:44

Stimme Simon zu. Wir haben Hund und Katz im Haushalt, aber eine tiefere emotionale Beziehung kann man eigentlich nur zu einem Hund aufbauen.

Ich habe immer das Gefühl, daß ein Hund in seinem Verhalten einfach näher am Mensch ist bzw. sein Verhalten für den Menschen nachvollziehbarer ist und es daher einfacher fällt, empathisch mit so einem Tier zu sein - abgesehen davon, daß ein Hund selbst ganz eindeutig ein zu Emotionen fähiges Wesen ist, das sich seinem Besitzer auch klar mitteilen kann.

Eine Katze bleibt einem hingegen immer ein Stück weit fremd, auch wenn sie schon fünfzehn Jahre im Haus ist.

Dennoch erschafft eine Katze, die im Winter am Kamin döst, eine Atmosphäre der Behaglichkeit im Haus, die man nie mehr missen will.

Nebenbei erwähnt, Tierhasser wie der erwähnte Vesper, Gott hab ihn selig oder auch nicht, sind Menschen, bei denen es mich ekelt, die gleiche Luft wie diese atmen zu müssen. Oder, wie im Booklet eines Albums meines hier ansonsten weitergehend unerwähnt bleibenden Lieblingsmusikers ausgedrückt: "Anyone who killeth a cat shall be executed".

@Olaf

Man kann's auch umgekehrt sehen: Daß Millionen fähnchenschwenkender Teilzeitpatrioten ein Stück der Toten Hosen zum Zwecke der schwarz-rot-goldenen Fußballekstase mißbrauchten, dürfte diesen hirnamputierten Pseudopunks sicher mächtig gestunken haben...

Eckesachs
1. Dezember 2014 19:48

@Langer

Wenn wir von ,,Sorten" reden, reden wir über Pflanzen.

Reden wir über Tiere, so reden wir über ,,Rassen".

Allgemein:

1. Katzen sind Nutztiere. Man hält Sie aus wirtschaftlichen Gründen gesund.

2. Mehr als zwei Katzen sind asi.

3. Katze im Bett ist ein absolutes Ausschlußkriterium bei der Wahl des Sexualpartners.

4. Nur Städter halten Katzen im Haus.

5. Der beste Freund des Menschen ist der Hund. Ohne den Hund wären wir nicht die, die wir sind.

6. Meine Hunde töten Katzen und ich tue es auch. Ich nenne es Naturschutz, meine Hunde empfinden Lebensfreude dabei.

7. @ Martin

Menschen essen, Tiere fressen. Auch so eine schleichende Verstädterung der Sprache.

Und das ,, biologische Gleichgewicht" haben grüne Kommunisten erfunden. Gibt es nicht.

8. Grönemeyer....

Links singen, rechts kassieren.

Gruß!

Urwinkel
1. Dezember 2014 20:16

Hunde sind, so ist es mir aufgefallen, aufmerksamere Jäger als Katzen. Mein Rasse-Hund hat einen Jagdtrieb, den jeden Jäger nervt. Wir sind ein geächtetes Anarcho-Paar auf Spaziergang. Könnte der Hund Wände hochklettern (wie Mäuse oder Ratten), würde sie hinterherrennen. Lässt aber schnell davon ab, wenn die Ratten lautstark, die verdorrten Weintrauben mopsen und flüchten. Die ein oder andere Maus oder junge Ratte hat sie auch schon gekniffen. Dann wurde jämmerlich gepiepst und gepfiffen. Meine eine Liebe: so lang es nach dir riecht, traut sich keine Ratte ins Haus. Und du bekommst Streicheleien und Auslauf und zu fressen dafür. Ein Wachhund im umpfänglichsten Sinn.

Der Bilderhauer und Maler Serge Mangin, sagte in seinem Buch "Begegnungen mit Ernst Jünger": daß E.J. mit Hunden immer auf Feindfuß war. Es rührte wohl von einer ominösen Molosser-Atacke her, während der Kriegserlebnisse. Daher Jüngers mutmaßliche Katzen-Affinität.

Bernhard
1. Dezember 2014 20:45

@ Albert

Danke, dann sind wir hier schon zwei Will-Vesper-Freunde.

Das mit den Katzen halte ich auch für Verleumdung.

Vielleicht sollte - die von mir ansonsten durchaus geschätzte - Frau Kositza mal sein Buch "Das harte Geschlecht" oder "Mutter und Kind" lesen.

Oder auch seine "Tiermärchen aus aller Welt".

Es wird Zeit, diesen Dichter wieder neu zu entdecken.

enickmar
1. Dezember 2014 20:57

Bin auch von der Katzenfraktion.

Hatte selber 14 Jahre ‘ne Katze (Dann hat sie sich mit Gift “selbst” umgebracht). Extrem treues Tier. Sehr menschengebunden.

Die Viecher sind aber nicht so simple gestrickt. Sind ‘ne treue Seeele, nur eben nicht blöd. Treue beruht ja nicht auf Einseitigkeit (Schutz und Gehorsam …). Sind schnell “beleidigt”, wenn man selbst nicht zuverlässig ist … So sieht’s aus …

Leo
1. Dezember 2014 20:58

Ja, der Grönemeyer... Text wie immer kaum verständlich (ich wollte die Lautstärke nicht zu sehr aufdrehen - das B-Kind ist gerade neben mir im Bett eingeschlafen).
Dann doch lieber Ostalgie pur und also sowas Dialektisches wie die Puhdys: "Denk ich an Deutschland... (fall'n mir Gedichte ein) [und in der 2. Strophe dann auch noch was anderes; aber es geht erstmal entspannt-positiv los].

--- Aber als Robert Schumann in "Frühlingssinfonie" bleibt Grönemeyer großartig!!!

Danke hingegen für das youtube-Lied, das ich schon ewig im Ohr hatte - aber nie den Text vor Augen. Kein Kommentar nötig!

-----
Ja, Russisch Blau...! Kartäuser...!
... aber EKH ist auch völlig okay, oder?
Nach 15 Jahren mit insgesamt 4 Katzen folgten 7 Jahre ohne... Alles hat seine Zeit: Steine sammeln, Steine zerstreun... Nach Katzenjahren (ohne Kinder) nun Kinderjahre (ohne Katzen).

Ich glaub, ich nehme sie. Außerdem kriegt man ja sonst nie raus, wer in der Familie 'ne Katzenhaar-Allergie hat. ;_)

enickmar
1. Dezember 2014 21:07

Ein Hund ist ja nichts anderes als ein dekatent degenerierter Wolf, der sich in den Dienst einer fremden Art stellt.

Eine Katze ist ein Kamerad mit eigenem Willen. Da muß man selbst auch schon überzeugen und nicht nur autoritär sein ...

D
1. Dezember 2014 21:55

Olaf, ja, und im Lied "Auswärtsspiel" gibt es dann auf einmal diese klare Trennung zwischen "ihr" und "wir", z. B.:

Ihr könnt uns schlagen so oft und so hoch ihr wollt,
es wird trotzdem nie passieren,
dass auch nur einer von uns mit euch tauschen will,
denn ihr seid nicht wie wir.

Was kann man aus dem von Ihnen erwähnten absurden Mitgrölen dieser Lieder durch die Fans lernen? Vielleicht dass die Massen, und auf die dürfte es ja am Ende ankommen, mit einer mitreißenden Form mobilisiert werden können, der Inhalt kann ruhig banal oder gar widersprüchlich sein.

Martin Lichtmesz
2. Dezember 2014 00:08

Das war einer der beglückendsten Momente meines Leserlebens, als ich entdeckte, daß Ernst Jünger zu der Fraktion der Katzenfreunde gehörte. Tagelang war ich in Ekstase...

apollinaris
2. Dezember 2014 01:42

Vielen Dank für den Hinweis auf die Sächsische Grundstücksauktion. Da kann man wirklich schwelgen und sich vielleicht sogar eines Kleinods annehmen.

Paule
2. Dezember 2014 01:58

Mir scheint das, dass Leben der „ordinäre Hauskatzen“ (besser Kater) von Martin ganz gut das Leben der heutigen Menschen im Reiche Siegfrieds und Kriemhilds beschreibt.
Hohes Kampfgewicht, bestens für die übertragenen Aufgabe geeignet und Willens sie auch zu erfüllen, wunderbar gezähmt (kastriert) und empfänglich für nicht benötigte Almosen, aber allzeit bereit den Interessen des Eierabschneiders zu dienen.
Bei den jungen Exemplaren, die frohgemut und mit wippenden Kopf, Beifall spendend sich von Möchtegern-Sängern beschimpfen lassen wir das noch, die lernen ... von den Alten.

Romat
2. Dezember 2014 09:07

Na, wenn's in der Welt keine anderen Probleme gibt als die Fragen, ob Katzen oder Hunde zu bevorzugen sind, wer Katzen mag und wer nicht etc., dann kann es ja so schlimm nicht sein ...

Monika
2. Dezember 2014 09:31

@ Eckesachs

6. Meine Hunde töten Katzen und ich tue es auch. Ich nenne es Naturschutz, meine Hunde empfinden Lebensfreude dabei.

Hierbei empfinde ich Lebensfreude und nenne es Naturschutz.

https://m.youtube.com/watch?v=zEtGftbmuVg

Die menschliche Natur ist schon eine besondere. Und viele leiden unter ihrem Herrenreiter-Vater:
https://www.sueddeutsche.de/kultur/bernward-vesper-morgen-frueh-wenn-gott-will-1.430499
Das spricht nicht dafür, "den Dichter neu zu ent-decken "( Bernhard).

Hundefreund oder Katzenliebhaber ? Greift da gar eine Art Kantenschere ?
Konservativ oder national ?
Ich war zwar nicht tagelang in Ekstase, als vor einiger Zeit in der JF ein Foto von Alain de Benoist mit einer prachtvollen Katze abgebildet wurde. Ein nettes Foto.
Aber immerhin etwas versöhnt mit diesem Pappheiden.

Ein Fremder aus Elea
2. Dezember 2014 11:00

Braucht jemand eine Katze? Unter unseren Lesern?

Nein, uns ist vor längerem eine zugelaufen und nervt uns nun, aber auch kalte Duschen können sie nicht vertreiben, also lassen wir sie hier nun unterm Vordach ihr Tagesquartier aufschlagen.

Ersatz hat auch schon angefragt, wahrscheinlich sein eigener Sohn, sieht jedenfalls so aus, aber noch konnte sich der Alte halten, vielleicht für ein weiteres Jahr, wer weiß.

So lange Katzen nicht anfangen, Dinge zu zerkratzen, welche sie besser nicht zerkratzen sollten, nehme ich's hin. Etwas kann ich ihnen auch abgewinnen, andererseits bleiben sie einem schon manches Mal gefährlich vor den Beinen.

Wir haben hier locker 100 000 Mäuse auf dem Grundstück, pro Quadratmeter eine. Aber Essensreste scheinen vorzüglicher zu sein. Letzthin hatte ich selbst eine Maus "gefangen", da ist die Katze gar nicht mehr beigegangen.

Vielleicht aber auch verletzte Ehre. Denn einmal hat sie immerhin sehr stolz eine Maus vor aller Augen verzehrt. Ein kleiner Löwe.

Hermann Karst
2. Dezember 2014 11:38

Der Deutschlehrer, der sich auf der Oberstufe um meine literarische Bildung bemühte, besaß eine Katze. Er hatte sie deshalb, vermuteten wir damals, weil er alleinstehend war. Jetzt, nachdem ich die Kommentare hier gelesen habe, glaube ich eher, er hatte sie deshalb, weil Katzen intellektuell inspirieren.

Der Mann mochte seine Katze sehr, mich hingegen mochte er nicht. Das war nicht schlimm, denn es beruhte auf Gegenseitigkeit. Er mochte auch Ernst Jünger nicht. Er war nämlich ein fortschrittlicher Pädagoge, ganz auf der Höhe der Zeit. Wie erschüttert war der Mann, als ich Jünger zu meinem Abi-Schriftsteller erkor. Ach, hätte ich doch damals schon gewußt, daß Jünger Katzenliebhaber war! Hätte ich das meinem Deutschlehrer unter die Nase reiben können, vielleicht hätte ich ihn ja doch wohlwollender stimmen können im Hinblick auf meine Schriftstellerwahl (oder es wäre ihm sogar so ergangen wie Martin Lichtmesz). Aber zu spät, zu spät – von Jüngers Katzenliebe wußte ich damals nichts, davon habe ich leider erst heute in den Kommentaren erfahren.

Übrigens: ich habe das Abitur bestanden. Trotz Ernst Jünger.

Bootsmann
2. Dezember 2014 12:25

Die Terrarianer und Aquarianer geraten hier ins Hintertreffen, scheints.

Hesperiolus
2. Dezember 2014 15:05

@ Bootsmann

Im weiten Raum des "rechten" Schrifttums bei weitem nicht, da gibt es viele Wohnungen und auch dem Aquarianer möge sein literarischer Patron hier nicht versagt bleiben, vom Jüngerschen Intermezzo in Neapel mal abgesehen wieder Gerhard Nebel über das Aquarium, eine deutsche Erfindung: Auch die Schau ins Fischbecken zieht sie (die Aquarianer) aus der Heutigkeit heraus und läßt sie an einer zeitüberlegenen Substanz teilnehmen, heißt es da. Und nebenbei nach einem chinesischen Sprichwort, oft bewahrheitet, "Wer keine Katzen mag, findet keine schöne Frau"!

Kositza: Kubitschek als Katzenhasser war sich des chinesischen Sprichworts seit je voll bewußt. Es hat ihm genügt, eine zu finden, die ihm ein paar Kinder gebärt. Er (k.) ist übrigens der geschickteste Mausefallenaufsteller weit und breit. Die (die Mausefallen) reagieren auch auf Katzenberührung, so leid es mir tut. Aber eigentlich finde ich jede Heimtierhaltung eh dekadent.

ene
2. Dezember 2014 19:37

Martin Lichtmesz,

nicht nur Jünger - auch E.T.A. Hoffmann, Baudelaire, Cocteau, Highsmith, Picasso, Einstein usw usw.

Leonardo da Vinci nicht zu vergessen:
Anche il più piccolo dei felini, il gatto, è un capolavoro

Eckesachs
2. Dezember 2014 20:18

Ich bin geradezu entsetzt über die Anzahl der Katzenfreunde hier.

Ein guter Hund steht mit seinem Leben für meines ein. Ich frage mich, wie dereinst Konrad Lorenz, ob ich andersherum auch so handeln würde.

Ich muß mein Auto und mein Haus nicht abschließen, wenn meine Hunde darin sind.

Teppichflieger bilden eine hübsche Gasse, wenn ich jemanden vom Bahnhof abhole.

Ich habe keine Angst um meine Kinder und meine Süße, wenn meine Hunde sie begleiten.

Mit keinem Tier kann man eine so innige Beziehung pflegen wie mit einem Hund - sofern es sich nicht um einen degenerierten BRD- Golden Retriever handelt. Diese und andere Viecher verleiden dem Ersthundebesitzer die Freude am Hund.

Meine Hunde holen Enten aus eiskaltem Wasser, apportieren Hasen und stellen Schwarzwild.

Unsere Katzen fangen Mäuse, Ratten und Maulwürfe. Das ist nützlich und gut, aber Hunde können mehr.

Der verstädterte und verweichlichte Mensch (hier unterscheide ich nicht zwischen links und rechts), hat ganz offensichtlich ein Problem damit, daß ein Hund ein Untergebener ist.

Hierarchien sind natürlich und stehen der Liebe nicht im Weg. Kinder sind auch Untergebene. Wir bleiben immer Sohn und Tochter, selbst wenn wir 80 Jahre alt werden und unser Vater 100. Wir werden es in den Augen unseres Vaters nicht nicht richtig machen.

In der Familie und unter Freunden gibt es auch Hierarchien. Wir haben untergebene Freunde und Männer (seltener Frauen), zu denen wir empor schauen.

Ein Hund ist ein untergebener Freund, der letzte in der Hierarchie. Dennoch lieben wir ihn.

Sagt mal, wohnt Ihr alle in der Stadt oder habt Ihr keine Zeit für einen Hund? Schaut Ihr Fernsehen?

Ich bin - nochmal - entsetzt.

Eckesachs
2. Dezember 2014 20:25

@Bootsmann

,,Die Terrarianer und Aquarianer geraten hier ins Hintertreffen, scheints."

Nun ja.
Zu Echsen und Fischen läßt sich einfach keine Beziehung aufbauen.

Nichts gegen das Aquarium, besonders dann nicht, wenn es ein sich selbst erhaltendes System ist. Das ist dann für den Stadtfrack ein wenig langweilig, denn das Wasser ist trüb und nur eine geringe Zahl Fische befindet sich in dem Becken.

Der Blick in das Aquarium ist ein ernster Blick. Er bildet die Welt, das Leben, ab.

Urwinkel
2. Dezember 2014 20:58

Den Gröneschreiern, Lindenbergs, Ton-Steine-Scherben-Reisern sei hiermit der faulige Zahn gezogen. Euren Singsang möchte keiner mehr hören. Auch wenn die Artikelschreiberin sich davon beeindruckt zeigt und fast mütterlich anmutende Gefühle für diesen Gröne-Komiker nierderschreibt. Die alle sind Ausgeburten der 68er. Denen zuzujubeln ist ein Selbstbetrug und eine große intellektuelle Leistung. Ich verschlucke mich fast vor Lachen, wenn ich Grönemeyer, Regner und Co. übers Urheberrecht fabulieren höre. Vor kurzem im DRadio-Kultur. Ihr existiert nicht mehr. Zumindest nicht in meiner Wahrnehmung. Ab heute wird alles selbst gemacht. Stars und Musiktoplisten passé.

Kositza: Urwinkel, da haben Sie mich aber falsch verstanden! Oder ich hab mich schwach ausgedrückt. Mütterliche Gefühle: hm, vielleicht solche, wie man sie einem zurückgebliebenen, lernschwachen Kind gegenüber hätte. Man tauscht einen Blick mit dem anderen Elternteil, seufzt und denkt sich: 'Der liebe Junge, und immer diese schwer verständlichen Artikulationen. Aber er kann ja nicht anders. Und wie er sich freut!'

Andreas Noraat
3. Dezember 2014 09:55

https://www.tlc.com/tv-shows/19-kids-and-counting/videos/first-look-exclusive-josh-and-anna-duggar-announce-baby-4.htm

Dachte schon immer, das könnte für Sie interessant sein, Frau Kositza. Die "quiver full" (Köcher voll) Bewegung wird in den USA bei TLC im TV gesendet. Für Europäer seltsam...

Alexander
3. Dezember 2014 10:05

Was das Verhältnis der Toten Hosen zur Fußballnationalmannschaft angeht, scheinen sich hier manche zu irren. So heißt es auf der facebook-Seite der Gruppe:

Weltmeister!
Herzlichen Glückwunsch an die Deutsche Nationalmannschaft und den ganzen Stab.
P.S.: Wir hoffen, dass Christoph Kramer nach dem gestrigen Foul an ihm wieder weiß, auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.

Man beachte, daß von der Deutschen Nationalmannschaft die Rede ist, ohne Anführungszeichen, großgeschrieben.
Interessant (nicht nur) in diesem Zusammenhang auch deren Lied "Weltmeister", in dem es u. a. heißt:

Die Deutschen sind depressiv. Was ist bloß schiefgelaufen,
Daß so viele Menschen hier Musik von Grönemeyer kaufen?
[...]
Doch wir sind sicher, es wird aufwärts gehen,
Wenn wir erst wieder Weltmeister sind.

Ein Fremder aus Elea
3. Dezember 2014 10:26

Eckesachs,

ich glaube nicht so recht an das, was Sie sagen. Was auch immer für Hunde Sie haben, ich denke, eine Eisenstange sollte reichen, um sie loszuwerden. Also nicht gerade die höchste Sicherheitsstufe.

Hätte ich einen Hund, bellte er jede Nacht im Konzert, und sein einziger Nutzen wäre es, von Wölfen gerissen zu werden und mich so vor deren Anwesenheit zu warnen.

Oder von einem Bären erschlagen, der hier nach Honig sucht.

Ich habe eine große Axt für solche Fälle, und ich bin gefährlicher damit als ein Hund mit seinem Maul.

Natürlich ist es am besten, wenn es nicht zu sowas kommt, aber der Mensch ist ja nun nicht gerade eine Maus, und die meisten Wildtiere wissen das auch.

Andererseits, und das gebe ich gerne zu, gefällt es mir schon, daß meine Nachbarn Hunde haben und so umherschweifenden Wildtieren signalisieren, daß in dieser Gegend Menschen leben.

Hätte hier niemand welche, würde ich mich vielleicht opfern und mir selbst eine solche Wildscheuche anschaffen.

eulenfurz
3. Dezember 2014 10:37

Für Katze oder dagegen, das solle ein Meßgrad für Intellektualität oder Konservativismus sein? So ein urbanistischer Zivilisationsquark!

Diese beiden Haustiere haben Aufgaben - der Hund zur Jagd oder als Wache, die Katze ganz profan zum Mäusevertilgen. Unnütze Fresser zum Hätscheln und Mästen zu halten, das können sich nur gelangweilte Städter leisten.

Es soll ja auch Leute auf dem Land geben, die keine Katzen mögen, aber über ihre nicht in den Griff zu bekommende Mäuseplage klagen. Tja, da kann man wohl nichts machen ...

Hesperiolus
3. Dezember 2014 12:46

"Heimtierhaltung" dekadent wie der Tourismus, wie der Sport als Fluchtbewegung freilich so, daß sie unbemerkt wieder mitten in die volle Zivilisation zurückführen, so ließen sich auch Hunde- und Katzenliebe als Akte des Entweichens deuten G. Nebel in einer zu dieser Frage unbedingt lesenswerten Miniatur, die seinem "Transzendenzkater" Peter in: Hinter dem Walde. 16 Lektionen für Zeitgenossen gewidmet ist und wo er apercuhaft den Hund der Weltgeschichte und die Katze dem Vorgeschichtlich-Elementaren zuordnet. Im schönsten Nebelstil die beiden Stellen:

Gegen den Hund spricht seine Koprophilie, die an avantgardistische Romanautoren erinnert, die lustvolle Beschnupperung der Exkremente und der hinteren Öffnungen. Wer immer den Hund als seinen Genossen bejaht, muß vorher je nach seiner Nase einen leichten oder starken Ekel überwinden, er muß den Ekel in dieses Verhältnis hineinnehmen.

Die Anmut der Katze ist Erscheinung ihrer Wildheit, nichts Lagerndes, Massiges, Seiendes, sondern bei geringem Fleisch höchste Energie, reine Sehnigkeit, völllig gelungene Umsetzung der Blutgier ins Leibliche - kein Gramm Fleisch, kein Haar, das nicht Jagd wäre. Die Katze ist entweder ge- oder entspannt, beides jeweils ganz, diese Entschiedenheit im einen oder im andern macht ihren Charme aus.

Aber das Nonplusultra für den décadent supérieur bleibt eh die Schildkröte als abgetönter Bewegungsakzent zur Hervorhebung der Färbungen eines glänzenden Orienttepiches, vorstellbar bei dem hier manchmal so herrlich schreibenden Raskolinkov!

enickmar
3. Dezember 2014 20:00

Anständig gezüchtete, erzogene und vor allem vernünftig eingesetzte (was bei den Exemplaren von Ekesachs nicht der Fall zu sein scheint) Wach-, Jagd-, Blinden-, Rettungs-, Polizei- und und Schäferhunde sind mir auch fast (aber nur fast) noch lieber als Katzen.

Sonstige Hundehaltung sollte man einfach verbieten.

Ellen Kositza
3. Dezember 2014 23:08

Herzlichen Dank allen Hunde-, Katzen- und Aquarienfreunden! Das war's!

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