Ich bin nicht Charlie (Teil 1)

Ich habe dieselben Sprüche schon vor dreizehn Jahren gehört: "They hate our freedoms" und "Wir sind alle Amerikaner" so tönte es von den Titelseiten im September 2001. Alle Welt schien wachsweich in der Birne geworden zu sein, zermürbt von Emotionen und Schockbildern, und dadurch auch merkwürdig regressiv, sentimental, pathetisch, mit einem Wort: knet- und manipulierbar.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kon­sti­tu­tio­nell zucke ich reflex­ar­tig zurück, wenn mir irgend­je­mand unge­fragt ein “Wir” auf­nö­tigt, ins­be­son­de­re, wenn die­ser Ver­such aus der sym­bo­li­schen Bla­sen­welt des media­len Über­baus kommt, dem man lei­der kaum ent­rin­nen kann. Immer­hin spü­re ich dadurch immer wie­der deut­lich und mit einer gewis­sen Befrie­di­gung mei­ne Asyn­chro­ni­zi­tät zu den täg­li­chen Spek­ta­kel­in­sze­nie­run­gen, die sich als Kitt unse­rer “Gesell­schaft” prä­sen­tie­ren (natür­lich spie­le ich hier auf Guy Debord an.)

Ich war also 2001 gewiß kein Ame­ri­ka­ner, und ich war auch nicht der Über­zeu­gung, daß hier ein paar ori­en­ta­li­sche Fins­ter­män­ner grund­los “die Frei­heit” has­sen, die sie sel­ber nicht haben kön­nen oder wol­len. Die USA, das war für mich damals der nahe­zu all­mäch­ti­ge glo­ba­lis­ti­sche Kra­ke, dem heim­ge­zahlt wur­de, was er selbst tau­send­fach gesät hat­te, die Tür­me des WTC die Tem­pel der Hoch­fi­nanz und des impe­ri­al­ka­pi­ta­lis­ti­schen Baby­lons, das end­lich zu wan­ken begann. Und als es das Pen­ta­gon erwisch­te, leg­te ich eine Plat­te auf: “We don’t need no water, let the mother­fu­cker burn…”

Mei­ne Freu­de währ­te aller­dings nicht lan­ge, denn bald ließ ich mich von den soge­nann­ten “Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern” über­zeu­gen, daß die off­zi­ell auf­ge­tisch­te Sto­ry über die Atten­ta­te in New York in die­ser Form nicht stim­men kön­ne. Ich bin heu­te nicht mehr so anti­ame­ri­ka­nisch wie damals, aber ich bin immer noch der Über­zeu­gung, daß sich “9/11” irgend­wo zwi­schen “make it hap­pen” and “let it hap­pen” abge­spielt hat.

Ich benut­ze mein ver­brief­tes Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung, um die­se unpo­pu­lä­ren Din­ge zu sagen, die vie­le Leu­te ärgern und mich in ihren Augen nach­hal­tig dis­kre­di­tie­ren wer­den, aber ich hof­fe, daß jedem klar ist, daß ich hier cum gra­no salis spre­che. Der Ter­ror ist ein Instru­ment zur Mani­pu­la­ti­on der Mas­sen, ange­wie­sen auf media­le Ver­viel­fäl­ti­gung und Aus­schlach­tung, und spä­tes­tens seit dem Reichs­tags­brand soll­ten wir wis­sen, daß bei einem Ter­ror­akt in der Regel mehr als nur eine Par­tei die Strip­pen zieht und ihr Süpp­chen kocht.

“9/11” war für vie­le Men­schen im Wes­ten ein Erwe­ckungs­er­leb­nis, was die Gefah­ren des poli­ti­schen Islams und die Rea­li­tät des von Samu­el Hun­ting­ton dia­gnos­ti­zier­ten “Kampf” oder “Zusam­men­prall” der Kul­tu­ren betrifft. Die­ser hat meh­re­re Schich­ten und Fron­ten, die man leicht aus den Augen ver­lie­ren kann. Wenn man will, kann man aus die­ser Per­spek­ti­ve einen Zusam­men­hang her­stel­len zwi­schen den reli­giö­sen Fana­ti­kern, die die Mann­schaft von Char­lie Heb­do ermor­det haben und den sau­di­ara­bi­schen Auto­ri­tä­ten, die einen libe­ra­len Blog­ger zu 1,000 Peit­schen­hie­ben ver­ur­teil­ten, weil er “den Islam belei­digt” hat­te – eine Pro­ze­dur, bei der er in Gefahr lau­fen wird, das Leben zu verlieren.

Man kann aller­dings auch dar­auf hin­wei­sen, daß Dschi­ha­dis­ten in Paris Mas­sa­ker begin­gen, wäh­rend Oba­mas Droh­nen mit fran­zö­si­scher Unter­stüt­zung Syri­en und Liby­en platt­bom­ben. Pepe Esco­bar schrieb in der Asia Times: 

What French Pre­si­dent Fran­cois Hol­lan­de defi­ned as “an act of excep­tio­nal bar­ba­rism” – and it is – does not app­ly when the “West”, Fran­ce in the front line, from King Sar­ko to Gene­ral Hol­lan­de hims­elf, wea­po­ni­zes, trains and remo­te-con­trols assor­ted mercenaries/beheaders from Libya to Syria. Oh yeah; kil­ling civi­li­ans in Tri­po­li or Alep­po is per­fect­ly all right. But don’t do that in Paris.

Esco­bar zwei­felt auch dar­an, daß die Sicher­heits­be­hör­den, die die Atten­tä­ter nach Pres­se­an­ga­ben schon längst auf dem Kie­ker hat­ten, das Atten­tat nicht vor­aus­ge­se­hen hätten:

So this, in the heart of Euro­pe, is what blow­back feels like. This is what peop­le feel in the Wazi­ris­tans when a wed­ding par­ty is inci­ne­ra­ted by a Hell­fire mis­si­le. In par­al­lel, it’s abso­lute­ly impos­si­ble that the oh so sophisti­ca­ted Wes­tern intel net­work had not seen blow­back com­ing – and was impo­tent to pre­vent it.(…)

Of cour­se the ultra-ela­bo­ra­te Wes­tern coun­ter-ter­ro­rism expert net­work – so pro­fi­ci­ent at strip-teasing us all at every air­port – saw it com­ing; but in shadow war­land, port­man­te­au “al-Qae­da” and its myri­ad decli­na­ti­ons, inclu­ding “rene­ga­de” Daesh/ISIS/ISIL, are used as much as a mer­cen­a­ry army as a con­ve­ni­ent domestic thre­at “against our freedoms”. (…)

The Oba­ma admi­nis­tra­ti­on is alrea­dy mobi­li­zed to offer “pro­tec­tion” – Mob-style – to a Wes­tern Euro­pe that is just, only just, star­ting to be dif­fi­dent of the pre-fab­ri­ca­ted Rus­si­an “thre­at”. And just as it hap­pens, when the Empi­re of Cha­os most­ly needs it, evil “ter­ra” once again rears its ugly head.

And yes, I am Char­lie. Not only becau­se they made us laugh; but becau­se they were sacri­fi­cial lambs in a much nas­tier, gru­e­so­me, never-ending shadowplay.

In die­se Rich­tung gehen vie­le Spe­ku­la­tio­nen, die die Fra­ge nach dem “cui bono” stel­len: der Ter­ror als Vor­wand, um den staat­li­chen Über­wa­chungs­ap­pa­rat aus­zu­bau­en. Mag sein. “EU-Län­der ver­stär­ken Ter­ror­schutz” titel­te am 9.1. der Stan­dard, und wenn ich der­glei­chen lese, freue ich mich schon wahn­sin­nig dar­auf, so gut beschützt zu wer­den. Ver­hei­ßungs­voll ist auch die­ser Bericht aus der Pres­se:

Das Ter­ror- und Gei­sel­dra­ma in Frank­reich führt in Öster­reich unmit­tel­bar zum Aus­bau der Vor­kehr­maß­nah­men. Innen­mi­nis­te­rin Johan­na Mikl-Leit­ner (ÖVP) hat, wie der „Pres­se am Sonn­tag“ bestä­tigt wur­de, bereits wei­te­re Akti­vi­tä­ten für einen erhöh­ten Schutz der Bevöl­ke­rung ein­ge­lei­tet. Seit ges­tern, Sams­tag, sind zusätz­lich Hun­der­te Exe­ku­tiv­be­am­te zur Über­wa­chung öffent­li­cher Plät­ze im Ein­satz; die tech­ni­sche Aus­stat­tung und die Aus­rüs­tung der Poli­zei wird nach­ge­rüs­tet und auf EU-Ebe­ne unter­nimmt die Innen­mi­nis­te­rin jetzt einen wei­te­ren Vor­stoß für eine Nach­fol­ge­re­ge­lung der Vorratsdatenspeicherung.

Irri­tie­rend wirkt auch die selt­sa­me Nach­richt, daß ein rang­ho­her Kom­mis­sar, der mit den Ermitt­lun­gen zu dem Atten­tat beauf­tragt war, just am Tage des blu­ti­gen Fina­les, mit­ten im Gesche­hen, Selbst­mord began­gen haben soll – auf­grund von “Depres­sio­nen”, wie von der Poli­zei­ge­werk­schaft mit­ge­teilt wird.

 

Man tut gut dar­an, die­se Fra­ge als Mög­lich­keit offen zu hal­ten: Hat es sich hier­bei um einen genui­nen isla­mis­ti­schen Ter­ror­akt gehan­delt oder nicht? Die Moti­va­tio­nen der Täter kön­nen gewiß recht viel­fäl­tig sein, und sie müs­sen kei­nes­wegs immer von ratio­na­lem Kal­kül getrie­ben sein. Zum ech­ten Fana­tis­mus gehört auch immer eine gehö­ri­ge Por­ti­on destruk­ti­ver Emotionalität.

Der Schock, den das Atten­tat erzeugt hat, wird jeden­falls durch­aus Kapi­tal für fort­lau­fen­de Ein­schüch­te­run­gen von isla­mi­scher Sei­te abwer­fen, auch wenn das “Image” des Islam nun nicht gera­de bes­ser gewor­den ist. Aber eine wei­te­re Fol­ge wird auf jeden Fall sein, daß in Euro­pa das Unbe­ha­gen vor dem Islam und sei­ner Aus­brei­tung durch wach­sen­de Ein­wan­de­rer­grup­pen anstei­gen wird. Die nun wie­der auto­ma­ten­haft von den herr­schen­den Eli­ten wie­der­hol­ten und vari­ier­ten Man­tras à la “Das Atten­tat hat nichts mit dem (eigent­li­chen) Islam zu tun”, sind längst zu Kalau­ern und run­ning gags gewor­den; je öfter sie wie­der­ge­käut wer­den, umso mehr sinkt die Glaub­wür­dig­keit ihrer Verbreiter.

Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge schrieb hier­zu aus einem ähn­li­chen Anlaß:

Wür­de bei einem Mord­an­schlag der Mör­der “Heil Hit­ler” rufen und sei­ne Tat mit The­sen aus “Mein Kampf” begrün­den, nie­mand wür­de dar­an zwei­feln, dass der Mord etwas mit Rechts­ex­tre­mis­mus zu tun hat. Ruft der Mör­der aber “Alla­hu Akbar”, so mar­schiert prompt eine gan­ze Armee von wohl­be­zahl­ten Berufs­lüg­nern auf, um uns weis­zu­ma­chen, die­ser Anschlag habe selbst­re­dend nichts mit dem Islam zu tun. Es lohnt sich nicht und wäre gera­de­zu ein Akt der Selbst­er­nied­ri­gung, mit sol­chen Men­schen zu dis­ku­tie­ren. Wohl aber lohnt es sich zu fra­gen, was genau die­se Art von Ter­ror denn mit dem Islam zu tun hat.

Die­ser Zusam­men­hang besteht nicht erst dann, wenn jeder ein­zel­ne oder auch nur eine Mehr­heit von Mos­lems Gewalt gegen Anders­gläu­bi­ge prak­ti­ziert oder bewusst befür­wor­tet. Dies ist nicht der Fall. Mos­lems, die so den­ken und han­deln, gibt es zwar in erschre­ckend hoher Anzahl, aber sie sind, aufs Gan­ze gese­hen, offen­kun­dig eine Minderheit. (…)

Der Zusam­men­hang zwi­schen Islam und Gewalt besteht viel­mehr dar­in, dass isla­mi­sche Gemein­schaf­ten sol­che Min­der­hei­ten mit hoher Regel­mä­ßig­keit her­vor­brin­gen, und zwar dann,

  • wenn mus­li­mi­sche mit nicht­mus­li­mi­schen Volks­grup­pen im sel­ben sozia­len Raum, vor allem im sel­ben Staat zusam­men­ge­sperrt sind,
  • die mus­li­mi­sche Grup­pe zah­len­mä­ßig stark genug ist, einen Herr­schafts­an­spruch zu erheben,
  • und das Zusam­men­le­ben der Grup­pen nicht durch die Scha­ria gere­gelt, der mus­li­mi­sche Herr­schafts­an­spruch also nicht ver­bind­lich kodi­fi­ziert ist.

In sol­chen Kon­stel­la­tio­nen wächst die Wahr­schein­lich­keit gewalt­tä­ti­ger Über­grif­fe aller Art von Mos­lems gegen Nicht­mos­lems mit dem mus­li­mi­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil. Da dies bekannt und sogar offen­kun­dig ist, ist der belieb­te Gut­men­schen­ein­wand, die meis­ten Mos­lems sei­en doch gar nicht gewalt­tä­tig oder reli­gi­ös fana­tisch, voll­kom­men gegenstandslos.

Dar­aus folgt, daß die Rede vom “Isla­mis­mus, der nichts mit dem Islam zu tun hat” in ers­ter Linie dazu dient, den Bruch in der mul­ti­kul­tu­rel­len Agen­da zu kit­ten. Denn eines der zen­tra­len – und neben­bei von den Came­ron, Sar­ko­zy, Mer­kel usw. unver­hoh­len ver­kün­de­ten Zie­le – ist  “die Zer­stö­rung der eth­ni­schen Homo­ge­ni­tät der Völ­ker Europas.”

Die­ses Ziel – also die Umwand­lung der euro­päi­schen Natio­nen in “mul­ti­kul­tu­rel­le”, mul­ti­eth­ni­sche “Gesell­schaf­ten” – darf nicht in Fra­ge gestellt wer­den, auch von so furcht­ba­ren Ein­brü­chen wie dem Mas­sa­ker an Char­lie Heb­do nicht – denn dies ist das gro­ße “alter­na­tiv­lo­se” poli­ti­sche Pro­jekt, an dem Gene­ral­kri­tik zu üben streng ver­bo­ten ist, in schär­fe­rem Aus­maß noch als Kri­tik am Islam, des­sen Ecken und Kan­ten schließ­lich geschlif­fen wer­den müs­sen, um das Pro­jekt zu vollenden.

Fol­gen Blut­ta­ten wie die­se, die immer­hin auf dem Boden einer aus dem Ruder gelau­fe­nen Ein­wan­de­rungs- und Ein­bür­ge­rungs­po­li­tik gewach­sen sind, for­dern sie anstel­le von – sagen wir – Beschrän­kung der Ein­wan­de­rung und des isla­mi­schen Ein­flus­ses eine mas­si­ve Erwei­te­rung des poli­zei­li­chen Über­wa­chungs­net­zes. Kei­ne Wun­der: ver­mut­lich wird in Zukunft eine vor “Diver­si­ty” und schwe­len­den bis offe­nen eth­nisch-kul­tu­rel­len Kon­flik­ten bers­ten­de Gesell­schaft nur noch durch einen Poli­zei- und Über­wa­chungs­staat zusam­men­ge­hal­ten wer­den können.

Klei­ne-Hart­la­ge fährt fort:

Wenn bekannt ist, dass die mas­sen­haf­te Ein­wan­de­rung von Ange­hö­ri­gen der Grup­pe X die Fol­ge Y hat, dann muss der, der sol­che Ein­wan­de­rung befür­wor­tet, dar­le­gen, war­um die­se Fol­gen wün­schens­wert oder es doch zumin­dest ver­tret­bar sei, sie in Kauf zu neh­men. Die all­ge­gen­wär­ti­ge War­nung vor dem “Gene­ral­ver­dacht”, unter den man Mos­lems – oder wen auch immer – nicht stel­len dür­fe (war­um eigent­lich?), hat eine rein pro­pa­gan­dis­ti­sche Funktion:

Ihr Zweck ist näm­lich nicht, den ein­zel­nen Mos­lem vor einem “Ver­dacht” zu schüt­zen, den er doch durch sein eige­nes Ver­hal­ten ganz leicht und ohne jeg­li­che Anstren­gung ent­t­kräf­ten kann, und den die meis­ten von ihnen ja auch tat­säch­lich entkräften.

Ihr Zweck ist, die Befür­wor­ter von mus­li­mi­scher Mas­sen­ein­wan­de­rung vor der Fra­ge zu bewah­ren, war­um sie eine Ein­wan­de­rungs­po­li­tik betrei­ben, die jeden ein­zel­nen Bür­ger einem im Zeit­ver­lauf expo­nen­ti­ell wach­sen­den Risi­ko aus­setzt, zum Opfer von mus­li­mi­scher Gewalt­kri­mi­na­li­tät bis hin zum Ter­ro­ris­mus zu werden.

Eine poli­tisch-media­le Klas­se, die die Kri­tik an Min­der­hei­ten zu unter­bin­den ver­sucht, tut dies nicht, um die­se Min­der­hei­ten, son­dern, um sich selbst und ihre Macht­po­si­ti­on zu schüt­zen. Die War­nung vor dem “Gene­ral­ver­dacht” ist Teil einer Selbstim­mu­ni­sie­rungs­stra­te­gie der Lin­ken und des poli­ti­schen Estab­lish­ments, die eine destruk­ti­ve und gegen die Inter­es­sen der eige­nen Bür­ger gerich­te­te Poli­tik betrei­ben, nicht in die Ver­le­gen­heit kom­men wol­len, die­se zu recht­fer­ti­gen, es des­we­gen nötig haben, ihren Kri­ti­kern ethi­sche Defek­te und poli­ti­schen Extre­mis­mus zu unter­stel­len, und aus sol­cher Unter­stel­lung die Hand­ha­be gewin­nen, sie mund­tot zu machen – mit allen lega­len und zuneh­mend auch ille­ga­len Mitteln.

Aus genau die­sem Grund ist auch die Gereizt­heit der deut­schen Pres­se gegen­über Pegi­da seit dem Pari­ser Atten­tat ins Uner­meß­li­che gestie­gen. Denn das Mas­sa­ker ist eine pein­li­che Bla­ma­ge für alle, die bis­her das Anlie­gen der Demons­tran­ten blind­lings ver­höhnt und dif­fa­miert haben. Die sol­cher­ma­ßen gede­mü­tig­te Pres­se sucht nun wut­schnau­bend einen Sündenbock.

Mit der Logik von Bor­der­li­nern und Psy­cho­pa­then brin­gen es ihre Ver­tre­ter fer­tig, aus­ge­rech­net Pegi­da mit den Atten­tä­tern auf eine Stu­fe zu stel­len. Bert­hold Koh­ler ist kein Ein­zel­fall; ande­re sind ihm bereits mit strei­che­res­ken Aus­fäl­len nach­ge­folgt, wäh­rend der Bun­des­ver­band deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger die­se mehr als hin­ter­fot­zi­ge Gleich­set­zung zur offi­zi­el­len Par­tei­li­nie erho­ben hat.

Aus dem Kom­men­tar des BDZV-Prä­si­den­ten Hel­mut Heinen:

Sati­re, Tabu­bruch, auch Blas­phe­mie muss unse­re Gesell­schaft aus­hal­ten. Sie gehö­ren zum Dia­log über strei­ti­ge The­men, selbst wenn dies dem Ein­zel­nen nicht gefällt. Die Medi­en und gera­de auch die Zei­tun­gen tra­gen durch Kom­men­ta­re und Hin­ter­grund­be­rich­te zur Refle­xi­on über unse­re zivi­len Stan­dards bei.

Sie sind, mit allen Feh­lern und Schwä­chen, mit ihren Stär­ken und Vor­zü­gen, eine Errun­gen­schaft unse­rer Demo­kra­tie, die wir stets aufs Neue ver­tei­di­gen müs­sen. Das zeigt nicht nur der Anschlag auf „Char­lie Heb­do“. Das zei­gen auch Nazi-Schmie­re­rei­en an den Wän­den deut­scher Ver­lags­häu­ser oder das dump­fe Ver­un­glimp­fen der „Lügen­pres­se“ durch die Pegida-Anhänger.

„Lügen­pres­se“ – das ist ein Kampf­be­griff aus Deutsch­lands dun­kels­ter Ver­gan­gen­heit.  Per­fi­de Pro­pa­gan­da der Pegi­da-Anfüh­rer, Igno­ranz und unkla­re Ängs­te dro­hen hier, eine üble Alli­anz ein­zu­ge­hen. Sie ver­spre­chen ein­fa­che Ant­wor­ten auf kom­ple­xe Fra­gen. In unse­rer glo­ba­li­sier­ten Welt gibt es die­se ein­fa­chen Ant­wor­ten nicht.

Weh­ren wir uns. Behar­ren wir, Zei­tun­gen und Leser gemein­sam, auch wei­ter­hin selbst­be­wusst auf der Plu­ra­li­tät der Mei­nun­gen und der Frei­heit, sie zu äußern. Bie­ten wir so allen Eife­rern die Stirn, die im Namen von Reli­gio­nen oder Ideo­lo­gien pöbeln, Angst ver­brei­ten und am Ende sogar mor­den.

Illus­triert wird das gan­ze mit einem Car­toon, der zwei ver­mumm­te Ter­ro­ris­ten vor dem Ein­gang zu Char­lie Heb­do zeigt, die Rich­tung Pegi­da (“Lügen­pres­se!”) schie­len und sagen: “Die reden nur! Wir tun was.” Der Schöp­fer die­ses sub­ti­len Wer­kes, Klaus Stutt­mann war neben­bei gesagt bis 1989 Haus­zeich­ner der (West)-SED-Tageszeitung “Die Wahr­heit”, ein Umstand, der sei­ne Zeich­nung fast schon wie­der wit­zig macht.

Man muß die Ängs­te die­ser Men­schen und ihre dump­fen Res­sen­ti­ments ernst­neh­men; sie spü­ren lang­sam aber sicher, daß ihre Auto­ri­tät und Macht­po­si­ti­on ins Rut­schen kom­men. Sie plus­tern sich als Belei­dig­te und Ent­rüs­te­te auf, wenn man sie Lüg­ner nennt, aber jede ein­zel­ne ihrer Reak­tio­nen zeigt, wie sehr die­se Vor­wür­fe zutref­fen. Ihre ver­bohr­te Arro­ganz und ihr hyper­mo­ra­li­sches Thea­ter sind auch ein Zei­chen einer tie­fen inne­ren Ver­un­si­che­rung. Hier fürch­tet eine Kas­te dar­um, ihr Mono­pol auf Mei­nungs­ma­che zu verlieren.

Had­mut Danisch kommentiert:

Jour­na­lis­ten glau­ben, dass Pres­se­frei­heit ein (Grund-/Menschen-)Recht wäre, das einer bestimm­ten geschlos­se­nen Per­so­nen­grup­pe zusteht, aber inhalt­lich nicht näher bestimmt ist. Als sei Pres­se­frei­heit ein Son­der-Recht der Jour­na­lis­ten, zu tun, was sie wol­len. Qua­si eine Eli­te, die mit einer Art Son­der­rechts­blau­licht auf dem Dach her­um­fährt, so wie die Poli­zei im Stra­ßen­ver­kehr Son­der­rech­te hat. Des­halb stel­len sich Jour­na­lis­ten auch so ger­ne in ihren Rech­ten ver­letzt dar.Dabei ist es genau umgekehrt:

Pres­se­frei­heit ist ein Recht, das jedem zusteht, nicht nur einer Aus­wahl, geschlos­se­nen Grup­pe oder Eli­te, das jedoch nur zu bestimm­ten Hand­lun­gen berechtigt.

Es ist also kein Son­der­recht einer abge­grenz­ten Per­so­nen­grup­pe, tun und las­sen zu kön­nen, was sie wol­len (also qua­si eine Adels-Ersatz), son­dern umge­kehrt ein all­ge­mei­nes, jedem zuste­hen­des Recht, bestimm­te Hand­lun­gen vor­neh­men zu können. (…)

Im Ergeb­nis führt das zu einer (ein­ge­bil­de­ten) selbst­er­klär­ten „Zustän­dig­keit“: Für die Wahr­neh­mung von Pres­se­frei­heit hal­ten sich die Jour­na­lis­ten für allein zustän­dig, eben­so wie die Pro­fes­so­ren glau­ben, das Mono­pol auf Wis­sen­schafts­frei­heit zu haben. (…)

Es ist gro­tesk, aber: Die wenigs­ten Jour­na­lis­ten machen heu­te noch das, was inhalt­lich unter Pres­se­frei­heit fällt: Näm­lich das Recher­chie­ren. Aus­ge­rech­net die, die Pres­se­frei­heit schon lan­ge nicht mehr ver­wen­den, beschwe­ren sich am lau­tes­ten über deren Ver­let­zung. Als ob sich der Blin­de beschwert, dass ihm jemand das Licht aus­ge­schal­tet hat.

Ich sag’s mal so: Wer vor­her die Pres­se­frei­heit nicht in Anspruch nahm, kann hin­ter nicht Opfer eines Angriffs auf die­sel­be sein, schon gar nicht, wenn der Angriff wie in Paris gar nicht der Presse‑, son­dern eben der Mei­nungs­frei­heit galt.

Das aber will man gar nicht so genau sehen, weil man es bei der Mei­nungs­frei­heit nicht schafft, wie bei Pres­se und Wis­sen­schaft ein Mono­pol eines Per­so­nen­stan­des zu sti­li­sie­ren, son­dern die Mei­nungs­frei­heit gera­de als Recht der All­ge­mein­heit und damit als Kon­kur­renz zur Pres­se wahr­ge­nom­men wird.

Der Gro­tes­ke zwei­ter Teil ist näm­lich, dass unse­re Pres­se sich in den letz­ten Jah­ren auch nicht als Wah­rer der Mei­nungs­frei­heit her­vor­tat, son­dern sich im Gegen­teil damit beschäf­tigt hat, die Mei­nungs­frei­heit abzu­bau­en und jeden zu beschimp­fen, der eine ande­re als die von der Pres­se gestat­te­te Mei­nung äußerte.

Die­se Heu­che­lei sticht aus den Äuße­run­gen der Koh­lers, Hei­nens oder Fried­mans her­vor wie ein fet­ter, gigan­ti­scher, eit­ri­ger Pickel auf der Nase. Wie gesagt, die ein­zi­ge Par­al­lel­le, die mir dazu ein­fällt, ist das pro­jek­ti­ve Ver­hal­ten von schwer Geis­tes­ge­stör­ten. Hier hat man Leu­te vor sich, die mit petri­fi­zier­ten pathe­ti­schen Phra­sen um sich wer­fen, deren Sinn sie völ­lig ins Gegen­teil ver­keh­ren. Die Wirk­lich­keit wird dreist auf den Kopf gestellt.

Ein Klas­si­ker ist etwa die­ser Satz von Heinen:

Sie ver­spre­chen ein­fa­che Ant­wor­ten auf kom­ple­xe Fra­gen. In unse­rer glo­ba­li­sier­ten Welt gibt es die­se ein­fa­chen Ant­wor­ten nicht.

Dies, wohl­ge­merkt, geäu­ßert im Ver­bund mit der “kom­ple­xe Ant­wor­ten” geben­den Kari­ka­tur von SED-Stutt­mann. Mit zu Tode gedro­sche­nen Sprü­chen wie die­sen schmückt sich heu­te jeder nächst­bes­te Kre­tin, der in sei­nem Leben noch kei­nen “kom­ple­xen” Gedan­ken von wei­tem gese­hen hat. Eine Art von Instant-Auf­ge­klärt­heit zum Schleu­der­preis. Sol­ches Begriffs­la­met­ta hängt man sich um wie die “rich­ti­ge” poli­ti­sche Meinung.

Das ist eine Belei­di­gung und Pro­vo­ka­ti­on für alle, die nicht nur Phra­sen nach­plap­pern, son­dern tat­säch­lich kom­ple­xe Fra­gen durch­den­ken kön­nen. Das gilt in noch stär­ke­rem Maße für Sprü­che­klop­fe­rei wie diese:

Weh­ren wir uns. Behar­ren wir, Zei­tun­gen und Leser gemein­sam, auch wei­ter­hin selbst­be­wusst auf der Plu­ra­li­tät der Mei­nun­gen und der Frei­heit, sie zu äußern.

Wun­der­bar, Hel­mut, mei­ne Rede seit Jahr und Tag! Lau­ter Applaus von der “fal­schen” Sei­te für Euer Gna­den von Stirn­bie­ten! Das unter­schrei­be ich ger­ne, wie auch mit Sicher­heit jeder ein­zel­ne der 18,000 Dres­de­ner Spa­zier­gän­ger, denn das ist ja ein Haupt­grund, war­um er über­haupt auf die Stra­ße gegan­gen ist.

Noch­mal Had­mut Danisch:

Inso­fern müss­te die Kari­ka­tur des Dumm­kopfs Stutt­mann eigent­lich anders­her­um lau­ten: Die Par­al­le­le müss­te zwi­schen Jour­na­lis­ten und Ter­ro­ris­ten, nicht zwi­schen Demons­tran­ten und Ter­ro­ris­ten gezo­gen wer­den. Denn die qua­li­ta­ti­ve Gemein­sam­keit, die sich nur im Grad der Gewalt­an­wen­dung unter­schei­det, und das ist ja der Punkt hin­ter Stutt­manns Kari­ka­tur, liegt nicht nur dar­in, dass bei­de, Isla­mis­mus und deut­sche Pres­se, Mei­nungs­frei­heit und jede Kri­tik an einer vor­ge­ge­be­nen Linie, angrei­fen und als Nazi­tum, Aus­län­der­feind­lich­keit usw. beschimp­fen, son­dern dass bei­de sich noto­risch als Opfer sti­li­sie­ren und die­se Opfer­r­he­to­rik gebrauchen.

Es wäre viel­leicht mal ein inter­es­san­tes Pro­jekt, sich die Leit­me­di­en ein­zeln vor­zu­knöp­fen und ihr aktu­el­les Gejam­mer bezüg­lich der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit dem gegen­über­zu­stel­len, wie sie bei den Main­stream-The­men wie Femi­nis­mus und Sozi­al­po­li­tik auf Leu­te mit ande­rer Mei­nung ein­ge­dro­schen und sie an den Pran­ger gestellt haben.

Im zwei­ten Teil die­ses Arti­kels wer­de ich dar­stel­len, wel­che Rol­le der gras­sie­ren­de “Je suis Charlie”-Kult in der Heu­che­lei der poli­tisch-media­len Eli­ten spielt.

 
Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (38)

Marcus Junge

10. Januar 2015 16:23

Ich kopiere mal gnadenlos bei Michael Klonovsky, der den ganzen Wahnsinn um "Ich / Wir sind Charlie" gestern auf den Punkt brachte:

"Späterer 9. Januar 2015

Ach übrigens: Je suis Michael."

Wahlweise kann man auch einen alten Volker Pispers bei Youtube suchen, der schon vor einem Jahrzehnt Probleme damit hatte Amerikaner nach 9/11 zu sein oder später dann "Papst", ect.

Sascha

10. Januar 2015 16:43

Sie sind nicht der Einzige, der nicht Charlie ist: https://www.vineyardsaker.de/analyse/ich-bin-nicht-charlie/

Harald Sitta

10. Januar 2015 17:19

Verehrter ML,

Geheimdienste sind heutzutage auch nur mehr traurige ueberbuerokratische Organisationen, die sich nur mehr selbst bedienen koennen .. daher versagen sie auch.

Verschwoerungen sind viel zu schwierig >> siehe Marquis de Saint Real : Die Verschwoerung der Spanier gegen Venedig ( Karolinger) .

Die heutige REHEKLA (real existierende herschende Klasse) ist viel zu dumm, ungebildet, idiotisch ( im altgriechischem Sinne) um eine patente Verschwoerung auch nur denken zu koennen!

Wadlbeissen und Intrigieren, sonst ist da nix!

FAZ geht derzeit in wuetenden Kommentaren gegen den Heinen- Aufruf unter. Ich schrieb das folgende ( verglichen mit anderen Kommentaren milde, dennoch nicht gebracht; geloescht, aber auf Sezession konserviert; Danke!):

"Sehr geehrter Herr Heinen,

Der Anschlag in Paris galt weniger einem bestenfalls als spaetpubertaer zu qualifizierendem Schmierblatt sondern der Europaeischen Zivilisation.

Zu dieser gehoert Gedanken- und Geistesfreiheit, die sich ua in der Pressefreiheit manifestieren kann.

Auch diese ist wie jede Freiheit beschraenkt, sonst waere sie Willkuer.
Gegen ueble Nachrede, Beschimpfung, Verleumdung sowie Verspottung der Religion kann und darf man sich im Rahmen der Rechtsordnung wehren.

Wir denken konstitutionell, die islamistischen Fanatiker in Massakertaktik!

Es ist schamlos von ihnen, infam und rechtfertigt voll und ganz den Begriff „Luegenpresse“ , wenn Sie PEGIDA und allgemeine Kritik an den Medien mit Terroristen in einen Topf werfen und dann noch die Nazikeule schwingen ( dunkelste Vergangenheit BlaBla …)

Sie stehen in Wirklichkeit fuer oedeste Gleichschaltung, Kulturnihilismus und Gesinnungsdruck!

Presse hier in Suedafrika und in Deutschland, kein Vergleich!

Dr. iuris Sitta"

Vielleicht sind diese oeden Rassisten beleidigt, weil ich die (sued)AFRIKANISCHE Presse besser finde??? TsTs Ts ....

Je ne suis pas Charlie!!!!

Je suis Sezession!

Je suis PEGIDA!

Je suis BlaueNarzisse!

Je suis 'eigentuemlich frei'!

Je suis "Junge Freiheit"!

HdeA

OJ

10. Januar 2015 17:28

https://a.disquscdn.com/uploads/mediaembed/images/1608/1094/original.jpg

Nils Wegner

10. Januar 2015 17:49

Man muß die Ängste dieser Menschen und ihre dumpfen Ressentiments ernstnehmen;

[kurze Denkpause beim Lesen, denn der Satz wirkt nur allzu bekannt; N.W.]

sie spüren langsam aber sicher, daß ihre Autorität und Machtposition ins Rutschen kommen.

Volle Lage im Ziel, versenkt und mit Karacho in den Grund gebohrt. Was für eine großartige Bricolage zum Einklang des Wochenendes. Auch, wenn Lévi-Strauss seinerzeit wohl nicht derartiges im Sinn hatte. Chapeau!

Martin

10. Januar 2015 17:57

Juristisch betrachtet ist die Argumentation von Danisch nicht sauber. Kern der sog. Pressefreiheit ist gerade AUCH die Veröffentlichung und damit Vervielfältigung und Verbreitung von Meinungen und nicht nur die von Informationen. Charlie Hebdo wurde wegen dieser Veröffentlichungstätigkeit, also der Veröffentlichung und Verbreitung von Meinungen/Satire/Kunst angegriffen (unterstellen wir einmal, dass alles so war, wie es prima facie erscheint) und damit liegt ein Angriff wegen der Ausübung der Pressefreiheit genauso vor, wie auch auf die Meinungsfreiheit. Vollkommen Recht hat Danisch aber damit, dass die Pressefreiheit ein Jedermanns-Recht ist.

Recht haben auch alle die, denen es befremdlich erscheint, wenn ausgerechnet die, die aus Feigheit nie eine Mohammed-Karikatur oder die Namen von Straftätern veröffentlichen, damit man nicht auf deren Herkunft schließen kann, jetzt dramatisch erklären, sie wären Charlie. Das sind sie selbstverständlich nicht. Ich bin auch nicht Charlie, weil ich niemals eine Mohammed Karikatur veröffentlichen würde, dies allerdings aus einer anderen Motivation, die sich eher aus der sog. "goldenen Regel" herleitet.

Abschließend möchte ich anmerken, dass ich persönlich der Argumentation von der Spekulation über eine Beteiligung/Nichtverhinderung durch staatliche/geheimdienstliche Stellen über den Hinweis auf die in islamischen Länder vom "Westen" geführten Kriege hin zu der Feststellung, dass der Islam eben eine Quelle der kämpferischen, andere Diskriminierenden und verbrecherischen Handlungen für Moslems ist, nicht ganz folgen kann. Ich sehe hier durchaus auch gewisse argumentative Zirkelschlüsse wie bei dem zu Recht kritisierten Verhalten, von den Terroristen auf Pegida schließen zu wollen. Was ist jetzt eher da, die Henne oder das Ei? Der Islam oder der US-oder Sonst-Wer-Geheimdienst? Wer bekämpft das eine mit dem anderem?

Und wenn man nach "cui bono" fragt, warum wird dann bspw. Russland nicht erwähnt, dem ein Erstarken des Front National sowie einer AfD Gaulandscher Prägung bzw. eine innenpolitische Erschütterung der europäischen Länder sicher derzeit auch ganz gut passen würde. Wenn man damit anfängt, cui bono zu denken, dann darf man nicht beim Abklappern der üblichen Verdächtigen (CIA, Mossad, BND, Wall Street, Bilderberger, Atlantiker, Freimauerer etc.) stehen bleiben, sondern sollte wirklich sehr weit denken (wie sieht es bspw. mit Syrien, den Golfstaaten, wie mit China aus?). Motive gibt es hunderte, wenn nicht tausende, Kapazitäten und das Potential zu Umsetzung hingegen schon wieder weniger.

Zum derzeitigen Zeitpunkt stellt sich das Ganze daher für mich persönlich als ein Terrorakt von Moslems dar. Das aus solchen Anlässen dann von interessierten Kreisen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen werden und für sie passende Maßnahmen ergriffen werden, ist normal, aber nur weil es irgendwem ins Konzept passt, muss das noch lange nicht heißen, dass dieser dann dahinter steckt. Wenn mich mein Chef feuert, freuen sich bestimmt auch ein paar andere Kollegen, aber deswegen müssen diese nicht die Verursacher gewesen sein. Wenn jemand stirbt, trauern leider auch sehr oft nicht wirklich alle. Ich schreibe dies nur, um einmal zu illustrieren, wie streckenweise dämlich dieses cui bono Denken ist. Selbstverständlich ist cui bono immer eine berechtigte Frage. Sie darf aber niemals das alleinige Mittel zur Aufklärung oder Erklärung von Sachverhalten sein, da man ansonsten recht schnell in eine falsche Richtung kommen kann (gut, ich beginne Binsenweisheiten zu dreschen und höre auf ...).

Rainer Gebhardt

10. Januar 2015 18:23

Thanks a lot, Lichtmesz. Und auch noch mal für die Erinnerung daran, wer da so alles die just in time aus dem Hut gezauberte Bessermenschen-Kampagne " Je suis…" nun substantiell befeuert. Und wenn ich da auf Bernhard Henry Levy stoße, weiß ich schon genug.
Einst Sarkozys intellektuelle Sprechpuppe, ist Lévy inzwischen der Exponent westlicher Selbstgerechtigkeit. Den Heilgenschein eines um die Menschenrechte Besorgten hat er sich selbst aufgesetzt. Wobei er eigentlich nichts anderes tut als in den Wunden der Welt zu stochern, um sich dann als ihr Heiler aufzuspielen. Die Mächtigen, um die er buhlt „wie ein Nutte um einen Freier“ (Houellebecq), halten Lévy „für einen kleinen prätensiösen Idioten.“ (H. Guaino, Ex-Berater von Sarko). Die Medien brauchen solche als Philosophen verkleidete Trottel, die die Interessen der westlichen Finanzelite mit menschenrechtlichem Zuckerguß überbacken.
Was es noch über ihn zu sagen gibt, hat K.Sokolowski gesagt (Konkret 5/2111): In Lévy manifestiert sich Freuds Erkenntnis, dass Schamverlust pfeilgrade in den Schwachsinn führt. „Einem groben Mißverständnis zufolge...gilt Lévy als Linker. Dabei ist er ein sentimentaler Schwätzer, der ’das Unrecht’ bekämpft, sofern man ihn dabei fotografiert.“ Schön auch der verlinte Artikel von Steven Erlanger, der das Bonmot zitiert, mit dem die Kritiker BHL schmücken: “Gott ist tot, aber meine Frisur sitzt perfekt."
Ihnen ein schönes Wochenende!

Marcus Junge

10. Januar 2015 18:32

N24 im Nachrichtenband, gerade jetzt vor der Werbung:

Die Rechtsextremistin Marie LePen verweigert "Je suis Charlie" nebst weitere Beleidigung der Frau

Direkt danach läuft im Nachrichtenband: "Afghanistan feiert Charlie Hebdo" - Schnitt und Werbung. Wie der Satz wohl beendet worden wäre?

Ein gebürtiger Hesse

10. Januar 2015 18:34

Ha! "Man muß die Ängste dieser Menschen und ihre dumpfen Ressentiments ernstnehmen" (bezogen auf die Pegida-Hasser aus Politik und Medien) - schönster Witz seit langem.

Im Übrigen trägt selbst PI heute den windelweichen "Charlie"-Slogan in der Kopfzeile. Dafür sollte man sich viel, viel zu schade sein. Trägt man nicht einen Anarchisten in sich, tief verwurzelt, der gegen billige Vereinnahmungen dieser Art - das aufgenötige "Wir" - geradezu reflexhaft Sturm läuft? Und ist es nicht zuletzt eine Erfordernis des Stils, dieser Tage NICHT "Charlie" zu sein?

birne helene

10. Januar 2015 20:12

Ich muss tatsächlich sagen, ich bin so entwestlicht, dass mich dieses ganze
Solidaritätsgefasel aus westlicher Sicht nicht interessiert. Ich habe damit nichts zu tun.

Ich will und braucge diese sog. westlichen Werte nicht...

Ein Fremder aus Elea

10. Januar 2015 20:18

Vielleicht hat der W. da aber auch ex cathedra gesprochen, Herr Lichtmesz.

Als Hohepriester der Freiheit (TM).

Das wäre indes schlecht. Es ist beunruhigend, wie sich die Freiheit (TM) seit dem Ende des Kalten Krieges verändert hat: Die Rolle persönlicher Religiosität ist kontinuierlich zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund können W.'s Worte dann auch als Ankündigung verstanden werden, in welche Richtung sich die Freiheit (TM) künftig noch weiterentwickeln wird, nämlich in eine, welche ein Moslem hassen muß.

Nun ja, die Wahrheit ist, daß Gottlosigkeit die Wurzeln der Freiheit abtötet, und nichts dagegen getan werden kann. Erst wurde Gott fallengelassen, so gegen 1970, und 10 Jahre später, so gegen 1980, hat das Volk seine eigene Freiheit fallen gelassen:

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2015/01/11-jahre.html

Es ist schon merkwürdig, zu welchen Einsichten man geführt wird, wenn man Dinge zu verstehen sucht, welche man einfach nicht versteht.

Zadok Allen

10. Januar 2015 21:16

Dieses Ziel – also die Umwandlung der europäischen Nationen in „multikulturelle“, multiethnische „Gesellschaften“ – darf nicht in Frage gestellt werden, auch von so furchtbaren Einbrüchen wie dem Massaker an Charlie Hebdo nicht – denn dies ist das große „alternativlose“ politische Projekt, an dem Generalkritik zu üben streng verboten ist

Seit Tagen denke ich, dabei in ziemlich aporetische Bahnen geratend, über die Frage nach, wie folgendes zusammengeht:

a) der aus meiner Sicht unbestreitbare "Plan" der Eliten des angelsächsischen Imperiums, einen Genozid neuen Typs an den europäischen Völkern zu verüben, von dessen Realität ja auch Sie, Herr Lichtmesz, ausgehen, und

b) die mittlerweile doch sehr offenkundigen Verbandlungen des Dienste-Milieus mit dem islamischen Terrorismus.

Freilich, es ist alles Spekulation. Aber auch hier waren die mutmaßlichen Täter wiederum lange geheimdienstbekannt, hinzu kommt der "vergessene Ausweis" und die Ankündigung der Tötung der beiden durch den französischen Innenminister (?) - man werde sie "neutralisieren", Stunden bevor sie tatsächlich, in einem abgeriegelten Industriegebiet, erschossen wurden.

Ob nun "let it happen" oder "make it happen" gilt, wer vermag das aus unserer Froschperspektive zu entscheiden. Man sollte allerdings nicht so arglos denken wie oben Herr Sitta: "Verschwoerungen sind viel zu schwierig" - bitte?!

Ich darf als eines von unzähligen Beispielen nur das "Zeller Loch" erwähnen, eine staatsterroristische Aktion, in die mehrere dutzend Beamte verwickelt gewesen sein müssen, die alle über viele Jahre dichtgehalten haben - und dies war schon möglich in den noch vergleichsweise zivilisierten 80er und 90er Jahren.

Aber worauf ich hinauswill: die Herrschenden befinden sich m.E. in einem ausgewachsenen Zielkonflikt. Sie können nämlich nicht gleichzeitig und in demselben geographischen Raum die beiden Ziele erreichen: Vernichtung der europäischen Völker (a) und Aufbau und Pflege des Feindbildes islamischer Terrorismus (b).

Bis 2001 lief es doch mit der Vernichtung der europäischen Völker ganz wunderbar - man hätte die autochthonen Bevölkerungen nur weiter sedieren, ihre Verteidigungsbemühungen kriminalisieren und gegen mohammedanische Radikalinskis mit polizeilich-juristischen Mitteln durchgreifen müssen.

Der Islam-Komplex aber wächst sich inzwischen zur veritablen Bürgerkriegsursache aus. Und damit gerät, erstmals seit Jahrzehnten, das "große 'alternativlose' politische Projekt" der Herrschenden in Gefahr. Denn der Ausgang des Bürgerkrieges ist offen; alle Karten werden neu gemischt.

Warum sollten sie ohne Not ein solches Risiko eingegangen sein? Mir will keine plausible Antwort auf diese Frage einfallen. Allenfalls die rein spekulative Vermutung, daß dem ein fraktionelle Spaltung innerhalb der herrschenden Kreise zugrunde liegen könnte.

Strogoff

10. Januar 2015 21:29

Werter Herr Lichtmesz,
können Sie bestimmte Bücher von und über Debord empfehlen?
Auf deutsch bitte. Die Gesellschaft des Spektakels wird sicher sein Hauptwerk sein. Was noch?

M.L.: "Die Gesellschaft des Spektakels" reicht. Achtung, ist aber eine etwas zähe Lektüre... dennoch ein wichtiges Buch.

Carsten

10. Januar 2015 21:39

Lieber Herr Lichtmesz,

ich habe mir Ihr Radio-Interview mit André Lichtschlag angehört.

Es ist die beste Analyse, die es über den Fall Charlie Hebdo gibt.

Eine Blamage erster Klasse, daß die »Qualitätsmedien« sowas nicht zustande bringen!

Arkanthus

10. Januar 2015 21:58

Herr Lichtmesz, ist die Abwehr gegen "Wir"-Reflexe nicht eigentlich genuin links ? ;).

M.L.: Also meiner Auffassung nach ist das klassisch "reaktionär". Oder anarchistisch?

Das war jedenfalls mal, ein "echter Linker" ist heute ein reaktionärer Rechter. Ob Sie´s glauben oder nicht, ich hab diesen Satz von einem echten Vollblut-Linken gehört !!!! Ich war immer irgendwie rechts und bin damit angeeckt, aber nie nie habe ich mich als Revolutionär gefühlt. Jetzt bin ich überzeugt, daß, wennn überhaupt irgendeine Widerstandsbewegung kommt, dann von rechts.

Matthias Grund

10. Januar 2015 22:20

Danke für die schlüssige Analyse. Ich halte für mich fest und spinne weiter:

Die angebliche Verteidigung der Meinungsfreiheit bedeutet eigentlich die ausnahmsweise Duldung einer Meinungsäußerung, solange sie herrschaftskonform ist. #JeSuisCharlie - aber nicht Theo van Gogh.

Stellvertretend Herr Gauck (sinngemäß): Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir verteidigen unsere Werte, die Redefreiheit ist unser höchstes Gut...die wir gegen die geistigen Brandstifter der Intoleranz verteidigen.

Herrlich, wie er den Bogen schafft. Er meint tatsächlich PEGIDA. Meinungsfreiheit: Ja, aber...

Cui bono? Fast möchte man meinen, Paris spielt den Herrschaften in die Hände.

Gaucks Interpretation klingt schon nicht mehr so sehr nach Meinungsfreiheit als universellem Grundrecht. Eher nach: Wir entscheiden, wem wir wann Einlass gewähren, und wer draußen bleiben muss. Meinungsfreiheit Plus.

Sprache ist Herrschaft, und jedes Herrschaftsprojekt muss vor allem die Sprache unterwerfen. Dann disziplinieren die Menschen sich selbst und wir brauchen später weniger Polizei gegen den renitenten Rest.

der demograph

10. Januar 2015 22:26

in 50 Jahren redet niemand mehr über Islamismus in Europa. Europa ist dann von Schwarzafrikanern überrannt. Das ist dann so wie heute in Haiti, Detroit oder Kongo. Ob sich jemand islamisch, christlich, animistisch nennt macht dann auch keinen unterschied mehr. Übrigens wird es nicht nur Europa so gehen. Das Bevölkerungswachstum in Subsaharaafrika ist so groß die überrennen auch den arabischen Raum, Westasian, Suedasien, Ostasien.

Und eins nicht vergessen: so schlimm Saudi Arabien auch ist, es ist immer noch besser als Liberia. Sogar in Afghanistan kann man wahrscheinlich besser leben als in Liberia.

Matt Anon O'Herne

10. Januar 2015 23:11

Die Panik bei den Meinungsmachern, Medienvertretern und Polit-Apparatchiks! Wenn sie jetzt den Hitler auspacken, um auf Pegida einzudreschen, dann ist das „große ‚alternativlose‘ politische Projekt“ der Herrschenden definitiv in Gefahr:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-anfuehrer-hitler-zitate-und-rassistische-parolen-a-1012208.html

Windwärgut

10. Januar 2015 23:32

Es wird ja ohnehin langsam inflationär, gerade war es noch "Ich bin ein Jude" schon ist es "Isch bin Scharliiie"
Dem hilft nur eins zu erwidern "Nein, Sie sind nicht Charlie, der war erstens persönlich aufrecht und ist zweitens tot. Sie sind beides nicht."

meierhans

11. Januar 2015 00:13

Wer heute Tagesschau gesehen hat, konnte deutliche Zurückhaltung erkennen.

Im Anschluss an den eröffnenden Bericht über die Gedenkversammlungen in Frankreich der Schwenk nach Dresden. Dort, auf der Versammlung für "Toleranz und Weltoffenheit", also für Selbstabschaffung, sah der der Zuschauer ein Plakat "Je suis Charlie" und später sogar kurz eine geschwenkte deutsche Fahne. Dann schließlich wurde Tillich interviewt, der ein Gesprächsangebot an Pegida richtete.
Der Zuschauer denkt: "Diese Demo war gemäßigt und allgemein gut. Pegida dagegen sind eher so die Radikalinskis, die alle Moslems niedermachen wollen und das ist ja auch wieder nicht gut."
Man hat also keine Diffamierung und Hetze gefahren, wie noch bei den Politikerreden der letzten Tage.

Warum auch immer. Sollten die Macher tatsächlich selbstkritischer geworden sein? Oder geht es eher um Dämpfung des Trotzes in Dresden?

Trouver

11. Januar 2015 02:02

Mit der Logik von Borderlinern und Psychopathen bringen es ihre Vertreter fertig, ausgerechnet Pegida mit den Attentätern auf eine Stufe zu stellen.

Nein, das ist eine Handlungsmethode, die man "Flucht nach Vorne" nennt.

Ausgeführte mit kreischender, schamlosester Hyperfrechheit, die jegliche Gegenstimme überschallen muss.

Neu ist es nicht.

Urwinkel

11. Januar 2015 02:17

Die besagte Polin war umwerfend hünsch, und gab sich jede Mühe dies Vorzuzeigen. Liebesbriefe prasselten rein; Einladungen zu irgendwelchen Familienfeiern. Bis heute bin ich das Gefühl nicht los, daß die mich "gestalkt" hat. Den Metabegriff gab es damals noch nicht. Das Wort und die Sache schon. Ein wichtiger Tip an alle Gestalkten: Nicht reagieren, ruhig bleiben, kalte Schulter zeigen (für Frauen: nicht nackt; es sei denn ihr sucht die Gefahr).

M.L.: Kapitulieren Sie endlich, Urwinkel, 99,9% Ihrer Monologe lasse ich inzwischen im Papierkorb verschwinden... sie haben wohl ein bissel viel Coil gehört? ;-)

Stephan

11. Januar 2015 07:29

Irre! Sie haben die Sache mit der Vorratsdatenspeicherung praktisch minutiös antzipiert: www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/maiziere-terror-deutschland-paris (jaja, ich weiß. Für die Prinzipiellen: andere Medien berichten auch).

Wenn Sie Zeit für etwas Leichteres hätten: wie wär's mit den Lottozahlen - der Hedonist und Konsumist in mir, Sie wissen schon?

RL

11. Januar 2015 08:01

Gestern habe ich mir Ihr Radiointerview angehört. Köstlich, wie Sie die Heuchler, die auf einmal alle Charlie sein wollen bloß gestellt haben.

Diese Heuchler, die gegen jeden die Nazikeule schwingen, der sich erdreistet auch nur die kleinste Kritik an der "Religion des Friedens" zu üben.

Am besten gefallen in dem Interview hat mir Ihr Beispiel mit der katholischen Kirche, über die man jeden Dreck auskippen darf ohne, daß ein Aufschrei durch die Presse geht oder diese Schlampen in Rußland, die als Heldinnen gefeiert wurden.

Und no ebbs, I bi ned da Koali.

hansmuc

11. Januar 2015 09:21

dieses palaver um einen angriff auf die menschenrechte und die pressefreiheit,wobei der gleiche chor geschwiegen hat und schweigt,als in der ukraine die menschenrechte gezielt zusammen geschossen wurde
maidan,mh17,odessa und derzeitig in der ostukraine
nein ich bin kein charlie,kannte diese nicht vorher bewusst,
trauere aber um die menschen die dabei ums leben kamen

Hühnerbaron

11. Januar 2015 10:03

Die „cui bono?“ Frage ist – mit Verlaub – eine Einladung zur Hieroskopie. Geheimdienstinterna kennt hier doch niemand. Selbst wenn kriminalistisch gesehen Motivsuche fruchtbar ist, so mutmaßen wir doch nur über diese Motive, da die beteiligten Personen und ihre „wahren“ Absichten doch gerade nicht validiert werden können. Vielmehr ist man auf Zeugen vom Hören-Sagen angewiesen, die wiederum Gott weiß welche Agenda verfolgen. Nimmt man stattdessen diese und jene offizielle Verlautbarung aus anderem Zusammenhang in der Vergangenheit beim Wort, wird diese wahrscheinlich wenig konkret und interpretationsoffen sein. Die „große Inszenierung“ ist nach dem Prinzip der Parsimonie (Ockhams Rasiermesser) der unwahrscheinliche Fall. Wahrscheinlich ist, dass ein paar Leute im Rahmen eines islamistischen Verbundes/Zelle entscheiden haben, dass es nun genug und an der Zeit ist diesen Hunden von der Redaktion die Rechnung zu präsentieren. cui bono? -der IS, die ihre „streetcredebility“ erhöht, natürlich! – den Attentätern, die ihr jämmerliches Dasein als Helden der ihren beenden können Je weniger Großorganisationen (Regierungen, Geheimdienste) etc. in ein Attentat eingebunden sind, desto eher wird es erfolgreich sein, da weniger Mittwisser, die reden können, vorhanden sind. Wenn also ein Attentat gelingt, ist es wahrscheinlicher, dass eine Handvoll Leute es aus eigenem Entschluss geplant und durchgezogen hat, als dass es eine große Verschwörung gegeben hat.

Czernitz

11. Januar 2015 10:10

Die Sache ist doch so: Sobald eine Bewegung auftaucht, die Raub und Mord in religiöse Sphären hebt, die Verbrechen religiös rechtfertigt, die ihr verbrecherisches Tun mit dem Mäntelchen der Religion verhüllt, hat der Staat Stellung zu beziehen. Mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, hat er gegen diesen Wahn vorzugehen. Wenn der Staat unfähig ist, sollten die nichtstaatlichen gesellschaftlichen Kräfte einschreiten. Und wenn selbst diese versagen, darf ein Land sich glücklich schätzen, wenn es eine Zeitung namens Charlie Hebdo hat, die dann mit ihren Möglichkeiten versucht, sich solcher Religionen, die in Wahrheit religiöse Perversionen sind, anzunehmen. Einer solchen Kraft mag nicht immer alles gelingen. Manches mag zu plump oder zu verletzend geraten. Wichtig ist doch, daß es eine solche Kraft überhaupt gibt. Die Anti-Charlie-Hebdo-Welle ist nun leicht zu durchschauen. Sie wird getragen vom Fundamentalismus jüdischer, christlicher und muslimischer Provenienz. Einheit in Verwandtschaft! Diese Welle ist purer Jahwismus.

Hesperiolus

11. Januar 2015 10:44

Die Logistik der Je suis Charlie - Kampagne, mit Slogan, Design und Plakaten, ist in der kurzen Zeit ein fast unglaubliches Meisterstück. Gestern war in der FAZ eine Charlie-Kundgebung abgebildet mit etlichen, im Unterschied zu Dresden professionell hergestellen Transparenten, gut verteilt über eine ansehnliche Menschenmenge, einige mit der Aufschrift: nicht "Je suis contre le djhadisme", nicht "Je suis contre terrorisme" oder auch nicht "Je suis contre fanatisme", sondern "Je suis contre fascisme". Dazu braucht man gar nichts mehr sagen! Die FAZ will jetzt , Nils Minkmar schreibt es im Pluralis infamiae "wir", bei den Pornographen vom CH in die "Schule der Anarchie" gegangen sein, jener Anarchie, die die eigentliche Ressource Frankreichs sei. "Nirgendwo sonst auf der Welt ist es möglich, alle Religionen () mit solcher Wollust zu verarschen". Heuchler! Ja, meine und deine Religion, die der einfachen Menschen, darf verarscht werden, wie aber sieht es mit der Kaaba der westlichen Zivilreligion aus? Warum soll ich dann noch Auschwitz latrieren, wenn dem Heiligsten meiner Verwandten und Freunde aber und aber von den saturierten Perversen ins Gesicht gespien werden darf? Wo bleiben Plakate mit „Je suis Dieudonné“ und „Je suis kreuz.net“ – oder gilt, wofür die „Weltelite“, so FAZ, nochmal: „Weltelite“, nicht der dumme Pöbel aus Dresden, auf die Straße geht, nur für Typen wie Wolinski oder den Femen, die Dominique Venner ins Grab nachhöhnen. – Ick kann jar nich so viel…, nach Liebermann.

M.L.: Ich werde bald auf Dieudonné zurückkommen.

Ein Fremder aus Elea

11. Januar 2015 11:08

Man sollte vielleicht 'ne Chronik "Lügenpresse" machen, neueste Einträge Assads Atompläne und Coulibalys "nicht richtig" (sprich: Eimer Wasser oder Vorschlaghammer) ausgeschaltetes Handy.

Als wenn es auch nur ein Modell gäbe, welches sich nicht von alleine ausschaltet...

Und der SPIEGEL ist sich auch nicht zu blöd, sich zum offiziellen Sprachrohr der "nicht richtig" geschlossenen Facebookgruppenmitleser zu machen.

Mir gefällt das ehrlich gesagt nicht. Immer "alles oder nichts" zu spielen ist beqem, wenn sich keiner "nichts" vorstellen kann, aber das jetzt, Verletzung der Privatsphäre auf politischen Druck, um ein paar Beleidigungen abdrucken zu können?

Jäger hat's ja angekündigt: "Die Maske vom Gesicht reißen.", sprich: "Er hat privat Schluchtenscheißer gesagt. Ich weiß das! Und ich werde es die Welt wissen lassen!"

Ohauahauaha.

Überall dasselbe, wirklich überall... Linie durchdrücken, trotz allem Murks, Augen geradeaus, Reihen geschlossen... Diese Einigkeit ist nicht vorhanden.

Und sie läßt sich auch nicht herstellen. Und wenn es zu einer echten Belastung kommt, macht es knacks.

Was für Trampel, wirklich, was für Trampel...

Hesperiolus

11. Januar 2015 13:10

Hier die "contre fascisme"-Plakate in Toulouse (!) auf dem APF Foto der FAZ online.:

https://www.faz.net/aktuell/politik/trauermarsch-fuer-terroropfer-regierungschefs-wollen-mit-hunderttausenden-demonstrieren-13363035.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/trauermarsch-fuer-terroropfer-regierungschefs-wollen-mit-hunderttausenden-demonstrieren-13363035.html#aufmacherOverlay

M.L.: Ehrlich... das ist nur mehr surreal.

jack

11. Januar 2015 14:17

Aus dem Kommentar des BDZV-Präsidenten Helmut Heinen:

......"Satire, Tabubruch, auch Blasphemie muss unsere Gesellschaft aushalten...."

Einverstanden.
Nur, das was Charlie Hebdo gewinnbringend und aufhetzend als Satire verkauft, ist keine Satire sondern vulgärer Mist und den jetzt noch schönzureden mit "Verteidung unserer Werte und Pressefreiheit" , wirft ein grelles Licht auf den mentalen Zustand der Gesellschaft.

......„Lügenpresse“ – das ist ein Kampfbegriff aus Deutschlands dunkelster Vergangenheit.... "

Wohl wahr, wohl wahr, denn die 68-iger, von denen die meisten immer noch in Amt und Würden sind, skandierten damals: "Springer-Presse, halt die Fresse" und nicht nur das, sie verübten Brandanschläge auf die Fahrzeuge, die Verlagsgebäude und fackelten sein Ferienhaus auf Sylt ab. Dass es dabei keine Toten gab war nicht das Verdienst der Terroristen, die sie zweifelsohne waren.

Diese Heuchler echauffieren sich heute und stellen Zusammenhänge her, die nicht existieren.

Nihil

11. Januar 2015 14:57

Wunderbare Analyse - wie immer.

Goldene Zeiten für Psychologen sowie Analysten des liberalen Systems. Heute zeigt sich wieviel "DDR" in der "BRD" steckt, mehr als selbst ich für möglich gehalten habe. Und an den Ähnlichkeiten im Umgang mit einer Realität, die nicht sein darf, kann man sehr gut ablesen wie perfide "zellenartig" der Liberalismus im Vergleich zum relativ monolithischen SED-Staat funktioniert. Mittlerweile ist die Türe zum Maschinenraum des Liberalismus offen, man kann die Funktionsweise deutlicher denn je studieren.

Monika

11. Januar 2015 18:43

Wir stehen ein für Versammlungsfreiheit wie für die Religionsfreiheit -
für die Freiheit insgesamt

Joachim Gauck, der durch Hass ungespaltene Charlie am 9.1.15

O là là, monsieur le président !
Auch wir lieben die Freiheit insgesamt und vor allem im besonderen.
liberté, égalité, sexualité.........

Sind wir nicht alle ein bißchen Charlie ?
Der Islam hat durchaus seine angenehmen Seiten, wie es Houellebecq beschreibt. Gerade auch für euch Politiker. Ihr müßt eure 3 bis 4 Frauen nicht mehr hintereinander,sondern ihr könnt sie zur gleichen Zeit beglücken.
Und deutlich jünger dürfen sie auch sein. Frei nach Goethe:
" ist unter vierzehn Jahr doch alt "
Es brechen paradiesische Zeiten an.
Übrigens - je suis Monique

eulenfurz

11. Januar 2015 21:20

BDZV-Präsident Helmut Heinen:

Sie versprechen einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Angesichts dessen mutet es seltsam an, daß die BRD-Presse auf bestimmte Fragekomplexe nur gleich(geschaltet)e Antworten kennt.

M.L.: Good one!

Langer

11. Januar 2015 22:32

Und lautet die Antwort auf die question complexe nicht eigentlich: "Haltet die Fresse! Wir sagen Euch, wenn sich was aendert!"

Harald Sitta

12. Januar 2015 18:24

Verehrter ML,

Der Entschluss, den naechsten Terroranschlag zu nutzen ,um PEGIDA und AfD niederzuknueppeln, muss in der REHEKLA schon vor einiger Zeit gefaellt worden sein. Sodann musz man nur noch warten, bis auf Grund voelli verschlampter Abwehrsysteme etwas passiert (Factum certum, dies incertus). Der Rest ist routiniertes Abspulen der ueblichen Phrasen etc etc etc … es fragt sich, ob das ausserhalb des subventioniert-verbloedeten Segments noch irgendwer glaubt?

Ich hatte einen Traum…

Um ein Zeichen zu setzen gegen Islamophobie und Fremdenhass wird durch Kanzerverordnung ( Vorbild B. Obama’s executive orders) als allererster Staatszweck Deutschlands die umfassende Hilfe und Aufnahme fuer alle Fluechtlinge dieser Welt proklamiert,

Zur Finanzierung dessen erklaert Finanzminister Schaeuble jedes Vermoegen und alle Einkommen ueber EURO 1,500 per Monat fuer eingezogen. (ARHSSt= Antirassistische humanistische Sondersteuer) Auslaender und Staatsbuerger mit Migrationshintergrund sind wegen ihrer bis dato bestehenden Diskriminierung ausgenommen.

Fuer den heldenhaften Kampf gegen Islamophobie, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden Parteienfoerderung, Pressefoerderung und Subventionen an die entsprechend engagierte Zivilgesellachaft vervierfacht. Diese Zahlungen sind selbstredend von der ARHSSt ausgenommen,

Jedes Kirchengebauede wird in Zukunft zeitlich zu 50 Prozent als Moschee dienen. Das Koelner Domkapitel erwaegt Besuchspflicht fuer Katholiken fuer das Freitagsgebet,

Jeder Wochentag heisst ab jetzt Freitag.

Der Landwirtschaftsminister erwaegt den Bauern die Umstellung von Schweinezucht auf Schafs- und Ziegenhaltung vorzuschreiben. “Von Anatolien lernen, heisst siegen lernen” wird er zitiert und “Koennen wir unseren muslimischen Mitbuergern wirklich den Anblick deutscher Saeue zumuten?”

SONDERMELDUNG : Nachdem ein unbegleiteter minderjahriger Migrant in Berlin einen Polizisten mit einem Messer niederstiess mit den Worten:” ASSUELL FUER ALE UND KNETE ZACH ZACH SONS GIBTS PUFF PUFF” beschliesst der Berliner Landtag mit den Stimmen fast aller Parteien , diesen Menschen fuer den Friedens – und Literaturnobelpreis vorzuschlagen. Zitat OB Berlin:” Diese schlichte und dennoch respektvolle Ausdrucksweise nach all den Traumata einer Flucht ist einfach beruehrend …” Nachdem die AfD sich der Stimme enthielt, werden ihren Abgeordneten wegen menschenrechtswidriger, voelkerrechtswidriger und verfassungswirdriger Ausuebung des Mandates dieses entzogen.

Die Gruenalternativen bringen im Bundestag den Antrag ein, Turkokietzsprech als alleinige Amtssprache einzufuehren. “Endlich eine repressionsfreie, spontane hierarchie- und elitefreie Sprache an der niemandIn auf Grund faschistoider Qualitatetskriterien scheitern kann”

Bundeskanzlerin Merkl will pro-aktiv und weltoffen ueberlegen, die deutsche Flagge durch die Regenbogenflagge und die Staatsbezeichnung durch “Multikulturelle Republic Tolerantia MRT” zu ersetzen.

Cem Oecdemir (GA) fodert gegen die noch immer existierenden ilamophoben Nazibanden wie PEGIDA , AfD die Bewaffnung migrantischer Jugendlicher und deren Formation als Hilfspolizei.

Dresden, Montag Abend: uber dem verbleibenden kleinen Hauflein von PEGIDA Demonstranten droehnen Dutzende Hubschreiber der Polizei und der Bundeswehr .

Vizekanzler Gabriel (SPD) fordert Slogans, wie : Ich bin Deutscher, wir sind Deutsche, Wir sind das Volk als Hassreden zu verbeiten, da diese fremdenfeinlich, rassistisch und bei armen Fluechtlingen ein Trauma ausloesen koennten.

Justizminister Maas: ‘ Verstockte Islamophobe und Rassisten sind konzentriert in Umerziehungslager zu bringen”.
Die Linke, GA, FDP, CDU, SPD und CSU vereinen sic h im Namen der Vielfalt und Toleranz zur allein zugelassenen MKEPT= Multikulteinheitspartei Tolerantias.

..und ich erwachte und was lese ich so ?

Difficile est satiram scribere ………

HdeA

Martin Lichtmesz

17. Januar 2015 12:54

Badeschluß, Karawane zieht weiter!

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.