“Frauen, liebt Männer!” – Bernhard Lassahns Streitschrift für das Kind

„Suche eine passende Überschrift!“ ist eine gerngenommene Aufgabe für Schüler, die sich in Texterschließung üben.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Bern­hard Las­sahn hat fol­gen­den Auf­ruf als Über­schrift für sei­ne anti­fe­mi­nis­ti­sche Tri­lo­gie Frau ohne Welt gewählt: „Frau­en, liebt Män­ner! Män­ner, liebt Frau­en! Lest Frau ohne Welt!“ Das ist als weg­wei­sen­de Anlei­tung zu ver­ste­hen. Anti­fe­mi­nis­ti­sche Mot­tos lau­ten näm­lich gern so:

War­um Frau­en unser Unter­gang sind. Oder noch dras­ti­scher: Wie das ver­lo­ge­ne Geschlecht zum Herr­scher­ge­schlecht gewor­den ist. Sol­che claims sind Was­ser auf die Müh­len vie­ler: der Zahl­vä­ter, der ent­sorg­ten Män­ner, der ewig „bes­ten Freun­de“, der Frau­en­quo­ten­op­fer. Jene, die unter Eti­ket­ten wie „Mas­ku­lis­ten“ sich sam­meln, haben die (oft ver­ständ­li­che) Wut der Ge- und Ent­täusch­ten im Bauch.  Macht sie das zu unbe­ding­ten Recht­ha­bern?  Lie­bens­wert macht es sie jeden­falls nicht. Es läßt sie als schnau­ben­de Ver­lie­rer mit Zor­nes­fal­ten aussehen.

Las­sahns Buch, nach Der Krieg gegen den Mann (2013) Teil II sei­ner Tri­lo­gie Frau ohne Welt, hebt sich in mehr­fa­cher Wei­se posi­tiv von vie­len Ver­dam­mungs- oder Jam­mer­schrif­ten des Gen­res ab. Man könn­te sagen: Der Autor denkt cum ira et stu­dio. Und er schreibt glän­zend, mit sou­ve­rä­nem Witz, der nur aus­nahms­wei­se zur Häme wird. Obgleich ein gewis­ses Über­schnap­pen ange­sichts der Lage der Din­ge bis­wei­len naheläge.

Dem drei­und­sech­zig­jäh­ri­gen Schrift­stel­ler (bekannt für sei­ne Käpt’n Blau­bär-Geschich­ten) und Lie­der­ma­cher geht es in die­sem Band um den „Krieg gegen das Kind“. Er kon­sta­tiert eine poli­ti­sche und media­le Agen­da, die seit lan­gem ers­tens der Kin­der­ver­hin­de­rung die­ne und zwei­tens alles tue, um die Lebens­be­din­gun­gen von Kin­dern „an die Bedürf­nis­se mit sich selbst beschäf­tig­ter Erwach­se­ner“ anzu­pas­sen. Klingt zu dras­tisch? Nach der Lek­tü­re gewiß nicht.

Las­sahn geht mit sei­ner Ana­ly­se weit über die mitt­ler­wei­le bekann­ten Schau­stü­cke des Gen­der­zir­kus, der Sex­päd­ago­gik und der Schei­dungs­schar­müt­zel auf den Rücken von Kin­dern hin­aus. Doch auch zu die­sen Punk­ten erfährt man Details, die man so nicht kann­te: Gemäß der Jour­na­lis­ten Dale O’ Lea­ry, die sowohl an der Vier­ten Welt­frau­en­kon­fe­renz 1995 als auch an den Vor­be­rei­tungs­tref­fen teil­ge­nom­men hat­te, umfaß­te die Pro­gram­ma­tik jener Kon­fe­renz, die das Gen­der­pro­gramm inter­na­tio­nal imple­men­tie­ren soll­te, unter ande­rem fol­gen­de Punkte:

  • In der Welt braucht es weni­ger Men­schen und mehr sexu­el­le Ver­gnü­gun­gen. Es braucht die Abschaf­fung der Unter­schie­de zwi­schen Män­nern und Frau­en sowie die Abschaf­fung von Vollzeitmüttern.
  • Es braucht welt­weit frei­en Zugang zu Ver­hü­tungs­mit­teln und Abtrei­bungs­mög­lich­kei­ten und För­de­rung homo­se­xu­el­len Ver­hal­tens, da es dabei nicht zur Emp­fäng­nis kommt.
  • Es braucht einen Sexu­al­kun­de­un­ter­richt für Kin­der und Jugend­li­che, der zu sexu­el­len Expe­ri­men­ten ermu­tigt, es braucht die Abschaf­fung der Rech­te der Eltern über die Kinder.
  • Die Welt braucht eine 50/50 Män­ner­/­Frau­en-Quo­te für alle Lebensbereiche
  • Reli­gio­nen, die die­se Agen­da nicht mit­ma­chen, müs­sen der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben werden.

In sie­ben­und­zwan­zig kur­zen Kapi­teln inter­pre­tiert Las­sahn die zeit­ge­nös­si­sche „staat­li­che Marsch­mu­sik“,  in der deren Rhyth­mus als „Neben­ge­räusch immer die Ver­spot­tung der Fami­lie“ mitklingt.

“Wenn man das Ver­hält­nis Mann-Frau iso­liert betrach­tet und dabei Kin­der und die gesam­te Fra­ge der Frucht­bar­keit aus­klam­mert, dann ver­sucht man, mit einer zwei­di­men­sio­na­len Sicht ein drei­di­men­sio­na­les Pro­blem zu lösen. Das geht nicht. So bekom­men wir nicht nur kei­ne Kin­der mehr, wir hal­ten es auch mit­ein­an­der nicht mehr aus.“

Der Angel­punkt wäre hier­mit umris­sen. Wie gehen wir mit ihr um, mit der „drit­ten Dimen­si­on“, die bes­ten­falls die Frucht der Lie­be ist? Beson­ders scho­ckie­rend ist, was uns Las­sahn über die weni­ger bekann­te Sei­ten der Kin­sey-Stu­di­en aufdeckt.

Alfred Kin­sey, Spitz­na­me „Dr. Sex“, wird heu­te als Säu­len­hei­li­ger der Auf­klä­rung ver­ehrt. Man lobt, wie er durch die Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Umfra­gen und Unter­su­chun­gen in Diens­ten der Rocke­fel­ler Foun­da­ti­on die Ame­ri­ka­ner und mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung die Euro­pä­er von ihrer „spie­ßi­gen“ Sexu­al­mo­ral befreit hat­te. Seit­her durf­te über gehei­me Vor­lie­ben (von Mas­tur­ba­ti­on und Homo­se­xua­li­tät bis Sex mit Tie­ren und Min­der­jäh­ri­gen) offe­ner ver­han­delt werden.

Kin­sey hat sich in beson­de­rem Maße für die Orgas­mus­fä­hig­keit klei­ner Jun­gen inter­es­siert. Sei­ne „Stu­di­en“ an 317 Säug­lin­gen und Kin­dern ermit­tel­te er, daß bereits knapp Ein­jäh­ri­ge bis zu „14 Orgas­men inner­halb von 38 Minu­ten“ gelan­gen könn­ten, was Kin­sey „zuver­läs­sig“ an Zei­chen wie Schluch­zen oder hef­ti­gem Schrei­en erkannt haben wollte.

Las­sahn inter­es­sie­ren nicht nur die Knack­punk­te und Soll­bruch­stel­len der moder­nen Auf­fas­sung von Kind­heit, er kennt auch das Gelin­gen­de und Gelin­gen­kön­nen­de.  Immer­hin ist er von Berufs wegen Poet. Das macht die Lek­tü­re trotz aller Schau­der zu loh­nend: Hier wird verdichtet!

Las­sahn ist nie aal­glatt in sei­nen Argu­men­ten. Über man­che Punk­te möch­te man strei­ten. Er wirft bei­spiels­wei­se die „Neue Mäd­chen­ord­nung“ mit dem Femi­nis­mus der guten alten Ali­ce Schwar­zer durch­ein­an­der: Letz­te­re hat nie für ein Haus­frau­en­gehalt plä­diert und Frau­en nie als „grund­sätz­lich empha­ti­scher“ belobhudelt.

Auch Las­sahns Ehren­ret­tungs­ver­such für Rous­se­au wäre eine Dis­kus­si­on wert: Ob Rous­se­aus Erzie­hungs­schrif­ten an Wert ver­lie­ren, weil er sei­ne eige­nen Kin­der ins Heim gege­ben hat?  Las­sahn meint: nein, und mut­maßt aus­ge­rech­net dies: Viel­leicht sei ja Frau Rous­se­au dafür verantwortlich

Zu eini­gen Details könn­te man zudem ein­wen­den, daß Las­sahn Ein­zel- und Son­der­fäl­le unzu­läs­sig zur heu­ti­gen Nor­ma­li­tät erklärt. Die wenigs­ten Kin­der­gär­ten besu­chen Trau­un­gen les­bi­scher Paa­re, auf deut­schen Amts­for­mu­la­ren wer­den Mut­ter und Vater immer noch nicht mit „Elter 1“ und „Elter 2“, und es gibt weder einen gro­ßen Trend noch gar eine For­de­rung nach geschlechts­neu­tra­len Vor­na­men. Aus­ge­schlos­sen ist hin­ge­gen nicht, daß sich Las­sahn hier­bei seis­mo­gra­phisch betätigt.

Es bleibt unterm Strich bei der Las­sahn­schen Emp­feh­lung:  Frau­en, liebt eure Män­ner! Män­ner, liebt eure Frau­en! Lest Frau ohne Welt!

Bern­hard Las­sahn: Frau ohne Welt. Tri­lo­gie zur Ret­tung der Lie­be. Teil II – Der Krieg gegen das Kind. Manu­scrip­tum, 176 Sei­ten, 14.90 €, hier bestel­len.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (27)

t.gygax

30. Januar 2015 14:42

Zu Alfred Kinsey: es gibt eine Doku über ihn , die DVD heißt "Sexzwang" und ich habe es kaum geschafft, mir dieses ekelhafte Zeug anzuschauen. Der Typ hat schlichtweg kleine , hilflose Kinder im Säuglingsalter gequält und das offenbar mit einer geradezu perversen Lust...es ist scheußlich!!!
Und so ein .........( ich wollte etwas Vulgäres schreiben, unterlasse es aus Rücksicht auf die anständige E.K.) wurde mir vor vielen Jahren in der Sozialpädagogenausbildung als Lernstoff vorgesetzt...und der oberpädophile Helmut Kentler war in Sexualpädagogik Prüfungsthema in den 70er Jahren. Heute weiß man, was in der Odenwaldschule passierte, aber Kentler- wie konnte es anders sein- machte eine steile Karriere und saß in allen kirchlichen Gremien an erster Stelle.
Ich bekomme heute noch Zustände, wenn ich das solche Kreaturen denke.
Übel, übel, übel.

Klaus F.

30. Januar 2015 15:03

„Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.“

Das glaube ich erst, wenn sich damit ernsthaft an den Islam herangetraut wird. Unabhängig davon was ich selbst von diesem Horrorprogramm halte, solange man auf deren Seite nicht wenigstens den eigenen Zielen gegenüber aufrichtig ist, gibt sich niemand außer dem Genderismus selbst der Lächerlichkeit preis.

Ein Fremder aus Elea

30. Januar 2015 15:47

"an der Vierten Weltfrauenkonferenz 1995"

Hab' ich schon früher gehört, und zwar von Thomas Robert Malthus.

Das dürfte in den entsprechenden Kreisen so etwas wie ein Orden sein, welchen man vielversprechenden Kandidaten an die Brust heftet, damit sie fortan um so tapferer kämpfen.

Die liegen da alle schon seit über 100 Jahren in der Schublade und warten nur auf potentielle Träger.

Herzog

30. Januar 2015 16:09

Liebe Frau Kositza,

Sie diagnostizieren eingangs, dass die durch staatliches und Frauenhandeln (oder soll man das " und" weglassen?) ge- und enttäuschten zornigen /(v)erbitterten Männer oft wenig liebenswert rüberkommen, nicht selten wie "schnaubende Verlierer mit Zornesfalten" erscheinen. Und ein gewisser weiblicher Degout daran ist auch bei Ihnen durchspürbar.

Aber was wollen Sie? Dass man völlig ungerührt bleibt, immer heiter weiterlächelt und den Damen die Tür aufhält nach jahrelangem Bashing? Aber klar, es ist schon irgendwie ärgerlich, dass die Getretenen nicht ad infinitum charmant und heiter bleiben. Letztlich sogar für beide Geschlechter.

Hesperiolus

30. Januar 2015 16:12

"Religionen die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden." Interessant! Letztlich ist dieser sog. Feminismus wohl nur eine Transformationsideologie auf dem Weg zur "wackeren, neuen Welt", um "alle menschlichen Unterschiede auszuschalten und das Produkt Mensch zu standardisieren" (04.24), wie es in folgendem herrlich antiquierten, aber immer noch hellsichtigen Beitrag heißt:
https://www.youtube.com/watch?v=TpMYb9rUx30
Unbedingt ansehenswert, verweise nur auf Stichworte wie "Seelenmanipulation", "over-organization", "Geburten- und Todeskontrolle", "elektronisches Marionettentheater", Ablenkung durch "absurde Unterhaltung": "awareness of what is happening". Nation, überlieferter Glaube und traditionelle Familie sind eben doch die drei katechontischen Einhalter gegen die antikatechontischen Drei: big business, big government und scientific dictatorship.
Interessanter Hinweis auch auf Dale O`Leary. Dazu das folgende:
https://www.youtube.com/watch?v=TpMYb9rUx30
Wenn man dann auf solche Namen wie Bella Abzug stößt, die geradewegs aus Huxleys Brave new world kommen könnten, ist es fast zu absurd, aber wahr! BNW ist zusammen mit einer anderen Fiktion, die hierzulande nicht publiziert werden darf und in der sich doch zahlreiche Stellen in der Gegenwart erfüllen, etwa: "In den fortgeschrittenen Ländern haben wir ein geistloses, schmutziges, widerwärtiges Schriftum geschaffen" á la Gruß an Charlie, beste Prophetie.

Hesperiolus

30. Januar 2015 16:15

Zweite Verlinkung falsch, gemeint war:
https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/

Familenmensch

30. Januar 2015 18:40

Vielen Dank für die Buchvorstellung - werde ich lesen!

Das der Krieg gegen die Familie im vollen Gange ist, ist wirklich an jeder Ecke zu merken:
https://ahnenreihe.wordpress.com/2014/06/02/familie/

Harald de Azania

30. Januar 2015 19:26

Verehrte Frau Kositza,

Danke, sehr klug und feinsinnig.

Kulturnihilismus jedweder Art fuehrt zu Voelkerselbstmord und das ist so gut ( oder besser so schlecht) wie Voelkermord.

Theoretisch haben die Rechten, die Konservativen , die Patrioten, die Nationalen die Linke seit den 80er jahren in allen Bereichen 100%ig widerlegt.

Theoretisch steht es (zumindestens) 30.456:0 und praktisch ?

A corsair, corsair et demi!

Sonnige Gruesse HdeA

Matthew Hern

30. Januar 2015 19:55

Ehrlich gesagt, ich habe lange Zeit gegen meine katholische Erziehung rebelliert. Ich habe auch Homosexualität (als Konzept, nicht für mich als Praxis) interessant gefunden, weil sie deviant war. Fassbinder, Pasolini, Douglas P. von Death in June, die Band Coil, Yukio Mishima, Jean Genet, Baudelaire, Aleister Crowley usw. usf. Meine halbe "Kunstsammlung", so denke ich manchmal, wurde von Männern mit homosexuellen Neigungen produziert. Aber die Schwulen von heute? Die wollen heiraten und Kinder haben!!! Das kann nicht ihr Ernst sein, denke ich dann. Die schwule Bourgeoisie, schrecklich! Der Typ Beck von den Grünen.

Kommentar M.L.: Ja, Matt, all die Genannten waren und sind auch für mich Heroen oder mindestens faszinierende Gestalten, auch wenn manche von ihnen inzwischen ein wenig verblaßt sind, Kenneth Anger nicht zu vergessen, Werner Schroeter und Gregory Markopoulos. Oder Hans Blüher und Stefan George. In der Homosexualität, wenn sie ein echter Eros ist, offenbart sich zuweilen ein Gott, wenn auch ein dunkler. Hier habe ich wenig Kabel zur klassischen christlichen Sexualmoral. Die laufende Verbürgerlichung der Schwulen und die Verschwulung der Bürger erscheint mir dagegen als eine stupide Groteske, nicht einmal mit dem Format, ein Gräuel vor dem Herrn zu sein. Ganz zu schweigen von den politkorrekten rosa Gestapos, die offen ihre Ressentiments austoben. Falls Du es noch nicht kennst, hier und hier habe ich mich dazu geäußert.

So viel dazu. Ich habe mich nie von rechtsintellektuellen Denkrichtungen oder der konservativen Revolution angezogen gefühlt, weil ich ihre Sexualmoral interessant fand. Nein, zuerst war es der Geschmack des Verbotenen. Und die Übereinstimmung, dass - gerade auch spirituelle - Traditionen organisch wachsen müssen und holistisch zu denken bedeutet, das Volk miteinzuschließen, ihm zu dienen, eben: rechts zu sein. Das alles gesagt habend, muss ich hinzufügen, bin ich nicht sonderlich konservativ was diese Dinge angeht. Aber auch ich bin angeekelt von dem, was aus der sog. "sexuellen Befreiung" geworden ist! Marcuse hatte einige interessante Gedanken, aber sie können für die Gesellschaft, für die Masse, nicht gelten. Wie dem auch sei: Ihre Zusammenfassung des Buches schockt mich dann doch und ich glaube, dass es Zeit ist für mich die ganze Sache aus einer anderen, einer rechten, Sicht her zu betrachten. Danke dafür. Ich werde das Buch bzw. die gesamte Triologie lesen.

Inselbauer

30. Januar 2015 23:33

Der weibliche Hass sieht oft besser aus, das ist klar (...)
Im Umgang mit schroffen, hassenden politischen Gegnerinnen denke ich mir oft: Das wär doch in einem anderen Leben eine Frau für dich. Leider nehmen die meisten Frauen den politischen Kram auch noch todernst.
Man bekommt dann manchmal einen Kaffe angeboten, der nicht nötig wäre, oder eine Mail, die voller strenger Verurteilungen und dennoch vollkommen unnötig ist.
Zur Verbitterung besteht doch bei den Männern kein Grund. Es ist alles nur Show, was wir von der modernen Frau vorgeführt bekommen.
Nicht, dass Sie mich jetzt zensieren, Frau Kositza, ich bin ja nicht der Mundlos...

Yvonne

31. Januar 2015 00:13

Bevor ich mich in diese ganz rechte Ecke gesellt habe, dachte ich, dass die Frauenemanzipation hier an allem Schuld sei, denn die Doofheit dieser Weiber und Weiberversteher war so offensichtlich. Aber dann musste ich sehen, dass der Emanzipationsgedanke als Kern des linken Denkens ja viel weiter ging und in allen gesellschaftlichen Bereichen als Sinn- und Zielzerstörer gewirkt hatte und die Frauenfrage doch nur ein Teil davon war. Der größte Zersetzungsschub kam aus der Frankfurter Schule ( die traditionelle Familie als Keimzelle des Bösen, als Geburtsstätte des "autoritären Charakters" usw.). Halb gedemütigt (Auschwitz), halb gelockt (Sex, Drugs, Rock´n´Roll) haben sie uns.
Zustand heute: äußerlich frei, innerlich kaputt. Fäulnisphase.

Matthew Hern

31. Januar 2015 01:16

Danke für den Kommentar, Martin. Verblasst als Heroen sind die meisten von denen, das ist klar. "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde." Auch das Studium solcher Gestalten. Sowie das Lernen und das Reifen. Deinen Artikel zur gegenderten Hanswurst kannte ich und musste wirklich fast speien. Zu dieser Zeit sowie zu Zeiten der NSU-Hysterie war ich Gott sei Dank nicht in Deutschland und habe diese Dinge nur als Randnotizen wahrgenommen. "Vom schwulen Eros" hatte ich noch nicht gelesen. Es ist ein sehr lesenswerter Artikel! Danke für den Hinweis.

Wir leben tatsächlich in Zeiten des tollen Menschen und der letzten Menschen. Jegliches Maß ist verloren. "Come the Horsemen. Come this way! Come this day!"

Wilhelm Spiegel

31. Januar 2015 09:03

Zur "Verspottung der Familie" gehören - komplementär - die "Hymne auf den Urlaub", die "Hymne auf das Auto" ... die "Hymne auf Wohlstand und Konsum". Ich habe Lassahns Buch nicht gelesen, aber wie Sie ihn beschreiben, Frau Kositza, kommt das bei Lassahn zu kurz. Und ich glaube, das ist kein Zufall. Ich lese ihn manchmal auf AchGut. Lassahn mag den Verlust der Familie, ihre Degeneration zur Patchworkfamilie beklagen, dass auf AchGut der ökonomische Neoliberalismus gefeiert wird, der die Auflösung der Familie und überhaupt aller nicht-ökonomisierbaren bzw. "kostspieligen" Bindungen geradezu fordert, stört ihn nicht. Lassahn sieht den Zusammenhang nicht.

Ich denke, es ist ein grundsätzliche Schwäche des Konservatismus, dass er die wechselseitige Stärkung von, kurz gesagt, linker Selbstverwirklichungs-Ideologie und neoliberalem Kapitalismus nicht erkennen kann. Grundlegende Kritik des Kapitalismus ist für den Konservatismus Tabu. Und so lange das so ist, übersieht er einen absolut zentralen Machtfaktor - ist seine Ideologiekritik vergeblich.

Skye

31. Januar 2015 09:14

Wie das Genderprogramm, insbesondere die Entrechtung der Eltern, in der Praxis umgesetzt wird, kann auf der Seite:
www.verwahrlosung-mit-amtshilfe.de
nachlesen.

Matthew Hern

31. Januar 2015 11:18

@Wilhelm Spiegel: "Ich denke, es ist ein grundsätzliche Schwäche des Konservatismus, dass er die wechselseitige Stärkung von, kurz gesagt, linker Selbstverwirklichungs-Ideologie und neoliberalem Kapitalismus nicht erkennen kann. Grundlegende Kritik des Kapitalismus ist für den Konservatismus Tabu. Und so lange das so ist, übersieht er einen absolut zentralen Machtfaktor – ist seine Ideologiekritik vergeblich."

Ich denke, dass Sie hier den Nagel auf den Kopf treffen. Alain de Benoist nimmt das ja als Anlass das "Rechts/Links"-Schema völlig aufzubrechen. Der Konservative ist ja auch immer Pragmatiker. Der Kapitalismus hat eben auch lange gut funktioniert und wurde gegen die Sowjets in Stellung gebracht. Der Zusammenhang, den Sie beschreiben, ist philosophisch richtig, aber eben auch nicht pragmatisch. Noch hat niemand den Wirtschaftsliberalismus durch ein besseres Wirtschaftssystem ersetzt, das tatsächlich auch funktioniert. Die neue Synthese aus Links und Rechts, wie gerade in Griechenland ausprobiert, kann da neue Sichtweisen und Praktiken ermöglichen. Vielleicht auch die bessere Kollaboration mit den Russen???

kolkrabe

31. Januar 2015 11:31

@ Yvonne

Es ist richtig, was Sie beschreiben, aber dennoch zuviel der Ehre für die Frankfurter Schule. Das sind im Grunde nur Fäulnisbakterien, die einen verwesten Kadaver abräumen. Will man Ursachenforschung betreiben, muss man auf Nietzsche/Heidegger zurückgehen und die dort gelieferte Analyse des nihilistischen Geschehens – Nihilismus nicht als zerstörerische, entwertende Meinung/Ideologie verstanden, sondern als Sich-entziehen der Götter/des Gottes, des Seins.

@ Wilhelm Spiegel

Danke für Ihren Hinweis, der ins Schwarze trifft. Genau das ist die Krankheit vieler heutiger Konservativer: den Kapitalismus, die zügellose unternehmerische Freiheit nicht als eines der Grundprobleme zu erkennen, sondern für das Ideal zu halten. Der Zusammenhang von linker Selbstverwirklichungsideologie und schrankenlosem Konsum kann gar nicht oft genug herausgestellt werden.

Wilhelm Spiegel

31. Januar 2015 12:41

@Matthew Hern: "Der Zusammenhang, den Sie beschreiben, ist philosophisch richtig, aber eben auch nicht pragmatisch. Noch hat niemand den Wirtschaftsliberalismus durch ein besseres Wirtschaftssystem ersetzt"

Sie missverstehen mich. Ich sehe ebenfalls keine Alternative zum Kapitalismus. Aber ich sehe, welche zerstörerischen Folgen es hat, wenn der Kapitalismus sich verabsolutiert. In diesem Sinne - und nur in diesem Sinne - beklage ich, dass die Kritik des Kapitalismus und der realen Querfront von scheinbar rechtem Kapitalismus und scheinbar linkem Hedonismus von rechts (wie von links) vernachlässigt wird.

Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus ist der Kapitalismus zum Gott, der der keinen anderen Gott neben sich duldet und zu unserem blinden Fleck geworden. Wir haben, als wären beide dasselbe, mit dem Sozialismus die Gesellschaft mit über Bord geworfen. Und das kann man z.B. auch hier, auf dem Blog, genau verfolgen. Das Blog kennt keine Gesellschaft. Das Blog missversteht Gesellschaft als linke Kategorie. Und es liefert sich damit, ob es will oder nicht, dem(!) Kapitalismus aus, der nur(!) noch das egoistische Individuum kennt.

Thomas Wawerka

31. Januar 2015 14:34

Es gibt verschiedene Formen von Kapitalismus. Es gab Kapitalismus auch schon vor der Zeit des schrankenlosen Konsums. Vielleicht sollte man besser von Marktwirtschaft sprechen. Ich habe nicht viel Ahnung von Ökonomie, aber mir scheint offensichtlich, dass Marktwirtschaft besser funktioniert als staatlich oder sonstwie gelenkte Wirtschaft.
Ich vermute, die Möglichkeit schrankenlosen Konsums hat noch ein paar andere Wurzeln außer den Kapitalismus - die Ölschwemme beispielsweise und damit das Vorhandensein billiger Energie.
Ich denke, der Liberalismus verkehrt sich durch seine Totalität in unserer Zeit in sein Gegenteil. Der Liberalismus hat immer einen starken Gegner gebraucht, dem gegenüber es die Freiheit des Einzelnen oder der Bürgerschaft oder des Volkes zu behaupten galt. Jetzt hat er nur noch sich selbst und macht sich selbst kaputt. Er schleift die bürgerlichen Freiheiten und setzt an ihre Stelle Ideologie und Gesinnungsrecht, und spätestens nach TTIP und TISA wird man von einem Wirtschaftsliberalismus auch nicht mehr reden können.
Ich denke, die Freiheit der Marktwirtschaft sollte schon deshalb verteidigt werden, damit so viele wie möglich auch wirtschaften können. Aus anderen Gründen halte ich viel von regionalen Wirtschaftskreisläufen, dezentraler Energieerzeugung, Regiogeld etc.

Helga Müller

31. Januar 2015 17:40

@ Wilhelm Spiegel

Ich stimme Ihnen zu. Wenn es um die Verwertung des Menschen an sich geht (ob im Kapitalismus oder einem anderen -ismus) ist eine Familie nicht lukrativ genug.
Eine normale Familie z.B. mit sechs Menschen und einem Auto verbraucht weniger als sechs Einzellinge......
Und wenn die Gesellschaft eine Familie anerkennt und stabilisiert, ist das weniger lukrativ für den Geldkreislauf.
Und wenn man den Menschen einreden kann, daß der Ehemann oder Vater an der mangelhaften eigenen Selbstentfaltung mit schuld ist, kann doch erst mal richtig der Apparat von Psycho und Justiz angeschoben werden. Das alles bringt wieder Geld ins Getriebe (was oft dann von den beschuldigten mitgetragen werden muß).
Und dann stehen fällige Ausgaben für den Neuanfang an- und alles bringt wieder Geld ins System.
Manchmal denke ich, daß wir von eine Art Geldsekte (CIANTOLOGY)regiert werden.
Wie soll ich sonst die unfaßbaren Fehlentwicklungen und die verbrecherische Angriffs- und Kriegspolitik an Familien und an fremden Ländern erklären?

Ich, der andere

31. Januar 2015 21:12

Nicht nur Weizsäcker ist gestern gegangen (worden). Auch der Erfinder der "Antibaby-Pille" hat sich von der Welt verabschiedet, praktisch seine weitere Anwesenheit damit selbst verhütet.

nörgler

31. Januar 2015 22:52

@Helga Müller
Frau Müller,Sie haben mir meinen Kommentar quasi
"gestohlen".Bin Ihnen aber nicht böse-- Ihre Formolierung und Ausdrucksweise war doch etwas
" gelassenener",als meine manchmal sehr direkte
Ansprache der Probleme.Jedes Wort Ihres "Statements" würde ich jederzeit unterschreiben.
mit wirklich freundlichen grüßen
nörgler

Kaliyuga

31. Januar 2015 23:03

Das Weibliche überwindet das Männliche
stets durch die Stille.

Lao Tse

Gute Frau Kositza, verheiratete Kubitschek!

Bernhard Lassahns noch im Tumult gelassene Feder ist stilistisch ein Genuß, wohl besonders für die Frau, im Grundton erzählend wie das Laub der Espe, in das der Wind greift.

Ach, die Frau. Ein ewiges, eigentlich himmlisches Lied. Und das Instrument, auf dem es nun gespielt wird, das ist heute so verstimmt, dasz es kein Mann mit Poesie im Blut mehr ohne aufkommendes Unwohlsein anhören kann. Und das schon lange bevor seine Säfte sich beruhigt haben und das latent stets präsente Übelgefühl minutenweise orgastisch übertünchen könnten. Welcher Schaden!

Machtvolle und lebenserstickende Konstruktion, die Geschlechter ins Gleiche eigens definierter „Rechte“ zu verschrauben! Die Frau hat das nicht ge-macht, zum Ingenieur ist der Mann be-gabt. Es liegt nicht in ihrer Macht, es eignet ihr gemeinhin nicht, zu gründen und zu ergründen. Ihr Beitrag in Wissenschaft und Forschung, dort wo der Wirklichkeit Gesetze entlockt werden, ist tatsächlich vernachlässigbar. Trotz bester, dem Fleiß geschuldeter Noten als Studentin immer eng am Buchstaben von Vorgaben. In der Lehre brav, aber seltsam unterschiedslos zu den Zuhörern. Gelebte Erfahrung, über Jahre hin.

Im Ganzen des öffentlichen Raums ist ihr Beitrag am Ende verzichtbar.

„Hannah“, ein heutiger Sekundärphilosoph nennt sie ja vertraulich so, geht im Gespräch mit dem dienerhaften Gaus ganz ungeschminkt so weit, vom Schicklichen für die Frau zu reden, sofern sie Frau bleiben wolle (insbesondere ab Min. 4:15):

https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw

Nun, was haben die Geschlechter noch aneinander, wenn sie nicht mehr sie selbst bleiben wollen? Wer Augen hat zu sehen, dem bleibt die eingetrene Verheerung nicht verborgen.

Thomas Wawerka

1. Februar 2015 00:38

Der arme Bernhard Lassahn wollte auf der "Compact"-Familienkonferenz einen schwungvollen und geistreichen Vortrag halten und wurde dauernd von der "Deutschen Apfelfront" gestört:

https://de.wikipedia.org/wiki/Front_Deutscher_%C3%84pfel

Ein Fremder aus Elea

1. Februar 2015 00:44

Spotten Sie nicht, Frau Kositza, sondern lesen sich lieber durch, was im Koran 21:12 steht...

Monika

1. Februar 2015 10:39

Das Weibliche überwindet das Männliche stets durch die Stille.
Lao Tse

Guter Kaliyuga,
auch da gibt es Abstufungen. Meinen Sie eher einer geschäftige Stille (Martha) oder die stille Zuhörerin ( Maria) ?

https://www.google.de/search?q=maria+und+Martha&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari

Ansonsten gilt, daß ein Dasein, dem "jede metaphysische Dimension ausgetrieben worden ist", natürlich auch das Geschlechterverhältnis bestimmt. Sex als Konsum und Selbstverwirklichung hat mit Eros nichts mehr zu tun. Hingabe gibt es nur , wo es einen höheren Sinn gibt.

Überhaupt geht Liebe auch durch den Magen.
Auch wenn inzwischen Männer mit High-tech Küchen den Frauen das Hüten des Herdes abspenstig machen. Ihr Beitrag am Herd ist am Ende verzichtbar !
Siehe diesen hocherotischen Film
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bitters%C3%BC%C3%9Fe_Schokolade_(Film)

Meier Pirmin

1. Februar 2015 13:49

@Monika. Der Beitrag der Männer für die Küche sei angeblich verzichtbar? Glauben Sie das wirklich? Ich war vor bald vier Jahren mit Bernhard Lassahn Referent am 2. Antifeminismus-Kongress im schweizerischen Winterthur, mit guten Intellektuellen bestückt, auch Frauen. Ich erzählte, eher witzig, vom winzigen Frauenanteil bei den 100 besten Köchen Europas und der Schweiz, mit Bemerkung, dass Mütter und Grossmütter und Frauen prima kochen würden, zum genial Kochen bräuchte es aber nun mal einen Mann. Ich erzählte das als Kochmuffel durchaus mit einem Augenzwinkern und wollte, wie mit meinem ganzen Vortrag, nicht in den Verdacht antifeministischer Hetze geraten.

Wie ging es weiter? Weil ich in diesem Votum den Frauen die Genialität abgesprochen hätte, wurde ich wegen diesem in der Presse verkürzt wiedergegebenem Votum nach 24 Jahren in der Schweiz als anerkannter und bewährter und erfolgreicher, auch gefragter Lehrerfortbildner von Rektorin und ihrem Mitarbeiter ohne Verteidigungsmöglichkeit entlassen, d.h. formell für weitere Sommerkurse nicht wieder engagiert, u.a. im Namen der humanistischen Grundsätze der Organisation, die auf Gleichberechtigung beruhe. "Das Weibliche überwindet das Männliche durch die Stille". Der oben zitierte Spruch von Laotse ist insofern berechtigt, als ich mich gegen diese Schikanierung offenbar nicht hätte öffentlich wehren dürfen. Ohnehin genügte es schon, bei der falschen Organisation gesprochen zu haben, u.a. zusammen mit dem vorzüglichen Schweizer Männerpolitiker Markus Theunert. Natürlich ist auch dieser Blog hier eine falsche Adresse, wobei ich mit Lassahn, Kubitschek und Kositza von der geistigen Biographie her keineswegs übereinstimme, ihren Argumentationen jedoch intellektuelles Niveau bescheinigen möchte. Kubitschek spielte als Redner in Leipzig in einer ganz anderen Liga als seinerzeit Pegida-Bachmann in Dresden, und wer ihn intellektuell unterhalb Rudi Dutschke (den ich schon 1966 kritisierte, war 1968 um Ostern in Berlin) als Extremisten einschätzt, muss sich über sein Verhältnis zur Meinungsfreiheit befragen lassen. Klar wurde Dutschke, wie heute zum Teil Kubitschek, zu sehr ins extremistische Lager isoliert. Man sollte sich um einen geistigen Wettstreit nie drücken. Die deutsche Rechte ist nach meiner Meinung noch bei weitem nicht gut genug, um mehr Einfluss, etwa an Hochschulen, wirklich zu verdienen. Aber auch Berufsverbote würde sie in den meisten Fällen sicher nicht verdienen, zu schweigen vom vollständigen Diskurs-Auschluss in vielen akademischen Seilschaften.

Kaliyuga

1. Februar 2015 22:20

Brava, anzi bravissima, Monica!

Vor längeren Jahren folgte ich in der alten Stadt Mediolanum (in welcher ein zündender und noch heute atemberaubend durchdringender Geist, Augustinus, seine Mutter trägt ja doch Ihren Namen, gewirkt hatte) mittäglich einer morgendlich getroffenen Vereinbarung unter Männern:

Der rustikale Bergamasker Elektriker, ich nenn‘ ihn mal Francesco, lud den ingegnere K. zum Essen in die Mensa des Instituts ein. Francesco, im blauen Montageanzug, war wie immer bester Dinge, wahrscheinlich sang er auch wieder. Es war erst um le undici e mezza und die academici haben um diese Zeit meist noch keinen gehörigen Hunger. Er bemerkte das und rief mir lachend und mit tosender Stimme über den Tisch hin zu: „Mangia, mangia Kaliyuga! Mangiar vuol dir amor!“ So ist es. Und deshalb soll das Weib seinem Mann ein gutes Mahl bereiten. Und Francesco ist trefflicher Metaphysiker, wohl ohne diesen Namen je überhaupt gehört zu haben.

Die gebührende Stille des Weiblichen mit der es sich tiefer stellt. Lao Tse ist analytisch-sezierend, nicht einmal beschreibend begreifbar. Sein Wort erschließt sich erst im wiederkehrenden Kauen und entwickelt dann seinen unverfälschten und trefflichen Geschmack.

Die Stille umreißt und trifft das eigentliche Wesen des Weibes. Sie hat viele Gesichter. Im Blick mit der Möglichkeit des Augenaufschlags. In der Kleidung mit der machtvollen Möglichkeit der Verhüllung, etwa durch das lange füllige Haar. Im empfangenden Zuhören statt im ungebührlichen raumgreifenden Reden. Jeder Manngebliebene wird hier insgeheim angesprochen.

Ein Versuch zur Gegenüberstellung der Martha und der Maria: Dem bewunderungswürdig-pflichtbewußten Geist der Martha begegnet man auch heute noch in manchen Sterbeanzeigen von dankbaren Kindern für ihre Väter und Mütter („Ruhen hast du nie gekannt“), er erschöpft sich nicht im Weiblichen. Ihm vorausgesetzt ist das Hören des Göttlichen, wie Maria es exerciert.

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