Sezession
18. Februar 2015

Kritischer Geist in Verzug. Ein müdes Themenheft zum ungarischen Philosophen und Polit-Kommissar Georg Lukács

Gastbeitrag / 13 Kommentare

Wir veröffentlichen im folgenden eine Besprechung des aktuellen Georg-Lukács-Heftes der Zeitschrift für Ideengeschichte, die - in einer an entscheidenden Stellen gekürzten Fassung - in der Wochenzeitung Junge Freiheit erschien (16.01.15). In der nachstehenden Fassung wird jedoch auf ein Desiderat der hiesigen Forschung hingewiesen: Der unmittelbaren (nicht: ideellen) Beteiligung an Morden durch den kommunistischen Intellektuellen.

von Thomas Kuzias

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Die erst seit 2007 erscheinende „Zeitschrift für Ideengeschichte“ ist ein erlesenes und großzügig mit Mitteln ausgestattetes Periodikum, an dessen Erscheinen auf dem wissenschaftlichen Zeitschriftenmarkt seinerzeit nicht wenige Hoffnungen geknüpft waren. Bis auf den bayerischen Süden sind in der Herausgeberschaft alle wichtigen deutschen Geisteslandschaften vereint: das „Deutsche Literaturarchiv Marbach“ im Südwesten, die „Klassik Stiftung Weimar“ in Mitteldeutschland, die „Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel“ in Norddeutschland und das gewissermaßen preußische „Wissenschaftskolleg zu Berlin“. Wer aber so vielen hohen Instanzen und deren Interessen gehorchen muß, hat es schwer, rücksichtslos Wissenschaft betreiben zu dürfen.

Das aktuelle Heft (Winter 2014) ist dem ebenso wichtigen wie brisanten Linksideologen Georg Lukács gewidmet und erweist sich als Produkt des erbaulich-korrekten Zeitgeistes der Berliner Republik. Die Herausgeber legen dem Leser drei thematische Teilbereiche vor. Mit Agnes Heller, Fritz J. Raddatz und Iring Fetscher kommen prominente Zeitzeugen zu Wort, die Lukács noch persönlich kannten, mit ihm zusammenarbeiteten und sich ideologisch vorbehaltlos in den Dienst seines Werkes gestellt haben. Zwei akademisch gehaltene Aufsätze bilden den Kern des Heftes; all dies wird durch zahlreiche Dokumente und Funde aus dem Lukács-Archiv in Budapest umrahmt. Das Heft ist Iring Fetscher gewidmet, der im Juli dieses Jahres verstarb.

Um es gleich vorweg zu sagen, fest etablierte Irrtümer zu Lukács’ Denk- und Lebensweg werden zuverlässig bewahrt: Zum Beispiel die Mär, daß sein Übertritt zum Kommunismus auf Grund der russischen Oktoberrevolution ein Bekehrungserlebnis gewesen sei. In Wahrheit war seine Entscheidung für Sozialismus und Marxismus lange vor dem 1. Weltkrieg gefällt worden. Oder die Herausgeber beklagen, daß es keine ausführliche Biographie zu Lukács gebe, doch eine solche liegt längst vor (Arpad Kadarkay, Georg Lukács. Life, Thought, and Politics, Oxford 1991, 380 S.). Überhaupt fällt auf, daß die Autoren die reiche internationale Literatur zum Thema eher meiden. Und wenn offensichtlich schon vor Ort in Budapest recherchiert wurde, dann hätte man erwartet, daß auch neue ungarische Forschungen vorgestellt worden wären, zumal unbekannte Fakten am ehesten aus Ungarn zu erwarten sind. Dort wird beispielsweise schon längst diskutiert, daß Lukács als Politkommissar nicht nur Todesurteile fällte, sondern auch in persona am Roten Terror beteiligt war, indem er sich der Kollektivierung nach bolschewistischem Vorbild widersetzende Bauern ohne Prozeß eigenhändig durch Genickschuß hinrichtete.

Die Ausführungen der Zeitzeugen sind durch eine auffallende Gemeinsamkeit charakterisiert, in der sich etwas Allgemeines zeigt. Der eloquente Fritz J. Raddatz, der 1958 in der stalinistischen DDR verhaftet wurde, ging anschließend in den Westen, um umgehend Lukács’ Schriften und marxistische Literaturtheorien bei Rowohlt zu verlegen – gewissermaßen in Vorbereitung auf 1968. Als Lukács nach dem Ungarn-Aufstand 1956 interniert wurde, ermahnte er seine Schülerin Agnes Heller brieflich, Lenins Ethik nicht zu vernachlässigen, darüber zu schreiben. Heller wird sich später zwar nicht mit Lenins Ethik, aber mit der Ethik allgemein, d. h. für sie mit der Stellung der Ethik im Marxismus beschäftigen – eine „Ethik des Kommunismus“ indes blieb für sie noch bis in die 70er Jahre alternativlos, alles andere wäre „des Teufels – des Teufels des Kapitalismus, des Faschismus“.

Iring Fetscher seinerseits entdeckte als desillusionierter Wehrmachtsoffizier nach 1945 mit Hilfe von Lukács einen neuen Sinn in der Geschichte – die Ablehnung Stalins führte auch bei ihm zu einer intensivierten Zuwendung zum Marxismus. Man distanzierte sich vom Mißverständnis des Stalinismus, wobei die negativen politischen Erfahrungen von ihren geistigen Grundlagen stets entkoppelt wurden, um sich anschließend nur um so engagierter der marxistischen Theorie und Utopie zu verschreiben. In allen drei Fällen tat ein derartiger Widerspruch den akademischen Karrieren keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Man stelle sich diese „Logik“ etwa bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus vor. Lukács wird apostrophiert als „Adorno des Ostens“ (Raddatz), als „Pascal des Kommunismus“ (Fetscher) – kritisches Nachfragen der Herausgeber bei ihren Gesprächspartnern? Fehlanzeige, es geht um wohliges Erinnern.

Der Aufsatz von Matthias Bormuth stellt einige interessante Funde aus Karl Jaspers Nachlaß vor, aus denen hervorgeht, daß sich Lukács durch Jaspers psychiatrische Gefälligkeitsgutachten vor dem Fronteinsatz im 1. Weltkrieg drücken konnte. In der Natur derartiger Gutachten, was der Autor nicht reflektiert, liegt es, daß ihre Diagnosen einem außermedizinischen Zweck dienten und daher mit Vorsicht behandelt werden sollten. Ebensowenig läßt sich aus dem psychiatrischen Befund – daß Lukács von mütterlicher Seite stark belastet gewesen sei („zwei Brüder der Mutter“, wie es in Jaspers’ Attest hieß, „starben im Irrenhaus“) – der Bogen zur politischen Ideengeschichte schlagen. Des weiteren versucht Bormuth Lukács’ ideologisch-politische Entwicklung und Radikalisierung auch noch durch dessen Liebe zu seiner zweiten Ehefrau plausibel zu machen, womit zweifelsohne nur erneut eine ideengeschichtliche Sackgasse beschritten wird – die einschlägige, Lukács’ Liebesbeziehungen diesbezüglich systematisch auswertende Studie von Lee Congdon „The young Lukács“ (1983) sollte als Mahnung dienen, auf diesem fragwürdigen Weg zu wandeln.

Der Autor beschränkt sich also nur darauf, aus Jaspers Notizen zu Lukács’ „Geschichte und Klassenbewußtsein“ (1923) psychologische Urteile vorzutragen: die „rohe Geradlinigkeit und Simplizität“ der marxistischen Analyse sei die psycho-logische Folge von „Ressentiment, Selbsthaß, Wut, Lust an der Bewegung, am Selbstmord“ – woher diese individuellen Erscheinungen rühren, wie sie in Philosophie, Politik und Geschichte eindringen und wirkmächtig werden konnten, ist leider nicht mehr der Gegenstand des Aufsatzes. Daß Karl Jaspers allerdings durchaus über ein philosophisches und zugleich ideologiekritisches Verständnis des Marxismus verfügte, wissen wir u. a. aus seinem Briefwechsel mit Hannah Arendt – Bormuth kann derartige Einsichten jedoch nicht für seinen Gegenstand fruchtbar machen.

Der zweite Aufsatz des Heftes von Joachim Fischer vergleicht die alternativen Sozialphilosophien von Lukács und dessen liberalem Antipoden Helmuth Plessner unter dem Gesichtspunkt von Gemeinschaft versus Gesellschaft. Fischer macht darauf aufmerksam, daß Plessner zu Lukács’ folgenreicher Aufsatzsammlung „Geschichte und Klassenbewußtsein“ (1923) ein mit seinem Buch „Grenzen der Gemeinschaft“ (1924) explizites Gegenprogramm entworfen hat, welches erst nach 1945 auf Aufmerksamkeit rechnen konnte. Die Impulse dieser Konstellation wirken bis in die Gegenwart, vor allem durch die auf Lukács’ Entfremdungsdiagnose fußende „Frankfurter Schule“. Bei beiden Konzeptionen handelt es sich, darauf muß man aufmerksam machen, um soziologische Utopien, wie sie für die Moderne generell kennzeichnend sind.

Während Lukács’ radikalmarxistische Auffassung des Sozialen auf die Aufhebung von Entfremdung überhaupt zielte und sich faktisch zur Verwirklichung des konkreten Bürgerkrieges bediente, verblieb dem sensiblen Plessner stets nur das geschriebene Wort, um für seinen Entwurf zu werben. Plessners ideale Vorstellungen von Öffentlichkeit und Gesellschaft, die auf ein ziviles, Distanz schaffendes Miteinander abzielen, wirken bisweilen wie die Wiederbelebung des verspielten Rokoko (taktvolle soziale Distanz- und Rollenspiele unter Wahrheitsverzicht). Hinter diesem Entwurf steht zweifelsohne ein liberal halbierter Nietzsche. Derartig abstrakte soziologische Konzeptionen versteht man am besten im Kontrast zueinander, worin die Stärke des Aufsatzes von Fischer liegt.

„Einen Skandal um Lukács gibt es nicht“, dekretierte Joscha Schmierer vor fast fünfundzwanzig Jahren, als ein Heidegger-Lukács-Vergleich auf den ungarischen Philosophen einen eher milden Schatten zu werfen drohte (Kommune, Nr. 8, 1991) – in diese Zeit halbherziger Revisionsversuche geistesgeschichtlicher Fehlurteile fühlt sich der Leser der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für Ideengeschichte“ zurückversetzt. Mit den gesetzten Akzenten könnte das privilegierte Periodikum zumindest mit diesem Heft ohne weiteres Anspruch auf den Titel „Zeitschrift für Kulturmarxismus“ erheben, nicht nur das ausgesparte Titelthema „Kommissar Lukács“, auch die anderen Themen gewidmeten Beiträge legen dies nahe.

Zeitschrift für Ideengeschichte
Kommissar Lukács
Heft VIII/4, Winter 2014
Herausgegeben von Ulrich von Bülow, Stephan Schlak
Verlag C. H. Beck, München, 126 Seiten, 12,90 Euro


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Kommentare (13)

Unke
18. Februar 2015 11:14

Erinnert an Che Guevara. Auf so ein paar Genickschüsse mehr oder weniger kommt es bei "Revolutionswirren" nicht an, oder? Schließlich geht es ums Große Ganze! Da können auf Einzelschicksale keine Rücksichten genommen werden.
Interessant finde ich, dass in dieser Besprechung der Begriff "Frankfurter Schule" kein einziges Mal auftaucht. Denn das, was hochaktuell unter "Frühsexualisierung von Kindern" als (kulturmarxistische) "Querschnittsaufgabe" im staatlichen Erziehungswesen implementiert wird dürfte seinen direkten Vorläufer bei Lukács haben. Im Netz habe ich mal einen recht guten Artikel zu diesem Bolschewisten gelesen /demnach plädierte er für eine möglichst frühe Trennung von Kindern und ihren Eltern); finde den Link jedoch nicht mehr.

Carl Sand
18. Februar 2015 13:02

Zunächst möchte ich mich bei der Sezession für die kreativen Verrisse der letzten Zeit herzlich bedanken. Herausragend hier auch Lission.
Ich gebe zu, eine kreative Polemik viel lieber zu lesen als das letztliche Kochen im eigenen Saft.

Auch sollte jede Gelegenheit, den Feind ein wenig zum Kochen zu bringen, jedem Revolutionär - und nichts wenig als das sind wir - das Herz aufgehen lassen.

Zu Lukasz selbst:

Es stellt sich die Frage, ob ein Lukasz oder seine Epigonen, der widerliche Markuse und ihre Verschwurbeltheit Adorno überhaupt noch als Marxisten im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet werden können.

Mit dialektischem Materialismus der Orthodoxie hat ihr antidialektischer Psychologismus, in vulgärer Form die Staatsreligion des hysterischen Hitlerismus jedenfalls nicht zu tun!

Inselbauer
18. Februar 2015 15:44

Die Aufsätze des L. habe ich nie als "marxistisch" empfunden. Er hat mit seinem Dogmatismus und seinen schematischen Analysen die Doofheit der westdeutschen Linken um die stalinistische Facette bereichert. Seine "literaturwissenschaftlichen" Abhandlungen zu Scholochow würden heute nicht einmal mehr in Nordkorea durchgehen. Das ganze Ausmaß der Blamage bleibt verborgen, weil das Zeug heute ja niemand mehr liest.
Aus meiner Sicht ist es tatsächlich besser, für 85 Cent bei Amazon (Bestellungen über einen Euro würde ich dort selbstverständlich nicht tätigen) das folgende Buch zu bestellen:
https://www.amazon.de/Lukács-Johannes-Becher-Friedrich-Säuberung/dp/3499130122/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1424270172&sr=8-1&keywords=die+Säuberung+wolf
und dann auch zu lesen. Es handelt sich um Gesprächsprotokolle einer "Schriftstellerkonferenz" in Moskau. Nach jener Gesprächsrunde verschwindet ein Dichter.

Aristoteles
18. Februar 2015 17:49

@Inselbauer

Habe nach Ihrer Buchempfehlung kurz gegurgelt und folgenden Aufsatz von Raddatz gefunden:

https://www.zeit.de/1992/03/salto-vitale

Immerhin so viel Kritik an Lukásc und Co. ...

Karl Martell
18. Februar 2015 19:40

Sozialistische Utopien sind halt immer noch sehr beliebt. Balkanisierung und Multikulturalismus funktionieren heute als Ersatzideologie für den verbrauchten und diskreditierten Kommunismus.

Der Kommunismus ging in Osteuropa zugrunde, weil er sich als Neomarxismus in der Praxis viel besser in Westeuropa verwirklicht hat.
Die alten "Helden" der Bewegung stehen aber immer noch hoch im Kurs, auch weil eine Aufarbeitung der Verbrechen des Kommunismus bis heute aussteht.

Trotz des offiziellen Zusammenbruchs des Kommunismus sind die kommunistischen Ideen der Gleichmacherei und der Glaube an den Fortschritt mehr als je lebendig im heutigen liberal-multikulturellen Europa, wenn auch in anderer Form und unter anderen Namen.

Das Ideal des Klassenkampfes ist der berühmte Umsturz: nicht der Aufbau von etwas Neuem, sondern die Zerstörung von Vorhandenem. Es ist ein Ziel ohne Zukunft. Es ist der Wille zum Nichts. Die utopischen Programme sind nur für die seelische Bestechung der Massen da.

Da es altmodisch und schädlich sein kann, sich heute Kommunist (z. B. Leninist, Trotzkist, Castroist, Maoist, Titoist usw.) zu nennen, wählen sie stattdessen den grammatischen Unsinn mit dem negativen Präfix „Anti“. Der Terminus „ Antifa“ ist ein Ehrenzeichen für sie geworden. Es ist für einen Systemakademiker, Systempolitiker oder einen Systemjournalisten der BRD rentabler sich als Antifa zu beschreiben, statt sich als Altkommunist zu bezeichnen.

An den destruktiven Zielen ändert das natürlich nichts.

Inselbauer
19. Februar 2015 00:00

Aus dem oben erwähnten Protokoll-Buch geht übrigens klar und deutlich hervor, dass L. ein Mörder war. Da braucht man gar nicht, wie der Autor des Artikels, Mutmaßungen anzustellen. Wer unter den Bedingungen der stalinistischen Diktatur und mit dem Wissen des L. über die damaligen Machtmechanismen, bei schwächeren Konkurrenten ohne Not und gezielt "moralische Schmutzflecken", "unleugbares Abweichlertum", "trotzkistische Tendenzen", "schwerwiegenden Verrat" oder gar "Hass auf unsere Sowjetmacht" öffentlich brandmarkt, der bringt diese Konkurrenten um. Und sie sind ja auch alle umgebracht worden, auf seine "Kritik" hin.
Da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren oder zu relativieren.

Joseph von Sternberg
19. Februar 2015 07:00

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen - und ohne Lukács zu mögen - gibt es Stellen in dem Aufsatz die paradox wirken.

1. Zwar wird zurückgewiesen, daß der Mann erst durch Lenin "erweckt" wurde, da seine politische Ausrichtung schon viel früher abgeschlossen war. Andererseits wird die politische Begründung seiner Kriegsdienstvermeidung in Zweifel gezogen. Dabei wäre das die konsisitentere Interpretation, wenn man Lukács Marxismus für das Jahr ´14 zugrunde legt.

2. Wann soll er mit "Genosse Mauser" zu den Bauern geredet haben? Aus dem Text ergibt sich das es frühestens in den 30ern gewesen sein muss: meines Wissens nach aber war Lukács mit profan-politischen Aufgaben nur in Ungarn 1918ff. und 1945ff. betraut. 1918 gab es allerdings noch keine sowjetischen Kollektivierungen - während ´45 Lukács m.E. schon zu "reif" für solch pubertäre Späße gewesen ist.

Ich wäre dankbar, wenn Sie mich aufklären würden...

Karl Martell
19. Februar 2015 11:04

@ Joseph von Sternberg

Ich erlaube mir zu Punkt eine Antwort.

Er war während der viermonatigen ungarischen Räterepublik 1919 stellvertretender Volkskommissar für Unterrichtswesen in der Regierung von Béla Kun. Während der Monate April-Juni war er als politischer Kommissar der 5. Division der ungarischen Rote Armee an allen Fronten an Einsätzen beteiligt. Durch seine Befehle sind mehrfach Menschen ums Leben gekommen, z. B. gab es sechs Tote bei den Erschießungen des „Massakers von Poroszló“. Bei den Kämpfen in Budapest oder bei weiteren Erschießungen sind erneut Menschen umgekommen. Wie hoch die Anzahl der durch Lukács’ revolutionäre Aktivitäten ums Leben gekommenen Menschen insgesamt ist, lässt sich nicht genau sagen. In einem am 2. Dezember 1940 in Moskau abgefassten Lebenslauf berichtete er selbst über seine damalige Lage in Ungarn: „Die weiße Regierung Ungarns verfolgte mich wegen über 200 Mordtaten und forderte meine Auslieferung, um das Todesurteil an mir zu vollstrecken […].“

(Arpad Kadarkay)

Carl Sand
19. Februar 2015 22:51

Ironisch, dass ausgerechnet Lukasz andere des Trotzkismus bezichtigt und damit ermordet hat -

da er selbst als Kulturmarxist, der das zertrümmerte Psychowrack als revolutionäres amaterielles Substrat züchtete, ein Trotzkist erster Ordnung war.

Nein, die Erschießung der Trotzkisten sollte man Väterchen Stalin am wenigsten vorwerfen - aber bedauerlich, dass es Lukasz nicht erwischt hat.

Inselbauer
21. Februar 2015 09:53

@ Carl Sand
10 min im Hotel Lux, und Ihre Wortwahl wäre wieder o.k.

Rightwing
21. Februar 2015 16:12

Meines Wissens war Georg Lukacs kein Ungar, sondern ein kommunistischer Jude aus Ungarn, der beim Ausbruch der 1956-er Revolution nach Moskau geflohen war. Seine Schülerin und Bewunderer ist Agnes Heller, ebenfalls Kommunistin und Jüdin aus Ungarn. Sie wurde von "Die Zeit" als "Starphilosoph" Ungarns hochgespielt wurde. An ihr kann man die bodentiefe Verlogenheit von Kommunisten (Solschchenizin) bestens studieren.

Leo Naphta
24. Februar 2015 10:41

@ Rightwing

"(...) der beim Ausbruch der 1956-er Revolution nach Moskau geflohen war"

Das ist unrichtig. Lukàcs floh in die jugoslawische Botschaft, verließ diese aber wieder und wurde anschließend verhaftet. Meines Wissens war er der einzige der von den Sowjets nach Rumänien verschleppten Spitzenkader, der mit dem Leben davonkam.

Settembrini
25. Februar 2015 13:39

Na, hier sind ja hermeneutische Trolle unterwegs:
@ Unke
Die „Frankfurter Schule“ wird explizit genannt.
@ Inselbauer
Ohne Mutmaßung wird klipp und klar gesagt: Lukacs war ein Mörder: Genickschüsse!
@ Joseph von Sternberg
Nicht die politische, sondern die psychologische Erklärung für die Kriegsdienstdrückerei wird zurückgewiesen.
@ Karl Martell
Dieser Wikipedia-Fund bringt kein Zitat von A. Kadarkay, wie man bei Wikipedia leicht nachprüfen kann. Doch vermutlich ein Zitat aus einem Aufsatz des Rezensenten:
https://www.geschichte-der-arbeiterbewegung.de/bzg_inhalt_jg49.html
Oder hier:
https://www.etappe.org/ausgaben/21-etappe/
Die Sache scheint also weit links und weit rechts diskutiert zu werden. Werde ich mir mal bei Gelegenheit in einer Bibliothek vergönnen.

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