Malte Oppermann: Die schöne Philosophie

Eine Rezension von Frank Lisson

 Gastbeitrag

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Mal­te Opper­mann: Die schö­ne Phi­lo­so­phie, Ber­lin: Wolff 2014. 205 S., 19.90 €,

Gibt es eine Schön­heit, die nichts ande­res ist als die Freu­de am Harm­lo­sen, am Unge­fäh­ren, am Blend­werk, an der Chi­mä­re, wel­che nur von wei­tem genos­sen wer­den will und sich bei jeder Annä­he­rung dem for­dern­den Betrach­ter sogleich entzieht.

Viel­leicht kann der schma­le Band Opper­manns nur in die­sem Sin­ne ver­stan­den und gewür­digt wer­den: als beacht­li­che intel­lek­tu­el­le Spie­le­rei, die ihren Wert vor allem in der Pre­zio­si­tät ihres erst 26jährigen Autors hat, den Geist ad absur­dum zu füh­ren, um die Welt in ein blo­ßes Wohl­ge­fal­len ihres Betrach­ters auf­zu­lö­sen, der sel­ber die Mit­te aller Din­ge bil­det (»Es gibt nichts über dem Individuum«).

Das Buch ent­hält, in acht Tei­le geglie­dert und am Schluß – wie zur demons­tra­ti­ven Auf­wer­tung – durch einen Text von Mar­tin Mose­bach auto­ri­siert, 376 Seg­men­te, von denen kaum eines den zwei­ten Blick ver­trägt, ohne das Schick­sal des Vam­pirs bei Tages­licht zu erlei­den. Denn kei­ner der offen­bar bewußt kryp­tisch daher­kom­men­den Sät­ze hält einer logi­schen oder ana­ly­ti­schen Prü­fung stand. Die hübsch zurecht­ge­mach­ten Capric­ci­os ver­ra­ten eine hohe Kunst­fer­tig­keit des Autors.

Hier kommt es, wie bei aller Man­tik, mehr auf Schein und Klang als auf sub­stan­ti­el­len Gehalt an, wes­halb ger­ne mit Para­do­xien han­tiert wird, die wei­se schei­nen, aber im Grun­de wenig aus­sa­gen: »Alles ist Eigen­ver­ant­wor­tung – denn nichts steht in mei­ner Macht.« Oder: »Die Kunst ist die Über­win­dung der Form durch die Form.« Oder: »Was nicht flüch­tig ist, ist zu wenig.« Man kann in das Buch hin­ein­grei­fen, wo immer man will, über­all stößt man auf prä­ten­tiö­se Spiel­fer­tig­keit: »Die ech­te Ord­nung ist nicht der graue Sand der Wüs­te, son­dern ihre Fata Morgana.«

Oder: »Die Geschich­te erscheint als das Gefäng­nis der Imma­nenz der For­men.« usw.– Man mache sich die Mühe, sol­chen Sät­zen auf den Grund zu gehen, und schaue, ob man je dort anlan­ge … Das alles ist gro­ße, kei­nes­wegs niveau­lo­se Gau­ke­lei (und dar­in sym­pto­ma­tisch für die geis­ti­ge Situa­ti­on der Gegen­wart), die den beein­druck­ba­ren Adep­ten, den Snob oder Gläu­bi­gen ver­langt, der frag­los hin­nimmt wie in einem mit Weih­rauch ver­ne­bel­ten Gottesdienst.

 

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