23. Februar 2015

Wer bereichert hier eigentlich wen? – Die neue IfS-Studie

Nils Wegner / 7 Kommentare

bereicherungsmythos_kosten-der-einwanderung_720x600Wer aufmerksam liest und hört, dem wird nicht entgangen sein, daß das Gerede von der "Bereicherung" Deutschlands durch den Zustrom aus drei von vier Himmelsrichtungen seit etwa fünf Jahren ziemlich aus der Mode gekommen ist. Woran mag das liegen?

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Und woher kommt der rhetorische Schwenk hin zur – inzwischen politisch und medial stramm eingehaltenen – Sprachregelung, bei den Hinzukömmlingen handele es sich vorrangig um Flüchtlinge von irgendwoher, die zumeist traumatisiert seien (was ihnen auch sogleich verminderte Schuldfähigkeit attestiert, sollten sie in der Bundesrepublik eher halbseidenen Lebensunterhalten nachgehen) und unser aller Unterstützung benötigten? Dahinter könnte stecken, daß eine Bereicherung, die den Namen verdient, irgendwo quantifizierbar sein müßte und die entsprechende Bilanz vielleicht nicht ganz positiv ausfiele. Während politisch Verantwortliche und Leitmedien sich also damit begnügen, dem Kind einfach einen anderen Namen zu geben, hat das Institut für Staatspolitik nun das heiße Eisen angepackt und mit der Studie "Der Bereicherungsmythos. Die Kosten der Einwanderung nach Deutschland" eine, im besten Wortsinne, politische Lageanalyse vorgelegt.

Verantwortlich für die Broschüre zeichnet abermals die – offensichtlich schwer beschäftigte – "Arbeitsgruppe 3: Zuwanderung und Integration" des Instituts. Dieser ist im Verlauf des vergangenen Jahres bereits die Studie "Ansturm auf Europa" sowie jüngst eine aktualisierte Auflage von "Ist der Islam unser Feind?" entsprungen, doch waren die Ausmaße des immer weiter anschwellenden Zustroms insbesondere aus Syrien zu deren Abfassungszeit offenbar noch nicht absehbar.

Die Studie hat den Selbstanspruch, einen Grundstein für die bislang gänzlich fehlende, solide Auswertung finanzieller bzw. wirtschaftlicher Auswirkungen der Zuwanderung zu legen. So werden nach einer abgleichenden Vorstellung der Entwicklungen des Ausländerzustromes in den letzten Jahren insbesondere auch die vorrangigen Anreize für eine – ob legale oder illegale – Einreise in die Bundesrepublik samt entsprechender Gesetzeslage vorgestellt. Hierbei sticht einmal mehr ins Auge, daß an der Verzagtheit und Lauheit von Entscheidungsträgern auf Landesebene, die gerichtlich verfügte Abschiebungen aus Angst um ihr Renommee schlicht nicht durchführen lassen, bereits eine massive Bruchlinie verläuft.

In der Folge wird auf der Mikroebene das Paradebeispiel Berlin (Stichworte: Hauptmann-Schule, Görlitzer Park...) untersucht; auch bereits länger vorliegende, doch hierzulande ungehört verhallte Studien zum Problem kommen von Heinsohn über Caldwell bis hin zu Thilo Sarrazin zu Wort. Umso vernichtender fällt denn auch der Urteilsspruch über die jüngste Bertelsmann-Studie aus, die einmal mehr krampfhaft versuchte, irgendwie den fiskalischen Bonus aus der Zuwanderung herauszukitzeln: Hier war – erwartungsgemäß – nicht wissenschaftlich, sondern strikt ideologisch gearbeitet worden.

Es kann denn angesichts der abschließenden beispielhaften Anführung von Kostenbeispielen auch nicht verwundern, wie die IfS-Studie zu ihrem provokanten Titel gelangt ist. Bei der genauen und strikt an den offiziellen Zahlen der jeweiligen Bundesämter orientierten Analyse dessen, was den Bürgern dieses Landes als in ihrem ureigensten Sinne liegend verkauft wird, kann es nur ein konsequentes Fazit geben: Die sogenannte "Bereicherung" ist ein Mythos, war es von Anfang an und wird es bleiben.

Die Studie wir seit heute ausgeliefert, umfaßt 44 Seiten und ist hier zu bestellen.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (7)

Unke
23. Februar 2015 10:44

bisher gänzlich fehlende, solide Auswertung finanzieller bzw. wirtschaftlicher Auswirkungen der Zuwanderung

Das ist so wohl nicht ganz richtig. Hans-Werner Sinn hat schon 1995 ("Ist Deutschland noch zu retten?") die Rechnung aufgemacht, dass die typische türkische Familie in einer Generation Nettotransferleistungen in Höhe von 400.000 DM erhält. Udo Ulfkotte hat vor ca. 2 Jahren die Aufwendungen für Ausländer seit 1990 auf 1 Billion Euro geschätzt. 1 Billion klingt reißerisch, dürfte aber hinkommen. Dazu die Transfers von West nach Ost (100-200 Mrd. p.a.), dazu die Verschenkerei an UNO an EU (zweistellig jedes Jahr), dazu die Transfers von Männern an Frauen...
Got Libertarianism?

Wegner:
Doch, das ist sehr wohl richtig. Leuchtet auch ein, wenn man nachvollzogen hat, wie Sinn in der Studie eingeordnet und neben die anderen ignorierten Warner gestellt wird.

KW
23. Februar 2015 14:44

Ich danke Ihnen für die aufklärenden Worte über Bertelsmann, von da kommen weder ernstzunehmende Studien noch ist das eine Stiftung.

Marcus Junge
23. Februar 2015 15:24

Unke

"Udo Ulfkotte hat vor ca. 2 Jahren die Aufwendungen für Ausländer seit 1990 auf 1 Billion Euro geschätzt."

Na es war schon vor etwas mehr als 2 Jahren, eher geht sind es um etwa 6 Jahre und er bezog sich auf einen Artikel der FAZ aus dem Jahr 2007, wo die Zahl stand und nahm als Vergleichswert eine spätere, ähnliche Berechnung durch ein niederländisches Institut, NYFA (oder so was in der Richtung war der Name - das Gedächtnis nach 6 Jahren, bitte Nachsicht walten lassen), die zu entsprechenden Zahlen für die Niederlande kamen, die er dann auf die BRD hoch und auf den entsprechenden Zeitraum umrechnete, was die 1 Billion bestätigte.

Ansonsten kann man noch den Spiegel 1973 nehmen: "Hilfe die Türken kommen", da hatte man auch schon die Kosten der Fachkraftbereicherung ermittelt. Die Kosten pro Schatz und Talent liegen erstaunlicherweise genau in dem Rahmen, den die Billion vorgibt.

gert friedrich
23. Februar 2015 16:36

Deutschland wird sich darauf einrichten müssen ein Vielvölkerstaat wie die USA,Brasilien oder Indonesien zu werden.
Mit einer straffen Regierung kann man diese Staaten durchaus kommod regieren.
Die Amis sind es seit 200 Jahrenb gewohnt,daß die Bevölkerungsstruktur immer wieder verändert wird.
Und wenn es Probleme gibt, gilt:If you loot we`ll shoot.

Karolus Franzus
24. Februar 2015 01:31

1. Niemand wandert irgendwo ein, um das Zielland zu bereichern.
2. Lange Zeit wurde das Wort "bereichern" ja metaphorisch verwendet. Wir würden quasi "kulturell" bereichert. Nun hat man versucht, es im Wortsinn, ökonomisch, zu verwenden. Stete Wiederholung soll auch hier neues Denken ("richtiges Denken") schaffen und schließlich die Realität umformen.
3. Man muss bei jedem Auftauchen dieses Heuchelwortes zur Attacke schreiten:
"Was bedeutet das eigentlich, dass wir 'bereichert' werden? Sind wir etwa so bedürftig? Sind wir armselig, irgendwie minderwertig, oder was? Ist das nicht ein sehr rassistisches Denken, das uns selbst abwertet?"

Verunsichert sie, wo ihr sie trefft! Erhebt das Wort! Ermutigt die noch Schweigenden!

KW
24. Februar 2015 11:06

Karolus Franzus, völlig richtig, nehmt unseren Feinden die Deutungshoheit über unsere Sprache.

https://jungefreiheit.de/kolumne/2015/der-leninismus-in-unserer-sprache/

birne helene
24. Februar 2015 19:55

Es geht um die Kosten der Einwanderung. Sicherlich nicht unwichtig. Geht es auch um die ethnischen Kosten?
Letztlich sind die diese Argumentationen Hilfskonstrukte. Was wäre, wenn die Kostenfrage auf einmal positiv beantwortet werden würde? Auch dann wären die Fremden nicht erwünscht, keinesfalls in diesen Massen.

Ohne Positionierung eines Standespunkt, der das zu erhaltende und zu fördernde Volkssubstrat als Kernpunkt mitberücksichtigt jenseits ökonomisierender und kulturalischer Erwägungen, meinetwegen aus taktischen Gründen nicht betont, ist eine rechte, neurechte oder volksbezogene Politik nicht möglich.

THESE:
Ein sezessionistischer Standpunkt ist entweder ein wie oben angedeuteter volksbezogener Standpunkt oder er ist eben kein sezessionistischer.

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