24. Februar 2015

Samstag in Rom, Montag in Dresden

von Götz Kubitschek / 22 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

salviniIch habe eine Einladung nach Rom erhalten. Ob Matteo Renzi, der Ministerpräsident Italiens, demnächst "a Casa" geht oder nicht, ist mir nicht so wichtig: Die Lega Nord veranstaltet am Samstag vor allem eine Massenkundgebung gegen die Überfremdung des Abendlandes. Am Vormittag wird es eine europäische Konferenz zum Thema geben, ich werde über das Phänomen PEGIDA sowie die Situation der Meinungs- und Redefreiheit in Deutschland referieren. Italienische Medien berichten:

Il Giornale: Pegida sbarca in Italia oder auch
Huffington Post: Pegida arriva in Italia.

Für die Demonstration am Nachmittag werden bis zu 100 000 Teilnehmer erwartet. Meine Aufgabe ist ein Grußwort aus Deutschland. Marine LePen soll über Video zugeschaltet werden.

Ich freue mich sehr auf diese Fahrt. Ein Gespräch mit dem Europa-Abgeordneten Matteo Salvini zeigte mir, daß man sich im Ausland über das Ausmaß der Verlogenheit der deutschen Medien und über die Konsequenzen des daraus resultierenden sozialen Drucks auf die Organisatoren einer konservativen Gegenöffentlichkeit überhaupt keinen Begriff macht: Derlei ist in Italien oder Frankreich schlechterdings nicht denkbar.

Man lernt durch solche Blicke von außen immer sehr viel über das eigene Land. Als fleißige Dresdner und Leipziger Spaziergänger haben Ellen Kositza und ich erst vor einer Woche wieder die Normalität des Montagabendfriedens vor der Frauenkirche genossen - sogar einige unserer Kinder waren dabei. Aber was bedeutet es eigentlich, aufzuatmen, daß man nicht von der Polizei eskortiert und geschützt werden muß, um seine Meinung kundzutun? Atmet man auf, weil endlich Normalität einkehrt oder hält man einen eigentlich noch immer grenzwertigen Zustand bereits für normal?

Aus Frankreich wird übrigens Philipp Vardon vom Bloc Identitaire referieren, wir kennen uns aus Orange, wo Lichtmesz und ich 2012 an einem identitären Kongreß teilnahmen, um die Vitalität dieser Bewegung kennenzulernen. Mit Vardon haben wir auch ein Interview geführt.

Am Montag sind Kositza und ich dann wieder in Dresden, ich kann dort wieder sprechen und werde aus Rom berichten. Ein Grußwort von dort ist in Vorbereitung.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (22)

W. Wagner
24. Februar 2015 14:59
Großartig! Matteo Salvini ist ständig im italienischen Fernsehn präsent und spricht frei und wird gehört! Überhaupt wird hier ganz offen über das aus Afrika nach Sizilien kommende (und nach Norden ziehende) Problem gesprochen. Man fürchtet z.B. unter den Flüchtlingen auch IS-Kämpfer! Die Verbindung sezession-Italien erscheint mir sehr wichtig. Von hier aus sieht man die deutsche Verlogenheit (Presse) noch mehr! Italienisch lernen lohnt - nicht nur für Kunst und Geschichte!
Gibt es eigentlich eine Internet-Seite in Italien ähnlich wie sezession.de?
Jacobi
24. Februar 2015 14:59
Sehr erfreulich!

Die 100.000 Teilnehmer sind für unsere Verhältnisse leider (noch?) nicht zu erreichen. Andere Europäer sind eben aus einem anderen Holz geschnitzt, das noch nicht so aufgeweicht wurde wie das unsere.

Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen europäischen "GIDAS" ist enorm wichtig und GK setzt mit seiner Rede auch in Rom wieder ein wichtiges Zeichen: Das Zeichen des Eigenen in Europa mit seiner ausreichenden Verschiedenheit auch ohne außereuropäische Masseneinwanderung.

Ich hoffe auf die Stärkung einer gesamteuropäischen, parteiunabhängigen Bewegung, die generationenübergreifend wirkt. Die IB z.B. mag ein gutes Vorbild sein, doch ist sie eher eine, wenn auch lobenswerte, Jugendbewegung - keine, mit der man den klassischen bürgerlichen Menschen erreichen kann, zumindest nicht in der erwünschten Anzahl.

Meine Glückwünsche und v.a. viel Erfolg !
der Sumpfbewohner
24. Februar 2015 16:32
Sehr geehrter Herr Kubitschek,

Gratulation!

Es zeigt sich - allen Befürchtungen zum Trotz - hier vielleicht doch ein Weg, wie man unser und der -gidas Anliegen auch nach Abklingen der Jahresendhype dem Politikkartell auf die Agenda zwingen kann:

Mit Brechstange von außen; just über das vergötzte Europa!
Man muß nur sehen, wie man es zugleich möglichst effektvoll hier im Inland lanciert.

Spitze! Legen Sie vor, bauen Sie das aus!
Juliane R.
24. Februar 2015 16:53
Das sind erfreuliche Nachrichten!

Durch Sie fühlen wir uns sehr gut vertreten.

Gruß und gutes Gelingen!
Calderone
24. Februar 2015 16:55
Btw. vermisse ich bei der Einleitung Ihrer Reden ein -zumindest x angedeutetes- lächeln ...
macht sogar der Prochnow - siehe 0:35 - 0:45

Gruß
heinrich
24. Februar 2015 18:32
Ganz große Klasse!
Die Bewegung nimmt weiter Fahrt auf. Man muß auch mal wertschätzen, daß in den letzten Monaten unheimlich viel schon erreicht wurde. Viel Freude in Rom; ich bin gespannt auf den Bericht am Montag.
Karolus Franzus
24. Februar 2015 18:44
Sensationell!

Bitte auf Calderone hören, schließlich wollen Patrioten ja das Glück ihres Volkes und keinen Schaden für andere Völker. Daher dürfen sie strahlen.

Wie wäre ein Beginn mit: "Buon giorno, Italia! - Buon giorno, Europa!"
(Aussprache üben: "E-uropa"! Und die Herzen fliegen zu!)
birne helene
24. Februar 2015 19:04
"Für die Demonstration am Nachmittag werden bis zu 100 000 Teilnehmer erwartet."

Das wäre gigantisch.

100.000 in der BRD und die BRD bebt. Wie könnte die BRD das kontrollieren? Wieweit und wie wielange sind wir von diesen Massen entfernt?

Dann noch mal soviel Gegendemonstranten und ihr ganzes Überwachungssystem würde ihnen nicht mehr nützen. Eigentlich müssten sie bald Demonstrationen verbieten.
birne helene
24. Februar 2015 19:04
Alles Gute für die Exkursion nach Rom !
don camillo
24. Februar 2015 19:19
Italien ist der richtige Ort, um an die Geschichte zu erinnern:

Der Kommunismus hat 1919 und 1920 versucht, Italien in den blutigen Strudel des Bürgerkriegs zu reißen ("biennio rosso"), erst, als die liberalen Politiker sich dem nicht entgegenstellten, wuchs die gewaltsame faschistische Gegenbewegung ("biennio nero").
Die Kommunisten, die damals die Klassen und heute vor allem die Völker abschaffen wollen, brauchen sich nicht heuchlerisch hinstellen und sich "Antifaschisten" nennen.
Wir sind die Patrioten, die Demokraten, weil wir unsere Völker lieben und nicht hassen, wie ihr, ihr verkappten Stalinisten.
Ein gebürtiger Hesse
24. Februar 2015 20:12
Hervorragende Neuigkeiten. Es gibt keinen besseren Delegierten für unsere Sache als Sie. Lassen Sie in Rom erneut das Geheime Deutschland sprechen - Ihre europäischen Zuhörer werden ebenso in den Herzen bewegt sein wie die Leipziger, die Dresdner und die Leute an den Bildschirmen.

Gratulation, eine gute Fahrt und bestes Gelingen!
Nemo Obligatur
24. Februar 2015 20:14
Gratuliere, Herr Kubitschek!

Ich muß zu meiner Freude sagen, dass meine Einschätzung hinsichtlich der Vitalität von Pegida falsch war. Wenn sich die europäischen Konservativen stärker vernetzen, dann ist das in jeder Hinsicht zu begrüßen. Wie wird denn die Sprachbarriere überwunden? Dolmetscher? Oder können Sie sich etwa in der Landessprache verständigen?

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen alles Gute, und kehren Sie zurück mit neuen Ideen und einer handvoll wertvoller Kontakte!
Stil-Blüte
24. Februar 2015 20:45
Gute Reise! Kommen Sie gestärkt zurück!
Trollhart
25. Februar 2015 02:10
Denken Sie dran, Herr Kubitschek: Es braucht keine Rede gegen-catilinarischen Formats. Es ist viel einfacher, was Ihnen sicher zu Gute kommen soll. Sie müssen nur die passenden Worte finden. Gutes Gelingen!
d.u.e.
25. Februar 2015 04:37
Gute Reise und viel Erfolg.
Fred
25. Februar 2015 10:53
Na dann, gute Reise und gutes Gelingen.

Es ist bei uns nicht nur die Meinungsäußerung, die von Polizeiketten geschützt werden muß.

#1 Wenn man hierzulande die _Staatsflagge_ trägt, setzt man sich dem Risiko aus, bespuckt oder gar körperlich geschädigt zu werden!

#2 Die Ordnungsämter mit Hilfe der Polizei setzen die Verkürzung der Fahnenstangen durch, damit die _Staatsflagge_ nicht zu hoch hängt, besser noch, damit sie möglichst auf dem Boden schleift. In Leipzig 2m, und in Dresden 1,50m Fahnenstangenlänge! (War unter Androhung von Platzverweis selbst von der Durchsetzung dieser Vorschrift betroffen.)

Bitte sagen Sie das dort!!!!!
Hartwig
25. Februar 2015 11:17
"Wenn man hierzulande die _Staatsflagge_ trägt, setzt man sich dem Risiko aus, bespuckt oder gar körperlich geschädigt zu werden!" u.s.w.

@ Fred

Das geht aber nur deshalb, weil es unüblich ist, "Flagge" zu zeigen. Deshalb betone ich hier wiederholt, dass es für JEDEN möglich ist, über symbolträchtige Staffage einen winzigen Beitrag zu leisten. Ganz alltäglich und anlasslos.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
25. Februar 2015 11:59
Es ist schon interessant, wie die Lage sich im "Nebel des Krieges" ständig ändert. PEGIDA war zuerst eine kleine Demo eines Freundeskreises. Dann das Anwachsen auf bis über 20 000 Teilnehmer in Dresden und 15 000 in Leipzig . Dann das scheinbare Ende nach der Spaltung und den Vorgängen um Lutz Bachmann, dann die Wiederbelebung mit immerhin 10000 Teilnehmern in Dresden. Und nun die europäische Dimension. Zur dieser schrieb ich bereits letztes Jahr, dass ich hoffe, dass dieses Jahr irgendwann Marine LePen nach Dresden kommt. Vielleicht wird es jetzt etwas mit einem Grußwort.
Momentan scheint die Nomenklatura auf das Totschweigen von PEGIDA zu setzen. Nachdem offenbar das Dämonisieren PEGIDA nicht die erhoffte Wirkung brachte. Ein Grußwort oder gar einen Auftritt LePens könnten sie nicht verschweigen.

Ähnliches gilt für die AfD:
Gegründet von FDP/CDU-nahen Euro-Kritikern schwebte die Partei stets in Gefahr zu einer weiteren rechten Splitterpartei zu werden, von denen es schon ein gutes halbes Dutzend gibt.
Immer noch hofft die Nomenklatura auf diese Lösung, wohl vergeblich.
Dann der knapp verpasste Einzug in den Bundestag. Das scheinbare Ende der FDP bestärkte den liberalen Flügel in der Hoffnung die FDP beerben zu können. Nun ist die FDP wieder da und die AfD kann nur mit einem starken rechten Flügel überleben.

In der Welt war am Wochenende ein anerkennender Artikel über das strategische Geschick der AfD im Umgang mit PEGIDA. Keine Auftritte aber auch kein vollständiges Distanzieren, Frauke Petry und Alex Gauland haben an den Demos teilgenommen. Immerhin hat die AfD in Hamburg ihr EU_Wahlergebnis gehalten. Obwohl die Wahl gerade zeitlich in den Tiefpunkt der PEGDIA-Bewegung fiel.

Politik ist wie Krieg. Clauswitz schrieb über den Krieg:

„Der Krieg ist das Gebiet der Ungewißheit; drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewißheit. Hier ist es also zuerst, wo ein feiner, durchdringender Verstand in Anspruch genommen wird, um mit dem Takte seines Urteils die Wahrheit herauszufühlen.“


Den feinen durchdringender Verstand sehe ich ganz klar rechts der Mitte. Jahrzehntelang haben sich mittelmässige oder sogar schwache Köpfe in der Politik und in den Medien eingenistet. Dort winkte ein leistungsloses Einkommen, wenn man nur die richtige Formeln nachplapperte.

Nun da wir im Nebel des Krieges kämpfen zeigt sich die Unfähigkeit dieser Ja-Sager.

Ich bin zuversichtlich für die Zukunft. Ihnen Herr Kubitschek viel Erfolg!
W. Wagner
25. Februar 2015 12:23
Vielleicht kommt es auch zur Verbindung zu einem italienischen Verlag, denn manches Antaios-Buch oder Beiträge der sezession gehören übersetzt!
Realist
25. Februar 2015 22:12
Man lernt durch solche Blicke von außen immer sehr viel über das eigene Land.


In der Tat. Lebt man lange genug im Irrenhaus, kommt einem der Wahnsinn irgendwann normal vor. Auch der gefestigste Charakter ist nicht gegen schleichende Erosion gefeit. Der eigene Kompass muß immer wieder neu kalibriert werden. Diese Notwendigkeit darf niemand aus Selbstüberschätzung auf die leichte Schulter nehmen.

Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie reinigend selbst eine kurze Flucht aus dem Neuköllner Alltag z.B. nach Köpenick ist. Ein kurzer, schemenhafter Ausblick auf das Land in dem ich leben möchte, gibt Kraft für Wochen und Monate.
Sorbe
26. Februar 2015 09:38
Interessant, wer weiß schon wie sich die Sache in Europa noch entwickelt? Vielleicht steht der europäischen Union bald mal eine europäische Liga gegenüber. Wirklich spannend, der Weg in ein neues Mittelalter.
Falkenstein
26. Februar 2015 15:02
Alles Gute - Herr Kubitschek....
Vielleicht rufen Sie zum Schluß ihrer Rede eine Einladung an die Römer zum Besuch des GIDA - Mutterschiffes Dresden in die Menge?
Wäre doch nett, mal eine einige Tausend Mann starke römische Kohorte in Dresden mit auflaufen zu sehen.

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