Sezession
9. März 2015

Der lange Atem der PEGIDA – ein Gespräch mit Lutz Bachmann

Gastbeitrag / 15 Kommentare

Sonderheft PEGIDADas PEGIDA-Sonderheft der Sezession ist lieferbar, die ersten tausend vorbestellten Hefte sind unterwegs zu den Lesern. Das im Heft enthaltene Gespräch mit dem PEGIDA-Gründer Lutz Bachmann hat dabei die geringste Halbwertszeit: Ständig ändert sich die Lage, das beweist auch die sieben Seiten lange, detaillierte Chronik der Bewegung. Wir dokumentieren das Gespräch deshalb rasch in voller Länge. Bestellen kann man das Heft hier.

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SEZESSION: Sehr geehrter Herr Bachmann, am 20. Oktober spazierten Sie mit 350 Dresdner Bürgern unter der sperrigen Selbstbezeichnung PEGIDA durch die Straßen. Mittlerweile gibt es weltweit Tausende Berichte über Ihre Bürgerbewegung. Wann ahnten Sie, daß Sie und Ihre Gruppe das ganz große Faß angebohrt haben?

BACHMANN: Uns war von vornherein bewußt, daß wir ein unbequemes Thema anschneiden und damit eine Menge Staub aufwirbeln würden. Wir haben in ein Wespennest der Politik gestochen. Was wir allerdings nicht wußten war, daß es so schnell derart groß und zum absoluten Hauptthema in Medien und bei Politikern geworden ist. Offensichtlich haben wir da den Nerv der Zeit getroffen.

SEZESSION: Sie haben ihn anscheinend so sehr getroffen, daß der ein oder andere es gerne sähe, wenn nun Sie selbst einmal so richtig getroffen würden. Wie ernst nahmen Sie die Drohungen, die Mitte Januar im Netz kursierten?

BACHMANN: Mit diesen Drohungen ist nicht zu spaßen. Laut Polizei ist es sehr ernst zu nehmen, deshalb wurde die »abstrakte« Bedrohungslage zu einer »konkreten« Bedrohungslage gestuft. Dies bedeutet, daß feststand: Es würde etwas passieren, und es gab konkrete Hinweise auf die Zielperson, den Ort und die Zeit. Ich war trotzdem gegen eine Absage der Veranstaltung. Uns wurde aber unmißverständlich durch den Polizeipräsidenten mitgeteilt, daß es ohnehin ein Veranstaltungsverbot geben wird, sollten wir nicht freiwillig absagen. Dieses Verbot kam ja dann auch wenige Stunden nach unserer Absage.

SEZESSION: An Ihrem 19-Punkte-Programm konnte es jedenfalls nicht liegen, daß Sie mit dem Tode bedroht wurden. Das ist ja eine – mit Verlaub – sehr harmlose Ansammlung von Unmutsäußerungen, Selbstverständlichkeiten und Hilfsbereitschaft. Mein Eindruck ist, daß erst die Medien und die deutschen Politiker aus Ihnen ein Anschlagsziel gemacht haben.

BACHMANN: Genau so ist es. Durch die ständige Darstellung der Medien von PEGIDA, in denen wir als »islamfeindlich«, »Anti-Islam«, »fremdenfeindlich« undsoweiter bezeichnet werden, ist dieser Eindruck entstanden. Dadurch hat die deutsche Presse uns zur Zielscheibe gemacht. Anstatt sich mit Inhalten zu beschäftigen, werden wir persönlich diskreditiert. Unsere Bewegung wird diffamiert und zum Abschuß freigegeben.

SEZESSION: Warum betonen Sie diesen entscheidenden Punkt nicht? Kathrin Oertel war (vor dem Bruch des Bündnisses) bei Günter Jauch bereits sehr defensiv. Warum sind Sie so zurückhaltend?

BACHMANN: Wir wollen mit Vernunft vorgehen, ohne hohles Schreien von Parolen. Wir wollen die bürgerliche Mitte erreichen, dies schafft man nicht durch puren Aktionismus und plumpe Polemik. Und das ist übrigens keine Taktik, sondern unsere ehrliche Überzeugung. Wenn die Medien nur einigermaßen fair darüber berichtet hätten, hätte es sicherlich schon politische Veränderungen gegeben. Zaghafte Ansätze sind ja ohnehin schon zu spüren. Politiker verschiedenster Parteien versuchen mittlerweile, unsere Forderungen als die ihren zu verkaufen und springen auf unseren Zug auf. Bestes Beispiel war der politische Aschermittwoch von CDU und CSU.

SEZESSION: Ihr Protestbündnis ist trotzdem vor einigen Wochen zerbrochen, mit Frau Oertel ist eines der Gesichter der Bewegung gegangen. Jetzt ist Wiederaufbau angesagt. Was haben Sie in den kommenden Wochen vor?

BACHMANN: Der Wiederaufbau ist ja, wie man an den Besucherzahlen deutlich erkennen kann, bereits erfolgreich gelungen. So haben wir, nach dem absoluten Tiefpunkt vom 9. Februar mit offiziell 2000 Besuchern innerhalb von zwei Wochen wieder die 10000er Marke geknackt, wie die Dresdner Neuesten Nachrichten und eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigten.

SEZESSION: Was planen Sie weiterhin? Im Westen kommen Ihre Ableger nicht recht in Schwung. Gibt es Pläne für eine große, zentrale Kundgebung – beispielsweise in Berlin? Oder denken Sie in eine ganz andere Richtung?

BACHMANN: Wir haben da mehrere Pläne in der Schublade. Eine zentrale Kundgebung in der Hauptstadt gehören ebenso dazu, wie unser Versuch, bei den anstehenden Oberbürgermeisterwahlen in Sachsen (beispielsweise in Dresden, Freital und Wilsdruff) jeweils einen Kandidaten zu stellen, um einen Fuß in die Kommunalpolitik zu stellen. Dies sind nur zwei unserer Vorhaben, wir können natürlich nicht alles verraten. Sicher ist aber: PEGIDA geht noch lange nicht der Atem aus, und auch in den alten Bundesländern haben wir noch einige – wie man so schön sagt – Asse im Ärmel.

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Kommentare (15)

Klaus
9. März 2015 11:00

Klasse Herr Bachmann!

Walther
9. März 2015 11:57

»Wir haben da mehrere Pläne in der Schublade. Eine zentrale Kundgebung in der Hauptstadt gehören ebenso dazu, wie unser Versuch, bei den anstehenden Oberbürgermeisterwahlen in Sachsen (beispielsweise in Dresden, Freital und Wilsdruff) jeweils einen Kandidaten zu stellen, um einen Fuß in die Kommunalpolitik zu stellen.«

Eine zentrale Kundgebung in der Hauptstadt? Dieses Ansinnen endet zwangsläufig in einem Fiasko. Dresden ist und bleibt PEGIDA-Stadt. Wenn man diese Hochburg aufgibt, um in einer fremden, feindlichen Stadt aufzutreten, dann bedeutet das Selbstmord. Getreu dem alten Wort: Schuster, bleib bei deinem Leisten sollte sich die Bewegung weiter entwickeln und keine Ideen aus anderen Kreisen oder Zeiten kopieren...

JensN
9. März 2015 12:42

Die feindliche Haltung von Politik und Medien gegenüber der Pegida ist für mich wie ein Gütesiegel. Getreu dem Motto: Sage mir wer dich lobt und ich sage dir, wo dein Problem liegt! Ich gehe davon aus, daß den allerwenigsten Demoteilnehmern die mediale Hetze in irgendeiner Weise zu schaffen macht. Zeigt doch das Geplärre der politischen Minusmenschen und ihrer medialen Bettgenossen, das Pegida genau den wunden Punkt getroffen hat: Die Liebe zum Eigenen. Die Reaktionen sollten für jeden erwartbar gewesen sein. Es wäre doch absurd, gerade von denjenigen Beifall zu bekommen, die für die Misere verantwortlich sind. Weitermachen!

Kay-Uwe Klepzig
9. März 2015 14:46

Nichts für ungut, Herr Kubitschek, aber dieses Gespräch oder Interview ist nicht ganz kongruent mit dem gewohnten Niveau der Sezession.

Natürlich hat Herr Bachmann es sich mehr als verdient, auch auf dem Sezessions-Webtagebuch eine Bühne geboten zu bekommen.

Das ändert aber nix dran, daß dieses Gespräch keinen wirklichen Erkenntnisgewinn, keinen Mehrwert für den Leser darstellt. Es ist halt irgendwas zwischen einem Plausch bei nem Käffchen und einem eher nichtssagenden politischen Statement.

Daher die Bitte: nachschärfen.

...aber vielleicht ist das ja im Sonderheft erfolgt, dieses kenne ich nicht.

Gerhard Vierfuß
9. März 2015 18:09

Mal eine Frage, die nicht auf das Gespräch bezogen ist: Warum sind Sie so zurückhaltend mit Informationen über die letztwöchige Demonstration in Dresden und die Veranstaltung in Rom? Außer dem kurzen Bericht von Kositza und dem noch kürzeren Redeausschnitt auf dieser Seite habe zumindest ich nichts entdecken können. Kein vollständiges Redemanuskript, kein Bericht über die Gespräche in Rom - warum schließen Sie Ihre Mit-Sezessionisten so aus? Dabei hatten Sie Ihre Teilnahme an den beiden Veranstaltungen vorher groß angekündigt und die Erwartungen Ihrer Leser hochgeschraubt. Da reichen die erwähnten beiden Kurzmitteilungen nicht. Habe ich etwas Wesentliches übersehen? Dann weisen Sie bitte darauf hin. Ansonsten: Liefern Sie nach!

antwort kubitschek:
die botschaft ist durchaus angekommen, denke ich: in italien weiß man nicht viel und wenn, dann meistens das falsche über die umstände in deutschland. und: in italien wird vieles inszeniert und bombastisch durchgezogen, was keine lange lebensdauer hat. ich bewerte daher den ernst der 10 000 pegida-demonstranten als das weitaus gewichtigere. zu meinem referat auf dem kongreß in rom habe ich alles geschrieben. und die subtilen kontakte sind - wie immer - subkutan.

Martin
9. März 2015 20:27

Daher die Bitte: nachschärfen.

…aber vielleicht ist das ja im Sonderheft erfolgt, dieses kenne ich nicht.

Meiner Meinung nach wurde hier das vollständige Interview bzw. das, was auch im Sonderheft steht, veröffentlicht.

Im Übrigen stimme ich Walther zu. So etwas wie "Hauptstadtkundgebungen" sollte sich Pegida sparen. Allenfalls mal wieder eine Wochenendveranstaltung, zu der dann auch Leute von weiter her besser anreisen können, halte ich für überlegenswert. Aber auch das sollte die Ausnahme bleiben.

MW
9. März 2015 22:38

Mit diesen Drohungen ist nicht zu spaßen. Laut Polizei ist es sehr ernst zu nehmen, deshalb wurde die »abstrakte« Bedrohungslage zu einer »konkreten« Bedrohungslage gestuft. Dies bedeutet, daß feststand: Es würde etwas passieren, und es gab konkrete Hinweise auf die Zielperson, den Ort und die Zeit.

Die Morddrohung war definitiv eine Lüge.
Siehe:
https://buergerstimme.com/Design2/2015/01/pegida-morddrohung-gegen-lutz-bachmann/

neocromagnon
10. März 2015 02:34

Finde ich schön, daß Herr Bachmann weiter macht, alle Achtung. Die Medien hatten schon gedacht, ihn endlich geplättet zu haben, und jetzt steht er schon wieder da und all die Leute stehen hinter ihm. Momentan versucht es die Qualitätspresse wieder mit der Todschweigetaktik. Mal sehen wie lange.

Fred
10. März 2015 12:27

ich bin selber PEGIDA Teilnehmer in Köln und auch in Bonn gewesen.Da kann ich nur bestätigen,daß man bei allen Treffen mit Gewalt am Spaziergang gehindert wurde. Gewaltbereite Antifa- Anhänger sowohl als auch die selbst ernannten " Gutmenschen " und soziale Wichtigtuer, hinderte die Bewegung massiv auf ihr Recht, dort hin zu gehen wo man möchte.In unserer Region ist es sehr schwer den Leuten zu vermitteln, daß es dem Islam nur um politische Einflußnahme, dessen Verbreitung und Unterwanderung unserer Kultur geht. Diese Leute, sind genau die Jenigen, die den Islam unterstützen und diesen fördern,doch leider ist der Rest der Bevölkerung zu interessenlos - nach dem Motto: " nach mir die Sintfut " . Aber es wird anders kommen, die Islamisierung wird noch vor der " Sintflut " statt finden.

Helga Müller
10. März 2015 19:18

Interessantes Gespräch.
Kurz ein eigenes Erlebnis
Ich habe auf einer Friedens und ENDGAME-Demo (Engagierte Europäer gegen die Amerikanisierung Europas) in Halle die sogenannten Gegendemonstranten erlebt. Auf meinem Weg zum Bahnhof stand am Leipziger Turm ein SPD Stand mit dem Schild ANTIFA-Geldausgabe.
Meine sämtlichen Anfragen mit diesbezüglichen Photos wurden bis heute weder von der SPD, weder von diversen Antifagruppen noch vom Innenministerium beantwortet noch widerlegt.
Meine Frage an Sie als Pegida-Demonstrant wäre,
wie stehen Sie zu TTIP, Endgame und Friedensdemos?

Kositza: Das Antifa-Geldausgabe-Schild war ironisch gemeint, es geisterte schon durch diverse Medien. So sind die! Die haben herzlich gelacht über alle Demonstranten, die mit dem Finger auf das Schild zeigten und sich empörten. Es ist freilich eine besonders unkomische Form der Ironie. Wenn ein Pegidist ein Schild hochhielte, auf dem stünde: "Wir wollen Deutschland ausländerfrei und schrecken vor Gewalt nicht zurück", würde demjenigen die Ironie natürlich nicht abgenommen werden. Dabei wäre das genauso ein heiteres "Spiel mit medial verdrehten Tatsachen."

Hausrecht
11. März 2015 11:09

Hochverehrtes Sezession-Team,

vielen Dank für diese großartige Interview. Als Berliner Bärgida-Fritze der erste Stunde spüre ich das Potential dieser echten Bürgerbewegung. Es knistert.

Ich stelle mir vor, wie auch in so manchem Büro des polit-medialen Kartells gegrübelt wird: Was plant Lutz Bachmann als Nächstes” Tja, Pegida ist eine Wundertüte!

H
11. März 2015 17:59

Hallo an alle,

vielen Dank an Herrn Bachmann und viel Erfolg weiterhin !
Bewundernswert, welche Energie er für die Sache aufbringt. Leider kann ich wegen der Entfernung nicht selbst teilnehmen, würde aber gern anderweitig helfen, evtl. Sach- oder Geldspende.
Es wäre wünschenswert, eine " PEGIDA " Webseite mit Forenfunktion einzustellen, da viele User keinen Facebook-Account besitzen, diesen grundsätzlich meiden oder um einer möglichen FB- Sperrung vorzubeugen. Doppelt gesicherte Kommunikation ist ein MUSS, außerdem wird nochmals eine größere Verbreitung erzielt und Beiträge sind länger sichtbar.

Also bis demnächst

Enno
12. März 2015 19:31

Gruss an alle, wir kommen jede Woche aber eben in Leipzig. Wenn wir kämpfen werden wir siegen, also weiter machen und immer neue Aufgaben für die Möchtegern Demokraten ausdenken! Wenn eine Regierung ,oder wie auch immer ,Jeden Tag betonen muss in was wir für einer tollen Freiheit und Demokratie leben, kann was nicht stimmen!
Für die Freiheit, Gruss an alle

Olaf
13. März 2015 09:45

@Maria
Dann demonstrieren sie doch demnächst in Frankfurt/Main, dort ist die linke Scharia schon eingeführt und es werden deutsche Frauen auf der Zeil gesteinigt. Wenn das die linke Multi-Kult-Welt ist, die sie sich wünschen, dann auf nach Hessen und den Kopf hinhalten.

heinrich
13. März 2015 18:37

Heute war in der Sächsischen Zeitung ein Interview mit MP Tillich.
Frage: Inwieweit sind Sie von der Entwicklung um Pegida überrascht worden?
Antwort: Es gab eine Situation mit hoher Dynamik. …
Wenn er präzise formuliert, dann meint er die Situation vor dem Verbot der Demo wegen... tja. Terrorwarnung. Das erhärtet meinen Verdacht, daß es sich um einen vorgeschobenen Grund handelt. Die Vorgänge damals gehören meines Erachtens genauestens öffentlich untersucht.
Ich wußte bis jetzt nicht, daß Lutz Bachmann trotzdem die Veranstaltung durchführen wollte; Dies erhöht nochmals meinen Respekt.

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