Sezession
17. März 2015

Das war’s. Diesmal mit Sex für Arme, nackten Brüsten und einem Miststück

Ellen Kositza / 23 Kommentare

9.3. 2015

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Tochter, acht Jahre: „Bei den Jungs in meiner Klasse ist es ja grad modern, daß die sich ihre Unterarme sozusagen tätowieren. Also mit Füller, der R. auch mit Edding.“ – „Ah, und was tätowieren die sich so?“ – „Sex. Vor allem Sex. Das haben alle.“ Wie? „Naja, S-E-X, mit riesen Buchstaben.“ - „Und sonst?“ – „Sonst nicht viel. Der K. hat noch einen Panzer auf dem Arm. Aber da hat er sich vermalt. Durchgestrichen, und drunter noch einen gemalt. Sah aber auch nicht echt aus.“

10.3. 2015

In unserem mindestens konservativen, eher reaktionären Haushalt wird viel gelesen, vor allem Belletristik. Bereits tote und noch lebende Dichter halten sich, gesamtfamiliär gesehen, etwa die Waage. Kubitschek liest 50/50, die älteste Tochter nahezu ausschließlich Verblichene, die zweite 70/30 zugunsten der Alten. Bei mir selbst kehrt sich letzteres Verhältnis um. Ich lese gern Zeitgenössisches. Umso mehr wurmt mich der Sturm im Wasserglas, den die FAZ-Redakteurin Sandra Kegel heute anrührt. Sie beklagt (und ist es nicht die 83. Klage dieser Art?), daß in den Schulen kaum zeitgenössische Literatur gelesen werde. Ganz bitter:

„Kommen die Romane von Thomas von Steinaecker, Michael Wildenhain oder Sibylle Berg, die Gedichte von Jan Wagner, Steffen Popp oder Nora Gomringer in den Klassenzimmern überhaupt je an? Die Antwort fällt ernüchternd aus: fast nie.“

Meine Güte! Sieben zeitgenössische Autoren stehen nicht im Schulkanon! Wie ernüchternd! Ich kenne mich nun in Hessen nicht mehr gut aus. In den Redaktionsstuben dort jedenfalls wird Patrick Süskinds großartiges (und offenkundig in den hessischen Schulen gelesenes) Werk „Das Parfum“ (1985) als „historischer Roman aus dem Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts“ gezählt- gilt also als altbacken.
Frau Kegel:

Dreißig Prozent der Gymnasiasten sind ausländischer Herkunft, warum nicht mal Werke von Feridun Zaimoglu, Melinda Nadj Abonji oder Sherko Fatah auf die Listen setzen? In der Literatur geht es immer auch darum, das kritische Bewusstsein der jungen Leser zu wecken und sie ihre Umwelt in ihrer Prozesshaftigkeit erkennen zu lassen.

Das ist zweifelsohne extrem hübsch gesagt (bis auf die Listen-Formulierung), und Frau Kegel findet auch noch drei, vier, fünf Beispiele, wo an Schulen doch „moderne Literatur“ gelesen wird. Viel zu wenig!
Vielleicht ist Sachsen-Anhalt outer space, aber hier erlebe ich es definitiv anders. Gerade habe ich mich drüber geärgert, daß eine meiner mittleren Töchter in Deutsch Andreas Schlüters (hochmodernes! grottenschlechtes!) Buch „Das Machtspiel“ lesen mußte. (Hab mich nicht beklagt, weil´s eine ansonsten grandiose Lehrkraft ist.) Die Tochter erklärte mir, daß über ein Dutzend Bücher zur Auswahl standen. Die Schüler durften sich je eines zum Lesen und Referieren aussuchen. Sie nannte mir die Titel, die alle „zeitgenössisch“ waren - und die ich fast alle als unterirdisch empfand. In Erinnerung geblieben sind mir Bücher mit Titeln „Das ist mein Typ, du Miststück!“,„Schrei in der Stille“, „Cool bleiben, Hugo!“ „Bist du schwul, oder was?"

Gut, das will eventuell auch Frau Kegel nicht gelesen haben wissen. Zu begründen wäre es aus moderner Sicht nicht leicht. Die Machtspiel-, Cool- und Miststück-Titel sind auch „prozesshafte Lebenswirklichkeit“, sie sind „aktuell“ und vor allem irgendwie nah dran an ihrer Leseklientel.
Und komisch: Meine älteren Kinder haben viel „Modernes“ gelesen in ihren Oberstufenjahren. Ich erinnere mich beispielsweise an Gabriele Wohmann und an Daniel Kehlmann. In den Abiprüfungen der vergangenen Jahre kamen dran: Johanna Adorjan (geb. 1971), Norbert Kron (geb. 1965), Christoph Dieckmann, Christoph Hein, Christoph Meckel, sogar Ulrich Wickert. Ich sehe mithin keinen Grund zur Klage. Man könnte allerdings stochern und die Klage ausweiten: Zu viele Christophs! Zu wenig Frauen! FAZ, übernehmen Sie!


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (23)

Ein gebürtiger Hesse
17. März 2015 09:58

"Meinten Sie afd lucke?" Wieso sollte ich?

Haha! Treffer, versenkt! Wenn die kleine Geschichte Ihrer und Ihres Mannes Nicht-Aufnahme bei der Partei zu einem Film gemacht würde, könnte das der Schlußsatz sein. Er würde jedem Zuschauer ein anerkennendes Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Beate T.
17. März 2015 10:12

Danke, hat mich sehr gefreut der Artikel.
Es ist mir doch so viel bekannt vorgekommen, sowohl was den Schulalltag der Kinder, als auch die Alltagsbeobachtungen betrifft. Besonders Cosplay ist mir doch im Gedächtnis, etwas fülligere junge Mädchen (ich gestehe: bei uns respektlos "Schwergewichtselfen" genannt) sowie zugehörige junge Herren, meist mager und oft an der Halsbandkette geführt.
Naja. Vielleicht vergeht´s im Laufe des Älterwerdens.

t.gygax
17. März 2015 11:12

Für die Oberstufe: Sophie Dannenberg "Das bleiche Herz der Revolution"
Das gibt sowohl für Deutsch wie auch G/GK etwas her.
Jean Raspail, "Sieben Reiter verließen die Stadt", anstatt immer nur Sartre und Camus.
Mittelstufe: Viktor Streck " Heimat ist ein Paradies"
Nina Hagen "Bekenntnisse", das ist mehr wert als all dieses zeitgeistige Geschreibsel...und trotzdem abgedreht und flippig, leicht lesbar.
Es soll da mutige Deutschlehrer geben, die sicn etwas trauen.....

kolkrabe
17. März 2015 12:08

Mein Vorschlag zum Thema Gegenwartsliteratur für die Oberstufe:
Oskar Roehler "Herkunft", ergänzend dazu die Verfilmung unter dem Titel "Die Quellen des Lebens" (mit Jürgen Vogel).

Martin Lichtmesz
17. März 2015 12:21

Zu meinen Schulzeiten empfand ich die Ankündigung, daß nun "etwas Modernes" gelesen werden solle immer als eine Art Drohung.

Carsten
17. März 2015 12:44

Was sind wir in den Achtzigern auf dem Gymnasium mit Sozialquatsch wie "Rolltreppe abwärts" und Enzensberger in Endlosschleife belästigt worden. Wir haben uns danach geschüttelt wie nasse Hunde und alles wieder vergessen. Immerhin gab's zwischendurch mal den Schimmelreiter o.Ä.

Wenn meine Kinder Sybille Berg lesen müssten, würde ich sie krankmelden.

Die schönsten Schreibfehler in Tätowierungen wären mal einen Bildband wert. Da habe ich schon die tollsten Sachen gesehen, z.B. "Motorhad" oder "St. Puli".

"Fragt mich Google zurück..." Hahaha!

kant_touch_this
17. März 2015 12:46

In meinen durchaus erzbischöflichen Gymnasium wurde 2002 im Deutsch-Leistungskurs "Soloalbum" von Benjamin von Stuckrad-Barre (Erscheinungsdatum 2002) gelesen. Das selbst an dieser katholischen Schule derart Stoff gelesen wird, ist wohl der "Angst unmodern zu erscheinen" geschuldet.

Venator
17. März 2015 13:05

Frau Kositza weiß, wie sie Klicks generiert.

Der Vorteil moderner Literatur im Unterricht ist der, dass man danach weiß, was man in seinem Leben gewiss nicht mehr lesen wird. Ich denke dabei etwa an eine gewisse Nobelpreisträgerin aus Österreich ...

Martin
17. März 2015 14:54

Aktuelle Literatur im Unterricht zu besprechen kann den Vorteil haben, dass die Schüler sich nicht mit Exzerpten und Drittliteratur (zu meiner Zeit noch so etwas wie "Kindlers Literaturlexikon" oder ähnliches - heutzutage sicher Dr. Google und Wikiblödia) um die Lektüre des vollen Textes mogeln können oder meinen, es damit tun zu können.

Um so mehr liegt dann die Verantwortung bei der Lehrkraft, etwas gutes auszuwählen.

Zu meinen Schulzeiten in den 80er Jahren war das moderne das, welches heute z.T. schon für viele fast altbacken wirkt, auch wenn es das meiner Meinung nach nicht ist. Ich hatte immerhin das Glück, dass einer meiner Deutschlehrer, als er die Wahl hatte zwischen "Ansichten eines Clowns" (Böll) und "Homo Faber" (Frisch) hatte, uns Max Frisch servierte. Und als dann ein Lehrer "1984" von George Orwell wählte, lies er im Unterricht nichts daraus vorlesen. "Da lest Euch besser mal ganz alleine durch, es lohnt!" - wie Weise!

Im Übrigen finde ich das Ausgrenzungsverhalten der AfD schade. Sie schließt sich damit einem vermeintlichen "Spielt nicht mit den Schmuddelkindern"- Verhalten im vorauseilenden Gehorsam und ohne Not an, welches als Nebenwirkung auch dazu beiträgt oder den bereits vorhandenen Trend verstärkt, dass Zeitschriften wie Sezession sicher nicht mehr die Breite an Autoren zur Verfügung hat bzw. veröffentlichen kann, wie in den Anfangsjahren (man vergleiche nur einmal Jahrgang 1, wer und was da noch alles veröffentlich wurde). Solche "Alternativen für Deutschland" braucht man dann wohl wirklich nicht mehr ...

Urwinkel
17. März 2015 14:57

"Die schönsten Schreibfehler in Tätowierungen wären mal einen Bildband wert. Da habe ich schon die tollsten Sachen gesehen, z.B. „Motorhad“ oder „St. Puli“."

Solche Fehler sind nicht nur lachhaft, sondern auch fahrlässig. Und darf ich Ihnen etwas verraten? Die gröbsten Legastheniker verdienen sich in Tatoo/Piercing-Läden. Man nennt sie ganz schmeichelhaft Rocker. Nur weil sie vielleicht mal eine Nirvana-, oder Doors-Platte gehört haben. Oder irgendwas Punkiges. Neuerdings Hip Hop. Spätestens seit Haftbefehl ein großer Trend.

Ludwig
17. März 2015 15:36

An alle geschätzten Vielleser,

bitte zur Einschätzung der aktuellen Situation das hinterlegte Wissen der Klassiker nicht vergessen : " ... es bringt wohl der Tag Rätsel und Lösung zugleich."
Goethe - Weissagungen des Bakis

Hoffentlich erfüllen sich Schillers Worte "Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren; aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht" heute nicht in dem Maße, wie es manchmal befürchtet wird.

Der Gutmensch
17. März 2015 16:52

Jawohl, ich finde auch, dass in der Schule zeitgenössische Texte gelesen werden sollten, und zwar vorrangig. Denn die Klassiker (Geschreibsel mit Inhalt und dezent bebildert), die lesen die Kinder ja ohnehin nebenbei daheim, klar! Und was einem da auch so alles geschenkt wird - mein Kind lief ein Wochenende mit "Lotta-Leben" durch die Wohnung; extrem gut zu lesen, so eingängig, so flippig, so obercool ... nur der point-and-grunt-modus kann noch schöner sein. Auch toll: Die Eiskönigin statt der Schneekönigin. Viel zeitgemäßer! Rapunzel neu verföhnt war ebenfalls mal der Renner; gibts sogar auf Antolin, wo wir uns auf Geheiß der Schule anmelden mussten. Man kann eben dumme Fragen zu (fast) allem stellen! Und natürlich dummes Zeug zu (fast) allem schreiben, während man die eigenen Kinder - oder hat die Faz-Tante noch keine? - hintenrum selbstverständlich auf eine konfessionell gebundene Schule mit klassischem Lehrkanon schickt, pst.

Frank Sch
17. März 2015 17:25

„Meinten Sie afd lucke?“ Wieso sollte ich?

Mal schauen wie lange Hr.Höcke noch bei der AFD ist.
Parteivize Henkel äußert sich in der Jungen Freiheit folgendermaßen:

"Wenn sie mit dem AfD-Programm nicht mehr klarkommen, gäbe es auch noch die Alternative, sich eine andere Partei zu suchen anstatt zu versuchen, die AfD zu spalten. Und ich hätte da auch einen Vorschlag, wo sie besser aufgehoben wären …“

Quelle: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2015/streit-in-afd-henkel-warnt-vor-voelkischem-gedankengut/

Gustav Grambauer
17. März 2015 18:29

kolkrabe

"für die Oberstufe: Oskar Roehler „Herkunft“

...oder "Herkunft" von der lt. Raskolnikow "theaterregierenden Plurimi-Oma aus der Uckermark" - das Gegenstück dazu.

-G. G.

Joachim
17. März 2015 20:15

Der kulturelle Bruch vom 8.5.1945 im Bereich der Literatur ist unglaublich radikal und tiefgreifend gewesen. Er ist nur für den vorstellbar, der diese Literatur umfassend kennt. Heute ahnt man nicht einmal, was für ein geistiger Reichtum seither unterdrückt, zerstört oder verboten wurde.

Qualitativ hochwertige Schriftsteller mit Millionenauflage sind völlig aus dem Bewußtsein verschwunden. Was für ein Verlust!

Die heutige Literatur ist Ausdruck unserer Niedergangszeit. Im günstigsten Fall ist sie banal, im Regelfall dekadent und zersetzend.

Wer Will Vespers "Das harte Geschlecht" oder Erwin Guido Kolbenheyers "Meister Joachim Pausewang" gelesen hat, wird niemals einen der neuen Schriftsteller damit vergleichen wollen.

Wie armselig ist unser heutiges "Kulturschaffen" dagegen.

Strogoff
17. März 2015 23:58

@Gustav Grambauer
Redet Raskolnikow so über Botho Strauß? Plurimi-Oma?
Seltsam. Wo sie sich doch so ähnlich sind, beide reaktionär bis ins Mark und sich nur sehr selten in der Öffentlichkeit zeigen. Strauß verschanzt sich in der Uckermark und Raskolnikow fliegt mit seinem rosa Zeppelin davon.

Alexander
18. März 2015 09:10

Frank Sch:

Mal schauen wie lange Hr.Höcke noch bei der AFD ist.
Parteivize Henkel äußert sich in der Jungen Freiheit folgendermaßen:

Mal schauen, wie viele Parteimitglieder in den nächsten Tagen die Erfurter Resolution unterzeichnen. Henkel et al. könnten dann vielleicht ganz schön dumm aus der Wäsche gucken.

Carsten:

Was sind wir in den Achtzigern auf dem Gymnasium mit Sozialquatsch wie „Rolltreppe abwärts“ und Enzensberger in Endlosschleife belästigt worden.

Die haben wir auch noch in den 2000ern vorgesetzt bekommen (von Enzensberger aber immerhin nur die Molière-Übertragung); allerdings u. a. auch Sophokles (Antigone), Goethe (Faust I), Schiller (Maria Stuart, Wilhelm Tell), Kleist (Der zerbrochene Krug) und Tolkien (Der kleine Hobbit).
Letzterer erfuhr ja in der Verfilmung eine interessante Umdeutung von den im Buch noch hauptsächlich goldgierigen Zwergen, die nur an den großen Schatz wollen, hin zu den heimatvertriebenen Zwergen, die sich ihren seit langer Zeit verlorenen [Königs-]Berg wieder zurückholen.
An Lyrik mußten wir neben viel Klassischem auch Anti-Nazi-Zeugs bis zum Erbrechen ertragen, was dem ein oder anderen die "Aufarbeitung" schon damals vergällt hat.

Alexander
18. März 2015 09:29

Mit "Aufarbeitung" war übrigens die sog. Vergangenheitsbewältigung gemeint.

Frederick van Portshoven
18. März 2015 11:37

Ich kann mich auch daran erinnern, Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre im Deutsch-Leistungskurs gelesen zu haben (2002 oder 2003 muss das gewesen sein). Ich fand das damals zugegebenermaßen ganz toll, hatte ich doch als Heranwachsender einen Faible für die sog. Popliteratur, die damals ja sehr en vogue war. Unsere Deutsch-LK-Lehrerin fand das Buch im Übrigen furchtbar und nahm es auseinander. Es bildete - zusammen mit Faserland von Christian Kracht, welches ich ungleich besser finde - für mich aber den Einstieg in Literatur allgemein. Im Englisch-LK lasen wir neben Shakespeare auch Fahrenheit 451 von Ray Bradburry, Homo faber auch im Deutsch-LK. Ich kann mich insofern nicht beschweren, in der Schule übermäßig mit zeitgenössischer Literatur traktiert worden zu sein. Die meisten Klassiker habe ich dann aber privat gelesen. Um Modernes mache ich eher (mit ein paar Ausnahmen) einen Bogen.

Im Großen und Ganzen finde ich darüber hinaus die Vorschläge, u.a. auch deutschen Sprechgesang in den Deutschunterricht zu implementieren (siehe bspw. hier: https://rap.de/beste-des-tages/55588-deutscher-rap-gehoert-in-die-klassenzimmer-kommentar/) unpassend, ja haltlos. Und das sage ich als Konservativer, der einiges aus dem Genre Rap sehr zu schätzen weiß und sich tatsächlich vieles anhört. Zum einen überwiegt hier aber der Anteil, der Sprechgesangsartisten, deren Output Kauderwelsch gleicht, und zum anderen sind die allermeisten Lehrkräfte gar nicht mit der Materie vertraut, haben also keinen Wissensvorsprung ihren Schülern gegenüber - etwas, das aber konstituierend für das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist. Ferner wirken solche Vorschläge schlicht wie eine Anbiederung an den Zeitgeist im Sinne der Schülerorientierung. Letztere ist momentan ein goldenes Kalb in der Didaktik und Schullandschaft. Aber wenn es nur nach der Schülerorientierung ginge... Genug aufgeregt.

Rainer
18. März 2015 13:08

Ein Tipp von mir für ein Buch von einem zeitgenössischem Schriftsteller:
" Die letzte Welt " von Christoph Ransmayr.

Nicht zeitgeistverseucht, nicht links, weder ordinär noch banal, sondern in einer eleganten Sprache und Stil geschrieben und einer faszinierenden Bilderwelt, poetisch und zeitlos. Und gleichzeitig eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher der Gegenwart.

Hermann aus C.
19. März 2015 10:14

Nun, beinhaltet das Lesen der "Klassiker" nicht auch eine Auseinandersetzung und Erweiterung der Muttersprache? Sind Worte in der Literatur nicht das Werkzeug der Literaturkünstlers wie der Pinsel und die Farben des Malers?

Ich denke, die Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache, der Vielfalt an Ausdruck, der Sprachrhythmus ist wesentlich für (kritisches) Denken.

Die Sprach- und Wortkunst fehlt mir zu oft in der sogenannten modernen Literatur. So bin ich froh, in meiner Schulzeit noch "Klassiker" als Lektüre genossen zu haben. Die Sprache ist ein mächtiges Werkzeug der Einflussnahme (jaja, die Lügenpresse) oder warum werden z.B. Lindgren und Preussler linkskonform "gereinigt". Warum liest sich die deutsche Übersetzung von Tolkiens Herr der Ringe von 1980 anders als eine moderne (z.B. das Wort Truchseß wurde in moderneren Übersetzungen ausgetauscht).

Ist Reduzierung der (deutschen) Sprachkunst/-kultur (inkl. Verdenglischung) nicht auch die subtile (und vor allem linksgewollte) Reduzierung freien und demokratischen Denkens und Handelns?

Sind z.B. Kubitscheks Reden bei Legida nicht berührend, weil er Sprache kann?!

Und meine letzte Frage hier: bedeutet "Motorhad" nun "Motorrad" oder "Motorhead"? ;)

Cosima van Tutte
19. März 2015 10:43

"Sex für Arme"?

Als ich die Überschrift las, war ich etwas erschrocken. Mir fiel sofort der evangelische Seelenhirt ein, der kürzlich für jene armen Männer, die jung und potent hier einwandern, kostenlosen Sex durch gesponserte Prostitution verschlug, auf daß sie sich nicht an uns einheimischen Frauen vegreifen müssen.

Als ich dann weiterlas, mußte ich sehen, daß es um etwas ganz anderes ging. Na, Gott sei Dank.

Götz Kubitschek
22. März 2015 09:10

badeschluß.
dank an alle!
kubitschek

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