22. März 2015

Der Typ Bernd Lucke oder Es gibt keine Alternative im Etablierten

von Götz Kubitschek / 60 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

luckesortEs gibt Menschen, die persönlich gekränkt sind, wenn etwas schlecht funktioniert. Bernd Lucke, vielleicht bald der alleinige Vorsitzende der Alternative für Deutschland, ist solch ein Mensch. Lucke beurteilt die Lage Europas, die Lage Deutschlands, die Lage seiner Partei, seine eigene Lage, die des Finanzsystems, des Welthandels und des Asylantenansturms nach funktionalen Gesichtspunkten:

Gut ist, was funktioniert, gelungen sind Maßnahmen, die zu Verbesserungen der Abläufe führen, ärgerlich sind Reibungsverluste, unerträglich Launen, Stimmungen, Irrationalität und ein Beharren auf Größen, die außerhalb der Ratio und der vernünftigen Geordnetheit der Dinge liegen.

Die Anpassung der Regelwerke an die Flußrichtung der Gesellschaft, die Planbarkeit des Bedarfs für die nächsten Monate und Jahre, die Kontrolle der nächsten Tendenz, der nächsten atmosphärischen Verschiebung, der nächsten Stimmungsschwankung der Verbraucher, der Masse, der Unselbständigen – das regt die kühle, calvinistische Leidenschaft an, diese an Abläufen und Humanmechanik interessierte Intelligenz.

Auf politischem Feld spielen Technokraten wie Lucke eine bedeutende Rolle, und zwar in jeder Partei, in jedem Lobbyverband und in jedem Staatsorgan:

Ihr Feld ist die politische Arithmetik, das Personaltableau, die Gewichtsverschiebung. Sie vertrauen den Zahlen, den Statistiken, den Umfragewerten, kurz: jedem Ausdrucksformat, das ein gewogenes Mittel zum Maßstab erklärt und auf Repräsentativität das größte Augenmerk legt. Sie fühlen sich vom (Partei-)Apparat nicht belästigt, sondern verschwinden sozusagen mit dem Ölkännchen im Innern des Getriebes, um nachzuschmieren – und dabei jene Spur zu hinterlassen, entlang der am Ende der Königsweg zu Mehrheiten, stabilen Seilschaften und Schalthebeln verläuft.

Über dem Betrachten dieser bisweilen elegant den Schraubenschlüssel führenden Humanmechaniker kann nun leicht der Blick für eine fundamentale Lücke verloren gehen, der Blick für eine Fehlstelle, für ein fehlendes Organ, eine fehlende Dimension: der Blick dafür, daß Verwalter ihre Arbeit im Dienste der Reibungslosigkeit nicht mehr für einen Dienst an einem höheren Zweck halten, sondern für den politischen Zweck an sich.

Technokraten schmieren und verwalten das, was sie vorfinden. Sie sind zu einer politischen Vision nicht in der Lage, sie halten die Umstände für gegeben und verstehen ihr Tun, ihre realpolitische Flexibilität als Ausdruck einer tiefen Einsicht in das Wirkungsgefüge des Systems. Sie nehmen die große Gesellschaftsmaschinerie nicht nur hin, sondern sind gern ein wesentlicher, ein stabilisierender Teil in ihr, und das nicht ohne Ehrgeiz:

Denn sie funktionieren viel besser als der Durchschnitt und reagieren mit Unmut, wenn jemand die auf Leidenschaftslosigkeit heruntergekühlte Form der politischen Meinungsorganisation und -optimierung eben gerade nicht für das Wesen und die eigentliche Aufgabe eines Politikers hält.

Technokraten kennen den Argwohn gegen das gepolsterte Joch unserer Zeit nicht. Wer wie Bernd Lucke jahrzehntelang in der CDU aktiv war, wird nicht plötzlich grundsätzlich und alternativ: Wer aus dem Establishment stammt, geht nicht freiwillig vor die Tür. Jede Eruption, jede fundamentale Erschütterung, jeder Aufstand gegen den Apparat, den »unsichtbaren Gegner« (Martin Lichtmesz), die »sekundäre Welt« (Botho Strauß) ist ihm völlig fremd.

Der Typ Lucke ist der Typ der Zukunft. Er optimiert sich selbst und sein Umfeld permanent und ist zur selben Rücksichtslosigkeit fähig, mit der ein Bauamtsleiter eine Allee fällen läßt, um eine Straße zu verbreitern. Leute aber, die etwas verteidigen, das er nicht begreift, sind ihm ein Rätsel.

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Am 14. März hat der Landesvorsitzende der AfD in Thüringen, Björn Höcke, die Erfurter Resolution vorgestellt – flankiert von rund zwanzig prominenten Erstunterzeichnern. Der Tenor seiner Resolution ist die Rückbesinnung der AfD auf die ureigene Aufgabe einer neuen Partei: die Ausweitung des Denk- und Äußerungsraumes auf der politischen Bühne. Er wird dabei nicht müde zu betonen, daß der Flügel, den er repräsentiert, nicht der einzige, sondern einer von mindestens zwei starken Flügeln in der AfD sein muß.

Bis heute haben - so die Initiatoren - bereits 1500 Mitglieder diese Resolution gezeichnet, ein Ende der Technokratisierung ihrer Partei, den Mut zu einer fundamentalen Auseinandersetzung mit dem Establishment und eine Besinnung auf den Gründungsgeist der Partei gefordert und damit vor allem eines begriffen: "Die Alternative wird kaum als Alternative funktionieren, wenn ihre Spitze sich den Snobismus der Altparteien gönnt, das heißt immer ein gutes Stück weiter links als die Basis steht." (Karlheinz Weißmann, JF vom 13. März)

Es gibt keine Alternative im Etablierten, sagen die Unterzeichner. Bernd Lucke steht fassungslos vor so viel sinnloser Leidenschaft.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (60)

SFH
22. März 2015 21:54
Politische Esoterik vs. politische Exoterik

Mit einem postkonservativen Waldläufertum, mit dem Wispern und Raunen von einem metapolitischen Unter- oder Überbau, mit der ideologischen Überhöhung parteipolitischer Meinungsverschiedenheiten, mit einer selbstreferentiellen politischen Esoterik fände die AfD zielsicher die Lichtung der Zwei-Prozent-Partei. Nur politische Exoterik garantiert langfristigen Erfolg, klare Ansagen für die Wähler statt intellektueller Grabenkämpfe um die Semantik historisch verbrauchter Begriffe, mit denen sowieso nur eine absolute Minderheit der Wähler etwas anfangen kann.
Tomorrow
22. März 2015 22:12
Der "Flügel" ist die letzte Chance für die AfD. Allerdings haben nicht "schon", sondern "nur" 1500 von 22000 unterschrieben.

Rebellionen gelingen selten. Dem "Flügel" fehlen jetzt die vielen Hunderte oder Tausende, die die AfD erst gar nicht aufgenommen hat, weil sie rechts "vorbelastet" waren.

Wird jetzt der Rest auch da landen, wo deren abgelehnte oder nicht bearbeitete Aufnahmeanträge gelandet sind? Auf dem "Müllhaufen der Geschichte" (Trotzki)?

Die Linken lachen darüber. Diesen Fehler haben sie nie begangen.
Albert
22. März 2015 23:02
Grandioser Artikel - und leider wahr.

An sich ist diese Technokraten-Mentalität ein sehr wichtiges Gut, daß uns Deutschen irgendwie sehr sympathisch ist und dem deutschen Volk oft sehr zu gute kam. Nur hat sich heute diese Mentalität gegen uns gewendet.

Doch gibt es in Deutschland viele, viele Menschen, die wollen, daß der Zug gut und reibungsfrei rollt, selbst wenn er in die falsche Richtung rollt.
Simon
22. März 2015 23:23
Lucke ist da nicht typisch, sondern ein Extremfall. Der Mann neigt zum Autismus und hat wenig Empathie. Nun muss man aber auch sagen, dass er ohne diese Eigenschaften, die AfD wahrscheinlich nie gegründet hätte. Wie das bei autistischen Persönlichkeiten oft der Fall ist, nimmt er Kritik gar nicht wahr und sie kann ihn nicht verletzen. Darum prallen die Angriffe der Medien einfach an ihm ab, aber eben auch gut gemeinte Ratschläge aus den eigenen Reihen.

Ob man ihn nun mag oder nicht, er hat der AfD ein Gesicht gegeben, an dass sich inzwischen viele Bürger gewöhnt haben und er hat den Leuten die Angst genommen eine nicht etablierte Partei rechts von der Union zu wählen. Sobald Lucke weg ist, würde die AfD in der Luft zerrissen. Einen Vorsitzenden Höcke würden die Medien zu einer totalen Unperson machen. Ob einem das gefällt oder nicht, mit Lucke steht und fällt der Erfolg der AfD. Er ist in dieser Phase unersetzbar und das weiß er auch und daraus resultiert seine starke Position.
Max Meier
23. März 2015 00:24
Niemand, der ein bisschen bekannt wird, bleibt von der Einflussnahme der Mächtigen verschont.
Manche auch schon vorher nicht.
Magnus Göller
23. März 2015 01:02
Eine, auch bildhaft gut unterlegte, treffliche Analyse.

Drei Einwände habe ich gleichwohl.

"Der Typ Lucke ist der Typ der Zukunft."

Wirklich? - Das wird sich noch herausstellen.

"Leute aber, die etwas verteidigen, das er nicht begreift, sind ihm ein Rätsel."

Das wage ich auch zu bezweifeln. Ich denke, diese Leute sind ihm wesentlich lediglich ein Problem. Lucke mag sehr wohl begreifen (ich halte das sogar eher für wahrscheinlich), jedenfalls in erheblichem Umfange, was die verteidigen, und eben trotzdem handeln, wie er es tut, eiskalt.

Also: Lucke ist - ja, was ist er denn? - : Er ist nur ein Mini-Draghi.

Noch zum Beitrage Alberts oben: Ich denke nicht, dass den Deutschen eine besondere Technokratenmentalität eignet.

Wir wollen in der Tat, dass es nicht nur Dichter und Denker gibt, sondern auch, dass unser Stromnetz tadellos funktioniert, die Qualität der Waren gut, Abläufe effektiv organisiert, nicht überall der Dreck herumliegt.

Jedes intelligente Volk will das.
Curth Sachs
23. März 2015 01:17
Wenn Herr Lucke so ist, wie Kubitschek ihn hier zeichnet, wie passt dann in dieses Bild, dass er aus der CDU ausgetreten ist, zunächst mit den Freien Wählern zusammengearbeitet und schließlich die Wahlalternative 2013/AfD mitbegründet hat?
neocromagnon
23. März 2015 02:34
Alleine mit dem Eurothema hat sich die AfD erledigt. Das interessiert unter den "normalen" Leuten kaum jemanden und als 6-8% Partei und ohne wirkliche Kraft im Rücken, wird sie nichts bewirken, als vielleicht ein paar Leutchen in gut bezahlte Ämter helfen. Aber warum sollte man sich die Mühe machen, für sowas zum Wahllokal zu pilgern? Das werden sich viele fragen, mit Recht.
Fels
23. März 2015 05:21
Hervorragend geschrieben, trotzdem wird, wie immer in diesem Land in dieser Zeit, die wesentliche Frage nicht beantwortet. Wenn der vorhandene Mechanismus in den Abgrund führt, w e l c h e r alternative Mechanismus wird angeboten? Das sagt Höcke nicht. Diesen Mut hat der Gründer der AfD Thüringen, Wohlfarth, ihm, leider, fehlt das Material für seine geistige Wende, eine starke Zahl handelnder Christen.
donna_alta
23. März 2015 06:44
Klare, sehr ernüchternde Worte, die auch meine Sicht auf die derzeitige AfD gerade rücken. Ich habe schon an mir gezweifelt.
Im Dezember stellte ich den Antrag auf Eintritt, welcher erst verloren ging und dann nach Monaten wieder gefunden wurde. Dann erhielt ich vom Kreisvorstand einen Anruf, bei dem er mich belehrte, dass ich nie in einer verfassungsfeindlichen Organisation gewesen sein darf (was ich nie war....oder zählt DSF "Deutsch-Sowjetische-Freundschaft" dazu?) Dann wurde mir versichert, dass es ein paar Tage dauert und ich hätte dann Mitgliedsunterlagen....Das ist mehrere Wochen her. Ich bin jetzt eigentlich froh, dass es so ist. Das ist nicht meine Bewegung.
Es macht mich sehr verdrossen, dass sich die rechte, konservative Gegenbewegung in unserem Land nicht sammelt und vereint. Aber das ist wohl der Fluch, der über Deutschland liegt!
Herrn Höckes Leidenschaft und Klarheit ist mir in jedem Fall näher, als der Rest der AfD, der vor sich hin dümpelt und wertvolle Ressourcen der Basis verschleudert.
Falls es eine Neugründung einer wahrhaften, patriotischen Alternative gibt, bin ich dabei ;-) und hoffe, dass mein Antrag nicht wieder im Nirvana verschwindet!
kolkrabe
23. März 2015 07:22
Was sehe ich, wenn ich Bilder von AfD-Veranstaltungen sehe? Ein zum überwiegenden Teil weißhaariges Publikum, demgegenüber die Parteioberen geradezu wie ein Konfirmandengremium wirken. Die wollen keine Rebellion, die wollen keine grundsätzliche Veränderung – die wollen Besitzstandswahrung, Sicherung des Erbes. Besitzstand ist das, was sich in Geldwerten ausdrücken. lässt. Das geistige kulturelle Erbe ist denen wurscht (es sei denn, es hätte wiederum einen in Euro und Cent deklarierbaren Wert wie ein Gemälde, ein Flügel, eine Antikensammlung). Die Weißhaarigen – ihre Zukunft ist aus biologischen Gründen eng limitiert, folglich auch die Leidenschaft, über den Tellerrand ihrer Interessen hinauszuschauen. Hinzu kommt, dass der Gedanke, alles sei messbar, regelbar, programmierbar zu den Grundüberzeugungen der BRD-Konservativen zählt, die im Grunde niemals echte Konservative waren. Lucke verkörpert diesen Typus in Reinkultur. Kultur, Gesellschaft, Staat – alles ist nur eine Maschine. Das weiß der Technokrat Lucke, damit kalkuliert er. Und damit, dass die Weißhaarigen eine wachsende Zielgruppe sind.
Realist
23. März 2015 08:13
@kolkrabe

Ein Wahlrecht sollte es nur für Kinder geben, ausgeübt durch die Eltern. Mit der Volljährigkeit verfällt dieses. Wer selbst mitbestimmen will, muß erst Kinder in die Welt setzen, um dann deren Wahrecht auszuüben. Dann hätten wir a) eine am Volkswohl orientierte, zukunftsweisende Politik und b) kein demographisches Problem mehr.

Ach ja - Teilhabe, Schutz und Pflege der Alten findet in der Familie statt, wo sie hingehört.
Rumpelstilzchen
23. März 2015 08:16
BRANDT: Eine große Partei besteht nicht aus Leuten, die nun einander alle als persönliche Freunde verbunden sind. Parteizugehörigkeit ist keine Art von Liebesverhältnis. Man findet sich zusammen, um politische Aufgaben in einer Gemeinschaft anzugehen. Und Menschen sind das auch alles. Müde sind sie auch manchmal, ärgern dürfen sie sich manchmal. Wir sollten da nicht zimperlich sein. Eine Partei ist kein Mädchenpensionat.

Dies sagte Willy Brandt am 25. März im geschichtsbestimmenden Jahr
1968:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46093857.html
Und Brandt hatte Recht. Politik ist zuallererst "Wille zur Macht". Warum sollten zwei Flügel nicht ihre Berechtigung haben ? Als Realos und Fundis etwa, die sich gegenseitig befruchten.
Eine Spaltung freut nurmehr den politischen Gegner.
Ja, es gibt immer eine Alternative. Auch im Etablierten.
Sonst bliebe nur der Rückzug in die intellektuell-elitäre Schmollecke oder die Reise nach St. Petersburg.
http://www.welt.de/politik/article138678742/Gipfeltreffen-von-Europas-Rechtsextremen-in-Russland.html

Das kann's doch nicht sein ?
Der Gutmensch
23. März 2015 08:30
Eigentlich passt Lucke vom Typ her sehr gut zur Bundeskanzlerin. Vielleicht ein wenig zu eitel und plakativ ehrgeizig für ihren persönlichen Geschmack; aber so im Grundsatz wären die beiden eigentlich ein Traumgespann; gewiss könnte der eine die Sätze des anderen vollenden. Frau Dr. Merkel in West und männlich! Ich bin andererseits auch nur höchst selten ein Freund von irgendwelchen "Visionären" und dem erschröcklichen Ehrgeiz, diese dann auch noch in die Tat umsetzen zu wollen (auf Kosten anderer, üblicherweise!) Aber was ich leider weder bei der Bundeskanzlerin noch beim Herrn Lucke erkennen kann, ist irgendein Horizont, der über ihre eigene Machtposition hinausweist und der fehlt mir doch sehr, um echtes Vertrauen fassen zu können. Ich argwöhne, die beiden haben sich klammheimlich selbst zum Maßstab erkoren und hinter ihnen kommt bloß noch die Sintflut, weil weder über sich selbst hinaus denken, noch als gewiefte Strategen zulassen, dass das etwa jemand anderes für sie tut. Die beiden scheinen so egozentrisch zu sein, dass man tatsächlich fürchten muss, sie reißen mit dem Hintern wieder ein, was sie vorne mit Akribie aufgebaut haben. Eine echte Verschwendung ihrer - und unserer - Ressourcen, weil es Deutschland ja noch geben wird, wenn diese beiden mal nicht mehr an den Schalthebeln sitzen. Dann kommt erst noch das Ausbaden: Hinter solchen Führungspersönlichkeiten folgt üblicherweise ein unübersehbares, schadenanrichtendes Heer fettgefütterter, antisozialer Schranzen und Streber, weil Menschen, die selber denken/gestalten wollen, im Fahrwasser solcher Egozentriker prinzipiell nicht geduldet werden. Wir werden uns noch zurücksehnen, befürchte ich! - Soviel also zum Thema "Alternative". Aber wir waren mal wieder beschäftigt und unser Leben wird gewiss nicht langweilig ... behaupte keiner, die Kanzlerin und Prof. Lucke wären irgendwie unser Geld nicht wert - die sorgen doch glatt noch für anständiges Entertainment, Applaus!!
Andrenio
23. März 2015 09:09
@kolkrabe
Womit verbringen Sie (vom Schlaf abgesehen) den größten Teil Ihrer Zeit? Ich mit arbeiten, ca. 70 Std wöchentlich. Mein Haupt ist dabei grauhaarig. Was treibt mich um? Nicht der Besitzstand, sondern die Frage, ob ich in fortgeschrittenem Alter meinen Kindern zur Last falle. Mich mehr und mehr zu bescheiden, kein Problem.
Gerade deshalb, angesichts des kommenden Pflegenotstands und der drohenden Altersarmut, ist ein Beschäftigen mit dem grassierenden Falschgeldsystem unabdingbar. Sie glauben sicher nicht an die Mär vom Wohlstand durch Konsum.

Das aber treibt mich nicht wirklich um, sondern der langsame Untergang unseres Landes. Immerhin kam das letzte Fanal in Person eines über Achtzigjährigen (Veneer). Sind Sie selbst - wohl jünger an Jahren - auch ein potentieller Samurai? Schön wär es, denn die europäischen Zeiten eines Pallach oder Brüsewitz liegen schon Jahrzehnte zurück.

Die AfD ist die letzte Chance innerhalb des parlamentarischen Systems unseren Sorgen eine Stimme zu verleihen.

Lucke und Konsorten wollen nur alles langsamer verlieren und das auf dem bürokratischen Weg, ein echtes entgegenstemmen, das liegt nicht in der Natur dieser Apparatschiks. Da hat GK ganz recht. Die Hürde wurde innerparteilich aber clever aufgebaut, was @donna_alta am eigenen Leib verspürt hat. Rein kommen nur noch Genehme und Handverlesene.

In unserem Kreisverband werden bei einer Mitgliederzahl von knapp über 100 z.Zt. 15 Aufnahmeanträge einfach nicht bearbeitet ohne offizielle Angabe von Gründen. So erhält man sich die Akklamationsmehrheit für Lucke & Co.

Niedersachsen hat aber gezeigt, dass es auch anders geht.

Sollte es irgendwann zum Bürgerkrieg kommen, für den ja im Moment die Polizei mit einem GSG9- Verschnitt aufgerüstet werden soll, sind alle diese Überlegungen Makulatur. Meine Hand kann immer noch eine Uzzi bedienen.
Rumpelstilzchen
23. März 2015 09:31
Im Dezember stellte ich den Antrag auf Eintritt, welcher erst verloren ging und dann nach Monaten wieder gefunden wurde. Dann erhielt ich vom Kreisvorstand einen Anruf, bei dem er mich belehrte, dass ich nie in einer verfassungsfeindlichen Organisation gewesen sein darf (was ich nie war….oder zählt DSF „Deutsch-Sowjetische-Freundschaft“ dazu?) Dann wurde mir versichert, dass es ein paar Tage dauert und ich hätte dann Mitgliedsunterlagen….Das ist mehrere Wochen her. Ich bin jetzt eigentlich froh, dass es so ist. Das ist nicht meine Bewegung.


@donna alta

Als ehemaliges Mitglied einer verfassungsfeindlichen Organisation kann man in jede Partei eintreten und auch Ministerpräsident werden !

https://www.google.de/search?q=gr%C3%BCne+kretzschmann+verfasssungsschutz&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari

Man muß den AFD Granden nur glaubhaft vermitteln, dass man seine "Verbohrtheit und Verblendung " abgelegt hat.
Und, dass sich der " Unsinn ausgewachsen" hat.
( im Falle Kretzschmanns hat er sich m. E. allerdings nicht ausgewachsen)
Simon
23. März 2015 10:14
"Alleine mit dem Eurothema hat sich die AfD erledigt. Das interessiert unter den „normalen“ Leuten kaum jemanden und als 6-8% Partei und ohne wirkliche Kraft im Rücken, wird sie nichts bewirken, als vielleicht ein paar Leutchen in gut bezahlte Ämter helfen."

Das Eurothema wird bald wieder sehr aktuell, wenn Deutschland 80 Milliarden Euro abschreiben muss. Mehr als 6-8 Prozent ist für eine Partei rechts on der Union in Deutschland nicht drinn. Soviele Konservative gibt es in Deutschland einfach nicht mehr. Will die AfD mehr Leute ansprechen, muss sie eher noch mehr in die "Mitte". Ich habe gar nichts dagegen mit meiner Stimme AfD-Leuten in gut bezahlte Ämter zu helfen, wenn dafür jeweils einer von CDU, SPD oder Grünen gehen muss.

Man muss doch einfach einmal realistisch sein, was so eine Partei genau erreichen kann. Die Gesellschaft macht die Parteien und nicht die Parteien die Gesellschaft.
Unke
23. März 2015 10:27
Lucke glaubt es sei "seine" Partei*, mit den Mitgliedern als Klatsch- und Akklamationsvieh zur Preisung ihres Vorsitzenden.** Schau'n wir mal.

* er hat ja das Gehalt, auf das er als Universitätsprofessor wegen seiner Parteiarbeit (Kürzung auf 1/2 Stelle) hat verzichten müssen von der Partei (AfD), d.h. den Mitgliedern bezahlen lassen. Ob er allerdings nun, am Trog als EU-Abgeordneter, den überschießenden Teil wiederum der Partei spendet ist nicht bekannt...
** Die AfD ist für Lucke Vehikel. Und zwar zur gesellschaftlichen (und auch finanziellen; kurz: politischen) Anerkennung, die ihm nach seinem Selbstverständnis ohnehin zusteht. Narzissmus nennt man das.
Coon
23. März 2015 10:52
Willy Brandt hatte auch damit unrecht: Parteien sind ein Mädchenpensionat. Im Schlafsaal Larmoyanz, Eitelkeiten, hysterisches Gekreische, an den Haaren ziehen, Pferdebilder und Lucke war wieder voll fies zu mir. Luckes Pferdebilder sind gewissermassen seine Vorstellung, es ginge in der Politik darum etwas richtig zu machen, weil man doch in der Sache einfach recht habe. Das ist offensichtlich ziemlich fad und kann nicht mit den Entwürfen der Gegenseite mithalten: Platz an der Sonne, Septemberplan, Kampf gegen Bolschewismus und Plutokratie, Unternehmen Barbarossa, Generalplan Ost, Europabank in Wien, Nero-Befehl, Henneke-Schicht, Atomkraftwerke und die Bombe, für die Freiheit und gegen die Soffiets, mehr Demokratie wagen, Karl den Käfer fragen, Friedensprojekt Deutsche Einheit anschieben, Strom aus der Steckdose, das alternativlose Euro-Dings, neues Volk, mehr Geschlechter, mehr von allem und die Schalker Meisterschaft. Da kann Lucke nicht mithalten. Immerhin wird in der AFD die Machtfrage rücksichtslos nach innen gestellt, was auf eine gewisse Potenz schliessen lässt. Aber irgendwie fehlt doch die Libido.
von Espenfeld
23. März 2015 11:46
In Bayern ist der Lucke - Flügel an der Macht und sitzt mit dem
bayerischen AfD - Vorsitzenden auch im Münchner Stadtrat. Bisher
sind diese Münchner AfD-Leute eigentlich nur dadurch aufgefallen,dass sie bei bestimmten Entscheidungen ( Volksbegehren gegen Riesen-Moscheebau in Münchens Zentrum, Gelder gegen Rechts ) stets flott mit den Altparteien gestimmt haben. Ansonsten hört man keinen Mucks von denen .
Lt. CSU-Generalsekretär Scheuer liegt die bayerische AfD nach Umfragen derzeit in Bayern bei 3-4 % . Ist also schon deutlich abgesackt gegenüber der letzten Europawahl . Kein Wunder, wenn man eine komaähnliche Politik betreibt und gegen alles was irgendwie "rechts " ist ankämpft.
Ich setzte keine große Hoffnung mehr auf den brav-biederen Lucke und seinen abgehalferten Instustriekapitän Henkel.
Wenn die AfD-Leute im Osten ( Höcke , Gauland , Petry u.a. ) das AfD-Ruder nicht bald zu mehr populäreren Themen herumreißen, wird die AfD bald ein bedeutungsloser Torso sein.
Martin
23. März 2015 11:53
Ich möchte einmal höflich nachfragen, was der tiefere Sinn dieses Artikels gewesen sein soll bzw. was damit beabsichtigt wurde, mir erschließt sich dies jedenfalls nicht. Ferner möchte ich vorsichtige Zweifel daran anmelden, dass der Artikel "dem Flügel "um Höcke in irgendeiner Form hilfreich war.

antwort kubitschek:
1. höcke weiß sich sicher selbst zu helfen, wer bin ich denn?; 2. der beitrag ist teil einer gründlichen auseinandersetzung mit dem neuen buch von leif randt: http://antaios.de/buecherschraenke/schoene-literatur/7857/planet-magnon.-roman; nächstens also mehr.
Ein gebürtiger Hesse
23. März 2015 12:05
Gut, einmal das Charakter-Bild eines Technokraten gezeichnet zu sehen. Sogleich treten Aspekte seines Verhaltens, die man bislang vielleicht allzu vage wahrgenommen hatte, als Kennzeichen seiner inneren Physiognomie hervor und werden umso besser erkennbar.
Alexander
23. März 2015 12:32
von Espenfeld:
Diese AfD in München scheint den Prototyp des von Höcke et al. in der Erfurter Resolution beschriebenen "Etablierten" darzustellen: Den von Ihnen angesprochenen weiteren Geldern für den Kampf gegen Rechts stimmte sie zu, damit man nicht als einziger wie Karl Richter von der Bürgerinitiative Ausländerstopp stimmt ...
kolkrabe
23. März 2015 12:44
@andrenio

Möchten Sie mir mit Ihren dezenten Verweisen auf Palach, Brüsewitz, Venner und Samurai-Gepflogenheiten etwa einen spektakulären Suizid nahelegen? Netter Versuch, aber ich muss Sie enttäuschen – das ist meine Sache nicht. Ich halte es mit Jünger und bin „letzthinnig Optimist“.

Und um Ihre Neugier zu befriedigen: Ich schlafe in der Tat gern und ausgiebig, bin Anfang 50 und Freiberufler (als Meister des Delegierens übrigens mit maximal 50 Wochenarbeitsstunden – Sie mit Ihren 70 Stunden machen da was falsch). Und ich habe drei erwachsene Kinder, denen auch ich später nicht zur Last fallen möchte. Wie mir Lucke und seine AfD dabei helfen könnten – das sehe ich auch bei genauem Hinschauen nicht. Wer aber dann?

An die Mär vom Wohlstand durch Konsum glaub ich so wenig wie Sie – an gesetzliche oder gängige Modelle der privaten Alterssicherung aber noch viel weniger. Erst recht nicht glaube ich an Selbstheilungskräfte des parlamentarischen Systems, weswegen mir auch „letzte Chancen“ in diesem System als vernachlässigenswert erscheinen. Es wird wohl eher darum gehen, wie wir überwintern können (nicht zum ersten Mal im Laufe der Jahrhunderte). Dafür braucht man keine Parteien, sondern – neben einigen Charaktereigenschaften, die ich hier nicht benennen muss – Menschen aus Fleisch und Blut im persönlichen Umfeld, auf die Verlass ist. Das ist zugleich auch die lebendige Substanz, die zu retten ist, das sind die Stammzellen unserer kulturellen Identität. Der Rest mag dahinfahren.

Überhaupt begegne ich dem "technokratischen Konservativen" mit tiefem Misstrauen. Er mag eine Konservenbüchse sein (ist ihm doch das Eingemachte so wichtig), aber ein Konservativer ist er nicht. Leute wie Lucke sehen das Leben als Bebauungsplan. Der alte Werbespruch der Iduna- Versicherung („Das Leben ist ein Planquadrat“) ist wie für ihn gemacht – alles regelbar, alles berechenbar, alles machbar. Das Leben (und auch das Politische!) ist anders – unberechenbar, wild, irrational, chaotisch, organisch. Wer da mit Kantenschere und Unkraut-Ex kommt, wird nichts ausrichten.
enickmar
23. März 2015 12:59
Ein sehr “plastisches” Bild mit einem wahren Kern.

Dazu folgende Ergänzung. Der “Typ” Lucke mit seiner bürgerlich professoralen Attitüde und seinem bubenhaften Charme hat den Erfolg der AfD erst möglich gemacht. Seine Fernsehauftritte, vor allem sein erster bei Anne Will, sind legendär.
Aber u.a. hier liegt vermutlich auch eine Wurzel seines Abrenzungsfimmels. Lucke wollte über Politik reden. Stattdessen muß er sich mit Nazi-Vorwürfen herumschlagen. Später, wieder bei Anne Will, wird ihm der Begriff “Entartung” mit Sudiohall um die Ohren gedröhnt. Ich meine man konnte ihm anmerken, wie – im mehrfachen Sinne – unangenehm ihm das war.
Gerade für einen braven Technokraten wie Lucke, der nichts als nüchterne Wirtschaftspolitik im Sinn hatte, muß das ein Schock gewesen sein. Und vermutlich kam dies für ihn auch sehr überraschend, da er diesen System-Mechanismen bisher nie ausgesetzt war. Im Gegensatz zu vielen Anderen …
Settembrini
23. März 2015 13:34
Eine Anmerkung: Es ist m. E. falsch vom "Typ Lucke" zu sprechen - statt dessen müßte es heißen: der Typus Lucke. In der Überschrift wird also verwechselt: ein konkreter Typ Bernd Lucke mit dem allgemeinen Typus XY (hier mit "Technokrat" bezeichnet oder als "Humanmechaniker" lächerlich gemacht), für den Bernd Lucke stellvertretend steht und der hier zur Sorge Anlaß gibt. -- Der Beitrag lebt aus einen Affekt (auch Gauland war jahrzehntelang in der CDU aktiv ...) - was man vom Typ Kubitschek sonst eigentlich nicht gewöhnt ist. Schade, schade.
Der Gutmensch
23. März 2015 14:09
Lieber Martin, nun seien Sie nicht so grätzig, sondern teilen Sie Ihre Erkenntnisse mit uns: Worin genau besteht nun diese "Alternative", die Prof. Dr. Lucke für Deutschland vor Augen steht? Wir haben alle hingesehen, ziemlich gutwillig sogar (bei mir war das zugegebener Maßen vorbei, als Henkel so pauschal wie coram publico Richtung Osten austeilte und dafür NICHT mit einem Ausschlussverfahren konfrontiert wurde, dieser ungezogene Mensch!). Höcke hat sicher nochmal sehr viel gutwilliger hingesehen als der Rest von uns; für ihn steht ja persönlich mehr auf dem Spiel. Wenn der sich allerdings schon nicht länger umhinkommt, die Frage nach der "Alternative" aufs Tapet zu bringen - und kluge Gauland sekundiert ihm dabei - wem wollen Sie dann eigentlich grollen, weil er sich entgeistert fragt, wer nun eigentlich der Herr Prof. Dr. Lucke ist oder vielmehr sein möchte, diese schlichte Frage einfach unterbinden zu wollen? Nochmal: Worin genau soll die "Alternative für Deutschland" bestehen?
Pondax
23. März 2015 14:16
Natürlich hätte Lucke in der CDU Karriere machen können, hat er aber nicht. Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass er sehr wohl inhaltliche, keineswegs nur technokratische Positionen vertritt. Selbstverständlich macht er auch Fehler - wie jeder. Man hat sich seit langem eine alternative Kraft gewünscht. Nun ist sie ansatzweise da, insbesondere auch dank Lucke. Da sollte man das Beste draus machen, auch mit konstruktiver Kritik an Lucke, aber nicht so viel herummäkeln.
Martin
23. März 2015 14:19
@kubitschek,

Danke für den Hinweis. L.R. Buch "Schimmernder Dunst über Coby County" wurde von der Sezession ja schon besprochen, jetzt kann ich auch die Bilder mit dem Getriebe und auch den Technokraten und alles läuft ja so schön rund, gut einordnen. Ich erlaube, auf die alte Besprechung zu verlinken:

http://www.sezession.de/36700/schone-literatur-leif-randts-schimmernder-dunst-uber-coby-county.html

PS: Ein kleiner Tipp, dass es in diese Richtung geht, hätte ich gut gefunden - so hab ich erst mal gerätselt (oder hab ich etwas übersehen?).
AfD-Mitglied
23. März 2015 14:47
"Alleine mit dem Eurothema hat sich die AfD erledigt. Das interessiert unter den „normalen“ Leuten kaum jemanden und als 6-8% Partei und ohne wirkliche Kraft im Rücken, wird sie nichts bewirken, als vielleicht ein paar Leutchen in gut bezahlte Ämter helfen. Aber warum sollte man sich die Mühe machen, für sowas zum Wahllokal zu pilgern? Das werden sich viele fragen, mit Recht."

Naja, allein mit dem Euro-Thema wäre die AfD nur ein halbes Jahr nach ihrer Gründung fast in den Bundestag eingezogen. Offenbar wollen das mehr Deutsche, als sich exzessiv den ganzen Tag an Ausländern abzureagieren. Mag die Ausländerproblematik viele beschäftigen, so beschäftigt sie es als zumeist nur Abstraktion. Das selbe gilt für die Stellung des Vaterlandes oder irgend was anderes, was ja alles intellektuelle Konstrukte sind. Am Ende ist dem Normalbürger am wichtigsten, dass es im Geldbeutel stimmt. Darüber mögen Rechte -- die sich zumeist im Staatsdienst befinden und dort fürstlich vom Steuergeld des hart arbeitenden Volkes parasitär leben, aber dort schön anpasserisch die Klappe halten -- hier mokieren, aber deshalb ändert sich daran nichts.
Georg Mogel
23. März 2015 14:49
Lucke

Gute Uhrwerke sind sie: nur sorge man, sie richtig aufzuziehn! Dann zeigen sie ohne Falsch die Stunde an und machen einen bescheidnen Lärm dabei.

Gleich Mühlwerken arbeiten sie und Stampfen: man werfe ihnen nur seine Fruchtkörner zu! – sie wissen schon, Korn klein zu mahlen und weißen Staub daraus zu machen.

Friedrich Nietzsche,
Also sprach Zarathustra
-Von den Gelehrten
Innerer Exilant
23. März 2015 15:12
Fakt ist, die AfD wird gewählt, weil Mensch im Lande sie für konservativ hält und es da ein Riesenloch neben der CDU gibt. Erledigen die liberalen Technokraten den konservativen Flügel, schmiert die AfD ab. Denn sie hat nicht den Vertrauensvorschuss der CDU, die die Hälfte ihrer Wähler der Tatsache verdankt, dass sie zu alt ist um mitbekommen zu haben, dass die CDU sich politisch den Grünen annähert und ihre Positionen von vor 40 Jahren heute quasi als rechtsextrem tituliert.
Rainer Gebhardt
23. März 2015 15:20
Das ganze Dilemma der AfD besteht u.a. auch darin, daß so getan wird, als argumentierten auf der einen Seite angeblich nur nüchterne Verantwortungsethiker, auf der anderen angeblich die Werte- bzw. Gesinnungsethiker. Henkel hat das mit seiner Antwort auf die Erfurter Resolution ja unterstrichen: alles was mit ökonomischen Begriffen nicht zu fassen ist, erscheint erst gar nicht an seinem Vorstellungshorizont. Nur müßten auch Henkel und Lucke verstanden haben, daß ihnen CDU, SPD, Linke und Grüne genau das vorwerfen, was sie ihrerseits dem konservativen Flügel ankreiden: rückwärts gewandte, an alten Bindungen und Modellen, also an mit dem Globalen nicht kompatiblen Werten haftende Anschauungen.

Hinter der Leidenschaftslosigkeit, mit der v.a.Lucke sein Modell vorträgt, verbirgt sich die „ontologische Leere“ im Alternativ-Modell ’Austritt aus dem Euro’. Denn unwillkürlich fragt man sich ja nicht nur „Und wie dann weiter?“, man fragt sich auch: Welches gesellschaftliche Lebensmodell sollte das denn tragen können, und welche über wirtschaftliche Konsequenzen hinausgehenden Folgen hätte denn ein Austritt aus dem Euro? Lucke würde wahrscheinlich sagen, er interessiere sich nicht für politische Wertfragen sondern für marktkonforme Lösungen. Ob aber die deutsche Wirtschaft überhaupt konversionsbereit und, falls ja, dann auch wirklich konversionsfähig wäre – darüber wird nicht einmal diskutiert. Und zwar deshalb nicht, weil weder Lucke noch Henkel noch der Ökonom Starbaty das wissen können. Wissen muß man aber, daß mit einem Austritt Deutschlands aus dem Euro die geopolitischen Karten in Europa neu gemischt werden würden. Und das, glaube ich, wissen sie schon. Nur wollen sie es sich nicht vorstellen...
Fred
23. März 2015 15:52
Okay, wir müssen uns wohl damit abfinden, daß die AfD nicht die Alternative ist, die sie versprach, zu sein.

Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Jetzt mal mit kühlem Kopf: Wenn die AfD alles ganz toll und nach unserem Geschmack machen würde, und sie dann bei der nächsten Bundestagswahl 2017 25 % erreichen würde, was wäre dann?

Ja, was wäre dann? Nichts wäre dann. Rot-Rot-Grün führen bereits Verhandlungen über eine Regierungskoalition ab 2017 (weil es in Thüringen so gut klappt) !!!!

(In Schweden übrigens das gleiche! Egal, wer die Wahl gewinnt, die linke Koalition steht schon fest.)

Wieviele Jahrzehnte sollen denn vergehen, bis die AfD dann mal (einschl. eines evtl. Koalitionspartners) 51 % bekommt? Wie die Wahlergebnisse (auch ohne Wahlfälschungen) aussehen, wenn erstmal all die importierten Afrikaner hier wählen dürfen, dürfte klar sein.

AfD ist ein hoffnungsloses Unterfangen, Demokratie nach heutigem Strickmuster ist eine böse Illusion. Es hilft nur Aufklärung der Bürger, wer für den Import von Afrikanern verantwortlich ist, und am Ende die Erkenntnis, daß es die Natur des Sozialstaates ist, solche asozialen Probleme absichtlich zu erzeugen. Moslems und Afrikaner sind das prekäre Substrat, auf dem linke Politik gedeihen und ihre Existenzberechtigung beweisen will. Zum Schaden von uns allen.
Deshalb muß der der Sozialstaat schnellstmöglich kollabieren, und wir können ihm Sterbehilfe leisten: Steuervermeidung, Arbeitsverweigerung, Konsumverweigerung, Euro-Sparguthaben in Geld umtauschen, usw.
Ich selbst habe seit Jahren alle Punkte abgehakt und vermisse nichts.

Und nun gehe ich allwöchentlich zu LEGIDA. Das werde ich solange tun, bis es gefährlich wird. Und das wird es wahrscheinlich, aber bis dahin gilt es, das Fenster offen zu halten und den Stachel in dem fauligen Fleisch dieser linken Konsensgesellschaft zu halten, also möglichst viel Öffentlichkeit zu erhalten.

Allerdings sind wir von der Lügenpresse als Nazis stigmatisiert, und Sie, Herr Kubitschek werden in der widerlichen LVZ für heute abend als Rechtspopulist angekündigt. Na dann, bis heute abend.

antwort kubitschek:
auch die afd ist eine ausweitung des resonanzraums, insofern sich derfluegel.de als wichtiger teil des projekts halten kann. mehr ist - soweit ich die initiatoren richtig verstehe - auch gar nicht gewollt. mehr wäre nämlich auch jenseits jedes realitätssinns. --- ich in leipzig heute abend? nein. das sind veraltete informationen. ich rede nur, wenn ich etwas zu sagen habe. derzeit habe ich nichts zu sagen, die bewegungen haben ihre existenzkrise ja glücklich überwunden. das sind volksbewegungen, zu denen ich in schwieriger phase meinen teil beitrug. das alles ist viel mehr als mein/unser segment.
Der Gutmensch
23. März 2015 16:07
Bleibt alles vage ... Nur mal so nebenbei: Der liebe Herr Prof. Dr. Lucke findet Griechenlands Ansagen "gut"! Wenn das die "Alternative" sein soll ... ja, Dankeschön aber auch! Und auf rein populistische Maßnahmen - Verfassungsbeschwerde gegen die neusten Maßnahmen der EZB einzulegen aber eben keinen einstweiligen Rechtsschutz zu beantragen und den Dingen auf diese Weise faktisch doch ihren Lauf zu lassen - kann ich ebenfalls verzichten; hat alles irgendwie einen seltsam faden Beigeschmack. Aber ich nehme an, die AfD wäre nie soweit gekommen, wenn sie wirklich eigener Gestaltungswille geplagt hätte. Nur kann ich dann ja auch CDU wählen, das gibt unterm Strich dann wenigstens weniger Gezänk unter den Schranzen und klare Verhältnisse! Das tue ich dann auch ... schon mangels "Alternative", nicht wahr!
rautenklause
23. März 2015 16:25
@ Settembrini

auch Gauland war jahrzehntelang in der CDU aktiv


Ja, durchaus richtig ... ABER: Gauland hat sich schon während seiner CDU-Zeit nonCDUkonform positioniert, nicht nur durch regelmäßige Beiträge in Criticon oder als Unterzeichner des damaligen "Appells für die Pressefreiheit" gegen die Ausladung der JF durch die Leipziger Messegesellschaft anlässlich der Buchmesse 2006. Und wenn man sich ansieht, wie weit "rechts" heute Criticon eingeschätzt wird - dann hat Gauland eine völlig andere politische Herkunft als Lucke - pardon: Prof. Dr. Lucke.
Alexander
23. März 2015 16:41
Der Gutmensch:
Na dann ist Ihnen auch nicht mehr zu helfen. Und ich frage mich die ganze Zeit, wie CDU/CSU sich ständig über 40 % halten können ...
Der Gutmensch
23. März 2015 19:47
Das wird langsam langweilig, lieber Alexander. Nochmal die simple Frage: Worin besteht nun Prof. Dr. Luckes "Alternative" (denn dieser wird sich leider durchsetzen)? Entweder Sie können mir das in einem kurzen, klaren Satz beantworten. Oder Sie können es eben nicht! Dann sind Sie leider derjenige, der nicht weiß, was er weshalb wählt, sondern der sich Illusionen über nicht existierenden Alternativen hingibt. Ist ein schmerzlicher Weg zur bitteren Erkenntnis, ich weiß ...
Ulrich von Hutten
23. März 2015 21:51
Der sogenannte Typus Lucke wird völlig überschätzt. Ich kann keine besonderen oder überdurchschnittlichen Fähigkeiten erkennen. Im Gegenteil: Es ist weniger als Durchschnitt und so äußert sich auch dieser sogenannte Typus Lucke:
„Ich glaube, dass eine Mehrsprecherlösung deutlich mehr Nachteile birgt als eine Einsprecherlösung, weil es eben so ist, dass bei einer Mehrsprecherlösung die Sprecher in gewisser Hinsicht, weil es mehrere gibt, ihre Existenzberechtigung als gleichberechtigte Sprecher nur daraus ableiten könnten, dass sie einem anderen Sprecher gelegentlich widersprechen.“
Wie kann man einen solchen Menschen, der so wirr redet, als Hoffnungsträger, als Alternative zu den anderen Politikwirrköpfen sehen?
Es ist zu vermuten, dass er sein Professorenamt seinem CDU-Parteibuch verdankt und nicht seinen herausragenden Kenntnissen und Erkenntnissen als Wirtschaftsexperte. Mundus vult decipi.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
23. März 2015 22:16
Woher rührt sie, dese seltsame Lust der deutschen Rechten am Scheitern?

Haben sie nach zwei verlorenen Weltkriegen, das Bild vom tragischen Helden so weit verinnerlicht, dass sie wähnen, nur im Scheitern läge wahre Größe?

Nehmen wir diese verunglückte Erfurter Resolution. Wenn es bei den 1500 Unterzeichnern unter 22000 Mitgliedern bleibt - eine Niederlage. Erhält die Deutschland Resolution mehr Zustimmenung, eine krachende Niederlage.

Drei taktische Fehler sehe ich:
1. Mangelnde Abstimmung. Der Verstoß war wohl mit maßgeblichen Exponenten des nationalkonservativen Flügels nicht abgestimmt.

2. Falscher Zeitpunkt. Scheitert die AfD bei der Bremenwahl an der 5%-Hürde, werden Henkel und Lucke und die anderen "dem Flügel" die Schuld geben. Ist Bremen unerwartet erfolgreich, werden sie den Erfolg der eigenen Standfestigkeit zuschreiben. Allenfalls um die 5% in Bremen werden für den Flügel keine negativen Auswirkungen haben.
Die Initiatoren hätten mindestens die ersten Umfragen zu Bremen abwarten können und diese dann bei ihrer Argumentation beachten können.

3. Falscher Tonfall. Jeder poplige Projektleiter in der Industrie, der von seinem Chef zu einer Schulung geschickt wird - ich war mal einer - weiß wie man konstruktiv kritisiert:

- Einleitende warme Wort für den zu Kritisierenden
- Offene Kritik, durchaus auch harsch
- Verbesserungsvorschläge und Angebote zur Hilfe
- Versöhnlicher Abschluss - "Gemeinsame Ziele, zusammmen schaffen wir das. bla bla "

Ausser harscher Kritik nichts davon in der Erfurter Resolution.

Drei schwere taktische Fehler mit vorhersehbarem Ergebnis. Und solche Leute wollen die Linie der Partei bestimmen.
Oder wollten sie verliebt in die eigene tragische Rolle nur großartig scheitern?

Wäre ich AfD-Mitglied, ich überlegte mir sehr gut, diese Resolution zu unterschreiben!


Anderes Thema:
Front National!

Der FN hat gestern vorhersehbar einen großartigen Sieg errungen. In Regionalwahlen ohne EU/Eurobezug gelang es ihm in allen 101 departements Kandidaten(paare) aufzustellen und um die 25% zu erringen. Damit ist der FN zweitsärkste Partei und endgültig aus dem für Protest-Parteien typischen 15% Getto ausgebrochen. Der Sieg, die Möglichkeit zur politischen Machterringung ist greifbar nahe.

Was tut die deutsche Rechte?

Nimmt das Ergebnis zu Kenntnis. Mehr nicht. Ich habe nirgends wo den Ansatz zu einer Analyse des Erfolges des FNs gelesen. In Griechenland und Spanien scheinen die Linke von der Krise zu profitieren. In Frankreich die Rechte. Warum?
Leider bin ich des Französischen nicht mächtig genug für einen solche Analyse sonst machte ich mich unverzüglich an's Werk.

Selbst wenn sich die Auswirkungen der Eurokrise in Deutschland noch einige Jahre durch Gelddrucken verschleppen lassen, das Ende der Ära Merkel in der CDU wird gewiss kommen. Spätestens dies wird die Stunde eines neuen Aufbruchs für Parteien / Bewegungen rechts, der von Diadochen-Kämpfen gelähmten CDU sein. Dann müssen die Reihen geschlossen und bereit zum Kampf stehen.

Momentan bleibt nur die Hoffnung auf den Typus Lucke, der etwas rechts der CDU bewegen kann.
Die anderen Rechten ziehen anscheinend lieber gen Walhalla.
Alexander
23. März 2015 22:27
Wie Herr Kubitschek oben schon richtig bemerkte, lieber Gutmensch, "ist die afd [...] eine ausweitung des resonanzraums", schafft Vernetzung und sorgt, um es wiederum mit Ihren Worten zu sagen, in den Parlamenten tatsächlich für "klare Verhältnisse".
Ihr Gerede von "weniger Gezänk unter den Schranzen und klare[n] Verhältnissen" ist doch nur faules Geschwätz! Die CDU zu wählen, ist gemeinschädlich und sollte einem (zumal einem, der hier mitliest) gegen die Ehre gehen.
Daß die AfD nicht die Rettung in letzter Sekunde ist, die das Regime hinwegfegen und ein goldenes Zeitalter herbeiführen wird, dürfte den meisten hier klar sein, damit brauchen Sie also nicht zu reizen. Und das wiederum dürften auch Sie wissen. Was wollen Sie also?
Martino Taverniere
24. März 2015 00:34
Lieber Götz Kubitschek, seien Sie nicht ungerecht. Ihre Aufgabe ist und bleibt kluge Stichwortgebung! Jetzt sind sie sehr elegant kurz in den Defätismus gerutscht. Die ersten beiden Kommentatoren oben (SFH und Tomorrow) haben aber glaube ich recht.

http://bernd-lucke.de/fuer-die-berufliche-foerderung-von-muettern-und-vaetern/

Seien Sie nicht ungerecht mit Lucke. Mit Merkel übrigens auch nicht. Seien Sie froh, dass wir am 8. Mai 70 Jahre Frieden feiern können und dass sich in Europa im Moment sehr viele Menschen den Kopf zerbrechen, wie aus den 70 Jahren 80, 100 und mehr werden können. Wie das am besten zu tun ist, weiß im Moment niemand. Im Grunde sind alle ratlos im Moment. Und denne, die meinen, sie wüssten, wo es lang geht, sollte man misstraue. Man muss warten können. Dass es überhaupt zur Wiedervereinigung kam, ist bereits fantastisch. Dass PEDSCHIDA weiterlebt, ist auch fantastisch. Im Moment wäre das Wichtigste so etwas Banales wie "Hart aber fair" jeden Montag in Eurovision mit den besten Kommentatoren Europas (auch mit Ihnen, Ihrer Frau und Matteo Salvini!), moderiert alle zwei Monate von einem anderen europäischen Journalisten von Rang und natürlich alle zwei Monate aus einem anderen Studio gesendet, in einem anderen Land. Und nicht nur mit Journalisten, sondern mit Politikern und Regierungschefs. Also mehr wie das italienische "Porta a porta"!. Das wäre im Moment der wichtigste Schritt in Richtung Europa der Vaterländer. Am Ende der Sendung kann auch mal ein deutsches Volklied von den Singphonikern gesungen weren oder von Franca Masu... Aber die internationalen intraeuropäischen Debatten wären erst mal dringend wichtig. Damit man sich kennenlernt. Auch wenn Ennio Flaiano sagte "Wenn die Völker sich besser kennen würden, würden sie sich mehr hassen. Wo Gauck recht hat, hat auch er recht. Wir brauchen "arte für alle"
peritrast
24. März 2015 00:42
Herr Kubitschek ist eine Art sozialpolitischer Pathologe. Er sieht alles, weiss alles, versteht alles, aber es nützt nichts.

Der Wähler in Deutschland ist vollkommen benebelt durch eine einzigartige Informationsmafia, die eine Handvoll Leute darstellt. Die GEZ-Medien, Frau Springer, Frau Mohn, Holtzbrinck, Frau Grotkamp und der Spiegel - sie halten 90 Prozent der Desinformationskanäle in vollständigem Unisono.

Selbst die Kabarettisten sind allesamt eingemeindet und blasen begeistert ins Gutmenschhorn. Das ist ein sehr starkes Zeichen.

Dagegen ist mit einer kantigen Neugründung kein Ankommen. Man muss leider etwas Stromlinienform durch Technokraten aufbringen lassen, um gegen das obige, auf links gewendete Hugenbergszenario bestehen zu können. Ich sehe selbst mit Mißvergnügen, wie Akademiker jeden Alters auf dem Niveau des obigen Kartells argumentieren und ihre manipulativ-informationelle Fehlverortung gar nicht mehr bemerken. Speziell Frauen stützen ohne Kritik Frau Merkel - das ist der Hauptteil des 40%-Sockels der Union.
Der Gutmensch
24. März 2015 11:14
"Wie Herr Kubitschek oben schon richtig bemerkte, lieber Gutmensch, „ist die afd […] eine ausweitung des resonanzraums“, schafft Vernetzung und sorgt, um es wiederum mit Ihren Worten zu sagen, in den Parlamenten tatsächlich für „klare Verhältnisse“."

Ich hab auch schon besser gelacht! Was sind denn das für Phrasen? Welchen "Resonanzraum"? Hat Ihr geehrter Herr Prof. Dr. nicht gerade den gesamten "Resonanzraum" für sich beansprucht, als er meinte, es gäbe keine Flügel - sondern bloß ihn, Bernd, das große B..t? Oder hatte ich da vielleicht ein Rauschen im Ohr? Und eine Partei wählen, in der sein Atlatus Henkel in Bausch und Bogen offiziell alle unter Generalverdacht stellen darf, die eine Ostbiographie haben? Soll ich vielleicht noch Männchen machen: "Lieber Onkel Henkel, ich bin zwar aus dem Osten, aber ich hab mich gebessert, ich schwöre, also bitte lass mich doch auch bei Dir mitspielen ... " Nee - Dankeschön ...
Alexander
24. März 2015 12:47
Der Gutmensch:
Ich hab auch schon besser gelacht!

Schreibt einer, der ernsthaft die CDU in den Ring stellt ...

Aber ich will mal nicht so sein und erkläre es Ihnen noch einmal etwas ausführlicher:
1. Die AfD wird den Karren wohl nicht mehr retten können, da sind wir uns einig. Sie kann aber so viel wie möglich retten helfen.
2. Daß Lucke* alle "Alternativen" in der Partei kaltstellen wird, ist nur Ihre Vermutung. Und selbst wenn es so weit kommen sollte, konnten die "Alternativen" in der Partei noch genügend gute Arbeit leisten.
3. Diese gute Arbeit besteht a) aus der Vergrößerung des Resonanzraums für "unsere" Ideen und Konzepte, bspw. indem Herr Höcke durch die Republik fährt und Vorträge vor einem Publikum hält, das noch nie eine Sezession, geschweige denn eine JF o. ä. in Händen hielt, ihren Inhalten aber aufgeschlossen bis zustimmend gegenübersteht, b) aus der Vernetzung ebendieses Publikums sowie der "Alternativen" in der Partei, was auch für die Zeit nach der Partei hilfreich sein dürfte und c) aus dem Sorgen für tatsächlich klare Verhältnisse in den Parlamenten: fatale Entscheidungen dringen nun viel eher nach außen und erreichen ein größeres Publikum, so daß sich auch CDU-Politiker vor der Öffentlichkeit, d. h. im Parlament und vor Ihren Wählern, für ihre anti-deutschen Entscheidungen rechtfertigen müssen.

*Lucke ist nicht mein "Freund", sparen Sie sich also Ihre dümmliche Unterstellung ("Ihr geehrter Herr Prof. Dr.").
Karl Martell
24. März 2015 15:17
Ob eine Partei in diesem Land Erfolg oder nicht Erfolg haben kann, ist weder von Personen noch von Programmen abhängig. Jeder Streit hierüber ist müßig, solange wir nicht in einem Staat leben, der auch einer ist, und der eine vom VOLK bestimmte VERFASSUNG besitzt.

Die BRD ist weder ein Staat, noch besitzt sie eine Verfassung.

Fremdherrschaft und Staatlichkeit schließen sich gegenseitig aus. Einzelheiten dazu sind in der Grundsatzrede von Carlo Schmid nachzulesen, die er als Vorsitzender des Hauptausschusses des Parlamentarischen Rates vor diesem Gremium am 8. September 1948 gehalten hat.

Das „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ ist nicht die Verfassung des Deutschen Volkes, sondern ein Besatzungsstatut.

Hier drängt sich die Erinnerung an Carl Schmitt auf. Er lehrte, daß die Unterscheidung von Freund und Feind die Elementar-Operation des Politischen sei, und ein Volk das zu dieser nicht mehr fähig sei, als ein schwaches und geschlagenes Volk aus der Geschichte ausscheide.

Deutschland gilt völkerrechtlich nach UNO-Satzung nach wie vor als »Feindstaat« und unterliegt den nach wie vor gültigen »Feindstaatenklauseln« (Artikel 53 und 107) der UNO-Charta, die es den Siegern des Zweiten Weltkrieges bis heute erlauben, auch ohne Ermächtigung des Sicherheitsrates »Zwangsmaßnahmen« gegen die Feindstaaten zu ergreifen, also gegen Deutschland.

Wo finden wir hierzu einen Vertragspartner für die deutsche Seite, wenn gemäß Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 31.7.1973 das Deutsche Reich 1945 nicht untergegangen und die Bundesrepublik Deutschland kein Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches ist?

„Aber kein Zweifel kann darüber bestehen, dass diese interventionistischen Maßnahmen der Besatzungsmächte vorläufig legal sind, aus dem einen Grunde, daß das deutsche Volk diesen Maßnahmen allgemein Gehorsam leistet. Es liegt hier ein Akt der Unterwerfung vor, – drücken wir es doch aus, wie es ist, eine Art von negativem Plebiszit –, durch das das deutsche Volk zum Ausdruck bringt, dass es für Zeit auf die Geltendmachung seiner Volkssouveränität zu verzichten bereit ist.“ (Carlo Schmid in der 6. Sitzung des Parlamentarischen Rates – in der Beratung zum Grundgesetz – am 20.10.1948, StenBer S 70.)

In Anlehnung an Margaret Thatcher "we want our money back" nun:

WIR WOLLEN UNSERE SOUVERÄNITÄT ZURÜCK!
Simon
24. März 2015 15:27
Das Schöne ist ja, dass die Linke auch nicht glücklich ist, sondern genau dieselben Probleme hat.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=25512
Der Gutmensch
24. März 2015 16:21
Na schön, Alexander, ich lasse Ihnen Ihre Vorstellungen, der Streit lohnt wahrlich nicht. Was der Vorsitzende und sein Atlatus betreiben, sieht mir leider verdächtig nach Personenkult aus, und daneben wird überlicherweise nichts geduldet - auch kein Flügel, wie es eigentlich eine Selbstverständlichkeit in einer demokratischen Partei ist! Wenn Sie meinen, an solch einer Attitüde führe tatsächlich ein Weg vorbei, dann müssen Sie den eben suchen. Ich wünsche Ihnen sogar Glück dabei, weil ich kein Zyniker bin und mich ehrlich über Ihren Erfolg freuen würde. Aber ich werde bestimmt nicht drauf wetten. Etwas so schief Angelegtes fährt erfahrungsgemäß mächtig vor die Wand; was genau blieb denn von der SPD stehen, nachdem unser Altkanzler Basta-Gerd mal mit ihr durch war? Er hat hingeworfen, das Parlament erpresst, Bundespräsident und BVerfG in eine unmögliche Situation gebracht - nur um am Ende noch als schlechter Verlierer dazustehen und vor der zukünftigen Kanzlerin bockig den Trotzkopf zu geben! Peinlich ist gar kein Ausdruck für sein Benehmen und der Schaden für seine Partei hält bis heute vor! Ich gönne es ihm jedes Mal, wenn die Kanzlerin wieder maliziös betont: "Altkanzler Schröder hat sich um Deutschland verdient gemacht ..." Da haben Sie eine Blaupause!
Hugo
26. März 2015 07:02
Deutschland ist kein souveräner Staat, wie auch @Karl Martell betont.
Wir sind in etwa so unabhängig wie Judäa zur Zeit des Herodes.
Die Methoden der Einflußnahme sind heute natürlich ausgefeilter und effektiver.
Trotzdem ist es unvorstellbar, daß sich soetwas wie echte Opposition entwickeln kann. Die AfD kann das prinzipiell nicht leisten. Lokale Verwaltung ist nur innerhalb der Konsenzsoße etablierter Parteien statthaft. Allenfalls ein paar spinnerte Feigenblättler, ala NPD, werden als Ventil und überwachter Zoobereich geduldet.
Die AfD wird sich auflösen. Entweder geht sie nach Henkelschen Wünschen in der Konsenzsoße auf oder es spaltet sich ein NPD 2.0 Bereich ab, der in der Bedeutungslosigkeit endet.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Es gibt keine Freiheit im Goldenen Käfig.
Simon
27. März 2015 13:08
"Wir sind in etwa so unabhängig wie Judäa zur Zeit des Herodes."

Kann sein, aber innerhalb dieser Ordnung war Herodes kein schlechter Herrscher. Wenn wir von einem Herodes dem Großen regiert werden würden, hätte wir eine ganze Reihe von Problemen weniger.

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Es gibt keine Freiheit im Goldenen Käfig."

Dieser Adorno-Satz ist das typische Beispiel für linken Illusionismus, es würde so etwas wie ein richtiges Leben geben. Ich halte es da lieber mit der konservativen Idee der Erbsünde und der Unvollkommenheit der Welt.
Ich finde genau das Gegenteil ist richtig. Die Welt wird immer von Gewalt, Macht und Ungerechtigkeit beherrscht, und manchmal kann man da für eine gewisse Zeit eine goldene Insel schaffen.
Simon
27. März 2015 13:13
Karl Martell@

"WIR WOLLEN UNSERE SOUVERÄNITÄT ZURÜCK!"

Alles gut und schön, und wie soll das erreicht werden?

Wir könnten ja einen Brief an die Amerikaner schreiben:

"Sehr geehrter Herr Obama. Geben Sie uns sofort unsere Souveränität zurück, sonst wird das deutsche Volk total sauer!"
der demograph
27. März 2015 22:08
@SFH
wenn es um die Ausweitung des Denk- und Sprechraums geht es nicht, jedenfalls nicht nur, um historisch verbrauchte Begriffe. Sondern um aktuelle oder zukünftige Begriffe.Es geht darum über Lampedusa, Trayvon Martin / Michael Brown, Pegida, ISIS anders zu reden
Karl Martell
28. März 2015 08:15
@ Simon

Es würde ja schon reichen, daß das Problem der fehlenden Souveränität in der Öffentlichkeit offen und ehrlich angesprochen werden würde. Solange der großen Mehrheit unseres Volkes dieses Problem gar nicht bewußt ist, sind konkrete Maßnahmen natürlich nicht möglich.

Da mir aber das Problem der fehlenden Souveränität bekannt ist, sehe ich meine kleine Aufgabe als Angehöriger meines Volkes darin, dieses darüber zu informieren, soweit mir dies möglich ist.

Infantile Kommentare wie ihrer, haben da wohl weniger aufklärende Wirkung.
Schmettau
28. März 2015 21:07
Zur Ehrenrettung der Technokraten sei's angemerkt: Es sind eben nicht Politiker, die für gesellschaftlichen Fortschritt sorgen, sondern ausnahmslos Techniker und Ingenieure die unser Leben nachhaltiger verändern, als Revoluzzer es je vermögen werden.

Ich bin Technokrat und als solcher sogar ein konservativ denkender Mensch: Denn eine neue Technologie muss erst zeigen, dass sie besser ist als die Alte, die sie ersetzen soll.

Ich hasse Politik, weil sie, nach Carl Schmitt, Feindbestimmung und so von vornherein irrational und unlogisch ist. Weil dort der Bauch regiert und nicht der Verstand. Politik kann jeder Depp, eine funktionierende Maschine zu konstruieren ist Ausgewählten vorbehalten. Ein Chirurg muss fünf Jahre Medizin büffeln und er braucht mindestens zehn als Assistentsarzt, bevor er auch nur in die Nähe einer selbständigen OP kommt. Viele Ärzte oder Ingenieure schaffen es nicht bis in die erste Liga.

Um Vizepräsident des Bundestages zu werden reichen zwei Semester Theaterwissenschaft aus. Nicht einmal die braucht man, um als Politiker die Geschicke eines Volkes lenken zu können. Demokratie, also Politik, ist eine Katastrophe und der ursächliche Grund, warum der Westen stets und ständig zurückweicht, obwohl er über eine drückende technologische Überlegenheit verfügt. Es ist die Politik und es sind die Politiker, die das hauptsächlich zu verantworten haben.

Für mich, den leidenschaftslosen Technokraten, ist der Islam kein politisches, sondern ein rein technologisches Problem, das Politiker wieder vergeigen werden. Natürlich kann man Flüchtlingsströme kanalisieren und lenken; ganz so wie die Strömungsgleichungen von Bernoulie hinreichende Näherungen sind, um das Verhalten von Menschen in Paniksituationen vorherzusagen. Man benutzt das beispielsweise um die Fluchtrouten von Menschenmassen in Fußballstadien zu optimieren.

Alle, gerade auch menschliche Probleme, sind von vornherein absolut unpolitisch. Man muss die Konflikte nur verstehen lernen. Politik ist dazu prinzipiell nicht in der Lage, weil sie eben nicht den Verstand, sondern 'das Gefühl' zur Geschäftsgrundlage hat.

Ihren 'Optimismus' zur Zukunft der Technokraten teile ich jedoch nicht: Die Masse der Menschen ist irrational und jeder verständigen Lösung aus Prinzip abhold.
SFH
28. März 2015 22:28
@ der demograph

"Die Ausweitung des Denk- und Äußerungsraumes auf der politischen Bühne"

Die Politik spricht viele Sprachen. Wer ein neues Sprachspiel etablieren will, muss sich zunächst fragen, ob er genügend Mitspieler findet, die es verstehen und die es auch mitspielen wollen. Die einfache Frage nach Mehrheiten. Eine politische Sprache, die wie 19. oder 20. Jahrhundert klingt, ist im Deutschland des 21. Jahrhunderts zum Scheitern verurteilt. Was nützt die Avantgarde in Gedanken, wenn das Gesprochene nur auf Gegenspieler trifft? Das eigentliche Desiderat ist und bleibt ein konservatives Sprachspiel der "Moderne", welches auch mehrheitsfähig ist.
Hugo
29. März 2015 05:46
Tatsächlich hat Deutschland äußerst geringe Chancen, seine Souveränität zurückzuerhalten. Zwei Szenarien fallen mir ein:

1. Die USA bricht wirtschaftlich zusammen, zettelt einen Krieg an, den sie mal nicht gewinnt - D. nutzt die Chance und schwimmt sich frei.
2. Geschickte Bewegungen hin zu Russland und hin zu den arabischen Staaten erzwingen in letzter Konsequenz einen Seitenwechsel, der u.a. (auch) zur Souveränität führt.

Beide Bilder taugen aber aus meiner Sicht nichts. Die Leine ist zu kurz, zu eng, zu zäh. Die Kollateralschäden sind zu groß.

Auch hier gebe ich KM Recht: Aufklären ist aktuell das Machbare.
Martino Taverniere
31. März 2015 01:57
http://www.n-tv.de/politik/Ueberfluessig-oder-radikal-article14803811.html
Frank Sch.
31. März 2015 21:19
Zur Kenntnisnahme:

Hans-Olaf Henkel

Offener Brief an Frauke Petry und Alexander Gauland

Sehr geehrte Frau Petry, sehr geehrter Herr Gauland!
Jetzt ist ein klares und offenes Wort an Ihre persönliche Adresse mehr als überfällig.
Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass Sie immer wieder versuchen, die Presse für Ihre innerparteilichen Zwecke und Machtspielchen zu instrumentalisieren!
Das Wiedererstarken der FDP und die stagnierenden Umfragewerte für unsere Partei gehen inzwischen weitestgehend auf Ihr Konto.
Kümmern Sie sich bitte wieder verstärkt um Ihre Landesverbände, denn dort gibt es ganz offensichtlich genug zu tun! Insbesondere wäre das Unterbinden gegen Parteikollegen gerichteter Intrigen aus Sachsen mehr als überfällig. Das wäre ein lohnender Tagesordnungspunkt Ihres mit großem Tamtam angekündigten Parteitages.
Verbünden Sie sich gern auch mit Gleichgesinnten in Thüringen und Sachsen-Anhalt, aber stellen Sie endlich Ihre dauernden Querschüsse gegen die von der überwältigenden Mehrheit unserer Mitglieder verabschiedeten politischen Leitlinien und Ihre ständigen Intrigen gegen unsere in Bremen beschlossene Führungsstruktur und Ihre ständigen durch nichts gerechtfertigten Angriffe auf Bernd Lucke ein!
Wir wollen es nach Hamburg nun auch in die Bremer Bürgerschaft schaffen!
Hören Sie endlich damit auf, sich durch Ihr ständiges Geplappere mit WELT, BamS und BILD zu Lasten von Bernd Lucke zu profilieren und damit der Partei zu schaden!
Hans-Olaf Henkel

Quelle: https://www.facebook.com/hansolafhenkel/posts/929719530393121
Fels
06. April 2015 20:17
Höcke hätte Kubitschek und Kositza als Ehrenmitglieder in die AfD aufnehmen sollen, statt herumzutelefonieren. Es wäre eine echte Handlung mit Inhalt gewesen und glaubhafte Kameradschaft. Ansonsten sind weder Höcke, Petry oder Gauland, ebenso wie Lucke, in der Lage, dieses Land auf Zukunftskurs zu bringen. Dafür ist überdurchschnittliches Verstehen der Lage notwendig. Ein abstürzendes Raumschiff kann nicht von den Bordschauspielern aus der Schwerkraftzone gesteuert werden. Klares Verständnis für die komplizierte Technik und die mutige und konkrete Ansage des Rettungskurses wären die Bedingung, um überhaupt nur Hoffnung auf Rettung zu haben. Bordschauspieler aber verachten die Maschineningenieure und Navigatoren, sie interessiert nur das ihnen geneigte Publikum und die Theaterkritiker.

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