Gedanken zu Miriam Gebhardt: “Als die Soldaten kamen”

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen: Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs. München: DVA, 352 S., 21.99€

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Miri­am Geb­hardts Buch Als die Sol­da­ten kamen: Die Ver­ge­wal­ti­gung deut­scher Frau­en am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs liegt weni­ge Wochen nach Erschei­nen in der 4. Auf­la­ge vor. Der Band ist auf die obers­ten Rän­ge der Sach­buch-Best­ver­kaufs­lis­ten vor­ge­drun­gen. Es heißt, hier wür­de end­lich auf die Ver­ge­wal­ti­gun­gen durch West­al­li­ier­te ein­ge­gan­gen. Die Jun­ge Frei­heit hat­te der Autorin ein freund­li­ches Por­trait gewid­met. Der Buch­ver­sand von Antai­os hat das Werk bewor­ben. War­um die­ser spon­ta­ne Zulauf?

Das The­ma berührt ein gewis­ses Tabu. Die Leu­te gie­ren nach „uner­hör­ten Wahr­hei­ten“. Ähn­lich – wenn auch nicht so ful­mi­nant – hat­te es bei Geb­hardts letz­tem Buch funk­tio­niert, Ali­ce im Nie­mands­land, das eine Abrech­nung mit dem Schwar­z­er­schen Femi­nis­mus ver­sprach. Dabei sind bei­de Bücher eine Mogel­pa­ckung, die gleich­sam unter der Hand die Leseer­war­tun­gen kun­di­ger Kon­su­men­ten ent­täu­schen und (viel wirk­sa­mer!) die­je­ni­gen mani­pu­lie­ren, die sich mit den The­men noch nicht ein­ge­hend aus­ein­an­der­ge­setzt haben: Weil die Autorin ihre Leser auf ein fal­sches Gleis setzt und sie mit­nimmt auf eine Rei­se Rich­tung „Über­ra­schungs­ziel“.

Wäh­rend Geb­hardts Anti-Schwar­zer-Schrift in Wahr­heit ein Plä­doy­er für einen geschmei­di­ge­ren und „sexu­el­le­ren“ Femi­nis­mus war, ent­puppt sich das jüngs­te Werk als Run­ter­rech­nungs- und Rela­ti­vie­rungs­ver­such. Über die ideo­lo­gi­sche Absicht hin­aus erscheint mir das Werk als schwach recher­chiert und unsys­te­ma­tisch. Geb­hardt hat auch kei­ne unbe­kann­ten Quel­len erschlos­sen, kei­ne Zeit­zeu­gen­ge­sprä­che geführt („aus Rück­sicht“). Quel­len und Zeit­zeu­gen­be­rich­te wer­den unter­schieds­los zitiert, eine Ein­ord­nung sucht man meist vergebens.

Daß sie jeg­li­che ernst­haf­te revi­sio­nis­ti­sche Lite­ra­tur außer acht läßt, ver­wun­dert nicht. Dazu schreibt Geb­hardt übri­gens ankla­gend, daß etwa die Ver­trie­ben­ver­bän­de, die das The­ma bei­zei­ten auf ihrer Agen­da hat­ten, „das weib­li­che Opfer jedoch der indi­vi­du­el­len Erfah­rung ent­eig­net und in den Dienst der Poli­tik gestellt“ hät­ten. Heißt im Klar­text: Was ich, MG, schrei­be, ist längst bekannt und in zig­fa­chen Berich­ten publi­ziert wor­den, aber in einen Rah­men gespannt wor­den, der mir aus Geschmacks­grün­den nicht gefällt.

In der Lite­ra­tur­lis­te zu die­sem angeb­lich wenig beach­te­ten The­ma hät­te man aber gern wenigs­tens Ingo von Münchs Frau komm und Annet­te Brau­cher­hochs Fräu­leins und GIs (aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht hoch­in­ter­es­sant!) gefun­den. Inge­borg Jacobs bedrü­cken­des Buch Frei­wild kennt und nennt Frau Geb­hardt – es ist um Län­gen bes­ser, behan­delt aller­dings nur die Gescheh­nis­se im Osten.

Wo begin­nen? Bis­lang kur­sier­ten Zah­len, die von zwei bis drei Mil­lio­nen Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fern zu Kriegs­en­de und im Nach­krieg aus­gin­gen. Geb­hardt geht von rund 860 000 aus. Sie tut dies mit­tels einer Berech­nungs­me­tho­de, die ich als hane­bü­chen emp­fin­de: Sie schätzt, daß 5% der Kin­der, die von Besat­zungs­sol­da­ten stamm­ten, aus einer Gewalt­tat ent­stamm­ten. 95% sei­en also in ein­ver­nehm­li­chem Geschlechts­akt gezeugt wor­den – und die mut­maß­li­che hohe Dun­kel­zif­fer der als „ehe­lich“ gel­ten­den Kin­der bezieht sie gar nicht in die Berech­nung ein. Jede zehn­te Ver­ge­wal­ti­gung, schätzt Geb­hardt, habe zu einer Schwan­ger­schaft geführt, 10% davon sei­en aus­ge­tra­gen wor­den. 1956 leb­ten nach offi­zi­el­len Anga­ben 68 000 unehe­li­che Besat­zungs­kin­der in West­deutsch­land, Geb­hardt rech­net nun anhand die­ser Zah­len hoch und run­ter, über meh­re­re Sei­ten. Ich kann ihren Vor­an­nah­men (die sie selbst als vage bezeich­net) in kaum einem Fall folgen.

Man kann da durch­aus in einem wei­ten Raum deu­ten und ver­mu­ten. Mit­te der Neun­zi­ger hat­te ich selbst ein Dut­zend Zeit­zeu­gen­in­ter­views mit ver­trie­be­nen und geflüch­te­ten Frau­en aus den Ost­ge­bie­ten geführt. Eine Aus­sa­ge war immer die glei­che: „Oh ja, es wur­de viel ver­ge­wal­tigt. Sehr viel.“ Ich habe kei­ner ein­zi­gen Frau ent­lockt, selbst ein Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer gewe­sen zu sein. Selbst die­je­ni­ge, von der jeder wuß­te, daß einer ihrer Söh­ne ein „Rus­sen­kind“ war, hät­te den Teu­fel getan, das zu benen­nen. Wie groß die Scham war, ist für eine moder­ne His­to­ri­ke­rin heu­te wohl kaum nachvollziehbar.

Aber gut, Zah­len sind Schall und Rauch, man möch­te sich dem Kom­plex ja auch nicht gleich­sam mate­ria­lis­tisch nähern. Es gibt vie­les ande­re, was das Buch uner­träg­lich macht. Es ist bei­spiels­wei­se das Geeie­re und Geschlin­ge­re um die „Täter­schaft“ und die inhä­ren­te Mit­schuld der Frau­en. Geb­hardt spricht ver­schwie­melt von der „Ambi­gui­tät der Täter- und Opfer­rol­le.“ Die Täter hät­ten das wie­der­holt, “was die Wehr­macht zuvor bei den Kriegs­geg­nern Deutsch­lands getan hat­te“, und immer­hin sei­en die Frau­en Men­schen aus dem Täter­volk gewesen.

Geb­hardt wid­met sich ein­fühl­sam der Innen­sicht der Täter. Es habe „aku­te Anläs­se gege­ben, die ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten zu recht­fer­ti­gen schei­nen“. Die Mas­sen­ver­ge­wal­ti­ger aus dem Osten hät­ten Rache neh­men wol­len für „die Juden und ande­re ver­folg­te Grup­pen im Natio­nal­so­zia­lis­mus“. Dar­um hät­ten die Ver­ge­wal­ti­gun­gen „nach der Begeg­nung mit den unfass­ba­ren Ver­bre­chen der deut­schen Wehr­macht, nach der Befrei­ung der Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­ger“ expo­ten­ti­ell zuge­nom­men. Über die Ver­ge­wal­ti­gun­gen der KZ-Insas­sen: kein Wort bei Frau Gebhardt.

Aller­dings erwähnt sie, daß sämt­li­che Alli­ier­ten auch in den ande­ren Län­dern ver­ge­wal­tigt haben. War­um nicht in sol­chem Aus­maß? Frau Geb­hardt nennt zwei Grün­de, die sich wider­spre­chen: Zum einen habe gera­de die GIs die „sinn­lo­se Gegen­wehr der Deut­schen“ ver­bit­tert, zum ande­ren hät­ten sich die deut­schen Frau­en weni­ger stark zur Wehr gesetzt, und gera­de dies habe zur Eska­la­ti­on bei­getra­gen. Weni­ger gewehrt hät­ten sie sich des­halb, weil „sie von der Nazi-Pro­pa­gan­da dar­auf vor­be­rei­tet wor­den waren, und zwei­tens war ihnen dabei zugleich ein­ge­schärft wor­den, dass sie getö­tet wür­den, wenn sie sich wehr­ten“. „Sel­ber schuld“ schreibt die Autorin an kei­ner Stel­le, sie über­läßt die­sen Schluß dem Ermes­sen ihrer Leser.

Geb­hardt will auch ins Reich der Legen­den rücken, wonach im Osten „mon­go­li­sche“ Inva­so­ren und im Wes­ten dun­kel­häu­ti­ge „Befrei­er“ einen über­pro­por­tio­nal gro­ßen Anteil an den Schän­dun­gen hat­ten. Zwar berich­ten unge­zähl­te Zeit­zeu­gen­be­rich­te genau davon und spre­chen auch die Akten eine bered­te Spra­che – aber Frau Geb­hardt erklärt, wie es zu sol­chen Miß­ver­ständ­nis­sen kom­men konn­te: Die Frau­en im Osten waren NS-indok­tri­niert (Geb­hardt beklagt, daß in Opfer­be­rich­ten ste­reo­typ von „Kosa­ken“ und „Asia­ten“ die Rede sei, und daß damit die „Völ­ker­viel­falt“ der Roten Armee unter­schla­gen wur­de) , und die Gerich­te im Wes­ten haben nur des­halb so vie­le Dun­kel­häu­ti­ge ver­ur­teilt, weil sie sich aus ras­sis­ti­schen Grün­den „weni­ger gut vor­stel­len konn­ten, daß wei­ße Frau­en ein­ver­nehm­li­chen Sex mit dun­kel­häu­ti­gen Män­nern haben könnten.“

Zu den hor­ren­den Sui­zi­den von Frau­en im Osten und Ber­lin fällt der Autorin ein, daß vie­le gewöhn­li­che Deut­sche nicht aus „Angst vor den Sowjets, son­dern weil ihnen ein Leben ohne den Natio­nal­so­zia­lis­mus sinn­los erschien“ sich das Leben nah­men. Ich nen­ne das: Hohn. Höh­nisch ist auch Geb­hardts Titu­lie­rung des Mas­sa­kers von Nem­mers­dorf (Okto­ber 1944) als „rhe­to­ri­sche Waf­fe“, als „Blau­pau­se“, die von den Deut­schen pro­pa­gan­dis­tisch „aus­ge­beu­tet“ wur­de. Dabei waren es dort, mut­maßt Geb­hardt, viel­leicht bloß zwei Ver­ge­wal­ti­gun­gen und 26 Todes­op­fer durch Genick­schuß gewesen.

Geb­hardt klagt wie­der­holt, daß es zu vie­le Vor­ur­tei­le über ver­ge­wal­ti­gen­de Rot­ar­mis­ten gebe. Die rus­si­sche Hee­res­füh­rung sei meist über­aus strikt gegen Ver­ge­wal­ti­ger vor­ge­gan­gen, weil das Sowjet­sys­tem als vor­bild­lich wahr­ge­nom­men wer­den soll­te. Sta­lins Chef­pro­pa­gan­dist Ilja Ehren­burg erhält von Frau Geb­hardt ein Bien­chen. Sie führt fast lie­be­vol­le Zita­te auf : „Wenn der deut­sche Sol­dat sei­ne Waf­fe los­läßt und sich in Gefan­gen­schaft gibt, wer­den wir ihn mit kei­nem Fin­ger anrüh­ren“, und: „Der sowje­ti­sche Sol­dat wird kei­ne Frau­en beläs­ti­gen. Der sowje­ti­sche Sol­dat wird kei­ne deut­sche Frau miß­han­deln, noch wird er irgend­ei­ne inti­me Bezie­hung mit ihr unter­hal­ten. Er ist über sie erhaben.“

Nicht erwähnt wer­den fol­gen­de Ehren­burg-Paro­len: „Die­se Krea­tu­ren sind kei­ne mensch­li­chen Wesen. Sie sind schreck­li­che Para­si­ten. Sie sind schäd­li­ches Unge­zie­fer“ (1941) , oder: „Die Deut­schen sind kei­ne Men­schen“, erklär­te er im Okto­ber 1942. „Die­sen Stamm ver­nich­ten wir.“ Oder: „Es ist nicht damit getan, Deutsch­land zu besie­gen. Es muß aus­ge­löscht wer­den.“ Über die deut­sche Frau schrieb er: „Das Weib die­ser Gat­tung war­tet in sei­ner Höh­le auf Beu­te“, und: „Die­se spe­zi­el­le flachs­haa­ri­ge Hexe wird uns nicht so leicht entgehen.“

Frau Geb­hardt hin­ge­gen beschwich­tigt: „“Ich den­ke eher, dass es wie­der die Dyna­mik der Inter­ak­ti­on zwi­schen Deut­schen und Sowjets ist, die dazu bei­trägt, dass die Din­ge zuneh­mend aus dem Ruder lau­fen.“ Die Din­ge! Aus dem Ruder! Dyna­mik der Inter­ak­ti­on! Frau Geb­hardt gibt sich erkenn­bar alle Mühe, die Ent­täu­schung der sowje­ti­schen Sol­da­ten dar­über zu ver­ste­hen, daß die Deut­schen sich nicht gegen ihr „kapi­ta­lis­ti­sches Regime“ wen­de­ten. Sie, die Rus­sen, hat­ten eben auch „äußerst schwe­re Zei­ten hin­ter sich“, sie, die Ver­ge­wal­ti­ger, sei­en doch zum Teil selbst „gemobbt“ (!) und von mili­tä­ri­schen Aus­zeich­nun­gen aus­ge­schlos­sen worden.

Nach 115 Sei­ten wen­det sich die His­to­ri­ke­rin den Gescheh­nis­sen im Wes­ten zu. Bereits im Okto­ber 1944 waren 152 ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten wegen Ver­ge­wal­ti­gung in Frank­reich ver­ur­teilt wor­den – davon 139 Schwar­ze. Geb­hardt stellt erneut klar, daß hier ras­sis­ti­sche Vor­ur­tei­le am Werk sei­en. Sie zitiert zustim­mend eine ande­re Autorin, die behaup­tet, daß der „Kon­takt zwi­schen schwar­zen Ame­ri­ka­nern und deut­schen Frau­en auf­grund wech­sel­sei­ti­ger Vor­ur­tei­le schnell eska­lie­ren konnte“.

Eigent­lich schuld waren aber wohl die deut­schen Män­ner, die die „ero­ti­sche Fra­ter­ni­sie­rung“ zwi­schen deut­schen Frau­en und GIs zum „Mythos anstel­le der Dolch­stoß­le­gen­de“ wer­den lie­ßen und sich somit von ihrer eige­nen, der deut­schen, Schuld exkul­pier­ten. Die Frau­en hin­ge­gen sei­en von einer „dif­fu­sen Erwar­tung einer Stra­fe für die Unta­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re“ geprägt gewe­sen und hät­ten die sexu­el­len Über­grif­fe daher pas­siv bis gern ent­ge­gen­ge­nom­men. „Nie­mand“, so Geb­hardt, „kann bestrei­ten, daß es eine gro­ße Anzie­hungs­kraft zwi­schen ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten und deut­schen Frau­en gege­ben hat und dass das Bedürf­nis nach Zer­streu­ung, Zärt­lich­keit und sexu­el­lem Aben­teu­er nicht ein­sei­tig war.“

Die Autorin moniert, die Ereig­nis­se im Wes­ten betref­fend, einer­seits, daß es den bericht­erstat­ten­den Pfar­ren und Amts­per­so­nen oft nur um Ver­fall der „Sitt­lich­keit“ gegan­gen sei (was gut vor­stell­bar und hier nach­les­bar ist) und ande­rer­seits, daß Zah­len über­trie­ben wur­den. „Soll­ten in Bad Rei­chen­hall tat­säch­lich 200 Frau­en von »Gaul­lis­ten, Tur­kos und aus­län­di­schen Arbei­tern geschän­det« wor­den sei­en, wie der Stadt­pfar­rer am 25. Juli 1945 berich­tet?“ War­um nicht? Weil Frau Geb­hardt die Wort­wahl für ras­sis­tisch hält? Spitz merkt sie an, daß der Pfar­rer einem der Opfer immer­hin die Bestat­tung auf dem Frei­hof gestat­tet habe, „»Schän­dung« ent­schul­digt in die­sem Fall sogar den reli­gi­ös ver­bo­te­ten Selbstmord.“

Miri­am Geb­hardt hat den Zeit­punkt ihrer Buch­ver­öf­fent­li­chung klug gewählt. Die betrof­fe­nen Frau­en sind sämt­lich tot oder über acht­zig Jah­re, sie kön­nen dem nichts mehr entgegensetzen.

Nicht unter­schla­gen wer­den soll den­noch, daß Als die Sol­da­ten kamen gera­de in sei­nen West-Kapi­teln auch inter­es­san­te Fra­ge­stel­lun­gen und Infor­ma­tio­nen bereit­hält. Etwa zur Rechts­stel­lung der Besat­zungs­kin­der. Anders als die USA und Groß­bri­tan­ni­en, die nichts taten, um Ansprü­che deut­scher Frau­en gegen die Kinds­vä­ter zu unter­stüt­zen und die die betref­fen­den Sol­da­ten kur­zer­hand „nach unbe­kannt“ ver­setz­ten, räum­te Frank­reich jenen Kin­dern aus pro­na­ta­lis­ti­schen Grün­den eine Opti­on auf die fran­zö­si­sche Staats­bür­ger­schaft ein. Vor den Besat­zungs­ge­rich­ten konn­te nicht auf Unter­halt geklagt werden.

Nur rund 2 Pro­zent der n i c h t gewalt­sam gezeug­ten Besat­zungs­kin­der wur­de von den Erzeu­gern Unter­halt gezahlt. Geb­hardt nennt Bei­spie­le, wo Frau­en in lang­wie­ri­gen Pro­zes­sen um gering­fü­gi­ge Unter­stüt­zung bei der Erzie­hung ihres unver­lang­ten Kin­des baten und die mit sol­chen Begrün­dun­gen beschie­den wur­den: Das Gesetz kom­pen­sie­re nur Kos­ten, die durch die Ver­meh­rung der Bedürf­nis­se der Geschä­dig­ten ent­stün­den, bei­spiels­wie­se Heil­be­hand­lun­gen. Das Kind selbst kön­ne kei­ne Ent­schä­di­gung ver­lan­gen, da es durch die Ver­ge­wal­ti­gung nicht kör­per­lich ver­letzt wor­den sei. Eine ande­re Frau gebar in Bay­ern nach einer Ver­ge­wal­ti­gung ein Misch­lings­kind. Der Ehe­mann läßt sich schei­den, zahlt kei­nen Unter­halt. Die Frau bringt das Kind ins Heim und muß monat­li­chen Unter­halt zah­len. Da die Frau nicht zah­len kann, gehen die Rech­nun­gen an den kran­ken Großvater.

Immer­hin lesens­wert sind auch Frau Geb­hardts Ein­las­sun­gen zur Fra­ge, ob Ver­ge­wal­ti­gun­gen geui­ner Bestand­teil der »sexu­el­len Erobe­rung« eines Lan­des sind. Sie nennt Posi­tio­nen, wonach die Ame­ri­ka­ner durch frei­wil­li­gen und unfrei­wil­li­gen Sex mit den Frau­en und Töch­tern den euro­päi­schen Män­nern rüde demons­trie­ren woll­ten, wie unbe­deu­tend ihre Posi­ti­on in der Welt mitt­ler­wei­le sei.

Miri­am Geb­hardts Als die Sol­da­ten kamen kann man hier bestel­len.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (31)

Nils Wegner

7. April 2015 09:53

In diesem Zusammenhang ist unbedingt auf die letztwöchige Maischberger-Sendung zu verweisen (die meinereiner bereits nach runden zehn Minuten mit Grausen abschaltete). Schon, daß der hauptamtliche und leidenschaftliche Nationalmasochist Niklas Frank mit seiner "I'm so, so sorry"-Neurose eingeladen wurde, zeugte von der von vornherein festgeschriebenen Tendenz der Monologrunde.

Frau Gebhardt weist auf ihrem eigenen Blog, der nicht mehr als eine Presseschau-Linksammlung ist, momentan an oberster Stelle auf die FAZ-Besprechung dazu hin.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-maischberger-verlagerte-schuld-13517093.html

Ein gebürtiger Hesse

7. April 2015 10:30

Gebhardt beklagt, daß in Opferberichten stereotyp von „Kosaken“ und „Asiaten“ die Rede sei, und daß damit die „Völkervielfalt“ der Roten Armee unterschlagen wurde.

Wow. Was ist von jemandem zu halten, der einem Opfer allen Ernstes vorwirft, seine Peiniger nicht politisch korrekt genug zu bezeichnen? Hier öffnen sich Abgründe. Letztlich machen mir derartige Aussagen bereits unabhängig von ihrer Dummdreistigkeit Angst. Es ist ja kaum mehr zu ermessen, wie tief sich das "DIVERSITY IS GOOD!!"-Diktat bereits in die Leute eingefressen hat.

Aber davon abgesehen: Dank an EK für die hervorragend gründliche Rezension.

Der Klaus

7. April 2015 10:44

Offenbar ein sehr modernes Buch, sprich Oberflächlich, mit der üblichen Inländerfeindlichkeit garniert, und die Täter waren ja nur Opfer.

Olaf

7. April 2015 11:10

Die Maischberger Sendung hab ich auch gesehen und bis zum Schluß durchgehalten, aber es war schrecklich. Niklas Frank hat immer ein Bild seines Vaters nach der Hinrichtung dabei, um sich stündlich zu vergewissern, das dieser tot ist. Der Typ ist ein Psycho. Diese Frau Gebhardt hat keine Ahnung, und hat ein paar völlig unhistorische Sprüche geklopft. So hat sie behauptet, die Russen hätten sich mit ihren Vergewaltigungen für die systematischen Vergewaltigungen der Deutschen in Russland und Europa gerächt. Dann sagte sie, Soldaten sind Soldaten, Briten und Russen, kein Unterschied, alle haben gleich vergewaltigt. Ich will nicht näher auf diesen Unsinn eingehen, aber diese Frau Professor scheint einfach eine Feministin zu sein, der historische Fakten ziemlich egal sind.

Marcus Junge

7. April 2015 12:26

Danke für diese Abrechnung! Gestern las ich einen Artikel zu dem Buch bei Kopp, der war richtig positiv gehalten, außer der irrsinnig niedrigen Opferzahl hatte ich daher an dem mir unbekannten Werks nichts zu bemängeln, was sich auch in dem Kommentar von mir dann finden läßt bei Kopp. https://info.kopp-verlag.de/hintergruende/zeitgeschichte/janne-joerg-kipp/diese-linse-muss-geputzt-werden-vergewaltigungen-am-ende-des-zweiten-weltkriegs.html Hätte ich da schon gewußt, was das für eine Schundliteratur, direkt aus den schleimigsten Eingeweiden des BRD-Systems, ich hätte ganz andere Dinge geschrieben, so bin ich zumindest vor einem bösen Fehlkauf bewahrt worden.

Heinrich Brück

7. April 2015 12:35

"Natürlich muss auch der deutschen Kriegsopfer gedacht werden,
solange es im Kontext der deutschen Kriegsschuld geschieht." (faz.net)
Die F.A.Z. ist auch nur ein weiteres Drecksblatt.
Die BRD-Apologeten scheinen die Folgeentwicklungen ihrer falschen
Geschichtsschreibung nicht zu verstehen.
In diesem FAZ-Kontext, in der dunklen Nacht der BRD-Culture, dürfen
dann auch die Migranten vergewaltigen. Und die Verachtung wird
grenzenlos sein.
Dieses Thema ist nicht jedermanns Sache, und gerade deshalb in
der richtigen Behandlung notwendig.

Andreas Vonderach

7. April 2015 12:51

Liebe Ellen,

stellen Sie doch eine Kurzfassung Ihrer Rezension bei Amazon ein, damit erreicht man viele Leser.

Gruß, A.V.

Kositza: Lieber Andreas, da ich (aus bekannten Gründen...) mein amazon-Konto gekündigt habe, geht das - glaub ich? - nicht.... Ist vielleicht eine unvernünftige Prinzipienreiterei, aber da mag ich mich nicht mehr anmelden.

Judith

7. April 2015 13:25

Da ich der Sezession vertraue bleibt ergo nur zu konstatieren: Wieder einmal alliierte Kriegsverbrechen uns Deutschen - in dem Fall den deutschen Frauen und Mädchen - auf's eigene Konto gebucht. Danke, verzichte.

Ich möchte außerdem ein halbes OT anbringen. In diesem Jahr soll "Unter dem Sand" in deutschen Kinos anlaufen. Handlungsrahmen des Films ist der völkerrechtswidrige Einsatz junger deutscher Kriegsgefangenen zum Minenräumen in Dänemark.

Das ZDF, und damit der GEZ-Zahler, ist an diesem Film finanziell beteiligt. "Laconia" oder "Dresden", das ist hier die Frage.

[1] https://www.radio-flensburg.de/unter-dem-sand/

Simon

7. April 2015 14:01

Danke, für die interessante Besprechung.
Mir sind dabei Fragen gekommen:

Gibt es eigentlich solide Erkenntnisse darüber, was aus den "Russenkindern" und den Kindern der Besatzungssoldaten geworden ist.

Ich kann mir vorstellen, dass es soziale Auswirkungen auch langfristiger Art gibt, wenn zehntausende von Kindern in einem Land aus einer Vergewaltigung hervorgegangen sind und dass das für die Kinder langfristig negativ prägend ist.

Wie hoch war damals eigentlich die Zahl der Abtreibungen und wie hat sich die Kirche dazu verhalten?

Ist aus den Zeitzeugenberichten erkennbar, welche Folgen die Vergewaltigungen für das spätere Leben der Betroffenen hatten, also zu ihren Ehemännern, Familien usw?

Ich entschuldige mich, wenn diese Fragen, vielleicht schon längst einmal beantwortet wurden oder die Antworten allgemein bekannt sind. Ich habe mich mit der Problematik bislang immer nur am Rande beschäftigt.

Harald de Azania

7. April 2015 14:21

Sehr geehrte Frau Kositza,

Wie sich Deutsche mit deutschen Opfern schwertun. So verkorkst und verdreht wird man nicht geboren.

P.C. Konditionierung hoch 3!

Dasz diese Art Sexualverbrechen in Zusammenhang mit Asylanten, illegalen Einwanderen, fremden Religionen etc thematisiert werden koennen

hofft vergebens

HdeA

Martin

7. April 2015 14:46

Vielen Dank für die ausführliche Besprechung. Ich werde mir dieses Buch bestimmt nicht kaufen und es sicher nicht lesen.

Wie richtig ausgeführt wurde, scheint sich dieses Buch dann doch in die Reihe der Art von "Aufarbeitungsliteratur" einzureihen, mit denen den Deutschen durchaus - vermeintlich großzügig - erlaubt wird, sich ihrer Opfer zu erinnern und das Ganze wird dann auch noch in einem Ton serviert, wie wahnsinnig entgegenkommend und modern es sei, "jetzt endlich einmal, nach der langen Zeit des Schweigens, darüber schreiben und reden" zu dürfen. Huiii - ein kleines bisschen Tabubruch, welches man geschickt zu besseren Vermarktung einsetzen darf und vor allem, damit die Pille besser bekommt, die eigentlich serviert werden soll. Es kommt dann nämlich immer das große, unabdingliche "Aber", das relativeren, das Verständnis für die Täter zeigen, das herunter rechnen der Opferzahlen etc., also all das, was einem selber den Staatsanwalt ins Haus bringen würde, wenn man die gleiche Vorgehensweise bei der Schilderung der deutschen Verbrechen an den Tag legen würde.

Dabei ist es rein rechtlich betrachtet relativ simpel: Es galt die Haager Landkriegsordnung (wenn auch höchst streitig im Verhältnis Deutschland UdSSR, hier kann man auch anderer Auffassung sein), es galten entsprechende völkerrechtliche Bestimmungen, es galten (aus heutiger Sicht) die Menschenrechte im WKII und zwar unteilbar für alle Menschen und damit selbstredend auch für diejenigen, die das Glück (Achtung: Sarkasmus!) hatten, unter einer Diktatur zu leben. Da gibt es nichts zu erklären oder nach Motiven zu suchen. Die objektiven und auch im Regelfall die subjektiven Tatbestände der Verbrechen sind erfüllt, gerade bei Sexualdelikten - Punkt! Mann vergewaltigt Frau nicht! Unter keinen Umständen, egal, ob es Krieg ist oder nicht, egal, ob seine Familie verbrannt, vergast, vergewaltigt wurde oder nicht. Mann tut so etwas nicht! Jedwede Relativierung führt am Ende zur Konsequenz, dass jeder heutiger Täter sagen darf, dass die "ES ja offenbar gebraucht hat, wenn sie so rumgelaufen ist", etc.

So, und nun die weitere Transfer-Leistung, das "Lehre aus der Geschichte ziehen" ..;)

Wo kämen wir gerade heute, wo wieder so gerne vom "Wegbomben" diverser Systeme und Religionen gesprochen wird, hin, wenn wir nicht die Standpunkte der unteilbaren Menschenrechte, des Übermaßverbotes, des Völkerrechts etc. einnehmen würden, die dann aber auch für die Einwohner, die in uns nicht genehmen Systemen/Ländern leben, selbstverständlich und für jedes einzelne Individuum zur Anwendung kommen müssen und zu beachten sind. Entweder - Oder.

jack

7. April 2015 16:04

Stiehl einem Volk die Sprache und es verschwindet.
Stiehl einem Volk die Opfer, wie in Dresden und anderswo.
Stiehl einem Volk die Geschändeten.

Was bleibt?

Sprachlosigkeit.
Eingebildete Tote.
Zahl der Geschändeten vernachlässigbar.

Was erwarten wir eigentlich nach unseren bisherigen Erfahrungen?

Gustav Grambauer

7. April 2015 18:31

Simon

"Gibt es eigentlich solide Erkenntnisse darüber, was aus den „Russenkindern“ und den Kindern der Besatzungssoldaten geworden ist.
Ich kann mir vorstellen, dass es soziale Auswirkungen auch langfristiger Art gibt, wenn zehntausende von Kindern in einem Land aus einer Vergewaltigung hervorgegangen sind und dass das für die Kinder langfristig negativ prägend ist."

https://www.youtube.com/watch?v=M03g9Dzo954

https://www.berliner-kurier.de/archiv/ddr-schlagerstar-jan-gregor--seine-mutter-wurde-1945-von-vier-russischen-soldaten-vergewaltigt--einer-ist-sein-vater-man-schimpfte-mich-russenkind,8259702,3918988.html

Ob wir allerdings von einem "Russenkind" reden wie seine Mutter lt. Zeitungsbericht sogar selbst geglaubt haben soll?! So gehänselt zu werden muß schlimm gewesen sein, aber dann immer noch besser mit "Iwan" (dem Inbegriff des "RUS"sisch-normannischen Namens) statt mit "Tamerlan", "Temurkhan" oder "Ulugbek".

Vergessen wir übrigens nicht: die Russen haben ehrenvoll gegen die Wehrmacht gekämpft - im Wesentlichen Kavallerie / Artillerie gegen Kavallerie / Artillerie so wie es ihren militärischen Prinzipien entsprach. Für einen russischen Militär wäre es aus seiner Kriegerehre heraus unvorstellbar gewesen, auch nur einen einzigen Angriff mit einem strategischen Bomber gegen eine deutsche Stadt zu fliegen.

- G. G.

Achim Jung

7. April 2015 18:48

Liebe Frau Kositza:

Bisher habe ich Ihre Artikel hauptsaechlich wg. Ihrer erfrischenden Art zu schreiben geschaetzt, der Offenheit und Furchtlosigkeit mit der Sie sich auch mit Meinungen auseinandersetzen, welche der Ihren entgegenstehen und der Ehrlichkeit, mit der Sie ueber den Alltag in der Erziehung Ihrer sieben Kinder schreiben. Nun hat Ihr Artikel ueber "Als die Soldaten kamen" mich weiter beeindruckt wg. Ihrer treffsicheren, detaillierten Argumentation, die so gar nichts rechthaberisches an sich hat, sondern nur dann, wenn es notwendig ist, Dinge und Zahlen ganz sachlich gerade rueckt.

Es ist ein Armutszeugnis unserer Republik, dass Sie meines Wissens niemals zu Talkshows eingeladen werden, obwohl Sie sich dort wohltuend von den ueblichen Kampfhaehnen, Krampfhennen und salbadernden Predigern abheben wuerden. Weiter so: Bitte behalten Sie Ihre bewundernswerte Geduld - die gegenwaertige, ungesteuerte Flut von Einwanderern und das sich vor unseren Augen entfaltende Euro-Debakel wird Ihnen und Ihrem Mann zunehmend mehr medialen und hoffentlich eines Tages auch politischen Einfluss bescheren.

Karl Martell

7. April 2015 20:31

".....und hätten die sexuellen Übergriffe daher passiv bis gern entgegengenommen."

Das kann wirklich nur jemand schreiben, der selber über eine kranke Sexualität verfügt, darüber hinaus von den damaligen Geschehnissen keine Ahnung hat (Historikerin !) oder lügt.

In der amtlichen Bonner Sammlung „Dokumente deutscher Kriegsschäden“ (I.Beiheft, Bonn 1960) wird ein Freudenstädter Augenzeuge zitiert, der die „Befreiung“ seiner Heimatstadt wie folgt schildert:

„Nach einer mehrstündigen Feuerpause, in welcher die Franzosen bei Besenfeld auf die Übergabe der Stadt warteten, setzte das Artilleriefeuer von neuem an, dauerte die ganze Nacht über an und
legte die ganze Innenstadt in Schutt und Asche.
Den Rest besorgten tags darauf die einziehenden Truppen. Weiße Franzosen, Fremdenlegionäre, Marokkaner und Algerier besetzten die
Stadt und errichteten ein Schreckensregiment, welches einmalig in der
Kriegsgeschichte ist. ... Es wurde 3 Tage lang gemordet, geplündert, vergewaltigt und Häuser angezündet.
Frauen von 16 bis 80 Jahren waren Freiwild, Väter und Mütter, die sich schützend vor ihre Angehörigen stellten, wurden niedergeschossen;
die Schreie der gequälten Menschen hallten durch die Nächte.
Zirka 800 geschändete Frauen meldeten sich zur ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus.
Riesige Wein- und Schnapslager in der Stadt taten ein übriges, um die Leiden der Bevölkerung zu vergrößern.
Alle Männer von 16 bis 60 Jahren wurden eingesperrt, nachts kamen die besoffenen Wachmannschaften von der nahen Weinhandlung und
und schlugen im Lager Zivilisten und Soldaten blutig.

Über Abertausende noch im Kindesalter befindliche deutsche Mädchen, die 1945 zur Beute sowjetischer Notzuchtverbrecher wurden,
schrieb Prof. DUERR: „Nicht selten standen Dutzende Rotarmisten Schlange, um die verblutenden Kinder, denen oft der Damm bis zum After aufgerissen wurde, zu penetrieren.“

Sollte es ihnen, Frau (?) Gebhardt mal ähnlich ergehen, können sie sich dann damit trösten, das die Täter ja nur selbst "gemobbt" waren. War doch alles nur halb so schlimm, gell?

Langer

7. April 2015 20:59

Mal angenommen, man wuerde diesen Teil der deutschen Vergangenheit den Schulkindern im Geschichtsunterricht erzaehlen. Wie wuerden diese das moralisch beurteilen?

Holzfäller

8. April 2015 03:31

Ich traue keinem BRD-Historiker, schon gar nicht denjenigen, die von sich glauben, ausgerechnet heute (und im Gegensatz zu in früheren Zeiten lebenden, Historikern) objektiv, "kritisch" und nicht in der speziellen Gegenwartsperspektive befangen zu sein. Kaum eine andere Zunft ist so anfällig dafür, den ideologischen Rahmenbedingungen des jeweiligen Zeitgeistes zu erliegen, wie die Historiker - dabei aber im naiven Bewusstsein zu schwelgen, diesbezüglich über den Dingen zu stehen.

Waldschrat

8. April 2015 06:21

Kositza: Lieber Andreas, da ich (aus bekannten Gründen…) mein amazon-Konto gekündigt habe, geht das – glaub ich? – nicht…. Ist vielleicht eine unvernünftige Prinzipienreiterei, aber da mag ich mich nicht mehr anmelden.

OT: Ist das Konto wirklich gekündigt und wurde das geprüft? Ich hatte damals auch eine Kündigung vorgenommen, die mir auch von Amazon schriftlich bestätigt wurde. Kürzlich benötigte ich dann ganz dringend und schnellstmöglich einen Artikel, der, wie sich herausstellte, nur bei Amazon kurzfristig lieferbar war. Während ich noch mit mir rang, wieder ein Konto dort zu eröffnen, gab ich eher zufällig meine alten Nutzerdaten ein und siehe da - alles noch da, von wegen: "gelöscht". Hat mich einigermaßen geärgert.

Peter Kewil

8. April 2015 07:49

Die Rezension hier von Kositza stimmt 100prozentig. Habe das Buch blöderweise gleich bei Erscheinen gekauft und gelesen. Eine totale Enttäuschung. Nur politkorrektes Geschwurbel.

Simon

8. April 2015 09:37

@Gustav Grambauer

Danke, eine sehr rührende Geschichte.

Die Entscheidung für das Kind in so einer Situation, ist in der Tat eine enorme Herausforderung für das gesamte Umfeld. In diese Lage kann man sich selbst nur schwer hineinversetzen.

Martin

8. April 2015 09:52

„Niemand“, so Gebhardt, „kann bestreiten, daß es eine große Anziehungskraft zwischen amerikanischen Soldaten und deutschen Frauen gegeben hat und dass das Bedürfnis nach Zerstreuung, Zärtlichkeit und sexuellem Abenteuer nicht einseitig war.“

Ich schreibe dann doch noch einmal etwas dazu:

Es ist mehr als daneben, im Kontext von Vergewaltigungen, also Verbrechen, das altbekannte Phänomen, dass Fremde Männer und einheimische Frauen durchaus zueinander finden, zusammenzuwerfen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Einvernehmliche Beziehungen gab es immer und überall. Gerade Besatzungssoldaten, die eben nicht gerade wenig Freizeit und am Monatsende dann auch noch ihren Sold in der Tasche haben, hatten unter jeder Flagge immer auch einen gewissen Erfolg bei den einheimischen Frauen gehabt. Für deutsche Soldaten ist das für die Länder Norwegen und Frankreich gut bekannt und warum sollte es dann anders sein, als Deutschland selber besetzt wurde? Wo ist da der Zusammenhang zu den Verbrechen der Vergewaltigung?

Ein Thema aber wird nach wie vor gerne verschwiegen und das ist das Thema Beziehungen von sog. "Fremdarbeitern" zu deutschen Frauen während des dritten Reiches - die gab es nämlich auch und nicht zu knapp. Es kam nicht gerade selten vor, dass der der Bauer, als er nach der Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, noch ein weiteres, hungriges Maul zu Hause vorfand, das nicht zwingend von ihm abstammen musste. Wenn heutzutage über so etwas berichtet wird, dann allenfalls in dem Kontext, dass dann die deutsche Frau "ihr Leben" für so eine Beziehung riskiert haben soll. Es waren auch nicht nur die Fremdarbeiter auf dem Land, nein auch die in den Fabriken konnten anbandeln. Wie auch immer, hier fehlt eine "Aufarbeitung" wohl fast gänzlich, evtl. weil dass einige gängige Vorstellungen über den Fremd- und Zwangsarbeitereinsatz im "dritten Reich" beeinträchtigen könnte. Die Welt war eben schon immer vielschichtiger und "bunter" als man es heute zu meinen glaubt.

Stil-Blüte

8. April 2015 13:58

In den 50iger/60iger Jahren beruflich zeitweise im Krankenblatt-Archiv im Keller einer Gynokologie tätig, mußte ich als junges Ding feststellen, daß jede 2./ 3. Op. 'Abrasio' waren, freigegeben von der sowjetischen Kommantantur.

Karl Martell

8. April 2015 14:02

Totale Entrechtung, Massenmorde, Massenvergewaltigungen und
Massengreueltaten jeglicher Art, Vertreibung, Plünderung und Raub,
Verschleppung und Versklavung, Masseninternierung und „Automatic Arrest“ sowie eine geplante Hungerpolitik kennzeichneten die ersten „Nachkriegsjahre“, während die Besatzer alle bisherigen Häftlinge einschließlich aller Schwerkriminellen als „Verfolgte des Naziregimes“ freiließen.

Die Militärregierung in Hessen beschrieb die Horden der Freigelassenen „als hungrige Tiere, die plötzlich aus den Käfigen befreit waren.
Halbwahnsinnig durch ihre neugewonnene Freiheit und besessen
von der Idee, daß ein Verfolgter des Nationalsozialismus gewesen zu sein, eine ‚carte blanche’ bedeute, um nach Belieben zu morden,
zu rauben, zu stehlen und zu vergewaltigen, führten sie eine wahre
Terrorherrschaft über die deutsche Bevölkerung in den besetzten Gebieten.“

Die von den Westmächten nach Kriegsende aufrechterhaltene Lebensmittelblockade Deutschlands, bei Unterbindung von Hilfssendungen karitativer Organisationen aus dem Ausland, führte zur
Zwangsprostitution deutscher Frauen, die ihre Kinder vor dem Verhungern retten wollten. Allerdings verhinderte dies kaum die „normalen“ Vergewaltigungen.

Aber man kann das Geschehen natürlich auch, wie Gebhardt, als "erotisches Abenteuer" beschreiben. Glaubt man "unseren" Historikern,
lebten unsere Vorfahren ja plötzlich im Schlaraffenland der Demokratie und der liberalen Wirtschaftsordnung. Zwangsprostitution? Freihandel!

rautenklause

8. April 2015 14:31

Wenn heutzutage über so etwas berichtet wird, dann allenfalls in dem Kontext, dass dann die deutsche Frau „ihr Leben“ für so eine Beziehung riskiert haben soll.

Lieber Martin,

ich bin an sich - schon aufgrund des Alters und der meist damit einhergehenden Lebenserfahrung - ein ruhiger, eher besonnener Zeitgenose geworden. Bewußt eingesetzte Gewalt zur körperlichen Unterstützung von Argumenten sind nicht mehr "mein Ding" - auch wenn dieser Staat viel Zeit und Geld investiert hat, mir derlei recht gut beizubringen.

Weshalb dieser Vorspann? Nun, das übliche Netzproblem: irgendein Schnösel bringt bräsig Unverschämtheiten vor, wohl wissend, daß die Netzanonymität (oder das, was er dafür hält) ihm alles erlaubt.

In gegebener Kürze: meine Großtante auf dem Dorf fühlte sich zu einem französichen Fremdarbeiter hingezogen mit letztendlich allen Konsequenzen - die für sie lauteten: Prozeß, Einweisung in die Frauenvollzugsanstalt und eine ihr gemeldete Totgeburt des "Kindes der Schande" im Gefängniskrankenhaus. Sie verstehen, daß ich in diesem Zusammenhang etwas ähm VERSTIMMT auf solche Flapsigkeiten reagiere?!? Aber Sie können mir gerne persönlich sagen, "daß das ja alles nicht so gemeint war" - und ich würde im Gegenzug dann vielleicht nicht auf alles Gelernte zurückgreifen.

Oder kurz noch den Butler Hatler zitiert

https://www.youtube.com/watch?v=HowFF6IlfLs

Ohne Gruß

rautenklause

8. April 2015 16:53

Ja, mein Kommentar zu Martins Anmerkung war zugegebenermaßen drastisch, deshalb nochmals und sachlicher:

Werter Herr Martin,

zu Ihrer Bemerkung

Wenn heutzutage über so etwas berichtet wird, dann allenfalls in dem Kontext, dass dann die deutsche Frau „ihr Leben“ für so eine Beziehung riskiert haben soll.

nur kurz aus eigener familiärer Anschauung: Großtante, Beziehung mit Fremdarbeiter auf dem Dorf (französischer Erntehelfer). Ergebnis: Verurteilung zu Haft im Frauengefängnis, das Kind wird als "tot bei der Geburt" in den Gefängnisunterlagen geführt. Und daß nicht mehr passierte, war wohl dem Einfluß des zweiten Großonkels geschuldet, der als höherer Kriminalbeamter versuchte, zu retten was noch zu retten war. Ich finde Ihre spöttische Bemerkung insofern etwas unpassend.

Stil-Blüte

8. April 2015 19:31

s. a. Film 'Und dennoch leben sie' (La Ciociaria; Cesira), nach Alberto Moravia, Regisseur: Vittorio de Sica, Hauptdarstellerin: Sophia Loren

Gustav Grambauer

8. April 2015 22:53

Simon

Die Geschichte geht noch weiter. Meine Vermutung in Richtung Goldene Horde / Chasaren / Turkvölker gründete sich auf meinen Eindruck von Herrn Gregor (hab` schon den Blick für dafür) und einer - extrem hohen - empirischen Wahrscheinlichkeit, sie zu äußern war allerdings taktlos dem Mann gegenüber. Sollte wirklich Beiträge nicht sofort nach dem Verfassen versenden sondern mit einer Pause Abstand vom Text bekommen. Bin den ganzen Nachmittag mit einem unguten Gefühl verblieben und dem deshalb gerade noch einmal auf den Grund gegangen soweit es das Netz hergibt. Wahrscheinlich hätte sich Herr Gregor aber gar nicht angegriffen gefühlt, lesen Sie hier den letzten Satz:

https://www.jotwede-online.de/archiv/0414/musiklegenden_des_ostens.htm

- G. G.

Martin

9. April 2015 07:57

@rautenklause

Sehen Sie, und so hat jeder unterschiedliche Erfahrungen in der Familie. Bei uns war es eine Cousine in Paris. Auf meine Nachfrage, wie es denn zu Verwandtschaft in Paris kommt, kam die offene Antwort: Die hat einen "Fremdarbeiter" geheiratet und ist 45 mit diesem zurück nach Frankreich gegangen (die Hochzeit war sicherlich, auch wenn ich es nicht genau weis, erst direkt nach Kriegsende) - von Repression deswegen fiel kein Wort bei der Verwandtschaft und man besuchte sich gegenseitig (mittlerweile alle verstorben). Hinzu kamen nicht gerade wenige Berichte, über den "Wasserpolaken" hier, den "Iwan" dort als Spott-Bezeichnungen für einzelne Dorfkinder - und das alles in Dörfern im Westen, wo nie ein russischer oder polnischer Soldat war und wo jeder wusste, das diese Kinder aus Beziehungen zu den Fremdarbeitern entstanden sind. Alltagsberichte vom Land eben, die ich natürlich nicht als Maßstab für allgemeine, überall geltende Lebensverhältnisse heranziehen kann und damit auch nicht durfte.

Deshalb haben sie natürlich recht - mit meiner Bemerkung habe ich den Eindruck einer Pauschalisierung erweckt, die unzulässig war und dafür muss ich um Entschuldigung bitten. Selbstverständlich gab es Repression und Strafverfolgung für solche Beziehungen - aber wie so oft, in der Realität führt so etwas dann zu einer Ausdifferenzierung, je nach konkreter Lage vor Ort. Und diese fehlende Differenzierung ist einer der Punkte, die einem immer wieder bei historischen Diskussionen auffällt. Waren es die berühmten Ausnahmen von der Regel oder doch mehr? Mir sind keine historischen Arbeiten dazu bekannt, auch wenn es sicher irgendwo welche dazu geben wird.

Ach ja: Der jüngste bin ich auch nicht mehr und bin mit der "Kriegsgeneration" und deren Berichten quasi aufgewachsen von daher keine Rücksicht, wenn ich wo daneben liege oder jemanden in seinen Gefühlen verletze, weil ich nicht lange genug darüber nachgedacht habe, dann ruhig drauf, Welpenschutz genieße ich sicher schon lange nicht mehr.

Mops

12. April 2015 12:28

@Rautenklause: Informieren Sie sich mal wie es nach Kriegsende französischen Frauen erging die sich mit den "Boches" eingelassen haben.
Ich glaube nicht dass ihre Grosstante mit denen hätte tauschen wollen.

Robert

14. April 2015 10:41

An dieser Stelle sollte man doch mal das Wort "Sex" definieren, das es erst seit 1962 im Duden gibt. Wie konnte das deutsche Volk dann eigentlich so lange überleben? Mit "Sex" werden alle mögliche Perversitäten vereint. Der Geschlechtsakt wird auf die Stufe einer Vergewaltigung gestellt und umgekehrt. Da die Welt Wille und Vorstellung ist, trägt dies zur Verschleierung von Verbrechen bei.

Minne »Liebe«: Mittelhochdeutsch minne,
althochdeutsch minna, niederländisch min sind
im germanischen Sprachbereich eng verwandt
mit der Wortgruppe um schwedisch minne
»Erinnerung, Andenken, Gedächtnis« und
gehören mit dieser zu der Wortgruppe von
mahnen. Aus der ursprünglichen Bedeutung
»das Denken an etwas, (liebevolles) Gedenken«
entwickelten sich schon im Althochdeutschen die
Bedeutungen »Zuneigung, Gefallen, Freude,
Lust, Liebe«. In mittelhochdeutscher Zeit war
minne das übliche Wort für »Liebe«.

Ero|tik, die; – [zu erotisch]: a) den geistigpsychischen
Bereich einbeziehende sinnliche
Liebe; Liebes-, Geschlechtsleben: die E. im
Gegensatz zur bloßen Sexualität; b) (verhüll.)
Sexualität: die billige E. eines Films.

dagegen

Sex [zɛks, sɛks], der; -[es] [engl. sex ‹ lat. sexus
= Geschlecht]: 1. Geschlechtsverkehr,
sexuelle Betätigung: guter, wilder, zärtlicher S.;
außerehelicher S.;

Der normale Geschlechtsakt dient übrigens weder der Fortpflanzung noch dem Lustgewinn, sondern ist wie beim Einzeller (Konjugation) eine seelische Vereinigung. Mancher auf niedriger geistiger Stufe mag drüber lachen, ist aber trotzdem so. Das unbewusste Tier kennt den Zusammenhang zwischen Nachwuchs und Akt überhauot nicht und tut es trotzdem. Beim nicht entarteten Menschen wäre es genau so.

Siehe:
Mathilde Ludendorff -Triumph des Unsterblichkeitswillens (als PDF im Netz, ab S. 243),
Mathilde Ludendorff – Der Minne Genesung

"Zuvor freilich müssen wir angesichts all dieser Entartung
zunächst eine ähnliche, für die „Kulturvölker“ beschämende Forderung
stellen, wie unsere Moral des Kampfes um das Dasein sie
stellte: Kehre zu der Höhe der Säugetierstufe zurück; raffe dich auf
zu der Ehrfurcht vor den Grundgesetzen der Sexualität! – Mit der
Erfüllung dieser Forderung schwindet der schauerliche Tiefstand
der käuflichen Paarung, der flüchtigem sowohl wie der Handelsehe;
es verschwindet die chronische Überreizung, und endlich wird
auch das weibliche Geschlecht die Beglückung erleben. Mit diesem
Schritt, der uns von den ungeheuerlichen Entartungen befreit, sind
wir von dem moralischen Unter-Null-Grad bis hinauf zu dem
Nullpunkt gestiegen, auf dem das Tier steht. Und das Minneglück
der Menschen wird hierdurch ein ungleich häufigeres sein.”

Da standen wir in den 20ern und da stehen wir heute.

Ellen Kositza

14. April 2015 10:55

Danke allen!

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