27. April 2015

Die Notwendigkeit der moralischen Wiederbewaffnung Deutschlands

Nils Wegner / 102 Kommentare

Der folgende Text ist am 10. April auf dem US-Theorieportal counter-currents.com erschienen. Sein Autor, Colin Liddell, ist regelmäßiger Autor bei allen nennenswerten Blogs der parteifreien amerikanischen Neuen Rechten, neben Counter Currents etwa Taki's Magazine und der vom "Monster of Long Beach", Prof. Kevin MacDonald, gepflegten Seite The Occidental Observer. Außerdem zeichnet er – zusammen mit Andy Nowicki – verantwortlich für das "neue" Alternative Right.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Sein Text ist von Interesse, weil er den Blick der amerikanischen rechten Dissidenz auf die europäische Malaise nachzeichnet und insbesondere die Wurzel der aktuellen griechischen Zahlungsforderungen an die Bundesrepublik, nämlich eine zielsichere geschichtspolitische Instrumentalisierung, ins Visier nimmt. Die Übersetzung ist, wie gehabt, stellenweise sinngemäß erfolgt, ohne den Inhalt des Originals abzuschwächen oder zu verfälschen; Hervorhebungen erfolgten nach Vorlage.

Die jüngsten Forderungen der sozialistischen Regierung Tsipras an Deutschland über rund 279 Milliarden Euro "Reparationen" kommen zu einem interessanten Zeitpunkt. Vor siebzig Jahren wurde Deutschland vom gemeinsamen Ansturm der alliierten Armeen aus Ost und West überrannt und das Volk unaussprechlichen Greueltaten ausgesetzt, insbesondere im Osten, wo sich die Rote Armee vergewaltigend und mordend ihren Vormarschweg bahnte.

Im kommenden Monat wird auch die 70-Jahr-Feier des Kriegsendes in Europa stattfinden – die letzte dieser Jubiläumsfeiern, an der noch eine beachtenswerte Anzahl von Veteranen teilnehmen können wird. Dementsprechend können wir mit allerlei Zeremonien, Reden und Fernsehsendungen darüber rechnen, was als müheloser Triumph des "Guten" über das "Böse" präsentiert werden wird.

Insbesondere können wir uns darauf einstellen, den Friedensfürsten und Gralsritter moralischer Tugend Wladimir Putin die heroische Rolle bejubeln zu sehen, die die ebenso friedfertige und tugendhafte Rote Armee bei der Niederwerfung des "einzigartigen Bösen" des Nationalsozialismus gespielt hat. Russia Today wird wahrscheinlich freidrehen und könnte sogar schmelzen wie ein übersteuerter Teilchenbeschleuniger, um ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum zu schaffen – hin zu einem Paralleluniversum, in dem Stalin tatsächlich der good guy war.

Während wir mit schlecht geschriebenen und emotional manipulativen Beiträgen überhäuft werden (die uns vom Sieg des "demokratischen Geists" erzählen wollen, und daß die Millionen Gefallenen im Kampf gegen Deutschland ausgezogen waren, weil sie implizit an Masseneinwanderung und die Homoehe glaubten), werden die Greuel und Unmenschlichkeiten der Alliierten keine Erwähnung finden – die Massenvergewaltigungen, die Feuerstürme, die Mißhandlungen Kriegsgefangener, die Zwangsumsiedelung dadurch todgeweihter russischer Kosaken und der Deutschland aufgezwungene Nachkriegshunger, der Millionen Opfer forderte.

Stattdessen wird der Holocaust als der denkbar größte Hebel betätigt - um sicherzugehen, daß wir den richtigen Gefühlsmix aus moralischer Euphorie und blasierter Selbstsicherheit dem gegenüber empfinden, was in Wahrheit komplexe und vielschichtige geschichtliche Ereignisse wahren. Es wird auch niemand wagen, auf die außerordentlich bedeutsame Tatsache hinzuweisen, daß die Massentötungen unter nationalsozialistischer Herrschaft unter dem Druck des größten und schrecklichsten Krieges aller Zeiten geschahen, während unsere "edlen" russischen Alliierten es fertiggebracht haben, Millionen Unschuldiger nicht etwa im Chaos von Krieg oder Revolution, sondern mitten im Frieden umzubringen.

Während wir durch diese lauwarme Jauchegrube voller Weltkriegstriumphalismus waten, wird erkennbar werden, wie sehr Deutschland – die größte Volkswirtschaft und das Herz Europas – moralisch entwaffnet und seiner Geschichte im 20. Jahrhundert beraubt worden ist. Alle aufklingenden deutschen Stimmen werden das vergangene Böse ihres Landes betonen und Dankbarkeit für seine brutale "Befreiung" zum Ausdruck bringen, selbst wenn diese es durch Bomber Harris und die Rote Armee ereilte.

gauckeleiKein langes Gerede.

Wie Brennus, der gallische Heerführer, nach der Eroberung Roms sprichwörtlich sagte: "Vae victis", Wehe den Besiegten. Ja, die Deutschen waren am Ende die Verlierer, obwohl sie absolut und um Längen die beste Militärmacht Europas waren, und wir wissen alle, wer die Geschichte schreibt. Sollte es uns also überhaupt kümmern, gerade wo doch die modernen Deutschen so wenig tun, den Narrativ geradezurücken? Hatten sie nicht vielleicht recht damit, die Periode von 1914 bis 1945 als verschwendete Zeit abzuschreiben?

Für 1945 und die Nachkriegsjahre könnte man ins Feld führen, daß Deutschland wenig anderes übrigblieb, als den Siegern und ihrer Version der Ereignisse entgegenzukommen. Man hatte alles in den Krieg geworfen, so daß nichts mehr übrig war, worum man hätte feilschen können. Der Krieg war total gewesen, so war nun auch die Niederlage. Deshalb mußte auch die Kapitulation eine totale sein. Um der Auslöschung zu entgehen, mußten die Deutschen den Narrativ der Sieger akzeptieren. Hätten sie das nicht getan, wäre sehr wahrscheinlich der Morgenthauplan oder etwas ähnliches wieder hervorgeholt worden.

Widerstand gegen den Mythos vom absoluten Bösen Deutschland hätte die Besatzung nur verlängert und vertieft und den Nachkriegsboom des Landes gefährdet. Er hätte auch die Wiederannäherung an die europäischen Nachbarn und die Begründung der Europäischen Union extrem heikel gemacht. Pragmatisch gesehen gab es allen Grund für Deutschland, zu buckeln und sich innerhalb der Nachkriegsordnung herumschubsen zu lassen: »Ja, mea culpa, wir haben uns geirrt. Es tut uns leid... Wie wäre es jetzt mit einem VW Käfer?«

Was hätte man auch erwarten sollen, wie lange es dauern würde? Früheren Erfahrungen nach zu urteilen, nur ein paar Jahre. Hier sind wir aber nun, 70 Jahre später, und es sind nicht nur die Sieger, die Deutschland am Gängelband führen, oder die Israelis mit ihrer privilegierten Stellung. Es sind auch kleine Fische wie Griechenland, ein Land, das in der Nachkriegszeit seine eigene abgespeckte Version des Jahrhundertkampfes zwischen Kommunismus und Faschismus durchlebte, nur um als bankrotter, sozialdemokratisch-kapitalistischer Staat im 21. Jahrhundert zu erwachen, der von Kulturmarxisten geführt wird, die davor zurückschrecken, eine echt marxistische Wirtschaftspolitik einzuführen. Angetrieben von einer Mischung aus ökonomischer Nutzlosigkeit und Euro-Parasitismus, hat sich dieses Land verspätet an Deutschlands geschichtlichem blinden Fleck hochgezogen – in der Hoffnung, etwas Geld herausschlagen oder zumindest ein "moralisches" Gegengewicht zu Deutschlands Säumnisforderungen bilden zu können.

Warum verlangt die griechische Regierung jetzt 279 Milliarden Euro? Ganz einfach: weil sie es kann und weil sie es muß.

Als Deutschland seinen Kriegsgegnern ein praktisches Monopol auf den historischen Narrativ einräumte, vergab es im Grunde einen moralischen Blankoscheck, den die Sieger zu jeder Zeit ausfüllen und einlösen konnten. Während des Kalten Krieges waren die Westmächte darauf angewiesen, den guten Willen der Deutschen anzuregen und die NATO zu stärken, weshalb sie sich bemühten, das Privileg nicht zu überstrapazieren. Demgegenüber benutzte die Sowjetunion das ihrige, um die Existenz ihres ostdeutschen Zombiestaats über 40 Jahre hinweg zu rechtfertigen. Niemand hatte je damit gerechnet, daß die Griechen anhand dieser moralischen carte blanche "Reparationen" verlangen würden, lange nachdem die allermeisten Kriegsbeteiligten verstorben sind.

Einer einfachen Regel folgend, sollten Reparationen – wenn man davon ausgeht, daß so etwas im Völkerrecht überhaupt existiert – vom Besiegten in den Jahren unmittelbar nach dem Konflikt an den Sieger gezahlt werden. Von diesem Prinzip abzuweichen eröffnet alle möglichen problematischen Entwicklungen, da die meisten Länder zu dieser oder jener Zeit andere angegriffen, besetzt und unterjocht haben. Einem jeden Land zu gestatten, zu jeder Zeit Reparationen von jedem anderen Land, das ihm einmal etwas getan hat, zu verlangen – bedeutet deshalb die Abschaffung des Unterschieds zwischen Frieden und Krieg und ist ein Rezept für weltweites Chaos.

Außerdem steckt in diesen Forderungen eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Während es für die Griechen kaum angenehm gewesen sein kann, von den Deutschen erobert und dann vorrangig von ihren italienischen Verbündeten besetzt zu werden, so wurden sie keineswegs schlechter und in Wirklichkeit deutlich besser behandelt als viele andere im Verlauf des 20. Jahrhunderts besetzte europäische Länder. Wenn Griechenland für vier Jahre verhältnismäßig milder Okkupation durch die Achsenmächte 279 Milliarden Euro verlangen kann, was schuldet Rußland dann Estland, Lettland und Litauen für ihre fünfzigjährige Besatzung?

Man könnte auch die Tatsache anführen, daß die Griechen von den Türken wesentlich schlechter behandelt wurden. Noch in den 1920ern wurden Millionen Griechen vom kemalistischen Staat unter Zwang ausgewiesen, wobei sie den Großteil ihres Wohlstands und Besitzes verloren. Sollte Griechenland dort Reparationen verlangen? Natürlich werden sie das nicht tun. Obwohl sie den Völkermord an den Armeniern beging, dessen Beginn sich just in diesem Monat zum hundertsten Mal jährt, ist die Türkei ein um die Verteidigung seines historischen Narrativs sehr bemühtes Land und nicht bereit, sich den Blickwinkel auf ihre Vergangenheit diktieren zu lassen.

Gleiches sehen wir in Putins Rußland, das seine stalinistische Vergangenheit ebenso feiert wie seine zaristische. Auch China ziert sich nicht, einen moralisierenden historischen Narrativ zu befördern, der allein chinesischer Macht dient. Von einem objektiven Standpunkt aus mag es seltsam erscheinen, daß China sich weitaus intensiver mit den zehntausenden Opfern der japanischen Eroberung von Nanking beschäftigt, als mit den zig Millionen Toten unter der kommunistischen Herrschaft selbst.

Auch Japan hat sich bemüht, einen positiven Eindruck von seiner Vergangenheit zu erhalten – obgleich es den Status als "Achsen-Paria" mit Deutschland teilt. Militär- und Regierungsangehörige, die von den Besatzungsbehörden als "Kriegsverbrecher" verurteilt wurden, haben mit Yasukuni-jinja ihren eigenen Schrein, und Geschichtsbücher werden umgeschrieben, um Japans Handlungen moralisch akzeptabler erscheinen zu lassen.

Diese Länder – Türkei, Rußland, China und Japan – wissen, daß es bei nationaler Geschichte weniger um Wahrheit als den Ausdruck eines Existenzwillens geht. Deswegen ist der griechische Versuch einer moralischen Erpressung nützlich, denn er erinnert uns nicht nur daran, daß Deutschland seine Vergangenheit zu lange vernachlässigt hat, sondern weist auch auf die Folgen eines derartigen moralischen Pazifismus und historischen Masochismus hin.

In der Vergangenheit mag es den Interessen der mächtigen Exportindustrie Nachkriegsdeutschlands gedient haben, solch eine negative Charakterisierung der vorangegangenen Epoche zu pflegen, und es ist wahrscheinlich, daß diese Attitüde zu Deutschlands kolossalem wirtschaftlichen Erfolg beitrug. Aber während Deutschland auf diesem Wege eine wirtschaftliche und politische (dies zumindest ein Stück weit) Vormachtstellung erlangte, hat es sich auch selbst zur leichten Beute gemacht, etwa wie die Unvollständigkeit der Maginotlinie die französische Flanke für einen vernichtenden Angriff offenließ.

Deutschlands ökonomische Macht hat einen großen und offenkundigen Schwachpunkt – die gefährliche moralische Abrüstung und geringe Selbstsicherheit des Landes. Wie Tsipras' Verhalten zeigt, kann jedes willige Land das moderne Deutschland mühelos beleidigen und verleumden.

So steht nicht nur Deutschland schwach da, sondern auch Europa, denn Deutschland bildet das Herz des Kontinents und ist sein wichtigstes Land. Ein moralisch geschwächtes Deutschland, das sich seiner Vergangenheit schämt und glaubt, einzigartig böse zu sein, bedeutet eine Leere im Herzen Europas. Um dies zu vermeiden, muß Deutschland nicht einmal über seine Geschichte lügen, wie es die Türkei und Rußland so offensichtlich tun. Es kann sich die Schwierigkeiten ersparen, einen positiven Mythos zu schaffen. Stattdessen ist der negative Mythos so extrem negativ, daß schon die Rückkehr zu einem objektiven und angemessenen Blick auf die Geschichte den deutschen Sinn für moralische Wertigkeit immens wiederaufrichten kann.

Aus diesem Grund ist es für Deutschland Zeit, mit den Entschuldigungen aufzuhören und sich von Leuten vom Schlage Zipras' mit ihren verspäteten und insolventen Forderungen nicht länger ans Schienbein treten zu lassen. Es ist Zeit, daß Deutschland seine Geschichte und die seiner Rivalen mit einem Gespür für Objektivität und Ausgewogenheit betrachtet. Es ist Zeit, daß Deutschland sich selbst nicht länger durch den Filter der Kriegspropaganda seiner Feinde sieht – nicht, weil jene Generation ausgestorben ist, sondern weil jene Vorstellung von Deutschland immer schon falsch und einseitig war. Es ist Zeit, daß man die Idee, Deutschland sei das einzige "einzigartig böse" Land in der Weltgeschichte, mit dem Bulldozer in eine Grube schiebt und mit Ätzkalk bedeckt.

Wenn Tsipras' unangebrachte und haltlose Forderungen dabei helfen können, die Deutschen in diese Richtung zu schieben, dann könnten seine geforderten Milliarden ein lohnender Preis sein.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (102)

Hajo Blaschke
27. April 2015 10:41

Gauck, Merkel, Stenmüller & Co. werden uns im Gegensatz zu diesem Artikel wieder zulabern mit ihrem Entschuldigungsgesabbel und die Welt wird sich amüsieren, was für eine dämliche Schlafmichetruppe sich das auch noch gefallen lässt. Im übrigen haben die Politclowns um Merkel zugelassen, dass man sich in Russland wieder an Deutschland reiben kann, indem man gedankenlos die Nazis in der Ukraine hofiert hat. Man hat der Welt damit demonstriert, dass Deutsche eben gar nichts anderes können, als auf immer und ewig Nazi zu sein.

kommentar kubitschek:
ich stelle das jetzt ausnahmsweise frei, um zu demonstrieren, was wir in zukunft nicht mehr freistellen: den schnodderton - sofern er kein kunstmittel ist. dies hier ist ein netztagebuch für den gehobenen gedankenaustausch. für alles andere gibt es viele andere orte.

Rosenkranz
27. April 2015 10:48

Diese Forderungen sind ein sicheres Zeichen unserer Schwäche. Jede Minderheit darf in diesem Land fordern und wird gehört, während man die Rechte des weißen, heterosexuellen, deutschen Mannes mit Füßen tritt.

Nach Lisson wurden uns diese Rechte nicht geraubt, sondern wir haben sie freiwillig abgegeben. Da ist was wahres dran. Bei so viel Unterwürfigkeit müssen wir uns nicht wundern, wenn andere uns nur noch verachten und uns mit weiteren unverschämten Forderungen überziehen.

Gerade wir Männer sollten wieder Mut zur Stärke gewinnen. Wir sollten Gemeinschaften suchen bzw. gründen, die Frauen und Fremde ausschließen. Die Burschenschaften sind so ein tolles Beispiel. Dieses Beispiel läßt sich auch in (Kampf)Sportvereine oder lockeren Zusammenkünften an Trimm-Dich-Stationen verwirklichen.

Frauen und Fremde sind uns da noch deutlicher voraus. Es gibt Fitness, Yoga und Selbstverteidigung für Frauen, ebenso wie türkische Kulturvereine. Nur der "Weiße Mann" versucht jeden und jede zu integrieren, obwohl das seine Entwicklung behindert. Schaut man sich Spitzenathleten an, so sieht man, diese trainieren meistens allein.

Hans
27. April 2015 11:08

Die "Abschaffung des Unterschieds zwischen Frieden und Krieg" droht nicht erst durch die aktuellen Forderungen Griechenlands. Griechenland ist nicht unser Feind. Der Unterschied zwischen Krieg und Frieden wurde abgeschafft, als man sich entschied, nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen Friedensvertrag zu verzichten und in Westdeutschland ein staatsähnliches Verwaltungsgebilde zu schaffen. Dieses Gebilde ist ein ebensolcher "Zombiestaat" wie die daraufhin gegründete DDR. Auch wenn es die DDR, dieses "rote Preußen" (Venohr), nicht mehr gibt, leben wir nach wie vor unter denselben Bedingungen des westdeutschen Grundgesetzes, dieses Provisoriums mit Ewigkeitsgarantie. Offensichtlich gibt es ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Zustandes des Nicht-Krieges (C. Schmitt), der den Modus der internationalen Politik von Souveränität auf Interventionismus umstellt. So gesehen war der "Kalte Krieg" nie vorbei.

Unter diesen Bedingungen ändert die von Colin Liddell aufgestellte Forderung nach "moralischer Wiederbewaffnung" an der weltpolitischen Instrumentalisierbarkeit Deutschlands nichts.

Eisenhans
27. April 2015 11:42

" Niemand hat damit gerechnet, daß die Griechen Repatationen..."
Einspruch Euer Ehren. Die Griechen haben schon über einen längeren Zeit-
raum versucht an deutsches Geld zu kommen, z.b. über die Pfändung des
Goethe Instituts in Athen. Ähnliche Bestebungen gibt es schon seit langer Zeit in Italien. Es ist wohl auch anzunehmen, daß diese Forderungen mit
Rückendeckung aus Washington erfolgen. Aber was ist denn, wenn der
Europäische Gerichtshof, oder der Internationale Gerichtshof solche
Forderungen, aber auch die von Privatleuten für zulässig erklären sollte ?
Wird dann die Kriegsschuldfrage neu gestellt ? Absolut nicht vorstellbar,
also würde im Falle eines Falles gezahlt, ansonsten würde ja das gesamte
Selbstverständnis der BRD- GmbH einschließlich des inbrünstig zele-
brierten Sündenstolzes in Frage gestellt. Man hat sich in den vergangenen
70 Jahren derart im Vergangenheitsbewältigungsmorast festgefahren, daß
es daraus offenbar kein entkommen gibt. Die Forderungen der Griechen
werden vermutlich in Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, den Balkan-
staaten, vielleicht sogar in Tunesien, Libyen und Ägypten mit Aufmerksam-
keit verfolgt. Rein theoretisch könnten auch dies Länder Forderungen stellen. Teile der Grünen, Linken und SPD stellen sich schon jetzt hinter
gewisse Ansprüche gegen den deutschen Staat, andere werden folgen, wetten ?

Alexander
27. April 2015 11:42

Die moralische Wiederbewaffnung Deutschlands ist eine gute Idee, nur - wenn sie lediglich als antirussische Speerspitze des Amerikanismus dient, kann ich gerne darauf verzichten.

Der moralische Haudrauf sitzt längst nicht mehr in Moskau, sondern in Washington und Jerusalem. Ob diese 'Brüder' uns aus der moralischen Schuld entlassen, die man den Deutschen andichtet, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Ich halte das eher für ein durchsichtiges Manöver, um einen besiegten Vasallen für den Kampf gegen einen Feind einzustimmen, der die Hegemonie der USA bedroht.

Für eine solche Art westlich gebundener Wiederaufrüstung, als Neuauflage des Kalten Krieges, bin ich nicht zu haben.

Ich will die Amis genauso loswerden, wie der Osten die Russen abgestreift hat und ich will endlich die Beziehungen meines Landes zu Israel normalisieren, auf das wir niemals wieder U-Boote verschenken müssen.

Diese Art moralischer Wiederbewaffnung der Deutschen schwebt dem US-Autor ganz gewiss nicht vor. Was der will, läuft den Lebensinteressen des deutschen Volkes diametral zuwider.

Hans
27. April 2015 11:43

Aufschlußreich für die von mir oben genannten Zusammenhänge ist folgendes Interview über die 2-plus-4-Verhandlungen, das der Deutschlandfunk kürzlich mit Horst Teltschik führte (https://www.deutschlandfunk.de/zwei-plus-vier-vertrag-alle-forderungen-erledigt.694.de.html?dram:article_id=314217&dram:audio_id=352433&dram:play=1).

Es zeigt erstens, daß aus Moskau nach 1952 bereits zum zweiten Mal ein Angebot zu einem Friedensvertrag kam, den man wiederum ohne Prüfung ablehnte. Zweitens sieht man, daß die Bundesregierung offensichtlich glaubte, mit ihren finanzpolitischen Erwägungen klüger sein und hinterher besser dastehen zu können, als wenn man dem Politischen wirklich ins Auge gesehen hätte. Doch dessen Notwendigkeiten lassen sich nicht umgehen. Man ist erpreßbar geblieben:

"Grieß: Der Zwei-plus-vier-Vertrag taucht, Herr Teltschik, zurzeit in der europäischen Diskussion wieder auf, weil aus Athen Reparationsforderungen kommen, die sich auf den Zeiten Weltkrieg beziehen. Berlin antwortet mit Verweis auf den Zwei-plus-vier-Vertrag, all das sei vor vierundzwanzigeinhalb Jahren abschließend geregelt worden. Hat die Bundesrepublik Ihrer Ansicht nach recht?

Teltschik: Ja, natürlich, das war auch unsere klare Zielsetzung.
Grieß: Aber das Wort 'Reparationen' taucht in diesem Dokument nirgendwo auf.

Teltschik: Nein. Das ist klar aber ...

Grieß: Noch nicht einmal 'Friedensvertrag'.

Teltschik: Bewusst nicht, denn wir wollten ja keinen Friedensvertrag. Wir hatten ja schon im Herbst die Anfrage aus Moskau, ob die Bundesregierung möglicherweise bereit sein könnte zu einem Friedensvertrag. Wir haben einen Friedensvertrag von vornherein abgelehnt – nicht zuletzt wegen der Gefahr von Reparationsforderungen. Und da wäre ja nicht nur Griechenland ein Fall gewesen, sondern bekanntlich war das Nazi-Regime mit über 50 Ländern dieser Welt im Kriegszustand. Und stellen Sie sich vor, wir hätten im Rahmen eines Friedensvertrages Reparationsforderungen von über 50 Staaten auf dem Tisch gehabt."

Schlesische Fachkraft
27. April 2015 12:26

Es gibt nicht wenige Deutsche die ja ganz ähnlich denken wie Sie Herr Wegner, auch wenn sie das nicht offen zugeben wollen. Sie haben ganz einfach Angst vor der Lynchjustiz der berufsempörten Moralaposteln.Und von der Sorte Gutmensch gibt es hierzulande leider eine ganze Menge.

Das größte Problem sind die von den Alt-68ern durchseuchten "deutschen" Eliten in Politik und Medien. Und natürlich auch ihre Handlanger in der Justiz und im Bildungswesen geben ihr Bestes. Wenn ich nur an diesen Gauck denke...Ich habe seinerzeit gedacht, schlimmer als Wulff geht wohl nicht mehr. Doch weit gefehlt! Gauck als Bundespräsident ist mit seinem extrem ausgeprägten Stockholm-Syndrom gepaart mit seiner unerträglichen Besserwisserei und Arroganz die bisher erreichte Höchststufe der geistigen Umerziehung. Seine offene Verachtung für das eigene Volk und diese widerliche Anbiederung an das Fremde ist symptomatisch für die "geistige Kastration" der bundesrepublikanischen Volksverr...ääähm, Volksvertrer.

Ganz wichtig ist daher die Etablierung einer kritischen und patriotischen Gegenkultur. Sie kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht nur für Intelektuelle attraktiv ist, sondern auch "das gemeine Volk" anspricht. In diese Richtung denkt wohl auch Götz Kubitschek, wenn er in Bezug auf Pegida die Passivität vieler Konservativer kritisiert, die mit ihren Ideen wohl auf ein "feineres" Volk warten.

Jonny
27. April 2015 12:42

Ich finde den Text sehr gelungen und wichtig, auch wenn ich nicht in allen Punkten die Aufassung des Autors teile, der Gesamtausage kann ich ohne schlechtem Gewissen zustimmen.

"Es kann sich die Schwierigkeiten ersparen, einen positiven Mythos zu schaffen. Stattdessen ist der negative Mythos so extrem negativ, daß schon die Rückkehr zu einem objektiven und angemessenen Blick auf die Geschichte den deutschen Sinn für moralische Wertigkeit immens wiederaufrichten kann."

Dieser Prozeß ist schon lange im Gange. Gerade die einfachen Leute, die Arbeiter und kleinen Angestellten können den ewigen Schuldkult nicht mehr verstehen. Zum einen weil die "Zwölf Jahre" nach beinahe achtzig Jahren sehr fern sind und die "Erlebnisgeneration" beinahe ausgestorben ist. Zum anderen sind die Menschen, durch die ewige Negierung der Geschichte und dem ständigen Einreden der persönlichen Schuld psyologisch übersättigt. Sie wollen irgendwann nichts mehr von ewiger Schuld und Sühne wissen, die einen resignieren ersteinmal, die anderen fangen an zu hinterfragen.

»Die Schuldverschreibung lautet an die Toten«,
Hohnlächelte die Welt,
»Die Lügnerin, gedrungen von Despoten,
Hat für die Wahrheit Schatten dir geboten,
45 Du bist nicht mehr, wenn dieser Schein verfällt.«

Frech witzelte das Schlangenheer der Spötter:
»Vor einem Wahn, den nur Verjährung weiht,
Erzitterst du? Was sollen deine Götter,
Des kranken Weltplans schlau erdachte Retter,
50 Die Menschenwitz des Menschen Notdurft leiht?«

»Was heißt die Zukunft, die uns Gräber decken?
Die Ewigkeit, mit der du eitel prangst?
Ehrwürdig nur, weil Hüllen sie verstecken,
Der Riesenschatten uns'rer eig'nen Schrecken
55 Im hohlen Spiegel der Gewissensangst;«

Aus "Resignation", Gedicht von Friedrich Schiller (Späte Fassung)

https://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&add=&id=933&spalten=1&noheader=1

Judith
27. April 2015 12:42

Da ich den Ausführungen Liddells zustimmen kann, mit einem simplen "Genau", "Zustimmung", etc. pp. aber den Kommentarbereich nicht bereichern will, möchte ich einen Punkt in Liddells The Need for German Moral Rearmament herausgreifen.

Liddell bereitet uns u.a. auf die lauwarme Jauchegrube voller Weltkriegstriumphalismus vor, auf die schlecht geschriebenen, die emotional manipulativen Beiträge unserer aktuellen Machthaber und deren Subalternen.

Wäre ein erster Schritt der ganz eigenen, ganz persönlichen Wiederbewaffnung nicht der, sich eben nicht emotional manipulieren zu lassen; vielmehr die eigenen emotionalen Trigger zu erkennen, um so jenen besser zu widerstehen, die sie ausgelöst sehen wollen?

Und nein - weil ja geschriebene Sprache konnotativ missverständlich sein kann - das ist keine, wie auch immer geartete, verbrämte Kritik an den Autoren der Sezession und auch keine an den hier kommentierenden, sondern ein aufrichtig gemeinter Denk-Anstoß.

Roman
27. April 2015 13:07

"Es wird auch niemand wagen, auf die außerordentlich bedeutsame Tatsache hinzuweisen, daß die Massentötungen unter nationalsozialistischer Herrschaft unter dem Druck des größten und schrecklichsten Krieges aller Zeiten geschahen, während unsere „edlen“ russischen Alliierten es fertiggebracht haben, Millionen Unschuldiger nicht etwa im Chaos von Krieg oder Revolution, sondern mitten im Frieden umzubringen."

Was für eine "Tatsache". Die Massentötungen fanden nicht unter dem Druck des Krieges statt, sondern jeder Kriegsnotwendigkeit zuwider. Wenn man noch Züge und Menschen für die Vernichtung abzweigte, die dringend an der Front oder in der Rüstung gebraucht worden sind, sollte man Vergleiche mit den Russen lassen. Man wird nicht gewinnen. Die Menschenfresser an der Spitze Deutschlands töteten aus ideologischen Gründen, nicht kriegsbedingt. Man könnte fast schon sagen, dass man lieber die Niederlage in Kauf nahm, als hier nochmals Pragmatik zu zeigen.

Stil-Blüte
27. April 2015 13:14

@ Nils Wegner

Ich bin beeindruckt! Was für eine lebendige aufbauende Geschichtsstunde, die weiß, das Historische als gewordenes Gegenwärtiges u n d zugleich als gewesenes Vergängliches philosophisch zu versteht.

Es liest sich nicht nur deshalb gut, weil der Inhalt stimmig ist, sondern weil er formvollendet aufbereitet ist. Damit ist ein Hinweis gegeben, wie man auch nüchterne lange Beiträge so gestalten kann, daß sie zu dem gehören, was ich 'flüssiges Deutsch' nenne; wahrlich - es fließt. Wie Sie das erzielen? Einiges möchte ich (könnte auch für andere Beiträge von anderen Beiträgern nicht unwichtig sein) benennen

1) übersichtliche Strukturierung durch Absätze
2) wenige, aber entscheidende Hervorhebungen, sei es fett (wichtig!), sei es kursiv (Zitat)
3) Diesmal überzeugend - keine Ablenkung durch 'Links'
4) Das Transportmittel, unsere deutsche Muttersprache - geht Wege, Stege, Straßen mühelos. Bravo! Zwei Stolpersteine

Narritiv

und

...(ein Stück weit)...

Im wahrsten Sinne des Wortes - auch wenn es altmodisch klingt - ich wag' es mal - hochachtungsvoll

Stil-Blüte

Harald de Azania
27. April 2015 13:24

Verehrter Herr Kubitschek,

Richtig: Schnodderton ist kontraproduktiv aber es ist nicht leicht, 'gehoben' zu bleiben, wenn der Feind ' so tief' steht. Aber es hat keinen Sinn, sich argumentativ in der Gosse zu waelzen. Wir haben gentleman-like zu bleiben; wenn nicht, entsprechen wir nicht unserer Weltanschauung. Das verbietet aber nicht eiskalt commentgemaesz gefuehrte Hiebe .......

Aus dem Original : "National history is less about objective truth and more about an expression of will to exist." Das ist mE der Kernsatz dieses Aufsatzes.

Die Frage ist: Will das Deutsche Volk bzw die dzt Fuehrenden (und die von ihnen in jeder Art und Weise Angefuehrten) noch ueberhaupt politisch existieren ? Siehe auch CS, 'Der Begriff des Politischen '(Text von 1932, p 54).

Ich kann und will nicht glauben, dasz ein Volk so schwach wird und so einfach verschwindet. Aber was will man, wenn Deserteuren Denkmaeler errichtet werden? Zuletzt in Wien am Heldenplatz (!!) 2014.

Aber legen wir diesen Text den Fuehrenden und Angefuehrten vor und die bekommen Schuettelfrost und es ertoent der Ruf nach dem Staatsanwalt.

Moralische Entwaffnung: Einerseits von manchen eine eiskalte Strategie der geistigen Versklavung, andererseits von Vielen bereits "verinnerlicht' ( die Deutschen sind ja ein innerliches Volk).

Vorschlag: Den Text in ganz Deutschland als Flugblatt verteilen. Millionenfach --- die Reaktion der "Patenttolerant-Vielfaeltigen"waere interessant. Schaum vor dem Mund ?

Gott mit Euch! HdeA

Stil-Blüte
27. April 2015 13:25

@ Hans

Resignation (Friedrich Schiller)

Ein großes Gedicht. Die erste Fassung ist viel, viel besser (da war er, glaube ich) 22 Jahre und wußte was, nein alles, von 'Resignation'

Aber hier? Das Gedicht geht über einen jeden Horizont hinaus, ist im Idealismus, in der Metaphysik, in der Ewigkeit, im Göttlichen unbehaust zu Hause, geht weit über das von Nils Werner vorgegebene Thema ins Unewndliche hinaus. Sich davon ansprechen zu lassen, ist Ihnen gelungen. Aber...

Martin
27. April 2015 13:41

@Alexander,

ich finden keinen einzigen echten Beleg in dem Text für Ihre Ausführungen. Gut, der Autor stellt einen Zusammenhang zu den stalinistischen Verbrechen her und unterlässt einen ausdrücklichen oder expliziten zu denen der "West-Alliierten" (gänzlich unerwähnt sind sie dennoch nicht). Aber dem Autor hier die Bildung irgendwelcher Speerspitzen gegen Russland zu unterstellen, halte ich für arg weit her geholt. Evtl. kennen Sie im Gegensatz zu mir mehr von dem Autor und haben daher dieses Bild gewonnen - aus den hier lediglich vorliegenden Zeilen halte ich ihr Urteil für überzogen.

Und jetzt ganz allgemein:

Ein positives "Narrativ" können wir Deutsche regelmäßig aus den tiefen Quellen unseres literarischen und kulturellen Erbes herleiten. Wenn es um die Fragen der Geschichte als "Willen zur Existenz" geht, dann sind wir Deutsche eigentlich schon seit längerem einen Schritt weiter. Die Lektüre der zweiten "Unzeitgemäßen Betrachtung" von Friedrich Nietzsche hilft in diesem Zusammenhang sehr.

Roman
27. April 2015 14:01

Der Beitrag macht den Fehler Deutschlands Moral durch schiefe Vergleiche bezüglich der Gräueltaten zu retten. Dabei zeigt er zudem größere Wissenslücken und argumentiert dann auf diesen Löchern aufbauend. So ist die Besatzung Griechenlands nicht mild gewesen und Griechenland kommt nicht erst jetzt mit den Forderungen. Die Forderungen wurden auch schon vorher immer wieder vorgebracht. Griechenland bekam aber nichts, da es eben nicht den Krieg gegen Deutschland gewonnen hatte und die Großen keine Interesse zeigten das kleine Land an der Beute zu beteiligen.

Ich würde auch stark daran zweifeln, dass Deutschland irgendwelche Reparationen zahlen wird. Geld wird nach (besser gesagt über) Athen zwar fließen, aber aus anderen Erwägungen heraus. Diese haben mit Ängsten um den eigenen Wohlstand und den Machterhalt tun.

Das Weinerliche in der Geschichtspolitik führte zumindest bis jetzt nicht zu größeren Selbstlosigkeiten in der Außenpolitik. Viel mehr gleicht dieser Identitätsfindung in der Schuld, dem klassischen Borderlinesyndrom. Man gibt sich täglich ein paar Einschnitte, um der Welt zu zeigen wie sehr man doch an dem eigenen Sein leidet. Diese blutenden "Wunden" hält man dann den eigenen Bürgern und den Nachbarn so nahe ins Gesicht wie nur irgendwie möglich. Auch eine Art des moralischen Triumphs aus der Vernichtung heraus, könnte man sagen.

Selbstschädigend ist das Ganze freilich dennoch, besonders vor dem Hintergrund der Borderlineridee von der Zuwanderungsgesellschaft. Das Identitätsangebot der Rasierklinge am Unterarm ist gelinde gesagt nicht einladend.

CCCED
27. April 2015 14:43

Die revisionistischen Thesen dieses Artikels gehen nach meiner Auffassung überwiegend in die richtige Richtung.

Er ist aus einer US-amerikanischen Perspektive geschrieben. Der Autor möchte Deutschland ermutigen, sich gegen Übergriffe u.a. aus russischer und griechischer Richtung zu erwehren.

Uns wird nun erlaubt, uns selbst psychologisch wieder aufzurichten und uns einem positiven Selbstbild zuzuwenden.

Mit Verlaub, das schmeckt mir so nicht. Wer hat uns denn diese Psycho-Suppe eingebrockt? Ich habe meinen Stefan Scheil bzw. Caspar von Schrenk-Notzing gelesen und weiß, welchem Staat ich diese Malaise zu verdanken habe. Ich weiss auch, weshalb die XXGIDA's im Osten überwiegen. Die Gehirnwäsche der Russen war nicht so porentief wie die der US-Amerikaner.

Warum fordert der Autor nicht zunächst den Abzug der amerikanischen Truppen aus meinem Land? Wenn er wirklich für Deutschland etwas Gutes tun will: er gehe hin und entlasse Deutschland in Freiheit.

Deutschland könnte gute Beziehungen zu den USA wahren, aber durchaus auch gute Beziehungen zu Russland wieder aufbauen. Da scheint mir allerdings der Hase im Pfeffer zu liegen.

Einzelkämpfer
27. April 2015 14:44

Liddell hat mit allem Recht bis auf die ausgedrückte Hoffnung, Deutschland möge die unverschämten griechischen Reparationsforderungen zum Anlass nehmen, um sich von diesem anfänglich oktroyierten inzwischen aber selbst gepflegten, destruktiven Schuldkult befreien.
Das kann nur schreiben, wer nicht in Deutschland lebt und somit bloß erahnen kann, wie tiefgreifend diese Schuldmentalität tagtäglich institutionsübergreifend gefördert wird. Auch den massiven Repressionsapparat für abweichende Meinungen in Deutschland (soziale Isolation & öffentliche Ächtung, Denunziantentum, Jobverlust und damit einhergehende ökonomische Nöte, zweierlei Maß vor Gericht, Einschüchterung, Sachbeschädigung des eigenen Autos oder Hauses sowie tätliche Gewaltausübung durch die Rote SA/Antifa vor allem in Großstädten) kann ein Amerikaner wohl nur schwerlich ganz erfassen und was er für den einzelnen bedeutet.
Die etablierte Politik und deren gelenkte Massenmedien werden noch auf Jahrzehnte hinaus, Flagellantentum „im Namen des Volkes“ betreiben, um sich selbst moralisch zu erhöhen und eigennützige Ziele zu erreichen. Der Austausch des Staatsvolkes ist ohnehin in vollem Gange durch gezielte schrankenlose Masseneinwanderung über den Missbrauch der Asylgesetze. Daran wird auch Pegida oder die AfD (wenn sich letztere überhaupt zu einer rechtskonservativen Partei entwickeln sollte) nichts ändern können, da sich die Mehrheit des vergreisten Staatsvolkes willfährig weiter geistig umnachten lässt. Mehrheiten, um auf demokratischem Wege tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen sind noch lange nicht in Sicht und wird durch die demographische Bombe sowie die Verschleuderung deutscher Pässe wohl utopisch bleiben.
Sicher tut es der rechtskonservativen Seele wohl, Lidells Ausführungen zu lesen, doch die Lage in Deutschland ist und bleibt absolut desaströs!

Karl Eduard
27. April 2015 15:26

Sehr spassig, diese Idee von der moralischen Wiederbewaffnung. Welche Regierung stellt sich dann hin und ruft: "Römer, Bürger, Landsleute, jahrzehntelang seid Ihr belogen worden. Vergesst alles, was man Euch lehrte, es war genau andersherum." Kann sich das jemand vorstellen? Mit viel Phantasie vielleicht.

Chrustschow hat mit Stalin abgerechnet, seine Verbrechen geschildert, den Personenkult angegriffen. Das konnte er aber nur weil die sowjetischen Medien der Partei unterstellt waren. Hier würden die Think - Tank - Medien die ersten Verkünder in der Luft zerreißen.

Pommes
27. April 2015 15:28

Wir heutigen Deutschen sind zur schlechtesten aller Zeiten zur Welt gekommen, da besteht überhaupt kein Zweifel. Der eingeimpfte deutsche Selbsthass sucht in der Geschichte seines gleichen. Dieses Video ist paradigmatisch für diesen Wahnsinn:

https://www.youtube.com/watch?v=oly0znBSsJI

Obwohl es sich hierbei um ein vollkommen unpolitisches, heiteres Video handelt ist die Kommentarspalte randvoll mit Nazi-Vorwürfen. Der Anblick fröhlicher deutscher Kultur ist für einige einfach derart unerträglich, dass sie nicht anders können als in Hysterie zu verfallen und Gift und Galle zu spucken. Wir müssen endlich begreifen, dass es sich bei der modernen Linken vornehmlich um einen pathologischen Wahnzustand handelt und keine politische Ausrichtung der man irgendwie auf Augenhöhe begegnen könnte. Es sind Verrückte.

Yvonne
27. April 2015 15:38

Bis auf den vielleicht etwas einseitigen Blick auf Putin ist es ein sehr guter und (für neurechte Verhältnisse) mutiger Artikel, geeignet auch für in dieser Hinsicht etwas Unbedarfte, so nach dem Motto: seht mal, was die da drüben über uns schreiben!
Sehr angenehm ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier der leichte Revisionismus vorgebracht wird.

@ Roman: Es ist absolut plausibel anzunehmen, dass es ohne den Krieg die Massentötungen in der Form nicht gegeben hätte. Das Argument mit der verlorenen Arbeitskraft zählt nicht, es heißt ja, es wurde vorsortiert.

Nemo Obligatur
27. April 2015 16:26

Ich bin mir nicht sicher, ob die Sezession gut beraten war, diesen Text ins Netz zu stellen. Schon der überpolemische Tonfall ("... lauwarme Jauchegrube voller Weltkriegstriumphalismus...") lässt ja verrmuten, dass der Autor selbst nicht wollte, dass man ihn zum vollen Nennwert liest. Auch ist mir der Zweck der Abhandlung unklar. Eines steht jedenfalls fest: Den Holocaust kann Deutschland nicht vergessen machen. Die Bilder der Leichenberge, die Berichte der Überlebenden, sie sprechen eine eindeutige Sprache. Man wird wohl außerhalb eines ganz schmalen Saums auf der äußersten Rechten nicht viel Zustimmung zu der These bekommen, "daß die Massentötungen unter nationalsozialistischer Herrschaft unter dem Druck des größten und schrecklichsten Krieges aller Zeiten geschahen...". Ich hätte jedenfalls vom Autor gerne einmal genau erklärt, welcher Druck es genau nötig machte, Alte, Frauen und Kinder zu ermorden. Nein, so geht es nicht. Für den Holocaust sind keine mildernden Umstände denkbar.

Zu den anderen Thesen: Griechenlands Forderungen nach Reperationen sind doch wohl eher ein außenpolitischer Verzweiflungsakt in einer fiskalisch aussichtslosen Situation. Selbst wenn es den 2. Weltkrieg nie gegeben hätte, wäre der Regierung in Athen irgendwas verrücktes eingefallen (vielleicht eine Lizenabgabe für 2500 Jahre Pythagoras?). Oder die Rolle Russlands: Auch so ein Rohrkrepierer. Putin mag sich jetzt für zwei Wochen als legitimer Nachfahre der Befreier Osteuropas feiern lassen (oder selbst feiern). Danach kommt wieder der außenpolitische Alltag. Ich denke, niemand in Europa, angefangen in Polen und im Baltikum, macht sich Illusionen über den Charakter Putins und des heutigen Russlands. Eine Rendite aus dem 2. Weltkrieg für Russland sehe ich da jedenfalls nicht. Man kann auch nicht erkennen, dass Merkels Politik gegenüber Russland sonderlich vom Thema 2. Weltkrieg beeinflusst wäre. Aber ich muss auch sagen, die Dinge in der Ukraine sind so kompliziert, dass ich es aufgegeben habe, sie zu verstehen. Ich hoffe nur, dass hier nicht bald in Funke nach Europa überspringt. Aber das ist schon wieder ein ganze anderes Thema...

Um es abzuschließen: Ja, Deutschland muss zukunftsfähig werden und sich auf sich selbst besinnen. Da könnte etwas mehr Selbstbewusstsein nicht schaden. Aber wer den Thesen Lidells folgt, der wird den Weg in den Abgrund nur noch beschleunigen, indem er destruktive Kräfte befördert - innerhalb wie außerhalb Deutschlands.

Meier Pirmin
27. April 2015 16:38

"Roman"s Ausführungen über den militärisch absurden Hintergrund der Massentötungen, die nach Sebastian Haffner bei Hitler/Himmler und anderen ein zusätzliches und höchst bedeutsames Motiv darstellten, die absehbare Niederlage so lange wie möglich hinauszuzögern wie auch die Feststellung, dass die Besetzung Griechenlands alles andere als "milde" war, sind eine wichtige Ergänzung zu den sonst bedenkenswerten und glaubwürdigen Erörterungen von Colin Liddell, zumal das sogenannte Narrativ betreffend. Ich gestatte mir, betr. Griechenland den zeitgenössischen Bericht eines Schweizer Beobachters vom Internationalen Roten Kreuz, im Hauptberuf Rektor eines Mädchengymnasiums, hier anzufügen. Es ging dem Zeugen keineswegs um eine Verteidigung der deutschen Besatzer, aber er wollte auch betr. die Greuel der Gegenseite objektiv bleiben:

"In Griechenland lagen die Dinge so: Der deutsche Angriff war so rasch über das Land hinweg gefegt, dass er nur geringe Verwüstungen anrichtete. Erst die Partisanentätigkeit hat es fertig gebracht, dass schliesslich 2000 Ortschaften - meist nicht im Kampf, sondern als Vergeltungsmassnahmen - in Trümmer sanken, unzählbares Hab und Gut der Civilbevölkerung verloren ging und auch viele wehrlose Menschen getötet wurden - und dabei darf man ruhig sagen, dass die Befreiung Griechenlands durch die Partisanen nicht um 24 Stunden früher herbeigeführt wurde als sie aus grösseren Zusammenhängen sowieso herauswuchs. Eine Widerstandsbewegung gegen eine occupierende Macht hat meines Erachtes nur dann Berechtigung, wenn sie mit einer alliierten Feldarmee zusammen arbeiten kann, d.h. den an der Front voll engagierten Feind im Rückwärtigen bedroht." Der Schweizer IKRK-Mann hebt hervor, dass "sich an jede Widerstandsbewegung verbrecherische Elemente" anschliessen würden. Er habe in Griechenland "die Erfahrung gemacht", dass überall dort, wo Partisanen auftauchten, "dem Roten Kreuz jede Lebensmittelhilfe an die bedürftige Bevölkerung untersagt worden"sei. Ein Arzt aus der Gegend von Delphi, der mit dem Internationalen Roten Kreuz kooperierte, sei "schliesslich von Widerstandsleuten umgebracht worden." Dieser Text von Rektor K.S. aus Aarau ist in Deutschland noch nie veröffentlicht worden. Die Ausführungen stehen lediglich in einer Schulchronik mit Hinweis darauf, dass dieser Pädagoge und hohe Milizoffizier wegen seiner Mission in Griechenland für längere Zeit (1943/44) zu Hause in der Schweiz nicht unterrichten konnte.

donna_alta
27. April 2015 16:46

Es ist wohl desaströs, daß dieser Druck des nationalsozialistischen Erbes immer noch - vielfach mißbraucht - auf der Seele eines jeden Deutschen liegt. Das schmerzt sehr und wenn ich durch die Fußgängerpassage der Stadt gehe, in der ich arbeite, und in die Gesichter der Menschen schaue, frage ich mich nicht selten: Lohnt sich das überhaupt noch oder ist dieses Volk längst verloren?

Aber ich habe gelernt, daß ganz einfache Fragen nicht selten eine große Wirkung zeigen, auch wenn es lange dauern mag und schon längst zu spät sein kann. Vielleicht ist das aber unsere Aufgabe, sie im richtigen Moment zu stellen. So passiert in einer Diskussion vor einiger Zeit. Ich kann mich gar nicht genau erinnern, worum es ging. Nur, daß an irgendeinem Punkt mein Gesprächspartner meinte, daß wir das eben aushalten müssten, weil wir ja das Hitler-Erbe trügen. "Nein ich widerspreche dir, ich trage das Hitler-Erbe nicht. Wieso sollte ich? Du etwa, und wenn ja, warum?" Als ich die Wirkung dieser Fragen spürte - nämlich gar keine Erwiderung, kein Nachfragen, sondern ausschließliches Erstaunen, musste ich nicht einmal meine Antwort formulieren, die ich schon zurecht gelegt hatte: "Weil ich fast 20 Jahre danach erst geboren wurde und mein Leben und unser Thema einfach damit nichts zu tun hat."
Seither ist zwischen uns irgendwie ein Damm gebrochen und wir können viel offener über unser Deutschsein streiten, auch über das Gefühl, ohne Last, stolz darauf zu sein. Ich habe zumindest das Gefühl, daß da eine Art von echter Befreiung passiert ist, zumindest ein kleines Stückchen.

Ich las hier, daß es den Russen (in der DDR) wohl nicht so grundsätzlich gelungen sei, wie den Amerikanern (in der BRD), den Schuldkult in die Köpfe der Menschen zu implementieren. Oh, da wär' ich vorsichtig, auch wenn ich es ja selbst nicht erlebt habe, wie das den Amerikanern angeblich besser gelungen ist. Ich kann mich nur erinnern, wie sehr die "DDR-Deutschen" von dieser "antifaschistischen" Indoktrination von allen Seiten zunehmend angewidert waren und daß sich gerade im stillen Widerstand dagegen ein Stolz auf das Deutschsein erhalten hat, der vielleicht heute - wenngleich wieder vielfach unterdrückt - noch schlummert.

Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, denn irgendwann hat es ja auch bei mir selbst so angefangen ;-)

Irrlicht
27. April 2015 16:55

Der Artikel offenbart schon im Titel seine amerikanische Herkunft, und zwar insofern, als dass Geschichte primär als Moralgeschichte begriffen wird. Dabei ist die Aufforderung, Deutschland möge die zum Ritual erstarrte Gedenk- und Entschuldigungskultur beenden, eher naiv . Die Aufrechterhaltung oktroyierter historischer Narrative lässt sich nicht erklären, ohne auf eine im Hintergrund wirkende hard power, die diese Narrative zu ihrer politischen Theologie zählt, zu rekurrieren. Auch wenn die vier Mächte 1990 mit dem 2+4-Vertrag formal ihre Besatzungsrechte aufgaben, die USA ließen seit 1945 keinen Zweifel an ihrem Interesse an einer langfristigen Kontrolle Deutschlands. Noch 1990 äußerte der US-Außenminister Baker gegenüber Garbatschow, die NATO-Mitgliedschaft und die amerikanische Truppenpräsenz würden dem Westen und insbesondere der USA eine gewisse Kontrolle über die deutsche Innen- und Außenpolitik geben, während ein neutrales Deutschland, ursprünglich von Garbatschow favorisiert, für seine eigene Sicherheit verantwortlich wäre, möglicherweise mit eigenen Atomwaffen. Es ist das zentrale Argument, das Gorbatschow nach eigenem Bekunden bewog, der NATO-Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschlands zuzustimmen.

@Roman
Schon etwas von Erklärungsansätzen wie dem der "situativen Radikalisierung" (Martin Broszat) gehört?

Waldgänger
27. April 2015 17:07

Ausgezeichneter Artikel!

Mir ist besonders diese Passage aufgefallen:

Während des Kalten Krieges waren die Westmächte darauf angewiesen, den guten Willen der Deutschen anzuregen und die NATO zu stärken, weshalb sie sich bemühten, das Privileg nicht zu überstrapazieren.

Der Unterschied zwischen - sagen wir mal - 1975 und 2015 ist ja dramatisch.
Gaben sich die USA und der Westen damals noch gewisse Mühe, den ökonomisch erstarkten westdeutschen Staat als Partner zu behandeln (um seine Ressourcen im Kalten Krieg zu nutzen !), so hat das Zeigen oder Vorspielen von Partnerschaft ja mittlerweile völlig aufgehört.
Stattdessen offene Ausbeutung und Einfordern von Vasallengefolgschaft.

Das heutige politische Personal Deutschlands hat diesen Wechsel entweder nicht recht verstanden und ist vom neuen Zustand intellektuell überfordert - oder unterstützt ihn zynisch-korrupt sogar.

L.
27. April 2015 17:42

@Yvonne

@ Roman: Es ist absolut plausibel anzunehmen, dass es ohne den Krieg die Massentötungen in der Form nicht gegeben hätte. Das Argument mit der verlorenen Arbeitskraft zählt nicht, es heißt ja, es wurde vorsortiert

. Es ist ein bißchen unsinnig sich hier den Kopf der Nazis zu zerbrechen. Die haben tüchtige und völlig unschuldige Menschen (darunter viele Deutsche) aus ihrer Heimat vertrieben und die Ideologie verlangte deren vollständige Ausrottung. Ob man das nun wegen des Kriegs vorgezogen hat oder nicht ist dabei völlig zweitrangig. Insofern ist Ihre Annahme völlig unplausibel.
Wir können den westlichen Allierten sogar dankbar dafür sein, daß sie uns von diesem Irrweg befreit haben und ihn auch überdeutlich als Irrweg markiert haben.
Den vom Autor dargelegten Masochismus haben die Weltkriegssieger allerdings nicht zu verantworten. Er ist in der deutschen Seele (besser: in der Seele der Deutschen) zu suchen. Deutsche sind tatsächlich Menschen, die eine Sache um ihrer selbst willen auf die Spitzen treiben. Damit haben unsere "Erzieher" nicht gerechnet und es ist ihnen auch nicht vorzuwerfen.
Was tun?
Wir haben uns schon einmal von einem Irrweg befreit und müssen es jetzt wieder tun. Es wird wieder genau so blutig werden und die härtesten linken Masochisten werden sich an den Laternen wiederfinden. Es ist unangenehm, streckenweise widerlich und insgesamt ästhetisch sehr mangelhaft aber an einer reinigenden Bartholomäusnacht führt kein Weg vorbei.

Es ist nur die Frage ob wir noch rechtzeitig die Kraft dafür finden. Worte sind nun genug gewechselt worden.

Alexander
27. April 2015 18:06

donna_alta:

Das schmerzt sehr und wenn ich durch die Fußgängerpassage der Stadt gehe, in der ich arbeite, und in die Gesichter der Menschen schaue, frage ich mich nicht selten: Lohnt sich das überhaupt noch oder ist dieses Volk längst verloren?

Die Frage läßt sich leicht beantworten, wenn man bedenkt, daß das dieses Volk ja nicht nur die heute lebenden Deutschen sind, sondern auch die toten und ungeborenen.

Roman
27. April 2015 18:33

Die situative Radikalisierung kann auf Teilaspekte angewendet werden, so den Partisanenkrieg. Dieser unterschied sich im Grunde genommen nicht von dem in früheren und späteren Konflikten auch geschah. Die Vernichtungslager sind aber ideologisch angelegt gewesen. Die Scheidelinie zu Stalin ist hier, dass die Vernichtung bestimmter Ethnien Selbstzweck gewesen ist, dem man auch Kriegsnotwendigkeiten unterordnete. Was die Bolschewiken nicht sympathischer macht.

Wie dem auch sei, ist das Spiel der Aufrechnung an Verbrechen für Deutschland hier nicht zu gewinnen. Der Ausgangspunkt der Ablehnung von Reparationszahlungen ist ebenfalls fruchtlos. Die Bundesrepublik hat unabhängig von ihren Einstellungen zur Kriegsschuld sich ziemlich erfolgreich gegen Ansprüche der Kleinen wehren können. Der Schuldkult ist nur interessant solange er Arbeitsplätze bringt. Man wird in dem Zusammenhang höchstens nochmals ein paar Millionen für ein Projekt gegen Faschismus in Griechenland sponsern, um so Beschäftigungsmaßnahmen für ein paar Linke zu schaffen. Man kann der Bundesrepublik viel vorwerfen, aber auf das Geld hat man in der Außenpolitik stets geachtet.

Griechenland hat man auch nicht wegen des zweiten Weltkrieges "gerettet". Unter den Gläubigern waren einfach viele deutsche Privatinstitute vertreten, deren Risiken man übernahm. Seit dem setzt man Athen kräftig unter Druck und wenn man doch zahlen wird, so auch wieder im vermeintlichen Selbstinteresse und aus ideologischen Gründen. Die Ideologie bedient sich zwar des zweiten Weltkrieges als Hilfsargument, aber nur weil es so einfacher ist.

Und wenn man ehrlich ist, so hat die deutsche Identität den zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Da einen Ausgangspunkt zu suchen ist sinnlos. Für einen Opfermythos taugt er nicht. Man hat ganz archaisch für die eigene Barbarei eins auf die Nase bekommen. Ein Sieg hätte alle Verbrechen wie im Falle der Russen überschrieben und hätte dem Ganzen nachträglich einen wenn auch verdrehten Sinn gegeben. Aber man hat eben nicht gewonnen. Theoretisch wäre ein Sprung über die zwölf Jahre in noch frühere Zeiten hinweg denkbar. Aber daran glaube ich auch wieder nicht. Dazu ist man zu müde und auch nicht wirklich an solchen Projekt interessiert. Es gilt das ewige Morgen einer Weltrepublik auf dem Gebiet der Bundesrepublik durch den Import der ganzen Welt. Dafür wird die autochthone Bevölkerung natürlich einen Preis bezahlen. Das neue Bevölkerungsgemisch wird dann eine neue Identität auf die Beine stellen. Wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte. Was natürlich nicht ausschliesst, dass sich später völlig fremde Völker sich auf das deutsche Erbe berufen werden. Siehe die slawischen Mazedonier mit ihren ulkigen Anknüpfungen an Alexander.

Marcus Junge
27. April 2015 18:58

"hin zu einem Paralleluniversum, in dem Stalin tatsächlich der good guy war."

Direkt in einer Reihe stehend mit Roosevelt, Chamberlain / Churchill, Daladier und Mościcki, sonst ist die Parallelwelt nicht vollständig.

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"während unsere „edlen“ russischen Alliierten es fertiggebracht haben, Millionen Unschuldiger nicht etwa im Chaos von Krieg oder Revolution, sondern mitten im Frieden umzubringen."

So wie die Engländer in Bangladesch, die 3 Millionen Hungertoten, obwohl da weit und breit nicht gekämpft wurde oder die 9 bis 11 Million toten Deutschen nach dem Ende der Kämpfe, wenn auch unter den Bedingungen des zerstörten Landes, so doch in der Hand und Verantwortung der Sieger, 1945 - 1948.

-----------
"Der Krieg war total gewesen, so war nun auch die Niederlage. Deshalb mußte auch die Kapitulation eine totale sein."

Der unbedarfte Leser mag hier den Fehler nicht erkennen. Der totale Krieg wurde zuerst von den USA verkündet, Goebbels zog im Sportpalast nur nach. Auch waren es die westlichen Mächte, welche von Beginn an auf totalen Sieg setzten, 170 Friedensgesuche aus Deutschland sprechen eine deutliche Sprache, Nr. 1 am 03.09.1939.

Daher ist die richtige Reihenfolge zuerst die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und dann Erklärung des totalen Krieges.

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"Widerstand gegen den Mythos vom absoluten Bösen Deutschland hätte die Besatzung nur verlängert und vertieft und den Nachkriegsboom des Landes gefährdet."

Dafür aber die ungeheuerlichen Spätfolgen verhindert, den enormen Dachschaden der Masse der Deutschen, ihren Wunsch als Volk und Land zu vergehen.

----------
"So steht nicht nur Deutschland schwach da, sondern auch Europa, denn Deutschland bildet das Herz des Kontinents und ist sein wichtigstes Land."

Was zu 100% das erklärte Kriegsziel der Engländer war, 1914 und 1939.

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"daß China sich weitaus intensiver mit den zehntausenden Opfern der japanischen Eroberung von Nanking beschäftigt, als mit den zig Millionen Toten unter der kommunistischen Herrschaft selbst"

Unter 100.000 vs. 50 bis 100 Millionen.

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"Gleiches sehen wir in Putins Rußland, das seine stalinistische Vergangenheit ebenso feiert"

Was stören schon:
- 50 bis 70 Millionen Opfer Stalins
- Das von den 21 bis 29 Millionen Kriegsopfern der Sowjetunion, nur 30 bis 50% überhaupt im deutschen Machtbereich verstarben
- Der Gulag nie besser bestückt war, als von 1941 bis 1945
- Das eine 2. Rote Armee in der Sowjetunion tätig war, um Stalin an der Macht zu halten, während die 1. Rote Armee an der Front verheizt wurde, von Schlächter in Marschalluniform?

---------
Aber wehe man schreibt / sagt als Deutscher die Wahrheit, dann kann man glatt den Eindruck gewinnen, die alliierten Sonderrechte gelten alle weiter und werden gnadenlos vollzogen.

----------
Bester Artikel zum Thema, dem grassierenden Irrsinn (Unfähigkeit & Unwillen historische Ereignisse vom Beginn, nicht vom Ende her, zu erfassen und mit den Maßstäben ihrer Zeit zu messen), der schon jetzt in den üblichen Sendern ständig läuft. Gestern war ja wieder Hindenburg "Der Mann der Hitler an die Macht verhalf" dran. Mit so viel "Qualität", daß im 15. Jahrhundert "Preußen" und Polen bei Tannenberg kämpften, sagte mir die englische Stimme mit der deutschen Synchronübersetzung.

Irrlicht
27. April 2015 19:08

@Roman
Sie können nicht erwarten, dass sich das Thema hier wirklich diskutieren läßt. Deshalb nur ohne Wertung die Erläuterung des Begriffs der "situativen Radikalisierung" als Zitat aus Michael Kißener, Das Dritte Reich, S. 34. Das Buch aus der Reihe "Kontroversen um die Geschichte" der WBG läßt sich u.a. wegen der Herausgeberschaft als Darstellung der Ansichten der an deutschen Unis lehrenden Historiker auffassen:

"Auch Martin Broszat war vor Mommsen bereits davon ausgegangen, 'dass die physische Liquidierung der Juden nicht durch einen einmaligen Akt der Entscheidung, vielmehr stück- und schubweise in Gang gesetzt' worden war. [...] Seiner Analyse zufolge war sie allerdings in erster Linie das Ergebnis von Zusagen an Gauleiter und Generalgouverneur, deren Gebiete durch durch Deportation 'judenrein' zu machen. Doch diese Versprechen ließen sich in der zugespitzten Kriegssituation des Sommers 1941 nicht mehr halten und verlangten nach einer anderen Lösung. 'Die Judenvernichtung entstand, so scheint es, nicht nur aus vorgegebenem Vernichtungswillen, sondern auch als 'Ausweg' aus einer Sackgasse, in die man sich selbst manövriert hatte. Einmal begonnen und institutionalisiert, erhielt die Liquidierungspraxis jedoch dominierendes Gewicht und führte schließlich faktisch zu einem umfassenden 'Programm'"

Yvonne
27. April 2015 19:17

Man hat ganz archaisch für die eigene Barbarei eins auf die Nase bekommen.

Wir haben also eins auf die Nase bekommen. Na dann ist ja alles schön, ist doch gerecht, muss man sich nicht wundern. Und dann kriegen wir eben eine neue Identität. Ja warum auch nicht? Öfter mal was Neues. Shit happens. Gibt´s hier eigentlich überhaupt ein Problem für Sie?

CCCED
27. April 2015 19:29

Roman:

Ich habe Vorfahren die in den Kriegen 1914 bis 1945 als Soldaten für Deutschland gekämpft haben, manche sind auch gefallen.

Im Gegensatz zu Ihnen denke ich nicht, dass meine Vorfahren einem Irrtum aufgesessen sind und sinnlos gestorben sind. Sie haben für ihre Identität gekämpft, die auch die meine ist. Eben die Identität, die Sie, Roman, mit der Niederlage im zweiten Weltkrieg für verloren erklären.

Ich akzeptiere nicht den Verlust meiner Identität mit dem simplen Hinweis auf die Barbareien des zweiten Weltkrieges. Die Eskalation und die Barbareien begannen in ihrer Enthemmung im Jahr 1941, als klar war, dass die Gegner Deutschlands einem Verhandlungsfrieden nicht zustimmen würden und die bedingungslose Kapitulation anstrebten.

Für mich liegt der Sinn, auch hier im Gegensatz zu Ihnen, im Festhalten an der Identität als Deutscher. Ich erkenne nicht an, dass Deutschland zu einer beliebigen internationalen Verwaltungszone wird.

Eckhart
27. April 2015 19:36

@Hajo Blaschke

Sicher, das hätte man auch literarisch anspruchsvoller formulieren können... :o)

Sie haben es aber durchaus auf den Punkt gebracht. Ich nenne es die US-neo-con-Strategie der "Maidanisierung", die uns bei unserem Nationalbewußtsein packen will. Deutschland soll, wie bereits die Ukraine, geopolitisch in Stellung gebracht werden gegen das (aus westl. Sicht) widerständige Russland Putins.

Für den nicht verblendeten Betrachter, der tieferen Einblick in die Zusammenhänge sucht, tut sich hier ein "Höllenschlund" auf, über dem die Forderung Dantes zu lesen ist: "Hier mußt du allen Zweifelmut ertöten, hier ziemt sich keine Zagheit fürderhin!"

Die für den Kiewer Putsch u.a. von zionistischen Kreisen finanzierten und intrumentalisierten "Nazis" haben - bei näherem Hinsehen - eher etwas mit nationalem Chauvinismus und Revanchismus als mit dem historischen deutschen Nationalsozialismus gemein; abgesehen vielleicht davon, daß sie sich so schön mit tatsächlichen oder angeblichen Greueltaten in Verbindung bringen lassen.

Das erinnert etwas an die seinerzeit von einem gewissen Mr. Cohen, unter falschem Namen in den USA gegründete "Nazi"-Partei, die immer wieder mit ihren abstoßenden und lächerlichen Aufmärschen auffällt. So nach dem Motto:"Schaut, da sind sie wieder, die Feinde der Menschheit!"

Und bei uns? Wer - in den aufrichtig bemühten rechten Parteien - war und ist nicht immer wieder aufs Neue entsetzt über abstoßendes "publikumswirksames" Auftreten und Äußerungen unappetitlicher Szene - Gestalten? Heute wissen wir, daß über die Hälfte der dort tätigen Aktivisten VS-Mitarbeiter waren und sind, die genau dafür bezahlt werden. Gezielt vom System eingesetzt, um eine natürliche Identifikation der Jugend mit dem "Eigenen" und eine objektive Beschäftigung mit unserer jüngeren Geschichte unter allen Umständen zu verhindern. Stattdessen dienen sie als Buhmänner zur Warnung vor den ewig bösen "Nazis", hier wie dort.

Und Wladimir Putin? Das Lieblingshassobjekt der entmachteten und z.T. nach Israel geflohenen "russischen" Oligarchen und ihrer mafiösen internationalen Netzwerke ist für sie ein "neuer Hitler", der es gewagt hat seine Hand gegen die "auserwählten" zu erheben. Wohl wahr...

Leider kaum beachtet, hat Putin die (ungeklärte) Kriegsschuldfrage mehrfach angesprochen. Diese einmalige historische Chance hat kein deutscher Politiker aufgegriffen, im Gegenteil, auch hier hat man auf die ausgetreckte Hand Putins gespuckt. Muß man sich jetzt wundern?

Der Link enthält sehr aufschlußreiche Äußerungen zur Bedeutung Deutschlands und Russlands aus US-geopolitischer Sicht:

https://www.youtube.com/watch?v=oaL5wCY99l8

Andreas Walter
27. April 2015 19:43

Wobei doch auch das "Schnodderverbot" selbst wenn dieses trefflich wäre nur wie der immer wieder etwas bemühte Versuch wirkt, Herr Kubitschek, dass eigentliche Übel wenigstens in schöne und erlesene Worte packen zu wollen.

Als ehemaliger Soldat sollten Sie jedoch wissen, dass auch die schönste Uniform und selbst die reinste Weste nun mal nicht mehr sauber bleibt, sauber bleiben kann, wenn es zum Kampf kommt, es "zur Sache" geht.

Ausser vielleicht bei den Offizieren, den Aristokraten des Schlachtfelds.

Oder bei den Henkels und Luckes, aber eben auch alle anderen Vertreter der etablierten Parteien, die keinen echten Kontakt mit den Schmuddelkindern der Basis, der breiten Masse, des gemeinen Volkes, mit dem weniger raffinierten Pöbel der Unter- und Mittelschicht wünschen, die sie jedoch tragen sollen.

Das ist wie Ärzte, die ihre Krankenschwestern die Kotze wegmachen lassen oder viktorianischer Sex, wie Baden gehen in Burka oder Sport treiben ohne schwitzen zu wollen.

So betrachtet muss man Männer wie Ilja Ehrenburg ja beinahe schon wieder bewundern, obwohl er selbst glaube ich auch nicht zur Waffe gegriffen hat.

Hetzen verboten lautet ja darum auch die vor allem "uns" mahnende Devise in Deutschland, juristisch abgesegnet und vom korrupten und unterwanderten Verfassungsschutz wie auch BND unterstützt. Die Bild und nicht nur die von der CIA gegründet und unterstützt, was werden wir uns eigentlich noch so alles im nächster Zeit geduldig und mit ungetrübter, eingeübter, erzwungener Contenance anhören?

War und ist also die AfD und PEGIDA nur eine Einstimmung? Nein, nicht für die "neue Rechte". Vor allem Eine für die alten "Linken", damit auch die jetzt schon mal ein wenig vorbereitet sind auf die ganzen Enthüllungen, die ihren Traum von Deutschland ja jetzt auch wegfegen werden wie der Nordwind den Garten verwüstet. Vielleicht war ja tatsächlich einigen bis PEGIDA und AfD noch nicht bewusst, was sich hier in Deutschland wirklich abspielt, waren deswegen viele Reaktionen so vehement und zutiefst verunsichert bei denen die bisher geglaubt haben, sie wären seit 1945 frei, befreit worden von allem Übel der Welt.

Michael Schlenger
27. April 2015 19:51

@Roman:
Ihre folgenden Thesen gehören aus meiner Sicht zum Illusionslosesten und zugleich Bedenkenswertesten, was ich in letzter Zeit auf diesen Seiten gelesen habe:

„Es gilt das ewige Morgen einer Weltrepublik auf dem Gebiet der Bundesrepublik durch den Import der ganzen Welt. Dafür wird die autochthone Bevölkerung natürlich einen Preis bezahlen. Das neue Bevölkerungsgemisch wird dann eine neue Identität auf die Beine stellen. Wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte. Was natürlich nicht ausschließt, dass sich später völlig fremde Völker sich auf das deutsche Erbe berufen werden.“

Die Idee oder besser: die ans Verzweifelte grenzende Hoffnung, dass der verbliebene Kern an Abkömmlingen vormaliger Reichsbewohner auf Dauer das Gesicht unseres Restdeutschlandes prägen wird, erscheint mir schon seit längerem kühn. Nicht nur der stete Strom an Zuzüglern aus in jeder Hinsicht fernen Weltgegenden lässt die Internationalisierung als eine bloße Frage der Zeit erscheinen. Es ist auch das Desinteresse weiter Teile der Autochthonen an so etwas wie einer kulturellen Identität, die über Karriere, Kindergeburtstag und Kreuzfahrt hinausgeht.

Die Träume von einer ethnisch und geistig definierten selbstbewussten deutschen Mehrheitsgesellschaft werden aus meiner Sicht durch die krasse Wirklichkeit in Fußgängerzonen, Schulen und multinational besetzten Unternehmen bereits heute täglich ad absurdum geführt.

Das Beste, was man sich wünschen und wozu jeder beitragen kann, besteht darin, das kulturelle Erbe unseres Volkes am Leben und fruchtbar zu halten, denn dieses ist im Zweifelsfall wertvoller als die Population, die es verwaltet. Mir ist bewusst, dass dieser Gedanke diejenigen erzürnt, die eine sich als Schicksalsgemeinschaft begreifende Gruppe bereits per se für erhaltenswert halten.

Ich mag falsch liegen, doch nach meiner Auffassung verpulvern insbesondere diejenigen ihre Kräfte, die eine politische Wende zum Besseren hierzulande für möglich halten. Dem liegt eine unrealistische Einschätzung der verschwindend geringen eigenen und kaum größeren noch zu gewinnenden Kräfte zugrunde. Das geradezu titanische AfD-Debakel, das dem Schiffbruch der Piratenpartei auf schon komische Weise ähnelt, sollte jedem eine Mahnung sein, der sich an diesem von überlegenen Kräften sorgfältig verminten Frontabschnitt einen Durchbruch erhofft.

Vielmehr gilt es, sich auf den Erhalt der eigentümlichen Sicht auf die Welt, des konservativen Werteverständnisses und der schöpferischen Energie zu konzentrieren, die sich im besten Sinne als typisch deutsch bewährt und als solche das Zeug dazu hat, auch dunkle Zeiten zu überdauern und künftig wieder Menschen zu entzünden und zu neuen Höhen zu führen. Ich meine, dass hier eher im Sinn der Vorbereitung auf eine Renaissance in ferner Zukunft denn auf eine geistige oder gar politische Revolution in Bälde zu denken ist.

Und selbstredend braucht’s dafür gewiss keine Nachhilfe aus Übersee...

Martin
27. April 2015 19:57

Liebe Diskutanten,

legt bitte nicht wirklich jedes Wort von Liddell derart auf die Goldwaage. Der Text ist bewusst "gegen den Strich" gebürstet, mit einem typisch amerikanischen Schuss "fishing for compliments" und Provokation - und da wurde nicht jedes Detail bis zum Ende geprüft und gedacht, da der Effekt erkennbar wichtiger war. Der Autor will motivieren, zum Nachdenken anregen und ganz offensichtlich kein Seminar in Geschichte halten (auch wenn er geschichtlich argumentiert). Für Deutsche als Rezipienten natürlich nicht ganz einfach, da nur das Große und Ganze zu sehen und einfach mal so ohne weiteres "Thumbs up" zu zeigen, gerade, wenn es um unsere Geschichte der letzten 100 Jahre geht (da trägt wohl jeder - da dürften wir uns einig sein - sein ganz persönliches familiäres Päckchen).

Meier Pirmin
27. April 2015 20:20

@Irrlicht. Mit situativer Radikalisierung ist bei @Roman wohl die innere Dynamik des Partisanenkriegs gemeint, der sich an keine herkömmlichen Regeln "anständiger" Kriegsführung hält. Hingegen scheint @Roman die Judenvernichtung, später in westlicher Sprachregelung mit dem US-Fernseh-Serienbegriff "Holocaust" oder mit der religiösen Sprachregelung "Shoa" bezeichnet, als einen systemimmanenten Vorsatz und Selbstzweck der Nationalsozialisten zu sehen, wofür eine Reihe programmatischer und rhetorischer Ausdrücke von A.H. sprechen. So wollte es ausgerechnet Sebastian Haffner nicht sehen, der auf englischer Seite als Kriegspublizist tätig war, später "Stern"-Kolumnist anstelle des allzu rechten US-freundlichen Publizisten William Sigmund Schlamm aus Wien. Nach Haffner war die Judenvernichtung in ihrem finalen Ausmass Folge der Perspektive betr. den unvermeidlichen eigenen Untergang, womit dann Hitler u. Co. nicht mehr rückgängig zu machende historische Tatsachen setzen wollten. Also eine Art gigantische Verzweiflungstat von Mördern und Selbstmördern. Wäre diese Theorie von Haffner richtig, hätte ein Sieg Hitlerdeutschlands im 2. Weltkrieg mutmasslich weniger jüdische Opfer gefordert als die Niederlage, wobei allerdings erst nach Haffners Tod die Zahl etwa der Auschwitzopfer offiziell von 4 Millionen auf unter 1,5 Millionen herabgesetzt wurde, welche Zahl dann noch mehrere Mal eher kleinlaut nach unten korrigiert wurde, was mit der Zeit ein Glaubwürdigkeitsdefizit produzierte.

Dabei darf man aber nicht vergessen, dass eine aus deutscher Sicht erfolgreichere und glücklichere Kriegsführung der Wehrmacht gegen die Sowjetunion den Krieg bloss um ein halbes Jahr verlängert hätte. Im Herbst 1945 wäre "dank" den amerikanischen Atombomben so oder so "Badeschluss" gewesen. Wegen der radioaktiven Verseuchung Europas hätte in diesem Fall auch die Schweiz als sogenannte Insel des Friedens ihren Anteil am Entsetzen abbekommen, mutmasslich sogar eine nachträgliche Siegermacht wie Frankreich. Diese Variante des Kriegsendes wäre für Osteuropa, dessen Schicksal Churchill mit der Hölle verglich, vielleicht glücklicher gewesen, umso schlimmer aber für den Westen des Kontinents.

Irrlicht
27. April 2015 20:46

@Meier Pirmin
Zum letzten Absatz und der etwas spekulativen Frage: Was wäre passiert, wenn...? Wenn "Unternehmen Barbarossa" planmäßig verlaufen wäre, hätten die Westalliierten nicht die Luftüberlegenheit (wesentlich für den Einsatz der Bombe) erlangt, der Nordatlantik wäre weiterhin für Waffenlieferungen blockiert, und das deutsche Atomprogramm, das, ich denke es war 1942, mit dem Argument, es würde zu spät, nämlich erst 1945, zu Ergebnissen führen, eingestellt wurde, wäre erfolgreich abgeschlossen wurden.

Meier Pirmin
27. April 2015 21:01

@Colin Liddell. Habe mich unterdessen über diesen Colin Liddell in seiner Netz-Präsenz etwas schlau gemacht. Seine Ausführungen zum Geburtstag des "Führers" am 20. April 2015 mit Bezugnahme auf Orwell vermochten nicht zu überzeugen. Die amerikanische Rechte, vom blödsinnigen McCarthy mal abgesehen, hat mich mit William Buckleys "National Review" und Goldwaters Büchern "Das Gewissen eines Konservativen" sowie "Warum nicht Sieg?" bis hin sogar zu Ronald Reagan noch einige Jahrzehnte lang - zur Zeit des Kalten Krieges - in einigen Gesichtspunkten überzeugt, trotz eines dualistischen Weltbildes, welches bei George W. Bush vollends ausartete. An Goldwater beindruckte mich am stärksten die Distanzierung vom religiösen Fundamentalismus in späten Jahren und ein gesunder Skeptizismus. Er war eines der wenigen anständigen Mitglieder der Republican Party, einschliesslich seiner beeindruckenden Worte über den Extremismus. Aus den Vereinigten Staaten bekomme ich regelmässig Mailpost von Sarah Palin, neuerdings mit Warnungen vor Hillary, die gut gemeint sind. Aber mit den Rechten aus den Vereinigten Staaten (zu denen Hillary als Goldwatergirl noch 1964 gehörte) ist im Moment wirklich kein Staat zu machen, wiewohl Liddell intellektuell vergleichsweise noch ansprechend ist und wider den Stachel zu löken weiss. Aber der Orientierungswert seiner Aussagen ist bei weitem kleiner als erhofft, im Einzelfall ist er vor dummem Geschwätz nicht gefeit.

Bernhard
27. April 2015 21:08

Dieser interessante Artikel reiht sich nahtlos in eine Unzahl guter Artikel ein, die von Counter Currents Publishing täglich neu veröffentlicht werden.

Es ist in der BRD leider nicht möglich, vollumfänglich Stellung zu allen Aspekten des Artikels zu nehmen. Die BRD-Gesetze verhindern eine wirklich freie Debatte. Wer könnte es hier z.B. wagen über den Holocaust oder die Bedeutung des Judentums in der Welt frei zu schreiben?

CCP zählt sich zur "Neuen Rechten". Dies bedeutet, daß man nach vorne schaut und die Vergangenheit nicht übermäßig strapaziert. Dabei sieht man durchaus kritisch, was schief gelaufen ist und was in Zukunft zu vermeiden ist. In dem bei CCP verlegten Buch "New Right versus Old Right" von Dr. Greg Johnson wird dies gut herausgearbeitet.

CCP ist auch ein breit angelegtes Diskussionsforum oft widerstreitender Ansichten.

Es lohnt sich die Seite regelmäßig zu lesen. Dr. Greg Johnson hat nicht nur viele deutsche Leser auf seiner Seite, viele Artikel sind dort in unsere Sprache und viele andere Sprachen übersetzt.

Michael Sack
27. April 2015 21:10

Dankeschön Herr Nils Wegner, daß Sie sich die Mühe der Übersetzung dieses Artikels von einem sehr weit durchblickenden Amerikaner gemacht haben. Dieser Beitrag ist sehr wertvoll und ich will diesen gerne nochmals lesen und durchdenken.
Nur die Schlußgedanken mit dem Ätzkalk und dem Bulldozer, dies soll und darf nicht (mehr) eine deutsche Art sein, mit anderen umzugehen - wir wollen doch Herzen und Verstand von vielen gewinnen, sowohl drinnen als auch draußen. Wie auch der Kommentar des Herrn Kubitschek zum ersten Kommentar auf solches hinweist.

Denn noch haben wir Deutschen, wenn auch in letzter Zeit beeinträchtigt, ein dennoch gutes Ansehen in der Welt. Eine neue politisch wirksame Macht in Deutschland kann und soll sich solchen "ätzenden Stil" nicht erlauben. Auch im Hinblick auf eine harte Konfrontation mit dem Isalm. Denn wir wollen keinen Religionskrieg, wie dies ein Kommentator und Pegidagänger hier deutlich sagte.

Und das IfS kann auch auf solches hinarbeiten : nämlich auf Bildung überhaupt und die so nötige Herzensbildung. Und da ist das Vorbild das Allerwichtigste. Denn gerade diese fehlt ja den Eliten, die Herzensbildung, etwas verallgemeinert gesagt, wie man aber am Debattenstil im Bundestag z.B. deprimiert feststellen muß. Ist es in den Landtagen anders? Ich glaube kaum.

Und noch eins ist wesentlich zu sagen. Keinesfalls darf erklingen, wie in manchen Kommentaren zu lesen, daß die Neue Rechte Umsturz will, denn noch nicht mal herabsetzende Konfrontation soll Art und Weise sein - nein, wenn überhaupt etwas möglich noch ist, ohne in Unglück zu geraten : Die Kraft liegt in der richtigen Durchdringung, dem richtigen Verständnis der Geschehnisse und Geschichte, damit auch das Unsinnige und Verkehrte bloßgestellt wird : Von "Astronomischer Verschuldung", (um was mit A zu haben), über die offensichtliche Habgier der Reichen und ihre Machtverschleierung (oder Untransparenz), bis zur hier auch in Deutschland geltenden, irrsinniger Religionsfreiheit und der Verantwortungslosigkeit von dummen Zugeständnissen an diese. Da sind vor allem die Volkskirchen zu nennen, die das Evangelium verraten haben mit einem Kuschelkurs, Anbiederungskurs gegenüber dem Islam, der in Wahrheit antichristlich ist, um es ganz deutlich zu sagen. Aber Moslems müssen geliebt werden, um sie zu gewinnen zur Einsicht in den guten Willen GOTTES. Sie bekommen ja auch hier durch die christliche Tradition in unserem Land sehr viel Hilfe und viel Gutes. Da sollten sie sich eigentlich schämen, daß sie hier herrschen wollen. So artikulieren sie sich ja und benehmen sich auch so, immer wieder. Und in ihren Ländern nichts auf die Reihe kriegen. Ja, ´die ganze Welt liegt im Argen` und ist schwierig, sehr schwierig sogar. Darum ist ja die Hilfe und Macht GOTTES so kostbar.

Also, ertsmal bis hier hin. MfG, MS

Wegner:
Gern geschehen. Aber: Es besteht keinerlei Anlaß, sogleich wieder mit "deutscher Art" des Umgangs zu kommen. Die Massengrabanspielung zielt ganz konkret auf den einstmals sehr bekannten Film "Nuit et brouillard" (und weitere seiner Art; siehe Lichtmesz' "Besetztes Gelände"), in dem unter anderem Archivmaterial von der britischen Beseitigung in, wenn ich mich recht entsinne, Bergen-Belsen ums Leben gekommener Kriegsgefangener mittels der Bulldozermethode zu sehen ist.

Roman
27. April 2015 21:56

Die situative Radikalisierung ist doch rein ideologisch bedingt gewesen. Welchen anderen Sinn hätte es sonst gehabt, die Gebiete judenrein zu machen? Die Gebiete im Osten gaben genug Platz her, um alle Juden dort unterzubringen. Es ging aber darum, dass der Jude allein durch sein blosses Dasein als Feind galt. Die Logik der Ideologie, soweit man sie als ausformuliert betrachten kann, machte es letztlich notwendig, dass man sie beseitigte. Eine Deportation hätte da nur das Problem in die Zukunft verschoben. Selbstverständlich wird es nicht von allen Teilnehmern soweit zu Ende gedacht worden sein. Das trifft aber auf jedes System zu, auch auf das von Stalin. Dort brachte man auch wenn die meisten Menschen aus bestimmten Notwendigkeiten heraus um, die sich ebenfalls durch die jeweilige Situation ergaben. Die gleiche Apologetik kann auch dort vorgebracht werden. Was ist schon Frieden? Die Sowjetunion befand sich in einem Ring von Feinden und musste um jeden Preis industrialisieren. Der Unterschied zum NS liegt in der fehlenden Ausweglosigkeit für das Individuum. Klassen kann man wechseln, eine Rasse nicht.

muotis
27. April 2015 22:40

Wäre der Text und seine Berührung mit der großen Erzählung, die keine Zweifler duldet, nicht ein willkommener Anlaß, mal ein wahrlich dickes Brett zu bohren, um beispielsweise eine IfS-Studie oder ein Kaplaken-Band zum Holocaust herauszugeben? Ich muß gestehen, daß ich als Sezessionist durchaus unsicher bin, was ich hierzu glauben darf und was nicht, was Fakten sind und wie ihre Belege aussehen, und was ins Reich der Mythen und kommunistischen Propaganda zu verweisen ist?

Mein Beitrag ist nicht als Häme gedacht, sondern entspringt durchaus der Beobachtung, die jeder hier im Netztagebuch und insbesondere die Herausgeber und Autoren der Sezession und des IfS bereits unzählige Male im Alltag gemacht haben dürften: Es ist gleichgültig, wie richtig und wie überzeugend zu dieser Widerstandsbewegung argumentiert oder jener Faktenlage recherchiert wurde: Allein die Erwähnung des einen Wortes - noch durchschlagkräftiger bei Verwendung des hebräischen Oberbegriffes, gefolgt von andächtigem Innehalten und Spitzen der Lippen - läßt Jahrzehnte konservativer Aufbauarbeit wie ein Kartenhaus zusammenstürzen. Und die Zeit scheint diese eine Wunde jedenfalls nicht zu heilen: Der Autor verweis zu Recht auf das Kuriosum, daß wir bereits das Jahr 70 nach dem Kriege begehen, und die Deutschen sich noch immer durch jenen einen Zerrspiegel betrachten, der aus jedem von uns Nachkommen von Menschenfressern werden läßt.

Wegner:
Die Zeit soll die "Wunde" ja auch gar nicht heilen. Nicht umsonst steht als Oberbegriff die "immerwährende Verantwortung"; mit Kleine-Hartlage:
»[...] könnte man noch annehmen, daß die selbstproklamierte Pflicht, Buße zu tun, genauer: die von Politikern proklamierte Pflicht, das Volk Buße tun zu
lassen, sich mit zeitlichem Abstand zum Kriegsende abschwächt, um irgendwann zu erlöschen. Wenn die Kanzlerin aber eine "immerwährende", das heißt buchstäblich ewige Bußpflicht proklamiert, dann ernennt sie sich damit zur Hohepriesterin einer Wahnreligion.«
Gerade deswegen bin ich ganz persönlich sehr froh darum, daß es noch Verlage gibt, die das Thema hintanstellen. Abgesehen von dem juristischen Damoklesschwert halte ich es für fragwürdig, daß nun auch noch Antaios/IfS ihr Publikum damit belästigen sollten.

Karl Martell
28. April 2015 00:29

@ Roman

"Der Unterschied zum NS liegt in der fehlenden Ausweglosigkeit für das Individuum. Klassen kann man wechseln, eine Rasse nicht."

Wenn das wechseln der Klassen so einfach war, wie war dann der Mord an Millionen "Klassenfeinden" möglich?

Der Nationalsozialismus behauptete, das Gute für das deutsche Volk zu wollen, so wie der Kommunismus vorgab, das Gute für die Menschheit zu wollen. In beiden Fällen mußten die vermeintlichen Feinde der Verwirklichung dieser Ideen vernichtet werden. Die Utopie einer reinen Rasse oder einer klassenlosen Gesellschaft erforderte in beiden Fällen, daß das böse Prinzip – “minderwertige Rassen” oder eine erbliche “konterrevolutionäre Klasse” – ausgelöscht wurde, das den Anbruch einer perfekten Gesellschaft verhindern könnte. Folglich spricht es von dieser Perspektive aus gesehen keineswegs für den Kommunismus, daß er das “Gute” für die Menschheit wollte. Wenn man im Namen eines Volkes kämpft, schließt man aus diesem Volk diejenigen aus, die man bekämpft. Wenn man im Namen der Menschheit kämpft, kann man die Feinde der Menschheit nur außerhalb der Menschheit ansiedeln, das heißt, sie nicht als Nicht-Deutsche oder Nicht-Arier zu behandeln, sondern als Nicht-Menschen. Gerade weil der Kommunismus universalistisch war, weil er behauptete die ganze Menschheit von einem Teil der Menschheit mit Hilfe bürgerkriegsähnlicher Mittel zu befreien, hat er die Menschlichkeit am meisten verachtet.
Die fundamentale Frage ist also nicht, ob die kommunistische Idee am Anfang gut gewesen ist oder nicht, sondern ob diese Idee richtig war. Aber genau diese Frage wird nicht gestellt, weil man heutzutage in Kategorien der Moral und nicht in denen der Wahrheit urteilt. Der Nazismus und der Kommunismus waren beide falsche Ideen. Von daher sind Überlegungen, ob die Ideen mehr oder weniger “gut” waren ohne Belang, da beide Ideen, auch die “guten”, bewiesen haben, daß sie töten können. Eine falsche Idee aber führt in die Katastrophe, sobald sie angewandt wird.

A. Benoist, Banalität des Bösen

Heinrich Brück
28. April 2015 01:17

Von der falschen Siegergeschichtsschreibung, die den Deutschen täglich um die Ohren fliegt, zur EU-Geschichtslosigkeit der Weltkriegsverlierer.
Gegen eine neue Geschichtsschreibung steht schon der Staatsanwalt
bereit; aber nichts gegen die moralische Wiederbewaffnung des deutschen Verstandes.

Andreas Walter
28. April 2015 02:31

Moralische Wiederbewaffnung? Findet doch bereits überall statt. Auf allen Kanälen feuert es nur noch so aus allen Rohren, in ganz unterschiedlichen Stilen. Die Botschaft ist jedoch immer die Gleiche, von links nach rechts, bei alt und jung:

https://www.youtube.com/watch?v=NUEv4yx51nY&feature=youtu.be&t=15m56s

Die Frage nachdem wie es weiter geht daher im Grunde überflüssig, der Wandel nämlich bereits voll im Gang. PEGIDA war eine Demonstration, ist keine gescheiterte Revolution, und ob auch dann immer Schüsse Fallen müssen ist ja eben die Frage. Beim Mauerfall ist auch kein ein einziger Schuss gefallen. Das gilt vielleicht auch für die Mauer in den Köpfen, die gerade bei immer mehr Menschen fällt.

neocromagnon
28. April 2015 03:29

Es ist ja nur die deutsche Führungsrige, die diesen albernen Blick auf die Geschichte propagiert und vielleicht ein paar sentimentale gutmenschliche Spinner, die sich für eine urbane Elite halten. Was haben die normalen Leute damit zu tun? Auf dem Land gibt es an Plätzen und in Kirchen massenhaft Gedenkstätten, auf denen an "unsere gefallenen Helden" der beiden Weltkriege erinnert wird und diese Gedenkstätten werden bis heute gehegt und gepflegt. Und, abgesehen davon, daß es viel zu viel sind, als das Linke und Antifa die alle schänden könnten, würde denen das gesundheitlich auch nicht gut bekommen.
Freilich, die einfachen Leute machen keine Politik, aber im Kern des Volkes ist man gänzlich unbeindruckt.

muotis
28. April 2015 09:08

@Wegner: Mit Ihrem Verweis auf das juristische Damoklesschwert haben Sie natürlich recht. Aber die Arbeit von Sezession, IfS und Co. kommt mir immer wie der zweite Schritt vor, der erste wird aus Bequemlichkeit oder (berechtigter) Furcht ausgespart.
Das Dilemma ist doch folgendes: Das Volk ist innerhalb der Burgmauern gefangen. Die Wächter auf den Türmen erzählen dem Volk, daß man es vor Gefahren beschützen muß. In Wahrheit aber werden sie gefangen gehalten, man erzählt ihnen Gruselgeschichten von der Welt da draußen. Nun stehen Sie vor der Mauer und versuchen, durch das Entzünden von kleineren Bränden in der Landschaft die Truppen aus der Burg zu locken, um sie auf offenem Felde zu schlagen. Aber Sie könnten das ganze Land verheeren, die Truppen denken gar nicht daran, die Burg zu verlassen und erzählen dem Volk, das allein auf Informationen der Wächter angewiesen ist, weiterhin Märchen.
Wenn eine Befreiung gelingen soll, kommen Sie, wie ich fürchte, nicht um einen Frontalangriff herum. Denn jede Aufbauarbeit kann nur dann fruchten, wenn die große Barriere aus dem Weg geräumt ist. Anderenfalls hat es jeder Minderbemittelte in der Hand, sie mit Erwähnung eines Wortes in die Schranken zu weisen.
Die Alternative wäre, Denktraditionen so lange zu pflegen, bis die Wächter ausgestorben sind. Doch wir wissen alle, daß dann längst andere in den Startlöchern stehen, die das Kommando auf den Mauern übernehmen. Die Aufstellung hierzu hat schon längst begonnen.

Wegner:
Um, der Einfachheit halber, mal bei diesem etwas krummen Sinnbild zu bleiben: Ich denke gar nicht daran, irgendjemanden in offener Feldschlacht schlagen zu wollen. Mir – und ich denke nicht, daß ich damit allein bin – geht es darum, mit dem Entzünden der Feuer auf den Berghängen den Beweis anzutreten, daß es jenseits der Burgmauern noch ein anderes Leben gibt. Wer sich freimachen will, der muß das schon selbst tun; er soll aber wissen, daß, wenn er den Graben durchschwommen hat, Andere da sein werden, um ihn in Empfang zu nehmen.
Ich habe diese »Bitte sag' mir/uns jemand, was ich/wir tun soll/sollen«-Haltung (die man gerade auch bei verbindungsstudentischen Vortragsveranstaltungen zur Genüge vorfindet) ohnehin nie verstanden. Der von Ihnen angesprochene »erste Schritt« ist, dieses akute Leben eben NICHT mehr für das bestmögliche zu halten, unruhig zu werden und den Tunnelblick auf Ruhe und Wohlstand abzulegen. Dabei ist jeder für sich selbst ganz allein. Entweder, man kriegt das auf die Reihe, oder man läßt sich vom ersten Gegenwind wieder in die beschauliche Endverbraucherexistenz hineinschieben. Aus diesem Akt des geistigen Freischwimmens folgt alles andere, und das hat noch nicht einmal etwas mit einschlägigen geschichtlichen Ereignissen zu tun.

Kiki
28. April 2015 09:52

Auf die Gefahr hin, daß dieser Beitrag unter die Katergorie "schnodderig" und "nicht gehoben" fällt, möchte ich zu Bedenken geben, daß es für moralische, waffentechnische und andersartige Aufrüstungen längst zu spät ist bzw (für unverbesserliche Optimisten) andere Dinge viel dringlicher sind.

Das deutsche Volk, das es, in welcher Form auch immer, aufzurüsten gilt, gibt es kaum noch. Man führe sich doch nur die reinen Zahlen vor Augen: von den über 80 Millionen Einwohnern der BRD sind gut 20 Millionen Ausländer samt Nachkommen und von den 60 Millionen eigentlichen Deutsche kann man mindestens die Hälfte abziehen, da es sich dabei um Rentner handelt, also eine Altersgruppe die im eigentlichen weder leistungsfähig noch reproduktionsfähig ist. Es bleiben letztlich im besten Falle gerade einmal um die 25 Millionen Deutsche übrig.

Dies ist, wenn ich die Zahlen richtig zuordnen kann, die Einwohnerschaftsmenge des Reiches im 18. Jahrhundert.

Wir haben es daher - auch nur numerisch betrachtet - mit einer höchst prekären Lage zu tun. In bevölkerungsexplosiven Zeiten schnurrt die Population binnen zweier Generationen auf den Stand vormoderner Zeiten zusammen.

Und genau dort sollten Nichtverblödete heute den Hebel ansetzen. Vor allem Räsonnieren (oder meinetwegen neben allem Räsonnieren) sollte bei jedem das Nichtaussterben, die Weitergabe der Fackel stehen. Mit allem was dazugehört (zB daß man als Mann sinnvolle Berufe erlernt und keinen Blödquark studiert, der einen von staatlichen Institutionen abhängig macht, sowohl wenn man "Arbeit" hat als auch ohne ein "Arbeitsverhältnis". Dann klappt es mit der Familiengründung - allem Gejammer über Emanzen und Emanzipismus zum Trotz - auch wie von selbst).

Gegen die Frage des bloßen Seins und Nichtseins verschwindet jede andere Frage ins mehr Geschmäcklerische.

Andreas Walter
28. April 2015 12:18

@ Kiki

"daß man als Mann sinnvolle Berufe erlernt und keinen Blödquark studiert ..."

Absolut richtig, als individuelle Eskapismus Lösung. Die vielen lieben Kinder muss man dann allerdings auch schon recht früh in die Kunst des Schweigens einweihen, damit es auch mit dem Kindergarten und in der Schule klappt. Und wo lernt man dann eigentlich seine erste Liebe kennen. Bei geheimen Treffen im Untergrund von Rom, so wie in der Zeit der Christenverfolgung?

Ich halte das für keine so gute Idee, aber ich bin vielleicht auch ein anderer Typ von Mensch wie Sie und der Wege gibt es viele.

derherold
28. April 2015 13:02

@Roman:" Griechenland bekam aber nichts, da es eben nicht den Krieg gegen Deutschland gewonnen hatte und die Großen keine Interesse zeigten das kleine Land an der Beute zu beteiligen."

Da ist falsch.
Es wurden individuelle Friedensverträge mit vereinbarten Reparationszahlungen mit Italien und Bulgarien geschlossen. Alle Forderungen, die sich dem Anteil der o.g. Staaten ("Sühnemaßnahmen", Zerstörungen, Besatzungskosten) ergeben, sind abgegolten.

Die deutschen Leistungen (ohne an verbilligte Kredite, finanzierte EU-Fördermaßnahmen zu denken) bestehen bis dato aus drei Teilen:

1. Lieferungen von hauptsächl. Industriegütern
Erfüllung der Leistungen aus dem Pariser Reparationsabkommen von 1946

2. Wiedergutmachung zugunsten griech. Staatsbürger (u.a. Distomo)
Vertrag von 1960. Nach meiner Schätzung rd. 2 Mrd,. Euro heutiger Währung

3. Anwerbeabkommen für griech. Arbeitskräfte 1960
Auf griech. Wunsch - unter Verweis auf Lasten der Besatzungszeit - wurden rd. 300.000 Arbeitskräfte in D. aufgenommen

Die sog. Zwangsanleihe müßte nicht nur um Gegenlieferungen, sondern auch um den ital. und bulgar. Anteil gekürzt werden, der (s.o.) bereits abgegolten ist.

Und dann haben wir noch 4.:
Schuldenschnitt 2012. Leistung Deutschlands: 12 Mrd. Euro.

Schlesische Fachkraft
28. April 2015 13:44

Diese Rechenspiele mit dem Anteil der Migranten an der deutschen Bevölkerung sind nur zum Teil aussagekräftig. Denn die Bevölkerung mit Migrations­hintergrund besteht aus den seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nach­kommen und der ausländischen Bevölkerung. In diesen "Mihigru"-Topf werden also auch Millionen deutsche Spätaussiedler und ihre Nachkommen z.B. aus den ehemaligen Ostgebieten wie Schlesien,Pommern,Ostpreussen oder auch aus Siebenbürgen reingeworfen, von denen die meisten ziemlich stark traditionsgebunden, konservativ und patriotisch waren bzw. immer noch sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass "der deutsche Geist" (was immer wir darunter verstehen mögen) in diesen Bevölkerungsteilen noch viel stärker präsent ist als bei vielen umerzogenen "BRD"-Bürgern (egal ob jung oder alt) ohne Migrations­hintergrund. Mir sind ehrlich gesagt die nächsten Generationen von solchen "Mihigrus" viel lieber als ein paar "rein deutsche" Nachkommen der Linksgrünen und Antifas, die nicht selten den Hass auf das eigene Volk schon in die Wiege gelegt bekommen. Mit solchen Typen kommen wir garantiert nich weiter!

Und es ist auch nicht so, dass es hierzulande nur deutsche Rentner gibt. Man muss sich nur z.B. im Ruhrgebiet oder in Berlin ein bisschen umschauen. Sie sind ja auch nicht mehr leistungs- und reproduktionsfähig.

Ein Teil dieser "moralischen Wiederbewaffung" muss daher auch die Stärkung der traditionellen Familie sein. Und dazu gehört selbstverständlich auch das oben erwähnte "Nichtaussterben, die Weitergabe der Fackel". Und wenn die Kinder schon da sind, dann soll sich die Familie auch um die geistige Bildung kümmern. Viele wälzen die komplette Erziehung heutzutage aber auf den Staat ab - weil sie es müssen (Arbeit),weil sie es wollen (Bequemlichkeit), weil sie es so den Medien und Politik vermittelt bekommen (Gehirnwäsche). Und dann wird es eben "bunt"!

Simon
28. April 2015 14:01

Ich sehe das mit der deutschen "Schuld" inzwischen anders als ich das früher gesehen habe, ich glaube, dass das nicht so ausschlaggebend für die aktuelle Situation ist, wie ich immer dachte.

Nehmen wir einmal Schweden. Schweden hat nie am zweiten Weltkrieg teilgenommen, ist nie bombardiert worden, nie besetzt, hatte keinen Kolonialismus, keinen Völkermord, war auch kein Verbündeter Deutschlands und wurden auch von anderen Großmächten in Europa nie als Bedrohung wahrgenommen.

Und wie sieht Schweden heute aus: Die haben die Multikulti-Ideologie und den Feminismus auf einen Höhepunkt getrieben, dagegen geht es in Deutschland noch harmlos zu.

Ohne jeden Zwang haben die eine Million Moslems und Afrikaner ins Land geholt und derzeit holen sie im Verhältnis zur Bevölkerung weit mehr Flüchtlinge ins Land als Deutschland. Das obwohl die Zahl der Übergriffe gerade gegen schwedische Frauen geradezu explodiert ist.

Die Schweden schaffen es ihre eigene Kultur zu hassen und auslöschen zu wollen, ganze ohne Niederlage, Umerziehung und alliierte Besetzung.

Da muss es also noch irgendetwas anderes geben.

Wegner:
In den angloamerikanischen Zirkeln der "dark enlightenment"-Strömung ist man diesbezüglich mittlerweile ziemlich unisono der Meinung, der geschichtspolitisch induzierte Selbsthaß der Deutschen sei von den "powers that be", nachdem er sich als sehr effektiv erwies, als generalisierter weißer Selbsthaß auf alle Völker des alten Europas übertragen worden...

derherold
28. April 2015 15:17

"Nehmen wir einmal Schweden..."
Richtig. Finnland war Verbündeter Deutschlands während des WKII und hatte (hellblaue) Hakenkreuze als Hoheitsabzeichen ... hat aber bis dato kaum außereuropäische Einwanderung.

Niederlands: Kiffer-Holland, Widerstandskämpfer, liberal ... braucht Hunderttausende Einwanderer vorzugsweise aus dem arab. Sprachraum.
Ungarn, Slowakei, Rumänien 1930-45 mit einflußreichen faschistischen Partei(ungen) braucht(e) keine Masseneinwanderung.

Was haben Schweden und Niederlande einerseits und Ungarn, Slowakei, Finnland, Rumänien andererseits gemeinsam ?
Antwort: Die ersten sind US-"beeinflußte" Staaten, die zweiten gehörten zum sowjet. Einflußraum.

Meyer
28. April 2015 15:49

Anhand der Kommentare kann man zwei Formen der degenerativen Verweichlichung feststellen:

1. Sich für Verbrechen zu schämen.
Wie kann man für "Schuld" auch nur einen Ansatz an Interesse zeigen? Selbst die Historizität von X oder Y ist belanglos.

2. Die Opfer-Weinerlichkeit.
Ekelerregend. Es bedeutet nichts anderes, als vom Feind Gnade zu erwartet zu haben. Um nichts anderes handelt es sich, bei der aktuellen Forderung um Gnade. der Feind möge uns doch bitte wohlwollend in die Freiheit oder aus der Schuld entlassen.

Das sind Bekenntnisse fehlender Lebenskraft, weiße Bettlaken, die aus allen Fenstern hängen! Leben? Freiheit? Muss man sich erkämpfen! Niemals wird so etwas gewährt. Wenn selbst auf der Rechten diese Kraftlosigkeit vorherrscht, ist es um Deutschland derzeit hoffnunglos bestellt. Deutschland -eine unförmige Masse, die - vor der harten Realität - völlig zurecht wegfermentiert würde.

Das Selbstmitleid, das Schuldempfinden und das Gnadengewinsel zu überwinden bedeutet Arbeit an sich selbst: Schulung der notwendigen Härte. DAS ist die Aufgabe der Rechte: Vorbild an Kühle, Stärke und Härte zu sein, an denen sich andere aufrichten können.

Die Geschichte ist voller Leichenberge. Man muß das nicht mögen. Man hat es wenigstens! kühl zu konstatieren.

Roman
28. April 2015 16:17

@Karl Martell: theoretisch war den Wechsel der Klassen möglich und wurde auch geduldet. Was die Möglichkeit des Mordes nach Klassenkriterien aus praktischen Erwägungen heraus natürlich nicht ausschließt. Aus Angst vor dem Konterrevolution bringt man Angehörige bestimmter Klassen selbstverständlich um. In ein weniger paranoiden Situation und im besonders im Bezug auf die Kinder ist man dann großzügiger. Was freilich kein Trost für den sein konnte, der zur falschen Zeit und mit dem falschen Hintergrund mit dem Regime konfrontiert wurde. Letztlich ist es Frage der Wahrscheinlichkeiten. Für die Juden gab es im Rahmen des NS eben nicht einmal die theoretische Chance.

Im Bezug auf die situative Radikalisierung bedeutet es, dass das Regime auf die Herausforderungen im Rahmen seine Ideologie reagierte. So wie Stalin Angesichts des Hungers in der Sowjetunion nicht die Planwirtschaft aufgeben konnte, gab es für den NS im Bezug auf die Juden letztlich keine Abzweigung, die eine Schonung bedeutet hätte. In Babij Jar tötete man bereits organisiert als es sogar noch der frühe Fall Moskaus noch winkte. Ohne den Krieg hätte man aus Angst vor dem Ausland abgeschoben, statt die wenigen Juden, die man hatte aktiv umzubringen. Könnte man so sagen, ja. Auf der anderen Seite war der Krieg allein schon Angesichts der Wirtschaftspolitik und des ganzen Habitus der Anführer kaum zu vermeiden.

Was man Deutschland als Alleinstellungsmerkmal aber tatsächlich nicht vorwerfen kann, sind eben die Massaker an der Zivilbevölkerung im Zuge des Partisanenkrieges. Im Osten führe man den Krieg gegenüber der unterworfenen Zivilbevölkerung, als einen klassischen Kolonialkrieg, wie später Vietnam oder Afghanistan. Auch dort wurden hunderttausende in einer Spirale der Gewalt umgebracht, ohne die Bedingungen eines weiterlaufenden Krieges. Die Vernichtungslager sind dagegen rein ideologisch motiviert gewesen und ergaben sich nicht aus der Logik des Konflikts heraus.

Ja, man könnte bei vielen Aspekten des Krieges den Westmächten und auch den Russen Heuchelei vorwerfen. Doch wäre es zumindest im Bezug auf die Westmächte relativ müssig. Dort ist man auch schon längst bei der ewigen Selbtstgeisselung für die Kolonialgeschichte angekommen und zieht sich den Schuh nicht in dem Sinne an, dass Deutschland trotz des zweiten Weltkrieges legitimen Interessen hätte. Sondern in dem Sinne, dass der (weisse) Westen wegen seiner Geschichte auch keine legitimen Interessen mehr haben darf. Der Nationalsozialismus reiht sich da nur in die glorreiche Erzählung von dem fiesen Okzident, der auszog um die unschuldige Welt zu vergewaltigen. Wofür er nun mit einer Selbstauflösung bezahlen soll.

Interessanter Weise mildert es nicht den Willen zu Interventionen. Was auf den zweiten Blick wieder logisch ist. Wenn die Anderen lauter edle Wilde sind, die nur auf Grund unserer Schuld in einer schlimmen Lage stecken, kann man auch erwarten, dass nach ein paar Bomben Demokratien aus dem Boden sprießen. Wenn die edlen Wilden sich dann wehren, zieht man mit noch mehr Schuldgefühlen ab, die dann wieder moralische Munition für die nächste Intervention liefern. In Deutschland geben die Grünen ein wunderbares Beispiel für diese Art von Kriegsbegeisterung ab, verstärkt noch durch die Tradition des Pazifismus: Wer sich der Logik des Militärischen verweigert, entzieht sich damit nicht dem Gedanken des Krieges. Er denkt ihn lediglich als Polizeieinsatz.

Georg Mogel
28. April 2015 16:35

Sie mögen keine Lyrik, Herr Wegner?

Wegner:
Ich mag keine kommentarlos hingeschleuderten Zitate und Fundstücke: Das hier ist nicht Facebook. Zumindest der Versuch einer persönlichen Einlassung zum Thema sollte wohl drin sein. Im übrigen sei auf Kubitscheks Kommentar zum ersten "Beitrag" in dieser Diskussionsspalte verwiesen.

Simon
28. April 2015 17:05

"In den angloamerikanischen Zirkeln der „dark enlightenment“-Strömung ist man diesbezüglich mittlerweile ziemlich unisono der Meinung, der geschichtspolitisch induzierte Selbsthaß der Deutschen sei von den „powers that be“, nachdem er sich als sehr effektiv erwies, als generalisierter weißer Selbsthaß auf alle Völker des alten Europas übertragen worden…"

Wenn man so etwas einfach übertragen könnte, dann würde das aber zeigen, dass "Geschichte" gar keine Rolle spielt, sondern dass man quasi jedes europäische Volk unabhängig von seiner historischen Erfahrung x-beliebig gehirnwaschen kann.

Und wenn das tatsächlich so wäre, was würde das dann über diese Völker eigentlich aussagen? Die "powders that be" wären offenbar Genies, und ihre "Opfer" eine einzige große Ansammlung von Vollidioten.

derherold
28. April 2015 17:52

"Die Vernichtungslager sind dagegen rein ideologisch motiviert gewesen und ergaben sich nicht aus der Logik des Konflikts heraus."

a) Dekulakisierung
b) Kulturrevolution
c) Rote Khmer

Nun, die "ewige Selbstgeißelunhg" hat aber die Linksliberalen in Westeuropa und Nordamerika nicht daran gehindert, die neuen Kolonialkriege in Libyen, Syrien oder Yemen hinzunehmen oder gar zu unterstützen.

Die "Kriegsbegeisterung" der Grünen dürfte auch weniger auf eine "Logik", sondern vielmehr auf das "Motivieren" der entsprechenden Führungskader zurückzuführen sein. Es wird z.B. komplett vergessen, daß bereits 2003, als uns Rot-Grün angeblich/tatsächlich aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat, der (ehedem) linksextremistische Flügel des alten KBW FÜR den Irak-Krieg geworben hat. Von "Polizeieinsatz" oder "Demokratisierung" war da nicht die Rede.

Carl Sand
28. April 2015 17:57

"Wenn man so etwas einfach übertragen könnte, dann würde das aber zeigen, dass „Geschichte“ gar keine Rolle spielt, sondern dass man quasi jedes europäische Volk unabhängig von seiner historischen Erfahrung x-beliebig gehirnwaschen kann".

Ja.

"Und wenn das tatsächlich so wäre, was würde das dann über diese Völker eigentlich aussagen? Die „powders that be“ wären offenbar Genies, und ihre „Opfer“ eine einzige große Ansammlung von Vollidioten".

Nein.

Georg Mogel
28. April 2015 18:00

Gedichte sind in der Regel "selbsterklärend", so daß es keines Kommentars (oder eines "Versuch einer persönlichen Einlassung zum Thema") bedarf, Herr Wegner.
Und von "hingeschleudert" kann keine Rede sein, davon dürfen Sie ausgehen.
Herrn Kubitscheks "Kommentar zum ersten Beitrag" kann ich nicht auf mich beziehen.

"Nichts pflegt schwerer zu sein, als nicht so zu tun, als ob man verstünde".
Davila

Roman
28. April 2015 18:05

@Simon: Das sagt zunächst etwas über das romantische Verständnis vom Volke aus. Als ob die Masse der Menschen sich jemals für die auf Quellen aufbauende Geschichte interessiert hätte. Identität als Massenware baut immer auf Mythen auf, allein schon aus zeitlichen Gründen. Und selbst wenn man jetzt mal die zwingende Interpretation von Quellen ausklammert, so muss auch diese "objektive" Wahrheit immer wieder neu gelesen werden. Das Wissen wird ja nicht durch Vererbung übertragen. Geschichte spielt schon eine Rolle, aber man kann sie auswechseln. Die nachwachsende Generation kann dann schlecht der Idiotie bezichtigt werden, wenn sie um andere Narrative nicht weiss und die vorgesetzten halbwegs schlüssig daherkommen. Und das momentan Vorgesetzte ist auf den ersten Blick schlüssig. Für den zweiten Blick haben die meisten Menschen aber weder Zeit noch Interesse.

Roman
28. April 2015 18:50

Ja, die Roten Khmer und andere Verbrechen sind ebenfalls ideologisch motiviert gewesen. Es galt doch festzustellen, dass die Judenvernichtung eben ideologisch motiviert als Selbstzweck und nicht aus den Wirren des Krieges erfolgte. Das die Beseitigung ganzer Klassen Selbstzweck für die kommunistische Ideologie gewesen ist, habe ich nicht bestritten.

Was die Grünen angeht, so hätte ich vielleicht von Prozessen schreiben sollen. Selbstverständlich kommt es nicht von einem Tag zum anderen. Und wer bestreitet schon, dass der Kurs stets von Führungskader vorgegeben wird? Der Kosovokrieg ist der erste Ausdruck der Entwicklung gewesen. Der Irakkrieg war dann nochmals ein Rückfall, wenn auch hauptsächlich durch berechtigte antiamerikanische Ressentiments erzeugt. Wenn es nach den Grünen gegangen wäre, so würden wir wahrscheinlich in Libyen dabei gewesen sein und jetzt in Syrien stehen. Die Argumente aus der Ecke für einen Einsatz in Libyen wegen der Flüchtlingsfrage kann ich ihnen jetzt schon vorhersagen. Die ersten Luftballons konnte ich bereits in der "Zeit" bewundern.

Der radikale Pazifismus schlägt stets in hemmungslose Gewalt am. Das ist nicht neu. Kennt man bereits aus der Frazösischen Revolution, deren Vordenker ja auch ziemlich gegen die Todesstrafe agitierten. Zu den ersten Dekreten der bolschewistischen Regierung gehörte die Abschaffung der Todesstrafe. Da liefen die Erschiessungen ohne Prozess bereits auf vollen Touren.

Allgemein sind liberale Versuche "dreckige" Instrumente aus der Realität auszuklammern, selten damit verbunden, dass sie damit aufhören sie zu benutzen. Sie bekommen lediglich wohlklingendere Namen und sind damit umso hemmungsloser zu benutzen.

Ja, der linksliberale Westen fängt keine Kriege an. Es sind Friedensmission, Antiterroreinsätze, Polizeimaßnahmen, Befreiungen und andere Nettigkeiten. So gesehen gab es eigentlich nach dem zweiten Weltkrieg keine Kriege mehr. Jedenfalls fällt mir nicht nicht ein Wer diese Bezeichnung für die eigenen Aktionen seit dem Zeitraum verwendet hat. Vielleicht ein altmodischer Despot irgendwo in Afrika. Aber sonst?

Irrlicht
28. April 2015 19:21

In Bezug auf die interessante Frage, wer oder was die Verantwortung für die in die letzten Jahrzehnten eingetretenen gesellschaftlichen Entwicklungen in Nordamerika und Europa trägt, dürfte die These von der "powders that be", einer kleinen Gruppe, die die Geschicke der "westlichen" Welt maßgeblich prägt (die These gehört zumindest zum Subtext von MacDonalds "Culture of Critique"), dem Erklärungsnotstand in dieser Frage geschuldet sein.

Die Entwicklungen gehen von den USA aus, werden getragen von Think Tanks und Universitäten, von staatlichen Institutionen und einer Vielzahl sonstiger gesellschaftlichen Gruppen. Die Ideologeme beziehen sich inhaltlich gelegentlich auf die Frankfurter Schule, auf französische postmoderne Denker, auf Heidegger und Nietzsche, sind aber ihrem Gehalt nach genuin amerikanisch Entwicklungen, etwa in ihrer Legitimationsgrundlage der (spezifisch amerikanischen) Rezeption der NS-Zeit oder der Sklaverei. Der von Simon aufgeworfene Fall Schwedens lässt sich so erklären: Der Einfluss der Ideologeme (Multikulturalismus, Anti-Rassismus, radikaler Feminismus, etc.) ist abhängig von der kulturellen Nähe zum angelsächsischen Raum. Während Schweden fast vollständig integriert ist, besitzt ein Land wie Deutschland trotz aller Bemühungen, trotz Reeducation und amerikanischer Culture diplomacy, aufgrund seiner Größe und eigenständigen kulturellen Tradition eine deutlich größere Trägheit.

Joachim Kuhnle
28. April 2015 19:27

Moralische Gesichtspunkte sind für die Zukunft unserer Nation entscheidend. Jede Nation benötigt ein moralisches Fundament. Es geht um moralische Werte. Welche Werte sind das? Eine moralische Abrüstung gibt es meines erachtens nur qualitativ. Die Beurteilung ist allerdings auch hier wieder subjektiv. In Anlehnung an Nietzsche nenne ich seine Herrenmoral die politische Moral. Sie ist verbunden mit dem Willen zur Macht und wirkt gestalterisch in die Zukunft. Nietzsches Sklavenmoral nenne ich die christliche Moral. Sie strebt nach Bescheidenheit und Demut und wirkt im positiven Sinn beständig, also konservativ. Sie ist meiner Ansicht nach von sehr viel höherer Qualität. Das Problem der politischen Moral ist seine Abhängigkeit vom Zeitgeist. Die mit totalitärer Brutalität durchgesetze Herrenmoral der Nationalsozialisten war mit dem Ende der Macht gescheitert. Man musste sich wieder zurückbesinnen auf christliche Werte, was teilweise durchaus gelang, aber eben nur unzureichend. Der Verfall der beständigen Werte erfolgt schleichend, es ist der Untergang des Abendlandes. Wiederum bestimmt die Machtelite die politisch-moralischen Maßstäbe. Linksgrüne Nationalisten sind durchaus stolz auf unser Land. Wir haben die meisten Solardächer und retten damit das Weltklima, wir sind die Weltoffensten und nehmen die meisten Migranten auf, wir bezahlen die Schulden der anderen Länder, wir sind einfach die besten Menschen. Sie merken gar nicht, wie armseelig diese Moral ist.

ubs123
28. April 2015 19:52

Ich bin Deutscher und empfinde keinen Selbsthass. Amerika? Liegt irgendwo im Westen, oder?

Der Gutmensch
28. April 2015 20:11

Ich habe da ein paar Probleme mit dem Text. Nur mal zwei Beispiele:

Zum ersten: Mindestens eine Einschätzung kann ich sachlich nicht teilen, und zwar diese:

„Widerstand gegen den Mythos vom absoluten Bösen Deutschland (...) hätte auch die Begründung der Europäischen Union (EU) extrem heikel gemacht.“

?? Zwar wurde die Gründung EU tatsächlich damit begründet, dass man Deutschlands wirtschaftliche Kraft aufgrund der Erfahrungen des 20. Jhd. europäisch einhegen müsse.

Aber diese Begründung war rein formaler Natur und hätte auch anders lauten können (die Erfahrungen des 20. Jhdt. gebieten eine Zusammenarbeit der Völker Europas ...). Tatsächlich war die Gründung der EU (als Nachfolgerin der schon in den 50ern gegründeten Montanunion und dann der Europäischen Gemeinschaft!) ja vorrangig unter dem Aspekt der gemeinsamen Währung heikel. Nur war diese eben der Preis, um den der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt wurde, zu einem Zeitpunkt, da es der Zustimmung Dritter rein praktisch bedurfte. Um diese fiese Katze aber nicht vorzeitig aus dem Sack zu lassen und etwa Widerstand gegen den Preis (Euro) - und nicht: gegen die EU als solche, gegen die hatte kaum jemand was! - zu provozieren, vereinbarte man im Maastricht-Vertrag eben die No-Bailout-Klausel, von der heute, wie wir alle wissen, praktisch nichts übrig geblieben ist - wie geplant! Irgendeinen Spielraum gab es da nicht; wie man das Kind indessen nannte, war erkennbar nachrangig.

Zum zweiten: Was will uns der Autor damit sagen: Griechenland fordert Reparationen weil es KANN und weil es muss?

Dass Reparationen natürlich nur fordern kann, wer einen Krieg gewinnt und wie sich das in Bezug auf die Griechen verhält, wurde hier schon erörtert.

Aber die Griechen fordern auch gar keine Reparationen, wie der Autor meint. Soo viel Ouzo trinken ja nicht mal die!

Sie fordern vielmehr eine Art Zwangsdarlehen zurück; das ist eine ganz andere Nummer, und zwar auf jeden Fall eine verjährte ... So wir (wer auch immer „wir“ in den Augen der Welt eigentlich sind, da wird es wieder spannend) diesen Einwand denn erheben.

Damit wir uns also auf diese interessante und ggf. für die Griechen lukrative Debatte einlassen, werden wir ordentlich provoziert; offenbar funktioniert das ja auch ganz prima! Auf diese Weise könnte tatsächlich das bis jetzt hilflos in der Luft zappelnde „Muss“ der Griechen zu dem unsrigen werden ...

Na, dann ... jamas!

PS: Und über die Moral von der Geschicht´unterhalte ich mich später ... oder auch nicht!

Der Gutmensch.

Kiki
28. April 2015 20:17

@Herr Walter
Das Lehren des Schweigens ist in einer - wie mein alter Onkel sagen würde - gesunden Familie kein Problem. Unsere schulpfilichtigen Sprößlinge wissen alle sehr gut (die Jüngeren haben wir nicht einmal entsprechend anweisen müssen), daß unsereins in zwei Welten lebt: in unserer, normalen und in "ihrer". "Sie" haben in der Öffentlichkeit, also auch in den Schulen das Sagen und deshalb macht man es wie weiland in der DDR. Man spult bei Gelegenheit das aberwitzige Gewölle ab, das "sie" hören wollen und im Zweifelsfalle schweigt man eisern und meldet sich nicht.

Bisher funktioniert dieses Verfahren ganz gut, die Noten in den ideologieverseuchten Fächern können besser nicht sein und die Verachtung eines so widerlichen Systems, das Menschen knebelt und ständig zur würdelosen Unterwerfungsgesten zwingt, ist in den jugendlichen Herzen jetzt schon ziemlich groß (und dabei sind sie nicht einmal volljährig).

Wo man dagegen nette Frauen findet, kann ich nicht sagen. Meine Großmutter selig empfahl in diesem Fall das beharrliche Beten von drei Ave Maria täglich. Aber für bekennende Nichtkatholiken und "katholische" Traditionsverächter ist dies freilich keine Lösung.

Wie gesagt, es ist eine schwierige Sache.

Karl Martell
28. April 2015 20:29

@ Roman

"So wie Stalin Angesichts des Hungers in der Sowjetunion nicht die Planwirtschaft aufgeben konnte, gab es für den NS im Bezug auf die Juden letztlich keine Abzweigung, die eine Schonung bedeutet hätte."

Nun, die Hungerkrisen hatte Stalin ja selbst ausgelöst. Die waren nicht vom Himmel gefallen.

1933 verhungerten Millionen von Bauern, doch die Regierung setzte ihre Exportpolitik fort: Im gleichen Jahr wurden 18 Millionen Doppelzentner Weizen „für den Bedarf der Industrie“ an das Ausland geliefert.
Die ukrainische Bauernschaft zahlte mit vier Millionen Toten den höchsten Preis. In Kasachstan eine Million Tote; dort waren vor allem die Nomaden betroffen, die man mit der Kollektivierung ihres ganzen Viehbestands beraubt und zur Seßhaftigkeit gezwungen hatte. Im nördlichen Kaukasus und in den Schwarzerdegebieten, eine Million Tote…
(Aus „Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror“ von Stéphane Courtois und Co-Autoren)

In dieser Zeit bestand in Deutschland das Haavara-Abkommen, geschlossen am 25. August 1933 nach dreimonatigen Verhandlungen zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und dem deutschen Reichsministerium für Wirtschaft, um die Auswanderung der Juden aus dem Dritten Reich nach Palästina zu erleichtern und gleichzeitig den deutschen Export zu fördern, insbesondere den damals befürchteten internationalen Handelsboykott zu durchbrechen. Das Ha'avara-Abkommen blieb bis zum 3. September 1939 (Kriegseintritt Englands) in Kraft. Der Vermögenstransfer über die Ha'avara war auch noch nach Kriegsausbruch, durch Einschaltung neutraler Länder, möglich. Erst im Dezember 1941, als die VSA in den Krieg eintraten, brachen die Verbindungen ab.

Das Rublee-Wohlthat-Abkommen hingegen wird allgemein totgeschwiegen. Es betraf die Mehrzahl der auswandernden Juden, all jene, die nicht nach Palästina gingen, sondern in ein anderes europäisches oder überseeisches Land. Das waren ca. zwei Drittel aller Auswanderungen. Leider war das Abkommen nur acht Monate lang in Geltung, dann brach der Krieg aus, und die geregelte Auswanderung fand ihr Ende.

Bis zum Krieg gab es also durchaus eine gangbare "Abzweigung".

muotis
28. April 2015 20:34

@Wegner: Ich will mal aus persönlicher Anschauung berichten, um meinen Punkt zu verdeutlichen: Mein Freundes- und Bekanntenkreis besteht zu 95 % aus Akademikern. Alle recht konservativ, im harmlosen Sinne. Kommt das Gespräch auf ein politisches Thema, fällt der Vorhang ziemlich schnell. Man ist sich einig, daß man zu diesem und jenem Thema eine bestimmte Meinung nicht haben oder jedenfalls eine andere Meinung nicht öffentlich sagen darf. Dieser Umstand wird achselzuckend hingenommen, anschließend erzählt man von Fußball o.ä. Es sind meine Freunde und es sind gute Leute. Aber sie scheuen die Auseinandersetzung. Der Grund ist eben jene Geschichtserzählung, die hier im Sezessionskreis gerne als nachrangig behandelt wird. Von Feuern, die Sie auf Berghängen entzünden wollen, bemerken sie alle nichts. Weder die Sezession noch die JF existieren in ihrer Welt. Der Gedankensprung von Eurokritik zu Auschwitz ist ein kleiner, denn dieser Riesenelefant im Raum ist eben allgegenwärtig und kann nicht umgangen werden.
Wie soll denn Ihres Erachtens eine moralische Wiederbewaffnung gelingen, wenn sie nur bei jenen greift, die ohnehin schon überzeugt sind? Mich brauchen Sie weder zu überzeugen noch bedarf ich Ihrer Handlungsanweisungen. Aber außerhalb der Gesellschaft von Zwischentagsbesuchern sieht es mit dem Unruhepotential, auf das Sie zu hoffen scheinen, äußerst mau aus.
Sezessionisten reden gerne in Kriegsmetaphern: Es sind immer wenige Sturmtruppler, die die Drähte durchschneiden und den Weg freisprengen, damit die große Zahl der Männer im Graben den Sprung in relativer Sicherheit wagen können. Sie hingegen hoffen auf ein geistiges Langemarck.

Wegner:
Nicht bei solchen, die überzeugt sind, sondern solchen, die eben nicht mehr überzeugt sind von der Folgerichtigkeit und Zwangsläufigkeit unserer gegenwärtigen Zustände und -mutungen. Und wenn mir ein "geistiges Langemarck" (die Allegorien werden immer alberner) so lieb wäre, hätte ich ja nur Ihrem Vorschlag folgen und das dreihundertdrölfzigste Buch über Thema Nr. 1 schreiben brauchen.

Keats
28. April 2015 21:19

"Nazis" ist heute ein Rassistenwort für "Deutsche".

Kein Deutscher sollte sich der Illusion hingeben, daß die Konsumenten der zahllosen Nazifilme gefühlsmäßig die Unterscheidung von "Nazis" und "Deutschen" machen. Der Nazikult ist die größte und systematischste rassistische Hetzkampagne aller Zeiten. Wer sich Talkshows oder Quizsendungen in den USA oder England ansieht, wird von der penetranten Zwanghaftigkeit überrascht sein, mit der dort immer wieder Anspielungen auf Nazi-Deutsche auftauchen. Ein Deutscher, der andere Deutsche als Nazis diffamiert, wirkt auf dermaßen Indoktrinierte nur wie der typische gewissenlose, verräterische, hinterhältige Nazi, die Personifizierung aller schlechten Charaktereigenschaften.

Kein weißer Amerikaner sollte sich der Illusion hingeben, daß er mit dieser Nazihetze nicht gemeint ist. Nach heutigen Maßstäben haben 1940 in Europa und den USA nur Nazis gelebt. Nazis haben gegen Nazis gekämpft, am Ende haben Nazis gewonnen. Nach 100 Jahren antideutscher Hetze in den USA gibt es heute an den dortigen Universitäten mit den "Whiteness Studies" antiweißen Rassismus als Studienfach. Der Schritt von antideutscher zu antiweißer Hetze ist längst gemacht worden.

Geschichte ist unteilbar. Die Lehren aus ihr sind für alle Menschen gleich. Niemand käme auf die Idee, die Verwandten und Bekannten eines Mörders hätten auf irgendeine mystische Art eine besondere Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, daß so ein Mord nicht wieder passiert. Die tragen alle Menschen gleich. Jedes Gerede von einer Sonderverantwortung der heute lebenden Deutschen ist pure rassistische Pöbelei, vollkommen unabhängig davon, was vor 70 bis 75 Jahren in Europa passiert ist. Der ganze Nazikult ist nur ein Vorwand, eine Ablenkung.

Die anschwellende Propagandawelle gegen "privilegierte Weiße" ist eine rassistische Lügenkampagne. Seit Jahrzehnten ist die Diskriminierung weißer Männer in den USA wie in der BRD Ziel offizieller Politik. Es ist klassischer Rassismus, bei dem es um die Entmündigung und Enteignung einer mit Neid betrachteten Gruppe geht.

enickmar
28. April 2015 21:40

"Wenn man so etwas einfach übertragen könnte, dann würde das aber zeigen, dass „Geschichte“ gar keine Rolle spielt, sondern dass man quasi jedes europäische Volk unabhängig von seiner historischen Erfahrung x-beliebig gehirnwaschen kann."

Daher ja auch die Vorstellung eines europäischen Bürgerkrieges. Also eines Krieges primär der Ideen und nur in sekundär der Nationen. Demnach hätte Deutschland den Krieg für ganz Europa geführt und verloren.

Joseph von Sternberg
28. April 2015 21:49

Hier im Kommentarteil wird die ganze Zeit immer wieder geschrieben Liddell sei "Amerikaner" oder der Artikel sei "amerikanisch" - beides mit einer naserümpfenden Note.

Liddell ist Schotte - in Südafrika aufgewachsen - und lebt in Japan...

An alle, die hier ihre Wochenzeitung für Debatte-Befindlichkeiten, arrogant und verklemmt zugleich, präsentieren:

Liddell steckt euch alle in die Tasche!

enickmar
28. April 2015 21:51

Wenn schon “Schnodderverbot” dann vielleicht auch “Naivitätsverbot” ?

Für Kommentare wie “… archaisch für die eigene Barbarei eins auf die Nase bekommen” gibt es ja auch andere Blogs. Und ob die x-te Erörterung des Weltkriegs samt Judenverfolgung uns hier im gehobenen Gedankenaustausch weiterbringt ist auch fraglich.

Diese Diskussionen sind eigentlich inzwischen irrelevant. Für die, die noch Nachholbedarf in historischer Bildung (anstelle von Propaganda) haben, gibt es inzwischen viel gute Literatur darüber (auch bei Antaios).

Wenn wir aber als wir selbst überleben wollen, dann haben wir, wenn überhaupt, nur noch ein sehr kleines Zeitfenster. Innerhalb dieser Zeit wird sich die Möglichkeit zu einem deutschen Deutschland nur durch die “Gnade” der internationalen Eliten ergeben (natürlich entwickelt in Think-Tanks; "the powers that be"). Und zwar nicht aus deren Großmütigkeit heraus, sondern zu deren purem Eigennutz.
Die tatsächliche moralische Einschätzung der deutschen Vergangenheit ist dabei genauso irrelevant, wie sie es beim bisherigen offiziellen Geschichtsbild war. Nicht etwa, weil unser Zweck unsere Mittel heiligte, sondern einfach, weil es eben unbedeutend ist.

Ob uns die USA paßt oder nicht, wählerisch beim Geschmack können wir bei bei der Suche nach Kooperation genauso wenig sein, wie bei den Pegida-Demonstranten.

Texte, wie die von Liddell, könnten daher vage Beispiele für Anknüpfungpunkte sein (Vor allem wegen der ökonomischen Komponente). Auch wenn wir es nicht unbedingt ehrlicher, aber jedenfalls einige Klassen mächtiger benötigen …

Michael Sack
28. April 2015 22:41

@ Wegner

Ich wußte nicht, daß es sich um eine Anspielung handelt. Ich verstehe die Beispiele Ätzkalk usw. als ein Wort für die egoistische, brutale, bösartige Art, das Übliche, wie Interessengruppen, auch die Führer und Verantwortlichen von Volksgemeinschaften, im Geheimen und 'abgestimmt' gegen andere Menschen und eben auch Völker agieren, auch, damit sie gegeneinander sind - eben argschlimm und teuflisch : ´... das Denken des menschlichen Herzens ist böse immerdar`, 1. Mose 6, ab 5. Ich dachte da also nicht speziell an den Nationalsozialismus. (Sondern so : "Der kalte Krieg war nie vorbei", oben, von Hans; weil Staaten biblisch ´Tier` sind; siehe den Propheten Daniel).

Christlich, der Nächstenliebe entsprechend ist aber Römer 12, 17 : ´... seid auf Gutes bedacht gegenüber jederman.` Und das ist bei Meinungsfreiheit wirklich von Entscheidern einzufordern, denn : Eigentum verpflichtet. Auch der Amtseid. Eigentlich Verstand auch. Es braucht also ´echte` christliche Politiker. Nicht nur bei uns.

Weil dies nicht geschieht und so nicht ist, deswegen ist ja die Not so riesig in der Welt, und dies gilt es, sich zu Herzen zu nehmen, denn :

Etwa 1 000 000 000 Menschen hausen und fristen und verzweifeln in Slums, und fast ebensoviele sind in beständigem Hunger und Unterernährung und davon sind immer Millionen und Millionen Elende überall, die dem hinsichenden Sterben entgegenhungern, seit Jahrzehnten so; und usw., usw., und die vielen Abgestürzten überall sollten z.B. auch bedacht werden. Und das alles kann nur überwunden werden mit Gutem. Wozu wir menschen so schwer in der Lage sind. Es ist aber, bei allem Pessimismus auch hier, vom ´Guten` allerdings mehr da, als man so denkt, auch da muß man genau hinschauen.

Und : "Da muss es also noch irgendetwas anderes geben", von Simon. Ja, genau, es ist die Gottlosigkeit, die den Menschen, auch die Völker ins Irrsinnige und ins Unglück bringt. Aber auch : ´Wer andern eine Grube gräbt, fällt selber hinein`, steht in den Sprüchen, im Prediger und auch so in den Psalmen. Es gilt für alle. Die Schweden allerdings meine ich wegen der wohl geziehlt gewollten Überfremdung in Deutschland damit nicht. Sondern nur so : ´Drangsal und Angst über jede Seele, die das Böse vollbringt`. Was aber Ungerechte den Deutschen antun und antaten, geschieht diesen selber. Es ist ja zu sehen so. Ja, es ist erschreckend, wie GOTT regieren und reagieren kann.

.

Uli Tedesco
28. April 2015 22:48

Es geht um die Neuköllnisierung Deutschlands
@ Muotis

Wie soll... eine moralische Wiederbewaffnung gelingen, wenn sie nur bei jenen greift, die ohnehin schon überzeugt sind?

Zur moralischen Wiederbewaffnung gehört es, Täuschungen und Verwirrungsmanöver der herrschenden Medien aufzudecken und auf griffige, eingängige Formeln zu bringen, die sich dann z. B. über die Sozialen Netzwerke verbreiten können.

Zwei Beispiele. Die Medien verbreiten die These, es gehe bei der Einwanderungsfrage um das Prinzip moderne Weltoffenheit contra dumpfen, rückständigen, faschismusverdächtigen deutschen Nationalismus. Da will man natürlich zu den Weltoffenen (d. h. den Guten) gehören und traut sich nicht, seine Bedenken zu äußern.

So wird eine Einwanderungspolitik betrieben, die in wenigen Jahren in weiten Teilen Deutschlands zu Zuständen wie in Berlin-Neukölln führen würde. Das möchte die deutsche Bevölkerung nicht wirklich, sie kann jedoch ihren Wunsch durch die ständige Berieselung bezüglich Weltoffenheit und eingeschüchtert durch den sofortigen Faschismusverdacht bei anderer Ansicht nicht frei artikulieren.

Würde die Frage lauten: Sind sie für die Neuköllnisierung Ihres Stadtviertels, Ihrer Stadt, Ihres Bundeslandes?, so würden die meisten Menschen verneinen. Moralische Wiederbewaffnung heißt in diesem Falle, die richtigen Fragen zu stellen und damit den manipulativen Blickwinkel der Medien auszuhebeln.

Beispiel 2
Die Medien haben es geschafft, alles mögliche als "rechts" zu verteufeln. Deshalb scheuen sich auch Konservative so oft, ihre Ansichten zu äußern, aus Furcht, dann als "rechts" abgestempelt zu werden.

Doch der Spieß ließe sich sprachlich umdrehen. Wer den "Kampf gegen Rechts" betreibt ist ein Rechtsgegner, ein Rechtsfeind, er ist rechtsfeindlich eingestellt. Das Wort "Rechtsfeindlichkeit" hat eine doppelte Bedeutung, die es auch für eingefleischte Linke gefährlich macht. Es bedeutet einerseits "Feindschaft gegen Rechts", kann aber auch Feindschaft gegen "das Recht" bedeuten. Als Feinde des Rechtsstaats wollen sich viele Gegner der Rechten nicht offen bekennen, sie kämen in die Defensive.

Zur geistigen Wiederbewaffnung gehört eine Sprache, die sich nicht ständig entschuldigt, sondern kraftvoll selbst in die Offensive geht. Durch das Internet lassen sich heutzutage neue Gedanken schneller und weiter verbreiten, als das früher möglich war. Dadurch haben auch die Zeitungen und das öffentlich-rechtliche Fernsehen etwas von ihrer Monopolstellung verloren. Volkes Stimme kann sich heutzutage auch über das Internet Bahn brechen.

Marcus Junge
28. April 2015 23:51

Zur nötige geistigen Wiederbewaffnung

Titanic 11/1991 Wiglaf Droste (außerdem Autor gewesen bei Spiegel, SZ, WDR, Junge Welt, TAZ, Konkret, Neues Deutschland)
"Das deutsche Volk hat die moralische Verpflichtung auszusterben, und zwar subito. Jeder Pole, Russe, Jude, Franzose, Schwarzafrikaner usw. hat genauso viele Rechte, auf „deutschen Boden“, von dem gesprochen wird , als sei er heilig und gebenedeit, zu leben wie irgendein Deutscher – wenn nicht sogar mehr. Ich habe kein persönliches Schuldgefühl, was die deutsche Vergangenheit angeht, und ich möchte niemandem eins einreden. Historisch muß aber eine Gerechtigkeit erzwungen werden, und wenn so zirka 100 Millionen Asylanten, egal, wie arm, krank und kriminell sie sein mögen, aufgenommen und gleichwertig behandelt worden sind, dann darf an einem Kneipentisch ein Besoffener einmal leise seine Überfremdungsbeschwerde führen – aber keinen Tag eher. Die „Deutschland-den-Deutschen!“-Deutschen, egal, ob sie radikal nazistisch wie in Hoyerswerda oder unterschwellig rassistisch auftreten, wie zum Beispiel in Saarlouis oder Bielefeld, haben den Rand zu halten und sich nicht zu mopsen. Tun sie es doch, gehören sie – ja doch! – deportiert, an den dunkelsten, kältesten und elendsten Ort, der sich in diesem Universum finden läßt. Dort dürfen sie dann in der Scheiße, die sie im Kopf haben, ersaufen."

Jutta von Dithfurt

"Ich finde Deutschland zum Kotzen."

Jan Philipp Reemtsma

Wurde gefragt: Lieben Sie Deutschland?
Antwort: "Halten Sie mich für nekrophil?"

Margarete Mitscherlich 15.12.1986 ZDF „5 nach 10“

"Für sie bedeute es weder einen Grund zur Besorgnis, noch Anlaß zur Trauer, wenn das deutsche Volk in nicht allzu ferner Zukunft aussterben würde, denn es habe in beiden Weltkriegen dieses Jahrhunderts unendlich viel Schuld auf sich geladen. Nur eine intensive Vermischung mit den kinderreichen Farbigen der dritten Welt könne den verbrecherischen Volkscharakter allmählich verändern. Die Deutschen seien eine Verbrechernation, die kein Recht mehr auf ein eigenes Volksleben habe."

Das steht beispielhaft für die Gedankenwelt der "Elite" der BRD, die Tonangeber und Richtungsweiser, der Lügenmedien der BRD.

Heinz Nawartil „Der Kult mit der Schuld“ meint dazu, dies sie die Umkehrung der NS-Ideologie.

„in rotlackierter Version wiederkehren: die Einteilung der Menschen in gute und böse Rassen, von denen letztere möglichst von der Erdoberfläche verschwinden sollten, die historische Notwendigkeit und Entschuldbarkeit von Verbrechen, insbesondere wenn Untaten der anderen Seite vorausgegangen sind, eine Neuauflage der „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“ mit neu verteilten Rollen ect.“

Und Rolf Stolz sagte dazu, diese Einstellung habe die (ganze linke) Szene erfaßt und sei in abgeschwächter Form aber schon ein Massenphänomen.

Man bedenke dabei, das ist aus einem 14 Jahre alten Buch entnommen, die Zitate selber sind teilweise nochmals 15 Jahre älter. Es ist in diesen fast 30 Jahren sicherlich nicht besser geworden (Hust, Hust). Und welche auffallende Ähnlichkeiten zwischen dem Zustrom der ganzen Fachkräfte und den Wünschen (siehe Zitate) gewisser Personen. Und unter diesen Voraussetzungen soll man dann, immer friedlich und durch reden / überzeugen, die Lage retten.

Eveline
29. April 2015 07:22

https://www.youtube.com/watch?v=fwOYhE7pii4

Kirche und Faschismus, ein Vortrag von Karl-Heinz Deschner.

Um sich zu orientieren, wie wurden die europäischen Völker damals betrogen und mit Halbwahrheiten gefüttert, lohnt dieser Vortrag schon reinzuhören.

Führt er doch ins Heute und macht deutlich, wo die Strippenzieher des heutigen "Neuköllns" wahrlich sitzen.

Neukölln ist hässlich modern, diesmal keine Bomben auf die Städte, kein Hautabziehen und Augen ausstechen. Pfählen und Vierteln i n den Kirchen, nein diesmal zeigt sich der elitäre Sadismus geistig, über die deutsche Pflicht Weltoffen zu sein.
Und wieder wird vergessen, das wir in einer polaren Welt leben, das, wenn einer Weltoffenheit fordert, ganz automatisch, wie das Ein und Ausatmen, die Weltabgeschiedenheit gelebt werden muß. Möglichst nicht im Knast.
Allerdings Unwissenheit und Dummheit sind nicht zu bekämpfen.
Es gibt auf der Erde auch keinen totalen Krieg, das ist ein Widerspruch in sich. Bildung wäre eine Möglichkeit den offiziellen Wahnsinn zu durchschauen, um nicht schon wieder, einer totalen Einpoligkeit hinterherzulaufen.

Joachim Kuhnle
29. April 2015 10:05

@ Marcus Junge
Der extrem linken Standpunkt ist begründet und legitim, auch wenn ich ihn selbstverständlich nicht teile. Nach linker Ideologie sind alle Menschen gleich und es dürfen keine Ungerechtigkeiten durch den Geburtsort entstehen. Die Nationen und deren Staaten sind demnach zu Gunsten weltweit gültiger Ideale aufzulösen. Mehrheitlich ist man in Deuschland (und erst recht in anderen Ländern) vom linken Denken in dieser Frage weit entfernt. Die Mehrheit denkt nationalkonservativ, d.h. die deutsche Nation und ihr Staat sollen erhalten bleiben. Sollte die Mehrheit einmal so denken wie Frau Dittfurt oder Herr Reemtsma, dann hätte sich die deutsche Nation selbst abgeschafft und es gäbe ohnehin nichts mehr zu bewahren. Beide Stimmen sind für die Diskussion wichtig.

Gefählich wird es nur, wenn eine kleine Minderheit mit Hilfe totalitärer Methoden eine Politik durchsetzt, die von der Mehrheit nicht mitgetragen wird. Überhaupt sind es die totalitären Methoden, die unsere Nation bedrohen, egal ob sie von links, von rechts oder von der Mitte (man würde Mitte-Extremisten sagen) kommen. Der große Fehler in der Politik ist die Verteufelung der extremen Standpunkte an Stelle der Verteufelung der totalitären Methoden. Jenes ist ein Sachstreit mit Argumenten und Letzeres ist der Krieg gegen die Meinungsgegner, was als verwerflich anzusehen ist. Betrachten wir einmal Ihre Zitate unter diesem Aspekt:

Dittfurt und Reemtsma sind völlig i.O.

Droste: Aufbauschung zur Moralfrage = totalitär; Aussagen zu Polen, Russen, usw. sowie Asylanten i.O.; was man am Kneipentischen oder in Bielefeld sagen darf und was wann nicht = totalitär; Was man nicht tun darf (Hoyerswerda) ist vom Rechtsstaat vorzugeben und durchzusetzen; Deportation von Andersdenkenden = extrem totalitär und extrem bösartig.

Mitscherlich: Kollektivschuld = totalitär; die ganze Aussage ist auch in der Wortwahl extrem brutal und totalitär

Narwartil: Der Kult mit der Schuld ist keine Umkehrung der NS-Ideologie, sondern es ist eine Verwendung der totalitären NS-Methoden für die eigene Ideologie, die in keinem Zusammenhang mit der NS-Ideologie steht (sie ist auch nicht das Gegenteil). Der nächste Absatz basiert auf einem Irrtum und ist Antisemitismus = totalitär

Stolz: Massenphänomen, weil die linksextrem Szene groß ist, aber es ist immer noch eine deutliche Minderheit (zum Glück)

Letzter Absatz: Der Zusammenhang zwischen der Propagierung des Zustroms von Migranten und der linken Ideologie (Nation auflösen) ist naheliegend. Man muss dies aufdecken und darf niemals den Fehler machen in totalitäre Methoden zu verfallen. Also: Immer schön friedlich bleiben und duch reden und überzeugen die Lage retten! Das ist eine patriotische Pflicht.

Simon
29. April 2015 10:38

Ich habe hier ein alternatives Erklärungsmodell:

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wussten die Menschen kaum etwas über die anderen Teile der Welt, außer durch Reiseberichte Bücher und gelegentliche Zeitungslektüre. Wenn irgendwo im Osmanischen Reich Völker masakriert wurden, hat der Mehrheit der Bevölkerung das gar nicht mitbekommen, konnte also auch emotional kaum betroffen sein.

Ebensowenig wusste man in Asien oder Afrika etwas über Europa und die Verkehrsverbindungen waren so, dass man kaum eine Möglichkeit hatte in einen anderen Teil der Welt zu reisen, wenn man nicht sehr viel Geld hatte. (Siehe in 80 Tagen um die Welt)

In der Zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts hat das Fernsehen in jedem Winkel der Welt Einzug erhalten. Die Menschen in Afrika und Asien konnten nun sehen, in welchem Wohlstand die Menschen in Europa leben. Gleichzeitig waren die Verkehrsverbindungen viel besser geworden, so dass sich viele hunderttausend Menschen Richtung Europa aufmachen.

Umgekehrt hatten die christliche geprägten Europäer zum ersten Mal die Möglichkeit Bilder und Berichte aus diesen Ländern zu sehen und ihren Wohlstand mit dem Schicksal dieser Menschen zu vergleichen. Das hat bei vielen ein schlechtes Gewissen geschaffen. Die wenigsten Menschen sind so hart gesotten, dass sie Menschen im Mittelmeer ertrinken sehen können oder Opfer von Bürgerkriegen sehen, ohne Mitleid zu bekommen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde gerne zur Diskussion stellen, ob man wirklich die große Verschwörung braucht, um die Masseneinwanderung zu verstehen, oder ob dazu die Entwicklung der Medien, des Verkehrs, der Kommunikation und die unterschiedliche Wohlstandsentwicklung nicht ausreicht, um das zu erklären. Schließlich sind das alles Dinge, die es so noch nie in der Geschichte gegeben hat.

Marcus Junge
29. April 2015 13:01

Joachim Kuhnle

Sie verdrehen da etwas:

Es gilt bei den Linken eben nicht jedes Volk und jede Nation und jeder Mensch als gleichwertig. Sonst könnte man auf den seinen Seite nicht gegen die Umvolkung von Tibet sein, durch die Chinesen, siehe Richard Greer als Vorkämpfer und auf der anderen den unwilligen Europäern die Umvolkung befehlen, was hier dann plötzlich Mitmenschlichkeit sein soll.

Man könnte auch nicht die Integration, oder gar Assimilation, der Fachkräfte verneinen. Diese sollen ruhig ihre Kultur, Wertevorstellungen und Ideologie (Islam) behalten, während gleichzeitig die Werte, Normen und Religion(en) der Europäer gezielt ausgelöscht wird.

Man kann auch keine (eingebildeten) Ungerechtigkeiten dadurch beheben, indem man anderen (uns) neue Ungerechtigkeiten aufbürdet.

Und es ist völlig egal was die Mehrheit im stillen Kämmerlein denkt, wichtig ist was die Wortführer, Mediengewaltigen und die Mächtigen am Ende verkünden / tun, nachdem sie unterwürfig gewählt wurden. Und demnach hat Reemtsma schon gewonnen.

Sie verwechseln daher den ach so ehrbaren (irrsinnigen) Anspruch der Linken, mit dem was in der Realität knallhart gemacht wird. "Der extrem linken Standpunkt ist begründet und legitim" - nur wenn man nicht die Lügen darin sehen will / kann.

Und das Sie Nawratil nicht folgen wollen, kann ich nicht verstehen. Lange vor dem NS gab eine derartige Einteilungen schon beim Islam oder bei Weiße vs. andere (primitive) Rassen (die man daher unbedingt kolonisieren muß) und dann explizit bei Marx und Engels, worauf der NS aufbaute oder halt auch Lenin / Stalin / Mao / Pol Pot.

Ich erachte es daher als legitim den Irrsinn der heutigen Linken, der sich aus den Wahnvorstellungen der Frankfurter Schule entwickelt hat, parallel zum NS in den 1920 / 30'ern, als eine Umkehrung zu bezeichnen. Statt den Juden sind jetzt die Deutschen (steht Synonym für die Weißen) die Bösen und die Guten sind die Fremden aus Afrika / Asien. Statt den Juden sollen jetzt die Deutschen weg / vernichtet werden, damit die besagten Fremden hier gedeihen mögen. Als Ursache für jedes Übel der Welt gilt der Deutsche und die Lösung dafür wurde schon beschrieben. In diesem Sinne ist es völlig legitim von einer Umkehrung zu schreiben.

Immer friedlich, bis wann? Bis wir im Reservat gelandet sind oder doch bis zum letzten Gang im Vernichtungslager, oder darf es vorher das Umerziehungslager sein, in dem man dann unfriedlich werden darf? Die BRD bricht ständig ihre eigenen Gesetze und das GG, explizit zum Schaden des eigenen Staatsvolkes. Genau für den Fall gibt es 20-IV GG, ohne eine Begrenzung der dabei erlaubten Mittel. Geredete und gewarnt wurde vor der heutigen Entwicklung seit mindestens 40 Jahren, seit die Gastarbeiter zu "willkommenen Fachkräften (oder welche Agitprop-Vokabel auch immer gerade angesagt ist) wurden.

Es ist schlicht Völkermord, schleichend, langsam, unmerklich und doch Völkermord, gemäß Definition der UNO. Da ist Widerstand erlaubt, ausdrücklich, auch bewaffnet, egal was die politische Justiz der Völkermörder dann dazu sagen mag.

Es ist dazu eine (fast) exponentielle Entwicklung, irgendwann sind so viele Fakten geschaffen, da ist der Punkt ohne Wiederkehr passiert (wie beim Falschgeldsystem erlebbar). Wann will man sich also eingestehen das weitere Volksreden keine Lageänderung bringen werden?

derherold
29. April 2015 13:05

"... ob man wirklich die große Verschwörung braucht ..."

Da gibt es einen westdt. Politiker, mittlerweile recht alt, den ich "Heiner" nennen will. Dieser "Heiner" hat seit den 80ern ein (Lieblings-)Thema: Masseneinwanderung.
Und, kurioserweise, immer mit neuen "Argumenten".

- so viele sind es doch gar nicht
- es ist fremdenfeindlich, Eingewanderte zu kritisieren
- selbstverständlich ist Familienzusammenführung notwendig
- Türkische und arabische Schüler sind die Besten auf der Schule (vor Pisa)
- aus demograph. Gründen benötigen wir Masseneinwanderung (nach Pisa)

Kleriner Tipp: "Heiner" ist nicht Miglied bei den Grünen. Bei der SPD auch nicht.

Meyer
29. April 2015 14:00

Mit den "powers that be" zu gehen brachte zweimal desaströse Ergebnisse ein. Die zugehörigen Namen: von Holstein und Hitler.

Deutschland ist seitdem vergleichbarer mit den Niederlanden als mit den Großmächten in seiner politischen Dimension. Dies ist die Ausgangslage.

Deutschland wurde 1871 gegen Rußland und 1933 gegen die SU in Stellung gebracht. Der Traum derjenigen, die daraus die Ernte eingafahren haben. Bismarck wußte darum. Deshalb war es sein politisches Testament: Niemals gegen Rußland. Seine Nachfolger gaben dies ohne Not auf. Denn auch bis 1871 wurden die Einigungskriege von denen finanziert, die die deutsch-russische Konfrontation wünschten. Bleichröder und Rothschild sind die Namen. Bismarck war sich dessen vollkommen im Klaren. Er ritt auf des Messers Schneide.

Wer sollte denn heute noch dazu befähigt sein? Merkel? Ist es das was sie tut? Westlich blinken und östlich abbiegen? Wie einst Bismarck?

Die Optionen Deutschlands liegen auf der Hand. Entweder an der Seite der USA langsam dem totalen Untergang entgegen. Oder Seitenwechsel. Aber dann wird es ungemütlich. Die Option unserer Führungselite sah bis zur Ukraine-Krise vor, den Handel auf dem Landweg via Moskau nach China zu vervielfachen. Bezeichnen wir es mal als "Mittelweg" oder als "Neue Seidenstraße". Dieser Weg ist nun versperrt, weil es keine Landverbindung USA-freier Länder, mithin auch keine durch die USA unkontrollierten Handelsstrom gibt.

Es gibt kein Zeitfenster unter den "powers that be", das ist historisch widerlegt. Es gibt nur die Alternative Ost.

Joachim Kuhnle
29. April 2015 15:11

@ Marcus Junge

Diffenrenzieren hat nichts mit Vedrehen zu tun. Man muss unterscheiden zwischen den Linken (Personengruppe) und der linken Ideologie (theoretisches Menschenbild). Den Vorwurf nur das eigene Volk zugunsten anderer Völker vernichten zu wollen, halte ich für absurd. Dies solten Sie mit einem intelektuellen Linksideologen ausdiskutieren (ich bin kein Linker). Die Multi-Kulti-Ideologie sehe ich wie Sie sehr kritisch. Sie hat in der Tat etwas Zerstörerisches, wobei ich den Begriff Völkermord in diesem Zusammenhag als extrem unpassend erachte, weil ja keine Menschen ermordet werden sollen, sondern "nur" die Nation untergehen soll, und zwar im spenglerschen Sinn und nicht körperlich. Die Integration und Assimilation von Zuwanderern ist meines erachtens notwendig und gelingt auch (bisher) in weiten Teilen. In weiten Teilen gelingt sie aber aben auch nicht. Wenn es keine einheitliche Sprache mehr gibt, dann stirbt die Kommunikation und wenn es keine einheitliche Rechtsauffassung gibt, stirbt die staatliche Ordnung. Dahinter kann eine totalitäre Absicht stecken, nach dem Motto "erst das Chaos, und dann der Diktator, der aufräumt".

Für das deutsche Volk ist es von existenzieller Bedeutung, mit anderen Völkern Freundschaft zu pflegen. Die geopolitische Lage Deutschlands ist eine besondere Gefahr. Deutschland muss sich, um zu überleben, einordnen und sollte nicht nach Führung streben (Helmut Schmidt).

Wegner:
Jetzt geht das schon wieder los. Niemand, aber auch wirklich niemand träumt hier auch nur davon, sich mit Deutschland zu hegemonialer Größe aufzuschwingen. Genausowenig kann es aber sein, sich aus Gründen der captatio benevolentiae bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Lichte der eigenen Unterwürfigkeit zu sonnen. »Wir wollen uns selbst«, hieß es bei Heidegger. Ich möchte heute meinen: »Wir sollten uns selbst wollen.«

Der Irrsinn der heutigen Linken zeigt sich in der brutalen Methodik. Nach 1968 hat die Linke systematisch über Jahrzehnte die Presse erobert, bis hin zur FAZ, der ich (noch) treu bin. Der Wille zur Macht war in diesen Kreisen scheinbar sehr groß. Die mangelnde Treue der Elite zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung muss man sich wirklich Sorgen machen. Noch verhindert das Bundesverfassungsgericht Schlimmeres. Wenn aber auch dort das Rechtsbewußtsein unseres Bundesjustizministers Einzug hält, gehen nicht mehr nur am Kölner Dom die Lichter aus. Was man dagegen tun kann, ist schwierig zu beantworten. Die Analyse von Björn Höcke (AfD) scheint treffend. Irgendwann landet jede Partei im Machtapparat und die Moral geht dabei vor die Hunde. Am friedlichen Protest und an der Perteiendemokratie geht aber dennoch kein Weg vorbei. Gewalt (wie von Ihnen angedeutet) würde den Untergang erheblich beschleunigen.

derherold
29. April 2015 16:23

"Nach 1968 hat die Linke systematisch über Jahrzehnte die Presse erobert, bis hin zur FAZ, der ich (noch) treu bin."

Die Linke hat überhaupt nichts erobert. Die Linke hat sich kaufen lassen.

Figuren wie der "Josef" oder der "Jürgen" oder der "Gregor" oder die "Petra" verkörpern nicht die MACHT, sondern die Lakaien.

Simon
29. April 2015 16:53

"Kleriner Tipp: „Heiner“ ist nicht Miglied bei den Grünen. Bei der SPD auch nicht."

Heiner war aber Herz-Jesu-Marxist und die waren natürlich immer dafür, dass die Hungernden und Beladenen in Deutschland aufgenommen werden.

Andreas Walter
29. April 2015 17:30

Mittlerweile kommt man sich ja in Deutschland schon wie ein Werwolf vor, obwohl man sogar indiskutabel positive Werte vertritt. Was ist den falsch an intakten Familien, an echten christlichen Werten, und glaubt man dem Ökonom Jeremy Rifkin wird es in Zukunft eh immer weniger Arbeit geben, die verteilt werden kann. Auch wer in Zukunft noch stärker nach ökologischen Prinzipien leben möchte müsste eigentlich eine kleinere Bevölkerungszahl pro Flächeneinheit (auch) in Deutschland begrüssen.

Oder warum holt man eigentlich nicht als erstes die derzeit in islamischen Ländern verfolgten Christen nach Europa, habe ich mich gestern gefragt, nachdem ich mir eine Dokumentation über Christenverfolgung angesehen habe.

https://www.youtube.com/watch?v=QWCQuUpYHLI

Damit würde doch Europa und auch Deutschland seinen humanitären Beitrag doch schon mehr als erfüllen wenn man tatsächlich der Meinung ist, dass dies die Welt zu einem besseren Ort macht.

Doch sowohl die beiden grossen Kirchen Deutschlands wie auch alle etablierten Parteien mit Ausnahme der wenigen wirklich Deutschen führen stattdessen unser Land derzeit geradewegs mitten in eine sichere sowohl demographische wie auch soziale Katastrophe. Dies möglichst vielen Menschen mit allen mir nur erdenklichen und verfügbaren Mitteln bewusst zu machen halte ich daher im Augenblick für meine vorrangige Aufgabe.

Wir brauchen daher auch in Zukunft die vielen Ausländer nicht und schon gar keine Muslime. Das ist wenn kein unentschuldbarer Irrglaube dann sogar eine faustdicke Lüge hinter der eine Andere, eine wahrhaft destruktive, bösartige, selbstzerstörerische Absicht steckt. PEGIDA auf zum Kirchentag. Konfrontiert auch die falschen und feigen Prediger mit ihrer eigenen Scheinheiligkeit und Lüge.

Joachim Kuhnle
29. April 2015 17:56

@ derherold
Gegen Ihre Vermutung irgendwer hätte irgendwen gekauft kann ich keine Argumente aufbieten. Spannend wird es allerdings erst, wenn man weiterdenkt. Warum hat man gerade diese Leute gekauft? Was versprach sich der Käufer davon? Haben sich die Gekauften zum Kauf angboten? Warum?

Ich denke der Finanzadel und die Grün-Linken ergänzen sich einfach prima. Eine so genannte Win-Win-Situation. Natürlich nur für die Beteiligten. Das Volk geht vor die Hunde.

enickmar
29. April 2015 17:59

@ Meyer

Guter konstruktiver Kommentar. Er gibt Gelegenheit zur Klarstellung.

Aufgrund des physischen und politischen Auflösungsprozesses gibt es, wenn überhaupt, nur noch ein kleines Zeitfenster, um der Vollendung dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Vollig gleichgültig welches Konzept dabei zum Einsatz kommt.
Die “Alternative Ost” in der klassischen Variante ist eine gute Idee, funtioniert aber auf absehbare Zeit nicht. Das würde schlicht und einfach verhindert.
Die prinzipellen Vorbeitungen dazu laufen schon (In den Think-Tanks wird gearbeitet):
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/29/der-feind-ist-unbekannt-usa-wollen-weltweit-truppen-stationieren/

Mit den “powers that be” zu gehen mag gescheitert sein. Daher sollen die “powers that be” ja auch mit uns gehen. Ein feiner aber bedeutender Unterschied.
Dabei würde ich die “powers that be” auch ruhig weitergefasst definieren, was östliche Eliten nicht ausschließt. Und es würde nicht um Deutschland als Mittel zum Zweck gegen eine andere Macht gehen, sondern um Deutschland und seine zivilisatorische Kraft an sich.

Andreas Walter
29. April 2015 18:35

@ Kiki

Ja, Kinder sind klug. Das freut mich daher zu hören und darauf stützt sich derzeit auch viel meiner Hoffnung. Auch viele Jugendliche wissen, merken bereits, dass hier irgendetwas nicht stimmt mit Deutschland, mit Europa, mit der sogenannten Neuen Weltordnung. Ihnen dabei zu helfen das alles richtig einzuordnen und diejenigen vorzuführen, die sie zu täuschen versuchen ist eine ehrenvolle Aufgabe in einer neuen Epoche der Aufklärung.

Und was das kennenlernen von patenten Jungs und Mädels, Männer und Frauen betrifft, die noch halbwegs klar bei Verstand sind muss man es halt genauso machen wie andere Minderheiten und Eliten auch. Denn was die können, dass können Patrioten auch. Es gibt sie nämlich überall, bereits mehr als man denkt. Nur trauen sich viele eben noch nicht, sich auch offen dazu zu bekennen. Was vielleicht auch gar nicht mal so schlecht ist, in diesem Fall. Die Dunkelziffer. Leute die alle erst ins Licht treten, wenn's die Zeit dazu reif ist. Denn Schläfer gibt es ja nicht erst seit 9/11, und auch nicht nur bei Feinden unserer Heimat. Auch im Ausland habe nicht nur ich jahrzehntelang sogar persönlich dafür gesorgt das viele Menschen einen positiven und richtigen Eindruck von unserem Volk haben und auch diese Impulse der Völkerverständigung gehen nie verloren.

Joachim Kuhnle
29. April 2015 18:41

@ Nils Wegner

Es gibt durchaus Landleute, die davon träumen, dass sich Deutschland zur hegemonialen Größe aufschwingt. Wen Sie mit "hier" andeuten, weis ich nicht. Wenn Sie sich sich und Ihren Bekanntenkreis meinen, müssen Sie dies beurteilen. Unterstellungen liegen mir fern.

Ich glaube nicht, dass unser Altkanzler sich im Lichte der Unterwürfigkeit sonnen möchte. Er ist lediglich besorgt um die geographische Lage Deutschlands im Zetrum von Europa. Innerhalb der EU hat Deutschland die meisten Einwohner und die größte Wirtschaftskraft. Daraus wollen nicht wenige einen Führungsanspruch ableiten. Dieser Führungsanspruch wird aber von den umliegenden Ländern nicht akzeptiert. Dies wiederum führt dazu, dass sie sich gegen Deutschland verbünden und uns (in wecher Form auch immer) Schaden zufügen. Schmidt bedauert dies und nennt die geostrategische Lage Deutschlands einen schweren Nachteil.

Mit Ihrem "wir sollen uns selbst wollen" bin ich natürlich einverstanden. Mit einer "Unterwerfung" oder einer Selbstzerstörung ist niemandem gedient. Dies fänden auch unsere Nachbarn suspekt. Es würde daher noch nicht einmal zum captatio benevolentiae reichen, sondern es wäre die stultia, zu deutsch die Dummheit. Gerade weil wir uns selbst wollen, benötigen wir verantwortungsbewußte Politiker mit dem diplomatische Gespür für die Interessen der Nachbarn und anderer Partner, um im Interesse Deutschlands positiv zu wirken. Bei der derzeitigen Regierung bin ich skeptisch.

Irrlicht
29. April 2015 18:50

@enickmar
"Daher ja auch die Vorstellung eines europäischen Bürgerkrieges. Also eines Krieges primär der Ideen und nur in sekundär der Nationen."

Obwohl Ernst Nolte zu den Ikonen der Rechten gehört, stelle ich nicht zum ersten Mal fest, dass ich kaum einer seiner Thesen zustimme. Auf den Zweiten Weltkrieg bezogen entspricht diese Interpretation weder den Überzeugungen der Deutschen noch denen der Kriegsgegner. Mohler, hier in seiner Funktion als Zeitzeuge, schreibt in den "Notizen", in der "Windstille" des Jahres 1942, nach den Zeiten des Hurras und vor Stalingrad, ließ sich die Haltung der meisten Deutschen, mit denen er zu tun hatte, zu einer Frage zuspitzen: "Sollen wir ein zweites Mal erleben, was unsere Väter und Mütter im demütigenden halbkolonialen Zustand Deutschlands nach der Niederlage 1918 mitmachten?"

Zur Illustration der Ansichten der Alliierten ein Zitat aus Zelikow/Rice "Germany Unified", in der Form von drei Fragen, die zusammen die "deutsche Frage" ausmachten und von den Siegermächten zwischen 1948 und 1955 intern thematisiert wurden:
"1. Do we trust the Germans enough to let them become unified again?
2. Do we trust the Germans enough to let them freely determine their own political-military alignment?
3. Do we trust the Germans enough to feel confident that their national aspirations will not threaten European peace?"
Es sind mehr oder weniger die gleichen Fragen wie 1990.

Ihren Ausführungen über das angeblich "kleine Zeitfenster" stimme ich ebenfalls nicht zu, ich denke eher umgekehrt, dass wir erst dann zu uns selbst finden können, wenn das Imperium zerstört ist.

enickmar
29. April 2015 19:23

PS:

Zudem geht es ja auch darum, überhaupt den politischen Einfluß zu gewinnen, der es erst ermöglicht irgendwelche Alternativen umzusetzen. Das wird ja offenbar entschieden verhindert. Und diesen Widerstand können nur diejenigen durch Kooperation aufgeben, die ihn eben leisten.

enickmar
29. April 2015 20:17

@ Irrlicht

Zwei Dinge nicht verstanden:

1. Bei (m)einer Beurteilung des Konflikts als "Europäischen Bürgerkriegs", geht es nicht darum, was die einzelnen Parteien sich dabei gedacht haben, sondern um das praktische Ergebnis bzgl. der gemeinten Ideen nach dem 30 jährigen Krieg.

2. Die Befürchtung des Zeitfensters ergibt sich einfach aus der aktuellen Lage der Nation. Wir können natürlich einfach mal abwarten. Dann schließen wir diesen Blog doch einfach ...

Meyer
29. April 2015 20:48

"Daher sollen die “powers that be” ja auch mit uns gehen." - Das ist ausgeschlossen. Niemals geht der Stärkere mit dem Schwächeren, immer umgekehrt. Muß!
Man darf auch nicht unterschätzen, daß jeweils v.H. und H. dachten, sie stünden in einem Interessenpool mit den Hintergrundmächten des Westens, die sie ja erst ermöglicht haben, auf Augenhöhe. Lediglich Bismarck spielte so ziemlich mit jeder Macht ein falsches Spiel und war darin mit diesen auf Augenhöhe.
1933 und 1890 war beides nicht Fall. Bereits nach Napoleon war dies so, noch während der ersten Unterhandlungen, direkt nach der Schlacht von Belle-Alliance wurde Preußen isoliert - durch England. Das zieht sich durch die Geschichte, daß jegliche Verbindung mit Westmächten eine mit kurzer Halbwertszeit ist. Wie jetzt auch. Der Schaden der Westbindung wird seit der Wirtschaftskrise deutlich. Nicht nur uns, sondern auch an oberer Stelle. ZBig, Friedman wie auch die Drei-Buchstaben-Agenturen der USA (dank Snowden wissen wir dies) haben Deutschland weit oben auf dem Zettel. Um mit den "powers that be" sich auf Augenhöhe zu verbinden, müßten wir ja auf Augenhöhe stehen. Dies ist erkennbar nicht der Fall. Zudem würden die "powers that be" uns durch eine etwaige laisser-faire-Verbindung erlauben, auf Augenhöhe zu gelangen (wie 1933). Das widerspricht dem natürlichen und logischen Machtstreben.

Ich schrieb mal an anderer Stelle, daß die Schwäche Deutschlands im Vergleich zu Rußland und den USA jeweils dadurch kompensiert wird, daß niemand das deutsche Potential an der jeweils anderen Seite sehen will.
Friedmans Analyse, daß es das Wesen der amerikanischen Außenpolitik im 19. Jhdt war, Deutschland und Rußland zu trennen, ist zutreffend. Deutllich, wie dies auch jetzt geschieht.

Alles, was innenpolitisch geschieht, vom Euro (der ja ursprünglich das Ziel hatte, einen Pfeiler amerikanischer Macht zu überwinden) und dessen feindliche Übernahme und dem andauernden Zerfall, über PEGIDA bis zu den Spionage-Rechtfertigungsartikeln in der FAZ, läßt sich nur verstehen, wenn man deren Einbindung in die außenpolitische Gesamtlage berücksichtigt. Frankreich besitzt eine Alternative. Deutschland nur eine Schein-Alternative.

Nur um das klar zu stellen: Wäre Rußland als Sieger aus dem Kalten Krieg gegangen, wäre die Lage seitenverkehrt und wir müßten Anlehnung an die USA suchen. Es geht hier nicht um romantische Vorstellungen (die ich bezüglich Rußland auch im Ansatz nicht besitze), sondern um die Suche nach dem Ausweg aus der deutschen Machtlosigkeit. - Als Staat.

Geht die BRD diesen Weg nicht, so stellen sich alle weiteren Fragen nicht. Dann ist es nicht "unser" Staat, der mit seinem Volk in einer Symbiose zum gegenseitigen Profit lebt - leben will. Die "powers that be" IN der BRD sollten sich mal verschärft darüber Gedanken machen. Denn meine Geduld ist endlich. Und ich sehe annähernd täglich, wie Pro-Amerikaner in meinen Umfeldern umkippen. Wenn Mittelständler auf ausländischen Märkten, auf denen auch die amerikanische Konkurrenz auftritt, sich zurück ziehen muß, weil die Kaufpartner alle Verhandlungsinterena kennen, ist bereits die eigene Brieftasche massiv betroffen.

Der aktuell diskutiert BND-Hochverrat ist der schwerste Schaden, den die BRD seit 1945 erlitten hat, schwerer als die Snowden-Enthüllungen und die offensichtliche Ohnmacht.
Dieses Jahrhundert bleibt nicht friedlich. Die neue amerikanische "Wallenstein-Strategie" (da erhebe ich Urheberechte drauf), habe ich schon vor Jahren als die wahrscheinlichste Form der zu erwartenden zukünftigen Kriegsführung angesehen. Der im Zusammenhang mit der Strategie gefallene Satz, daß heutige Verbündete auch Feinde werden könnten, ist auf Deutschland gemünzt.

Sie werden uns nicht an die lange Leine nehmen. TTIP und Ukraine-Krise sind das Anziehen der Leine.

Deutschlands Elite muß freischwimmen lernen. Jetzt rächt es sich, nicht beizeiten Alternativen bedacht zu haben (wie die Türkei). Es rächt sich weiterhin, daß es keine außenpolitischen Denkschulen gibt, die sich gegenseitig befeuern.

Irrlicht
29. April 2015 20:51

@enickmar
Mit Verlaub, aber ich halte die Aufrechterhaltung der Behauptung, es ging bei einem Ereignis mit Akteuren A und B primär um X, nach dem Aufweis, dass X in den Überzeugungssystemen von A und B nicht die primäre Rolle spielte, für unsinnig. Ihre "gemeinten Ideen" spielten eben keine hervorgehobene Rolle, weder in der einen noch in der anderen Hinsicht, auch nicht in Bezug auf das "praktische Ergebnis". Das "praktische Ergebnis" sah vor allen Dingen so aus: Ein Viertel des deutschen Staatsgebiets wurde annektiert samt Vertreibung der Bevölkerung, das Land war jahrzehntelang besetzt und geteilt, mit einer noch heute anhaltenden Truppenpräsenz eines der Sieger des Krieges.

enickmar
29. April 2015 20:51

PS @ Irrlicht

Zudem gibt es massenweise (auch schriftliche) Zeugnisse dafür, das der Krieg auch als Weltanschauungskrieg geführt wurde. Aber allein schon die europäischen Freiwilligen auf deutscher Seite sprechen schon für sich.

enickmar
29. April 2015 21:39

nochmal @ Meyer

Ich poste das hier nochmal (vielleicht wird's ja nochmal freigeschaltet):

Es geht darum, überhaupt den politischen Einfluß zu gewinnen, der es erst ermöglicht irgendwelche Alternativen umzusetzen. Das wird ja offenbar entschieden und mit großem Erfolg verhindert. Und diesen Widerstand gegen uns können nur diejenigen (durch "Kooperation") aufgeben, die ihn eben leisten.

Alles andere ist bis heute erfolglos geblieben ...

Rosenkranz
30. April 2015 08:45

@Meyer

Ich kann ihnen nur zustimmen.

Während Rußland, seit dem Ausverkauf in der Jelzin-Ära wieder erholt und deutlich an Gewicht gewonnen hat, torkeln wir nur herum und wissen nicht, was zu tun ist. Wir sollen Rußland weh tun, tun es aber nur ein wenig, während sich die VSA eine Unverschämtheit nach der anderen leisten.

Ich finde, zuerst muß die Souveränitätsfrage in der BRD gestellt werden. Auch wenn die Ostgebiete verloren sind, wäre es Zeit für eine Verfassung. Wie man allerdings die VSA zur Aufgabe ihrer militärischen Stützpunkte in der BRD bewegt, weiß ich auch nicht. Dieses kann aber nur aus einer Position der Stärke geschehen. Warum nicht auch mal über ein paar interkontinentale Atomraketen nachdenken!?

Auch wenn der Landweg nach Rußland durch VSA-Verbündete schwierig werden könnte, es gibt da noch die Ostsee für den Gütertransport. Der Bundeskanzler a.D. Schröder hat es mit der Gasleitung (Nordstream) vorgemacht und die Erpressungsversuche seitens der Transitländer können dadurch ins Leere laufen.

Die BRD muß sich entscheiden. Sonst entscheiden andere, aber nicht zu unserem Vorteil. Rußland hat seine Rohstoffe bisher tadellos zu uns geliefert, seine Truppen abgezogen und ist um ein gutes Verhältnis bemüht. Was von der anderen Seite für Zumutungen kommen, wissen wir auch. Aber was soll man sagen, wenn sogar der eigene Geheimdienst für fremde Mächte spioniert? Gehört Hochverrat nicht besonders hart bestraft?

Simon
30. April 2015 15:14

"Wie man allerdings die VSA zur Aufgabe ihrer militärischen Stützpunkte in der BRD bewegt, weiß ich auch nicht. Dieses kann aber nur aus einer Position der Stärke geschehen. Warum nicht auch mal über ein paar interkontinentale Atomraketen nachdenken!?"

Verstehe ich das richtig? Die USA hat Deutschland besetzt, und um diese dazu zu zwingen, abzuziehen, soll Deutschland interkontinentale Atomraketen erwerben und das während die USA Deutschland besetzt hat?

Wir können ja gleich die USA fragen, ob sie uns von ihren Atomwaffen, die sie in Deutschland statiniert haben, welche abgeben.

Wegner:
... und für die die Bundesrepublik Unterhaltskosten bezahlt, nicht zu vergessen.

Meyer
1. Mai 2015 20:50

Die konkrete Planung des eurasische Landweges als zukünftiger Hauptgüterstrom der Welt sieht Hochgeschwindigkeitsgüterbahnen vor. Ohne Umverladung. Zeitansatz Ostchina-Moskau-Duisburg: Zwei Tage. Derzeit: ca. 14 Tage. Seeweg: ca. 40 Tage.

Die Revolution und das Potential kann man erahnen. Multimodaler Verkehr wäre natürlich in Minus zum Geplanten.

Diese Verbindung treibt Washington um. Aus deren Sicht, langfristig existenzbedrohend.

Hildesvin
2. Mai 2015 16:57

Mit den "Wissenslücken" zu gewissen Ereignissen der jüngeren Geschichte ist es so eine Sache. Aber man wird doch noch sagen dürfen, daß sich die weitere Diskussion von vornherein erledigt hat, wenn die Prämisse grundfalsch ist.

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