Sezession
14. April 2015

PEGIDA-Rede von Götz Kubitschek vom 13. 4.

Götz Kubitschek

Hinweis: Meine Rede ist jetzt auf youtube eingestellt. Hier der Link.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Das war gestern schon eine imposante Atmosphäre in der Flutrinne an der Dresdner Messe: Als ich gegen 16 Uhr eintraf, waren schon 5000 Leute da, die Fahnen standen in einem kalten Wind, der Richtung Dresden blies. Mit jeder Straßenbahn kamen hunderte weitere Teilnehmer, dazu Demonstrationszüge von den umliegenden Parkplätzen mit Fahnen und Schildern und sehr guter Laune:

Denn von der Brücke aus sah der Kundgebungsplatz imposant aus. Ich sprach mit ein paar Wessis, die zum ersten Mal nach Dresden gekommen waren und ganz erschlagen waren von der Größe und Selbstverständlichkeit der Veranstaltung. Nach Geert Wilders und Tatjana Festerling konnte ich dann meine Rede halten - vor über 20 000 Leuten. Daß der Aufruf zu noch mehr Mut und Standhaftigkeit nicht an der Wirklichkeit vorbeiging, weiß ich durch einige Augenzeugenberichte, die ich heute vormittag erhielt. Ich zitiere mal einen:

Das Durchkämpfen der Antifantenkette, der nahkampfartige Tumult beim Durchbruch und die Schlagstöcke der Polizisten, die um uns herum in die vermischte, undifferenzierbare Menschenmenge hieben, weniger als einen Meter vor unserer Nase, das Entsetzen in den Gesichtern der alten Bürger inmitten des Gewühles, das Gebrüll und die zu Boden gegangene Frau - das war purer Geschichtsunterricht.

Jaja, auch die Pegida in Dresden ist noch lange kein Ponyhof. Hier der Wortlaut meiner Rede:

Vor einigen Wochen habe ich ein Ehepaar aus Zittau kennengelernt. Die beiden fahren Montag für Montag nach Dresden, seit dem 3. PEGIDA-Spaziergang, ohne Unterbrechung. Von ihren Söhnen ist der eine meist mit dabei, seine Freundin auch, und zwar unter der Fahne der Identitären Bewegung, unter der gelben Fahne mit dem Lambda-Zeichen der Spartaner.

Der andere Sohn dieser Familie ist skeptisch. Er ist voller Sorge, ob seine Eltern und sein Bruder auch das Richtige tun. Seine Frage lautet: Woher kommt so plötzlich das Selbstbewußtsein, gegen das, was in Deutschland geschieht, auf die Straße zu gehen, Woche für Woche und gegen den Widerstand aller Parteien, Medien und der beiden großen Kirchen?

Die Familie aus Zittau ist also in Unruhe geraten. Die Gespräche am Küchentisch sind anders, seit es die PEGIDA gibt. Es gibt neue Fragen, es gibt neue Antworten, es gibt Diskussionen und Sorgen, von denen man vor einem halben Jahr noch nichts wußte. Es gibt den einen Sohn, der mitgeht und es gibt den anderen Sohn, der noch nicht mitgeht.

Beide Söhne aber gehören zur Familie und haben an ihren Eltern etwas ganz Neues kennenlernt: den Mut, Montag für Montag nach Dresden zu fahren und den Mut, dies vor den Verwandten, den Freunden, den Kollegen zu bekennen: Denn es ist am Horizont eine neue Möglichkeit aufgegangen, eine politische Morgenröte, und es ist eine Lust, zornig zu sein und der Politik die Zähne zu zeigen.

Mit der PEGIDA, mit unseren Spaziergängen, mit unseren Parolen, mit unseren Fahnen und unseren Reden ist eine große Unruhe in Deutschland ausgebrochen. Es ist dies eine fruchtbare, eine gute Unruhe, und ich fordre Euch auf, noch mehr fruchtbare Unruhe zu verbreiten und nach jedem Montag noch kräftiger und noch konzentrierter zu leben und zu arbeiten als zuvor und auch im Alltag das beste Beispiel abzugeben für unser ganzes Volk! Denn das ist das beste Argument gegen jede Kritik.

Auch aus Leipzig habe ich ein Ehepaar kennengelernt, gute, bürgerliche Leute, die im Hexenkessel des 2. LEGIDA-Spaziergangs dabei waren. Sie sind in diesem Chaos aus linker Gewalt und staatlichem Zynismus plötzlich aufgewacht, politisch aufgewacht. Seither sind die Beiden in Dresden und in Leipzig mit auf der Straße, und sie berichten in ihrem Freundeskreis von dem, was sie erleben. Von diesem Freundeskreis ist nicht viel übriggeblieben: Der neue Blick auf die Dinge, der neue Standpunkt erschreckt die alten Freunde.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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