Sezession
24. April 2015

1915 – Die Endlösung der armenischen Frage

Gastbeitrag / 44 Kommentare

von Konrad Gill

Die Türkei hat gestern ihren Botschafter aus Österreich abgezogen. Sie hat damit eine der schärfsten im diplomatischen Verkehr üblichen Maßnahmen ergriffen, sonst gebräuchlich bei Kriegsdrohungen, schweren außen- oder wirtschaftspolitischen Verwerfungen oder dem Bruch internationaler Vereinbarungen. Der Grund war in diesem Fall allerdings weitaus – scheinbar – harmloser:

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wie in den Jahren zuvor schon Frankreich, die Schweiz und etwa 20 weitere Staaten hatte das Parlament der Alpenrepublik am Vortag die Verfolgung und Ermordung von etwa 1,5 Mio. orientalischen Christen im Ersten Weltkrieg als Völkermord anerkannt. Der Kulturmensch mag sich fragen, warum dies überhaupt nötig war oder, wenn schon, warum es so lange gedauert hat, wo doch die wesentlichen Tatsachen seit fast 100 Jahren jedem bekannt sein können, der sie kennen will; er könnte sich auch fragen, ob man wirklich eine mit der Verantwortung des Augenblicks offensichtlich überforderte Politikerin nach einer Schweigeminute davon schwadronieren lassen muß, man solle auch ertrunkener afrikanischer Wirtschaftsflüchtlinge gedenken – es ist einerlei:

Die Türken störten sich an klaren Aussagen wie „Völkermord verjährt nicht“ und vor allem an der Bezeichnung als „Genozid“. Während die Armenier sich begreiflicherweise begeistert zeigen, warnte der türkische Außenminister vor negativen Folgen für die bilateralen Beziehungen.

Schon Papst Franziskus hatte sich von beleidigten Türken vorwerfen lassen müssen, „Rassismus zu schüren“, weil er in relativ sachlichen Worten die – außerhalb turkophiler Kreise – allgemeine Auffassung dieser Untaten wiedergegeben hatte. Auch der türkische Botschafter beim Heiligen Stuhl war daraufhin abberufen worden. Die Ereignisse, die in der deutschen Literatur unter anderem als „historisches Vorbild für den Holocaust“, „blutigste Christenverfolgung der Neuzeit“ und „größtes Verbrechen des Ersten Weltkrieges“ bezeichnet werden, werden in der Türkei weithin nicht einmal als solche anerkannt.

Eine starke Lobby haben Armenier in Mitteleuropa nicht, anders als in Frankreich oder den USA. Der kleine und arme Kaukasusstaat (das Bruttoinlandsprodukt liegt unter dem von Bremen) weigert sich seit seiner Gründung, unterzugehen und aus der Geschichte verdrängt zu werden; die christlichen Armenier, wenngleich weitgehend in die Diaspora verstreut, geben ihr Kultur und ihr Volkstum zum großen Teil nicht auf.

Im Jahr des großen Gedenkens an den „Armenozid“ hat der armenische Staat sich mit einer „panarmenischen“ Deklaration erneut selbstbewußt gegen die im Vergleich gigantische und militärisch potente Türkei gestellt. Auch die geschichtspolitische Kontroverse wird mit einer multimedialen Kampagne geführt.

Diese Debatten und Auseinandersetzungen blieben auch auf unsere Große Mutter, die Frau Bundeskanzler, nicht ohne Wirkung:

In der klaren und verbindlichen Art, die sie beim Volke so beliebt macht, ließ sie (bzw. die von ihr geführte „große Koalition“, die offenbar als solche mindestens zwei der drei Staatsgewalten inkorporiert hat), erst verkünden, es werde keine Anerkennung des Völkermordes geben. Als dies deutsche Medien irritierte, verkündeten die aufrechten Koalitionäre, man wolle nun doch das „V“-Wort benutzen.

Bei den Terroristen von ISIS, deren Schuldkonto bei aller Gewaltsamkeit denn doch noch weitaus weniger belastet ist, war Merkel da weniger zimperlich. Aber da ging es auch um den Rüstungsexport, sie verstehen… Gestern abend sprach der Bundespräsident endlich aus, worauf so viele Armenier warteten. Wir dürfen gespannt sein, ob nun auch Botschafter abberufen oder ernste Konsequenzen angedroht werden. Bei Millionen von Türken im Land eine durchaus sicherheitsrelevante Frage.

Zur geschichtspolitischen Auseinandersetzung um den Völkermord an den Armeniern, der fast zur Ausrottung dieses ältesten christlichen Volks der Erde geführt hätte, wird in der nächsten Druckausgabe der Sezession ein Beitrag erscheinen. Für heute sei nur noch auf die Demonstrationen hingewiesen, die heute und morgen in den beiden deutschen Hauptstädten stattfinden: in Wien heute um 18:30 Uhr (Kundgebung) bzw. 19:15 Uhr (Schweigeminute und Marsch) am Karlsplatz/Resselpark, in Berlin morgen um 15:00 Uhr vor dem Bundeskanzleramt. Der 24. April 1915 gilt als Beginn des Genozids, der sich bis in die 1920er Jahre hinzog.


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Kommentare (44)

Weltversteher
24. April 2015 07:28

Ich finde dieses Moralisieren auf staatlicher Ebene trotzdem unerträglich. Das mag man alles erforschen, aufarbeiten, auch in jeder gesellschaftlichen Form würdigen.
Daß Staaten, zu deren Wesen das Austragen solcher "Konflikte" naturgemäß gehört, sich derartige Urteile über andere anmaßen, nur weil sie zufällig bei gewisser Betrachtung etwas makel-ärmer erscheinen, ist verlogen und ohnehin nur ein politisches Instrument.

Hajo Blaschke
24. April 2015 07:45

Russland hat den Versuch der Ausrottung der Armenier als das anerkannt und verurteilt, was es ist: Völkermord. Derartige Zicken wie gegen Österreich, Deutschland, Frankreich und den Vatikan hat sich der Große Führer aller Türken jedoch nicht geleistet. Das zeigt, dass man diesen Taqiya- Nasen klare Kante zeigen muss. Dann verstehen sie den Klartext.
Was sich unsere Führung leistet, ist einfach verlogen.

Merkel muss weg!

Falk K.
24. April 2015 08:36

Ach, es ist doch alles prima, wie immer ist Deutschland schuld:

"In diesem Fall müssen auch wir Deutsche insgesamt uns noch der Aufarbeitung stellen, wenn es nämlich um eine Mitverantwortung, unter Umständen sogar Mitschuld, am Völkermord an den Armeniern geht", sagte Gauck laut Redetext nach einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom.
(Quelle: tagesschau.de)

Gauck muss auch weg!

Raskolnikow
24. April 2015 08:45

Großgünstige Gemeinde, meiner Treu,

wie herrlich, hier von großen Dingen zu lesen statt jenen kleinkarierten Provinzalbernheiten zu lauschen, die sich in deutschen Spaßparteien zutragen. Es ist natürlich nicht mein Begehr die Bedeutung Eurer AfD-Abenteuerchen zu schmälern, aber es liegt mir auch fern, sie ungebührlich zu erhöhen. Und wenn es Euch gefällt, trotz meiner Warnrufe Eure Capazitäten für solche Possen auf den Schauplatz zu führen … Bitte sehr! Wie ich nie müde wurde und werde, zu verkünden: Wer da dürstet nach Licht, der rufe meinen Namen! Aber irgendwann hat die Lichtbringerei auch mal ein Ende. Deshalb zog ich es vor, in letzter Zeit etwas zurückhaltender mit meinen Unbotmäßigkeiten zu sein …

Umso erklecklicher nun der, hoffentlich nicht einmalige, Schwenk in die Außenpolitik. Denn, diese leise Kritik sei mir gestattet, der Sprung der Sezessionisten von der Meta- in die Schweinstrogpolitik lässt oft das weite Feld der Geopolitik und Strategie einfach aus. Und wenn man die Vorgänge zwischen den globalen Machtblöcken betrachtet, fragt man sich unweigerlich, wer eigentlich Hans-Olaf Henkel oder Konrad Adam sind. Die Vorgänge in dieser ehemals „letzten Hoffnung für Deutschland“, die der schadenfrohe Lichtmesz bei einer gemütlichen Melange mit seiner Kuchengabel sezierte, sind doch nicht mehr als die Hauerei von drei Trinkern in einem Imbiss in Ottendorf-Okrilla.(Verzeihung Herr Lichert!)

Um die türkische Überreaktion zu verstehen, muss man den Zeitpunkt und die Treffgenauigkeit dieser Wiener Entscheidung in Betracht ziehen. Auf den ersten Blick scheinen die Alpenländler hier eine zwar unnötige aber korrekte sprachliche Klärung einer Tatsache vorgenommen zu haben. Die Türken sind aber in der arabischen Welt isoliert wie eh und müssen sich auf den Westen unbedingt verlassen können. NATO, EU und USA waren ja dann auch in letzten Jahren „verlässliche Partner“, so wie die Wallstreet das eben versteht.

Mit dem Entgleiten des ISIS-Projekts sowie der folgenden Bewaffnung und Unterstützung kurdischer Gruppen hat der Westen die Türkei auf dem Altar der Destabilisierungsstrategie (Iran, Südgrenze Russland) geopfert. Das haben die Türken klar erkannt. Syrien scheint auch nicht in die türkische Einflußsphähre zu fallen. Präsident Assad widersteht, auch dank Hizb-Allah und Freiwilligen aus Europa, dem Druck des Westens einerseits und der sunnitischen Freaks andererseits. Der Iran ist selbstbewusst wie nie (S-300) und Russland steht im Norden/Osten fest an der Seite der türkischen Gegner. (Zum Bsp. Armenien verurteilte die Krim-Operation der Russen ausdrücklich nicht und in Gjumri haben sie eine AF-Basis.)

Für die Türken sieht es gerade nicht gut aus, der Westen lässt sie strategisch fallen. Dass die „Trotteln“ in Wien und Berlin gerade jetzt klare Worte sprechen, kann natürlich Zufall sein … Ein für das Imperium sehr günstiger Zufall, wie so oft. Und die türkische Dünnhäutigkeit ist in dieser Situation vollkommen verständlich.

Das soll vorerst genug sein. Das süße Gewürz meiner Vollkommenheit will wohlbedacht unter´s Volk gebracht sein …

Für den Hinweis auf Vosganian bin ich Götz Kubitschek ganz persönlich dankbar. Das Buch ist auch literarisch der würdige Nachfolger der „40 Tage“. Ich habe es mit großem Genuß gelesen.

Euch stets gewogen und dienstergeben,

R.

Carsten
24. April 2015 08:48

Beleidigtsein ist ein natürlicher Aggregatzustand von Orientalen ("Forder-Asiaten"). Ebenso wie keine Impulskontrolle zu besitzen und von Affekten beherrscht zu werden. Das kommt vermutlich von der traditionellen Erziehung, in der die Jungs Paschas sind. Das führt zur Reifeverzögerung.

Rumpelstilzchen
24. April 2015 10:02

@ Falk K.

Es geht wohl nicht um ein persönliches Beleidigtsein ( Immer ist Deutschland schuld) , sondern um so was wie eine historische Wahrheit.
Nach Michael Hesemann ( Völkermord an den Armeniern) haben die "Deutschen schon vor hundert Jahren bewußt weggeschaut, um die Türken als Verbündete im Ersten Weltkrieg nicht zu verlieren."
Und weiter:

Auslöser ( Anmerkung: für den Genozid) war nicht etwa, wie man denken könnte, muslimischer Fanatismus oder der Dschihad, der Heilige Krieg, der im November 1914 offiziell ausgerufen wurde, im Gegenteil: Der Islam war nur zur Rechtfertigung und Durchführung dieses Planes instrumentalisiert worden, genau wie der Plan, den Dschihad auszurufen, aus Berlin stammte – man hoffte, damit die 300 Millionen Muslime gegen Briten und Franzosen zu vereinen und zu Verbündeten der Achsenmächte zu machen.

Die damalige jungtürkische Regierung berief sich eher auf den europäischen Nationalismus, das Konzept, ein starker Staat müsse homogen sein. So sah man in der religiösen und ethnischen Vielfalt des Osmanischen Reiches den Grund für seine Schwäche."

Das mag manchen PI-Leser überfordern, aber vielleicht ist nicht eine böse Ideologie ( Islam) am Elend der Welt schuld, sondern geo- und machtpolitische Interessen bestimmen den Lauf der Welt. Und setzen Ideologien ein.

Gustav Grambauer
24. April 2015 10:35

Na, da tun sich ja auch bei SiN Abgründe auf ...

Herr Gill, es ist geradezu ein Beweis dafür, daß etwas faul ist, wenn Gauck sich einmischt. Zumindest sollte da bei Ihnen die Alarmlampe leuchten.

Raskolnikow, ich krieg`s nicht so prosaisch hin wie Sie:

Die atlantische Achse hat nichts mehr zu bieten außer neuen Casino-Wetten, am wenigsten ihrer eigenen Peripherie. Nicht nur sieht sie sich jetzt vor der Türkei und Griechenland in der Position der Bittstellerin für Gas, die NATO-Südflanke - als Brückenkopf in den mittleren Osten hinein und vor allem als unsinkbarer Flugzeugträger bei der Einkreisung Rußlands - ist am abschmieren, reden wir nicht vom Wanken der Statik des psychologischen Kartenhauses, nicht zuletzt bis in jede Amtsstube in Berlin und Brüssel hinein.

Übrigens ist die Armenien-Machination auch als neue Stufe der historischen Demontage Deutschlands zu verstehen, denn das Deutsche Reich war zur betreffenden Zeit Verbündeter der Türkei.

Deshalb gerade jetzt die gezierte Wendung, es ist die astreine Heuchelei.

Wenn ich mich dieser verweigere, dann sage ich damit nicht, daß ich die inkrimierten Taten gutheiße.

- G. G.

Landser
24. April 2015 10:35

„In diesem Fall müssen auch wir Deutsche insgesamt uns noch der Aufarbeitung stellen, wenn es nämlich um eine Mitverantwortung, unter Umständen sogar Mitschuld, am Völkermord an den Armeniern geht“, sagte Gauck laut Redetext nach einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom.
-So so, der "Aufarbeitung" müssen "wir Deutsche" uns stellen, event. sogar der "Mitverantwortung" oder gar der "Mitschuld". Ich bin sicher, das sie nun verstärkt losgehen wird, die (krampfhafte) Suche nach der deutschen "Mitschuld". In sowas sind "wir" ja gründlich, da lassen "wir" uns von niemandem übertreffen! Das wäre doch gelacht! In der Sache werden wir alle sicher noch manches zu hören bekommen von unser aller Oberpfaffe und Schuldprediger (und all den anderen Pfaffen, wie ja bereits geschehen). Da bin ich mir ganz sicher.
Weniger sicher bin ich mir bzgl. der Frage, ob der Bundesgauckler (und ähnliche Berufsschwätzer) mit dem selben Nachdruck die "Mitverantwortung" oder "Mitschuld" der Westalliierten des Zweiten Weltkrieges USA, GB und Frankreich an den Massenverbrechen ihres Verbündeten Sowjetunion (Gulag, Verrteibungen und Massenmorde an bspw. Wolgadeutschen, Krimtataren und Tschetschenen, Massenerschießungen, Massenvergewaltigungen, Massenplünderungen etc.!) anmahnen wird! Denn wenn das Deutsche Reich der Jahre 1914-18 mitverantwortlich sein soll für die Verbrechen eines Verbündeten, müßte dies dann nicht auch für diese wundervollen Vorzeige-Demokratien 30 Jahre später gelten? Und es rede sich doch niemand damit heraus, von all dem hätte man damals nichts gewußt. Der verbrecherische Charakter des Sowjetbolschewismus war schließlich von Anfang an offensichtlich, da die Sowjetverbrechen z.B. in der Ukraine und im Kaukasus der Zwischenkriegszeit im Westen sehr wohl bekannt waren. Zudem hatte die Sowjetunion sich 1939 halb Polen unter den Nagel gerissen, wenige Monate später Finnland überfallen und im Sommer 1940 die baltischen Staaten besetzt und sich einverleibt. Und trotzdem hatten sich GB, USA und (Exil-)Frankreich mit eben dieser UdSSR 1941 verbündet! Also keine "Mitverantwortung", keine "Mitschuld" für das, was zwischen 1941 und 1945 im sowjet. Machtbereich passiert ist? Wirklich?
Ich befürchte, es wird wieder mal nur an uns hängen bleiben. Dafür schon jetzt "herzlichen Dank" an all die bigotten Profi-Moralisten, Schuldschwätzer und Deutschlandhasser, an all die mit zweierlei Maß messenden Schuld-Instrumentalisierer (instrumentalisieren von vermeintlicher Schuld zwecks moralischer Selbstüberhöhung zur Herrschaftsabsicherung).
Ich hab mal die Uniform dieses Landes getragen (damals gab's noch ne UdSSR). Heute bin ich der Meinung, daß die BRD echt scheiße ist und wohl von Anfang an ne Fehlgeburt war. Doch Schluß jetzt, ich muß aufhören und mich übergeben.

Martin
24. April 2015 11:24

Wer Zeit hat, sollte einmal den im obigen Beitrag genannten Link

https://www.armenocide.de/

folgen und dort die dokumentierten Noten der deutschen Diplomaten nach Berlin, insbesondere aus dem Jahr 1915 durchlesen.

Das Ganze ergibt ein recht differenziertes Bild - Als Beispiele: Die Kurden waren wohl auch bei Massakern beteiligt bzw. an einigen Orten die durchführenden und es traf nicht nur Armenier, auch Chaldäer, also andere Christen. Auch ist etwas von Unterstützung der Christen durch Hilfsgüter zu finden etc.

Interessant ist - aus gerade heutiger, aktueller Sicht - auch eine Nachricht des deutschen Botschafters Wangenheim an den Reichskanzler Bethmann Hollweg vom 16.07.1915, in welchem dieser ausdrücklich und sehr weitsichtig folgendes mitteilt:

Wenn ich in letzter Zeit über diese Vorgänge Euerer Exzellenz ausführlicher berichtet habe, so geschah dies in der auch von Vicekonsul Kuckhoff geteilten Voraussicht, daß unsere Feinde uns später eine gewisse Mitschuld daran nachsagen werden. An der Hand meiner Berichte werden wir in der Lage sein, der feindlichen Welt insbesonders durch die Presse zu gegebener Zeit nachzuweisen, daß wir die zu weit gehenden Maßnahmen der türkischen Regierung und noch mehr die Ausschreitungen lokaler Organe stets nachdrücklich verurteilt haben.

https://www.armenocide.de/armenocide/armgende.nsf/71a2db7f07969cafc12577950000d79e/ec2841f0a8136667c12568f30059b1c5!OpenDocument

Abschließend:
Die Überschrift "Endlösung der armenischen Frage" halte ich übrigens eines Portals wie SiN unwürdig - das hat nicht nur Boulevard Charakter ...

Hajo Blaschke
24. April 2015 11:28

@Rumpelstilzchen, Sie sind wohl von Gaucks Krankheit auch schon infiziert? Was hätten denn die Deutschen gegen die versuchte Ausrottung der Armenier durch die Türken machen sollen? Mit dem Militär zu Felde ziehen? Kann sein, dass sie es wussten, ja und, wo ist da eine Mitschuld? Wenn Sie von einem Autounfall gewusst haben, sind Sie dann auch daran mitschuldig? Auch Engländer, Franzosen und Russen haben von diesem Völkermord gewusst. Ist deshalb vielleicht die Türkei als Täter nicht schuldig?

Judith
24. April 2015 11:38

Vorweg: Für die armenischen Bevölkerung ist die Anerkennung und Benennung des ihnen widerfahrenden Unrechts wichtig, richtig, und zu gönnen.

Ich befürchte nur, dass es darum aber nur vordergründig geht, während tatsächlich knallharte Machtpolitik das dahinterstehende Kalkül ist. Machtpolitik, die uns Deutschen keinen Machtmehrwert bringen wird, eher das Gegenteil.

Die nächste Fraktion von guten Menschen, die einen Genozid bescheinigt wissen will, scharrt schon mit den Füssen. Kurz: Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache und möchte mich da auch nicht von Schadenfreude für die Türken leiten lassen.

Falk K.
24. April 2015 11:47

@Rumpelstilzchen: keineswegs wollte ich mit dem Beitrag mein persönliches Beleidigtsein ausdrücken, auch wollte ich keine 'historischen Wahrheiten' leugnen, sondern meinem Unmut, nein, Ärger über den Bundesschämaugust ausdrücken. Der findet in jeder 'historischen Wahrheit' zielsicher die kleinen Brocken für die sich das Deutsche Volk auf ewig schämen und verantworten müsste.

Halt kein Repräsentant seines Volkes sondern ein unwürdiger Nestbeschmutzer.

Wie Sie da auf PI-Bezug schließen ist mit schleierhaft, bei mir funktioniert diese Seite seit geraumer Zeit noch nicht einmal.

Nun denn, ich wünsche der Gemeinde ein sonniges Wochenende!

Martin
24. April 2015 11:48

Kleiner Nachtrag:

Das oben verlinkte Schreiben des deutschen Botschafters ist auch in seinem weiteren, von mir nicht zitierten, Inhalt interessant und lesenswert.

Carsten
24. April 2015 12:26

Sapristi! R. ist wieder da!

Marc Thomas
24. April 2015 12:43

Feldzüge und Massaker sind Mittel und Instrumente der Evolution, Natur und Geschichte! Sie sind Teil der Politik, die - in Umkehrung von Clausi - die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln darstellt! Politik ist Krieg und Krieg ist Politik. Humanität, Trauer, Aufarbeitung usf. von Missetaten sind Instrumente, die im Rahmen von Heuchelei zur Diskreditierung des Feindes und Konkurrenten vor dessen eigener und anderer Bevölkerung von 99% Dumpflingen zwecks Anklage genutzt werden, während sie in Hinblick auf eigene, oft größere Taten prinzipiell unterbleiben; selbige werden weggekehrt, harmonisiert, gerechtfertigt oder glorifiziert.
Wobei dieses Vorgehen auch schon Krieg ist - Psycho- und Propagandakrieg!
Alles ist Krieg - immer und überall! Selbiger wird auch von Pazifisten geführt, die - sowieso Heuchler - Krieg gegen den Krieg führen.
Egal welcher Weg! Zum Schluß bleibt der Krieg der Vater der Dinge.
Da gibt es keinen Ausweg! Aus Gründen, die außerhalb des Bezugssystems der Primaten/Hominiden/des homo sapiens sapiens liegen, ist selbiger auch nicht wünschenswert.

Es ist die Tragik des dt. Volkes in einer künstlichen Parallelwelt zu leben und von einem antideutschen Feindregime beherrscht zu werden, welches die Deutschen deformiert hat um den genannten Propagandakrieg gegen das (tatsächlich?) eigene Volk zu führen, wobei dieser zerstörte Volkstumszugehörige diesem Regime gestattet, Zugriff auf sein Gehirn zu nehmen.

Die Türken sind zwar heute - aufgrund der Schuld der Machthaber in Europa (USA) - Feinde, aber sie verhalten sich sowohl bei Angriffen gegen ihr Volk als auch in der Fortsetzung ihres Expansionsdranges nach Westen vollkommen natürlich.
Die Europäer und Deutschen (darunter die Alpenrepublikler) sollten sich mehrere Scheiben abschneiden!

Marc Thomas
24. April 2015 12:57

@ Rumpelstilzchen

Verzeihen Sie, wortgewandter Schelm!

Es geht NIEMALS um HISTORISCHE oder GEGENWÄRTIGE Wahrheit!
Nicht einmal für die Armenier selbst!
In dem Begriff der Wahrheit liegt bereits die Un-Wahrheit; was für ein obszöner Begriff! Dabei beziehe ich mich nicht einmal auf das Phänomen der technischen Un-Möglichkeit der exakten Rekonstruierung historischer Realität in hundert Dimensionen und tausend Merkmalen und Erscheinungsformen.
Einzig und allein zählt der bewußte Aspekt der gewollten Wahrheit vom eigenen Standpunkt zum eigenen Nutzen!

Karl Eduard
24. April 2015 12:58

Immerhin lag die Türkei auf Seite der Achse im Krieg und konnte sich keine Aufstände im Hinterland leisten. Hat denn der Bundestag den Genozid an den Wolgadeutschen schon thematisiert? Oder den an den Kulaken? Das würde doch super in die Anti - Russland - Politik passen.

Es geht wohl darum, Erdogan als Schwächling darzustellen. Er hat seine Rolle gespielt. Nun muß jemand Neues her.

Rumpelstilzchen
24. April 2015 13:27

@ Falk @ Hajo @ Marc

Ich rede weder Gauck das Wort, noch habe ich einen Schuldkomplex ( d.h. ich springe nicht automatisch auf diese Schuldvorwürfe an ) . Ich habe nicht von Schuld gesprochen, sondern einen Autor zitiert.
Und da es nicht um Wahrheit geht ( dachte mir schon, dass es da einen Einwand gibt): Um was geht es eigentlich dann ?
Was ist Wahrheit ? Also bleiben wir bei nüchternen Fakten und sortieren erst mal die Gedanken:
https://www.amazon.de/Vernichtung-Armenier-Hitlers-Oberkommandierenden-Obersalzberg/dp/3656537607

Judith
24. April 2015 13:44

@Martin

Die von Ihnen verlinkte Seite und die dort dokumentierten Noten deutscher Diplomaten sind wirklich lesenswert.

Es scheinen also tatsächlich Teile der armenischen Bevölkerung mit dem türkischen Feind kollaboriert zu haben, die von der türkischen Regierung eingesetzten Strafmaßnahmen aber unverhältnismäßig und vor allem vollkommen Unschuldige treffend.

Das scheint mir überhaupt die einzige Konstante in der Weltgeschichte zu sein.

Stil-Blüte
24. April 2015 17:25

@ Landser,
Sie haben 'gedient'? Dann haben Sie auch gelernt s i c h zu beherrschen.

Übergeben? Nicht diesen aber- und aber-tausendfachen Satz rüder Facebook-Teilnehmer wiederholen.

Wie wäre es damit: Ich übergebe... die Stafette, die Botschaft, das Geschenk... im Sinne von weitergeben von Wissen, Erfahrung, Tradition. Aufforderung: Übernehmt! Weitergeben! Nein, nicht übergeben! Wir sind doch hungrig, nach Klarheit, nach Bestand, nach Schönheit. Da kotzt man doch nicht. War ich deutlich genug?

Unbenommen, mit Ihrem Ihrem Artikel haben Sie mir ein Geschenk bereitet! Und ich vermute, vielen anderen auch. Ihr Erbrochenes hat es buchstäblich verdorben. Schluss damit!

Mathias
24. April 2015 19:31

Es ist gut, daß an die armenischen Opfer des Völkermordes gedacht wird. Man sollte aber auch die Aramäer, die Assyrer und die Pontus-Griechen nicht vergessen, die auch ca. 500.000 Tote zu beklagen haben. Wir müssen auch daran denken, daß dieser Völkermord an der Wiege der Christenheit stattgefunden hat, z.B. heißt es Apostelgeschichte 11,26: "in Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt". Dieser Völkermord ist nicht nur ein Teil der Geschichte der Armenier und Aramäer, er gehört zur Geschichte der Christenheit.

von Espenfeld
24. April 2015 20:44

Als die europäischen Eindringlinge in den USA die eingeborenen Indianer mit purer Gewalt, Erschießungen, hinterlistigen Methoden und anderen fiesen Mitteln nach und nach bis auf die heutigen Reservatindianer ausrotteten , wußte das auch fast die ganze Welt . Und diese schaute locker zu , wie die mit Schnellfeuerwaffen und Alkohol bestückten Siedler dort über die Jahrzehnte Hunderttausende Indianer in die ewigen Jagdgründe beförderten. War das kein Völkermord ?

Wer trägt für dieses Völkermorden letzendlich die Verantwortung ? Auch diese fast vollständige Vernichtung und Zurückdrängung der Indianer war von den damaligen US-Regierungen geplant , von Mordgier, Habsucht und ungeheurer Landnahme geprägt.

Die ungezählten Massenmorde an einheimischen Afrikanern in Belgisch - Kongo im 19. Jahrhundert noch vor Armenien , der Holocaust, das tödliche Wüten der roten Khmer in Kambodscha, die Massenmorde unter Schwarzen in Ruanda, alles blutige Kugeln von Völkermorden auf einer Schnur.

Der zivilisatorisch und ethisch nicht eingehegte Mensch scheint ein zügelloses Raubtier zu sein . Seltsam ist nur, dass bisher alleine die pathogene deutsche Politik und deren main stream- Pressebluthunde noch 7 Jahrzehnte nach dem Verbrechen der Nazis an den Juden so tun, als ob diese individuelle Tat der Nazis auf ewig vererbbar wäre.

Was kommt als Nächstes ?

der letzte Deutsche
24. April 2015 21:08

Das Abziehen des Botschafters ging, wie im Beitrag richtig erwähnt
wurde, in früheren Jahren meist mit einer Kriegsdrohung bzw. Kriegs-
erklärung einher.

Wann stehen die Osmanen wieder vor Wien. Dieses mal wird ihnen
die Einnahme der Stadt wohl gelingen, da große Teile ihrer Truppen
bereits seit Jahrzehnten in der Stadt sind.

Hilfe aus dem Bruderland BRD ist leider auch nicht zu erwarten, da
die Natoführung in den USA eine Schwächung ihrer Südostflanke
Türkei nicht zulassen wird.

Legionär
24. April 2015 21:14

So groß das Verbrechen an den Armenieren auch war, ich halte die Beschäftigung damit - bei allem Respekt für historisches Interesse - abseits von Universitätsveranstaltungen aus rechter Sicht für unangebracht. Anstatt uns mit der genauen Bewertung von Verbrechen anderer Völker an anderen mit uns nicht mal verwandten Völkern, die sich in der Vergangenheit zutrugen, zu beschäftigen, sollten wir uns vielmehr mit den drängenden Gegenwartsfragen beschäftigen. Ich schätze die Arbeit die Arbeit von Kubitschek & wirklich sehr, lediglich fehlt mir im Moment an den Beiträgen etwas der Blick über den deutschen Tellerrand. Ich denke, vor allem die Beschäftigung mit der Situation der Masseneinwanderung von Nichtweißen in andere europäische Länder bzw. USA/Kanada/Australien/Neuseeland könnte uns einen ERkenntnisgewinn liefern. (demografische Entwicklung und vor allem Gruppierungen, die mit unterschiedlich großem Erfolg sich gegen die verhängnisvolle Masseneinwanderung & Überfremdung stemmen)

Konrad Gill
24. April 2015 22:26

Du liebe Güte! Da geht nun in der Diskussion aber einiges arg durcheinander. Der Reihe nach...

Weltversteher: „im Prinzip ja“, sagt Radio Eriwan (!), aber es geht hier nicht um einen Konflikt, wie er für Staaten typisch wäre, nicht um eine zwischenstaatliche Auseinandersetzung (denn einen Staat Armenien gab es zu jener Zeit gar nicht), sondern um einen Ausrottungsfeldzug gegen eine als solche ausgesuchte „feindliche“ Bevölkerungsgruppe. Das ist etwas völlig anderes und mit dem in gewissen Grenzen normalen Konfliktverhalten nicht im Ansatz zu erklären.

Raskolnikow: dem ist fast nichts hinzuzufügen, allerdings halte ich es für falsch, das türkische Verhalten allein oder auch nur überwiegend („um die türkische Überreaktion zu verstehen“) mit gegenwärtigen geopolitischen Lagen zu erklären. Die Stimmung im Türkenlande war doch zu diesem Thema schon immer ganz ähnlich ausgerichtet, egal in welcher Verfassung der Staat war. Übersteigerten orientalischen Nationalismus gibt es nicht erst seit gestern. Ich vermute eher, daß Erdogan innenpolitisch wirken will, denn um seinen durch die aktuelle Bündnissituation nicht aus der Welt geschafften Traum vom neuen osmanischen Reich weiterträumen zu können, braucht er hochmotivierte junge Männer. Und Schuldkomplexe wirken bekanntlich geistig abrüstend.

Rumpelstilzchen: machtstrategische Erwägungen jeder Art bestimmen den Lauf der Welt, das ist ganz richtig, und sie suchen sich gern Ideologien, um die Massen für ihre Ziele zu mobilisieren. Andererseits ist Ideologie nicht gleich Ideologie und Religion nicht gleich Religion. Ausmaß und Intensität der unter der islamischen Flagge verübten, speziell der osmanischen Verbrechen sind mit den so gern herausgekehrten Verbrechen im Namen der christlichen Kirchen nicht auf eine Stufe zu stellen. Wer das anders sieht, kennt die Geschichte der Christen im Orient, die Ausbreitungsgeschichte des Islams, die Geschichte des Balkans usw. nicht. Sie haben offenbar Hesemann gelesen, Sie wissen das, man muß aber kein „überforderter PI-Leser“ sein, um auf das im Islam angelegte Gefahrenpotential hinzuweisen.

Gustav Grambauer: wenn der Bundespräsident, ob Gauck oder Wulff oder wer auch immer, etwas offiziell von sich gibt, dann gehe ich zunächst davon aus, daß dies politisch und das heißt: zielgerichtet und überlegt, geschieht. Daraus aber pauschal zu schließen, das Gesagte könne nicht zustimmenswürdig und richtig sein, wäre recht kindisch, oder nicht?

Martin: schön, daß die Provokation durch den Titel bei jemandem funktioniert hat (oder nicht schön, weil sie nur den provoziert, der sich von den BRD-Komplexen noch nicht freimachen konnte), das gibt mir die Gelegenheit, hierauf noch einmal einzugehen. Die „Lösung der Armenierfrage“ als verhüllende Bezeichnung für Massenmord stammt keineswegs von frechen Pamphletisten wie mir, sondern von Talaat Pascha, einem der Hauptverantwortlichen für den Armenozid. Heinrich Morgenthau („Henry Morgenthau senior“) hat dieses Zitat in seinen Memoiren überliefert, und bevor jetzt wieder jemand den Wahrheitsgehalt bezweifelt, weil es von einem jüdischen US-amerikanischen Politiker stammt: die Erinnerungen stammen aus dem Jahr 1918, da gab es noch kein deutsches Analogon mit Bezug auf Juden. Im Übrigen sollten Sie die Berichte der deutschen Obersten im Osmanischen Reich, vor allem von Wangenheim, mit Vorsicht genießen, denn diese wurden zum Teil von den eigenen (türkenfreundlichen bzw. rein bündnispolitisch denkenden) Leuten mit falschen Informationen versorgt. Wangenheim erfuhr erst nach fast zwei Monaten, was wirklich vor sich ging. „Weitsichtig“ war seine Nachricht daher eher nicht. Aussagekräftiger sind die Berichte der Konsuln in den türkischen Städten sowie der von militärischen und politischen Rücksichten freien Zivilisten.

Hajo Blaschke: die deutsche Führung hatte tatsächlich aufgrund der Kriegslage wenige direkte Einflußmöglichkeiten. Sie hätte aber dennoch einen erheblichen Druck aufbauen können und vor allem hätte sie verhindern können (und müssen), daß Deutsche sich direkt an Deportationen beteiligen. Statt dessen vertraute die deutsche Führung blind den Berichten bekanntermaßen ausgesprochen türkenfreundlicher Offiziere und berief diejenigen ab, die anderes vorbrachten. Da haben etliche Politiker und Offiziere ganz fest beide Augen zugekniffen (ähnlich übrigens wie die Westalliierten angesichts der sowjetischen Greueltaten in Ostdeutschland). Von einer „Mitschuld“ zu sprechen, ist wohl zu hoch gegriffen, aber ganz unverantwortlich war das Deutsche Reich nicht. Ihr Autounfall-Vergleich ist völlig schief. Er funktioniert nur, wenn Sie mit im Auto saßen, den Unfall haben kommen sehen und ins Steuer hätten greifen können, aber dennoch nichts getan und keine Warnung ausgesprochen haben. Und in diesem Fall tragen Sie zwar vielleicht keine „Schuld“, sind aber dennoch mitverantwortlich. Im Übrigen will ich das Wort „Schuld“ im zurückblickenden historischen Zusammenhang eigentlich gar nicht mehr hören. Die Gaucks dieser Welt haben es mir verleidet.

Marc Thomas: Menschen sollten sich nicht wie Tiere benehmen, über das Beschränkt- und Eingezwängtsein in Fressen und Gefressenwerden sollten wir ab einer gewissen Kulturhöhe hinaus sein. Dieser Unsinn vom Recht des Stärkeren, dem Sozialdarwinismus pp. ist ein Rückschritt – nein, nicht hinter die „Ideen der Aufklärung“, sondern hinter das gesamte christlich-abendländische Menschenbild, das u.a. darauf beruht, daß der Mensch als Abbild Gottes einen höheren Anspruch an sich haben sollte als den Kampf ums Überleben gegen alle mit allen Mitteln. Ich zumindest bin sentimental genug, in einer Welt leben zu wollen, in der niemand leiden muß, weil er einem anderen gerade zufällig zur Erreichung von dessen Zielen im Weg steht. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach, was diese verbale Kraftmeierei und pseudorealistische Überbetonung von zu akzeptierenden „Natürlichkeiten“ für die Betroffenen bedeutet(e). Z.B. in Westarmenien 1915, z.B. in Ostpreußen 1945, z.B. im Irak 2015. Solche Konkretisierung verstehe jedenfalls ich als „Ernstfalldenken“.

Judith: die Kollaboration von Armeniern mit dem russischen Feind war faktisch nicht vorhanden. Es gab natürlich russische Armenier bei den russischen Truppen, aber noch zu Beginn des Krieges standen die osmanischen Armenier mit einer aus der Rückschau unbegreiflichen, letztlich wohl in der Hoffnung auf Verschonung gründenden, Loyalität zu „ihrem“ Reich. In den Grenzkämpfen des Winters 1914/15 kämpften russische gegen osmanische Armenier. Erst, als die Massaker und Todesmärsche schon begonnen hatten, bewaffneten sich mancherorts die Verzweifelten – wohlgemerkt: gegen türkische Truppen, die gekommen waren, um sie zu ermorden! Die Paranoia der osmanischen Führung vor einem armenischen „Dolchstoß“ in den Rücken der Front war aus Sicht halbwegs objektiver Beobachter bereits damals kaum verständlich und aus heutiger Sicht erst recht nicht. Meiner Meinung nach handelte es sich sowieso um ein vorgeschobenes, die Massen mobilisieren und Angst schüren sollendes Argument; die wahren Gründe waren rassenideologischer und religiöser Natur. Und noch etwas: die „Strafmaßnahmen“ richteten sich gegen anderthalb Millionen Menschen und zusätzlich Assyrer, Griechen, Chaldäer und z.T. sogar moslemische Völkerschaften, zu einem erheblichen Teil wohnten die gar nicht in Frontnähe, sondern im leicht zu kontrollierenden Westen (Griechen in Kleinasien, Armenier in Konstantinopel…). Es handelt sich um bis heute tradierte türkische Propagandalügen.

Herbert
25. April 2015 09:18

Wieso reden hier immer wieder irgendwelche Leute von den "Achsenmächten"? Solche gab es im 1. Weltkrieg nicht, nur "Mittelmächte". Soviel historische Genauigkeit dürfte man wohl noch erwarten können.

Hajo Blaschke
25. April 2015 12:39

@Rumpelstilzchen

Seltsam, dass Sie gerade bei Richard Albrecht die Wahrheit über den Völkermord an den Armeniern. Es wurden nicht nur Armenier sondern auch Aramäer, Chaldäer und Araber vertrieben und der Versuch unternommen, sie auszurotten, damit es in der Türkei zukünftig nur noch Moslems und Türken gibt.

Dazu berichten der deutsche Genaralkonsul in Konstantinopel im Juni 1915, Johann Heinrich Mordtmann:
„Das läßt sich nicht mehr durch militärische Rücksichten rechtfertigen; es handelt sich vielmehr, wie mir Talaat Bej vor einigen Wochen sagte, darum die Armenier zu vernichten".

Wir können also mit Stolz Herrn Gauck entgegnen, dass er mal wieder sein Volk zu Unrecht beledigt hat.

Richard Albrecht schlägt in die selbe Kerbe wie Gauck und das soll die Wahrheit widerspiegeln?

Rumpelstilzchen
25. April 2015 14:37

Werter Hajo Blaschke ,
Ich suche nicht die Wahrheit bei einem Autor ( hier Albrecht) , sondern versuche , die verschiedenen Aspekte zusammenzubringen.
Wenn ich hier Hitlers Ausspruch " Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ?" anführe, dann dachte ich eher daran, dass auch unser Außenminister nicht von der Vernichtung der Armenier ( als einem Völkermord) reden wollte, mit der obskuren Begründung, so indirekt den Holocaust zu verharmlosen.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article140043592/Steinmeier-warnt-vor-Verharmlosung-des-Holocaust.html
Liege ich hier ganz daneben, wenn ich hier einen seltsamen Zusammenhang sehe ? Und dass wir die heutigen Völkermorde deshalb gar nicht mehr wahrnehmen ?

Martin
25. April 2015 15:02

@Konrad Gill,

das das Wort "Endlösung" eine Provokation war, war mir vollstens bewusst, als ich es kritisiert hatte. Es wird nur nicht besser, wenn man derart billig provozieren will und das hat gar nichts mit "BRD-Komplexen" zu tun, eher etwas mit einem Stilgefühl, gewisse Begriffe nicht ohne Not oder echter sachlicher Begründung zu verwenden, da man damit nur den Affen Zucker gibt. Gut, die google Trefferwahrscheinlichkeit für den Artikel wurde damit erhöht - passen tut es dennoch nicht zum übrigen SiN- oder Sezessions-Niveau. Sie gießen mit der Verwendung des Begriffes nur Wasser auf die Mühlen eines Steinmeiers, der den Völkermord-Begriff auf den Fall der Armenier (oder umfassender: Der orientalischen Christen) deshalb nicht verwenden will, weil er damit die Gefahr einer Relativierung des Holocausts sieht (womit Steinmeier natürlich Blödsinn redet).

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/holocaust-frank-walter-steinmeier-warnt-vor-verharmlosung-a-1030417.html

Rumpelstilzchen
25. April 2015 15:19

Ergänzung
Herrn Broder ist Herr Steinmeier auch unangenehm aufgefallen.
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article140082537/Herr-Steinmeier-Sie-haben-von-nichts-eine-Ahnung.html

Eisenhans
25. April 2015 15:37

Auf keinen Fall sollten wir Deutschen uns die Singularität des Holocaust von wem auch immer nehmen lassen, nicht mal von den Osmanen. Wo kämen
wir da denn hin, bei soviel Anstrengung über 70 Jahre hinweg die schlechtesten aller Schlechten zu sein. Völkermord an den Armeniern ?
Wenn schon soviel "Mut", dann aber nur mit dem Hinweis auf deutsche Mit-
schuld, mindestens aber Mitverantwortung. Das lange Zögern der deutschen
Politkasper diesen Völkermord als Völkermord zu bezeichnen, dürfte wohl
auf die panische Angst vor Relativierungsvorwürfen zurückzuführen sein.
Vermutlich hat man sich erst nach mehrmaliger Rückversicherung bei den
Repräsentanten der westlichen "Wertegemeinschaft" zu diesem Tabubruch
deutscherseits durchringen können, wahrscheinlich auch noch mit einem sau-
schlechtem Gewissen. Das Böse der Welt und des gesamten Universums sitzt
nun mal zwischen Rhein und Oder, oder ?

Irrlicht
25. April 2015 16:00

@Konrad Gill
Die Berichte von deutschen Offizieren sind also ihrer Ansicht nach weniger glaubwürdig als die Aussage von Morgenthau, des Repräsentaten eines Kriegsgegners, zu dessen kulturellen Konstanten es gehört, den jeweiligen Gegner mit Gräuelpropaganda zu überziehen, ihn regelmäßig zum Feind der Menschheit zu stilisieren? Diesen kulturellen Aspekt der USA (eigentlich der ganzen angelsächsichen Welt) stellt Detlef Junker in "Die manichäische Falle. Das Deutsche Reich im Urteil der USA 1871-1945" heraus. Insb. wird klar, dass das Deutsche Reich längere Zeit und weit vor 1914/16 in dieser Falle steckte, und damit die Rolle übernahm, die zuerst die indigene Bevölkerung in Amerika, die Indianer, ausfüllte.

Von einer Zeitschrift/Blog mit intellektuellen Anspruch hätte ich eher eine Analyse des eigenartigen Diskurses zu diesem Thema erwartet. Stattdessen gibt es ein boulevardeskes Pamphlet.

RL
25. April 2015 16:40

An den Armeniern sollten wir uns ein Beispiel nehmen.
Während wir unser Deutschtum wegschmeissen, wie einen kaputten Autoreifen weigern sich die Armenier als Volk zu verschwinden.
Charles Aznavour saß bei den Feierlichkeiten in Armenien in der ersten Reihe, bei uns hetzt die Prominenz gegen das eigene Volk.

Aber da ist auch wieder die deutsche Krankheit sich für andere Völker und Interessen mehr einzusetzen, als für das Eigene.

Man sollte auch mal den Völkermord an uns benennen, aber das war ja die göttliche Strafe für all die deutschen "Missetaten" von 1871-1945.

Judith
25. April 2015 17:43

@ Konrad Gill

Hmm. Wenn ich Ihren Ausführungen richtig gefolgt bin, verbreiteten also Wangenheim und andere die türkische Propaganda. Entweder wissentlich [aus einem macht-strategischem Kalkül] oder weil sie ihr aufgesessen waren.

Und noch etwas: die „Strafmaßnahmen“ richteten sich gegen anderthalb Millionen Menschen und zusätzlich Assyrer, Griechen, Chaldäer und z.T. sogar moslemische Völkerschaften, zu einem erheblichen Teil wohnten die gar nicht in Frontnähe, sondern im leicht zu kontrollierenden Westen (Griechen in Kleinasien, Armenier in Konstantinopel…).

Das habe ich verstanden. Ich möchte mich bei dem Thema aber trotzdem nicht von Emotionen leiten lassen.

David Mägli
25. April 2015 17:56

Guten Tag

Eine Lektüreempfehlung:
Jakob Künzler "Im Land des Blutes und der Tränen: Erlebnisse in Mesopotamien während des Weltkrieges" (Orig. 1921, 1999 neu aufgelegt)
Der Appenzeller Künzler, gelernter Zimmermann, dann Krankenpfleger und schliesslich "gewordener" Arzt, hat in seinen Schweizer Ferien, nach 10 Jahren ununterbrochener Arbeit in Urfa seine Erlebnisse während der hier zu Rede stehenden Jahre zu Papier gebracht. In einer bescheidenen, schönen und dichten Sprache gibt er dem Leser Anteil an seinem und den mit ihm und seiner Tätigkeit verbundenen Leben (und Sterben). Als Krankenpfleger und Arztvertreter im Spital und späterer "Vater der armenischen Waisenkinder" (Gedenktafel an der Kirche seines Geburtsortes Hundwil AR in der Schweiz) hat er mit seiner Frau den Notleidenden, allen voran Waisen und Witwen, bis zur Erschöpfung geholfen und ist 1949 von vielen hoch geachtet im Libanon gestorben.

Hier der Link zu einer lesenswerten Biographie:
https://www.armenische-kirche.ch/wp-content/uploads/2014/10/Jakobk.pdf

Mit freundlichem Gruss

Bernhard
25. April 2015 19:12

Bei allem Respekt vor den Hunderttausenden toten Armeniern sollte man nicht vergessen, das Geschehen in einen Zusammenhang zu stellen: Die von Russland in Aussicht gestellte Invasion zur Befreiung der Armeniern und zur Zerschlagung der Türkei. Dabei die Bewaffnung der Armenier und deren Guerillakrieg gegen die türkische Herrschaft. So haben Türken und Kurden auch zurückgeschlagen. Ein Drama.

Hierzu empfehle ich das Kapitel "Rußland und die Armenier" in dem Buch Rußlands Weg in den Krieg (Europa-Verlag) des Historikers Sean McMeekin.

Wir sollten in der Tat differenzieren und hellhörig sein, wenn Gauck und Co die Welt über deren Verbrechen einseitig belehren wollen.

Hajo Blaschke
25. April 2015 19:17

@ Konrad Gill

Hallo Konrad, Sie treiben das sich in den Sandwerfen der Deutschen auf die Spitze. Ich hatte mich auf die angebliche Mitschuld der Deutschen berufen, die überhaupt nirgendwo zu sehen ist. Sie schwafeln nun auch noch von Mitverantwortung; das suggeriert unterschwellig, dass Deutschland nicht nur mit diesem Völkermord einverstanden war sondern wohl auch noch die Hand dabei mit am Drücker hatte und vielleicht sogar bei der Planung mitgewirkt hat. Was für ein Verbündeter war denn die Türkei? Deutschland hat sie in nichts geholfen, sie hatte lediglich den Plan, Deutschland dazu zu benutzen, gegen Russland geschützt zu werden.

Im übrigen: wie gesagt, hat Russland schon vor längerer Zeit diese Aktion der Türken als Völkermord gebrandmarkt und verurteilt. Und seltsamerweise hat der Große Führer aller Türken den türkischen Botschafter bis heute nicht aus Moskau abgezogen und auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht aufgekündigt. Klare Kante kann man da nur sagen. Warum kriegen deutsche Repräsentante so etwas nicht hin (wenn Sie denn die Polit"größen", die Deutschland momentan zu bieten hat als Repräsentanten bezeichnen wollen).

Sara Tempel
25. April 2015 20:13

Ja, warum ausgerechnet jetzt eine ernste Debatte im Bundestag zum Völkermord an Armeniern - im Rahmen des Theaters, daß die Politiker uns teuer als Demokratie verkaufen? Nützt es wieder den geopolitischen Plänen der USA in Bezug auf die Türkei? Wenn ein Bundespräsident Gauck nach einem ökumenischen Gedenkgottesdienst von "Mitverantwortung, unter Umständen sogar Mitschuld" spricht, kann das schon schnell Übelkeit auslösen. Soll uns Deutschen mit solcher Mitschuld die Identität mit Volk und Vergangenheit madig gemacht werden? Wieso werde ich, wie Landser, das Gefühl nicht los, dass immer wir die moralischen Opferlämmer sind? - Dabei ist die - bisher noch überlegenen- Arbeitskraft dieser Lämmer so vielen von Nutzen! Der türkische Nationalstolz wird durch solche Angriffe dagegen nur gestärkt! Aber dazu ist ja bereits viel Rechtes gesagt worden! Besonders schöne Worte fand Raskolnikow, so: "Die Türken sind aber in der arabischen Welt isoliert wie eh und müssen sich auf den Westen unbedingt verlassen können. NATO, EU und USA waren ja dann auch in letzten Jahren „verlässliche Partner“, so wie die Wallstreet das eben versteht. Mit dem Entgleiten des ISIS-Projekts sowie der folgenden Bewaffnung und Unterstützung kurdischer Gruppen hat der Westen die Türkei auf dem Altar der Destabilisierungsstrategie (Iran, Südgrenze Russland) geopfert". -
Unter den vielen möglichen Gründen -für das neueste Aufkochen historischer Blutsuppen im Polittheater- ist die Ablenkung vom Wesentlichen einer. Ein historisches Vorbild für den Holocaust, blutigste Christenverfolgung der Neuzeit, manipulativ zu nutzen, das passt zur allgemeinen Politströmung. Vorrangig wird gerne von der EU-Einwanderungspolitik abgelenkt, auch bekannt als "Der große Austausch". - Oftmals soll von Bereichen der Finanzkrise, aktuell evtl. von heimlichen Plänen mit dem einseitig vorteilhaften Handelsabkommen TTIP (- tatsächlich sind Dienstleistungen der Daseinsvorsorge von den TTIP-Verhandlungen nicht ausgenommen. Können die Anliegen öffentlicher Dienstleistungen - öffentliche Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung und Abfallwirtschaft - bei der Aushandlung von Marktzugangsverpflichtungen auf einem hohen Niveau geschützt werden?), abgelenkt werden.

Hühnerbaron
25. April 2015 22:52

@ Konrad Gill: Danke für Ihren Artikel und den Kommentar. Ich erlaube mir noch auf das Lepsiushaus in Potsdam hinzuweisen https://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/foerderung-der-bundesregierung-geld-und-kritik-fuer-das-lepsius-haus/1588938.html
, das gegen türkische Nötigungsversuche als konstante Gedenkstädte funktioniert.

Olaf
25. April 2015 23:37

Die Briten und Russen hätten ihre sinnlosen Angriffe gegen Deutschland 1915 beenden können, und sich auf die Türkei konzentrieren können, dann wäre der Genozid an den Armeniern verhindert worden. Aber diese zwei Nationen wollten lieber ihre Soldaten für Frankreichs Revanchekrieg verheizen. Das hätte Gauck auch sagen können, aber ohne deutsche Schuld kann dieser Totalversager nicht predigen.

Hugo
26. April 2015 02:12

Ja, im Schuld auf "sein" Volk laden ist der Gauckler groß.
Schuld anderen zuzuweisen ist ein neuer Zug.

Darf man hoffen, daß Gauckler und Lämmchen einstmals den Briten sagen, daß sie die 250.000 Dresdner im Februar vor 70 Jahren aus purer Völkermordlust gebraten haben? Das wäre ein Tag! Und wenn er dann noch in einem Nebensatz "Dünkirchen" unterbringt, dann wähle ich fortab CDU. (Nein, nur Spaß.) Keine gute Tat bleibt ungestraft.

Gustav Grambauer
26. April 2015 11:38

Konrad Gill

"wenn der Bundespräsident, ob Gauck oder Wulff oder wer auch immer, etwas offiziell von sich gibt, dann gehe ich zunächst davon aus, daß dies politisch und das heißt: zielgerichtet und überlegt, geschieht."

Nein, eben nicht. Es war wieder einer von den berüchtigten profilneurotischen oder sogar psychotischen Alleingängen Gaucks, mit dem er die drei "Gewalten" nicht nur genötigt, sondern, man muß sogar sagen: erpreßt hat.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article140005251/Gauck-spricht-klar-von-Voelkermord-an-den-Armeniern.html

DIe "C"DU ist in der Zwickmühle: viele, sehr viel Türken lassen sich vom "C" nicht abschrecken uns sind stramme Wähler dieser Partei, die Merkel und Kauder nicht verlieren wollen (Gauck sind Wähler egal). Andererseits hat diese Partei der atlantischen Räson zu folgen, was Gauck wohl nicht einmal flüsternd anzumerken brauchte.

- G. G.

Rumpelstilzchen
26. April 2015 12:06

1. Wie Annette Schaefgen 2010 in ihrem Beitrag über die Rezeptionsgeschichte des Genozids an den Armeniern aufzeigt , wird es höchste Zeit für eine "begriffliche Genauigkeit bei der Bewertung historischer Fakten" :
https://www.lepsiushaus-potsdam.de/uploads/images/Publikationen/Konferenzen/Lepsius%202010/annette-schaefgen.pdf

Sonst kommt es dazu, dass tausende türkische Nationalisten in Wien und Berlin ( 25.4.15) ungehindert als Völkermordleugner aufmarschieren können.

2. Im Gegensatz zu dem Schicksal der Armenier ( Aghet) ist der assyrische Genozid ( Seyfo) fast unbekannt geblieben. 1990 hat Gabriele Yonan daran erinnert.
https://www.amazon.de/Ein-vergessener-Holocaust-christlichen-Dokumentation/dp/3922197256

3. Nachdem selbst das amerikanische Sternchen Kim Kardashian ( keine Ahnung, für was die bekannt ist) in ihre Geschichte einsteigt, sollte dies dem in seinem "Sündenstolz" ( Hermann Lübbe) gefangenen Deutschen doch auch möglich sein:
https://time.com/3835074/kim-kardashian-west-armenian-genocide/

Zuletzt: Danke für die interessante Diskussion ! Auch Jürgen Elsässer bescheinigt SiN ein hohes Niveau. Und schämt sich fremd für das, was sich auf seinem Blog abspielt.
Schönen Sonntag .
R.

Eisenhans
26. April 2015 14:16

Es ist schon erstaunlich, wie einige Kommentatoren versuchen die Armeniervernichtung kriegsbedingt zu relativieren. Nur mal so zur Erinnerung: Schon 1894-96 gab es Massenmorde an Armeniern in Trabzon,
Samsun und anderen Städten mit mind. 100000 Tsd. Toten, außerdem im Jahre 1909 Progrome in der Stadt Adana mit ca. 30000 Tsd. Toten.
Kriegsbedingt ? Wohl kaum, eher eine seit jahrhunderten übliche Art und
Weise der "Hohen Pforte" sich Ungläubiger zu entledigen. Ab der Mitte
des 19. Jh. kamen dann noch nationalistische Aspekte hinzu. Diese
"Säuberungen" lassen sich in alle Regionen des Osmanischen Reiches,
sowie seiner arabischen Vorgänger nachweisen, bis hin zum Propheten. Die
Tötung großer Massen von Armeniern, Chaldäern, Jakobiten etc. konnten
die moslemischen Osmanen jedenfalls leichter rechtfertigen, als das Um-
bringen von anderen Moslems. Aufsässige Dhimmies waren eben weniger
wert !

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