Sezession
28. April 2015

Die Idee des Staates

Erik Lehnert / 50 Kommentare

Da der Beitrag von Lutz Meyer auf den Kern der Arbeit des Instituts für Staatspolitik (und damit auch der Sezession) zielt und diesen infrage stellt, seien mir ein paar knappe Anmerkungen dazu gestattet.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Daß unser gegenwärtiger Staat nicht der von Meyer eingangs erwähnten Idee des Staates entspricht, dürfte klar sein. Fraglich ist, ob dieses Schwundstadium geeignet ist, Aussagen über den „Staat an sich“ zu treffen. Im nächsten Absatz wird es daher deutlich unklarer: Was hat der „Staatsgedanke als solcher“ mit Parteien zu tun? Nichts. Im Gegenteil: Die Parteien sind ein Beispiel dafür, wie die Idee des Staates, „maßgebende Einheit“ (Carl Schmitt) zu sein, in sein Gegenteil verkehrt wird.

Weiter: Seine Ansichten mit Nietzsche belegen zu wollen, ist immer etwas problematisch, da sich bei Nietzsche zu fast jeder Aussage auch das Gegenteil findet. Er läßt sich also gut als Zitatmaschine gebrauchen, ohne daß damit irgendetwas außer der Bestätigung seiner eigenen Auffassung gewonnen wäre.

Auch wenn sich bei Nietzsche sicher mehr kritische als positive Bemerkungen über den Staat finden, so darf doch nicht übersehen werden, daß Nietzsches Kritik immer auf den seinen Zweck verkehrenden Staat, der zum Götzen geworden ist, zielt. Einige Jahre vor dem Zarathustra hieß es noch: „Der Staat, von schmählicher Geburt, für die meisten Menschen eine fortwährend fließende Quelle der Mühsal, in häufig vorkommenden Perioden die fressende Fackel des Menschengeschlechts – und dennoch ein Klang, bei dem wir uns vergessen, ein Schlachtruf, der zu zahllosen wahrhaft heroischen Taten begeistert hat, vielleicht der höchste und ehrwürdigste Gegenstand für die blinde und egoistische Masse, die auch nur in den ungeheuren Momenten des Staatslebens den befremdlichen Ausdruck von Größe auf ihrem Gesichte hat!“


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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