Zastrow und Giordano: 60 Jahre BRD

Der 60. Jahrestag ist doch etwas spurlos an mir vorübergegangen. Das "Bürgerfest" am Brandenburger Tor (mit Thomas Gottschalk und Kai Pflaume) war sicher schön. Wobei die Aussicht, dort auf 625.000 Freunde, Mitbürger, Respektpersonen etc. zu treffen, auch im nachhinein nicht sehr verlockend klingt. Dafür durfte ich (teilweise) lesen, was unsere intellektuelle Elite aus diesem Anlaß zu Papier gebracht hat.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Vol­ker Zastrow unter der Über­schrift “Fei­ern im Spiel­zeug­land” in der FAZ. Der “Mord an Ohnesorg”

war der Auf­takt zum Ter­ro­ris­mus in der Bun­des­re­pu­blik und zugleich zur Durch­set­zung des Anti­fa­schis­mus, einer ursprüng­lich kom­mu­nis­ti­schen Leh­re, die vier­zig Jah­re danach unfass­ba­rer­wei­se Gemein­gut gewor­den ist. Wer heu­te sagt, auch im Drit­ten Reich habe Omas Apfel­ku­chen gut geschmeckt, aber auch, wie ver­zwickt und ver­druckst das Leben in einer Dik­ta­tur für fast alle Men­schen ist, für die Mehr­heit der Ver­irr­ten und Ver­ängs­tig­ten, der schwebt schon in Gefahr, sich kon­klu­den­ter Holo­caust-Leug­nung schul­dig zu machen, Ver­bre­cher im Geis­te zu wer­den. Die ritu­el­le Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung folgt selbst den Maß­stä­ben des Spiel­zeug­lands, Erkennt­nis­se müs­sen ver­film­bar sein von Taran­ti­no, dar­stell­bar von Brad Crui­se oder Tom Pitt.

Ralph Gior­da­no unter der Über­schrift “Mein Deutsch­land” in der Jüdi­schen All­ge­mei­nen:

Aber ich will, dass das Deutsch­land von heu­te weiß, dass in ihm immer noch Augen­zeu­gen wei­len, die ver­ge­ben, aber nicht ver­ges­sen kön­nen. Men­schen, die beim unfrei­wil­li­gen Ein­at­men der Aus­puff­schwa­den im Stau des moto­ri­sier­ten Wohl­stands­blechs unwei­ger­lich an die Kre­ma­to­ri­en von Ausch­witz, an die Gas­wa­gen von Chelm­no den­ken; denen beim Anblick jeder Wun­de, jeden Trop­fen Bluts die Schre­ckens­bil­der von Babi Jar, von Lidi­ce und Sobi­bor vor Augen ste­hen; Men­schen, über deren Lip­pen nie mehr das Wort „Ein­satz” kommt, nach­dem es die mobi­len Mord­kom­man­dos der „Ein­satz­grup­pen” gege­ben hat. Nie wieder.

Erstaun­li­che Band­brei­te. Immer­hin. Wer­den wahr­schein­lich bei­de trotz­dem unter den 625.000 gewe­sen sein.

Bild: Joa­chim Kuli­cke (www.pixelio.de).

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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