Die Lästerzungen und der Tod. Vier Fragen an Martin Lichtmesz

45_Lichtmesz_Charlie HebdoEin halbes Jahr nach dem aufsehenerregenden Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo ist es an der Zeit, einige Fragen an Martin Lichtmesz zu richten. In seinem kaplaken-Band Ich bin nicht Charlie. Meinungsfreiheit nach dem Terror hat er die Phänomenologie des Terrorakts und vor allem dessen mediale und gesellschaftspolitische Implikationen analysiert, die Instrumentalisierung der Todesopfer durch die Multikultilobby unter den europäischen Intellektuellen hervorgehoben und einige alternative Perspektiven auf das Geschehen eröffnet.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Sezes­si­on: Ihr Buch trägt den Unter­ti­tel »Mei­nungs­frei­heit nach dem Ter­ror«. Dem Text vor­an­ge­stellt ist ein Zitat Fran­çois Vil­lons, dem zufol­ge »die Läs­ter­zun­gen« »in Och­sen­gal­le und Latri­nen­flut« geschmort wer­den soll­ten. Was genau ist krumm an den viel­fäl­ti­gen Elo­gen auf die Mei­nungs­frei­heit, die nach dem Anschlag auf die Char­lie Heb­do-Redak­ti­on in ganz Euro­pa ange­stimmt wur­den, und wie ist es seit­her um die Mei­nungs­frei­heit tat­säch­lich bestellt?

Licht­mesz: Es ist in Frank­reich nicht anders als in ande­ren west­eu­ro­päi­schen Län­dern: “Mei­nungs­frei­heit” ist immer die­je­ni­ge des lin­ken Spek­trums, wäh­rend es man für selbst­ver­ständ­lich hält, das rech­te und kon­ser­va­ti­ve Spek­trum mit aller­lei Schi­ka­nen in Zaum zu hal­ten: von Tot­schwei­gen über Dif­fa­mie­rung und Lächer­lich­ma­chung bis zu hand­fes­ten Gesetzesauflagen.

Das bekann­tes­te Bei­spiel ist natür­lich der far­bi­ge Komi­ker Dieudon­né, der vom Estab­lish­ment mit Geld­stra­fen und Auf­tritts­ver­bo­ten zuge­pflas­tert und im Nach­spiel zu den Atten­ta­ten wegen einer blo­ßen Bemer­kung auf Face­book sogar ver­haf­tet wur­de. Und er ist bei­lei­be nicht der ein­zi­ge. Wäh­rend nun die Kraß­heit von Char­lie Heb­do als sexy und mutig geprie­sen wird, gilt der nicht weni­ger kras­se Dieudon­né, der auf sei­ne Art wesent­lich sub­ver­si­ver ist, eine Art Staatsfeind.

Der Grund ist, daß Char­lie Heb­do fes­ter Bestand­teil des fran­zö­si­schen Estab­lish­ments war und der herr­schen­den Ideo­lo­gie kaum zuwi­der­lief, trotz der auch unter Lin­ken umstrit­te­nen anti­is­la­mi­schen Kari­ka­tu­ren. Allein an die­sem Bei­spiel kann man able­sen, wie selek­tiv und heuch­le­risch die­ses Elo­gen à la »Wir sind Char­lie« waren. Das Per­fi­de an dem Slo­gan war frei­lich auch, daß er zu einer Iden­ti­fi­ka­ti­on mit Inhal­ten auf­rief, wo eine blo­ße Ver­ur­tei­lung der Tat genü­gen soll­te. Die­je­ni­gen, denen Char­lie mit Vor­lie­be ins Gesicht gespuckt hat – Katho­li­ken, Mos­lems, Patrio­ten –, wur­den auf die­se Wei­se genö­tigt, gute Mie­ne zum bösen Spiel zu machen.

Das Vil­lon-Zitat ver­dan­ke ich Herrn Albert Pethö, Her­aus­ge­ber der Wei­ßen Rose (Wien), der in sei­nem klei­nen, nur weni­gen Con­nais­seu­ren bekann­ten Flug­blatt einen der bes­ten Kom­men­ta­re zu dem Gesche­hen abge­ben hat. Der Witz ist natür­lich, daß das Gedicht selbst eine Anein­an­der­rei­hung von gröbs­ten Läs­te­rei­en ist – und ich fin­de, den Fluch Vil­lons haben die Zeich­ner von Char­lie Heb­do mit ihren oft nie­der­träch­ti­gen und bil­li­gen Zeich­nun­gen auch verdient.

Sezes­si­on: Seit dem bis heu­te unge­klär­ten Bom­ben­an­schlag auf den Schnell­zug Straßburg–Paris 1961 mit 28 Todes­op­fern ist der Angriff auf Char­lie Heb­do der blu­tigs­te ter­ro­ris­ti­sche Akt auf fran­zö­si­schem Boden. Den neun getö­te­ten Redak­ti­ons­mit­glie­dern ste­hen vier erschos­se­ne Unbe­tei­lig­te gegen­über, dar­un­ter ein War­tungs­ar­bei­ter und die vier Opfer im kosche­ren Super­markt an der Por­te de Vin­cen­nes. Im Gegen­satz zu den Char­lie-Mit­ar­bei­tern war im Nach­gang von den wei­te­ren Toten von poli­ti­scher und media­ler Sei­te kaum die Rede; allen­falls der Poli­zist Ahmed Mera­bet war kurz­zei­tig ein The­ma, weil sich mit ihm auch ein Mos­lem unter den Ermor­de­ten befand. Wie erklä­ren Sie sich die­se selt­sa­me Unter­schei­dung zwi­schen »ein­fa­chen« Opfern und den »Mär­ty­rern des Humors«, wie Ber­nard-Hen­ri Lévy sie genannt hat?

Licht­mesz: Nun gut, das ver­wun­dert frei­lich nicht: Wenn es Pro­mi­nen­te erwischt, die eine sym­bo­li­sche Bedeu­tung für vie­le Men­schen hat­ten und in der Öffent­lich­keit eine wich­ti­ge Rol­le gespielt haben, fällt die emo­tio­na­le Reak­ti­on natür­lich hef­ti­ger aus, weil die Opfer nun ein Gesicht und einen Namen haben… Was man von ein paar zer­quetsch­ten zivi­len Kol­la­te­ral­schä­den durch US-Droh­nen­ein­sät­ze nicht sagen kann.

Inso­fern ist das ganz “nor­mal”. Aber das zeigt frei­lich auch, daß es nie um die Opfer an sich geht, son­dern stets nur um ihren media­len Aus­schlach­tungs­wert. Mera­bet wur­de wahr­schein­lich des­halb ein biß­chen mehr her­vor­ge­ho­ben, weil er auch ein alge­risch­stäm­mi­ger Mos­lem war. Natür­lich war sein Tod auch in dem Video zu sehen, das auf allen Kanä­len die Run­de mach­te. Aber letzt­lich war auch er nur ein Statist.

Sezes­si­on: Lévy war die lau­tes­te Stim­me, die das Atten­tat völ­lig von reli­giö­sen und eth­ni­schen Hin­ter­grün­den abtrenn­te. Sei­ner Les­art nach gehe es nun um so mehr dar­um, die euro­päi­schen Wer­te zu ver­tei­di­gen – wozu auch die Auf­nah­me ankom­men­der Flücht­lings­scha­ren zäh­le. In Deutsch­land sekun­dier­te ihm ins­be­son­de­re Heri­bert Prantl von der Süd­deut­schen Zei­tung. Sie tre­ten die­ser Argu­men­ta­ti­on mit aller Schär­fe ent­ge­gen. Irren sich all die­se kei­nes­wegs arg­lo­sen Intel­lek­tu­el­len ledig­lich in ihrer Bewer­tung der Vor­gän­ge, oder fol­gen sie einer Agenda?

Licht­mesz: Lévy folgt natür­lich einer Agen­da, mit vol­lem Bewußt­sein. Das ist ja sein Beruf. Als fran­zö­si­sche Vari­an­te des Neo­cons ist er einer der vor­ders­ten Trom­pe­ten­blä­ser und Epen­dich­ter eines US-ame­ri­ka­ni­schen Men­schen­rechts­in­ter­ven­tio­nis­mus, und wenn es um ent­spre­chen­de Zie­le geht, ist er sich auch kei­nes­wegs zu scha­de, sich mit von den USA unter­stütz­ten Ter­ro­ris­ten in ein Boot zu set­zen. Dazu kann man eini­ges in mei­nem Büch­lein nach­le­sen; auch, daß und auf wel­che Wei­se Char­lie Heb­do ganz klar Teil einer spe­zi­fi­schen poli­ti­schen Agen­da war, zu der eben auch die “libe­ra­le Islam­kri­tik” gehört, die nicht umsonst ein Kind der Bush-Ära ist.

Was Prantl betrifft, so zitie­re ich Ador­no, der ein­mal gesagt hat, kein Deut­scher kön­ne eine Lüge aus­spre­chen, ohne sie zu glau­ben. Gewiß wol­len auch vie­le deut­sche Jour­na­lis­ten ger­ne die Hohe­pries­ter spie­len, aber das spielt sich in einer etwas mick­ri­ge­ren Liga ab.

Sezes­si­on: Zum Abschluß Ihres Werks dis­ku­tie­ren Sie die Mög­lich­keit einer gro­ßen Insze­nie­rung im Sin­ne einer »Stra­te­gie der Span­nung«, ver­gleich­bar den von der NATO gesteu­er­ten Anschlä­gen rechts­ter­ro­ris­ti­scher Zel­len im Ita­li­en der 1980er Jah­re. Was genau wäre – Ihrer Mei­nung nach – der Gewinn aus einem solch blu­ti­gen »Simu­la­crum«, wie Deleu­ze oder Baudril­lard es genannt hät­ten, und wer soll­te die­sen Gewinn einfahren?

Licht­mesz: Wie so oft in sol­chen Fäl­len, gibt es auch beim Atten­tat auf Char­lie Heb­do eine Men­ge von Unge­reimt­hei­ten, die man mei­ner Ansicht nach ernst­neh­men muß. Und daß Geheim­diens­te ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen unter­wan­dern, fern­steu­ern oder gar erst auf­bau­en, ist nun wirk­lich nichts Neues.

Klas­si­scher­wei­se folg­ten dem Ter­ror­an­schlag auch die übli­chen Rufe nach mehr Poli­zei, mehr Über­wa­chung, mehr Geset­zen gegen “Haß­ver­bre­chen” und “hate speech”, wie man in den USA sagt. Und nicht zuletzt trifft wohl zu, was Alain de Benoist bemerk­te, daß Frank­reichs herr­schen­de poli­ti­sche Klas­se am meis­ten von dem Atten­tat pro­fi­tiert hat. Hin­zu kommt natür­lich, daß emo­tio­nal auf­ge­putsch­te und ver­ängs­tig­te Men­schen leich­ter mani­pu­lier­bar sind.

Die Atmo­sphä­re in Paris ist seit­her von einer vagen Angst durch­zo­gen, wie ich bei einem Besuch im Mai fest­stel­len durf­te. Über­all gibt es Ter­ror­kon­trol­len und Poli­zei­pa­trouil­len. Aller­dings haben mir ansäs­si­ge Pari­ser auch erzählt, daß die Atten­ta­te eine ziem­lich pola­ri­sie­ren­de Wir­kung hat­ten. Vie­le Mus­li­me haben sie offen abge­fei­ert und die Opfer und die Trau­ern­den ver­höhnt, wäh­rend auf der ande­ren Sei­te vie­le libe­ra­le und assi­mi­lier­te Mus­li­me von Fran­zo­sen beschimpft und ange­fein­det wer­den. Davon pro­fi­tiert natür­lich vor allem Mari­ne Le Pen, die man tun­lichst aus den Gedenk­fei­ern und Beschwö­run­gen der natio­na­len Ein­heit zu iso­lie­ren ver­such­te wie einen Grip­pe­vi­rus. Ich selbst besit­ze natür­lich nicht das gerings­te Wis­sen über die Hin­ter­grün­de und kann wie alle Welt nur spekulieren.

Aber jedes­mal, wenn wie­der eine Ter­ror­ge­schich­te durch die Kanä­le gejagt wird – und so erst über­haupt ihr Ziel der Ver­brei­tung von Ter­ror erreicht – und von ent­spre­chen­den Kam­pa­gnen beglei­tet wird, rate ich zu äußers­ter Skep­sis und Zurück­hal­tung. Das gilt auch für die “Islam­kri­ti­ker” unter uns, die sich nur all­zu gern an ihren bevor­zug­ten roten Knöpf­chen drü­cken lassen.

Mar­tin Licht­mesz: Ich bin nicht Char­lie. Mei­nungs­frei­heit nach dem Ter­ror. Rei­he kapla­ken, Bd. 45, Schnell­ro­da 2015, 96 S., 8,50 €.

Licht­mesz’ Autoren­sei­te bei Antai­os mit Werksverzeichnis.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (22)

Rabenfeder

1. Juli 2015 10:37

Wenn mir ein (nebensächlicher) Kommentar zu Villons Gedicht gestattet ist, dann empfehle ich allen, die es noch nicht kennen, sich die "Lästerzungen" einmal von Klaus Kinski ausspeien zu lassen...

;)

https://www.youtube.com/watch?v=V-qxTn2kM9o

Ein gebürtiger Hesse

1. Juli 2015 11:58

Sehr interessant, was über die Stimmung in Paris gesagt wird. Aber trifft es auch heute, ein halbes Jahr nach den Anschlägen, weiter zu? War jene Polarisierung auch bei einem bloßen Besuch in der Stadt zu spüren? Zwar fällt das allmähliche Vergessen der Januar-Morde (das ich an mir selbst bemerke) aus der Ferne des Nachbarlands etwas leichter. Doch bin ich beinahe erstaunt, daß sich die Spaltung in der Wirklichkeit zu halten vermag, so daß man sie wahrnehmen kann, und nicht von den polit-medialen Beschwichtigungen und Lügen bereits wieder eingedampft wurde. Ob das bei uns im entsprechenden Fall wohl ähnlich wäre?

Meier Pirmin

1. Juli 2015 13:21

Verstehe ich Lichtmesz richtig, dass, wenn man Villons berühmtes Gedicht zum Nennwert nimmt, die Charlie-Hebdo-Karikaturisten letztlich selber schuld waren? Natürlich soll man über die Grenzen der Meinungsfreiheit diskutieren, aber letztlich wohl doch nicht über den Leichen solcher Opfer. Zu diesem Thema schrieb in der Neuen Zürcher Zeitung v. 30. Juni Rainer Stadler einen hervorragenden Kommentar unter dem Titel "Tapferkeit und Terror". Der Text endet mit: "Zweifellos gilt es zu bedenken, welche Mittel man zu welchem Zeitpunkt einsetzt, um seine Meinungen zu artikulieren. Wer jedoch zu seinen Karikturen aufgrund von Anschlägen und Drohungen (wie Jörn Mikkelsen) öffentlich auf Distanz geht, hat seine Sache bereits verraten."

antwort kubitschek:
Sie müssen nochmal und genau lesen: eine schuldzuweisung erfolgt nicht. aber daß lichtmesz, ich und hoffentlich sehr viele andere blasphemie nicht für die krone der meinungsfreiheit halten, sollte mehr als klar sein.

M. M.

1. Juli 2015 14:50

@Meier Pirmin

Sie verstehen Herrn Lichtmesz falsch, er verurteilt die Tat, lehnt aber die religionsfeindlichen Inhalten der Karikaturen ab. Die ermordeten Zeichner hat er zu ihren Lebzeiten nicht geschätzt. Das Zitat ist eine paradoxe Volte, Villon meint es ja auch nicht ernst.* Es geht darum, dass vieles "krumm" sei an den Elogen auf die Meinungsfreiheit.

Zwei Beispiele für die ansonsten durchaus systemkonforme Richtung des Charlie Hebdo:

1) lemde.fr:

"Tout est pardoné" ("Alles ist vergeben" - die Überlebenden verzeihen den Mördern, ein hypertrophes christliches Motiv, eine Schwundstufe des Glaubens auch bei linken Atheisten)

"Je suis Charlie" (auch Mohammed "ist Charlie" - das wollen sie glauben)

2) src.ca:

"Mahomet débordé par les Integristes" ("Mohammed von Fundamentalisten überwältigt")

"C'est dur d'être aimé par des cons" (Mohammed: "Es ist hart, von Drecksäcken geliebt zu werden")

Kurz, wenn das der Führer wüsste... Die Zeichner gehen davon aus, dass die Mörder ihrer Kollegen und Islamisten generell den Islam und die Botschaft Mohammeds missverstünden, der Terror habe "nichts mit dem Islam zu tun".

Das ist natürlich Unsinn - instrumentell ist dieser Terror auch dem herrschendem Regime nützlich, wird insofern mindestens mittelbar gefördert, z.B. durch Immigration, aber die willigen Vollstrecker sind nun mal fromme Moslems, und viele ihrer Glaubensgenossen können eine klammheimliche Freude nicht verhehlen, was die Wirkung noch verstärkt, denn sie wohnen immer öfter nebenan.

* mindestens vordergründig, das Gedicht hat sicher seine Tiefen

Trouver

1. Juli 2015 15:16

kein Deutscher könne eine Lüge aussprechen, ohne sie zu glauben

Und OB kann er es ganz gut!!

Martin Lichtmesz

1. Juli 2015 16:01

@ Meier Pirmin
Ich finde es reichlich übertrieben und ein wenig überkritisch, jemanden für eine schlechte Zeichnung zu erschießen, aber deswegen muß ich noch lange nicht die Zeichnung gutheißen - so einfach.

Dieses "Tout est pardoné" mit dem weinenden Mohammed, das war in der Tat seltsam, sehr seltsam... daran kann man ermessen, wie verwirrt diese Gehirne waren und sind... davon abgesehen: die antichristlichen Zeichnungen waren um ein Vielfaches krasser als die antiislamischen, aber danach kräht kein Hahn...(pun intended).

Tagesgut

1. Juli 2015 19:19

Gegen Moslems gehetzt wurde von offizieller Seite gar nicht, ganz im Gegenteil. Da war immer die Rede davon, der wahre Gegner sei "der Haß" oder ähnlich präzise. Das war kein Zündeln, sondern vielmehr Beschwichtigung, gerade auch im Angesicht der offenen Verhöhnung vonseiten einiger Moslems. Ich glaube auch, daß es bestimmter Karikaturen gar nicht mehr braucht, um Ressentiments zum Entladen zu bringen.

Diese Touristen, die in Tunesien erschossen wurden, hatten keine Karikaturen gezeichnet. Vielleicht haben sie den Ramadan beleidigt. Wahrscheinlich aber geht es wirklich nur ums Töten, darum, Märtyrer für einen Gott zu werden, um Religion und sonst gar nichts. Der unterschiedliche soziale Rang der Attentäter deutet dies an, die Kouachis waren zwar Loser, der Köpfer vom Freitag hingegen Familienvater. Ich meine, ML verrennt sich ein bißchen in der Vorstellung, daß alles nur immer Mittel zum Zweck von Geheimdiensten sei.

Meier Pirmin

1. Juli 2015 19:29

@Lichtmesz.Kubitschek. Blasphemie, nicht die Krone der Meinungsfreiheit. Diese Auffassung vertrat ich auch in der 1989, nach dem Fall Rushdie erschienenem von mir verfassten Studie über "Fundamentalismus, eine neue Bedrohung?" Ich schlug damals sogar ein weltweites Gesetz gegen Blasphemie vor, eine Meinung, die damals von Katholiken und Muslimen vertreten wurde, dass schwere klar ganze Volksgruppen beleidigende Blasphemie gegen Religionsstifter geächtet werden sollte. Vertrat diese Meinung dann später nicht mehr, weil die Schweizer Antirassismusgesetzgebung bereits weit in diese Richtung ging, wiewohl einseitig zum Schutz der Muslime. Eigentlich gehört auch Hohn in Sachen Auschwitz zur Blasphemie, weil es gewissermassen zum zivilreligiösen Konsens vieler europäischer Länder gehört. Es wird, für die Nachfahren der Opfer, auch der Grundwert des Heiligen geschändet, um den es hier eher geht als um die geschichtliche Wahrheit. In diesem Bereich ist Blasphemie allerdings fast exklusiv strafbar.

Jochen

2. Juli 2015 07:16

Ich finde nicht, daß man Muslime schonen sollte, so frech und laut diese oft auftreten. Es sind vor allem Muslime (und Schwarze) die mit einer Eroberermentalität auftreten -- _gerade_ diejenigen, die hier von Lichtmesz als assimiliert und liberal gelten. Diese "aufgeklärten" Muslime haben natürlich nicht ihre Religion und Kultur abgeschüttelt, so wie das einige Westler in Japan tun -- in letzterem Fall ist es ja oft so, daß der Westler beeindruckt ist von der japanischen Kultur. Das gibt es so gut wie nie im Falle der Muslime (und Schwarzen), denn Muslime sind durch und durch von ihrer eigenen "Kultur" überzeugt. Der liberale Muslim wird daher versuchen, die deutschen Parteien zu unterwandern und mithilfe der Religionsfreiheit die totale Herrschaft des Islam durchzusetzen. Daher: keine Schonung, Rückführprogramme (buy out programs) -- das volle Programm.

Es gilt vor allem auch, gegen Schreihälse wie Heinsohn vorzugehen, die die Einwanderung sowie das Bleiben der außereuropäischen Völker in Europa befürworten. Wir hätten all diese Probleme mit Hebdo und Terrorismus gar nicht, wenn wir keine Muslime ins Land gelassen hätten.

Antirassismusgesetze gehóren zum Dümmsten, daß man daher durchsezen kann, denn nur eine Sicht, die die Rasse (und Religion, also Islam) und deren Verhalten (Vonderach, Rushton) berücksichtigt, kann zu vernünftigen Lösungen kommen. Ich glaube jedoch nicht, daß rassistisches, bzw. ein Denken, daß genetische Unterschiede (IQ, Temperament, Verhalten etc.) zwischen Individuen und Rassen anerkennt, jemals wieder im Mainstream zum Geimeingedankengut gehören wird, dafür wurde zuviel Propaganda dagegen gemacht. Wer heute "rassistisch" denkt, ist ganz klar ein Nazi und böser Mensch etc. pp.

Die Ostasiaten sind hier weiter, was sich ja auch in der homogenen japanischen und südkoreanischen Bevölkerung widerspiegelt, obwohl beide einen guten Wohlstand erreicht haben. Muslime und Schwarze würdem, wenn sie könnten, auch diese Länder stürmen, und dann schnellten der Terrorismus und die Gewaltverbrechen auch dort in die Höhe.

mario

2. Juli 2015 08:49

Noch eine Ergänzung zu diesem Artikel hier (Kommentare sind geschlossen):

https://www.sezession.de/50234/migration-und-sexuelle-gewalt-anpassungsstrategien-an-einem-deutschen-gymnasium.html

Der Vorgang hat es inzwischen in die Sueddeutsche geschafft, die natürlich beschwichtigt, wo es nur geht, und dabei dennoch diesen unfassbaren Skandal nicht verschweigt:

Teile der von Asylbewerbern belegten Turnhaller werden weiterhin für den Schulsport genutzt und die jungen Gymnasiastinnen (die Mehrzahl der Schüler ist weiblich) dürfen jetzt unter "Aufsicht" der Asylbewerber ihren Schulsport absolvieren.

Natürlich wird auch dies wieder klein geredet und relativiert und jeder Übelwoller, der diese massive Einschränkung des ganz normalen Lebensalltags der deutschen Bevölkerung für einen Skandal hält, pauschal als Rassist abgestempelt.

Die Deutschen würden ja selbst auch nicht anders reagieren, wenn sie in einer entsprechenden Situation wären blablablabla.

Als ob es ähnliche Vorgänge in Bezug auf Deutsche jemals gegeben hätte ....

Wer will noch ein Mindestmaß an Achtung vor einem Staat haben, der mit seinen jungen Mädchen derart umgeht?

https://www.sueddeutsche.de/bayern/niederbayern-schuldirektor-warnte-vor-sexy-kleidung-wegen-asylbewerbern-1.2546058

Der Gutmensch

2. Juli 2015 09:44

Entweder man hat Religionsfreiheit. Oder man hat ein Blasphemieverbot (ja, ja, das hat Herr M.L. ja nicht vertreten). Aber man kann ersichtlich nicht beides zugleich haben.

Der Gutmensch.

PS: Selbstverständlich bin ich für die Religionsfreiheit. Das ist nicht meine "Meinung", die kann ich mir gar nicht leisten an der Stelle, sondern das Ergebnis einer kurzen, pragmatischen Kalkulation. Ein Blasphemieverbot wäre grausam. Die obszönen Charlies müssen wir wohl ertragen (besser die als ihre Mörder).

Meier Pirmin

3. Juli 2015 12:09

@Gutmensch. Sehe mich ncht als Gutmensch, fühle mich vergleichsweise aber von Ihnen sehr gut verstanden. Wiewohl ich gesinnungsethisch in Sachen Blasphemie ähnlich denke wie Lichtmesz und Kubitschek.

Harald de Azania

3. Juli 2015 22:05

Verehrter ML,

Danke fuer die Erwaehnung meines lieben Freundes Albert Pethoe vlg Don Quichotte, der einer der zaehesten und liebenswuerdigsten Bannertraeger konsequent-reaktionaeren Denkens ist.

"Falsche Flagge' und Geheimdienste hinter Terrororganisationene. Ein sehr wichtiger Hinweis! Wobei durchaus Projekte den Planern voellig ueber den Kopf gewachsen sein koennen >> Zauberlehrlinge . Ich habe immer mehr das "Gefuehl', dasz jede Menge Zauberlehrlinge seit vielen jahren herummurksen, wo auch immer ....one jede Kontrolle und Gegensteuerung.

Gilt auch fuer ISIS >>> manche Meldungen erinnern mich an die 'abgeschnittenen belgischen Kinderhaende'. Trotzdem bleibt genug Grausliches und Gefaehrliches ueber und ob die REHEKLA den Mut, das Wissen und den Charakter zur effektiven Bekaempfung hat.. wagt geziemend zu bestreiten,

der unvermeidliche

HdeA

Andreas Walter

4. Juli 2015 15:14

Als jemand der im ersten Moment auch auf die Propaganda hereingefallen ist kann ich Herrn Lichtmesz nur beipflichten. Der angebliche Kopfschuss auf den Polizisten am Boden ist keiner. Das allein jedoch impliziert schon Fragen und Gedanken, die jeder Normalsterbliche lieber weit von sich drängt, also verdrängt.

Zu der Frage, ob die Herren selbst daran "schuld" waren, denen angeblich der Kopf tatsächlich weggepustet worden ist kann ich nur sagen. Ein Stück weit ja. Auch passive Aggressivität kann Folgen nach sich ziehen, dass weiß jeder Psychologe, Paar- und Konfliktberater. Sonst wären solche Karikaturen ja auch völlig sinnlos, würde sich niemand dafür interessieren, keiner dafür bezahlen. Die politische beziehungsweise gesellschaftliche Karikatur hat ja eine Absicht, nämlich die der Provokation einer Reaktion, egal ob nur psychisch oder eben auch handelnd aktiv. Wenn es zum Beispiel um Fleisch geht möchten manche ja auch am liebsten, dass alle Veganer werden. Es geht dabei also immer darum jemand zu (etwas zu) Reizen oder ihm dadurch seine Ohnmacht vorzuführen. In anderen Fällen kann das sogar dazu führen, dass eine Ehefrau nachts ihren Ehemann mit einem Hammer erschlägt, weil sie sich jahrelang von ihm gedemütigt fühlt, doch aus welchen Gründen auch immer nicht von ihm los kam. Doch so etwas passiert trotzdem nicht zufällig.

Passive Aggressivität ist gerade in modernen, rechtsstaatlichen Gesellschaften sehr weit verbreitet, doch wird sie deshalb gleichzeitig auch als so "normal" und allgegenwärtig empfunden, dass sie kaum noch jemand auffällt. Selbst Werbung ist im Grunde "passive" Aggressivität, Propaganda sowieso. In einer Anarchie oder im "Wilden Westen" könnte es so etwas wie Charlie Hebdo nie geben, wobei Christen hier sehr tolerant sind, vielleicht mehr als ihnen gut tut.

Für manche mag das nicht nachvollziehbar sein, was psychische Energie ist, doch ich bin darum mittlerweile vorsichtig selbst mit meinen Gedanken, die nämlich auch einen Menschen, meine Seele vergiften können. Dazu vielleicht diese Leseempfehlungen für alle, die mehr darüber erfahren möchten, denn wie im kleinen, so auch im grossen:

https://www.rhetorik.ch/Toxisch/Toxisch.html

https://de.wikihow.com/Emotionalen-Missbrauch-verhindern

https://www.amazon.de/Giftige-Beziehungen-andere-krank-machen/dp/3596151953

Emani

4. Juli 2015 20:36

Da Lichtmesz die Drohnenangriffe erwähnt: wie sehen denn eigentlich außenpolitische Vorstellungen bei den Neuen Rechten aus?
Gibt's dazu irgendwas?

M.L.: Ich habe hier nur ein paar unrealistische Wünschbarkeiten anzubieten, eine deutsch-russische Union z.B. und Yankee go home...

Andreas Walter

5. Juli 2015 05:11

Zur Meinungsfreiheit habe ich erst vor ein paar Tagen etwas entdeckt, was mich doch sehr verblüfft hat und wovon ich bisher auch noch nie gehört hatte. Es wäre jetzt eine sehr lange und komplizierte Geschichte alles zu erzählen, wie ich bei meiner Recherche im Netz über Ägypten bis zu den Inkas nach Peru und von dort dann über die Moche- und die Chimú-Kultur wegen einem peruanischen Schriftsteller mit dem pseudonym Inti Illapa zu Joseph Greenberg in den VSA kam, der jedoch mit Noam Chomsky mehr als nur eine Sache gemeinsam hat, nämlich das beide auch sehr bedeutende Linguisten sind. Letztendlich war es jedoch wohl der gleiche Verdacht, der auch Joseph Greenberg zu seiner umstrittenen These der Amerindischen Sprachen inspiriert hat. Doch jetzt zur eigentlichen Entdeckung, denn die hat auch etwas mit dem Komiker Dieudonné zu tun. Noam Chomsky hat es nämlich mal auch sehr genau auf den Punkt gebracht, was Meinungsfreiheit, oder viel wichtiger, auch Redefreiheit ist, denn die Andere besitzt man eh, und zwar bei keiner geringeren Debatte als die um Professor Faurisson und auch seine umstrittenen, in Deutschland sogar gesetztlich verbotenen Ansichten. Das es darüber darum auch keinen Artikel in Deutsch auf Wikipedia gibt verwundert mich nicht und passt ins Bild, dafür aber zumindest einen in Englisch, Französisch, Russisch und sogar in Spanisch.

https://en.wikipedia.org/wiki/Faurisson_affair

Deutlichere Worte für das und die genauer ausdrücken, was wir auch hier in Deutschland haben könnte ich selbst nicht finden. Wobei es auch schon Andere im Grunde auf ähnliche Weise ausgedrückt haben, um was es geht:

https://anmerkungendonecvenias.blogspot.de/2011/01/was-hat-voltaire-wirklich-zur.html

Denn ich kann nicht verstehen und mir darum auch nicht vorstellen warum es Volksverhetzung wäre zu behaupten, dass nicht Kolumbus der erste Endecker des amerikanischen Kontinents war. Oder das die Sonne sich nicht um die Erde dreht. Wie ich auch nicht einmal verstehe, was überhaupt Volksverhetzung sein soll. Ist es Volksverhetzung wenn ich behaupte das der Tatbestand der Volksverhetzung lediglich ein Instrument zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung ist? Also ein Instrument zur beliebigen Repression unerwünschter öffentlich vorgetragener Ansichten und Meinungen? Doch wozu braucht ausgerechnet ein Staat dieses Instrument der sich doch auch gleichzeitig dafür rühmt und das auch bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit versichert, sowohl den nationalsozialistischen wie auch sozialistischen Totalitarismus vergangener Epochen überwunden zu haben?

Hat er aber eben nicht, hat er nie, genauso wie auch Frankreich seit Anfang dieses Jahres wieder in vorrevolutionäre, monarchistische Zustände abgeglitten ist und auch die VSA seit 2001 sich bereits in einen Polizeistaat verwandelt haben. Die Flut an Fremden in Europa ist kein Akt gelebter Nächstenliebe, sondern dient lediglich der Destabilisierung als Vorwand zur Errichtung einer internationalen Diktatur sowie die NSA der Überwachung und damit Sicherung dieser transatlantischen Hydra dient.

https://www.youtube.com/watch?v=n3jmXBb9jIo

Der Gutmensch

5. Juli 2015 10:14

Herr Walter,

Satire - bitte jetzt keine Debatte, ob die obszönen Charlies auch als Satiriker durchgehen, das führt zu nichts - ist ein Test in Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit des Gegenüber. Hältst Du/halten Deine Überzeugungen aus, wenn Du provoziert wirst? Schaffst Du es, damit umzugehen? Gehörst Du zu uns, auch wenn wir nicht so sind, wie Du es Dir wünschst? Der Satiriker ist ein kleines Kind, das einem beständig feste auf die Zehen tritt; die Charlies waren Kinder, wie man sie schon auf dem Schulhof nicht ausstehen konnte; fies und ordinär. - Und die ihre Mörder haben den Test nicht bestanden; soviel steht fest. Den Charlies muss man immerhin zugestehen, dass sie insoweit ehrliche Tester waren. Sie haben den vollen Preis dafür gezahlt, dass sich niemand mehr Illusionen hingeben kann, mit wem wir es da zu tun haben (nein, ich hab sie nicht darum gebeten!) und mögen in Frieden ruhen.

Der Gutmensch

5. Juli 2015 13:35

und nochmal Herr Walter: Wenn Chomsky etwas sagt, so ist das mit Vorsicht zu genießen, immer. Der Mann ist ein klein wenig zu gut in dem, was er so treibt! Das mag sich mitunter naiv-edelmütig anhören; aber tatsächlich sind dem Menschen eben Grenzen gesetzt, und Chomsky ist keiner von denen, die das nicht wüssten. Die Gesellschaft braucht Tabus, damit sie sich von anderen Gesellschaften abgrenzt. Deswegen kann die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit auch durch einfaches Gesetz eingeschränkt werden.

Inwieweit unsere Tabus nun besonders gedeihlich für Deutschlands Fortkommen sind, darf ich nicht beurteilen. Sie sind vorhanden. Fallen sie, zerfällt auch die Gesellschaft, die sie schützen sollten.

Der Gutmensch

5. Juli 2015 16:44

Eine deutsch-russische - was?! Union?? Du liebe Güte, Herr M. L., gehts nicht ein kleines bißchen kleiner? Putin ist gewiss beeindruckend - auf jeden Fall hat er seinen Laden so sehr im Griff, wie man Russland wohl im Griff haben kann, und er hat klare Freund/Feindvorstellungen - man kann also mit ihm kooperieren, das ist keine Zeitverschwendung - aber bevor Sie sich etwa noch romantischen Vorstellungen über die russische Seele hingeben, lassen Sie sich gesagt sein, dass deren helles Licht auch reichlich Schatten wirft! Lesen Sie mal da rein https://nemesis.marxists.org/pdf/Nikolai%20Ostrowski%20-%20Wie%20der%20Stahl%20gehaertet%20wurde.pdf, das musste ich mit zarten 15 lesen. Und die Warnung ist auch angekommen. Pawka will nicht bloß spielen, der beißt tatsächlich!

Der Gutmensch.

Andreas Walter

6. Juli 2015 03:42

https://www.rp-online.de/panorama/fernsehen/franzoesisches-blatt-plant-abdruck-von-holocaust-karikaturen-aid-1.2062254

Ich habe mich vorhin gefragt, ob Charlie Hebdo, denen doch auch sonst nichts heilig war, wohl auch über dieses Thema regelmässig und in provokanter, verletzender und verachtender Art hergezogen sind und war dann doch recht erstaunt, dass es den Fall sogar mal tatsächlich gegeben hat, nämlich im Jahr 2006. Rein auf die Nachfrage bezogen offensichtlich ein Erfolgsmodell, obwohl ich mir dieses Schmierblatt auch dann nicht gekauft hätte. Das Mohammed und Jesus auch schon lange tot sind scheint jedoch dem einen Kommentator des Zeitungsartikels bei seiner Argumentation gar nicht aufgefallen zu sein. Doch das Philippe Val dafür verhaftet worden wäre habe ich bis jetzt noch nicht gefunden, aber das war ja auch noch unter Jacques Chirac. Ganz anders erging es Maurice Sinet, der für eine angeblich antisemitische Äusserung dann ausgerechnet von Philippe Val 2008 gefeuert wurde. Das allerdings war dann auch schon unter Sarkozy. Auf Wikipedia wird die Geschichte um den Wiederabdruck der Holocaust Cartoons aus dem iranischen Cartoonisten Wettbewerb in der englischen Version gar nicht erst erwähnt, doch das auch im Land der Liberté, Égalité und Fraternität wieder mit zweierlei Maß gemessen wird scheint offensichtlich. Was aber nicht immer so war, wie auch diese mit einem Augenzwinkern auf jüdische Stereotypen blickende Komödie beweist. Es soll allerdings auch der erste und einzige Film von Louis Germain David de Funès de Galarza sein, der jemals in den VSA gezeigt wurde. Auch Humor ist eben in jeder Kultur unterschiedlich.

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Mad_Adventures_of_Rabbi_Jacob

https://www.youtube.com/watch?v=FeHQAmTIzDY

Andreas Walter

6. Juli 2015 05:11

Vielleicht ist es aber auch einfach nur nicht jedem gegeben, von der eigenen Meinung und von eigenen Interessen frei zu abstrahieren, neutral Dinge zu betrachten und zu bewerten, wie auch folgendes Beispiel zeigt. Was um so erschreckender ist wenn man wie ich glaubt, dass das gesamte Konzept von neuzeitlicher Gerechtigkeit einschließlich der grundsätzlichsten Prinzipien säkularer Rechtsstaatlichkeit darauf beruhen. Niemand wird jedoch für 5 oder in manchen Fällen sogar für 10 Jahre in Deutschland dafür ins Gefängnis gesteckt weil er behauptet, glaubt, die 7 Millionen deutschen Einwanderer in die VSA unter denen sicher auch Juden waren hätten nichts mit der Ausrottung der 6 Millionen amerikanischen Ureinwohnern zu tun. Kann aber ja alles noch kommen. Darum sehe ich es halt auch eher wie hier Mark Sovel. Wenn es der Wahrheitsfindung dient.

https://www.youtube.com/watch?v=G4FWqJ5s8U8

Der Gutmensch

6. Juli 2015 08:49

Ich denke, ich habe Sie schon ganz gut verstanden, Herr Walter. Da ist nur eine Sache; diese Charlies sind ein französisches Projekt und sie sind in Paris ermordet worden; mithin in einer Gesellschaft, die eigentlich keine Tabus im Hinblick auf Mohammed benötigen sollte, oder? Oder etwa - doch? Offiziell sind jedenfalls (noch) keine errichtet worden ...

Andererseits gibt es in Frankreich eben auch keine unbeschränkte Religionsfreiheit wie in Deutschland! Was leider praktisch bedeutet: Es gibt keine unbeschränkte Freiheit, NICHT an etwas glauben zu müssen! Und was automatisch dem (m. E. leider kreuzgefährlichen, wiewohl gesinnungsethisch durchaus verständlichen) Gedanken der Blasphemie und ihrer Ahndung die Hintertür öffnet ...

Aber auch wenn wir es hier mit Franzosen zu tun haben, die sich gerne mal selbst ein Bein stellen (Laizismus!!), denke ich, es sollte noch einen Unterschied in der Bewertung machen, ob Karikaturisten nun in Frankreich über Mohammed herziehen, oder ob das beispielsweise im Iran geschieht, wo dem Islam eine gesellschaftskonstituierende Funktion zukommt! Der Iran ist selbstverständlich kein Freund der Blasphemie. Von mir aus muss er auch keiner sein; möge er hinter seinen Grenzen nach seinen eigenen Regeln leben.

Aber was Frankreich betrifft ... Aber vielleicht steht mir bei dieser Betrachtung auch meine altmodische Auffassung von Frankreich und Franzosen im Wege. Ja, ich glaube, genau so könnte es sich verhalten.

Der Gutmensch.

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