Sezession
7. Juli 2015

Tillschneider über die AfD nach Essen, die neue Einheit und eifrige Warner

Götz Kubitschek / 49 Kommentare

tillschneider2Dr. Hans-Thomas Tillschneider ist im Vorstand des AfD-Landesverbands Sachsen. Er ist außerdem einer der Sprecher der Patriotischen Plattform in der AfD und gehört zu den Erstunterzeichnern jener Erfurter Resolution, die der Initiative Der Flügel den inhaltlichen Rahmen gab. Wir sprachen mit ihm über die Bedeutung der Niederlage Bernd Luckes.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

SEZESSION: Herr Dr. Tillschneider, mit Frauke Petry ist nun jene Landesvorsitzende zur Bundesvorsitzenden geworden, der Sie in der Vergangenheit nicht sonderlich grün waren. Wie bewerten Sie die Konstellation nach Essen?

TILLSCHNEIDER: Wir waren in der Vergangenheit bei Fragen der innerparteilichen Demokratie und der politischen Strategie nicht immer einer Meinung, aber die Patriotische Plattform hat darüber niemals das große Ganze aus dem Auge verloren. Unter Frauke Petry ist einfach mehr Mut zu Deutschland möglich als unter Lucke, und deshalb haben wir sie in Essen gegen Lucke unterstützt. Wir sind auch gewillt, das weiterhin zu tun.
Die Mainstreampresse warnt nun vor einer Wiederholung des Schicksals der Republikaner. Diese Gefahr sehe ich nicht. Den Republikanern ist irgendwann die Luft ausgegangen, weil die Partei keinen tragfähigen vorpolitischen Unterbau hatte. Die Situation heute ist eine andere. Publizistische Großerfolge wie Sarrazins Deutschland schafft sich ab und die Straßenbewegung PEGIDA zeigen, daß es im bürgerlichen Milieu eine breite Strömung abseits des Hauptstroms gibt, die eine Partei wie die AfD tragen kann.

SEZESSION: Warum haben Sie eigentlich Ihre Kandidatur zurückgezogen? Sie waren doch für einen Posten als Beisitzer im Bundesvorstand aufgestellt.

TILLSCHNEIDER: Diese Entscheidung fiel, nachdem André Poggenburg als Beisitzer gewählt wurde. Wir haben uns beraten und kamen zur Auffassung, daß es für den Frieden der Partei besser ist, wenn ich nicht antrete. Alle Wünschbarkeiten stehen schließlich unter dem Vorbehalt, daß uns die AfD erhalten bleibt.
Nach Petrys Wahlsieg und der Wahl von André Poggenburg bestand die Gefahr einer Überhitzung, wenn dann noch jemand wie ich, der unter den Weckrufern als eine Art Rudi Dutschke von rechts gilt, in den Bundesvorstand kommt. Ich müßte lügen, wenn ich behaupten würde, daß mir das leicht gefallen ist. Ich tröste mich damit, daß ich nun wenigstens etwas mehr Zeit habe, die Zerrbilder, die über mich und die Patriotischn Plattform in Umlauf gebracht wurden, zu korrigieren.

SEZESSION: Der Chefredakteur der Jungen Freiheit, Dieter Stein, schreibt in einer ersten Bewertung des Wahlergebnisses, daß der »bislang marginale Rechtsaußenflügel der AfD« das Bild der Partei nun zunehmend bestimmen könne. Sie gehören - wenn man sich diese denunziatorische Bezeichnung einmal zu Eigen macht - diesem »bislang marginalen Rechtsaußenflügel« an. Wovor warnt Dieter Stein?


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (49)

Ein gebürtiger Hesse
7. Juli 2015 15:58

Überzeugende Worte eines intelligenten und redlichen Mannes. Es war eben nicht Luckes Fehlverhalten, sondern auch die Güte der Aussagen eines Tillschneiders, Höckes und Poggenburgs, die zu der Entscheidung am Samstag geführt hat. Man sehe es mal so. Die Antwort auf die Frage nach Stein ist ein präzis geführter K.o.-Schlag in dessen Richtung.

Walter Roth
7. Juli 2015 16:08

Ich bin Schweizer, trotzdem bei der Sache mit Aufmerksamkeit dabei.

Bravo.

Was in den letzten Tagen geschah, ist das was meine Bekannten in Deutschland genau so haben wollten, ja, seit vielen Monaten herbeisehnten.

Und Herr Tillschneider, ihre Zeit wir auch noch kommen, dazu ist es sicher förderlich nicht gleich alles schon jetzt zu wollen.

Für mich als Schweizer sehr angenehm, die Berichterstattung hier in der Sezession ....aus und über die AfD, die ansonsten in DE ja leider wenig ergiebig ist, wenn nicht gar eher hetzerisch ausfällt.

Selbst Roland Tichy, den ich gerne lese, selbst dort kommen Kommentare von Fritz Goergen und Müller Vogh die nicht recht wissen was sie mit der AfD anfangen wollen und die darob sehr ambivalente Artikel schreiben. Die zitieren dabei sogar aus der Zürcher NZZ, ......als ob die noch ein Liberales Blatt wären. Die sind im Zweifelsfall so links wie die vom Zürcher "Tagi".

Ich habe mich beim lesen gefragt, was solche Leute zur SVP der Schweiz schreiben würden........??? Nun ja, auch sie keineswegs perfekt, aber eben doch die Partei die uns ......teilweise ärgerlichen Bürgern der Schweiz, zuhört.

Peter
7. Juli 2015 16:12

Wieder viel geredet und nichts gesagt. Hohle Phrasen statt klarer Kante. Was ist denn bitte eine "patriotische Volkspartei"? Welche Positionen vertritt die denn? Und seit wann ist Patriotismus ein politisches Programm und nicht mehr eine Gefühlslage, die einem zu diesem oder jeder politischen Position geleiten kann?

Jacobi
7. Juli 2015 16:13

Da ich selbst Leser der JF (nur im Netz, ein Abo kommt nicht in die Tüte, dafür möchte ich kein Geld bezahlen) bin, sehe ich, wie sehr die Redakteure (bis auf wenige Ausnahmen) von ihrem Chef in eine Lucke-konforme Richtung geprägt wurden. Was ich die ganze Zeit nicht verstehe, ist, warum Dieter Stein - wie Hr. Tillschneider schon erwähnt hatte - die Ächtungsmechanismen auf "die eigenen Leute" anwendet, dessen Opfer er zuvor doch selbst gewesen ist. Scheinbar möchte er einfach in der Diskursarena ankommen, in der man sich als "Wertkonservativer" äußern darf, ohne dass man eine soziale Ächtung befürchten muss; was aber auch ein Verrat an den eigenen Prinzipien bedeutet, sofern man solche überhaupt noch hat.

Daneben frage ich mich auch - wenn die JF-Online-Leser die gesamte Lesermehrheit bilden und diese, wie auch Kositza (sinngemäß) mal andeutete, der Meinung Höcke & Co. und nicht Luckes sind - wie das "Parteizeitungsorgan" der AfD angeführt von Herrn Stein eine solche Ignoranz bzw. "tendenziöse Berichterstattung" an den Tag legt, die von einem Umgarnen des Weckruf-Flügels nur so strotzt.

Ich bin gespannt, wie sich die JF unter den neuen Bedingungen entwickelt...und zwar als "Parteizeitungsorgan" der Partei, die womöglich die Weckrufer gründen werden.

Interessant auch:
JF warnt vor rechts

Chris
7. Juli 2015 16:16

Flügel hin oder her- die Form von Respekt, welcher ein grosser Teilnehmerkreis in Essen offensichtlich gegenüber Lucke an den Tag gelegt hat, ist "uns" ganz sicher nicht würdig!
Und das lässt sich auch nicht durch einen Weckruf entschuldigen.

Ich schäme mich ehrlich gesagt dafür- konnte nur wegen bekannter Terminüberschneidung nicht vor Ort "eingreifen".

Wenn die Partei zerfällt, dann wohl nicht wegen den Etiketten sondern der Etikette!

Vulture
7. Juli 2015 16:57

Da gibt es wohl so einige Entladungen im hochsommerlichen Deutschland. So wie auch hier:
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fluechtlingsheim-tumulte-bei-buergerversammlung-in-freital-13689002.html

Die Etikette, Herr @Chris, ja, unschön. Aber ich kann die Leute verstehen, ob AfD Parteitag oder Bürgerversammlung. Das sind alles Leute denen jahrelang medial mit der Dampfwalze über den Mund gefahren wurde und in juengster Zeit (Anti-Pegida) auf dem hoechsten Gang. Irgendwann geht da zwangsläufig die Beherrschung verloren. Der Umbruch in Deutschland wird sicher kein Sektempfang. Und die Gegenseite hat sich das redlich verdient. Klammheimliche Freude hier. Gruss aus Temeschwar.

RL
7. Juli 2015 17:51

Warten wir mal ab, was in den nächsten Wochen und Monaten mit der AfD passiert.
Inzwischen beginnt ja das linksliberale Mediensystem schon bei der JF, die bewegt sich allerdings schon seit zwei Jahren in diese Richtung, deshalb habe ich vor einem Jahr mein Abo gekündigt.

Nemo Obligatur
7. Juli 2015 18:45

Überzeugende Worte eines intelligenten und redlichen Mannes.

Da haben Sie sicher recht, gebürtiger Hesse.

Allerdings bezweifle ich, dass diese Worte das angemessene Gehör finden. Wenn man die Berichte zur AfD in der überregionalen Presse für bare Münze nehmen kann, dann hat die Auflösung der AfD vom liberalen Flügel her schon begonnen. Fraglich also, ob die Marginalisierung der AfD, die Verortung durch die Medien am rechten, kaum noch demokratischen Rand, noch zu stoppen ist. Aber vielleicht sollte man nicht zuviel erwarten. Einen "Durchmarsch" in den Bundestag schließe ich jetzt aus. Die Etablierung in dem einen oder anderen Länderparlament dagegen nicht. Das wäre immerhin eine Basis. Dazu muss man hoffen, dass Politiker wie Herr Tillschneider auch als Patrioten zur Kenntnis genommen werden. Wenn man aber zum Maßstab nimmt, wie in den Medien mit Herrn Höcke verfahren wird, dessen einziges "Vergehen" wohl die Offenheit gegenüber ehemaligen(!) NPD-Mitgliedern ist, muss man hierfür skeptisch sein.

Deutschland scheint auch im Jahre 2015 noch nicht reif für Patriotimus.
Wehe uns, wenn wir eines Tages diese Ressource brauchen!

Marcus Junge
7. Juli 2015 18:49

Als ich mit Seite 1 durch war, wollte ich eigentlich gleich schreiben, als Antwort auf die Frage "Warum Stein das macht", weil er einen gewaltig in an der Waffel hat. Aber Herr Tillschneider hat das ja viel eloquenter auf Seite 2 dann dargelegt.

---

Chris

Den "Respekt" hatte sich Genosse Lucke wohl re4dlich verdient, durch seinen Auftritt in Essen. Einfach mal hier lesen: https://www.blu-news.org/2015/07/05/afd-mitglieder-waehlen-frauke-petry/

Und dann dort zum Kommentator Wolfgang Paul 5. Juli 2015 at 12:24.

Lucke bekam seine Buhs demnach nicht wegen dem Weckruf oder seinen irren Ansichten, Absichten und Maßnahmen, sondern wegen dem was er dort Vorort sagte. Und das ist dann schlicht gerechtfertigt.

Sakksa
7. Juli 2015 19:30

Vorab : Lucke würde von mir wohl sagen, ich sei ein Neurechter. Konservativ bin ich allerdings nur im Stil und den hergebrachten Umgangsformen nach, weil das für mich keine politische Kategorie mehr ist und weil der Begriff sich sukzessive leider seit längerer Zeit auf das etablierte grüne und rote sozialistische Bürgertum ausdehnt. Petry hätte ich Lucke auch klar vorgezogen. Eine INSM-Partei braucht nämlich wirklich niemand.

So viel kurz dazu. Aber ich kann auch seit den Anfängen der AfD bis zum Ende letzten Jahres auf eine kurze Karriere in dieser Partei zurück blicken.

Was ich da als Aktiver im Kreisverband und woanders gesehen habe war wirklich auch im eigenen Lager sowohl menschlich wie intellektuell unterirdisch und kennzeichnet m.E. in besonderer Weise das Dilemma der Rechten. Sie verraten für einen Zipfel Macht entgegen ihrer Beteuerungen jedes Prinzip. Der Gegner tut das nicht, jedenfalls höre ich nichts davon. Da gibt’s anscheinend was veganes und alle haben sich lieb. Sofern aber „unsere“ Köpfe Interviews geben, betonen sie ihre hehren Ziele : Tillschneider hier klingt heute gut, aber Mandic auf dem BPT war eine Katastrophe für unsere Sache und hätte als so genannter Vertreter des rechten Flügels um ein Haar ganz allein das Zeug dazu gehabt, die AfD dauerhaft in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, wenn nicht ein offensichtlich nicht bestellter Fragesteller ihn glücklicherweise doch noch demaskiert hätte. Mich hat dabei weder der von ihm irgendwo mal zitiierte „Quotenneger“ geärgert, sondern der sichtbar gewordene Mangel an jeder Empathie dem Co-Parteimitglied gegenüber und dieser völlige politische Autismus. Um das so zu sehen muß man nicht Stein heißen, ein innerer geradliniger Kompass genügt.

Eine Ebene darunter sieht es auch nicht anders aus. Was da hintenrum auch im eigenen Lager abläuft ist unanständig. Ich hatte Einblick in mehr als einen KV und war entsetzt, wer da gegen wen mobil machte und mit welchen Mitteln. Meine selige Oma hätte gesagt, min Jung, das gehört sich nicht. Mittlerweile ist das „Sie hören von meinem Anwalt“ ( wie auf dem BPT in einem kafkaesken Moment gehört ) ein gängiger Gruß auch im eigenen, angeblich formenbewußten rechten Lager. Da werden auch für Petry noch aufregende Zeiten kommen, auch, wenn ich ihr das sicher nicht wünsche.

Ausgetreten bin ich dann folglich weniger wegen unterschiedlicher politischer Ansichten, sondern wegen des unvermuteten Umgangsstils auch meiner Freunde von gestern gegenüber anderen Freunden, der mich ziemlich fassungslos gemacht hat. Der BPT, den ich mir das ganze Wochenende in Echtzeit angesehen habe, hat mich leider bestätigt. Was da lief hat weder mit konservativ noch mit rechts oder patriotisch - oder wie immer das verbrämt wird - zu tun. Wir müssen das besser machen. Es gibt so etwas wie einen Ehrbegriff auf unserer Seite, demzufolge der Besiegte nicht zu demütigen ist. Na aber Hallo, was habe ich mich für den Pöbel geschämt, als Lucke heraus geführt werden mußte ! So etwas geht gar nicht. Der Besiegte ist anständig zu behandeln. Vor allem, wenn er gekämpft hat.

Weiter : Die m.E. ganz offensichtlich bestellten Fragesteller zum Beispiel zur Kandidatur Flaks oder Ehrhorns oder vielleicht auch Hampels haben mich bestürzt, eine kaum verdeckte Parteitagsregie der JA feierte fröhliche Urstände. Ihr Freunde fragt mich, warum bestellt ? Dann hört euch die Fragen im Kontext zur Bewerbungsrede an und schaut ! Vor allem danach, wer da wen fragt. Das soll unsere Aufrichtigkeit sein ? Welche alten Werte wollen wir denn verkörpern ? Pöbel lehne ich konservativ und betont schnöselhaft ab, von wo auch immer er kriecht, nicht nur von links. Ich hoffe, das hält dieses Forum aus. Und nein, ich bin kein U-Boot.

Man mag ja sagen, die Parteitagsregie sei wegen des vom Gegner genauso inszenierten Spiels notwendig gewesen. Der hat zwar wohl auch so ein Spiel geplant. Ich behaupte trotzdem: Nein ! Der BPT hätte auch mit unserer ehrlichen Authentizität locker gewonnen werden können. Gerade dann.

Kubitschek, sei´n se froh.

Und nun auf mich los.

Pommes
7. Juli 2015 20:03

Was erhofft sich Dieter Stein eigentlich? Glaubt er wirklich, dass durch sein buhlen beim Mainstreem und seinem Denunziantentum seine Zeitschrift in Zukunft für das Establishment konform genug ist? Gerade er müsste es besser wissen. An Bernd Lucke hat sich vor unser aller Augen sein schlechtes Karma entladen und auch Dieter Stein wird noch tief fallen, wenn er nicht langsam mal aufpasst.

niekisch
7. Juli 2015 20:25

Ist es nicht normal, daß sich in einer, wenn auch kleinen, Volkspartei, innerhalb der Bandbreite des Programms die Gewichte verschieben - sowohl inhaltlich als auch personell? ist das nicht das Normalste der Welt? Wer Mehrheiten verliert, der muß eben um die neuen Mehrheiten kämpfen - das ist demokratisch. Und die inkriminierten Sätze des Parteitages " AfD ist Pegida - Partei" und "Asylbewerberinvasion" verstoßen weder gegen die Programmatik der AfD noch gegen deutsche Gesetze noch gegen die Freiheitlich demokratische Grundordnung. Im Gegenteil: Jeder deutsche Staatsbürger ist nach unserer Verfassungsordnung verpflichtet, diese Ordnung gegen Islamisten und zuströmende Menschenmassen, die unsere Identität und Homogenität als Verfassungsvolk bedrohen, aktiv zu verteidigen.

RL
7. Juli 2015 21:19

@Sakksa

Nun die Politik ist nun mal ein dreckiges Geschäft.
Nicht umsonst gibt es die Steigerung: Feind, Erzfeind, Parteifreund.
Kleiner Tip, lesen Sie mal die Königsdramen von Shakespear, dann wissen Sie wie der Hase läuft.

Sakksa
7. Juli 2015 21:34

@RL, Danke, Shakespeare ist ein guter Hinweis, ich kenne alle seine Königsdramen. Wie wär´s mit Macbeth ? Frauke hat den König umgebracht, den ehemals vermeintlicht guten Freund, jetzt lebt sie hoch. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob sich jetzt irgendwo in Sachsen ein Pfarrer zwanghaft seine Hände wäscht.....
Spaß beiseite, Königsmord, das lehrt uns Shakespeare, hat noch immer Truppen mobilisiert.

M. M.
7. Juli 2015 21:37

Ein kluger Mensch. Abgesehen davon: Lucke hat sich den Ärger derjenigen verdient, die er als Nazis diffamiert, aber er hat viel geleistet und sich exponiert, das können die wenigsten von sich behaupten. Das Verhalten in Essen war verständlich, aber politisch falsch - suaviter in modo, fortiter in re sollte gelten, auch Petry & Co. hätten sich inhaltlich eisern, aber in der Form diplomatischer gegenüber dem FDP-Flügel verhalten sollen.

Nebenbei: Ich empfehle "Qualitätspresse" anstatt Mainstreampresse - Sarkasmus ist eleganter, kommt hier auch ohne überflüssiges Fremdwort aus.

Arminius Arndt
7. Juli 2015 21:43

Nun die Politik ist nun mal ein dreckiges Geschäft.
Nicht umsonst gibt es die Steigerung: Feind, Erzfeind, Parteifreund.
Kleiner Tip, lesen Sie mal die Königsdramen von Shakespear, dann wissen Sie wie der Hase läuft.

Von einer Partei, die sich nach wie vor "Alternative" nennt, erwarte ich zumindest erkennbare Ansätze, sich nicht entsprechend diesen gängigen - und wohl auch zum großen Teil zutreffenden - Einschätzungen zu verhalten, sonst brauche ich sie nicht. Das schreibe ich in aller "Naivität".

@Sakksa
Danke für den Bericht.

Und nun zum Ganzen:

Es stellt sich die Frage:
Werden nun Kubitschek und/oder Kositza AfD Mitglieder?

antwort kubitschek:
ich will das gar nicht werden.

Frenchman
7. Juli 2015 21:47

@ Sakksa

Bei dem, was auf dem Spiel steht und angesichts der auslaufenden Zeit, ist es sinnlos, einen auf "feinen Konservativen" zu machen.
Der große Austausch steht vor dem Point of no return. Wir müssen jetzt die Samthandschuhe ausziehen.

Wilhelm II.
7. Juli 2015 22:22

Was ich da als Aktiver im Kreisverband und woanders gesehen habe war wirklich auch im eigenen Lager sowohl menschlich wie intellektuell unterirdisch und kennzeichnet m.E. in besonderer Weise das Dilemma der Rechten. Sie verraten für einen Zipfel Macht entgegen ihrer Beteuerungen jedes Prinzip.

Eine Ebene darunter sieht es auch nicht anders aus. Was da hintenrum auch im eigenen Lager abläuft ist unanständig. Ich hatte Einblick in mehr als einen KV und war entsetzt, wer da gegen wen mobil machte und mit welchen Mitteln. Meine selige Oma hätte gesagt, min Jung, das gehört sich nicht. Mittlerweile ist das „Sie hören von meinem Anwalt“ ( wie auf dem BPT in einem kafkaesken Moment gehört ) ein gängiger Gruß auch im eigenen, angeblich formenbewußten rechten Lager. Da werden auch für Petry noch aufregende Zeiten kommen, auch, wenn ich ihr das sicher nicht wünsche.

Weiter : Die m.E. ganz offensichtlich bestellten Fragesteller zum Beispiel zur Kandidatur Flaks oder Ehrhorns oder vielleicht auch Hampels haben mich bestürzt, eine kaum verdeckte Parteitagsregie der JA feierte fröhliche Urstände. Ihr Freunde fragt mich, warum bestellt ? Dann hört euch die Fragen im Kontext zur Bewerbungsrede an und schaut ! Vor allem danach, wer da wen fragt. Das soll unsere Aufrichtigkeit sein ? Welche alten Werte wollen wir denn verkörpern ? Pöbel lehne ich konservativ und betont schnöselhaft ab, von wo auch immer er kriecht, nicht nur von links. Ich hoffe, das hält dieses Forum aus. Und nein, ich bin kein U-Boot.

@Sakksa:

Genau die selben Gedanken hatte ich auch - denn auch ich habe den Parteitag nahezu vollständig im Internet verfolgt. Politik ist dreckig und auch "die Alternative" hat das offenbar schon als "alternativlos" anerkannt. Mit Werten hat das freilich gar nichts zu tun und ich persönlich bedauere, dass nicht mehr bekennende Christen in der AfD sind. Einzig Beatrix von Storch macht mir etwas Hoffnung für die Zukunft.

Enttäuscht bin ich auch vom "Flügel". Als ich vor Wochen schriftlich im Wahlkreisbüro von Herrn Höcke nach einem Autogramm nachfragte, wurde mir rüde mitgeteilt, ich müsse erst erklären, wozu ich ein solches Autogramm wolle und man habe im Internet einen JU-Vorsitzenden gefunden, der einen ähnlichen (!) Namen trage wie ich, was ich dazu zu sagen hätte (?!). Ein telefonisches Gespräch konnte keine Klärung bringen, ich wurde mehr oder minder abgewimmelt, man habe besseres zu tun zur Zeit. Selbiges hörte ich kurz darauf nochmals, als ich bei einer Buchbestellung die Episode einem Antaios-Mitarbeiter erzählte.

Die tragische Wahrheit scheint zu sein, dass das Volk immer nur zum Wählen und Konsumieren benutzt wird - egal von welcher Seite her - ansonsten aber still und genügsam zu bleiben hat.
Der vor allem rechts zur Schau getragene Elitarismus widert mich persönlich an und man sollte sich genau überlegen, ob es wirklich ein gutes Konzept ist, um konservative und rechtskonservative Bürger zu gewinnen. Denn nichts anderes als Elitarismus war es auch, was Lucke und Co. bewogen hat, sich von den "kleinen Leuten" zu distanzieren...

faserland
7. Juli 2015 22:38

@Sakksa

Lucke hat sich selbst umgebracht, weil er unbedingt König werden wollte.

Der Weckruf war eine Kamikaze Aktion. Wer ausgerechnet in der AfD Teile der Partei mit den Kampfparolen der Linken überzieht, mußte wissen, daß er damit scheitert. Im selben Zug hat er auch noch dafür gesorgt, daß die Medien die siegreichen Gegner in der Partei sofort als Pappkameraden für die üblichen Geschütze vorgesetzt bekommen. Viele Freunde bleiben einem da nicht...

d.n.
7. Juli 2015 22:39

Das Ergebnis des AFD-Parteitags und die medialen Nachwehen lösten bei mir zwei spontane Gedanken aus: zum einen jenen, Parteimitglied zu werden, zum anderen den, mein JF-Abo zu kündigen. Die Erfahrung, daß kurzfristige Reaktionen zumeist unmittelbar danach bereut werden, hielt mich jedoch noch von der Tat ab. Während ich hier die weitere Entwicklung abwarten werde, hadere ich dort nach wie vor vor einem Schlußstrich: inzwischen weniger aus dem Gefühl, politisch doch noch irgendwie an einem Strang zu ziehen, sondern nunmehr nur noch aus jener Melange aus Gewohnheit, allwöchentlich eine Zeitung im Briefkasten zu haben einerseits, und der mangelnden Einsicht, daß das jahrelange eigene Engagement umsonst war, andererseits...

jack
7. Juli 2015 23:07

MKH bringt es auf den Punkt. "Bernd Lucke gescheitert - Dieter Stein dto. "

https://korrektheiten.com/2015/07/06/zum-fuehrungswechsel-in-der-afd/#more-13288

Gut so!

Sakksa
7. Juli 2015 23:18

faserland, kann man so sehen. Ein Beispiel für Selbstmord oder ähnlich bei Königen gibts bei Shakespeare zwar auch, aber finde ich nicht ganz so AfD-passend, man möge mich verbessern. King Lear zB vergibt freiwillig sein Erbe, verpasst aber, was daraus wird. Macbeth erscheint mir am passendsten.
Übrigens : Zur BTW 2013 habe ich mit Heinrich dem V. mobilisiert.....ich sag nur :

we few...we happy few....

Lange vorbei.

:-) for whom it may concern

Sakksa
7. Juli 2015 23:34

Hier im nordisch-westelbischen Junkertum trägt der Gutsherr übrigens eine Barbourjacke auf dem Gut und auf dem Acker und ist englisch angehaucht, unabhängig davon, was politisch gerade angesagt ist.... selbst wenn die Remise noch voller Granatsplitter anno 45 steckt....

Erik
7. Juli 2015 23:58

Ich bleibe skeptisch.

Diese Partei hat es in der Vergangenheit weder vermocht, das nicht-linke Protestpotenzial zu katalysieren, noch überhaupt den Versuch dazu unternommen, und zur aktuellen Asylproblematik verliert sie auch kein Wort. Das Letzte, was mir von Herrn Gauland, der ja immerhin zum konservatigen Flügel gezählt wird, noch in Erinnerung geblieben ist, war dessen positive Resonanz zum Kopftuchurteil.

Wieviele Stimmen die AfD jenseits der 5%-Hürde erzielt, ist völlig unerheblich, solange ihr durch den Einzug in die Parlamente mediale Präsenz beschieden ist. Wir brauchen eine Kraft, die jene Auguststimmung wiedererwecken kann, welche keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche kennt, und die sich ansatzweise in den Nachwehen des Novembers 89 zeigte. Dazu ist es notwendig, integrativ zu wirken, die Nichtwähler zu aktivieren und das Kunststück zu bewerkstelligen, bei gleichzeitiger Distanz zu NPD und Kameradschaftsszene die Parameter kontinuierlich nach rechts zu verschieben. Damit das, was zur Zeit lediglich an Stammtischen und in manchen Kommentarspalten geäußert wird, wieder Einzug in den öffentlichen Diskurs hält. Rechts bedeutet in diesem Kontext keine Kopie von FN, FPÖ oder Tea-Party, sondern den geheimen Alptraum des politischen Establishments: Die Rückbesinnung der Deutschen auf ihre eigenen Interessen.

Wenn es uns gelingen sollte, die Zahl der 25.000 Demonstranten in Dresden vom vergangenen Dezember auf 100.000+ zu erhöhen, die vor dem Berliner Reichstag den Rücktritt der Regierung forden, haben wir die Wende und können die politische Landschaft nachhaltig umpflügen. Aber solange das nicht gelingt, können wir schon deshalb nichts tun, weil die aktuellen Bindungen keinerlei Veränderungen größeren Umfangs zulassen.

Aufgabe einer Partei oder Bürgerbewegung wäre es demzufolge, die Lawine ins Rollen zu bringen, bis die kritische Masse erreicht ist, bei der niemand mehr fragt, worum es ursprünglich ging, aber alle darin übereinstimmen, dass die Halbwertzeit dieses Systems bereits deutlich überschritten ist. In etwas so wie vor 26 Jahren.

Den Willen dazu kann ich mir bei Frau Petry schwer vorstellen.

Vulture
8. Juli 2015 00:07

Liebe Leut, normalerweis mute ich Euch meine Dummheiten ja nicht mehr als einmal im Monat zu, aber nach einigen Getränken mit einem rumänischen Kollegen macht es mir gerade Spass hier nochmal reinzuhauen:
Punkt 1. "wie in den Medien mit Herrn Höcke verfahren wird, dessen einziges „Vergehen“ wohl die Offenheit gegenüber ehemaligen(!) NPD-Mitgliedern ist"
Nein.
Der Mann, genauso wie der jetzt oben Interviewte, ist hochintelligent und redlich, i.e. gefährlich. Schonmal irgendwo ausführlichere Zitate Tillschneiders oder Höckes in den Qualitätsmedien gefunden? Vergleiche diesbezüglich mit Adam, Henkel, Gauland, Petry, whoever. Bitte um Mitverständnis wie dieser polit-mediale Apparat tickt.
Punkt 2. @Frenchman +1 , die einfachen Leute wissen eh nicht mehr was Samthandschuhe sind, ich hab auch keine. Den "Konservativen" aber, die derselben Benutzung nach wie vor einfordern sollte man kameradschaftlich auf die Schulter klopfen, das sind im Grunde gute Jungs mit besserer Kinderstube als unsereins halbwilde Grenzländler, die werden sicher auch noch gebraucht.

Pommes
8. Juli 2015 00:31

Lucke hat sich selbst umgebracht, weil er unbedingt König werden wollte.

Der Weckruf war eine Kamikaze Aktion. Wer ausgerechnet in der AfD Teile der Partei mit den Kampfparolen der Linken überzieht, mußte wissen, daß er damit scheitert. Im selben Zug hat er auch noch dafür gesorgt, daß die Medien die siegreichen Gegner in der Partei sofort als Pappkameraden für die üblichen Geschütze vorgesetzt bekommen. Viele Freunde bleiben einem da nicht…

Sehr richtig. Der Mann hat sich nach allen Regeln der Kunst selbst zerlegt. Und als er letztendlich merkte, dass seine Herrschaftsgier ihn endgültig an den Abgrund gedrängt hat, hat er nochmal richtig um sich getreten und mit seinem Weckruf der Partei eine klaffende Wunde verpasst.

Wir werden von Lucke und Henkel noch einiges hören, da bin ich ganz sicher. Sie werden sicherlich noch in diversen Talkshows auftreten, mit reumütigen Blick, als geläuterte Bürger die von ihrem Irrweg abgekommen sind, und nun alle Welt vor dieser NSDAP 2.0 warnen wollen. Wolln wir wetten? ;-)

Gerhard Vierfuß
8. Juli 2015 00:39

Da ist anscheinend gestern nacht der erste Teil meines Kommentars unterwegs verlorengegangen. Ich hatte geschrieben, daß Dieter Stein mich am Rande des Essener Parteitags ansprach, weil ich mich in diesem Forum abfällig über ihn geäußert hatte. Er wirkte ernsthaft getroffen und war sehr höflich. Ich gewann aus disem längeren Gespräch den Eindruck, daß ich (und viele andere ebenso) es mir (bzw. sich) zu leicht gemacht hatte (bzw. immer noch machen) in ihrer Verurteilung Steins. Er hängt mit genauso viel Herzblut an dem Projekt AfD wie viele von uns; nur schätzt er deren Chancen - mit guten Gründen, wie man ihm zugestehen muß - ein wenig anders ein. Er ist davon überzeugt, daß wir uns selbst marginalisiert haben durch den Aufstand gegen Lucke. Er hat nicht nur das Schicksal der Republikaner vor Augen, sondern auch seine eigenen Erfahrungen mit Richtungskämpfen bei der JF in Erinnerung. Ich meine, man sollte Stein den guten Willen nicht absprechen, ebensowenig wie er uns diesen absprechen sollte. Manchmal kommt mir die Situation auf der politischen Rechten vor wie der Kampf zwischen der Volksfront zur Befreiung Palästinas und der Palästinensischen Volksbefreiungsfront in Monty Pythons Leben des Brian. Wir Rechten - und damit meine ich auch und ganz besonders: Kubitschek, Stein, Weißmann - sollten uns immer darüber bewußt sein, daß Kommunikation immer von Mißverständnissen begleitet ist, daß es immer möglich ist, daß der andere für sein Verhalten bessere Gründe hat, als ich erkennen kann. Im konkreten Fall bin ich davon überzeugt, daß dies so ist, und zwar auf allen drei Seiten.

Im übrigen bin ich der Meinung, Herr Kubitschek, daß Sie sich das mit der Mitgliedschaft noch einmal überlegen sollten. Den Aufnahmeantrag haben Sie nun einmal gestellt; und in der neuen alten AfD könnten Sie eine wichtige Rolle spielen. Aber letztendlich müssen Sie das selbst entscheiden.

Gert H. Köster
8. Juli 2015 01:19

Bevor ein fieser MS-Schmierfink darauf kommt, von m i r ein derber Kalauer: "Petry Heil!"
Freue mich ansonsten.

P. Weber
8. Juli 2015 01:55

Ich kann ja verstehen, dass jetzt die in der NPD, DVU, REP, Die Rechte u.ä. Gruppen gescheiterten Hobbypolitker Morgenwind schnuppern, aber mit dumpfen Rechtsradikalismus oder Rechtsextremismus, mit dazugehörigen Stammtischparolen, gewinnt man keine Wahl (zum Glück). Sicherlich mag es im Moment etliche Menschen geben, die mit rechtskonservativen Ideen ko­ket­tie­ren, mehr aber auch nicht.
Meines Erachtens hatte die AfD die Chance die Rechte Avantgarde oder "Die neue Rechte" zu integrieren und verschiedene Ideen in die Mitte der Gesellschaft und insbesondere in die Köpfe des unzufriedenen Volkes zu transportieren. Nun sehe ich aber die Gefahr, dass den gängigen Medien attraktive Brocken hingeworfen werden, um das Ansehen der AfD zu schädigen, insbesondere durch Extremisten und weiteren Grabenkämpfen.
...Und diese Befürchtung teilt Dieter Stein mit, jedenfalls liest es sich so für mich. Was ist daran schlecht, dass es hier so viel Kritik hagelt? Auch das Interview mit D. Stein im Sezession-Sonderheft zur AfD fand ich nicht übel. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass ich die Szene noch nicht so lange verfolge und mir einfach Basiswissen fehlt und meine Gedanken noch unausgegoren sind (Im übrigen bin ich über die JF und ein Gratisbuch von K.H. Weißmann hierher geraten, kann also alles nicht so schlecht sein! ;-) ).
Der AfD bleibt zu wünschen übrig, dass sie ihr Profil als Demokratische Opposition wahrt und für diejenigen, die in Wahlen eine Möglichkeit für Veränderungen sehen, wählbar bleibt, damit es vielleicht doch die Alternative zu den Blockparteien wird. Ich denke, dass das für viele Protestwähler, ehemalige Nichtwähler etc. ebenso wichtig ist, sonst hätte die NPD schon längst mehr Zuwachs.

neocromagnon
8. Juli 2015 02:00

Ich glaube, daß es bei der so genannten Rechten auch viele Leute gibt, die nicht konservativ sind, sondern sich dieser Richtung angeschlossen haben, weil es gegen den Mainstream geht, weil es ums Dagegensein geht. Manche scheinen sich ihre Definition was Rechts sei auch aus dem Zerrbild der Mainstreampresse gezogen und sich dem angepasst zu haben.
Aber mit Leuten die nur dagegen sind ist kein Staat zu machen und auch keine Partei, in der es um Zusammenarbeit und um Kompromisse geht. Daher halte ich die Warnung von Dieter Stein für richtig. Die Mainstreampresse nennt es rechten Rand, was auch nur einer ihrer Tricks ist um eine konservative Gedankenwelt zu diskreditieren. Aber Hallodris gibt es schon eine Menge denen es nur ums eigene EGO geht, die eine solche Partei benutzen um sich ins Rampenlicht zu stellen. Die gilt es auszusortieren. Das bedeutet nicht, daß man auch nur einen Jota von konservativen oder nationalen Positionen abweichen muß. Und Dieter Stein hat in seinem Leben bewiesen, daß er Mut hat, kämpfen kann und sich nicht unterkriegen lässt. Ihn jetzt der Anbiederung zu verdächtigen finde ich nicht fair. Er ist Realist und hat Erfahrung.

Peter Niemann
8. Juli 2015 07:36

Es versteht sich von alleine, daß der Sieg Petrys eine positive Entwicklung hin zu einer vernünftigeren AfD-Partei ist, doch sind die Gesamtentwicklungen in einem globaleren Kontext zu betrachten und somit Petrys Sieg weniger der Stärke des tendenziell rechten Flügels als dem unglaublichen Dampfdruck des mit immer dichter gespickten Fehlentwicklungen gefüllten Westtopfes anzusehen: Flutung der (primär weißen) Westländer mit Nichtweißen, Infragestellung selbst jahrhundertalter Kultureinrichtungen selbst in konservativen Hochburgen wie z.B. Irland (Ehemodell) oder den Südstaaten (Flagge) der USA, Offensichtlichwerdung der Tatsache, daß die gedruckte Geldflut nicht gedeckt ist und eine Prekarisierung immer größerer Teile der Westbevölkerungen, um nur einige von vielen Aspekten zu nennen. Die Liste ist immens und auf ihr stehen scheinbar disparate Themen wie oben genannt, aber auch Griechenlandkrise, Conchita Wurst, Genderkrimskram usf. - dem Menschenverstand entgegenstehende Entwicklungen die auf kurz oder lang zu Krisen führen.
Petry ist hierbei eine zwangsläufige Entwicklung und die AfD wird mittelfristig nicht nur überleben, sondern niedrige zweistellige Prozentzahlen erringen. Doch hier die viel wichtigeren Fragen: Reicht das? Ist die AfD selbst jetzt, nach diesen internen Anpassungen, stark genug um mehr als Stellwerkverbesserer zu sein? Sind wir als Gesellschaft nicht schon zu weit im Multikultideutschland angekommen (von einigen Kommentatoren zynischerweise als "Schland" bezeichnet)? Haben wir überhaupt den Mut, nein, viel wichtiger, die Kraft und Dynamik in uns diese Entwicklungen zurück zu drehen?

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
8. Juli 2015 07:50

@Sakksa

der Mitgliederparteitag war Luckes Idee und sein letzter Fehler.

Eine Partei wie die AfD zieht zwangsläufig problematische Charaktere an. Und wer wird sich wohl an einem heißen Sommerwochende in den Zug setzen, auf eigene Kosten setzen hunderte Kilometer durch die Republik fahren?

Der Anteil an meinungs- und konfliktstarken Mitgliedern am BPT war sicher überrepräsentativ. Ich hatte noch schlimmere Bilder befürchtet:Besoffene, die ausländerfeindliche Parolen gröhlen und "Sieg!", Dazu noch mit dem erhobenen rechten Arm.

Lucke hat nicht geringsten politischen Instinkt, was den Menschen in der Masse angeht. PEGIDA ist darin deutlich geschickter darin den Pöbel zu bändigen.

In zwei Jahren hat es alte Bundesvorstand nicht geschafft ein Delegiertensytem zu installieren. Etwa so:
Jeder Kreisverband darf pro 50 Mitglieder einen Delegierten senden. Diese werden in Mitgliederversammlungen des Kreisverbands gewählt.

Dann wäre wohl 400 halbwegs artikulationsfähige und diskursfähige Leute zusammen gekommen, die gesittet abstimmen und beschließen.

Ich hoffe der neue Bundesvorstand kriegt es hin eine innerpartliche Demokratie aufzubauen, die Spinner neutralisiert ohne diktatorisch zu werden.

Meier Pirmin
8. Juli 2015 10:41

@Walter Roth. Sie übersehen, dass die deutsche Rechte und die Schweizer Rechte über ganz andere Traditionsbestände verfügen, was ich hier wertungsfrei gesagt haben möchte. Die Schweizer Rechte war schon immer radikaldemokratisch und föderalistisch, z.B. Segesser: "Ohne den Kanton Luzern ist mir die Schweiz die innere und äussere Tartarei" usw. Die Schweizer Rechte war schon immer gegen einen starken Bundesstaat, dafür allenfalls sogar für bedingungslose Gemeindeautonomie, im Zweifelsfall sogar gegen Gemeindefusionen, und gegen alles muss man das Referendum ergreifen können. Der letzte Wille des Schultheissen von Luzern 1386 nach dem Sieg bei Sempach: Es soll nie einer länger als ein Jahr Schultheiss sein! Ausserdem hatte die Republik Bern bis 1848 nie einen Rappen Schulden. In Kriegen der alten Eidgenossen konnte die Kriegerlandsgemeinde sogar einen General bzw. Hauptmann absetzten. Die Schweizer Rechte versteht unter Patriotismus auch nicht Nationalismus. Eine Regierung, die nicht abgesetzt oder wenigstens in ihren Entscheiden zurückgepfiffen werden kann, ist eine unakzteptable Gaunerei. In der Schweiz wären nicht nur ein Hitler, auch ein Bismarck und sogar ein Franz Josef Strauss unmöglich gewesen, wiewohl der derzeitige Parteiführer Blocher etwas an letzteren erinnert, was ihm aber schadet und ihn nicht mehrheitsfähig macht. Blocher hat in keinem Kanton je eine Maiorzwahl gewinnen können und wurde als Bundesrat abgewählt, weil er der einzige im westeuropäischen Sinn richtige Politiker war und im Ernst nicht nur jeweils die Bundesratsmehrheit vertreten wollte, wiewohl er dies formell durchaus tat. Die meisten Schweizer Bundesräte könnten per Losentscheid aus den 50 besten Leuten ihrer Partei je ausgewechselt werden, im Krankheitsfall funktioniert das Finanzdepartement selbstverständlich auch ohne Vorsitzenden. Das sind nun mal die speziellen Schweizer Verhältnisse.

Zur AfD. Natürlich könnte diese von der Schweizer SVP einiges lernen. Frauke Petry machte aber noch im Februar 2014, als sie im ZDF über die Schweizer Einwanderunginitiative mit diskutierte, den Eindruck einer totalen politischen Anfängerin, was sich hoffentlich unterdessen etwas gebessert hat. Demgegenüber wäre Christoph Blocher nicht bloss wegen dem Geld, auch wegen Belesenheit (der Schweizer FDP-Präsident liest nie ein Buch), politischer Erfahrung, historischem Horizont und politischem Instinkt von einem Format, das in der AfD nirgends zu finden ist. Dabei ist der Unterschied zwischen Blocher und Lucke, abgesehen von den politischen Fähigkeiten, die letzterem abgehen, nicht riesengross. Aber Blocher grenzte die Rechten nie aus, sondern versuchte sie zu integrieren, ohne einfach irgendwelches Geschwafel von Extremen zu glauben, da war und ist er ähnlich wie Strauss, der wusste, dass man als Politiker ohnehin nicht alles glauben darf, was man im Wahlkampf zum Besten gibt, am Ende immer vernünftig bleiben. Aber nie aufhören, das Falsche als falsch zu bezeichnen.

Dass eine Rechtspartei in Deutschland nicht auf 30% kommen kann, hat, nebst der Mediensituation und der systematischen Einschüchterung jedes politisch Verdächtigen im öffentlichen Leben natürlich auch damit zu tun, dass eingespielte demokratische Tradition im Sinn der direkten Demokratie sich in Deutschland nie entwickeln konnte. Man hat so wenig Ahnung von Demokratie, dass man nicht mal den Unterschied der kriminellen und in keiner Weise Hand und Fuss habenden Abstimmung in Griechenland (vgl. auch Putins Krim-Referendum) im Vergleich zur schweizerischen Einwanderungsabstimmung zur Kenntnis nimmt. Es wäre in der Schweiz absolut nicht möglich, innert Wochenfrist eine Europa-Abstimmung betr. das Schicksal des Landes zu machen, das wäre ein reiner Putsch. In Griechenland, wo seit 1974 (Staatsform Republik statt Monarchie) nie mehr abgestimmt wurde, fehlten alle Voraussetzungen für einen ernst zu nehmenden Volksentscheid, auch die angemessene Basisstruktur und Kontrolle usw.

Die Schweizer Rechte steht für eine institutionalisierte direkte Demokratie, deren Menschenrechtsbasis in der eigenen Verfassung gelegt ist und die auch keinem Gerichtshof mit Richtern, welche unsere Verhältnisse nicht kennen, zum Opfer gebracht werden kann. Das wirklich Einzige, das nicht zur Dispositon steht, ist das demokratische Prinzip und der Verzicht auf einen Führerstaat.

Rumpelstilzchen
8. Juli 2015 10:55

Petry ist hierbei eine zwangsläufige Entwicklung und die AfD wird mittelfristig nicht nur überleben, sondern niedrige zweistellige Prozentzahlen erringen. Doch hier die viel wichtigeren Fragen: Reicht das? Ist die AfD selbst jetzt, nach diesen internen Anpassungen, stark genug um mehr als Stellwerkverbesserer zu sein? Sind wir als Gesellschaft nicht schon zu weit im Multikultideutschland angekommen (von einigen Kommentatoren zynischerweise als „Schland“ bezeichnet)? Haben wir überhaupt den Mut, nein, viel wichtiger, die Kraft und Dynamik in uns diese Entwicklungen zurück zu drehen?

@ Peter Niemann
Sie haben recht. Der Richtungsentscheid der AfD ist eher eine Anpassungsreaktion und in globalerem Kontext zu betrachten.
Die Frage wird sich weiter entwickeln: Gibt es überhaupt noch Alternativen ( Korrekturmöglichkeiten) innerhalb des bestehenden Systems oder läuft es nicht doch auf eine Totalopposition hinaus.
Weil die nötigen Korrekturen versäumt wurden . Und Entwicklungen nicht mehr zurück gedreht werden können.

Rainer Gebhardt
8. Juli 2015 14:46

Die gestrige Meldung der FAZ, Adam erwäge Parteiaustritt, kommentierte ein Alternativer Stammtisch mit den Worten: „Der lumpige Denunziant Adam ist an der Schwanzspitze seiner 'politischen Karriere' angekommen. Mit der Virtuosität seiner Charakterlosigkeit im Umgang mit Parteimitgliedern findet er natürlich auch in diesem Artikel wieder die richtigen Worte, die seinem politischen Genius schmeicheln sollen.“

Das verlangte nach einer Antwort: „Ihr Stil ist unterirdisch, absolut nicht satisfaktionsfähig. Und eigentlich geben Sie Adam Recht, der das Auftreten dieser unterbelichteten Claque beklagt. Diese Jubelperser haben am Rande des Parteitages für eine Atmosphäre gesorgt, von der man fürchten mußte, daß sie ins Unanständige kippt. Offensichtlich verwechseln Sie die tumben Stimmungsanfälle einiger Anwesenden mit Volkstümlichkeit. Aber genau das sind Sie eben nicht: volkstümlich. Da fehlen Ihnen der Witz, der Humor, vor allem fehlen Ihnen der Instinkt für die Lage, das Gespür für den richtigen Ton. Und nebenbei gesagt, scheinen Sie mir zu faul, um sich auf eine gewisse Reflektionshöhe zu begeben. Die aber ist dringender nötig als Ihre Ressentimentschübe. So jedenfalls kommt auch die neue AfD nicht wirklich voran. Ich bezweifle, daß der neue Vorstand um Frauke Petry die von ihnen favorisierte Claquewirtschaft braucht. Im Gegenteil, Sie erweisen ihm damit einen Bärendienst.“

Die Replik kam prompt: „Man sieht mal wieder, wie sich Konrad Adam anderer aufgehetzter Personen als Werkzeug bedient, um einen Rechtfertigungsversuch zu starten.... Es müssen die Konsequenzen aus den Diagnosen gezogen werden und die erste davon heißt: Systematische Bereinigung von den Parteischädigern.“

"Systematische Bereinigung von den Parteischädigend" - ein Ton wie weiland in der 'Abteilung Agitation und Propaganda'. Man kann zu K. Adam stehen wie man will, die Art und Weise aber, wie sich halbgewalkte Politniks (mit Schlagseite ins dämlich Brutale) Gehör zu verschaffen suchen, indem sie alles zertrampeln und zerdeppern, liegt außerhalb meines Frequenzbereiches. Mit solchen Pfeifen setzte ich mich nicht an einen Tisch.

kommentar kubitschek:
Sie tun gut daran, derlei fanatiker der unflätigkeit zu meiden. vielleicht ist das eines der größten probleme überhaupt: daß es eine heerschar von leuten gibt, die mit dümmlichen, unverschämten briefen, kommentaren oder anrufen versuchen, die verteidigungslinie der konservativen, rechten zu verstärken. dabei kommt immer das gegenteil heraus: eine schwächung. viel gewonnen wäre, wenn sich bescheidenheit durchsetzte. denn nicht jeder ist berufen, das maul aufzureißen.

Peter Niemann
8. Juli 2015 15:40

@Rumpelstilzchen
In einem derart starken System wie derzeit gibt es keine Totalopposition. Sticheleien werden akzeptiert, aber nicht Totalopposition, und daß Leute wie Sie und ich dann noch unsere Meinung auf dem Riesenmarktplatz "Internet" hinausschreien auf dem jeder Zentimeter überwacht wird, macht es leicht durch diverse Druckausübungen und Kontrollmechanismen mittels EDV-Logarithmen und NSA(et cetera)-Personal selbst kleinste Regungen im Keim zu ersticken. PEGIDA-Phänomene ohne Wirtschaftskrisen als Hintergrundmusik sind sehr selten und deshalb so kostbar, vor allem ihre Dynamik aufrechtzuerhalten, weil diese ganz seltene Millimeter-Veränderungen ermöglichen. Ich bin übrigens nicht Pessimist, sondern erkenne Justierungsmöglichkeiten vor allem nur in solchen Momenten in denen die Ökonomie mangels Brennholz (Rezession oder gar Depression) anfälliger für Änderungen ist. Wenn uns solches in den nächsten Jahren blüht wird sich zeigen in wie weit es zu Änderungen kommt.

@Kubitschek, Thema "Maul aufreißen"
Man läßt nicht jeden, der zwei Hände hat eine Klaviersonate vortragen oder an sich operieren und nicht jeden der Stimmbänder hat öffentlich singen. Daß man also in postmodernen Zeiten jeden, der Lippen, Mund und Zunge hat, zu Wort kommen läßt oder gar in Medien wie Fernsehen gebannt zuhört und dieses Meinungskundtun dann gar als untereinander ebenbürtig anerkennt ("Meinungspluralismus") ist eine Eselei.

Georg Mogel
8. Juli 2015 18:53

@Rainer Gebhardt:

Lesbaren Unsinn zu schreiben ist Privileg der großen Intelligenzen.

Die Mehrheit der Menschen hat kein Recht, ihre Meinung zu äußern,
sondern zuzuhören.

Um ein Thema zu behandeln, das wir schlecht kennen, brauchen wir ein Buch, aber wenige Sätze genügen für das, was uns bekannt ist.
Unwissenheit macht uns weitschweifig.

Nur der ist intelligent, der sich nicht fürchtet, mit Dummköpfen übereinzustimmen.

Davila

Jim Knox
8. Juli 2015 20:51

Welchen ausbaufähigen Charakter Leute wie Lucke , Henkel, Kölmel und andere haben, die aus der AfD ausgetreten sind oder es noch wollen, hat man gelesen und wird man noch sehen . Die Beschimpfungen der eigenen
patriotischen AfD-Parteimitglieder waren teilweise noch schlimmer als diejenigen der Systempresse und im System-TV.

Ich habe jedenfalls z.B. vom gestürzten CSU - Stoiber und anderen aus den sogenannten Blockparteien , nachdem sie abgewählt wurden oder ausgetreten sind, nicht solche denunziatorischen Nestbeschmutzungen gehört, wie von obigen sogenannten AfD-Liberalen.

Man kann im Grunde froh sein, dass solche Leute nunmehr sich offenbart haben und aus der neuen AfD verschwinden. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass Lucke und andere dem Druck der Lügenpresse nicht standhalten können und nur noch PC -Meinungen äußerten, damit sie eine positive Presse bekommen.

Und zum JF- Stein ist zu sagen, dass ich als langjähriger JF-Leser langsam auch erschüttert bin, welche seltsamen, sehr fragwürdigen Politkurven dieser früher unerschrockene Kämpfer gegen die Rotgrünen mit seiner Zeitung seit einiger Zeit dreht .

Macht er diese Kurven , um als ehemals echter Rechter endlich im Journalistenestablishment in Berlin anzukommen oder offenbaren sich jetzt ähnliche Defizite wie bei den ausgetretenen AfD-Herren ? - Oder unterliegt er nur dem ungeheuren Druck des Existenzkampfes , endlich mit seinem Blatt Geld zu verdienen und neue Leserkreise zu erschließen, die er
woanders , als bei "Rechts" und den Wertkonservativen sieht ? Wenn ja, es wäre ein Verrat an seinen langjährigen , treuen Lesern und Spendern . Macht er so weiter, wird er vieles verlieren und zwar mehr als es sich seine Fantasie jemals erträumt.

Heidelberger Akif
8. Juli 2015 21:07

Sicherlich ist richtig, dass sich hier die Erbitterung über die Umvolker "da oben" Bahn gebrochen hat, dass neue Bewegungen immer eine Menge Gesindel anziehen, und dass die Sezessionisten immer auch ein wenig im Elfenbeinturm sitzen.

Trotzdem ich finde es bedenklich, dass selbst hier auf der Sezession die Meinung zu überwiegen scheint, gewonnen habe weniger das "Rechte" in der AfD, als vielmehr ein sich Bahn brechender Pöbel.

Dabei ist eigentlich genau das passiert, was sich hier alle gewünscht hatten - Die AfD hat sich klar gegen Anpassung und Establishment entschieden.

Ich habe selbst (allerdings nur zwei Mal) einen AfD-Stammtisch besucht. Abgesehen davon, dass meine (wortwörtlich zu verstehen) Nase Anstoß erregte, war ich sehr überrascht zu sehen wie dort tatsächlich der Ton angegeben wurde von wütenden, destruktiven alten Männern, wie sie sich die Antifa nicht besser hätte ausdenken können. Wenn eine Gegenbewegung von rechts nur mehr substanzlos eifende Wutbürger mit "fragmentierter Lebenswelt" zu mobilisieren vermag, was ist dann noch übrig von Deutschland und wohin geht die Reise?

Ich hoffe diese Sicht stellt sich in den kommenden Monaten als überspitzt heraus, und die AfD hält sich. Es wird alles davon abhängen, wie die Masse der Bürger die "neue AfD" rezipieren und wie der Nasenring der Qualitätsmedien funktionieren wird.

Ich muss Herrn Stein irgendwo Recht geben: Auch mit Bernd Lucke bestand nie die Gefahr einer "FDP 2.0", das ist ein Kampfbegriff. Sollte die AfD aber in kommenden Wahlen regelmäßig unter der 5%-Hürde landen, wäre das eine Katastrophe. In der Not muss man sich auch an Strohhalme klammern (außer man ist eine Persönlichkeit wie Herr Kubitschek), und daher wäre es auch erlaubt gewesen, Kreide zu fressen, um dem zu entgehen.

Einzelkämpfer
8. Juli 2015 22:16

Zu Steins JF-Kommentar:
Ich halte diesen Mann inzwischen für vollkommen rückgratlos! Was unterscheidet ihn denn noch von den ganzen anderen feigen Opportunisten? Es ist auch nicht das erste Mal, dass Stein die eigene Klientel beschmutzt. Seine Anbiederung an Lucke und die Gehässigkeiten gegenüber alten Weggefährten sprechen eine eindeutige Sprache: Stein will endlich aus der "rechten Schmuddelecke" raus und sein Blatt mit ihm. Er möchte endlich zum Establishment dazugehören. Dafür verrät er Ideale und alte Weggefährten.
Wenn ihn tatsächlich die Sorge um die Zukunftsfähigkeit der AfD umtriebe und deren Potential verschiedene Wählerschichten anzusprechen, hätte er nicht schon vor dem Parteitag in Essen so eindeutig Position gegen den konservativen Flügel bezogen, der nämlich die große Mehrheit darstellt und den Erfolg überhaupt erst möglich gemacht hat! Die „Kantenschere“ in seinem Kopf, schwächt das eigene Lager!
Anpassung an die scheinheiligen Forderungen der „Dressurelite“, der Lügenpresse (und genau diese, womöglich unfeinen Begriffe treffen absolut ins Schwarze), um ein bisschen akzeptiert zu werden, können nicht der Weg sein, um eine wirkliche Alternative zu den Systemparteien darzustellen und die Konservativen in Deutschland aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Dazu steckt der Karren auch schon bereits zu tief im Morast! Was jahrzehntelange linksgrüne Einwanderungs-, Bildungspolitk, Genderwahn und mediale Propaganda angerichtet haben, lässt sich nicht kosmetisch beheben!
Dass heißt natürlich nicht, dass man sich dumpfe Parolen zu eigen machen sollte, aber ich traue einer Petry und dem konservativen Flügel der AfD zu, die angestaute Wut im rechtskonservativen Lager zu bändigen und vernünftig zu kanalisieren. Im Übrigen hat die AfD schon schlechte Presse seit ihrem Bestehen, auch mit Lucke noch als Gallionsfigur und dennoch hat sie weiter Wähler hinzugewonnen.

Zur AfD:
Dass Lucke und Henkel die Partei verlassen haben, kann man nur begrüßen. Wer sich mit der Lügenpresse einlässt wie z.B. dem Spiegel, der Zeit usw), um Parteikollegen in Interviews zu beschmutzen oder gegen das eigene Klientel zu hetzen, der hat wohl das ganze Prinzip der AfD nicht verstanden.
Schmährufe der Basis gegenüber Lucke mögen auf dem Parteitag nicht anständig gewesen sein, aber ich kann die Emotionen derselben verstehen, nachdem sie von ihrem eigenen Vorsitzenden derart herabgesetzt wurde. Von den Intrigen, Denunziationen und derlei mehr ganz zu schweigen, was auch alles andere als feinen Stil bewies. Den Jargon der Dressurelite hatte er als echter Opportunist, genauso wie sein Kompagnon Henkel ohnehin schon verinnerlicht. Was genau wäre an einer AfD mit Lucke und Henkel noch eine Alternative für Deutschland im Gegensatz zu den bestehenden Blockparteien gewesen?
Man sollte sich allerdings nicht zu überschwänglich über das Ergebnis in Essen freuen, denn die Weckrufler sind schlechte Verlierer, werden die Partei schwächen und ihr durch üble Nachrede schaden. Dennoch, ab jetzt kann es nur besser werden. Ich drücke Frau Petry alle Daumen!

Markus
8. Juli 2015 22:29

Wohltuende Selbstreinigung bei der Bremer AfD: "Phobo-Phobikerinnen" verlassen geschlossen die Alternative (siehe Video https://bit.ly/1NP7HjI).

Zurück bleibt skurillerweise nur der kämpferische griechischstämmige Alexander Tassis, der als bekennender Homosexueller keinerlei Problem damit hat, sich als "nationakonservativ" definieren und zu outen; er ist gegen Homo-"Ehe" und -Adoption, aber für den Erhalt der "klassischen" (also einzig legitimen) Familie.

Markus
8. Juli 2015 22:34

Die AfDler sollten sich bewußt sein: in ihrer Suppe landet noch viel Spucke von Herrn Lucke. Bzw. Gift & Galle. Aber Gift-Zwerge und Böse-Wichte sollte man nicht noch unnötig aufwerten.

jokn
8. Juli 2015 23:42

@ Chris; Sakksa, 7. Juli 15; Rainer Gebhardt; Waldgänger (e.B.) aus Schwaben, 8. Juli 15 u.a.
Die abfälligen Fernurteile hier über die (3500!) Teilnehmer des BPT sind schon kurios und z.T. einfach (´Tschuldigung!) dümmlicher Hochmut. Da wurde diszipliniert in zwei 10-stündigen Tagungen bei 30° nicht nur ein Mammutprogramm abgearbeitet sondern eben auch die Kaperung der AfD durch den „Verein Weckruf 2015 e.V.“ abgewehrt. Klar war die Anspannung auf allen Seiten groß – es ging für viele um zwei Jahre Engagement, die sinnlos zu werden drohten. Die Kommunikation in u. außerhalb der Haupthalle war aber intelligent, respektvoll, konstruktiv u. ruhig – auch zwischen Weckruf- u. Flügel-Sympathisanten. Daß die dramatischen Entscheidungs-Höhepunkte in der Halle auch emotionale Kulminationen bewirkten, ist unvermeidlich. Zu den (wenigen!) Buhrufen: Nach Luckes Abwahl und Petrys Dank an ihn hat der gesamte Parteitag Lucke (zum großen Teil stehende) Ovationen gebracht. Auch ich habe für ihn geklatscht. Als er aber später während der laufenden Vorstandswahlen in der Halle selbst (u. nicht im Medienraum) mit mehreren Kamerateams in einer Traube überraschter Parteifreunde ein "Austrittsüberlegungs"-Spektakel veranstaltete u. auch nach Aufforderung durch das Präsidium ("Fluchtwege bitte freimachen u. Veranstaltung bitte ins Foyer verlegen") seine Show zunächst weiter durchzog, kam Unmut auf. Die Buhrufe empfand ich auch als unangenehm (ich glaube, ich kann gar nicht buhen) - sie waren aber in dieser Situation verzeihlich. Zu K. Adam: Er ist nicht zum Beisitzer gewählt worden, obwohl er es unbedingt wollte. Schade! Aber die Mehrheit wollte auf den Beisitzer-Posten eben frische Leute. Jetzt tritt er nach, das ist unschön. Auf dem BPT kam trotz der Anstrengung zeitweise ein Gefühl der Befreiung und sogar der Freude an der AfD auf – nach langer, langer Zeit. Daß aber die Mainstream-Diskreditierungen in diesem Forum hier ungeprüft geglaubt werden und man sich darin gefällt, mit spitzen Fingern auf Distanz zur AfD zu gehen, das frustriert mich schon ein wenig - muß ich zugeben.

Hajo Blaschke
9. Juli 2015 10:03

Lucke hinterlässt der AfD eine finanzielles Loch von ca. 700.000 €. Das muss er erklären! Er kann jetzt zwar den Schwanz einziehen und versuchen, seinen U-Boot-Auftrag zur Neutralisierung von Wählerstinmmen mit einer neuen Partei zu erfüllen. Diese neue Partei, wie immer sie heißem wird, wird bei den menschlichen und politischen Qualitäten von Lucke wieder genau so enden wie die AfD.

Die wahre AfD muss deshalb auch dahin arbeiten, dass alle "Wegrufler" alle ihre durch ihre Mitgliedschaft in der AfD erlangten Mandate zurückgeben.

jack
9. Juli 2015 13:59

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

Eine Partei wie die AfD zieht zwangsläufig problematische Charaktere an.

Wer zählt die problematischen Charaktere die von CDU/CSU/SPD/GRÜNE/LINKE/FDP angezogen werden ?

Welche "Alternative" soll das sein, wenn das Hätschelkind des Systems, Lucke, eine Partei gründet.
Da war von Anfang an ein Wunsch der Vater des Gedankens. Mehr nicht!

Alternative?? Für Deutschland??
"AfD-Funktionärin preist Bereicherung durch Vielfalt"
https://www.sezession.de/40375/afd-preist-bereicherung-durch-vielfalt.html

Markus
10. Juli 2015 01:30

Repost: Luckes Hausblatt https://bit.ly/1UGZrYc.

Hühnerbaron
11. Juli 2015 13:53

Der m. E. beste Artikel zum Thema. Er vereint rechte (Islam ja, aber nicht hier oder zumindest nicht gegen uns) und liberale (Islam nirgendwo) Islamkritik, was bisher eigentlich niemandem gelungen ist:

Hühnerbaron
11. Juli 2015 13:53

Der Link wurde vergessen: https://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/4758713/Islamisierung-Europas_Nein-ich-habe-keine-Visionen

Reichsvogt
18. Juli 2015 09:27

Mohler hat 1971 das Verhalten des Lucke-Flügels als "Liberalkonservative" (von diesem Begriff war viel zu hören in diesem aktuellen Zusammenhang) schon sehr treffend analysiert: "Ein "Liberalkonservativer" in der Bundesrepublik von 1970/1971 ist ein Mann, der bereits kapituliert hat. Wenn er sich als "liberalkonservativ" bezeichnet, so möchte er damit auf seine absolute Harmlosigkeit hinweisen und zeigen, daß er mit den Massenmedien keine Schwierigkeiten haben will. Er gibt mit dieser Kennmarke zu verstehen, daß er den Status quo respektiert und auf jede eigenwillige Idee, ja auf Ideen überhaupt verzichtet,daß er vor jedem heilsamen Einschnitt zurückschreckt und sich bloß mit Nebensächlichkeiten befassen will. Kurzum: er "spielt mit". Und zum Dank dafür wird er von den Massenmedien zum einzig möglichen Fall von "konservativ" erklärt; alle anderen Konservativen -diejenigen, welche tabuierte Themen noch anzupacken wagen- sind " Rechtsextremisten" oder ähnliches (der Katalog ist bekannt). Der "Liberalkonservative" weiß solche Schonung natürlich zu schätzen. Er widersteht selten der Versuchung, sich dafür in besonderer Weise erkenntlich zu zeigen: indem er nämlich an der Diskriminierung der etwas mutigeren Konservativen teilnimmt..." (In "Warum nicht konservativ?", erschienen im Bayernkurier Anfang 1971, erneut abgedruckt in "Von Rechts gesehen" Seewald Verlag 1974 S. 36-42)

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