Sezession
20. Juli 2015

Widerstandskurs in der Hayek-Gesellschaft – André Lichtschlag im Gespräch

Götz Kubitschek / 46 Kommentare

pdf der Druckfassung aus Sezession 67 / August 2015

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

SEZESSION: Herr Lichtschlag, was ist los in der Hayek-Gesellschaft? Eine nicht unpopuläre Gruppe ist in den vergangenen Tagen ausgetreten und hat diesen Schritt unter anderem mit dem großen Einfluß begründet, den das eigentümlich freie Umfeld ausübe.

LICHTSCHLAG: Viele von denen kenne ich nicht, und von einigen Ausgetretenen hätte ich gar nicht erwartet, daß sie in einem liberalen Club Mitglied gewesen sein könnten. Grob kann man sagen, daß die Ausgetretenen aus dem politischen Establishment der Republik oder aus den Universitätsapparaten stammen: die "Professorenriege", wie man so schön sagt. Wir können sie auch als ausgewiesene Nettostaatsprofiteure bezeichnen. Echte Unternehmer, die ja auch zur Gesellschaft gehören, sind meines Wissens zum Beispiel gar nicht unter den Flüchtigen. Mit eigentümlich frei hat der Bruch allenfalls ganz am Rande zu tun, in der Form, daß Frau Horn uns nicht mag und das nebenbei auch in der Auseinandersetzung betonte.

SEZESSION: Karen Horn war immerhin die Vorsitzende der Gesellschaft. Was bedeutet „nicht mögen“ in diesem Fall?

LICHTSCHLAG: Frau Horn wollte die inhaltliche Spannbreite, die immer sehr groß war, stark in eine ausschließlich linksliberale Richtung verengen. Sie forderte die schon sprichwörtliche »Abgrenzung nach rechts«, denunzierte entsprechend Andersdenkende und ist am Ende mit diesem Putsch von oben, mit dem auch, wenn wir das einmal salopp so bezeichnen wollen, ein Griff nach der Kasse verbunden war, gescheitert. Danach ist sie mit ihren Freunden öffentlichkeitswirksam ausgetreten, beabsichtigt eine Konkurrenzgründung und bezichtigt den verbliebenen Teil – 85 Prozent sind nach jetzigem Stand geblieben – als »pöbelnd« und »rechtsversifft«. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

SEZESSION: Lucke ist mit seinen Freunden öffentlichkeitswirksam ausgetreten, beabsichtigt eine Konkurrenzgründung und bezichtigt den verbliebenen Teil – 85 Prozent sind nach jetzigem Stand geblieben – sinngemäß als pöbelnd und rechtsversifft. Was sind das für Sortierungsvorgänge? Wir beobachten sie allerorten.

LICHTSCHLAG: Das Establishment und seine Hilfstruppen grenzen sich ab von denen, die grundsätzliche Systemänderungen wollen und die Mächtigen also in ihrer Position ernsthaft herausfordern. Interessant ist in dem Zusammenhang, daß sowohl Lucke als auch Horn ungefähr im Dezember letzten Jahres mit massiven Angriffen gegen Andersdenkende, mit Aus- und Abgrenzung in der eigenen Organisation begannen oder diese Politik jedenfalls deutlich forcierten. Gerd Habermann, der Sekretär der Hayek-Gesellschaft, der von Frau Horn entmachtet werden sollte, sagt, daß er die Frau seitdem gar nicht mehr wiedererkannte, sie sei wie ausgewechselt gewesen. Nun frage ich Sie: War da was im Dezember letzten Jahres? Ich meine jetzt nicht das Weihnachtsfest.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (46)

Ein gebürtiger Hesse
20. Juli 2015 11:50

Das richtige Gespräch zur rechten Zeit. Lichtschlag hat eine gute Nase für die Psychodynamik der Lage und spricht Wesentliches an.

Aber was genau schwebt ihm vor wenn er sagt:

Wenn das Establishment nun auf breiter Front die Systemoppositionellen zu Unberührbaren erklärt und jeden Kontakt abbricht, dann könnte man diese Waffe vielleicht wie einst PEGIDA in ihrer Erfolgszeit auch umgekehrt einsetzen: Wir alle sollten dann jedes Gespräch mit der Herrscherkaste verweigern.

Wann gibt es denn solche Gelegenheiten, wo die Herrscherkaste auf die Systemoppositionellen zugeht und letztere ein "Gespräch" überhaupt ausschlagen könnten? Denkt er an den Fehler, den PEGIDA mit Kathrin Oertels Auftritt in der Jauche-Sendung gemacht hat? An der Stelle wäre eine Verweigerung fraglos besser gewesen. Aber ansonsten, seither? Welche Gelegenheiten böten sich überhaupt? Ich würde doch vielmehr sagen, daß die Herrscherkaste es höchst zufrieden ist, wenn die Ausgrenzung und Stigmatisierung, die sie so hysterisch betreibt, jegliche Konfrontation (auf egal welchem Podium) von vornherein unterbindet. Welche "Angebote" ließen sich hier noch ausschlagen?

antwort kubitschek:
gibts nicht oft, diese gelegenheit, aber neulich gabs sie, und es war schön zu sehen, daß alle angefragten nicht-mainstream-medien und -politiker unisono und vor allem ohne absprache abweisend reagierten.

Meier Pirmin
20. Juli 2015 12:20

Das letzte Zitat ist grossartig, Herr Lichtschlag. Ich selber gehöre seit 1966, da war ich 19, zur Röpke-Schule, weil dieser am wenigsten etatistisch war und selbst auch im deutschen Nationalismus und im italienischen Faschismus den Etatismus gesehen hat. Für Röpke galt ein Staatsaufbau von unten, nach dem Subsidiaritätsprinzip, welches übrigens nicht die katholische Kirche entwickelt hat, sondern der deutsche Protestant Althusius, wie mein Lehrer Hermann Lübbe ein Ostfriese. Diese ganze freiheitliche vernünftige unheroische Richtung steht mir nun mal näher als die gesamte Carl-Schmitt-Schule, wobei ich den Ideenreichtum des Meisters keineswegs in Abrede stelle.

Mit Karen Horn hatte ich mal in der Zeitschrift "Schweizer Monat", einem ultraliberalen Organ, ein indirektes Streitgespräch über Rousseau, sie als sogenannte Gegnerin mit den üblichen Schlagworten, welche im Kleingedruckten von Rousseau übrigens stets relativiert wurden. Wer Rousseau nicht von Genf her versteht und von der stadtstaatlichen Demokratie, also quasi der Selbstverwaltung von unten wie in der Verfassung für Korsika ausgeführt, versteht diesen genialen Staatsdenker, Verehrer von Wilhelm Tell und der anarchischen Ordnung des Obwallis, nun mal nicht. Horn erwies sich in dieser Debatte intellektuell als sehr mittelmässig, schien für ihre Ausstrahlung auf den Frauenbonus angewiesen zu sein. Es ist aber klar, dass fast alle modernen Linksliberalen Rousseau, wiewohl sie ihn nicht richtig kennen, verabscheuen wie der Teufel das Weihwasser. Gilt aber leider auch für einen Teil der deutschen rechten Tradition. Insofern sehe ich mich bei diesen hier waltenden Debatten als Randfigur, bei Respektierung des intellektuellen Niveaus.

Wem immer hier Röpke viel bedeutet, hätte mit mir und anderen Schweizer Rechtsdemokraten eine erhebliche geistige Schnittmenge.

Meier Pirmin
20. Juli 2015 12:40

PS. Für die Ablehnung Rousseaus bei der deutschen Rechten ist u.a. auch der oben genannte Carl Schmitt mitverantwortlich.

Stogumber
20. Juli 2015 13:10

Auf der anderen Seite ist aber doch die deutsche Ethnoromantik mit ihrer Sympathie für das Frühe/Kindliche/"Primitive" im Individuum und in der Menschheitsgeschichte ohne Rousseaus Umwälzung nicht denkbar!

Stogumber
20. Juli 2015 14:24

Nebenbei: Ich würde neimals von "Linksliberal" sprechen, sondern nur von "linksbürgerlich". Denn, um eine Unterscheidung Hayeks zu zitieren, dieses linksbürgerliche Milieu gelangt nie über eine Verteidigung seiner speziellen "freedoms" hinaus; der Einsatz für "liberty" als Grundsatz, notfalls auch gegen die eigenen Vorlieben und Interessen, steht nicht zur Debatte.

Karen Horn
20. Juli 2015 16:21

Lichtschlag ist ein unverblümter Provocateur!

On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.

neocromagnon
20. Juli 2015 16:47

Kommunikationsverweigerung mit den Systemmedien ist in der Tat das beste Mittel. Die drehen einem sowieso jedes Wort im Mund rum. Denunziation ist der Sinn jedes ihrer Kommunikationsversuche. Inhalte interessieren die nicht, die haben ihr festgefügtes Weltbild und davon werden sie nicht abweichen, jedenfalls nicht durch ein Gespräch. Die vermuten doch sowieso hinter jedem Argument eine üble Absicht und offenbaren damit in Wahrheit ihre eigenen Absichten.

Jan
20. Juli 2015 19:01

dieses "wie ausgewechselt" ist nicht neu. Genau das "wie ausgewechselt" sagten CDU-Mitglieder auch 2005 von der Parteivorsitzenden Angela Merkel, als sie ein prominentes Mitglied wegen Äußerungen eines Mitglieds, die Juden seien ebenfalls ein Tätervolk, aus der Partei aussschloss. Tage zuvor hatte sie nämlich keine Probleme mit dem Zitat gehabt. Leider habe ich den Artikel nich mehr gefunden oder es kam im TV

ulex
20. Juli 2015 19:32

Nun,

es hatte schon einen Grund, dass die letzten Aktivitäten der FUN auf Dol2Day vor 10 Jahren Live-Chats mit Lichtschlag und Kubi waren....

Schön zu wissen, dass mensch soviel auch in der Retrospektive nicht falsch gemacht haben kann...

ulex
20. Juli 2015 19:34

Sorry, weil ich grad google und falls sich jemand für solche Früh-Perlen des Internets interessiert:

https://www.dol2day.com/index.php3?position=5600&transkript=kubitschek260503

https://www.dol2day.com/index.php3/index.php3?position=5600&transkript=lichtschlag270503

Scheisse waren wir alle jung - und heute senken wir immer noch jeden Altersschnitt der meisten rechten Versammlungen ;-)

Joachim Kuhnle
20. Juli 2015 21:16

Der Kommunikationsverweigerung kann ich wenig abgewinnen. Es bringt nichts, wenn jeder in seinem eigenen Saft schmort. An der Konfrontation führt kein Weg vorbei. Frau Oertel bei Herrn Jauch war ein historisches Ereignis. Da prallten Welten aufeinander. Es war vor allem eine Blamage für das Establishment. Die aalglatte Prominenz wirkte seelenlos. Lebendige Tote sozusagen. Für Frau Oertel war damit die Mission erfüllt. Pegida lief ohne sie weiter, allerdings ohne große Bedeutung, denn das Establishment schaltete auf totalen Krieg. Es war jedoch zu spät. Pegida hat der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten, und die Abgründe konnte jeder erkennen, wenn er wollte.

Marcus Junge
20. Juli 2015 21:37

"antwort kubitschek:
gibts nicht oft, diese gelegenheit, aber neulich gabs sie, und es war schön zu sehen, daß alle angefragten nicht-mainstream-medien und -politiker unisono und vor allem ohne absprache abweisend reagierten."

Da würde mich dann doch interessieren, worum es hier genau ging. Also wann das war und zu welchem Thema die Lügenpresse ihre Abfuhren bekam. Nur aus reiner Neugier.

---

Ansonsten, sauber dargestellt vom Herrn Lichtschlag, nur eine Sache verwunderte mich dann etwas. "Ich wage die Behauptung: Wenn es Linke geben würde, die in entscheidenden Punkten unser System kritisieren, dann würden die Nettostaatsprofiteure auch ihnen den Kontakt verweigern." Wo blieb der Hinweis auf "Compact"?

jokn
20. Juli 2015 22:27

Die "wilde Gemengelage" der unterschiedlichen "Widerständlernaturen", die sich anhand der Scheidelinie Linkes Establishment vs. Systemoppositionelle (müssten diese sich nicht eigentlich mit Stolz als "rechts" bezeichnen?) bildet, finde ich gar nicht so unübersichtlich.
Ich jedenfalls abonniere seit etlichen Jahren sowohl die "sezession" als auch "eigentümlich frei" und finde diese Gemengelage sehr anregend.

Eckesachs
20. Juli 2015 23:49

@Jan

,,wegen Äußerungen eines Mitglieds, die Juden seien ebenfalls ein Tätervolk, aus der Partei aussschloss. Tage zuvor hatte sie nämlich keine Probleme mit dem Zitat gehabt. "

Das ist nicht ganz richtig. Martin Hohmann sagte etwas wie: ,,Weder die Deutschen NOCH die Juden sind ein Tätervolk."

Diese Aussage wurde von der Bildzeitung und all den anderen Abnormen zu Hohmanns Ungunsten verdreht.

Durch Hohmann lernte ich die JF kennen und wurde Abonnent.

Ich kann Hohmann nicht verehren. Er hat nie gekämpft.

Widerständler
21. Juli 2015 00:12

"Wenn das Establishment nun auf breiter Front die Systemoppositionellen zu Unberührbaren erklärt und jeden Kontakt abbricht, dann könnte man diese Waffe vielleicht wie einst PEGIDA in ihrer Erfolgszeit auch umgekehrt einsetzen: Wir alle sollten dann jedes Gespräch mit der Herrscherkaste verweigern."

Denkbare wäre:

- Mainstream-Medien von Parteitagen ausschließen. Dies gilt insbesondere für chronisch unsachlich und diffamierend berichtende Medien und ihre Vertreter

- Keine Talkshoweinladungen mehr annehmen

- eigene Talk-Formate etablieren. Youtube bietet alle Möglichkeiten
Der linke Ken Jebsen macht das sehr geschickt. Immerhin 350.000 Clicks:
https://www.youtube.com/watch?v=hrU5i_hjDNc
Elsässer setzt eher auf das Konferenz-Format
https://www.youtube.com/watch?v=CHW0CD4ihuE

Wichtiger sind aber regelmäßige Talk-Formate mit kontroversen Meinungen aus unterschiedlichen Richtungen.

- ein eigenes Youtube - TV - Magazin etablieren. Vorbild FPÖ
https://www.youtube.com/watch?v=VkWcb6imlVo

- Youtuber (Moderatoren, Interviewer) ausbilden und vernetzten
Statt sich mit den immergleichen Suggestivfragen von ARD und ZDF herumzuärgern lieber innovativen Youtubern ein Interview geben

Vorbild: Das Interview des Youtube-Stars "LeFloid" mit Angela Merkel (hat mehr als 3 Millionen Clicks erhalten)
https://www.youtube.com/watch?v=5OemiOryt3c
Vorbild: Youtube-Netzwerk Mediakraft

- Da Konservative häufig Vorbehalte Youtube gegenüber haben, bietet sich für diese Zielgruppe ein Smart-TV-Stick an, auf dem Youtube-Kanäle vorinstalliert sind. Technisch ein Kinderspiel. Und schon hat man zusätzlich zu ARD und ZDF SezessionTV, eigentümlich frei, AfD TV auf dem Fernseher im Wohnzimmer.

Presse:

- Zeitungen wie die TAZ kategorisch boykottieren

- Ein offenes Portal (Vorbild Huffington Post) etablieren, auf dem liberale bis konservative Autoren frei publizieren können.

- Regionalzeitungen haben vergleichsweise große Macht und berichten grötenteils tendenziös bis unwahr über neue Parteien und politische Bewegungen wie die AfD oder Pegida. Boykottieren! Keine Zusammenarbeit!
Stattdessen: Alternative Blogger fördern und mit Exklusivinformationen versorgen. Verlinken.


Das Internet (Youtube, Huffington Post, Blogs) bietet alle Möglichkeiten, die Monopolmedien komplett auszuschalten und unmittelbar den Bürger / Wähler zu erreichen.

Einer der Kardinalfehler der AfD (in erster Linie Lucke) aber auch von Pegida (Oertel bei Jauch) liegt darin, den Monopolmedien hinterherzulaufen und sich abzubiedern, anstatt konsequent Einladungen auszuschlagen und eigene Medienkanäle und -formate aufzubauen.

Aber auch unter Bachmann hat Pegida noch keinen Youtube-Kanal. Trotz 150.000 Facebookfans, darunter sicher viele technisch versierte.

Pommes
21. Juli 2015 01:47

Liebes Fräulein Horn,

Lichtschlag ist ein unverblümter Provocateur!

So offen wie sie die Schmach ihrer Niederlage zur Schau tragen könnte man ja fast Mitleid mit ihnen haben. Aber eben nur fast. Hihihi

Peter Niemann
21. Juli 2015 07:23

@Joachim Kuhnle: Sie haben wohl noch nie ein Interview gegeben oder waren politisch in einer sogenannten "Volkspartei" auf höherer Ebene aktiv? Aus persönlicher Erfahrung, ob nun als Landesvorsitzender einer studentischen "Volkspartei" oder als Interviewgeber für z.B. Zeit oder ARD vor etlichen Jahren kann ich nur durchgeben, daß Kontakt zu Hauptmeinungsorganisationen Zeitverschwendung und sogar Selbstverstümmelung ist. Kontaktverweigerung ist hingegen nicht nur Effizienz, sondern auch Verteidigung auf höchster Ebene. Ich bin zwar selber noch nicht allzu alt und somit noch nicht in der Reife des Alters angelangt, aber habe mein Fazit gezogen und bleue schon jetzt meinen Kindern ein, daß jede Person im Fernsehen und Radio zunächst als Hanswurst und Vollidiot anzusehen ist.
à M. Lichtschlag: Glänzendes Interview und Dank gilt an Kubitschek und Co für eine geistreiche Interaktion.
Drittes Thema: Alfa als AfD-Alternative wird nun von den Medien hochgelobt nachdem monatelang die AfD als atomverseucht eingezäunt wurde. Erkennt man nun die Strategie des "divide et impera"?

Andrenio
21. Juli 2015 07:30

Der Artikel von Frau Horn im Cicero ist schon von der Wortwahl her mehr als eindeutig. Es wird in Lucke'scher Manier von roten Linien schwadroniert und die Klassifizierung der jenseits derselben stehenden endet immer im Begriff "reaktionär".
Ich könnte mich selbst dafür ohrfeigen, dass ich sie mal als besonders klugen Kopf eingestuft hatte. Vielleicht ist sie einfach nur ein Alphafrauchen. Würde doch gut zum Alfamännchen passen und gemeinsam könnte man systemkonforme geistige Kinder zeugen.

Der Gutmensch
21. Juli 2015 09:58

@Meier Pirmin:

Das Subsidiaritätsprinzip ist eines der Grundprinzipien der EU, falls Sie heute noch nicht gelacht haben sollten. Im übrigen bin ich sehr vorsichtig geworden, was die Übertragbarkeit von politischen Modellen angeht. Andere auch; deshalb möchte Frau Kahane ja den Osten auch bunter mischen, damit er besser zu ihrem Konzept passt - während ein CDU-Mensch meinte neulich entnervt am Straßenstand zu mir: Aber der Föderalismus ist doch das Problem!! Unabhängig davon kann man die eigenen Schwächen nur erkennen, wenn man sich mal auf einen anderen Standpunkt stellt.

Viele Grüße,

der Gutmensch.

Carsten
21. Juli 2015 10:31

Hallo Widerständler,

ja, ein YouTube-Kanal wäre ein sehr gute Sache. Ob als "Talk" oder mit einem LeFloid von rechts - dieses Medium wird zu wenig genutzt. Rechte YouTuber-Kanäle wären ein schönes Projekt für die IB. Ein technischer "Workshop" zu diesem Thema wäre auch hilfreich.

Meier Pirmin
21. Juli 2015 11:07

@danke, Gutmensch. Das mit dem Subsidiaritätsprinzip als angeblichem Grundprinzip der Europäischen Union gilt nur für Sonntagsreden deutscher und luxemburgischer Politiker, also reine Propaganda, es geht darum, die früheren EU-Begeisterten aus dem Adenauer- und Strauss-Lager bei Laune zu halten. Schon die berüchtigte Gurkenkrümmungsverordnung der EU war eine Ohrfeige an das Subsidiaritätsprinzip. Desgleichen die Schlachthausverordnung und die Norm betr. Produktion von Zahnpasten, welche einer kleinen Schweizer Traditionsfirma unnötigen Ärger bereitet.

Zum Subsidiaritätsprinzip gehört die Selbstbestimmung von unten. Wenn eine Kommune nicht bereit ist, sich von einer oberen Instanz ein Asylheim aufdrängen zu lassen oder wenn ein Schweizer Kanton oder ein deutsches Bundesland ihr Bildungssystem nicht nivellieren lassen wollen, wäre dies im besten Sinn Subsidiarität. Zur Subsidiarität würde auch gehören, dass objektiv der Grenzschutz in Deutschland, Frankreich und der Schweiz selbständig besser gewährleistet werden könnte als an den sog. EU-Aussengrenzen, etwa Griechenland. Jede Gemeinde, jedes Bundesland, jede Nation, die ein bestimmtes Problem allein besser lösen kann als durch ein unverbindliches und kompliziertes Kollektiv, sollte es selber lösen. Die Einmischungen der EU in nationale Gesetzgebungen sind recht häufig eine eigentliche Schändung des Subsidiaritätsprinzips, da kann man sich - wie gesagt - bei Sonntagsreden noch so sehr darauf berufen.

Also, bloss weil die EU-Propaganda das Wort "Subsidiarität" gebraucht, ist das damit gemeinte Prinzip vernünftigen politischen Handelns noch lange nichts Schlechtes.

PS. Ich habe mich als Nachgeborener Schweizer Rechtsliberaler auch schon kritisch gefragt, ob ich vielleicht vor 80 Jahren hätte auf Hitler hereinfallen können. Wissen Sie warum nicht? Wenn Hitler bereit gewesen wäre, die Selbstbestimmung der Gemeinden und der Bundesländer von seinem "Führungsanspruch" auszunehmen, hätte er vielleicht zu seinen erfolgreichen Zeiten eine Versuchung darstellen können. Das war aber absolut undenkbar. Auch hätte man gegen das System der Konzentrationslager leider nicht das Referendum ergreifen können, was natürlich undemokratisch und unföderalistisch gewesen wäre.

Ich habe auch deswegen keine Bedenken gegenüber einer uneingeschränkten direkten Demokratie, weil ich mir über das Resultat einer freien Volksabstimmung mit freier Information über Auschwitz keine Sorgen gemacht hätte. Was dort passierte, durfte bekanntlich auch das deutsche Volk auf keinen Fall wissen, wobei die Wahrheit über Auschwitz auch heute noch schwieriger und komplizierter ist als Auschwitzlüge und Auschwitz-Zivilreligion. Sicher aber ist, dass viehmässige Menschentransporte mit Selektion zumindest in der Schweiz nie mehr als von 3% der Bürger gutgeheissen worden wären.

In der direkten Demokratie weiss man zwar nicht, was richtig ist, sicher aber, was falsch ist und was man auf keinen Fall will. Darum wurde zum Beispiel in der Schweiz die Masseneinwanderungsinitiative angenommen, in Prozenten zwar knapp, aber von der grossen Mehrheit der Kantone. Vollständig unmenschliche Durchführungsmassnahmen würden jedoch nicht gutgeheissen. Es wird zu diesem Thema wohl weitere Abstimmungen geben, gut so. Allerdings wäre eine Abstimmung wie in Griechenland oder Russland, innerhalb einer Woche durchgepresst, undenkbar, das hatte gar nichts mit geordneter direkter Demokratie zu tun. Eine Abstimmung in Wochenfrist ist selbstverständlich ein reiner Putsch, was die europäischen Regierungen hätten sagen dürfen, sagen müssen, sie haben es bei Putin ja auch gesagt. Aus Schweizer Sicht war übrigens Putin noch nie ein Demokrat. Auch die Europäische Union erfüllt die Anforderungen, die etwa ein Rousseau an ein demokratisches Gemeinwesen gestellt hat, auf keinen Fall.

Andreas K. Winterberger
21. Juli 2015 12:07

Lord Acton war unzweifelhaft ein Hauptrepräsentant des liberalen Katholizismus sowie des christlichen Liberalismus. Er war seinerzeit der intellektuelle Hauptgegner des ultramontanen und ultrareaktionären Papstes Pius IX. beim Ersten Vatikanischen Konzil. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil, das unter Führung des grossen Papstes Johannes XXIII. eine liberale Öffnung der katholischen Kirche und inhaltlich eine partielle Abkehr vom ultrareaktionären Ersten Vatikanischen Konzil brachte, trennten sich Gruppen wie Ecône bzw. die Pius-Bruderschaft von der Katholischen Kirche unter Berufung auf Pius IX.
Interessanterweise stehen die namhaften Exponenten des Ludwig von Mises Institute in Auburn/Alabama, Hans-Hermann Hoppe, Lew Rockwell etc. der ultrareaktionären Pius-Bruderschaft nahe, wodurch Hoppes "Demokratie"-Buch im passenden Licht erscheint. Und Hoppe prägte entscheidend die reaktionäre Wende von André Lichtschlag - das Ludwig von Mises Institute dürfte heute ein entscheidender Geldgeber von Lichtschlags Magazin "eigentümlich frei" sein.
Fazit: Kein Reaktionär, auch kein religiöser R