Sezession
1. Februar 2007

Heilige Tiefe und geistiger Überblick: die Zeitschrift Antaios (1959-1971)

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 16/Februar 2007

sez_nr_163von Alexander Pschera

Mircea Eliade und Ernst Jünger trafen sich erstmals 1957. Doch beinahe wären sie sich bereits fünfzehn Jahre zuvor, 1942, im Berliner Haus Carl Schmitts über den Weg gelaufen. Mircea Eliade hatte in Dahlem Station gemacht, um den Autor der Politischen Romantik und des Begriffs des Politischen kennenzulernen - Schriften, die Eliades eigenen politischen Weg begleiteten. Ihre Unterhaltung kreiste, wie Eliades Tagebuch zeigt, auch um das Thema maritimer Zivilisationen: Eliade lebte zu dieser Zeit in Lissabon, und Carl Schmitt schloß gerade die Arbeit an seinem Buch Land und Meer ab. Nur wenige Monate später, im November 1942, machte Ernst Jünger auf dem Weg an die Ostfront bei Carl Schmitt halt. Schmitt berichtete Jünger von seiner Bekanntschaft mit Eliade und gab ihm ein Exemplar der religionswissenschaftlichen Zeitschrift Zalmoxis zu lesen, die Eliade seit 1939 herausgab.

In seinem Tagebuch Strahlungen notiert Ernst Jünger am 15. November 1942 seine Lektüreeindrücke: „Lektüre der Zeitschrift Zalmoxis, die sich nach einem von Herodot erwähnten skythischen Herakles benennt. Ich las darin zwei Aufsätze, einen über die Bräuche, unter denen die Wurzel der Mandragora ausgegraben und verwendet wird, und einen zweiten über den Symbolisme Aquatique, der die Beziehungen zwischen dem Monde, den Frauen und dem Meer bespricht. Beide stammen von Mircea Eliade, dem Herausgeber, über den, sowie über seinen Meister René Guénon, Carl Schmitt mir Näheres berichtete. ... Der Plan, der sich in dieser Zeitschrift ausweist, ist vielversprechend; statt der logischen spinnt sich eine Bilderschrift in ihr an. Das macht den Eindruck von Kaviar, von Fischrogen. In jedem Satze steckt Fruchtbarkeit." Dies liest sich bereits wie eine aesthetica in nuce der Zeitschrift Antaios, die Jünger gemeinsam mit Eliade in den Jahren 1959 bis 1971 im Klett-Verlag herausgeben würde.
Was für ein Projekt war Zalmoxis? Zalmoxis ist ein thrakischer Gott, genauer: ein Gott der Geten in Thrakien. Man nimmt heute an, daß sein Charakter dem des Gottes Dionysos ähnelte, der auch thrakischen Ursprungs war. Seine Verehrer glaubten, nach ihrem Tod Unsterblichkeit bei Zalmoxis zu erlangen. Daher schickten sie alle vier Jahre einen Boten zu ihm, der durch Los gewählt wurde. Diesen Mann warfen sie über drei aufgerichteten Speerspitzen in die Luft. Starb der Bote, so nahm man an, Zalmoxis habe die Wünsche seiner Verehrer erhört. Blieb er am Leben, so deutete man dies als Zeichen dafür, daß er ein schlechtes Leben geführt habe und des Gottes nicht würdig sei. Indem Eliade seiner Zeitschrift den Namen Zalmoxis gab, setzte er einen nationalen Akzent. Denn Zalmoxis wirkte in der Antike auf dem Gebiet, das später Rumänien einnahm. In der Tat lag es in Eliades Absicht, mit Zalmoxis die rumänische Religionswissenschaft zu begründen. Die Zeitschrift verstand Eliade als ein „Engagement für die rumänische Kultur", „das sich auf europäischer Ebene auswirken" sollte. Sein Vorbild war der italienische Religionsforscher Raffaele Pettazoni. Wie Pettazoni in Italien, so plante auch Eliade, die Zeitschrift durch eine Buchedition, die den Titel „Bibliothek der Religionsforschung" tragen sollte, zu ergänzen. Nach Finanzierungsschwierigkeiten erschien die erste von insgesamt nur drei Nummern von Zalmoxis Anfang April 1939. Als Autoren für die Zeitschrift konnte Eliade namhafte Religionsforscher gewinnen, darunter Jean Przyluski, Carl Hentze und Ananda Coomaraswamy.


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