Rechte Romantik – Björn Clemens: »Pascal Ormunait«

41ktZWBrjaL._SX363_BO1,204,203,200_aus Sezession 53 / April 2013

Ob die parteipolitisch als extrem verortete Rechte ihren Ruf als Hort von Banausen und Illiteraten bösartigen Zuweisungen von außen zu verdanken hat oder eher sich selbst: eine gute Frage. Jedenfalls gilt die stramme Rechte, auch die eher sozialistische, als eher dumpf und ihre Einlassungen als voraussehbar. Das mag an der Berichterstattung der Leitmedien liegen oder an dem Anschauungsmaterial, das Blätter wie die Deutsche Stimme (NPD) selbst liefern.

 Gastbeitrag

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Ken­ner der Sze­ne wis­sen, daß NPD-Funk­tio­när Karl Rich­ter mal ein opu­len­tes Werk über Richard Wag­ner ver­faßt hat, daß der unlängst die Sei­ten wech­seln­de Ex-NPD/Ex-DVU-Mann Andre­as Molau einen Roman geschrie­ben hat, und noch inti­me­re Sze­ne­ken­ner mun­keln über noch popu­lä­re­re Wer­ke, die sich unter Pseud­onym bes­tens verkaufen.

Der Düs­sel­dor­fer Björn Cle­mens, einst dem rech­ten Flü­gel der Repu­bli­ka­ner zuge­hö­rig und nach wie vor stark »rechts« zu ver­or­ten, bewegt sich seit Jah­ren agil in der poe­ti­schen Publi­zis­tik. Nun hat er mit Pas­cal Ormun­ait (Tele­s­ma-Ver­lag 2013, 376 S., 22.80 €) einen »deut­schen Jus­tiz­ro­man« vor­ge­legt, bewor­ben als »lite­ra­ri­sche Kampf­an­sa­ge gegen grün­bür­ger­li­che Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung.« »Ormun­ait«, das will irgend­wie ost­preu­ßisch klin­gen, ist aber ein gebas­tel­ter Name, der als Ana­gramm erscheint. Nur, wel­ches? »Tau in Rom« wird es nicht sein, der Rück­tritt des Paps­tes kann bei Druck­le­gung nicht bekannt gewe­sen sein. Eher »Unita Rom«? Oder »Main Tour«, die Haupt­stre­cke? Einer­lei, der gro­ße Rest ist wenig ver­rät­selt: Ein alter Mann stirbt an den Fol­gen eines Über­falls durch fremd­stäm­mi­ge Inten­siv­tä­ter. Pas­cal, der Enkel, eine zwar typisch groß­städ­tisch sozia­li­sier­te, ansons­ten aber unge­bro­chen posi­tiv und »nach­denk­lich« gezeich­ne­te Per­son, macht eben­falls »Bekannt­schaft mit der mul­ti­kul­tu­rel­len Wirk­lich­keit« und vor allem mit den juris­ti­schen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Fähr­nis­sen, in die ein eigent­lich unbe­schol­te­ner, aber sich ungüns­ti­ger­wei­se unaus­ge­spro­chen »rechts« füh­len­der jun­ger Mann gelan­gen kann.

Cle­mens hat sich erkenn­bar Mühe gege­ben mit sei­nem umfäng­li­chen poli­ti­schen Lehr­stück. Es gibt Sex & Crime, es gibt einen hüb­schen Span­nungs­bo­gen, und es gibt einen Hel­den. Die Spra­che ist gram­ma­ti­ka­lisch kor­rekt, authen­ti­sche Jugend­spra­che fließt ein. Ande­rer­seits wird die viel­ge­stell­te Fra­ge, war­um es heu­te kei­ne gro­ße poli­ti­sche Lite­ra­tur mehr gibt, hier ganz gut beant­wor­tet. Weil der Leser, der neben­bei doch auch Kunst sucht, unter einem Feu­er­werk an Bot­schaf­ten lei­det. Nähe­res zum Roman unter: www.schwarze-fackel.de

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