Sezession
14. Oktober 2013

Raspail und Fernau – Auftakt zur edition nordost

Gastbeitrag

NOaus Sezession 56 / Oktober 2013

von Wiggo Mann

Günter Maschke, dieser eminent belesene Renegat, sieht sich in einem seiner grundsätzlichen Urteile immer dann bestätigt, wenn sein Gesprächspartner mit Anspielungen auf Bücher, Figuren, Verse nichts anzufangen weiß: »Die Rechte liest nicht, vor allem liest sie keine Romane.« Das sind schlechte Aussichten für Verleger, die in Romanen und Erzählungen nicht nur die sinnvolle, sondern sogar die unverzichtbare Ergänzung geistiger Welterschließung sehen.

Günter Maschke hat selbst einmal eine literarische Reihe herausgegeben: Die Edition Maschke erschien im Verlag Hohenheim und versammelte Titel wie Horst Langes Ulanenpatrouille oder Ernst Kreuders Herein ohne anzuklopfen. Eingestellt wurde das 1979 begonnene Projekt bereits drei Jahre später, als Maschke Carl Schmitts Schriften Der Leviathan sowie Land und Meer erscheinen ließ und dabei anscheinend mit seinem Nachwort eine rote Linie überschritt: Es scheint vor dreißig Jahren schwierig gewesen zu sein, Schmitt zu zitieren.

Derzeit ist die Basis für die konservative Intelligenz (deren Geschichte nach 45 doch recht kurz und ziemlich langweilig ist) solider denn je: Es gibt eine Wochenzeitung mit hohem Verbreitungsgrad, zahlreiche Verlage und eine tolle Zeitschrift. Was es bisher nicht gab: einen Ort für Belletristik. Die edition nordost, die innerhalb des Verlags Antaios erscheint, hat nun begonnen, diese Lücke zu schließen, und der erste Doppelpack scheint exemplarisch zu sein für das geplante Programm: eine Mischung aus Neuem und Wiedergefundenem.

Erstmals in deutscher Sprache liegt nun der Roman Sieben Reiter verließen die Stadt aus der Feder des französischen Schriftstellers Jean Raspail vor. Raspail ist in Deutschland bekannt als Verfasser des Untergangsszenarios Das Heerlager der Heiligen, und nicht weniger Untergangsstimmung verbreiten die Sieben Reiter. Der Roman spielt in einem Fürstentum, vielleicht gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Handlung setzt zu einem Zeitpunkt ein, als die Zerrüttung, die Zersetzung, die Auflösung aller Ordnung und jedes Anstands bereits stattgefunden haben. Sieben Pferde kann der Fürst entbehren, sieben Reiter sendet er aus, um zu erfahren, ob es im Land noch Widerstandsnester oder sogar Hoffnung gäbe.


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