Machbar! Rückblick auf die Sommerakademie

Es ist schon erstaunlich: Waren noch vor einem Jahr etwa 50 Teilnehmer auf der Sommerakademie,...

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

so konn­ten wir am letz­ten Frei­tag alles in allem 110 jun­ge Men­schen aus Deutsch­land und Öster­reich in Schnell­ro­da begrü­ßen. Der Bedarf ist damit noch kei­nes­wegs gedeckt: Auch dies­mal muß­ten wir irgend­wann die Anmel­de­lis­ten schließen.

Aber auch so war es eine orga­ni­sa­to­ri­sche (und finan­zi­el­le) Her­aus­for­de­rung, die­se Zahl unter­zu­brin­gen, zu ver­pfle­gen und den­noch den eige­nen, eher geschlos­se­nen Cha­rak­ter einer Aka­de­mie zu bewahren.

Die­se Grat­wan­de­rung fand zudem noch unter dem etwas sper­ri­gen The­ma der „Mach­bar­keit“ statt, das als phi­lo­so­phi­scher Ter­mi­nus aber genau das Feld absteck­te, das vie­le jun­ge Deut­sche gera­de bewegt: Gibt es für uns noch eine Zukunft? Oder wird Deutsch­land gera­de unwi­der­ruf­lich umge­baut? Ist die­se Ent­wick­lung „alter­na­tiv­los“? Oder gibt es Hand­lungs­spiel­räu­me, die uns offen ste­hen und die wir beset­zen müssen?

Daß das Schick­sal der Geschichts­lo­sig­keit, das uns im Reich der Alter­na­tiv­lo­sig­keit blüht, kein schö­nes ist, zeig­te Micha­el Rie­gers Gang durch die uto­pi­schen Ent­wür­fe der euro­päi­schen Tra­di­ti­on, die sich bei genaue­rem Hin­se­hen oft­mals als Dys­to­pien entpuppten.

Es liegt in der Natur sol­cher The­men und Fra­ge­stel­lun­gen, daß die Ant­wor­ten nicht mit mathe­ma­ti­scher Genau­ig­keit gege­ben wer­den kön­nen. In die­sem Her­an­tas­ten an die Mög­lich­kei­ten und dem Beur­tei­len der Lage waren sich Refe­ren­ten und Teil­neh­mer meis­tens einig.

Wenn Mar­tin Licht­mesz den Bereich des Reli­giö­sen gegen den Zugriff des Poli­ti­schen ver­tei­dig­te oder Götz Kubit­schek die poli­ti­sche Mobi­li­sie­rung rück­ge­bun­den in die Geschich­te sehen woll­te: Immer war deut­lich, daß unse­ren Han­deln nicht nur Gren­zen gesetzt sind, son­dern wir selbst für Maß und Form ver­ant­wort­lich sind.

Der öster­rei­chi­sche Publi­zist Micha­el Ley prä­sen­tier­te eine Lis­te mit Maß­nah­men, deren Ziel die Deis­la­mi­sie­rung Euro­pas ist. Die dar­an anschlie­ßen­de kon­tro­ver­se Debat­te mach­te deut­lich, daß sich unter dem Dach des Insti­tuts für Staats­po­li­tik ver­schie­de­ne Lösungs­an­sät­ze dis­ku­tie­ren las­sen, weil klar ist, daß dies alles auf der Grund­la­ge eines ehr­li­chen Bemü­hens um die Zukunft Deutsch­lands stattfindet.

Eine Gren­ze des Mach­ba­ren kam immer wie­der zur Spra­che: der gegen­wär­ti­ge Zeit­geist, der gera­de dabei ist, alle Gren­zen ein­zu­rei­ßen. Wie man dem prak­tisch ein­hal­ten gebie­ten kann, ver­deut­li­che Karl Albrecht Schacht­schnei­der, in dem er den Kampf um die Gel­tung des Grund­ge­set­zes ange­sichts der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on schil­der­te. Auch hier gilt, daß nicht jeder Kampf mit einem Sieg enden kann, daß aber der Ver­such, der Schlei­fung des Rechts­staa­tes etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, bereits auf­hal­tend wirkt.

Ähn­lich prak­tisch ant­wor­te­ten Lutz Mey­er und Mar­tin Sell­ner auf die Fra­ge der Mach­bar­keit. Wäh­rend Mey­er sich die Wer­bung vor­nahm und der Rech­ten emp­fahl, weni­ger auf Dys­to­pien als auf die Lie­be zum Bestehen­den zu set­zen, mach­te Sell­ner als Lei­ter der Iden­ti­tä­ren in Öster­reich deut­lich, daß sich mit dem ent­spre­chen­den Wil­len zur Form und einem jugend­li­chen Sen­dungs­be­wußt­sein durch­aus eine Vor­bild­wir­kung erzie­len läßt, wel­che die Gren­zen des Mach­ba­ren krea­tiv aus­zu­lo­ten weiß. Nicht zuletzt der Hei­deg­ger-Lek­tü­re ver­dankt er sein Urteil, daß eine Gering­schät­zung des Geis­ti­gen, wie sie unter Kon­ser­va­ti­ven nicht sel­ten anzu­tref­fen ist, in der jet­zi­gen Situa­ti­on völ­lig fehl am Plat­ze ist.

Der Andrang auf der Som­mer­aka­de­mie stimmt da hoffnungsvoll.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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