Sezession
10. Dezember 2014

Peter Berling: Der Chauffeur

Ellen Kositza

Peter Berling: Der Chauffeur, Berlin 2014. 528 S., 24,99 €

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Einem Liebhaber der Süßspeise, der ein Kuttelgericht bewertet, dürfte man mit Fug und Recht vorwerfen: Die Speisekarte war umfänglich genug, warum diese Wahl? Er könnte antworten: Weil mir Gericht und Koch eindringlich ans Herz gelegt wurden. Weil ich gelegentlich auch Fleisch nicht verschmähe. Der Koch heißt in diesem Fall Peter Berling, seinen Namen zieren Sterne.

Berling, Jahrgang 1934, ist ein erfolgreicher Filmproduzent, Schauspieler und Schriftsteller. Unter anderem durch seinen Romanzyklus Die Kinder des Gral wurde er zum Bestsellerautor. Dem Thema ist er auch in seinem neuen Roman treu geblieben: Der junge Schweizer Max gerät in die Kreise völkischer Esoteriker und aufstrebender Nationalsozialisten.

Durch seine Liebe für automobile Technik wird er zum Chauffeur des Gralssuchers Otto Rahn, aufgrund seiner Fähigkeiten als Masseur zum Physiotherapeuten Reinhard Heydrichs. Von Heinrich Himmler und einem französischen Geheimbund wird Max in ein Komplott verwickelt, das der SS die Macht des Heiligen Grals sichern soll. Spät begreift Max die Perfidie der Mächte, in deren Diensten er steht.

Berling hat seinem opulenten Roman ein Register der Dramatis Personae vorangestellt, das es in sich hat: Ernst Jünger, Leni Riefenstahl und Yehudi Menuhin spielen in kleinen Rollen neben Otto Skorzeny und natürlich Adolf Hitler. Auch sonst geht es drunter und drüber: die auktoriale Stimme, der Ich-Erzähler Max, dessen Tagebucheinträge und Briefe an unterschiedliche Adressaten führen durch die Handlung. Daneben gibt es Sachkunde, verpackt in Dialogen: »Wolfram von Eschenbach, der Verfasser des Parzival …« – so unterhalten sich Rahn und Kollegen am Montségur.

Alle Formen der Berichterstattung – besonders fällt das in den keineswegs tagebuchmäßigen Eintragungen von Max auf – eint ein Ton, aus dem die Stilblüten nur so sprießen. Max: »Ich mußte am Leib von lieben Freunden erfahren, was es heißt, wider den Stachel zu löcken, wenn der Gestapo heißt.« Zu Heydrich: »Er wollte sich mit der Aura eines Monsters umgeben. Das verbreitete Angst und Schrecken, exakt (!) die tiefschwarze Wolke, in der er geortet werden wollte.«

Max hingegen, der sich »sauwohl« fühlt im Verkehr mit jüngeren und älteren Damen, fallen gelegentlich Präservative aus der Hosentasche. »Mein männlicher Stolz schwoll mir in der Hose …, mein Widerstand verhärtete sich wie in kaltes Wasser gegossenes, glühendes Blei!« Das ist der gleißende Wahnsinn.

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Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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