Sezession
1. Februar 2015

Walter Bauer: Die Stimme. Geschichte einer Liebe

Ellen Kositza

Walter Bauer: Die Stimme. Geschichte einer Liebe, Düsseldorf 2014. 128 S., 18,90 €

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Walter Bauer (1904–1976) war ein äußerst produktiver Schriftsteller. Der Merseburger kam aus einfachem Haus, wurde Lehrer, begann früh mit dem Schreiben. Im Dritten Reich konnte Bauer ungehindert publizieren. Als Wehrmachtssoldat geriet er in Kriegsgefangenschaft und lebte später in Süddeutschland. 1952 emigrierte er nach Kanada.

Die Stimme ist der Monolog eines Mannes namens Richard – ein Alter ego des Autors. Einem stumm bleibenden Gegenüber berichtet er von seiner Ankunft und ersten Zeit in Toronto. Das Buch ist 1961 erstmals erschienen. Warum wäre es für uns interessant?

Zum einen aus Gründen der literarischen Qualität. Bauers Sprache ist poetisch und verdichtet, es gibt keinen falschen Ton. Eine hohe Kunst, anrührend zu schreiben ohne Rührseligkeit, nachdenklich zu schreiben, ohne den Nachdenklichen zu geben! Zum anderen ist das zeitgeschichtliche Kolorit bestechend. Bauer kam aus einem Land, das wieder brummte. Auch, weil die Tüchtigen von damals erneut den Motor am Laufen hielten – oft bruchlos.

Bauers Gedanken dazu sind leise und ohne Anklage, er klagt allenfalls sich selbst an, er sieht sich als einen aus Brueghels »Zug der Blinden«, allerdings als einen »mit Augen«: »Ich war beteiligt«. Nun kann er nicht mehr mit im Getöse der Zeit, auch nicht mit der Kühle und Sachlichkeit der neuen Intellektuellen in der alten Heimat. Er hat sich in eine geschichtslose Stadt gerettet »ohne Echo, ohne Schatten«. »Ich war in Sibirien«, schreibt Bauer – »bedeutet das noch etwas? Für den Betroffenen sicherlich; nicht für einen anderen.«


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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