Sezession
1. Februar 2015

Walter Bauer: Die Stimme. Geschichte einer Liebe

Ellen Kositza

Erst recht nicht in Toronto, wo sich Gestrandete aller Herren Länder verdingen, gemeinsam schweigen, entweder dem monotonen Einsamkeitsdruck erliegen oder daraus eine unzerstörbare Härte gewinnen. Richard bleibt »stumm, es entsprach meiner Situation«. Die Vergangenheit wütet im Erzähler wie eine Krankheit, die ihn im »geheimen vergiftet und ausgehöhlt« hat. Richard geht stumpfen Hilfsarbeiten nach, das Rollen und Stampfen der Maschinen tut ihm gut.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Er redet nicht, schaut nur: auf Bill aus Griechenland, der vielleicht einst Odysseus geheißen hat, auf den Ukrainer, der sich immer noch so bewegt, »als ginge er über die Sommerfelder der Ukraine, über die ich gezerrt worden war«. Überall sind »Splitter der alten Welt«, »Blätter, von ihren Bäumen abgerissen.« Die Stimme, die Richard aus seiner Weltverlorenheit weckt, ist die einer Frau, die auf einer Platte Gedichte von Christina Rossetti spricht. Über den Kontakt mit dieser Sprecherin, die er lieben wird, beginnt Richard den Zauber der eigenen Sprache zu erkennen, die er »verlassen hatte, ohne sie je in Wahrheit verlassen zu können.«

Später lernt er den Rußlanddeutschen Wagner kennen, der ihm beibringen wird: »Es gibt keine Verlassenheit; es gibt nur die Verlassenheit dessen, der sich selber aufgibt, weil er nur Abgründe sucht. Was kommt dabei heraus? Er kriecht, der Narziß des Leidens.« Eine großartige Wiederentdeckung!

Walter Bauers Die Stimme kann man hier bestellen.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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