Das war’s. Diesmal mit: Holocaust für Kopftuchmädchen, Hautfarbenstreß und Heimat

20. September 2015

Seit langem wollen die beiden mittleren Kinder auf dem Flohmarkt ihr Unnützes verkaufen, heute dürfen sie. Fast alle häßlichen Playmobilsachen, anderer Plastikkrempel, die Klamotten mit Aufdruck, die Schrottbücher: raus damit. Es regnet leicht, es gibt kaum Stände, die Kinder haben am Ende einen ganz guten Schnitt gemacht. Wir Eltern schauen alle zwei Stunden nach dem Rechten und sammeln, die kleinste Tochter an der Hand, ein paar Großstadteindrücke aus Offenbach. Mindestens drei sind eine Notiz wert:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

1.Besuch der städ­ti­schen Kin­der­bü­che­rei. Mein oft beschrie­be­ner Ein­druck, daß man an Kul­tur-Orten selbst in kun­ter­bun­ten Viel­völ­ker­städ­ten fast nur Auto­chtho­ne trifft, paß­te wenigs­tens auf die Kin­der­bi­blio­thek noch nie. Hier fin­den sich die guten Neu­bür­ger stets reich­lich ein. Kei­nes­wegs nur an den Inter­net­plät­zen, son­dern auch am papier­nen Bil­dungs­gut. Mei­ne Toch­ter hockt sich mit ihren Lese­stü­cken auf ein Sofa, auf dem schon ein streng ver­hüll­tes, viel­leicht elf­jäh­ri­ges Kopf­tuch­mäd­chen Platz genom­men hat. Was liest die denn so? Ah! Den Holo­caust, ein Bild­band auf den Knien, zwei wei­te­re neben sich. Sie liest sehr auf­merk­sam, blät­tert lang­sam. Mir fal­len ein paar sozi­al­päd­ago­gi­sche Wen­dun­gen ein: Was macht das mit dir? Wie fühlt sich das an? Ich sage, fra­ge nichts.

2.Dreihundert Meter Rück­weg von der Büche­rei zum Stand unse­rer Kin­der. Unse­re Klei­ne plap­pert mun­ter und laut, die Pas­san­ten abzäh­lend: Aus­län­der, Aus­län­der, Aus­län­der, Aus­län­der, Deut­sche, nein doch nicht, ich habs an der Spra­che erkannt, Aus­län­der, Aus­län­der. Ich laß sie plap­pern, es ist nichts dabei, sie ist nur auf­merk­sam. Sie wer­tet nicht, wie könn­te sie! Zwei deut­sche Jungs!, ruft sie, dann dre­hen die zwei sich um, und ich mich auch. Die gucken zuerst weg. Auf dem Ruck­sack des einen steht im Ernst: „Still not loving Hei­mat.“ Ja, bestimmt, Deutsche.

3. Ein paar Stän­de neben dem mei­ner Kin­der wird laut gestrit­ten. Die Kin­der sagen: Das gehe schon seit einer hal­ben Stun­de so. Der Käu­fer samt Frau fühlt sich eben­so betro­gen wie der Ver­käu­fer, refe­rie­ren mei­ne bei­den kurz den Sach­ver­halt. Ich bekom­me nur die Eska­la­ti­ons­stu­fe mit. Der Ver­käu­fer, ein aus­ge­mer­gel­ter Süd­eu­ro­pä­er, ruft: „Ich sag euch: ich bin eine ehr­li­che Haut, und die­se Schu­he wur­den nie­mals getra­gen!! Kei­nen Meter!“
Ich sehe, wie sich der Käu­fer (hat anschei­nend einen klei­ne­ren Schein gege­ben als ver­langt) bedroh­lich auf­baut, sei­ne ent­fernt ste­hen­de Frau die Hän­de wütend in die Hüf­ten stützt und ihrem Beglei­ter, näher­tre­tend, Rücken­de­ckung gibt. Die bei­den wer­den laut, ja, aggres­siv. Es geht um das Wort­spiel der „ehr­li­chen Haut“. Die bei­den sind ers­tens der deut­schen Spra­che weni­ger mäch­tig als der Süd­eu­ro­pä­er, zwei­tens haben sie eine tief­dunk­le Haut­far­be – pech­schwarz hät­te man frü­her gesagt.
Die bei­den haben nun Ober­was­ser, ich höre nicht genau, was sie rufen und dro­hen, ver­ste­he aber das Gegen­über: „Mann! Du willst nicht ver­ste­hen! Ehr­li­che Haut, das mein ich doch von innen! Ich bin von innen eine ehr­li­che Haut!! Von innen!!“ Die Dunk­le­ren gewin­nen (schon allein mora­lisch), der Kon­tra­hent macht am Ende Kehr­be­we­gun­gen; weg, haut ab, weg mit euch, ab!, scheiß auf das Geld!

23.September 2015

Was ist zu sagen über eine Musik­leh­re­rin, in deren Unter­richt die Kin­der gera­de Ain´t nobo­dy und Wie schön du bist sin­gen?
„Kenn das Zeug nicht, sin­gen Sie mal.“
„Also, das eine ist sehr nied­lich eigent­lich, eine Lie­bes­hym­ne einer Mut­ter an ihren klei­nen Sohn. Biß­chen kuri­os, daß zwölf- und drei­zehn­jäh­ri­ge Mäd­chen und Jun­gen sowas vor­sin­gen müs­sen, oder? In der Schu­le? Und das ande­re [ich singe/versuche es]: At first you put your arms around me; Then you put your charms around me; I can’t resist this sweet sur­ren­der; On a night so warm and ten­der; lala­la, und dann, ken­nen Sie doch, oder? Ain´t nobo­dy, Loves me bet­ter, Makes me hap­py, Makes me feel this way; und so weiter.”
“Also eine Art poe­ti­sche Beschrei­bung einer hand­fes­ten Liebesnacht?”
„Würd sagen, ja. Was sagt man dazu?“
„Ver­mut­lich das: Daß die Leh­re­rin vor drei­ßig Jah­ren den Volks­po­li­zist hät­te ein­stu­die­ren las­sen… und vor fünf­und­sieb­zig Jah­ren Horst Wes­sel oder irgend­was mit Feind und Sieg.“
„Also, Sie fin­den die­ses Schul­lied­gut nor­mal, irgend­wie zeitgemäß?“
„Nor­mal nicht. Zeit­ge­mäß schon. Schät­ze, die Leh­re­rin will ein­fach alles rich­tig machen. Ver­wirr­te Zei­ten eben, auch heut.“
„Heißt, ich soll mich auf- oder abregen?“
[greift nach der Gitar­re]„ Immer nur das Bes­se­re dage­gen­set­zen. Was kann uns der Rest dann schon anha­ben? Kommt, sin­gen wir eine Run­de. Den ers­ten Lied­wunsch haben Sie.“
„Schließ Aug und Ohr.“

 

25. Sep­tem­ber 2015

Wenn fast alle mit­ma­chen, machen wei­te­re mit, bei­na­he ein Auto­ma­tis­mus. Je eupho­ri­scher die Stim­mung, des­to grö­ßer der blin­de Mit­rei­ß­ef­fekt. Der Mensch ist eben ein sozia­les Wesen! Seit vie­len Jah­ren besu­che ich mit mei­nen klei­nen Kin­dern Auf­füh­run­gen „klas­si­scher“ Stü­cke in kind­ge­rech­ten Insze­nie­run­gen. Wie oft hab ich schon Peter und der Wolf gese­hen, Peer Gynt, die Vier Jah­res­zei­ten?

Ich mag mich täu­schen, aber der Trend geht bei die­sen Auf­füh­run­gen dahin, daß die Kin­der dabei vorn an der Büh­ne hocken (meist nicht Büh­ne, son­dern eben­erdig – bloß kei­ne Bar­rie­ren!) und das erwach­se­ne Begleit­per­so­nal wei­ter hin­ten auf Stüh­len. Frü­her saßen die Klei­nen öfter neben ihren Eltern.

Heu­te: Kar­ne­val der Tie­re. Es hat sei­nen Reiz, das Töch­ter­chen unter (annä­hernd) Gleich­alt­ri­gen zu beob­ach­ten. Zu sehen, wie sie sich ohne elter­li­che Ein­flüs­te­run­gen („schau mal, der Kla­ri­net­tist!“; „Ach­tung! Jetzt kommt…-!“ etc.) mit­rei­ßen läßt, wie sie sich strah­lend umdreht, wenn ihr Lieb­lings­stück an die Rei­he kommt.

Gut. Das Stück, mit Bal­lett, ist zu Ende. Alle klat­schen. Das Klat­schen wird rhyth­misch. Dann beginnt die jun­ge peer group (und wirk­lich nur die) zu skan­die­ren: „Zuga­be! Zuga­be!“ Fre­ne­tisch wird geru­fen, über Minu­ten. Die meis­ten Kin­der erhe­ben sich aus dem Schnei­der- oder Hock­sitz ins Knien. Mei­ne Toch­ter auch. Sie ist hin und weg, klatscht begeis­tert und ruft mit.

Anschlie­ßend fra­ge ich sie, was ihr am bes­ten gefal­len hat an der Dar­bie­tung. Das: „Wie wir am Ende alle Su- Wa- We! Su-Wa-We! geru­fen haben!“ Dabei­sein ist alles.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (26)

Erkenbrand

27. September 2015 22:10

"Su-Wa-We!"
Das hat mir an diesem Abend voller Schreckensmeldungen von der Asylfront ein Lächeln entlockt...
Danke dafür!

Meier Pirmin

27. September 2015 22:57

Die Lektüre findet trotz geschwätziger Partien [EK: na, wenn grade S I E das sagen... ] und dem vielleicht doch nicht unbedingt berichtenswerten Abzählen der Deutschen und Ausländer durch die Kinder am Ende zu einer wahren Pointe, nämlich der Episode mit der ehrlichen Haut. Daraus liesse sich eine Geschichte von literarischer Qualität komponieren, man müsste dafür wohl nicht Heinrich Böll heissen. Eine positive Überraschung war für mich das nur mässig kitschige DDR-Lied "Der Volkspolizist". Im Vergleich zum widerwärtigen englischen Gequatsche der zwangsfinanzierten Musikprogramme der meisten Rundfunksender meiner Heimat eine volkskundliche Wohltat. Hätte ich es früher gekannt, meine rabenschwarze Einstellung zum damaligen mitteldeutschen Staat wäre um eine Spur aufgehellt gewesen. Das Beste an der DDR waren für mich sowieso jahrelang die Forschungen meiner geistigen Weggefährten Ingo Zimmermann und Siegfried Wollgast, beide aus Dresden, und noch ein fast heiligmässiger lutherischer Pfarrer aus Wismar, Pastor Bunners. Sie standen jenseits des Zeitgeistes und bewahrten Haltung.

Monika

27. September 2015 23:06

"Su-Wa-We", ein goldiger Verhörer. Entlockt ein Lächeln.
Aber selbst ein Verhörer kann fatale Folgen haben...
wie etwa "der weiße Neger Wumbaba" anstelle von "der weiße Nebel wunderbar"
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Der_wei%C3%9Fe_Neger_Wumbaba

Stephan

27. September 2015 23:08

Auf dem Rucksack des einen steht im Ernst: „Still not loving Heimat.“ Ja, bestimmt, Deutsche.

Ich wohne meinerseits in einem sehr "internationalen" Stadtteil (Ausländeranteil gegen 50%) und muss den Linksextremen eines lassen: sie sind noch hier. Zumindest sind sie sehr präsent, mit Stickern wie "Deutschland halt die Fresse!" sowie Plakaten für das nächste "antifaschistische Sommercamp" und gegen die nächste Neonazidemo. Ich sehe zwar keine Nazis hier (dafür umso mehr Burkas), ja nicht einmal mehr Deutsche, aber das kann für diese Linken ja genau so gut Bestätigung sein wie Irritation.

Jedenfalls frage ich mich, wie das möglich ist, dass man die Veränderung der Umwelt wahrnimmt, sich auch politisch damit auseinandersetzt (das kennzeichnet die Linksextremen ja gegenüber der großen Mehrheit der wegziehenden Gleichgültigen), aber gleichzeitig nie in Zweifel gerät.

Ich meine, die Linken haben ja zum Beispiel eine beachtliche Quote junger Frauen. Diesen jungen Frauen müssen die vielen Kopftücher und langen Kleider doch auffallen, und - ich bin ein Mann - die Konsequenzen zu spüren bekommen, die sich für Frauen doch sicherlich ergeben (korrigieren Sie mich gegebenenfalls, mein Wissen hier ist nur anektodisch), wenn man in einem unzweifelhaft islamisch geprägten Stadtteil alleine und ohne entsprechende Kleidung auf die Straße geht.

Kurz, ich kann mir diese Kombination nicht erklären: politisch interessiert, bewusst, vor Ort, persönlich betroffen und trotzdem links.

Westpreuße

27. September 2015 23:29

"Was ist zu sagen über eine Musiklehrerin..(...)."

Frau Kositza,
über einen Musiklehrer kann ich etwas sagen: Ist nun wirklich schon fast Jahrzehnte her. Die sogenannte "Elternsprechstunde". Gibt es die heute noch?
Vater oder Mutter, meistens die Mutter, (Vater: Geh du mal...) sitzen beklommen vor irgendwelchen Türen im Schulgebäude und warten darauf, daß sie sich gleich "etwas anhören dürfen"...

Ich wollte den neuen Musiklehrer einfach mal kennenlernen. Nur so.
Jung, dynamisch, Frisur, Kleidung und "Autfit" im Trend...Gesinnung wohl auch...
Er erzählte strahlend, daß er jetzt zusammen mit der Klasse "Die Moorsoldaten" erarbeiten würde: Text, Gesang, Melodie, zeithistorischer Hintergrund...

ICH: Ach...ER...Sie kennen es?...ICH: Natürlich..!..ER: Das ist wirklich so wichtig heutzutage!..ICH: Ist es denn schon wieder aktuell? Und Volkslieder, na ja, volksliedhafte Lieder?..ER: Woran denken Sie?..ICH: Zum Beispiel an eins meiner Lieblingslieder...DIE GEDANKEN SIND FREI....ER:
DIE GEDANKEN SIND FREI? Kenne ich nicht! Noch nie gehört!---Er schaute verdattert---Ich schaute noch verdatterter----
(Das ist, Ehrenwort, wirklich so passiert).

Nun haben die "Moorsoldaten" ja durchaus ihre Berechtigung. Keine Frage.
Gesungen von "Ernst Busch und Chor der XI. Interbrigade" sehr ansprechend! Zu hören auf "Kampflieder"...
Aber ich glaube, daß DIE GEDANKEN SIND FREI heutzutage angebrachter sind...daher:

https://www.youtube.com/watch?v=gmwTa9qRq0o
Studentenlieder - Die Gedanken sind frei
(Eine knackige Version. Gibt viele. Und viele "modernisiert". Und auch nicht so lahm gesungen...)

Patriotische Grüße aus Thorn an der Weichsel

Heinz Obst

28. September 2015 01:28


Stephan
Sonntag, 27. September 2015, 23:08 Uhr

Kurz, ich kann mir diese Kombination nicht erklären: politisch interessiert, bewusst, vor Ort, persönlich betroffen und trotzdem links.

Man hat in diesen Kreisen eben nichts anderes gelernt, außer "links sein".

Hier nochmal die Geschichte von einem Juden, welcher Anfang des laufenden Jahres in Berlin von einer Gruppe Araber überfallen wird und anschließend "ein Zeichen gegen Islamhass setzt" ...

26-jähriger Jude in Berlin von Arabern überfallen: "Ich will nicht euer Kanal für Rassismus sein" - RTL.de
https://www.rtl.de/cms/26-jaehriger-jude-in-berlin-von-arabern-ueberfallen-ich-will-nicht-euer-kanal-fuer-rassismus-sein-2174327.html

Der isrealische Jude Shahak Shapira (26) wurde von arabischen Jugendlichen überfallen. Er will dennoch nicht polarisieren und setzt ein Zeichen gegen Islamhass.

Jude in Berlin angegriffen - jetzt spricht das Opfer - SPIEGEL ONLINE
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/jude-in-berlin-angegriffen-jetzt-spricht-das-opfer-a-1011570.html

Nun hat sich Shahak Shapira, das Opfer, selbst zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" warnt er davor, dass die Tat instrumentalisiert werde. "Der Vorfall darf nicht missbraucht werden, um Hass auf Muslime zu schüren", sagte Shapira. "Die Angreifer hätten genauso gut Neonazis sein können und der Geschlagene ein Araber."

Ein Fremder aus Elea

28. September 2015 08:46

"ich kann mir diese Kombination nicht erklären: politisch interessiert, bewusst, vor Ort, persönlich betroffen und trotzdem links."

Das Problem dabei ist das "Interesse" und das "bewusst", beides Begriffe, welche in der Mehrzahl der Fälle auf die Übernahme eines Geistes verweisen.

Wahres Interesse entspringt einem Faszinosum und wahres Bewusstsein allgemeiner der Stille.

Das Aquarium beim Tierpark Hagenbeck ist sehr geschmackvoll gehalten, die Lichter scheinen von oben wie die Sonne in den Tank und erzeugen die charakteristischen Lichtspiele unterwasser. Ein Motor treibt eine Pumpe, und die Quallen treiben in der Strömung.

Ein Ende der allgemeinen Bewusstseinsstörung wird es erst geben, wenn Bewusstsein respektiert werden wird und also geschützt, in erster Linie durch das Zugeständnis menschlicher Würde, das ist, die Welt auf die eigene Weise zu verstehen, das ist, selbst für die Fragen, welche man sich stellt, verantwortlich zu sein, was die Meisten freilich ziemlich gedankenlos und uninteressant machte, aber dennoch nicht schlechter dran, denn in diesem Zustand wären sie wenigstens zu Bewusstsein und Interesse fähig, was sie aktual nicht hätten, hätten sie wenigstens potential.

Gut, der Industriestandort Deutschland lebt von der Normierung, sie macht ihn effizient, und diese Effizienz ist durchaus auch eine attraktive Erfahrung.

Man muss es wohl als ein Betriebsrisiko ansehen, wenn diese Normierung merkelsche Blüten treibt und in ein Klima der sozialistischen Meinungsdiktatur umschlägt. Passiert oftmals, wen Frauen am Ruder sind, und beruht darauf, dass ihre Inklusivität, das ist ihre Verantwortungsvermeidung, dazu führt, dass ein systemerforderliches Zur Verantwortungziehen unterbleibt und die Möglichkeit zur Kurskorrektur somit entfällt.

Räte würden durchaus funktionieren, aber nur, wenn ihre Funktion über das Abknicken hinausgeht, nur, wenn es in einem Rat weder Hierarchie, noch parteiische Ränke gäbe. Ein Gremium, in welchem es eine klare Hierarchie gibt, in einen Rat verwandeln zu wollen, ist immer eine ganz schlechte Sache.

Arminius Arndt

28. September 2015 09:31

Kurz, ich kann mir diese Kombination nicht erklären: politisch interessiert, bewusst, vor Ort, persönlich betroffen und trotzdem links.

@Stephan,

wie immer, alles eine Frage der Definition. Rechte waren Befürworter einer überkommenen Rechts- und Gesellschaftsordnung, also im Recht aus der Sicht der ursprünglichen Ordnung. Diese galt es zu bewahren, zu konservieren. Linke waren die Revolutionäre, die Gegner dieser Ordnung und Befürworter einer neuen Ordnung.

Der rechte Weg und der linke Weg, wie ihn auch Mystiker, Kabbalisten und Magier kennen.

Wenn man diese Definition auf heute anwendet, dann passt der Sticker zwar nicht unbedingt zur Rechtsordnung de lege (zumindest wenn man das geltende Staatsbürger, Ausländer- und Asylrecht ernst nehmen würde) aber zur von der Nomenklatur erwünschten Gesellschaftsordnung. Von daher sind diese Leute eigentlich Rechte und die Rechten die Linken. Linke passt aber nicht wirklich auf die heutigen Rechten, da die Rechten für eine Rechts-und Gesellschaftsordnung stehen, die es zumindest schon einmal gab (die klassischen Linken wollten dagegen das Neue, den Fortschritt) und in sehr großen Teilen sogar noch gibt (zumindest, wenn man sich das positive, geschriebene Recht in diesem Land einmal näher betrachtet). Von daher sind Rechte Menschen, die in größeren Zusammenhängen, auch über 68 hinaus, denken.

Die Buben mit den Stickern sind dagegen Zeitgeist-FDJler oder -HJler, evtl. MJler (für Merkel Jugend).

Ein gebürtiger Hesse

28. September 2015 10:38

Danke für den Beitrag, Frau Kositza. Was Sie dieses Mal aus Offenbach berichten, ist erneut sehr - man möchte fast sagen: fürchterlich - beredt. Die Reaktion des in die moralische Enge gedrängten Südeuropäers, der da vor den beiden Schwarzen zurückzieht, steht beispielhaft für eine generelle hiesige Widerstandsschwäche. Der Witz ist ja, daß das bloße Wort "Haut" von den beiden zum Stein des Anstoßes gemacht und instrumentalisiert wird. Allein dadurch läßt sich der Kontrahent ins Wanken bringen und verliert schließlich den Streit an sich. Und dieser Punkt ist wesentlich: Wo ein noch so billiger Rassismusvorwurf zum Zurückweichen und Aufstecken führt, wird das Eigene gerade nicht verteidigt ("scheiß auf das Geld") und der Aggressor gewinnt. Ob man an diesem Punkt stur und beharrlich zu bleiben vermag, dürfte für die Zukunft entscheidend sein.

ene

28. September 2015 10:57

Stephan,
ich vermute, es gibt so etwas wie eine "allgemeine menschliche Tendenz zur Erkenntnisivermeidung". D.H., wenn ich gewisse Überzeugung habe und dann mit einer Wirklichkeit konfrontiert werde, die diese Überzeugungen in Frage stellt, dann gibt es zunächst einmal das Bemühen, die eigenen Wahrnehmungen im Sinne der vorgefassten Meinungen umzuformen.
("wird übertrieben, ist nicht so schlimm" usw.)

Denn das ist einfacher und geht auch schneller als das ganze eigene Weltbild umzubauen. Was man so nennt:"Illusionen verlieren" ist nämlich ein langwieriger und schmerzhafter Prozeß, der Selbstkritik erfordert.

Apropos: es gibt auch eine Wahrnehmungvermeidung. Das erlebe ich gerade. Äußere ich Beunruhigungen bzgl. der gegenwärtigen Situation, so wird das Thema von der Gegenseite mitunter - einfach fallengelassen.

Hugo Treffner

28. September 2015 12:39

Vom 16. bis 18. Oktober 2015 findet die 2. Internationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS) in der Kongreßhalle der Münchner Kammerspiele zeitgleich mit dem Open Border Kongress (Munich Welcome Theatre) statt. Die ISS 2015 präsentiert sich erneut als DIE relevante Fachtagung der weltweit agierenden Fluchthilfe-Unternehmen. Wichtigstes Tagungsziel 2015 ist die Image-Aufwertung sowie die damit einhergehende Neubewertung der Dienstleistungen Schleppen und Schleusen.

https://iss2015.eu/

Ohne Worte........

ulex

28. September 2015 13:56

Oh, konnten Ihre Mädels überhaupt von der Bühne was sehen?

Normalerweise stehen dort doch die Mamis und Papis um ihre Kinder in der ersten Reihe beim Zuschauen zu filmen :-)

Aber in dem Zusammenhang eine Anekdote unserer Kleinen, als sie grad vier und nicht wie heute fast 5 und Vorschulkind war:

"Was war denn das Schönste heute am Pegida-Spaziergang?"

"Dass Papa mich auf die Schulter genommen hat"

In diesem Sinne - Viva la revolution ;-)

Schopi

28. September 2015 16:48

...Auf dem Rucksack des einen steht im Ernst: „Still not loving Heimat...“

"My Heimat is Pappas Bankkonto" wäre auch nicht schlecht für diese mitteilungssüchtigen Buben.

Ähnliche Mitteilungsbedürfnisse kann man seit Wochen schon in unserer Nähe auf einem mit Spraydose verzierten Verkehrsschild an der Bundesstraße bewundern. Dort steht als kreative Übermalung das Wort "Volkstod".

der demograph

28. September 2015 18:10

die richtig Linken sind doch so ziemlich die einzigen Deutschen die noch so etwas wie eine nationale Identität und ein Zusammengehörigkeitsgefühl haben, auch wenn sie das natürlich niemals zugeben würden. Dieses Milieu von Frauen und Männern mit Rasta-Frisuren, Plump-Hosen etc. Die bleiben unter sich und haben mit Ausländern nur professionell etwas zu tun, wenn sie in Flüchtlingscamps gehen oder so. In der Schule und später wollen die Ausländer mit denen meistens nichts zu tun haben. Die gleiche Musik hört man eh nicht (für Weltmusik oder Punk interessiert man sich in Deutschland, im Irak interessiert man sich für Hip Hop), die gleichen Hobbies hat man auch nicht (Ausländer gehen Fußballspielen, die Linken gehen Klettern), Feiern geht man nicht zusammen (Disko für Ausländer vs Lagerfeuer für Linke). Ich habe den Eindruck diese Art von Linken sind Leute die die ganzen Probleme die man hier sieht auch sehen - aber ein Leben lang aufpasst die Dinge bloß nie zu explizit zu denken.
Und deshalb passt das schon irgendwie, "still not loving Heimat" als Zeichen der verbliebenen Deutschen.

herbstlicht

28. September 2015 19:06

Überrascht mich, daß es in der Bibliothek noch so anständig zugeht. Anders in Schweden; z.B.Stora problem med aggressivitet på biblioteken
Ich übersetze die Einleitung:

Aggressivität, beleidigendes Verhalten und Sachbeschädigungen kommen häufig vor in den Bibliotheken. Dies erweist ein neuer Bericht des Fachverbandes Dik. Ganze 84 Prozent der Bibliothekare haben aggressive Besucher erlebt --- und die Arbeitsgeber müssen dies ernst nehmen, sagt Karin Linder von Dik.

Weiter unten:

Ein Fragebogen, welcher an die Chefs der Bibliotheken in 290 Gemeinden geschickt wurde, zeigt, daß 20 Prozent der Chefs Streit und Unruhe mehrmals im Monat bemerken --- und daß es vorallem Erwachsene sind, welche aufsässig werden.

In den stark kulturbereicherten Städten brauchen sogar die Ambulanzen der Krankenhäuser Wachen --- ist ja Ehrenfrage, welcher Klan zuerst "bedient" wird.

Daß wir uns schon mal vorbereiten ...

Raskolnikow

28. September 2015 19:13

Als, werter Stephan,

Bertrand Russell es sich angelegen sein liess, vermittels seiner Antinomie die naive Mengenlehre zu zerschmettern, zerstoerte er damit auch das Lebenswerk Gottlob Freges. Dieser wiederum, gar nicht kleinlich, sondern im Gegenteile, bewies die Groesse eines echten Wismarer Mathematikergenies, cultivierte eine handfeste Depression und constatierte, dass Russell quasi den Boden, auf dem die "Grundlagen der Arithmetik" fussangelten, beseitigt haette.

Auf solche Charactere brauchen wir bei den Willkommenshomunculi wohl nicht rechnen, bei denen wird der Fuehrerinnenbunker bis zum letzten Atemzug verteidigt ....

Liebe Frau Kositza, als getreuer Apperzipient Ihres erfrischenden Diariums sei es mir gestattet, dass ich den Pokal fuer den pointiertesten Witz diesesmalen dem Meister Pirmin einhaendige. Sein Vorwurf der "Geschwaetzigkeit" verraet eine nicht gering zu nennende Portion helvetischer Bizarrerie. Natuerlich kann er nicht umhin, in seinem Beitrag daselbst auf honorige Bekanntschaften zu verweisen, die jetzt schon die heiligmaessigen Sphaeren streifen. Wer weiss schon, was da noch kommen mag ...

Gott sei uns gnaedig,

R.

Weltversteher

28. September 2015 20:51

Dumme Frage am Rande, aber ist das mit der "ehrlichen Haut" im Deutschen irgendwo gängig? Ich hab das früher nur in schmierigen Amifilmen aufgeschnappt, etwa: "Jack is 'ne ehrliche Haut."

Kositza: Hm, weiß nicht, wo Sie leben... Googlen Sie doch mal, ich hab glatt den Eindruck, man kennt das Wortspiel nicht nur in OF und Schnellroda.

Weltversteher

28. September 2015 20:54

Wir beobachten durchaus fasziniert Ihre Erziehungskunst, Frau Kosiza. Manchmal schlackern uns freilich die Ohren ob der vielen sagenhaften Husarenstücke. Manches versteht man dann einfach auch nicht gleich. Daher, vorrangig zum Verständnis: Warum kriegen die Kinder zunächst diesen ganzen Schrott, den sie nun schließlich verkaufen?

Kositza: Falls Sie Kinder haben, müßt's Ihnen klar sein..! Kinder haben nicht nur Eltern, sondern auch andere schenkende Verwandte(die bspw. playmobil für hochwertiges Spielzeug halten) und nicht zuletzt Freunde, die zu Kindergeburtstagen kommen! Und, viel schlimmer & schrottiger, sie drehen bei diversen Schul- und anderen Festen an Glücksrädern, gewinnen mal einen Malwettbewerb, schlendern an Sperrmüll vorbei etc. Ich fand schon mit zwei Kindern die Unmengen an Schrott, die sich ungefragt ansammeln, beachtlich...

waldgänger aus Schwaben

28. September 2015 21:46

Wir Eltern schauen alle zwei Stunden nach dem Rechten

Müsste da nicht ein Dativ Plural stehen?

SCNR
(sorry could not resist)

Kositza: kids are alright, das langt erstmal...

Weltversteher

28. September 2015 22:12

Ja, einige Kinder. Wir lassen sie erleben, daß es eine Welt des Schönen gibt (das muß nicht rosarot sein, ist aber das uns Gemäße) und eine x-mal größere des Schundes. Wenn ihnen solches Zeug zufällt, wie Sie es beschreiben, schauen sie uns oft hilflos und wehmütig an.
Bis ins frühe Schulalter fangen wir das allermeiste an unerbetenem und ungeeigneten Zeug einfach ab. Ich glaube, daß sie in diesem Alter nicht werten können, und ein Wertesystem nachleben wollen. Die meisten Stifter, zumal Verwandte, merken das auch bald.
Die größeren Kinder freuen sich schon, wenn wir schrottige Geburtstagsgeschenke im Netz vesteigern und dafür fast genau so viel kriegen wie sie neu kosten. Von dem Geld können sie sich dann was Schönes aussuchen, also werten.
Na, und Sperrmüll ist eben Müll. Das Gelumpe der Zivilgesellschaft entdeckerisch sezieren, hat ja eine ganz andere Tragweite. Da laß ich gern die Leinen los!

Nichts für ungut. Ich meine, gerade über Kinder sollte unsereins öfter sprechen und denken.

Stephan

28. September 2015 23:56

Für den Fall, dass dieser Kommentarstrang nach Lichtmesz' neuem Eintrag bald geschlossen wird und ich nicht mehr zu etwas Ausführlicherem komme: vielen Dank Ihnen allen für die zahlreichen Erklärungen!

Grau

29. September 2015 06:19

"DDR-Lied „Der Volkspolizist“. ... eine volkskundliche Wohltat. Hätte ich es früher gekannt, meine rabenschwarze Einstellung zum damaligen mitteldeutschen Staat wäre um eine Spur aufgehellt gewesen."

@ Meier Pirim Tja, so könnte man (rein konjunktiv natürlich) auf Propaganda- und Auftrags"kunst" reinfallen, gerade wenn man im Elfenbeinturm leben würde und von dort urteilte.

R. Schmid

29. September 2015 06:43

Su- Wa- We!
Vor langer, langer Zeit, kam mein Kumpel in die Lehrwerkstatt; "Da ist ein neuer, super Song in der Hitparade". "Wie heißt er denn ?".
"Hinsahä.".
https://youtu.be/N8cwctVw6AY

Und wenn man alte Franken am Stammtisch hört und sich vorstellt wie sie die Sprache der Römer nach Gehör lernen, weiß man wie das Französische zustande kam.

Monika

29. September 2015 09:15

Liebe Frau Kositza,
auch ich halte playmobil für eher hochwertiges Spielzeug. Habe mir sogar mal ein Figürchen für mich gekauft:
https://www.google.de/imgres?imgurl=https://www.play-original.com/WebRoot/ce_fr3/Shops/258420/4A22/58CF/7C41/E9A4/1395/C0A8/8007/601F/nonne_A.jpg&imgrefurl=https://www.play-original.com/epages/258420.sf/fr_FR/?ObjectPath%3D/Shops/258420/Products/0581&h=600&w=600&tbnid=v4N9D5QVhhfRjM:&docid=5zkKD-B46RjlVM&hl=de&ei=XzgKVpTkHoqNsAHKyZLQCg&tbm=isch&client=safari
Es gab sogar einen Till Eulenspiegel von Playmobil und in einem politisch unkorrekten Bauarbeiterset einen kleinen Bierkasten.
Ich vermute nun allerdings, daß Playmobil sich bald auf die neuen Kunden einstellt und Bausätze von Moscheen anbietet und verschleierte Püppchen.

Beteigeuze

29. September 2015 09:56

@Stephan
Ohne zu stark zu psychologisieren: Was die letzten (linksverkleideten) deutschen Jugendlichen im "bunten", sich islamisierenden Stadtteil betreiben, ist m.E. eine unbewußte Überlebensstrategie: Überleben durch Unterwerfung bzw. Anpassung.
Mit ihrem "Kampf" gegen fiktive "Rechte" signalisieren sie dem Umfeld ihre Bereitschaft zur Unterwerfung, und davon erhoffen sie sich (unbewußt) Anerkennung und Schutz.
Selbstverständlich nehmen sie die sich ausbreitenden islamischen Regeln (Kleidervorschriften etc.) wahr, aber sie sehen keine Möglichkeit, dagegen aus ihrer Minderheitenposition vorzugehen.
Symptomatisch ist die Räumung eines "autonomen Zentrums" in Wuppertal, das einer DITIB-Moschee weichen muß. Die islamische Revolution frißt ihre Kinder - Erdogan welcome.
https://www.taz.de/!5026711/

Ellen Kositza

30. September 2015 21:38

Danke!

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