Sezession
15. Oktober 2015

Widerstandsschritte (5): Ernst machen

Götz Kubitschek / 59 Kommentare

Erstens: Der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper hat am Mittwoch sein Parteibuch zurückgegeben. Er ist gewählt bis 2022 und war seit 1990 Mitglied der SPD. Als Grund für seinen Rücktritt gibt Trümper an, daß er Verständnis für die eingeforderte Parteisprachregelung in Sachen Flüchtlingspolitik habe, sich aber nicht den Mund verbieten lassen und deshalb mit seinem Austritt Schaden von der SPD abwenden wolle. Mit anderen Worten: Hier zieht einer Konsequenzen, die hunderte seiner Amtskollegen nicht ziehen; hier macht einer Ernst.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Zweitens: Ebenfalls am Mittwoch hat der Landesverband der AfD Sachsen-Anhalt einen fulminanten Demonstrationsauftakt in Magdeburg hingelegt. Neben Landeschef André Poggenburg sprach vor 2500 Demonstranten als Gast aus Thüringen Björn Höcke, der vor einer Woche in Erfurt rund 8000 Bürger für die AfD und gegen die Asylkatastrophe auf die Straße brachte. Am kommenden Mittwoch soll nun wieder in Erfurt und zugleich in Halle/Saale demonstriert werden. Durch dieser Stadt- und Deutungseroberungsstrategie macht die AfD Ernst mit dem ersten Wort ihres Parteinamens: eine Alternative zu sein, spürbar, physisch, jenseits der Eintrittsspielregeln der etablierten Politik.

Drittens: Der Mittwoch überhaupt - da war auch der Lichterspaziergang in Einsiedel, diesem Stadtteil in Chemnitz, in dem sich die Einwohner vehement und mit großem Durchhaltevermögen gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung oberhalb des Dorfes wehren: In das ehemalige Pionier-Lager sollen 544 Asylanten einziehen, Einsiedel selbst hat rund 2000 Einwohner, und Platz ist dort oben für mindestens 1500 Asylanten, aber die Sorgen der Bürger beginnen natürlich bereits bei der offiziellen Zahl. Widerstand also: Seit zwei Wochen betreibt die Initiative einen Infostand, der rund um die Uhr besetzt ist und den im Fall der Fälle ein paar hundert Leute zugleich besuchen wollen, unbedingt auch um halb vier in der Nacht, wenn es dafür gute Gründe gibt.

Die Versorgung der Standwache erfolgt aus dem Ort, zu keinem Zeitpunkt fehlt es an Glühwein, Kaffee, belegten Brötchen, Kuchen, Gasstrahlern, Holz fürs Feuer, Spenden und vor allem: Personal. Und am Mittwoch war dann eben auch Demo, für 19 Uhr anberaumt, und über 2000 Leute sind mitgegangen, schweigend durch Einsiedel, während die 19 großen Mannschaftswagen die Sorge auslösten, daß nun doch geräumt werden könnte, denn diese Präsenz ist ungewöhnlich für einen so friedlichen Anlaß.

Ernst machen in Einsiedel - das geschieht schon, aber was, wenn die Busse kommen? Räumt man dann einfach das Feld? Blockiert man die Straße? Wird aus den Bussen ein Castor-Transport? Und überhaupt: Wenn es Einsiedel 20x gäbe und an jedem Abend in Sachsen irgendwo 2,5 x 2000 Leute schweigend durch ihre Dörfer gingen und verhinderten, daß die Busse durchkommen - was dann? Endlich ein Effekt?

Viertens: Eine Bauernfamilie lebt in beengten Verhältnissen, man sitzt auf einander herum, und da geht die Frau zum Pfarrer und bittet um Rat. Der empfiehlt: Nehmt Eure Hühner mit in die Stube. Man hält sich daran, und nach einer Woche geht die Frau wieder zum Pfarrer und erklärt, die Zustände seien schlechter geworden. - Nehmt noch Euer Pferd mit dazu! - Diesmal dauert es nur drei Tage, bis die Frau wieder vorspricht. Unerträglich sei es, unerträglich, was für eine Zumutung! Der Pfarrer lächelt: Führ das Pferd wieder in den Stall. Herrlich, wieviel Platz plötzlich, nicht? Ja, sagt die Familie, toll.

Seehofer aber kichert in sich hinein: Schauts, Buam, es kommen bloß noch tausend pro Tag, mir san auf Eurer Seite, mir machen Ernst. Ja, sagen die Bayern, toll.

 

 


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (59)

Chris
16. Oktober 2015 00:57

Der Pfarrer! Meine Kirchengemeinde macht auf Flüchtlingsasyl in der Kirche und Flüchtlingshilfe. Seelsorge und Gottesdienst gibt es schon gar nicht mehr. Was mache ich da? Ich fühle mich ausgegrenzt und allein. Meine Kirche ist das nicht mehr. Austreten kommt für mich nicht in Frage, aber wie werde ich diese Leute los, die ihr Amt im Gotteshaus für Politik missbrauchen?

Es gibt eine Lehre, welche die Occupy Bewegung gezogen hat. Nämlich, immer die Methoden zu wechseln, nie da zu sein, wo man erwartet wird. Demonstrationen haben nur begrenztes Potenzial. Ziviler Ungehorsam ist auch begrenzt und irgendwie erwartbar. Was sonst kann man machen? - Videos im Internet. Die kann man nicht so schnell wegmobben wie eine Präsenz auf der Straße. Spottlieder dichten... Muslime zum Christentum bekehren...

nörgel
16. Oktober 2015 03:13

Herr kubitsckek,
guter Artikel,kann ich auch weitgehenst nachvollziehen Ihren Gedankengang.Im letzten Absatz holen Sie aber wieder den derzeit beliebdesten Watschenkasper(der Horst)aus dem
Schrank,und schimpfen auf Bayern.Was bitteschön soll das denn?Bin übrigens Franke,kein Bayer,allerdings weiß ich nicht,ob Ihnen diese Unterscheidung irgendetwas sagt,oder geläufig ist.

Wutbürger
16. Oktober 2015 06:18

Völlig richtig.
Unser Ziel muss es sein, die Asyl-Flut nicht nur zu stoppen, sondern die hier hausenden Illegalen wieder rückzuführen in ihre Heimat.

Dies ist realiter aber nur erreichbar, wenn es uns gelingt, die veröffentlichte (bunte, weltoffene, antideutsche) Meinung nicht nur zu beeinflussen, sondern in unserem Sinne zu beherrschen.

Da aber der gesamte Machtapparat, samt Verfassungschutz, politischer Klasse, Polizei, Medienbordell und der mächtigen steuergeldfinanzierten Asyl-Industrie uns diametral entgegenstehen bleiben uns nicht die normalen Wege, jedenfalls nicht nur.

Demonstrationen, Flugblattverteilungen und Plakatierungen sowie Gespräche mit den lieben Mitmenschen sind ein probates Mittel.
Aber es muss weitergehen. Wir müssen die Gutmenschen zurück drängen.
Und zwar flächendeckend. Da wo sie ihr Maul aufreissen (so wie der CDU-Hetzer von Kassel (s://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2015/cdu-politiker-asylkritiker-koennen-dieses-land-jederzeit-verlassen/) muss ihnen verbal und innovativ klar gemacht werden, dass Deutsche das nicht hinnehmen.

Sobald ein Prominenter, Politiker, Musiker oder sonst eine hervorgehobende Person des öffentlichen Lebens sich für Überfremdung ausspricht, muss eine Flut von online-Beschwerden losgetreten werden, ebenso wie eine Aufklärung seines Wohnumfeldes.
Ziel muss sein, ihm klarzumachen, dass er handfeste Probleme bekommt wenn er die Flutung unterstützt.

Diese Probleme müssen für ihn unangenehmer sein, als die Zustimmung die er von Antideutschen für seine Pro-Asyl-Haltung bekommt.
Letzlich ist das die umgekehrte Strategie, die das System mit uns fährt.
Viele Deutsche halten nur deswegen den Mund und wehren sich nicht gegen die Asylflut, weil die Probleme die sie bekommen würden auf dem Arbeitsplatz, im Verein, mit den Facebook-"Freunden", beim Sport, im Bekanntenkreis als höher eingeschätzt werden, als seien eigene Meinung zu sagen.

Dies ist ein Prozess der hier umgekehrt werden muss und bei den Volksverräter angewandt werden muss!
Es ist - richtig angewandt - letztlich ein Erfolgskonzept.
Hundertausendfach im ganzen Land praktiziert wird es dazu führen, dass der Widerstand die Oberhand gewinnt, das Meinungsbild sich in unserem Sinne wandelt, die Volksverräter mehr und mehr ihre Schnauze halten (so wie jetzt leider viele von uns, die sich dann mehr und mehr tauen ihre Meinung zu sagen!) wir die Grenzen schliessen können, echte massenhafte Abschiebungen vornehmen können und die Überfremdung rückgängig machen können. Das ist der Weg!

E.