Das war’s. Diesmal mit: sexistischen Pegida-Männern, Nazi-Fressen und dem Traum von Heimunterricht

9. November 2015

Hallo Ellen, dieser Aufruf wurde am Wochenende auf Change.org gestartet. Wir dachten, Sie möchten sich vielleicht engagieren? Verbot für Pegida Demo auf dem Dresdner Theaterplatz am 9. November 2015 #nopegida. Weil es 2015 ist!

2015! Achso, deshalb!!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Spaß bei­sei­te: War­um den­ken die das? Den­ken die? Wer? Sind die­se Netz­ak­qui­sen nicht mitt­ler­wei­le super­pro­fil­ori­en­tiert? Nur, weil ich mal – anno­da­zu­mal – auf die­ser Platt­form für ein leuk­ämie­kran­kes Kind o.ä. votiert habe, soll ich jetzt als Demo­ver­bot­wün­scher geeig­net sein?

– – – – –

11. Novem­ber 2015

Aus ver­schie­de­nen Grün­den (der kleins­te ist: mei­ne Geset­zes­treue) sehe ich mich nicht imstan­de, mei­nen Kin­dern Haus­un­ter­richt zu geben. Toll, auch in zeit­öko­no­mi­scher Hin­sicht (aus eige­ner War­te wie aus der der Kin­der), fän­de ich, wenn mei­ne Kin­der in eini­gen Fächern (vor allem Mathe und Natur­wis­sen­schaf­ten; da gibt es aus­ge­zeich­ne­te Fach­leu­te) den staat­li­chen Schul­un­ter­richt genös­sen, in ande­ren aber frei­ge­stellt wür­den. Logisch, eine kin­di­sche Illusion.

Der Punkt ist, daß ich als erziehungs‑, wer­te­be­wuß­te und (in Maßen) ehr­gei­zi­ge Mut­ter seit unge­fähr fünf­zehn Jah­ren unglaub­lich viel Zeit auf­wen­de, mei­nen Kin­dern mit einem beschei­de­nen Kanon an schön­geis­ti­gen, geschicht­li­chen und reli­giö­sen Inhal­ten ver­traut zu machen. Die Schu­le leis­tet das nicht nur nicht (es gibt Aus­nah­men, etwa in den ganz nied­ri­gen und beson­ders in den hohen Klas­sen – hängt even­tu­ell von der Schu­le ab…), sie arbei­tet dage­gen. Dabei sind mei­ne Vor­stel­lun­gen von einem Richt­satz grund­stän­di­ger Bil­dung mit­nich­ten ideo­lo­gisch über­formt, sie sind über­zeit­lich und in etwa ange­lehnt an ein huma­nis­ti­sches Bildungsideal.

Mei­ne pri­va­te Samm­lung an Bil­dungs­blü­ten könn­te hun­der­te Sei­ten fül­len; allein, ein sol­ches Pam­phlet wäre völ­lig unpro­duk­tiv. Dau­ernd muß man selbst – als Mut­ter und Vater – Schul­weis­hei­ten gera­de­rü­cken, auf gute Musik, gute Lite­ra­tur, die „gan­ze Geschich­te“, auf Bibel und Tra­di­ti­on hin­wei­sen. Man muß mit den Kin­dern selbst stu­die­ren, lesen, hören, schau­en – zumin­dest, wenn man sich sei­ne Kin­der nicht als num­mern­för­mi­ge und echoe­n­de Appa­ra­te mit Hit­wis­sen und töner­ner Zeit­geist­weis­heit wünscht.

Wochen­wei­se ist es mir auch mal wurscht. Da den­ke ich mir, die Kin­der wer­den mit ein paar Mark­stei­nen schon ihren Weg zwi­schen Indok­tri­na­ti­on und Rea­li­tät fin­den. Dann wie­der schmeckt’s mir all­zu gal­lig, und der häus­li­che Repa­ra­tur­be­trieb läuft heiß. (In die­ser Minu­te höre ich mei­ne Toch­ter Roll over Beet­ho­ven into­nie­ren; sie muß!)

Das Kind hat in Geschich­te gera­de „19. Jahr­hun­dert: Ent­ste­hung des Natio­nal­staats“. Typi­sche Auf­ga­be: „Du gehst durch die Stra­ße und siehst Gra­fit­tis. Libe­ra­le, kon­ser­va­ti­ve und natio­na­lis­ti­sche. Wie könn­ten sie jeweils lau­ten?“ Schü­ler­vor­schlag für ein Gra­fit­to aus natio­na­ler Sicht: „Alle Aus­län­der stin­ken!“ Der Leh­rer lobt: „Genau, da hat sich zu heu­te nicht viel verändert!“

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13. Novem­ber 2015, früh

Ich habe den Namen des­je­ni­gen ver­ges­sen, der mir mal sag­te, wel­che Rezep­tur dazu füh­re, daß ein (bel­le­tris­ti­sches) Buch garan­tiert ver­lags- wie feuil­le­ton­seits „hoch­ge­schrie­ben“ werde.(Es war jeden­falls einer, der es wis­sen muß.)

Wenn der Autor jung und weib­lich sei: bon. Mit viel Sex in der Geschich­te: très bien. Dazu noch Migra­ti­ons­hin­ter­grund und evtl. einer nicht­christ­li­che Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit: excel­lent! Voi­là: Lena Gore­lik. Die jun­ge, zwei­fel­los hüb­sche, ruß­land­stäm­mi­ge jüdi­sche Erfolgs­au­torin hat heu­te im „Deutschland“radio“Kultur“ Zeter& Mor­dio gerufen:

„Das ist nicht mein Land!“ Gore­lik beschreibt ange­ekelt ein abge­ta­kel­tes Land, in dem „ein Björn Höcke sich see­len­ru­hig mit einer Deutsch­land-Fah­ne in ein Stu­dio der ARD setzt“ und die „Tages­schau die Bil­der von den Nazi-Fres­sen in Dres­den“ zei­ge. Sie spricht von dem häß­li­chen „Hass“ über­all. Sie meint natür­lich nicht Ihres­glei­chen, son­dern all die „Neo­na­zis“, die sich als „besorg­te Bür­ger“ tarnten.

Gore­lik klagt „hilf­los“ und „ver­zwei­felt“, man habe ver­sucht zu reden, zu ver­ste­hen, dann zu schrei­en, aber umsonst : „Dann neh­men sie uns das Land.“ Wer? Wem? Wo?

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13. Novem­ber 2015, später

Auf mei­nem rüh­ren­den Lieb­lings­sen­der Radio Corax (einem durch- und-durch lin­ken regio­na­len Lai­en­pro­jekt) läuft ein Inter­view mit Klaus P. Hufer. Hufer ist Argu­men­ta­ti­ons­trai­ner gegen soge­nann­te Stamm­tisch­pa­ro­len. Online fin­de ich das Gespräch nicht, dar­um kann ich es nur aus dem Gedächt­nis wiedergeben.

Die Mode­ra­to­rin ist voll ver­zwei­felt, wie sie all den Asyl­skep­ti­kern aus ihrem eige­nen und sicher unrech­tem Umfeld begeg­nen soll. Da feh­len ihr näm­lich manch­mal echt die Wor­te. (Nicht, weil deren Argu­men­te und Sor­gen absurd wären, son­dern weil sie anschei­nend recht plau­si­bel sind.)

Herr Hufer gibt beschei­de­ne Tips. Am Ende wird die Lai­en­mo­de­ra­to­rin („oh Mann, das ist alles so hef­tig zur Zeit“) ein biß­chen ver­druckst. In ihrem Sen­der sei­en sie ja alle wirk­lich ziem­lich deut­lich links ein­ge­stellt. Und doch häuf­ten sich auch hier Kla­gen von Flücht­lings­hel­fe­rin­nen dar­über, daß sie von der zu betreu­en­den Kli­en­tel reich­lich hef­tig „ange­flir­tet“ würden.

Das gehe natür­lich gar nicht, beschei­det Herr Hufer. Er gebe aber zu beden­ken, daß sol­ches Ver­hal­ten völ­lig her­kunfts­un­ab­hän­gig sei. Eine „empi­ri­sche Stu­die der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen“ habe erge­ben, daß For­sche­rin­nen, die sich unter die noto­ri­schen „alten Män­ner“ der PEGI­DA-Demons­tra­tio­nen gewagt hät­ten, dort genau­so „sexis­tisch“ ange­macht wur­den. Mit eth­ni­schem Hin­ter­grund habe das also rein gar nichts zu tun.

Die dank­ba­re Mode­ra­to­rin: „Genau, genau, ja!“

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (49)

Thomas W.

17. November 2015 14:04

"zweifellos hübsch" - ein böser Sarkasmus!

Kositza: Sie sind wohl ein Gesichtsist?

Innerer Exilant

17. November 2015 14:08

„Dann nehmen sie uns das Land.“

Gäbe es die 3 Absätze vor diesem Zitat nicht, ich wäre geneigt vorschnell zuzustimmen. Aber stimmt schon, wenn ein Politiker schon wieder einfach so eine Deutschlandfahne über seinen Stuhl legen kann ist das 4. Reich sicher nicht fern. Zumindest in der Phantasie der meisten Freiluftpsychatrieinsassen, die heutzutage die Mehrheit unseres (?) Volkes (?) ausmachen.

Hat irgendwer eine Idee welchem nicht autogenozidal veranlagten Volk man sich heutzutage relativ unrpoblematisch anschließen könnte ?

Hühnerbaron

17. November 2015 14:43

Das hier können die Kinder ja mal für den Musikunterricht vorschlagen, wenn es wieder an der Zeit ist:
https://www.youtube.com/watch?v=3BFVoHYCyk0

Revolte

17. November 2015 15:13

Gorelik klagt „hilflos“ und „verzweifelt“, man habe versucht zu reden, zu verstehen, dann zu schreien, aber umsonst

Ein Brüller. Genau: Wer? Wann? Wo? Wer hat wann und wo versucht zu reden und zu verstehen? Die arme Frau Gorelik, erst ist es gar nicht ihr Land, dann wiederum nehmen sie es ihr.
Davon ab, dachte ich, die paar tausend Nazi-Hackfressen seien marginal, stören uns nicht, müsse unsere Demokratie aushalten können. Was sind sie denn nun, die Nahtziehs, gefährlich oder lächerlich?

Dag Krienen

17. November 2015 15:22

Lieber "Innerer Exilant"

Ihr Wunsch, sich einem "nicht autogenozidal veranlagten Volk [..] relativ unproblematisch anschließen" zu können, stellt einen Widerspruch in sich dar.
Denn gerade ein solches Volk wird Ihnen gar nicht erst gestatten, sich einfach so aus eigenem Entschluß und gar "unproblematisch" anzuschließen. Es wird Ihnen maximal erlauben, unter bestimmten, wohl definierten Bedingungen, seinen Wohnsitz unter Ihnen zu nehmen, ohne auf das Recht zu verzichten, Ihnen dieses Privileg jederzeit wieder entziehen zu können. Nach vielen Jahren der Bewährung als rechtstreuer Einwohner und nach sorgfältiger Prüfung des Ausmaßes der Hinwendung zur neuen Heimat und der Bereitschaft, alle staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen, wird eine solche Nation Ihnen oder vielleicht auch erst Ihren im Lande geborenen Kinder erlauben, die Staatsbürgerschaft des Landes zu erwerben. Dann, erst dann, wird es Ihnen bzw. ihnen gestattet sein, sich als "Mitbürger" zu bezeichnen. Ein Volk, das sich Fremden gegenüber mit weniger zufrieden gibt, ihnen gar einfach einen "unproblematischen Anschluß" erlaubt, ist von autogenozidale Anlagen leider nicht frei.

Peter Niemann

17. November 2015 15:38

In meiner größeren Familie - meine eigenen Kinder, sowie all meine Neffen und Nichten - sprechen wir verächtlich von "Drohnenerziehung" bei der Kindeserziehung. Das Ziel ist ein "mündiger, toleranter Bürger" aus den Kindern zu machen, will heißen einer der morgens zur Arbeit geht, sein Smartphone schon längt an hat, seinen 1,4 Kindern in der Kita zuwinkt wie sie gerade Homosexualität einstudieren und von Rassendiskriminierung lernen, um dann im Laufe des Tages und dann Abends zu konsumieren und zu konsumieren. Et voilà: Die menschliche Drohne.
Wenn ich die Beschreibungen Deutschlands lese denke ich an ein Land gefüllt mit Eunuchen. Mir tut der Rest richtiger Männer und Frauen leid die in diesem Land noch eine goldene Zukunft anstreben.
Für Sezessionisten sind die Worte des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump genau richtig. Warum erlaubt man uns in Europa nicht das Tragen von Schußwaffen angesichts dieser Krisen damit sich Menschen wehren können im Extremstfall? Warum läßt man die Flüchtlinge überhaupt ins Land? Das 3-Minutenvideo von Donald Trump auf Youtube zu diesem Thema ist empfehlenswert: https://www.youtube.com/watch?v=qIJWDKpr-08. Trump ist übrigens führend in allen Umfragen.

Innerer Exilant

17. November 2015 15:40

@ Krienen

Hehe, kluger Einwand ;)

Aber für die Kinder wäre es ein Gewinn, ohne Zweifel. Wenn ich daran denke, wie es wäre Kinder zu haben, die in diesem System aufwachsen und indoktriniert werden, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.

Ein Fremder aus Elea

17. November 2015 15:48

Ein Besuch des Museums am Völkerschlachtdenkmal gibt Aufschluß darüber, wie der Nationalismus entstanden ist, denn es enthält Aufrufe zum Kampf gegen die Franzosen zu jener Zeit.

An erster Stelle steht ganz klar: Deutsche Handwerksmeister müssen darüber entscheiden, wer einen Meisterbrief bekommt und niemand sonst. Das Reinregieren der Franzosen in die deutsche Wirtschaft ist von Übel.

An zweiter Stelle folgt: Wir können unsere Hühner selber treten.

Hat sich in der Tat nicht viel geändert, am wichtigsten ist der BRD, daß ganz Europa seine Wirtschaft nach deutschem Vorbild ausrichtet, wenn Angleichung nunmal sein muß, denn sonst würden andere ja unsere Wirtschaft bestimmen.

Immer zur Quelle gehen!

Martin

17. November 2015 16:17

Auch an den Schulen schlägt das Pendel langsam wieder in die andere Richtung aus. Wahrscheinlich zu langsam (ja für wen oder was denn überhaupt?), aber seien Sie sich sicher, auch wir Lehrer der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer lernen noch dazu und sind nicht völlig desensibilisiert gegenüber gleichgeschalteten Massenmedien.

Ach ja, und

Lena Gorelik. Die junge, zweifellos hübsche [...]

Ich habe da erhebliche Zweifel.

Grüße aus dem verregneten Gießen!

Bonvivant

17. November 2015 16:17

Schöner Beitrag mal wieder, Danke dafür!

In Sachen Schulmusik ist mein Favorit übrigens dieser hier: https://youtu.be/EZwyRAzyk7Q

Kositza: Grandios, dankeschön!!! Lieder - "Lieder"- wie dieses haben mich annodazumal politisiert. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich damals im Ullstein-Band "Wir 89er" eine Clubszene beschrieben, wo die kesse Jugend zu diesem Lied (oder "Kill all the white men" von NoFX?) immer so r i c h t i g abging auf der Tanzfläche.

Peter Merbitz

17. November 2015 16:19

Schulweisheiten geraderücken - das scheint einen Quixote zu erfordern. Als Hobbyastronom bringe ich Kindern der 4.Klasse die Wunder des Sternenhimmels nahe. Dabei fiel mir als Lehrmaterial der Duden Sachkunde 3.-4. Klasse in die Hände und ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu dürfen. Auszüge:
Karl der Große war der erste deutsche Kaiser.
Karl der Große war Kaiser des heiligen römischen Reiches Deutscher Nation.
Unsere Atmosphäre besteht aus Stickstoff, Kohlendioxid und Sauerstoff.
Bildchen: Zwei mittelalterliche Mönche bestätigen sich gegenseitig, dass die Erde eine Scheibe sei.

Was tun?

Kiki

17. November 2015 17:17

Da hat der gelernte Butzelrepublikaner noch viel nachzuholen - auch hinsichtlich der Kindererziehung.

Der kampferprobte Sozialismusverheerte aus dem Osten hat es da viel leichter: er sagt den lieben Kleinen einfach, daß man in der Schule und vergesellschafteten Öffentlichkeit so reden soll, wie es der Lehrer/Kaderleiter/staatstragendes Blablabla zu hören erwartet und wenn es ganz übel kommt, soll man eisig schweigen (nichts macht Propagandaschleudern so nervös wie lähmendes Schweigen - meine Ältesten entdecken diesen Trick gerade und foltern damit die ganz besonders eifrigen Leerkörper).

Denn als Diktaturerfahrerer identifiziert man sich nicht so vertrauensselig-vertrottelt mit einem Staatswesen wie der domestizierte Westeuropäer. Im Gegenteil, man hat einmal die überlebenswichtige Unterscheidung zwischen wir und "sie" gefällt und alles übrige fügt sich schon.

Freilich muß man zu Hause vieles zurechtrücken (die Jüngeren kommen oft und fragen zu irgendeinem kontaminiösen Thema instinktiv; "Und wie ist es wirklich?", die Älteren schlagen in heimischen Giftschrank schon selbst nach), aber mit Verlaub - als normaler Mensch redet man doch immer mit seinem Fleisch und Blut und gibt sich auch gern mit ihm ab (Kwollitieh tajm, heißt es doch heute).

Und zu etwas anderem: als Angehörige der auserwählten und kosmopolitischen Nation muß es doch Mamsell Gorelik ein leichtes sein, sich ein passenderes Land auszusuchen und weiterzuziehen, so westwärts, zum Beispiel.

Thylacin

17. November 2015 17:46

Wie immer, ein großartiger Artikel, Frau Kositza. Aber als Naturwissenschaftler kann ich nur sagen, Sie müssten ihre Kinder auch vom Mathematikunterricht und Naturwissenschaftlichen Unterricht freistellen lassen.

Andreas Walter

17. November 2015 18:18

Liebe Frau Kositza,

Change.org ist ein Organisation aus San Francisco, VSA, und die Avaaz.org hat ihren Sitz in New York, VSA. Campact (Achtung, nicht verwechseln mit COMPACT Magazin) ist eine eindeutig rotgrüne Organisation aus Deutschland.

Wie alle "Weltverbesserer" träumen sie vom globalen Ponyhof, dem World Wide Kibbuzim, von grenzenloser Liebe und einem Sommer, der nie aufhört, von ewiger Jugend und Schönheit, von Shangri-La und lalala, so wie ich von Hyperborea. Letztendlich streiten jedoch alle nur über den Weg und darüber, wie der Himmel, das Para-dies aussehen soll, könnte. EV, ER, EF.

https://www.youtube.com/watch?v=Xgcxd9wtXUE

Stil-Blüte

17. November 2015 18:45

@ Hühnerbaron @ Bonvivant

Kennen Sie keine deutschen/deutschsprachigen Beispiele?

Wissen Sie nicht, daß nicht nur deutsche Geschichte, sondern auch deutsche Sprache/Musik auf der Agenda der Zersetzung steht?

Sagt ihnen Herder etwas, der in den 'Stimmen der Völker in Liedern' den Zauber anderer Kulturen mit bleibender Wirkung über mehrere Generationen ins Deutsche übertragen hat?

Was tun, wenn wir sogar hier unser großartiges musikalisches Nationalerbe (altmodisch, ewig gestrig, rückwärtsgewandt, nationalistisch) verschmähen?

Da zöge ich für meine Kinder und Kindeskinder allemal Ohrwürmer, Schnulzen, Gassenhauer vor: 'Über sieben Brücken mußt du gehn', 'Alt wie ein Baum', Wir lasse de Dom in Kölle', 'Be cool, be cool, speak Deutsch mit mir, 'Haus am See' . Das ließe sich auch gut in den Musikunterricht einbauen, könnte man sich doch auf den fortschrittlichen Adorno berufen, der das Volkstümliche der sog. U-Musik mit der sog. E-Musik verschmolzen wissen wollte.

Joseph von Sternberg

17. November 2015 18:59

@ Hühnerbaron:
Wunderschön - das traf mich jetzt richtig ins Herz.

Toll auch Streets of Laredo zusammen mit Johnny Cash.

Ein Stein für Ihren Garten:
https://www.youtube.com/watch?v=D4oxT8_jrM0

Übeldenkender

17. November 2015 20:22

Zu Ihrer allerwertesten russigenen Autorin:
Ich war letzten Monat zu hochoffiziellem Vortrag nach St. Petersburg geladen. Nach vielen Jahren mal wieder in Rußland.
Genereller Eindruck von einigermaßen grundlegendem Konservatismus und Traditionsverbundenheit, bemerkenswert angesichts der Jahrzehnte dazwischen:

1) Alle noch irgendwo erhaltenen Zarendenkmäler stehen wieder, auch die der zweifelhaften Vertreter. Lenin nur noch da, wo unvermeidlich.

2) Alle Kirchen und Klöster sind zurückgegeben, auf staatliche Kosten renoviert und zu den Gottesdiensten - rappelvoll, auch mit jungen Leuten, obwohl die Zeremonien bei den Orthodoxen ja endlos sind und es dabei keine Sitzplätze und sozusagen nichts zu sehen gibt.

Aber größter Doppelknüller:
3) Das Glockenspiel der ehemaligen Garnisonskirche der Peter-und-Pauls-Festung, des Ursprungs der Stadt, der Grablege aller Zaren (Putin hat auch die Gebeine des letzten vor einigen Jahren mit allen Ehren dort beigesetzt!),
das Glockenspiel ausgerechnet dieser Kirche also spielt jeden Mittag, mehrstrophig und ausschließlich -
"Üb' immer Treu und Redlichkeit/Bis an Dein kühles Grab"!
Ich traute meinen Ohren nicht.
Nichts weiter, nichts Russisches hinterher. Erst recht keine Blechstimme "Vorsicht, dies ist ein Kriegslied der Hitlerfaschisten, welche 1941 ..."

4) Ich sprach beim Abendessen der Referenten einen Literaturwissenschaftler der Russischen Akademie der Wissenschaften darauf an, in den Fünfzigern wohl - er antwortete mir in akzentfreiem Deutsch, ohne Zögern und fast schon beleidigt: "Ja natürlich! - - - Trotz zweier Weltkriege haben wir Russen doch immer gewußt, was Deutschland ist und bedeutet!" Punkt.
Ich habe nur noch wortlos nicken können.

In den Buchhandlungen in Petersburg, die ich durchstöbert habe, waren übrigens die Abteilungen zur russischen Geschichte immer gut sichtbar plaziert, stets umfangreich und mit gediegenen 'hardcovern' bestückt.
Gerne auch mit direkt angelehnter Abteilung zur Militärgeschichte, ggf. auch gleich mit einschlägigen Plastikmodellen russischer Produktion gerade auch deutscher Flugzeuge und Panzer des 2. WK.

Ihre allerwerteste Autorin sollte sich also vielleicht statt des abgetakelten D mal ein wenig ihre wieder aufgetakelte Heimat besehen.

Diese Reise mit ihren Erlebnissen war für mich ein Beleg - obgleich ich mir die Wege im Detail noch nicht erklären kann - dafür, daß es offenbar doch sehr wohl möglich ist, auch ein völlig verrottetes Land wieder auf Vordermann zu bringen.
Ich bin nicht nur staunend und belehrt, sondern auch optimistischer zurückgekommen!
Also, machen wir weiter!

Eckesachs

17. November 2015 20:46

https://www.youtube.com/watch?v=u73cnzbAfK4

Du bist der Glanz,
eines Wassers,
hell und klar....

Westpreuße

17. November 2015 20:48

Schön, Frau Kositza, wirklich schön !

Nun bleibt aber noch die Frage offen, was man denn
Frau Lena Gorelik empfehlen könnte...

Ich denke mir, man könnte mit viel Empathie, dieses schreckliche Kunstwort aus der humanistischen Psychologie, das ich gar nicht mag, obwohl mir die humanistische Psychologie "ziemlich" vertraut ist, das Problem angehen...

Ich schlage vor:
Heintje: Sei doch bitte wieder gut
https://www.youtube.com/watch?v=4awi-MQbEqg
3 x täglich. Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten.
WER kann denn zu diesem Lied und zu dieser Stimme "nein" sagen ?!

: Grüße aus Posen an der Warthe

Joseph von Sternberg

17. November 2015 21:08

@ Stilblüte: ich glaube der Link zu dem Rage of the machine Video war sardonischer Humor.

Ich hab mal gelesen, daß die Amerikaner im WK2 überrascht waren wie ähnlich die Deutschen ihnen sind. Wenn wir also traditionelle Musik US-Musik hören, bei denen weder Adorno als Toningenieur beteiligt gewesen ist (wie im Falle Atlantic Records gemunkelt wird), noch andere Leute mit absinkender Nasenspitze eine Agenda verfolgt haben, dann hören wir "unsere" Musik.

@ Ellen Kositza:
neugierig bin ich dem Link des schönen Mädchens gefolgt und habe eine Königin Esther erwartet, die etwa so aussieht:

https://static.guim.co.uk/sys-images/Guardian/Pix/pictures/2011/3/23/1300909894301/1952-IVANHOE-007.jpg

oder so:
https://cdn2.business2community.com/wp-content/uploads/2014/12/star-wars-wallpaper-natalie-portman.jpg

oder auch im Stealth-Modus:
https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/03/37/43/03374355abfead0cbe6dd5ae96c4a470.jpg

Das ich auf Mark Zuckerberg mit Doppelkinn treffen würde hat mich richtig getriggert...

Sie sollten den Leser vorher warnen: Ramzpaul macht das auch so:
https://www.youtube.com/watch?v=jZGW2jdaiaU

Andreas Walter

17. November 2015 21:22

:D :D :D Ihr alten, geilen Männer, ihr. Wie könnt ihr es wagen, einer jungen, hübschen Frau überhaupt ins Gesicht zu blicken, geschweige denn ... . Auf die Knie, aber schnell schnell, und brav Männchen machen, sich unterwerfen.

Jaja, die Macht der Frauen, auch ein ganz heikles Thema.

Doch noch mal zu der Gorelik (Tepe), die zumindest einer wie David Davidson als camel-face bezeichnet hätte. Ich sprach doch gerade eben noch von der ruling class und der first family (Nein, nicht die Obamas. So weit reicht die Freundschaft zu den Schwarzen dann auch wieder nicht).

https://www.osteuropastudien.uni-muenchen.de/personen/alumni/2004/gorelik/index.html

Das ist sie doch, oder? Elitestudiengang, soso. Wohl jedem was er braucht.

Doch was ist das bitte für eine (deutsche?) "Elite", die sogar einen Ausdruck wie Nazi-Fressen in den Mund glauben nehmen zu müssen, um sich überhaupt noch medial behaupten und auf sich aufmerksam machen zu können.

Wer will also hier mal wieder wen provozieren? Der kleine vom Schuldhof, der sich auf diese Weise Satisfaktion, Machtgefühle verschafft, die er aufgrund seiner Minderwertigkeitskomplexe so schmerzlich vermisst?

"Aber... Ich bin doch nur ein einfacher Hausmeister!" "Das stört mich nicht!"

https://www.youtube.com/watch?v=Y2kceQzaP6Y

Coon

17. November 2015 21:43

Gehört zumindest in die Kategorie AchsoDeshalb: DeMaiziere sagt soeben, dass er Nachfragen zur Spielabsage nicht beantworten wird. Er beruft sich auf einen Vertrauensvorschuss. Also bitte nicht weiter nachfragen. Es gibt hier nichts zu sehen.

Bur-Malottke

17. November 2015 21:46

"„Das ist nicht mein Land!“ Gorelik beschreibt angeekelt ein abgetakeltes Land, in dem „ein Björn Höcke sich seelenruhig mit einer Deutschland-Fahne in ein Studio der ARD setzt“"
-
Ich muss gestehen, trotzdem man sich ja keine Illusionen über die Welt der Progressiven macht, überraschen die einen doch immer wieder. Was zu beweisen scheint, das deren Welt letztlich unvorstellbar ist, jedenfalls für Unprogressive. Konkret in diesem Fall wurde ich überrascht, welche scharfe und breite Ablehnung das Zeigen der Deutschlandfahne hervorrief. Gezeigt von einem deutschen Politiker. Im deutschen TV. Die breite feindliche Reaktion darauf, der Ekel (siehe oben), durchaus nicht bloß von irgendwelchen Extremisten, war dann doch erstaunlich, auf eigentlich schon beunruhigende Weise.

Notaras

17. November 2015 23:39

Herrlich, Frau Kositza, wie es Ihnen immer wieder gelingt, in Alltagsbeobachtungen den jämmerlichen geistigen Zustand dieses Landes zu skizzieren - sie treffen den Nerv, man möchte lachen und weinen.

Um nur eines herauszugreifen: Diese "Forscherinnen" der Uni Göttingen, deren Resultate zum Sexismus bei Pegida-Demonstrationen von einem "Argumentationstrainer gegen sogenannte Stammtischparolen" herangezogen werden - genial - diese Konstellation ist ja an sich schon an Absurdität schwerlich zu überbieten. Das Ergebnis ("mit ethnischem Hintergrund rein gar nichts zu tun") ist indessen natürlich felsenfest stehend, bevor noch irgendjemand im entferntesten Sinne "empirisch" tätig geworden ist. Die einfältig-verzweifelte Moderatorin, die diesen Schluß geradezu herbeisehnt, sie steht für das Gros der Medienwelt unserer Zeit: Genau das erwarten sie alle händeringend von ihren "Experten", die eigentlich nur zu diesem Zweck in die Studios gekommen sind, die Moderatoren von dem zu erlösen, was nicht sein darf.
„Genau, genau, ja!“ - tiefe Dankbarkeit, das Weltbild ist gerettet, der Arbeitsplatz auch, zufriedene Hörer und Zuschauer, zumindest unter den Einfältigen.
Selbst wenn ich nicht viel von der Materie wüßte und bisher keine feste Meinung dazu hätte, müßte mein logischer Schluß doch wohl lauten: Die "armen Schutzsuchenden" sind also genauso schlimm wie die bösen alten Nazi-Pegida-Männer! Ob das noch im Sinne der Erfinder dieses Konstrukts ist? Zum Glück gibt es ja Moderatoren, die zumindest spüren, wann endgültig Schluß ist.

jacky

18. November 2015 00:05

Ihre allerwerteste Autorin sollte sich also vielleicht statt des abgetakelten D mal ein wenig ihre wieder aufgetakelte Heimat besehen.

Aber nicht doch! Globalisten kennen keine Heimat, weder ab-noch aufgetakelt, die sind heute hier, morgen da und übermorgen ganz woanders grasend.

Ausserdem verkennen Sie die "inneren Werte" Deutschlands. Abgetakelt sind wir noch lange nicht. Bei Orkan wird gerefft, unser gegenwärtiger Zustand. ;-)

Wolf Larsen

18. November 2015 07:29

Gorelik's melodramatisches Rumgejaule … phu!

Die Tränendrüslerin wirft sich in die wilde Pose der "Widerstandskämpferin" und möchte sich selbst wohl als Sophie Scholl des 21. Jahrhunderts imaginieren!? Gutmenschenkitsch von der tränentriefenden Stange.
Die "Dame" schreibt sich ihre Variation der 0815-Betroffenheits-Soße zusammen, deren Resümee lautet: "Wer nicht wie ich denkt, der ist Nazi".
Nicht unbedingt originell … kennen wir bereits in- und auswendig.

-

Argumentationstrainer gegen Stammtischparolen?
Was es nicht so alles gibt!

Radio Corax kenne ich: Selbstausbeutungs-Radio mit unfreiwilligem Witz.
Ein geradezu klassischer - um nicht "pathologischer" zu schreiben - "Alternativ-Sender" von Linksaußen.
Ich meine mich zu erinnern, mich dort des Öfteren heftig über die "Antifa-Nachrichten" amüsiert zu haben, wo man u.a. über ganz schlimme, weil "böse rechte" Black Metal und Neo Folk-Konzerten berichtete.
Schade, die Berichte beschränken sich wohl auf den Osten der Republik, sonst hätte ich die "Antifa-Nachrichten" eventuell auch als "Veranstaltungskalender" gebrauchen können.

Olaf

18. November 2015 08:07

Diese Gorelik kann ja kaum sprechen, hört sich an wie der weibliche Til Schweiger. Und sie sagt "Schießwaffen", haha, wie ein kleines Kind.

Weltversteher

18. November 2015 08:25

Es gibt doch mehr Möglichkeiten zwischen Heimunterricht und der täglich-ganztägigen Internierung in Staatsschulen.
Solange die Machthaber diese Schulpflicht aufrecht erhalten können, haben sie uns völlig in der Hand. Ich halte das als Betroffener für die wichtigste politische Frage.

Frau Kostiza, Sie erwähnen Ihre Gesetzestreue im Zusammenhang mit dem herrschenden Regime. Ist das nicht blinder Leichtsinn? Es könnten noch andere darauf kommen, Ihnen mit einschüchternder Geste einen Wisch vozulegen, den sie mit "Gesetz" überschrieben haben. Wollen Sie dann auch strammstehen?

Kositza: Hm? Wer?

Meier Pirmin

18. November 2015 08:53

@Kositza. Der Schweizer Dorfheilige Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 - 1832), um dessen Seligsprechung sich der um 1998 ermordete Kommandant der Schweizergarde, Alois Estermann von Beromünster, bemühte, war ein entschiedener Gegner der allgemeinen Schulpflicht und praktizierte als lesender Bauer mit seinen Kindern Homeschooling, stets begleitet noch von Gebeten und Hausandachten. Er wandte sich einerseits gegen eine damals aufkommende liberale Theologie, andererseits im Namen des Elternrechts gegen das staatliche Schulmonopol. Auf der Basis seiner ziemlich fundamentalistischen Gebetsbewegung wurde dann 1841 in Ruswil die konservative Bewegung gegründet, die Vorläuferin der heutigen Christdemokratischen Volkspartei der Schweiz, die unterdessen übrigens bereits über eine schwule Arbeitsgruppe verfügt. Letzteres ist aber nicht so wichtig.

Bedeutsamer die Betonung des Elternrechts in der Erziehung, was dann für die katholische Soziallehre ein wichtiger Impuls wurde, vergleiche auch noch den Kulturkampf um die Schule bis hin zu Präsident Mitterand in Frankreich, der netto fast nur diesen Kulturkampf wirklich als sozialistisches Gedankengut praktizierte.

Die Bedeutung der Bewegung von Wolf von Rippertschwand, der auf seine Art auf das Recht auf Selbstbornierung pochte, liegt paradoxerweise im Kampf um die Mündigkeit des Laien gegen Regierungsbeamte, Experte, Lehrer, generell gegen eine staatlich gelenkte Aufklärung, bei der Niederhaltung des kleinen Mannes Teil des Programms war, nach dem Demokratiebegriff: Alles für das Volk, nichts durch das Volk. Die Laienbewegung von Wolf von Rippertschwand führte indes in der Schweiz massgeblich zu mehr direkter Demokratie, bei der die Weigerung, einen sogenannten Fortschritt zu akzeptieren, stets mit dazu gehörte, bis hin zur Ablehnung des Frauenstimmrechts noch in einer nationalen Volksabstimmung von 1959 mit dem Hinweis, dass dies bei Stalin, Hitler und Mussolini auch nur zur Bestätigung des quasi einstimmigen sogenannten Volkswillens geworden sei ohne wirkliche Selbstbestimmung des Volkes. Andererseits hing etwa die Landsgemeindedemokratie mit dem Gedanken der Versammlung der waffenfähigen Männer zusammen. Der Frauen wählten lediglich an einer Frauenversammlung die Hebamme.

Zurück zum Homeschooling. Bei Niklaus Wolf von Rippertschwand beruhte Privatunterricht auf religiös fundamentalistischer Basis, vergleichbar mit der Praxis bei Madame Guyon, wie von Karl Philipp Moritz im Roman "Anton Reiser" beschrieben. Neben diesem Unterricht, der tatsächlich das Recht auf Selbstbornierung realisierte, bleibt nicht zu vergessen, dass die genialsten Mathematikerfamilien der Geschichte, etwa die Euler und Bernoulli in Basel, die König in Bern, die Tarrantini und Micheli du Crest in Genf, ihre Bildung wie die Familien Goethe und Mozart durchgehend dem häuslichen Privatunterricht verdankten. Einige der grössten Geister Deutschlands, etwa Fichte, Hegel und Hölderlin, betätigten sich in der Schweiz als Privatlehrer, sehr eindrücklich Hölderlin im thurgauischen Hauptwil, dessen Schloss in dieser Sache eine kleine Ausstellung zeigt. Die Urururgrossmutter einer guten Bekannten von mir wurde noch von Hölderlin erzogen. Da kann ich mit den von Frau Kositza geschilderten deutschen Schulkindern nur Mitleid haben. Der Homeschooling-Gedanke kann nicht einseitig auf den Willen zur sektiererischen Absonderung reduziert werden.

Monika

18. November 2015 09:01

Man muß keine junge, hübsche, jüdisch-deutsche Schriftstellerin sein, um über Hass und Ekel zu schreiben.
Auch hübsche, smarte, ältere deutsche Adlige dürfen ihre Schoßgebete in den digitalen Medienhimmel senden:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/pegida-aus-diesem-schoss-kann-etwas-kriechen-13916629.html

M.M. von Blumencron hat panische Angst davor, die Deutungshoheit über das Tagesgeschehen zu verlieren. Siehe seinen Beitrag:
"Unsere tägliche Desinformation gib uns heute"

Deshalb gibt es in der FAZ bei "heiklen" Themen auch keine Kommentarspalte mehr. Die wenigsten Kommentatoren sind von adligem Geiste.
Ich gestehe, ich kann die Reden von Lutz, Tanja und Ed auch nicht mehr hören. Etwas dumpf und schal geworden.
Ich bin deshalb gespannt auf die Konkurrenz aus Plauen
"Wir sind Deutschland" . So eine Art analoge speakers corner. Bald auch in Dresden.
Da können Frau Gorelik und Herr von Blumencron ja mal auftreten.

Albert

18. November 2015 09:22

"Die dankbare Moderatorin sagt: „Genau, genau, ja!“

Das ist gut beobachtet. Es fällt mir oft auf. Immer wieder atmen Deutsche erleichtert auf, wenn sie darauf hingewiesen werden, daß Deutsche im 2.WK an allem schuld waren und mindestens so kriminell wie die Ausländer sind. Dieses Phänomen ist weit verbreitet.

Woher kommt das? Warum wollen [!!!] die Deutschen schuldig, böse und kriminell sein? Warum wollen die Deutschen immer nur Täter, aber nie Opfer sein? Woher kommt dieses Bedürfnis, dieser Wunsch?

deutscheridentitärer

18. November 2015 10:07

Woher kommt das? Warum wollen [!!!] die Deutschen schuldig, böse und kriminell sein? Warum wollen die Deutschen immer nur Täter, aber nie Opfer sein? Woher kommt dieses Bedürfnis, dieser Wunsch?

Die Antwort hierauf erscheint mir relativ klar:

Drittes Reich, Schuldkult etc. spielt hierbei nur indirekt eine Rolle.

Worum es wirklich geht, ist, dass die Menschen eben doch unterschwellig wahrnehmen wie sich die Machtverhältnisse verschieben, wie Deutsche Opfer von Ausländergewalt werden ohne, dass esdafür ein entsprechendes Äquvialent gibt etc.

Und niemand ist halt gerne Opfer.

Die Leute haben Angst davor, dass ihre multikulturelle Weltsicht nicht stimmt.

Dass sie Menschen ins Land gelassen haben, die anders sind als sie und die auf ihre one-world scheißen, die brutal sein können.

Es ist die nackte Angst, die sich hier mit Statistiken und kriminologisch-soziologischen Phrasen beruhigen will.

Das habe ich schon zu Schulzeiten bemerkt, und das gibt wie ich finde Hoffnung.

Eckesachs

18. November 2015 10:16

@Weltversteher

Wenn Sie Ihre Kinder selber beschulen wollen, holen Sie sich eine Reisegewerbekarte und sind ab jetzt Schausteller.

(...)

marodeur

18. November 2015 11:00

Albert:

Woher kommt das? Warum wollen [!!!] die Deutschen schuldig, böse und kriminell sein? Warum wollen die Deutschen immer nur Täter, aber nie Opfer sein? Woher kommt dieses Bedürfnis, dieser Wunsch?

Das ist ein Gedankenimplantat, dass jedem Deutschen schon in frühester Jugend mit dem Holzhammer ins Unterbewußtsein genagelt wird. Ich habe als Jungspund auch mal diesen Unsinn von der angeblichen "besonderen Verantwortung" nachgeplappert. Im Grunde erstaunlich, dass dieser seltsam rassistische Gedanke von einem biodeutschen Tätergen sich so hartnäckig hält. Wenn das Argument kommt, dann zeige ich immer auf meine beiden Töchter und sage, dass die zwei absolut keinerlei Schuld oder Verantwortung haben und völlig frei entscheiden dürfen, ob sie die Geschichte wiederholen oder neu gestalten möchten. Die meisten Diskussionsteilnehmer reagieren darauf völlig sprach- und ratlos, als hätte man gerade kurzerhand die Erde zur Scheibe erklärt. Es ist erstaunlich, dass Deutsche trotz dieser peinlichen Identität aus Scham, Selbsthass und Überschätzung der eigenen Fähigkeiten überhaupt geistig stabile Persönlichkeiten entwickeln.

Westpreuße

18. November 2015 11:48

Kleiner Nachtrag:

FAZ - Wostkinder: Ein Gepräch mit Lena Golerik
https://www.youtube.com/watch?v=i0v0cGFS3_A

Ein erstaunlich offenes Interview.
Über sich selbst, Deutschland und die Deutschen.
Erschreckend irgendwie auch. Schon die ersten Minuten...
Da hat irgendetwas mit der "Willkommenskultur" nicht geklappt:
Erster und letzter bleibender Eindruck...

: Grüße aus Posen an der Warthe

Westpreuße

18. November 2015 12:24

Noch ein Nachtrag zu Frau Lena Golerik:

Nicht nur mit der "Willkommenskultur" hat etwas nicht geklappt, sondern
mit der "Dankbarkeitskultur" ist auch einiges schief gelaufen...

: Grüße aus Posen an der Warthe

Innerer Exilant

18. November 2015 12:34

Die Leute haben Angst davor, dass ihre multikulturelle Weltsicht nicht stimmt.

Dass sie Menschen ins Land gelassen haben, die anders sind als sie und die auf ihre one-world scheißen, die brutal sein können.

Es ist die nackte Angst, die sich hier mit Statistiken und kriminologisch-soziologischen Phrasen beruhigen will.

Der Analyse würde ich mich anschließen, fügt man noch den sozialen Druck hinzu und die (zugegebenermaßen weniger körperlich bedrohlichen) Konsequenzen, die Abweichen mit sich bringen können, hat man eine ähnliche Situation wie Deutschland im Herbst ´44. Die Menschen sehen, fühlen, ahnen, dass sie Scheiße gebaut haben, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben, aber der Karren steckt schon so tief im Dreck, dass man keine andere Wahl hat, als die heraufdämmernde Angst mit noch lauteren Parolen zu verdecken.

Heiko Sprang

18. November 2015 13:48

@Monika
Also in Dresden ist Pegida das "orschinal", da braucht es keine zweite ähnliche Veranstaltung. Das spaltet nur. Völliger Blödsinn.
Ich fand die Reden von TF speziell auch meist etwas dick aufgetragen, aber haben Sie selbige vom 9. November gehört: Sie hat dort für uns den Schuldkult für beendet erklärt, ein ganz wesentliches Thema, fünf Minuten hingeleitet zu dieser zentralen Aussage. Ein Meilenstein, diese Rede.
Trotzdem, ja: Es könnten auch mal andere hochkarätige Redner sein. Ein Björn Höcke, eine Vera Lengsfeld oder jetzt ein Matthias Matussek z.B. Da ist noch Luft nach oben.

Albert

18. November 2015 14:52

An "Innerer Exilant" und "DeutschIdentitärer",

danke für Eure Kommentare. Aber ich fürchte, da steckt noch mehr dahinter. Es muss irgendeine religiöse Komponente sein, irgendein tiefenpsychologischer, verkorkster Kram. Es ist wie ein kollektiver Todeswunsch, eine Todessehnsucht, eine Sehnsucht nach Erlösung durch Auslöschung.

Der Schuldkult spielt auch eine Rolle, aber eher untergeordnet. Da muss noch mehr drin sein ...

Joseph von Sternberg

18. November 2015 17:33

@ Hühnerbaron - Nachtrag!!

ich hab mir jetzt erst den Text von My Own Land gegeben... Das beschreibt tatsächlich das, was gerade passiert... Aber Robbins ist schon seit 30 Jahren tot.

Ihr müsst Euch umbedingt das Stück anhören.
Hier ist der Link:
https://www.youtube.com/watch?v=3BFVoHYCyk0

und hier der Text:
https://www.metrolyrics.com/my-own-native-land-lyrics-marty-robbins.html

Herbert

18. November 2015 18:29

Das ist nicht mein Land!

Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Nun gälte es noch die Konsequenzen daraus zu ziehen.

RL

18. November 2015 19:41

Also bei "Kill all the white men" von NoFX ist mir damals schon die Galle hochgekommen. Bin dann an die Theke und hab mit einem frischen Bier meine Wut runtergespült.
Aber etwas musikalisches möchte ich hier auch noch beitragen: https://www.youtube.com/watch?v=194beTfw9YU

Stil-Blüte

18. November 2015 20:07

@ deutschidentitärer

Niemand ist halt gern Opfer

Doch, sofern es danach Entschädigung und eine neue Position im Machtapparat gibt; man ist dann sozusagen beides und doppelt abgesichert: Opfer u n d Täter. Ich erinnere mich an die Zeit in der DDR, da gab es Verfolgte des Nationalsozialismus (VdN), zumeist standhafte Kommunisten. Die sprachen als Opfer an den Schulen und handelten als Täter/Funktionär an den Schaltstellen des Machtapparates.

Vor langer Zeit habe ich einmal eine Dokumentation über die griechische Junta gesehen, die mir den Mechanismus von Opfer und Täter vor Augen geführt hat. Erst wird das Opfer gedemütigt und gefoltert, um dann diesen 'Stachel' (s. Elias Canetti' Masse und Macht') als Folterer
wieder loszuwerden zu dürfen.

Und heute? ... (freiwillig gelöscht) Warum? Helge Schneider läßt grüßen

Aristoteles.

19. November 2015 00:09

Die Unterrichtung der letzten deutschen Kinder jenseits des BRD-Systems ist eines der wichtigen Themen, vielleicht sogar das wichtigste,
um in der Diaspora, in der wir uns schon längst im eigenen Land befinden,
überleben zu können.

Der Punkt muss ganz OBEN auf die Agenda.

tho.

19. November 2015 01:54

Kositza: Grandios, dankeschön!!! Lieder – „Lieder“- wie dieses haben mich annodazumal politisiert. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich damals im Ullstein-Band „Wir 89er“ eine Clubszene beschrieben, wo die kesse Jugend zu diesem Lied (oder „Kill all the white men“ von NoFX?) immer so r i c h t i g abging auf der Tanzfläche.

Ich meine, das war Pantera

Kositza: Hm, eher nein, Pantera fand ich ehrlich immer mitreißend.

rautenklause

19. November 2015 10:49

Zu den musikalischen Beispielen dazugefügt (vor Jahren hier schon erwähnt, aber immer wieder gehört):

Alphaville: "To Germany with Love" mit für die 1980ger unglaublichem Text ...

https://www.youtube.com/watch?v=BX7XTkRDp8Q

oder aus neuerer Zeit Anna Depenbusch und "Heimat" ... war für ein paar Bekannte von mir schon fast ein Damaskuserlebnis ...

https://www.youtube.com/watch?v=BX7XTkRDp8Q

Texte sind auf den einschlägigen Seiten zu finden

Herbert

19. November 2015 18:15

Pantera?!? Aber ganz sicher nicht. Zwar hatten auch die ein paar antirassistische Texte, aber das war wohl eher dem Umstand geschuldet, dass der Sänger, wenn er sich im Rausch auf der Bühne befand, ein paar mal Äusserungen machte, die ihm als rassistisch ausgelegt wurden. Man wollte ja weiterhin Platten verkaufen.

Ein solches Lied passt auch besser zum familiären Hintergrund der NOFX Mitglieder als zu den Rednecks von Pantera, die ich übrigens immer noch mitreissend finde.

tho.

20. November 2015 06:36

@ Ellen Kositza & Herbert:

Da habe ich zum einen etwas durcheinandergebracht, zum anderen haben wir wohl aneinander vorbeigeredet.

Hab nochmal nachgesehen: Der Text "Grenzgänge" in "Wir 89er" beginnt tatsächlich mit einer Szene im Frankfurter "Maxim's", wo gerade "Killing in the Name" von RATM läuft. Im Fragebogen vorher gibt Ellen Kositza u.a. Pantera als Lieblingsmusik an. Das ist in meiner Erinnerung wohl durcheinandergeraten.

Dass Phil Anselmo nicht gerade das war, was man als einen "Antirassisten" bezeichnen kann, ist mir natürlich bekannt. Allein seine Kollaboration mit Seth Putnam, auf den er später ja auch einen Nachruf verfasst hat, dürfte Hinweis genug sein.

Ellen Kositza

20. November 2015 21:44

Danke! Ende!

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