Sezession
3. Dezember 2015

Heidegger zwischen Antifaschismus und Theologie

Martin Sellner

george-remete_heidegger-orthodoxie_720x600aus Sezession 69 / Dezember 2015

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Zwei sehr unterschiedliche Annäherungen an Heidegger sind erschienen. Während sich Bernards Willms’ Text über Antifaschismus und Heideggerrezeption in Deutschland im »Vorhof der Philosophie bewegt«, führt uns George Remetes Werk über Heidegger und die Gottesfrage tief in das Denken des Philosophen.

Willms, Professor für Politwissenschaften, Republikaner und ausgewiesener Hobbes-Experte, nahm in seinem um 1989 entstandenen Text die Kontroverse um Heidegger zum Anlaß einer geschliffenen Antifaschismuskritik. Vor dem Erscheinen der Schwarzen Hefte verfaßt, ist seine Analyse der Struktur intellektueller Debatten in Deutschland immer noch gültig.

In spritzigem Stil führt er die antifaschistische »Betroffenheit« der linken Kulturhegemonie vor. Er sieht im modernen Antifaschismus ein überlebtes Konzept, das sich zu Unrecht auf seine »Märtyrer« beruft. Willms stellt fest, daß die sowjetische Parole des Antifaschismus, anders als die transatlantische Totalitarismusthese, den Kalten Krieg überlebt hat. Sie führe zu einer »Barbarisierung« des Denkens, die von einem »Verlust der Fähigkeit zur Differenzierung« gekennzeichnet sei. Es herrsche erstickender Bekenntniszwang. Bereits der Vorwurf des »Faschismus« komme dem Schuldspruch gleich.

Der »eliminatorische Antifaschismus« entschulde den Archipel Gulag und wolle zugleich die gesamte konservative Traditionslinie austilgen. Gerade weil Heidegger diese »Signatur des Zeitgeistes« am klarsten gesehen habe, werde er zum Opfer des Antifaschismus. Er ist nach Willms der letzte und größte Vertreter einer Tradition, die sich der Vermassung und der »materiellen Gesinnung des technischen Zugriffs auf die Welt« entgegenstellt. Lesenswert ist dieser Text in der Zeit von »refugees welcome« vor allem durch seine schonungslose Bloßstellung der »betroffenen« Gutmenschen, die eigentlich die wahren »Dunkelmänner« (Willms) sind.

Der orthodoxe Theologe George Remete nähert sich Heidegger anders. Kontroversen sind ihm keine Erwähnung wert. Er geht ohne Umschweife »ad rem«, Kenner der Materie fühlen sich hier sofort zu Hause. Remete ist ein geschulter Heideggerianer. Seine These, die das ganze Werk durchzieht, lautet: Heideggers Ablehnung des Christentums bezieht sich primär auf die Westkirche und ihren »rationalistischen« christlich-platonischen Gottesbegriff. Die »apophantische Theologie« der Orthodoxie ist, so Remetes Überzeugung, mit Heideggers Philosophie vollkommen vereinbar.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.