Sezession
2. August 2015

Alter Rechter, junger Rechter, kein Rechter: Mohler, Hepp, Strauß

Nils Wegner

pdf der Druckfassung aus Sezession 67 / August 2015

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Die unterschiedlichen, doch nicht voneinander zu trennenden Ausformungen (radikal) rechten politischen Engagements sind spätestens seit der Wiedervereinigung für deutsche Politik- und Sozialwissenschaftler zum einträglichen Ersatz für das weite Forschungsfeld Nationalsozialismus/Faschismus geworden.

Im Hinblick auf parteiförmige Zusammenschlüsse standen anfangs aufgrund ihrer überraschenden, anfänglichen Wahlerfolge die »Republikaner« im Fokus. Nachdem diese sich schnell selbst erledigt hatten, folgte zur Jahrtausendwende die ebenso realpolitisch motivierte (Wieder-)Aufarbeitung der klassischen Rechtspartei NPD, wiewohl diese sich seit dem knapp verpaßten Bundestagseinzug 1969 in einem Zustand der Agonie befand.

Auf der anderen Seite war seit den frühen siebziger Jahren eine sogenannte Neue Rechte mit neuen, französischen Vordenkern entliehenen Argumenten und Aktionen jugendlichen Überschwangs auf den Plan getreten, die sich dezidiert von »altrechtem« Nationalkonservatismus und Parteienschacher abzugrenzen suchte.

Indem sich der ursprüngliche Nukleus dieser national- und sozialrevolutionären Bewegung – mit Hartwig Singer / Henning Eichberg und Wolfgang Strauss als wesentlichen Protagonisten – alsbald in unzählige Kleingruppen und Nebenströmungen aufzweigte, tat sich ein weiteres Feld für wissenschaftliche Deutungsversuche aller Art auf, das bis heute »Experten« wie Hajo Funke und Alexander Häusler ein gutes Auskommen und mediale Aufmerksamkeit garantiert.

Bislang wenig beachtet oder ignoriert wurde hingegen, daß es außerdem eine gewisse Zahl sowohl zeitlich wie auch organisationsförmig dazwischenliegender Einzelpersönlichkeiten gab, die Armin Mohler als »junge Rechte« bezeichnete.

Mohler selbst hatte – wie sein eigener Lehrer Carl Schmitt – an ihrer Heranbildung wesentlichen Anteil gehabt; insoweit lag die SPD-Historikerin Helga Grebing nicht ganz falsch, als sie Ende der 1960er beide als »Hintermänner« zu zentralen Protagonisten ihrer 1971 unter dem reißerischen Namen Konservative gegen die Demokratie erschienenen Habilitationsschrift bei Iring Fetscher machte.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

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