Strukturelle Repressionen – eine buchhalterische Frage an die Leserschaft

Im Gebäude der Fernspähkompanie 200, in der ich bis zum Dienstgrad eines Leutnants diente, war auf den Kalkputz ein...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

gro­ßes Wand­bild auf­ge­tra­gen. Es zeig­te einen Fall­schirm­jä­ger, dar­un­ter stand in gro­ßen Let­tern: Klagt nicht, kämpft! Die­ses Bild ist längst über­tüncht, die Kaser­ne eine Wohn­an­la­ge, und ober­halb der klei­nen Gar­ni­sons­stadt wer­den längst kei­ne Spä­her mehr aus der Trans­all oder der CH53 über dem lächer­lich klei­nen Sprung­ge­län­de abgesetzt.

Klagt nicht, kämpft! Vie­le haben sich das täto­wie­ren las­sen, oft ergänzt um die knap­pe Kom­pa­nie-Beschrei­bung (“ocu­lus exer­ci­tus” – Auge des Hee­res) und das Mot­to (“sem­per vigi­lis” – stets wach­sam) unse­res klei­nen Hau­fens. Aber natür­lich haben wir die­ses “Kämp­fen ohne zu kla­gen” nie scharf unter Beweis stel­len müs­sen, son­dern bloß auf Übun­gen – ernst­haf­ten Übun­gen zwar, aber der wirk­li­che Ernst ist doch noch etwas ganz ande­res, ist eben nichts im letz­ten doch nur Vor­ge­stell­tes, Angenommenes.

Und selbst Bos­ni­en war dann kein Ernst­fall, Sara­je­wo nicht und auch nicht Trno­vo, Kisel­jak oder Dobro Pol­je, die­se ganz zer­schos­se­nen, win­ter­li­chen Ört­chen, um die her­um nach Minen und Grä­bern gesucht wur­de und in deren apo­ka­lyp­ti­sche Tage man auf die­se Wei­se einen Blick wer­fen konn­te: erschla­gen, erschie­ßen, ver­schwin­den­las­sen, aus­hun­gern, zer­stö­ren – Bür­ger­krieg auf engs­tem Raum, Guck­lö­cher für uns, klagt nicht, doku­men­tiert!, und abends ein Schnaps mehr, wenns hef­tig war.

– – – – –

Ich habe einer Fra­ge, die ich nun stel­len möch­te und muß, die­se paar Sät­ze über das Kla­gen vor­an­ge­stellt, weil mir der Wand­spruch von damals übers Wochen­en­de im Kopf her­um­ging. Wir haben näm­lich in den ver­gan­ge­nen Tagen im Ver­lag dar­über dis­ku­tiert, ob wir für die­ses eine Mal die Tür öff­nen wol­len, um eine Kla­ge über jene struk­tu­rel­le Repres­si­on anzu­stim­men, von der nie­mand ahnt, der nur von außen schaut. Wir haben uns dafür entschieden.

Wer ein biß­chen auf­merk­sa­mer liest und las, weiß längst, daß wir nicht des­halb kei­ne Ver­an­stal­tungs­räu­me mehr fin­den in Ber­lin und in ande­ren grö­ße­ren Städ­ten, weil uns die Wir­te nicht ver­mie­ten woll­ten: Sie zie­hen ihre Zusa­gen zurück, weil ihnen die Ver­wüs­tung ihres Lokals oder wenigs­tens eine Denun­zia­ti­ons­wel­le droht, und natür­lich fin­den das die gan­zen Zei­lenhu­ren und Sekun­där­pu­bli­zis­ten, die ihre Exis­tenz unse­rer Ori­gi­na­li­tät ver­dan­ken, gar nicht beden­kens­wert, son­dern schon in Ord­nung so. Ist ja ein frei­es Land, kann ja jeder Wirt selbst ent­schei­den, wem er ein Plätz­chen gewährt.

Dies­mal schnei­det es aber tie­fer ein: – Ergän­zung 1. März, 8.00 Uhr: Und nun, nach nicht ein­mal 24 Stun­den, ist das Pro­blem gelöst, dank einer Leser­schaft, die ihres­glei­chen sucht! Mei­nen herz­li­chen Dank an alle und Bit­te um Ver­ständ­nis, daß ich die guten Hin­wei­se im Kom­men­tar­be­reich für uns nut­ze, aber nicht veröffentliche. –

Damit: Kla­ge­stüb­chen wie­der zu. Ich bin mir übri­gens mitt­ler­wei­le sicher, daß wir auf dem Prä­sen­tier­tel­ler sit­zen, aber anders geht es nun eben nicht mehr. Anders sich zu ver­hal­ten: Das wäre Wald­gang, das wäre beschwich­ti­gungs­kon­ser­va­tiv, und – bit­te – wir reden doch schon längst aus und im Sin­ne der bür­ger­li­chen Mit­te, wenn wir die Fra­ge stel­len, ob sich in die­sem Land eine Regie­rung ein­fach so über Geset­ze, Recht und Ord­nung hin­weg­set­zen darf oder ob gera­de das zu ver­hin­dern den Vätern des Grund­ge­set­zes einen eige­nen Arti­kel (20) wert war.

Wir Zei­ger­pflan­zen!

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (7)

Jürg Rückert

29. Februar 2016 19:13

Jeder Eseltreiber hat an Kugelschreiber, ...
Jeder Südfranzose hat a Lederhose, ...
Jeder Menschenfresser hat sein Taschenmesser, ...
Jeder Zuluneger hat sein Bettvorleger, ...

aber unsereiner der hot nix!

Dieses rassistische Lied ist im deutschen Internet noch abrufbar.

Der Hitler war so grob.
Vielleicht verkauft mir mein Bäcker morgen kein Brot mehr, wenn ihm die Antifa meinetwegen heute die Fenster eingeschlagen hat. Ich sollte noch vor der Merkel in Südamerika sein.

Unser Sodom und Sozmorrha geht in Kürze unter. Wer es überlebt kann wieder freie Luft atmen.

Hugo

29. Februar 2016 19:49

Ich frage mich schon lange, wieso die intellektuelle Rechte in Deutschland so urchristlich die andere Wange hinhällt. Das wirkt weich. Ggf. wäre eine größere Nähe zu Organisationen angesagt, die der Antifa die Stirn bieten können und wollen. Linksterroristische Organisationen wie pen.gg beschäftigen ganz unverschämt Berufsschläger, wie zum Beispiel den Tortenwerfer gegen Frau v. Storch und finanzieren sich frech über Spenden aus dem Internet.

Trouver

29. Februar 2016 20:03

Ist ja ein freies Land, kann ja jeder Wirt selbst entscheiden, wem er ein Plätzchen gewährt.

Und wer das Plätzchen doch gefunden hat, den sucht das fröhliche Arschloch.

"Mutter, der Mann mit dem Tort ist da!"

firenzass

29. Februar 2016 20:07

Der Schritt ins benachbarte Ausland scheint mit hier lange ueberfaellig.
Wie waer's denn hiermit: Italien, undzwar umstaendehalber das deutschsprachige Suedtirol. Einige Steuerberatungsbueros dort arbeiten auch im deutschsprachigen Ausland und wuerden sich sicher auch des Bankproblems annehmen. Die werden das niedrigschwellig loesen, rucki zuck.i
Bleibt die Frage der Kontaktanbahnung, ich koennte mir folgendes Procedere vorstellen: kleine Anfrage bei Ihnen bekannten Leuten aus der Lega oder Fratelli D'Italia, oder bei der APO der Anstaendigen...Casa Pound, Casacci, und so. Kann mir nicht vorstellen, dass Sie da keinen kennen. Die sollen dann ihrerseits an Gesinnungsgenossen in Suedtirol herantreten und den Fall darstellen: Ende!

Trouver

29. Februar 2016 20:07

Warum keine eigene Bank gründen?

Lieber Sven, von mir aus, warum? keine Sicherheitsdienst, Pay-TV und eine Insel in dem Meer, was eben

die Sezession als solche

endlich ja konstituieren ließe.

falkenstein

1. März 2016 00:18

ich kenne diese beschriebenen nachstellungs- und verfolgungsformate aus eigenem, bitterem sein, schon länger.
alles steht und fällt mit der solidarität untereinander. diese muss greifbar- anfassbar und wirksam sein.
wir - die wir hier kommunizieren, sind nicht wenige, noch mehr sind`s drumherum.
wir sollten uns das schwarmdenken aneignen - der türke hats schon
längst - und füreinander ins feld ziehen. über die schatten springen.
konkret: schwärmt aus wie zornige bienen und nutzt ein drittel eurer tageszeit um diese beiden von kubitschek benannten probleme zu lösen.
auch das ist gelebter ziviler widerstand, ganz ohne berufliche nachteile und risiken für den status.

Peter Parler

1. März 2016 01:03

" Klagt nicht, kämpft" stand 5 Meter lang und in ein Meter hohen Lettern (hier mag die Erinnerung trügen, 80 cm ) auch auf meinem Kasernenflur, im ersten Stock.
Im Treppenhaus nach unten, " Rot schien die Sonne", ganzer Text, alle Strophen, in den Vitrinen, "Deutsche Fallschirmjäger auf Kreta", Photos, Hülsen, Nippes.
Das war Ende der 80er, direkt vor der Wiedervereinigung. Blau gegen Rot.
4./251 und Luftlandemörser 250 in Calw.
Wenn ich das heute erzähle.... kucken die mich alle an wie..... demnächst laden die mich ein und ich spreche vor Grundschulklassen.....

Hängen geblieben ist`s trotzdem. "Klagt nicht, kämpft".
Ich (Wir !) haben das übrigens immer so verstanden, das immer der Missstand und die missliche Lage beklagt werden darf, sogar muß, darüber das kämpfen aber unbedingt nicht vergessen werden darf.

Glück ab !

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