Sezession
24. Oktober 2013

Das Primat der Metapolitik

Gastbeitrag

PDF der Druckfassung aus Sezession 56 / Oktober 2013

von Manfred Kleine-Hartlage

Karlheinz Weißmann hat in der Sezession Nr. 55 unter dem programmatischen Titel »Geduld!« die »Lage und Möglichkeiten der intellektuellen Rechten« analysiert: Da die Rechte marginalisiert und das Bekenntnis zu ihr vielfach mit Nachteilen verbunden sei, sei sie auf einen harten Kern zusammengeschmolzen, dem außer der Resignation und dem Rückzug in eine Art innerer Emigration nur zwei Optionen blieben:

  1. »Akzeleration, also Beschleunigung der Prozesse in dem Sinn, daß die bisher eingenommene Stellung verschärft und nach radikaleren Lösungswegen gesucht wird,«
  2. »Konzeption, das heißt Aufrechterhaltung der Grundposition und deren Fortentwicklung bei dauernder Kritik und Korrektur der getroffenen Vorannahmen in der Erwartung, künftig doch zum Zug zu kommen.«

Charakteristisch für Strategien der Akzeleration seien die Unklarheit der Alternativentwürfe, die Neigung zur »Systemopposition«, die Geringschätzung fester Organisationsformen und der damit verbundenen Disziplin zugunsten diffuser »Bewegungen«, die Überschätzung der Bedeutung jugendlichen Engagements, die Vernachlässigung der gesellschaftlichen Mitte zugunsten des »Kreis[es] der Unbedingten« und ein Voluntarismus, der »der Einsatzbereitschaft und der Willensanstrengung seiner Minderheit fast alles« zutraue.

Weißmann lehnt diesen Weg ab und favorisiert die »Konzeption«, was im metapolitischen Bereich bedeute, die theoretischen Grundlagen zu vertiefen, um eine geschlossene ideologische Alternative zu entwickeln und diese über die vorhandenen publizistischen und wissenschaftlichen Plattformen der Rechten in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen.

Auf dem im engeren Sinne politischen Feld dagegen sei die Konzeption der AfD, die auf die Mobilisierung der Mitte abziele, die einzig realistische Strategie. Ob diese Konzeption tatsächlich zu einem Umschwung beitragen werde, sei vor allem »das Ergebnis des Handelns und Unterlassens der Mächtigen, mithin [der] politischen und ideologischen Gegner«. Deswegen müsse man sich in Geduld fassen und auf deren Fehler warten, um Gehör zu finden.

Solche Fehler der Mächtigen sind in der Tat zu erwarten, allein schon wegen ihrer ideologischen Verblendung. Die daraus sich ergebenden Chancen wird man aber nur dann nutzen können, wenn die ideologische Alternative nicht nur als theoretisches Konzept existiert, sondern möglichst breiten Kreisen tatsächlich als Deutungsmuster geläufig ist.

Dies bedarf der metapolitischen Vorarbeit, und ich stimme mit Weißmann darin überein, daß das Feld der intellektuellen Rechten eben diese Metapolitik ist. Ich glaube aber, daß seine Argumente der komplexen Topographie des metapolitischen Schlachtfeldes nicht gerecht werden:

Zum einen beschränkt er den Bereich der Metapolitik auf die theoretische Arbeit und die Verbreitung von deren Ergebnissen über spezifisch rechte Plattformen. So wichtig dies ist: Es ist nur für wenige Dutzend Intellektuelle praktikabel. Die Beschränkung auf diese Option würde mithin alle anderen Anhänger der Rechten darauf verweisen, den intellektuellen Vorturnern zu applaudieren und im übrigen die Hände in den Schoß zu legen.

Eine Pluralität metapolitischer Kommunikationsformen würde dagegen gerade nicht, wie Weißmann befürchtet, »sinnlos Kräfte binden«, sondern vielmehr Kräfte entfesseln, die sonst brachliegen müßten. Des weiteren wird die ideologische Alternative nur dann politisch mächtig sein, wenn sie nicht nur in den Köpfen vieler einzelner Menschen (etwa der Leser der Jungen Freiheit) existiert, sondern in Gestalt von Milieus sozial objektiviert ist, innerhalb derer sie ganz selbstverständlich die Basis des politischen Diskurses bildet.


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