Sezession
26. Juni 2014

15 »Schwarze Hefte«, 1200 Seiten, 3 Fundstücke

Erik Lehnert

PDF der Druckfassung aus Sezession 60 / Juni 2014

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Martin Heidegger (1889–1976) gilt weltweit als der wichtigste deutsche Philosoph des 20. Jahrhunderts und ist gleichzeitig heftig umstritten, weil er in den Jahren 1933/34 mit dem Nationalsozialismus sympathisierte. Daher gab und gibt es immer wieder Angriffe, die seine ganze Philosophie als nationalsozialistisch inspiriert brandmarken wollten. In Deutschland war diese Strategie zumindest teilweise erfolgreich. An den Universitäten spielt Heidegger nicht die ihm gebührende Rolle. In Frankreich wurden sogar Forderungen laut, man solle seine Schriften aus den Bibliotheken entfernen. Seit einigen Monaten bieten die gerade aus dem Nachlaß veröffentlichten Schwarzen Hefte neue Munition. Verantwortlich für die Heidegger-Gesamtausgabe ist sein Sohn und Nachlaßverwalter, Hermann Heidegger. Erik Lehnert führte ein Gespräch mit ihm.

SEZESSION: Sehr geehrter Herr Dr. Heidegger, die bisherigen Angriffe auf Heidegger, etwa von Victor Farías und Emmanuel Faye, sind nicht zuletzt deshalb ins Leere gelaufen, weil sie mit völlig überzogenen Spekulationen versucht haben, aus Heidegger einen Rassisten und Nazi zu machen. Nun sind die Schwarzen Hefte erschienen, und die meisten Kommentatoren sind sich sicher: Heidegger offenbart sich darin als Antisemit. Hat der neue Angriff mehr Substanz?

Heidegger: Nein. Mein Vater hatte sein ganzes Leben lang enge und engste freundschaftliche Verhältnisse zu Juden. Die Beziehung zu Hannah Arendt ist bekannt. Zu dem Ehepaar Szilasi (einem ungarisch-jüdischen Philosophen und seiner Ehefrau) bestand seit Ende des Ersten Weltkriegs, als Szilasi aus Ungarn nach Freiburg geflohen war, ein enges freundschaftliches Verhältnis, das bis zu deren Tod Bestand hatte.

Ein weiteres Beispiel ist sein Assistent Werner Brock, dem mein Vater gegenüber Eduard Baumgarten den Vorzug gab. Er hat Brock auch noch unterstützt, als dieser ins Exil mußte, was ein Antisemit wohl kaum getan hätte. Brock blieb meinem Vater auch nach dem Krieg freundschaftlich verbunden. Und, um das zu ergänzen, wir Kinder wurden regelmäßig zu den Szilasis in die Ferien geschickt, wir gingen zu einem jüdischen Kinderarzt, und die beste Freundin meiner Mutter war Jüdin.

Kurzum: Die Fakten des Lebens sprechen gegen solch eine anschwärzende Einschätzung!


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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