Komplexitätsreduktion: Mäders »Zerstörung des Nationalstaats«

aus Sezession 71 / April 2016

von Konrad Gill

Ein Buch solch gewichtigen Titels und bedeutenden Themas aus einem geschätzten Verlag kann der Leser nicht ohne Neugierde erwarten. Der erste Eindruck irritiert: Der Band ist so dünn und groß gedruckt, daß er auch einen längeren Aufsatz hätte abgeben können. Daß man in diesem Umfang dem Thema kaum gerecht werden kann, versteht sich fast von selbst.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Für Wer­ner Mäder ist der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus »eine der vie­len anglo-ame­ri­ka­ni­schen Mode­tor­hei­ten, die mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung (…) nach Euro­pa kam und in der Bun­des­re­pu­blik beson­ders gründ­lich und inbrüns­tig auf­ge­grif­fen wurde«.

Dabei ist doch mit die­ser Redu­zie­rung aufs Modi­sche der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus als Bestand­teil eines kom­ple­xen ideo­lo­gi­schen Geflechts, als Sieg des selt­sa­men Zweck­bünd­nis­ses zwei­er glei­cher­ma­ßen glo­bal­uni­ver­sa­lis­ti­scher expan­siv-revo­lu­tio­nä­rer Welt­an­schau­un­gen (ent­or­te­ter Libe­ral­ka­pi­ta­lis­mus und moder­ner Hedo­nis­ten­so­zia­lis­mus) nicht annä­hernd ange­mes­sen beschrie­ben! Das weiß Mäder, Rechts­prak­ti­ker mit jahr­zehn­te­lan­ger Erfah­rung, zweifelsohne.

Glaubt er, das sei­nen Lesern nicht zumu­ten zu kön­nen? Ist das noch didak­ti­sche Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on oder schon didak­ti­sches Ver­sa­gen? Kurz: über die Hin­ter­grün­de, die Beweg­grün­de der Ideo­lo­gie­pro­du­zen­ten, das gro­ße »War­um«, das zu klä­ren doch die Bedin­gung für ein »Woge­gen« wäre, erfährt man in dem Büch­lein so gut wie nichts.

So bedau­ert der Rezen­sent, über das leicht ver­ständ­li­che und mit vie­len hilf­rei­chen Fuß­no­ten ver­se­he­ne Buch nichts Bes­se­res sagen zu kön­nen, obwohl er doch nahe­zu jedem Satz dar­in zustim­men kann. Aber die extre­me, dem rie­sig-kom­ple­xen Gegen­stand nicht ange­mes­se­ne Kür­ze, gar Skiz­zen­haf­tig­keit und die feh­len­de Ursa­chen­ana­ly­se füh­ren zumin­dest beim the­men­af­fi­nen erfah­re­nen Leser kaum zu mehr als wohl­wol­len­dem Achselzucken.

Für Ein­stei­ger in das The­ma, die einen ers­ten Zugang zu einer Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus­kri­tik aus natio­nal­kon­ser­va­ti­vem Blick­win­kel suchen, dürf­te das Buch bes­ser geeig­net sein.

+ Wer­ner Mäder: Die Zer­stö­rung des Natio­nal­staa­tes aus dem Geist des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, Graz: Ares 2015. 79 S., 9.95 € – hier bestel­len!

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.