Sezession
14. Juni 2016

Jan Ganschow/Olaf Haselhorst: 1815. Die Befreiungskriege – eine Rezension

Gastbeitrag

Haselhorst - Ganschow__1815_Die_Befreiungskriege_...Rezension aus Sezession 72 / Juni 2016

von Konrad Gill

Gewissermaßen als Schlußwort zur Bücherflut anläßlich der Jubiläumsjahre 2013–2015 hat der erfahrene Militärhistoriker Olaf Haselhorst zusammen mit dem Experten für Kriegsvölkerrecht Jan Ganschow ein beachtliches, dickleibiges Kompendium vorgelegt.

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Für die Bewältigung des Buches braucht der Leser einen langen Atem, beginnt der Gedankengang doch bereits tief im 17. Jahrhundert mit einer Geschichte des Absolutismus in Frankreich und einer kurzen Sozial- und Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts. Der Untertitel »Vorgeschichte – Verlauf – Folgen« ist ganz ernst zu nehmen. Um in der Beschreibung über die Aufstände von 1808/1809 als Wetterleuchten der Befreiungskriege bis zur Konvention von Tauroggen (1812) zu gelangen, benötigen die Autoren bereits 150 Seiten.

Daß die eigentlichen Kriegshandlungen der Jahre 1813–1815 dann nur knappe, aber für den einigermaßen orientierten Leser ausreichende 50 Seiten in Anspruch nehmen, zeigt, daß Ganschow und Haselhorst in großen Räumen denken und keine reine Militärgeschichte schreiben wollten. Eigene Kapitel zu den Themen »Waffe, Waffengebrauch und Taktik«, »Der Kunstraub Napoleons«, »Wiener Kongreß und Heilige Allianz« sowie »Die Befreiungskriege in der Erinnerungskultur« bieten gebündelt alles, was die anderen zum Jubiläum erschienenen Bücher nur verstreut boten – wenn nicht noch mehr. Für Experten hilfreich, für die meisten Leser aber wohl zu lang geraten ist ein Kapitel über »Kriegsbrauch und Kriegsgreuel«, das auf mehr als 120 Seiten nicht mit zeitgenössischen Schilderungen der Kriegsschrecken spart und ausführlich das Kriegs(völker)recht jener Zeit vorstellt.

Überhaupt überrascht – positiv – der Mut der Verfasser, in derartiger Ausführlichkeit die Quellen sprechen zu lassen, freilich ohne sich hinter ihnen zu verstecken oder sich im eigenen Gedankengang zu verirren. Vor letzterem bewahrt sie schon die jederzeit nachvollziehbare und übersichtliche Gliederung des Werks. Biographische Notizen machen das Buch sogar als Nachschlagewerk interessant, sie stehen in Fußnoten je dort, wo die Person das erste Mal auftaucht (was etwas unübersichtlich ist, sie wären in einem Anhang besser aufgehoben gewesen).

Auch an griffigen Formulierungen herrscht wahrlich kein Mangel (so im Vorwort von Lothar Höbelt das Wort vom inflationsgefährdeten Papiergeld als der »allgemeinen Wehrpflicht auf dem finanziellen Sektor«). Insgesamt ein fabelhaftes Buch, an dem im wesentlichen nur eines kritisiert werden kann: daß es mindestens zwei Jahre zu spät erschienen ist. Wer Haselhorst und Ganschow liest, kann auf die übrigen Gesamtdarstellungen getrost verzichten.

Jan Ganschow/Olaf Haselhorst: 1815 – Die Befreiungskriege und das Ende des Napoleonischen Zeitalters. Vorgeschichte – Verlauf – Folgen, Graz: Ares 2015. 488 S., 29.90 € – hier bestellen. (Zu einer Auswahl der in Sezession 72 besprochenen Literatur geht es hier entlang.)


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