Schuldstolzes

Als Ergänzung zu Lichtmesz' Obamas Auschwitz möchte ich auf zwei Meldungen hinweisen, die es in der ewigen Bestenliste des Schuldstolzes ziemlich weit bringen könnten.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Immer­hin zei­gen sie, daß Logik und Ver­nunft mitt­ler­wei­le gewohn­heits­mä­ßig aus­ge­schal­tet wer­den, wenn es um Fra­gen der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung geht.

Die ers­te Mel­dung stammt aus der Leip­zi­ger Volks­zei­tung. Dar­in begrüßt Thü­rin­gens Minis­ter­prä­si­dent Die­ter Alt­haus den bevor­ste­hen­den Besuch Oba­mas in Buchen­wald als „Signal” an das wie­der­ver­ei­nig­te Deutschland.

“Es ist ein Signal dafür, dass das wie­der­ver­ei­nig­te Deutsch­land die NS-Geschich­te wei­ter auf­ar­bei­tet und dass im 20. Jahr der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­land ein star­ker demo­kra­ti­scher Part­ner ist, auf den abso­lut Ver­lass ist”. Alt­haus zeig­te sich „sehr froh”, dass Oba­ma nach Thü­rin­gen und nach Buchen­wald kom­me. „Die USA waren immer ers­ter Garant für die Frei­heit und Demo­kra­tie.” Der Besuch in Buchen­wald ste­he im beson­de­ren Blick­win­kel der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gräu­el­ta­ten. „Es ist gut, dass der US-Prä­si­dent sich am Ort des schreck­li­chen Gesche­hens kon­kret infor­mie­ren wird.”

Mal zum Mit­schrei­ben: Oba­ma fährt nach Buchen­wald. Des­halb wer­den wir unse­re Geschich­te wei­ter auf­ar­bei­ten (gibts da noch dunk­le Stel­len?). Oben­drein zeigt uns Oba­ma damit, nach Mei­nung von Alt­haus, daß er Deutsch­land für einen ver­läß­li­chen Part­ner hält. Also: Wenn ich jeman­den sehr schät­ze und ihm das zei­gen will, gehe ich dahin, wo sei­ne Sün­den am sicht­bars­ten sind und rei­be ihm das unter die Nase. Ich will nicht dar­über spe­ku­lie­ren, wel­che psy­chi­sche Kon­sti­tu­ti­on dazu­ge­hört, sich so etwas ein­zu­re­den und das Offen­sicht­li­che nicht sehen zu wollen.

Die ande­re Mel­dung ist etwas harm­lo­ser und stammt aus dem Ham­bur­ger Abend­blatt. Der Prä­si­dent des Euro­päi­schen Par­la­ments, Hans-Gert Pöt­te­ring (CDU), hat­te Isra­el für eine pri­vi­le­gier­te Part­ner­schaft mit der Euro­päi­schen Uni­on ins Gespräch gebracht. Da woll­te der flei­ßigs­te Schuld­stolz-Genos­se und außen­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Gert Weiss­kir­chen, nicht abseits ste­hen und plä­diert für eine Voll­mit­glied­schaft Isra­els in der EU.

“Ich wür­de mir sehr wün­schen, dass Isra­el Voll­mit­glied der Euro­päi­schen Uni­on wird. In 15 Jah­ren könn­te ein Bei­tritt denk­bar sein.” Weiss­kir­chen beton­te, dass Isra­el für die­sen Schritt aber Bedin­gun­gen zu erfül­len habe. “Zum einen müss­te das Land die Zwei-Staa­ten-Lösung garan­tie­ren, zum ande­ren müss­te der poli­ti­sche Wil­le in Isra­el da sein, EU-Mit­glied zu wer­den. In der Regie­rung Isra­els ist das Mei­nungs­bild dar­über noch sehr gemischt”, so der SPD-Poli­ti­ker. Den Vor­schlag Pöt­te­rings lehn­te Weiss­kir­chen dage­gen ab: “Ich hal­te gar nichts von pri­vi­le­gier­ten Part­ner­schaf­ten. Ent­we­der gibt es vol­le Mit­glied­schaf­ten in der Euro­päi­schen Uni­on oder einen Pro­zess, der zu einer Voll­mit­glied­schaft führt.”

Da man von Weiss­kir­chen nichts ande­res erwar­ten durf­te, liegt der Wert die­ser Mel­dung eigent­lich in der Erwi­de­rung von CDU-Kla­eden, der sich gar nicht traut, den absur­den Vor­schlag zurückzuweisen:

Ohne auf den Vor­schlag der pri­vi­le­gier­ten Part­ner­schaft ein­ge­hen zu wol­len, beton­te der außen­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU/C­SU-Bun­des­tags­frak­ti­on, Eck­art von Kla­eden: “Euro­pa soll­te so eng wie mög­lich mit Isra­el zusam­men­ar­bei­ten. Dabei ist es zweit­ran­gig, wie man das Ver­hält­nis bezeichnet.”

Wer woll­te da noch widersprechen?

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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