Sezession
13. August 2016

Wahrheit und Liebe – Klonovskys „acta diurna“

Gastbeitrag / 33 Kommentare

von Konrad Gill

Als Ende April 2016 bekannt wurde, daß Michael Klonovsky statt als FOCUS-Redakteur künftig als publizistischer Berater für die AfD-Sprecherin Frauke Petry arbeiten würde, dürften nicht wenige seiner Leser irritiert gewesen sein. Der Augur als Redenschreiber? Sollte das gutgehen?

Die Bedenken schwanden etwas, nachdem der spöttische Beobachter und Zeitläuftebegleiter die taz in einem Interview nach allen Regeln der Kunst abgefertigt hatte. Klonovsky ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, dafür den Befrager abgeklärt-ironisch auflaufen (»Haben Sie übersehen, daß man Sie möglicherweise nur mißbraucht, um das Profil der rechtskonservativen AfD durch einen streitbaren Intellektuellen aufzupolieren?« – »Das habe ich in der Tat übersehen.«).

Solchermaßen durch die Aussicht getröstet, daß der überraschende Sprung ins Feld der Politik für das Publikum vergnüglich werden könnte, nimmt man nun die im Frühjahr erschienene Sammlung seiner 2015 verfaßten reaktionären »Notizen vom Tage« gerne zur Hand. Wie schon im Vorgängerband Bitte nach Ihnen wurden auch diese Texte bereits auf der Netzseite präsentiert.

Klonovskys Acta bilden einen Teil jenes Zeitraumes ab, in dem auch Hartgesottenen wegen der orientalischen und afrikanischen Invasion Europas klar werden mußte, daß »Biopolitik« in Karatschi, Lagos oder Teheran kein Fremdwort ist, daß die bisherigen schwer erträglichen Tollhäuslereien der Fernstenliebe sehr wohl noch deutlich steigerungsfähig waren und daß alle bisherigen Einwanderungsprobleme auf Kleinformat schrumpfen konnten. Klonovsky sieht in seinen Notizen die Eliten und zu großen Teilen auch die verführbaren Nicht-Eliten eines hochentwickelten Landes mit irrsinnigem Johlen dem Abgrund entgegenspringen.

Die ersten Texte zum Jahresbeginn stehen im Zeichen der Attentate von Paris und der zu diesem Anlaß wieder einmal aufgeführten Scheindebatten um Meinungsfreiheit, »Religionskritik« und moslemisches Gewaltpotential. Aber die Orientierung am Tagesaktuellen hält nicht lange vor, denn auch grundsätzliche Fragen rufen nach Klärung. Immer wieder wechseln essayistische Ausgriffe sich mit Debattenkritik und Nachrichtenanalyse ab, auch Kunst und Genuß hat Klonovsky unter all den leider notwendigen Angriffen gegen das »Moralherrenmenschentum« der Mächtigen nicht vergessen.

Aus dieser Sammlung eines Jahres ist damit wieder ein anregendes und kluges Buch geworden. Die Liebe zu unserer Kultur und Identität, zu Vernunft und Wahrheit – wir werden sie uns auch in Zeiten der Lückenpresse nicht ausreden lassen. Klonovsky gibt zu diesem Widerstand geistiges Rüstzeug.

+ Michael Klonovsky: Die Liebe in Zeiten der Lückenpresse. Reaktionäres vom Tage. Acta diurna 2015, Waltrop u. Leipzig 2016. 391 S., 24,80 € – hier einsehen und bestellen!


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Kommentare (33)

Winston Smith 78699
13. August 2016 11:18

Aus dieser Sammlung eines Jahres ist damit wieder ein anregendes und kluges Buch geworden.

Dieser Spruch des hellen Wahnsinns gehört sich eingerahmt und davor bitte dieses Häkeldeckchen und darauf so ein Dings bitteschön. Wer vorher geschrieben hat,

... daß die bisherigen schwer erträglichen Tollhäuslereien der Fernstenliebe sehr wohl noch deutlich steigerungsfähig waren und daß alle bisherigen Einwanderungsprobleme auf Kleinformat schrumpfen konnten ...

und daß

... die Eliten und zu großen Teilen auch die verführbaren Nicht-Eliten eines hochentwickelten Landes mit irrsinnigem Johlen dem Abgrund entgegenspringen ...

, der will hiermit offenbar provozieren, Biederkeit zu Dynamit werden lassen, den Mr. Hyde reizen, den Hulk.

Ein gebürtiger Hesse
13. August 2016 12:08

@ Winston Smith

Haha! Das genannte Dynamit oder auch ein anderes ist beim Lesen Ihres Kommentars soeben in meiner Stube hochgegangen. Schon ein Weilchen (den blümchenhaften Diminutiv sehen Sie mir bitte nach) nicht mehr derart losgeprustet ...

Wie das Biedere, Biedermeierliche jedoch tatsächlich umschlagen kann in etwas ganz und gar Fulminantes, zur Seele Gehendes kann man bei Adalbert Stifter sehen. Dieser Parcours sollte in Punkto Verortung einmal aufspürend nachgegangen werden.

Gustav Grambauer
13. August 2016 12:46

Warum hat er nur mit seinen Halal- / Haram-Betrachtungen aufgehört?!

Haram: Kraus, Tucholsky, Hacks
Halal: Shaw, Ustinov, Klonovsky!!!

- G. G.

Gustav Grambauer
13. August 2016 13:01

Klonovskys Aphorismen sind meine bevorzugten Gastgeschenke, auch und gerade bei Einladungen in Häuser gewisser politisch verheuchelter Typen.

- G. G.

Konrad Gill
13. August 2016 15:19

An Winston usw.: Blindwütig verbal auf die Verräter einzuschlagen ist Klonovskys Sache nicht, und ich bin dankbar dafür, daß er neben scharfer Analyse auch den Künsten Raum gibt und ganz und gar politikfernen Themen. Sonst wäre die Sammlung der Themen eines Jahres kaum zu ertragen. Insofern ist das Buch in der Tat anregend. Oder schließen sich Ihrer Meinung nach Klugheit und die Erkenntnis des uns umgebenden Wahnsinns aus? (Wozu Sie sich davon anregen lassen, überlasse ich übrigens Ihnen.)

Joel Rohde
13. August 2016 21:58

»Haben Sie übersehen, daß man Sie möglicherweise nur mißbraucht, um das Profil der rechtskonservativen AfD durch einen streitbaren Intellektuellen aufzupolieren?« – »Das habe ich in der Tat übersehen.«

Wunderbar so einen braucht die AfD! Freue mich.

Winston Smith 78699
14. August 2016 08:38

@ Konrad Gill

Oder schließen sich Ihrer Meinung nach Klugheit und die Erkenntnis des uns umgebenden Wahnsinns aus?

Vielen Dank für die Frage. Für mich persönlich ja, aber ich wünsche mir, es wäre anders. Ich hab es seit Jahren mit allerlei Mandalas versucht, darunter Psychologiebüchern, dem Sammeln von Tarotkarten, Kunst- und Gedichtbänden - aber nichts hält mich. Gerne hätte ich einen Menhir zum abwesend draufstarren, wenn ringsrum die Hölle losbricht. Gerne auch so einen Kreuzungspunkt von kontinental vernetzten Kraftlinien (oder Feldern? - gehen bei Feininger die Strahlen eigentlich von den Dingen aus oder sind, umgekehrt, die Dinge vielmehr durch die Schnitte von Ebenen und Räumen gegeben?): das reguläre Achteck soll ja (bei Michael S. Schneider: A Beginner's Guide to Constructing the Universe) für periodische Erneuerung stehen, so daß in einem Kult um diese Form die Meditation von so etwas wie kosmischem Atem liegen könnte (Jahreszeiten, Geheimnisse der Photosynthese? Schneider findet es u.a. im Shivatempel: Transformation, Erneuerung, Zerstörung), so daß der spirituelle Gärtner uns ein Überlebensmodell abgeben könnte, mit seinem Fluchtpunkt im Stoffwechsel: Fixierung aufs Mantra, Pfeifen im Dunkeln. Aber erstens muß so eine Stele auch durch einen Trojaburg-Bändertanz eingeweiht werden, oder kommt die Magie durch die Form allein und nicht durch kollektive Selbstbewahnung - wäre dann eine zufällig achteckige Basaltsäule ohne Beobachter ein Staufersymbol? Wenn so ein Buch also eine Stele sein soll, muß es gleichwohl durch einen Tanz der Kommentare eingeweiht werden, von möglichst wilden Masken wie am Gotthard-Höllenloch. Im übrigen frage ich mich und Sie, ob dieses Sinnbild schlechthin von Coolness, der im Kräutergarten meditierende Mönch, noch etwas anderes retten wird als nur seine persönliche Seele - eigenen Nachwuchs sollte er ja nicht haben. Oder dieser sollte zumindest außer Haus sein (wie bei Astronaut Meyer) und selbst fliehen, kämpfen oder in den Bergen überwintern können, wo der Mohammedaner und der Schwarzafrikaner nicht mehr hinwollen, beide mordlüstern aus ganz anderen bösen Energien heraus. So weit sind meine Kinder aber noch nicht, und daher ist saturierte oder kapitulierte Klugheit auch irgendwie nichts für mich.

Monika
14. August 2016 09:13

Morgens halb zehn in Deutschland, tiefstehende Augustsonne....

Viele Klonovsky-Sätze sind mir zu lang und umständlich. Was Wolf Schneider zu Klonovskys Sätzen sagen würde ?
....zu den entscheidenden Regeln gehört die der Leichtverständlichkeit...:
https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=9314
Oder Heinz Erhardt: Fasse dich, aber kurz !

Die Halal/ Haram Betrachtungen empfand ich als peinlich.

Ich bevorzuge eine Mischung aus Klonovsky und Pirinçci....

Nero
14. August 2016 11:12

Ich kann nicht verstehen wie man Michael Klonovsky gut finden kann.

Ein paar seiner Aphorismen sind schon sehr treffend und amüsant, nur seine politische Ausrichtung ist absolut inakzeptabel.

Er hat kein Problem mit Einwanderung nach Deutschland, aber keine Moslems.
Er findet Multi-Kulti prima, aber ohne Islam.

Sein Kommentar über den Amoklauf von München zeigt genau das Problem.
Er versucht es diesmal wieder auf die Moslems zu schieben. Diesmal aber ein Schiit. Egal, Hauptsache Moslem. Dann schreibt er, dass die offenen Grenzen der Merkel zu dieser Tat beigetragen hätten.

Das alles ist falsch. Ursache ist nicht der Islam, sondern Multi-Kulti. Wir leben in einer Spannungsgesellschaft mit vielen unterschiedlichen Ethnien, die dann wieder Land und Macht für sich beanspruchen. Dann knallt's halt.
In Mexico leben nur Menschen katholischen Glaubens. Das müsste dann doch das Paradies sein. Unserer Foristin Monika würde das sicher gefallen.
So mit Drogenbossen den Rosenkranz beten, bevor man dann eine Schulklasse platt macht.

Also Migranten ja, aber bitte keine die Stress machen und dem Michel aufzeigen könnten, dass er von der Erde verschwindet.
Bei um's Eck gibt es eine große Gemeinde syrische orthodoxer Christen.
Die sind genauso separatistisch und sektiererisch wie Moslems.
Fühlen sich auch immer im Stich gelassen. Fordern und fordern und fordern...

Ich mag Michael Klonovsky nicht. Ich traue ihm nicht.

Andreas
14. August 2016 11:44

Ja, ich genieße seine Texte auch regelmäßig.

Allerdings wird er wohl auf Dauer ein Element der "gehobenen Belustigung" für wenige bleiben und somit auch keine tiefere Wirkung enfalten und auch nicht können, weil wir mit den Hatespeech-Verfolgungen ja auch gerade erst mal angefangen haben - immerhin wurden wohl auf FB schon Texte von ihm "entfernt".

Tiefere Einflüsse auf die AFD und deren Auftreten in der Öffentlichkeit kann ich auch nicht feststellen, aber gut, das mögen Menschen die den aktuellen Wahlkampf beobachten, besser beurteilen können.

Letztlich bedienen Klonovsky, Pirinci und Co das Gefühl das Ende noch irgendwie aufhalten oder beeinflussen zu können, gar persönlich irgendwie widerständig zu sein, aber wer könnte das nicht verstehen?

Wolf Silius
14. August 2016 12:05

"Ich bevorzuge eine Mischung aus Klonovsky und Pirinçci…."

Eine grauenhafte Vorstellung.

Meier Pirmin
14. August 2016 13:17

@Winston Smith. Erfreulich, wie Sie realisieren, dass sich, sollte sich etwas verändern, die geistige Situation der Zeit mitverändern muss. So sah es zum Beispiel auch der Philosoph Carl Jaspers. In der schon abgeschlossenen Diskussion über Christliches und Unchristliches bei der Sezession im Zusammenhang mit der Abonnentenwerbung unterschätzen Sie einige der bedeutendsten christlichen Denker, von denen ich geschrieben habe, dass sie sich dem Erlösungsangebot von Jesus Christus, bzw. wie es von Theologen interpretiert wurde, scheinbar entzogen haben. Wo der Wille zur Erlösung bzw. zum Erlöstwerden nicht mehr die Hauptsache ist, weil sie sich geistig woanders befinden, geht es nicht um Ablehnung, Protest, Kontestation oder gar sogenannte Gottesleugnung. Im Sinn der Abgeschiedenheit und Gelassenheit von Meister Eckhart ist die Frage nach der Erlösung schlicht keine Frage mehr. Das könnte aber bei einfachen in der Mystik nicht geschulten Gläubigen natürlich missverstanden werden und wurde auch missverstanden. Wohl deswegen hat die katholische Kirche Meister Eckhart verurteilt, glücklicherweise aber erst posthum. Seine Werke wurden jahrhundertelang teils nur anonym oder pseudonym rezipiert.

Was Sie zu Klonovsky zitieren ist sehr anregend, gibt zu denken, wirkt aber wohl immer noch eine Spur zu aufgeregt für einen Philosophen.

H. M. Richter
14. August 2016 15:09

@ Gustav Grambauer

"Haram: Kraus, Tucholsky, Hacks"
__________________________

Na ja, zumindest hielt Peter Hacksens Gedicht ...

Rote Sommer

Derweil der große Haufen sich, in überengen
Behältern drangvoll duldend wie auf Viehtransporten,
Aus Deutschlands nördlich milden Breiten oder Längen
Hinquält zu seinen grauenhaften Urlaubsorten,

Begeben Preußens dünkelhafte Kommunisten,
Gewohnt, in völliger Absonderung zu glänzen,
In Linnen leichtgewandet, duftenden Batisten,
Nach ihren Dörfern sich und Sommerresidenzen.

Und sie verharren vor Parterren mit Verbenen
Und nippen edlen Wein in schattigen Remisen.
Manchmal, nicht allzu oft, empfängt wohl dieser jenen,
Beziehungsweise jener bewillkommnet diesen.

Dann nehmen sie den Tee aus köstlichen Geschirren,
Plaudernd vom Klassenkampf, während ein Pfau, ein bunter,
Gekrönter Mohrenvogel, mit metallnem Flirren
Durch Heckenwege schreitet und zum See hinunter.

... zu anderer Zeit eine andere Sezession eindrucksvoll fest.

Olaf
14. August 2016 16:16

"„Ich bevorzuge eine Mischung aus Klonovsky und Pirinçci….“"

Klonovsky: Die Blume mit zarten Fingern lieblich pflücken und die Blüte sanft im Scheine des Abendrots wiegen.
Pirincci: Du meinst Ficken, oda?

Unke
14. August 2016 17:35

Naja. Ich habe K.s erstes Werk erworben. Erwartete ein Buch. Was dann ankam war ein Büchelchen, total überteuert.
Es ist wie immer: die Frage ist nicht "do you have something to publish?", sondern "do you have a publisher?".
Es ist ihm (und vor allem der AfD) zu wünschen dass er sich auf seinen neuen Job konzentriert. Die jüngste Ansage von F. Petry fand ich schon mal genial (nicht die Tatsache, dass sie naheliegend ist, sondern dass das durch alle Mainstream-Medien ging).

marc
14. August 2016 17:39

Auch ist erstaunlich, welches Maas an Schmähkritik sich Peter Hacks noch in der Nachwendezeit erlauben konnte:

„Eine Plattform steht von Planken,
Draus zwei Pfosten stattlich ragen,
Die, geschmückt mit Eichenranken,
Das geschärfte Eisen tragen.
Bald aus einem fernen Knarren
Bildet sich ein Zug von Karren.
Krause rollt und de Maizière
Vorne vor dem Zuge her

Böhme, Thierse, Schnur und Stolpe,
Gysi, Modrow, Wolf und dann
Poppe, Barbe, Klier und Bohley, 
Schröder, Ull- und Eppelmann,
Die Gebrüder Brie und, ärger,
Eheleute Wollenberger
Alle lassen ihren Kopf
Fallen in den Auffangtopf.“

Die Nachwuchspolitikerin M. ausgespart zu haben, ist wohl jener galanten Rücksichtnahme zu verdanken, die Hacks mit Klonovsky verbindet.

Friedhelm
14. August 2016 19:55

@Nero: Ich sehe Klonovsky ähnlich wie Sie, jedoch hatte ich eher das Gefühl, daß Klonovsky dazu neigt, die islamische Kultur zu romantisieren. Die arabische Welt war in der Tat zeitweise höher entwickelt, jedoch nur für wenige Jahrhunderte, und insgesamt war das, was die Araber geleistet haben, mager im Vergleich zu den Griechen. Siehe hierzu Michael H. Harts "Understanding Human History" (Tut mir leid, das hier ständig anzuführen, lese es gerade zum dritten Mal: es ist ein fantastisches Buch).

Hie und da ist Konovsky lesenswert, vor allem dort, wo er die Eliten auseinandernimmt. Seine Urteile über Literatur und bildende Kunst teile ich jedoch nicht, von Musik verstehe ich leider weniger; den Puccini-Band halte ich jedoch für gelungen, da schließe ich mich Henscheid an, den ich sonst nicht leiden kann.

Wes Geistes Kind Klonovsky ist, hat er jedoch in dem Interview gezeigt, das er der Blauen Narzisse vor kurzem gab: er möchte die Einwanderung von Chinesen forcieren und zeigt hier die selbe "Gelbsucht", die auch viele aus der "Human Biological Diversity"-Szene pflegen. Man sieht nur die IQ-Werte und denkt sich: die sind überlegen! So einfach ist es aber nicht: die Standardabweichung ist geringer bei den Nordostasiaten, außerdem sind sie in der Tat weniger kreativ, dafür reicht schon ein Blick in die Geshichte. (Z B. waren die Chinesen um 1600 in der Mathematik nicht so weit wie die Griechen um 300 vor Christus.) Richard Lynn hat die geringe Kreativität im Interview mit Molyneux angesprochen, aber Rushton war bis zu seinem Tod ganz außer sich bzgl. der Nordostasiaten. Einer der wenigen, der diesen IQ-Fetisch kritisiert und ablehnt -- ohne die Wichtigkeit des IQs ganz zu leugnen -- ist Frank Salter, der meint, daß die Europäer mehr ausmacht als der nackte IQ-Wert.

Davon ab hat Klonovsky mit dieser Äußerung gezeigt, daß er Einwanderung für "alternativlos" hält. Das ist schon deprimierend.

Es ist wichtig, daß sie die syrischen Christen ansprechen und Sie haben vollkommen recht: das Problem ist doch eben nicht das Religiöse, es ist das Ethnische! Als ob es nicht weniger problematisch wäre, kämen Millionen schwarzafrikanischer Christen! Das ist doch naiv! Über ethnische Konflikte hat vor allem der oben genannte Salter zusammen mit Eibl-Eibesfeldt Wichtiges veröffentlicht, auch Tatu Vanhanen hat sich mit diesem Thema beschäftigt.

Gustav Grambauer
14. August 2016 20:44

H. M. Richter

Die Sommerresidenz von Hacks, die in der Ostberliner Kulturszene legendenumwobene "Fenne",

https://www.zeit.de/2010/34/Peter-Hacks

hat wohl an Protz alle Datschen von Gregor Gysi oder André Brie in den Schatten gestellt (ich vermute sehr stark, obige Verse sind erst aus den 90er Jahren). Andere würden darin die typische Salonkommunisten-Heuchelei sehen, mit der er sich nach den von Ihnen zitierten Versen noch selbst übertroffen hätte.

Ich nehme ihm seinen Luxus nicht übel, zumal er in vollem Bewußtsein mehrere Millionen D-Mark, Franken, Schilling und DDR-Mark mit seiner Unterschrift FÜR (!!!) die Biermann-Ausbürgerung eingebüßt hat, denn daraufhin wurden seine Stücke quasi über Nacht nicht mehr gespielt. (Außenstehende werden das kaum verstehen, aber dies galt auch für alle DDR-Theater, denn die Kulturpolitik war seit Klaus Gysi - und Kurt Hager zum Trotz - eine Bastion der Kulturmarxisten, etwa das BE oder das DT sowieso.) Man kann Hacks also eine gehörige Portion persönlicher politischer Konsequenz bescheinigen, und daß er in der Hinsicht gewiß kein Heuchler war.)

Sie werden es nicht glauben, aber ich nehme Hacks nicht das übel, was ihm das Juste Milieu übelnimmt: seine Verehrung für Ulbricht (als Ausbalancierer der beiden Blöcke wie H. selbst zum Stichwort "Staatskunst" einmal gesagt hat), seine Verachtung für "Bürgerrechtler" ergo Linksdissidenten, seine stalinistisch übersteigerten (jedoch an der Hochklassik orientierten) kulturpolitischen Positionen, seine Verachtung für Postmoderne und Gegenkultur, seine hegelianische Staatsfrömmigkeit. (Seine Verachtung der Romantik kann ich ihm nicht übel nehmen, denn er wußte nichts aber auch nichts von der Wirklichkeit deren Kerns, des Heiligen Gral.)

Für mich ist Hacks "Haram", weil er durchgängig Agit-Prop betrieben hat, nur nicht ganz so plump wie die übliche Agit-Prop, aber dogmatisch ebenso stramm auf der Basis der unsäglichen "Kunst-ist-Waffe"-Doktrin. Wer das bei ihm einmal erkannt hat, für den fallen weite Aspekte seiner Vita und seines Werks wie Hohlkörper in sich zusammen. Für mich ist dies die Erklärung für die groteske innere Leere, die ich über die stilistische Eleganz hinweg beim Lesen schon immer empfunden habe. Diese Groteske verdichtet sich zur ultimativen Lächerlichkeit dadurch, daß er von sich selbst geglaubt hat, er stünde - mindestens - auf einer Ebene mit Goethe.

Hinzu kommt: so wie Kraus und Tucholsky - und eben anders als Shaw, Ustinov und Klonovsky - hat er mit ganz besonderem Nachdruck aus der Schmoll-Ecke seines gekränkten Ego heraus geschrieben, somit sein Publikum als Projektionsfläche seiner psychotischen Störung zu mißbrauchen versucht. Und so etwas kommt bei mir gar nicht gut an ...

- G. G.

Gustav Grambauer
14. August 2016 21:38

marc

"Auch ist erstaunlich, welches Maas an Schmähkritik sich Peter Hacks noch in der Nachwendezeit erlauben konnte."

Schöne Freudsche Fehlleistung in Zeiten von Maas und Maaßen. Operativer Vorgang "marc" läuft!!!

Weil wir bei Hacks sind: nicht von ihm, aber von einem, der ihm geistesverwandt war, und dem man nach dem DDR-Schul-Literaturkanon diese Zeilen nicht zugetraut hätte, Johannes R. Becher:

"War unsre nicht die größte der Epochen? /
Und wessen Tür wird heute Nacht erbrochen?"

- G. G.

Gustav Grambauer
14. August 2016 22:37

Friedhelm

Es war die evolutuionäre Aufgabe des Islam, das Abgleiten der Menschheit in die tierhafte Intellektualität zu verhinden, hierzu Rudolf Steiner:

"Dieses Bestreben war - und es war genau das, was ich gestern erzählte und vorhin andeutete - eine umfassende Wissenschaft, die hätte ersetzen sollen die Anstrengungen der Bewußtseinsseele, die aber den Menschen zum bloßen Erdenmenschen gemacht hätte, ihn abgeschlossen hätte von seiner wirklichen Zukunft, der Hineinentwickelung in die geistige Welt. Weise Menschen würden entstanden sein, aber materialistisch denkende Menschen, reine Erdenmenschen. Tief hinein hätten sie sehen können auch in das geistige Irdische, in das Übersinnlich-Irdische; aber abgeschnitten gewesen wären sie gerade von derjenigen Entwickelung, die dem Menschen zugedacht ist von seinen Schöpfern mit dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. Und wer eine Ahnung hat von der Weisheit von Gondishapur, der wird sie zwar halten für eine der Menschheit im höchsten Sinne gefährliche, aber er wird sie zu gleicher Zeit halten für ein ungeheueres Phänomen. Und die Absicht bestand, nicht nur die Umgegend, sondern die ganze damals bekannte zivilisierte Welt, nach Asien und Europa überall hin, mit dieser Gelehrsamkeit zu überschwemmen.

Die Ansätze waren dazu auch gemacht. Aber es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, gewissermaßen zurückgehalten von retardierenden geistigen Kräften, die doch zusammenhingen, wenn sie auch wiederum eine Art von Gegensatz bilden, mit dem, was durch den Christus-Impuls beeinflußt war. Es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, zunächst durch das Auftreten Mohammeds. Indem Mohammed eine phantastische Religionslehre verbreitete, vor allen Dingen über diejenigen Gegenden, über die man verbreiten wollte die gnostische Weisheit von Gondishapur, nahm er sozusagen dieser gnostischen Weisheit von Gondishapur das Feld weg. Er schöpfte sozusagen den Rahm weg, und dann segelte dasjenige nach, was von Gondishapur kam, und konnte nun nicht durch dasjenige durch, was Mohammed getan hatte. Das ist gewissermaßen die Weisheit in der Weltgeschichte; man kennt auch den Mohammedanismus erst richtig, wenn man zu den andern Dingen noch weiß, daß der Mohammedanismus dazu bestimmt war, die gnostische Weisheit von Gondishapur abzustumpfen, ihr die eigentliche, stark ahrimanisch versucherische Kraft, die sie auf die Menschheit sonst ausgeübt hätte, zu nehmen."

- https://anthrowiki.at/Akademie_von_Gundishapur

Es wird sich bald zeigen, daß wir heute wieder dieselbe Situation haben. Der Antagonismus wird derzeit noch mit aller Mitteln verschleiert, wird aber bald offen aufbrechen: westliche Universitäten vs. Islam.

- G. G.

Nero
14. August 2016 22:38

@ Friedhelm

Die von Ihnen erwähnte Gelbsucht oder das Tropenfieber ist mir schon lange ein Ärgernis. Es dient als Ersatzhandlung für alle die ein Problem mit dem nahen Osten haben sonst kein Rassist sein wollen.
Seht her: Ostasiaten sind so klug, nur rein mit denen!

Mit ist es egal wer welchen IQ hat. Das ist doch genau die Macht der Zahl, die uns so in Probleme bringt. Deutschland muss so und soviel Einwohner haben, mit der Altersspanne, egal wer. Weil, Menschen sind ja alle gleich.
Nikolaus Fest ist so ähnlich. Schreibt auch gute Artikel, aber den Kern der Sache treffen Klonovsky und Fest nicht.
Ich sage aber: sie WOLLEN ihn nicht treffen. Bei Klonovsky sehe ich den familiären Hintergrund als Auslöser des ganzen. Bei Fest ist es Schuldkult und Indoktrination.

---------------

Die syrischen Christen hatten damals die Straße zugeparkt und ich kam nicht mehr aus der Ausfahrt raus. Die standen zudem mitten auf der Straße, schwarzes Hemd, schwarze Hose, Brusthaare quollen heraus, Handy am Ohr, lautes Geschrei ins Mikrofon und untereinander, fremde Sprache die meinen Ohren weh taten.
Ich wusste nicht wer die sind und war dann echt enttäuscht, als ich sah wie die in die syrische Kirche gingen. Das ist auch nichts anderes als ein Mafia-Treff. Und was für eine große Fresse die hatten. Warum kommen die hier her?

Der Krieg ist es nicht.

marc
15. August 2016 00:15

@ Gustav Grambauer

„Heimat, meine Trauer
Land im Dämmerschein
Himmel du mein blauer
Du mein Fröhlichsein“

Wer leidet lauter und wortreicher an Deutschland als Johannes R.Becher?

Und sind nicht Bechers Sonette, Hacksens Versdramen, Tübkes Geschichtspanoramen ganz bewusst und emphatisch deutsch? Hat der Kommunismus konserviert und im frostigen Boden der DDR die Saat der deutschen Kultur geborgen? Sind die Spitzenleistungen der DDR-Kunst so gut, weil sie die Gipfel der deutschen Klassik zumindest im Blick behalten? Ist Klonovskys Aphoristik, die ja politisch-moralische Fehlleistungen ständig in ihren ästhetischen Ausprägungen aufzeigt, eine späte Blüte der DDR-Literatur? Und wäre eine Rezeption dieser Literatur von Rechts nicht überaus vielversprechend? (Wie gut, hellsichtig, richtungsweisend sind die späten „Interviews“ von Heiner Müller!)

Peter Hacks: Ich begnüge mich damit, Ihnen scharf zu widersprechen. Agit-Prop kann er gerade nicht.(„ Lumumba durch den Urwald floh/ mit Okito und Mpolo“) und Künstlern „gekränkte Egos " und "psychotische Störungen" vorzuwerfen führt naturgemäß nicht weit. (Wie mir Ustinovs ausgeglichene weltbürgerliche Bonhomie auf den Wecker geht!)

Für den Maas-Kalauer leiste ich Abbitte.

Meier Pirmin
15. August 2016 06:18

@Nero. Was Sie im Zusammenhang mit Mexiko der Mitforistin Monika Läppisch-Dümmliches unterstellen, ist mehrfach unqualfiziert, zeigt auch, dass Sie sich mit der geistigen Situation Mexikos und den dortigen Kirchenverboten und Christenverfolgungen nicht befasst haben, auch nicht mit der ethnischen Doppelung von Indios und Spaniern usw. Mexiko ist auf jeden Fall komplexer, es gibt aber auch dort ein Problem der grossen Masse. Wer von uns möchte schon in Mexico City leben, einer Menschensardinenbüchse? Dass man in den USA die Masseneinwanderung der Mexikaner nicht will und sich dieser gegenüber auch unter Obama gegenteilig verhält wie Merkel 2015 gegenüber der Menschenflutung, entspricht den Bräuchen der Einwanderungsländer, die natürlich fast schon immer gewusst haben, dass man nicht jeden reinlassen kann. Mexiko bleibt aber ein faszinierendes Land mit seiner je eigenen Bevölkerungsmischung. Sie haben auch eine eigene charakteristische Kultur, nicht einfach beliebiges Multikulti, sondern eben die spezifisch mexikanische Mischung. Ein schönes Detail ist der Muralismo, die monumentalische Mauermalerei.

Sie können Mexico trotz seiner bedeutenden Walffahrtsorte nicht auf den Katholizismus reduzieren. Hochinteressant der Totenkult, über den Luis Bunuel einen mehrstündigen Film gedreht hat. Was übrigems Monica jeweils beiträgt, vgl. den Link betr. Sprachkritik von Schneider, können Sie nicht auf die frömmlerisch-idyllische Ecke reduzieren. Hingegen scheint mir authentisch, was Sie über syrische Christen in Ihrer Umgebung schreiben. Trotz Ihres Widerwillens sollten Sie sich mit denen aber noch genauer befassen. Ich selber hatte vor einigen Jahren syrische Christen unter meinen Gymnasiallschülern. Sie erwiesen sich damals mit den Muslimen äusserst solidarisch. Über Ihre Einwanderungsmotive möchte ich bei aller Sympathie nicht zu viel sagen. Ich fürchte, Sie haben nicht ganz Unrecht. Kulturell ist das Verschwinden der syrischen Christen aus Syrien, sollte es stattfinden eine Katastrophe, kein Vergleich mit dem "Gewinn" oder der "Bereicherung" Deutschlands, da gebe ich Ihnen recht. Sie sollten sich aber noch genauer mit diesen Syrern befassen, wenn Sie schon vor Ihrer Haustüre sind. Und natürlich war es auch kein Ziel der christlichen Afrikamission, deren wichtigste Errungenschaften die Einführung eines europäischen Zeitgefühls war, dass ihre missionierten Schäflein dann in Europa einwandern. Man dachte im Ernst, sie könnten mit ihren wunderbaren Ländern etwas anfangen.

Winston Smith 78699
15. August 2016 08:36

@ Meier Pirmin

Vor allem will ich Herrn Gill um Verzeihung bitten, indem ich sein Thema der Stauferstelen einbinde, denn verletzen wollen wir uns doch auch mit Scherzen nicht, das gilt es wieder zu lernen: aktiv sowie passiv. Und recht hat er ja: noch manches vorhandene Volkskundliche (wie hier die Erdställe) könnte noch der zeitgemäßen Beschreibung harren - einer neuen, die dem entzaubernden Vernichtungsschlag Umberto Ecos im Pendel (z.B. in die Zukunft gegen Dan Brown) standhält - denn so ist ein Eco selbst nicht, wie Adorno liebt er doch selbst viel zu sehr, was er in akademisch selbstverliebtem (faustischem?) Eifer da zeichentheoretisch angreift. Daher erwähnte ich woanders Dieter Wielands Topographie (meiner Ansicht nach immer wieder eine konservative Anwendung der ästhetischen Theorie vom Wiesengrund) und die beiden Wilhelms, den vom Schuldkult verschütteten Worringer und den begrifflich unzeitgemäßen Fraenger, als vielleicht weniger bekannte Anknüpfungspunkte. Recht hat Gill also, oder wie mir ein Jesuit auf Frage antwortete, ob wir nicht in der reinen Materiewelt von W.O.v.Quine (in dieser Hinsicht ein modernistisch aufpolierter Lukrez) lebten: mag sein, das kann man theoretisch durchhalten, aber so nicht leben. Kann man denn integer so tun, als gäbe es keine spirituellen Bauten? Kennen wir sie überhaupt? Die Wieskirche wurde irgendwo einer von Europas wichtigsten Kraftorten genannt und zugleich kein Wort über die Kappl aufm Glasberg im Kohlwald verloren ... oder hätte ich über diesen Ort jetzt mal lieber schweigen sollen?

Monika
15. August 2016 09:05

Klonovsky: Die Blume mit zarten Fingern lieblich pflücken und die Blüte sanft im Scheine des Abendrots wiegen.
Pirincci: Du meinst Ficken, oda?

@Olaf

Das ist doch keine Mischung !!!

Ich dachte eher an Goethe !
So Zwischen Bettschatz und Heideröslein. Bei einem guten Rotwein im Goldenen Ochsen in Sessenheim ( Elsass).....

H. M. Richter
15. August 2016 09:45

@ Gustav Grambauer

"Weil wir bei Hacks sind: nicht von ihm, aber von einem, der ihm geistesverwandt war, und dem man nach dem DDR-Schul-Literaturkanon diese Zeilen nicht zugetraut hätte, Johannes R. Becher:
„War unsre nicht die größte der Epochen? /
Und wessen Tür wird heute Nacht erbrochen?“"

Passend dazu: Wenigen nur ist heute noch bekannt, daß sich Becher 1948 weigerte, eine SED-Delagation nach Wroclaw anzuführen, weil er "ein polnisches Breslau" nicht akzeptieren konnte.

_____________________________________

Zu Hacks:
Ich stimme Ihren Ausführungen in vielem zu.
Doch hat Hacks, dessen Geburtsort Breslau (s.o.) gewesen war, anders als Sie glauben, nicht durchgängig "Agit-Prop" betrieben.

Dies zeigt beispielsweise folgendes Gedicht, über das Schirrmacher einst bemerkte, daß "neunzig Worte in der richtigen Reihenfolge mehr wert sind als zehntausend Worte in der falschen".

Beeilt euch, ihr Stunden, die Liebste will kommen.
Was trödelt, was schleppt ihr, was tut ihr euch schwer?
Herunter da, Sonne, und Abschied genommen.
Verstehst du nicht, Tag, man verlangt dich nicht mehr.
Mit seinen Droschken und Schwalben und Hunden
Wird mir das ganze Leben zum Joch.
Schluß mit Geschäften. Beeilt euch, ihr Stunden.
Und wärt ihr Sekunden, ich haßte euch noch.
Ich kann nicht erwarten, den staunenden Schimmer
In ihrem zärtlichen Auge zu sehn.
Verschwindet, ihr Stunden, am besten für immer.
Die Liebste will kommen, die Welt soll vergehn.

hubschrauberpilot
15. August 2016 11:03

Nero hat den richtigen Instinkt. Das Katholisieren hier geht auch mir zunehmend auf den Sack. Die deutschen Kirchen sind tote Hunde, von Rom Rettung zu erwarten ist ein Witz, und auf eine christliche Erneuerungsbewegung irgendwo aus dem Harz oder dem sächsischen Tiefland zu hoffen der Verzweiflung letzte Blüte, um mal im Jargon der hiesigen Sinnhuber zu bleiben. Da lieber eine Flasche Wodka und eine Makarov. Und laßt mir den Hacks in Ruhe, der hat mehr zu sagen und ist lustiger als der olle Jünger, Stalinist hin oder her.

Stil-Blüte
15. August 2016 14:31

@ Monika

Viele Sätze von Klonovsky sind mir zu lang und umständlich.

Liebe Monika, würden Sie das auch sagen, wenn es sich um lange und umständliche Wege statt einer glatten Autobahn in einer gebirgigen Landschaft handelt?

Angesichts der Begradigung, Flurbereinigung, Ausdünnung, Unkrautvertilgung, Entwässerung, Ausholzung, Bauhausierung unserer Muttersprache tutt es gut und - vor allem N o t - , daß Herr Klonovsky, der das gesamte Füllhorn unserer Muttersprache beherrscht und - für uns ausschüttet. Ich empfinde große Freude, wenn ich ihn lese und sinne manchen komplizierten Sätzen nutzbringend nach.

Das gefällt Ihnen nicht? Dann so:

Die Sonne scheint durchs's Kellerloch.
Ach laß sie doch, ach laß sie doch!

(August Schramm, Arbeiterpoet)

Meier Pirmin
15. August 2016 15:16

@Hubschrauberpilot. Wenn Sie den Rückbezug auf Meister Eckhart und das Zitieren ketzerischer Katholiken, die für sich keine Erlösung erwarteten, mit Katholisieren und der Erwartung von "Rettung aus Rom" verwechseln, gar mit Bekenntnis zu offiziellen Verlautbarungen deutscher Kirchen, wären Sie in diesem Fall auf dem Holzweg.

Erstens sind theologische Bezüge, die natürlich eine andere Diskursebene darstellen, bei der Psychologie der Weltanschauungen unentbehrlich, man kann ohne Theologie auch Marx und Engels nicht verstehen, das hätten Sie noch Ernst Bloch fragen können. Zweitens gibt es in Europa beinahe keine Ideologie, die nicht aus Versatzstücken von säkularisiertem Christentum, teilweise auch Judentum besteht. Ich formuliere es so, weil ich nicht viel vom gängigen Bezug zur "christlich-jüdischen Tradition" halte, einem Trick vor allem von heutigen Kirchenvertretern und CDU/CSU-Ideologen, womit sie die jüdische Theologie, die im Moment weniger Gegner hat und als politisch korrekt gilt, ins eigene Lager integrieren wollen. Mit christlichen Erneuerungsbewegungen ist zumal für das Denken nichts mehr zu machen, das war schon immer Volksverdummung. Will man aber nicht das Kind mit dem Bad ausschütten, bleibt nicht zu vergessen, dass das Katholische ein 2000jähriges geistiges Bergwerk darstellt. Marxismus und Nationalismus haben da vergleichsweise weniger zu bieten. Ich habe aber Verständnis für Ihren Widerwillen. Wollen Sie sich über diesen näher orientieren, befassen Sie sich mal mit Bismarcks Einstellung zu dem von ihm lange aktiv geführten Kulturkampf gegen die katholische Kirche. Er liess ihn sein oder reduzierte denselben, als die Sozialistengesetze anstanden, welche dann auch wieder nicht das Gelbe vom Ei waren.

Kulturkämpfe aber sind dazu da, um durchgefochten und am Ende vielleicht sogar gewonnen zu werden. Würde man diese Herausforderung annehmen, wäre zum Beispiel der als Feindbild überschätzte Islam auch nur halb so gefährlich. Für die Ablehnung des Islam auf höherem Niveau brauchen Sie theologische Grundlagen. Die Nullen hinter dem Eins sind sowieso dagegen, aber die Eins muss im Bilde sein, will man einen Kulturkampf bestehen. Derzeit konzentriert man sich auf das Burkaverbot, weil dagegen viel leichter Schlagworte möglich sind als zum Beispiel ein Islaminstitut an einer Hochschule in Frage zu stellen. Ich habe sogar den Eindruck, dass in der Schweiz und Deutschland, möglicherweise Österreich mittelfristig das Burkaverbot zum Demonstrationsgesetz aufsteigt, dass man muslimisches Brauchtum nicht bedingungslos akzeptiert.

Hartwig aus LG8
15. August 2016 16:01

Klonovsky ist ein Dandy. Die Linie, die er zieht, trennt Kultiviert von Unkultiviert (wobei er hin und wieder Manierismus mit Kultur verwechselt, und von bildender Kunst nicht viel versteht).
Seine beiden eigenen Romane sind allerdings von der typischen klonovskyschen Affektiertheit frei.

Der syrische Arzt wäre M.K. willkommen; ein Araber oder Türke, den er bei Händelfestspielen trifft, ebenso. Das er die Schar der Bach-verliebten Fernöstlichen als Geistesverwandte schätzt, steht außer Frage. Auch die würde er als Mitbürger begrüßen.
Ich kann da zwar nicht mitgehen, halte es wiederum nicht für verächtlich.

Mit einer so gezogenen Linie kann man alllerdings NICHT Politik machen. Das sollte Klonovsky wissen.

Monika
15. August 2016 19:14

Danke Meier Pirmin,
theologische Bezüge sind nicht nur unentbehrlich , sie sind immer noch und immer wieder Voraussetzung selbst für die abstrusesten Denkgebilde .
Ja, es gibt in Europa keine Ideologie, die nicht aus Versatzstücken von säkularisierten Christentum oder Judentum besteht ! Und nicht nur Ideologien, sondern auch Literatur , Kunst und Musik bestehen aus diesen Versatzstücken.
Diesen Gedankengang hat der Dogmatiker Walter Kasper in seinem Buch "Der Gott Jesu Christi " überzeugend ausgeführt.
Auch der Atheismus eines Nietzsche setzt das Christentum voraus.
Nur ein Gott, der in diese Welt kommt ( er kam in sein Eigentum) kann aus dieser Welt auch wieder verschwinden. In diesem ganz existentiellen Sinne kann ein Moslem kein Atheist werden.
Und auch nicht säkular, sondern nur laizistisch.
Die Kasualien des Islam sind nicht das eigentlich Entscheidende.
Hier steht eine ganze geistesgeschichtliche Entwicklungsgeschichte zur Disposition.
Die in ihrer Tiefe noch gar nicht ausgelotet ist.

Kiki
16. August 2016 12:37

Klonovsky ist alles andere als ein begnadeter Stilist (wie oft denkt man beim Lesen: etwas weniger syntaktisches Lametta, sparsameres Begriffsgedrechsel wäre eindeutig mehr); im Grunde kann er auch gar nicht richtig schreiben, ist aber der einäugige Klumpfuß unter Legionen von totalen Mehrfachbehinderten.

Daher sein Ruhm in gewissen ideologischen Kreisen.

In der guten alten Zeit der Größe hätte man ihn in Auerbachs Keller aushilfsweise kellnern lassen, damit der Jung ma' n'büschn zuhörn kann.

Stil-Blüte
24. August 2016 04:26

Ich hatte einen seltsamen Traum: Da hatte sich Raskolnikow in Monika und die Monika in Klonovsky verwandelt. Schußendlich kam ein wunderbarer Aphorismenband heraus. Titel: Versteckspiel.

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