03. September 2016

Überlebensstrategien in einer polarisierten Gesellschaft - Ein Aufruf

von Martin Lichtmesz / 278 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Liebe Leser und Mitleser, hochgeschätztes Kommentariat! Ich bin gerade dabei, Material über die politische Polarisierung zu sammeln, die sich gerade in vielen westlichen Ländern immer schärfer bemerkbar macht: man denke an den österreichischen 50:50 Deadlock zwischen Hofer und Van der Bellen, Brexit in Großbritannien, Trump-Clinton in den USA, den Aufstieg der AfD in Deutschland trotz aller Hetze seitens des Establishments... das schlägt sich auch im Alltag und in zwischenmenschlichen Beziehungen nieder.

Jeder von uns hat es wohl schon erlebt, wenn man im sozialen Umfeld, in der Familie, am Arbeitsplatz, an der Universität usw. kontroverse Meinungen äußert oder eine unpopuläre Farbe bekennt: der soziale Druck erhöht sich, heftige Diskussionen werden vom Zaun gebrochen, allerlei Affekte und Emotionen von der Leine gelassen, Freundschaften gekündigt oder manchmal sogar Jobs... man kann aber auch gegenteilige Erfahrungen machen: Sympathisanten und andere U-Boote und Gleichgesinnte tauchen auf, die sich über das Outing freuen, so manches intellektuelle Interesse wird geweckt und setzt Denkprozesse in Bewegung, und Krypto-Rechte erkennen sich selbst.

Dabei begegnet man immer wieder denselben Mustern: beide Parteien werfen sich spiegelbildlich vor, verblendet, unmoralisch oder irrational zu sein. Man hat den wechselseitigen Eindruck, daß dem Gegenüber gewisse Gehirnteile zur Wirklichkeitswahrnehmung fehlen oder daß es in einem Paralleluniversum lebt. Man muß sich oft erst durch eine ganze Phalanx and Strohmännern kämpfen, bis man endlich sagen kann, was man wirklich denkt oder eigentlich meint (und was nicht). Linke glauben, daß Rechte böse, und Rechte, daß Linke dumm seien. Linke werfen Rechten mangelnde Empathie und Rechte Linken mangelnden Verstand vor. Und immer kommt es darauf an, wen man vor sich hat - mit wem ist eine Diskussion sinnlos? Mit wem kann man sich zumindest auf einer menschlichen Ebene verständigen? Welche Argumente, welche Sprache, welcher Zugang ist bei wem angebracht und effektiv, und bei wem nicht? Usw. usw.

Manchmal empfiehlt es sich, zu schweigen, manchmal ist es besser zu streiten. Manchmal schädigt eine Eskalation, manchmal klärt sie die Luft. Manchmal nähert man sich an, manchmal entfernt man sich. Und doch: es ist etwas los im Land, alte Fronten bröckeln, neue bilden sich, ein großes Umdenken ist im Gange, und jeder von uns steht an einem Punkt, an dem er etwas verändern und bewegen kann, und sei es noch so klein.

Ich möchte unsere Leser bitten, mir in der Kommentarfunktion ihre in dieser Hinsicht haarsträubendsten, traurigsten, erhellendsten, ermutigendsten, lustigsten Erfahrungen zu schildern. Ebenso würden mich interessieren, welche Diskussions- und Überlebensstrategien sich als wirkungsvoll erwiesen haben und welche nicht. Wer nicht will, daß sein Beitrag veröffentlicht wird, kann einen entsprechenden Hinweis hinzufügen. Das gesammelte Material soll in einem kleinen bei Antaios erscheinenden Handbuch- und "Survival Guide" verwertet werden, mit dem wir die dämliche einschlägige linke Ratgeber- und Indoktrinationsliteratur saftig kontern werden.

Also wohlan, haut in die Tasten, ich bin schon gespannt auf die Beiträge und Anregungen!

Bestfourourcountry

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (278)

Treverer
03. September 2016 12:17
Meine Standardfrage an Willkommenskulturelle lautet immer, ob sie ihren Kindern zu hause auch beibringen, jeden Fremden, der vor der Tür steht, herein zu lassen. Und warum nicht ? Woher kommen die "diffusen Ängste"? Es folgt Schweigen, aber oft auch angestrengtes Nachdenken...

Ein erhellendes Erlebnis hatte ich neulich im bunten Stadtteil mit einer grünen "Helikopter"-Mutter. Nachdem sie ihren Audi am Straßenrand geparkt hatte, stieg sie aus, öffnete erst die Tür ihrer Tochter, dann die Tür ihres Sohnes (beide etwa 8 Jahre alt) und.....schickte ihre Kinder in den heruntergekommenen Kick-Box-Laden auf der anderen Straßenseite, in dem die kleinen Türken das Schlagen lernen. Nicht schlecht, dachte ich, offenbar hat sie klare Vorstellungen von der Zukunft. Ob es zum "Survival" ausreicht, wird sich zeigen.
Harald de Azania
03. September 2016 12:26
Verehrter ML,

Das zweite, das ich bei der Armee gelernt habe war: Du wirst nicht behandelt, wie es Dir gebuehrt sondern wie Du Dich behandeln laessst.

(Das erste war Menschen toeten, das sage ich auch, wenn man mich fragt ...)

Viele "Rechte', 'Buergerliche' etc 'lassen sich" Hilfreich waere es den Eindruck zu vermitteln, dasz man mit sich nicht spassen laesst.

In Oesterreich ist es mE leichter, da es eine starke F gibt und das Durchexerzieren der p.c. um ihrer selbst Willen einfach nicht ernst genommen wird. Dazu gehoert eine gewisse Geschraubtheit oder wie Karl Kraus sagte " getragen sein von der Bedeutung der eigenen Wichtigkeit".

In Suedafrika wird jede Aufgeblasenheit' weggelacht, englische Tradition >> 'that's pretty pathetic' heisst einfach, dasz es laecherlich ist.

Daher trotz Spielens der "Rassenkarte" eine offene diskussion moeglich, bei der die Fetzen fliegen, auch wenn manche zeitungen etwas p.c. durchsaeuert sind. Aber die suedafrikaner lassen sich den Mund nicht verbieten......

Nur wenn man unter deutschen ist .. zB ich ca im Oktober 2015 bei der Deutschen Handelskammer in Johannesburg. Also grosse "wir schaffen das " Welle etc etc pp... Als Gast bei dieser Veranstaltung habe ich aus Hoeflichkeitsgruenden nur sehr zurueckhaltende Kritik geuebt. Schon das war zuviel und hat beim Gegenueber geradezu zu koerperlichen und sprachlichen Verrenkungen ( wurmartige Kruemmungen) gefuehrt . Dabei war das ein sich sicherlich als 'gutbuergerlich' und 'gemaessigt' etc etc Definierender.

Bei der selben Veranstaltung habe ich ganz offen diese politk mit einer jungen Schwarzen diskutiert (bestens ausgebildet, sehr gut Schule, gute berufliche Position) die auch schon in D war.

Mein Resumee: D holt sich den Abschaum der Welt ins Land. Antwort: Ja, so sieht sie das auch.

Mit einem Wort: tretet die Wuermer und Wuermlinge .....

HdeA
deutscheridentitärer
03. September 2016 12:35
Meine Erfahrungen diesbezüglich sind unspektakulär, ich will sie aber trotzdem kurz niederschreiben.

Am dramatischsten ist der Bruch mit meinem Vater, der zwar von der Lebensführung her sehr konservativ, von der Weltanschauung her aber links-christlich geprägt ist.

Kann ich bei anderen weltanschauliche Differenzen gut von der persönlichen Ebene trennen, gelingt mir das bei meinem Vater nicht, was regelmäßig zu großen Streits geführt hat, bis der Kontakt nun auf ein Minimum beschränk ist.


Meine Partnerin habe ich auf im Anschlus an eine Pegidademo auf der Gegenseite getroffen, die weltanschauliche Spannung hat sich inzwischen in ein harmonisches Beziehungsleben transformiert.

Sie ist auch der einzige Fall einer "Konversion", den ich persönlich miterlebt habe.

Ihre im ländlichen Raum wohnenden Schwiegereltern pflegen einen gesunden Konservatismus, auch wenn sie wie so viele nicht in der Lage sind sich den Ausmaß dessen, wie sie vom Establishment verarscht werden vorzustellen.


Meine Kommilitonen sind tendenziell links-liberal aber in einem sehr unreflektierten Sinn; z.B. wurde damals das peinliche Joko und Klaas Flüchtlingsvideo fleißig geteilt.

Gleichzeitig durchbrechen sie ihre Blase immer wieder mal, ohne dass es ihnen aber bewusst zu sein scheint, z.B. posten sie Beiträge von Hamed Abdel Samad.


Meine eigene politische Meinung ist im universitären Umfeld bekannt, wird aber quasi nie thematisiert, weder positiv noch negativ.


Die Polarisierung nehme ich deshalb eigentlich ausschließlich im Internet wahr, hier aber teils sehr krass.

Ab und an packt mich das Bedürfnis mit Linken zu diskutieren, weil mir die Diskrepanz der Diskussionen so unbegreiflich ist.

Ich bemühe mich dann fair und höflich vorzugehen.

Ungefähr ein Viertel der Diskussionen läuft auf eine fair geführte Diskussion hin, die aber nie über ein "agree to disagree" hinauskommt.

Hier hört man dann oft Verwunderung und Anerkennung vom Diskussionspartner, dass man sachlich und ohne Beleidigungen etc, argumentiert, was ja immer schon mehr als nichts ist.


Die große Mehrheit der Diskussionen läuft aber, wie es die meisten hier kennen werden, so ab, dass völlig an den eigenen Aussagen vorbei "argumentiert" wird, ohne Ende projiziert, empört und mit, vermutlich unbewussten, Strohmännern gearbeitet wird.

Sowas lässt mich dann immer fassungslos dastehen und ich bin für einige Zeit von dem Wunsch nach Diskussion geheilt.


Nun ja, wie gesagt, eher unspektakulär, ich bin gespannt auf die Berichte der anderen.

PS.:

Dabei begegnet man immer wieder denselben Mustern: beide Parteien werfen sich spiegelbildlich vor, verblendet, unmoralisch oder irrational zu sein. Man hat den wechselseitigen Eindruck, daß dem Gegenüber gewisse Gehirnteile zur Wirklichkeitswahrnehmung fehlen oder daß es in einem Paralleluniversum lebt.


Das ist das Verstörende ... man fühlt sich wie der Psychiater in dem Witz, dessen Patient plötzlich behauptet, man sei selber der psychisch Kranke und solle nun eingeliefert werden, tragischerweise würde man in dem Wahn leben, selber der Arzt zu sein.
Niemand03092016
03. September 2016 12:51
Hier ist was ganz interessantes, Referat Prof. Peter Kruse
https://www.youtube.com/watch?v=3mpgYBKig5M

Spaltung der Gesellschaft wissenschaftlich bewiesen
rendőr
03. September 2016 13:02
Vor einem Jahr saß ich wie paralysiert vor der Glotze und meinte, ich müsse ersticken. Dann erschien auf Achgut.com ein öffentlicher Brief Katharina Szabos an die Bundeskanzlerin: Machen Sie dem Spuk ein Ende.

Ich hatte ihn nicht einmal richtig gelesen, nur empfunden, ihn in die Mailbox gepackt und mit der Bitte, ihn weiterzuleiten, an alle meine Kontakte aus der Gegenwart und Vergangenheit gesendet. Ich musste mir Luft verschaffen, musste wissen, mit wem man wenigstens sprechen könne und habe das in einem Anflug von Wahnsinn ad hoc abgeschickt. Denken war nicht mehr.

Fühlte mich sofort besser …

10 Minuten später hatte ich schon die erste Mail im Fach: „Ich finde den Inhalt sehr unpassend und unmenschlich und werde diese Mail ganz sicher nicht weiterleiten und möchte dich bitten, mich auch in Zukunft nicht mehr zu kontaktieren, mit welchem Anliegen auch immer.“ Wumms!

Und so ging es in einigen Fällen weiter, glücklicherweise alles Sekundärgrößen.

Der beste, langjährige Freund schwieg. Nach vier Wochen rief ich ihn an um nachzufragen – es war die Besiegelung des Bruches; er hatte den Mumm nicht, einfach nur mal zu erkunden, was es mit dieser außergewöhnlichen Aktion, die auch ganz untypisch war, auf sich hatte. Dass er meine Position nicht teilte, war nicht wichtig, dass er im Schweigen – und jetzt am Telefon – Dinge unterstellte, war nicht wieder gut zu machen. Seither kein Kontakt mehr.

Es ging mir wie hier: "Gut zu wissen".

Kraft schöpfte ich aus der Gewissheit, die mir wichtigen Autoren auf meiner Seite zu wissen, die Lebenden und die Toten. Und die Sezession wurde nicht nur ein intellektueller, sondern auch ein moralischer Halt. … Und jetzt formen sich neue Bekanntschaften, bessere, klügere, tiefere …
Ein Stück Trauer bleibt trotzdem
Morbrecht
03. September 2016 13:20
+ Mit kalter, unemotionaler Sachlichkeit bei der Benennung von Problemen (das schließt das Vermeiden von Kampfbegriffen mit ein) habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Auf dem Gebiet kann die andere Seite nur verlieren und wagt sich dort erst gar nicht hin. Unentschlossene sind dabei in der Regel froh, wenn ihnen jemand die Worte zur Verfügung stellt, mit denen sie aussprechen können, was sie meist nur vage aber richtig empfinden.
+ Man darf sich nicht in die Ecken und Ghettos treiben lassen, in denen die andere Seite einen haben will. Die andere Seite braucht den unbeherrschten Wutbürger damit sie der Auseinandersetzung mit starken Positionen ausweichen kann; deshalb zitiert man ja am liebsten anonyme Facebook-Kommentare unklarer Urheberschaft.
+ Was positive Botschaften angeht, so sind m.E. die emotionalen Hürden mittlerweile oft zu hoch, wenn man sich auf "Volk" etc. bezieht. "Gemeinwohl" und "unsere Kultur" werden besser verstanden, und schon gar nicht aus der Hand geben sollte man "Demokratie", "Rechtsstaat" und "Solidargemeinschaft". Letztere Begriffe kann man mittlerweile noch besser für sich beanspruchen als früher und sie der anderen Seite vorhalten, wobei sie zuverlässig ins Schwimmen gerät und nervös wird.
Ein gebürtiger Hesse
03. September 2016 13:26
Eine ermutigende Erfahrung ...

Wien, kleines Museum, Februar 2016

An der Eintrittskasse wundere ich mich, daß mir die Verkäuferin unbedingt eine Quittung in die Hand drücken will. "Das ist jetzt Vorschrift", sagt sie, "wir müssen das am Tag wohl fünfzig Besuchern erklären". Der Hintergrund ist dieses seit Januar 2016 geltende Gesetz: http://kurier.at/chronik/oesterreich/die-quittung-als-staendiger-begleiter-kunden-fuehlen-sich-schikaniert/173.956.944 Die Frau seufzt, der Wachmann ein paar Meter weiter schnaubt wütend. Ich sage ohne groß zu überlegen: "Sie brauchen eine neue Regierung. UND NICHT NUR WEGEN DIESER SACHE!" Meine Gegenüber schauen mir in die Augen, zunächst prüfend, doch dann breitet sich auf ihren Gesichtern ein Lächeln aus. Die Frau nickt energisch. Der Mann tritt auf mich zu und gibt mir umstandslos die Hand. Für einen Moment erkennen wir uns, diese beiden Wiener und ich, der ich hörbar nicht aus Österreich stamme, ohne daß wir uns kennten oder auch nur ausformuliert hätten, was uns affektiv aufeinander zu bewegt. "Na gut, dann will ich mal ins Museum gehen", sage ich. "Ja, machen Sie das", sagt die Frau ruhig, "und vergessen Sie nicht, wenn Sie wieder zuhause sind: Das mit der neuen Regierung gilt auch für Sie ..." Wir lachen herzlich.
Johannes
03. September 2016 13:44
Ich hasse es, nicht zu meinen Idealen zu stehen, und mit einer gewissen Neigung zur Provokation führt dies dazu, daß ich im politischen Diskurs kein Blatt vor den Mund nehme und die »böse« Selbstbezeichnung rechts ohne jegliche Zusätze wie rechtsliberal oder rechtskonservativ verwende.

Großartige Probleme habe ich damit jedoch noch nie gehabt. Das liegt, wie ich vermute daran, daß ich wie wahrscheinlich die meisten Sezessionsleser über ein prall gefülltes Bücherregal und eine hohe Allgemeinbildung verfüge, die auch anerkannt wird. Zudem haue ich nicht einfach nur Parolen aus, sondern äußere mich differenziert und mache dabei öfter auch ausführliche philosophische Exkurse, warum ich die linke Weltanschauung als unzureichend empfinde. Immerhin habe ich schon öfter erlebt, dass Leute, die eigentlich recht unpolitisch (und damit implizit Mainstream) sind, mich interessiert nach meiner Meinung fragen.

Ein paar lustige Anekdoten gab es dennoch hin und wieder. Gerne erinnere ich mich, wie ich mit ein paar Arbeitskollegen bei einem Feierabendbier zusammen saß, und irgendwann die Frage aufkam, wenn ich immer so über die Linken schimpfe, wo ich mich denn selbst verorte. Als ich dann erwiderte, wenn ich offensichtlich von der Linken nichts halte, es wohl nicht mehr offensichtlich allzu viele Alternativen gebe, herrschte kurz Stille. Man sah irritierte Gesichter, und ich kann mir die Gedanken sehr gut vorstellen: »Hat er das wirklich gesagt? Er kann doch nicht zugeben, rechts zu sein!« Eine Person bekam fast Schnappatmung, und mir wurde erklärt, dass Rechtssein ja deswegen unanständig sei, weil das bedeute, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu bewerten. Ich äußerte darauf hin nur noch kurz, dass diese Person offensichtlich weder politisch rechtes Denken noch die Rassenlehre verstanden hätte, und damit ging das Gespräch (leider) auch schon in eine andere Richtung.
Petrus Urinus Minor
03. September 2016 13:51
1. Es ist so gut wie nicht möglich, einen anderen durch rationale Argumente zu überzeugen. Es wird immer als Subtext Sympathie, Gruppenrang des Überzeugers, Angesehenheit der überzeugenden Argumente etc. dahinter stehen.
2. Es ist vollkommen unöhlich, einen anderen durch rationale Argumente zu überzeugen, wenn er von seiner bisherigen Meinung einen sozialen Vorteil hat, bhzw noch schlimmer- von der neuen Meinung soziale Nachteile befürchten müsste.
3. Konversionen aus Fremdargumenten sind unmöglich.
4. Wenn man eine Diskussion führt, dann nicht für den Gegenüber mit anderer Meinung, sondern für die Zuhörenden Unbeteiligten Umherstehenden.
5.Die Umherstehenden werden sich tendenziell automatisch gegen den Unterlegenen wenden, d.h. seine Position zunehmend für sich ausschließen. Unterlegener ist derjenige, der in der Diskussion keine Möglichkeit hatte, Macht zu demonstrieren.
6. Die Umherstehenden werden sich tendenziell automatisch mit einem Agressor identifizieren. Agressor ist derjenige in Überzahl oder derjenige, der die Diskussion beherrscht. Agressor ist derjenige, der Macht innehat, indem er Ohnmacht des Gegners demonstriert.
7. Ohnmächtig macht, wer den ersten Angriff führt. Ohnmächtig macht, wer die Überzahl hat. Ohnmächtig macht, wer das Gespäch abbricht.
8. Der Gegner spielt genau nach diesen Regeln. Wenn er sein süßliches Gequatsche auf einer Party loslässt, so geht es ihm nicht um die armen Flüchtlingskinder, sondern um die Demonstration seiner Überlegenheit.

Das funktioniert dann ungefähr so:

Mit einem Ohr vernimmt man "Ganz ganz schlimm... blabla... alles Nazis... (also ich natürlich nicht, denn ich bin überlegen) Die Menschen sind leider viel zu dumm für Demokratie (also ich natürlich nicht, denn ich bin überlegen) blabla... Flüchtlinge... blabla... man stelle sich vor - im Constainer wohnen... blabla... Neulich im Ulaub haben wir einen Hundewelpen mitgenommen blabla.... Und dann hat Hans Jürgen in der flüchtlingshife ganz viele Stofftiere gesammelt... blabla... Also, die Flüchtlinge haben ja noch Kinder, die sind ja so herzig (ich natürlich nicht denn ich bin meinen Mündeln überlegen) blabla... Es ist doch ganz gut wenn diese Deutschn (ich bin natürlich kein Deutscher, denn ich bin überlegen) aussterben blabla.

So. Jetzt tritt man in vorher verabredeter Überzahl dazu, notfalls alleine. Dann wird das Nachspiel schwieriger, aber herjeh.

"Das ist ja vollkommen falsch, was sie da sagen. Das ist ja Völkermord. Das ist ja genau wie die Juden ausgerottet wurden - und da mach ich nicht mit. Deswegen verbiete ich Ihnen den Mund".

Umdrehen. Party sofort verlassen.

Der Gegner steht sprachlos da. Da er einen nicht als Nazi vorführen (wie unweigerlich, wenn man sich auf eine echte Diskussion eingelassen hätte) konnte, ist er so richtig ohnmächtig. Grundsätzlich werden Umherstehende sich eher abwenden. Selbst wenn sich ein solidarisierendes Trüppchen bildet blabla... das war ja schrecklich... blabla wie im dritten Reich... blabla -

Jemanden sprachlos da stehen lassen wird automatisch zu einer Schwächung seiner Positionen führen. Bei einigen Zuhörern. Nicht vielleicht heute... aber morgen. Oder übermorgen.
Paul
03. September 2016 13:53
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

die Stereotype "Linke sind dumm und naiv" und "Rechte sind böse" finden wir alle wohl am häufigsten in der Debatte vor. Hierbei ist es egal, ob es sich um öffentliche Debatten oder Diskussionen im Privatleben handelt. Dem Begriff "Rechts" haftet der Stallgeruch des Nationalsozialismus an. Dieser Kadavergestank spricht nicht den Intellekt an, sondern tiefere Schichten des Menschseins. Er weckt instinktive Reize, wie etwa Ekel und Abscheu. Er ruft in Anbetracht der Widerwärtigkeit von Auschwitz und anderer Konzentrationslager nichts anderes als einen Kotzreiz hervor. Er ist ein natürlicher aber auch ein pawlowscher Reflex. Alle anderen Denkstroemungen haben es verstanden diesen Reflex für sich zu nutzen und zu instrumentalisieren. Die Verschränkung der Begriffe "RECHTS" und Nationalsozialismus führt dazu, dass jenseits der historischen Wahrheiten alles in einen Topf geworfen und miteinander vermengt wird. Diese Strategie ist genial. Sie ist aber auch universal anwendbar. Was Nolte im kausalen Nexus beschreibt ermöglicht der "Rechten" zumindest theoretisch auch die Verschränkung der Gräueltaten des Stalinismus mit allem was "Links" ist. Mir erscheint es allerdings plausibler, zu versuchen, sich von all diesen dogmatischen Richtungsbezeichnungen zu befreien. Sie sind ohnehin nicht mehr als unzureichende Kategorien für viel tiefgründigere und substantiellere philosophische Fragestellungen. Wichtig erscheint mir daher noch einmal ganz konkret die Abgrenzung zum Nationalsozialismus, die Verurteilung seiner Gräueltaten und die konsequente Abgrenzung gegenüber Leuten wie Horst Mahler, Ursula Haverbeck und anderen unbelehrbaren. Es nervt....es nervt mich auch ganz persönlich, Gespräche immer mit derarigen Abgrenzungen zu beginnen aber es ist zwingend notwendig, um beim gegenüber den Kotzreiz zu unterdrücken. Erst dann ist eine Diskussion möglich. Erst dann kann es einen Intellektuellen Austausch geben.

P.s. Ich möchte hier lediglich ein paar Gedanken beisteuern. Mit einer Veröffentlichung ausserhalb dieses Forums bin ich nicht einverstanden.
Gustav Grambauer
03. September 2016 13:59
Ich spreche bei mir nicht von Überlebensstrategien, bestenfalls von Lebensstrategien:

G. K. hat neulich auf die Einsicht "Es ist kein Spiel" gedrängt. Ich sage: doch, es ist ein Spiel, und je spielerischer wir herangehen, desto durchschlagender wird unsere Wirkung sein.

Hinzu kommt: kämpfst du gegen ein System, dann bindest du deine Energie an dieses System, und vor allem nährst du dieses System.

Und für die, die sich schon ein bißchen Abstand erarbeitet haben, gilt immer noch: der Klassenkasper (Willkommenskasper u. a.) will vor allem eines: Aufmerksamkeit, egal ob im positiven oder im negativen Sinne.

Seit Mahabarata-Zeiten galt das Szenario: Das Gute kämpft gegen das Böse (und gewinnt).

Inzwischen haben wir ein neues Szenario: das Böse kämpft gegen das Böse (und zerfleischt sich dabei selbst, bzw. noch an die Adresse von Raskolnikow nachgeschoben: der Krieg nährt nur den Krieg ...) - während sich das Gute nicht in diesen Kampf hineinziehen läßt, sich dafür aber selbst fortwährend neue Resonanzen und Freiräume schafft, wobei es sich selbst nach dem Generator-Prinzip stärkt. (Ich weiß nicht, ob z. B. die Jungs am Brandenburger Tor ihre eigene Aktion eigentlich in diesem Sinne gesehen haben, falls nicht, eröffnet sich nachträglich hiermit womöglich ein ganz neuer Blickwinkel.)

Wir dürfen wir uns insofern klar machen, in welchem Maße wir (!) Angstfaktor für das System mit seinen "Hauptschuldigen, Belasteten, Minderbelasteten, Mitläufern und Entlasteten" sind. Morgen wird sich dies in M-V wieder zeigen, und es gehört weiterhin zu meinen Strategien, meiner Schadenfreude an der Selbsttzerfleischung im Angst-Cluster freien Lauf zu lassen, der Champagner steht schon gekühlt bereit.

Dieser Angstfaktor ist umso höher, je weniger Fäden der Angst wir unsererseits in diesen Angst-Cluster hinein gesponnen haben. Der Angstfreie spiegelt dem Ängstlichen seine Angst, bleibt dabei aber unangreifbar, immun, wie es z. B. auch Grundlage der vergeistigten asiatischen Kampfsportarten ist. Dies ist die tiefere Erklärung dafür, daß es der DGB nicht wagen wird, im Morgengrauen einen Bus mit Zecken nach Schnellroda zu bezahlen: die ahnen dumpf, wie dies nur auf sie selbst zurückschlagen würde.

Weiterhin gehört zu meiner Strategie, daß ich mich nicht als irgendjemandes Missionar, Psychotherapeut oder auch nur Erwachsenenpädagoge verstehe, auch damit bin ich in einer grundsätzlich vorteilhafteren Position als all die Sozialarbeiter im Cluster.

Soweit ein paar von meinen Grundsätzen, wenn ich dazu komme, schreibe ich ein paar von meinen Alltagserlebnissen dazu auf.

- G. G.
Weristwiegott Meuffels
03. September 2016 14:12
Guten Tag,

erst kürzlich habe ich mich im weiteren familiären Kreis auf dem Namenstag meiner
Großmutter als Problemmensch gezeigt, in dem ich die Positionen der AfD verteidigte
und Unverständnis für die davongelaufenen Syrer (und anderen Wüstensöhne) äusserte.
Die Diskussion zog sich nicht sehr lange hin, da einige Personen im Aufbruch begriffen
waren und andere flohen, da ich anscheinend in bester schopenhauerscher Manier
polemisierte. Ich sollte mir mal das von einem Vorschreiber genannte kühle Reden zu
eigen machen.... In der Diskussion schien man auch der Meinung (bezüglich der AfD)
zu sein, daß nicht das "Was" der Aussage zählt, sonder das "Wie", jedenfalls kam das
so bei mir an. Im Grunde hat also der Bauer immer unrecht, da er sich nicht so gewählt
auszudrücken vermag.
Wie es der Zufall will werde ich morgen auf einem Sippentreffen sein und besagte
Personen inklusive eines Ex-AfD-Mitgliedes vom Schlage eines Lucke (wie ich mir aus
Aussagen, die er getätigt haben soll, denke) wieder treffen werde.
Meine Mutter fleht mich immer wieder an, doch den Mund zu halten, auch wenn man ja
Recht hat. Ich bin allerdings der Meinung, daß man durchaus Dinge, die faktisch falsch
sind, berichtigen sollte, auch wenn es dann mal zum Streit kommt. Von meiner Seite
jedenfalls haben diese merkelschen Jünger trotz ihrer Begeisterung für Davon gelaufene
keine Ächtung und Verbannung zu fürchten.
So wir ich befürchte, ist es vermutlich eher umgekehrt...
Im gesamten kann ich in meinem Umfeld leider keine Sympathie für Rechte entdecken,
auch wenn man oftmals genau diese Positionen vertritt. Größere Diskussionsrunden
verlaufen meist auch ähnlich wie die im Fernsehen (alle gegen einen).

Ob es nun eine Strategie dagegen gibt, kann ich so (noch) nicht sagen, meiner Erfahrung
nach weichen diese Leute nicht von ihren Positionen ab, auch wenn man ihnen beste
Argumente dagegen liefert. Ich kann mich nun nicht selber beim Diskutieren beobachten,
aber vermutlich bin ich zu polemisch, und der Logik meiner bekannten nach zählt das
"Wie" und nicht das "Was".
Vielleicht ergibt sich morgen etwas...

Mit freundlichem Gruß aus dem Westzipfel!
Ben Goldberg
03. September 2016 14:18
Ich lebe seit längerer Zeit im Ausland. Am Anfang hatten wir hier unsere feine kleine Deutsche Gemeinschaft, etwa 10 Leute im Kern. Es war sehr angenehm sich ab und zu zu treffen, ein bißchen auf Deutsch lästern, sabbeln, klagen.
Das ist vorbei. Meine Kontakte sind nahezu beschränkt auf Einheimische oder andere Ausländer. Wenn ich Deutsche treffe, vermeide ich den Kontakt. Die Verbohrtheit mancher Leute ist einfach nur erschreckend. Ich verspüre einfach keine Lust mehr auch nur den kleinsten Finger zu rühren für Leute die sage und schreibe faschistoide Verhaltensmuster pflegen und sich selbst als Hüter der Moral aufspielen. Wenn ich nach Deutschland komme, beginne ich mit niemandem eine Diskussion. Wer mit mir vernünftig reden will, gerne. Aber ich höre mir keinen Blödsinn mehr an. Ja, ich bin ungeduldig geworden. Der Handlungsbedarf in Deutschland liegt einfach zu deutlich auf der Hand. Wer nicht zumindest mit einem Bein in der Realität steht, für den habe ich keine Zeit mehr.
Contra
03. September 2016 14:34
Meine besten Erfahrungen mache ich, wenn ich mit Hohn und Spott die Liberalen und Linken angehe.

Ein Beispiel: In der Sitzung des Betriebsrates benutze ich generell das generische Maskulinum. In meinem Betrieb arbeiten mehr Frauen als Männer, doch im Betriebsrat sind fast nur Männer. Eines Tages kritisiert mich eine der wenigen Frauen mit den Worten: "Warum sagen Sie eigentlich nie "Kollegen und Kolleginnen"? Meine Antwort: "Wollen Sie, daß ich Sie mit Frau Betriebsrätin anspreche? Das klingt doch albern. Im Übrigen benutze ich völlig korrekt das genererische Maskulinum. Wir können aber gerne mal über das Thema reden, dann werden Sie feststellen, daß es wohl bis zu mehreren Hundert sexuellen Orientierungen geben soll. Wenn Sie nur in Frauen und Männer aufteilen, sind viele Menschen diskriminiert, z.B. diejenigen, die weder das eine noch das anderes sein wollen. Fangen wir doch bei Ihnen an: Gerne höre ich von Ihrer sexuellen Orientierung. Vielleicht kann ich der dann mal ein paar exotische andere gegenüberstellen, z.B. die der Asexuellen oder jener, die als Perverse diskriminiert werden. Also - worauf stehen Sie?" Die Folge war ein roter Kopf und peinliches Schweigen. An die Runde gerichtet schloß ich die Debatte mit den Worten: "jedem hier, dem meine Wortwahl nicht paßt, gebe ich gerne Ratschläge, wie er seine möglicherweise exotischen sexuellen Orientierungen mit der Anrede in Einklang bringen kann. Sie müssen sich mir nur ein wenig tiefer in Ihre Privatsphäre blicken lassen." Damit war das Thema durch.
deutscheridentitärer
03. September 2016 14:48
Da es ja auch um "Überlebensstrategien" gehen soll:

Für mein geistiges Wohlbefinden hat es sich als sehr förderlich herausgestellt guten Gewissens und in vollem Bewusstsein eine gewisse selektive Ignoranz zu pflegen.

Man muss sich nicht jede Meinung geben, man muss nicht jede Diskussion annehmen.

Wie oben schon geschrieben, wenn jemand fair und ehrlich diskutieren will gerne, aber sich , ob im Internet oder im realen Leben, in sinnlosen Abnutzungsschlachten zu verheizen bringt nichts außer innerem Unfrieden.
massel tov
03. September 2016 14:51
sa. 3. 9. 2016, 15.25 Uhr
in einem nordbadischen dorf (im kleinen odenwald).
es klingelt an der tür, der hund schlägt an.
ich öffne das fenster im söller des 1. stocks: "ja?"
ein freundlich aussehender jüngerer erwachsener
will mich über den b.u.n.d. aufklären und spenden
sammeln.
ich kläre ihn über mein verständnis des b.u.n.d. auf:
"aktiver kampfverband der grünen."
er ringt nach luft: "wir sind doch politisch gar nicht
tätig". ich kläre ihn kurz auf, wer von den grünen beim
b.u.n.d. aktiv war bzw. noch ist.
"was stört sie denn so an den grünen?"
"zahllose dinge - aber im moment besonders
die asylpolitik! guten tag."
ich schließe das fenster. er enfernt sich kopfschüttelnd.
vielleicht hat er garnichts mit den grünen zu tun.
aber sein b.u.n.d. hat. man muß allen, die mit diesen
Volksfeinden paktieren die folgen deutlich machen.
auch für jeden persönlich.
talking 'bout unintended consequences.....

;-)
John Haase
03. September 2016 14:51
Ui, solche Threads sind meist die interessantesten.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Geschichte hier schon einmal erzählt habe. Nun, hier ist sie jedenfalls.

Vor etwa 2 Jahren versuchte ein Freund, der circa 10 Jahre lang mein bester und teilweise auch einziger Freund gewesen war, nach einer siebenjährigen Phase, in der wir den Kontakt verloren hatten, wieder Kontakt zu mir aufzunehmen. Wir schrieben also ein paar E-mails hin und her, alles ganz normal. Bis ich in einem Nebensatz schrieb, daß ich einmal Mitglied der Identitären war.

Ich selbst nahm das als gar nicht so wichtig wahr, denn wir hatten zwar oft über Politik gesprochen, aber uns dabei nie groß gestritten. Hätte man zu Schulzeiten raten müssen, wer von uns beiden mal bei den "Röchten" landen würde, dann hätten unsere Schulkameraden eindeutig auf ihn gezeigt. Da ich die Identitären als legitime außerparlamentarische Opposition sah (und sehe), maß ich dem also keine große Bedeutung bei. Zu Unrecht, leider.

Er war ziemlich entsetzt und bat um eine Erklärung, wie das geschehen sei und wie ich dazu käme und daß seine kürzlich geheiratete Frau wohl auch geschockt wäre, wenn sie davon wüßte. Der Fachmann ahnt, wie es weiterlief. Ich schrieb noch eine E-Mail mit detaillierteren Begründungen, zurück kam eine E-Mail in dieser klebrigen BRD-Sprache, in der man sich verfängt wie einem Netz und aus der es kein Entrinnen gibt. Sprache, die für dich dichtet und denkt, wie Klemperer sagte.

Um der alten Zeiten Willen machte ich noch einen letzten Versuch und antwortete erneut. Ich bot ihm an, zu seinem neuen Wohnort am anderen Ende des Landes zu fahren und mir ein Zimmer im Hotel zu nehmen. Dann könnten wir uns am Abend treffen und uns über alles unterhalten. Wenn es dann warum auch immer immer noch nicht passe, würde ich einfach wieder fahren und alles sei wie vorher.

Da sei nichts mehr zu machen, kam zurück. Kündigung der Freundschaft und Alles-Gute-Wunsch.

Ich kann nicht sagen, daß ich schrecklich traurig gewesen wäre. Wir hatten uns sieben Jahre lang nicht gesehen und brauchten einander also nicht mehr, aber dennoch stach es und sticht immer noch.

Ich habe niemals etwas Strafbares getan, was über das Anbringen von Aufklebern an Laternenpfählen oder dem Verteilen von Flugblättern ohne Impressum hinausgegangen wäre. Die Identitäre Bewegung ist ebenfalls niemals irgendwo gewalttätig geworden. Die Vorwürfe waren also natürlich völlig aus der Luft gegriffen. Das war aber nicht das, was stach, so etwas ist man ja gewohnt.

Sondern: er hätte es besser wissen müssen. Er hätte wissen müssen, daß ich meine Gründe dazu hatte und hätte es mir geschuldet, sich diese zumindest anzuhören. Dieses Treffen hätte er mir zugestehen müssen, bei der gemeinsamen Vergangenheit, die wir teilen. Wenn ich es nicht besser wüßte, dann würde ich denken: Arschloch, Verrat, Dummkopf etc. Stimmt aber alles nicht. Er ist ein guter und kluger Mensch mit dem Herz am rechten Fleck. Er hat mir sogar ähnliches über mich geschrieben. Also warum dieses Verhalten? Ich verstehe es nicht. Irre, wie politische Ansichten ähnliche Menschen voneinander trennen können. Naja, ich habe ihm dann noch alles Gute gewünscht und das war es dann. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann durch Zufall mal wieder.

Noch etwas Lustiges zum Schluß: ich habe letztens echt mal eine Wohnung nicht bekommen, weil ich früher bei den Identitären war. Ungewöhnlich, weil das Geld ja normalerweise trotzdem gerne genommen wird. Der, der darüber entschied (nicht der Besitzer der Wohnung), kam dann mit: "Normalerweise googele ich die Leute ja nicht, aber..." und man merkte deutlich, wie eklig ihm der bloße Kontakt zu mir war. Was für ein Würstchen. :D
enickmar
03. September 2016 14:59
Linke glauben, daß Rechte böse, und Rechte, daß Linke dumm seien. Linke werfen Rechten mangelnde Empathie und Rechte Linken mangelnden Verstand vor.


Das ist richtig aber nicht ausreichend vollständig. Nicht nur der linke Aberglaube von der moralischen, sondern auch von der intellektuellen Überlegenheit (modern-links-theoretischer Überbau / ewiggestrig-dumpf-rechte „Vorurteile“) spielt eine ganz wichtige psychologische Rolle und sollte, meiner Meinung nach, entsprechend berücksichtigt werden.
Hartlage betonte das auch mal sehr schön. Ich glaube im Zusammenhang mit „Warum ich kein Linker mehr bin“.
John Haase
03. September 2016 15:11
@deutscheridentitärer

Witzigerweise ist es bei mir ähnlich. Meine Partnerin ist ebenfalls der einzige persönlich bezeugte Fall einer Konversion. Ich hätte nie gedacht, daß man so schnell vom Mainstream zur Blauen Narzisse/Sezession durchrutschen kann (ohne übrigens den Umweg über PI und Konsorten zu nehmen).

Viele Menschen wissen einfach nichts von uns. Die modernen Medien helfen uns allerdings enorm. Jahrelang kannst du Joko & Claas teilen und die Heuteshow abfeiern und plötzlich hast du einen einzigen Typen in der Freundesliste, mit dem du derzeit viel schreibst. Plötzlich empfiehlt dir Facebook einen Artikel der "Jungen Freiheit", den er geliked hat. Du klickst drauf und findest: geht eigentlich, die Meinung ist sehr anders, aber gut und sachlich begründet. Vielleicht öfter mal lesen. Weiter geht's im Dunstkreis und plötzlich fragst du den Typen in der Freundesliste, ob er das Heerlager der Heiligen kenne. Ja, kenne er, könne man sich mal ausleihen, aber sei keine erbauliche Lektüre. So schnell geht das heute, früher undenkbar.

Auf Diskussionen mit politischen Gegnern habe ich nur noch in Ausnahmefällen Lust. Sie sind fruchtlos und langweilig. Zudem ist meine Abneigung gegen den zeitgenössischen bundesdeutschen Menschenschlag mittlerweile enorm. Ein guter Teil der Deutschen könnte von 100 Moslems kaputtgetreten werden und der letzte Gedanke wäre trotzdem: "Das ist ein Einzelfall, hätten genausogut Deutsche sein können, hoffentlich wird das nicht von röchts instrumentalisiert."

Warum sollte man mit solchen Leuten reden wollen?
Hans Dieter Franke
03. September 2016 15:23
Sonderbar , kein besorgter Bürger mit sozusagen staatstragendem "Gedankengut" wagt es die real existierende Zwei-Klassengesellschaft auch nur zu erwähnen, nämlich die Klasse der Beamten und die Klasse des gemeinen Pöbels, letzterer schafft den Mehrwert .
Nichts kann sich der deutsche Beamtenbund mehr wünschen als "explodierende Flüchtlingskosten" da lässt sich manche grosse Extrawurst für Beamte und manches Extrazuckerle finanzieren ohne dass es der gemeine Pöbel, der alles zahlt, mitbekommt.
Immerhin sollte doch den besorgten Bürgern, Wutbürgern, nicht jedoch den immer zahlreicher werdenen besorgten Beamten die erhebliche Differenz der gesetzlichen Höchstrente zu der Mindestpension eine Erwähnung wert sein, statt dessen muss Burkaverbot umfassend diskutiert werden denn Burkaträgerinnen bedrohen bekanntlich nicht physisch Rentner aber bewirken unzweifelhaft Alstersarmut.
Und erst die Islamisierung!
Dabei lasse ich die nur den absoluten Monarchen vergleichbaren "Befugnisse" der Europabeamten inklusive der nicht gewählten "Kommissare" weg, das glaubt sowieso niemand so er bei klarem Verstand sein sollte.
Eine echte Alternative : bei den kleinsten Verfehlungen werden Beamte für vogelfrei erklärt sie werden zu einer Sache , dann ist Islamisierung kein Thema mehr. Auf gehts
Ewald
03. September 2016 15:28
Mein Senf:

Politische Diskussionen vermeiden. Mehrere meiner engsten Familienmitglieder sind ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv; jedes Sprechen über den Gorilla eskaliert in Sekunden. Mit meiner Familie will ich mich nicht streiten.

Auch bei der Arbeit: Klappe halten. Ich bin Produktionshelfer und habe Kollegen, die fest davon überzeugt sind, der IS sei gezielt durch "den Westen" und Israel geschaffen worden, um der Türkei zu schaden und ein israelisches Großreich zu errichten, das die Levante und den Maghreb umfasst. Keiner widerspricht, auch ich nicht, weil ich die ansonsten freundschaftlichen Beziehungen zu Menschen nicht gefährden möchte, mit denen ich immerhin 38 Stunden pro Woche verbringe.

Die Gewerkschaft? Ihr erklärtes Ziel ist es, mehr Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen. Der Werksleiter? Ich nehme an, er freut sich über mehr potenzielle Arbeitskräfte (die in meiner Firma nicht leicht zu bekommen sind, es ist keine schöne oder gesunde Arbeit). Mit wem sollte man da über irgendetwas diskutieren?

Das Problem ist weniger ein Nichterkennen: Meine Schwägerin (im Schuldienst) weiß auch, wie es in Roma-Vierteln aussieht und womit viele der Einwohner ihr Geld verdienen; sie kennt muslimische Eltern, die den St.-Martins-Zug für Teufelszeug halten, sie weiß um nahöstliche Gewaltgepflogenheiten. Sie sieht die Gartenschaukel und den, der darin sitzt. Es geht eher um unterschiedliche Prioritäten: Für meine Schwägerin ist Helfen ein Imperativ, die Nation dagegen von vorgestern. Beides sind für sie nicht Ideenkonstrukte, sondern Selbstverständlichkeiten oder eher unbedingte Wahrheiten, die man nicht diskutieren braucht und die deshalb auch kein Infragestellen gestatten.
Corvusacerbus
03. September 2016 15:29
Meine Erfahrung als Deutscher in Deutschland, privat, ehrenamtlich-gesellschaftlich, akademisch und gewerblich-beruflich. Es ist heikel und ist mit Sanktionen bewährt, seine Positionen offen und klar benannt zu vertreten. Aber: man kann durchaus alles sagen und jede Position vertreten, unter zwei Voraussetzungen, einer allgemeinen, denn sie gilt für jede Debatte und eine speziellen für das hier in Rede stehende Themenfeld : man trägt seine Position zivilisiert vor, also durchaus engagiert, aber ohne aggressives Attackieren und in gepflegtem Deutsch. Und speziell gilt, man "labelt" seine eigene Position nie uns niemals - auch und gerade nicht, wenn die Stimmung entspannt informell ist oder geworden ist - als "rechts". Konservativ geht als "Label", traditionell auch, rechts geht nicht (das ist unter Rechten anders, aber da ist es wiederum nicht nötig). Als Deutscher Ausland und in englischer Sprache ist es wesentlich unkomplizierter
Corvusacerbus
03. September 2016 15:39
Als Deutscher im Ausland und in englischer Sprache ist es durch die übliche eher ironische und sarkastische Redeweise generell unkomplizierter. Faustregel: Man kann alles sagen, was im Spectator und im Telegraph steht. Say it somehow sophisticated and learned = no problem whatsoever. Als gutes Beispiel für den Unterschied taugen Christopher Clark und Stephan Scheil. Zitierst du jenen, ist es ein gelehrter Beitrag zum Gespräch. Zitierst du diesen, ist es rechts, gefährlich und verdächtig. Noch anders gesagt, analog zur speziellen Regel: man kann inhaltlich jede Position vertreten, muß sie aber mit einer politisch korrekten Quelle belegen (i.S.v. Michael Stürmer geht, Ernst Nolte nicht).
Petrus Urinus Minor
03. September 2016 15:47
@ Paul
"Wichtig erscheint mir daher noch einmal ganz konkret die Abgrenzung zum Nationalsozialismus, die Verurteilung seiner Gräueltaten und die konsequente Abgrenzung gegenüber Leuten wie Horst Mahler, Ursula Haverbeck und anderen unbelehrbaren. Es nervt….es nervt mich auch ganz persönlich, Gespräche immer mit derarigen Abgrenzungen zu beginnen aber es ist zwingend notwendig"

Unabhängig davon, ob Sie recht haben (ich glaube nicht), - das funktioniert nicht.

Erstens:
"den Kotzreiz zu unterdrücken" - wird nur funktionieren, wenn der andere ein soziales Interesse daran hat, sein K..zreiz speziell Ihnen gegenüber zu unterdrücken. Grundsätzlich ist er bereits konditioniert, immer diesen zu empfinden, wenn es um ein Thema geht, von welchen er befürchtet, dass es ihm sozial schaden könnte, indem er in den Ruch des Rööchts kommen könnte. Ich wage mal eine Prophezeiung: Der Adi aß bekanntlich gerne Sahnetorte und Ravioli. Wenn die Jungs von der Gegenseite so weiter machen, gibt es demnächst bei der Bestelung von Ravioli soviel Schnappatmung wie beim Thema N...gerkuss.

Zweitens:
ist ihr Geprächspartner weiterhin konditioniert, beim Thema K..tzen gegen Rechts soviel herrliche Überlegenheit zu haben, dass Sie ihm mit ihrer von ihm unterbewusst automatisch als Ihre Schwäche empfundenen Distanzierung sogar noch entgegen kommen.
Corvusacerbus
03. September 2016 15:49
Das macht das Leben in den Institutionen und 'scentific communities' in Deutschland so unerträglich und widerwärtig. Im Ausland, durchaus auch im deutschsprachigen, in Österreich und der Schweiz, lebt man übrigens generell wesentlich entspannter und kann z.B. beim Heurigen in Nußdorf jederzeit auf den Prinzen Eugen und Jan Sobieski mit einem Viertel Weiß oder Rot anstoßen, ohne sich kospirativ flüsterig zu verhalten. Deutschland ist in diesem Sinne, also lebensweltlich alltäglich betrachtet, für einen freisinnig, aufgeklärt, bürgerlich Gesinnten ein schreckliches, duckmäuserisches und auch peinliches und lächerliches Land (man kann doch nicht für ein Gespräch im Biergarten jedes Mal einen australischen Historiker oder SVP'ler importieren).
Nemo Obligatur
03. September 2016 15:51
Das ist gut, Herr Lichtmesz, dass sich mal einer dieses Themas annimmt. Ich habe zwar nur einen eher undramatischen Fall, der auf eine Diskussion über die (von mir damals verteidigte) Pegida zurückgeht. Daran ist auch aufgrund meiner diplomatischen Vorsicht keine Freundschaft zerbrochen. Aber man muss schon sehen in diesen Tagen, wer wo steht. Von meinem Kollegenkreis könnte ich es schon ganz gut einschätzen, wem gegenüber ich mich wie äußern kann. Übrigens haben die Frauen nach meiner Erfahrung als erste Witterung aufgenommen: Das sind ja lauter Studierte, die es gewohnt waren, ein freies Leben zu führen, und die sich jetzt plötzlich abends vorsehen müssen, welche Straßen die noch sicher betreten können und welche nicht.

Noch etwas: Jetzt ist es an der Zeit, Taten sprechen zu lassen. Ich bin zu alt, nicht vernetzt genug und habe die Veranwortung für eine Familie. Auf dem Giebel des Brandenburger Tors wird man mich daher nicht finden. Aber die Leute meiner Generation haben villeicht andere Möglichkeiten. Ich vermisse einen Spendenaufruf des IfS, zur Unterstützung der Arbeit des Instituts. Ich habe mir daher erlaubt, dem Institut eine kleinere Summe anzuweisen und möchte alle Mitforisten herzlich einladen, sofern es ihnen möglich ist, auch über einen Betrag nachzudenken.
Stein
03. September 2016 15:58
Es mag seltsam klingen, doch mir gelingt es trotz aller Versuche nicht, harte Diskussionen vom Zaun zu brechen. Ich ernte weder in der Familie noch im Freundeskreis oder unter Kollegen Widerspruch. Lediglich ein Arbeitskollege ist "pro Flüchtling" eingestellt, doch ist der so gutmütig, daß er mir auch meine Position nicht übel nimmt.
Biggeo
03. September 2016 16:17
Am 24.06.2015 saß ich im Kreis von vier weiteren Frauen, welche sich halbjährlich ein bis zwei Mal treffen und das seit mehr als 20 Jahren. Es gab immer tolle Diskussionen und die Treffen waren locker und ich freute mich auch darauf. Es kam an diesem Vormittag zum Thema "Flüchtlinge". Ich äußerte rundheraus , dass ich das deutsche Asylrecht abschaffen würde und für ein Einwanderungsrecht nach australischem Vorbild plädiere. Die erste Reaktion einer dieser Frauen war, dies sei ja wohl pervers und ich wollte wohl, dass die "Armen" alle im Mittelmeer ertrinken, während es mir hier gut gehe. Meine Argumente wie z.B, dass sie diesen Weg freiwillig und für viel Geld selbst gewählt hätten, wurden mit erstickten Tränen und dem üblichen Menschlichkeitsgetue vom Tisch gefegt. Auch der Hinweis, dass auf dem Meerweg nach Australien keiner mehr ertrinkt, ging regelrecht unter. Die Frau war am Weinen, ob meiner rechtsradikalen Ansichten. Zwei von dieser Gruppe hielten sich bedeckt und die dritte äußert noch heute, dass sie Flüchtlinge gut findet. Auch wenn ich selbst zur Gattung Frau gehöre, habe ich mittlerweile von den meisten Frauen hier die Nase gestrichen voll und halte sie für unfähig logisch und pragmatisch zu denken. Neben dem wohl bekannten Satz "wir schaffen das", der größte Unsinn an sich, kommt von den Frauen, vor alllem den akademisch gebildeten, auch ich bin Akademikerin,( also kein Neid von mir) der nächste Unsinnssatz "da muss man doch helfen". Vor allem mit der Betonung auf "man !". Jedenfalls haben wir uns danach noch einmal im Dezember letzten Jahres getroffen und von der früher so lebhaften und erfrischenden Austauschstimmung war nichts mehr vorhanden. Nein, man hat mir nicht Nahe gelegt, den Kreis nicht mehr zu besuchen. Vielmehr habe ich selbst daran gedacht, dies nicht mehr tun zu wollen.
Aber da dieses Land immer weiter abdriftet im negativen Sinn, will ich mir doch die Stimmung beim nächsten Treffen mal so ansehen.
In der Zwischenzeit gucke ich weiter heftig "Nazi TV", wie meine Söhne ironisch meinen, wenn ich alternative Medien im Internet lese.
Ich habe Artikel versandt und gepostet und mach das jetzt nicht mehr. Wer wirklich selber denken kann, kommt selber drauf. Und nun hoffe ich, dass morgen ein großer Erfolg für die AfD in Mc.-Pom eingefahren wird.
Wolf Silius
03. September 2016 16:20
Oberbayerische Kreisstadt:

Eine ältere Dame teilt mir mit, ihre Tochter lasse die 12jährige Enkelin nicht mehr unbegleitet ins Schwimmbad und sie selbst gehe am Abend nicht mehr vor die Tür: „'Die' sind ja überall ...“
Etwas später fragt sie mich, welche Partei ich denn wähle. Meine Antwort „AfD“ versetzt sie offenbar ins Staunen: „Die Rechten ? Wirklich ??“

Viel deutlicher kann der Gegensatz von Eigenwahrnehmung der Realität zu indoktriniertem Vorurteil wohl kaum hervortreten. Es gibt noch reichlich Potential für die Blauen.
Christin
03. September 2016 16:25
Vor einigen Wochen bestellte ich ein Taxi, um meinen dementen Vater zum Arzt zu bringen. Unser Chauffeur, einer der mittlerweile selten gewordenen Deutschen in diesem Gewerbe. Er machte, nachdem wir uns angeschnallt hatten, eine kurze Bemerkung zum Wetter, ich auch. Anstatt über belangloses Zeug zu reden, habe ich nichts dagegen, während einer Taxifahrt zu schweigen. Im Radio lief irgendetwas zum Thema Autos/Entwicklung, ich habe da gar nicht richtig hingehört. Der Fahrer machte an einer Stelle eine ärgerliche Bemerkung dazu.

- Ich: Wir schaffen das.

Das war der rote Knopf.

Da brach ein wütender Schwall aus ihm heraus, er erzählte u. a. von Erfahrungen mit „Flüchtlingen“ in seinem Taxi.

- Unsere Politiker an der Macht sind Verbrecher, sie begehen Verbrechen gegen das eigene Volk.
Diese Bezeichnung von mir ging ihm zunächst zu weit.

- Wie nennt man es dann, wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, schwerstkriminelle Nichtdeutsche wieder und wieder Bewährung oder lächerlichste „Strafen“ erhalten, um erneut auf die Bevölkerung losgelassen zu werden, während Deutsche wegen Kinkerlitzchen im Gefängnis landen oder kriminalisiert werden, weil sie sich gegen Ungerechtigkeiten in alles andere als gewalttätiger Weise zur Wehr setzen?

Wir standen schon eine ganze Weile am Zielort, er sei Anfang 70 und müsse sich durch Taxifahrten Geld dazuverdienen; um seine Krankenversicherung bezahlen zu können; er war stinkesauer und hatte das Bedürfnis, seinen ganzen Frust rauszulassen.

Ich konnte ihm nur beipflichten und erwähnte meinerseits noch, daß ich einen wochenlangen Kampf um eine Pflegestufe für meinen Vater hinter mir hatte (inkl. Widerspruch). Ich mußte das Gespräch dann beenden, um unseren Termin nicht zu versäumen.
Ufi
03. September 2016 17:04
Traurig und erhellend zugleich: das plötzliche Ende einer langjährigen Freundschaft - in diesem Fall zu einem Ehepaar. Das Ereignis liegt mehr als zehn Jahre zurück. Es hatte zuvor viele gemeinsame Unternehmungen und gegenseitige Unterstützung gegeben. (Dass Bilder von Marx und Engels in der Wohnung des Paars hingen, hatte mich nicht weiter gestört, die Links-Rechts-Problematik war mir damals noch nicht so geläufig.) Als eines Tages die Sprache auf Vorgänge aus der Zeit von 1914 bis 1945 kam und ich zu bedenken gab, dass wohl nicht alles so einfach gewesen sein könnte wie es in den Schulbüchern steht und dass manche Angaben einer genauen Überprüfung nicht standhalten könnten, schlug die Stimmung von einer Sekunde auf die andere um: Ich solle gehen, was ich mache, das sei Volksverhetzung... Das Wort ´Volk`hatte ich zuvor von den beiden noch nicht gehört, jetzt kam es also in dieser Zusammensetzung und mit diesem Vorwurf. Wie gesagt, traurig und erhellend.
In dieselbe Kategorie fällt ein Ereignis aus jüngerer Vergangenheit. Auf dem Weg zu einer (AfD-)Veranstaltung in einer süddeutschen Stadt wurde ich nach Verlassen des Bahnhofs beim Blick auf Hinweisplakate zu der Veranstaltung (zusammen mit anderen Interessierten) von einem Mann angegangen: Sein Name sei ... (er nannte seinen Namen), dies sei seine Stadt, wir seien hier nicht willkommen. Dann wurden wir aus nächster Nähe fotografiert. Bei der anschließenden Recherche im Internet kam heraus, dass der Betreffende ein Kandidat der Linken für die Landtagswahl war, allerdings in einem anderen Wahlkreis und mit einem anderen Wohnsitz (von wegen "meine Stadt"). Außerdem wurde mir bewusst, dass mit dem Fotografiertwerden nicht zu spaßen ist, nachdem ich darauf hingewiesen worden war, dass die Fotos auf "Indymedia" landen könnten. Erst durch die Intervention eines (republikanischen) Mitglieds des betreffenden Kommunalparlaments und kostspieliger juristischer Beratung konnte die Löschung der Fotos erreicht werden.
Und nun noch ein ganz aktueller Vorgang, betreffend die Aktion am Brandenburger Tor vom letzten Samstag.
Es wurde in diesem Forum ja schon auf unpassende Pressereaktionen hingewiesen. Den Vogel abgeschossen hat aber wohl der SWR (Südwestrundfunk), der in seinen Nachrichtensendungen wiederholt berichtete: Rechte Aktivisten demonstrierten gegen Flüchtlinge (wörtlich zitiert). Daraufhin habe ich schriftlich angefragt: Warum wurde in Ihrer Sendung weder das Motto der Aktion genannt noch aus der zugehörigen Pressemitteilung zitiert - und stattdessen eine eigene Interpretation vorgenommen ("gegen Flüchtlinge" - definitiv falsch)?
Soeben habe ich das Antwortschreiben meinem Briefkasten entnommen. Ich zitiere:
Die Meinung unserer Hörer und Hörerinnen ist uns sehr wichtig. Der verantwortliche Hörfunk-Nachrichtenchef, Herr Muff, hat uns für Sie eine Antwort zukommen lassen [...]. In der von Ihnen kritisierten Nachrichtenmeldung [...] berichteten wir über eine kurzzeitige Besetzung des Brandenburger Tores durch Aktivisten der "Identitären Bewegung". Eine kurze Einordnung dieser Gruppierung war in dem gesendeten Korrespondentenbericht aus Berlin enthalten. Dies ist für uns deshalb von Belang, weil ideologische Grundsätze zuweilen über konkrete Aktionen und deren Darstellung etwa durch Pressemitteilungen hinausreichen. Die Demonstranten nahmen nach eigenen Angaben den Tag der Offenen Tür der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt "Migration und Integration" zum Anlass ihrer Aktion gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung. Mit Blick auf die Folgen dieser Politik ging es dem Sinn nach daher um die Anwesenheit von Flüchtlingen in Deutschland und nicht beispielsweise um Flüchtlinge allgemein oder in anderen Teilen der Welt, die sich außerhalb der Zuständigkeit der Bundesregierung befinden. Die Wiedergabe eines naturgemäß plakativen Mottos hätte nach unserer Einschätzung angesichts dieser Vielschichtigkeit der Argumente ein unzureichendes Bild ergeben. [...] Wir hoffen, Ihre Zweifel an unserer objektiven Berichterstattung ausgeräumt zu haben.
Das ist nun - wieder einmal - ein wortreiches Geschwurbel, in dem die entscheidende Erklärung fehlt, nämlich, wie man (in unzulässiger Weise) von "gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung" auf "gegen Flüchtlinge" kommt.

Mit solchen Beispielen sollte man zeigen können, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht ... (oha, doppelter Wortsinn ;-) )

Wenn ich etwas Ermutigendes nennen soll, so ist es das Kennenlernen dieses Forums.
Hühnerbaron
03. September 2016 17:26
Schlechte Erfahrungen: Exorzismus funktioniert nicht. Überzeugte der Gegenseite kann man nicht einfach umerziehen. Das tiefe psychische Problem vieler linker Mitläufer liegt in der verdammten Angst, sozial isoliert zu werden. Diese Angst entsteht auch, wenn sie rechte Freunde haben. Diese Freunde werden dann auf Linie gebracht oder man läuft vor ihnen weg (was kein Verlust ist). Der Linke, der einen Rechten zum Freund hat, fühlt sich ungefähr so, wie ein Katzenhalter, der plötzlich mit dem Dobermann des Nachbarn auf die Straße gehen muss. Er hat dauernd Angst, dass dieses an der Leine zerrende Untier andere (oder ihn selbst) beißen wird, was dann auf ihn zurückfallen könnte. Er stirbt bei jedem Kontakt mit anderen Passanten tausend Tode und ist am Ende des "Spaziergangs" schweißgebadet. Je mutiger und unangepasster der Rechte Freund/Bekannte ist, desto schlimmer. Dazu habe ich ein paar lustige und weniger lustige Anekdoten, die mich in Gänze aber enttarnen würden, datum nur zB mit dem EK II am Jacket des Abends bei Linkentreffpunkten in Großstadt, Linker Mitläufer (Bekannter) flehte mich händeringend an, den Orden einzustecken; mit Deutschland Fahne an der Jacke auf Antideutscher Demo - interessantes Gespräch mit einem alten Kommunisten, der sich als einziger Beschwerte "dass ich das hier erleben muss, ...".

Der feige Mitläufer lässt sich durch vorauseilende Untertänigkeit vor dem Zeitgeist erkennen: "Wenn unsere muslimischen Freunde (die wir uns leisten können, weil wir so kosmopolitisch sind, die Freunde sind dann meist vom Typ persischer Arzt, eingewandert in den 60gern) zu Besuch kommen, wird der Wein versteckt." "Der Koran ist eine heiliges Buch, vor dem man (der Linke ist dabei selbst Atheist!) Respekt haben muss."

Am besten hilft subversiver Humor. Der rangiert als Eisbrecher auf Platz 1. Man macht sich dabei auch selbst wenig angreifbar (falls man es sich nicht leisten kann), weil man sich immer noch mit "habe ich ironisch gemeint" herausreden kann. Funktioniert überall im sozialen Raum, am Autobahnrastplatz im Zug etc. ist dies auch wegen des flüchtigen Kontakts ohne große Hemmung möglich. Im beruflichen Bereich achte ich immer darauf, dass mentale Sabotage nur unter vier Augen stattfindet, bzw. ohne linken Zeugen (bitte um Verständnis für dergleichen Vorsichtsmaßnahmen, arbeite "unter Linken").
Humor wirkt allerdings zwar nicht bei Betonköpfen, aber bei Wankelmütigen oder zur Versicherung der in unsere Richtung lehnenden. Man sollte dazu aber schon eine schnelle Auffassung bezüglich des Charakters des Gegenüber haben (also ein gut ausgebildetes Vorurteilssystem).
Was auch gut für Propaganda ist: Wenn man teilweise (wirklich und nicht geheuchelt) gesellschaftlich progressive Positionen vertritt, so verwirrt man den Gegner und ist nicht leicht auszurechnen und auch mal im rhetorischen Sympathiefeld. In die gleiche Richtung geht ein zumindest partiell fortschrittliches Äußeres, irgendein Stilbruch wenigstens. Auch wenn ich dafür Schläge kassiere: Vertreter der reinen Lehre, also Leute, die über ein wie die anderen sagen "geschlossen rechtes Weltbild" verfügen, sind schlecht darin, Linke zu missionieren, denn ohne Gemeinsamkeit keine Sympathie (das muss ich Rechten eigentlich nicht erzählen) und ohne Letztere kein offenes Ohr.
Herr Tisch
03. September 2016 17:29
Generell bleiben die Geländegewinne zu bemerken. Es darf wieder gesprochen werden und beileibe nicht mehr hinter vorgehaltener Hand:

Selbst als im Sozialen Tätiger weiß man mich im Kollegenbereich klar zu verorten. Immer schön ruhig und sachlich argumentieren. Mein hervorragendes Gedächtnis sorgt stets dafür, daß ich den längeren Atem habe, untermauere ich doch meine Argumentation stets mit den passenden Quellenverweise. Da fiel doch auch schonmal das Wörtchen "rechts".

Nicht Buchreif, aber durchaus ermunternd:

Unlängst wegen noch nicht unterschriebener Vertragsverlängerung der Ordnung halber bei der Agentur für Arbeit gewesen. Ergebnis des Gesprächs: Fünf Minuten Arbeitssitutation eruiert, zwanzig Minuten die politische Großwetterlage, inklusive domestizierten Jungvolks, rebellischer Ostler, saturierter Westler und dem leisen Anflug von Hoffnung auf Änderung der Verhältnisse. Gesehen, verstanden und mit einem erbaulichen Händedruck verabschiedet. Quasi Kurzurlaub.

Vom Vermieter ins Gespräch verwickelt worden, wie ich die Entwicklungen beurteile: er weiß schließlich, daß ich beruflich auch dorthin komme, wohin sich die Toskanalinken nur seltenst verirren. Eher zögerlich, er wünsche sich, daß doch alles so bleibe wie es denn einmal war. Zur Erkenntnis gratuliert, daß er hier wohl konservative Ansichten vertritt und gleich positiv bestärkt, dies sei sein und mein gutes Recht. "Alternativen" eruiert, "Integrationsaussichten" ad absurdum geführt.
Petrus Urinus Minor
03. September 2016 17:34
Noch eine Bemerkung zum Thema Überlegenheit.

"AW" hat in dem Interview großartig verloren. Auf ganzer Linie. Nazivorwurf auf Nazivorwurf ist An GK gnadenlos abgeprallt. Die Silberkugeln, die verbalisierte Überlegenheit, das ultimative Mobbingargument - Verpufft.

So macht man das.

Und haben Sie gemerkt, wie das den AW gewurmt haben muss? Die ganze Tretbuckelei, die bisher so erfolgreich war - verpufft. Unterlegen. Auf ganzer Linie unterlegen!

Habn Sie gemerkt, mit welchem lächerlichen, traurigen Versuch er nach diesem Waterloo versucht hat noch einmal einen Gestus der Überlegenheit herszustellen? Wie trotzig-kindlich? "Ich hatte die ganze Zeit die Kontrolle, baä baä! Ich bestimme, mit wem ich spiele und du bist doof".

Mein Gott, was muss das für eine narzistische Kränkung gewesen sein! Herrlich. Fassaufmachenswert.

So macht man das.

Man muss nur endlich verstehen, das es niemals darum geht, den Gegner zu überzeugen. Es eght darum, ihn vor Wut schnauben zu lassen - weil er vor den Umstehenden so unendlich dumm dasteht!
Arrow
03. September 2016 17:36
Neulich mit meiner links angehauchten Schwägerin auf der Bank beim Spielplatz sitzend. Ein Negerkind klettert vor uns auf das höchste Klettergerüst. Ohne hinzuschauen oder hinzudeuten schaue ich zu ihr rüber und sage “die können gut klettern“. Das Entsetzen in ihren Augen war schreiend, als hätte ich gesagt, es handele sich bei Negern um den Missing Link zwischen Mensch und Affe.
Petrus Urinus Minor
03. September 2016 17:37
@deutscheridentitärer und John Haase

Ja. Ihre Partnerinnen sind nicht "konvertiert" weil sie überzeugt wurden. Ihre partnerinnen sind konvertiert, weil sie Sie beide attraktiv finden. Traurig? Nein, so ist die Welt. Und die Konvertierung wird höchstwahrscheinlich bleiben.
Schlimmer Finger
03. September 2016 17:37
Empirisches Material von Pew: "Consistent liberals are more likely to defriend someone on a social networking site because of politics."

Quelle: https://twitter.com/pewjournalism/status/772076195114422273

Im Klartext: Liberale (= Linke in unserem Kontext) sind intoleranter gegenüber politisch abweichenden Meinungen im Freundeskreis.

Dazu paßt auch die Meldung über dieses Schnüffelinstrument zum Entfreunden, das im Winter 2014 im Kontext des Aufstiegs von Pegida die Runde machte: http://www.stern.de/politik/deutschland/pegida-auf-facebook--hier-koennen-sie-sehen--ob-ihren-freunden-pegida-gefaellt-3473066.html
Trouver
03. September 2016 17:53
Lieber Herr Lichtmesz, ein Kleinstbeitrag von meiner Wenigkeit.

Ich bin ein Angestellter in Nürnberg, ein zugereister Ossi, geb. in Oranienburg, studierte an Potsdamer Fachhochschule, Diplomarchivar (FH).

Eigentlich wirkte mein Weltbild immer etwas fremd auf meine soziale Umgebung, da überzeugte Libertäre, Minarchisten, in Deutschland nie Fuss fassen konnten.

Also, ein Idealist und Vereher der ünbegrenzten Freiheit.

Und deutscher Patriot, was immer meine Privatsache war, die ich nie zu meiner poitischen Doktrin machte.

Was ich jetzt erlebe ist jene böse Zeit, von der Prophet Amos sprach:

Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit.


Tue ich meist also.

Freunde habe ich kaum. Arbeitskollegen kenne mich kaum. Dasselbe betrifft Sport.

Meine Frau ist russisch.

Ich bin abgeschottet und bedeckt wo es nur geht.
Anonymous
03. September 2016 18:01

1) Bei der Nervenärztin:
"Sie sind ja wie verwandelt seit dem letzten Mal. Sie wirken nicht mehr schwer depressiv und ängstlich und verfolgt."
"Ja, habe viel nachgedacht. Aber dafür bin ich nun wirklich verrückt, bin unter die Verschwörungstheoretiker gegangen, echt plemplem, nehmen Sie mich bitte in ihre Behandlung auf. Knack knack."
"Was meinen Sie mi VT?"
"Wissen Sie, an einer Stelle hatte ich mal eigenen Einblick und konnte die Wirklichkeit, die von hunderttausenden Bediensteten täglich erlebt wird, mit dem vergleichen, was offiziell gesagt wird, im Fernsehen und so, und was - stellen Sie sich das mal vor - auf IRGENDEINEM der Papiere - es sind täglich wohl tausende frisch formulierte - genannt werden darf, und erscheint. Und das war eben nur diese eine Stelle, wo ich ins System reinschauen konnte. Und stellen Sie sich vor: just dort sind die Moralapostel des Landes schlechthin, die allergebildetsten, allergeschichtsbewußtesten, allerbetroffensten Zeigefinger, das kann doch nicht wahr sein. Genau die mit den breitlachenden Gesichtern in den Reginalzeitungen sind es, die, so weit ich es sehen konnte, eine unsichtbare Diktatur installiert haben, unter den Fahne eines bunten, freundlichen Multikultifestes, der Anifaschistik und des ewigen Bekenntnisses zur Schuld. Dieser Totalitarismus ist durch allgemeine Verblödung und subtilen Terror und Gehirnwäsche bereits so gut getarnt und so perfide, dass einem das keiner mehr glaubt - keiner von außerhalb."

"Ach, Sie meinen etwa auch, dass es nicht darauf ankommt, wie gewählt wird, sondern wer auszählt?"

Schulterzucken ...

"Schade, kann Ihnen nicht helfen, was wollen Sie denn hier? Eines noch: bitte reden Sie so offen nicht unbedingt mit anderen Ärzten, da kann es sein, dass Ihnen erstmal ein Medikament verschrieben wird."
Also kein Feindkontakt hier.

2) Beim Nervenarzt:

"Wo, haben Sie gesagt, arbeiten Sie?"

"An der rotgrünen Superschule in der anderen großen Stadt."

Nervenarzt schaut mich schmunzelnd über den Brillenrand weg an - vielsagend. Ich frage nicht nach - wenn er mehr hätte sagen wollen, hätte er's ja gekonnt. Was weiß sogar er noch von dieser Schule - wen alles hatte er schon hier sitzen? Erneut kein Feindkontakt.

3) Busfahren in Städten kann ich nicht leiden und vermeide es. Auto in der Werkstatt, also doch, erste Fahrt seit über zehn Jahren. Schon beim Einsteigen der migrantischen Jungs - nein: bereits bei der Anfahrt zur Bushaltestelle werfe ich mir selbst mein Vorurteil vor. Beim Aussteigen dann kein Fahrschein, Schlägerei, Zeuge, Palawer. Nächster Tag, selbe Linie, komme trotz Verbot in ein gutes Gespräch mit dem Fahrer; man. Ähnlich vor kurzem auf einer langen langen Taxifahrt im Osten; frage den Chauffeur nach Kriminalität und so, er ist ja nachts viel draußen. Und wie wir beide uns zugleich winden! Wie wir uns um Korrektheit abmühen und erst viele ABERs herumflechten, bis wir uns dann doch über die Wahrheit austauschen! Über die Stasi haben wir auch gesprochen (was bedeutet: auch über das, was dazwischen liegt) - er hält alles für möglich, auch heute. Die Fahrt war sauteuer, aber soll sich lohnen, indem ich davon erzählen kann. Wieder kein Feindkontakt.

(Erlebnis drei im Stadtbus zeigt aber: manchmal ist der Ärger vorhersehbar.)

4) Zwei alte Leute untehalten sich vor der Großdemo auf Facebook - alte Kämpfer gegen das System, aber nun schaut man aufs Ende, nun müssen die Jungen ran, wir haben unseren Teil getan, nun Lebensabend usw. Sehr deprimierend das Ganze - zumal es ja auf die Masse der Alten ankommt. Ich forsche nach: der Account passt in seinem Profil nicht zu einem alten Systemgegner, nene. Ich sage das; daraufhin verschwinden BEIDE Accounts.

1-4 lassen mich fragen, wieviel von der Generschaft am Ende nur laute und auffällig bunte Attrappe sind.
Eveline
03. September 2016 18:11
http://detober.info/gegenstand-beziehung-der-logischen-folgerung-zwischen-aussagen.html

Wenn schon Denken dann kunstvoll. Die Denkkunst Trivium; ich glaube diese Kunst fehlt sehr in der Auseinandersetzung zwischen links und rechts.
Oder sonstigen polaren Gegensätzen.

Wobei ich gerne zugebe, bis vor 3 Stunden wußte ich nicht, das es so etwas gibt und das vor 120 Jahren das auch im Abitur abgefragt wurde.

Wie tief sind wir doch gefallen.
Sumpfbewohner
03. September 2016 18:13
Ich beginne in der Mitte des Orkans:
1) April '16, Schnellroda, erstes "Café". Ich fahre hin, um endlich einmal den sagenhaften Ort zu sehen und GK/EK vielleicht einmal persönlich sprechen zu können. Mit 20 habe ich beschlossen, konservatives 'outfit' auf Oper, Beerdigung und Verwandtes zu beschränken. Also die gewohnten längeren Haare, natürlich kein Scheitel; blaues Hemd, Jeanshose; immerhin wegen des Ortes: schwarze Lederschuhe statt der üblichen sneaker.
Zwei Männer, Mitte 20, gegenüber am Tisch. Tuscheln mit Blick auf mich, aber zu laut: "Was meinst Du?: ein Grüner!!?! - Ja!"
Es ist absolut unmöglich, mit den beiden ein Gespräch zu beginnen; mit einem Lächeln, das zwischen Scheu und Arroganz oszilliert, wird alles abgeblockt.
2) Juli '16, Berlin, Vortrag von Martin Lichtmesz. Ich gehe hin, besonders, um ihn als intellektuelle Persönlichkeit kennenzulernen. Trage diesmal auch noch (unbeschriftetes) T-shirt und sneakers.
Spreche ihn nach dem Vortrag auf das religiöse Problem für eine Fundamentierung unseres Denkens an.
Lichtmesz mustert mich von oben bis unten, weicht zurück, verweist in rüdester Kürze auf sein "Kann nur ein Gott uns retten?" Ich weiß, ich will darüber hinaus diskutieren. Aber auch beim Versuch entschärfender Nachfrage nichts weiter, aggressive Tonlage. Gesprächsabbruch.
Fazit: Konservative denken auch in diesen Zeiten noch in Äußerlichkeiten, kategorisieren Freund und Feind nach Uniformen in schwarzweiß. Der Gehalt wird nicht geprüft, Möglichkeiten fließender Übergänge ausgeschlossen.

M.L.: Jetzt muß ich aber lachen: Wie kommen Sie darauf, das hätte mit Ihrem T-Shirt oder Ihren Sneakers zu tun gehabt? Wie habe ich denn selber an diesem Tag ausgesehen, trug ich etwa Hemd, Anzug und Krawatte? Nein, ich hatte ein T-Shirt und schwarze Jeans an, und auch keinen gekämmten Seitenscheitel. Vielleicht können Sie sich einmal folgendes vorstellen: zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine acht Stunden lange Fahrt hinter mir und einen langen Vortrag, nach dem ungefähr ein Dutzend Menschen mit mir sprechen wollte. Und dann kommt einer und will mit mir exklusiv über das dickste aller Fässer diskutieren, über das ich nicht umsonst ein dickes Buch geschrieben habe, eben weil man über diese Dinge schwerlich in der Kurzfassung und zwischen Tür und Angel diskutieren kann. Ich bedaure, wenn Sie das als "aggressiv" und "rüde" aufgefaßt haben, aber vielleicht können Sie sich vorstellen, daß ich zu diesem Zeitpunkt schlicht und einfach erschöpft war. Ich würde Ihnen raten, ein bissel aus Ihrer Blase herauszukommen, ich glaube nicht wirklich, daß sich irgendjemand für Ihren Kleidungsstil interessiert, bei der IB in Wien rennen die Leute jedenfalls auch nicht anders rum...


3) Juni '16, Steffen Königer genial zum Genderwahn, https://www.youtube.com/watch?v=4DQ61G9ir0Q; ich schicke den link an eine alte süddeutsche Bekannte nach Magdeburg, bürgerlich-konservativ, Katholikin strenger Observanz.
Ich erwarte fröhlichen Beifall. Aber keinerlei Reaktion; ca. 2 Wochen später telefoniert ihr Mann:
Diese AfD! Natürlich, diese Merkel; unsäglich. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt hätte er ja verzweifelt gesucht. Alles, ALLES - aber nicht diese AfD!!! SPD sei's geworden. von Storch, Gauland, Höcke! Furchtbare Gestalten!
Ich erzähle ihm, daß und wie ich Frau von Storch und Herrn Gauland schon in kleinerem Kreis aus nächster Nähe erlebt und schon rein menschlich als insgesamt durchaus erfreuliche Persönlichkeiten kennengelernt hätte. Schweigendes Lauschen. Als ich erwähne, daß Eile not tue, ehe alles den Bach runtergehe - schnelle Beendigung des Gespräches.
Fazit: Bürgerliche Verunsicherung.

4) Oktober '15. Ein ehemaliger Kommilitone. Sozusagen weiblicher Part einer Homoehe. Großbürgerliche Verhältnisse, global orientiert. Die FAZ immer in Reichweite. Man sieht sich mal wieder, das Gespräch kommt auf die 'Flüchtlinge'.
Panisches 'o Gott' - ich will die hier nicht - Merkel ist durchgeknallt - ich werd' die AfD wählen!! Ich lächle, sage nur "tja ja ..."
Fazit: Besondere Umstände (Homoangst vor Moslems) können unerwartete Koalitionen erzeugen.

5) Frühjahr '15. Noch ein ehemaliger Kommilitone, Schwabe in Sachsen; er und wohl sein gesamter Clan Parteimitglied bei den Grünen, Mutter ehemalige Mandatsträgerin. Versteht schon lange nicht, weswegen er mir die Freundschaft immer noch nicht gekündigt hat, bei meinen Ansichten! Ich umgekehrt ja eigentlich auch nicht; gelegentlich gibt es scheppernde Debatten.
Na ja, nun hätte ich ja diese AfD, jetzt sei ich ja nimmer ganz so allein. Kichern. Aber wir würden ja jetzt wohl von den Neoliberalen abgeräumt (Lucke war noch im Amt). Heftiges Kichern. Jaja, bei den Grünen hätte es ja auch gedauert; wir müßten halt auch noch schön leiden und durch's Jammertal. Kichern.
Inzwischen hierzu nichts mehr. Ich bin halt ein hoffnungsloser Fall, wo er immer noch nicht weiß, warum er die Freundschaft immer noch nicht gekündigt hat ...
Fazit: Zusammenleben auf der Basis getrennter Lebenssphären; vielleicht sogar eine gewisse sportliche Grundstimmung in politicis.

6) Im Bereich der Arbeit: Schweigen, Pokergesicht. Aber jede Gelegenheit nutzen, als U-Boot zu wirken. Zweifel anregen, 'Unerhörtes' diskret unterjubeln, Zweideutiges mit größter gespielter Naivität gebären.
Andernfalls würde rigorose Kaltstellung drohen, und jede Wirkmöglichkeit wäre mir in diesem Feld versperrt. Das Umfeld ist bleiern.
7) Im Bereich der Familie dagegen: Keiner denkt anders. Die Alten ganz unreflektiert, weil sie dieses komische neue Zeugs sowieso nie begreifen konnten und einfach auf dem Gleis geblieben waren, auf das man sie in ihrer Jugend, weit vor '68, mal draufgesetzt hatte ...
Ulex
03. September 2016 18:14
Vielleicht sollten wir uns erstmal daran freuen dass es im Umland bzw hier im Osten überhaupt eine 50 zu 50 Polarisierung gibt. Ist sicherlich angenehmer als Positionen einer 1 Prozent Sekte zu vertreten und sich am Tisch dreimal umzudrehen um sicher zu gehen dass der Nachbartisch nicht grad ein böses Reizwort aufgeschnappt hat..
William Wallace
03. September 2016 18:24
Ein sehr interessantes Thema!

Das aus meiner Sicht Beruhigende zuerst: Mein gesamter familiärer Kreis (etwa 10 Personen) hat sich in der "Stunde der Entscheidung" als deutschfreundlich herausgestellt. Es lebe die ostdeutsche Sozialisierung ;)

Anders sieht es leider im Freundeskreis aus. Ich habe zwei "beste Freunde", von denen einer voll der linksgrünen Propaganda auf den Leim gegangen ist. Ich will mal die typische Situation schildern, die mich innerlich zur Weißglut gebracht hat und die ich ihm wohl nie ganz verzeihen werde (zum einen aufgrund der Ansicht als solcher, zum anderen und das ist viel entscheidender, aufgrund seines Verhaltens):

Er, immerhin Ingenieur (FH), begrüßte die Völkerwanderung, da Vermischung doch etwas positives sei! Mischlinge seien gesünder und intelligenter. Darauf äußerte ich dezent meine Skepsis, da aber noch andere Personen im Raum waren wechselte das Thema rasch.

Während der EM hat er sich dann als großer Fan der Isländer geoutet. Diese Wikinger, wie kämpferisch und stolz sie spielen, diese Kraft und Leidenschaft, der Schlachtruf der Fans, einfach toll!
Ich wandte darauf ruhig und ernst ein, dass es nun oberstes Ziel sein müsse, möglichst viele Afrikaner und Araber in Island anzusiedeln, um eine möglichst breite Durchmischung zu erreichen. Aus den Wikingern sollte eine hellbraune Mischlingsrasse, ähnlich den Nordafrikanern werden, das wäre hinsichtlich Intelligenz und Gesundheit doch für sie am besten!

Darauf stellen wir in etwas aufgewühlter Atmosphäre fest, dass die homogenen Inselstaaten Island und Japan statistisch einen weit überdurchschnittlichen IQ haben und von erhöhten Gesundheitsproblemen nichts bekannt ist.

Und was nun? Gab er auf? Stimmte er mir zu? Zog er seine Ansicht zurück?
Nein natürlich nicht! Es ist in unserem Kulturkreis wohl ein zu großes Zeichen der Schwäche, von einem anderen "belehrt" oder überzeugt zu werden. Das ging dann in etwa so:
A: "Sag mal William Wallace, du bist doch total rechts!"
WW: "Was ist daran rechts?"
A: "Hm... weiß nicht... aber du wirst doch bestimmt von anderen als rechts gesehen oder?"
WW: "Na werd´doch mal konkret, was ist denn jetzt so schlimm rechts?"
A: "Ich habe einfach nichts gegen Ausländer!"

Wie ging es aus? Er kontaktiert mich noch hin und wieder, für mich hingegen fand aber ein gewisser Bruch statt. Noch kann ich nicht sagen ob dies von Dauer sein wird, aber die Lust auf weiteren Kontakt ist mir erst einmal vergangen.
Es ist wohl die Enttäuschung, dass ein Mensch der mir so nahe stand, in einer solch existenziellen Frage so anders denkt und trotz Widerlegung der von ihm vorgetragenen Tatsachen auf dieser Ansicht beharrt. Ich habe linksgrüne Bekannte, mit denen ich mich gut verstehe und mit denen ich lockere Treffen auch sehr genieße. Aber das sind eben nur Bekannte, keine mir sehr nahe stehenden Menschen die mich in irgendeiner Form verletzen könnten.
_______________________________________________________

Abgesehen davon: Wenn es in der Öffentlichkeit zur Diskussion kommt, lautet meine Standardphrase (die ich in 30 Sekunden abspule) stehts:

1.) Die deutschen werden immer weniger (absolut und relativ).
2.) Die Mohamedaner werden immer mehr.
3.) Es ist folglich nur eine Frage der Zeit, bis sie auf demokratische Art und Weise (also von der Mehrheit gestützt) die Scharia einführen können.
4.) Die Schlussfolgerung formuliere ich dann situationsabhängig, am besten gefällt mir die unsachliche Formulierung, die in etwa so geht:
Ich kann ja verstehen, dass du dich für die Unterdrückung der Frau, für die Tötung Andersgläubiger und für die Kinderehe einsetzt. Ich kann das alles nachvollziehen. Hat bestimmt auch seine Vorteile.
Aber sorry, ich persönlich lehne das einfach ab. Bitte verurteile mich nicht dafür!

Nach dieser Ansage (die mir immer wieder eine wahre Befriedigung ist) hat noch kein Gesprächspartner ein grünes Gegenstatement abgespult bzw. sich der Diskussion verweigert.
deutscheridentitärer
03. September 2016 18:31
@Paul

. Dem Begriff „Rechts“ haftet der Stallgeruch des Nationalsozialismus an. Dieser Kadavergestank spricht nicht den Intellekt an, sondern tiefere Schichten des Menschseins. Er weckt instinktive Reize, wie etwa Ekel und Abscheu. Er ruft in Anbetracht der Widerwärtigkeit von Auschwitz und anderer Konzentrationslager nichts anderes als einen Kotzreiz hervor.


Ich halte diese unter Rechten verbreitete Annahme für unzureichend.

Es wurde ja schon des öfteren festgestellt, dass dieser Pawlowsche Reflex in den alliierten Siegerländern nicht signifikant schwächer ist.

Meiner Meinung nach handelt es sich vielmehr vereinfacht gesagt um ein schlechtes Gewissen, entstanden aus dem Wissen um die eigene Nutzlosigkeit, Notlosigkeit und überflussbedingte Degeneration, die es verhindert sich ein Selbstbehauptungsrecht zuzustehen.


Zumindest halte ich dies, neben ideengeschichtlichen Irrwegen der Moderne, für eine wesentliche Ursache des ganzen Schlamassels.


@John Haase

Fakt ist ja, dass "unsere" Intellektuellen, v.a. natürlich hier bei der Sezession, die Gegenseite objektiv mehrere Köpfe überragen.

So sind zum Beispeile alle "Analysen" unseres Milieus von links von großer Inkompetenz geprägt.

Bislang schließen die Schleußen des Systems aber noch hermetisch genug, als dass wir diesen Vorteil wirklich umfassend ins Spiel bringen könnten.

Meinem Vater z.B., dem ich "Kann nur ein Gott uns retten?" angetragen habe, in der Meinung, man könne sich nach der Lektüre nur auf unserer Seite einordnen, wurde mit Blick auf den Autor gar nicht erst gelesen.


In Bezug auf meine Partnerin fällt mir noch die eigentlich einzige Geschichte ein, in der ich erlebt habe, dass das Umfeld sich krass von "Rechten" distanziert.

So war der an sich normal studentisch-unpolitisch-dumme Freundeskreis meiner Freundin angesichts ihrer Liasion zuerst äußerst besorgt und hat schließlich den Kontakt abgebrochen.

Kein Verlust und insgesamt zumindest für mich ein eher unterhaltsamer Vorgang.


@Peter Urinus Minor

„AW“ hat in dem Interview großartig verloren. Auf ganzer Linie. Nazivorwurf auf Nazivorwurf ist An GK gnadenlos abgeprallt. Die Silberkugeln, die verbalisierte Überlegenheit, das ultimative Mobbingargument – Verpufft.
So macht man das.
Und haben Sie gemerkt, wie das den AW gewurmt haben muss? Die ganze Tretbuckelei, die bisher so erfolgreich war – verpufft. Unterlegen. Auf ganzer Linie unterlegen!
Habn Sie gemerkt, mit welchem lächerlichen, traurigen Versuch er nach diesem Waterloo versucht hat noch einmal einen Gestus der Überlegenheit herszustellen? Wie trotzig-kindlich? „Ich hatte die ganze Zeit die Kontrolle, baä baä! Ich bestimme, mit wem ich spiele und du bist doof“.
Mein Gott, was muss das für eine narzistische Kränkung gewesen sein! Herrlich. Fassaufmachenswert.


Das war wirklich ganz großes Kino.


GK's Interviewführung war allerdings auch das Souveränste, was ich im deutschen Sprachraum diesbezüglich je gesehen habe.

Wenn solche Leute erstmal in Talkshows etc. zu finden sein werden (was mittelfristig der Fall sein wird), wird es kein Halten mehr geben.
Fredy
03. September 2016 18:33
Apropos Taxifahrer. Im letzten Jahr fuhr ich mit einem Bekannten im Taxi. Da ich gerne Leute provoziere, aber eher auf die amüsante Weise, sagte ich nach dem Einsteigen zu meinem Bekannten: "Endlich mal ein deutscher Taxifahrer, fahren doch sonst nur Ausländer". Die Rastafrisur des schmuddeligen Taxifahrers, der war sicher schon knapp 50, hatten mich herausgefordert. Da der Taxifahrer deutliches Mißfallen signalisierte, aber wohl die Strategie des Schweigens fuhr, um nicht zu eskalieren, machten wir weiter. Der Bekannte und ich führeten ein absichlich derbes Gespräch über die politische Lage. Die Fahrt war dadurch äußerst amüsant. Der Taxifahrer war am kochen, sagte aber nichts. Zum Fahrtende wollte ich dem Fahrer ein großzügiges Trinkgeld geben. Der lehnte angewidert ab und meinte, dass er von Leuten wie uns nie etwas annehmen würde. "Ok" sagte ich, "dann wird der Betrag eben der nationalen Bewegung gespendet". Er konnte doch bösartig werden und fluchen ... was zu beweisen war.

Ansonsten halte ich mich mittlerweile mit einer freiwilligen Äußerung meinerseits eher zurück, weil ich gemerkt, dass die intelligenten Menschen irgendwann von selbst drauf kommen, und es bei den anderen nicht nützt, man aber das Zusammenleben erschwert. Beschränke mich daher meist auf süffisante, sarkastische, ironische und humorvolle Kommentare. Da weiß jeder wo ich stehe, es bleibt aber unangreifbar und regt die intelligenten doch zum nachdenken an, mit denen man dann auch ein ernsthaftes weiteres Gespräch führen kann. In der Familie, vor Jahren alles gläubige BRDler, sind mittlerweile alle erwacht, selbst die Schwägerin, die mich vor Jahren mal an Weihnachten fragte warum ich Nazi bin. Es wird ihr wohl heut peinlich sein, ist sie doch in ihren Ansichten nun radikaler wie ich. Was die Arbeit betrifft habe ich schon alles kennengelernt. Aufträge von Lieferanten verloren weil sie mich gegoogelt haben (seinerzeit gab es noch Einträge, mittlerweile sind die gelöscht nachdem die verantwortliche Drecksau gerichtlich dazu verpflichtet wurde). Mit anderen Lieferanten konnte ich offene Gespräche führen, freundschaftliche Verhältnisse haben sich entwickelt, mit einem auch mehrfach im Urlaub gewesen, gerade der war politisch nicht meiner Meinung, sondern Gutmensch, naiv-ehrlich aber und offen und tolerant. Als Freiberufler kam mein Auftraggeber wegen mir unter Druck, damals auch wegen Google. Hier kam man nur weiter mit Gegendruck und Gerichten. Das Verhältnis war danach trotzdem beschädigt, es bleibt immer ein Verdacht zurück, dass man doch in der Lage wäre Juden zu vergasen (ja, so plump wird auch bei gebildeten Leuten gedacht). Prinzipiell ist es heute so, dass wenn ich auf dem Bau arbeite, man offen über alles reden kann, mit jedem. Zu rechts gibt es dort nicht, und wenn, solange jemand seine Arbeit macht, ist man tolerant. Mit Büroleuten sieht es anders aus. Es gibt dort Leute, die geradezu auf eine Aussage lauern und diese provozieren wollen, um sie gegen einen zu verwenden. Aber diese Leute kann man aufziehen, denn die Gutmenschen tragen die Moral nur vor sich, sie leben konservativer und abgeschotteter als ich selbst. Die meisten anderen sind normale BRDler, arbeiten und konsumieren, ansonsten nicht weiter denken. Paar Ausnahmen gibt es, gerade die Leute, die man optisch eher als Linke einordnen würde, sind es tatsächlich nicht, im Gegenteil. Hier merkt man, dass die Fraktion der konservativ-esoterischen Bio- und Müslifraktion wächst. Äußerlich kann man heute niemand mehr erkennen. Daher finde ich meine Strategie der eher unernsten oder herausfordernden Kommentierung gut, da man dann aufgrund der Reaktionen sieht wie sich das Bild ordnet und die Spreu vom Weizen trennt.
John Haase
03. September 2016 18:42
@ Petrus Urinus Minor

Sicherlich finden uns unsere Partnerinnen attraktiv. Aber schließt das echte Überzeugung aus? Wozu die Anführungszeichen? Sie schreiben ja selbst, daß die Konvertierung höchstwahrscheinlich bleiben wird. Genauso wie ich wissen Sie genau, daß es ein Zurück nicht geben kann, ganz egal, wie die Umstände sind.

Sicherlich hilft gegenseitige Anziehungskraft, aber sie ist nicht alleinentscheidend. Eine gewisse Anlage muß da sein, aber unsere Argumente sind halt auch einfach besser. Es ist nicht nur: "Ich finde den Typen toll, deswegen rede ich ihm nach dem Mund."
Paul
03. September 2016 18:43
@P.U.M.

Ich höre oft, dass eine Abgrenzung "der gemeinsamen Sache" schadet und "die Rechte" sich nicht auseinanderdividieren lassen darf...ich weiss nicht ob sie so etwas in der Art meinen aber ich bleibe dabei, es darf keine Gemeinsamkeit, keine Schnittmenge und kein Verständnis im Hinblick auf den Nationalsozialismus geben. Dieser Brunnen ist für immer vergiftet. Es möchte mir eine historische Debatte schenken und einfach darauf hinweisen wollen, dass der Nationalsozialismus der 2 totalitäre Versuch des letzten Jahrhunderts war und Hitler mit dem Germanenkult oder dem nationalen Denken vieler seiner Weggefährten nichts anzufangen wusste. Ich empfehle Sebastian Haffners Anmerkungen zu A.H. als interessante Lektüre. Die politische Rechte in Deutschland hat nie eine Chance, wenn eine strikte Abgrenzung nicht dauerhaft erfolgt. Die Rechnung der Gegenseite ist einfach: Rechts gleich Nazi gleich das leibhaftige Böse. Dagegen hilft rein Garnichts ausser strikter Abgrenzung. Marie le Pen hat nicht umsonst ihren eigenen Vater ausgestoßen, um Schaden vom Front National abzuwenden. H. C. S. hat die FPÖ zu einer Volkspartei gemacht. Auch er tut alles um den Stallgeruch von dem ich sprach von seiner Partei abzuhalten. Wer Mehrheiten für sich erreichen will, muss die Distanz wahren. Alles andere ist Traumtänzerei. F.J. STRAUSS sagte in seiner legendären Rede vom Narrenschiff Utopia auf dem 2 rote und ein grüner die Narrenkapitaensmuetze aufhaben und dem Untergang Deutschlands. Dieses Land habe nur eine Chance auf Zukunft mit droeger, notfalls langweiliger konservativer Politik.
- Dieser Kommentar ist nur zur Veröffentlichung in diesem Forum bestimmt, nicht zu anderen Veröffentlichungszwecken.
G.W.
03. September 2016 18:46
Rhetorische Tipps für den Ernstfall mit Linken:

https://nationalactionlondon.files.wordpress.com/2015/06/zeiger-hammer-of-the-patriot.pdf

1. Es kommt in der Regel nicht auf dem einen gegenüberstehenden Diskutanten an, sondern auf schweigende Dritte und andere Zuhörer bei der Überzeugungsarbeit.

2. Obige Inhalte bitte an die rechtlichen Schranken der BRD anpassen, bzw. diese im Hinterkopf behalten.

Erfahrungen mit diesen und anderen Strategien im Gespräch mit feindselig Gesinnten? Manchmal Überzeugung, oft das an den Kopf werfen der üblichen Vokabeln.

Tendenziell wird einem seit einem Jahr eher Recht gegeben oder es wird peinlich pikiert zusammengesunken, mit Blick nach unten, in sich hinein geschwiegen.

Beste Grüße
Olaf
03. September 2016 18:51
@Wolf Silius
Ihre Erfahrung mit dem seltsamen Wahlverhalten teile ich. Ich glaube, zumindest in Süddeutschland, sind die linken Spinner klar in der Minderheit. Die Mehrheit tickt hier normal und Asylkritisch. Aber das Wahlverhalten ist seltsam unlogisch. Man muß die PS auf die Straße bringen, würde man beim Auto sagen. Im Nordwesten sieht es wohl anders aus, da gibt es viele Linke und Verrückte.
Der_Jürgen
03. September 2016 18:56
Ich habe viele Jahre ausserhalb des deutschen Sprach- und Kulturkreises gelebt und weiss nicht aus eigener Erfahrung, wieweit sich das Denken und Fühlen der dortigen Menschen in der Zwischenzeit geändert hat, aber das, was mir deutsche Freunde mitteilen, bietet Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die Zahl der Unbelehrbaren ist immer noch sehr gross, nimmt aber ab. Unter dem Druck der harten Realitäten wächst das Misstrauen gegenüber der herrschenden Ideologie und den offiziellen Wahrheiten stetig. Hiervon zeugen ja die Erfolge Norbert Hofers in Österreich und der AFD in der BRD.

Ein national gesinnter deutscher Freund, der seit vielen Jahren bemüht ist, intelligente Gesprächspartner (an Unintelligente verschwendet er seine Zeit nicht) anderer Weltanschauung zum Überdenken ihrer Positionen zu bewegen, sagte mir folgendes:

Am besten setzt man bei den Geschehnissen des 11. September 2001 an, und zwar aus mehreren Gründen. Das Thema ist nicht so tabubefrachtet wie die jüngere deutsche Geschichte oder die "Flüchtlings"-Frage; Zweifel an der offiziellen Version werden nicht strafrechtlich verfolgt und haben auch kaum den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge; die Aberwitzigkeit der offiziellen Version ist in diesem Fall so offensichtlich, dass kein ernsthafter Widerspruch gegen die Kritik der "Truther" möglich ist.

Wer an die närrische Geschichte von Osama Bin Laden und seinen Flugzeugentführern glaubt, sitzt starr vor Erstaunen da, wenn man ihm mitteilt, dass damals nicht zwei, sondern drei Türme einstürzten, der dritte neun Stunden nach den beiden ersten und ohne dass dort ein Flugzeug eingeschlagen wäre, ihm anschliessend ein Video zeigt, auf dem zu sehen ist, wie Building 7, der dritte Wolkenkratzer, innerhalb von knapp acht Sekunden im annährend freien Fall einstürzt, und ihm dann erklärt, dass dieser Einsturz der offiziellen Version zufolge durch "Bürobrände" bewirkt wurde. - Als nächstes zeigt man ihm das kleine Loch in der Fassade des Pentagon mitsamt einer davor projizierten Skizze des Passagierflugzeugs, das dieses Loch angeblich verursachte, und fragt ihn, wohin es denn die Trümmer des Flugzeugs verschlagen haben mag. Alle anderen Argumente - die Tatsache, dass noch nie in der Geschichte ein Wolkenkratzer aufgrund von Bränden einstürzte; die Tatsache, dass man die Namen der "Entführer" schon einen Tag später kannte, obgleich kein einziger auf einer Passagierliste stand; die völlige Untätigkeit der US-Luftabwehr - ist dann "overkill".

Wer erst einmal kapiert hat, dass er von ALLEN grossen Medien in einer dermassen zentralen Frage seit 15 Jahren schamlos belogen wird, dessen Glauben an das westliche System und seine Medien ist aufs schwerste erschüttert, und man kann ihn behutsam über Lügen noch grösseren Kalibers aufzuklären beginnen. - Soweit mein deutscher Freund. Sein Wort in Gottes Ohr.

@Paul

"Wir müssen uns von Unbelehrbaren wie Ursula Haverbeck und Horst Mahler distanzieren."

Warum? Kennen Sie deren Argumente? Haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und die Materie studiert? Schwerlich, sonst würden Sie nicht leichtfertig derartige Dinge schreiben. Haben Sie sich je Gedanken darüber gemacht, warum man Menschen wegen ihrer historischen Ansichten verfolgt und einsperrt?

Ohne mich im geringsten von Mahler, dessen Mut und Opferbereitschaft ich ebenso bewundere wie seine philosophische Bildung, zu distanzieren, räume ich allerdings gerne ein, dass mir sein monokausales Denken und sein Dogmatismus ebenso Schwierigkeiten bereiten wie seine Taktik, unbedingt mit dem Kopf durch die Wand gehen zu wollen. Damit erreicht man sein Ziel kaum je. Es würde mir jedoch nicht im Traum einfallen, über Mahler herzufallen, um mich bei einem cuckservative beliebt zu machen.
jack
03. September 2016 19:02
@ Paul

Dem Begriff „Rechts“ haftet der Stallgeruch des Nationalsozialismus an. Dieser Kadavergestank spricht nicht den Intellekt an, sondern tiefere Schichten des Menschseins. Er weckt instinktive Reize, wie etwa Ekel und Abscheu. Er ruft in Anbetracht der Widerwärtigkeit von Auschwitz und anderer Konzentrationslager nichts anderes als einen Kotzreiz hervor.

Wichtig erscheint mir daher noch einmal ganz konkret die Abgrenzung zum Nationalsozialismus, die Verurteilung seiner Gräueltaten und die konsequente Abgrenzung gegenüber Leuten wie Horst Mahler, Ursula Haverbeck und anderen unbelehrbaren. Es nervt….es nervt mich auch ganz persönlich, Gespräche immer mit derarigen Abgrenzungen zu beginnen aber es ist zwingend notwendig, um beim gegenüber den Kotzreiz zu unterdrücken.



Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat man die Partei mit dem großen C durchaus als rechts verortet. Wenn dem so wäre, wie Sie es darlegen, hätten die damaligen Anhänger und Wähler dieser Partei die von Ihnen ausführlich beschriebenen Reaktionen ausgelöst. Das wäre wiederum die Erklärung dafür, dass die Linken mit vehementer Härte gegen diesen „rechten Abschaum“ Front machen (mussten). Das mittlerweile seit vierzig Jahren und wie mir scheinen will, immer intensiver, je länger diese, Zitat: Ekel-und Abscheuzeit zurückliegt.

Zu der von Ihnen erwähnten Abgrenzung, lassen Sie mich G.K. zitieren:

Unsere tatsächlich historische Aufgabe ist, die Spurbreite des schmalen Grats zu halten, und weder den reduzierten Erklärungen des Establishments noch denen falscher, aber suggestiver Theorien zu folgen. Kurz: Wir dürfen keine jener Funktionen annehmen, die das »System« für uns vorgesehen hat. Nur auf diese Weise schaffen wir unserer Zukunftsdebatte einen angemessenen Freiraum, und das sollte uns Intellektuellen doch sehr am Herzen liegen.

http://www.sezession.de/54541/der-fall-wolfgang-gedeon-ein-austausch-zwischen-marc-jongen-und-goetz-kubitschek.html/7
Muotis
03. September 2016 19:15
Ist wohl Typfrage. Hab noch nie, auch lange bevor ich von JF oder Sezession überhaupt wußte, meine Meinung verschleiert, sondern immer klipp und klar bekannt. War deshalb auch immer der "Nazi". Da die Diskussionen aber immer fröhlich und mit Witz, inhaltlich aber stets unmißverständlich geführt wurden, gab es für mich niemals böses Blut. Habe mit der Zeit aber gelernt, nicht mehr mit Teilzeitinteressierten, aus denen mein Freundeskreis hauptsächlich besteht, zu diskutieren, da man immer bei Null anfangen muss und viel zu lange braucht, um die Zwischenschritte zu klären, um das eigentliche Problem erst zu erkennen. Beschränke es dann meist auf plakative Slogans a la "Einreisestopp und Rückflug" und Schluß.
Omega Mann
03. September 2016 19:47
Mir bleibt, in dem Umfeld, in das ich durch das Leben, den Zufall oder Gott gestellt wurde und in dem ich mich nun behaupten muss, nicht viel mehr übrig, als den "eigenbrödlerischen Einsiedler" zu geben. Nicht das ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit keine Akkupunktur anwenden würde. Nadelstiche, so oft es geht. Unbequeme Fragen, nachhaken, Denkanstöße geben und immer wieder jede Menge "aber". Meinen Ruf hab ich natürlich weg, was mich aber nicht besonders stört, auch wenn mich meine Umgebung als "politischen Sektierer und Spinner" wahrnimmt.

Meine Überlebensstrategie angesichts der an mich persönlich gestellten Herausforderung einer bestenfalls gleichgültigen, schlimmstenfalls völlig feindseligen Umgebung läßt sich am besten mit einem Zitat erläutern, welches nicht wenigen hier bekannt vorkommen dürfte (sollte);

"Indes bleibt die Frage, warum es seit jeher Menschen gibt,
die von der Welt Abstand nehmen und den Umgang mit Ihren Mitmenschen meiden. Das waren stets nicht viele, und sie werden gern als schrullige Miesepeter verlacht oder gar angefeindet,
weil sie sich der Gesellschaft mit dem Argument entziehen,
sie seien von „anderer Art“, was sie daran hindere,
sich an den menschlichen Gepflogenheiten zu beteiligen.
Sie ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, weil sie die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten des Menschseins und der praktizierten Wirklichkeit nicht ertragen können.
Sie schauen auf die Welt, machen ihre Erfahrungen und vergleichen das Gesehene und Erlebte mit den Anforderungen, die sie an sich selbst und an die Menschen stellen.
Diese wenigen unterscheiden sich vom Rest der Gesellschaft dadurch, daß sie über das Absurde und Mangelhafte nicht einfach hinwegsehen können, sondern schwer daran tragen, weil es ihnen an Gleichgültigkeit fehlt.

Sezession # 57, Dezember 2013
Karl
03. September 2016 20:18
Das ist mal ein sympathischer Zug, wir werden gefragt! Sehr gut, Herr Lichtmesz. Professionelle Kundenbindung.

1. Zugehen auf die Verblendeten (20 % der Bürger)
Vorgestern im Supermarkt. Ich laufe im Schwarz-Rot-Gold-T-Shirt auf. Mir entgegen kommt ein typischer Endzwanziger-Irgendwas-mit-Medien-Schluffi. Es war für ihn ein fast körperliches Erlebnis, offenbar Erstkontakt.
Später, an der Kasse, ich natürlich genau hinter ihm, mache ihn nervös. Er mustert mich, wundert sich, dass ich keine Springerstiefel trage, fürchtet sich ein wenig. Ich bleibe ruhig, sage nichts, mache aber auch nicht auf nett. "Krass, oder!? S-R-G mitten in Deutschland" hätte ich vielleicht noch sagen können. :)

Zu Diskussionen: Besonders Petrus Urinus Minor hat hier
völlig Recht, wenn er bemerkt, dass in - öffentlichen - Debatten niemals die sachliche Auseinandersetzung im Zentrum steht. Das kann sie schlicht auch nicht, denn es spielt sich meist vor Publikum und somit unter Druck ab. Es geht dann immer nur darum, moralisch vor dem Publikum besser dazustehen. Und das haben die Linken seit Jahren zum Erbrechen betrieben. Der Fehler der Rechten, besonders der Konservativen, ist, dass sie oft die sachliche Auseinandersetzung suchen. Sarrazin zeigte in diesem Sinn ein klassisches "konservatives" Vorgehen: Ich untersuche und erkläre etwas ganz genau und dann stimmt ihr mir zu, gell?!"
Daher geht es um die moralische Attacke, um die Initiative und das sofortige moralische Totschlagargument. Man muss den Gegner in die
Defensive drängen, sodass er nur noch mit Rechtfertigung beschäftigt ist und auch das nicht mehr schaffen kann. So läuft der Hase.
Und gleich auf den Punkt kommen:

- "Du hast dein eigenes Volk, deswegen willst du mithelfen, dass es verdrängt wird. Du hältst dich für einen guten Menschen?"
(Das ist der meist unbewusste Kern bei den Verblendeten. Denn dass es nicht um das Helfen an sich geht, sieht man daran, dass sie ja auch für die Hilfe im Heimatland der Migranten sorgen könnten. Nein, sie wollen, möglichst viele möglichst Fremde in unser Land kommen und sie von ihrem abgelehnten Deutsch-Sein "erlösen". Sie haben einfach zuviel Feindpropaganda abgekriegt und glauben tatsächlich, dass ihr Volk böse sei.)

- "Denkst du zwischendurch auch mal an unsere Jugend, die das alles ausbaden muss? Was ist mit Köln, Nizza, Paris und all den anderen Verbrechen, die nicht in der Zeitung stehen. Jedes Jahr wird es schlimmer und du sagst, wir müssen immer noch mehr aufnehmen? Du willst dich gut fühlen, weil du hilfst, aber was das alles für unsere Kinder und Jugend bedeutet, das ist dir total egal, oder? Hast du überhaupt kein Herz?"

Wenn man sowas zu Frauen sagt, die ja bekanntlich einen großen Anteil an den Sich-selbst-für-gut-Haltenden haben, so erntet man meist eine Mischung aus Heul- und Schreikrampf. Wir dürfen unseren Landsfrauen nicht böse sein für das, was geschehen ist. Sie sind selbst Opfer. Der Feind hat längst erkannt, dass sie aufgrund ihrer Fürsorglichkeit und ihrem Harmoniestreben (hier: Mitschwimmen im Mainstream) das perfekte Einfallstor für Propaganda sind. Kulleraugen im Fernsehen sind nun mal ein schlagendes Argument auf emotionaler Basis. Und erst wer fühlt, der lebt, nicht wahr? Also, die Propagandamedien sind schuld, nicht die Frauen. Wir Männer haben die Aufgabe, sie auf das Naheliegendere aufmerksam zu machen: "Was ist denn mit unseren, mit deinen Kindern, wenn das so weitergeht?" Überleben der eigenen Gene ist zuletzt das Einzige, was in dieser Welt zählt, und dahin muss der rechte emotionale Appell gehen. Die Verknüpfung zwischen dem Konkreten (mein Kind soll im Schwimmbad sicher sein) mit der allgemeinen Sache (Rückwanderungspolitik) muss deutlich gemacht werden.
Motto: "Willst du etwa Merkel verteidigen? Hast du Tomaten auf den Augen?"
Im Kollegenkreis genügt es, ab und zu einen Standpunkt einzunehmen. gerade der Mut verlangt vielen Respekt ab. Und noch mehr Vertrauen erhält, wer nicht auf Missionar macht, sondern nur ruhig seinen Standpunkt deutlich macht und fertig. Die anderen sollen ruhig selbst ihre Position klären.

Der zweite Aspekt ist hier der Hintergrund, warum viele Linke ihre Position so hysterisch (ohne Argumente, dafür mit viel Gift) verteidigen. Man muss sehen, dass viele lange Jahre ihres Lebens und einen großen Teil ihres Selbstbildes, ihrer Identität mit dem Links-Sein verbunden haben. Die Aktivisten, die tatsächlich daran glauben, also das Fußvolk in Presse, Parteien und Institutionen, fühlt sich in seiner Identität angegriffen, wenn sie nun die realen Folgen ihrer Politik zur Kenntnis nehmen sollen. Deswegen verrenken sie sich ja so, wenn es um die Erklärung der Massaker und Verbrechen geht ("Nichts hat etwas mit etwas zu tun.") Sie wissen halbbewusst, dass etwas in ihrer Weltsicht nicht stimmt, auch weil sie vieles nicht vorhersehen und vieles nicht verstehen konnten, anders als die Rechten (s."Warum ich kein Linker mehr bin"). Sie verdrängen dann aber diese nagenden Zweifel, allein und in der Gruppe. Sie verteidigen damit vermeintlich den Wert ihrer Person, ihr Recht auf eine zusammenhängende Lebensgeschichte.
Knacken kann diese Verbindung von Verblendetem und Verblendung nur der Hinweis auf den Missbrauch des Gutgläubigen und den Manipulator im Hintergrund. Die Wende, die Bekehrung ist zudem ein im christlichen Kulturkreis starker Topos, der zusätzlichen Sinn schenken kann. Verblendeten "die Augen zu öffnen", kann nur in sehr ruhiger und Vier-Augen-Situation geschehen, verbunden mit spürbarem Wohlwollen des Patrioten gegenüber dem Verblendeten. Es ist eine Mischung aus Vorwürfen, die denjenigen zur Reue bringen, und Hinweisen auf die wahren Hintermänner der Politik, die gegen die europäischen Völker gerichtet ist. Damit ist der Solidarisierungsdruck, der den Verblendeten bisher aus Gründen der Identitätswahrung an die Verblendung heftete, geschwächt und er kann überwunden werden.


2. Zugehen auf die Normalbürger (65%)
Die Normalbürger Otto und Anna wurden im letzten Jahr von Medien und Politik überrollt. Sie wunderten sich, viele waren bestürzt oder verstanden nicht, was sich abspielte oder wie das geschehen konnte. Nun hat sich die Lage geklärt, die Folgen sind sichtbar geworden und die Unfähigkeit der Regierung ist für jeden halbwegs normalen Menschen offenkundig(!). Die bisher schweigende, weil unterdrückte oder abgefütterte oder desinteressierte Mehrheit des Volkes muss ein politischer Faktor werden. Bisher bestimmte die kleine Minderheit extremistischer Volkshasser die Richtung, indem sie konzertierte Kampagnen von Medien und Politik lancierte (Fernsehteams in Budapest, Kulleraugen, Merkels Nero-Befehl, Fernsehteams in München, Teddybären usw.). Diese Macht steht auf tönernen Füßen und bricht zusammen, wenn das Vertrauen schwindet. Genau das geschieht zurzeit und in atemberaubendem Tempo. Nun ist die Frage, wie diese bisher nicht zur Geltung kommende Hauptmasse des Volkes in die patriotische Richtung einbezogen werden kann. Manche sagen, das kommt von selbst, manche sagen, da muss man mit Wurfzetteln, Aufklebern, Aktionen nachhelfen. Vielleicht ist es eine Míschung von beidem.
Für den Erfolg ist auf jeden Fall diese Gruppe unendlich wichtiger als die Überzeugung der verblendeten 20%. Wenn die Flut strömt, wird die eine oder andere Insel da und dort sie nicht aufhalten.
Daher hat der moralische Angriff auf die Verblendeten auch hauptsächlich die Aufgabe, die Aktivität unserer eigenen bisher 15% zu demonstrieren, zu zeigen, dass wir uns nicht mehr fürchten vor Beschimpfungen und Ausgrenzungsdrohungen. Durch den rhetorischen Angriff durchbrechen wir in der Öffentlichkeit die Schweigespirale und ziehen im Kielwasser dieser Bewegung andere mit uns. Dann melden sich auch andere zu Wort, ob beim nächsten oder übernächsten Mal.

3. Für uns selbst
Auf jedem Fall muss man verinnerlichen, dass wir das Gute für unsere Nation anstreben (das wir den anderen in ihrer Heimat auch gerne wünschen, denn wir leben nicht aus dem Hass). Der Antrieb ist die Liebe zu unserem Volk, so wie Strache es schon häufig ähnlich vorgeführt hat. Die Ausstrahlung muss positiv sein, das ist es, was Menschen anzieht.
Zuversicht kommt dazu.
Besuchen wir Orte der Kraft, die Symbolorte unserer Nation, das stärkt uns (auch treffen wir dort automatisch Gleichgesinnte): Hermannsdenkmal, Niederwalddenkmal, Walhalla, Befreiungshalle, Kyffhäuser usw. Laden wir auch andere dazu ein. Nicht jeder kommt von selbst drauf.
Auf einem guten Weg sind wir, wenn wir nicht immer, aber immer wieder nach Fichtes Wahrspruch zufassen:
Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
an deines Volkes Aufersteh'n;
Laß diesen Glauben dir nicht rauben,
trotz allem, allem was gescheh'n.
Und handeln sollst du so als hinge
von dir und deinem Tun allein
das Schicksal ab der deutschen Dinge
und die Verantwortung wär dein.


Dann aber auch sich wieder zurücknehmen und das Leben genießen und andere vorlassen. Patriotismus ist kein Selbstzweck.
Jetzt reichts aber.
Barbara
03. September 2016 20:24
Ich hatte schon lange das Gefühl von der Politik und den Medien manipuliert zu werden. Der Anschlag auf Charlie Hebdo und die darauf folgenden Reaktionen, die sich dann ja später in "Nichts hat mit Nichts zu tun" gesteigert haben, hatten zur Folge, dass ich neue Wege der Information gesucht habe. So habe ich Euch kennengelernt und mir wurde klar, dass ich ein konservativ, patriotisch denkender Mensch bin und das ist auch gut so. Durch das Internet bin ich auf Publikationen wie "Junge Freiheit", "Preußische Allgemeine" und "Compact" aufmerksam geworden. War erfreut, diese bei uns im Buchhandel kaufen zu können. Ich kaufe oft mehrere Exemplare und verteile sie in meinem Umfeld bzw. an ehemalige Kollegen. So komme ich ins Gespräch und trage mit dazu bei, dass sich die Auflagenzahl erhöht, der Verkäufer seinen Nutzen hat und der Leser merkt, dass er vielleicht doch nicht so ehrlich und umfassend durch die anderen informiert wird. Auch hoffe ich, dass die Leute dieser "Meinungs-Maffia" entkommen, wenn sie es denn wollen. An Menschen, die ich gut einschätzen kann, habe ich auch schon "Umvolkung" von Pirincci und "Weltflucht und Massenwahn" von Th. Hinz verschenkt. Das alles immer mit einem Kommentar von mir versehen, wobei ich auf die Adressaten eingehe.
So verhalte ich mich auch im Gespräch, sachlich, moderat im Ton aber unbeirrbar in der Sache. Ich versuche meinem Gegenüber klar zu machen, dass er sehr wohl "etwas tun kann" und zwar an der Wahlurne. Ich nenne die AfD dann immer die "Partei des gesunden Menschenverstandes". Auch weise ich auf die Bewegung der Identitären und ihre aktuelle wunderbare Aktion am Brandenburger Tor hin. Auch unsere Bürgerinitiative "Ein Prozent" und deren Aktivitäten werden von mir genannt. Wobei mir schon klar ist, dass die meisten reserviert reagieren, wenn es darum geht, etwas zu spenden. Aber wer etwas tun will unser Land, hat so die Möglichkeit sich einzubringen. Jeder was er kann und an seinem Platz!
Und ja, eine Freundschaft wurde beendet und eine andere wiederbelebt oder es entstehen neue Verbindungen. So ist das im Leben. Die eine Tür schließt sich und eine andere öffnet sich. Ich gehe gerne hindurch!
Hartwig aus LG8
03. September 2016 20:53
Verehrter Herr Lichtmesz,
in meinem Kollegenkreis bin ich zwar der Extremste, aber bei weitem nicht der Einzige; und selbst die Gegner sind nicht Gegner aus Prinzip, sondern "gesprächsbereit", wenn ich es mal so nennen darf. Ich muss, dazu sagen, dass ich keine Karriere im eigentlichen Sinne gemacht habe. In meinem beruflichen Bereich bin ich das, was man beim Militär einen Feldwebel nennen würde; also weit weg vom Offiziersrang; die Generalität außer Sicht.

Gegenüber denen, die man Bekannte nennt, bin ich mittlerweile ohne Rücksicht - suche aber die Debatte nicht.

Der Knackpunkt ist der Freundeskreis und die Familie (vor allen die angeheiratete; protestantisches Bildungsbürgertum). In dieser verschwägerten Familie ist es ein Brauch, zum Jahresende sogenannte Jahresendbriefe zu verschicken; das sind Rückblicke aufs Jahr, oft mit familiären Bezügen, aber auch verknüpft mit Zeitgeschehen etc.; ein Sammelsurium; kein schlechter Brauch.
Seit 2012 habe ich begonnen, diesen Brauch aufzugreifen und modifiziert für mich zu nutzen. Ich versende am Ende des Jahres eine Art Rundbrief mit meinen Gedanken und Kommentaren zur Zeit. Manches kommt darin als Aphorismus daher, manches als kurzer Auszug aus einer Korrespondenz, garniert mit einigen Fremdzitaten (als solche markiert).
Der Empfängerkreis wird von Jahr zu Jahr von mir vergrößert. Wer den Brief bekommt, wird letzter Zweifel bzgl. meiner Gesinnung beraubt.
Das Echo: Bedankung für den Brief als Solchen. Viel Schweigen zur Sache. Und Widerspruch. Selten Zustimmung,
Keine negativen Reaktionen im Realleben, also bei der nächstbesten Begegnung. Werde quasi als Gesinnungs-Exot akzeptiert.
Solution
03. September 2016 20:54
Hier was aus den USA ins Deutsche übersetzt von Vox Day:
http://www.voxday.net/mart/Ueberlebens-Ratgeber(DE).pdf
Holzfäller
03. September 2016 21:02
Ich habe einen extrem nervigen Bekannten, der mir ständig über WhatsApp Bilder von Fotomontagen mit Merkel, allerlei Flüchtlingen etc. schickt, mich bombardiert mit allen Vorfällen in denen Flüchtlinge verwickelt sind, und wenn es nur ein schiefer Blick auf der Straße war. Auf die Wahl in M-VP angesprochen, meinte er, "hoffentlich wird die AfD nicht zu stark, die sind schon echt extrem..." Ohne Worte. Zweites Beispiel: Der Mann einer Arbeitskollegin wurde vor ein paar Jahren von Männern aus dem Südland grundlos in der Nacht zusammengehauen. Lernen durch Schmerz? Fehlanzeige. Es manifestierte sich bei ihm die Einstellung, "dass ja nicht alle so sind, und Wüteriche gibt's bei uns auch genügend". Gegenbeispiel: Der Mann meiner Cousine, ein Jenischer, mobilisierte sofort ein paar Familienmitglieder, nachdem diese in einer Tiefgarage belästigt wurde.
Brutus
03. September 2016 21:31
Die Annahme, Linke sähen Rechte nur als böse an, greift meines Erachtens zu kurz. Die Ansicht, daß politisch rechts zu stehen mit politischer Dummheit gleichzusetzen wäre, ist in der politischen Linken und der nicht reflektierenden, unpolitischen Restbevölkerung zumindest ein ebenso beliebtes Mittel der Diffamierung. Dazu muß man sich nur einmal eine Folge der heute-Show antun.

Dieses Ideologem gilt es nun durch intellektuelle Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner auszuhebeln, von daher ist der Ansatz von Herrn Lichtmesz durchaus zu begrüßen.
Unke
03. September 2016 21:40
Man sieht: jeder hat eine andere Geschichte zu erzählen. Habe ich erwartet. Persönlich beschränken sich meine Aktivitäten auf Diskussionsbeiträge, wenn (durch andere!) das Thema aufgebracht wird ("never start a political discussion!"). Die Art des Einwurfs: kurz, trocken, unmissverständlich.
Schopi
03. September 2016 21:48
Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an ein vor ca einem Jahr geführtes Telefonat mit einem Freund - wir reden normalerweise nicht viel über Politik, haben eher sonstige verbindende gemeinsame Interessen und Hobbies. Irgendwie kamen wir beim Gespräch eher zufällig ins Politische, nichts aufregendes, grundsätzliches. Ich erwähnte, daß Deutschland doch eigentlich das Land der Deutschen sei. Er fing daraufhin an zu lachen, reflexartig ohne zu denken, wie fremdgesteuert. An den genauen Wortlaut seiner folgenden Einlassungen kann ich mich nicht mehr erinnern, er signalisierte mir, daß mein Denken irgendwie "krank" sei, ich war wie vor den Kopf gestossen, es war, gerade weil er ein Freund ist, ziemlich verletzend. habe das Gespräch damals unter einem Vorwand vorzeitig beeendet. Wir haben zwar heute noch Kontakt aber für mich ist dieser ein für alle mal beschattet.
Otto
03. September 2016 22:33
Ich habe keine Lust, im Detail auf die letzten unangenehmen Gesprächserlebnisse einzugehen. Mein Résumé: Es hat keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die sich für die blaue Pille entschieden haben. Sie wollen (!) es nicht verstehen. Sie können alles wahrnehmen, was wir wahrnehmen, aber sie wollen die Schlüsse nicht ziehen. Und je stärker die kognitive Dissonanz wird, desto aggressiver werden sie. Selbst wenn ich mich noch gar nicht positioniert habe, bauen sie schon eine gigantische ideologische Maginotlinie auf. Solchen Auseinandersetzungen entziehe ich mich. Ich deute mit ein paar Bemerkungen, Fragen oder Hinweisen an, daß ich anderer Meinung bin und wechsle das Thema. Von seiner ideologischen Kooruption muß sich jeder selbst befreien. Erst dann kann das Gespräch beginnen. Ich glaube nicht, daß die Leute dumm sind. Sie sind korrupt.
Din und Puk
03. September 2016 22:54
Methode: Diskursive Ausweitung der untragbaren Überschreitung

Einleitung: Warum nimmt man diese Flüchtlinge bloß auf?
Reaktion Diskutant: entsetzendes Wieso … und wir müssen …und das kann man doch nicht…. blablaba
Weiterführung: Weil diese Leute die im Moment kommen, wiederum nur die Reichen aus diesen Länder sind. Die upper class , die sich die Überfahrt von Schleppern organisiert leisten können. Die wirklich Armen müssen weiterhin ausharren. Daher sollten wir tatsächlich alle aufnehmen. Dies bedeutet dann aber im Zweifelsfall ca. 2 Mrd. Menschen.
Reaktion Diskutant: sehr verhalten bis das geht nun wirklich nicht
Abschluss: Vor allem sollte man bedenken das 2 Mrd. = 2000 Millionen sind.
Reaktion Diskutant: konsternierte Wahrnehmung der eigenen untragbaren Überschreitung
thotho
03. September 2016 22:57
Auf Uni-Ebene kann ich sagen, bezogen auf Podiumsdiskussionen zum Thema Asyl, Zuwanderung sowie der Hochschulpolitik:
Ruhig bleiben, locker bleiben. Nicht laut werden, sondern seinen Standpunkt darlegen, jedoch mit gemäßigt geäußerter Emotion. Linke, und das habe ich nun wirklich gelernt, sind höchst emotional und ergriffen. Komm ihnen auf der Schiene, ohne auf zu vielen Fakten zu insistieren. Viele Linke wissen, dass die Tatsachen, gerade in Ausländerfragen, gegen sie sprechen, weshalb sie immer mit Einzelfällen kommen, die auf die Tränendrüse drücken.

M.L.: Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn ich diese allgemeinen Betrachtungen veröffentliche, den konkreteren Teil auf Ihren Wunsch nicht.
bundschuh
03. September 2016 23:07
Auf kritische Leserbriefe zur Einwanderungslage kamen stets positive Reaktionen, darunter mehrere SPD-ler, auch zwei pensionierte Schulrektoren, die volle Zustimmung bekundeten, auch Anerkennung "für den Mut", aber dringend baten, den Anruf vertraulich zu behandeln. Die Angst vor Ausgrenzung aus ihren Netzwerken ist enorm, doch hinter der Fassade bröckelt es. Ein Grünen-Stadtrat erklärte, er mache nur Kommunalpolitik, natürlich dürften "nicht alle rein".
Die Freundschaft zu einem Freund, mit dem ich 30 Jahre verbunden war, ging in die Brüche. Er weigerte sich standhaft, einen kritischen Artikel von Hartmut Krauss zu lesen, über den ich mit ihm reden wollte, und zog sich zurück. Ich war schockiert und traurig.
Dafür fand ich im Stadtviertel anlässlich einer Unterschriftensammlung gegen ein Asylheim etliche Mitbürger, mit denen ich mich nun austauschen kann. Das gibt Kraft.
Im Wohnumfeld grassiert seit September 2015 eine Mischung aus Angst, Wut, Verbitterung, Zynismus und Fatalismus. Junge Frauen berichten als Selbstverständlichkeit, dass sie Pfefferspray besorgt haben. Eine jüngerer Mann riet mir: "Was regen Sie sich auf? Verzehren Sie in Ruhe Ihre Pension, 10, 20 Jahre hält es noch. Ich wandre aus." Willkommensjubler sind kaum vertreten. Die Menschen reagieren aber noch unpolitisch, nehmen die Vorgänge wie ein Verhängnis wahr. Die Diffamierung der AfD wirkt bei vielen, auch bei solchen, die lupenreine AfD-Positionen vertreten.
Oft bricht der Damm, wenn man die Zurückweisung riskiert und die eigene Position klarstellt. Die lähmende Angst kann dann überwunden werden: "Gut, dass Sie das so deutlich sagen. Man hat ja Angst ..."
Eine Beamtin des Ausländeramtes outete sich am Telefon als Kritikerin der offiziellen Linie, beschrieb immer wütender das Chaos in ihrem Amt und berichtete, dass das ganze Amt Angst gehabt hätte, in einen Neubau in der Nähe des größten Asylheims verlegt zu werden!
Meine Kinder bewegen sich im akademischen Bereich. Gespräche mit den imprägnierten Multikulturalisten, die dort die Szene dominieren, sind fast nicht mehr möglich. Ein Akademikerpaar meidet die Straßenbahnlinie zum Asylheim wegen der Belästigungen, verteidigt aber weiterhin die Merkel-Politik. Man schweigt sich, was das Thema angeht, eisern an, um die Beziehung nicht zu gefährden.
Der Kenntnisstand dieser Multikultis ist oft sehr gering: "Was ist eigentlich ein Sunnit?" "Die Scharia kann man auch liberal interpretieren", "Es werden sehr viele abgelehnte Asylbewerber abgeschoben" etc. Man will es gar nicht genau wissen, weil man dann an den Punkt käme, wo man für seine liberalen Ideale kämpfen müsste. Und alles, nur das nicht. "Kampf" ist immer "böse."
Petrus Urinus Minor
03. September 2016 23:08
(Korrektur)
@Paul
„Dagegen hilft rein Garnichts ausser strikter Abgrenzung“.

Das.

funktioniert.

nicht.

Schauen Sie, ob Bestialitäten in der Zeit des Nazionalsozialismus geschehen sind, ist hier überhaupt nicht Thema.

Die beste Art der Distanzierung ist, den Hitler überhaupt nicht zu erwähnen. Jedenfalls nicht defensiv. Wenn es notwendig ist, zu treffen, können Sie den Gegner als Faschisten bezeichen. Auf eine gewisse Weise haben Sie damit ja recht. Aber nur mit anschließendem sofortigem Gesprächsabbruch. Stehenlassen.

Der Hitler ist mir für die heutige Situation viel zu egal und die heutige Situation ist viel zu katastrophal, um mich mit diesem Kram zu beschäftigen. Schauen Sie, wir haben längst eine neue faschistische Regierung. Der Hitler ist mausetot.

Wenn Sie aber das Gespräch mit einer Distanzierung anfangen – so wirken Sie automatisch ein wenig weinerlich. Sie zeigen dem Gegner automatisch Schwäche. Und das wird er unbewusst sofort wahrnehmen.

Mit Ihrer Distanzierung schaden Sie ihrem Anliegen bereits mit dem ersten Satz.

Und falls der andere angreift – Sie den Fehler gemacht haben, ihm den ersten Angriff zu schenken – dann lesen Sie noch einmal das Interview von G.K.

So macht man das.
Gonzague de Reynold
03. September 2016 23:09
Mein lieber Martin

Ermutigend - das wird schwierig. Aber doch, wenn, ja wenn ich mich auf Diskussionen einlasse (und das tue ich so oder so nur bei Leuten, bei denen mindestens eine kleine Restwahrscheinlichkeit des "Verstandenwerdenkönnens" in Teilbelangen besteht), dann gilt es jeweils den Boden zu bereiten. Und das geht hierzulande am besten, wenn man sich von vorneherein als das zu erkennen gibt, was man auch wirklich ist. Letztendlich nämlich Monarchist, von mir aus Reaktionär. Manchmal fällt auch Klerikalfaschist. Aber damit weiss eh so gut wie niemand etwas anzufangen. Wie auch immer, wenn man erst diese Position eingenommen hat, kann man bis zu einem gewissen Punkt von sich geben, was man will. Man wird dann wohl mit hochgezogener Braue taxiert und wahlweise als "komisch", "aussergewöhnlich", "etwas verstaubt" oder ähnlich eingestuft. Nicht aber - und das ist ja wohl des Pudels Kern - als gefährlich (!) oder nicht diskussionswürdig.

Unter dem Strich würd' ich sagen, das man damit I.) zwar vordergründig nicht ganz ernst genommen wird, was aber II.) nicht von Belang ist, da einem ja trotzdem ein Podium geboten wird, um das eine oder andere Argument an den Mann bringen zu können ...
Edewolf
03. September 2016 23:12
Mein größtes Problem besteht darin, daß ich vollzeit arbeite, Familie habe und mich daher nur in meiner Freizeit und am Rande mit Detailfragen auseinandersetzen kann. Gerade diese machen aber in vielen Diskussionen, die ich führe, den Unterschied aus.
Erfahrungsgemäß ist es nämlich so, daß diejenigen Leute auf der Gegenseite, die sich auf eine Diskussion einlassen, durchaus auch über Munition verfügen. Wenn ich an den Kopf geworfen bekomme, dieser und jener AfD-Politiker hat das und das gesagt, und "das geht ja gar nicht", oder wenn andere Vorkommnisse thematisiert werden, von denen ich nichts oder fast nichts gehört habe, dann gerate ich automatisch ins Hintertreffen.
Kurz: Ich bräuchte mehr Zeit, um mir immer ein aktuelles Reservoir an konkreten Geschehnissen und Statistiken zu halten, auf das ich zurückgreifen kann. Wenn man das nicht hat, weicht man leider selber sehr schnell ins Gefühlsmäßige aus.
Wenn Ihnen das nicht weiterhilft, lieber Herr Lichtmesz, dann liegt das am fehlenden Ratschlagscharakter dieser Notizen. Vielmehr hoffe ich, eines Tages auf eine Quelle zu stoßen, vorzugsweise im Internet, die kurz und prägnant die wichtigsten Statistiken und Ereignisse bündelt.
Fredy
03. September 2016 23:37
@Edewolf

Bekanntes Problem der heutigen Liberalen. Sie beurteilen einen Menschen nach dem was er sagt und nicht nach dem was er tut. Unter dem Gesichtspunkt sehen die Bösen gar nicht schlecht aus, und die Guten haben oft gar nichts vorzuweisen.

Die Probleme des Landes, die statt gelöst immer weiter verschlimmert werden, können logischerweise nicht den Parteien zu Last gelegt werden, die gar nicht dafür verantwortlich waren.

Mit diesen beiden Argumenten steht die AfD jedenfalls nicht schlechter da als die Etablierten, mit dem Unterschied den Versuch der Praxis noch freizuhaben.
cherusker69
03. September 2016 23:42
ich war damals bei einer Diskussion als die Wiedervereinigung vor der Tür stand in Nürnberg. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern wer der Veranstalter war aber ich musste mit entsetzen feststellen, dass viele Grüne dabei waren. Mir kam es so vor als sie sich diese Veranstaltung zu eigen machen wollten.
Als erster meldete sich einer von diese linken und polterte los... Die Vereinigung muss unbedingt verhindert werden, sie würde zu viel Geld kosten.
Der nächste linke Ideologe: es wäre ja schrecklich wenn jetzt 16 Millionen deutsche kommen würden den dann könnte ja man gleich wieder das Deutsche Reich errichten.
Da platze mir der Kragen und ich fragte ober er wohl verrückt wäre und was er sich überhaupt einbilden würde. Auf einmal sah ich mich umgeben von diesen Leuten und dann ging es los.. Die wüstesten Beschimpfungen musste ich über mich ergehen lassen, Argumente vorbringen konnte ich überhaupt nicht, man hatte keine Chance. Von einer geordneten Diskussion, keine Spur. Man hatte keine Chance.. ich kam nicht mehr zu Wort. Mit solchen Leuten zu Reden ist völlig zwecklos. Diese reagieren sofort aggressiv... Doch aufgeben gibt es nicht!
Aaron
04. September 2016 00:01
Geburtstagsfeier, ca. 20 Teilnehmer,ich war mit -kurz vor 70-der Jüngste,
nach Kaffee, Kuchen und Gesinge(!) kamen irgendwann die unsäglichen politischen Entscheidungen zum Gespräch. "Die ganzen Flüchtlinge, wer soll das bezahlen", "Das ist doch nicht richtig, aber was kann man da machen"?.
Ja sagte ich, da wähle ich z.B. die AfD, die..., ja und weiter kam ich nicht.
(Es war gerade die Geschichte mit dem Schießbefehl gegen Frauen und Kinder genüßlich durch die Medien geschoben worden)
"Was ich denn für einer wäre, ja was die CDU und Frau Merkel gemacht haben ist zwar nicht richtig, aber eine andere Möglichkeit haben wir ja nicht,
denn eine Partei, die auf Frauen und Kinder schießen will kann man doch wohl nicht wählen und ich solle meine Einstellung ändern!"
Versuchte noch was zu erklären, aber es ging im Getöse unter.
Das Beunruhigende ist, alle werden 2017 CDU und SPD wählen, obwohl sie innerlich dagegen sind.
Zu ihrer Entschuldigung muß ich sagen, die kennen nur ARD,ZDF und evtl. noch systemergebene Printmedien.
Nicht jeder in meinem Alter bekommt von seinem Sohn einen Computer hingestellt mit dem Kommentar,
so Vater informiere Dich und JA, genau das habe ich gemacht!
Hoffentlich rappelts morgen in MV!!
ene
04. September 2016 00:07
So richtig verstanden habe ich es bis heute nicht.
Eine Freundin seit einigen Jahren - und unter den Bekannten bestimmt die Nüchternste, mit viel Lebenserfahrung, manchmal hart im Urteil, aber auch herzlich. Wir verstanden uns meist auf Anhieb, insbesondere, wenn es um gesellschaftliche Zustände ging, die wir beide für bedenklich hielten.
Bis letzten September. - Da ich mich nicht stundenlang vor dem Fernseher aufhalte, bekam ich manches nicht sogleich mit. Zuerst fiel mir bei Telefonaten mit Frauen ein seltsames Vibrato in den Stimme auf: "Flüchtlinge" war das Thema, das plötzlich auch Personen beschäftigte, die wahrlich andere Sorgen hatten. Es war wie eine um sich greifende emotionale Aufladung, an der ich jedoch keinen Anteil hatte.
Die erwähnte Freundin interessierte sich plötzlich für das Asyllantenheim, welches in der Nähe eingerichtet werden sollte - (es war noch gar kein Asylant da, aber sie wollte es schon mal ansehen, auch hatte es schon Kleiderrsammlungen usw. gegeben -) Ich erklärte sofort, daß mich keine zehn Pferde dazu bringen würden, fremde junge Männer zu umsorgen und zu bedienen. Wir fingen an, uns mißzuverstehen - auf meine Ankündigung, es würden sich bald keine jungen Frauen mehr nachts unbesorgt auf die Straße trauen, erfuhr ich, das sei ja schon lange so und außerdem seien auch ihr früher Männer nachgelaufen. Und zwar blonde! So ging es immer wieder: was ich auch sagte, wurde entkräftet, indem es bagatellisiert wurde.
Irgendwann glaubte ich, ich drücke mich vielleicht unklar aus, denn es kann doch nicht sein, daß es einer Frau egal ist, was anderen Frauen auf den Straßen passiert. Ich schickte eine ausführliche mail, in der ich deutlich sagte, was ich von der stattfindenden Masseninvasion hielt und wohin das noch führen würde. Ich war sehr sachlich und konkret dabei. Ich wollte die Situation klären. Und erhielt keine Antwort.
Dafür eskalierte die Situation dann emotional. Ausgerechnet "die Sachsen" waren schuld! Obwohl ich weder von dort stamme, noch Verwandte dort habe, verteidigte ich vehement ihr Recht, "herumzuschreien". Noch herrsche ja Meinungsfreiheit, außerdem seien das meine Landsleute. - Dieses Wort "Landsleute" brachte dann das Faß zum Überlaufen. Ich erhielt von dieser doch gescheiten Frau eine Antwort, als sei sie zehn Jahre alt und im Kindergottesdienst. - Meine Replik war unfreundlich. - Aus dem Adventskaffee wurde dann nichts - wegen meiner "politischen Ansichten". - Darüber kann ich nur lachen.
Habe ich denn überhaupt "politische Ansichten" geäußert? Ich habe gesagt, was ich gesehen, erwartet und befürchtet habe, mehr nicht.
Nero
04. September 2016 00:10
A right winger's walk through (geschrieben für Jungs, sinngemäß andersrum für Mädels)


#1 Hide your power level

Sei aalglatt. Du kannst nie sicher sein nicht doch von einer Horde Anifanten umgeben zu sein. So wie es Krypto-Rechte gibt, gibt es auch Kryptofanten.
Auch verrückte Gutmenschen, die glauben der Welt einen Gefallen zu tun wenn sie dich ans Messer liefern sind eine potentielle Bedrohung für dich.
Besonders Frauen/ Mädels sind anfällig für Mehrheitsmeinungen. Stellst Du dich öffentlich zur Schau was deine Weltanschauung betrifft, so sinken die
Chancen bei weiblichen Geschlecht zu landen. Momentan jedenfalls.


#2 Know your business

Wenn Du mal die Gelegenheit bekommen solltest zu sprechen, achte peinlich genau darauf, dass du auch wirklich weißt wovon du sprichst.
Hier geht es nicht darum ob du ein Rassist bist oder nicht, ein Nazi oder sonst was. Es geht nicht darum dem Mainstream zu gefallen.
Es geht nicht darum zarte Worte zu benutzen.
Es geht darum, in sich selbst konsistent zu sein. Das ist dann eine echte Meinung. Das ist stark. Und Stärke wird respektiert. Immer.
Hilfreich ist die Lektüre der SiN,Counter-Currents und diverser anderer Webscenes.
Die Masse ist oberflächlich, also versuche nicht mit Philosophie in der Öffentlichkeit zu Punkten.
Deine Sätze dürfen nicht länger sein als ein Tweet oder die Betreffzeile einer E-Mail.
Der Inhalt muss klar sein. Trage ihn ruhig und mit fester Stimme vor. Sprich so leise, dass man dich nur versteht wenn alle ruhig sind.


#3 White Guilt

Das wichtigste Phänomen in dem Du fit sein solltest, ist White Guilt. Informiere dich über die Hintergründe und die Folgen.
Versuche in Gesprächen den Leuten zu erklären, dass alles was hier passiert mindestens on-the-long-run ihnen selbst schaden wird. Ja, dass wir alle hereingelegt worden sind.
Denn genau deswegen passiert das ja alles so, wie es passiert.
Dazu gehört auch die Verabschiedung von Distanzierungen. Sei es das Dritte Reich oder sonst was. Selbst wenn Du die Nazis scheiße findest, schadest Du dir damit.
- Du bestätigst das Narrativ des Mainstreams: Muhhh... Nazis als das Böse schlechthin
- Du erklärst die derzeitige Geschichtsschreibung für korrekt
- Du hilfst den Kreis zu schließen, in dem der Deutsche am Ende wieder mal der böse ist, weil es einfach durch die Erwähnung am Leben bleibt.

Das gleiche Spiel findest Du in allen anderen weißen Ländern.
Deutschland - Nationalsozialismus
Frankreich - Kolonien
USA - Sklaverei
Südafrika - Apartheid
Australien – Eingeborene, Aborigines

Damit sollen wir moralisch weichgekocht werden. Rede nicht dagegen, spiele das Spiel einfach nicht mit.


#4 Willkür

Fall nicht auf die Gleichmacherei herein.
,,Du willst doch auch ein sicherers Leben... wenn dir Bomben auf den Kopf fallen!?"
,,Du würdest doch auch flüchten...!"
,,Du willst doch auch Mitbestimmung... Demokratie für alle!"

Hier impliziert man, dass der Migrant genau die gleichen Rechte hat wie Du. Dem ist nicht so.
Nimm Dir heraus Andere anders zu behandeln. Warum? Weil wir nicht gleich sind. Es ist Deine Macht und deine Willkür.
Hier referiere ich gerne auf Winston Smith. Das Pseudonym eines Kommentators auf der SiN.
,,Die Willkür ist die Kür deines Willens!"

Da hat er recht. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe. Handle danach.


#5 Family and friends and comrades

Gründe eine Familie, habe einen Freundeskreis und Kameraden.
Alle Banden dieser Art muss man pflegen und das ist anstrengend. Es wird dich vollkommen machen, dir Kraft geben und Du wirst anderen Kraft geben. Helft euch untereinander.
Es ist der natürliche Weg des Menschen. Vergiss nicht: es gibt auch ein Leben in der Krise.

Suche Verbindung zu Gleichgesinnten. Und ja, das ist verdammt anstrengend und mühsam und auch manchmal eine Nullnummer. Niemand hat behauptet, dass es ein Zuckerschlecken wird.
Das weißt Du aber, sonst würdest Du das hier nicht lesen.



#6 Ehrgeiz

Sei erfolgreich. Mach eine Lehre oder studiere oder strebe anderweitig nach Erfolg, sei gut in deinem Beruf. Egal was du tust. Versuche ein Vorbild zu sein. Bilde dich weiter.
Du dienst nicht dem System, sondern dir selbst.
Politik wird aber nicht getrennt sondern findet überall und immer statt. In der Arbeit oder Universität oder privat. Es gibt keine politkfreien Räume.


#7 Love it or hate it

Wer nicht hassen kann, der kann auch nicht lieben. Es ist völlig natürlich und legitim andere zu hassen.
Das brauchst Du um die Notwendigen schritte zu tun. Lass es zu.
Gründe brauchst Du keine. Dein Wille ist Grund genug.




#8 denke operativ und strategisch

Unterscheide Maßnahmen als auch Probleme nach Operativen und strategischen Aspekten.

Beispiel: Die B-Waffeninvasion nach Deutschland aka Flüchtlingswelle

Operativ sind die Flüchtlinge ein Problem. Sie binden Ressourcen und beschäftigen den Doofmichel mit Aufwand. Sie bedrohen eher die Unter- und Mittelschicht. Für das
Establishment wirken sie hingegen Systemstabilisierend.
Strategisch sind die Flüchtlinge anders zu Bewerten. Selbst wenn sie weg wären, so werden die Puppenspieler im Hintergrund die nächste Welle auf uns hetzen, bis wir weg sind.

Maßnahmen die also nur auf eine Rückführung zielen, reichen nicht aus um uns zu schützen. Die nächste Welle wird kommen. Das System muss weg. Wir sind Systemkritiker.
Maßnahmen die nur auf die Soros dieser Welt zielen, reichen nicht aus um uns zu schützen. Während wir uns im Kampf gegen sie verausgaben,
macht uns der Ali Baba mit seinen 40 Räubern den Gar aus. Sie müssen gehen. Entweder freiwillig oder wir zwingen sie.

Diese Denkweise hilft Dir vor allem nicht auf die Pseudoaufklärer a la KEN FM hereinzufallen. Wenn es nach denen ginge, dann würden sie uns im Kampf gegen die Bosse verheizen
und das Migrantenparadies in Europa ausrufen.


#9 Against all odds

Wenn alle gegen dich sind: Fresse halten. Ich weiß, ist schwierig. Sei trotzdem still.
Das ist nicht feige, das ist Überlebensnotwendig. Im Gegenzug darfst Du keine Gnade wallten lassen wenn Du die Möglichkeit hast einen Feind zu zerstören.


#10 Im Krieg und in der Liebe

ist alles erlaubt. Wir sind im Krieg. Du darfst alles tun. Lügen, betrügen usw.
Du bist der Gute, die Anderen sind die Schlechten.
Wir sind im Recht, die Anderen liegen falsch.

Immer.
Oswaldo
04. September 2016 00:14
Es geht geht nicht darum, mit Linken zu diskutieren.

Mit intelligenten Linken (höchst selten, wiewohl existent) zu diskutieren mag zu ertragen sein, ist aber vollkommen sinnlos. Man wird sie nicht überzeugen. So wenig wie umgekehrt.

Mit den Fußtruppen, den Vielfaltspinseln zu diskutieren (darunter viele echte Dummköpfe oder auch Opportunisten) ist ebenfalls sinnlos und außerdem oft genug widerlich, denn sie sind wahlweise hochnäsig-selbstverliebt, aggressiv dumm oder kalt berechnend: Wiederkäuer! Und sie unterscheiden sich nur darin, ob sie merken, dass der Unsinn, der aus dem Radio schallt und den sie wie selbstverständlich nachplappern, Unsinn ist oder nicht.


Politisch abservieren muss man allein die intelligenten Linken.

Dann bestimmt man das Radioprogramm selbst - und hat den Resonanzboden hinter sich. Dass dieser im Einzelfall unsympathischer sein mag als der eigentliche politische Gegner, das ist eben so und als Schmittianer nimmt man das in Kauf.

Gegnerschaft ist eben nicht Hass. Dieser glüht. Sie ist eiskalt.
E.
04. September 2016 00:32
@ Aaron: Ich hoffe auch, dass es heute in MV "rappelt" - erst wenn die CDU-Listenkandidaten kapieren, dass es an ihre Pfründe geht, wird Mutti Merkel hoffentlich bald Geschichte sein. - CDU: für einen deutschen Staatsbürger für immer unwählbar.
Nero
04. September 2016 00:44
Dazu ein Schwank aus meiner Jugend (har har har)

Ich sitze in diesem Frühjahr mit ehemaligen Klassenkameraden und Kameradinnen in einem Irish Pub und wir quatschen über die alte Zeit, die Lehrer, die Mädels und allem was uns so in der Zwischenzeit widerfahren ist. Es liegen ca 10 Jahre zwischen Abschluss und diesem Treffen.

Fast jeder ist mit Anhang da. Freundin, Frau, Lebensabschnittsgefährten usw.
Dann kam was kommen musste: Flüchtlinge.

Ich ganz ruhig:
,,Ja, aber das ist doch alles keine neues Problem, das geht schon seit Jahrzehnten so... jetzt kann man halt den Deckel nicht auf dem Topf halten..."
,, Ja, aber in Mexiko sind alle Christen und da hauen die sich auch die Schädel ein... kann also nicht nur an der Religion liegen..."
,,Ja aber die Erdbevölkerung wächst rapide und wir müssen mit einem nicht enden wollenden Strom an Menschenmassen rechnen..."


Ich habe also alles gegeben. Soweit das mit mehreren Bieren intus möglich war. Ruhig, sachlich, nicht polarisierend.

Widerlegt wurde ich natürlich mit den Klassikern:
- Bildung wirds richten
- Wir sind Schuld, wir verkaufen Waffen
- Integration funktioniert, schaut euch die Türken an. Eine Erfolgsstory!
- geht von selbst vorbei

etc pp

Als mich dann plötzlich die Frau eines Freundes anschaut und meint, dass sie meine Aussagen erstmal prüfen müsste. Sie hinterfragt nämlich alles und übernimmt nicht einfach so was da jemand behauptet. Da bin ich überhaut nicht ausgerastet. Nein, ich detonierte mit der Kraft einer Atombombe. Ich schrie im ganzen Lokal umher.
Sie sei zu blöd um die einfachste Manipulation zu durchschauen, aber bezichtigt mich des Lügens und müsse bei mir etwas prüfen?!?!
Ich richtete mich auf, schlug auf den Tisch, dass das Bier aus den Gläsern schwappte und schrie:,, Wir werden einen Klassenkrieg, einen Wirtschaftskrieg, einen Kulturellen Krieg, einen religiösen Krieg und gaaaaaaaanz wichtig, einen Rassenkrieg bekommen! Und wir müssen alle gewinnen!"
Schnaubend, Puls bei 180 und wahrscheinlich mit Rotz an der Nase starrte ich sie an.
Ein paar langhaarige Metaler (heavy metal) schauten verdutzt zu uns rüber. Tranken dann aber wieder seelenruhig an ihrem Bier weiter. Der Rest blickte betreten auf den Boden. Vielleicht habe ich auch gelallt... ich weiß es nicht mehr.

Da gings einfach mit mir durch. Aber ich bereue es nicht.
Naja, ein paar Facebookfreunde weniger.
Waren sowieso Langweiler.

Meine Freundin ist übrigens eine überzeugte Grüne. Trotzdem ist sie meine Freundin. Und wenn ich mal wieder über Rassen und Herkunft sinniere, dann kichert sie nur:,,... du Schlingel..."

Ja ja... ich Schlingel... nicht mehr lang und sie singt auch meine Lieder.
Fühlt sich einfach verdammt gut an in fremden Gewässern zu fischen.
Übeldenkender
04. September 2016 00:45
Ich erhalte den Auftrag für einen musikwissenschaftlichen Text. Große Freude über mein Elaborat. Im Manuskript für den Druck habe ich genau die Leute zitiert, die mir für die Sache relevant erschienen sind, darunter der namhafte Prof. H. H. Eggebrecht.
Plötzlich eine e-mail der Herausgeberin: Nun sei es ja erwiesen, daß Eggebrecht 1941 als Soldat wahrscheinlich (!) zugesehen (!) habe, wie vor seinen Augen eine Deportation vollzogen wurde.
Sie gehe doch sicher richtig davon aus, daß sie Eggebrecht nunmehr aus meinen Fußnoten ersatzlos streichen solle?!
Meine Antwort: Ich sähe nicht, was die wichtigen und richtigen musikwissenschaftlichen Einsichten von E. mit dessen Tätigkeit als Soldat zu tun hätten. Der Text bleibe daher unverändert.
Es folgte nichts mehr; der Text wurde mit den Verweisen auf E. gedruckt.
Laut wikipedia gilt die ganze Nazigeschichte mittlerweile als zweifelhaft.
Dragus
04. September 2016 02:17
Konfrontiert mit der naiven Willkommenskultur ging ich die letzten Jahre den zynischen Weg, dabei stets auf meinen persönlichen Vorteil achtend. Man braucht sich dabei gar nicht die Mühe machen, Argumente zur unkontrollierten Zuwanderung oder immer höheren Steuern etc. zu entkräften, sondern beschreibt, wie sehr einem das letztlich entgegen kommt. Steuern treffen nur jene, die nicht über die Fähigkeiten verfügen, entsprechend vorhandene Lücken zu nutzen, sich selbstständig zu machen, Vermögen international zu streuen. Mehr Zuwanderung, höhere Mieten? Super, da steigen die Preise meiner Immobilien. Niedrige Zinsen? Toll, Immobilien beleihen, Kapital natürlich in nicht EU-Ländern anlegen. Steigende Kriminalität? Reduziert die Hürden, aus zu wandern in weniger Einwanderungsfreudige Länder, also in jene, welche nur Leistungsträger, junge Menschen mit Ausbildung oder ältere mit Kapital und Studium auf nehmen. Da hilft dann auch, das man als Selbstständiger privat vorsorgen kann und nicht in die staatliche Rentenversicherung einzahlen muss.

Gerne ließ ich die Befürworter der ungesteuerten Zuwanderung und Kulturrelativisten aller Art damit zurück, ihren Argumenten nach zu geben, mit dem kleinen Zusatz, das mich die Folgen nicht treffen würden, egal wie gut sein würden. Ich bin 2009 dann auch ausgewandert und lebe jetzt in Südamerika. Es ist ja so ungemein viel entspannter, der Flüchtlings- und Eurokrise aus sicherer Entfernung bei zu wohnen. Und sollte das schief gehen, hey, mein Kapital lasse ich im Ausland, eine Visacard auf eine Personengesellschaft aus gestellt, zurück nach Deutschland und HarzIV beantragen. So mit 55-60, wenn ich denn Lust hätte. Machen viele Türken so, die ihr Eigentum in der Türkei nicht offen legen. Kann ich dann auch. Also, liebe Gutmenschen, weiter so. Je dümmer und naiver die Politik, desto leichter kann man sie aus nutzen. Wählen werde ich trotzdem die AfD, denn ich unterscheide doch ganz gerne zwischen Wunschdenken und der individuellen Notwendigkeit, meine Zukunft unabhängig davon zu sichern, welche Nichtsnutze im Bundestag die Polster durchsitzen. Die Versorgen sich ja auch selbst als erstes. Der Vorwurf des Nationalismus oder Rassismus bleibt den meisten dann in der Kehle stecken und so manch einer hat sogar kurz nachgedacht, wie er denn seine Schäfchen ins trockene bringen kann, sollte das Experiment scheitern.
Willkommenskulturlos
04. September 2016 03:01
Ebenso würden mich interessieren, welche Diskussions- und Überlebensstrategien sich als wirkungsvoll erwiesen haben und welche nicht.


Es gibt unterschiedliche Gruppen von Systemlingen.

1. Eine relativ kleine Gruppe sind SYSTEM-PROFITEUERE (Wirtschaftsbosse, Bankster, verschiedene Formen der Asyl-Mafia, Vermieter usw. und ihre Bedienung: neoliberale / globalistische Politiker / Pseudo-Wissenschaftler / Medien-Huren usw.).
MEIST IST ES SINNLOS MIT IHNEN ZU REDEN,
denn es geht um ihre Profite, die sie behalten wollen (die Gier hat den Verstand vollständig ersetzt).

Sie sind sicher (oder lassen sich einreden), dass die Regierung die Folgen der grassierenden Buntheit irgendwie regelt und alles wird gut (sie sind persönlich noch nicht betroffen).

Was sie machen, ist aber langfristig gesehen ERWEITERTER SUIZID durch Masseneinwanderung.
Diese Folgen können / wollen sie jedoch nicht berücksichtigen,
weil sie Produkte der DEGENERATION IN DER ENDPHASE DES ETHNISCHEN LEBENSZYKLUS sind (römische Dekadenz lässt grüßen).

2. Weitere Gruppe sind GUTMENSCHEN, NEO-LINKE, SELBSHASSER usw. - ebenfalls Produkte der ethnischen Degeneration.
Sie sind so weit degeneriert, dass sie an ihrem Selbstmord mitarbeiten, ohne davon irgendwelche Vorteile zu haben (im Gegensatz zu System-Profiteueren).

Sie haben mentale Defizite (z.B. erkennen offensichtliche Gefahren nicht), die biologisch bedingt sind.
Rationale Argumente führen bei ihnen zum akuten seelischen Diskomfort, und werden deshalb mit Ignorierung, Ablehnung, Aggression, Hysterie usw. abgewehrt.
Sie wären bemitleidenswert, wenn sie nicht so gefährlich für Gesunde wären.

ES IST ABSOLUT UNMÖGLICH DIESE PERSONEN UMZUSTIMMEN,
man kann aber einen großen Spaß haben, wenn man sie ärgert (einfach beharrlich Fakten präsentieren, die zu ihrem Schema nicht passen) –
aber Vorsicht, Sicherheitsabstand halten!

3. Die größte Gruppe sind relativ gesunde, aber passive und VOM SYSTEM GEHIRNGEWASCHENE MENSCHEN.
SIE KÖNNEN UMGESTIMMT WERDEN, insbesondere mit Argumenten, die sie persönlich betreffen (Sicherheit, Finanzen, Wohlstand, Zukunft usw.).

Also, bevor man ein Gespräch beginnt, soll man den Gesprächspartner KATEGORISIEREN und sich entsprechend verhalten.
Die Einordnung geschieht z.B. durch vorsichtige Fragen / Benennung der Fakten.

Reagiert der Gesprächspartner trocken ablehnend, gehört er wahrscheinlich zu 1. Gruppe,
emotional ablehnend - 2. Gruppe,
neutral / interessiert - 3. Gruppe.
Willkommenskulturlos
04. September 2016 03:03
Ich möchte unsere Leser bitten, mir in der Kommentarfunktion ihre in dieser Hinsicht haarsträubendsten, traurigsten, erhellendsten, ermutigendsten, lustigsten Erfahrungen zu schildern.


In meinem Bekanntenkreis gibt es keine Degeneraten, sondern gesunde Menschen, die sich aber unter normalen Umständen für Politik nicht interessieren.
Allerdings, nach dem offenen Ausbruch des Merkelschen Wahns im Herbst 2015 haben sie alle Angst bekommen und zittern bis heute.
Den Willkommensrausch gab es nicht eine Sekunde – das ist eine Chimäre der Lügenmedien.
Für Merkel und ihre Komplizen gibt es nur kalte Verachtung und blanken Hass.

Wie gesagt, das sind keine Oppositionellen, sondern völlig unpolitische Menschen, die sich aus Fernsehen und Radio informieren.

Fazit: es wird langsam eng für „Eliten“.
Willkommenskulturlos
04. September 2016 03:40
@Treverer
Samstag, 3. September 2016, 12:17
Meine Standardfrage an Willkommenskulturelle lautet immer, ob sie ihren Kindern zu hause auch beibringen, jeden Fremden, der vor der Tür steht, herein zu lassen. Und warum nicht ? Woher kommen die „diffusen Ängste“? Es folgt Schweigen, aber oft auch angestrengtes Nachdenken…

Es gibt jede Menge KO-Argumente, z.B.

- Warum lassen Sie die Tür Ihrer Wohnung nicht offen, befürworten dieses unsinnige Verhalten aber beim Staat?

- Warum kann BRD ihre Grenzen nicht schützen / darf nicht schießen, die Türkei soll das aber laut Abkommen mit EU können (und ohne Schießen funktioniert es nicht)?

- Aus SICHEREN Ländern (Italien / Österreich / Griechenland usw.) können im Prinzip keine Flüchtlinge kommen – Menschen sind dort ja schon sicher.
Von Art. 16a (2) GG juristisch untermauert.

- Es gibt kein Menschenrecht, sich das Land mit der besten Versorgung auszusuchen.

- Für die Kosten eines Flüchtlings in BRD kann man 10 Flüchtlinge in an Syrien grenzenden Ländern versorgen, also ökonomisch - Schwachsinn.

- Import der Flüchtlinge ist der neokolonialistische Raub der Humanressourcen der 3.Welt – also völlig unmoralisch.

- Es ist äußerst inhuman, wenn das überladene Boot BRD kentert und samt allen Insassen sinkt.

- "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Man muss also ERST SICH SELBST LIEBEN und dann seinen NÄCHSTEN, und nicht den Übernächsten / Fernsten. Und Selbstmord (durch Masseneinwanderung) ist im Christentum eine schwere Sünde.

Usw. usf.

Bei bunten Degeneraten führen solche Argumente allerdings nicht zur Erleuchtung, sondern zu Beleidigungen / Hysterie.
Richard Cobden
04. September 2016 04:18
Ich habe alle überzeugten Linken auf Facebook entfernt, da es mich nicht mehr interessiert, was diese Leute politisch zu sagen haben. Auf persönlicher Ebene komme ich mit den meisten Linken gut aus, meide jedoch tiefgehende politische Gespräche mit ihnen, da ich sie für sinnlos halte. Nahezu jeder weiß, dass ich kein Linker bin. Professoren an der Uni stelle sich ich meistens kritische Fragen, was sehr geschätzt wird, meine Stellungnahmen sind in der Regel verklausuliert, indem ich auf alle Reizwörter verzichte und Umschreibungen verwende. Bekannten mit aufgeschlossener Meinung sende ich regelmäßig Links zu englischsprachigen und deutschsprachigen Alternativen Medien. Man sollte seine ganze Energie auf den gleichgesinnten Freundeskreis beschränken, sich gegenseitig bilden und informieren. Wer heute noch links ist, der hat es gar nicht verdient, dass man auf ihn einredet. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Grüne einen Anstoß braucht, dann bringe ich häufig Hartlages Funktionalistiche Thesen zum Islam vor, da hören die meisten ganz interessiert zu, weil sie meistens zu faul sind, um sich selber darüber etwas anzulesen und dankbar sind, wenn man Informationen gibt. Gestus ist dabei immer objektiv und meine Darstellungsweise multiperspektivisch. Eifer und Humorlosigkeit schaden im persönlichen Umgang nur. Es kann aber auch sein, dass ich mich über Kommilitonen lustig mache. Vor kurzem sagte eine Studentin bei einem Diskussionswettbewerb, dass das Christentum schuld an der Sklaverei im Britischen Empire gewesen sei... für solche Aussagen habe ich nur Verachtung übrig und ließ sie das auch in der Lehrveranstaltung spüren.
Clairvoyance
04. September 2016 07:20
Viel Freude und viel Erfolg für den projektierten »Survival Guide«! In existentiellen Lagen zeigt sich der Mensch. Das ist schmerzhaft, obszön, desillusionierend und macht fassungslos. Aber die existentielle Lage ist zugleich auch die Essenz unseres Lebens. Es wäre nicht richtig, sich zu beschweren, wenn man die Herausforderung bekommt, die man sich immer gewünscht hat und die einen weiterbringt (politisch gesagt: inhaltslose Wahlkämpfe, die keinen interessieren, hatten wir sattsam; und jetzt fliegen eben richtig die Fetzen).

»Material über die politische Polarisierung« und die »haarsträubendsten, traurigsten, erhellendsten, ermutigendsten, lustigsten Erfahrungen« samt »Diskussions- und Überlebensstrategien« geballt lesen zu dürfen, weckt schon jetzt Vorfreude bei mir. Zur Sache: Ja, die stillen, unausgesprochenen, verqueren Ideen materialisieren sich nun in den Geschöpfen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die Anekdoten und Strategien mitteilen können: Ich habe jeden Kontakt zu meinem Bruder abgebrochen und laufe im Beruf wie auf glühenden Kohlen, weil ich mich bis zum Irrsinn aufrege über BRD-Schlafschafe.

Um nicht durchzudrehen, lese ich wieder Emile-Michel Cioran (zuletzt: »Auf den Gipfeln der Verzweiflung«, eines seiner Frühwerke mit noch längeren Texten). Cioran wird in Lexika — irreführend bis falsch — als »Pessimist« in der abhängigen Nietzsche-Nachfolge gekennzeichnet. Tatsächlich jedoch war er ein herausragender Gnostiker und als solcher ein Genie.

Cioran lehrt, wie man mit der völligen Desillusionierung lebt. Ich bin längst nicht soweit, sondern lasse mich affizieren von jeder Idiotie, die sich mir in den Weg stellt. Ja, ich werde idiotisch und brauche unmäßig Kraft, um nicht komplett auszurasten. Aber die Cioran-Lektüre bietet Formulierungen an für jedes dieser Gefühle. Für Ihr Projekt empfiehlt sich ferner eine Neu-Lektüre von Gustave Le Bon (»Psychologie der Massen«). Das Buch erklärt anschaulich, warum man sich nicht wundern darf, wenn man plötzlich nur noch von Nashörnern umgeben ist.
TheRealSaddam
04. September 2016 07:37
Werter ML,

hiermit oute ich mich als EX-LINKER, der ich fast mein ganzes Leben lang war.
Mein Erwachen aus diesem Albtraum erfolgte von selbst, durch die kognitive Dissonanz, die die Bilder vom Willkommengeklatsche bei mir auslösten.
Inzwischen - und das ist gerade mal ein Jährchen – habe ich weite Teile meines sozialen Umfeldes vergrault, einfach weil ich mich mit meiner bösen, migrationskritischen Nazi-Meinung nicht zurückhalte.
Und leider, LEIDER ist die einzige Erfahrung, die ich mit Ihnen und der Leserschaft teilen kann: Diskutiert nicht mit Linken, schon gar nicht mit Grünen. Ihr nutzt eure Zeit sinnvoller, wenn ihr stattdessen auf einem Rinnstein balanciert oder einen Hund/ eine Katze streichelt.
Die jetzt noch einen auf Gutmensch machen, sind rettungslos verloren - sie werden an ihrer eigenen Dummheit eingehen, früher oder später.
Was mir angenehm auffällt seit einigen Monaten: Einheimische (jung und alt) beginnen wieder mehr, sich auf der Straße zu grüßen, miteinander zu reden usw. Die Leute rücken zusammen, und das ist gut so.

Beste Grüße!
Anonymus
04. September 2016 08:31
Hebammenkunst auf dem Amt. Eine eigentlich nette und sehr hilfbereite Amtsfrau, daher ist dies auch weniger Anklage als Anhaltspunkt für Diagnose, denn die Betreffenden erscheinen hiermit teilweise auch selbst verzweifelt, gerade weil sie es wohl nicht zugeben dürfen.

Amtfrau: "Mein Gott, Ihnen geht es wirklich schlecht, lassen Sie sich bitte helfen! Folgendes von Mensch zu Mensch und nicht in meiner Funktion: Was reden Sie denn jetzt von einem kommenden Krieg und vom Untergang des Abendlandes und dem Bildungsverfall? Krieg wird es keinen geben - oje, sind Sie etwa so ein ... [tief Luft hol, dann nur halblaut und ganz geziert:] Verschwörungstheoretiker? Am Ende tippen Sie sogar Kommentare in dem Internet, einer von denen ... ojeoje. Nene, glauben Sie mir: es wird keinen Krieg geben, immer wieder warten Leute auf so etwas. Ach, und Europa hat immer irgendwie überlebt - denken Sie nur, wie damals alles wirklich ganz inTrümmern lag, nach dem Krieg, und was war: wir haben's wieder aufgebaut ... Schauen Sie: manchmal war da auch nicht nur eine irgendwie schlechte Bildung, wie Sie von heute sagen, sondern vor Jahrhunderten noch GAR keine Schulbildung, und wir haben's überstanden. Und wenn Sie sagen, dass Sie Angst um Ihre Kinder haben, wegen Krieg und so, ... wissen Sie, passieren kann immer was, auch zuhause und ohne Krieg - ein Kind kann auch einfach die Treppe runterfallen, auch dabei kann man sterben. Der Tod gehört zum Leben, auch wenn das jetzt hart klingt, so bin ich nicht, aber so ist das halt mal."

Manchmal antworte ich einfach nichts mehr, weil ich das Gegenüber so arg in Widersprüchen verzettelt sehe, dass es nun gar nicht anders kann, als selbst weitergehen. Maieutik heißt das wohl. Nicht einmal, ob sie selbst denn Kinder habe (wenn sie so philosophisch über den Kindertod reden kann), wollte ich fragen - vielleicht, um keinen Schaden an zurichten.
Lutz Meyer
04. September 2016 08:33
Diskussionen mit auch heute noch Uneinsichtigen führen zu nichts. Ich mache stets gute Erfahrungen mit knappen Hinweisen wie diesen (vorzubringen in nüchterner, leicht desinteressiert wirkender Tonlage): „In zwei, spätestens drei Jahren werdet ihr und werden eure Kinder es sehen und mehr noch am eigenen Leibe spüren. Alle – ohne Ausnahme. Doch dann wird es zu spät sein – auch für euch. - - - Oder erwartet ihr etwa Dankbarkeit von denen?“ Dazu ein maliziöses Lächeln. Der Verweis auf die Wirklichkeit ist immer stärker als noch so gute Argumente.

In anderen Situationen ist auch demonstratives eisiges Schweigen eine Option, vor allem dann, wenn es viele tun – als Schweigemarsch mit abweisenden Gesichtern. Das wäre, wenn es konsequent durchgehalten wird, immer wieder und vielerorts stattfindet (gerade auch in „Diskussionsrunden“), noch provokanter als das Skandieren von Parolen. Schweigen sagt: Wir reden nicht mehr mit euch.

Die explizite Diskursverweigerung kann eine sehr starke Aussage sein. Besonders dann, wenn die Verhältnisse sich für alle sichtbar wandeln.
Eveline
04. September 2016 08:47
In der DDR war es nicht möglich, ohne eine politische Meinung durchs Leben zu gehen...so ist meine früheste Erinnerungen auf Familienfeiern der politische Streit, das die Kaffeekannen wackelten.
Dort wurde dann das Ausgesprochen, was offiziell unter dem Tisch gekarrt wurde, z,B die Heimatvertriebenen.
Mein Urgroßvater uralter Mecklenburger contra meine Großmutter väterlicherseits Heimatvertriebene aus Schlesien.
Mein Urgroßvater verwies dann oft auf die weißen Kniestrümpfe seiner UrEnkelkinder, das er sich das hätte nie Träumen lassen, das so etwas in seiner Familie möglich sei. Und pries den Sozialismus.
Meine Oma aber weinte und kämpfte um und für ihre Heimat.
Die westdeutsche Politik spielte eine große Rolle am Familientisch Ost.

Und heute?

Heute lese ich die Wahlplakate und alle wollen eine gute Zukunft. Ha ha ha, so wurden wir im Sozialismus auch immer geködert, die Kinder sollten es immer besser haben.....das ist Unsinn und bedient nur kindische Befindlichkeiten.
Immerhin wir stehen k-urz davor, das Bomben wieder auf uns geworfen werden, soviel dazu, mit oder ohne weiße Kniestrümpfe.

Über die heutigen Einwanderung kulturfremden Männer besteht keine unmittelbare Konfrontation, was mich mehr umtreibt, das Frau Merkel so einen guten Stand hat, man bringt sie einfach nicht mit den Auswirkungen ihrer eigenen politischen Entscheidungen in Verbindung.

Ich buche das unter Stockholm Syndrom ab.
Hans Dieter Franke
04. September 2016 09:52
„Die ganzen Flüchtlinge, wer soll das bezahlen“ dazu meine auto-reflex Gegenfrage " der allseits beliebte Mega-Sparfuchs Schäuble hatte Bundesbeamten auf einen Schlag 6,3% mehr hinterhergeworfen wegen Teilhabe an der brummenden Konjunktur wer soll das bezahlen wenn die Konjunktur nicht mehr brummt vorausgesetzt dass die Konjunktur überhaupt brummt?
Nun Beamte und ihre Privilegien sind gottgewollt. Selbstverständlich sind alle Beamten Polizei oder Feuerwehr.

Nationalisten argumentieren auf immer die selbe Art "innen" ist alles top das Böse kommt von draussen rein.
Unterlegene bzw überlegene Rassen und insbesondere Kulturen kommen alsbald auf.
Man erkennt leicht, dass den Links Rechts "Diskussionen" die Selbstreflektion fehlt.
Im deutschen völkischen nationalen Kulturkreis gab es noch man möge doch zuerst das eigene Haus aufräumen bevor man sich über den Unrat im Haus des Nachbarn am Stammtisch ( ha der Schäuble der zeigts dene faule Grieche!) echauffiert.

Das ist vorbei. Deshalb ist "Islamisierung" eine Konsequenz die sozusagen mit mathematischer Präzision folgen muss.
Übrigens es waren islamistische Terroristen die mit dem bekannten
Allah hu akbar Ruf die Kernkräfte über Hiroshima und Nagasaki freisetzten. Geschichte muss umgeschrieben werden.
Ich fordere mehr Beamte und Burkaverbot!
Hartwig aus LG8
04. September 2016 09:56
Polarisierung:
Die Umstände führten gestern nachmittag dazu, dass ich mich auf einen Kaffee in der zentralsten Einkaufsstrasse meiner Heimatstadt niederließ und die Passanten betrachten konnte. Frau und Kinder hatten sich verkrümelt. Der Kaffee war heiss und groß, und ich hatte Zeit.

Ich hatte niemals in meiner Stadt (ostdeutsch) mit so vielen Kopftüchern gerechnet! Und zu jedem Kopftuch gehörten Kinder und Männer. Ich konnte zwei (!) Frauen mit schwarzem Rundumkopftuch ausmachen, die zweifelsfrei Deutsche waren (sehr weisse Haut und ein sächsischer Dialekt sind Indiz genug).

Und dann unsere Frauen: Viel Attraktivität, sommerlich geschürzt. Grund genug, sich in ein Strassencafe zu setzen.

In der Mehrzahl aber die übliche halbverwahrloste Sommergarderobe, bezogen auf Männer, Frauen, Kinder, Inländer und Ausländer.

Dann aber, auch auffällig, demonstrative Symbolik - so häufig zuvor auch noch nicht gesehen. Dezentes eisernes Kreuz, Thorhammer hier und Rune da. Und dann noch etwas, gleich dreimal gesehen: ein stilisiertes Edelweiss. Bei allen Trägern deutete einiges darauf hin, dass das kein modischer Schnickschnack war, sondern Statement.
Treverer
04. September 2016 10:53
@Willkommenskulturlos

Folgende Argumente verwende ich auch gerne in kirchlichen Flüchtlingshelferkreisen:
"Kann mich gar nicht daran erinneren, daß in der Bibel steht: Liebe Deinen Fernsten und hasse Dich selbst".
"Jesus war ein Flüchtling ? Hatte Ägypten denn schon ein Sozialsystem?"
"Wann haben Sie zum letzten mal das Bedürfnis verspürt, einem Obdachlosen zu helfen?".

Hysterische Reaktionen gibt es nur bei denjenigen, die an ihren eigenen Überzeugungen, die gar nicht ihre sind, zweifeln, und die das mit einem immer größeren Aufwand verdrängen müssen - das nagende Bewußtsein, daß die bösen Rechten doch einfach recht haben könnten.
Meier Pirmin
04. September 2016 11:53
@Meine eigene Geschichte kann ich hier nicht hinschreiben, würde eine Autobiographie benötigen. Sie führte jedenfalls zu polizeiamtlicher Registrierung als angeblicher Extremist mit unangenehmen "Kleinigkeiten" von Hausdurchsuchung bis und mit auch beruflichen Konsequenzen. Bei allen drei hauptberuflichen Stellen, die ich in meinem Leben gefunden haben, gab es bei der Anstellung je Protest und Widerstand von (späteren) linken Kollegen, mit denen ich dann einigermassen einen Modus vivendi gefunden habe. Bei meiner ersten Lehrerstelle sagte mir ein Lehrergewerkschafter: Wir sind ein sehr tolerantes Lehrerkollegium. Ein Intoleranter passt nicht zu uns!

Warum schreibe ich das? Ich sah mir heute morgen bei www.focus.de eine Reportage an über über Stralsund, den Wahlkreis von Angela Merkel und die Sorgen, die man sich dort mache, dass möglicherweise sogar dort Leute "falsch" wählen könnten. Auffällig ist, wie vor der Kamera die Korrekten dominierten, während umgekehrt die AfD-Wahlveranstaltung schlecht besucht war, der Unterschied zu einem einstigen Aufmarsch der SA hätte nicht grösser sein können. Und wird wohl der Geschäftsführer eines Hotels sagen, was er denkt? Ein junger Lehrer, der von der äusseren Erscheinung her nicht als Fanatiker wirkt, wohl auch keiner ist, sogar einen seriösen braven wohlerzogenen Eindruck macht, nicht wie früher wilde Linke: Er erklärt das Wahlverhalten, welches die AfD und die NPD begünstige, mit der mangelnden Wirkung der Erziehung betreffend Auschwitz. Zugleich sprach er von "Ratten und Bauernfängern", was dann von der "Lügenpresse" prompt zum Titel der Reportage gemacht wurde.

Da ich mich in den letzten 50 Jahren im Vergleich zu dem noch jungen Mann schon aus Zeitgründen weit mehr mit Ausschwitz befasst habe, Literatur im Umfang von über 1 0 000 Seitem darüber gelesen, auch mit Überlebenden gesprochen, diese sogar in der eigenen Schule habe zu Wort kommen lassen, wundere ich mich aber umso mehr, dass der junge Mann nicht weiss, dass die Nomenklatur "Ratten- und Bauernfänger" bei Oberhetzer Julius Streicher Standard war. Er merkte nicht, dass er Streicher methodisch möglicherweise näher steht als ein mutmasslich grosser Teil derjenigen, die "falsch" wählen. Er wird sich weiter ins Zeug legen in Sachen "Holocaust"-Erziehung, hat er doch nicht wie ich schon vor 40 Jahren mit Überlebenden gesprochen, die diesen Ausdruck aus einer amerikanischen Fernsehserie damals nun mal nicht einmal kannten. Er merkt auch nicht, dass seine moralische Qualität in keiner Weise denjenigen überlegen ist, vor denen er in Verstärkung der offiziellen Medienpropaganda warnt. Obwohl und gerade weil ich als Lehrer insgesamt sechsmal mit Schulklassen ehemalige Konzentrationslager aufgesucht habe, auch mal einen Kurs gemacht habe betr. Euthanasie im Bodenseeraum, usw., weiss ich heute, dass "Auschwitz" als Wahlpropaganda zu reiner Zivilreligion verkommen ist. Mir sind auch Juden bekannt, welche diese widerwärtige Art der Propaganda anwidert.


Persönlich glaube ich nicht, dass es der AfD in Mecklenburg-Vorpommern wesentlich über 20% reichen wird, erstens von wegen der Einschüchterung, zweitens wegen der Mobilisierungswirkung der Kampagne der Gegenseite, wo Deutschland ebenfalls wieder mal gerettet werden muss. Auch will die Exbischöfin Kässmann weiterhin in ihrem Lieblingsbundesland Urlaub machen. Wegen dem Bedürfnis, Merkel zu "retten", könnte zumal die Union besser abschneiden als erwartet. Das wird allenfalls zu Lasten der Grünen gehen.
Heinrich L.
04. September 2016 11:56
Also meine Strategie ist es Gesicht zu zeigen und immer mal wieder das Thema Politik anzusprechen. Denn während wir die Linke Mainstream Meinung kennen, weil sie so präsent ist, leben viele Linke selbst in einer Informationsblase.

Für eine funktionierende Idee halte ich den Ansatz des Englischen Buches "Hammer of the Patriot". Zusammengefasst geht es darum, dass es in einer Diskussion oft nicht um die Argumente geht, sondern darum, wer in der dominanten Position ist. (Bei Einzelgesprächen ist das was anderes.)
Dieses Prinzip sieht man ja auch in den Talkshows von unserem Staatsfernsehen.
Im weiteren Verlauf des Buches geht es darum freche Antworten auf die häufigsten Linken Vorwürfe zu finden, oft mit dem Ziel den Gegner zu überrumpeln. Da ich selbst festgestellt habe immer wieder auf dieselben Argumentationsstrukturen zu treffen, könnte man das selbe wahrscheinlich auch auf Deutsch für die häufigsten Argumente gegen Rechts (insbesondere zum Asylchaos) machen.

Ein wichtiges Argument ist für mich das Kugelbeispiel (https://www.youtube.com/watch?v=zNERcF1J1uY) mit dem Zusatz, dass die Kosten für die Asylkrise weit höher sind als die Entwicklungshilfe die Deutschland zahlt. Das entkräftet nämlich schnell das Argument, dass es bei der Zuwanderung um Moral gehen würde. Denn effektiv ist diese Hilfe nicht.
Damit lässt sich sehr gut die moralische Überlegenheit die unsere Gegenseite empfindet bekämpfen. Wenn man anschließend auf die Interessen des Großkapitals an einer Masseneinwanderung eingeht, nutzt man auch Gedankenstrukturen die ein Linker verstehen kann.
Wenn ich mal wieder blöd gefragt werde, welche deutsche Kultur ich denn meine, dann dreh ich den Spieß einfach um: „Du findest es also ok, dass die Tibeter ihre Heimat verlieren, weil sie sowieso keine eigene Kultur haben und wir nunmal in einer globalisierten Welt leben?“

Was ich wahrscheinlich immer noch falsch mache ist zu wenig Geschichten zu erzählen. Ich erinnere mich an ein Youtube Video in dem es darum ging Menschen zu überzeugen. Als Beispiel ging es um das Thema Abtreibung. Als erstes Argument wurde eine Statistik genannt. Als zweites eine Geschichte erzählt, es ging darum in welchem Alter sich die Fingernägel entwickeln. Eine Mutter denkt über eine Abtreibung nach und erwischt sich dann selbst wie sie an ihren Fingernägeln kaut. Als sie es schließlich merkt führt es dazu, dass sie sich gegen die Abtreibung entscheidet. Während ich die Statistik schon lange vergessen habe, ist die Geschichte immer noch präsent.

Außerdem muss man natürlich sehr darauf achten welche Worte man verwendet, aber wie vermint die deutsche Sprache ist wurde ja schon in Antaios Büchern gezeigt.
Quadrupol
04. September 2016 12:01
Ich glaube, es ist wichtig, nicht dem Bild zu entsprechen, das die Gegenseite von uns hat. Dass wir keine klassischen Neonazis sind, haben sie mittlerweile begriffen. Aber das Bild, dass wir sozial abgehängte wären, die im Internet in ihrer Filterblase irgendwelchen Verschwörungstheorien nachgehen, und letztlich aufgrund mangelnder Kontakte keine Ahnung hätten, wie sich die Einwanderer verhalten, muss unbedingt vermieden werden. Das Schlagwort "Lügenpresse" beispielsweise halte ich für verbrannt. Wenn man das ernsthaft äußert, wird man direkt in eine Schublade gesteckt und als Diskutant nicht mehr ernst genommen. Natürlich muss die bundesdeutsche Presselandschaft diskutiert werden, aber man kann dies auch mit Schlagworten machen, die auf der Gegenseite keine Reflexe auslösen, die jenen Reflexen ähneln, die wir haben, wenn wir "bunt", "weltoffen" oder "Willkommenskultur" hören.
Belsøe
04. September 2016 12:02
Wesentlich wichtiger als die Verortung des Gegenübers scheint mir sein Bezugsrahmen - meine Lektion der letzten 12 Monate: wer überhaupt begreift, worüber wir diskutieren, WORUM ES GEHT, der oder die soll mir recht sein, und wenn es eine Wagenknecht oder die Nachdenkseiten sind.

Wer aber seine geschmäcklerische Ebene nicht verlassen kann, weil er nichts anderes kennt, weil er das folgenlose herum-meinen des bundesrepublikanischen Gestern für gestaltend hält, statt es als Brot&Spiele für Abiturienten zu erkennen - der hat nicht hinter die Dinge geschaut, hat nicht begriffen wie wenig er weiss, zu wissen bekommt. Und wie abhängig er sowohl materiell als auch innerlich, mit seinen Luxushaltungen, von den Garantien ist die er durch unbegrenzte Gewährung faktisch aushöhlen will. Ich fürchte vor allem das Durchdrehen dieser Leute, wenn ihre Lebensweise auf ein globales Normalmass zusammenschnurren sollte.

Langsam, noch nicht hochdramatisch, aber doch sicher geht es an die grundlegende Verfasstheit unseres Staates, und die Flüchtlingsströme sind dabei nur ein Strahl eines Sternmarsches. Derzeit wird zum Beispiel massive Staatsmüdigkeit produziert, von NSU über aussenpolitische Schwäche bei gleichzeitigem Kriegsgerede bis hin zu ungeschicktesten innenpolitischen Manövern mitten im Wahlkampf. Ich weiss ganz genau, dass uns innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine Stabilität versprechende Verschiebung von Macht angeboten werden wird, eine neue supranationale Instanz, die die Menschen, müde von der Instabilität, annehmen oder zumindest nicht verhindern werden.

Das ist also mein Lackmustest: sprechen wir überhaupt von den selben Dingen, wissen hier beide Seiten worum es geht?
Meier Pirmin
04. September 2016 12:13
_Der Jürgen. Ich habe mich weder zu seiner linken Zeit noch zu seiner Zeit als fanatischer Konvertierter der Rechten mit Horst Mahler identifiziert. Eindruck machte mir, dass er sich 1977 nicht freipressen liess. Charakter verdient insofern Respekt. Wenn er kein politischer Gefangener der Bundesrepublik Deutschland ist, wer war es und wer ist es dann? Mahler bleibt für mich trotzdem eines der Beispiele, warum ich vor politischem Matyrium abrate.
Der_Jürgen
04. September 2016 12:17
@Hans Dieter Franke

Im Gegensatz zu Ihnen scheinen die "Völkischen" in ihrer grossen Mehrzahl zumindest die Kommaregeln zu beherrschen...

Ganz falsch sind Ihre Ausführungen nicht, aber Sie rennen damit bei den Sezessionisten offene Türe ein. Wir sind hier nicht bei PI. Wir propagieren bei aller Ablehnung der islamischen Landnahme keine undifferenzierte Islamophobie und glauben nicht an das Ammenmärchen, dass die USA den Japanern oder sonst irgendwem "Demokratie" beschert haben. Auch sind sich die meisten Foristen sicherlich bewusst, dass wir in der Tat zuerst im eigenen Haus aufräumen müssen. Nicht ganz einfach, wenn der Hausbesitzer und der Blockwart im Dienste fremder Zerstörer stehen...
Loukas Notaras
04. September 2016 13:00
Ich kann folgendes beisteuern, warum aus meiner Erfahrung jeder rationale Diskurs mit der Willkommens-Fraktion unmöglich ist. Der Riss geht nicht nur durch Freundeskreise, der durchzieht ganze Familien:

1. Das Verhältnis zwischen meiner Mutter (Klischee-Grüne, taz-Gesellschafterin) und mir (JF-Autor) kann prekärer kaum sein. Bestimmte Themen (und es sind einige!) müssen bei jedem Gespräch ausgeblendet werden. Es ist unmöglich! Ich behaupte, es liegt nicht an mir. Sie kippt sehr rasch ins biestige, fast schon hysterische, wenn ich beim Gespräch auf rechtes Terrain gehe. Da kann ich nicht gegen halten. Ich versuche es also mit sehr selektiver Themenwahl, damit es gar nicht erst soweit kommt.

Ein schon skurriler Zug bei ihr: sie hat sich gerade einen Hund zugelegt. Es mußte ein Rassehund aus guter Zucht sein, damit der spurt. Keine Chance für ein Tierheim-Hund, die sind ja angeblich alle gestört. Aber dafür darf jeder Menschen-Schrott ungehindert über unsere Grenze. Damit hat sie kein Problem.

Nächste Woche feiert sie Geburtstag. Ich bin gespannt, ob der zu erwartetende Paukenschlag aus M-V Gesprächsthema bei Tisch wird...

2. Ein befreundetes Ehepaar hat einen Sohn, der es weit gebracht hat, Sozialamtsleiter eines großen Landkreises. Hier liegt das Problemverhältnis umgekehrt. Der Sohn nennt den rechtsnationalen Vater, der die Flüchtlingskise beklagt, einen "Ausländerfeind". Auf der Fahrt zu einer Familienfeier noch ein Eklat. Sohn und Schwiegertochter gehen verbal auf den alten Mann los, so daß es im Wagen rappelt. Der wollte hiernach seinen Sohn schon enterben. Inzwischen gehen die beiden genauso miteinander um wie ich und meine Mutter.

Was mich nur entgeistert: der Junge müßte von seiner Position aus am besten sehen, daß wir das eben nicht "schaffen", sein Vater somit im Recht ist. Sitzt der schon so weit oben, daß der Abstand zur Realität derart groß ist?

Immerhin, kürzlich bei einem Spaziergang mit seinem "alten Herrn" soll er darüber sinniert haben, ob die Merkel
überhaupt weiß, was hier los sei...

M.L.: "Wenn das der Führer wüßte!"
Loukas Notaras
04. September 2016 13:12
Aber ich möchte als Kontrast zu meinen vorherigen Schilderungen auch ein positives Erlebnis beisteuern. Ich bin seit ein paar Jahren in einer Radfahrgruppe aus Mitarbeitern unseres Konzerns. Bei unseren Gesprächen während der Touren war Politik NIE ein Thema. Als wäre es unausgesprochen unhöflich, überhaupt darüber zu sprechen. Wie Biedermeierstimmng. Erst im Frühling vorigen Jahres, mit Anschwellen der Flüchtlingswelle, kippte das. Da wurde gewütet und geschimpft. Jeder konnte etwas beitragen. Keiner redete wie ein Grüner. Und fast haute es mich aus den Socken, als ein Kollege mir überraschend sagte: "Victor Orban ist unsere letzte Rettung."

Vorigen Sommer machten wir einen Ausflug durch die Rhön. Im ersten Augenblick waren wir vollkommen sprachlos, als sich am Bahnhof eines hessischen Provinznestes beim Öffnen der Zugtüren das Bild einer Frau im Nikab (der schwarze Sackumhang mit Augenschlitz) bot, neben ihr offenbar der Gatte im Kaftan. Das hätten wir dort niemals erwartet. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis wir unsere Fassung wiederfanden, dann ging das Schimpfen los. Die Frau eines Sportkameraden kriegte sich nicht mehr ein: "Was müssen wir uns denn noch gefallen lassen!" Alle waren wir uns einig: DAS sicherlich nicht.
cso
04. September 2016 13:12
@Aaron

"Zu ihrer Entschuldigung muß ich sagen, die kennen nur ARD,ZDF und evtl. noch systemergebene Printmedien."

Es gibt keine Entschuldigung dafür, sich nicht zu informieren, obwohl der Zugang zu Information noch nie leichter war als heute.

Wenn mir einer dieser Desinformierten auf einen Einwurf erwidert, er habe davon (irgendetwas das für ihn eine Neuigkeit darstellt) noch nirgends etwas gelesen oder gehört, also könne das auch so nicht stimmen, wimmele ich ihn mit der Feststellung ab, daß er wohl zu bequem gewesen sei, sich entsprechende Kenntnisse selbstständig anzueignen und lasse ihn damit einfach stehen.

Das Leben ist viel zu kurz, um auch noch den Job der anderen zu erledigen. Da gibt es weder hier noch dort etwas zu entschuldigen.
Wandersfrau
04. September 2016 13:31
In den Beiträgen hier lese ich viele hämische, triumphale Schilderungen, wie man es den linken Trotteln (z.B. vom Betriebsrat) mal so richtig gegeben hat. Meines Erachtens zeigen diese Reaktionen, dass Herr Lichtmesz sich selbst auf eine "fools errand" geschickt hat, auf eine sinnlose Mission (sofern er wirklich das sehr lobenswerte Ziel verfolgt, beide Lager fair zu behandeln). Denn mal ehrlich: Die meisten Kommentatoren hier auf dieser Seite wollen doch nicht in einen offenen Dialog mit der Linken eintreten, sie wollen nur belehren und bekehren, nicht ergebnisoffen diskutieren - genau das, was sie der Gegenseite vorwerfen. Sie wollen die Linken zur Kapitulation zwingen.

M.L.: Ja, ich auch!

Kapiert es endlich, right is right!

M.L.: Eben!

Wenn ich lese, wie Diskutanten hier die typisch linke Unfähigkeit oder Weigerung kritisieren, unangenehme Tatsachen anzuerkennen, dann denke ich an mein privates Umfeld, in dem viele AfD-Anhänger exakt dasselbe Verhalten an den Tag legen: Eine rechte Sehschwäche, eine Totalverweigerung, jegliche positiven Entwicklungen anzuerkennen.

M.L: Wie ich immer sage: das Ganze läuft jedes Mal auf ein zermürbendes "Ich seh etwas, was du nicht siehst"-Spiel hinaus. Da wird man schnell aus einem puren Affekt heraus "autoritär" und hat Lust zu sagen: das Gras ist nunmal grün und der Himmel blau und der Regen fällt von oben nach unten, basta, können wir nun endlich über reale Dinge reden? Von unserer Sicht aus sind die Sehschwächen und Totalverweigerungen auf Ihrer Seite jedenfalls noch zigmal krasser. Und vielleicht können Sie sich vorstellen, daß man wenig Lust verspürt, angeblich "positive" und meistens vom Gesamtkontext aus isolierte "Entwicklungen" "anzuerkennen", wenn einem mit dem wüstesten Methoden verboten wird (flächendeckende Medienhetze, Verfassungsschutz, Antifa, Schüren eines feindseligen Klimas, das sozialen Druck aufbauen soll etc), die zum Himmel schreiend negativen Entwicklungen auch nur anzusprechen. Wenn sich das ändert, und ihr endlich bereit seid, zuzuhören und hinzuschauen - und da seid nun wirklich ihr am Zug, denn nichts anderes als eure Stimme wird propagiert, gefördert, verbreitet, aufgewertet - dann können wir meinetwegen über angeblich "positive" Entwicklungen reden, falls diese dann immer noch so erscheinen. Das Ungleichgewicht könnte bis dahin nicht größer sein. Ihr Kommentar zeigt mir mal wieder deutlich, in welchem Ausmaß ihr euch über diese Lage hinwegtäuscht. Nur darum lasse ich ihn stehen, als Beispiel.


Dass viele Flüchtlingskinder sich nach wenigen Monaten schon fließend auf Deutsch verständigen können, dass vielerorts ältere Menschen mit der Betreuung von Flüchtlingen plötzlich wieder eine Aufgabe haben und menschliche Nähe und Dankbarkeit erleben, schon solche kleinen positiven Tatsachen werden erbarmungslos weggewischt, denn Deutschland insgesamt ist ja dem Untergang geweiht.
Viele Kommentatoren haben beklagt, wie sie im privaten Umfeld ausgegrenzt werden wegen ihrer Ansichten. Ich habe mit "meinen Rechten" genau die umgekehrte Erfahrung gemacht: Wenn ich mich mit diesen - doch so geliebten Menschen - argumentativ auseinandersetzen will, stoße ich auf eine Härte, eine Wut, eine Unerbittlichkeit, die sprachlos macht. Hier wird eine grenzenlose Meinungsfreiheit auch für übelste Schmähungen in Anspruch genommen, umgekehrt wird aber jeder Widerspruch gleich als Zensur und Ausgrenzung bejammert.

M.L.: Sie wollen mir sagen, daß Ihr Umfeld aus lauter "Rechten" besteht, die Sie sozial ausgrenzen?


Und wo der Linke alles ins Gute pauschalisieren will, ist dem Rechten jeder noch so kleine Popanz, jeder finster blickende Schwarze an der Bushaltestelle das Indiz für die nahende Apokalypse.

Ich finde es armeslig und bedrückend, wie sich vor allem ältere Männer nach einer langen Karriere und aus dem finanziell rundum abgesicherten Pensionärsdasein in ihrer Weltuntergangseuphorie suhlen. "Wir, die Deutschen, haben ja immer alles richtig gemacht, haben uns abgerackert, und zum Dank kommen jetzt diese fremden Kostgänger, fressen uns die Haare vom Kopf und klauen den Frauen zum Dank noch die Handtaschen." Zur Kriminalitätsrate von Flüchtlingen hat die Kripo Braunschweig ja schon viel gesagt. Dass Armut und Kriminalität irgendwie zusammenhängen, so wie auch der deutsche Wohlstand an sich irgendwie mit der Tatsache zu tun haben könnte, dass anderswo in der Welt Armut herrscht, das muss man ja als Rechter nicht glauben. Aber es wird von "meinen" Rechten nicht einmal als Argument akzeptiert.

M.L.: Vielleicht sollten Sie sich einmal die Gegenargumente zu diesen Kurzschlußklassikern anhören, mir scheint, Sie sind auf dem Gebiet noch nicht sehr bewandert.

Befeuert wird diese Stimmung durch unerträgliche, verantwortungslose Wortbeiträge von AfD Politikern wie dem auf dieser Seite so geschätzten Björn Höcke, der Ende 2015 auf einer Demo ankündigte, wenn es "so weiter gehe", dann drohe im nächsten Jahr ein "Bürgerkrieg". Ein Bürgerkrieg!! Man stelle sich vor, welche Ängste dieses furchtbare Wort, das ja auch eine grauenhafte Krise beschreibt, bei seinen Zuhörern ausgelöst haben muss.

M.L.: Die alte Geschichte: was, wenn die Kassandra recht hat und die Warnung völlig zu Recht besteht?

Und genau dieser Effekt ist ja auch gewollt. Für mich hat das nichts mehr mit legitimer Politik zu tun. Es sei denn, man erklärte die Methode "Deutschland erwache" wieder für zulässig.

M.L.: Merkels Politik halten Sie dagegen für verantwortungsvoll, legitim, maßvoll?


Es gibt zahllose Beispiele, wie AfD-Politiker die Wahrheit verdrehen, wie sie viel, viel schlimmer und unredlicher agitieren als sämtliche "Altparteien". Ein gutes Beispiel dafür, wie leicht sich diese Lügen entlarven lassen ist dieser Artikel: https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/

M.L.: Es wird auf wenigen Seiten soviel gelogen, verdreht, ausgeblendet, verzerrt, naiv argumentiert wie auf dieser hier. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich ernsthaft angesehen haben, wo die Lügen tatsächlich zu finden sind und "entlarvt" werden, oder ob Sie es sich nicht viel zu leicht machen.

Wer wie ich mit beiden Lagern fremdelt, für wen "Haltung" kein Selbstzweck ist, weil die Wahrheit eben doch sehr kompliziert ist, wem die naive Toleranz vieler Linker genauso zuwider ist wie der autoritäre Rechthaberei auf der anderen Seite, der fühlt sich zunehmend heimatlos.

M.L.: Lustig, das mit der "autoritären Rechthaberei" sieht von unserer Seite aus genau umgekehrt aus... es ist nur die Kehrseite der "naiven Toleranz".
Maximilian
04. September 2016 13:34
@ TheRealSaddam

Warst du nur irgendwie in einem linken Umfeld dabei, oder selber engagiert links (hast dich selbst eingebracht, mitorganisiert)? Du kannst Empathiefähigkeit als Kompetenz nicht ablegen wie ne Hose. Du kannst Humanität als Disposition nicht ablegen wie ein Hemd. Ich bin auch kritisch gegen Migration und es gibt genügend andere, prominentes Beispiel meinetwegen Sarah Wagenknecht oder Lafontaine.
Wieso muss meinetwegen die rumänische Kultur pauschalisiert oder generalisiert diffamiert werden? Wir können differenziert kritisieren und (sozial) arbeiten, an dem, was problematisch ist. Was habe ich gerade einen Beitrag zuvor gemacht?

M.L.: Gelöscht, Sie können hier meinetwegen kommentieren, wenn Sie was zu sagen haben, aber Beleidigungen wandern in die Mülltonne. Wir sind hier auf einem rechten Blog, und da wird nicht gegen Rechte gepöbelt.


Ich habe die rechte Grundhaltung vielen Migranten kritisiert. Der Islamismus muss kritisiert werden, und wie Marx schreibt, neben die Waffe der Kritik stellt sich wo angebracht die Kritik der Waffen. Es gibt die Solidarität mit Rojava.
Dass rechte und islamistische Mirganten derzeit nicht so angegangen werden wie die deutschen Rechten liegt doch daran, dass jene versuchen daraus Kapital zu schlagen und viele denen nicht noch argumentative Munition und ne Steilvorlage liefern wollen - ironischerweise befördern die Rechten ungewollt mit ihren Aktivitäten das migrationshyperfreundliche Klima, das sie nicht wollen. Das ist eine Art negative Dialektik hier, die nicht besser wird, indem du die Rechten unterstützt.

M.L.: Wie erklären Sie es sich eigentlich, daß die Gesamtlinke bis auf wenige Einzelgänger heute nahezu geschlossen hinter der Flutung des Landes durch - wie Sie es nennen, und ich verstehe, wie Sie es meinen - "rechte" Migranten steht? Oder daß sie sich kaum an die Islamkritik heranwagt, vielmehr die Islamisierung fördert, wo sie nur kann? Oder daß alle Abweichler in euren Reihen, wie Wagenknecht, sofort das Etikett "rechts" aufgeklebt bekommen, wenn sie die Linie verlassen? Aus Angst vor den "Rechten", um ihnen keine "Steilvorlage" zu bieten? Das ist ihre größte Sorge? Darum steckt die Linke den Kopf in den Sand? Und das ist nun keine "negative Dialektik"? Die Steilvorlage liegt doch vielmehr in der Tatsache der "rechten" und islamischen Masseneinwanderung selbst, und nicht im sekundären Problem, daß man sie nicht anzusprechen wagt.
Dragus
04. September 2016 13:35
Mit überzeugten Linken kann man sich eigentlich nur unterhalten, wenn es sich um einen der wenigen verbliebenen Linksintellektuellen handelt. Darüber hinaus machen viele Deutsch-Nationale den Fehler, die Wählerwanderung hin zur AfD als Folge der Korrektur linker Ideologie in den Köpfen ihrer Wähler zu betrachten. Es scheint auch hier im Forum ab und an durch, das man linker Ideologie mit rechter Ideologie begegnet. Das hat überhaupt keinen Sinn. Wer keiner linken Ideologie folgt, der hat ausreichend mentale Kapazität aufgebaut, keiner Ideologie zu folgen, denn die Linke dominiert seit Jahrzehnten die öffentliche Debatte. Der unpolitische Wähler stellt die Mehrheit der Gesellschaft. Selbst Stammwähler einer Partei sind politisch oft ungebunden bis desinteressiert. Politik ist für sie nur ein unwichtiges, oft lästig uninteressantes Rand Thema. Hier mit Spitzfindigkeiten, Weltbildern oder rhetorischen Fragen etc. zu kommen, bringt überhaupt nichts.
Entscheidend sind immer die konkreten Lebensumstände. Der relative Wohlstand, Sicherheit und ein wenig Freiheit - das sind die Kernthemen, die für 90% der Wähler entscheidend sind und da kann man ganz Sachlich an setzen. Man braucht auch keine alternativen Ideologien an bieten, dann kommt man gleich in die Schublade "Der gleiche Scheiß, nur von der anderen Seite". Die Leute wollen vernünftige Lösungen für ihre Alltagsprobleme und reagieren um so allergischer auf die Regierungspolitik, je offensichtlicher deren Fehlentscheidungen negative persönliche Konsequenzen haben. Mit der Masseneinwanderung sind viele dieser eher unpolitischen, sonst aber bestens ins System integrierten Menschen unruhig geworden. Sobald ein Problem es schafft, von unpolitischen Eltern am Familientisch angesprochen zu werden, z.Bsp. ob man die Tochter nicht bitten sollte, aufs Freibad zu verzichten oder einen anderen Schulweg zu nehmen, ob man sich ärgert, das kein Geld für irgend welche Jugendprojekte vorhanden war, nun aber ein Asylbewerberheim eingerichtet wird, in dem man nicht etwa nur zwei Sozialarbeiter beschäftigt, sondern gleich 500 illegale Migranten unterbringt und alimentiert, die dann auch noch solche Probleme erzeugen. Wenn das Sparbuch nichts mehr abwirft, der Urlaub teurer wird wegen des niedrigen Wechselkurses usw.

Es geht also um konkrete Folgen und wer diese schon gespürt hat, den kann man mit einer Diskussion darüber erreichen, die dann auch im Konkreten bleibt und nicht in irgend welche ideologischen Schlammschlachten abgleitet. Das kriegen die Leute täglich im Fernsehen geboten mit stets inszenierten Niederlagen der Rechten. Uninteressant.

Aber wer es schafft, ein alltägliches Problem zu finden, wo sich das Leben des Angesprochenen die letzen Jahre verschlechtert hat, der kann dort ansetzen und am besten erst mal in Erfahrung bringen, was die angesprochene Person sich eigentlich selbst einfallen lassen würde, um dem Problem Abhilfe zu verschaffen. Dann moderierend ins Gespräch ein zu greifen ohne selbst knallharte Positionen zu beziehen, ist bei fast jedem Möglich. Da kommen dann oft von ganz alleine Lösungsansätze bei heraus, die man als Rechts bezeichnen könnte. Man sollte dabei einfach nie vergessen, auch bescheiden sein zu können, denn wenn man meint, die klügere Meinung/Position zu vertreten, dann reicht es, Menschen zum Nachdenken zu bewegen und sie selbst erkennen zu lassen, was eine klügere Politik wäre.
laValetta
04. September 2016 14:31
Ich entschuldige mich nicht für meine Meinung. Ich erspare mir sprachliche Weichspüler wie: „Ich habe nichts gegen…, aber…“, oder „Das muss man noch sagen dürfen…“ oder „Versteh‘ das jetzt nicht falsch…“. Das alles schwächt nur den eigenen Standpunkt, delegitimiert ihn. Da merkt der Gegenüber schon, dass man die eigene Position irgendwie für anrüchig hält. Das ist das Signal für den Gegner, zum Angriff überzugehen. Und schon ist man in der Defensive.

Ich versuche nur dann Meinungen kundzutun, wenn ich sie mit Fakten oder wenigstens begründetem Wissen untermauern kann. Als Rechter muss man das, da die den Konsens herausfordernde Idee sich eben rechtfertigen muss. Linke Phrasen muss kein Mensch begründen, die werden als wahr und richtig beklatscht. Die reaktionäre Antwort muss sich dagegen intellektuell umfänglich absichern. Das zu beklagen ist nutzlos. Daraus folgt -> als Rechter muss man sich Wissen über die Welt aneignen. Wurde ja schon von allen Foristen angesprochen.

Ich achte den Gegner. Ich mache mich nicht lustig oder lästere verächtlich über Linke, Einwanderer, den Islam und seine Anhänger (wie etwa Pirinçci, was ich widerlich finde) sondern akzeptiere, dass sie aus ihrer Sicht legitime Ziele verfolgen. Ich erkläre den Gegner nicht, wie es im juste millieu üblich ist, zum Verbrecher, Schandfleck, Idioten oder Psychopathen.

Ich geh mit Leuten, die mir sympahtisch sind, gern ein Bierchen trinken - egal wo sie politisch stehen. Habe keine Lust, mein ganzes Leben von diesen Fragen bestimmen zu lassen.

Ach ja, und hin und wieder gebe ich zu, mich gerirrt zu haben. Wenn ich mich geirrt habe.

Damit bin ich bisher selbst im roten Berlin gut gefahren. Außer natürlich bei den 100%ig Links-Grünen. Aber da ist eh Nichts mehr zu machen.
peter
04. September 2016 14:37
1.)
Vor etwa 3 Monaten: fahre nachts von einer Grillfeier nach Hause, sehe einen Araber, der eine junge Frau ins Gebüsch zerrt. Adrenalinexplosion, kurzes Gekloppe, Frau rennt weg, Araber (so um die 25) rennt dann auch weg, andere Richtung.
Nächster Tag: schlecht ausgeschlafen melde ich mich zum Kapap Lotar an, israelischer Nahkampf. Funktionert bestens.
Ich erzähle meine Erlebnisse, die Leute fragen zum Teil schon gar nicht mehr nach dem Aussehen, aus Angst vor der Antwort. Verstörte Blicke bleiben. Ich wünsche stumm ebenfalls eine schlechte Bettruhe, aber das kommt von ganz alleine, denn ihr Deppen lauft ins Messer. Viel Spass, die Erfahrung braucht ihr dringendst.

2.) Leute fragen, warum Kapap Lotar. 60 Jahre Erfahrung mit der Auseinandersetzung mit Arabern ("In Israel,se' ziehn die Arabers sehr, sehr oft die Messer. Dos hat a alte Tradition. Nu, dos kommt jetzt auch hier."-Trainer).
Mir gehen Rechte auf die Nerven, die grundsätzlich alles israelisch-jüdische ablehnen ("Judensport"). Leute, kommt klar. Es ist 2016, nicht 1946. Ich muss ja nicht alles gutfinden, was da passiert. Aber lernen kann man schon dürfen...Und es funktioniert, in Bochum 'nen Marokkaner beim Beklauen (er mich, natürlich) mit Kehlkopfschlag und Kippbandhebel flachgelegt. Mir ging's gleich viel besser danach.

Fazit: Verändere dich selber, das kannst du. Die Anderen lass ins Messer laufen, die werden das dann schon noch merken. Meiner Erfahrung nach verhindert das "auf sie einreden" eher die Erkenntnis.
Such dir Gleichgesinnte, bilde Freundschaften,trainiert zusammen, das senkt den Streßpegel wieder ab und bereitet vor.
Gustav
04. September 2016 14:54
"Fazit: es wird langsam eng für „Eliten“."

Nö, "eng" wird es nur für uns! Der wirtschaftliche Untergang der Welt ist gerade "einen Mausklick" weit entfernt! Ein dritter Weltkrieg nur unwesentlich schwieriger für die "Eliten". Wir müßen uns Sorgen machen, nicht die sogenannten "Eliten". Seit spätestens 1789 läuft alles nach ihrem Interesse! Die Masse, die Repräsentanten der "Dämokratie", sind die "Dummis", nicht die "Eliten". Die haben bisher noch jedes Ziel erreicht, und wenn es die Vernichtung der Welt bedeutet!
Richard Cobden
04. September 2016 14:58
Ein Argument gegen Linke: Das Seltsame am Syrien- Krieg ist die Tatsache, dass viele Linke sagen, der Westen sei Schuld an dieser Katastrophe. Das heißt, sie betrachten den Krieg als nicht legitim. Wenn der Westen einen nicht legitimen Krieg führt, müssten im Grunde die westlichen Eliten unter Anklage gestellt werden. Wäre er legitim, dürfte man keine Syrer aufnehmen, genausowenig wie die Briten im Zweiten Weltkrieg ausgebombte Deutsche bei sich aufgenommen haben.
Ein gebürtiger Hesse
04. September 2016 15:07
@ cso

Es gibt keine Entschuldigung dafür, sich nicht zu informieren, obwohl der Zugang zu Information noch nie leichter war als heute.

Nein, eine Entschuldigung dafür gibt es nicht. Aber einen Grund, der zum Unglück sehr potent ist: die Leute haben schlichtweg Angst, auch nur einen Blick auf Seiten wie SiN zu werfen. Denn sie wissen zumindest unbewußt, was sie dann erwarten könnte: ein innerer Konflikt, den sie fürchten wie den Leibhaftigen. Im Sinne C. G. Jungs ist das der innere "Schatten", der einem umso furchtbarer erscheint, je weniger Kontakt man zu ihm zulässt. Denn Dinge, die zu einem gehören, von denen man aber partout doch nichts wissen will, erscheinen einem gern irrational erhört, wie ein gähnendster Abgrund, wie DAS ABSOLUT BÖSE.

Der Übertritt über den "Rubikon" ist oft nicht mehr als das: einmal oder gar wiederholt auf Internetseiten wie diese (oder die unserer Alliierten) zu schauen. Denn ein Persönlichkeitsanteil, den man ansonsten vor sich totschweigt, könnte sich von den entsprechenden Schriften ja umso mehr überzeugen lassen, und dann ... wäre Polen offen.
Wolf Silius
04. September 2016 15:10
@Olaf
Ihre Erfahrung mit dem seltsamen Wahlverhalten teile ich. Ich glaube, zumindest in Süddeutschland, sind die linken Spinner klar in der Minderheit. Die Mehrheit tickt hier normal und Asylkritisch. Aber das Wahlverhalten ist seltsam unlogisch. Man muß die PS auf die Straße bringen, würde man beim Auto sagen. Im Nordwesten sieht es wohl anders aus, da gibt es viele Linke und Verrückte.

Das Wahlverhalten ist weitgehend konservativ, man wählt vielfach das, „was man immer wählt“; es hat im weitesten Sinne etwas mit Tradition und Treue zu tun (natürlich auch mit Ignoranz).Das erklärt auch, weshalb laut der Umfrage-Ergebnisse nur rund 15 Prozent die AfD wählen würden, jedoch regelmäßig mehr als 50 Prozent bei Sachfragen im Sinne des Parteiprogramms der AfD abstimmen (und auch, weshalb jemand, der früher Helmut Schmidt gewählt hat, nun Gabriel, Nahles und Schwesig das Mandat erteilt). Ich selbst nehme mich da nicht aus: habe drei Jahrzehnte lang fast ausschließlich FDP gewählt, war in den 70er und 80er Jahren sogar Mitglied. (Meine Erststimme erhielt dagegen stets Peter Gauweiler, seit er in meinem Wahlkreis kandidierte). Man könnte ein solches Verhalten mit einer gewissen Berechtigung auch schizophren nennen.
Sakksa
04. September 2016 15:23
Wie viele meiner Vorredner schon richtig feststellten hat es keinen Sinn, dem Gesprächsgegenüber argumentativ wie ein frontal auffahrender Güterzug zu begegnen. Das führt in aller Regel lediglich zu einer Verfestigung der jeweils eigenen Haltung. Ist klar.

Ferner wirkt das Malen sprachliche Angstbilder in der eigenen Argumentation ( z.B. Bürgerkrieg, sozialer Abstieg, Massenansturm von Landnehmern ) beim Gegenüber kontraproduktiv und ( einfach erklärlich ) abwehrauslösend.

Zielführender kann es dagegen sein, anfangs die Position der Gegenseite einzunehmen und von dort aus zu seinem eigentlichen Punkt kommen - und dabei nicht in den Fehler zB eines Sarrazin zu verfallen und sachlich überzeugen zu wollen, sondern von Anfang an emotional zu argumentieren ( hierüber wird nämlich vom Empfänger am meisten aufgenommen ).

Am Beispiel der Massenzuwanderung wäre dann ggü. einem Befürworter eben nicht auf den Verlust der eigenen Kultur abzustellen ( setzt beim Gegenüber ja voraus, dass diese als schützenswert bewertet wird ), auch nicht auf die Gefahr ethnischer Gewalt ( ist beim Gegenüber angstbehaftet und wird daher abgewert werden ), sondern auf das eigene Bild des Gegenübers vom guten Menschen und Retter, das es zu erschüttern gilt, beispielsweise in dem die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Einwanderer in Deutschland dargestellt werden, DEREN Ausbeutung und DEREN Heimatverlust als Folge der Massenzuwanderung thematisiert wird etc.pp.
Meier Pirmin
04. September 2016 15:29
@Loukas Notaras. Kompliment für die Wahl des Pseudonyms, erinnert mich an die berühmte Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. mit dem kostbaren Zitat aus der Endzeit des byzantinischen Christentums. Ihre Geschichte würde sich für die Verarbeitung in einen Roman lohnen, steht für neurotische Familienverhältnisse, was politische Neurosen nie ausschliesst.
Der_Jürgen
04. September 2016 15:38
@Meier Pirmin

Es freut mich, dass Sie Mahler als Menschen respektieren, auch wenn Sie seine Meinungen ablehnen. Er ist, falls Sie dies nicht wissen sollten, übrigens seit geraumer Zeit frei. Einen Beitrag dazu hat der "Weltwoche"-Journalist Alex Baur ca. vor einem Jahr mit seinem vorsichtig positiven Artikel über diesen Mann geleistet.

@Lutz Meyer

Wer heute noch Gutmensch sei, meinen Sie, mit dem lohne sich eine Diskussion nicht. Vermutlich haben Sie recht. Dies heisst natürlich nicht, dass wir diese Menschen pauschal als "verloren" einstufen dürften. Wenn der BRD die Grosse Rechnung präsentiert wird, werden die meisten von ihnen aus ihrem Wahn erwachen. Sie sind in der Regel nicht böse, sondern lediglich schwach und grenzenlos manipulierbar.

Falls mir der Bademeister diesen scheinbar sachfremden Exkurs gestattet: Ich diskutierte vor einigen Jahrzehnten angeregt mit einem anderen Schweizer Studenten über Dostojewskis "Grossinquisitor", der mich so stark beeindruckt hatte wie kaum ein anderes Buch ausser Orwells "1984", und gab zu verstehen, dass mir der Standpunkt des Inquisitors zwar gefühlsmässig zuwider, verstandesmässig aber sehr gut begreiflich sei.

Der Inquisitor geht davon aus, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen zu schwach und zu beschränkt sei, um frei entscheiden zu können, und deshalb einer straffen Führung seitens einer Elite (d. h. der Kirche) bedürfe. Dies ist bekanntlich ein Gedanke, der die Ideologie und Praxis des Jesuitentums prägt und einst in Paraguay so konsequent verwirklicht wurde wie wohl niemals zuvor oder danach - in einer relativ humanen Form.

Wenn man sich die meist wohl gutherzigen, aber vollkommen hirnlosen "Refugees Welcome"-JublerInnen ansieht, kann man sich des mulmigen Gefühls nicht erwehren, dass der Grossinquisitor vielleicht tatsächlich recht hatte...

@CSO trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er unterstreicht, dass es heute, im Zeitalter des Internets, für einen mit normaler Intelligenz gesegneten Menschen keine Entschuldigung mehr dafür gibt, über gewisse kardinale Fragen nicht informiert zu sein.
Heinrich Brück
04. September 2016 15:39
Im Kern ein Vernichtungswille, die Kritiker der Utopie auszurotten. Wer sich nicht zum Universalismus der Aufklärung missionieren lassen will, soll von dieser Position des Neoliberalismus plattgewalzt werden. Alles im Namen einer friedlichen Weltordnung.

Die linke Seite gegen Entwurzelung und Zerstörung der Selbstidentität, ein Lehrgespräch in dieser Form etwa?: https://www.youtube.com/watch?v=OwRNpeWj5Cs Gott ist tot, es lebe der Mensch!

Wie der massenverblödete Konsument den unsichtbaren Feind bezwingen kann? Handlung, Ziel, Sprache. Gemeinschaft.

Das Problem nur: Gott ist in den Gesprächen wirklich tot.
quarz
04. September 2016 15:47
@laValetta

Gut geschrieben!
Wenn man sich seines Standpunktes nicht sicher ist: Klappe halten und nachdenken. Wenn man hingegen argumentativ mit sich selbst im Reinen ist: seine Position furchtlos und ohne unterwürfige Defensivgesten vertreten, "glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt".

Selten kann man so leicht punkten, wie dort, wo sich der Gegner durch ein Tabu abgesichert glaubt und deshalb argumentativ völlig unzureichend gerüstet ist, weil er sonst ja nie in die Verlegenheit kommt, diese tabugeschützte Position vor jemandem rechtfertigen zu müssen, der geradeheraus und mit wohldurchdachten Argumenten das Gegenteil vertritt. Zu viel mehr als "Wollen Sie etwa behaupten, dass ..." - "Ja, will ich. Und zwar aus folgendem Grund: "..."" kommt es dann oft gar nicht mehr. Zumindest nicht auf der Argumentebene. Mit einer Mischung aus Perplexität, Entrüstung und leichter Panik angesichts des sehr wohl empfundenen argumentativen Notstandes klingt dann in der Regel der Dialog aus.

Wir brauchen uns keine Illusionen darüber zu machen, wohin den Verunsicherten sein nächster Weg führt: meistens in die Selbsthilfegruppe seiner Gesinnungsfreunde, mit deren Hilfe er sich allzu willig die Überzeugung zurückholt, trotz des diskursiven Blackouts (so wird es wohl im Helferkreis diagnostiziert werden; garniert mit dem Hinweis: "Es sind nicht alle dumm von denen, die sind besonders gefährlich") auf der richtigen Seite zu stehen. Ab hin und wieder kann auch ein Denkprozess in Gang gesetzt werden, der unerbittlich den Weg geht, den das Argument weist. Und um dieser Fälle willen muss der Dialog geführt werden.
Wandersfrau
04. September 2016 16:02
Lieber Herr Lichtmesz,
ich war davon ausgegangen, dass Ihr Aufruf Ausdruck einer aufrichtigen Suche danach ist, wie kommunikative Abrüstung zwischen Rechts und Links erreicht werden kann. Dass Sie es wirklich ernst meinen mit der Suche nach dem "Zugang" zu einander. Danke, dass Sie mir diese Illusion so gründlich genommen haben.

M.L.: Na, so wie Sie sich das vorstellen, kann es nicht funktionieren.

Nur ein paar kurze Bemerkungen dazu:
1. Sie schreiben: "Ihr Kommentar zeigt mir mal wieder deutlich, in welchem Ausmaß ihr euch über diese Lage hinwegtäuscht. Nur darum lasse ich ihn stehen, als Beispiel."
Danke, das ist ja schon fast echte Meinungsfreiheit hier auf Sezession im Netz! Mein Kommentar "darf" also gerade noch einmal stehen bleiben, als mahnendes Beispiel für andere, da habe ich ja Glück gehabt. So einen Satz hätte Kubitschek nie geschrieben. Damit drücken Sie genau die intolerante Haltung aus, die den linken Mainstream-Medien, Maas und Kahane (zu Recht!!) vorgeworfen wird.

M.L.: Wieso "intolerant", ich habe Ihren Beitrag ja gebracht? Madame, das hier ist ein Blog mit einer klaren politischen Richtung, da müssen Sie schon damit rechnen, daß es ohne Kommentierung seitens der Bademeister nicht abgeht, wenn man sich zum Querschlag aufschwingt. Niemand, auch Sie nicht, hat einen Anspruch darauf, seine Meinung hier veröffentlicht zu sehen. Wie alle Blogbetreiber, ob linke, rechte, liberale, libertäre etc. können und dürfen wir in unserem Laden machen, was wir wollen, und unsere Kommentare werden ohnedies mild, gerecht und gottgewollt moderiert und ausgesiebt. Was Maas und Kahane jedoch wollen, ist den gesamten öffentlichen Raum zu säubern, selbst auf privaten Facebook-Seiten, wo es sie zu allerletzt etwas angeht. Erkennen Sie diesen fundamentalen Unterschied? Und sehen Sie, genau bei solchen grundlegenden Unterscheidungen fangen die Links-Rechts-Debatten bereits an.

2. Interessant finde ich auch, dass Ihre Einlassungen auf meinen Kommentar entweder herablassend sind ("Sie scheinen mir nicht sehr bewandert"), oder absichtlich an meinen Argumenten vorbeifeuern (ich kritisiere Höckes Bürgerkrieg-Rhetorik, Sie sagen: Aber Merkel finden Sie toll, ja?!).

M.L.: Sie scheinen mir eben nicht sehr bewandert zu sein, was die Argumente und den "Diskurs" angeht. Entschuldigen Sie, daß ich es frank und frei heraussage. Sie haben ja auch nicht schlecht losgepoltert, aber es ist wiederum bezeichnend, daß Ihnen das gar nicht auffällt. Was Höcke/Merkel angeht, so habe ich im Gegenteil genau in das Herz Ihrer Argumentation gezielt: denn der Vorwurf Höckes geht ja an Merkel, daß ihre Politik das Land in die Gefahr von Bürgerkrieg und Destabilisierung etc. bringt. Aus unserer Sicht ist Merkel die "unerträgliche, verantwortungslose" etc., eben weil diese von Höcke gezeichnete Gefahr real ist. Meine Frage an Sie war auch nicht, ob Sie Merkel "toll" finden, sondern ob Sie sie (in Umkehrung zu Ihren Vorwürfen an Höcke) für "verantwortungsvoll, legitim, maßvoll" halten. Das war eine ernstgemeinte, keine rhetorische Frage.

Und dann verfallen Sie auch noch in diese Sandkasten-Rhetorik nach dem Motto "der hat aber angefangen / die sind viel schlimmer".

M.L.: Wir müssen hier Ursache und Wirkung klar benennen, so einfach ist das.


3. Und das ist mir am wichtigsten: Ich bin nicht "IHR"! Ich bin nicht Ihr Feind, ich bin nicht die Antifa, ich bin kein linker Gutmensch, ich bin keine weltfremde Flüchtlingshelfer-Tussi, also verbitte ich es mir, von Ihnen in dieses Lager gesteckt zu werden, damit Sie mich leichter abmeiern können. Dieser Reflex hat mich an Ihnen, den ich für einen Intellektuellen hielt, am meisten enttäuscht.

M.L.: Da bin ich jetzt aber enttäuscht, daß Sie mich nicht mehr für einen Intellektuellen halten. Jedenfalls, von hier aus gesehen, stehen Sie mit Ihrer Argumentation ziemlich deutlich im "anderen" Lager, das ja viel breiter ist als Antifa oder Welcome-Tussis... und wie der Link zu correctiv zeigt, schenken sie diesem anderen Lager auch mehr Gehör und Glauben.

In meinem Kommentar habe ich sehr klar geschrieben, dass ich weder mit Ihrem Lager, noch mit dem der Linken sonderlich viel anfangen kann. Denn das Denken auf beiden Seiten ist mir viel zu verbohrt, selbstgefällig und schablonenartig, es bringt uns einfach nicht voran. Aber Sie stecken offensichtlich schon zu tief im Schützengraben, als dass diese Haltung für Sie überhaupt vorstellbar wäre. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Sie sich an meinem Kommentar genauso aggressiv abarbeiten, wie Wallasch sich an Kubitschek abarbeitete und wie viele Freunde und Verwandte sich an mir abarbeiten.

M.L.: Wenn Sie das schon für "aggressiv" halten, dann wundert es mich nicht mehr, warum Ihnen ihre "rechten" oder AfD-nahen Freunde zuweilen so furchtbar hart, wütend und unerbittlich erscheinen. Ich habe lediglich versucht, Ihnen ein wenig zu spiegeln, daß sie Ihnen vielleicht deshalb so erscheinen, weil sie ständig auf den mentalen Beton des "Ich seh etwas, was du nicht siehst"-Spielchens gestossen werden, das Sie offenbar auch nach Kräften mitspielen, und das geht wohl nicht anders, weil eben jeder nur hören und sehen kann, was er hören und sehen will oder kann. Was das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen beiden Seiten betrifft, so ist das jedoch eine völlig objektive Sache. Ohne diese Grundlagen kann es per se keinen "Zugang" geben.

Zu guter Letzt noch die Antwort auf Ihre (wahrscheinlich ohnehin rhetorisch gemeinte) Frage: "Sie wollen mir sagen, daß Ihr Umfeld aus lauter „Rechten“ besteht, die Sie sozial ausgrenzen?" Nein, Herrgott, aber mein Umfeld besteht eben aus vielen Menschen, die so denken wie Sie. Wenn ich auf diese Leute so hart reagieren würde, wie diese mitunter auf mich (und wie Sie jetzt auch auf mich), wenn ich nicht versuchen würde, mich aufrichtig auf sie einzulassen, anstatt wie Sie aus "einem puren Affekt heraus `autoritär`" zu werden, dann wäre unsere Familie längst zerfallen.

M.L.: Das ist bedauerlich, aber meisten Menschen befinden sich heute in der umgekehrten Lage!

Bin gespannt, ob Sie meine Antwort veröffentlichen...

M.L.: Voilà! :-)
Ein gebürtiger Hesse
04. September 2016 16:31
"Ach, hör uff! Das glaubste doch selber net!", sagte ich einer früheren guten Bekannten im Spätsommer 2015, nachdem sie mir - und sich selbst - weismachen wollte, daß all die Scharen, die da zu uns ins Land zu strömen begannen, arme Syrer in größter Not seien und für 'uns Deutsche' eine Pflicht bestehe, sie aufzunehmen.

"Schau an ... Du redest ja plötzlich hessisch", entgegnete sie. Etwas Siegesgewißes klang dabei durch, so als hätte sie mir einen Fehler nachgewiesen, der meine zuvor vorgebrachten Argumente im Kern schwächen würde.

"Ganz genau", meinte ich, "und das ist auch konsequent. Je mehr ich von diesem Mist erzählt bekomme, daß wir hier eine moralische Pflicht hätten, diese Totalfremden aufzunehmen, egal wer oder wie viele sie sind, desto mehr kommt mir der Heimatdialekt hoch. Und das ist auch richtig. Bei dir sollte eigentlich nichts anderes passieren. Du hast doch auch eine Heimat. Meldet die sich an dieser Stelle gar nicht?"

"Meine Heimat habe ich hinter mir gelassen", sagte sie, schaute zum Fenster hinaus und fügte an, "vielleicht habe ich sowieso nie eine gehabt".

An der Stelle wußte ich, daß hier nichts zu holen, nichts zu machen sei. Und so bestätigte es sich auch. Das Gespräch ging noch kurz weiter, aber über dem nächsten Dissens zerbrach es. Ich fühlte mich mit meinem Heimat-Rekurs in "besetztem Gelände", sprich mutterseelenallein, und meine Bekannte - sich vermutlich ebenfalls zu wenig gehört, erkannt, verstanden.

Und so schieden sich die Geister.
Stefanie
04. September 2016 16:37
Wie wechselt man die Lager?
Ich versuche es mal anhand von ein paar Stichpunkten herauszuarbeiten:

1.) Wer mit 14 kein Sozialist ist hat kein Herz, wer es mit 40 noch ist, keinen Verstand. Ich erinnere mich an eine Situation am Frühstückstisch in dem Alter mit meinen Eltern. Meine Mutter sagte. "Zahl du erst mal Steuern!" Sie hatte ja so recht! Der Sozioökonomische Aspekt ist der trivialste, aber auch wirkungsvollste Antrieb.

2.) ca. 1998: Mike, Hauptschulabschluß, BVJ, bekennende "Zecke", kifft gern, mag Graffittis, Bullenklatschen in Hannover Chaos Tage ... Eigentlich recht umgänglich auf der täglichen Busfahrt, aber eben auch der Beleg, dass Linke den "Dorfglatzen" nicht automatisch intellektuell überlegen sind. Natürlich gab es auch die coolen unangepassten Jungs am Gymnasium mit Iro und Rastas. Doch es gab eben auch die Rechten, die einfach ihre Lehre machten oder irgendwo, meist als Handwerker, arbeiteten. Normale Menschen eben - eine Erfahrung, die man nur in Ostdeutschland sammeln konnte. Ein einziger kam mit dem Gesetz richtig in Konflikt, saß ein Jahr im Knast, nicht wegen einem Meinungsdelikt, sondern wegen Körperverletzung. Doch selbst der stand früh 5 Uhr auf, fuhr in die Berufsschule oder zum Lehrbetrieb und ich vermute, er wird irgendwas aus seinem Leben gemacht haben, was bei Mike eher weniger wahrscheinlich ist.

3.) Dezember 2005, eine Jugendherberge in Südwestaustralien: im Fernsehen läuft ein Bericht über Strassenkrawalle von Muslimen in Sydney, den Anlass habe ich vergessen. Eine ältere Australierin am Küchentisch ruft angry: "Put them on a boat and send them back home. Or what do you say about it?" -"I can`t say anything about it, it`s your country." - In einem sehr veränderten Tonfall: "Oh, your from Germany? How do you like it over here? Where have you been yet? You like some cake?" Merke: Eine Abneigung gegen randalierende Moslems hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun.

Ein paar Wochen später, 6 Uhr früh vor einer Tomatenfarm, wo es angeblich Arbeit geben soll: Inon, Jack, Roman und ich stehen vor dem Werkstor und an uns strömen dutzende bärtige Männer und Frauen mit Kopftuch vorbei, keiner sieht uns auch nur an. Inon ist Israeli und spricht etwas Arabisch. Er versucht sich zum Chef, bzw. Vorarbeiter durchzufragen - für die Männer ist er Luft. Israel hat keine Working-Holiday-Abkommen mit Australien hat, denn es hat kein Interesse, dass sich seine jungen Leute anderswo nach Arbeit umschauen und eventuell auswandern. Deshalb braucht Inon einen schwarz bezahlten Job. Wir versuchen es bei einem kleineren Betrieb, bei dem ich ein paar Wochen vorher Bohnen gepfückt habe (Lohn auf die Hand). Ich bin etwas skeptisch, den der Vorarbeiter ist Türke und hat immer einige Töchter, Schwiegertöchter, Enkelinnen mit Kopftüchern um sich herumwuseln, die kaum Englisch sprechen und mit denen ich kaum in Kontakt kam. Der Chef ist Italiener, war in den 60ern auch mal in Deutschland. Es gibt keine Probleme mit Achmed. Man kommt miteinander aus. Er nimmt uns sogar vor der Mama Mia des Hauses in Schutz (echter Hausdrachen). Fazit: Mit Muslimen in gemischtem Umfeld läßt es sich auskommen, haben sie die Oberhoheit, ist es vorbei.

4.) Zurück in Deutschland geht gerade die Welt unter. Eisbären rutschen von ihren Schollen, der Klimawandel hat zugeschlagen. Angeblich sind sich 99% der Wissenschaftler einig: der Klimawandel ist wissenschaftlich bewiesen! Nanu, denke ich, war da nicht was im Studium vor nicht allzu langer Zeit? Popper? Erkenntnistheorie? Hypothesen können nicht bewiesen, sondern nur falsifiziert werden. Sind die Theorien des Klimawandels falsifizierbar? Und wenn ja - gebe es nicht auch alternative Handlungsoptionen außer Glühbirnen abschaffen? Mein Gott: ich bin ein Klimaskeptiker, ein CO2-Leugner. Ich stoße im Netz auf NOVO-Argumente, dem ich viel abgewinnen kann, doch im ganzen ist mir die Argumentation zu neoliberal-libertär. Außerdem nimmt mich mehr und mehr die Arbeit in Beschlag.

5.) Januar 2011, Abendessen, Nudelsuppe mit Mann und Schwägerin: im Fernsehen ist gerade Revolution in Ägypten. Mubarak wird gestürzt: Hurra die Demokratie hat gesiegt! Neuer Staatschef wird der Ex-Geheimdienstchef- Wir drei sehen uns an und fangen an zu lachen. Nee, echt jetzt? Die folgenden Wahlen gewinnt ein Muslimbruder - ist halt Demokratie, wenn die Mehrheit es so will, wird sie halt mit der Sharia leben müssen. Pech für die liberalen Demonstranten, die Kopten, die Frauen... Demokratie heißt eben nicht automatisch, dass ein liberaler Staat entsteht.

6.) 2014. Ich habe keinen Fernseher, höre aber oft Deutschlandfunk, auf Arbeit, zuhause beim Frühstück, Mittag, Abendessen. Im geschichtlichen Beiwerk wird geschildert wie Europa 1914 in den Krieg schlitterte. Parallel dazu entwickelt sich die Ukrainekrise. Irgendwann wird mir die kognitive Dissonanz im Äther zuviel: ich höre lieber Hörbücher. Angefangen mit Ayla in der Jungsteinzeit über Sinuhe den Ägypter, Bernard Cornwells Arthur- Nacherzählung, ... arbeite ich mich durch die Geschichte. Historisch Romane sind lange Schinken, man kann sich darin verlieren. Eskapismus kann so schön sein! Schließlich lande ich bei Ken Folletts Jahrhundertsaga: was für eine Story: hier gibt es nicht nur auktoriale Erzähler, sondern auch auktoriale Figuren! z.B. eine 11jährige, die schon 1933 aktiv gegen die Nazis kämpft, denn man musste ja wissen was kommt... Ich begann diese Präkognition etwas zu hinterfragen. Danach hörte ich mal etwas politisches zur Abwechslung "Wir sind die Guten" , dass einen kurzen Abriss über die Hintergründe der Ukrainekrise gab. Ich schaltete den Deutschlandfunk wieder ein: Kampf um Kobane: der IS versklavte, kreuzigte und enthauptete. In Dresden ging Pegida auf die Strasse. Ich las Verrisse in den Zeitungen - in den Kommentarspalten wurde dagegen argumentiert - mit den meist besseren Argumenten. Warf man diese Argumente in anderen Foren ein, hieß es "Dann geh doch nach drüben!" mit einem Link zu pi-news. Also ging ich nach drüben zu den anderen Seiten des Internets zur Achse, Propagandaschau, Tichy, pi-news, SiN..., (bei letzteren hatte ich mit den Tabu des "Rechten" zu kämpfen, sagte mir aber schließlich, ich müße ja wenigstens wissen was ein Rassist denn so denkt, wenn ich schon einer sein soll )las, bzw. hörte Sarrazin und Heinsohn.
Zu Sylvester saßen wir bei der Verwandschaft und es kam die Sprache auf Pegida und zwar mit einer Großcuosine, die in der Kirche engagiert war, schon zu DDR-Zeiten und auch reichlich Probleme deshalb hatte und inzwischen bei der Diakonie in einer leitenden Stelle arbeitete. Sie meinte: "Habt ihr euch mal die 19 Punkte durchgelesen? Die haben doch recht!" So kriegte ich das erste mal Zuspruch aus unerwarteter Ecke. Deshalb interessierte mich auch diese ad-hominem-Angriffe auf Lutz Bachmann nicht, es war eben nur Theaterdonner. Ich hatte einige Monate Vorlauf, zu denen die erst zu Merkels Schleusenöffnung im September wach wurden - es war eben kein Ausrutscher, kein Dammbruch, sondern eine logische Fortsetzung der Politik.

Wichtig war: keiner hat mich missioniert oder mit irgendwelchen Argumenten überzeugt. Nachdem mir die ganzen Ungereimtheiten und Schweinereien aufgefallen waren, fanden sich die Argumente, die Artikel, Bücher, Berichte von ganz alleine, die meine Schlußfolgerungen bestätigten. Ich glaube es war in 1984, in dem der Satz fällt: die besten Bücher sind die, in denen das drinsteht, was man selber schon immer gewußt hat. Deshalb sind Seiten wie diese hier so wichtig. Ich selbst kann mit vielen der hier geäußerten Präferenzen Richtung Monarchie/Aristokratie/katholische Kirche und vielen Äußerungen zur Vergangenheit nichts anfangen, trotzdem finde ich hier viel Nachdenkenswertes - und am wichtigsten ist das Gefühl, nicht allein zu sein mit seinen Zweifeln, Bestätigung, moralische Unterstützung zu finden. Ausschlaggebend war wohl auch die Medienabstinenz in den letzten Jahren. Sobald man etwas Abstand gewonnen hat, hört und sieht man all die Propaganda von der Tagesschau bis zur Lindenstrasse, die da auf einen niederregnet. Sicher kann man sich auch abseits der Mainstreammedien in irgendwelchen Verschwörungstheorien verrennen, doch wenn man sein Weltbild einmal hinterfragt hat, dann kann man es auch wieder tun, sollte es auch von Zeit zu Zeit, um sich nicht vollkommen zu verrennen.
laValetta
04. September 2016 16:39
Und noch eine Anekdote zur Abrundung meines Sermons: Man vernimmt ja hin und wieder die aus den linken Reihen zur Rechtfertigung der Migrantenaufnahme vorgebrachte Meinung, der Westen stünde hier in der Pflicht/Schuld, da er ja ursächlich für Völkerwanderung sei. Warum? Weil u.a., wie im Falle Syriens, westliche Mächte diverse failed-states mit "unnatürlichen Grenzen" und "zusamengewürfelten Ethnien" ("Grenzen auf der Landkarte gezogen etc...") geschaffen haben. Vor ein paar Wochen erklärte mir eine sehr links-liberale Bekannte (Zeit-Abo usw.) "dass dieses Gemisch aus Völkern und Religionen (sic) Konflikte fördere...". Sie hatte wohl eine in diese Richtung gehende Deutung des Skyes-Picot-Abkommen aufgeschnappt. Daraus schloss sie messerscharf, dass wir mit der Aufnahme der arabischen und afrikanischen Massen auch Sühne für den Imperialismus/Kolonialismus zu leisten hätten. Ich fragte amüsiert, ob sie denn wirklich der Meinung sei, dass die willkürliche Zusammenfassung von Volks- und Religionsgruppen in einem Staat sehr ernste Konflikte zur Folge haben kann. Ja, meinte sie, das erlebe man doch gerade. Sinngemäß kommentierte ich, dass Multikulti anscheinend nicht überall so erfolgreich laufe wie bei uns. Wie üblich wechselte sie dann das Thema.
Troja wird brennen
04. September 2016 16:50
„Linke glauben, daß Rechte böse, und Rechte, daß Linke dumm seien.“


Dem kann ich mit Überzeugung zustimmen, Herr Lichtmesz.

Ich erinnere mich: Die GRÜNEN hatten mal am Eingang zu einem Parteitag, das ist schon etwas her, das Schild aufgehängt: „Kein Zutritt für Rechte.“

Ich bin Rechts. Und es beeindruckt mich jedes Mal nachhaltig, dass Ellen Kositza ebenfalls bei dieser Selbstverortung bleibt; ganz sachlich und ruhig in ihrer Antwort auf die lauernden, züngelnden Fragen der linken Inquisitoren nach ihrem politischen Standort. - Rechts! Natürlich. Was sonst?

Unser (deutsches) Land, seine Natur mag ich sehr und würde ich gerne erhalten wie unsere angestammte Kultur; wenn möglich verbessert weitertragen helfen.

Ein Rechter war ich nicht von Anfang an. Ich bin zwangsläufig auch geprägt von Rock und Beat („I can’t get no satisfaction“) und Globalisierung und dem öffentlichen Meinungsdruck, aber ich stehe auch zu Blech- und Blasmusik und Bierkonsum und einfachen Volksliedern, wie:
„Kein schöner Land in dieser Zeit
als hier das uns´re weit und breit
wo wir uns finden
wohl unter Linden
zur Abendszeit.“

Mit solch einer Lebenseinstellung oder Grundprägung ist es natürlich völlig unmöglich ein politischer GRÜNER, sprich ein "Linker" zu sein. Nur das Gegenteil ist möglich.

Als ein unmittelbarer Nach-Achtundsechziger, da kam ich gerade ins Gymnasium, als es 1968 losging, Abitur (mit Müh und Not), Studium, etc., kann ich resümieren: Kaputte, selbstzerstörerische Typen gab es leider immer und auf allen politischen Seiten. Aber die, die ich oder die sich selbst als „links“ bezeichnen, denen reichte es regelmäßig nicht, ihre eigene als jämmerlich empfundene Existenz für sich selbst oder mit ein paar Kumpanen zu Tode zu saufen, mit der Heroinnadel zu beenden oder mit dem Motorrad gegen den Baum zu knallen.

Bei den Linken war an ihrem Leiden an der Welt, an ihrem Versagen immer die Gesellschaft schuld, die anderen, die Eltern, die Lehrer, die deutsche Vergangenheit, Luther, Bismarck, Franz-Josef-Strauß, die Kirche, die Nazis.

Sie wollten daher den erweiterten, mindestens nationalen Suizid: alles traditionell Einheimische zerstören, zersetzen, zersetzen. Aber das Fremde, mit dem sie das Eigene zerstören wollten, haben sie auch nie gemocht.

Diese linke Lebenseinstellung hat mich spätestens ab dem Zeitpunkt völlig abgestoßen, als ich meinen ehrbaren, bescheidenen und fleißigen Eltern Gerechtigkeit in der Beurteilung widerfahren ließ, nachdem ich sie mit dem frechen Schmarotzertum der Linken verglichen hatte.

Diese Linken glauben nämlich wirklich, sie seien die authentisch Guten, weil sie das Geld, den Wohlstand, das, was andere erarbeitet haben, lautstark ausgeben und verteilen, wobei sie natürlich darauf achten, dass immer genug Geld auch in ihre eigenen Taschen und Projekte fließt. Derzeit machen sie (Merkel-Mutti mit ihrer CDU vorne weg) unser Land zum Beuteobjekt für Millionen von Migranten aus aller Welt, ohne "Obergrenze".

Um mich selber politisch zu verorten, brauche ich keine großartigen intellektuellen und historisch unterlegten Begriffsbestimmungen. Mir reicht das, was ich alltäglich erfahre.

Mag „rechts“ sein, was es will. Aber mit den „Linken“ im Land, mit diesen hasserfüllten, zerstörenden, verlogenen oder nur dummen und feige opportunistischen Deutschlandabschaffern, will ich nicht auf derselben Seite verortet werden. Niemals. Schon alleine darum bin ich „rechts“.

Ich habe die feste Überzeugung, dass wir Rechten zwar die richtigen Ziele und Lösungsansätze haben, aber nicht alle notwendigerweise auch die moralisch Besseren sind, jedoch sind wir wesentlich toleranter als die ungeduldigen, linken Gutmenschen.

Ich meine damit, auch wenn wir Rechten wissen, dass einer ein Linker (oder eine Linke) ist, meinetwegen auch ein linker Spinner, aber eben kein hasserfüllter, oder wenn er ein Ausländer ist, mit dem wir persönlich zu tun haben, dann grenzen wir ihn doch nicht gleich aus und mobben ihn, oder organisieren Elternaufstände in der Art, dass wir den Kindergarten oder die Schule boykottieren bis die politisch missliebige Erzieherin entfernt wird. Im Gegenteil, wenn er/sie ein persönlich ehrenhafter Mensch ist und uns nicht von oben herab moralisch bespuckt oder schamlos ausnutzen will, dann akzeptieren wir ihn/sie als Mensch und reden auch nicht grundsätzlich schlecht über ihn/sie.

In meinem persönlichen Umfeld kenne ich ein paar „linke“ Deutsche, männlich, weiblich, mit denen ich näher zu tun habe, und die ich keinesfalls für schlechte Menschen halte; - allerdings, ja, ich halte sie in politischer Hinsicht eher für „blind“ als für dumm, weil sie sich Brillen aufsetzen, die nur bestimmte Konturen und Ausschnitte der Wirklichkeit in ihr Bewusstsein dringen lassen; und für gefährlich halte ich sie, weil sie in der Konsequenz ihres Verhaltens den Untergang ihrer eigenen Kultur, ihres Landes und ihres eigenen Volkes herbeiführen helfen - und meinen Kindern eine deutsche Zukunft nehmen.

Bei diesen „linken“ Menschen, den linken, naiven Mitläufern, denke ich oft an die bittere Klage von Kassandra in Friedrich Schillers gleichnamiger Ballade über

Troja: „die Stadt der ewig Blinden mit dem aufgeschloßnen Sinn“.
Richard Cobden
04. September 2016 17:31
Ich habe gerade einen 2-seitigen Artikel über die Altright im österreichischen Nachrichtenmagazin "Profil" gelesen, in dem alle wichtigen Protagonisten und Medien der Altright (Jared Taylor, Breitbart, Richard Spencer, etc.) aufgelistet werden. Auf Facebook kann man vielen Journalisten und Medien (z.B. "Vice", "Vice Alps", " Die Welt", etc.) Privatnachrichten senden. Legt euch ein Fakeaccount mit einer hübschen Frau als Profilbild zu und sendet diesen Journalisten und Medien regelmäßig Links zu konservativen Medien und Journalisten (Breitbart, Compact, Jürgen Elsässer, Milo Yiannopoulos, Lee Ann Macadoo, Alex Jones, Stefan Molyneux, Paul Joseph Watson, etc.). Füttert sie richtiggehend an!

M.L.: Thanks, Hillary!
Stimmviech
04. September 2016 17:35
Mit einer Lebenseinstellung zwischen Waldgänger und Anarch umgebe ich mich grundsätzlich nur mit Nonkonformisten,die auch andere Ansichten als die eigenen akzeptieren können.Und in den sozialen Medien ist diese gespaltene Zeit doch ein Geschenk für Liebhaber kontroverser Diskurse.
Willkommenskulturlos
04. September 2016 17:55
@Treverer
Sonntag, 4. September 2016, 10:53
@Willkommenskulturlos
Folgende Argumente verwende ich auch gerne in kirchlichen Flüchtlingshelferkreisen:
„Jesus war ein Flüchtling? Hatte Ägypten denn schon ein Sozialsystem?“


Wenn sich Josef damals wie Merkelsche Gäste verhalten hätte, dann würde er Frau und Kind zu Hause lassen und alleine nach Ägypten fahren (und dort für immer bleiben).

Das Kind würde man folglich umbringen, und es gäbe kein Christentum.
Michelle
04. September 2016 21:47
Im Gegensatz zu einer oben geäußerten Meinung, kann man sich selbst sehr genau beobachten in der Debatte. Daher kann ich auch Schwachpunkte bei mir reflektieren:

So neige ich dazu, maßlose Anwürfe ebenso so zu kontern, um quasi ein semantisches Gleichgewicht herzustellen. Ich überziehe also, um so etwas wie eine Waffengleichheit herzustellen. Dies impliziert auch eine Moralisierung der Politik, die ja eigentlich eine Zerstörung der Politik bedeutet. Also etwa auf „Hör auf, AfD geht gar nicht“ rufe ich: „Wer immer noch nicht AfD wählt, macht sich mitschuldig an Mord und Vergewaltigungen und der Zerstörung der Kultur.“ Gerne ziehe ich dann auch NS-Vergleiche. Erfolge hatte ich damit noch nicht, allerdings hat der Gegner auch keine Diskurshegemonie. Andererseits sehe ich an mir selbst, dass ich eine ruhige und gelassene Art von Linken zwar goutiere, dies aber nun auch nicht meine Meinung ändert, höchstens in Randaspekten. Kurzum, wie hier schon bemerkt, den Kontrahenten kann man nicht überzeugen, denn Argumentation ist eine nachträgliche Rationalisierung von Grundentscheidungen, Gefühlen und Haltungen. Wenn es aber um die third person geht, dann ist eine ruhigere Art tatsächlich vorteilhafter, sie muss aber gleichwohl fest, selbstbewusst und entschieden vorgetragen werden. Da die Moralisierung eine Waffe der Schwächeren ist, wird man nicht auf sie verzichten können. Wenn ich von einigen Politikern oder Historikern als „echte Täter“ rede, ernte ich oft Verblüffung, aber auf die Seite der „Täter“ hat sich noch nie jemand geschlagen.

Sehr wichtig zur Verhinderung der Schweigespirale eine affirmative zweite Person. Das gilt für alle Gremien und Orte, mindestens sollte eine weitere Person einem tendenziell zustimmen.

Was ich geradezu verachtenswert finde, ist die ebenfalls in diesem Strang geäußerte Meinung, man taste sich vor, ob man sich zu erkennen geben könne. Das ist angesichts des Einsatzes, den manche bringen (z.B. der Threadöffner), ganz feige. Was anderes ist die Frage, ob man sich direkt mit Parteien oder Gruppen assoziieren sollte. Zunächst würde ich auch die Sache in den Vordergrund stellen und versuchen, niemanden aus dem eigenen Lager zu denunzieren, was manchmal gar nicht so einfach ist.

In Summa: Reflexion, Selbstkontrolle, Mut, gegenmoralisierende Begriffsprägung und auch Augenmaß. Zu letzterem noch: Wenn hier öfter von der FAZ als Systemzeitung oder MSM geredet wird, dann stimmt das für den Umgang mit der AfD (die Ursache habe ich noch nicht genau herausgefunden, bin aber dran), aber nicht für den Umgang mit Merkel und der Migrationspolitik. Einfach die Zeitung auch mal lesen und die vielfache Aufnahme dort von Depenheuer et. al. (15 weitere Staatsrechtler: Der Staat in der Flüchtlingskrise), zum Teil sehr anschlussfähige Positionen, sind aber als Professoren auf renommierten Lehrstühlen qua amt Mainstream und „Verfassungsschützer“. Diese Ressource sollte man übrigens stärker nutzen gegen VS-Drohungen (etwa bei AfD, Identitären).
Stephan
04. September 2016 22:31
Nach vier Stunden Unterhaltung und gegenseitigem Rechtgeben reichte meiner Kennengelernten die Bemerkung "ich bin kein Linker" zum schnellen Abbruch. Sie schwärmte daraufhin von Australien, sagte, Deutschland sei so fremdenfeindlich, ganz im Gegensatz zu Australien, wo sie sich wohler fühlte. Mir fiel die Kinnlade herunter. Das war zum Höhepunkt der australischen Rückführungs- versus der deutschen "no-nation-no-border"-Politik.

Ich fürchte, es ist nicht selten, dass sich die Linken in eben jene "Kompetenzfestungen" (Heinsohn) - also UK, Australien, USA, Schweiz et al. - zurückziehen, deren Einwanderungspolitik der von ihnen selbst für Deutschland geforderten diametral entgegengesetzt ist.
Eine kleine Verschwörungstheorie dazu: ich finde es auffällig, wie gering die Kritik unserer Politiker und Medien an diesen Kompetenzfestungen ausfällt. Sehen sie da vielleicht ihre eigenen Rückzugsräume?
Maximilian
04. September 2016 22:34
@ ML
Fragen über Fragen. Die Antwort, oder was sie dafür halten, haben sie meist explizit oder implizit schon mitgeliefert: Die Gesamtlinke als geschlossenes Elektorat will freilich die "große Flutung" des Landes, um sich damit ein neues islamisiertes Volk zu erwählen. Das eignet sich nämlich besonders gut, zur Erschaffung des total befreiten Neuen (Gender) Menschen. Sie wagt natürlich nicht die Islamkritik, weil sie vor ihrem neuen islamistischen Gendervolk Angst hat. Reaktionäre Abweichler wie Wagenknecht bekommen die Zahl des Tieres tätowiert und dann ab nach Sibirien. Diese Antwort dürfte sie befriedigen.

M.L.: Für einen angeblichen Linken gar nicht so schlecht, aber Sie tasten sich ja noch vor auf dem rechten Weg, weiter so! Ihre These, daß sich ausgerechnet ein islamisiertes Volk zur Erschaffung von Gendermenschen eignen soll, ist vielleicht noch ein klitzekleinesbißchen revisionsbedürftig...

Ansonsten: Bekennen sie sich erstmal zu den Menschenrechten,

M.L.: Harhar!

und dann erkläre ich ihnen alles gerne per Mail, Chat, persönlich oder auf sonst einer Plattform, wo eine sachliche Diskussion möglich ist (Kommentarspalte für Grundsatzfragen bissl schlecht).

M.L.: Danke, das reicht mir einstweilen, kommen Sie gern wieder, sobald Sie sich zum ethnopluralistischen Europa der Vaterländer bekannt haben...
Monika
04. September 2016 22:39
Zunächst einmal Danke für die vielen sehr persönlichen Beiträge.
Ich vermisse etwas die Stimmen der Frauen.
Seit der massiven Übergriffe an Silvester in Köln und der zahlreichen Übergriffe auf Frauen und Mädchen danach ist meine Schmerzgrenze überschritten. Da gibt es nichts zu entschuldigen , zu relativieren, zu beschönigen. Wenn das von Frauen kommt, verschlägt es mir regelrecht die Sprache.
Ich erwarte einfach eine spontane Empörung und Solidarisierung. Da verläuft meine Trennlinie.
Ein Erlebnis ungefähr im Januar in einer Pizzeria. Am Nebentisch heftige Diskussionen über Silvester in Köln. Es geht hin und her. Plötzlich höre ich eine attraktive Frau empört rufen:" Das ist ein Unding, was da passiert ist. Ich habe zwei Töchter. Das kann man nicht hinnehmen. Wenn das so weiter geht, werde ich sogar NPD wählen ". Geschockte Runde.
Eine alte Freundin von mir, die selbst von "südländischen Typen" verbal übelst beleidigt wurde, hat mir die Freundschaft gekündigt, als ich sagte, dass ich AFD wählen würde. Begründung: Ich passe nicht in ihren weltoffenen Freundeskreis. Und nicht alle Ausländer und Flüchtlinge seien so.Hatte ich auch nicht behauptet.
Eine Nachbarin macht vor Angst völlig dicht. Bei uns in der Stadt hatte es eine Vergewaltigung gegeben. Übergriffe hätte es auch früher schon gegeben. Und es gäbe keine Alternative zur Integration der jungen Männer. Dann muß man sich halt noch mehr kümmern.
Erschreckt hat mich auch eine Situation in einem Park in Freiburg. Eine Frau in Niqab saß neben einheimischen Müttern am Spielplatz auf der Bank. Ihr Kind spielte mit den anderen Kinder. Das schwarze Gespenst saß wie ein Fremdkörper zwischen den anderen Müttern.
Uch weiß nicht, ob es zu einem Gespräch mit den anderen Müttern kam. Ich würde es jedenfalls nicht aushalten, neben einer Mutter zu sitzen, deren Gesicht ich nicht sehen kann. Würde ein Gespräch suchen oder gehen.

Überlebensstrategien: Ich vermeide inzwischen Kontakte zu Leuten, bei denen ich Themen aussparen muß. In der Familie werden politisch heikle Themen ausgeblendet.
Das ist natürlich unbefriedigend. Es gibt aber auch Überraschungen. Wo jemand plötzlich den Mund aufmacht, von dem man es nicht gedacht hätte.
Troja wird brennen (2)
04. September 2016 23:00
Sehr geehrter Herr Lichtmesz, Sie schreiben

„Ich möchte unsere Leser bitten, mir in der Kommentarfunktion ihre in dieser Hinsicht haarsträubendsten, traurigsten, erhellendsten, ermutigendsten, lustigsten Erfahrungen zu schildern.“


Nachdem viele der bisherigen Kommentare zwar sehr erhellend, hilfreich und treffend sind, so sind es doch meist summarische Bilanzen von Lebenserfahrungen mit Linken.

Ich habe gezögert, aber jetzt will ich doch einen erst kürzlich persönlich erlebten, sehr konkreten Einzelfall an Sie absenden. Er zeigt wohl, was viele hier an anderen Beispielen schon dargelegt haben, dass es mit diesen antirechten Linken absehbar keinen Dialog geben kann, der zu einem gemeinsam Verständnis führt.



Sittenpolizei auf Streife (ein Bericht)

In M. und Umgebung gibt es Baggerseen, die im Sommer zum Baden, Grillen, Spaziergehen und Sporteln einladen. Neulich an einem Samstagvormittag, Anfang August, war ich im mäßigen Dauerlauf um einen See herum unterwegs. Es war zu dieser Tageszeit noch nicht viel los, obwohl die Sonne warm herunterschien.

Die Türken und andere als solche erkennbare, ja riechbare und hörbare Ausländer - oder muss ich sagen „Menschen mit Migrationshintergrund“? -, die normalerweise im Juni und Juli in großen homogenen Gruppen mit viel Hausrat die Grillplätze an den Wochenenden besetzen, erwachsene Frauen nicht selten bei größter Hitze dunkel verschleiert, waren wie üblich im August mit ihren Kindern wohl im langen Urlaub in ihren Heimatländern.

Jetzt war ein spürbare Ruhe am See eingekehrt, er „gehörte“ wieder einmal weitgehend den Einheimischen. Und dazu gehörte es bisher, dass selbst an den Baggerseen, wo es keine ausgewiesene FKK-Zone gibt, deutsche Frauen, nicht zuletzt älteren Baujahrs, mit freiem Oberkörper baden bzw. ihren entblößten Körper auf der Liegewiese sonnen, was nach meinem Empfinden nicht immer der Ästhetik zur Ehre gereicht, um mich richtig zu verstehen. Je älter desto züchtiger, ist meine spießige Meinung.

Bei meinem Dauerlauf bin ich eine Zeitlang hinter zwei Männern getrabt, an denen mir als erstes die Aufschrift „Security“ auf beider Jacke auffiel. Irgendwie passte das ganze Bild aber nicht. Bei meiner nächsten Runde um den See sah ich nun ein älteres Spaziergängerpaar, das seine Aufmerksamkeit auf eine etwa 25 Meter entfernte Situation nahe am Ufer richtete. Ich schaut auch dorthin und sah die beiden merkwürdigen „Security“-Männer wie sie – sozusagen von oben herab – auf eine auf der Decke sitzende blonde, am Oberkörper entblößte deutsche Frau mit frei hängenden Brüsten, etwa 60 Jahre alt, einredeten.

Was mir optisch, selbst aus der Entfernung, am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist, war der offene, sprachlose Mund der deutschen FKK-Frau; ich nenne sie mal so. Noch nie zuvor war für mich die Redensart, dass jemandem „die Kinnlade heruntergefallen“ ist, so treffend wie hier, wenn ich an die Frau mit dem offen stehenden Mund denke, der es vermutlich in all den Jahren bisher nicht in den Sinn kam, dass sie sich beim Sonnenbaden unsittlich verhalten würde.

Es war nicht zu übersehen und zu überhören, dass die beiden „Security“-Leute massiv auf die Frau einredeten, jedenfalls der eine, während der andere wie eine Drohkulisse eng dabei stand. Und ich bekam schnell mit, dass sie ihr klarmachten, dass ein entblößter weiblicher Oberkörper an diesem See auf der Wiese unerwünscht sei.

Die Frau befand sich etwas abseits von den wenigen anderen Badegästen alleine auf ihrer Decke. Ich glaubte spontan, der Frau helfen zu müssen und ging näher und redete die beiden Typen an, was sie sich wohl einbilden würden, hier die Sittenpolizei spielen zu wollen, sie sollten bitte schön diese Frau in Ruhe lassen. Irgendwie lag sofort eine Stimmung von Feindseligkeit in der Luft.

Als dann der jüngere von den beiden, man verzeihe mir jetzt meine Worte für dessen Beschreibung, weil sie wohl von meinen Vorurteilen geprägt sind. Als dann also der jüngere, der Wortlose, mich stumm und provozierend fixierte, wollte ich auch provozieren. Ich sagte daher zu diesem Typen, den man sich vorstellen muss, wie einen 25jährigen, fetten, dunkelbärtigen, muslimischen HartzIV-Empfänger in langer Schlafanzughose, sie sollten in ihre Heimatländer zurückgehen, wenn sie „Scharia-Polizei“ spielen wollten und nicht hier in Deutschland deutsche Frauen einschüchtern; - und was überhaupt diese Anmaßung mit der „Security“-Jacke bedeuten solle. - „Scharia-Polizei!“, als ich diesen Begriff für mich gefunden hatte, wiederholte ich ihn mehrmals vorwurfsvoll, ich hatte wohl einen Nerv bei den beiden getroffen. Sie verstanden, was ich ablehnend meinte.

Der ältere der beiden, der etwa 50jährige, wohl etwas jünger als ich, der recht gut Deutsch reden konnte, kam einen Schritt auf Armeslänge auf mich zu, quatschte irgendetwas herum, dass er mir eine Telefon-Nummer geben könne, wo ich in der Stadtverwaltung oder bei der Polizei anrufen und mir bestätigen lassen könne, dass sie beide echte „Security“-Leute seien, oder so ähnlich. Unverständlicher Quatsch. Das interessierte mich überhaupt nicht mehr zu diesem Zeitpunkt. Und das alles spielte sich direkt an der Liegedecke der Frau ab, die nach wie vor wortlos dasaß.

Kommen wir zu meinem unrühmlichen Ende:

Daraufhin wendete sich der Ältere von dieser zweiköpfigen „Scharia-Polizei“ wegen meiner konfrontativen Argumentation fast schon Unterstützung suchend, aber doch auch fordernd, an die Frau, gegen mich. - Und das einzige, was ihr einfiel, zu sagen, war, und sie meinte mich: „Das ist natürlich Blödsinn, was der redet.“

Ja, das hat sie gesagt. Da hatte ich nun mein Fett weg. Naja, diplomatisch war es allerdings nicht, was ich vorher so von mir gegeben hatte. Ich kann unter Stress schlecht argumentieren. Ich weiß nicht, was ich danach noch sagte, viel war es nicht. Ich winkte ab und setzte meinen Dauerlauf fort.

M.L.: Am besten wäre gewesen, zu den beiden zu sagen: "OK, sie gehört euch, Leute!", umdrehen und weggehen, während die Scharia-Polizei sie weiterhin disst.

Fazit und Schlussfolgerung:
Möglicherweise ist die FKK-Frau, der ich gegen die selbstermächtigte „Scharia-Polizei“ beistehen wollte, eine von den supertoleranten und bunten Welcome-Refuges-Jublerinnen, kam mir später in den Sinn. Und ich, der sich mit seiner Argumentation als Rechter geoutet hatte, war halt in ihrer festgeprägten linken Vorstellung nur der „Böse“. Ich hätte wahrscheinlich diskutieren und ein buntes Verständnis zeigen sollen.

Doch wenn ich an das starre Bild ihrer heruntergefallenen Kinnlade denke, dann weiß ich, dass sie sich nie mehr entspannt mit freiem Oberkörper alleine am Baggersee sonnen wird, so wie sie es vermutlich mit Selbstverständlichkeit bisher all die Jahrzehnte getan hatte.

M.L.: Haarsträubende, aufschlußreiche Geschichte.
Trouver
04. September 2016 23:00
Gewaltorgie der Antifa und die kreschende Hysterie der Lückenagitprop in MV sind überwunden!

"Sieger" SPD verliert and die Patrioten einen Sitz.

Die Union - zwei.

Die Linke - drei.

Die Grünen - alle.

HOCH!
Claudia
04. September 2016 23:02
Gestern Abend Besuch von einem Freund, Psychoanalytiker. Es war keine rationale Auseinandersetzung zu erwarten (die hatten wir neulich schon, da hatte er den 3sat-Beitrag mitgebracht um mir vorzuführen, welch schrecklichen Ideen ich seit geraumer Zeit anhinge, damals war seine alle Argumentation zerstörende Diagnose, ich sei ja "gefangen in einer Angstspirale"). Es war keine naive emotionale Abwehr zu erwarten (dafür habe ich zwei andere Freundinnen, die eine warf mir schreiend vor, ich wolle sie am Ende "ausrotten und vernichten", die andere bat mich mit Tränen in den Augen, bitte nie wieder über Politik zu sprechen, das packe sie seelisch nicht).
Es war viel schlimmer mit meinem Freund, dem Psychoanlytiker: Verständnis.
"Du, wenn du das Gefühl hast, mit deiner Weltanschauung mal nicht mehr fertig zu werden, dann kannst du dich immer an mich wenden."
Ich darf aufzählen, was ich allein an diesem Abend alles war, allein durch meine Konversion zum rechten Denken: mehrere Male "hysterisch", einer "Masche" aufgesessen (so ungefähr: eine Zeitlang hatte ich es irgendwie mit der Kirche, dann mit dem Garten, dann kam die Küche, und jetzt das neueste hysterische Thema), es sei "schade" um mich als Intellektuelle und Freundin, daß ich meine Zeit so vergeude (mit solcher Lektüre, Bekanntschaften, Bloggen, Texteschreiben), ich hätte irgendetwas ganz Tiefes nicht aufgearbeitet (er könne mir gern dabei helfen), ich hätte ganz sicher keine Ahnung, welchem Gedankengut ich da anhinge ("Weißt du, was das für Leute sind, da in Schnellroda? Weißt du, was der Kubitschek eigentlich macht?" "Hast du schonmal Bücher aus dem Verlag gelesen?"

M.L.: Da wäre die passende Gegenfrage gewesen, wieviel Antaios-Bücher er denn schon gelesen hat, daß er glaubt, er könne mitreden...

"Weißt du eigentlich, was faschistisch ist?"), oh, und ich wäre sexuell frustriert (danke, mein Mann saß daneben) und suchte mir jetzt in der rechten Szene Kompensationsobjekte (da mußte ich eher grinsen).
Er hörte mir kopfnickend zu, therapeutisch aktives Zuhören ("Ja, erzähl weiter, ich höre, das beschäftigt dich"), und ich gewann mehr und mehr den Eindruck, er höre einem schweren Fall von akuter Psychose zu.
Sein Urteil kam wie ein Fallbei: ich wäre verführt worden zu einer psychotischen Weltsicht, und könne mich nimmer selber daraus befreien, weil diese Weltsicht in sich geschlossen sei. Sobald ich Einwände erhob, nickte er wieder kummervoll, jaja, das sähe ich jetzt alles so, und dafür gäbe es tieferliegende Gründe. Ich versuchte, mir bewußt, daß der Abend vollends im "Gaslighting"enden würde, noch ein paar wütende Angriffe, u.a. woher er diese himmelschreiende Arroganz nähme. "Du bereitest mir solchen Schmerz mit deiner Weltanschauung, dieses Gefühl darf ich doch haben?" Ja, meinethalben. "Ich bin nicht arrogant. Ich muß dir nur meinen Schmerz spiegeln über den Verlust, den du mir bereitest." Ach der Arme. "Versuchst du nicht, mit diesen rechten Ideen einen ganz großen Sinnverlust in deinem Leben zu kompensieren? Erzähl mir mehr, wann das angefangen hat." Als dann mein Mann anhob, an meiner statt zu erklären (!), warum ich eigentlich umsonst studiert hätte, wenn ich jetzt so dächte, und ich leider an falsche Freunde geraten sei, diesen polnischen Arbeitskollegen mit seinen nationalistischen Vorstellungen zum Beispiel ..., und der Analytiker einhakte: "Was, ein Pole denkt nationalistisch? Obwohl Polen besiegt worden ist? Ach ja, das kennt man als Stockholm-Syndrom",

M.L.: Oh Mann, das offenbart eine erschütternd gigantische historische Ahnungslosigkeit bezüglich der Psychologie des Nationalismus...

da hielt es mich nimmer in dieser hoffnungslosen Gesellschaft, die über mich sprach wie über den "Indexpatienten", der in einer familientherapeutischen Sitzung mit dabeisitzen muß.
Türenschlagend ("Wißt ihr übrigens was? Ich bin physisch anwesend!!!") verließ ich die Wohnung, und bin lange Zeit durch die nächtlichen Straßen Wiens gerannt, um mich wieder einzukriegen.

Eine Tugend zum Überleben in einer polarisierten Gesellschaft ist, psychologischen Versuchen, einen systematisch in den Wahnsinn zu treiben, um am Ende mit der Diagnose "Wahnsinn" recht zu behalten, die Stirn bieten zu können.

Ich habe selten so viel gelernt über Menschen in meinem Leben wie in dem Jahr seit dem letzten Sommer.
Thomas Wawerka
04. September 2016 23:09
Ich frage mich in letzter Zeit, wie es überhaupt zu dieser grotesken Situation kommen konnte, dass politische Ansichten eine so überragende Rolle spielen - so überragend, dass sie Freundschaften, Familien und andere Loyalitäten zu spalten vermögen. Natürlich gibt es ein paar auf der Hand liegende Gründe, aber auch ein paar nicht sofort sichtbare.
Einstmals hat man deutlicher zwischen dem öffentlichen Bereich und dem Privatleben unterschieden. Im öffentlichen Bereich hatte man das Heer, die Kirche und das Staatswesen, und dann noch die Parteipolitik als das am wenigsten ehrbare Geschäft - irgendwie notwendig, aber nichts, wessen man sich sonderlich hätte rühmen können. Und im Bereich des privaten Lebens hatte die Politik erst recht nichts zu suchen.
Heutzutage ist die Politik wie eine Art Krebs über alle anderen Bereiche metastasiert (was bei genauerer Betrachtung eine seltsam gegenläufige Entwicklung zu den realen Bedürfnissen ist, denn die Grundinteressen sind ja ausgemittelt, es geht selten um mehr als Feindeinstellungen).

M.L.: Ja, das ist ein Punkt, der mir auch stark auffällt, und mich immer wieder von neuem frappiert. Das ist nämlich auch ein Zeichen, wie stark die Menschen politisch kontrollierbar geworden sind, so sehr, daß private Loyalitäten, sogar zur eigenen Familie, sekundär geworden sind.

Alles ist politisch aufgeladen und aufgeheizt worden, zu guter Letzt ist auch noch das Private politisch ... und die "politische Meinung" wird zum billigen und erbärmlichen Ersatz für die persönliche Haltung, Charakter, Tugend; ein Armenkleid, das die Nacktheit nur notdürftig verdeckt.
Nachdem ich kurz davor war, meine noch bestehenden Beziehungen zu Roten, Grünen und anders gefärbten Gutmenschen abzubrechen, habe ich mich mit Gottes Hülfe eines Besseren besonnen und weise diese Versuchung mit zunehmender Entrüstung von mir. Wer bin ich denn, dass ich mich auf einen so verächtlichen Prozess der politischen Instrumentalisierung einlassen sollte?!
Irgendwo las ich letztens das Wort vom "zoon politikon als einer Balkanidee", eine schöne Schelte, die mir die Augen geöffnet hat. Hab mir wieder mal nicht gemerkt, wo ich's gelesen habe - schade drum, ich bemerke immer erst nach einiger Verzögerung, was ein Artikel in mir auslöst, welche neuen Erkenntnisse und Sichtweisen er mir bringt und hätte gern darauf verlinkt. Ein andermal vielleicht ...
Gott befohlen!
Willkommenskulturlos
04. September 2016 23:53
Vervollständigung von
Willkommenskulturlos
Sonntag, 4. September 2016, 3:01

Es ist fürs Buch hilfreich, die Gruppen der Systemlinge zu bezeichnen.

Die 1. Gruppe hat Eigennutz als Schwerpunkt – das sind also idiotische VERBRECHER.

Die 2. Gruppe hat idealistische Vorstellungen (Religion, bunte Utopie, humanistischer Imperativ usw.) – das sind verbrecherische IDIOTEN (nützliche Idioten des Systems).

Die 3. Gruppe führt in politischer Hinsicht ein pflanzliches Leben – sie reagiert nur wenn sie persönlich betroffen ist. Das sind die PASSIVEN.
Irrlicht
04. September 2016 23:59
@Michelle
Nur deshalb, weil ich eine in fast allen Punkten diametral entgegengesetzte Ansicht habe. Als Präsupposition fungiert bei Ihnen die Annahme, das System sei grundsätzlich von innen her reformierbar, weshalb Sie sowohl für die Akzeptanz und Inanspruchnahme der üblichen politischen Diskursregeln (polemische, moralisch hyperventilierende Argumentation, Hypermoralisierung, NS-Vergleiche, etc.) bei gleichzeitiger inhaltlicher Zurückhaltung z.B. in der Bewertung der FAZ plädierenn (ein Rezept, das Gruppierungen außerhalb des Mainstreams seit Jahrzehnten erfolglos praktizieren).

Die Flüchtlingskrise ist nicht das erste Mal, dass die FAZ der verbreiteten Unzufriedenheit publizistischen Ausdruck gibt, selbiges war in der Eurokrise, in der die Politik der Bundesregierung von einem Teil der Elite abgelehnt wurde (und wird), der Fall. Die Lucke-AfD mit ihrer anfangs breiten medialen Präsenz bezeugt das Unbehagen zumindest eines Teils der Elite mit dem System. Und wie schon in der Eurokrise wird die FAZ keinen Schritt weiter gehen und erfüllt, ob intentiert oder nicht, damit eine bloße Ventilfunktion. Es ist in beiden Fällen, der Euro- und der Flüchtlingskrise, nämlich fraglich (im Fall der Eurokrise weniger), ob die Politik dieser oder einer personell anders besetzten Bundesregierung innerhalb dieses Systems bei derartigen Kernfragen überhaupt innenpolitisch wesentlich beeinflussbar ist.
hildesvin
05. September 2016 00:06
@ Wandersfrau: Von "der Manichäer Ketzerei"(Kortum) bzw. "Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht"(Orwell) halte ich ja sehr wenig. Aber es gibt durchaus Fragen, die mit "Ja, ja" oder "Nein, nein" zu beantworten sind - was darüber hinaus ist, das ist von übel.
Stephan
05. September 2016 00:10
P.S.
Generell gilt natürlich: als "Böser" nie Emotionen zeigen. Ich bin überrrascht, dass manche wegen ihrer politischen Meinung tatsächlich Freunde oder Arbeit verlieren (von den krassen Denunziationen abgesehen). Vielleicht habe ich Glück mit meinen Freunden oder der Firma oder Branche, in der ich tätig bin, aber ich habe keine einzige Freundschaft verloren aufgrund meiner Meinungen, und ich halte mich nicht zurück.

Hier, vielleicht für die Jüngeren, ein paar Selbstverständlichkeiten. Seien Sie generell defensiv. Geben Sie keine Stichworte. Als ich von der Schule kam, war ich auch mal unfreiwillig und unbewusst links - die Leute warten darauf, "getriggert" zu werden und themenferne, selbstaufwertende Monologe loszutreten. Wenn Ihnen kein gutes Gegenargument einfällt, gestehen Sie das ein: "Ja, das ist ein gutes Argument. Lass' mich mal überlegen" und warten Sie. Nehmen Sie die Aggressivität aus dem Thema, die die Heiko Maas und Heute Shows Ihren Freunden einhämmern wollen. Das geht natürlich nur, wenn Sie sich vorher nicht emotional verrannt haben. Noch einmal, bleiben Sie defensiv, wägen Sie ab, z. B.: "Schick' mir doch einen Artikel, der dich überzeugt hat, den lese ich dann und wir reden darüber. Ich konnte bisher nichts finden, das mich von meiner Meinung abgebracht hätte" (ein subtiles Kompliment an das Gegenüber, das es vielleicht sogar nur unterbewusst wahrnimmt).
Wenn Sie die Gegenseite als wütenden "Untermenschenork aus dem braunen Sumpf" (Lichtmesz) sieht, tun Sie ihr nicht den Gefallen, lassen Sie nichts eskalieren, erst recht nicht mit Freunden, Sie gewinnen sonst nichts, Sie suchen Verbündete, keine Feinde. Diskutieren Sie nicht vor Publikum, ziehen Sie keine Shows ab, die darauf hinauslaufen, dass Sie oder die Gegenseite gedemütigt wird. Kein von Ihnen Gedemütigter stellt sich danach auf Ihre Seite. Wenn Sie persönlich angegriffen werden, machen Sie den persönlichen Angriff erst explizit, bei Wiederholen brechen Sie ab - diskutieren Sie nicht mit Leuten, die Sie beleidigen, sonst machen Sie sich selbst lächerlich. Die Typen, die mit den Beleidigern geifern, können Sie vergessen, das sind armselige Mitläufer, die spielen keine Rolle. Wenn Sie ein Argument oder eine ganze Diskussion gewonnen haben, geben Sie der Gegenseite Ausweichmöglichkeiten - verzichten Sie auf den Triumph, demütigen Sie niemanden, vor allem nicht öffentlich: "Ich habe das bis vor Kurzem noch genau so gesehn, dann...".

Beim Thema Asyl sollte man schwammige Argumente um Identität, Kultur oder die Vorteile ethnischer Homogenität gar nicht erst aufgreifen. Stattdessen die stolz präsentierten Interessen der Gegenseite - also "Humanität" und Weltretten - gegen sie verwenden und auf die Ineffizienz (e. g., vor Ort würde das Geld das Zehnfache erreichen), Ungerechtigkeit (nur die relativ reichen, kräftigen, der dominanten Religion angehörigen Männer schaffen's*) und den Zynismus (wenn man die Leute wirklich holen wollen würde, würde man das EU-Gesetz abschaffen, das das Besteigen von Flugzeugen ohne Papiere für's Aufnahmeland verbietet. Die Leute hingegen auf Sandalen durch die Sahara und auf Gummiboten durch's Mittelmeer zu schicken, ist menschenverachtend**) der jetzigen Politik abzielen.

Die Tage hab' ich's so geschafft, dass einer sich wirklich aggressiv (!) auf den Standpunkt zurückgezogen hat, Politik müsse man nach Gefühl, nicht nach Zahlen, Statistiken (die ich parat hatte), schlicht Vernunft, machen. Die Zuhörer hatte ich wohl auf meiner Seite, vor allem weil er sich in persönlichen Angriffen verrannte, die ihn Gesprächszeit und Konzentration kosteten. Die Angriffe muss man nur für die Zuhörer explizit machen und nicht erwidern, schon hat man gewonnen. Und mit dem "Gegner" konnte ich freundlich auseinandergehen.

Piece of cake. Zur Übung: Facebookkommentare der Gegenseite lesen und spontan (!) gedanklich Gegenreden formulieren. Wenn Sie Probleme haben, ihre Meinung zu verteidigen, sollten Sie Ihre Meinung verfeinern, vielleicht sogar überdenken, anstatt dogmatisch zu werden.


* Hier kann man auch gleich das naive Täter-Opfer-Weltbild der Bestmenschen umkehren, indem man z. B. Quellen zitiert, die von diesen Leuten qua starrer Weltanschauung ernst genommen werden müssen, etwa:
In der Studie heißt es, mehr als 80 Prozent der christlichen Flüchtlinge seien in den Erstaufnahmeeinrichtungen Schikanen durch muslimische Flüchtlinge ausgesetzt. Besonders stark betroffen seien iranische und afghanische Konvertiten, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. Für die Studie wurden 231 christliche Flüchtlinge zwischen Februar und April 2016 von Open Doors befragt.

Quelle: SPON

** solche Begriffe auf die Gegenseite anzuwenden, ist natürlich ein Homerun.
Franka Frey
05. September 2016 00:17
Hallo Herr Lichtmesz,

Seit vielen Jahren bin ich tragendes, d.h. Literatur vorschlagendes Mitglied eines Literaturkreis in einer bekannten deutschen Universitätstadt, dessen Mitglieder sich eher dem linksliberalen Milieu zurechnen lassen, sich aber gleichzeitig für sehr freidenkend halten. Seit genauso vielen Jahren leide ich unter den unterschwelligen kognitiven Dissonanzen, die im Laufe des vergangenen Jahres für mich nicht dann mehr zu ertragen waren, da immer von einem Konsens ausgegangen wurde, dem ich zunehmend widersprechen musste. Unsere letzten heißen Diskussionen bezogen sich auf den ethnische Identität, wobei die Dekonstruktivisten wortführend waren, wie es eben zum Linkssein gehört. Am 20. April diesen Jahres kam es dann zu einer klärenden Abschiedssitzung. Der Literaturkreis existiert nun nicht mehr und zu den zwei wahren Freigeistern - auch wenn sie eher links sind -pflege ich weiterhin offen als "Rechte" freundschaftlichen Kontakt und anregenden Austausch.

Ich hänge Ihnen meine Abschiedsrede an:

Abschiedsrede am 20. April 2016

Ihr Lieben, heute werden wir zum letzten Mal in genau dieser Runde zusammen sein. Die Gründe meines Ausscheidens hatte ich Euch in meiner Mail bereits dargelegt. Da Ihr Euch jedoch eine gemeinsame Abschiedsrunde gewünscht habt und ich mich über diese Ehre freue, sind wir heute noch einmal in gewohnter Zusammensetzung hier.

Wahrscheinlich habt Ihr Euch über das Vokabular und die Anspielungen in meiner letzten Mail gewundert. Es war von "Abschlusskneipe" und dem Erscheinen "im vollen Wichs" die Rede, Begriffe aus dem Milieu der Burschenschaften. Ich habe außerdem auf den Geburtstag des "Führers" angespielt, dessen Feiern ich als Verdacht ausgeräumt sehen wollte, weil er sich aus dem heutigen Datum ergeben könnte.
Vielleicht habt Ihr gedacht: Was soll das denn, will sie uns jetzt den Böhmermann machen? Doch die Verwendung reaktionären Vokabulars und die Anspielung auf rechtsextreme Feierlichkeiten ist nicht so weit hergeholt, wie es scheinen mag. Auch das Private ist politisch und in diesen Tagen muss sich all das dem Verdacht des Rechtsextremismus ausgesetzt sehen, das nur im Entferntesten auf eine Solidarität stiftende Tradition besteht.
So steht z.B. die Deutschrock Band "Freiwild" aus Südtirol seit Jahren unter diesem Verdacht, da sie ihre Texte auf Deutsch schreibt und diesen Umstand heroisiert. Die Solidarität stiftende Institution, die bei "Freiwild" unter dem Verdacht des Rechtsextremismus geraten ist, ist somit schlicht unsere deutsche Sprache, die in den Augen der Dekonstruktivisten ein Konstrukt ist und damit einen zu hinterfragenden Anspruch auf Festschreibung ihrer Existenz besitzt.
Wird diese Existenz allerdings verteidigt, liegt der Verdacht nahe, der Ausschluss und damit die Diskriminierung "Nicht-Deutsch-Sprechender" sei damit beabsichtigt.
Ebenso geriet Ende Januar der Deutsche Handballbund nach dem Sieg der Deutschen Mannschaft bei den Europameisterschaften, in den Ruf AfD-Politik zu betreiben, sprich völkisch zu sein, da sich in der Nationalmannschaft keine Spieler mit Migrationshintergrund finden ließen.

Wir sind ein Lesekreis, der sich nur aus ethnisch deutschen Mitgliedern zusammensetzt. Auf Grund dieser Tatsache müssen wir uns dem Generalverdacht des Rassismus ausgesetzt sehen.

Dass es sich bei unserem Kreis inzwischen um eine Institution handelt, hat mir Eure Empörung bzw. Enttäuschung darüber gezeigt, dass und wie ich mich der Gruppe entziehen möchte. Eure Reaktionen lassen darauf schließen, dass Ihr unsere Runde als eine Einrichtung seht, aus der man sich nicht so einfach per Mail schleichen kann. Der Lesekreis scheint sich eben doch von einer Verabredung zu einem gemeinsamen Saunabesuch zu unterscheiden, auch wenn der Saunabesuch alle sechs bis acht Wochen stattfände.

Was genau aber ist nun der Lesekreis? Gibt es ihn überhaupt? Ist er nicht ebenso nur ein Konstrukt, ein Gespinst, an dem jeder von uns ein wenig mitstrickt in der Meinung, es gäbe zusammen einen ganzen Pullover? Erzählt nicht jeder von uns den Aussenstehenden von "seinem" Lesekreis und meint damit doch nur etwas, das ohnehin nur für ihn und für niemand anderen in dieser Form existiert? Das fängt schon beim Gegenstand an, den zu lesenden Büchern. Sie sind die conditio sine qua non eines jeden Lesekreises - kein Lesekreis ohne Bücher. Wir lesen diese Bücher ein jeder für sich allein daheim, zuweilen nur halb. Es kommt sogar vor, dass wir noch nicht einmal denselben Text lesen wie bei der "Kartause von Parma", da verschiedene Übersetzungen im Umlauf sind. Ohnehin liest ein jeder nur das, was er versteht und was ihn anspricht, mit den ganz eigentümlichen Assoziationen, die in jedem von uns durch den Text in unseren jeweils individuell einmaligen neuronalen Depots geweckt wurden, den Depots, in denen die nur uns eigenen Erfahrungen und unser Wissen gespeichert sind - das Wenigste davon wirklich bewusst abrufbar.

Im Grunde liest eben ein jeder für sich allein und es gestaltet sich nicht immer einfach, darüber in einen wirklichen Austausch zu treten.
Vielleicht hat auch darum dieser Austausch manchmal recht wenig Raum in unseren Sitzungen eingenommen. Zuweilen blieb es bei einer diffusen gemeinsamen Begeisterung oder auch der Ablehnung eines Buches.

Die Konstruktion Lesekreis bezieht sich jedoch nicht nur auf die Bücher, die wir dem Anschein nach gemeinsam lesen, sondern auch auf die zweite conditio sine qua non, die Leser. Der Lesekreis konstituiert sich durch die lesenden Personen von denen unabhängig er nicht existieren kann. Einen Lesekreis ohne Leser gibt es ebensowenig wie einen Lesekreis ohne zu lesende Bücher. Sowenig wie es einen Staat ohne Staatsvolk und ohne definiertes Staatsgebiet, sprich Grenzen geben kann.

Mit den teilnehmenden Personen verhält es sich wie mit den Büchern. In der subjektiven Perspektive ist der Lesekreis für jeden von uns ein anderer. In meinem Lesekreis befinden sind z.B. zwei Freunde die ich seit über 20 Jahren unabhängig von unserer Runde kenne.

Nimmt man eine Außenperspektive ein, stellt sich die Frage welcher Art die Veränderung sein müsste, die zur Folge hätte, den Lesekreis nicht mehr als einen solchen oder als eben diesen bezeichnen zu können.
Ließe man die zu lesenden Bücher weg, handelte es sich nicht mehr um einen Lesekreis auch dann nicht mehr, wenn dieselben Personen sich zum Singen oder Essen träfen.
Bei der personellen Zusammensetzung stellt sich die Frage, ob es zu seiner Auflösung ausreichte, wenn einer der Teilnehmer ihn verließe und durch eine andere Person ersetzt würde? Wäre der neu zusammengesetzte Lesekreis noch derselbe oder schon ein anderer Lesekreis?
Ab welchem Prozentsatz an Austausch der Mitglieder wäre er ein anderer? Es handelt sich hier um eine Variante des philosophischen Paradoxons vom "Schiff des Theseus": Wieviele Teile eines Schiffs kann ich ersetzen, ohne dass das Schiff seine Identität verliert? Wenn ich bei einem Messer zuerst die Klinge und danach den Griff ersetze. Handelt es sich noch um dasselbe Messer?

Es lässt sich feststellen, dass der Lesekreis zwar ein reines Konstrukt ist. Allerdings ist er als eines zu betrachten, das doch gewisse Züge einer Institution, eines dauerhaften Musters menschlicher Beziehungen aufweist.

Im Verlauf den letzten Jahres war für alle unübersehbar festzustellen, dass die traditionellen Institutionen, in denen wir leben und die uns als schützende Hüllen dienen, in Verruf geraten zu sein scheinen und sich teilweise bewusster Zerstörung ausgesetzt sehen.
Die Verteidigung der traditionellen Familie und der Nation, deren Demontage seit Jahrzehnten schon mehr oder weniger subtil betrieben wird, gilt inzwischen als reaktionär und wird ganz offen angefeindet. Stimmen, die Familie und Nation verteidigen möchten, werden auf einen Platz am äußeren rechten Rand unseres politischen Spektrums verwiesen. Vermehrt fällt in diesem Zusammenhang sogar der Begriff des Rassismus mit neuer Konnotation.
Nicht nur das Abwerten des Fremden, des im ursprünglichen Sinn eigentlich nur fremdrassigen, gilt als rassistisch.
Inzwischen wird bereits der Wunsch des Erhalts des Eigenen mit diesem Begriff belegt.

Ich gehe davon aus, dass in Bälde auch Lesekreise, wie der unsere darunter fallen werden. Migrantenquoten werden auferlegt werden, wenn sie nicht schon geflissentlich im vorauseilenden Gehorsam von selbst erfüllt werden. Das wäre fatal und final und würde die Existenz eines Lesekreises tatsächlich bedrohen, denn es könnte sich herausstellen, dass der kleinste gemeinsame kulturelle Nenner das Weihnachtslied "Stille Nacht, Heilige Nacht" wäre, das man zudem vielleicht nur auf Englisch gemeinsam zu singen in der Lage wäre.
Alles andere an bislang gemeinsamer kultureller Basis wäre heraus zu kürzen und damit auf lange Sicht für alle verloren. Wer möchte sich schon alle sechs bis acht Wochen treffen, um "Stille Nacht, heilige Nacht" miteinander zu singen, zumal auch die Jahreszeit oft die falsche wäre und durch das Wegfallen der zu lesenden Bücher, der Lesekreis ohnehin nicht mehr bestünde.
Die ideologischen Weichen hierfür sind bereits gestellt und wir müssen damit rechnen, dass irgendwann der Druck des Rassismus-Verdachts ohnehin zu groß werden wird.
Der typische Deutsche Lesekreis kann heute nur noch als unzeitgemäßes Relikt betrachtet werden, als etwas, das sich längst überlebt hat.
Er wird sich gezwungen sehen, ein anderer zu werden oder sich aufzulösen.
Ich möchte uns jedoch als mein persönliches Konstrukt eines deutschen Lesekreises in bester Erinnerung behalten und Euch darum heute verlassen.

M.L.: Vielen Dank, eine schöne und auch etwas traurige Rede.
Karl Brenner
05. September 2016 00:29
Ja. Ein guter Text. Man muss aufpassen und flexibel bleiben. Mal so und mal so.
Nietzsche schrieb: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei (selbst) zum Ungeheuer wird."

Von guten Mächten wunderbar geborgen... Dietrich Bonhoeffer
https://www.youtube.com/watch?v=bXfiTEOODek
Stephan
05. September 2016 00:36
@Claudia:

Echt?! Das ist nicht echt?! Wirklich?! Himmel!!


M.L.: "Gaslight", die britische Version von 1940:
https://www.youtube.com/watch?v=SPcYkxmhGs0
Besetzter
05. September 2016 01:17
Den Tagesschaugläubigen erzähle ich immer meine Erlebnisse mit dem Gesundheitswesen in Deutschland. Die Zustände sind ja inzwischen auf dem Niveau eines Schwellenlandes oder noch darunter.
Danach schildere ich auch noch gerne meine Erfahrungen aus einem längeren Auslandsaufenthalt in einem Land, das in der Tagesschau als Drogenkriegsland dargestellt wird. Ich mich dort aber sicherer fühlte als in der Heimat.
Wenn dann das Gegenüber von seiner Angst vor dem schröcklichen Nazigespenst erzählt, breche ich inzwischen das Gespräch ab, mit der Bemerkung, was wäre ohne den Untotesten aller Zeiten, die Tagesschau müsste Ihn ja erfinden, so oft wie wir davon erzählt bekommen.
B. Lorbeerkranz
05. September 2016 03:18
Herr Lichmesz,
einiges aus meinem Leben:

Bruch mit meiner engsten Freundin (hatte relativ rotpillige Ansichten im Thema Mann-Frau):
Ich fragte sie nach Köln, wie sie eine Politik unterstützen könne, die ihr als Wahl-Münchnerin und Schwester, als Frau, Schaden zu fügte. Fragte konkret, wie sie den missbrauchten Frauen in die Augen schauen könne, wissend, dass sie dieses mitgetragen hatte.
Sie begann mich als Nazi zu bezeichne und als wohlstandsverwöhntes Scheißkind - es ging los, Programmierung startete, sie machte dicht. Ich war nun der Feind. Ich war sprachlos. Ich bin vieles aber wohlstandsverwöhnt und behütet gehörtet nicht dazu. Ich merkte, dass sie ganz eindeutig projizierte. Witzig ,wie ich später lernte aus VoxDay: „SJW always lie“ - Linke projizieren.
Lehre war: Egal wie tief die Freundschaft, das Programm siegt, wie bei Jason Bourne.

Universität: Es wurde versucht von einer SPD-Hochschulpolitikerin mich aus meiner damaligen Verbindung werfen zu lassen, was diese ernsthaft debattierten, diese Cucks. (Uniwechsel, aber aus anderen Gründen)
Insgesamt gehe ich jetzt an der Uni auf Tauchfahrt, bin aber Hochschulpoltisch aktiv um alle Linken und cuckservativen Pläne zu untergraben in dem ich shille (Mit Position und Argumenten die ich gar nicht vertrete und gut finde, meist das entweder noch linkere und klassisch-liberale Argumentationen, eine Position beschießen und zu zerstören ohne Flagge zu zeigen.).

Privat kenne ich einige Kryptorechte, wir teilen Links und versuchen uns zu treffen, sind aber leider räumlich getrennt.
Die jungen Kryptorechten sind eher von Richtung Manosphere, bzw. 4chan Trolls, also eher Angloamerikanisch beeinflusst, kenne meist auch die deutschen Neurechten nicht (können aber etwas mit Jack Donavan anfangen), wer könnte es Ihnen verübeln.
Sie denken auch sehr frei und würden sich keiner Propagandaorthodoxie unterwerfen wie die Identitäten, (Gute Jungs und Mädels, aber nix für die meinen) wenn auch für die vermeintlich "höhere Sache", keine Kompromisse.
(Diese Bekanntschaften sind nicht gezielt, sondern durch Zufall im echten Leben entstanden und auch nicht durch deutsche Manosphere treffen entstanden.)

Die deutschen Neurechten sind für eher verkopft und NICHT lustig. Ich bin in der Alt-Right mehr unterwegs. Die Jungs sind lustig, für eine Heizwertwitz nicht zu Schade und ihre Memes sind dank (super).
Das bisschen Krautchan ist eher lala, Sören und sein Mett, naja. Und dieser Loli-Müll, ekelhaft.
Die Amis haben Podcasts und Trollkampagnen, für jeden ist etwas dabei von Richard Spencer bis zu TRS, eine ganze mediale Alternative, eine richtige Gegenkultur in die ich dann zu Hause eintauche. Die Jungs von TRS werben mit POZZ free Media und das bekommt man auch.
Von Richard Spencer bis zu TRS, eine ganze mediale Alternative, eine richtige Gegenkultur in die ich dann zu Hause eintauche. Die Jungs von TRS werben mit POZZ free Media und das bekommt man auch.

Früher bin ich gern angeeckt, war gerne streitbar und wollte Normalos missionieren. Heute denk ich mir das Meiste. Die Polarisation der Gesellschaft erlebe ich persönlich nicht mehr bewusst, kenne wenige Normalos besser und interessiere mich nicht für deren Meinung. Ich bin in gewisser Weise aus der Bunten Republik Gesellschaft geistig ausgestiegen. Ich gehe meinem Studium nach, pflege meine sportlichen Aktivitäten und nehme am Gesellschaftlichen Leben teil, doch geistig bin ich woanders. Ab und zu wenn mich die Lust ergreift gehe auf Trollraubzüge gegen Linke in sozialen Netzwerken zum Beispiel im Twitterfeed von Kolja Bonke , dieses erfüllt mich mit großer Freude.
Das wars.
Sumpfbewohner
05. September 2016 04:45
@Thomas Wawerka, aber auch ML
Der Grund in diesem Falle scheint mir zu sein, daß es um 'Rechte' geht.
Womit wir - ML verzeihe - wieder bei der religiösen Dimension sind: Dem modischen Volksglauben an einen negativen Gott (Der Rechte/Nazi/Hitler), von dem aus bzw. gegen den sich ALLES definieren müsse.
Da ist dann impliziert, daß es eine Scheidung zwischen privat und öffentlich nicht mehr geben kann.
Hieraus erklärt sich auch sowohl die völlige Unzugänglichkeit der solcherart Gläubigen wie die gelegentlichen hysterischen Reaktionen - aber auch das Phänomen, daß Leute in der Sache konservative Meinungen vertreten, aber dennoch unbeirrbar das Parteienkartell weiterwählen
Fazit: Es bedarf für den Umgang mit der anderen Seite Kenntnisse der Psychiatrie und der Missionswissenschaft.
(@Claudia: der klassische Fall also, wo man sagen könnte, der Psychiater ist der Patient ...)

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch an den kürzlichen TAZ-Artikel erinnern über den Versuch, als 'gute' Berlinerin in einem 'Naziidorf' bei einer anderen 'Guten' einen Apfelkuchen essen zu wollen und wie dies bereits körperlich unmöglich wäre, weil man an blonden Braunbiobäuerinnen vorbei müsse, dann über Spielzeugpanzer stolpere und schließlich tuschelnde Männer nach der vermutbaren Wehrsportübung in den Blick bekäme, und all deren offene Freundlichkeit endgültig bei 'guten Menschen' das Hinunterschlucken des Kuchens verhindere ...
Wahnhafte Beobachtungen, wahnhafte Reaktionen. Die Kommentare nach meiner Erinnerung teils von gleicher Sorte.
Der Artikel ist mittlerweile zurückgezogen, weil man wohl die Identifikation der 'Guten' im Dorfe fürchtete. Als wenn das in dem Dorf nicht wahrscheinlich vorher schon jeder gewußt hätte. Also Wahn über Wahn.
(@Stephan: Sie Glücklicher, daß Sie offenbar noch keine solchgearteten - bevorzugt weiblichen - Zirkel erlebt zu haben scheinen. Haben Sie noch nie die Roth agieren sehen? Das ist kein Einzelfall, sondern nur ein besonders vollendetes Exemplar.)

Es sollte zwingend in dem zu erzeugenden Handbuch ein Kapitel für Ratschläge von konservativen Psychiatern reserviert werden.

Herr Wawerka, ich helfe Ihnen zudem gerne bei der Erinnerung, obgleich Ihr Zitat uns höchst unfreundlich ist:
"Zoon politikon - ein griechischer Mißgriff, eine Balkanidee! Wer für die politische Welt plädiert, kann das nur als Caprice tun,"
(Gottfried Benn, Der Ptolemäer; Kapitel "Der Glasbläser",1947; neben mir liegt als Ausgabe: Cotta's Bibliothek der Moderne 72, dort S. 117)

Noch ein Erlebnis zu meiner o.a. Liste:
Ca. 2001. Ein Bekannter hat in einem absolut friedlichen Viertel einer Kleinstadt einen Laden. Der ist eines Tages ausgeraubt bis auf die Mauern. Er macht natürlich Anzeige.
Wenige Wochen später findet die Polizei - zweifelsfrei identifizierbar - ein Teil des Diebesgutes 1000 km entfernt. In einem Zigeunerlager.
Der Bekannte zieht sofort die Anzeige zurück. Auf meine entgeisterte Nachfrage: "Das geht doch nicht!! Mit ner Anzeige würde doch sämtliche Vorurteile bestätigen!" Damit war er pleite.
Heute tiefstgrüner Biobauer am Rande des Existenzminimums.
Fazit - wie hier schon oft diagnostiziert: Überzeugte sind wahrscheinlich unheilbar. Und Überzeugte biegen lieber die Realität mit der Brechstange als ihre Überzeugungen.

Fällt übrigens auch anderen auf, daß wir hier reihenweise Beiträge von Namen haben, die ich bisher noch niemals bei SiN gelesen habe? Erschließen Sie, Herr Lichtmesz, hier gerade die Katakomben der stillen Leser?

M.L.: Hoffentlich!
Ch.
05. September 2016 06:04
Früher konnte ich mit meinen linken Freunden noch hitzig diskutieren (hat sogar spaß gemacht), heute geht es nicht mehr. Sie sind glitschig geworden:

-Wir leben doch alle zusammen auf diesem Planeten...
-Wir müssen Global denken (Thema Umwelt)
-Jeder kann (muss!) doch in kürzester Zeit überall sein/leben/arbeiten

Die schweben schon gar nicht mehr im hier u jetzt, die sind schon ganz woanders...
Meier Pirmin
05. September 2016 06:08
@Wawerka. Klar, dass Sie als Pfarrer die Linken nicht abschreiben dürfen.

Stelle sonst fest, dass meine Voraussage von Sonntag kurz vor Mittag, dass die AfD knapp über 20% komme und dass die Wahl vor allem auf Kosten der mit Merkel solidarischen Grünen gehe, richtig war. Hingegen hätte ich der SPD nicht mehr 30% zugetraut, dachte eher, jenes Wählerpotential könnte der Union zukommen. Hätte nicht vermutet, dass es mit "nur" 21% für die AfD noch zum 2. Platz reicht. Auch die NPD hatte ich mit gegen 4% auf dem Radar, es ist erstaunlich, dass die AfD von der SPD netto mehr geholt hat als von den angeblich Ganzrechten (Konservative stehen als Föderalisten eigentlich rechts von der NPD). Das Überlaufen der vielen SPD-Wähler sollte auch zu denken geben, nicht als Anpassung an die SPD-Politik, aber als Feststellung, dass man mit einer "Politik für die Besserverdienenden" in der Art von Lucke und Henkel die Wähler nicht abholen kann. Alfa soll 0,3% eingefahren haben.


Dass die AfD in MV nur 500 Mitglieder hat und jeder 30. jetzt im Parlament sitzt, finde ich bedenkenswert. Die 21% sind auch sensationell, weil in der Schweiz die SVP in Kantonen, wo sie erstmals antrat, nie auf Anhieb so viel geholt hat, obwohl von Blocher her Geld für den Wahlkampf vorhanden war. Später kam sie auf 30%, also das Niveau, womit die SPD heute in Mecklenburg Vorpommern regieren kann. Der Einfluss der SVP auf die Schweizer Regierung ist mit zwei Ministern vergleichsweise immer noch äusserst schwach, sie kann die Einwanderungspolitik nicht bestimmen, die Volksabstimmung vom Februar 2014 wird systematisch unterlaufen. Dies zeigt, dass direkte Demokratie ohne parlamentarische Mehrheit objektiv wenig ausrichtet. Auch der Brexit ist leider noch nicht gegessen.
Ufi
05. September 2016 08:48
Zu meinem obigen Eintrag (Samstag 17:04) ist noch zu ergänzen, dass der beschriebene Vorfall in einer süddeutschen Stadt an Absurdität kaum zu überbieten ist:
Der Mann, der uns auf dem Weg zu einer (AfD-)Veranstaltung vollkommen respektlos fotografierend "empfangen" hatte mit den Worten "das ist meine Stadt, Sie sind nicht willkommen", war nicht nur Spitzenkandidat der Linken in einem anderen Wahlkreis und mit einem wiederum anderen Wohnsitz, sondern auch Organisator einer Gegenveranstaltung, welche - man höre und staune - unter dem Motto "Frieden, Willkommen und Respekt für alle" stand (auf der auch der CDU-Bürgermeister eine Rede hielt).

Absurdes Theater.
Bran
05. September 2016 09:09
Als ehemaliger radikal-Linker anarchistischer Färbung hatte ich nicht so grosse Mühe, meinen Schwenk politischer Art auf ähnlich radikale Art zu vollziehen, als ich endlich lernte, die Realität als das anzusehen, was sie ist: gnadenlos und von unseren Wünschen, Ideen und Illusionen gänzlich unbeeindruckt.

Ich verlor Freundschaften durch meine Umkehr, andere haben sich aber eher gefestigt, weil man sich gegenseitig schätzt und einige der links-kuschelig gebliebenen Freunde es schätzen, dass man sich auch noch gegenübersitzen kann, obschon die Meinungen sich geändert haben.

Was mir an den Linken schon immer aufgefallen ist: Linkssein ist wie ein warmer, liebgewonnener Schlafsack, aus dem man sich ums verrecken nicht zerren lassen will. Zu gemütlich ist es dort drin, gibt es doch in diesem Schlafsack eine ganze Parallellwelt, in der oben unten ist, alle sich lieb zu haben scheinen und man immer auf der Seite des absolut Guten steht (...just as every cop is a criminal and all the sinners Saints, as head is tails just call me... fällt mir in letzter Zeit häufiger ein bei dem ganzen linken Gerede, aber das ist halt der Katholik in mir). Ich glaube, es hilft, wenn man eine Neigung zum Radikalen hat, aus der linken Blase zu finden. Ich habe muffige Schlafsäcke auf die Dauer nie gemocht. Ich mag es immer wieder, zwischendurch in den kalten Wind geworfen zu werden.

Wenn ich mal ne Seelenmassage brauche, kann ich einfach in die Kneipe im Dorf gehen und mich dort an den Stammtisch setzen. Dort hat es echte Leute, Arbeiter und Arrivierte, die einfach ohne grosse Theoriebildung wissen, was wahr und richtig ist, dabei geprägt von einem tiefen Gerechtigkeitsempfinden, aber auch gnandenlos realistisch.

Was Claudia weiter oben erzählt hat, hat mich schockiert. Wenn meine Partnerin so über mich anfangen würde zu reden mit einem "Freund", in unserem gemeinsamen Haus, dann wäre sie danach meine Expartnerin. Ein solcher Loyalitätsbruch kann für mich unmöglich akzeptiert werden. Aber vielleicht ist das falsch und auch ich bin schon tief in diesem sich ausbreitenden Denken der Trennung gefangen. Jedenfalls erinnert mich dieses um sich greifende Brechen mit alten Beziehungen aufgrund des Politischen an ältere und unheilvolle Texte:

"Brüder kämpfen und bringen sich Tod, Brudersöhne brechen die Sippe; arg ist die Welt, Ehebruch furchtbar, Schwertzeit, Beilzeit, Schilde bersten, Windzeit, Wolfszeit, bis die Welt vergeht- nicht einer will des andern schonen."
A.H.
05. September 2016 09:11
Mir ist es ähnlich ergangen, wie so einigen Vorrednern.
Auch wenn man die Fakten knallhart schleudert und glaubt, der Gegenüber müsse doch nun "umfallen", passiert dies manchmal nicht.
Darum schwinge ich bei den Betroffenen inzwischen die Ironiekeule. Steter Tropfen...wirkt.

In manchen Lebenslagen bin ich der Meinung:
Schweigen ist manchmal die lauteste aller Antworten.
Nicht so in der Politik.
Dort finde ich es wichtig regelmäßig, unerschütterlich, unermüdlich, stoisch zu berichtigen, zu verteidigen, zu kämpfen, Antidot verteilen.

Meine scurrilsten Erlebnisse war die , nach meiner artikulierten AFD Wahl, vor ein paar Monaten.
Zwei Freunden, die zunächst schockiert waren, bemerkten nach meiner Argumentation, wie uninformiert sie waren. Da es auch viele Überschneidungen ihrer Erfahrungen mit den meinen gab.

Eine sehr junge Kollegin , deren Bruder offensichtlich in der linksextremen Gesinnung beheimatet ist, sagte mir : " Dafür würde dich mein Bruder aufklatschen."
Darauf erzählte ich ihr ein paar Fakten, die sie wohl von ARD und ZDF noch nicht gehört hatte. Dann wurde sie sehr kleinlaut und sagte, sie interessierte sich nicht so für Politik.
Ich antwortete, sie dürfe gern ihrem Bruder die Tatsachen berichten.
Wir haben nie wieder über Politik geredet.

Aber zu unser aller Erleichterung kann ich sagen, 80% der Menschen sind meiner Meinung. Ich komme beruflich täglich ein paar Menschen emotional sehr nahe. Nicht selten entstehen dadurch auch offene Gespräche über Politik.

@ Sumpfbewohner
Ja, scheint so. ;) Wir werden hier nicht oft gelesen. Aber wir lesen. Und folgen einer netten Einladung.


Weitermachen! ;)
Gustav Grambauer
05. September 2016 09:12
Thomas Wawerka, M. L.

Heidegger nehmen sie noch viel mehr als seine Nazi-Mésalliance übel, daß er es war, der die Philosophie wieder aus der Polis rausgeholt hat.

Der "Sozialkonstruktivismus" macht erst in seiner ketzerischen Umstülpung so richtig Spaß: wenn man das Zoon Politikon und die Polis als die eigentlichen "Konstrukte" zu erfassen beginnt.

"Das Private ist politisch" ist eine der Grundlagen eines Zuchtprogramms für einen speziellen Zombie-Typus, der noch seiner eigenen Mutter auf dem Sterbebett gegenüber seinen hypermoralisch aufgeladenen Fanatismus ausleben soll, der (in korrekter Schreibweise:) "Soziale Gerechtigkeit Krieger" (leider nur auf Englisch):

https://en.wikipedia.org/wiki/Social_justice_warrior

Ein Großteil der Typen, mit denen die Reibung hier geschildert wird, hat sich von seinem Mensch-Sein bereits mehr oder weniger zum Stadium des Klons in diesem SJW-Zuchtprogramm heruntertransformiert.

Ich beobachte sehr stark, wie eng politische Positionen mit habituellen, kulturellen und vor allem charakterlichen Formen in Wechselwirkung stehen, und wie dies - aus meiner Sicht - wohl der eigentliche Grund für die Risse durch so viele Familien, Freundschaften usw. ist.

- G. G.
Monika
05. September 2016 09:17
Überlebensstrategien in einer polarisierten Gesellschaft:
auch auf die Nachbarn schauen, wie die auf Deutschland schauen:
eine Außenspiegelung wirkt stabilisierend :
Leserkommentar im heutigen Le figaro:

Populistes! Pouah! Et si les journalistes appelaient ces galeux des "nationaux".
Des nationaux qui ont le sens de la valeur de leur Histoire - toute l'Histoire - , qui savent ce qu'il a fallu d'efforts collectifs pour créer une civilisation, une culture, une langue, une science, une industrie, une agriculture, une indépendance, un art de vivre. Et qui refusent qu'en quelques années, cette civilisation soit détruite.
Vivent les "populistes". Il ne faut plus dire " prolétaires, etc." mais "populistes de tous les pays unissez-vous."
Et voir Mme Merkel disons "dépitée", moins arrogante, quelle joie.


in :
http://www.lefigaro.fr/international/2016/09/04/01003-20160904ARTFIG00142-allemagne-le-parti-d-angela-merkel-vaincu-par-les-populistes.php?pagination=27#nbcomments

Zusammen ist man weniger allein ...
Herr X
05. September 2016 09:45
Ich bin in einer westdeutschen Großstadt als Beamter in einer gehobenen Stellung tätig.
Gleichzeitig bin ich aber zeit meines Lebens überzeugter Nationalist.

Dies bedingt beruflich erhebliche Probleme, denn ich würde in der real existierenden BRD sofort aus dem Dienst entfernt (entlassen) und meiner bis dahin angearbeiteten Pensionsansprüche verlustig, würde meine politische Weltanschauung bekannt werden.

Insofern ist es erforderlich schlau wie ein Fuchs zu agieren. Gegenüber der Kollegenschaft äußerich ich mich nicht politisch; nur zu ganz wenigen Kollegen und Kolleginnen äußere ich mich politisch. Und zwar zu denen, die eine ähnliche - wenn auch nicht ganz so konsequente / radikale Weltanschauung haben - wie ich. Leider sind die meisten Kollegen jedoch durch die alltägliche Gehirnwäsche mittels Presse, Funk und Fernsehen zu BRD-Systemlingen mutiert; es hätte gar keinen Sinn seine berufliche Existenz für diese Leute zu opfern.

Trotzdem ist in mir ein geradezu brennender Wunsch mich politisch zu betätigen; auch mal auf eine Anti-Asyl-Demonstration zu fahren, mich an öffentlichen Diskussionen zu beteiligen, etc.

Das wirklich traurige Dilemma ist, dass ich ohne Übertreibung wirklich ein Talent habe "gute Reden" zu halten; ich könnte für unsere Sache überzeugend auftreten. Leider ist mir dies wegen der nicht vorhandenen Meinungsfreiheit für Beamte in der BRD nicht möglich.

Trotzdem engagiere ich mich in anderer Hinsicht.
Ich verteile jede Woche rund 200 Flugblätter; dies schon seit Jahren. Ich besuche kleinere Zusammenkünfte um den Kontakt mit den Gleichgesinnten zu halten, und durch die Existenz der AfD, die (noch?) nicht vom Verfassungsschutz überwacht wird, ist es mir nun auch erstmalig möglich mich "legal" politisch zu betätigen. Und diese AfD geht zumindest in die richtige Richtung, wenn sie mir auch noch in vielen Bereichen nicht genug an die Wurzel des Übels geht; sie docktert leider noch zu sehr an den oberflächlichen Problemchen der BRD herum.

Nun ja, würde sie den Kern ansprechen hätte es sich aber leider auch erledigt und wie würde überwacht werden - ein Teufelskreis.

Ihr Freunde hier, die ihr euch zumindest im BRD-Rahmen "legal" politisch betätigen dürft, ihr ahnt gar nicht, wie sehr ich euch beneide. Aber leider kommt wirklich erst das Fressen und dann die (nationale) Moral. Und manchmal schäme ich mich dafür.

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Beamte und Angestellte es im öffentlichen Dienst gibt, die so denken wie ich, aber noch gezwungen sind, sich in diesem Feindesumfeld als Maulwürfe und "innere Widerstandskämpfer" zu betätigen und zu leben. Und ich komme mir manchmal in dieser antideutschen BRD wie lebendig eingemauert vor.
Der_Jürgen
05. September 2016 10:05
Martin Lichtmesz hat mit seinem Anruf den Anstoss zu einer der bisher nteressantesten Debatten auf diesem Forum überhaupt gegeben. Noch ein persönliches Erlebnis, das zu den Erfahrungen vieler anderer Foristen passt.

In den neunziger Jahren diskutierte ich in der Schweiz mit einem (gemässigten) Linken, von Beruf Lehrer, über die Ausländerfrage. Dabei kamen wir auf die Kosovaren zu sprechen. Laut polizeilicher Statistik wurde damals jeder fünfte junge männliche Kosovo-Albanier in der Schweiz kriminell (wobei Lappalien wie illegaler Aufenthalt nicht als "kriminell" eingestuft wurden).

Auf mein Argument, wir brauchten in der Schweiz keine Bevölkerungsgruppe mit einem derart hohen Anteil an Rechtsbrechern, konterte der Linke, der Statistik zufolge seien 80% der jungen Kosovaren ja nicht kriminell, und ein Zuwanderungsstop wäre deshalb diskriminierend. Ich fragte ihn, ob er gerne in einer Schulklasse unterrichten würde, wo fünf von dreissig Schülern nur auf die erstbeste Gelegenheit lauerten, ihm seine Aktentasche oder seinen Mantel zu klauen, und ob er gerne in einer Schweiz mit mehreren hunderrtausend Kriminellen leben würde.

Es gebe unter den Kosovaren doch Facharbeiter und andere Menschen, die der Schweiz zum Nutzen gereichten, war sein folgendes Argument. Ich reagierte mit der Gegenfrage, ob denn diese Positionen nicht durch Schweizer oder besser integrierbare Ausländer wie Italiener besetzt werden könnten.

Nun zieh er mich des "Rassismus", da ich eine ganze Volksgruppe als genetisch anfällig für Kriminalität anprangere. Nein, das tue ich nicht, erwiderte ich. Die hohe Kriminalitätsrate unter den Albanern sei historisch bedingt, sie hätten sich seit Jahrzehnten bei ihren Nachbarvölkern einen Ruf als Räuber verschafft und diese Tradition offenbar exportiert.

Ich argumentiere wie ein typischer Rechter, indem ich Kollektivurteile fälle, warf er mir vor. "Was tust denn du? Du wirfst alle Rechten in einen Topf, indem du ihnen Kollektivvorteile unterstellst, und pflegst somit selber ein solches", war meine Antwort.

Nun warf er das Handtuch und brach die Diskussion unter einem Vorwand ab.

Und das war ein zivilisierter, diskussionswilliger Linker. Wenn schon ein solcher nicht bereit war, seine Position zu überdenken, wie kann man das dann von einem Antifanten erwarten?
Ostelbischer Junker
05. September 2016 10:23
Über die Flüchtlingsgeschichte wird bei uns im Freundeskreis kaum noch gesprochen, auch in der Familie nicht. Es ist aberzählt, man kennt die Argumente und kann das gegenüber damit nur noch langweilen. Der Gorilla sitzt also wieder unbeachtet auf der Schaukel.

Daher wagte ich es gestern einem Freund gegenüber (Seeheimer, aber gerade deswegen ein anregender, satisfaktionsfähiger Diskutant) den ,,NSU" als das zu bezeichnen, was er ist: ein Schwindel, erfunden von BKA und GBA.
Der war vollkommen aus dem Häuschen, ich war wieder auf unterster Naziuntermenschenstufe angelangt. Konnte ihn überzeugen, sich eine Stunde vor dem PC mit mir einige NSU-Akten durchzulesen. Der war Baff. Ein wichtiger Baustein seines Narrativs zerfiel zu Staub (Denk doch nur an den NSU - wir müssen diesen armen Teufeln jetzt einfach helfen!).
Nebenkriegsschauplätze sollten nicht unverteidigt bleiben.

@ Martin Lichtmesz: Dürfte ich sie und die Redaktion fragen, warum gerade das Thema NSU so stiefmütterlich, ja gar nicht hier auf der Sezession behandelt wird? Die Akten liegen auf dem (virtuellen) Tisch. Warum verwandelt ihr ein so sicheres Ding nicht?

M.L.: Na, damals als die Sache am Kochen war, haben wir ja recht viel dazu gebracht, auch schon früh Zweifel angemeldet (hier und hier). Seither ist viel neues Material aufgetaucht, die Geschichte ist allerdings auch wieder etwas von der Bildfläche verschwunden... wir beraten darüber.
Nürnberg 2.0
05. September 2016 10:32
@ Paul:
»...und die konsequente Abgrenzung gegenüber Leuten wie Horst Mahler, Ursula Haverbeck und anderen unbelehrbaren.«

»Das Christentum hat einige Feinheiten auf dem Grunde, die zum Orient gehören.
Vor allem weiß es, daß es an sich ganz gleichgültig ist, ob etwas wahr ist, aber von höchster Wichtigkeit, sofern es als wahr geglaubt wird.
Die Wahrheit und der Glaube, daß etwas wahr sei: Zwei ganz auseinanderliegende Interessen-Welten, fast Gegensatz-Welten - man kommt zum einen und zum anderen auf grundverschiedenen Wegen.
Hierüber wissend zu sein, das macht im Orient beinahe den Weisen.«

Friedrich Nietzsche »Der Antichrist« Ziff. 23
Sabine
05. September 2016 10:34
BRD live:

http://lap-minden.de/1217-2/

Man glaubt es kaum, und doch ist es wahr!!!
Stefan
05. September 2016 10:36
Zu erst einmal: ich bin kein Rechter. Ich würde mich eher als klassischen Linken bezeichnen. Klassisch im Sinne von Kritik an den Herrschafts- und Klassenverhältnissen. Ich bin auch nicht national gesinnt. Allerdings habe ich ein unverkrampftes Verhältnis zu der Tatsache, dass ich Deutscher bin. Ein wesentlich unverkrampfteres Verhältnis, als es hier im Land üblich ist. Und das ist wiederum darauf zurückzuführen, dass ich einen Teil meiner Jugend in Kanada verbracht habe. Da hatte ich die Wahl, entweder schamhaft zu verstecken, dass ich Deutscher bin, oder andere unter Androhung von Schlägen darauf hinweisen zu müssen, dass ich zwar Deutscher, aber kein Nazi bin. Ich habe die zweite Wahl getroffen.
So habe ich das weiterhin in meinem Leben - das ich weithin im Ausland verbracht habe - gehalten. Seit vier Jahren (davor war ich 15 Jahre in Russland), bin ich wieder in Deutschland, in einer kleinen Stadt in Südhessen und es war ein Kulturschock. Mein Erstaunen und mein Unglaube angesichts solcher Tatsachen wie:
1. Helikopterelterntum
2. Gabe von Psychopharmaka an (männliche) Kinder, damit sie "ruhiger" werden
3. Schwachsinn wie der Girls Day in einem Land, das keine Lehrlinge mehr in der Metallindustrie findet
3. Kinderlosigkeit, wüster Konsumismus
4. absehbarer Kontrollverlust in den Großstädten, wo bis zu dreiviertel aller Kindergartenkinder migrantischer Herkunft sind -
haben mir die volle Dosis dessen spendiert, was meine Vorredner so wortreich geschildert haben. Wer Zweifel an der Richtung äußert, in die sich dieses Land bewegt (eher Huxley als Orwell, aber auch eine Dosis des zweiten), kann nur ein Nazi sein.
Mittlerweile halte ich die Klappe. Nur manchmal noch lasse ich durchscheinen, was ich so denke. Wobei ich für die meisten "Rechten" auch nichts übrig habe. Ich für meinen Teil kann die Muslime hier sehr gut verstehen, wenn sie mit dem allgemeinen Wahnsinn in der deutschen Gesellschaft nichts zu tun haben wollen. Nichts mit Totalsexualisierung, Homoehen und dem, was ihnen hier als deutsche Kultur vorgelebt wird. Mein Vorgesetzter ist ein moslemischer Türke, der den Ramadan einhält. Aber er setzt sich dafür ein, dass in unserer Firma gläubige Christen ihre Feiertage freibekommen (Schichtbetrieb, die Maschinen müssen laufen). Von seiner Sorte gibt es einige mehr, wie jeder weiß, der in der deutschen Industrie arbeitet.
Meine Kritik an den hiesigen Verhältnissen überschneidet sich also nur teilweise mit dem Gedankengut der anderen Emailschreiber. Doch das nützt mir gar nichts. Wer im herrschenden Justemillieu auch nur die Frage stellt, wie man eine Million integrieren will, wenn man es schon nicht schafft, die Gettoisierung der Innenstädte zu verhindern, der kann nur ein radikaler Fremdenfeind und Nazi sein. Selbst wenn man darauf hinweist, dass es nicht wenige Türken gibt, die das ähnlich sehen.
Wie kann man also auf diese Gesellschaft einwirken? Eindringen, wie ein
schleichendes Gift. Anders leben an kleinen Beispielen zeigen, dass man anders denkt. Offen etwas sagen, nützt nichts.
Im Übrigen sehe ich darin den Nutzen des "unpolitischen" Teils der Sezession, der mich auch als einziges interessiert. Die "Linken" (ich weigere mich die Mehrheit von ihnen als "links" zu sehen - sie sind in Bezug auf Deutschland Nationalisten mit umgekehrtem Vorzeichen) haben sich mehrheitlich auf die Seite der Herrschenden begeben und sind damit unfähig geworden eine fundamentale Kritik zu üben. Diese Kritik, dieses Denken sind wichtig, um auf lange Sicht die Weichen in eine andere Richtung zu stellen.
Meier Pirmin
05. September 2016 10:53
@Grambauer. Wundere mich, dass Sie bei Heidegger die Sprachregelung "Nazi-Mésalliance" verwenden, erstens schon wegen dem rein polemischen Ausdruck, Sie nennen Kommunisten auch nicht Commies, zu denen übrigens Dutzende bedeutender und ernst zu nehmender französischer, spanischer und italienischer Philsophen zeitweilig gehörten, auch natürlich Osteuropäer und Ernst Bloch (Tübingen), den ich noch gehört habe. Wesentlich ist: Heidegger und auch Gottfried Benn haben vorübergehend "etwas geglaubt", ein einziges Mal in ihrem Leben, und dieser Glaube war im Sinn von Heideggers Philosophie ein "Entschluss", d.h. ein irrationaler Versuch der Sinngebung. Anders ausgedrückt: die deutsche Revolution als Sinngebung des Sinnlosen. Es war keine Mésalliance, sondern systemkonsequent, obwohl "Sein und Zeit" ideologisch mit dem Nationalsozialismus selbstverständlich nichts zu tun hat.



Wäre Heidegger scholastisch-katholisch-thomistisch geblieben, sein Verhalten 1933/34 wäre bloss opportunistisch gewesen, in seinem Fall aber war es eine Folge des grundsätzlichen Irrationalismus der existentialistischen Philosophie. Einer Un-Philosophie. Aus dem selben Entschluss hätte er natürlich, wie die Mehrheit der französischen Existentialisten, genau so gut Kommunist werden können. Was der rechte Heidegger "Entschlossenheit" nannte, hiess bei den französischen linken Philosophen "Engagement". So war es auch beim katholischen Rekonvertiten Gabriel Marcel. Eben der sogenannte Sprung in eine Weltanschauung, über die man sich zu wenig Gedanken macht, wie vernünftig sie sei.


Heidegger war ein grosser Sprachkünstler. Aber ein grosser Philosoph war er wohl nicht. Mit Bolzano oder oder auch nur Kamlah hätte er diskursiv nicht mithalten können, er war ohnehin ein schwerfälliger Debatter. Zu seinen bedeutendsten denkerischen Leistungen gehört trotzdem, was er über "das Man" geschrieben hat in Sein und Zeit. Hätte er das ernst genommen, die sog. Mésalliance, wie Sie es nennen, wäre ihm nicht passiert, so wie Jünger immerhin Jünger nach 1933 konsequenter Nichtmitmacher blieb. Dass er nicht mal die Einladung annahm, im Rundfunk zu lesen, lässt mich über E.J. am meisten erstaunen. Für einen Autor von heute gibt es keine wichtigeren Termine als z.B. Fernsehtermine.

M.L.: Interessant, aber beim Thema bleiben, bitte!

Sie sprechen die Ausländerdebatte in der Schweiz an. Da war ich mutmasslich vor Ihnen schon mittendrin. Gelegentlich kritisieren Sie mich, weil ich Ihnen zu gemässigt, zu bürgerlich, zu konservativ vorkomme, wenigstens was die Debatte hier betrifft. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwierig es war, in der Schweiz vor 1970, z.B. im Frühjahr 1969, einen Ausländerstop nur bloss nicht auszuschliessen. Da bekam man es gleich mit der braunen Keule zu tun. Erst als die Initiative von James Schwarzenbach, von mir aus gesehen tatsächlich ein Rechtsradikaler mit intellektuellem Hintergrund, am 7. Juni 1970 mit um die 47% Ja-Stimmen beinahe angenommen worden war, blieb das Tabu dann für längere Zeit gebrochen. so dass sich mit der Zeit auch die vorher sehr behäbige Schweizerische Volkspartei des Themas annehmen konnte. Christoph Blocher war übrigens ein Gegner von Schwarzenbach und fährt im Hinblick auf Ausländer noch heute eine betont gemässigte, wirtschaftsfreundliche Linie. Er hat gute Gründe, sich mit der mehr etatistisch-nationalistischen Marine le Pen nicht gemein zu machen und hielt es auch nicht mit dem exzentrisch nationalistischen Jörg Haider.
Thomas Wawerka
05. September 2016 11:10
Sumpfbewohner: Herr Wawerka, ich helfe Ihnen zudem gerne bei der Erinnerung, obgleich Ihr Zitat uns höchst unfreundlich ist:
„Zoon politikon – ein griechischer Mißgriff, eine Balkanidee! Wer für die politische Welt plädiert, kann das nur als Caprice tun,“
(Gottfried Benn, Der Ptolemäer; Kapitel „Der Glasbläser“,1947; neben mir liegt als Ausgabe: Cotta’s Bibliothek der Moderne 72, dort S. 117)


Ach, ich denke eigentlich nicht, dass es so unfreundlich für uns ist. Sehen Sie, so ein politisch aufgeheizter, polarisierter, hysterisierter Mensch, von der und für die Politik vereinnahmt, der jedes Gespräch auf die migrationspolitische Gretchenfrage hinbiegt, mit PI-Zitaten um sich wirft und bei jeder Gelegenheit losschwadroniert - das ist doch ein arg beschränktes, zweidimensionales Wesen. Als Eiferer macht man keine gute Figur.
Das hat direkt mit Lichtmeszens Frage zu tun. Ich versuche - mittlerweile, mit den oben genannten Phänomenen bin ich durch - im Gespräch mit den Zeit- und Volksgenossen von meiner persönlichen Höhe herab zu reden, nicht versteckt unterm Mäntelchen des Politischen. "Was ich nicht verstehe: Wie kannst du nach den Ereignissen von Köln, Paris, Würzburg ..." etc. pp. Ruhig, persönlich, als wollte ich die Antwort wirklich hören (was ich ja auch will), mit dem Duktus und dem Ton der Selbstverständlichkeit des Selbstverständlichen.
Kurz, ich versuche eine "metapolitische Armlänge Abstand" zu wahren. Natürlich kenne ich das Gefühl, dass einem der Kragen platzen oder die Hutschnur hochgehen will. Aber man macht dann in der Regel doch nur einen Deppen aus sich.
Danke für die Quelle!

Meier Primin:Klar, dass Sie als Pfarrer die Linken nicht abschreiben dürfen.

Das bin ich seit 5 Tagen nicht mehr. Als jemand, der "menschenfeindlich" ist, bin ich wohl nicht mehr tragbar. So viel zu meinen persönlichen Erfahrungen. - Absurdes Theater!
Meier Pirmin
05. September 2016 11:13
@Korr. Gustav Grambauer. Der Ausdruck mit der Nazi-Mésalliance von Heidegger stammt von Grambauer; hingegen hat sich Der_Jürgen über die Debatte betr. Ausländer in der Schweiz geäussert. Beide Themen sind oben in der Antwort vereint.

@ Herr X. Was Sie über Ihre Position als Beamter sagen, ist wohl kein Einzelfall, zumal nicht in der Bundesrepublik. Ob es wirklich verboten ist, "Nationalist" zu sein, möchte ich offen lassen. Sicher wird ein Bekenntnis zum "freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat" verlangt, genau das, was die Linken beim Radikalenerlass nicht leisten wollten. Die Abweichung der Linken wurde am Ende trotzdem toleriert. Linksradikale Beamte und vor allem Lehrer sind heute möglich. Falls Ihre Systemkritik den Antisemitismus meint, mag Ihre Perspektive zutreffen. Darauf muss sich aber die AfD sinnvollerweise nicht einschwören, und zwar nicht den läppischen Warnungen der Frau Knobloch zuliebe.
Albert
05. September 2016 11:17
Oktober 2015: Nachdem ich mehrere asylkritische, AfD- und PEGIDA-Sachen auf FB geteilt habe, habe ich knapp 20 FB-"Freunde" verloren. Eine Bekannte postete auf meiner FB-Chronik sichtbar für alle folgenden Text:

"Um unser nachbarschaftliches Miteinander nicht zu gefährden, muss ich Dich nun leider doch entfreunden. Dein Sympathisieren mit Rechts ist für mich indiskutabel und stehen konträr zu Deinem überaus freundlichen und sozialen Auftreten unabhängig von SocialMedia. Das ist sehr verwirrend und bestätigt mich in meiner Sorge. Ich hoffe, daß Du Deine Kinder noch nicht insoweit instruiert hast, daß sie meine aufgrund ihres "Gutmenschentums" bespucken. Ich werde mein Bestes geben, Deine rechte Gesinnung des dörflichen Miteinanders wegen zu ignorieren, werde aber auch weiterhin andere Eltern vor Dir warnen ... "

Aufgrund dieses Posts musste ich befürchten, Mittelpunkt des Dorf-Tratsches und als "Nazi" dargestellt zu werden. Um den Gerüchte-Fluss halbwegs zu kanalisieren, sah ich mich gezwungen, selbst auf andere Menschen zuzugehen und ihnen zu sagen: "Hör zu, ich poste AfD- und PEGIDA-Sachen auf meinem FB-Profil, weil ich AfD-Wähler und PEGIDA-Sympathisant bin."

Die Folge: Ungefähr 6 Leute grüßen mich nicht mehr. Bei einigen Leuten beobachte ich eine etwas abgekühlte Distanz, bei anderen hingegen unverändertes Verhalten. Tja, hier im Dorf läuft man sich immer wieder über den Weg. Deshalb versucht man, expliziten Streit zu vermeiden. Ich bin mit meinem unfreiwilligen Outing als Rechter glimpflich davon gekommen.
Nürnberg 2.0
05. September 2016 11:33
Liebe Claudia,

Ihre Erlebnisse sind eigentlich klassische Beispiele, wie "Abweichler" in totalitären Systemen zu disziplinieren versucht werden. Gruppendruck aufbauen, geradezu inquisitorische "Verhöre", schließlich noch der Versuch, demjenigen, der es wagt, von der "Parteilinie" (aufgrund der Ergebnisse eigenen Nachdenkens und eigener Erkenntnisse) abzuweichen, psychische Probleme/Störungen anzudichten (wie man aus dem ehemaligen marxistischen Herrschaftsbereich weiß, kann dies ggf. bis zur Zwangspsychiatrisierung führen).

Ich glaube, ich hätte dem Psychoanalytiker-"Freund" (es kann nur ein falscher Freund sein, wenn er nicht soviel - sonst von diesen Leuten so gepriesene - "Toleranz" aufbringen kann, abweichende Meinungen - und auch Weltanschauungen - von Bekannten (schlimmer noch, wenn es wirklich "Freunde" waren) zu ertragen und zu akzeptieren), ich hätte diesem Menschen also, der sich erdreistet, gute Bekannte ungefragt und ungewollt "auf die Couch zu legen", nur weil sie mit seinen eigenen politischen Ansichten nicht (mehr) übereinstimmen, recht deutlich ins Gesicht gesagt, was ich von der ganzen Pseudowissenschaft "Psychoanalyse" halte...

„Weißt du eigentlich, was faschistisch ist?“), oh, und ich wäre sexuell frustriert (danke, mein Mann saß daneben) und suchte mir jetzt in der rechten Szene Kompensationsobjekte (da mußte ich eher grinsen)."

Sexuell frustriert sind wohl eher die Tausenden links-naiver Bahnhofsklatscher_Innen und "Geflüchteten"-Bespaßer_Innen in den "Asylhelferkreisen" (seit ca. 6 Monaten ist "Geflüchteter" bekanntlich ein absolutes "Must-Word" für alle 250%-linientreuen Systemlinge (wie etwa Katja Kipping gestern, nachdem MVP "falsch gewählt" hatte), da "Flüchtling" irgendwie abwertend sein soll, genauso wie "Lehrling" oder noch Schlimmeres).

Da finden sich BRD-weit Zehntausende Emanz_Innen, die zuhause mit ihren Ehemännern (sofern vorhanden) stundenlang darüber streiten können, wer staubzusaugen oder den Müll runterzutragen hätte und die dann in den "Asylunterkünften" sich für Männer, die sie, wenn sie sie nicht (materiell oder sexuell) auszunutzen beabsichtigen, als ungleichwertig bespucken und beschimpfen, zum Pudel machen, ihnen das Schwimmen beibringen (damit sie in den Badeseen, die sich natürlich nur deswegen aufsuchen, weil die hiesigen autochthonen Badenixen diese eben gerade nicht im Burkini oder im Niqab oder der Burka frequentieren, nicht ertrinken), Chauffeuse für diese Paschas spielen und ihnen womöglich noch den Dreck wegputzen.

»...und der Analytiker einhakte: „Was, ein Pole denkt nationalistisch? Obwohl Polen besiegt worden ist? Ach ja, das kennt man als Stockholm-Syndrom“«

Und genau das ist der Grund, weshalb linke Ideologien, Utopien und Fiktionen letzten Endes immer grandios an der Wirklichkeit scheitern werden und müssen, weil diese Leute in einem Paralleluniversum leben, das gewaltig mit den Realitäten kollidiert. Leider ist der Schaden, den sie dabei anrichten, für gewöhnlich immens und gelegentlich irreversibel.

Wie sagte doch Ernst Haeckel zu einem Studenten, der ihn darauf aufmerksam zu machen wagte, daß seine Theorien nicht mit den Tatsachen übereinstimmten?

»Schlimm für die Tatsachen!«
Nürnberg 2.0
05. September 2016 11:49
@ Stefan:
»Mein Vorgesetzter ist ein moslemischer Türke, der den Ramadan einhält. Aber er setzt sich dafür ein, dass in unserer Firma gläubige Christen ihre Feiertage freibekommen (Schichtbetrieb, die Maschinen müssen laufen). Von seiner Sorte gibt es einige mehr, wie jeder weiß, der in der deutschen Industrie arbeitet.«

Das ist zwar einerseits ein feiner Zug Ihres türkisch-moslemischen Vorgesetzten, zeigt aber andererseits sehr deutlich, wie weit die Umvolkung und der Bevölkerungsaustausch (ich mag das 68er-Wort "Bevölkerung" nicht, zumindest, wenn es als Ersatz für "Volk" benutzt wird und spreche lieber zutreffender von "Völkermord", denn als genau solcher würde es bezeichnet, wenn Abermillionen land- und volksfremder Neusiedler zwangsweise etwa in Tibet angesiedelt würden) in der BRD schon fortgeschritten ist.

Noch vor 30 oder 40 Jahren hätte man wohlmeinend darauf hingewiesen, wenn ein deutscher Vorgesetzter sich dafür eingesetzt hätte, wenn seine muslimischen Untergebenen an mohamedanischen Feiertagen Urlaub bekommen....
Venator
05. September 2016 12:04
@ Meier Pirmin

Herr Meier, Ihre Autobiographie würde ich tatsächlich gerne lesen. Auch mit Erinnerungen an Ihre Begegnungen im liberalen Milieu - ich glaube, Sie haben Röpke erwähnt und Popper, der Sie beschimpft habe. Nehmen Sie es als zusätzliche Anregung, falls Sie darüber nachdenken sollten.
Meier Pirmin
05. September 2016 12:10
@Wawerka. Die viertletzte Zeile Ihres letzten Postings ist die bedeutendste Geschichte, die in dieser lange Serie hier zu erzählen war. Knapper kann man es nicht machen. Ich reiche Ihnen die Hand. Sie und @Monika veranlassten mich massgeblich, mich hier überhaupt in einige der hier geführten schriftlichen Gespräche einzuklinken.

Auch wenn es für Sie ein schwacher Trost sein mag: Was Sie erleben, war zur Zeit des Kulturkampfs, und zwar unter Bismarck, auch beim Kulturkampf in der Schweiz, "normal", betraf aber dann hauptsächlich politisch abweichende katholische Priester, die im Verdacht "ultramontaner Gesinnung" standen. Darüber habe ich soeben ein noch nicht publiziertes Buch geschrieben. Richtig ist, dass auch die gegenwärtige Debatte über den Islam und generell über das Verhältnis zwischen Religion und Politik weitgehend den Charakter eines Kulturkampfes annimmt. Klar ist auch, dass unter Theologen schon seit dem Mittelalter mehr Hass herrschte als beispielsweise unter Waffenfabrikanten. Das ist normal, weiss man sich doch dem Guten und Heiligen verpflichtet, darum mag es Abweichungen umso weniger ertragen.


Ein für mich in den letzten Jahren sehr bedeutender katholischer Pfarrer war Georg Oblinger, der zum Beispiel den Nachruf über meinen Weggefährten Gerd-Klaus Kaltenbrunner in der Jungen Freiheit geschrieben hat. Er musste als gelegentlicher Mitarbeiter der damals vom Verfassungsschutz beobachteten Jungen Freiheit die Pfarrei wechseln, erhielt vom Bischof ein ausdrückliches Schreibverbot, an das er sich gehalten hat. Ob er jetzt immer noch Pfarrer von Lindau am Bodensee ist, seine letzte Stelle, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass er das Schreibverbot als "Akt des Gehorsams" angenommen hat, weil für ihn als konservativen Priester der Gehorsam noch einen Wert darstellt. Klaus von Flüe sprach vom "heiligen Gehorsam", als ihn der Weihbischof von Konstanz zum Essen zwang.


Ich bin überzeugt, Herr Wawerka, dass Sie sich vor dem Gericht der Geschichte so wenig verstecken müssen wie sagen wir mal die Frau Bischöfin Kässmann, Im Gegenteil, und mit dem Unterschied, dass es Ihnen aufgrund Ihres Gesinnungsumfeldes garantiert dreckiger geht. Hoffe aber sehr, es sei für Sie als Pfarrer und Theologe noch nicht aller Tage Abend. Ich schreibe dies, ohne alle Details Ihrer Geschichte zu kennen, für den Fall, dass auch Sie Fehler gemacht haben sollten. Als der Arzt Paracelsus 1528 als Professor in Basel entlassen wurde, desgleichen 1831 der Frühdemokrat Ignaz Paul Vital Troxler als Rektor der Universität Basel, haben beide Fehler gemacht, ihre Entlassung war aber trotzdem eine Schande für die Geschichte der Hochschule. Dies nur zwei Beispiele, die mir dokumentarisch bekannt sind. Pfarrerentlassungen aus politischen Gründen waren in der Schweiz von 1832 bis 1890 sehr häufig und waren Begleiterscheinungen eines ein Jahrhundert währenden Kulturkampfes. Im deutschen Bodenseeraum gab es ähnliche Auseinandersetzungen. Auch evangelische Geistliche konnten politisch sehr umstritten sein.
d.n.
05. September 2016 12:18
Ein entscheidender Gewinn in derartigen, die Gesellschaft zerreißenden Debatten ist es, den meist von linker Seite erhobenen moralischen Imperativ in Frage zu stellen. Dieser lautet regelmäßig etwa, Deutschland sei aus moralischen Gründen verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. Dem ist entgegenzuhalten, dass Deutschland moralisch nicht verpflichtet ist, auch nur einen einzigen "Flüchtling" aufzunehmen. Die gegenwärtige Entwicklung ist vielmehr deutscher Größenwahn in Reinkultur.
Zur Untermauerung der These sind Vergleiche mit anderen Staaten hilfreich: Der Aufnahme von 1,5 Mio Fremden nach Deutschland können beliebige andere europäische Staaten gegenüber gestellt werden, etwa das katholische Spanien oder das katholische Polen, die jeweils nur einige wenige Tausend bzw. Hundert "Flüchtlinge" aufgenommen haben. Mecklenburg-Vorpommern (1,6 Mio Einwohner), das gemäß der
gebetsmühlenartigen Leier der Medien "kaum" Flüchtlinge aufgenommen hat (ca. 25.000), hat tatsächlich mehr aufgenommen als die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika zusammen (300 Mio Einwohner, weniger als 20.000 aufgenommene Syrer). Besonders grotesk wird es, wenn man einen Blick auf ein unmittelbares, vor Reichtum nur so strotzendes Nachbarland der Krisenregion wirft: Saudi-Arabien hat nur wenige hundert Glaubensbrüder aufgenommen. Und auch Japan, neben Deutschland der andere große und moralische Verlierer des Zweiten Weltkrieges, hat nicht mehr als einige wenige Dutzend (!) "Flüchtlinge" aufgenommen. Die Zahlenvergleiche ließen sich beliebig ergänzen. - Wenn man also das Humanitäts-Gesabbel der Linken ernst nehmen würde, müsste man im Umkehrschluss den Großteil aller Staaten für rassistische Regimes halten...
Hazmat Modine
05. September 2016 12:24
Zu den vielen interessanten Beobachtungen und Geschichten möchte ich noch eine Erfahrung beitragen, die sicher nicht nur ich gemacht habe. Ein Freund wurde ausfällig und beleidigend, als er erfuhr, dass ich in Schnellroda gewesen war. Ich möchte nicht wiederholen, was ich seiner Meinung nach mit Ellen Kositza hätte tun sollen. Ich war perplex, denn er ist zwar ein ziemlich verschrobener, aber ansonsten zurückhaltender und sanfter Mensch, außerdem frei im Denken - von ihm hätte ich so eine Grobheit nicht erwartet. Er wirkte wie ein Zerrbild seiner selbst. Ich fragte, was ihn denn konkret so abstoßen würde, aber das war für ihn schlechterdings nicht formulierbar. Wut und Ekel, irrational, bis ins Körperliche hinein. So tief ist die reeducation verwurzelt, dass das Gespräch mit bestimmten Leuten oder über bestimmte Dinge körperliches Unwohlsein hervorruft, einen Anflug von Krankheit - auch eine Art "Inkarnation des Wortes".
Ähnliches ist mir, wenn auch in geringerer Intensität, immer wieder mal begegnet. "Da könnt' ich kotzen!" halte ich nicht nur für eine abwertende Aussage; ich denke, manchen Leuten wird wirklich übel, wenn sie mit uns und unseren Themen zu tun bekommen. Sie werden blass oder rot im Gesicht, bewegen sich fahrig oder erlahmen, grimassieren, verändern die Sprechweise - äußere Anzeichen, dass man die Ebene des freien Gedankenaustauschs verlassen hat und vor basalen Reiz-Reaktions-Schleifen bzw. "Bio-feedback" steht.

Es ist schon beachtlich, was die antideutsche Erziehung hier geleistet hat. Wo jemand mit körperlichen Routinen reagiert, sind Worte natürlich nur ein schwaches Mittel. Hier handelt es sich vielmehr um eine Form von "Besessenheit", bei der ein Disput nichts austrägt. Dass "Befreiung" oder "Heilung" möglich sind, zeigen die hoffnungsvollen Schilderungen ehemaliger Linksliberaler.
Ryūnosuke
05. September 2016 12:41
"Von seiner Sorte gibt es einige mehr, wie jeder weiß, der in der deutschen Industrie arbeitet."

Ja, das sind die Leistungsträger, ohne die wir nicht könnten. Sarrazin widerlegt in einem Satz. Genial! Nur: Warum ist die Türkei so rückständig? Warum kein Sony, Samsung oder BMW aus moslemischen Ländern? Vielleicht einmal Garett Jones lesen. Man lebt eben gut vom Wohlstand, den die Weißen erarbeitet haben. Das ist alles. Wäre das hier die Türkei oder gar Angola, käme kein Schwein.

Ich halte mich selbst aus Diskussionen heraus, mich regt das alles zu sehr auf. Daß die "Eliten" uns das zumuten, ist schlimm genug; daß die Weißen das auch noch gutfinden und fördern, läßt mich zum Antidepressivum griefen.
eulenfurz
05. September 2016 12:42
Bei einer Mitfahrgelegenheit auf der Rückbank, neben mir eine Studentin: „... Ich zeige den Flüchtlingen unsere Stadt, und es ist ein tolles Erlebnis, sie sind sehr dankbar.“ – „Finde es aber schade, daß gerade die Ärmsten, die Alten und Gebrechlichen aus der Dritten Welt, uns nicht besuchen können. Schau mal, da leben 2 Milliarden Menschen unter dem Existenzminimum, und die zu uns kommen, sind die Agilen und Dynamischen, oft mit Smartphone und Geld für Schlepper. Bin dafür, lieber die 2 Milliarden ganz Armen nach Deutschland einzuladen, ihnen Obdach und Verpflegung zu schenken, nicht nur die eine Million nicht so Armen.“ – „Aber 2 Milliarden, das ist aber viel ...“ – „Wir schaffen das! ...“ – Sie blickt verstört vor sich hin.
***
In einem Café, ältere Dame gegenüber, Lehrerin in einer Migrationsschule: „... Das sind alles Engel, Engel, die zu uns kommen!“ – „Wieso?“ – „An denen können wir wachsen, uns bewähren!“ – Lächelndes, verständnisvolles Kopfnicken meinerseits. Was soll man auch gegen religiöse Fanatiker an Argumenten anführen?
***
In einem anderen Café, andere ältere Dame gegenüber, tätig in der Sozialindustrie: „... Also ganz schrecklich ist dieser Aufstieg dieser APD, das sind ja alles Nazis.“ – Ich erschrocken: „Ja? Nazis?“ – „Na die werden immer mehr gewählt, schrecklich!“ – „Wieso, was haben die denn vor?“ – „Na, so wie damals ...“ – Ich schweige lieber, wechsle das Thema. Was soll das auch bringen?
***
Kollegin höhnend: „Habt ihr gehört, daß dieser AfD-Fuzzi zu Boateng gesagt hat, er will den nicht als Nachbarn haben?“ – „Der hat doch gesagt, daß manche Leute den nicht als Nachbarn haben wollen, und das läßt sich wohl schwer nachprüfen ...“ – Keine Antwort, blöder Blick, Wind aus den Segeln, Themenwechsel.
***
Meine Mutter, mittlerweile AfD-Anhängerin, während meiner Pubertät strikt gegen meine rebellisch-politischen Ansichten, nunmehr: „Du hast es ja damals schon gesagt, aber wir wollten es nicht glauben ...“

Fazit: Die wachsen alle noch durch ihre Erfahrungen - durch das Anecken in der Realität.
Meier Pirmin
05. September 2016 12:50
@Venator. Dieses Projekt muss noch warten. Nicht so schlimm. Nach Elias Canetti kennt man seine Jugend ab 70 am besten, @Wawerka. Es geht um die letzten v i e r Zeilen Ihres letzten Postings. So etwas kann der Leserschaft nicht gleichgültig sein. Ich bitte diejenigen, die wegen der Menge der Mitteilungen nur kursorisch hier lesen, sich darauf zu achten.
eulenfurz
05. September 2016 13:00
Ach, zweie noch:

Älterer Ebay-Verkäufer in Westberlin, Keller voller alter Möbel: „Ich verkaufe hier alles.“ – „Wieso?“ – „Wir werden ausreisen.“ – „Wohin?“ – „Ungarn, da ist man wenigstens noch sicher.“ – „Sind Sie aus dem Ostteil Berlins?“ – „Nein, hier aufgewachsen, aber mittlerweile kommt’s mir vor wie in der DDR.“ – „Aber ist denn Flucht eine Lösung?“ – „Ich mache den Scheiß nicht mehr mit.“ – „Tja, da müssen wir alle irgendwie durch.“ Ich zahle dankend mit Trinkgeld.
***
Trödelmarkt Dresden, freundliche Frau am Stand: „Paßt aber auf eure Taschen auf!“ ... flüsternd: „Hier sind eine Menge Taschendiebe unterwegs!“ – „War doch früher nicht so, seit wann das denn?“ – „Seit gut einem Jahr.“ – „Na, da weiß man ja, wo’s herkommt.“ – „Jaja, paßt gut auf!“ ...

M.L.: Mehr, mehr!
Thomas Wawerka
05. September 2016 13:29
@Meier Pirmin: Ich hab mich angelegt und verloren - belassen wir es dabei.
Bausparer
05. September 2016 13:35
Lieber Herr Lichtmesz,
Ihre Aktion ist unterstützenswert, daher will ich Ihnen auch etwas berichten. Ich hatte, bevor Herr Kubitschek mich ausmusterte, einen Beitrag in "Sezession" veröffentlicht, traute mich aber nicht, diesen an meinen üblichen Verteiler zu geben. Da erhielt ich eine Mail von einem alten Bekannten: "Menschenskind, Bausparer, D U schreibst in der 'Sezession'? Unglaublich!"
Eine weitere Erfahrung: Als ich im letzten Jahr in einem Vortrag etwas sehr Unkorrektes gesagt u. viel Augenrollen u. Zischen geerntet hatte, traf ich den pensionierten PP der Stadt an der Garderobe. Klopfte mir stumm auf die Schulter u. hob den Daumen. Immerhin.
Weristwiegott
05. September 2016 13:41
Guten Tag,

ich muß mich erstmal für die schlechte Rechtschreibung der ersten Meldung entschuldigen...

Gestern wurde nicht über das Thema geredet, es waren auch nicht alle da, mit denen ich gerechnet habe. Habe dann nur sehr kurz bei der Person, mit der ich damals etwas heftiger diskutiert habe, gesprochen.

Insgesamt habe ich über weltanschauliche Dinge noch nicht so oft diskutieren können, da sich eben nicht oft die Möglichkeit ergab. Im Ganzen habe ich aber immer Leuten gegenüber gesessen, die trotz bester Argumente nicht zugaben, daß sie falsch lagen.

Mir fiel eben noch ein Erlebnis ein, das meiner Meinung nach schon eines der schlimmeren war. Ich war (bin?) über meinen Bruder mit jemandem locker befreundet, man machte Sachen zusammen (Motorräder heute, als Kind in der Natur). Diese Person war in der Jugendzeit auch in der Antifa aktiv, und diese Einstellung scheint er noch immer zu haben. Wir kennen uns wie gesagt schon seit Jahrzehnten, trotzdem sagte man mir (mein Bruder war auch dabei) eines Tages, wenn ich weiterhin auf "Facebook" AfD-Sachen "liken" würde, dürfte ich nicht mehr in die Werkstatt kommen. Ich hatte damals keine Lust auf eine Diskussion und lachte darüber, "Facebook" habe ich aus anderen Gründen später ohnehin gelöscht.
Mit meinem Bruder klappt es trotzdem, man redet eben nicht über solche Sachen.

Eine Sache kann ich mir allerdings nicht verkneifen:
Ich klebe auf das Schild vor dem Haus meiner Eltern immer einen Aufkleber mit dem Davila-Zitat über die Linken. Dieses wurde immer mal wieder abgerissen, ich fragte mich schon, wer in unserem ansonsten tiefschwarzen Dorf der Täter sein könnte... bis eines Tages mein Bruder aufgeregt hereingelaufen kam und an mich gerichtet fragte, ob ich immer diese braunen Aufkleber kleben würde. Da ich allerdings auf dem stillen Ort saß und er weg mußte, erübrigte sich ein Gespräch. Hat er bislang auch nicht nochmal angesprochen.

Viele Grüße!
Monika
05. September 2016 13:44
Stefan
Montag, 5. September 2016, 10:36 (URL) | Kurz-URL
Zu erst einmal: ich bin kein Rechter. Ich würde mich eher als klassischen Linken bezeichnen. Klassisch im Sinne von Kritik an den Herrschafts- und Klassenverhältnissen. Ich bin auch nicht national gesinnt. Allerdings habe ich ein unverkrampftes Verhältnis zu der Tatsache, dass ich Deutscher bin. Ein wesentlich unverkrampfteres Verhältnis, als es hier im Land üblich ist.


Danke für Ihre horizonterweiternden Überlegungen. Sehe ich auch so :
Man sollte ein unverkrampftes Verhältnis zu der Tatsache haben, dass man Deutscher ist. Da haperts bei den Linken und den Rechten oft auch.
Sehe das Wörtchen identitär in diesem Sinne auch als "verkrampfte " Bezeichnung an .

Meine Kritik an den hiesigen Verhältnissen überschneidet sich also nur teilweise mit dem Gedankengut der anderen Emailschreiber. Doch das nützt mir gar nichts. Wer im herrschenden Justemillieu auch nur die Frage stellt, wie man eine Million integrieren will, wenn man es schon nicht schafft, die Gettoisierung der Innenstädte zu verhindern, der kann nur ein radikaler Fremdenfeind und Nazi sein. Selbst wenn man darauf hinweist, dass es nicht wenige Türken gibt, die das ähnlich sehen.


Ja, auch das ist auch ein Problem:
Jeder Vorzeigetürke ändert nichts an der Nazistigmatisierung. Man könnte das Pirinçchisierung nennen ? Es gibt kein Entrinnen.

Im Übrigen sehe ich darin den Nutzen des „unpolitischen“ Teils der Sezession, der mich auch als einziges interessiert. Die „Linken“ (ich weigere mich die Mehrheit von ihnen als „links“ zu sehen – sie sind in Bezug auf Deutschland Nationalisten mit umgekehrtem Vorzeichen) haben sich mehrheitlich auf die Seite der Herrschenden begeben und sind damit unfähig geworden eine fundamentale Kritik zu üben. Diese Kritik, dieses Denken sind wichtig, um auf lange Sicht die Weichen in eine andere Richtung zu stellen.


Auch ich liebe vor allem den " unpolitischen Teil" der Sezession. Diesen schmalen Grat . Der wunderbar in diesem Strang sichtbar wird. Verkrampfungen löst.
Auch wenn ein guter Wanderer Wawerka in Straucheln zu kommen scheint. Es ist der einzige Weg. Haltet ihn.
Mohler, Jünger, Carl Schmitt etc. interessieren mich wenig.
Es gibt m. E. einen viel größeren und interessanteren rechten Referenzrahmen ( siehe Kaltenbrunner Europa, Seine geistigen Quellen) .
Etwa einen Nikolaj Berdjajew, der über völkisch, patriotisch, national , Identität, einen sehr grundlegenden Beitrag geschrieben hat.
Der neu zu entdecken wäre....
CCCED
05. September 2016 13:46
Auch nach meiner Erfahrung ist es kaum möglich mit rationalen Argumenten den Gesprächspartner zu überzeugen. Aber das ist verständlich, ist es doch sehr unangenehm, sich aus den Klebefäden der BRD-Matrix zu befreien:

https://www.youtube.com/watch?v=hpLfvXt57A4
Petrus Urinus Minor
05. September 2016 14:22
@Claudia

Beim Lesen Ihres Beitrages sind mit Zornestränen in die Augen geschossen. Ich kann Ihnen nur mein tiefes Mitgefühl ausdrücken und versichern, dass Sie nicht alleine sind. Sie sind da in die Finger eines ganz perversen Psychologen geraten, wie es in dieser Zunft leider viele (Sadisten) gibt. Ich hoffe, wirklich, dass Ihr Partner ebenfalls nur überfahren war, und deswegen dieses Subjekt nicht körperlich ent5fernt hat.

@Stefan
Ich bin auch kein Rechter (mehr). Jedenfalls kein typischer. Die Sache mit der Herrschaftskritik sehen wir gleich, ebenfalls die Tatsache, dass die "Linke" längst zur Herrschaft übergegangen ist. In einem Punkt bin ich allderings deutlich entschiedener: Das deutsche Volk ist für mich nicht diskutierbar. Das deutsche Volk muss überleben. Dann kommt das Wohlergehen meiner Familie, dann das persönliche Wohlergehen und das Wohlergehen meiner Nächsten. Irgendwo in dieser Liste auch das universelle Wohlergehen aller Anderen (Da bin ich wohl der "Linke").
Das hat mit "Stolz" nichts zu tun, das ist schlicht nicht verhandelbar. Und was geschieht, ist (ebenfalls nicht diskutierbar) Völkermord. An uns.

@Viele Teilnehmer
Mir ist aufgefallen, dass das Verhalten, das in vielen Schilderungen auftaucht, dem von Mobbingopfern gleicht. Das soll (BITTE!) kein Vorwurf, oder eine Herabsetzung sein. Beruflich (Arbeitsrechtlich) ist dies ein Bereich, mit dem ich mich auskenne. So etwas passiert Menschen vollkommen unabhängig von eigenem Verschulden, dafür braucht es nur ein paar Schweinemenschen und das wars. Die Passivität der Mitmenschen ist evolutionär garantiert, wenn nicht sogar deren Abwendung.

Bedauerlicherweise kann ich beruflich fast immer nur Geldkompensation erwirken, so gut wie nie Genugtuung, ja Rache und Gerechtigkeit. Insofern habe ich trotz beruflicher Beschädftigung keinen idealen Rat außer fast immer "Gehen und Geld verlangen".

Aber wenn ich keinen positiven Rat geben kann, so doch zumindest einen negativen: Abwenden und Schweigen, Erdulden, damit es nicht schlimmer wird FUNKTIONIERT AUF KEINEN FALL!. So etwas kann höchstens in der engsten Familie geraten sein - und eigentlich nicht einmal da.

Der Angriff kann manchmal helfen. Allderdings muss er so frühzeitig und unproportional wie nur möglich erfolgen. Gnadenlos. Es geht um das gleiche Phänomen wie bei den Mitläufern gegen den Gemobten: Demütigung, so dass sich das Rudel vom kranken Mitglied anbwendet. Und dies geht nur, wenn man gnadenlos und vollkommen unproportional zuschlägt und sich dann sofoert abwendet. Den Ersttäter dadurch ohnmächtig zurücklässt. Ich habe hierzu schon etwas geschrieben. Harald de Azania hat hierzu ebenfalls etwas geschrieben. Wir werden nicht so behandelt, wie es uns gebührt, sondern, wie wir es zulassen.

Ich bin insoweit nicht so ein Rechter, als dass ich das besonders noch befürworten würde (das herrliche Raubtier, fasel, bummsfalera), aber so ist der Mensch und unter den momentanen Bedingungen fast ungebremst. Vielleicht ginge das anders, besser auf jeden Fall, aber im Moment ist das so.

Es gibt andere Situationen, in denen es wichtig ist, ruhig und sympathisch rüberzukommen. Das sind die Möglichkeiten des Tröpfelns von Ohrengift. Das Setzen von Memen. Auch das funktioniert. Es gab einmal in einem anderen Forum einen Kommentator namens Karlfried, der solche Begebenheiten regelmäßig auf eine unglaublich geschickte Art schílderte. Dieses Forum gibt es nicht mehr (aus anderen, guten Gründen), aber ich denke darüber nach, die gesammelten Werke dieser Vorgehensweise einmal zusammenzuschreiben und zusammenzufassen. Vielleicht später mehr.

Jedenfalls in dieser Sache: Manchmal bedarf es der sympathischen Memtröpfelung.

Manchmal - und zwar entweder wenn man 1)
direkt Zeuge von Schwachsinn wird den man nicht unwidersprochen lassen darf und dies von Leuten, die man nicht wiedersehen wird (will)

oder 2) wen man angegriffen wird - bedarf es der verbalen Atombombe. Und dann sofort Rückzug.

Ich fand die Schilderung des Kommentators über sein totales Ausrasten in der Kneipe genial.

Perfekt wäre die Geschichte beim sofotigen Abgang gekommen.

"Darüber diskutiere ich nicht. Das stellen nur Faschisten in Frage
(als Angriff kann man den Nazivorwurf schon mal bringen - bloß NIE als weinerliche selber - selber Verteidigung)
Und deswegen gehe ich jetzt, weil mir die Gegenwart solche Faschisten unerträglich ist"
(es muss nicht logiscfh sein, es muss wehtun und knallen).

Die Überzeugten wäre er eh losgeworden. Die Zweifelnden bringt man durch totale Diskursverweigerung interessanterweise in eine Position, in der sie selbst ankommen müssen. Und interessanterweise tun sie es auch.
Ein gebürtiger Hesse
05. September 2016 14:36
Ein Freund, intellektueller Altlinker, den ich seit 23 Jahren kenne, schreibt mir per Email, daß er keine Zukunft für "uns" mehr sehe. "Jedenfalls nicht, solange du als dein deutsch-patriotisches Ich durch die Gegend läufst." Einige Monate vergehen. Bei einem Bibliotheksbesuch steht er plötzlich vor mir. "Und", fragt er, "hast du deine Rechtsorientierung immer noch?" Ich: "Ja, warum?" Er: "Also, wenn du sie mal wieder abgelegt haben solltest, kannst du dich durchaus wieder bei mir melden." Ich: "Und vorher nicht?" Er: "Nee, vorher bitte nicht. All das mit der AfD und der Hessen-Flagge an Deinem Käppi und so, das verstehe ich nicht. Ich verstehe DICH nicht." Ich: "Naja, viel Mühe gibst du dir aber auch nicht, gell. Oder hast du mir diesbezüglich auch nur einmal eine Frage gestellt?" Er: "Nein! Und das will ich auch nicht. All das ist mir zuwider." Ich: "Also nochmal - du machst die Weiterführung unserer Freundschaft von meiner politischen Positionierung abhängig?" Er: "Ja. Ich verstehe einfach nicht, was euer Problem ist!" Ich, nun wütend: "Mach die Augen auf, verdammt nochmal, dann weißt du's!"

War diese Antwort, mit der ich ihn stehen ließ, falsch? Nein. Bleibt ob der Freundschafts-Aufkündigung dennoch ein Schmerz zurück? Eigentlich auch nicht. Bin ich also zufrieden damit, wie es zwischen ihm und mir gelaufen ist? Wie könnte ich ...

Lage 2016
Der_Jürgen
05. September 2016 14:47
@CCED
@Eulenfurz
@Hazmat Modine
@Monika
und andere.

Gegen Tabus anzukämpfen ist eine Herkulesarbeit, um nicht zu sagen eine Sisyphusarbeit.

Der Soziologe Dr. Robert Hepp schildert in seinem Aufsatz „Die Kampagne gegen Hellmut Diwald 1978/1979“ (in: Rolf-Josef Eibicht, „Hellmut Diwald. Sein Vermächtnis“, Tübingen 1994, S. 140) ein aufschlussreiches Experiment mit deutschen Studenten:

„Während sie auf andere Stimuli überhaupt nicht ansprachen, reagierten ‚aufgeklärte‘ mitteleuropäische Studenten, die keine Tabus mehr kennen wollen, auf die Konfrontation mit revisionistischen Texten über die Gaskammern von Auschwitz genau so ‚elementar‘, auch mit vergleichbaren physiologischen Symptomen, wie Mitglieder primitiver polynesischer Stämme auf eine Tabuverletzung: Sie gerieten förmlich ausser sich und waren offenbar weder bereit noch fähig, über die dargebotenen Thesen nüchtern zu diskutieren.
Eine ‚moderne‘ Gesellschaft reagiert auf Tabubrüche grundsätzlich nicht anders als eine primitive. […] Am Ende wird der Missetäter isoliert, aus der Gesellschaft ausgeschlossen und seinerseits ‚tabuisiert‘.“

Dieselbe Erfahrung hat gar mancher von uns bei Diskussionen über die Einwanderungsfrage gemacht: Seine linken oder liberalen Gesprächspartner "gerieten förmlich ausser sich" und "tabuisierten" den Frevler schliesslich.

Bei all meinen Unzugänglichkeiten rechne ich mir zugute, dass ich bereit bin, an meinem Welt- und Geschichtsbild Korrekturen vorzunehmen, wenn man mir Irrtümer oder logische Kurzschlüsse nachweist. Bei den Linken ist dies nur selten der Fall, aber auch im nationalen Lager gibt es viele Menschen, die partout nicht zulassen wollen, dass ihr oft seit Jahrzehnten bestehendes gefestigtes Weltbild ins Wanken gerät.

Ein Beispiel ist die darwinistische Abstimmungslehre, die gerade national gesinnten Deutschen oft als unumstössliche Wahrheit gilt. Einer meiner besten Freunde, ein Diplomchemiker aus München, politisch voll auf meiner Linie, erwies sich als absolut unfähig, über logische und fundierte Argumente gegen die Evolutionslehre auch nur zu diskutieren, und fragte mich stattdessen, ob ich eigentlich den Zeugen Jehovas beigetreten sei. (Mit diesen habe ich gar nichts am Hut, anerkenne aber gerne, dass sie auch ausgezeichnete Schriften verbreiten, in denen die vollkommene Unhaltbarkeit der Evolutionstheorie aufgezeigt wird.)

Immerhin hat mir der Mann die Freundschaft nicht gekündigt und geriet ob meiner "Ketzerei" nicht in Rage, sondern fand sich kopfschüttelnd mit ihr ab. Sie ist zwischen uns längst kein Thema mehr.
eulenfurz
05. September 2016 14:47
Viere noch zu guter Letzt:

Die Kinder eines biodeutschen Waldkindergartens in der südwestdeutschen Provinz machten zum Martinstag einen Ausflug zu den Kindern eines entfernt gelegenen Asylantenheims, eine in der Kita angestellte Freundin berichtet: „Jedes Kind hatte von seinem Spielzeug geliebte Dinge auszusuchen, und sie den Flüchtlingskindern zu schenken. Am Abend trafen sich dann auch die Eltern und der Kitaleiter fragt in den Kreis, was denn die Erwachsenen zum Teilen beitragen könnten. Nachdem keine Antwort erfolgte, wurde der Kita-Leiter ungeduldig: Ich warte! Endlich stammelt eine Mutter von dem Gemüse in ihrem Garten, das sie bei Überschüssen abgibt. Dann wieder betretene Ruhe. Irgendwann meint der Kitaleiter, die Eltern könnten sich ein Beispiel an ihren Kindern nehmen, die wüßten nämlich, wie Teilen geht.“ – „Kam da keiner von den berufstätigen Eltern auf die Idee, zu sagen, daß sie tagtäglich die Steuern erarbeiten, auf Freizeit oder Wohlstand auch für ihre Kinder verzichten, um diesen Menschen Verpflegung und Obdach zu bezahlen?“ - „Äh, wie? Nö ...“
***
Studentin und radikale Vegetarierin, man lernt sich kennen: „... Und, was hörst du für Musik?“ – „Eher die Klassik, zur Zeit durchforste ich Wagner, ganz spannend, aber auch nicht ganz meines.“ – „Wagner würde ich nie hören, der aus Braunau war sein größter Fan.“ – „Ja, der war auch Vegetarier.“ Brüskiertes Schweigen. Kurzes Geplänkel noch, nie wiedergesehen.
***
Eine junge Ruhrpöttlerin bei einer Autofahrt durch die mitteldeutsche Provinz: „So eine schöne Landschaft – nur alte Leute und so viele leere Häuser. Hier könnten sooo viele Refugees unterkommen.“ – „Ein paar sind schon hier. Die Einheimischen sind aber wohl nicht so begeistert, in der Kreisstadt wurde kürzlich eine 16-Jährige vergewaltigt.“ Schweigen, Themenwechsel.
***
Gender-Student mit Röckchen bei einer Mitfahrgelegenheit: „... Man kann doch niemanden auf sein Geschlecht festlegen!“ – „Aber ist denn das nicht von der Natur vorgegeben?“ – „Das sind doch alles menschengemachte Schubladen und Konstrukte!“ – „Aber wieso dann nur das Geschlecht? Du weißt doch gar nicht, ob du nicht bspw. eine Ziege bist?“ – „Hmmm ...“. Minuten des Nachdenkens, Themenwechsel.
Annemarie Paulitsch
05. September 2016 14:52
Bereits vor bald 20 Jahren haben wir eindringlich demonstrativ darauf hingewiesen, daß die Masseneinwanderung nur in einer Katastrophe enden kann. Heute weiß man es, verschließt jedoch nach wie vor die Augen vor der Wirklichkeit. Als mich neulich ein ewiggestriger Gutmensch in Frankfurt am Main belehren wollte, die zugewanderten "Flüchtlinge" würden unsere Rente finanzieren, erklärte ich ihm meine aktualisierte Meinung zum Thema: In spätestens zehn Jahren haben wir hier das moslemische Kalifat mit all seinen Gesetzgebungen. Die regierenden Moslems werden mit Sicherheit nicht die alten (Rentenempfänger!) und siechen Deutschen am Leben erhalten, sondern im Main ersäufen, die Arbeitsfähigen werden versklavt, die Jungen beiderlei Geschlechts landen in den Puffs. Basta! Wer soll sie daran hindern?
Hyperventilation, nicht mal zum Nazivorwurf reichte es. Wir gingen unserer Wege.
Waldgänger aus Schwaben
05. September 2016 14:53
Hier mal ein kleiner Kontrapunkt:

Ich treffe seit längerer Zeit ca einmal in der Woche, manchmal öfters einen CSU Bundestagsabgeordneten. Wir haben ein gemeinsames Hobby, das uns immer mal wieder ein paar Worte wechseln lässt.
Mehr Details will ich nicht angeben.

Von Anfang an vermied ich alles Politische, nicht aus Feigheit, sondern aus Rücksichtnahme.
Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps - ein alter Spruch aus meiner Militärzeit. Der Mann hat auch das Recht auf Freizeit.
Er soll sich in meiner Gegenwart nicht fühlen, wie ein Arzt auf einer Party, dem jeder gleich seine Krankengeschichte erzählt.

Schließlich bieten die sozialen Medien genug Material um Meinungen vom einfachen Volk zu hören, wenn er denn will. Ausserdem sind einige einfache CSU Mitglieder, die ich kenne und mit denen ich manchmal politisiere, im Grunde sehr AfD nahe. Beim einen oder anderen kann ich mir gut vorstellen, dass er in Abgeschiedenheit der Wahlkabine AfD wählt, sieht ja keiner.
Auf Parteisitzungen im Orts- und Kreisverband wird er genug zu hören kriegen, spätestens wenn er Leute sucht, um Merkel-Plakate zu kleben.

Er ahnt wohl meine Einstellung, wir bleiben beide strikt im Privaten. Wird er ausnahmsweise mal politisch, blocke ich ab. z.B: nach dem Brexit-Votum:
"Da war die Hölle los. Meetings und Konferenzen bis in den späten Abend."
Ich: "Das kann ich mir gut vorstellen."

Deute ich mal etwas an, geht er nicht darauf ein.
Ich denke, es ist gut so. Private Kanäle zu anders Gesinnten offen halten und sich der totalen Politisierung des Lebens zu widersetzen, ist auch eine Form des Widerstands.
Kryptokonservativer
05. September 2016 14:53
Typisches Gespräch in einer typischen Kneipe einer typischen West-deutschen Großstadt; dargestellt als Drama in drei Akten. Helldeutscher (HD), Dunkeldeutscher (DD), jeweils mit Bier.

Akt I. Nachbarn.

DD: ...im Kriegsfall haben natürlich die Anrainerstaaten die Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Und die internationale Gemeinschaft sollte sie unterstützen. Aber Flüchtling sein, heißt nicht, automatisch Anspruch auf ein Aufenthaltsrecht in jedem Land der Welt zu haben.

HD: Vorwurfsvoll. Du willst sie also nach Herkunft “sortieren”?

DD: Es wäre sinnvoll, einige wieder in die Türkei zurückzuschicken.

HD: Hast du denn keine Empathie? Hast du nicht einmal versucht, dich in diese Leute hineinzuversetzen?

DD: Ehrlich gesagt, selbst wenn ich das wollte, könnte ich es nicht, weil ich zuwenig über sie weiß. Und wenn einer sich von ihnen in m i c h hineinversetzen würde, würde er wahrscheinlich genauso argumentieren wie ich.

HD: Du willst sie also wieder zurückschicken.

DD: Ja.

HD: Ich habe in meiner Gruppe Flüchtlinge, die sind schwer traumatisiert! Ich kann dir Dinge erzählen, was die erlebt haben! Würdest du ihnen so was ins Gesicht sagen? Dass sie wieder gehen müssen?

DD: Nach reiflicher Überlegung. Ich würde ihnen sagen, wenn ihrem Asylantrag stattgegeben wird, können sie bleiben, ansonsten müssen sie wieder gehen. Das würde ich ihnen sagen.

HD: Entsetzt.

Akt II. Jesus.

HD: Aber findest du nicht, als selbsternanntes Abendland, sollten wir dann auch wirklich nach den christlichen Werten handeln?

DD: Das heißt?

HD: Das heißt, Jesus hat nie jemanden abgewiesen, sondern jeden so akzeptiert, wie er ist. Deshalb dürfen wir auch keine Flüchtlinge zurückweisen.

DD: Skeptisch. Ist das nicht eine denkbar fundamentalistische Argumentation? Und das im 21. Jahrhundert? Außerdem hat Jesus eben nicht j e d e n akzeptiert. Zum Beispiel die Pharisäer. Hat Jesus nicht gegen sie agitiert? Eigentlich war er doch ein Rassist oder sogar Antisemit, oder?

HD: Verärgert, da studierter Theologe. Das heißt ja nicht, dass er sie als Menschen nicht akzeptiert hätte. Er hat ihre Einstellung abgelehnt, sie als Menschen aber angenommen.

DD: Nippt an seinem Bier. Na, also! Dann kann diese Menschen ja auch akzeptieren, wie sie sind - und lehne bloß ihr Ansinnen auf Migration ab.

HD: Böses Schweigen.

Akt III. Welttheater.

HD: Und wenn du dir die Bilder aus Idemoni anschaust?

DD: Dann?

HD: Ich habe in meiner Flüchtlingsgruppe Jungs, die dort waren. Das ist so schrecklich - wir müssen etwas tun.

DD: Betont cool. Alles inszeniert.

HD: Wie bitte?

DD: Das ist alles inszeniert. Kommando Norbert Blüm, Peng!-Kollektiv - da stecken Linksextreme und Anarchisten dahinter. “Idomeni” ist ein politisches Protestcamp, das dem Zweck dient, politischen Druck aufzubauen. Da gibt es keine "humanitäre Katastrophe".

HD: Wütend, erschrocken. Dann brauchen wir uns überhaupt nicht mehr unterhalten! Dreht sich empört weg.

ENDE
Ralf
05. September 2016 15:03
Hallo Herr Lichtmesz,
der Zeitgeist polarisiert, das ist wahr.

Aber sind wir in der Lage, die sich uns darbietenden Alternativen als das zu erkennen, was sie wirklich sind? Ist es vielleicht sogar so einfach, dass man sie schlicht mit "richtig" bzw. "falsch" bezeichnen kann? Das Motto dieses Blogs ("Right is right and left is wrong") legt dies nahe.

Holzschnittartig skizziert möchte die Linke eine Verbrüderung aller Menschen, was sie durch die Beseitigung aller Grenzen, der Einebnung aller denkbaren Unterschiede (Geschlechter, Rassen, Generationen) und der Beseitigung ihren Zielen hinderlicher Institutionen (Staat, Recht, Ehe, Familie) herbeiführen möchte.

Die Zerstreuung der Völker durch Gott erfolgte nicht, weil die Völker sich gegenseitig bereichernd, zu ihrem Besten zusammenfanden, sondern weil sie in ihrer Gesamtheit ein gegen Gottes Herrschaft und Willen gerichtetes Bauwerk errichteten.

Ihre Trennung geschah zu ihrer Besinnung. Jedes erneute Zusammenjochen der Völker in einem Reich blieb auf Dauer erfolglos bzw. wurde seine Unmenschlichkeit offensichtlich. Dies kann nicht anders sein, weil ein gegen Gottes Willen gerichtetes Handeln den Keim der Zerstörung in sich trägt.

Jesus Christus hat durch sein am Kreuz vergossenes Blut, der damit verbundenen Sündenvergebung und der Ausgießung des Heiligen Geistes Menschen aus allen Völkern unter seiner Herrschaft geeint. Er hat eine kommende Welt verheißen, in der tatsächlich alles jetzt noch Trennende beseitigt sein wird.

Die Linke will den verheißenen Zustand an Jesus Christus vorbei in dieser Welt herbeiführen. Sie ignoriert die Tatsache, dass der Sündenfall das Verhältnis zu Gott, zu meinem Nächsten und auch zu mir selbst zerstört hat. Sie hält diese Tatsache für eine Lappalie, deren Auswirkungen man mit allein menschlichen Mitteln (pädagogisch, sozialpsychologisch, etc.) begegnen müsse.

Dieses Erstreben paradiesischer Zustände, denen ein grundfalsches Menschenbild und eine Verharmlosung der bindenden Macht der Sünde zugrundeliegt, erfordert beinahe das Beseitigen des Verstandes, einen gewissen Grad an Unehrlichkeit sich selbst gegenüber und eine Ignoranz gegenüber der Geschichte.

Die Rechte müht sich um die Erhaltung all dessen, was die Linke zu zerstören trachtet. Aber weiß sie auch (noch) warum? Weiß sie um die Tatsache, dass die Institutionen keinen letzten Wert in sich tragen, sondern dem sündigen Wesen des Menschen geschuldet sind und ihre Funktion die eines Hemmschuhs der Ausweitung des Bösen ist? Dass Jesus selbst vor jeder Absolutsetzung bzw. Vergötzung oben angeführter Ordnungen gewarnt hat? Dass ihr Wert oder Unwert davon abhängt, ob sie mir den Gehorsam gegenüber Gott möglich oder unmöglich machen? Und dass Jesus ebenso fordert, dem Bösen nicht zu widerstreben und dass Unrecht auch erlitten werden muss?

Kurzum (und vielleicht zu verkürzt): Die Linke ignoriert Gottes Urteil über den Menschen und versucht sich an der Versöhnung vorbei das Verheißene zu rauben, die Rechte schätzt den Menschen realistischer ein, ignoriert allerdings Gottes Gnade, durch die der Mensch an der Verheißung teilhat und der Ordnungen dieser Welt nicht mehr bedürfte, wenngleich er sie doch, als in dieser Welt lebend, respektiert.

Auch wenn mancher diese Ausführung als off-topic bezeichnet:

Ihr werdet in Eurer Argumentation die Linien so weit ausziehen müssen. Für die Linken ist ihr Weltbild eine Religion. Und sie werden Euch so weit heraustreiben, bis ihr Ihnen eine Religion entgegensetzt. An anderer Stelle bat bereits Lutz Meyer um Bilder, Mythen und Narrative, um das rechte Lebensgefühl einem neuen Publikum schmackhaft zu machen. Es sollte mich wundern, wenn dabei nicht ein Götze geboren würde.

Werden die Ordnungen, an denen die Konservativen zu Recht festhalten, nicht in das Licht des christlichen Glaubens gestellt, bleiben links und rechts nur zusammenfallende Gegensätze ins Nichts.
Konservativer
05. September 2016 15:08
Den Weg von links nach rechts ging ich zunächst allein (wie auch einige andere Kommentatoren, die sich hier zu Wort gemeldet haben). Exmeyer meinte vor Jahren einmal sinngemäß dazu, man sei im Kern immer schon ein Rechter gewesen, habe es nur noch nicht gewußt.
Es braucht jedoch einen Auslöser, ein "Damaskus-Erlebnis" (musikalisch ausgedrückt in etwa so: https://www.youtube.com/watch?v=5fgw5x-4BUg ), um das zu erkennen.

Ohne mein soziales Umfeld körperlich zu verlassen entwickelte ich mich innerlich nach und nach zu einem Rechten bzw. wurde zu dem. der ich im Grunde meiner Existenz immer schon war. Ich las (und lese nach wie vor, ich bin ein Vielleser) die Schriften der Autoren der Neuen Rechten, um zu erfahren, was diese Menschen zu sagen haben.
Und, was soll ich sagen, das war/ist es (mal mehr, mal weniger), Götz Kubitschek bezeichnet es als "Die Spurbreite des schmalen Grats" (genau das ist meine Spurbreite). Weiter hat insbesondere Manfred Kleine-Hartlage in seinem Kaplaken Band „Warum ich kein Linker mehr bin“ meine diesbezüglichen Empfindungen gespiegelt. Auch Norbert Borrmanns Buch "Warum rechts?: Leben unter Verdacht - Vom Wagnis, rechts zu sein" hat mich in meiner Entscheidung bestärkt.

In einem explizit linken Millieu befand ich mich zunächst in meinem Studiengang auf der Universität und anschließend in meiner Berufstätigkeit in der Sozialindustrie. In unserem Team-Büro prangt ein Schild mit der Aufschrift "Rote Karte gegen Rechts".
Das ist eine deutliche Aussage und mir ist klar, daß es bedeutet: "Rote Karte gegen mich", wenn herauskommt, daß ich ein Konservativer bzw. Neurechter bin.

Da nützt es auch nichts, wenn Ernst Nolte schrieb (der ja von gewissen Leuten ebenfallls als radikaler Rechter gesehen wird):

„Was sind das für Menschen, die gegen rechts in dem Sinne polemisieren, daß sie eine Rechte überhaupt nicht akzeptieren wollen. Das sind doch totalitäre Gedanken, die der Idee einer pluralistischen Demokratie, die man sonst so hoch erhebt, direkt widersprechen. Schon darum muß man mit der Rechten sympathisieren, denn mit ihr verschwände ein Wesenselement der liberalen Gesellschaft. Das ist natürlich einer der Gründe dafür, daß ich als Rechter oder sogar als radikaler Rechter angegriffen werden kann, denn ich finde, daß die Existenz der Rechten einem jeden, der das Liberale System bejaht, selbstverständlich sein müßte. Aber offenbar befinden wir uns bereits in einer Übergangsphase von der liberalen in eine »liberistische« Gesellschaft, in welcher der gesellschaftliche Zusammenhalt sich auflöst und es überhaupt keine Gemeinsamkeiten mehr gibt. Eine solche liberistische Gesellschaft wird daher als extrem individualistische in einem noch intensiveren Sinne antikommunistisch sein als es der Faschismus gewesen ist. Aber am Ende wird sie selber nicht mehr lebensfähig sein, einfach weil keine Gesellschaft auf rein individualistischer Grundlage existieren kann.“ (Ernst Nolte, Einblick in ein Gesamtwerk, 2005, S. 121-122).


Letztlich blieb mir (in meinem beruflichen Umfeld) nur so etwas wie Mimikri übrig. Ich kenne mein ehemaliges Millieu nur zu gut, um mir diesbezüglich Illusionen zu machen. Bei gewissen Linken findet sich, bereits im Charakter angelegt, die Bereitschaft, Anderdenkende bedenkenlos zu "erledigen".

Privat nehme ich jedoch kein Blatt vor den Mund. Da ich verbal erheblich besser bin als schriftlich, werde ich immer dort politisch, wo es passt (im öffentlichen Raum, im Freundes- und Bekanntenkreis). Ich halte es mit den Eichhörnchen, ich sammle Nuss auf Nuss für den ethnokulturellen Selbsterhalt meines Volkes.
Meier Pirmin
05. September 2016 15:16
@Wawerka. Sehr einverstanden. Wenn Sie hier vielleicht seitenweise Solidarität entgegennehmen könnten, würde Ihnen das möglicherweise mehr schaden als nützen. Es passt aber nun leider zur Thematik "Überlebensstrategien in einer polarisierten Gesellschaft" von M.L.
@Monika. Berdjajew und sogar auch der "Grossinquisitor" von Dostojewskij sind meines Erachtens mindestens so politisch wie die Sie weniger interessierenden Autoren Mohler, Jünger, Carl Schmitt.
Hartwig aus LG8
05. September 2016 15:16
Hier wird in einigen Beiträgen eine Polarisierung zwischen Links und Rechts herausgearbeitet, die natürlich evident ist, aber nur dann, wenn man die verballhornten Begriffe verwendet, wie sie heute halt verwendet werden. Um es mal anders zu sagen: Einem eingefleischt Rechtem zu begegnen, ist auf Grund seines seltenen Auftretens gar nicht leicht. Ein Linker, der sich beim Begriffspaar "deutsche Arbeiterklasse" verschluckt, ist kein Linker. Für mich sind das wichtige Begriffe, aber eher aus dem vorpolitischen Raum; und jedes mit Berechtigung.
Rechts ist eine Befähigung, Links ist ein Bestreben. Rechts ist Über-Leben, Links ist Besser-Leben. Rechts ist das Saatgut, Links ist der Dünger. Rechts ist Arbeit für die Sache, Links ist Arbeit an der Sache.
Ohne Rechts kein Links.
Man könnte ja in einem nächsten Strang mal versuchen aufzudröseln, wozwischen die Frontlinien tatsächlich verlaufen.
Kölsche Jung
05. September 2016 15:39
Hallo zusammen,

man wird schon blöd angeschaut, wenn man das naheliegendste Argument für die momentane Völkerwanderung anführt:

Die flächendeckende Verteilung von Smartphones.

Ohne whatsapp keine Flüchtlinge, sonst wären die ja schon vor zehn Jahren hier in rauen Mengen aufgekreuzt. Die Lebensverhältnisse in diesen Moslem-Molochs waren ja damals auch schon zum Wegrennen. Und wenn die Jungs, die schonmal hier sind den verbliebenen Kumpels in Echtzeit berichten, wie entspannt das hier ist und dass es hier was für lau gibt, dann geht der große Treck erst richtig los. Im Grunde ist das ein riesengroßer flashmob.

Und wenn man dann noch erzählt, dass es einem Gastgeber durchaus zusteht, zwischen eingeladenen und nicht eingeladenen Gästen zu unterscheiden, dann erntet man vom Normaldoof nur noch Unverständnis. Als ob es irgendwo auf der Welt möglich sei, einfach weil man Lust hat, in ein fremdes Land einzudringen, ohne Gefahr zu laufen, an der Grenze abgewiesen zu werden. Auf keinen Fall sollte man drauf hinweisen, dass etwaige Flüchtlinge sich doch bitte anständig zu benehmen haben. Jeder party crasher weiß doch intuitiv, dass man als ungebetener Gast sich möglichst unauffällig und eher gut benehmen sollte, auf die Gefahr hin, dass man andernfalls im hohen Bogen rausfliegt.

Das das irgendwie anders sein könnte, kann nur irgendwelchen Berufsfunktionären von WDR oder SPD in den Sinn kommen, Menschen,. die entweder garnichts Gescheitetes gelernt oder irgendein Gesabbel studiert haben und das idR nicht einmal abgeschlossen haben. Ebensolche Leute, die noch nie irgendeine müde Mark verdient haben und allein von Steuergeldern leben, denken sich solche hirnlosen Ausdrücke wie "Willkommenskultur" oder dergleichen Humbug aus.

Die Verwirrung wird komplett, wenn man als Christ argumentiert, namentlich, dass man sich um diese hier gestrandeten Leute kümmern muss, aber im Gegenzug es auch es nicht verkehrt ist, den Versuch zu unternehmen, diese Menschen, welche ja zu 95% Moslems sind, von ihrer antichristlichen, menschenverachtenden Doktrin zu befreien und denen unseren Herrn Jesus Christus vorzustellen.

Dann bekommt der normale Zeitungs- und Glotzenkonsument endgültig Schnappatmung.

So siehts aus in unserer von Glotze und Mainstreampresse verblödeten Republik.

Leev Jrööße usm hellije Kölle!
B. Blählamm
05. September 2016 15:43
Ich bin seit der Kommunalwahl in Hessen politisch für die AfD tätig. Im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich dafür wenig Verständnis geerntet. Eine Freundin meiner Frau, die bei den Grünen aktiv ist, ist nur noch bereit uns zu treffen, wenn das Thema Politik ausgeklammert wird. Sie traut sich wohl nicht zu, argumentativ bestehen zu können. Ein Onkel von mir, dem ich eine Nähe zu meiner Einstellung zugetraut habe, hat besonders heftig reagiert, das Personal der AfD in unsachlicher Manier verunglimpft und der AfD ein baldiges Verschwinden vorausgesagt. Er selber ist, wie sich bei dem Gespräch herausstellte bei der SPD. (Die Frage ist wohl, welche Partei zuerst verschwindet).
Ein Freund, den ich schon seit meiner Kindheit kenne, hat höhnisch und mit Unverständnis reagiert. Als Konservativer muß man in Deutschland schon stark sein.
Ein anderer Kommentator hat es schon formuliert; mit vielen lohnt keine Diskussion. Die Entfernung zur Realität ist bei vielen noch zu groß. Gerade die Befürworter der „Bunten Republik“ wohnen ja meist weit entfernt von der Realität in Stadtvierteln mit geringem Migrationsanteil, und beklagen gleichzeitig, dass immer mehr (rechte)Deutsche auf das Land ziehen, weil sie unter Ihresgleichen sein wollen.
Alles in Allem ist deutlich spürbar ein Prozess im Gange, der gewissen Anlass zu Hoffnung gäbe, wäre nicht der tiefe Riss durch das Volk.
Eveline
05. September 2016 15:44
Vielleicht sollte man bevor es in die Diskussion geht, erst einmal sein eigenes Weltbild beschreiben oder kundtun.
Und den anderen dann auffordern , sich auch daran zu beteiligen.

Da klärt sich schon vieles hin.

Ich habe ein ganzheitliches Weltbild.
Andere vielleicht ein kommunistisches WB.
Oder ein liberales WB.
Oder ein symptomatisches WB. (Schulmedizin.)

Um einen Standpunkt zu haben, von wo man agieren kann.
Michelle
05. September 2016 15:55
@Irrlicht: Ich habe meine Grundsatzbedenken gegenüber eine Moralisierung der Politik im Anschluss an CS ja zum Ausdruck gebracht, fallweise wird man auf diese Waffe des Unterlegenen (vgl. Nietzsche über die Erfindung des schlechten Gewissens als Waffe der Schwachen) aber wohl nicht verzichten können, gerade um sich von diesem Druck der Moralisierung zu befreien (third Person.... ).

Die FAZ ist natürlich eine Zeitung der FDGO (ich selbst habe, das wird ggf. unsere Differenz sein, auch "nur" mit dem Bruch des Grundgesetzes ein Problem, nicht mit diesem selber); insofern ist es konsequent, aber doch auch erstaunlich, dass sie von Merkel so deutlich abgerückt ist. Ventilfunktion oder Katalysatorfunktion beim Ende Merkels - das müsstet man ja erst einmal untersuchen.
Deutscher Freigeist
05. September 2016 16:22
Ich hatte vor der AfD-Wahl in Mecklenburg-Vorpommern ein Gespräch mit einer Bekannten aus meiner Universität. Sie erzählte mir, dass sie die Kommentare auf Facebook zu dem Jennifer Rostock Lied aufregen würden. Ich kannte das Lied bis dahin nicht, weil ich mich nicht auf Facebook bewege. Also hörte ich es mir über die Analyse von Hagen Grell an. Es war natürlich sofort klar, auch mit eigener Recherche des AfD-Programms und besonders als Konservativer und Liberaler, dass Jennifer Rostock Blödsinn singt. Das schrieb ich besagter Bekannten auch, dass die negativen Kommentare völlig berechtigt seien, da es nichts anderes als Verleumdung vor der Wahl sei. Als Antwort bekam ich, dass Jennifer Rockstock nur die Wahrheit über die AfD als Lied verpackt und nichts verleumderisches dabei sei. Wie man sich denken kann, entbrandte ein Streit, der dann im kompletten Schweigen endete, als ich besagter Bekannten den Konter von Melanie Halle schickte. Die Erkenntnis war, dass dies das allgemeine Niveau im Mainstream ist, auf dem politische diskutiert wird. Wir haben junge Leute, die - wie meiner Mutter sagen würde - von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, aber sich dennoch einbilden Recht zu haben.

Als ich "Erstie" an der Universität war, dchte ich noch ich sei an einem Hort der Geistesfreiheit, wo man diskutieren und Gedanken austauschen kann. So trat ich auf. Ich wollte diskutieren. Schnell merkte ich, dass dies eine katastrophale Fehleinschätzung war. Ich war nicht an einem Hort der Geistesfreiheit, ich war in einer linken Hochburg. Bei den Studenten gibt es meiner Erfahrung nach nur zwei Lager: Linke und Desinteressierte. Desinteressierte sind die, die alles mögliche beschäftigt, nur nicht Politik. Ab und zu gibt es mal den ein oder anderen Konservativen oder wenigstens Kritiker. Aber die bemerkt man nur, wenn man zufällig mit jemanden auf einer Feier persönlich spricht. Offen sagen sie nichts. Mit den Linken zu argumentieren ist sinnlos. Ich könnte dazu einen ganzen Aufsatz schreiben. Das geht bei ihrer typischen Dialektik los, geht über den Mangel außerhalb des Mainstreams zu denken, über kolossale Unwissenheit irgendwelcher Hintergründe und Zusammenhänge, bis hin zur völligen Verweigerung sich mit nicht-linken Standpunkten oder Quellen zu beschäftigen. Stattdessen werden einem die typischen inhaltsleeren und in vielen Fällen heuchlerischen Phrasen um die Ohren gehauen, die man in ein zwei Sätzen auch als solche belegen kann. Das wird aber nicht verstanden, dass sich hier wiedersprochen wird. In dem meisten Fällen begnet mir dabei eine enorme Verleugnung der Realität, egal wie sehr man sie zu belgen sucht, es wird immer so gedreht, dass es eine Vermutung sei oder eben eine Verschwörungstheorie. Vorgebrachte Quellen sind dann nicht galubwürdig, weil sie eben nicht vom Mainstream kommen. Selbst sagen sie aus, nicht dem Mainstream zu folgen. Weißt man ihnen dann Gegenteiliges nach, ist es plötzlich ihr Standpunkt, den ich zu akzeptieren habe. Man dreht sich bei den Diskussionen im Kreis und endet stets weit außerhalb des Sachthemas. Ich sehe dahinter Systematik.

Es braucht ein enormes Maß an Selbstbeherrschung, um hier nicht dem eigenen Zorn nachzugeben. Es gelingt mir immer mehr immer weniger. Ich finde es genial, wenn Oliver Janich mit Marxisten diskutiert und man als Unwissender Libertarismus und Marxismus gegenübergestellt findet. Zuletzt setzten sich bei der "Bibliothek des Konservatismus" Konservative und Libertäre zusammen und wogen ihre Stärken und Fehler gegeneinander ab und überlegte, ob und wie man zusammen könnte. Bei beiden Quellen fühlte man sich am Ende äußerst befriedigt. So sollten Diskussionen ablaufen. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist dies mit Linken völlig unmöglich, weil sie nicht ergebnisoffen in ein Gespräch gehen, sondern von Anfang an davon ausgehen sie haben Recht - sie haben "Links" müsste man fairer Weise sagen. Sobald man sie dann zu wiederlegen versucht, werden alle möglichen Geschütze aufgefahren, um ja Recht zu behalten. Bis hin zu absolut psychopathischen Verhalten, wie Lachen oder pseudo-intellektuelle Aussagen wie "Das sagen alle Rechten." Man befindet sich schnell in Zirkelschlüssen und Pseudo-Definitionen und eine Diskussion ist ab hier unmöglich.
Aus vielen Diskussionen kommt man weder gut rein noch gut raus, weil viele Sachverhalte in Deutschland verboten sind zu diskutieren und wenn man es doch tut, kommen bekannte Keulen. Dann muss man sich damit beschäftigen, als dass der Gesprächspartern das Argument aufnimmt.

Ich persönlich habe hier keine gute Strategie. Ich eröffne ein Gespräch, um Standpunkte auszuatuschen, was am Ende dann in Zorn und innerer Unruhe führt. Die Erkenntnis ist dann, dass man schweigt und wenn, nur auf anonymisierten Plattformen seinen Kommentar abgibt und nur auf "freundliche" Kommentare antwortet. Alles andere wird sofort geblockt. Es bringt einfach nichts und man ist oft für Stunden mies gelaunt und unruhig, obwohl man sich einbildet nur mit den besten Intention in das Gespräch gegangen zu sein. Für die Universität ist meine Erkenntnis, mich an politischen Diskussionen nicht mehr zu beteiligen. Auch, weil ich aufgrund der vielen Sticker weiß, dass jede Menge sogenannte Antifaschisten dort umherlaufen. Bloß die Semester schnell rumbringen und nicht weiter auffallen und sich auf gar keinen Fall zu irgendeiner politischen Stellungenahme reizen lassen. Den meisten fehlt ohnehin das Wissen.

Nach meiner Erfahrung ist es nicht möglich zwischen links und rechts Brücken zu bauen. Zwischen den Intellektuellen vielleicht. Aber nicht zwischen den jeweiligen Gefolschaften der einen oder anderen Seite. Wenn du stets auf Verleumdungen, Wortdrehereien, Anfeindungen bis hin zu offenen Aufrufen zur Verfolgung und Mord gegen dich (und deine Familie) triffst, dann merkst, dass es diese Gesellschaft bei jedem Thema, was den National-Sozialismus auch nur entfernt tangiert, hysterisch aufschreckt. Aber offen praktizierten Faschismus erster Güte in diesem Land völlig ignoriert. Dann kann die Erkenntnis nur sein, dass man in einem Irrenhaus lebt. Ich las mir letztens die Seite des "Netz-Gegen-Rechts" durch. Dabei wurde ich in dieser Erkenntnis nur bestätigt. Es ist also verständlich, wenn viele Deutsche sich nicht am politischen Prozess beteiligen, sondern sich ausbilden lassen und dann still und heimlich diese Land verlassen. Ich spiele selber mit dem Gedanken. Man kann diesem Volk - wenn es das überhaupt noch ist - in der Mehrheit einfach nicht mehr helfen und man macht sie nur selbst kaputt bei dem Versuch. Sie verstehen nichts und sie tun auch nichts. Aber sie spucken große Töne, die jedoch völlig inhaltsleer sind. Da fragt man sich, warum man seine Kraft und sein Lebenszeit dafür opfern soll, wenn man auch die Alternative hat in ein Land zu gehen, wo man frei ist und wo das eigene Wirken Enerkennung findet.

Was Politik und Bildung angeht, ist dieses Land am Ende. Es gibt viele aufgeklärte Menschen wie hier. Aber was nützt dass, wenn sie eine Minderheit sind und fallen wie die Fliegen? Ich weiß, was ich tun würde. Aber sonst sehe und höre ich nur Floskeln. Nichts, was gesagt wird, hat Konsequenz. Nichts, was getan wird, hat Konsequenz. Alles ist hohl und leer und voller Heuchelei und schier grenzenloser Dummheit. Da sollte man sich lieber einen anderen Bereich suchen, wie Archäologie. Aber Politik und Gesellschaft ... in Deutschland ... wie die Arbeit in einem Irrenhaus. Und man hat Angst, selber irre zu werden.

Soweit meine Gedanken dazu.
Meier Pirmin
05. September 2016 16:41
Man beachtte www.zeit.de vom 5. September


Als Beweis für die rechtsextremistische Gesinnung des AfD-Politikers Holger Arppe wird seine mangelnde Berührungshemmung gegenüber den "rechtstextremistischen" Identitären genannt und dass er die Aktion auf dem Brandenburger Tor vom vorletzten Sonnabend als "harmlos" eingestuft habe. Sämtliche zitierten Meinungen von ihm werden als extremistisch denunziert. Aussen vor bleibt der Extremismus der Eigenperspektive, weil man sich eigentlich nicht vorstellen kann, dass die "liberale" Zeit im Einzelfall einen totalitären Duktus führt. Es wird auch nicht gesagt, dass die Identitären auf dem Brandenburger Tor ausschliesslich die Forderung nach sicheren Grenzen erhoben hätten; als Ausdruck des "Rechtsextremismus" der Identitären hätte dies in der ZEIT nicht geschrieben werden dürfen, weil dies die Leser mehrheitlich wohl doch nicht nachvollzogen hätten.


Durch die kampagnenmässige Wiederholung wird der rechtsextremistische Charakter der Identitären medienmässig "objektiviert". Wer also in seiner Eigenschaft als Politiker der AfD nicht gehetzt werden will als angeblicher rechtsextremer Sympahtisant der Identitären, wird also besser jeden Kontakt meiden. Etwas ganz anderes wäre es, würden Zeit-Journalisten Texte der Identitären analysieren und diese kritisieren. Und natürlich auch dren methodisches Vorgehen im Vergleich zu Antifa und Greenpeace genau analysieren. Wie "extremistisch" war eigentlich die Aktion auf dem Brandenburger Tor im Gesamtvergleich bedeutender Demonstrationen in den den letzten 100 Jahren? Einbeziehen müsste man die Klassiker des gewaltlosen Widerstandes, Dann sähe man, wie "extremistisch" die Identitären wirklich waren bzw. sind.


Ebenfalls wäre es wohl nicht Ausdruck totalitärer Hetze, würde die Gegenseite wirklich versuchen, den Identitären allfällige politische Irrtümer nachzuweisen. Im Gegensatz zur Anklage der Gesinnung, wogegen man eigentlich als "Faschistenschwein" nichts machen kann, wäre ein logisch-diskursiver Irrtumsnachweis so etwas wie eine Auseinandersetzung innerhalb eines demokratischen Diskurses. Die ganze Hetzerei ist insofern nicht harmlos, als "Faschismus" bekanntlich nach antifa-Lesart "nicht eine Meinung ist, sondern ein Verbrechen." Dazu gehört als axiomatische Voraussetzung: Wer ein Rechtsextremist ist und was Rechtsextremismus, bestimmen die einschlägigen Medien. Sind sie zwangsabonniert, ist es freilich noch gravierender als wenn es bloss eine Zeitung ist. Keineswegs harmlos ist es überdies, wer und was an Schulen und Hochschulen als rechtsextremistisch gilt, wenn es zum Beispiel heisst: Es stand ja in der ZEIT.


@CCCED und andere haben für den privaten Bereich bereits den Nachweis erbracht, dass ein rationaler Diskurs in der heutigen polarisierten Gesellschaft schwerlich möglich ist. Es war indes vor 40 und mehr Jahren bei der Debatte um die Ostverträge ähnlich. Auch damals gingen die Gräben oft durch die Familien und die Partnerschaften.
Maxx
05. September 2016 16:55
Meine Überlebensstrategie besteht mittlerweile darin, grundlegende politische Gespräche außerhalb des familiären Umfeldes nach Möglichkeit zu vermeiden. Über Sachfragen kann man mit gebildeten Linken auch diskutieren, aber das Feindbild der Rechten ist in den meisten Hirnen so fest zementiert, dass man damit gar nicht kommen braucht. Selbst Leute, die ähnliche Positionen vertreten wie wir und auf FB fleißig Links posten, zeigen sich überrascht, wenn ich meine, dass sie eigentlich rechts sind. "Oh, nee, aber ich doch nicht." Klar. Als Rechter wird man gesellschaftlich isoliert ...
Na ja, die meisten Argumentationen mit Linken/Jugendlichen laufen nach meiner Erfahrung sowieso ins Leere, weil der Gegenseite oft belastbares Hintergrundwissen fehlt ("das kann ich jetzt nicht nachprüfen, was du sagst") und sie sich auf eine rein emotional begründete Position zurückzieht ("mir egal, aber man muss doch den armen Menschen helfen"). Pff, okay, ... Persönliche Erlebnisse kann ich leider nicht aufschreiben; zu privat, im Grunde auch vieles deckungsgleich mit anderen Kommentatoren hier.... Ich war als Jugendlicher gehirngewaschener Ostlinker/Kommunist, kann daher auch vieles nachvollziehen; die Heuchelei der SED-Bonzen und vor allem die antideutschen Attitüden der Westlinken haben mich in den 90ern aus dem linken Lager getrieben... Jetzt verorte ich mich rechts. Right is right, and it feels right...
PS: Ihr seid Klasse. Und Pirmin Meier ist cool. Sollte eine Biographie schreiben.
Lucius de Geer
05. September 2016 17:01
@wawerka

"Das bin ich seit 5 Tagen nicht mehr. Als jemand, der „menschenfeindlich“ ist, bin ich wohl nicht mehr tragbar. So viel zu meinen persönlichen Erfahrungen. – Absurdes Theater!"

Was ist genau passiert?
Peter Niemann
05. September 2016 17:04
Woher die Kraft zur Diskussion nehmen? Einige Aspekte sind anzusprechen:
(1) Die Umvolkung Deutschlands (und vieler anderer weißwestlicher Länder der Welt) ist die größte Krise der Nachkriegszeit. Da ich das als Faktum weiß, ruhe ich bei den Themen Flüchtlinge, Asylkrise, Demographie der BRD etc. wie ein Stein in mir. Aus dieser Sicherheit resultiert eine enorme Diskussionkraft. All die mir entgegengeschleuderte Argumente sind somit als falsch und als irregeleitete Konstrukte anzusehen und für mich gestaltet sich jedes Gespräch dadurch sehr leicht, auch wenn ich es nicht unbedingt stets gewinne.
(2) Der Mensch als Rudeltier benötigt einen menschlichen Rückzugsraum in dem er seine Wunden lecken und Kraft tanken kann. Die Linke exerziert das sehr gut und deshalb z.B. auch der enorme Kampf um die Rigaerstr. 94. Wer politisch angreift, braucht einen Kreis in welchem er sich erholen kann und entsprechend ist es notwendig als Partner/-in und Freunde Menschen um sich zu scharen die einen respektieren und emotional stützen.
(3) Die eingetrichterte Angst ablegen. Wer konsequent durchdenkt was als GAU-Szenario eines rechten Sichoffenbarens eintreten dürfte (z.B. Verlust der Arbeitsstelle, Verlust einiger Freunde, Verlust der Facebookseite), der begreift daß diese Szenarien oft unschön, aber nicht so schrecklich sind. Hier spricht nun der Arzt in mir: Die körperliche Unversehrtheit und Gesundheit ist in solchen Szenarien fast immer unangetastet und man gewinnt sogar oftmals neue Freiräume (mehr Freizeit, neue Freunde, mehr Zeit mit der Familie statt im Internet usf.) die zum Lebensglück genutzt werden kann. Dennoch: Die Angst ist der größte Feind im Kampf.
(4) Die moralische Waffe nutzen. Man nutzt zwar dann aus meiner Sicht schwache Argumente, aber diese scheinen bei bestimmten und v.a. moralisch denkende Menschen effektiv zu sein. Einige Beispiele: "Mit Ihrer Flüchtlingspolitik zerstören Sie die Grundlage unserer Gesellschaft und unserer Kinder", "Schämen Sie sich nicht mitverantwortlich für die Vergewaltigung vieler Frauen in Deutschland zu sein?", "Willst Du wirklich moralisch verwerfliche Männer nach Deutschland hereinlassen, die ihre Mütter, Schwestern und Großeltern im Bürgerkrieg zurücklassen?" usf.
(5) Auch über sich selber lachen können, wenn z.B. ein Gespräch verbissen geführt wurde dann einmal einen Schritt zurückgehen, dem Gegenüber auf die Schulter lachend klopfen und sagen "Herr Müller, da haben wir uns aber verrannt und aggressiv diskutiert als wären wir die Bundesregierung!"

Konkrete Beispiele nun:
- Ich spazierte mit einer kinderlosen Endzwanzigjährigen in winterlicher Landschaft. Sie schilderte mir wie gut die Flüchtlingskinder deutsch sprächen und am Ende einer immer hitziger geführten Diskussion blieb mir nichts Anderes übrig als zur moralischen Waffe zu greifen: "Du hast leider nur begrenzt Einblick weil Du keine Kinder hast. Das ist auch in Ordnung, aber damit kannst Du nicht mitreden, und wir beenden das Thema weil ich nicht die Zukunft meiner Kinder von Dir als kinderlosen Frau bestimmt haben möchte". Das entzog ihr den Boden ihrer Argumentationslinie.
- Rentnerehepaar in Mailand auf Urlaub, ich auch. Beide schwärmten wie toll die Flüchtlingspolitik sei und wie viel Sinn es ihnen im Leben gäbe. Meine kurze Antwort: "Dann brechen Sie bitte sofort Ihren Urlaub ab, verschenken Sie all Ihr Hab und Gut an diese Flüchtlinge und gehen Sie nach Kalkutta um vor Ort zu helfen. Alles andere ist Heuchelei."
- Zu Besuch in einer mittelgroßen westdeutschen Stadt, voll mit Ausländern. Ich: "Oh je, schämst Du Dich denn nicht in dieser Stadt zu leben?" Sie: "Wieso denn?" Ich: "Weil die Stadt immer ärmer aussieht. Aber gut, irgendwoher muß das Geld ja für die Flüchtlinge kommen..." und die Frau war baff danach.
Marco
05. September 2016 17:04
Ich erntete Entrüstung und Unverständnis für meine Aussage: Ich werde niemals eine Frau heiraten die einen Doppelnamen führen will.

Des weiteren wurde mir und einer Anzahl von Männern (alle alleine auf Reise/Durchreise an einem Samstag Abend ) an einer Bar, in angeregter nicht pc politischer Unterhaltung beim Bier von der männlichen Kneipenaushilfe der Mund verboten. Er als studierender Medienblabla... fände unsere Aussagen abstoßend und uns sollte man das Meinungsäußern bei Strafe verbieten. Wie er das als angehender Medienfuzi mit der Meinungsäußerungsfreiheit vereinbaren könne, kam nur ein, "Abschaum wir ihr haben keine Rechte". Da blieb ein jedem die Spucke weg, und machten wir machten uns auf den Weg.

Guter Freund seit Jugendtagen, katholisch getauft, kommuniert und gefirmt geht jeden Sonntag mit der Familie in den evangelischen Gottesdienst, weil es da bunter, zeitgemäßer und weltoffener zuginge, aber evangelisch will er nicht werden???
franz spitzauer
05. September 2016 17:16
Wollen wir im Sinne von Lichtmesz "Überlebens"-Handbuch konkret bleiben. Daher hier drei entsprechende Erfahrungen als Österreicher:

1. Kleine private Runde in einem "Bobo"-Wirtshaus in Wien im Dezember 2015 - am Nachbartisch ein SPÖ-Abgeordneter zum Europaparlament: alle vier am Tisch Akademiker, zwei davon Linksliberale, Ex-Grün-, jetzt Neos-Wähler, beide in Medienberufen tätig. Eine, liberal, feig im Diskurs, aber privat konservativ ("in bestimmten Stadtviertel verriegle ich die Zentralverriegelung meines Autos, wenn ich da durchfahre" ... "wegen der vielen dunklen Typen"...) und dann ICH. Frage an mich, zu welchem Zweck ich den am nächsten Tag nach Berlin flöge. Ich: "Ist beste Möglichkeit, um nach Dresden zu kommen, wo ich an einem der Pegida-Spaziergänge teilnehmen werde". Schockstarre, offene Münder, fühlbares Entsetzen. Die Frage nach dem Warum. Die Antwort: "weil ich ein bekennender Rechter bin, weil ich alles Vernünftige in diesem Spektrum unterstütze und weil es sich mit der Teilnahme an rechten Demos verhält wie mit der Römerquelle-Werbung: es belebt die Sinne". Und dann mein Hinweis auf die erkennbare Tendenz der Medienberichterstattung, wenn es um rechte Projekte geht. Von den beiden Linksliberalen gibt einer auf, springt auf und verlässt das Lokal - wortlos und ohne Diskurs. Dem Rest der Runde erkläre ich die Mechanismen von Noelle-Neumanns "Schweigespirale". Mit dem einen verbliebenen Linksliberalen ist über dieses Thema sogar ein Konsens möglich.

2. Dieser Tage bei einer Afd-Demo in Bayern: Die Polizei hat zugelassen, dass sich die Antifa fast direkt in den Veranstaltungsbereich eingeschlichen hat und dort ihre Parolen absondert. Gespräch mit einem Afd-Funktionär, der staunt, dass auch Österreicher an einer Afd-Demo teilnehmen. Der - wegen der Antifa aufgeregte - Funktionär: "In Österreich gäbe es eine derart aufdringliche Antifa sicher nicht?!" Ich: "Doch! Aber in Österreich fangen die sofort ein paar Watschen!" Staunen und Unsicherheit beim Funktionär.

3. Diskursverweigerung und pauschale Ablehnung ist ja nichts genuin Linkes. Beispiele: die Abgrenzung von Parteien wie Afd und FPÖ zu den Identitären. Daher schlage ich gerne zurück, z.B. wenn ich auf FPÖ-Wahlkämpfer treffe. Brav und zustimmend nickend höre ich mir alles an, was sie an Überzeugungskraft aufzubieten habe - um ihnen dann zu sagen, dass ich sie leider doch nicht wählen kann. Frage stets: "Ja wieso denn nicht?" Meine Antwort: "Weil ich Rechtswähler bin!" Große Augen, offene Münder. Schnitt!

Gruß aus Österreich
Siddharta
05. September 2016 17:20
Mir fehlt hier etwas die Frage nach dem Normativen. Wie sollte man mit der Ausgrenzung umgehen? Als ich gestern sah, wie Petry im Wahlstudio Schwesig sinngemäß anbot "sich über diese Brücke die Hände zu reichen", war ich irritiert. Es müsste eigentlich allen klar sein, dass in dieser Zeit mit vielen kein Handschlag mehr möglich ist.
Eveline
05. September 2016 17:23
Es schmerzt, weil es keine Einigung gibt. Der Mensch ist nun mal ein soziales Bindungswesen.

Mir fiel gerade Vera Birkenbihl ein, finde leider das Video dazu nicht.

Sie beschreit es so:

Der Mensch ist ein vollständiges Individuum, mit einer Insel um sich rum. Diese Insel enthält den Erfahrungsschatz , der sich so im Leben angesammelt hat. Jetzt treffen sich zwei und wollen ein Problem diskutieren.

Die Kiste des Erfahrungsschatzes wird geöffnet und im günstigen Fall passen die beiden zusammen und finden eine gemeinsame Schnittmenge.

Und finden sich beide gut, weil der kann aber gut diskutieren, das ist mein Freund.

Jetzt treffen sich zwei, die keine Schnittmenge finden, der ist doof, weltfremd und überhaupt ....schläft noch.

Hier gab sie dann folgenden Rat. Es gilt eine Brücke zu bauen, sie nannte das eine Zweieinigkeitsbrücke. Wir sind uns einig, das wir uns nicht einig sind.
Und gut ist, jeder kann dann zufrieden nach Hause gehen.
Einar von Vielen
05. September 2016 18:06
Gerne ein paar persönliche Beispiele zu dem spannenden Phänomen:

Gehe an christlichem Feiertag um unser mondänes Stadtgewässer, soll weltweit bekannt sein, spazieren. Sehe ich hin und wieder Landsleute, oder zumindest welche die ‚so‘ aussehen. Sehe ich auch ein Vielfaches an Neubürgern. Junge Männer, aber auch Großfamilien. Einige sogar im Kaftan und allem was das orientalische Trachtenportfolio so hergibt. Babylonisches Gemurmel vorbeiziehend. Sag ich zu Schatzi „na Mensch, heute wieder kaum Deutsche unterwegs“. Sagt Schatzi mit Giftton „Wie kommst Du da denn drauf?“. Sag ich „na guck doch“. Sagt sie „ich seh‘ nur Menschen“. Sag ich, „ja aber doch kaum noch Deutsche dabei“. Sagt sie „woran willst Du das erkennen?“ Sag ich: „Am Aussehen? An der Kleidung? Sprache?“ Sagt sie: „Und woher willst Du wissen, dass das keine Deutschen sind?“ Hab ich nix weiter gesagt.

Anderes Beispiel: Schatzis gute Freundin zu Besuch. Journalistin. Tochter von, na ich schreib’s nicht. Hohes Tier. Sagt sie „die Deutschen spinnen“. Sag ich „stimmt, aber wieso jetzt?“. Meint sie „weil es jetzt heißt überall Flüchtlinge, am Bahnhof, alles voller Flüchtlinge!“. Ich: „Mmhh, jaaaa - ist das falsch?‘ Wir hatten Herbst 2015. Sie: „Mag ja sein, aber ich sehe keine?“ Ich: „Wie? Ich komme am Hauptbahnhof kaum noch durch?“ Sie: „Ja aber woran erkennst Du die denn? Das kann man denen doch nicht ansehen, die sehen doch aus wie wir?“ Anmerkung: Sie brünett-blauäugig mit alemannischen Zügen. Ich: „Hast ja recht, kommt ihr beiden, trinkt noch einen“.

M.L.: Genial!


Noch eines: Steh ich mit Freund, eigentlich sehr gutem Freund, in Kneipe. Der ist intelligent. Erfolgreicher Selfmade Unternehmer, noch kein Millionär aber auf dem Weg dorthin. IT. BWLer. Schimpft der über Trump. Frag ich „wieso?“ Sagt er: „Der will foltern.“ Sag ich: „Die foltern längst.“ Er: „Ja aber der will es. Und an allem sagt der sind die Ausländer schuld. Immer nur die anderen. Und Waffen will der. Und der ganze weiße männliche Müll wählt den.“ Sag ich: „Dem weißen männlichen Müll hat die Welt ja auch viel Gutes zu verdanken, vielleicht liegt es daran, dass man diesen Menschen das Gefühl gibt nur noch Müll zu sein?“ Er: „Sind sie auch! Genau wie die AfD-Verbrecher bei uns.“ Ich: „Verbrecher?“ Er: „Ja, Verbrecher!“ War grad nach Wahl in Sachsen-Anhalt. Ich: „28% in Sachsen-Anhalt sind Verbrecher?“ Er (immer noch nicht betrunken!): „Ja, Stütze-Empfänger die wir mit unseren Steuern finanzieren, seit der Wende bis heute, und alle sind mit ihrem Arsch aus lauter Faulheit in ihrem scheiß Heimatort arbeitslos geblieben anstatt dorthin zu gehen wo es Arbeit gibt. Vor jedem Syrer, der mit seiner Familie solche Strapazen auf sich nimmt, um hier zu arbeiten ziehe ich meinen Hut, der will arbeiten, die AfD-Arschlöcher sind dafür viel zu faul! Wir leben in einer globalen Ökonomie, in der die Schnellen den Erfolg haben, und die Trägen nicht länger von den Schnellen in ihren Ländern durchgefüttert werden. Heute kannst Du in Indien schnell und intelligent sein und Erfolg haben, aber wenn Du dumm und träge bist wie die in Sachsen-Anhalt dann haste halt keinen Erfolg mehr, und deswegen wählen die die Verbrecher-AfD!“ Ich: „Sollte man alle besser umbringen?“ Er: „Am liebsten eigentlich schon“ (ich suche nach Fluchtweg) „aber wir sind ja nicht wie die. Ich: „Vielleicht liegt denen nur etwas am Erhalt der deutschen Kultur?“ Er: „Deutsche Kultur, was denn für eine deutsche Kultur?“ Ich: „Na so Goethe und so.“ Er: „Goethe? Für jeden Goethe haben wir 20 Verbrecher gehabt die Zyklon B in Ausschwitz in die Schächte geworfen haben! Welche deutsche Kultur ist es denn bitte schön wert geschützt zu werden? Die AfD-Kultur?“ Ich hab dann noch was bestellt, denn es gibt familiäre Konstellationen aufgrund derer ein Byebye zu sehr mühseligen Aufräumarbeiten geführt hätte. Außerdem ist er sonst echt nett.

Ähnlich folgendes: Ich wieder in Kneipe mit anderem Freund, Fussi gucken. Ich: „Sag mal wie ist denn Deine Meinung, hast doch ne Tochter. Angst davor, dass die mal nicht so leben kann wie wir noch?“ Er: „Ey was redste denn jetzt für’n Nazi-Scheiß?“ Ich: „Halt mal, Du glaubst doch nicht, dass das ohne Auswirkungen auf uns bleibt, wenn ein Großteil der Bevölkerung muslimisch ist?“ Er: „Ach Du bist so derart verklemmt, das hat sich in der Geschichte schon immer angepasst.“ Ich: “Mmmh. Bisher ja noch nicht überall, gibt ja Viertel, da muss das erst noch passieren, außerdem ist die Frage, wer sich an wen anpassen wird.“ Er: „So ein Schwachsinn. Bei mir in der Firma sind ganz viele Ausländer, die sind genauso wie wir“ (er meinte seine Programmier-Griechen und -Weißrussen). Und da er für Personalrekrutierung verantwortlich ist: „Das ist jetzt super für uns. Ist immer schwer, gute Leute zu finden. Das ist jetzt ne echte Chance, da sind Spitzenleute dabei.“

Ein halbes Jahr später, wieder Kneipe (ich geh da wohl zu oft hin), gleicher Kumpel. Ich: „Na, jetzt haufenweise Spezialisten rekrutiert, war ja ein Füllhorn, das mit den Flüchtlingen?“ Er: “Ne. Keiner dabei, der wenigstens richtig Englisch konnte. Von IT schon mal keine Ahnung. Das kannste vergessen.“ Ich: „Ach. Wer hätte das gedacht?“

Lang ist’s her: 12. Klasse, Alt-BRD-Gymnasium, Ende 80er. Nicht High-End, eher so typisch Jetzt-können-endlich-alle. Sozialkunde. Thema deutsche Gesellschaft, so weitestgehend. Junges Mädchen weinend: „Und dann waren wir in Dänemark, und die Menschen sind da alle so nett. Überhaupt, immer wenn ich ins Ausland fahre sind die Menschen da alle so nett. Nur wir Deutschen sind immer so scheiße.“ Weint bitterlich. Tränen sind echt, nicht aufgesetzt. Sie weiter: „ Warum müssen wir Deutschen immer so Scheiße sein?“. Senkt Kopf in Schoß, zuckend. Lehrer hebt Kopf. Halbgeschlossene Augen sehen fixierend durch die Klasse. Zufriedenen, leichtes Lächeln. Ich beschlossen: Du, 68er, Feind fürs Leben.

Tja, welche Überlebensstrategie hilft da? Zum einen: Heimlich auf Klo Sezession lesen. Im Ernst: Ich habe wenige Menschen getroffen, mit denen man zu Themen, die geeignet sind, zum Aussätzigen erklärt zu werden, frei sprechen kann. In dieser sehr kleinen Gruppe sind mir immerhin zwei Typen aufgefallen: Der eine Typ ist durchaus extrovertiert und argumentiert authentisch emotional, durchaus argumentativ aber nicht intellektuell oder analytisch. Diese Typen überleben dadurch, dass sie ihre soziale Umgebung auf natürliche Art ‚bereinigt‘ haben. Sie haben durchaus außerhalb ihres Freundeskreises einen schlechten Ruf, aber das prallt an ihnen ab. Das aber um den Preis, dass ihr soziales Netz ich sag mal 'wirkungsbegrenzt' ist, denn die, die zu ihnen halten sind ihrerseits nicht primär daran orientiert, sich in der Gesellschaft um jeden Preis aussichtsreiche Positionen zu erschließen. Wie heißt es so treffend: Arm aber ehrlich.

Der andere Typ, zu dem ich mich in der Selbstschau zähle, bezieht bereits einen (zu) großen Teil innerer Befriedigung aus dem analytischen Verständnis der Welt und versucht ansonsten das Beste für seine Familie zu erreichen. Er dringt zwar in Logiken vor, mit denen sich ein Normalsterblicher nie auseinandersetzt. Dementsprechend aussichtsarm ist es aber, dieses ‚Mehr‘ an Gedachtem in Gesprächen überhaupt einbringen zu können. Denn der ‚Normale‘ ruft in gesellschaftlichen Fragen tief eingebrannte Standardroutinen im Denken auf, deren Infragestellung zu „fatalen Fehlern“ in den Denkprozessen führt. Deswegen sträuben sie sich so derart, sich auf Argumentationen überhaupt einzulassen: Allein die Auseinandersetzung bedarf ja einer a priori Zulassung des Gesagten, um es wenigstens in eigenen Denkprozessen verarbeiten zu können. Die sind aber darauf angelegt, das Gesagte stets als unzulässig zu klassifizieren. Man verstößt also fundamental gegen Axiome, man arbeitet bestenfalls mit einer Art Division durch Null mit der der Gegenüber nichts anfangen kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Überlebensstrategie lautet hier: Fresse halten. Es hat keinen Sinn.

Was mir aber ferner aufgefallen ist, und das ist ein Lichtblick, dass es auch auf der ‚Gegenseite‘ Menschen gibt, die Lust an der Analytik haben und sich von der Division durch Null noch nicht abschrecken lassen. Die sind – obwohl das an meinem eigenen Profil liegen mag – eher unter Familienvätern, die noch arbeiten müssen, zu finden. Selbst unter denen sind sie zwar selten und man findet sie erst durch Umwege heraus, durch gute Gespräche zu anderen Themen bei Wein und Gesang. Wenn sie aber ebenfalls Lustanalytiker sind und Vertrauen zu einem über andere Themen gewonnen haben, lassen sie sich jetzt, in Zeiten, in denen das Offensichtliche ihnen zumindest klar macht, dass die Division durch Null ihnen Zugang zum Verständnis vieler Fragen verwehrt, zu ‚Entkräftungsspielen‘ ein: Man stellt ganz unbedarft eine Argumentation zur Stützung einer These auf, die sie aus unserer Sicht nur relativ oberflächlich abgelehnt haben. Wer seinen Kubitschek verinnerlicht hat, kann gezielt ihre Entkräftungsbausteine logisch wiederum entkräften, was bei ihnen zu einer gesteigerten Lust führt, sich tiefer in die Denkwelten zu begeben. Und siehe da: Das sind in Folge zwar noch nicht lupenreine AfD-Wähler, aber man hört dann öfter als je zuvor: „So habe ich das noch gar nicht gesehen. Mit Dir macht es Spaß, zu diskutieren.“ Ergo: Trinkt und redet mit Familienvätern die Spaß an logischen Ketten haben, über diesen ‚Spieltrieb‘ führt man sie in Welten, die sie von alleine nicht betreten hätten.
Eckesachs
05. September 2016 18:27
1.Einige Jahre her.

Sommerfest bei einem befreundeten Arztehepaar auf dem Lande. Meinen Kindern zum Gefallen nahm ich diesen Termin wahr, ich selber gehe nicht so gern unter Leute.
Setzte ich mich an diesem Abend abseits an einen Tisch, auch um der Musik zu entkommen und zündete mir eine dicke Zigarre an (Zigarren empfinde ich, ebenso wie ein Stofftaschentuch, als sehr konservativ).
Ich wollte nun gern allein sein und meinen Gedanken nachhängen, die Kinder hatten ja ihr Amüsement. Leider setzte sich nach kurzer Zeit ein älteres Ehepaar neben mich. Nach kurzer Begrüßung fingen die beiden sofort das Reden an. Es ging um ,,Rechtsradikale" und daß man diese mittlerweile immer schwerer erkennen könne, denn sie würden sich tarnen.
Jetzt konnte ich nicht mehr an mich halten und sagte:,, Gratuliere. Sie haben sich gerade neben einen gesetzt."
Die Frau rückte von mir ab, der Mann machte seinen Rücken gerade.
,,Sie scherzen. Damit macht man keine Witze."
,,Nach gängiger Definition bin ich aber rechtsradikal. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?"
Daraufhin sollte ich mich erklären und es entspann sich eine hitzige Diskussion über alle möglichen Themen. Als wir bei den rassischen Unterschieden angekommen waren, kam der einzige Neger der Festgesellschaft zu den beiden älteren Herrschaften, setzte sich neben die Frau und redete sie mit ihrem Vornamen an. Der Mann sagte spöttisch und etwas kampfeslustig: ,,Darf ich vorstellen? Das ist mein Schwiegersohn." Ich stellte mich dem Schwiegersohn vor und fuhr dann mit meinen Ausführungen fort. Der Schwiegersohn ging alsbald, ich vermute es war ihm zu langweilig.
Das Ehepaar nennt ihren Schwiegersohn zärtlich ,,Schoko". Schoko, das muß man sich mal vorstellen. Wird aber noch besser.
Mein Töchterlein, blond und fast so hübsch wie ihr Vater,damals etwa 14 Jahre alt, kommt zu mir, nimmt mich in den Arm, redet kurz mit mir und geht dann wieder.
,,Ihre Tochter?"
,,Na, meine Freundin ist das nicht."
Jetzt war er zornig, erhob den Zeigefinger und wurde autoritär.
,,Das will ich Ihnen mal sagen! Ihnen kann das auch passieren!"
,,Was kann mir auch passieren?"
,,Das!" Dabei zeigte er auf den am Tresen stehenden Mohren.
,,Wie bitte? Ich verstehe nicht ganz."
,,Mensch, ihre Tochter kann auch einen...einen...einen Fremden mit nach Hause bringen! Ob ihnen das paßt oder nicht!"
Ich war eine längere Zeit sprachlos, schwankte zwischen Lachen und Bestürzung. Ich erwiderte dann, daß meine Kinder diesbezüglich ganz genau aufgeklärt seien und ich diesen Fall für unwahrscheinlich halte.
Die beiden verließen dann die Feier. Beide sind Lehrer erfuhr ich später.

2. Schüsseltreiben, nach einer Jagd in Brandenburg

Man hat gegessen und es gibt Bier und Schnaps. Es wird geprahlt und zurückgeprahlt, gelacht und viel geredet.
Neben mir ein entfernter Bekannter, Politikwissenschaftler und forstpolitischer Berater einer CDU-Landtagsfraktion. Er kommt auf die Politik. Ich mache mit. Er interessiert sich, fragt weiter. Präventivkrieg gegen Rußland, Abtreibung, Waffenrecht, Grüne...verschiedene Themen.
Irgendwann sagt er:,, Du bist total rechtsradikal. Das geht nicht. Das bin ich schon. Niemand ist rechtsradikaler als ich."
Dann muß man natürlich lachen.
Er allerdings, betrunken wie er war, nahm mein Lachen zum Anlaß mir ,,welche auf die Fresse zu hauen."
Ich muß nun einschieben, daß ich das Angebot als solches nicht schlimm finde und für gewöhnlich, wenn ich es nicht selbst anbiete, doch gern wahrnehme. In Jagdherr Walters Privathaus allerdings, in Anwesenheit von Walters sensibler Frau und dann noch unter Bekannten und wegen einem so nichtigen Anlaß- da habe ich dann zu ihm gesagt, daß wir das lassen wollen.
Er wurde nun richtig sauer. ,,Wir gehen raus! Los komm mit."
,,Nein Jürgen. Ich bin der Rechtsradikale. ICH muß dir das anbieten, nicht umgekehrt."
,,Wir gehen jetzt raus!"
,,Nein."
,,Feigling!"
Das kann ich nicht gut hören. Machte ich also rausgehbereit. Jagdherr Walter und zwei Freunde intervenierten dann erfolgreich.
Wir haben alle bei Walter geschlafen und am nächsten Tag war Jürgen die Geschichte hochnotpeinlich.

3.Wie Hirnwaschhelge dann doch die AFD wählte

Ein Freund meines jüngsten Sohnes fällt immer wieder durch irgendwelche Hitlereien auf. Schon einige Male habe ich ihn gewarnt, daß man schnell Ärger bekommen kann. Wahrscheinlich schützt ihn der Umstand, daß er Holländer ist.
Er ist 20 Jahre alt und wir haben schon öfter über geselschaftspolitische Themen gesprochen. Dabei kam zu meiner Überraschung heraus, daß er aalglatt die Meinung seiner Lehrer teilt. Er ist Argumenten absolut unzugänglich und meint, Flüchtilanten würden unsere Renten erwirtschaften.
Vorgestern war er wieder da und ich habe mal etwas anderes probiert.
Er stand in der Küche, ich kam rein.
,,Moin Helge."
,,Moin Eckehard"
,,Nächsten Sonntag wählst du AFD. Alles klar?"
,,Ööhhh...."
,,Ob das klar ist? Was wählst Du?"
,,Vieliecht auch NPD oder die Tierschutzpartei...."
,,Nein. Du wählst die AFD. Sag es!"
,,Ich wähl die AFD"
,,Sehr gut. Sag es nochmal."
,,Ich wähl die AFD. Was soll das denn jetzt?"
,,Ich will dir nur helfen."
,,Wie, helfen?"
,,Die haben deinen Kopp angebohrt, Trichter reingesteckt und mit Scheiße befüllt. Weil das so gut funktioniert hat, mache ich jetzt einfach das Gegenteil. Scheint ja zu helfen. Was sollst du wählen?"
,,AFD."
,,Gut so. Ich gehe jetzt in die Werkstatt, in einer Stunde frage ich dich das nochmal."
,,Ja, is gut."

Im Ernst, ich glaube, das funktioniert wirklich....
Verzweiflung ergreift mein Herz.
Weserlotse
05. September 2016 18:34
Nicht allzuviel kann ich noch beitragen, denn ich habe ähnliche Erlebnisse wie die meisten hier, die sie schon in reichlicher Zahl zum besten gegeben haben.

Daher hier nur noch folgende Beobachtungen, die ich bei Diskussionen mit der Gegenseite, sofern diese überhaupt noch möglich waren, gemacht habe. Ich finde nicht, daß Linke dumm sind. Ich würde vielmehr sagen: sie sind verdreht. Sie sind auf bestimmte Denkweisen konditioniert, Ressentiments sind so verfestigt, daß sie buchstäblich nicht mehr geradeaus denken können, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel fehlt völlig. So hatte ich kürzlich wieder Gespräche mit Leuten, die allen Ernstes überzeugt waren, wie seien das heutige Pendant zur NSDAP und unsere "Machtübernahme" sei entsprechend zu fürchten. Das ist einfach "drin", so daß da nur noch schwer heranzukommen ist.
Schildmaid
05. September 2016 18:41
Schwieriges Thema. Mein Mann und ich- er gebürtig aus Leipzig, ich aus Meißen- mussten uns in den letzten beiden Jahren arg sortieren. Unsere Freundschaften und Bekanntschaften gründeten hier in Leipzig zu 90 % im Alternativen . Was auch immer man darunter verstehen mag. Konzerte, Filme, Seifenkistenrennen, Flohmarkt. So weit so gut. Über Politik zu sprechen: Kein Anlass obwohl unterbewußt stests ein Alarm anschlug. Im Zuge der täglichen Einschläge in unserenm Ruhebereich( wir wollen einfach nur FRIEDEN und GERECHTIGKEIT) kam Unruhe auf. Man mied Treffen; gepflegte Hobbys lagen brach. Wir mussten lesen, informieren, Demos live erleben. Medien hinterfragen, selbst einen Eindruck verschaffen. Diese zwei Jahre haben uns verändert. Uns gegenüber unseren Freunden/Bekannten zu outen:“Hey, waren gestern bei Pegida und du so“? Versuchten wir nach und nach. Das erste Gespräch dauerte 4 Stunden. Ein verregneter Spätsommerabend im Kleingartenverein in Leipzig. Meine Freundin hörte sich alles 4 Stunden an. ( AfD, Pegida, Ausländerkriminalität, Sorgen). Fazit: „Ihr seid mir zu radikal“. Mittlerweile schickt SIE mir jeden Tag die News zu Übergriffen unserer „Neubürger“.

Ich will nicht rumheulen und könnt ewig schreiben. Kurz und gut. Mein Mann wurde wegen seiner kritischen Nachfragen zur Asylpolitik ( „Wer von euch wechselt die Straßenseite, wer verteidigt seine Frau") aus der Band
(Indie-Musik) geworfen. Einstimmig unterschrieben.
Großstadtpauker
05. September 2016 18:53
,Nächsten Sonntag wählst du AFD. Alles klar?“
,,Ööhhh….“
,,Ob das klar ist?

haha supa .

mehr davon !

Gruß an alle .
Meier Pirmin
05. September 2016 19:04
An den mitlesenden Verfassungsschutz:


Diese etwa 200 Postings sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen, selbst wenn sie für handfeste Beweisaufnahmen von Meinungsverbrechen wenig taugen. Aber ergiebig sind sie für die psychologische Situation im Hinblick auch auf die "Extremismusforschung", wobei Sie dank Konsensensobjektivität Ihre wissenschaftliche Haltung nie preisgeben. Ich empfehle Ihnen zur Einschätzung eine Variante des Kategorischen Imperativs: Schütze die Verfassung des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates so, als ob es sich um ein freies und unabhängiges Land handeln würde, dessen Bürger im Gebrauch der Meinungsfreiheit sich vor unseren amerikanischen Verbündeten nicht verstecken wollen. Die Texte geben Ihnen und Ihren Vorgesetzten einen aufschlussreichen und noch dazu unterhaltsamen Einblick in den Alltag des Freiheitsgebrauchs.
Schildmaid
05. September 2016 19:12
Unseren Freunden/Bekannten mitzuteilen: "Hey, waren gestern bei Pegida und du so"?, versuchten wir nach und nach. Das erste Gespräch dauerte 4 Stunden. Ein verregneter Spätsommerabend im Kleingartenverein in Leipzig. Meine Freundin hörte sich alles 4 Stunden an. ( AfD, Pegida, Ausländerkriminalität, Sorgen). Fazit: "Ihr seid mir zu radikal". Mittlerweile schickt SIE mir jeden Tag die News zu Übergriffen unserer "Neubürger".

Ich will nicht rumheulen und könnt ewig schreiben. Kurz und gut. Mein Mann wurde wegen seiner kritischen Nachfragen zur Asylpolitik ("Wer von euch wechselt die Straßenseite, wer verteidigt seine Frau) aus der Band (Indie-Musik) geworfen. Einstimmig unterschrieben.
schwebchen
05. September 2016 19:16
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei Leuten mit Abitur und Studium besser erst mal vorsichtig bin, mit dem, was ich sage. Dagegen sind die so genannten "einfachen Leute", das sind Menschen mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife, Handwerker, Angestellte, Arbeiter, Facharbeiter, Verkäuferinnen, Rentner aus diesem Milieu viel kritischer und offen, mehr zu erfahren.
Mein Fazit: Bildung und Intellektualität öffnet für linke Ideologie. Arbeit in den "niederen" Berufsfeldern tut dem gut, was wir den gesunden Menschenverstand nennen.
Waldgänger
05. September 2016 19:23
Danke, Herr Lichtmesz,
für den Anstoß zu dieser Fülle hoch interessanter Kommentare und Berichte.
Es fällt schwer, noch etwas Neues hinzufügen.

Bemerkenswert vielleicht, dass die Vertreter der Gegenseite sich im Gespräch selbst dort kleinsten Zugeständnissen angesichts guter Argumente verweigern, wo sie längst widerlegt worden sind. Das erstaunt.

Groß ist die Furcht dieser Leute, womöglich gegenüber anderen Gutmenschen als unsicherer Kantonist dazustehen, als jemand, der zweifelt!
Gerade weil man die Ausgrenzungsmethoden der eigenen Seite kennt, möchte man sich dem auf keinen Fall aussetzen. Das erinnert an die Furcht sowjetischer Kommunisten vor einer Denunziation an den NKWD oder vor Jahrhunderten an die Angst der Leute, der Ketzerei beschuldigt zu werden.
Die Angst vor sozialer Isolierung!

Diese Angst haben wir längst überwunden.
Für die Gutmenschen der Gegenseite gilt das aber nicht. Wahrscheinlich können wir uns noch nicht einmal vorstellen, wie sehr diese Leute das Abweichen von der Linie, das Alleinsein und den Verlust des sinnstifenden Glaubens fürchten.
Es sind ja ängstliche Menschen, das darf man nicht vergessen! Sich von diesen Ängsten frei zu machen, kann aber stets nur der Minderheit der stärkeren Charaktere gelingen.

Außerdem.
Da ihr gesamtes gesellschaftspolitisches Weltbild bzw. ihre zivil-religiöse Glaubenswelt ein in sich geschlossenes System darstellt, bedeutet der Zweifel an einem Teil des Systems zugleich die Infragestellung des ganzen Systems. Sie fürchten mit gewissem Recht, dass dann noch viel mehr ins Rutschen oder ins Kippen kommen könnte …
Nicht nur, dass man sie der Ketzerei zeihen könnte, nein, sie fürchten, auch geistig den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Sie meinen: Wenn man dem "Teufel" auch nur den kleinen Finger reicht, wird er die ganze Hand greifen.

Man darf nie vergessen, dass Linkssein eine Religion ist, die heute von den Herrschenden als Opium fürs Volk verabreicht wird.
Das linke Denken als Gift für den Geist und Mittel der Gehirnwäsche.
Die Durchdringung selbst unpolitischer Bereiche mit dieser gottlosen Religion durch die Mächtigen ist wohl das Besondere und Neue der heutigen Situation.
Alain Minc schrieb in den 1990ern vom "neuen Mittelalter".
Er hatte Recht. Es ist da.

Ja, auch mir hat ein Freund nach 25 Jahren die Freundschaft gekündigt.
L.
05. September 2016 19:24
Im März half in Baden-Württemberg der AfD im Landtagswahlkampf. Es war immer schwierig, geeignete Plätze für Plakate zu finden, da diese meist schnell verschwanden. So entschieden wir uns, Plakate direkt vor einer Polizeiwache aufzuhängen. Wir wählten die Parolen auf den Plakaten auch passend für die Polizisten: "Mehr Sicherheit!" und "Wählt, was ihr wirklich denkt". Als wir gerade beschäftigt waren, kamen zwei Polizisten heraus und fragten, was wir da machen. Als wir erklärten, Wahlwerbung aufzuhängen, meinte einer der beiden, wir sollen nicht die Sicht wegnehmen, und wir drehten die Plakate so hin, dass man von der Wache einen besseren Überblick hatte. Der andere Polizist schwieg die ganze Zeit, aber sein Blick sagte ganz eindeutig: "Ihr sprecht mir aus der Seele, weiter so, danke, dass ihr euch engagiert." Vielleicht hat er nur seinen Mund gehalten, weil sein etwas ungehalten wirkender Kollege daneben stand.
Thomas Wawerka
05. September 2016 20:06
Lucius de Geer: Was ist genau passiert?

Es ist zu komplex, um es hier zu verhandeln, und auch zu vertraulich.
der Gehenkte
05. September 2016 20:09
@ Monika
Etwa einen Nikolaj Berdjajew, der über völkisch, patriotisch, national , Identität, einen sehr grundlegenden Beitrag geschrieben hat.
Der neu zu entdecken wäre….


Bin gerade dabei ... welchen Text meinen Sie?
der alte Hippie
05. September 2016 20:47
Jetzt schreiben die die sonst nur lesen is das Motto, also gut:

Ich komme ganz aus der Linkshippie-Ecke; freie Liebe-keine Kinder, beruflich noch immer "irgendwas-mit-Medien" und in der Jugend (90er) sogar kurz aktiver Antifant - die "Deutschland verrecke!" Abteilung hat mich aber von dort relativ schnell wieder vertrieben. Dennoch dachte ich lange Zeit auf der "richtigen" Seite der Geschichte zu stehen, war natürlich glühender Atheist, mein großer "Feind" die katholische Kirche, aber mit genügend Gras war ich dann doch manchmal "irgendwie spirituell".

Später wird man dann erwachsen, aber so wie viele andere hatte ich die Ideale meiner Jugend einfach mitgeschleppt. Obwohl ich längst Steuern zahlte und die Drogen gegen Weißwein getauscht hatte glaubte ich immer noch an die große Rebellion...vielleicht sogar an die Revolution;)

Bis, naja...bei mir war es ein etwa fünf bis sechs Jahre andauernder Prozeß aus diesem Denken rauszukommen und ich seh mich ja auch heute noch als Linker - durch meine lange Beschäftigung mit Lateinamerika hab ich längst verinnerlicht, das Patriotismus und Antiimperialismus durchaus mit Herrschafts- und Bankenkritik eine Allianz bilden können.

Zu SiN bin ich eigentlich klassisch über die Islamkritik gestoßen - so 2012/13 begann ich zu realisieren, das das "Rote Wien" keineswegs das säkulare Bollwerk ist, für welches mein Großonkel noch beim Schutzbund zu den Waffen gegriffen hatte sondern den politischen Islam nicht nur duldet sondern aus Gründen der Wählerstimmen sogar aktiv befördert! Den Rest kennen viele hier von sich selber, ein paar Wochen vor dem Internet glaubst ja du bist allein auf der Welt, aber dann langsam erkennst wer da eigentlich seit Jahren und Jahrzehnten warnt, was dazumal die Haiderwähler - die man hochmütig als "Kronenzeitungsnazis" und Bierzeltalkoholiker" verunglimpft hat - mit Überfremdung gemeint haben. Ja, ich bin einer von den halbsaturierten Deppen die 20 Jahre lang geglaubt haben sie befänden sich "im Widerstand", während sie mit einem Weinglas in der Hand genau gemacht und gesagt haben was das Kapital von ihnen erwartete...eben alle Tabus anerkannt.

...aber bevor das hier zu therapeuthisch wird komm ich lieber zum Thema des threads: die ersten paar Wochen waren die spannendsten, ich hatte ja noch keine Ahnung wie vermint das ganze Terrain ist und mainstream-medial war es auch ned präsent - war noch deutlich vor dem Sommer 2015 - und ich hab in mehreren Diskussionen auf die Unverträglichkeit des Islams mit der westlichen Gesellschaft hingewiesen. Ich bin in dem Thema eigentlich schon seit der Unizeit recht eingelesen und kenne den Koran und die Hadithe nach al-Buchari recht leidlich - ein weiteres Indiz für die hier oft erwähnte kognitive Dissonanz ist daß ich trotzdem jahrelang der festen Überzeugung war das Muslime zum Einhalten der Regeln ihrer Religion in ihren Ländern gezwungen werden. Und natürlich, sobald hier im Westen ankommen, ganz normal Alkohol trinken, Kopftuch ablegen und auf Parties gehen und herumvögeln und eigentlich eh am liebsten alle Hippies werden würden. Habe einfach an die heilende Kraft des Rock & Roll geglaubt, "One World", Menscheit blabla; aber glauben heisst nix wissen.

Und dann wurde ich recht plötzlich von mehreren Facebook-Kontakten entfriendelt, und ein alter Freund hat mir gesteckt das hinter meinem Rücken gemauschelt werde ich sei ein "Nazi" geworden, meine eigene Schwester hat sich geweigert ein von mir empfohlenes Buch zu lesen weil dieses angeblich ein "Nazi" geschrieben hätte usw. kurz, ein Teil meines Freundeskreises brach einfach weg, kommentarlos und ohne mich selber überhaupt zu kontaktieren, mit mir zu diskutieren oder ähnliches. Bis heute gilt in der Familie meiner Schwester die Regel mit mir keinesfalls über Politik zu sprechen. Der Höhepunkt war, bei einer Hochzeit von einer christlichen(!) Palästinenserin ein Bier über den Kopf geschüttet bekommen zu haben weil ich ein "Rassist" sei - meine Frage an sie war ob sie Unbehagen empfinde angesichts des Aufbaues einer islamischen Parallelstruktur hier in Wien.

Danach hielt ich mich bis zur Grenzöffnung mit meinen "neuen" Ansichten eher zurück und las halt auch etwas Spengler und Evola. Seit das Thema durch die Flüchtlingskrise und die jetzige Präsiwahl hochgespült wurde such ich auch wieder öfter das Gespräch. Manchmal stolper ich über Leute die ich ewig nicht gesehn habe - eine Runde Hools, die ich noch als "Feinde" von ganz früher kannte hat mich beim Heurigen unlängst mit den Worten "no, is da scho fad worn drüben bei die Lesberln?" empfangen, naja, hier in Wien wird eben ned so heiss gegessen wie gekocht...

...aber wenn ich - mit Gutis - diskutiere halte ich mich seither an ein paar Regeln - die natürlich eher für die Diskussion in Österreich geeignet sind - aber die es verhindern zumindest sofort abgeschossen zu werden oder auch einen rechtzeitigen Ausstieg ermöglichen:

- der Islam ALS GESELLSCHAFTSFORM ist der historische Feind Europas und des Christentums. Das bedeuted allerdings NICHT, das Muslime generell unsere Feinde wären. Auch sind sie nicht hier weil sie "Europa erobern" wollen oder ähnliches, der Konflikt ergibt sich lediglich aus den Regeln ihrer Religion. Solange sie in ihren Ländern bleiben und wir in unseren können wir sogar sehr fruchtbare Beziehungen miteinander pflegen wie die Geschichte gezeigt hat.

-das Urereignis für das Schlamassel in dem wir jetzt stecken ist 9/11. Ja eh, der europäische Bürgerkrieg, Wallstreet gegen Deutschland, Nato Osterweiterung trotz Zusage an die Russen das das nicht geschähe usw, stimmt alles, aber wegen 9/11 haben die USA und ihre Verbündeten Afghanistan, Irak, Syrien und was weiß ich noch für Länder bombardiert und besetzt und dort - nach vorsichtigen Schätzungen - 1,3 Millionen Muslime umgebracht. Selbst wenn die offizielle Version für 9/11 stimmt wäre das Grund genug für einen Dschihad - soweit kommt noch jeder richtige Linke mit; Leute die hier bereits "Verschwörungstheoretiker" oder gar "Antisemit"(sic!) schreien sind eh entweder hoffnungslos verloren oder auf irgendeiner payroll...

-durch diese Kriege, deren eigentliches Ziel nicht die "Bekämpfung des Terrorismus" sondern die Zerstörung der - bis dato ziemlich souveränen - Nationalstaaten im Nahen Osten war wurden die Flüchtlingsströme nach Europa ausgelöst und überdies von Akteuren jener kriegführenden Partei (Soros et al) unterstützt und ermuntert.

-wenn genügend Muslime in Europa angelangt sind werden sie - und das tun sie bereits - ihre Regeln einfordern, sprich die Sharia. Sie können, siehe Punkt eins, gar nix dafür, es sind die Regeln ihrer Religion.

An dieser Stelle bitte ich die - verbliebenen - Gutis darum, mir Beispiele zu nennen wo das Zusammenleben zwischen Muslimen und religiösen Minderheiten funktioniert. Ein Teil sucht noch hektisch auf dem Handy herum der andere bricht die Diskussion ab oder kommt mit den üblichen "Einzelfall" oder "Rassismus" Einwänden...und schließlich sagt dann irgendwer, die sollten damit aufhören, sie sollen kommen aber ihre Religion ablegen, man sollte den Islam verbieten - ja, auch vdb-Wähler sagen sowas - an dem Punkt muss ich inzwischen aufpassen nicht zu lachen...

- ...weil man kann Leuten eben nicht einfach ihre Identität verbieten, das ist "unmenschlich", dieser gleichmacherische Totalitarismus war schon beim historischen Kommunismus die Ursache für millionenfaches Leid und überdies, es funktioniert nicht! Die Menschen sind nicht GLEICH, sie sind eben verschieden und darum kann man sie nicht einfach bunt zusammenwürfeln - ausser man möchte, daß sie sich bekämpfen...der ganze Rattenschwanz a la "der Islam fordert für Schwule die Todesstrafe" u dgl hängt daran, es kommt an diesem Punkt von selber, der Diskutant muss von alleine begreifen das die Einwanderung genau für seinen liberalen Lebensstil eine Bedrohung darstellt.

-die Eliten fördern die Islamisierung weil sie die Menschen entzweit und sowohl in den Ländern der Muslime als auch in unseren Traditionen und gewachsene Strukturen zerstört. Damit fungiert sie als verdeckte Waffe des Großkapitals, das ja laut Marx Interesse hat, jegliche zwischenmenschliche Beziehung durch das reine - "dürre" - Geldgeschäft zu ersetzen. Der Wahn der Wahabiten selbst die Spuren der eigenen Geschichte zu zerstören und jegliche Forschung darüber unmöglich zu machen, archäologische Stätten und alte Bücher zu verbrennen führt zum gleichen Ergebnis: aus Menschen werden gesichtslose Arbeits- und Konsumsklaven. Das erklärt auch diese eigenartige Allianz zwischen Wahabiten und Wallstreet, es ist ein mutuales Interesse diesen Konflikt aufrechtzuerhalten, weil er die Agenda beider Parteien gleichermassen vorantreibt.

Ist das mal kapiert, dann erst kann man langsam zu des Pudels Kern vorstossen, aber das gelingt - mir zumindest - nur bei Leuten die schon offen sind...und, um ehrlich zu sein, mir auch wohlgesonnen:

-Deutschland, das stärkste Land der EU ist von den Amerikanern besetzt. Folglich ist dadurch auch die ganze EU so etwas wie ein Vasall der USA und muss - zumindest in den groben Zügen - den geopolitischen Vorgaben der US-Eliten Folge leisten. Jener Teil der politischen Kaste, der diese Kriege unterstützt und auch neue fordert ist letztlich mitschuldig an den 1,3 Millionen Toten und somit nicht mehr satisfaktionsfähig was (Propaganda)begriffe wie "Menschenwürde", "Menschenrechte", "Völkerrecht" u dgl betrifft. Andererseits ist am Faktum der Besetzung sehr schwer etwas zu ändern, weil es vielen lediglich wie eine Art "Bündnis" vorkommt, was es ja zu "normalen" Zeiten auch ist.

-Österreich hat dagegen einen Staatsvertrag, ist somit - zumindest auf dem Papier - ein souveräner u neutraler Staat und sollte sich daran wieder mehr erinnern. Der Zweck der Masseneinwanderung in unserem Fall ist u.a. daß wir uns irgendwann nicht mehr daran erinnern. Die politischen Manifestationen Türken von Kurden in diesem Land sind ein erster Schritt dorthin.

-Österreichs Politiker kollaborieren mit den transatlantischen Eliten - jeglicher Theaterdonner in Richtung weniger Einwanderung oder weniger Islamisierung ist lediglich...Theaterdonner. Auch die rechte Alternative - obwohl ich sie in Österreich derzeit zu unterstützen gedenke - spielt wahrscheinlich lediglich das Krokodil im Kasperltheater. Ich erinnere an die Regierungsbeteiligung der Faschos in Österreich: Raubprivatisierungen am Volkseigentum (Buwog, Austriatabak etc.), korrupte Luftgeschäfte auf Steuerzahlerkosten (Hypo-Alpe-Adra) sowie Masseneinwanderung finsterster tschetschenischer Analphabeten, die bis dato von unseren Sozialtanten um teures Geld bekuschelt werden und trotzdem den Dschihad predigen etc.
keine Ahnung wie das bei euch mit der afd läuft, probierts es halt mal aus ;)

-last but not least: Hedonismus, Hass auf das Eigene, Abtreibung und Zeugungsverweigerung, Feminismus...für mich selber sind viele dieser Punkte eher ernüchternd und ich geh da mit manchem von rechter Seite auch nicht so konform. Würden alle Menschen so eine Fortpflanzungsrate haben wie strenggläubige Monotheisten dann wär hier sowieso schon lange Endstation. Europa ist flächenmässig sehr klein und bereits jetzt sehr dicht besiedelt, ein bisschen Überalterung täte uns also gar nicht schlecht - aber das geht natürlich nicht wenn nur eine Gruppe überaltert und die anderen tun das genaue Gegenteil!
Weitere Zuwanderung ist keinesfalls wünschenswert, da sie unsere Ressourcen angreift, den Flächen- und Energieverbrauch erhöht - und damit die Abhängigkeit von Konzernen - und somit die Lebensqualität senkt. Überdies fallen durch die fortlaufende Technisierung immer mehr Arbeitsplätze weg, dh neue Leute werden sowieso nicht gebraucht.
Völkern, denen durch völliges Mißmanagment ihrer Familienpolitik das Territorium zu klein wird, kann man vor Ort oder in individuellen Fällen auch hier helfen aber weitere die Ansiedlung ebenjener hier ist ein sicheres Rezept für ökonomischen Abstieg und weitere, immer stärkere gewalttätige Eskalationen.


Diese meine Diskussionsregeln sind sehr einfach, und die "Profis" hier mögen mir die holzschnittartige Facon verzeihen - aber ich habe die Erfahrung gemacht das man damit den Faschodetektor zumindest für eine Zeit lang am Schrillen hindern kann...und so manche(n) zum Nachdenken bringt...aber ich denke Deutschland ist da ein vielfach härteres Pflaster.

love&peace

wünscht euch der alte Hippie

PS: wenn das Posting veröffentlicht wird freu ich mich natürlich aber für das Buch bitte nochmal fragen...
Rainer
05. September 2016 20:53
Viele meiner Kunden kommen aus dem grün-linken Spektrum, die sind fast alle komplett gehirngewaschen und indoktriniert, vor allem die im mittleren Alter von 40-60 Jahren, am schlimmsten davon sind die kirchlichen Leute, z.B. die Mitglieder vom Kolpingverein und diversen caritativen Einrichtungen, Bibelvereine, Religionslehrer, Pfarrer, Diakone, etc. Die arbeiten immer noch wie besessen in der Flüchtlingshilfe und schuften wie die Dienstmägde und Laufburschen für die Invasoren, die hier mit Smartphone, gegelten Haaren und verspiegelten Sonnenbrillen durch die Stadt schlendern. Manchmal höre ich auch über Dritte Horrorgeschichten über die Unterbringung von Mufl´s in Familien, bei denen sich mir die Haare sträuben und ich mich frage, was erwachsene Menschen dazu bringt, solche Demütigungen zu ertragen.

Frühere persönliche Kontakte in dieses Milieu habe ich seit der Invasion im letzten Sommer vollständig abgebrochen, jedoch ohne Nennung von Gründen. Diskussionen mit Grünen und Linken meide ich nicht nur, ich gehe ihnen inzwischen völlig aus dem Weg, keine Kontakte und Gespräche mehr mit den Mitläufern und Handlangern dieser "Willkommenskultur". Manche sind verunsichert und suchen nach wie vor den Kontakt zu mir, ich bleibe jedoch kühl distanziert zu ihnen. Bei einigen wenigen ist es schade, weil sie zwar nette Menschen, aber leider komplett verstrahlt sind. Aber es muss sein, weil reden mit ihnen sinnlos geworden ist und ich dies aus persönlichem und beruflichem Selbstschutz tun muss. Auch das linke Künstlermilieu hier im Ort meide ich, das ist eine Szene von sogenannten "Kreativen", die unkritisch das Zeitgeschehen aufnehmen, linientreu in "Multikultikunst" verarbeiten und Selbstbeweihräucherung betreiben. Wenn die wüssten, welche neuen Hobbys ich in meiner Freizeit betreibe, würde das wohl Irritationen verursachen.

Gespräche mit Kunden sind fast nur über allgemeine, ungefährliche Themen möglich, dabei lasse ich aber manchmal Stichworte fallen, z.B. über eine mögliche Wirtschaftskrise, den Euro, die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die allgemeine Unsicherheit. Manchmal bricht es regelrecht aus jemanden heraus, endlich einmal frei reden zu dürfen, aber immer nur unter vier Augen. Kommt jemand anderes hinzu, bricht das Gespräch abrupt ab.

Meine Erfahrung ist, dass entweder bei älteren Menschen, die noch den Krieg noch miterlebt haben oder bei jüngeren mit Kindern eher noch vernünftige Gespräche möglich sind. Ob ein tieferes Gespräch, das über den täglichen Kleinsprech (neudeutsch Smalltalk) hinausgeht, mit jemandem überhaupt lohnt, ist schwierig zu erkennen, manchmal helfen mir dabei Schlüsselwörter, ein Anhaltspunkt für mich ist auch die Zahl der BRD-Phrasen, die verwendet werden (Zeichen setzen, Weltoffenheit, Toleranz, Stadt ist bunt etc.), je mehr davon, desto tiefer die Indoktrination.

Von einem der linken Brunnenvergifter stammt der Satz: "Es gibt kein echtes Leben im Falschen". Alle diejenigen, die diesen Spruch einmal angewendet und umgesetzt haben, haben heute das falsche Leben und ihre Lügen als Norm etabliert und das echte Leben darin fast erwürgt. Für mich heißt es heute: "Es gibt nur ein echtes Leben jenseits des Falschen".
E.
05. September 2016 20:54
Die Beiträge hier sind sehr interessant, da viele doch vergleichbare Erlebnisse gesammelt haben, im Umgang mit vermeintlich doch so toleranten "Linken" und "Gutmenschen".

Meine, in den letzten Jahren stets bestätigte Erfahrung ist: Mit überzeugten "Linken" und "Gutmenschen"ist jeder Versuch der Sachargumentation zum Scheitern verurteilt, selbst wenn man mit ihnen auf der Ebene der gemeinsamen akademischen Ausbildung zu argumentieren versucht (z.B. Jura im Allgemeinen, Staats- und Verfassungsrecht und Strafrecht im Besonderen).

Währenddessen ich seit jeher mir stets die veröffentlichte Meinung der "linken" Seite anschaue (Kenne Deinen Gegner, weiß, wie er tickt, was er denkt!), so stelle ich immer wieder mit Verblüffung fest, dass die meisten Linken sich gar nicht erst die Mühe machen, die Argumentation Andersdenkender zu studieren. Sie sind schlicht ignorant.

Fünf Beispiele persönlicher Erfahrung möchte ich benennen:

1.) Als schwuler Mann, früherer Wehrdienstleistender, zu Studentenzeiten von einer Migrantengang Überfallener, Katholik und mit der jüdischen Geschichte Vertrauter (ich bewundere die Wehrhaftigkeit des Staates Israel und dessen offenen Umgang mit homosexuellen Soldaten und Soldatinnen innerhalb der israelischen Streitkräfte!) bin ich von Hause aus islamkritisch. Es gibt viele schwule Männer, die konservativ-staatsbürgerlich denken und islamkritisch sind, wie ich. Aus Gründen auch entsprechender Gewalterfahrungen mit der meist islamischstämmigen Migrantenklientel. - Aber im öffentlichen Diskurs äußern sich schwule Interessenverbände stets politisch links, als schwuler Konservativer ist man da sofort im Abseits. - Meine Erfahrung ist übrigens, dass Konservative oftmals weniger homophob sind (eben das friderizianische "Jeder nach seiner Facon!") als vermeintlich "Linke". Wenn ich Konservative kennengelernt habe, die mit Homosexualität ein Problem haben, so wurde dies wenigstens offen benannt und man konnte sich dazu verhalten. Homophobe Linke dagegen agieren oft pseudotolerant und passiv-aggressiv, nicht mit offenem Visier.

2.) Ein Studienkollege und langjähriger Freund, überzeugter Linker, FH-Professor, hat sich im Zuge der sog. Flüchtlingskrise verbeten, von mir Links zu Artikeln zu erhalten, die einen kritischen Standpunkt einnehmen. Er selbst ist vermögend (Familie), ignoriert aber u.a. völlig den Umstand, dass es eine Schicht einheimischer Deutscher gibt, die die Auswirkungen millionenhafter "Zuwanderung" bildungsferner "Flüchtlinge" aus fremdem Kulturraum am ehesten und unmittelbar spüren werden (Kampf um bezahlbaren Wohnraum, Schulausbildung ihrer Kinder, Förderung in Ausbildung und Job).

3.) In meiner röm.-kath. Gemeinde habe ich den unreflektierten Umgang mit dem Wort "Flüchtling" und mit dem Faktum der Überbevölkerung in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern thematisiert. Ein exponiertes Gemeindemitglied mit extremlinker Sozialisation (Startbahn-West-Gegner in jungen Jahren, der damals durchaus Straftaten gegen den Staat und die Polizei begangen hatte, er hatte aber immer Glück und entkam der strafrechtlichen Verfolgung, wie er mir selbst erzählte, seit Jahrzehnten Grünen-Mitglied) hat mir daraufhin erklärt, dass er mit mir gemeinsam nicht mehr die Kommunion feiern will, für ihn sei jeder "Flüchtling", der kommt, "wie Jesus". - Was soll man da noch argumentieren? Solche Leute wollen mich nicht nur als Staatsbürger ins Abseits stellen, sie meinen sogar, sich in meinem kath. Glauben über mich erheben zu dürfen.

4.) In unmittelbarer Blicknähe zu meiner Wohnung (bisher bürgerliche Gegend, in der Kinder auf der Straße spielen können und der öffentliche Straßenraum noch nicht verwahrlost ist, dies kannte ich aus meiner Zeit in Frankfurt am Main und Berlin schon gar nicht mehr) renoviert die evang. Gemeinde Räumlichkeiten zur Unterbringung von sog. unbegleiteten männlichen minderjährigen Flüchtlingen. Diese Räume wurden an einen Träger vermietet - die Renovierungskosten werden über den Steuerzahler rasch wieder amortisiert sein. Der ursprüngliche Plan, diese Räume für dringend benötigte Studentenwohnungen oder eine Kita zu verwenden, wurde fallengelassen, denn da hätte man sich das Gebäude nicht auf Steuerzahlerkosten renovieren lassen können. - Meine Mitteilung an die Pfarrer der evang. Gemeinde, ich hätte diese Art der Verwendung in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gerne von der Gemeinde selbst und nicht aus der Zeitung erfahren, wurde mit einer einzigen nichtssagenden, floskelhaften Email abgebürstet, weitere Emails meinerseits werden komplett ignoriert. Ein Einlassen auf meine Zweifel (Tatsächlich minderjährig? Tatsächlich syrische Flüchlinge? Die Realität sei wohl eine andere? Wie wird sich das Leben in der Nachbarschaft verändern?) findet nicht statt. Komplette Ignoranz.

5.) Am Arbeitsplatz halte ich mich strikt zurück, ab einer gewissen Unternehmensgröße wird das Merkelsche "Wir schaffen das" zur Doktrin der Unternehmensführung (z. B. lächerliche Pseudo- und Propagandaveranstaltungen zur"Flüchtlingshilfe", die letztlich von den Kunden bezahlt werden müssen, die die Produkte kaufen). - Gleichwohl: Offene Kritik daran wäre das Ende der Karriere. - Lediglich mit einigen vertrauten Kollegen kann ich mich austauschen. Für Projekte wie Ein Prozent oder IB zu spenden, dazu konnte ich sie bislang nicht überreden - zu groß ist ihre Angst, allein dadurch in den Fokus des Verfassungsschutzes zu geraten. Soviel zum Vertrauen in ihre staatsbürgerlichen Rechte. DDR 2.0. eben.

Summa summarum meiner "Strategie":

- Bei Hardcore-Linken (= Ignoranten) und Gutmenschen sich zu verkämpfen? Völlig zwecklos. Ab und an macht es dennoch Spaß, ihnen den selbstgefälligen Spiegel vorzuhalten.

- Vorsicht mit Meinungsäußerungen am Arbeitsplatz (das obige Beispiel eines Beamten fand ich sehr eindrücklich, in Verbänden und Großunternehmen ist es nicht anders!).

- Vertrauliche Diskussionen mit Menschen, die man gewinnen und argumentativ überzeugen kann.

- Keinen Cent mehr für Mainstream-Medien, die unsere Meinung diffamieren!

- Spenden an entsprechende Initiativen und Vereinigungen. Abonnieren von Medien und Publikationen, die rational und ohne Scheuklappen argumentieren.
Eckesachs
05. September 2016 21:01
Zur Überlebensstrategie

1. Humor. Sich selber nicht zu wichtig nehmen

2. Glaube und Gottvertrauen. Einer geisterfüllten Gemeinde beitreten

3.Unerbittlichkeit. Dem Gegner zeigen, daß man Demütigungen nicht hinnimmt und ihm das Signal geben, daß man jederzeit bereit ist, auch ,,unkonventionelle" und wenig intellektuelle Maßnahmen zu ergreifen

4. Beharrlichkeit. Den Rammbock immer und immer wieder gegen dasselbe Tor in Stellung bringen, auch wenn man schon viele Male erfolglos war

5. Ehrenhaftigkeit. Den Gegner nicht demütigen. Demütigung nur in Ausnahmefällen. Man muß noch in Spiegel schauen können.

6.Naturverbundenheit. Alleine sein. Draußen kann man nachdenken und Kraft schöpfen.

7. Langmut. Nun bin ich also ein Rechter, ein schlechter Mensch- sei`s drum. Dann ist ja alles egal.


Ich hoffe, daß Sie wenigstens eine hübsche Abfindung erstreiten konnten, Herr Wawerka.

Probleme löst man mit Geld.
Probleme, die man nicht mit Geld lösen kann, löst man mit viel Geld.
Schweizer Sprichwort
bernardo
05. September 2016 21:08
Herbst letzten Jahres. Am Rand eines großen gemeinsamen Gänseessens im Freundeskreis kommt das Stichwort Islamisierung auf.
Man wird angesprochen, weil als AfD-Funktionär und Islamisierungskritisch bekannt.

Sinngemäß: "Sag mal, wie kann man nur von Gefahr durch Überfremdung und Islamisierung reden. Das ist doch alles kompletter Unfug."

Man bringt Beispiele aus dem Alltag, Standardmeldungen, wie sie wahrscheinlich jeder kennt, der bei Sezession, EF, JF, PI etc. mitliest oder auch nur vage für das Thema überhaupt sensibel ist. Reaktion: Es wird alles abgestritten, mit steigender Vehemenz. Rotherham? Gibt's nicht. Islamverbände? Alles harmlose Kulturfunktionäre. Demokratiedefizit des Islam? Hat andere Ursachen. Kairoer Erklärung? Nie gehört.
Zum Siedepunkt treibt schließlich die Aussage, daß der rheinland-pfälzische Justizminister ja vor längerem schon Scharia-Gerichte für sinnvoll gehalten hätte. Nur Steinigen fände er (noch?) "menschenunwürdig".

http://www.tagesspiegel.de/politik/islamische-schiedsgerichte-justizminister-sorgt-mit-scharia-vorschlag-fuer-aufregung/6149110.html

Auch das wird abgestritten. Auf freundliches Insistieren und den Hinweis, daß dies in Sekunden aus dem Netz zu bestätigen sein wird, erfolgt dann:
Aufspringen und Brüllen - DIESEN SCHEISS HÖRE ICH MIR NICHT MEHR LÄNGER AN.

Diskussion allgemein beendet.

Schweigen.

Weiter Gänseessen.

War übrigens gut.

Mein Fazit: Man sollte nicht vergessen, daß die Leute mehrheitlich auf einem ganz anderen Planeten leben.
Gustav Grambauer
05. September 2016 21:15
Meier Pirmin / wg. Heidegger

Wikipedia sagt zu Mésalliance: "Umgangssprachlich bezeichnet Mesalliance heute eine unglückliche Verbindung von Partnern, die nicht zueinander passen oder zu passen scheinen", mehr wollte ich da gar nicht hineinlegen. Füge hinzu: Mésalliancen können sich auch erst ex post als solche herausstellen, und das sagen Sie bei H. ja mit "... wäre ihm nicht passiert" selbst.

Sprachregelungen - wie Sie es nennen -

https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachregelung

liegen mir fern.

- G. G.
Franka Frey
05. September 2016 21:24
@ M.L.

....nein, die Auflösung des linksliberalen Literaturkreises hat mich weder eine echte noch eine Krokodilsträne gekostet. Mich erfüllte nur diebische Freude den Dekonstruktivisten, denen Begriffe wie Identität, Nation oder Patriotismus immer nur innerlich angeekelt entweichen, einmal mit ihrer eigenen Argumentation ihren geliebten bildungsbürgerlichen Lesezirkel zu dekonstruieren und zu zerstören.... Ich bin überzeugt, dass der Verlust ganz auf ihrer Seite liegt und dass er gespürt wird auch wenn der Verlust der Herkunft, des Volkes und der Nation vielleicht nicht gespürt wird, weil er nicht gespürt werden darf. Hierzu frage man einmal den Psychoanalytiker.
enickmar
05. September 2016 21:24
@ Wandersfrau

Im Kommentarbereich ist Martin ein “Wadenbeißer”. Damit müssen wir alle leben. Recht hat er aber schon ...
Lucius de Geer
05. September 2016 21:27
,,Die haben deinen Kopp angebohrt, Trichter reingesteckt und mit Scheiße befüllt. Weil das so gut funktioniert hat, mache ich jetzt einfach das Gegenteil. Scheint ja zu helfen. Was sollst du wählen?“
,,AFD.“
,,Gut so. Ich gehe jetzt in die Werkstatt, in einer Stunde frage ich dich das nochmal.“
,,Ja, is gut.“


Genial, ich kann nicht mehr :-))
Taunusadler
05. September 2016 21:50
Ich war an der Uni zunächst am Austausch mit "Freigeistern" interessiert. Ich dachte die "Antifa" wäre eine gute Anlaufstelle. Die "Genossen" haben meinen eigenen Aufwachprozess glücklicherweise sehr beschleunigt. Ich dachte "das kann doch nicht wahr sein, die sind doch krank". Einer von denen hat sich in seinem WG- Schlafzimmer zwei Poster von Ausschwitz Insassen gehängt. Ich meine selbst wenn man das alles schlimm findet, solche Motive hängt man sich doch nicht ins Schlafzimmer? Ich käme auch nicht auf die Idee, mir irgendwelche Leidensphotos von deutschen Vertriebenen über mein Bett zu hängen.

Eine Verwandte von mir (68er Generation, eigentlich aus konservativer Famile stammend) lädt meinen Bruder und mich zum Abendessen ein. Sie lebt bescheiden, hat aber als Schriftstellerin sehr gute Kontakte zum Frankfurter Künstlermileu. Überm Esstisch prangt das riesige Gemälde eines leidenden Juden, geschenkt von einem befreundeten Künstler.
Irgendwann kommt "es" zur Sprache. Vorsichtig bringe ich ein paar Argumente. Alles sehr harmlos, doch mir schlägt starker Gegenwind entgegen. Ich beschließe- wie so häufig- meine Klappe zu halten. Bei so Leuten ist Hopfen und Malz verloren. Sie ist übrigens der Meinung, Dresden sei eine "schrecklich verschlafene Stadt, todlangweilig" während Frankfurt auf Grund der vielen Kulturen "so lebendig" sei. Das Essen war zumindest gut.
Einer der schrecklichsten Momente in ihrem Leben war als ihr Sohn in jungen Jahren ihr mal eröffnete, dass er "schwarze Menschen nicht mag". Da gabs aber ein Donnerwetter...

Zu guter letzt ein positiv- Beispiel. Einer meiner besten Freunde war mal mit mir im Stadion (ja, ich gehöre zum "Pack") und wir kamen zum "Flüchtlingsthema". Er war zunächst voll auf Linie der Medien, einfach weil er ein absolut unpolitischer Mensch ist, hart arbeitet und somit den TV Mist mehr oder weniger unhinterfragt schluckt. Ich entgegnete ihm, dass mit der ersten Welle in etwa soviele "Flüchtlinge" kommen, wie es Menschen hier in Frankfurt gibt. Ich bemerkte (wirklich physisch), dass sein Gehirn zu rattern begann. Also schob ich noch was hinterher: "Wie viele "Frankfurts" von Flüchtlingen willst du hier in Deutschland haben? Sie werden nicht aufhören uns diese Leute zu schicken. Die Medien werden stark Propaganda machen, sodass wir das still und leise hinnehmen". Um den Bogen nicht zu überspannen, hab ichs erstmal dabei belassen. Er gab mir etwas zögerlich Recht, wohl auch weil er mich einfach sehr gut kennt und schätzt. (Das war im Übrigen ganz am Anfang der "Flüchtlingskrise").
Zwei Monate später: Wir sehen uns auf einer Feier. Raucherpause, wir zu zweit. Er aufeinmal "Du, was du erzählt hast stimmt ja wirklich!". Vorsichtiges Umschauen, ob es auch keiner der anderen Gästen mitkriegt... Er stellt mir nun weitere Fragen und ich spüre, dass er wirklich aufgeschlossen ist. Einige Dinge spreche ich sogar sehr deutlich an. Kein Widerspruch, sondern Zuhören. War ich so noch nicht gewohnt.
Inzwischen hat er auch durch Beteiligung an einer Bürgerinitiative (gegen Windkraft) auch am eigenen Leib die Mechanismen der Demokratie erfahren. Dadurch wurde die Basis zwischen uns bei "heiklen Themen" immer stärker. Unsere Gespräche werden immer politisch unkorrekter und er hat mir hoch und heilig versprochen, niemals wieder die Grünen zu wählen (hat er wirklich einmal getan) und auch sonst keine Blockparteien.
Ich verbuche das als Erfolg.
Hartwig aus LG8
05. September 2016 21:54
Es ist zwar nicht meine Aufgabe, aber als Fazit des Stranges stelle ich aus meiner Sicht fest, dass 1) noch sehr viel mit dem Gegner, um nicht zu sagen Feind, diskutiert wird. 2) der AfD ein beachtlicher, um nicht zu sagen, entscheidender Rang zugeschrieben wird.
Gustav Grambauer
05. September 2016 22:00
Franka Frey

"Hierzu frage man einmal den Psychoanalytiker."

Claudia kann da einen empfehlen ...

http://www.sezession.de/55588/ueberlebensstrategien-in-einer-polarisierten-gesellschaft-ein-aufruf.html#comment-324868

- G. G.
Philos
05. September 2016 22:34
Eine Erfahrung hatte ich mit einem früheren Kollegen gemacht, der völlig von der Willkommenskultur angetan war und für den die AFD mit der NSDAP vergleichbar zu sein schien. Als ich vom Wahlvolk sprach kam mit einem degner'schen Empörungsverzücken gleich die Frage auf: "Volk, was ist das 'Volk'? Das ist doch ein Konstrukt, dass wir hinter uns haben!" Ich versuchte über die Kulturwissenschaft der Sache habhaft zu werden - schließlich ist dieser Kollege Philosophiestudent. Ich kam dabei auf die verschiedenen sozialen Felder zu sprechen, die eher bürgerliche von weniger bürgerlichen unterscheiden etc. .... "Was ist das 'bürgerlich'? Was soll das sein?"
Ich dachte nach dieser Frage, wenn er solche Definitionen nicht kennt aber Philosophie studiert, kann ich ihm auch nicht mehr helfen. Ich bin dann nicht mehr weiter auf ihn eingegangen. Dennoch hat mich dieses Gesicht und diese moralingesäuerte Entrüstung eine Zeit lang gewurmt.
Sonst habe ich es eher leicht. Bei den meisten Diskussionen gehe ich dahin, Vorurteile folgend abzubauen: "Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit konservativen Gesichtspunkten und wenn man Zeitschriften ließt, Zeitungen aboniert und in Foren unterwegs ist, sowie das Programm einer AFD anschaut, dann gibt es zwei Wahrheiten: Deine aus dem ZDF und meine aus den Quellen. Und da ich Geschichte studiert habe, traue ich mehr den Quellen." Natürlich schieße ich nicht so vor den Bug aber dem Sinn nach gehe ich so vor, schwäche die Argumente der Gegenseite und habe dann leichteren Zugang, differenziert meine Argumente vorzubringen. Selbst wenn ich nicht überzeugen kann, endet es in einer Diskussion, die mit Respekt auseinander geht.
Es gibt aber auch Situationen, da lohnt sich das Streiten nicht, da schweige ich, höre den Argumenten anderer zu und versuch zu verstehen, was in den Köpfen abläuft und warum manch einer Zusammenhänge schlichthin nicht sehen will - man lernt fürs nächste Mal.
Winston Smith 78699
05. September 2016 23:04
@ Nero

Das mit der Kür des Willens habe ich aber nicht gesagt, das waren schon Sie selbst, projizieren Sie Ihre Leistung mal nicht von sich weg. (Die Romanfigur wird's kaum auf englisch gesagt haben können.) Was für ein tiefer Satz. Irgendwie dionysisch, oder? Nietzsche? .. grübel...

Besonders wertvoll an Ihrem Beitrag finde ich am Anfang die Idee von der Waldgängerei als Kunstform oder ästhetische, klandestine Lebensweise. Sie wenden das Dasein unter der Betondecke ins Positive: jetzt zeigen sich ganz neue Fähigkeiten, etwa Subversion, Camouflage, Konspiration, Sabotage... Ich meine damit: viele brauchen ein Vorbild, um sich in eine Rolle zu finden und durchzuhalten. Das muß nicht einmal eine lebende Person sein. Eigentlich bräuchte es jetzt einen guten Comiczeichner ...

Wir sollten uns nicht verheizen, sind kein Kanonenfutter. Allzu naiv offene Konfrontation ist nun auch nicht mehr nötig, denn die Lawine rutscht bereits. Eher wird ein in die Enge getriebenes Unrechts-Staatswesen noch nach genau solchen Polterern suchen, für erste oder letzte Schauprozesse, Exempel. Seien wir nicht dumm, halten wir lieber Ausschau nach Hebelpunkten und denken wir darüber nach, was Eulenspiegel und die Schildbürger uns so an Geheimwaffen in die Zeitkapsel gepackt haben.

(Ach ja: Die Liste mit White Guilt gibt zu denken, und obwohl ich persönlich zu den Nazis und somit zu einem Ihrer Punkte tatsächlich eine etwas andere Ansicht habe - womit wir aber jetzt ein ganz anderes Faß aufmachen würden - gehe ich ganz bestimmt so weit mit Ihnen, dass ich es jetzt nicht einsehen will, einen distanzeritischen Gesslerhut zu grüßen. Persönlich bin ich der radikalen Meinung, dass jeder jede politische oder historische Ansicht äußern, jeder jede Frage stellen und erforschen können soll. Auch und gerade als Linker war ich bereits dieser Meinung. Und ich bin der Ansicht, dass solche pflichtgemäßen Lippenbekenntnisse oft genau jenen am leichtesten fallen, die nicht wissen oder wissen wollen oder überhaupt darüber nachgedacht haben, um was es da eigentlich in aller Konsequenz geht, und die sich - vielleicht genau deswegen - dann als erste zum willigen Dienst als neue Unrechtsschergen vordrängeln - bisweilen beides sogar zeitgleich.)

@ Uebeldenker
Dochdoch, Eggebrecht als Martensteinscher Konfektnazi, das geht für'n Eurofuffzich; hab's gestern aufgesetzt, wollte aber nicht rumnerven - liegt auf'm anderen Rechner, nur bei Interesse. Stichworte: Teleologie; Beethoven-Rezeption.
Westpreuße
05. September 2016 23:16
Ich kann vieles, nicht alles, so oder ähnlich aus meinem Lebenskreis bestätigen.

Ein Riß geht durch unser Volk:
Durch die Familien, Eltern und Kinder, Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Bruder und Bruder, Schwester und Bruder, Mann und Frau...usw. und so fort...
Freundschaften, die treulich über Jahrzehnte hielten, sind brüchig geworden. Manche Lagerfeuer der Freundschaft glimmen nur noch oder sind erloschen...
Der Nachbar schaut den Nachbarn "scheel" (Luther) an. Wer lohnabhängig oder handwerklich abhängig ist, dem bleibt das Wort im Halse stecken...
Wer auf öffentliche Aufträge angewiesen ist, überlegt sich jedes Wort zweimal. Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände, Kirchen, Schulen, Universitäten, Verbände jeglicher Art, staatliche und nichtstaatliche Institutionen, nicht zuletzt der mediale Komplex: Sie alle gefallen sich als Büttel des zensierten Wortes, ja des Gedankens...

Und doch gibt es sichtbare Zeichen des Freiheitsmutes:
Hier und dort, da auch...! Das ist mein Platz!

Die Frau Bundeskanzler erklärt wiederholt alles für richtig und alternativlos mit ihren seltsam leer blickenden Augen...

Der Herr Bundespräsident vergleicht am "Tag der Heimat" (3.9.2016) mit seinem seltsam satt-ergriffenen Gesichtsausdruck die Vertreibung der Deutschen aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in den östlichen Provinzen mit der Ankunft der Gerufenen...
Welch ein Vergleich:
Da sei Gott vor...!

https://www.youtube.com/watch?v=npx7d8CZMkE
Guido liest Heinrich Heine: (0:56 Min.)
"Ich hatte einst ein schönes Vaterland"

Ich bin nicht wütend, aber zornig. Ich hasse nicht, aber ich verachte:
Nie wieder werdet ihr da oben meine Stimme und mein Vertrauen erhalten...
: Patriotische Grüße von der Weichsel
Gunnar
05. September 2016 23:19
Inwieweit eine Veröffentlichung im Kommentarbereich sinnig ist, überlasse ich den hiesigen Autoren.

Zuvorderst warne ich vor ausufernden Ausführungen und nachträglichen Glorifizierungen, die ich einzudämmen versuchen werde.

Geboren 1985, in einem Geburtsort im östlichen Teil Brandenburgs, mit einem Vater, dessen Bruder nach Schweden gegangen war - was ihn der große, sozialistische Bruder spüren ließ -, und einer Mutter, die nicht nur in Polen studierte (zumindest bis zur Solidarność), die ein oder andere Sportschule besuchte, nein, deren Vater auch noch Offizier in der NVA war, trugen maßgeblich dazu bei, daß Unzeitgemäßheit ein entscheidendes Moment in meinem Leben werden sollte.
Da Brandenburg nach der Wende weitaus dunkler war als das heutige Sachsen-Anhalt, hatte ich meine ersten Berührungen mit schlechten Rechtsrock-Kassetten bereits in der 4. Klasse. Sicher, ich hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung, schimpfte mich aber trotzdem "rechts", wie so einige damals.
Es mag symptomatisch scheinen, doch als ich das Gymnasium (7. Klasse) betrat, war ich, was meine Altersstufe anging, so ziemlich der einzige, der weder Nirvana hörte, noch Kiffen total cool fand. In der Sekundarstufe 2 gab es lediglich noch ein paar Versprengte, die sich später zu meinem Freundeskreis formieren sollten.
Durch die überaus schlechten Erfahrungen mit dem deutschen Rechtsrock, landete ich sehr früh beim Black Metal, der mein Anti-Alles-Gehabe auf dem Gymnasium überaus positiv beeinflusste. Ich scherte mich nicht um meine Altersgenossen, nahm aus Trotz immer und überall die diametrale Haltung ein, ärgerte mich über Klemperers LTI, wenn an anderer Stelle rechts und Gewalt immer im Zusammenhang genannt wurde, verstand nicht, weshalb die einen demonstrieren, während die anderen marschieren...
So zog sich das Spiel bis zum Abitur. Man mochte mich nicht unbedingt, behandelte mich jedoch nicht schlecht, verdrehte hie und da die Augen, beließ es dann aber auch dabei. Es gab sogar einige Lehrer, die sich, was sie mir später gestanden, sehr glücklich zeigten, da ich zumindest Diskussionen entfachte. Lediglich die "Rechten", die dörflichen, fanden mich, mit Bundeswehr-Hemd und Burzum-Aufnäher, Palituch und Chucks, ziemlich doof.
Politischer Aktivismus, insofern man ihn überhaupt so nennen kann, bestand damals nur in den wenigen Augenblicken, als ich zum Beispiel, bewaffnet mit dem Verfassungsschutzbericht 1997, auf den Stand der PDS zuging und die ein oder andere Frage stellte. Doch auch da entstand ein durchaus fruchtbares Gespräch.
Resümierend kann ich nur festhalten, daß die Mechanismen der sozialen Isolation (plus x) für die Zeiten im heimatlichen Städtchen nicht stattfanden.
Als ich dann einige Zeit später in die sächsischen/thüringischen Gefilde abrutschte, in denen die "Rechten" zwar keine "Neuen Rechten" waren, sich aber trotzdem besser verbalisierten als alles, was man aus dem Dorfe kannte, begann wohl wirklich etwas, das als politischer Aktivismus bezeichnet werden konnte. Man fuhr auf Demos, störte die ein oder andere Saalveranstaltung "zivilcouragierter" Gruppen, zeigte sich bei Antifa-Demos usw. usf. Das mag nun erst mal ziemlich gruselig klingen, doch behaupte ich, zu damaligen Zeiten (und auch früher) durchaus in der Lage gewesen zu sein, zu sondieren, was man denken konnte und was nicht. Als Beispiel sei nur angebracht, wie ich von irgendwelchen Dortmunder-Neonazis "Westdeutschland-Verbot" erhielt, weil ich mich nicht für die Rehitlerisierung begeisterte, was kein Geheimnis war. So erging es ebenfalls einigen Bekannten, die sich heute in der "Neuen Rechten" wiedergefunden haben. In diesen Tagen wussten wir aber nichts von einer "Neuen Rechten", und waren deshalb mehr darum bemüht, die "Alten Rechten" zu erneuern. Und die Hälfte der Ankläger damaliger Tage sind nun jene Herren, die als Aussteiger Karriere machten. Einem, wie ich finde, ist es nicht gelungen, und das trotz seiner Anstrengungen: Er watschelt nun barfuß am Jenaer Campus umher und gab sein Aussteiger-Interview der Super Illu.
Auf Demonstrationen fiel ich besonders negativ auf, da ich zum Beispiel, zum Ärger aller Anwesenden, Blumenkränze steckte und diese hübschen Gegendemonstrantinnen überreichen wollte, während ich beharrlich auf Shakespeares Romeo & Julia verwies. Dieses Verhalten schickte sich für einen gemeinen Nazi nicht, führte aber doch zu vereinzeltem Lächeln, auch unter den holden Antifas. In Erinnerung blieb auch eine Demonstration, bei der mich eine Antifa-Mädel überaus lange ansah, bis ich ihr dann zurief, daß ich so hässlich ja nicht sein könnte, wenn sie mich nicht mehr aus den Augen lässt. Aus einem anderen Bereich der Gegendemonstranten erwiderte dann jemand, es sei wirklich schade um mich. Die Erheiterung dieser Situation war grenzübergreifend.
Irgendwann in diesem Rahmen outete man mich dann auch standesgemäß, zeichnete mich schön braun, was, durch die Einzigartigkeit meines Vor- und Zunamens problematischere Züge annahm, als ich sie mir erahnte. Inwiefern mein Äußeres besonders eigentümlicher Natur ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber erkannt wurde ich immer und immer wieder. Ein Höhepunkt hierbei lag im Besuch eines Konzertes in Leipzig, von dem man mich unsanft verwies, während mich draußen gut 20 Antifas in Empfang nahmen und ins Krankenhaus beförderten, fast impotent geprügelt. Was einen nicht umbringt... Überraschend waren die Reaktionen "unpolitischer" Freunde, die nicht verstanden, wie es dazu kommen konnte, ich müsse doch etwas getan haben. Daß meine bloße Anwesenheit Grund genug war, kam ihnen nicht in den Sinn.
Die einschüchternde Wirkungen erzielten die Leipziger Genoss_Innen damit nicht, also ging es weiter im Programm.
Zu den Sternstunden in einer westsächsischen Stadt, in der ich ein Gros meiner Zeit verbrachte und eine Lehre aufnahm, gehörte eine Antifa-Demonstration, von der wir die Route im Vorfeld erfuhren. Die Mensch_Innen forderten einen Freiraum, den sie "Baumhaus - Roter Baum" nannten. In der Nacht zuvor begaben wir uns also, mit Kreide im Gepäck, auf die Straße und verschönerten die Route mit grausigen Parolen wie "Baumhäuser zu Bretterbuden" oder "Findeiß ist trotzdem doof". Als ich 2 Beamte des Ordnungsamtes bemerkte, die sich an unseren Kunstwerken sattsahen, nahm ich provokativ den Eimer Kreide in die Hand und ging auf die Herren zu, handelte es sich schließlich ja um keine Ordnungswidrigkeit, da sich die Kreide problemlos abwaschen lassen würde. Der "Eimer bunte Kreide" wurde nach "Polizeigesetz so und so", aus Gründen der "Gefahrenabwehr", dann eingezogen. Das ausgehändigte Schreiben befindet sich noch in meinem Besitz. Eine Stunde später - gegen vier Uhr morgens - erschien dann die Berufsfeuerwehr, schloß ihre Schläuche an und beseitigte unsere Kreidespielchen. Ich erhielt dann Monate später eine saftige Rechnung.
In dieser Zeit wurde mir dann auch die Lehrstelle gekündigt, da sich eine Ermittlungseinheit der Polizei auf der Arbeitsstelle sehen ließ. Es spielte keine Rolle, daß ich weder vorbestraft war (und bin), weder Teil der Ermittlung, noch jemals eine Unterschrift unter irgendein Parteiheft oder einen "Kameradschaftsmitgliedsausweis" setzte: "Sie wissen doch selbst, was sie für Freunde haben und wir werden sehen, was ihr Chef dazu sagt."
Ich nahm daraufhin ein Studium in Brandenburg auf, verbrachte 3 ruhige Semester, bis auf 2 kleine Zwischenfälle:
1.: Da das Kfz über meinen Vater lief, als ich meine Jahre in Sachsen/Thüringen verbrachte, erfuhr ich, als ich wieder die heimischen Gefilde ansteuerte, daß ein Polizist x (zumindest gab er sich als solcher aus) meinen Vater angerufen hatte, um ihn zu unterrichten, wo ich mich bereits überall mit dem Auto aufgehalten hätte. Mein Vater, dem die DDR-Vergangenheit immer unangenehm aufstoßen läßt, zeigte sich wenig kooperativ und beendete das Gespräch sehr schnell.
2.: Bereits einige Zeit in Brandenburg, den Kontakt zu den sächsischen Freunden auch über myspace haltend, bahnte sich ein Antifa-Kicker-Turnier auf dem Hauptmarkt einer westsächsischen Stadt an. Ich riet einem Freund via myspace in der Kommentarfunktion, sie sollen sich doch als Cheerleader verkleiden und zum Beispiel "Ihr seid zwar Kommunisten, doch kickert wie Faschisten" skandieren. Nicht einmal eine Stunde später rief mich auf meinem Telefonapparillo ein Polizeibeamter an und fragte mich, ob ich mich denn auch zum besagten Turnier blicken lassen möchte.
Nun, das 4. Semester - ein praktisches -, welches ich bei einem Professor am Campus absolvierte, stellte mein Dasein dann noch einmal gehörig auf den Kopf. Sicher, das Klima der Hochschule war links, weit links, darum hielt ich mich zurück. Als ich einmal im Sekretariat erfragte, weshalb sich überall Antifa-Plakate am Campus befinden, da man doch eigentlich eine apolitische Hochschule sein möchte, wurde ich gefragt, wie ich denn dazu komme, das zu erfragen. Die Herrschaft des Verdachts war also allgegenwärtig.
Jedenfalls war es ein findiger Kommilitone, der meinen Namen "googelte" und daraufhin eine Rundmail schrieb - natürlich anonym und mit "Rote Irgendwas" unterzeichnet. Ich erfuhr erst davon, als ich mich an einem Freitagabend in den Studentenclub bewegte, an der Bar verweilte, bis mich eine junge Studentin ansprach und mich fragte, was ich eigentlich von Thor Steinar halte? Ich erwiderte, daß ich davon nichts halte, nicht einmal was von Thor Steinar besitze. Aber wenn sie mich schon so fragt, dann will sie mir wahrscheinlich etwas anderes sagen. "Ja, dreh dich mal um." Einige Studenten hatten sich hinter mir aufgebaut. "Entweder du gehst jetzt, oder es endet wie in Leipzig."
Ich weiß bis heute nicht, woher ich die Kraft nahm, doch sagte ich sehr unbeeindruckt: "In Leipzig waren es aber 20..." Ich trank aus und ging, ohne daß es zu einer weiteren Auseinandersetzung kam. Am kommenden Montagmorgen, während ich mich wieder an meiner Praktikumsstelle am Campus befand, grüßte mich schon niemand der Mitarbeiter mehr. Es war ein Kommilitone, der mir dann von der ominösen Email berichtete, die an alle Studenten und Institutionen der Hochschule ging. Damit war ich von einen auf den anderen Tag untragbar geworden. Nebst einigen "Hass-Mails", einer morgendlich bespuckten Autoscheibe, dem Ausschluß aus Lerngruppen und co., dem Zuttrittsverbot für den Studentenclub, der vielfachen Befüllung meines Briefkastens mit Flüssigkeiten, eines zusätzlichen Outing-Versuches auf meiner nebenstudentischen Arbeit, wiesen mich wildfremde Leute fast täglich darauf hin, was für ein "Nazischwein" ich wäre. Einen Vorfall sondersgleichen berichtete mir meine Hausmeisterin des Studentenwohnheims, die mir immer wohl gesonnen war. So hätte das Studentenwerk, welches sich für die Wohnunterkünfte verantwortlich zeigt, sie telefonisch kontaktiert und erfragt, ob ich bereits durch rassistische oder ähnliche Verhaltensweisen aufgefallen sei.
Ist der Ruf erst ruiniert...
Kurz darauf fand Fachbereichsfeier meines Studienganges im hiesigen, linken Jugendclub statt. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, dort aufzutauchen, wenn auch nur für eine halbe Stunde. Der Verantwortliche der Stadt für Demokratie und Toleranz, der sich natürlich auch in diesem Jugendklub engagiert, schmiß mich mit schäumenden Gehabe aus dem Club. Vor der Tür angelangt, versüßte man mir den Rauswurf mit Äußerungen wie: Ich solle doch kenntlich machen, daß ich ein Nazi bin / Wir müssen mal mit dem Präsidenten der Hochschule reden, wer hier so studiert / Ja, selbst als CDU-Mitglied würden wir dich hier nicht haben wollen
Die Gerüchte, die sich an der Hochschule formierten, waren ähnlicher Gestalt und ereilten auch meine damalige Freundin und ebenfalls Studentin an der Hochschule. Meine liebsten beiden sind das Gerücht um die Lektüre von "Mein Kampf" im Hörsaal, wobei das einzige Buch, das ich jemals im Unterricht mit mir führte, Salomons "Fragebogen" war. Klar, wenn der ein Buch liest, dann kann das ja nur...
Und das Gerücht, als man meine damalige Freundin fragte, weshalb sie mit mir Hakenkreuzplätzchen backte.
So viel zur Ausuferung...
Sicherlich gäbe es noch die ein oder andere Geschichte. Doch hoffe ich, hiermit mal einen kleinen Einblick geboten zu haben, wie es gehen kann.
PS: Ich lebe immer noch in der Stadt, studiere immer noch an der Hochschule, arbeite immer noch nebenher, bereue nichts, habe nichts zu bereuen und lebe gut, den widrigen Umständen entsprechend. Kein Grund, sich zu verstecken.
Gustav Grambauer
05. September 2016 23:23
Bin mal in Berlin mit der Straßenbahn gefahren, ist schon länger her, 2007. Zwei rastazöpfige PoC-Herrenmenschen, männlichen Genders, im pubertierenden Alter haben ihre 'Pommes mit Mayo' direkt vom Plüschpolster eines Sitzes gegessen, die ganze Sitzfläche war schon verschmiert. Habe sie aufgefordert, das zu unterlassen und unverzüglich den Sitz zu reinigen. Sie haben angefangen, sich über mich lustig zu machen und mich nachzuäffen. Habe mich daraufhin dazu hinreißen lassen, ihnen zu sagen, daß sie das in Afrika oder sonstwo machen können aber nicht in Deutschland. Damit hatte ich die gesamte Meute der Fahrgäste, die bis dahin zwar alles mitbekommen, aber eisern geschwiegen hatte, innerhalb einer Sekunde gegen mich aufgebracht. Fast alle standen sogleich von ihren Sitzen auf und stellten sich - im Abstand von ein paar Metern, was die ganze Feigheit zusätzlich aufzeigt - wie eine Front auf, ebenso einzelne gleich vor die Türen. Einer murmelte (!) "... Polizei, holen", ein anderer "Nein, Staatschutz". Dadurch bekam der eine PoC, inzwischen wohl fertig mit seinen Pommes, Oberwasser, baute sich wie ein Gorilla vor mir auf und bedrohte mich. Ich schaute ihm so eindringlich ich konnte in die Augen und sagte so laut, daß es alle hören sollten: "Na schlag doch zu, aber selbst dazu reicht`s ja bei dir nicht". Und zu den anderen gewandt, auf den Sitz zeigend: "Da --->: schaut euch den Sitz an, das laßt ihr euch in eurer Stadt bieten, denkt mal über euren Selbsthaß nach". Das muß doch ein wenig in die eingefahren sein, so daß ich zu dem, der sich an der Tür postitioniert hatte, so laut, selbstbewußt und bestimmt ich esvermochte, sagen konnte: "Und jetzt laß mich raus, ich will hier aussteigen, es widert mich hier an". Natürlich wäre ich gern noch viel weiter gefahren, aber die 'Muffenflatter' wie der Berliner sagt, war heftig, heftiger noch als der Ekel. Ich war richtig froh, als ich draußen war, mußte mich, sicher knallrot im Gesicht, erstmal setzen.

Im Nachhinein: in der Goth`schen 'Elektrischen' ganz sicher, aber in Berlin würde ich nie wieder so eingreifen. Wer bin ich denn, jemand an der Applikation seiner eigenen Arznei zu hindern. Ixh war nichr besonders mutig, hatte bis zu diesem Tag lediglich das ganze Ausmaß der Verwahrlosung von Berlin unterschätzt; hatte in meiner Naivität gedacht, ich könne immerhin noch mit einer gewissen Nachwirkung dieser Zeiten

https://www.youtube.com/watch?v=il2wnw5CgLI

rechnen.

***

Am 17. können G. K. und E. K. selbst ein paar Erlebnisberichte beisteuern:

https://nohalgida.wordpress.com/2016/09/02/aufstehen-gegen-rassismus-rechte-denkfabriken-bestreiken/

- G. G.
Meier Pirmin
05. September 2016 23:59
Zum Problem der Gesinnungskriterien:


Bei Lektüre der heutigen "Welt" mit Charakteristik einiger gewählter Abgeordneter fiel als Hauptkriterium das Gesinnungsurteil ins Auge. Wer dies analysiert, ist noch kein Verteidiger der Genannten, zumal es erst später zum Vorschein kommt, dass oder ob ein Abgeordneter der AfD oder welcher Partei auch immer "etwas wert" ist. Insofern sollte man nie ausschliessen, dass die Gewählten sich zu enttäuschenden Nummern auswachsen können. Das ist aber derzeit nicht entscheidend. In der Vorstellung durch das Springerblatt kamen reine Gesinnungskriteien zum Tragen. Beispiel:

Prof. Ralph Weber soll einen Doktoranden mit falscher Gesinnung angenommen haben. Ausserdem trägt er eine Klamotte oder ein Hemd, das bei ihm selber auf falsche Gesinnung schliessen lässt. Zudem war Leif Holm ebenfalls ein Verteidiger des Gedankens. dass jemand mit falscher Gesinnung promovieren darf. Er soll den fraglichen Studenten "verteidigt" haben.

Gegenbeispiel auf der Linken: Che Guevara hat in Kuba Hinrichtungen kommandiert und selbst ausgeführt. Also ist jeder Student, der je ein solches T-Shirt trug, Befürworter von Erschiessungen von politischen Gegnern, der sollte also auch nicht promovieren dürfen. (Das postuliere ich nicht, ist bloss ein Vergleich. Natürlich hat Che mehr Leute direkt umgebracht als Rudolf Hess, was man aber nicht gegeneinander ausspielen sollte.) Richtig ist aber, dass Weber und Holm ausschliesslich Gesinnungstaten vorgeworfen wurden und werden. Im Zürcher Tagesanzeiger steht von Holm, er wirke auf den 1. Blick sympathisch. Warum er es auf den 2. Blick nicht ist, wird nicht gesagt. Es muss die Gesinnung sein.


Über das Gesinnungsverbrechen von Holger Arppe betr. die Identitären habe ich schon weiter oben berichtet, das beklagte mit Nachdruck die ZEIT. Arppe soll aber nach "Welt" gesagt haben, die multikulturelle Gesellschaft sei ein "Gemeinwesen auf dem Weg in den Bürgerkrieg". (Das stimmte zwar in Bosnien und an vielen anderen Orten, ist eine Meinung.) Es genügte jedenfalls, nebst dem Volksverhetzungsparagraphen, Arppe als Rechtsaussen darzustellen. Ein weiterer Gesinnungstäter scheint ein Enrico C. zu sein, der einer falschen Burschenschaft angehört. Es handelte sich ausschliesslich um Gesinnungsvorwürfe, gegen die eigentlich jedermann wehrlos ist. Gesinnungsvorwürfe sind reine Feinderklärungen.

Möchte hier noch mit Nachdruck betonen, dass zu meiner Generation, war 1968 in Berlin, eine dreistellige Zahl von Bewunderern von Mao ohne weiteren Gesinnungsterror ein Studium abschliessen konnten. Die Zahl der Opfer der Kulturrevolution muss hier nicht vorgerechnet werden. Im Gegensatz zu anderen verfolgten Volksgruppen gab es bekanntlich so viele Chinesen, dass es hier um eine Auschwitz-Dimension mehr oder weniger nicht ankam. Sowieso heissen die meisten Wang oder Chang. Möchte noch einmal hervorheben, dass keine Gegenrechnung etwa bei den Grünen betr. Gesinnung gemacht werden müsste, zumal diese die Wahl verloren haben. Wahr aber ist, dass in totalitärer Manier nach Gesinnungskriterien geurteilt wird. Totalitär wird das Urteil objektiv dann, wenn es bei Weber und Holm heisst, sie hätten jemanden mit falscher Gesinnung "verteidigt" und ihm den Abschluss eines Studiums ermöglicht. Wenn es möglich ist und erwünscht, aufgrund solcher Kriterien einen Studiensabschluss zu verhindern, dann sind wir auf dem Niveau der Hexen- und Ketzerprozesse. Seinerzeit bei Robespierre war das Gesinnungskriterium stets ausreichend für die Hinrichtung durch das Fallbeil. Und wer einen Gesinnungstäter verteidigt, ist selber ein Gedankenverbrecher. In diese Richtung geht die Problemlage.


Es ist eine Illusion zu meinen, ein Wähleranteil von 20% schütze gegen Gesinnungsterror und daraus folgende Berufsverbote. Im Gegenteil, man kann dann die 80% Demokraten und Anständigen zu einem Aufstand der Anständigen gegen die Unanständigen mobilisieren. Das muss bei einer neuen Partei nicht automatisch so sein, kann aber so werden. Möglich ist andererseits auch das Umarmtwerden, die Einladung zum Mitmachen in einer Koalition, was von einer einzelnen Stimme aus der CDU auch schon zu vernehmen war.
jack
06. September 2016 00:37
Die meisten Linken wissen, was auf uns zukommt.
Sie verhalten sich wie Kinder, die eine unausweichliche, unangenehme Aufgabe bis zur letzten Minute aufschieben, in der Hoffnung, dass jemand anders sich erbarmt, und die Aufgabe irgendwie erledigt. Sie wissen das genau. Über ihr eigenes Unvermögen, zu erkennen, dass es auch unangenehme Pflichten gibt, die man am besten sofort erledigen sollte, sind sie erbost, ungerecht, ausfallend und schlagen, nicht nur verbal, um sich.

Diese Leute bedauer ich, weil sie ihre schöne heile Kinderwelt nicht freiwillig verlassen wollen und können, weshalb das unvermeidbare Aufwachen schmerzhaft wird und auch sein muß. Früher oder später, aber unausweichlich.

Wochenmarkt in einer Ruhrgebietsstadt. Samstagmorgen gegen 10. Grünes Stadtviertel. Viele Lehrer. Grünes Mittelalter, Körbchen am Arm zum Einkauf von Bioware, Baumwollbeutel. Wenige mit Kind. Geruhsam. Bis einige Neudeutsche auftauchen.
Lautstark, im Pulk. Griffeln jede Ware an, drücken und quetschen sie . Werfen sie auf die noch schön gestapelten Auslagen zurück. Drängeln sich vor, ziemlich rücksichtslos. Feilschen lauthals. Wollen die ausgezeichneten Preise nicht zahlen.
Die Grünen Gutmenschen echauffieren sich, weichen aber kopfschüttelnd zurück.

Der Pulk zieht weiter. Verkaufsstand zerfleddert. Das ganze lädt nicht mehr zum Kauf ein.
Die Deutschen wechseln Blicke mit der Verkäuferin, die lauthals schimpft.

Ich freu mich und kann mir die Bemerkung „ist doch nicht schlimm – mehr Toleranz, meine Damen“ nicht verkneifen.
Die giftigen Blicke zeigen mir „getroffen“. Eine ältere Dame zu mir:“Die werden sich noch wundern.“ Verständnisvolle Nicken meinerseits.

Und es gibt viele solche Fälle des fast wortlosen Verstehens unter Einheimischen.
Aaron
06. September 2016 00:45
Manchmal traut man seinen Ohren kaum!
Vor einem halben Jahr wurde ich im Freundeskreis einer hochnotpeinlichen Befragung unterworfen und aufgeklärt, wie toll das mit den "Neuen Heiligen", sie nannten sie Flüchtlinge, ist.

Beim letzten Treffen, ein paar Tage her, brauchte ich eigentlich nichts mehr zu sagen, denn ein Ehepaar, daß mich damals noch aufklärte,
klärte uns jetzt auf.
Ach, war das schön, jetzt meinen Worten von vor einem 1/2 Jahr zu lauschen, ohne daß ich auch nur ein Wort sagen mußte.
Bei manchen Menschen dauert es etwas. Zu deren Entschuldigung (ja die gibt es!) muß ich sagen, sie haben wirklich sehr viel arbeit und haben kaum Zeit sich nach getaner Arbeit entsprechend außerhalb der üblichen "Meinungsmacher" zu informieren.
AfD - Reif sind sie noch nicht, aber ich arbeite daran.
Vielen Dank an MV !
Ich grübele noch immer über die SPD Wähler nach.
Eckesachs
06. September 2016 00:57
Man hat nach meinem Dafürhalten zwei Möglichkeiten, den Wall des Gegners zum Einsturz zu bringen, zumindest derart sturmreif zu schießen, daß der nächste Angreifer (das kann jemand ganz anderes sein) ihn niederreißt.

Man muß in jedem Fall Zweifel säen. An der Glaubwürdigkeit der Presse, Geschichtsschreibung, Weltbild etc..

Das geht, indem man (vorgeblich) politikferne Themen anspricht. Evolution, Klimareligion, 11. September und so weiter.
Hat man den Glauben (und um Glauben im Sinne des Wortes handelt es sich) in die offizielle Version erschüttert, kann der Geschädigte selber weiterforschen.
Das ist für ihn ein bißchen so, wie jeden Tag eine Zigarrette weniger zu rauchen.

Die harte Gangart ist, wenn man ohne Umschweife auf den zu sprechen kommt, auf den ,,Gründungsmythos" daselbst.
Das geht nur bei ausgesuchten Leuten und nicht in der Öffentlichkeit.
Zeitigt aber oft überraschende Erfolge. Ist wie Rauchen sofort aufgeben.
Ich habe da einen guten alten Freund, den Meier, nach ihm ist eine Zeiteinheit in unserer Gegend benannt.
Ein Meier ist die Zeit, die er braucht den zu bestreiten, wenn er jemand fremden kennenlernt- etwa 20 Minuten. Drei Meier sind also eine Stunde.
,,Wann wirst Du da sein?"
,,Eineinhalb Meier ungefähr."

Eine Gewichtseinheit haben wir auch...

Hin und wieder nennen mich ganz schlichte Leute einen ,,Nahtzi". Ich biete ihnen dann an,für 50 Euro ihren Bedürfnissen zu entsprechen und den rechten Arm zu heben. Ich erfrische sie gegen eine geringe Gebühr auch mit einer Rede.
,,Öh, was soll das, spinnst Du jetzt?"
,,Nein. ich will dir helfen. So mußt du nicht nur träumen, sondern kannst sagen, daß du wirklich einen gesehen hast. Kostet aber was."

Mit den vollständig Indoktrinierten lohnt sich die Unterhaltung nicht - außer, sie sind noch ganz jung. Dann geht der ganz gut.

Es wurde hier mehrfach angesprochen.daß Diskussionen eher für außenstehende, schweigende und unentschlossene Dritte geführt werden. Das sehe ich genauso.

Diese Dritten werden überzeugt durch Stärke, Angriffslust und konsequentes Vorangehen. Niemals überzeugt man durch Nachgiebigkeit und Larmoyanz. Die Körpersprache wirkt dabei eintscheidend mit.

Diese Dritten sind es, die dann nach einem Elternsprechtag zu einem kommen.
,,Danke. Sie sprechen mir aus der Seele. Wenigstens einer bietet diesen Pädagogen die Stirn."
,,Vielen Dank für Ihren Zuspruch. Aber was soll ich damit anfangen? Jetzt? Sie hätten sich laut machen können, als ich allein gegen 17 hysterische Weiber gefochten habe und nebenbei drei Väter in Schach hielt. Hat Spaß gemacht, nicht schlimm, aber was soll das JETZT?"
,,Humm, nja, also...."
,,Schon gut. Danke. Nächstes Mal dann."

Sind schon wertvoll, die Dritten.

Zu den ,,Freunden":

Was sind denn das für Freunde, die sich nach langer Zeit von einem lossagen, nur weil man die Einstellung wechselt? Charakterbildung findet jenseits politischer Einstellungen statt.
Da prüfe man sich selbst! War ich so oberflächlich, daß ich mit diesem Mann so lange zu tun hatte, ohne seine Charakterschwäche zu bemerken? Liegt die Schwäche gar bei mir selber?
Das ist kein Freund, das ist ein Judas.
Die optimale Anzahl von Freunden liegt nach soziologischen Untersuchungen wohl bei 11. Paßt. Der zwölfte Jünger hat Jesus verraten.
Pit
06. September 2016 01:14
Aus welchem Grund sind die Leute unzufrieden mit der Invasion? Woher wissen sie, daß sie damit unzufrieden sind? Antwort: weil sie es so empfinden.
Jedes rationale Argument gegen die Invasion kann man widerlegen und zerreden: es ist also wertlos.

Die Meinung der Leute beruht also auf Empfinden, nicht auf Denken.

Ich kam kürzlich bei quer-denken.tv auf einen Beitrag von einem Philosophen Hans P. Sturm; er sagt, daß sich unsere Philosophie mit Objekten beschäftige. Dem steht das Subjektive gegenüber, und das bedeutet wohl das Fühlen, Spüren, Empfinden.
Ich halte es für möglich, daß unsere westliche Kultur uns gänzlich auf dieses Objektdenken, auf Rationalismus, ausrichtet. Spüren ist unterbelichtet und findet wenig Anerkennung. Das Ergebnis davon sind Menschen, die nicht den Mut haben, zu ihrem subjektiven Empfinden zu stehen.

Die Menschen müssen lernen, und sie müssen dazu ermutigt werden, zu dem zu stehen, was sie empfinden; sie müssen den Mut haben, sich in ihrem Empfinden ernst zu nehmen. Es gibt keinen Grund, sich für sein Empfinden zu rechtfertigen: wir sind der Souverän, was wir wünschen, hat zu geschehen. Warum wir es wünschen, steht nicht zur Debatte: SO hat sich der Bürger ernst zu nehmen !
Das ist übrigens das gleiche Prinzip wie der Freie Markt: ich treffe meine Entscheidung nach meinem Gusto. Der Kunde entscheidet, was Anerkennung findet. Die subjektiven Wünsche treiben die Entwicklung der Produkte. Es ist ein gänzlich alltägliches Prinzip. Man habe den Mut, das auch auf die Politik anzuwenden!
Gustav Grambauer
06. September 2016 01:24
Venator

"... auch mit Erinnerungen an Ihre Begegnungen im liberalen Milieu – ich glaube, Sie haben Röpke erwähnt"

Sie meinen hier aber nicht den Röpke, der der Architekt des Eisernen Vorhangs, der Untewrwerfung Deutschlands unter den Yankee-Stiefel sowie der Kalkulation der wirtschaftlichen Ausblutung Mitteldeutschlands war?!

https://www.youtube.com/watch?v=IsLQO5xCMw8

- G. G.
Meier Pirmin
06. September 2016 06:26
PS II. Bei der Debatte, die hier generell geführt wurde, ging es zum Teil auch um die persönliche Integrität der beteiligten Personen als "zoon politikon", politische Wesen. Die sogenannte Balkan-Idee von Aristoteles, wie es Gottfried Benn ausführte: der Mensch ist ein politisches Wesen und er ist von Natur aus auf Verantwortung ausgerichtet, sie dort zu übernehmen, wo er lebt. Galt beim Griechen Aristoteles nur für den freien Mann. Die Polis ist mehr als nur eine Horde. Hier hat unterdessen ein Emanzipationsprozess stattgefunden.


Hoffnungsträger dieser politischen Debatte waren unter anderen die Leute von der AfD und bei den Jungen die nicht unumstrittenen und noch längst nicht ausgereiften Identitären. Was die AfD betrifft, wird jetzt schon über eine mögliche Beteiligung an Koalitionen laut gedacht. Das ist wohl verfrüht und erfolgt ohne realistische Einschätzung, wie man nach wie vor von aussen eingeschätzt wird. Sich hier keine Illusionen machen!


Auch muss man nach wie vor an seiner politischen Zurechnungsfähigkeit arbeiten. Dass die anderen zum Teil politisch nicht zurechnungsfähig sind, beweist noch nicht genug für einen selber. Gerade auch in Fragen der Wirtschaft, der Aussenpolitik, des sozialen Zusammenhalts, generell in strategischen Fragen ist noch ein erheblicher Reifungsprozess vonnöten. Sonst wird aus dem Projekt nichts Konstruktives. Die Lücke zwischen dem, was man weiss, und dem, was man wissen sollte, ist noch zu gross. Aber natürlich ist es wichtig, zuerst auch an sich selber zu arbeiten, an der Vergewisserung der eigenen Subjektivität. Dies war mit der Präsentation einiger sehr interessanter Geschichten der Fall. Man muss an seiner Geschichte arbeiten und zu derselben stehen. Diese Geschichten zeigen, dass und wie man unterwegs ist. Aber stehen bleiben und sich allenfalls selber bemitleiden würde es nicht bringen. Es genügt auch nicht die rechthaberische Überzeugung, dass man es sowieso besser weiss. Wie sagte es mal Picasso? "Ich fürchte mich vor dem Fertigen."
Schwarzbär
06. September 2016 06:39
1) Am Beispiel des Schicksals von Herrn Pastor W. sehe ich zwei Grundsätze bestätigt:
a) ausschließlich dann den echten Namen verwenden, wenn man absolut nichts mehr zu verlieren hat. Immer im Verborgenen wirken!
b) Der Verlust von Multiplikatoren (Pastoren, Lehrer, Erzieher, Publizisten ...) ist bis auf weiteres das Schlimmste, das uns treffen kann.
Nein, @ Herr Niemann, Angst nicht ablegen, Stelle nicht riskieren. Lediglich die Angst kanalisieren zur Findung von Mittel und Wegen.
Oder vielmehr umgekehrt: Wie damals die Grünen, müssen wir die Kirchen, die Kindergärten, die Schulen, die Universitäten und die Medien zu erobern versuchen. Zügig, und gut getarnt. Metapolitik ist gut - aber die Leute müssen dann auch entsprechend plaziert werden.

2) @ Maxx:: Wer NUR in sich hineinfrißt, der ändert garnichts. Außer, daß ihm schlecht wird.
Statt der großen Bekehrungsaktion, die allenfalls folgen mag, wenn das Gegenüber schon weitgehend gekippt ist, ist eher das Ausnutzen von Gelegenheiten zum Einschlagen von Pflöcken oder zur Erzeugung von Verunsicherung sinnvoll.
Beispiel:
Betriebsausflug; mir gegenüber am Tisch ein Radikaler, der schließlich tatsächlich in verschärft sadistischem Tonfall in die Runde anmerkte, er wünsche uns, daß jetzt SO RICHTIG viele Flüchtlinge, Hunderttausende!, über das RECHTE Polen nach Deutschland kommen mögen - damit es diesen pseudochristlichen Rechten so RICHTIG schlecht werde. -
Bloß sich nicht selbst verheizen - gut versteckt bleiben!:: Ich hakte nicht empört, sondern in besorgtem Ton ein, führte die Diskussion so, daß die Sache ins soziale Wasser lief: Die sicn vergrößernde Konkurrenz im Sozialbereich, unsre vielen Armen drohen noch ärmer zu werden - noch mehr Lohndrücker für die Wirtschaft - Merkel hat doch weder mit pseudo- noch echtem Christentum etwas am Hut, die ist doch völlig wirtschaftsgesteuert, usw. Alle dürften geglaubt haben, ich sei von Die Linke. Mit dem Effekt, daß plötzlich die bis dahin ergriffen bis zustimmend schweigenden echten Die Linken sich einschalteten und den Gedanken unterstützend weiterführten.
Natürlich war der Endstand nicht der, den wir hier uns idealerweise wünschen würden - aber diesem Nationalsadisten war sofort das Maul gestopft, er war nur noch mit Rückzug beschäftigt, und die von Die Linke waren von der Zustimmung zu Skepsis bis Ablehnung gebracht. Aber vor allem kam keiner auf die Idee, daß ich einer von den 'Teufeln' wäre.

3) @ Marco: Dem Medienfuzzi-Kellner hätten Sie sofort ein "Wie bitte? Das ist Rassismus! Ich möchte Ihren Chef sprechen!" entgegenschießen sollen. Der Abgang wäre dann wohl trotzdem fällig gewesen, aber der Typ hätte noch sein Päckchen gehabt.

4) @Eveline (und Wandersfrau): Bei der Arbeit usw. mag es nützlich sein, die Weltanschauung einfach einzuklammern und sich für das restliche Zusammenleben zu einigen.
Im Bereich der Politik aber kann nur Verbindbares auch verbunden werden - ansonsten muß entschieden werden. Wenn, wie hier oft geschildert, das Ausklammern bei den Linken sowieso nicht klappt, kann man sich die ganze Aktion sparen.
Übrigens: Zufall, daß diese Einigungsideen hier alle von Frauen kommen?

4) @Dt. Freigeist: Die globale Ahnungslosigkeit heutiger Abiturienten ist nicht nur Arbeitgebern sehr willkommen, die Funktion statt Kritik suchen, sondern auch dem herrschenden Zeitgeist, der sich darauf alternativlos verstetigen kann.
Die AfD hat noch immer nicht begriffen, daß nach Euro, Migranten und Islam die himmelschreiende Bildungspolitik ein zentrales Thema werden müßte.
Was die Diskussionsmöglichkeiten an Unis betrifft, hängt dies entscheidend vom Dozenten der jeweiligen Lehrveranstaltung ab.Nie vergessen - in der Lehrveranstaltung hat der Hochschullehrer das Hausrecht, er kann juristisch verlangen, daß seine Lehre nicht behindert wird. Natürlich gibt es vollständig verrottete Anstalten - hat man diese nicht bereits vorab identifiziert, sollte man diesen dann gleich nach Semesterschluß entfliehen. Aber nicht alle Unis sind gleich, erst recht nicht alle Dozenten. Ich bin bei meiner ersten Uni auch hereingefallen; zum Aussuchen der endgültigen habe ich dann in eine mehrwöchige Deutschlandreise investiert und mich genau umgesehen und -gehört.
Wie gerade in M-V wieder offenbar wurde, gibt es durchaus auch aktive Profs. unserer Gesinnung. Und
@Gunnar: Da lese ich reihenweise Dinge, gegen die ich sofort Strafanzeigen angesetzt oder angedroht hätte, von der Einforderung von Straßenreinigungskosten für Kreidezeichnungen über die Polizei, die offenbar den Aufenthalt überwacht über die Ausschlüsse aus Lerngruppen etc. Bei einer solchen Lage, wo sowieso nichts mehr zu verlieren ist - voll drauf. Strafanzeigen, sofern nicht mißbräuchlich, sind kostenlos, und eine polizeiliche Vernehmung ist den Betroffenen auf jeden Fall sicher.

Schließlich aber: Ich sehe wieder, daß Vernetzung dringend not täte.
Angesichts dessen, daß mit echten Teufeln der Antifa stets zu rechnen ist, tut sich hier freilich eiin Teufelskreis auf:
Man fährt ins Café Schnellroda, unterhält sich gut:
Der andere gibt eine funktionierende e-Post-Adresse, will aber partout seinen Namen nicht nennen. Als er sich nach einigen mails identifiziert glaubt, endet der Kontakt.
Der zweite fährt einen heim, man unterhält sich noch besser - die übergebene e-Post-Adresse erweist sich als falsch.
Ich selbst gestehe, nach Schnellroda nur anonymisiert oder mit nur teilweise echtem Namen zu schreiben - aus Angst, daß auch dort, wie bei der AfD, der Computer gehackt werden könnte und alle Klarnamen bei indymedia landen.
Aber ohne eine Vernetzung wird es nicht weitergehen.
Auch wegen ganz konkreter Probleme, die hier deutlich geworden sind: Vermittlung von Gesinnungsopfern an neue Arbeitgeber, von 'bösen' Studenten an 'bitterböse' Professoren zwecks Prüfungsabnahme, Vernetzung zur Erzeugung spannungsärmerer Freundeskreise; nun ja, eventuell auch zur Vermittlung weniger herzschädigender Partner ....
Wenn sogar Café Schnellroda alleine noch nicht genügt:
Wer hat Ideen, wie dies, sozusagen mit Gesinnungsprüfung, geschehen könnte?
Hierüber sollte - endlich - in einer Extrarunde debattiert werden.
Stefan Jahr
06. September 2016 06:42
Meine Erfahrungen in dieser Hinsicht sind leider Legion - es geht quer durch die Familie, fast genau so, wie auf der französischen Karikatur dargestellt. Mein Schwager und meine Schwägerin sind Sozialkundelehrer - das sagt wohl alles.
Die krasseste Diskussion indessen hate kürzlich meine Frau mit einer Kollegin, der man keineswegs das völlige Fehlen formaler Intelligenz unterstellen kann - sie war mal Betriebsleiterin in der Textilindustrie. Hat sogar jahrelang in China einen Betrieb geführt. Bei einer Diskussion über die Greuel des IS meinte sie nun, erstens hätte der IS nix mit dem Islam zu tun und zweitens seien die Verbrechen des Nationalsozialismus an den Juden weit schlimmer gewesen...
Nun könnte man dieses Weibsbild schnell vergessen, aber ich fürchte, sie ist kein "Einzelfall"... Psychologisch interessant erscheint mir das zwanghafte Auftauchen des sog. "Holocaust" selbst in diesem absurden Zusammenhang, also gewissermaßen als Rechtfertigung des IS.
donna_alta
06. September 2016 07:20
Ich halte mich mit meiner Meinung nicht mehr zurück, dränge sie aber niemandem auf. "Missionieren", selbst mit den besten Argumenten, hilft gar nicht. Das muss ich schmerzhaft bei meiner eigenen Tochter erleben. Ich komme überhaupt nicht an sie ran und vermeide um des familiären Friedens willen jede politische Debatte. Auch das kann funktionieren. Ich möchte mein Kind ja nicht verlieren, wenngleich sie um meine unverrückbare Meinung weiß.
Freundschaften sind auch bei mir zerbrochen, aber ich vermisse diese auch nicht mehr.
Das Schönste ist für mich, dass ich meinen Mann "auf meine Seite" holen konnte und wir uns jetzt die Bälle zu werfen! Das macht auch Spaß und ist nicht selten sogar recht witzig.

Wenn mir irgendjemand mit gutmenschlichem Geschwurbel von Integration von "Flüchtlingen" etc. kommt, frage ich ihn, ob er es nicht auch brutal findet, wie diese Menschen aus ihrer Heimat entwurzelt und nach Deutschland verfrachtet werden und ob das so gewollt ist. Das führt meist zu interessanten weiterführenden Gesprächen.
Stefan
06. September 2016 07:42
@Petrus Urinus Minor - Mir geht es auch um Deutschland. Als meine Heimat und um die Menschen, die hier leben. Insofern ist mir ein muslimischer Türke, der hier seine schwere Arbeit macht, perfekt Deutsch spricht und andere Leute in Ruhe lässt, zehn Mal lieber, als irgendwelche "linken" Ideologen. Im Übrigen würdest Du Dich wundern: der gute Mann ist umgezogen, damit seine Kinder in eine Schule gehen können, wo die Umgangssprache deutsch ist. Soll er seine Religion leben...Das Problem sind die kinderlosen Deutschen, die ihre Identität verleugnen.
@Monika Vielen Dank
@Gunnar Meine absolute Hochachtung. So ist es halt, wenn man sich nicht der totalen Verblödung unterwerfen will. Zu Deiner Erheiterung hier die Bemerkungen eines amerikanischen Dichters über die Leipziger
Antifa: http://www.unz.com/ldinh/germany-against-itself/
cso
06. September 2016 08:52
Mich deprimieren die geschilderten Erlebnisse und ich kann dennoch nicht davon ablassen, jeden Post zu lesen, da mich besonders ein Gedanke umtreibt, der sich mir bei einigen, der teils unglaublichen Erzählungen, hier immer wieder aufdrängt: Ich erinnere mich an meine Schulzeit in der Bonner Republik, als man uns Schülern beibrachte, stets kritisch mit Verlautbarungen aus Parteien, Organisationen und Medien umzugehen und deren Aussagen zu prüfen.

Ich frage mich, wann ist dieser Gedanke verlorengegangen? Welcher Hebel wurde angesetzt, der gescheite Leute dazu brachte, sich von diesem zu verabschiden und die unkritische Haltung ggü. ihren Machthabern zur allerersten Pflicht zu erklären, jedes Abweichen von der Agenda der Regierenden als "unnormal" anzusehen, Dissidenten niederzubrüllen und letztlich als Ratten, Pack und Abschaum zu entmenschlichen?

Und wie kam es dazu, daß dem politisch-medialen Komplex, der Respekt vor anderen, nicht linientreuen Meinungen verlorenging? Mir kommt es vor, als sei es schon immer so gewesen, obwohl ich mich noch daran erinnere, wie man auf Augenhöhe streiten konnte, ohne unbedingt respektlos zu werden und seinem Gegner nicht zuallererst als Träger einer unmenschlichen Ideologie entgegentutreten, den man am besten gleich wegsperren sollte, noch bevor man anfängt zu diskutieren. Das ist doch gar nicht so lange her! Und die Mehrheit hält das für normal?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, daß sich dieser tiefsitzende, von der Machtelite offen legitimierte Hass, eines tages in Gewalt entladen wird.
Rumpelstilzchen
06. September 2016 09:21
Überlebensstrategie HUMOR nicht vergessen. Den hat sogar der Kanzleramtsminister Herr Altmaier:

Deutschland ist ein großartiges Land, weil wir in Deutschland nicht nur eine Angela Merkel haben, sondern Zehntausende, Hunderttausende Angela Merkels. In jedem Dorf, in jeder Stadt“.



Deutschland wäre ein großartiges Land, wenn wir ... ???????????????????????????????????????

man darf ja mal träumen:


http://www.spiegel.de/spam/spam-fotowitz-altmaier-besorgt-a-1072068.html
Naturwissenschaftler
06. September 2016 09:35
Allen, die versuchen, andere Personen von ihrer Weltanschauung zu überzeugen, empfehle ich die Lektüre von Thomas Kuhns "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen". Obwohl Wissenschaftler um einen hohen Grad an Objektivität bemüht sind, tun sie sich schwer, ihr "Paradigma" über den Haufen zu werfen und ignorieren Beobachtungen, die diesem widersprechen, vorerst. Meist ist es dann eine junge Wissenschaftlergeneration, die dieses Paradigma noch nicht derart verinnerlicht hat, die wirklich neue wissenschaftliche Erkenntnisse durchsetzt. Werner Heisenberg meinte dies einmal in einem Interview, das lange vor Kuhns Buch durchgeführt wurde, dass er als damals 25jähriger nicht so viel Respekt vor den wissenschaftlichen Errungenschaften der Alten hatte, und daher bedenkenlos und auch ein wenig naiv eine komplett neue Beschreibung der Wirklichkeit entgegensetzen konnte.
Falke27
06. September 2016 09:54
Meine Erfahrung ist, dass Argumente überschätzt werden. Linkssein ist ein Glaubensbekenntnis, was nur durch eigene Erfahrungen geheilt werden kann.
In meiner Sturm und Drang -Zeit habe ich Diskussionen gerne vom Zaun gebrochen und auch sehr aggressiv geführt. Auch wenn ich allein gegen 10 argumentieren musste.
Da ich in Sachen historischer und politischer Bildung anderen überlegen bin, konnte ich dabei auch meist eine gute Figur abgeben. Man sollte sich aber nicht täuschen, dass man dadurch Menschen überzeugt. Vielmehr überzeugt oder macht einen interessant, ein fester Auftritt/eine Unerschütterlichkeit in den eigenen Glaubenssätzen ohne dabei missionarisch rüber zu kommen. Dann wird das Gesagte zwar nicht übernommen, aber man wird auch als der Andere akzeptiert.
Matthes
06. September 2016 10:01
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,
Vielleicht ist es bereits zu spät, das hier ein zu bringen. Ich kämpfe seit Jahren um die Köpfe meiner Freunde und musste dabei neben Erfolgen natürlich auch oft Niederlagen mir eingestehen. Ich denke das wichtigste ist es allzeit gute Argumente zu haben. Durch mein Studium kommt mein umgang vor allem mit den Leuten vermehrt zu stande, die eigentlich voll hinter dem derzeitigen Kurs stehen. Man kann diese Leute aber gut ködern und reizen. Solche empfinden sich meist als sehr kritisch. Es reicht dann meistens ihre unkritische Haltung bestimmt und klar vorzurechenen. Man muss da nicht zimperlich sein. Ein weiterer Punkt wäre ihr Verweis auf die Freiheit und an dieser Stelle wird es etwas knifflig, denn so sollte man an dieser Stelle die Freiheit (zu) aufschlüsseln und als rational einzig einsichtig dem gegenüber nahe bringen. Dies tut man am besten mit gezielten solche Leute meist überfordernden "so ist die Welt" Erklärungen oder wenn es gar nicht hilft mit Verweis auf Literatur. Allzeit sollte man einen einvernehmlichen Charakter des Gesprächs anstreben. Linke Begriffe und argumentationslinien sollten gekannt und umgepolt angewendet werden. Das Problem ist bei alle dem eher, dass die meisten in Wohlfühlblasen leben, in die sie sich einschließen sobald das Gespräch endet. Sie gehen wieder auf parties und ihrem zufälligen Dasein nach. Wer es schafft da anzupacken hat den gordische Knoten geknackt. Ich meine unter dem Motto zu argumentieren, worauf baut denn dieses zufällige Dasein? Ich hoffe ich konnte etwas helfen. Wenn gewünscht kann auch noch richtige Schmankerl erzählen zu diesem Thema.

Mit Freundlichen Grüßen,
Matthes
Der_Jürgen
06. September 2016 10:32
@Pirmin Meier

"Natürlich hat Che Guevara mehr Menschen umgebracht als Rudolf Hess..."

Nun nennen Sie mir bitte den Namen eines Menschen, den Rudolf Hess umgebracht hat! Sie dürfen sich bei Ihrer Suche von allen Historikern des freiesten Staates der deutschen Geschichte helfen lassen. Fangen Sie am besten mit Guido Knoop und Eberhard Jäckel an.

@Der alte Hippie

Von den vielen interessanten bis hochinteressanten Kommentaren ist Ihrer einer der besten. Besonders verblüffend, aber goldrichtig fand ich Ihre Parallele zwischen der Ideologie der Wall Street und jener der sunnitischen Extremisten, die einen Grund für die Kooperation zwischen beiden liefert. Melden Sie sich bitte hier öfters zu Wort. Dies gilt auch für viele andere, auf deren Namen man bei dieser Debatte zum ersten Mal stösst.
Jan
06. September 2016 10:37
ein früherer Schulfeund hatte mir in unserern Jugendtagen einmal meinen mit seiner Bärenpranke Unterkiefer angebrochen, weil ich provokative Lieder gesungen hatte.
Jahre später, wir hatten uns jahrelang nicht mehr gesehen, und er hatte zudem die dauerhafte Erfahrung als Arbeiter gemacht, nannte er sich eines Tages konservativ und nannte Schachtschneider und Hankel "echte Patrioten".
Er hatte sich zwischenzeitlich im Rahmen seines Geschichtsinteresses über die Zustände in der Weimarer Republik bzw. die Lebensmittelblockade gegen die Deutschen sowie die Situation für die Bergbauleute im Ruhrgebiet kundig gemacht. Daher hatte er Verständnis dafür entwickelt, was die Leute anschliessend gewählt haben.
Ein seltener Fall, aber auch das gibt es. Nicht auszuschließen ist, daß er zwischendurch auch mal Stress mit Kulturbereicherern hatte.
Christin
06. September 2016 10:48
Bemerkung zu abgebrochenen „Freundschaften“

Wir erhalten in unserem Garten oft Besuch von Amseln (zur Zeit sieht man hier nur die junge Generation), einige davon sehr zutraulich. Sie lassen sich gerne mit etwas Leckerem wie Heimchen oder Rosinen füttern. Vor ca. 2 Wochen ist eine aufgetaucht, die einen etwas kränklichen Eindruck machte. Sie hat das ihr angebotene Futter sehr gerne angenommen und sich auch sonst in unserer Nähe wohlgefühlt, saß einfach ganz oft still und lange weniger als 1 Meter entfernt und hat einem in die Augen geschaut. Vor 2 Tagen entdeckten wir sie tot unter einem Baum. Die Kleine vermissen wir.

Was sind dagegen falsche Freunde? Ich bin dankbar, daß diese aus meinem Leben verschwunden sind.
Gustav Grambauer
06. September 2016 10:51
Meine Frau betreibt eine Praxis für Massage und div. Naturheilverfahren in Zürich, allerfeinste Lage, viele Stamm-Patientinnen, die teilweise seit zwanzig Jahren zu ihr kommen, dementsprechend tief sind ihre Einblicke in deren Leben und das Vertrauensverhältnis. Ihre typische Patientin lebt sich im Modell "Karriere (oft im mittleren Semgemt bei einer Bank, d. h. mindestens eine 60-Stunden-Woche) und Familie" aus - und ist dabei kurz vor dem Zerbrechen, manche flickt sie nur immer von Woche zu Woche wieder einigermaßen zusammen.

Dabei sind die Masken der pc längst gefallen, diese Frauen brechen bei ihr in Tränen aus und reden sich buchstäblich alles von der Seele. Spannungen im Wasserkopf, also auch bei Versicherungen,
Treuhändern usw. sowie an der ETH oder bei der Stadtverwaltung, von
woher sie ebenso viele Patientinnen hat, sind immens, aber selbstverständlich tabu. In letzter Zeit reißen vermehrt Konflikte mit Yugos auf, die in den 90er Jahren, als diese in Massen in die Schweiz kamen, großzügig verdrängt worden waren. Es wird bei der kleinsten Bemerkung disziplinarisch eingeschritten. Vor allem die vielen Inder in den Chef-Etagen bei den Banken führen sich auf wie die Schweine. Der Verlust der Identität wird zunehmend gespürt, viele, die meist auch noch "interkulturell" verheiratet sind und ihre "Kids" englischsprachig erziehen, freuen sich, daß sie bei meiner Frau überhaupt mal wieder ein Wort Schwizerdütsch sprechen können. Wenn die Kinder in der Schule von Südländer-Gangs terrorisiert und gemobbt werden, dann findet das in einem Klima statt, in dem der Alltag so totalitär ("sozial") durchgeregelt ist, daß kleinste Abweichungen von der pc-Norm sofort ins soziale Abseits führen würden, auch sonst kleinste Abweichungen vom allgegenwärtigen Perfektionsanspruch. In der Schweiz nach einem Mahnschreiben noch einen einzigen Tag mit der Miete in Verzug zu sein, bedeutet z. B. durchweg die sofortige Kündigung der Wohnung, während Clans aus dem Nahen Osten, die das Geld in fünfstelligen Beträgen hinterhergeworfen bekommen und in jeder Hinsicht im Vollkasko-Modus leben, schon ganze Gemeindekassen ruiniert haben. In der eigenen Wohnung gibt es für diese Frauen Repräsentationspflichten, wenn z. B. der Chef mit Kollegen zum Nachtessen kommt (oder diejenigen des Ehemannes), wobei es sich in der Regel wiederum um eine Horde Ausländer handelt und wobei auch wieder nur Englisch gesprochen wird. Auch das Leiden am Dichtestreß in der Stadt ist groß. Es gibt in Zürich keine 'Rush Hour', die Stadt ist immer verstopft, die Arbeitswege über (auch wenn mit der neuesten 6-Liter-V-12-Discovery) wird mehr gestanden als gefahren. Man muß wissen, daß die Schweiz durch "Migration" jährlich um die Größe von St. Gallen wächst, wobei sich dies nicht auf die allergrößte Fläche, die Berge, sondern dafür überproportional vor allem auf das kleine Mittelland verteilt. Die Unternehmen unterhalten oft eigene Kindergärten, aber selbstverständlich nur für die Kinder der Expats, was einen Neidreflex hervorruft, der aber nicht ausgedrückt werden darf -abgesehen, daß diese Kindergärten auch wieder nur englischsprachig sind. Diese Frauen lassen auch ihren ganzen Haß auf die Nannies ihrer Kinder und ihre Putfrauen heraus (die die oft aus der Karibik oder aus Südamerika kommen und auch wieder nur Englisch sprechen, und die natürlich alles immer nur falsch machen).

Viele träumen insgeheim davon, "auszusteigen", "was Einfaches" zu machen oder sogar irgendwo aufs Land zu ziehen, andererseits kriegen sie kalte Schweißausbrüche bei dem Gedanken, daß sie dann weniger als SFr 15'000 im Monat für ihr Versace-Zeugs und ihre Tauch-Ferien nach Bali zur Verfügung hätten.

Das kommt alles hoch, bei manchen unter Schüben von inneren Krämpfen, immer wieder, bei manchen bei jeder Behandlung wie in einer Dauerschleife - nur die Schimpfworte für die Ausländer und jetzt natürlich besonders für die Asys, die ich schon auch gesagt bekomme, aber hier nicht wiedergebe, werden gröber und gröber.

Und nach ihrem seelischen Zusammenbruch schminken sie sich die Tränen weg, gehen wieder zum Afternoon Team Meeting und 'kommunizieren' im hochambitioniert-pc-korrektem Key Note Speech und unter Beachtung aller kulturmarxistischer Finessen - in welcher Sprache wohl - ihren Dreck, Dreck, Dreck.

- G. G.
Exmeyer
06. September 2016 10:56
Linkssein ist die ideologisierte Variante des Unmännlichseins. Also: Präsentes Mannsein ist eine Ein-Mann-Umerziehungsanstalt.

Meine Erfahrungen diesbezüglich gehen weit über das hier inhaltlich Schreibbare hinaus.
Aber für gewöhnlich werde ich in einer neuen Umgebung - gleich wo - nach einer bestimmten Zeit positiv darauf angesprochen, manchmal nur Stunden (auf einer beruflichen Feier mit genügend Alkohol). Es ist eigentlich immer das gleiche Schema: Irgendjemand wartet einen Moment ab, der eine gewisse Zeit des Gesprächs unter vier Augen verspricht und äußert seine eigene zustimmende Haltung (zuletzt: "ich habe die gleiche Haltung aber kann sie nicht so offen zeigen"). Unwillkürlich frage ich mich natürlich, woher der meine Einstellung kennt, ich hatte ja noch kein Wort geäußert, außer: "Noch einen Daiquiri, bitte"). Bis meine weibliche Begleitung mir zum wiederholten Male sagt, das könne man mir halt ansehen. (Nein, nicht an der Kleidung, die ist meist Einheitspinguin.)
Ich vermute, es handelt sich um eine Mischung aus inneren "Panzergrenadier-Haltung" und einer äußeren Form, die das Ernsteste nicht ernst zu nehmen scheint.

Missionieren? Aufklären? Um Annerkennung betteln? Rumargumentieren? Das ist unwürdig, Schwäche ausströmend und zutiefst unmännlich.
Wenn an einer Stelle ein klarer Satz, ein kühles oder mürrisches Abwenden oder ein mitleidiges Lächeln nicht reicht? Oder ein positives Augenzwinkern oder ein legerer zustimmender Spruch Dritten nicht reicht, dann reichen hundert Zeilen Text sowieso nicht. Also: Was soll's! Übergehen. Der Landwirt unterhält sich auch nicht mit den seinen Kühen im Stall.

Linke oder Opportunisten sind Mentalzwerge. Die sind schlicht und ergreifend unwürdig mit mir auf einer Wellenlänge zu kommunizieren. Und das bekommen sie auch zu verstehen. Nicht bitter, noch nichtmal arrogant. Sondern selbstverständlich!
Allerdings wende ich mich von pseudorechten Missionierern mit noch größerem Ekel ab. Nicht zum ersten mal habe ich aus purem Spaß rein-bolschewistisch-diamat Positionen gegen Missionierer vertreten, weil mich diese "Aufklärerei" einfach nur ankotzt.

Stärke und Selbstgewißheit überzeugen. Reden ist nur auf zu.
Eckesachs
06. September 2016 11:06
Freund Meier hat beruflich viel mit Naturwissenschaftlern zu tun. Ein Mitarbeiter, Doktor der Physik, 47 Jahre alt, glaubt alles was er im Fernsehen sieht.
Wenn Meier zwei, drei Tage mit ihm allein ist, entwickelt der Physiker wohl halbwegs normale Ansichten, man kann dann wohl richtig mit ihm reden, wie mit einem Erwachsenen.
Allerdings, so sagt Meier, ist das nicht von Dauer. Einmal Fernseh gucken reicht und er ist wieder auf Linie.
Ich glaube, daß die bewegten Bilder des Fernsehens einen viel stärkeren Eindruck hinterlassen als Presseerzeugnisse. Das bewegte Bild vermittelt die Täuschung der Echtheit und des Dabeigewesenseins, es wirkt auf der Gefühlsebene. Zeitschriften wirken bei der Indoktrination des Normalbürgers allenfalls flankierend und bedienen die ,,sachliche" Ebene, daß ,,Erlebte" wird also auf ein ,,rationales" Fundament gestellt.
Haltet sie vom Fernseher weg, dann ist schon viel erreicht.

Ein Jagdfreund erzählte mir, und das ist schon etwa 8-10 Jahre her, daß er hin und wieder seinen Vetter begleiten muß, wenn dieser in Wohnblocks den Fernsehanschluß reparieren muß. Der Jagdfreund ist sehr groß und stark,jedoch vollkommen harmlos. Er macht Eindruck durch sein Auftreten, deshalb nimmt sein Vetter ihn mit, wenn es kritisch wird.
Kritisch wird es, wenn in einem Asiwohnblock die gesamte Fernsehanlage ausfällt. Dann ist Bürgerkrieg. Auf der Treppe werden sie von pöbelnden Teppichfliegern empfangen (,,Hast du kaput gemacht Alter? Mach heile jets!"), im Flur streiten sich zwei tätowierte Zicken bis hin zur Rangelei, im dritten Stock sorgt ein älterer Mann im Feinripphemd mit der Gaspistole für Ordnung, auf Etage zwei sitzt ein Betrunkener in einem Sessel vor der Glotze ohne Bild und pöbelt, der ganze Fußboden voller Bierflaschen. Ja, sie pöbeln diejenigen an, die da kommen und die Anlage reparieren wollen.
Der Fehler liegt allermeistens in den unscheinbaren grünen Kästen, die an Kreuzungen stehen. Dort läuft alles zusammen, mehrere Wohnblocks.
Da drinnen ist der Fehler meistens zu finden.
Meier Pirmin
06. September 2016 11:11
_derjürgen. Das Gebiet, das ich mir erarbeitet habe, ist der 30.Juni/1. Juli 1934. Hess stellte sich damals für persönlich vorzunehmende Erschiessungen zur Verfügung, was ihm aber nicht ermöglicht wurde. Es fehlte ihm also nicht am Willen, sogenannte oder echte politische Gegner umzubringen, bloss an der Möglichkeit. Tatsächlich behaupte auch ich nicht, Hess habe jemanden umgebracht. Dazu fehlten ihm als Stellvertreter Hitlers schlicht die Kompetenzen. Leider kann ich Ihnen im Moment da nicht noch ausführlicher und dokumentarischer antworten. Für mich war aber die Sache mit dem 30. Juni stets klar ein Ereignis, von dem aus gesehen aus der Sicht der deutschen Rechten der Rubikon überschritten war. Selber lebte ich damals noch nicht, jedoch einige väterliche Freunde von mir, die dann ihre illusionären Hoffnungen begruben.

Ich würde Hess und Che Guevara plus minus als Helden verblendeter nachgeborener Generationen bezeichnen. Für Che-Guevara-Utensilien wäre die identische Einschätzung richtig wie für Devotionalien aus der Zeit des 3. Reiches. Das heisst übrigens nicht, dass ich für ein bedingungsloses Verbot wäre. Es müsste auch nicht jeder, der mal ein Che-Guevara-Leibchen trug, bedingungslos mit einem Berufsverbot im öffentlichen Dienst bedacht werden. Usw. analog.
Winston Smith 78699
06. September 2016 11:23
@ Matthes
Man kann diese Leute aber gut ködern und reizen.


... vielleicht in dem man Schwäche und Angst zeigt und davon redet. Aber um Himmels Willen nicht Angst vor Überfremdung und Terror, sondern weltanschaulich neutral vor Krieg und Hunger und Seuche und dem totalen Staat und der Gehirnmwäsche (hier zunächst nur ganz vorsichtig, sonst kommt der Aluhut). Angst etwa vor dem Nato-Russland-Krieg - auch hier spielen die armen Flüchtlinge dann ja eine Rolle: die des Kanonenfutters. Dies nur als Beispiel - mit etwas Überlegung kriegt man schon Bezüge hin. Also erstmal nicht diese Fluchtis und auch keine Muslime etc. anklagen. Darauf kann der Andere dann selbst kommen. Hunger, Chaos, Krieg unter den armen Flüchtlingen, zwischen Fluchtis und Türken? Solche Szenarien malen, die nicht anklagen, aber die entscheidenen Punkte ins Spiel bringen: Bevölkerungsexplosion in Afrika, Medien, Islam, Bildungsstandard usw.

Oder man berichtet ganz verstört von jemandem, der solche Dinge erzählt hat, die einem selbst jetzt Angst machen, man stellt sich etwas naiv. Das kann den Eifer des Missionars oder Teufelsautreibers wecken, der einem dann aber zunächst wohlgesonnen ist, nicht blockiert, also eigene Gedanken zuläßt.

Und ganz abwegig ist das mit den Ängsten ja auch nicht. Wie steht es etwa mit der Angst, dass unsere Kinder diese Sprache nicht mehr sprechen? Alarm: wir begeben uns hiermit sogar auf genuin identitäres Terrain - ganz schön rechts, weil es um Kultur und Werte des Volkes geht, und nicht nur konkrete Furcht vor Krieg, also nur um ein Andocken an den in unserer vollmaterialisierten Welt der Kochshows und Verklagerei gerade noch erlaubten niederen, instinktiven Ängsten um Leben und Fressen. Wenn aber unsere Kinder nur noch türkischdeutsch plappern, wie es in den Kesseln bereits der Fall ist, wer wird dann die humanen Lehren von Schiller-Kant und anderen noch authentisch verstehen? Wird man nicht sie, und das Grundgesetz damit gleich mit, umso leichter auf den Müll hauen können - und dann aber auch die ganze Frankfurter Schule und den Mitscherlich und die Arendt und den Brecht und den Celan und den Kafka gleich mit? Ist das denn alles nichts wert? Ist es unwichtig, Marx-Engels und Heine im Original lesen (nicht übersetzen) zu können, und Lichtenberg oder Luther? Ist es unwichtig, ob jemand wenigstens noch dem Wortlaut von Kanzler Merkels "humanistischem Imperativ" folgen oder gar die Anspielung verstehen kann? Was geschieht dann mit der Dempkratie? ... Um das Grundgesetz zu verstehen, reicht es doch nicht, seine Wörter in einem türkischdeutschen Handlexikon nachzuschlagen, oder? ... Ach so, das alles ist austauschbar? ... Womit dann eigentlich? ...

Hier kann man ganz verschiedene Wege gehen - das hängt vom Gegenüber ab, also davon, wofür dieses aufgeschlossen ist oder wovor es Ängste hat. Warum auch nicht flexibel sein und daran Spaß haben, sich weniger langweilen? Man gewinnt ja - daran bitte immer sich selbst erinnern - inhaltlich auf JEDEM der Wege, wenn man nicht gerade mal auf dem Schlauch steht. (Pinkelpause und dabei heimlich ein Forum als eine Art Hotline benutzen!? Das identitäre Sorgentelefon: "welche Argumente wir hier empfehlen "...) Man muß dabei nicht enmal unbedingt gewinnen, sondern nur die verdrängten Bezüge erwähnen, so dass der andere wenigstens weiterdenkt, es in ihm arbeitet. Man braucht also auch nicht insistieren, solange es nicht so aussieht, als hätte man ganz unrecht. Lieber vorher aufhören, als noch Ärger provozieren, denn die Lawine rollt bereits.
Meier Pirmin
06. September 2016 12:03
@Exmeyer. "Linkssein ist die ideologisierte Variante des Unmännlichseins." Sie sollten sich tatsächlich doch mal näher mit Che Guevara und Fidel Castro befassen, natürlich auch mit Jossip Broz Tito und den russischen Revolutionären. Nicht zu vergessen Mao. Meinetwegen noch mit Joschjka Fischer. Die Kerle hatten durchwegs Eier. Fidel Castro wurde einmal gefragt, warum der Sozialismus in Kuba die Prostitution nicht abgestellt habe: "Die Mädchen machen's gern", war die Antwort.
Heisenberg
06. September 2016 12:09
Ich lese jetzt schon lange hier auf sezession.de mit und habe mich bisher nie zu Wort gemeldet. Nun möchte ich mich aber auch mal äußern.

Ich persönlich vermeide direkte Diskussionen mit politisch Andersdenkenden möglichst komplett und halte mich mit meiner Meinung möglichst bedeckt.
Das liegt bei mir hauptsächlich an meinem eher schwachen Nervenkostüm und meiner Unlust mich zu streiten. Und an meiner Überzeugung daß Worte hier meist sinnlos sind.
Ausnahmen mache ich lediglich, wenn ich erkenne daß jemand keinen völlig unverückbaren Standpunkt hat, sondern tatsächlich Bereitschaft erkennen lässt offen zu diskutieren und Argumenten zugänglich zu sein. Denn bei mir ist es ebenfalls so.

Ich versuche allerdings den Standpunkt politisch Andersdenkender möglichst subtil zu torpedieren - indem ich nicht selbst argumentiere sondern die Realität für sich sprechen lasse.

Beispiel:
Ich würde niemals behaupten daß von Migranten eine höhere Kriminalität ausgeht. Ich nutze dafür aber jede Gelegenheit auf tatsächliche Kriminalität von Migranten hinzuweisen (etwa in Medien-Berichten) bzw. mein Gegenüber mit der Nase darauf zu stoßen.

Es ist viel effektiver wenn harte Fakten den Standpunkt meines Gegenübers ins Wanken bringen - als wenn ich das mit Worten versuchen würde.

Oder ein aktuelles reales Beispiel:
Jemand auf meiner Facebook-Freundesliste - nennen wir in M.R. - hat seit 2015 immer wieder Artikel aus der "Zeit" geteilt, die positiv über Migranten bzw. Merkels Flüchtlingspolitik berichten.
Ich habe niemals versucht diese Person mit Worten umzustimmen, sondern diese Artikel unkommentiert gelassen.
Kürzlich gab es aber einen Artikel in dem "Zeit"-Chefredaktuer Giovanni di Lorenzo sich selbstkritisch mit der eigenen Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik auseinandersetzt.
Diesen Artikel habe ich jetzt selbst auf Facebook geteilt, mit der Absicht daß M.R. ihn lesen wird.

Ich handle hier also quasi nach der Maxime:
"Der Gentleman genießt und schweigt"
In der Überzeugung daß die "Linken" es nur durch eigene schmerzhafte Erfahrungen lernen werden - nicht aber durch Argumente. Ich lasse diese Politik sich selbst zerlegen.
Nero
06. September 2016 12:17
@ Pit

Genau so ist es!

Objektive Maßstäbe kann ich an tote Materie anlegen. Lebendige und damit handelnde Materie ist subjektiv. Dieses ganze Argumentieren ist nutzlos. Wichtig ist, das wir in uns selbst konsistent sind.
Gehen wir doch alle von Axiomen aus die nichts anderes sind als Behauptungen. Alle Menschen sind gleich, zumindest theoretisch; das reicht dem letzten Menschen um darauf alles aufzubauen. Das kann man auch nicht widerlegen. Es ist eine Behauptung, von der jemand überzeugt ist, dass sie richtig ist. Und wenn es nur theoretisch existiert. Viele Linke wissen das ganz genau. Und da haben sie auch recht.

Es geht um Selbstbehauptung. Den einzigen Maßstab den ich da zulassen würde ist die Natur. Sie löscht alle aus, die glauben sie können sich am naturgemäßen Kampf vorbeimogeln.
Carsten
06. September 2016 12:31
Man sollte die linken Platitüden
1. mit ihren eigenen Begriffen angreifen (diffuse/irrationale Ängste, Biologie-Leugnung, Germanophobie, etc.)
2. durch ihre Widersprüche als "asymetrischen Humanismus" entlarven. Z.B.: Wenn Massenzuwanderung OK ist, worüber regt sich der Dalai Lama in Tibet dann eigentlich auf? Und waren dann nicht die Indianer die größten "Fremdenfeinde" der Gecshichte? Gild "No Nation, No Border" eigentlich auch für Palästinenser? Wenn AfD-Anhänger aus dem JOb gemobbt werden dürfen, was hatten die Linken dann Ende der 70er gegen Berufsverbote und Radikalenerlass? etc. etc.
Hugo
06. September 2016 12:42
Vielleicht ist es eine von Geburt an verdrahtete Denkveranlagung, eine genetische Prädisposition. Manche Menschen meinen, die Ressourcen müssen für alle reichen, egal wie viele. Egal wie schlecht es damit jedem einzelnen gehen würde, egal wie wenig dann bleibt.

Die anderen sind nur bereit, Ressourcen innerhalb ihrer Gruppe zu teilen. Dem liegt die Idee zugrunde, daß es nicht für alle reichen kann oder das beim Versuch es für alle reichen zu lassen, jede Qualität auf der Strecke bleiben würde. Also separiert man. Wir ja, ihr nicht.
Intelligenzquotient
06. September 2016 12:45
Ich halte es nach wie vor mit der bewährten Regel: "Wer fragt, führt. Wer sagt, verliert."
Am besten kann man seinen Kontrahenten leiten, indem man Fragen stellt, dann ist er/sie nämlich in der Verantwortung zu antworten. Viele kommen dadurch ins Nachdenken. Außerdem kann der Frager so unauffällig das Terrain sondieren.
Meine Erfahrungen in Familie, Kollegenkreis sind fast durchweg positiv, der eine radikaler, der andere vorsichtiger, aber "echte Linke" gibt`s da nicht. Habe dies auch schon an verschiedenen Stellen getestet: mit der Verkäuferin im Tabakladen (Ansatzpunkt: war sauer, da böse EU jetzt aromatisierte Zigaretten verbietet), Gespräch mit Pharmareferent in der Praxis (es wird zu Beitragserhöhungen kommen wg. der zusätzlichen Kosten für Asylanten) etc. etc. Immer "aus der Kalten" heraus gefährliche Themen angeschnitten - alle Gesprächspartner hatten in etwa die gleiche Meinung (obwohl auch eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten ist, wie frei man seine Meinung noch äußern kann).
Einzige Ausnahme, welche mir zu Denken gab: war im Sommer im Urlaub mit einer Gruppenreise. 2 Ossis, 16 Wessis. Bzgl. des ostdeutschen Teilnehmers (Soldat) war sofort klar, dass wir uns einig über DAS politische Thema sind. Westdeutsche: glauben an die Rente, "wird schon nicht so schlimm werden", schauen betreten auf den Boden, wenn es in der Diskussion prenzlig wurde (ganz schlimm: Lehrer). Es kam aber keine Ausgrenzung auf, auch, weil das Thema dann beendet wurde, im Sinne eines freidlichen Resturlaubes.
Fazit: im Osten kann man mit fast jedem in jeder Situation ins Gespräch kommen (wenn nicht gerade im ÖD beschäftigt oder Beamter und deswegen überängstlich oder Profiteur des Systems), mit Westdeutschen sieht`s anderes aus. Die Spaltungslinie diesbzgl. läuft m.E. quer durch Deutschland, nicht so sehr durch verschiedene Bildungsschichten etc.
Exmeyer
06. September 2016 13:07
Und im Übrigen: Es gibt Linke aus Genetik.

Genetik kann man nicht wegdiskutieren, noch deren anschaulichen Auswirkungen wegargumentieren. Man kann die Tapete abziehen und den Putz kurzfristig abschlagen, darunter findet sich immer die alte Substanz einer steinernen Mauer: Das Unbehagen einer genetischen Minderheit in einer gänzlich anders gearteten Mehrheit.
Und in diesem Falle kann man ganz gelassen bleiben: Es handelt sich bloß um instinktive oder scharf kalkulierte Feindschaft. Linkssein ist in diesem Falle die Strategie in Befolgung des Gesetzes des Niederhaltens. Dies durch Unterwerfungsanforderungen unter "universelle Regeln", die natürlich lediglich zum Ziel haben, Konkurrenten ihrer wichtigsten Mittel zu berauben: INNENMORAL.
Feindschaft, das ist locker verkraftbar. Verrat am Eigenen ist schlimm und disqualifiziert den Menschen nachhaltig. Nachsicht in Grenzen: 24/365-Beschallung seit 70 Jahren hat natürlich tiefste Wirkung gezeitigt. Hingegen: Jeder, der sich aus diesem Sumpf am eigenen Schopf herausgezogen hat, ist achtbar. Beweis, daß man ÜBER dem Rest steht. Erwachsen ist. Der wurde erzogen, der andere muß sich selbst erziehen.

In dem Vielvölkerstaat BRD ist INNENMORAL unter aufrechten Deutschen neu zu lernen. Das entwickelt sich gerade, dank der überdeutlichen Anforderungen. Ein Linker oder Opportunist ist entweder aus dem ersten (Ethnisch-gentische Fremdheit) oder zweiten (Verrat am Eigenen) Grund natürlich nicht Innen.
Exmeyer
06. September 2016 13:09
@ Meier Pirmin, dessen Person ich zunehmend schätze, ohne die Ansichten en gros zu teilen, aber eben auch zunehmend nachvollziehen kann: "Verblendet"? Pourquoi? - Rhetorische Frage! Ich beantworte sie gleich selbst:

Die meisten vertragen zuviel Sonneneinstrahlung nicht. Und sie schützen sich dadurch, daß sie den Schatten aufsuchen. Und wie wir wissen: Die meisten Menschen halten sich die meiste Zeit in Gebäuden auf. Und auf Sonne folgte der Sturm, gefolgt von andauerndem Regen. Und eben irgendwann wird auch wieder die Sonne scheinen.
Aber schauen Sie einem Bergbauern ins Gesicht. Da wo kein Traktor mehr fährt, hat die Sonne die Haut auf Lebenszeit gedunkelt. Im Freien unter der Sonne zu leben, ist wirkliche menschliche Natur. Und aus dieser könnte man vorsichtig anfangen, naturrechtliche Regeln zu destillieren. Diese sind hochfunktional, weder romantisch, noch scholastisch.

Und diejenigen, die sich trauen, dies auszusprechen, sind meistens Migranten oder ehemalige Linke.
Bran
06. September 2016 13:16
Was mir auffällt an den meisten Einträgen, ist, dass in den Gesprächen mit der Gegenseite oftmals sehr viel Wert auf das verbale, inhaltliche gelegt wird. Einige Kommentatoren haben schon auf die andere Seite hingewiesen, die meiner Meinung nach wichtiger ist, weshalb ich mir diese Wiederholung hier erlaube.

Natürlich ist es richtig, inhaltlich wahr und mit Tatsachen belegt zu argumentieren. Noch wichtiger ist aber, wie diese Inhalte transportiert werden.

Ich erlebe z.B. immer wieder, dass auch hier in der Schweiz Leute davon reden, dass die Deutschen ja all die Türken quasi einfach so nach Deutschland reingeholt hätten, damit sie ihr Wirtschaftswunder vorantreiben könnten. Logischerweise entgegne ich ihnen dann jeweils, dass dies so nicht stimme und das Anwerbeabkommen vor allem durch NATO-Diktat des grossen Bruders umgesetzt wurde (ein Umstand, der übrigens noch bis vor ca. einem oder zwei Jahren in der Wikipedia nachzulesen war, heute aber p.c.-konform wegbeschönigt wurde).

Hier ist es aber wichtig, WIE man das sagt. Ich stelle dies nicht zur Diskussion, sondern ich konstatiere es in aller Deutlichkeit. Dazu sage ich klar, dass eine Diskussion, die auf falschen Prämissen aufbaut, nicht zu führen ist und keinen Sinn macht. Danach lasse ich das Gegenüber stehen, denn der Abbruch der Diskussion und die Begründung dafür kommt klar von mir aus.

Somit mache ich mich zu demjenigen, der über die Meinungshoheit verfügt und temporär bestimmt, was überhaupt diskutabel ist und was nicht.

Die Körpersprache hierzu muss absolut deutlich sein. Sich selber gerade machen, Blick klar und stetig in die Augen des Gegenübers (wer diesen Blick übrigens nicht aushält: Wenn die Distanz nicht zu klein ist, genügt auch der Blick ZWISCHEN die Augen, das Gegenüber weiss nicht, dass man ihm nicht direkt in die Augen schaut). Abbruch vermittels einer kurzen und nahezu aggressiven Geste mit der Hand (Schnitt, bis hierhin und nicht weiter, Ende). Dann deutliches Wegdrehen und selbstbewusstes, nicht zu schnelles davonschreiten.

Der Ton muss klar, verständlich und weder zu laut noch zu leise sein, die Stimme fest und nicht schwankend oder defensiv.
Nonverbale Kommunikation ist das Zünglein an der Waage, das für Zuhörer den Ausschlag darüber gibt, wer Recht hat und wer nicht. Im Zweifelsfalle hat immer der Aggressivere, Offensivere Recht.
Machtaneignung verschafft Recht. Selbstermächtigung verschafft Recht. Stärke verschafft Recht.

Dies kann man sich auch aneignen, wenn man sonst eher zurückhaltend ist. Man kann es sich sogar als überzeugende Fassade antrainieren, obwohl man sich innerlich krümmt und windet. Nur was gegen Aussen ankommt, ist wichtig. Im Notfall übt man es.
Winston Smith 78699
06. September 2016 13:43
@ Edewolf


Mein größtes Problem besteht darin, daß ich vollzeit arbeite, Familie habe und mich daher nur in meiner Freizeit und am Rande mit Detailfragen auseinandersetzen kann. Gerade diese machen aber in vielen Diskussionen, die ich führe, den Unterschied aus. ...
Erfahrungsgemäß ist es nämlich so, daß diejenigen Leute auf der Gegenseite, die sich auf eine Diskussion einlassen, durchaus auch über Munition verfügen. ... dann gerate ich automatisch ins Hintertreffen.
... Kurz: Ich bräuchte mehr Zeit, um mir immer ein aktuelles Reservoir an konkreten Geschehnissen und Statistiken zu halten, auf das ich zurückgreifen kann.


Tun Sie mir bitte einen Gefallen und machen Sie es anders. Quälen Sie sich nicht. Erstens kann immer behauptet werden, die Zahlen und Fakten stimmten nicht. Zweitens rauben Sie sich und der Familie noch mehr Zeit und geistige Energie, indem Sie sich drittens das Hirn mit deprimierendem Zeug vollmachen und am Ende gar nervös werden, wenn Ihnen was nicht einfällt. Spielen Sie ein anderes Spiel. Das Entwickeln QUALITATIVER Argumente oder sokratischer Fragen ist etwas anderes, das ist keine Paukerei, sondern eigene Meditation, Klärung von innerem Chaos, und davon haben Sie vielleicht sogar Belohnung IM MOMENT des Lernens. Sie können sich ja bestimmte Verweise merken, etwa auf das Video mit den Gummibällen, das geschieht von selbst.

"Was könnte dich überzeugen?", "Wie zeigst Du jemandem, dass du nicht fanatisch bist?" "Welche Fehler sollten die Rechten jetzt machen?" "Was sollte jetzt nicht passieren?" Selbst kreativer werden in der Gesprächsführung, ohne dass das eigene Leben ein 007-Bondmovie für "Exmeyer Pour Homme " aussehen braucht. Edward de Bono ist kein Heiliger oder Weiser, aber dieses Training "How to be more interesting" (auch als interaktives Hörbuch) enthält interessante Denkspiele, die auch funktionieren. (Oder nehmen Sie irgendetwas anderes - Dale Carnegie oder john C. Maxwell vielleicht?) Und an so etwas kann man sich auch mit eigenem Gewinn selbst etwas entwickeln, und durch dieses Gefühl von Belohnung und auch durch sofortige, Freude oder experimentelle Erfahrung bringende Anwendung lernt man kognitiv am schnell-tief-festesten.
ene
06. September 2016 14:22
dass vielerorts ältere Menschen mit der Betreuung von Flüchtlingen plötzlich wieder eine Aufgabe haben und menschliche Nähe und Dankbarkeit erleben

Wandersfrau,
dazu noch eine Anmerkung von mir. Sehen Sie, hier in der Gemeinde finden viele Aktivitäten rund um die ohnehin schon gut betreuten Flüchtlinge statt - ältere Damen stehen da in vorderster Front , sozusagen. Wenn man aber etwa einen Kilometer weitergeht, dann findet man die Obdachlosen, die unter einer Brücke kampieren. Nie, aber auch wirklich noch nie hat die Kirchengemeinde ein "Willkommenscafé" für diese Obdachlosen organisiert. Im Winter kann es hier in Berlin auch mal recht kalt werden. Hin und wieder erfriert mal einer- schon bedauerlich. Na, notfalls können ja die U-Bahnhöfe geöffnet werden. Noch nie hat sich die Kirchengemeinde für die Schaffung von Unterkünften für diese Menschen, von denen es in Berlin Tausende gibt, eingesetzt.

Welche Aufgabe hätten die von Ihnen erwähnten älteren Leute, wieviel "menschliche Nähe und Dankbarkeit" hätten sie schon seit Jahren erleben können, wenn sie einfach mal der älteren Frau mit dem Rollator in der Nachbarschaft eine neue Glühbirne im Flur eingeschraubt oder sich einfach ein bißchen mit ihr unterhalten hätten. Sonst hat sie ja nur ihren Kater. Wieviel Aufgaben in jeder Nachbarschaft für den, der Dankbarkeit sucht!

Ich befürchte - und das will ich auch rundheraus so sagen - bei der Betreuung, die Sie erwähnen, geht es doch noch um etwas anders. Hier kann man sich als der Wohlttäter schlechthin fühlen und sich in Szene setzen -ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie oft gerade das Wort "Dankbarkeit" in diesem Zusammenhang fällt: "Die sind ja so dankbar!"
Macht Sie das nicht mißtrauisch? Finden Sie das nicht auch peinlich?
Hier gibt es ein Gefälle: der, der hilft ist eben immer der Überlegene. Vielleicht genießen ja manche gerade das?
Ich bin davon überzeugt habe den Verdacht, hier (wie sehr oft beim sog. "Engagement") geht es um die Befriedigung von Eitelkeiten - eine der stärksten Triebfedern überhaupt.
Stil-Blüte
06. September 2016 14:46
@ Nero, hero

Bestechend! Erweckend! Packend! Bestimmt und bestimmend! Potenzen zum Fanal. Lernstoff. Aufforderung: Aus- und aufbauen. Handzettel!

Einziger Wermutstropfen: Warum die Signale in den Überchriften auf Englisch?

(P. S. Vor einiger Zeit gelesen, daß jemand nur einmal in seinem Leben eine echte Volks-Bewegung erlebt habe. Einer nach dem anderen rannte irgendeinem, ihm selbst unbelkannten Phänomen hinterher. Sog. Zum Schluß stellte sich heraus, daß ein Ochse die Massenbewegung hervorgerufen hatte. Meine Konklusion: Egal, wer oder was ausbricht, es muß so etwas wie ein Leithammel, ein Ochs/Stier (und kein Esel) sein. Ehe der ausbricht, grasen.
Aristoteles
06. September 2016 15:07
- Vor drei Jahren gratulierte ich meiner Großcousine per Glückwunschkarte zur Geburt ihrer zweiten Tochter. Ich ergänzte, dass mir besonders die blauen Augen und blonden Haare gefielen.
Antwort: Vielen Dank für die Karte, aber das mit den Äußerlichkeiten hätte ich nun wirklich nicht schreiben müssen.

- Bis vor fünf Jahren traf ich mich mit alten Sandkastenfreunden aus dem Westen noch regelmäßig einmal im Jahr zur Feuerzangenbowle (über 20 Jahre lang).
Seitdem man (fünf Leute) weiß, dass ich gegen Überfremdung bin, gibt es die Feuerzangenbowle nicht mehr.

- Ein Freund aus dem Osten machte bei einer universitätsinternen Diskussion, bei der es um die Anerkennung von Abschlüssen von Flüchtlingen ging, den ironischen Vorschlag, man könne die Flüchtlinge beim Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge anstellen. So erreiche man Integration durch Arbeit und kläre die Zuständigkeit für die Anerkennung von Abschlüssen.
Außerdem zeigte der Freund sein Unverständnis darüber, was die rassistische Verpflichtung von Flüchtlingen zu Deutschkursen bezwecken solle, solange diese in ihren eigenen Communities leben könnten.
Ergebnis: Abmahnung.
Er habe dem Ansehen der Universität geschadet.

- Auf einer Demonstration gegen die Islamisierung des Abendlandes wurde ich von einem Amifanten blutig geschlagen. Am nächsten Tag stand in der Zeitung:
Engagierte Bürger zeigen Zivilcourage gegen Rechts.

- Für alle Islamisierungsleugner:
An einem Infostand der Ahmadiyya-Gemeinde behauptete ich, dass ich von einer Islamisierung spreche, wenn dort, wo früher keine Moschee stand, jetzt eine Moschee steht. Darauf entgegnete der Moslem dialektisch brillant: Dort, wo früher keine Kirchen standen und jetzt eine Kirche steht, hat eine Christianisierung stattgefunden.
Ich: Ja.

- Auf demselben bunten Auflklärungsfest fragte ich eine Grüne Landtagsabgeordnete, wie viele Flüchtlinge sie schon bei sich zu Hause aufgeonmmen habe.
Antwort: Bei ihr zu Hause ist nicht so viel Platz.
Ich: Kein Sofa im Wohnzimmer?
Sie: ?!

- Eine BRD-Studentin aus dem Erzgebirge erklärte mir, Deutschsein sei für sie kein Merkmal, mit dem sie sich identifiziere.
Darauf meine Frage: Sie sind also keine Deutsche?
Sie: Nein.

- Ich frage dieselbe Studentin, ob sie etwas dagegen habe, wenn sich Deutsche mit Ihrem Deutschsein identifizierten. Sie: Nein, aber die Deutschen müssten andere Menschen unter sich leben lassen. Ich: Würden Sie als Christin es auch in Ordnung finden, wenn sich in Ihren christlichen Gottesdienst 90 Prozent Moslems hineinsetzen.
Sie: Ja.

- Eine andere Studentin mit osteuropäischen Wurzeln erklärte mir, sie identifziere sich weder mit ihrer osteuropäischen Ursprungsnation noch mit den Deutschen. Sie sei ein Mensch und möchte gerne dorthin reisen, wohin sie wolle. Sie fühle sich dort nicht wohl, wo nationales Zugehörigkeitsbewusstsein (wie in Osteuropa) dominiere. Darauf fragte ich sie, warum sie nicht in die USA auswandere.
Sie: Dort sei die soziale Absicherung nicht gut.

- Ein Bekannter erzählte mir, dass er in seiner städtischen Umgebung einen arabisch aussehenden Mann (Frau und vier Kinder im Anhang) gefragt habe, wann er wieder in seine Heimat zurückkehren wolle.
Antwort (als Geste): Kopf ab.
Rheinländer
06. September 2016 15:13
Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, direkt die Gefühlsebene anzusprechen und ehrlich zu erzählen, wie es mir seelisch mit der Masseneinwanderung ergeht. Wie ich unter den derzeitigen Zuständen leide.

Sachdiskussionen unterlasse ich fast völlig. Hin und wieder versuche ich es mit Ideologiekritik.

Natürlich kommen dann oft diverse Abwehrreaktionen (Spott, Rationalisierungen, etc.), aber wenn man konsequent bei seinem inneren Erleben bleibt, kann man meiner Einschätzung nach am meisten bewirken, wenn auch erst einmal nur subkutan.
Schwarzbär
06. September 2016 15:55
@cso:
Der Umschlagspunkt zu den heutigen diktatorischen Verhältnissen war der, als die Macht im Lande von der Weltkriegs- und der Flakhelfergeneration, die erlebt hatten, wie das mit dem Fanatismus werden kann, auf die 68er überging. Irgendwann Mitte der 1980er - Historikerstreit, Linkswende der Grünen, 1945 als Befreiung.
Denn es waren die jungen 68er und deren Unterstützer, die die Kritikfähigkeit predigten. Aber selbstverständlich nicht gegen sich selber. Kritikfähig waren die selbst nämlich niemals, weil sie von dem Glauben der Moderne an den linearen Fortschritt ausgingen, dessen Speerspitze sie selber wären. Die 68er haben gewalttätig angefangen - und Gewalt gegen Andersdenkende als Grundsatz beibehalten, nur die Methoden wurden subtiler.

@Naturwissenschaftler:
Die Schläger von der Antifa sind aber alle jung! Ich setze auf Jugendlichkeit alleine keine Hoffnung. Zumal eben Kritikfähigkeit eher zurückgeht. Heisenberg war übrigens stockkonservativ, Freund des Humanistischen Gymnasiums, mit Heidegger befreundet usw.

@Hugo:
Der Punkt dürfte darin liegen, daß die aggressiven Linken in aller Regel aus wohlhabenden Verhältnissen kommen.
Diese Leute haben noch nie Mangel, Not, unüberwindbare äußere Mauern erlebt und das, was dagegen vorderhand allein helfen kann - Solidarität in der Familie, Solidität im Wirtschaften, Aufmerksamkeit auf die Verhältnisse usw. Merken sie doch etwas, wird schnell und 'ultrarechts' reagiert: Man lebt in Berlin-Kreuzberg - aber die Kinder kommen dann doch gleich bei der Oma in Berlin-Wannsee in die Schule, oder auf ein hübsches anglophiles Internat.
Deswegen sind die kleinen Leute weniger vernagelt, deswegen die große Realitätsferne der linken Positionen.
Es ist die alte Geschichte von Marie Antoinette: Was, die Bauern haben kein Brot? Dann sollen sie doch Kuchen essen!

@ML:
Inzwischen würde ich sagen: Machen Sie aus dem Material hier zwei Bücher,
eines über approbierte Verhaltensweisen gegen Links- und Gutmenschen,
eines über die inneren und mentalen Zustände der verrotteten Republik.
Die Berichte sind noch viel unglaublicher als die Rezepte.
Carsten
06. September 2016 16:18
Es ist oft gut, Linke daraufhinzuweisen, dass ihre Sichtweise typisch deutsch ist und sie damit zu konfrontieren, dass "rechtes" Gedankengut in anderen Ländern völlig normal ist, dass es z.B. in vielen Ländern eine nationale Linke gibt. Es wäre auch beispielsweise keinem Brsailianer zu vermitteln, was "Brasilientümelei" bedeutet. Linke rasten aus, wenn man ihre Sichtweise als "eurozentrisch" oder noch besser "typisch eurozentrisch" bezeichnet, hehe.
Und immer wieder auf linke Widersprüche hinweisen:
- Wenn sich Bürger gegen geplante Großbauprojekte wehren, ist das gut.
Wenn es dabei um Moscheebauten geht, ist es schlecht.

- Wenn Thierse fordert, Schwaben sollen sich in Berlin kulturell anpassen,
ist das gut. Wenn Sarrazin dasselbe von Türken fordert, ist das schlecht.

- Pussy Riot = gut; Mohammed-Karikaturen = schlecht

- Urwaldvölker dürfen die Bewahrung kultureller Identität fordern – Deutsche nicht.

- Ethnische Minderheiten dürfen nicht diskriminiert werden – außer Schlesier und Sudentendeutsche.

- Ausländerkriminalität ist individuell - »Rassismus« ist kollektiv

- Wenn ein Hotelgastronom keine »Rechten« reinlassen will, wird mit dem Hausrecht des Eigentümers argumentiert. Wenn ein Discobesitzer keine Araber reinlassen will, verstößt er gegen das Gleichbehandlungsgesetz...
Radagast
06. September 2016 17:06
Meine Schwester fragte mich, ob ich nicht ihrer Freundin beim Umzug helfen könne. Sie habe Probleme, sei von ihrem Mann getrennt und könne das nicht alleine bewältigen. Auf Nachfrage, erfuhr ich dann, daß es sich um ihre Freundin aus Afrika handelt.
Ich sagte ihr, daß ich gerne helfe, fragte aber sofort im Gegenzug, ob sie bereit wäre mal eine Suppe zu kochen, wenn Kameraden mich besuchen.
Großes Entsetzen aus großen Augen. Niemals! Sie war richtig peinlich berührt.
Siehst du, sagte ich, genau aus diesem Grund werde ich auch nicht beim Umzug helfen. Wobei ich ich ihr erklärte, daß ich darauf sicherlich nicht zurückgekommen wäre. Aber der Wille zählt...
Maxx
06. September 2016 17:07
Vor drei Jahren gratulierte ich meiner Großcousine per Glückwunschkarte zur Geburt ihrer zweiten Tochter. Ich ergänzte, dass mir besonders die blauen Augen und blonden Haare gefielen.
Antwort: Vielen Dank für die Karte, aber das mit den Äußerlichkeiten hätte ich nun wirklich nicht schreiben müssen.


Bei einem Mädel auf solche Äußerlichkeiten verweisen, also nein, wie "völkisch" ist das denn, geht ja gar nicht ... :-)
Valjean72
06. September 2016 18:05
Wer zu spät kommt, denn bestraft bekanntlich der Bademeister oder so ähnlich. Aber ich will es dennoch versuchen.

Bis zur letzten Bundestagswahl verbrachte ich als Wähler Zeit meines Lebens stets auf der linken Seite des vorgegebenen politischen Spektrums. Habe dereinst sogar schon mal grün gewählt aber das liegt schon Ewigkeiten zurück.

Als junger Heranwachsender bin ich mal neugierig auf einer Anti-WAA-Demo mitspaziert. Die grünen Bürgersöhne waren mir aber da schon suspekt in ihrer demonstrativ und plakativ zur Schau gestellten Abneigung gegenüber Staat und allem was damit zu tun hatte. Warum sollte ein Polizist ein schlechter Mensch und ein Hassobjekt sein, einfach aus dem Grund heraus, dass er Polizist war?

Was ich immer hatte, war ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und Liebe zur Heimat, im kleinen (Stadt und Region) und im großen (Bayern und Deutschland). Insofern mag es niemanden verwundern, dass ich unter „Linken“ zeitlebens fremdelte.

Allerdings ist mir auch Nationalchauvinismus à la „die faulen Griechen“ fremd.

Vor gut einem Jahr entbrannte eine Facebook-Diskussion über diese Masseneinwanderung. Ehemalige Freunde oder Schulkollegen aus der Heimatstadt, die nun in großen westdeutschen Städten leben, bekamen Sorgen ob meiner Facebook-Likes, die ich hie und da bei meinen sporadischen Besuchen damals noch verteilte und die eben so gar nicht zu deren Willkommensseligkeit passten.

Vielleicht war die artikulierte Sorge mir gegenüber nichts weiter als Ärger, über meinen Frevel diesen schönen Rausch zu verkatern.

Mit einem davon stieg ich in einen intensiven und Online geführten Meinungsaustausch. Es war so, wie hier schon oft zu lesen, mit nüchtern dargelegten Argumenten war kein Land zu machen. Wie die Berichterstattung in den Staatsmedien in jener Zeit wurde der Diskurs meines Gegenübers auf einer beinahe ausschließlich emotionalen Ebene geführt, was am Ende in folgendem Satz gipfelte:

„Endlich können wir Deutschen der Welt zeigen, dass wir auf der richtigen, der guten Seite stehen und nicht immer nur auf der schlechten, verbrecherischen.“

Erlösung durch Selbstauflösung also.

Später bin ich dann noch zu einer Gruppendiskussion eingeladen worden, bei der mir allerdings von vorneherein klar war, dass dies vergebene Liebesmüh werden wird...

Bei einigen Bahnhofsklatschern dämmert es mittlerweile schon, dessen bin ich mir sicher. Andere brauchen noch ein wenig Zeit, bzw. eine Art Aha-Erlebnis. Manche sind schlichtweg zu verstrahlt.

P.S.: Die isländische Fußballnationalmannschaft und deren Anhänger waren auch für mich eine Freude und eine Energiequelle für die Seele.
Eckesachs
06. September 2016 18:51
Kürzlich.

Fahre mit einer Ex-Kollegin (bin wegen meiner Ansichten rausgeflogen, sozialer Bereich) durch eine Kleinstadt. Sie ist Grünlinks, war aber als Mädel in der bündischen Jugend. Was für Wandlungen Menschen durchmachen können!

Links zwei Teppichflieger.
Ich:,,Das sind Abdul und Mechmet. Abdul ist Maschinenbauingenieur und Mechmet Mikrobiologe."
,,Aha. Wen du so alles kennst."

Rechts noch mehr Facharbeiter, finstere Typen.

,,Da! Ramasan, Latif und Mustafa! "

,,Die kennst du auch?"

,,Klar. Ramasan ist Exobiologe. Latif hat beim Oderhochwasser Sandsäcke geschleppt, bis er fast zusammengebrochen ist. Hat einen Orden bekommen. Und Mustafa ist Tischlermeister."

Kurzes Schweigen.

Sie:
,,Also irgendwie...sehen die gar nicht so aus."
,,Warum das denn nicht? Du solltest nicht nach dem Äußeren gehen Margret. Alles gute Leute."

,,Du kennst die wirklich?"

,,Wenn ich`s doch sage. Da! Schon wieder einer! Das ist Özdemir, Professor für schöne Literatur."

,,Du bist ein Arsch."

,,Ja. Aber wenigstens weiß ich das."
Aristoteles
06. September 2016 19:00
Die isländische Fußballnationalmannschaft und deren Anhänger waren auch für mich eine Freude und eine Energiequelle für die Seele.

Während der EM ging ich mit dem Island-Trikot in einen Fahrradladen.
Neugierig fragte mich der Rad-Reparierer, woher ich denn das Trikot hätte.
Neulich gekauft, sagte ich: Für Island spielen wenigstens noch Germanen.
Reaktion: Einvernehmliches Schmunzeln.
Und: Kopfschütteln bei einem Kunden, der das Gespräch mitbekommen hatte.
Ch.
06. September 2016 19:03
Kleiner Nachtrag...

meine Frau (Lehramt) hat sich soeben (quasi gerade in Echtzeit :D) vor Ihren Eltern (Lehramt) geouted. Bin leider zu spät dazu gekommen, aber Anlass war wohl ein AFD Flyer an unserem Kühlschrank.

Schwiegermutter: Warum hängt da ein Propaganda-Blatt von diesen Nazis?
Warum nicht etwas von den Grünen?
Tochter: Weil ich die Grünen niemals wählen werde, Mama.
Schwiegermutter: Aber du bist doch Lehrerin, da wählt man Grün! (der Ohnmacht nah :D) Die sind doch Menschenverachtend, da kommt 33 wieder.
Tochter: Mama, hast du das Wahlprogram der Grünen gelesen?
Antw.: Nein.
Tochter: Und das der AFD?
Antw.: Nein
Tochter: Dann kennst du also weder das eine noch das andere?
Mutter: --- (geht)

Gespräch beendet...
Winston Smith 78699
06. September 2016 19:27
@ Maxx

Antwort: Vielen Dank für die Karte, aber das mit den Äußerlichkeiten hätte ich nun wirklich nicht schreiben müssen.

Re: "Gerne würde ich mehr auf ihre Innerlichkeit eingehen, aber wenn die Übersendung der Autobiographie oder wenigstens des lyrischen Frühwerks so lange auf sich warten läßt, gebietet mir Höflichkeit die Bezugnahme allein auf das Sichtbare. Mutmaßungen aber über ihr komplexes Wesen, gar Spekulationen über eine kindliche Unschuld oder eine vorübergehende Unbekümmertheit ob der Weltläufte liegen mir aus Respekt fern."
R. S.
06. September 2016 21:01
Sehr verspätet, ich weiß, aber vielleicht doch ein paar Geschichten, wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob sie wirklich was Nützliches zur Debatte beitragen.

Vor ca. sechs Jahren im Zuge. Ich setze mich gegenüber einem jungen Mann hin. Nach einigen Minuten krame ich eine gewisse „Wochenzeitung für Debatte..." aus und fange an, zu lesen.

Er: „Was für ein Faschoblatt liest Du da?"
Ich: „Wie kommen Sie denn darauf, daß es ein Faschoblatt sei?"
Er: „Na, ,Junge Freheit' und die Überschrift „Rückkehr zur D-Mark?". Was soll ich denn davon halten?"
Ich: „Ihres Erachtens sei also die D-Mark eine faschistische Währung und die Freiheit ein faschistoider Begriff. Und übrigens: Ich kann mich nicht daran erinnern, daß wir uns bei einem Bierchen auf ,Du' geeinigt hätten."

Das brach einen heftigen - aber trotzdem höflich gebliebenen - Streit vom Zaun, in dessen Laufe ich die Oberhand gewann. Ich sei laut dem jungen Mann jedoch „sehr gefährlich". Als er verkündete, daß er aussteigen mußte, rief eine weibliche Stimme ihm zu: „Hast Du ein Glück"! Trotz argumentative Überlegenheit war die Stimmung offenbar doch gegen mich gerichtet.

Um die gleiche Zeit, in einer Wirtschaft. Ich lausche den Worten zwei älterer Herren, die sich über die hiesige Regionalzeitung beschweren. Diese sei ein „linkes Hetzblatt". Ich unterbreche, entschuldige mich dafür, daß ich zugehört habe, und frage, ob die beiden die „Junge Freiheit" kennen. „Die ,Junge Freiheit' ist sehr gut", meint der eine. Es entwickelt sich ein schönes Gespräch. Ehe sie gehen, sagt einer von den beiden: „Gut, daß Sie gelauscht haben!"

Vor vier Jahren. Eine Lesung zu Ernst Jünger in einer kleinen Bibliothek. Viele der dort anwesenden Damen sind von den nationalrevolutionären Äußerungen der 20er Jahre sichtlich schockiert. Im Anschluß daran wendet sich der Hörer zu meiner Rechten mir zu und merkt an, wie ungewöhnlich es ist, daß junge Menschen wie ich sich für eine derartige Thematik interessieren. Er habe Jünger zwar nie gelesen, aber der Typ wird in der Zeitung seiner Wahl, der „Jungen Freiheit", stets erwähnt. Es stellt sich heraus, daß besagter Herr bereits 84 Lenze zählt. Daraus enwickelt sich eine Freundschaft.

Zu guter Letzt, weil Sumpfbewohner das Thema Kleidung angesprochen hat. Ich komme (wenn ich mich nicht irre, wie ML selbst) aus der sogenannten „Schwarzen Szene" und habe einen etwas „seltsamen" Haarschnitt. Ich habe in bezug auf mein Aussehen lediglich ein einziges Mal latente Aggression von einem „Rechten" oder „Konservativen" erfahren. Das war bei einer Burschenschaftsveranstaltung. Bei dieser und anderen Verbindungen war ich mehrmals anwesend und habe ob meines Haarschnittes überhaupt keine Probleme gehabt. Als ich am Ende des Abends von dannen ziehen wollte, faselte der „engstirnige" Burschenschafter etwas vom „langhaarigen Linken". Zu meiner Überraschung setzten sich seine Bundesbrüder sofort für mich ein. Manchmal frage ich mich, was der eine oder andere Konservative denken würde, wenn er wüßte, daß ich ab und zu gerne geschminkt in „Grufti"-Clubs oder Konzerte gehe. Allerdings wissen das die meisten rechten wie linken Bekannten und Freunde schon.

Im Falle einer möglichen (obwohl unwahrscheinlichen) Veröffentlichung bitte ich vorher um Kontakt.
laValetta
06. September 2016 21:14
Früher hab ich bei Diskussionen mit Linken oft dem Druck der Abgrenzung nach Rechts nachgegeben. "X und Y wird man ja verlangen können, oder ist das auch schon nazi?" habe ich dann gesagt, und schon durfte ich mir anhören, dass ich auf dem besten Weg dahin wäre. Heute sage in sinngemäß, dass ich x und y verlange, da es richtig ist. Interessant, dass nun sogar hin und wieder Zustimmung gemurmelt wird. Ich denke, die offen gezeigte Überzeugung, mit sich selbst im Reinen und im Recht zu sein, ist wesentlich mächtiger und attraktiver, als zitternd durchs von den Linken ausgelegt Minenfeld zu tanzen. Letzendlich sind es Minen, die nur dann explodieren, wenn man an ihre Existenz auch glaubt.
PackEsel
06. September 2016 21:30
Leider bin ich auch ein bischen spät dran, aber ich muß mich an erst an die neuen Lebensumstände gewöhnen. Seit Anfang der 90er arbeitete ich meist freiberuflich und unterrichtete Recht, Ethik und auch Sozialkunde, meist in Pflegeberufen und bei Erziehern. Nun habe ich alle meine Verträge gelöst und verdiene meinen Lebensunterhalt im Callcenter. Mit vielen Menschen konnte ich gut diskutieren, immer mehr bemerkte ich aber, daß viele auch einfach nicht mehr folgen konnten oder wollten. Insgesamt kann ich sagen, daß die weniger Ausgebildeten (z.B. Pflegehelfer) im Durchschnitt die Situation in diesem Land realistischer sehen, als die "höher" Gebildeten, z.B. die Teilnehmer an Fortbildungskursen zu Pflegedienstleitern. Die Reaktion meiner ehemaligen Kollegen reicht von "Hut ab" bis zu entsetzten Blicken, nirgendwo aber habe ich offene Feindseligkeit erlebt. In meinem neuen Umfeld schweige ich erstmal darüber, obwohl die Mischung der in Callcenter Beschäftigten sehr bunt ist (nicht im ethnischen Sinne). Ab und zu bringe ich Altpapier zum Ankauf (bin Ossi und kann es nicht lassen), dort wird ganz offen diskutiert und es werden schon wieder Witze gemacht, fast wie zu DDR-Zeiten, etwa so: Wir müssen demnächst alle unsere Pässe verlängern lassen, für Deutsche geschieht das nur für vier Wochen, wer nicht verlängert muß ausreisen.
Einige Kommentatoren beschrieben hier die Risse, die durch Familien und Freundeskreise gehen. Aufgrund meiner Lebensumstände bin ich allein und versuche erst allmählich, mir wieder einen Freundeskreis aufzubauen, Gelingen unklar. Aber beschrieben wird eine solche Situation auch von Constancia de la Mora in ihrer Autobiographie "Doppelter Glanz" im Umfeld des spanischen Bürgerkrieges, also einer extrem zugespitzten Situation, die aber Spanien wohl für Jahrzehnte geprägt hat. In meiner eigenen Familie (Vorfahren sind tot, es betrifft die Nachkommen) gibt es diesen Riß so nicht. Allerdings leben sie in der Gegend um FfM, wo manche Städte schon 2012/13 kaum noch deutsch waren. Etwas fällt mir dort sehr unangenehm auf und erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Obwohl wir in vielen Belangen übereinstimmen, werde ich immer wieder aufgefordert zu schweigen oder leiser zu reden, denn es könnte ja jemand hören oder die Kinder könnten plappern. Na ja früher hieß es bei uns, sag in der Schule nicht, daß wir Westen geguckt haben.
Peter
06. September 2016 21:35
@Exmeyer
@Meier Pirmin

Die Beschäftigung mit den Linken ist gewiß ein sehr weites Feld -- es lohnt sich aber ungemein, dieses Feld zu beackern. Wenn Carl Schmitt meinte, der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt, dann bringt er in genialer Weise auf den Punkt, was vielen nicht klar ist:

Angriff und Agriffslust stehen in einem spiegelähnlichen Verhältniss, dessen Gewißheiten und Stabilität sich aus dem Wissen um den Gegner speisen!

Die Analyse der Linken ist daher für Konservative und Rechte eine Notwendigkeit, deren Nutzen sich allerdings noch nicht ganz herumgesprochen hat.

Daher haben "Sachsen helle Haufen" (Thorsten Hinz) gar nicht so unrecht:
http://pi-news.net/wp/uploads/2016/02/Pegida-Dresden-6.2.1667b.jpg
Marc_Aurel
06. September 2016 21:50
Es war wohl irgendwann gegen Ende des letzten Jahres, als die Invasion der sogenannten "Flüchtlinge" sich mit solcher Brisanz aufdrängte, dass es auf Arbeit immer wieder einmal zu spontanen Gesprächen über dieses Thema kam. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass politische Diskussionen vorzugsweise unter Gleichgesinnten geführt bzw. mit höherer Wahrscheinlichkeit im Kreise dieser begonnen werden. Ein Kollege der als links-grüner "Gut"-mensch bekannt ist, fing Wortfetzen einer solchen Diskussion im Vorbeigehen auf und mischte sich ungefragt ein, natürlich mit den üblichen substanzlosen Phrasen und bisweilen haarsträubenden Gedankenkonstrukten, die er bei Spiegel-Online und in der Huffington Post aufgeschnappt hatte, ich erspare es mir jetzt die Details. Ich möchte nur so viel sagen, dass es mir bisweilen einfach nicht in den Schädel will und mich sprachlos macht, wie ein erwachsener, intelligenter Mensch, der täglich mit Augenmaß fachlich-solide Entscheidungen trifft, auf politischen Gebiet zu einer derartigen Naivität fähig sein kann, die im Übrigen durch keinerlei Sachkenntnis getrübt gedankliche Konstruktionen hervorbringt, die nur so vor Logikbrüchen strotzen. Selbst banalste Selbstverständlichkeiten, wie etwa die das zu einem Staat zwingend ein Staatsgebiet und damit zwingend eine Grenze gehören, werden völlig ungeniert als Quatsch abqualifiziert, nach dem Motto "Wo steht das?" - nun in der Huffington Post sicher nicht...

Aber weiter zum Geschehen: Da wir uns im Pausenraum des Bürokomplexes aufhielten und es Mittagszeit war, kamen in den folgenden Minuten immer mehr Kollegen hinzu und beteiligten sich an diesem Disput. Das Gespräch wurde immer lebhafter und lauter. Man hatte das Gefühl als hätte sich ein tiefer Graben aufgetan, der quer über den Kantinentisch verlief und der unüberbrückbar ist. Eine verbale Breitseite nach den anderen wurde zwischen den Fraktionen mit lautem Getöse ausgetauscht, dass die Splitter nur so flogen. Nach einigen Minuten kühlte sich das Ganze merklich ab und die Veranstaltung löste sich langsam auf.

Erschreckend daran war, wie Kollegen die es gewohnt sind tagtäglich als Team zusammenzuarbeiten so plötzlich zu so verbissenen Grabenkämpfern mutieren können, wobei ich mich selbst dabei nicht ausschließen möchte.

Die Folge des Ereignisses war, das in den folgenden Wochen und Monaten, das handwerkliche stark in den Vordergrund trat und politische Diskussionen, zumindest zwischen den Fraktionen, praktisch völlig unterblieben, im Grunde war das gut, da so die gerissenen Wunden Zeit hatten zu heilen und sich das vergiftete Klima wieder reinigen konnte. Alle Beteiligten waren wohl insgeheim erschrocken über die Heftigkeit diese Eruption.

Ein Gefühl sagt mir allerdings, dass dies nicht das letzte Gefecht in der Sache war, ob das nächste friedlicher verläuft, wird sich zeigen.

Ich persönlich habe aus diesen und anderen Geschehnissen jedenfalls den Schluss gezogen, dass es keinen Sinn hat, bestimmte Zeitgenossen, die sich in ihrer Weltanschauung derartig verpanzert haben, im Zweifel gegen jede Vernunft, in irgendeiner Weise zum Nachdenken anregen zu wollen. Es ist sinnvoller sich mit jenen auszutauschen, die zuhören können und zuhören wollen, anstatt sich an den Beratungsresistenten aufzureiben - bringt nichts, schadet höchstens noch meiner Gesundheit. Besagte Fälle gesunden vermutlich nur durch dramatische, persönliche Erlebnisse, die ich aber keinem wünschen möchte.
deutscheridentitärer
06. September 2016 21:59
Grade Regionalbahn in der Gegend um FFM gefahren, dabei ein Gespräch zwischen einem distinguiertem älteren Herrn und einem anderen Herrn Typ Arbeitsloser, dabei auf seine Art ebenfalls distinguiert (war ein eigentümlicher Typ, schwer zu beschreiben) belauscht.

Beide sprachen recht laut und sehr deutlich, so dass der ganze, eher spärlich besetzte Wagon zuhören konnte.


Das Gespräch wandte sich alsbald der politischen Lage zu und wurde sehr asyl- und merkelkritisch geführt.

Es kam dabei zu keinerlei Ausfälligkeiten, aber es wurde one Abstriche eine sehr ablehnende Haltung zu der ganzen Sache kommuniziert.

Auch inhaltlich wurden viele von Seiten wie SiN "talking points" ins Felde geführt, mit erstaunlicher Prägnanz.


Ich habe versucht die Gesichter meiner Mitreisenden, die meisten waren weiblich, zu erforschen, aber ausnahmslos jeder behielt sein ungerührtes "Zuggesicht" bei.


Vielleicht lag es daran, dass die beiden Herren nicht den Hauch des Anscheins lieferten, dass sie sich bewusst waren, gerade weit ab der politischen Korrektheit zu wandeln, sondern ihre Thesen mit größter Selbstverständlichkeit vorbrachten.
Götz Kubitschek
06. September 2016 22:16
badeschluß nach neuem kommentatorenrekord.
dank und gruß!
kubitschek

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