01. Oktober 2016

Schamlose Reaktionäre sind frei - zu Houellebecqs Rede

von Gastbeitrag / 82 Kommentare

houellebecqvon Caroline Sommerfeld

Michel Houellebecq hat gesprochen. Er, der sich immer von seinen Romanfiguren abgegrenzt hat, ist ihnen nahegerückt, vielleicht mit ihnen zur Kenntlichkeit verschmolzen: Er ist als einer der unseren erkennbar.



"Neuen Progressivismus" nennt er präzis das, was im deutschen Sprachraum gerade erst als diese seltsame unheimliche Nachbarschaft zwischen der Linken und dem New-World-Order-Kapitalismus beobachtet wird.

Daß die Linke nimmer antikapitalistisch ist, sondern vom selben Fortschritts- und Utopiepathos beseelt ist wie die Fürsprecher des frei um den Globus flottierenden Geldes, der frei flottierenden Waren- und Menschenströme, muß einen spätestens nach Houellebecqs Schirrmacherpreisrede nicht mehr wundern. Wer kein "Progressivist" sei, erweise sich nur allzu schnell als "Reaktionär", und zwar egal, ob "zu links" oder "zu rechts":
Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär. Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär. Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär. Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.

Wenn das so ist - dann können wir alle ganz getrost reaktionär sein, ohne uns für diesen Lapsus schämen zu müssen, was die "neuen Progressivisten" als aufrechte Moralisten natürlich gern hätten. Sie fordern das entweder nur so nonchalant als Kurz-mal-ans-Bein-Pinkeln: „Achtung, Sie haben vergessen, sich der Linken zuzuschlagen, aber Sie können das noch korrigieren.“ (Houellebecq), oder richtig psychologisch perfide, wie diverse Diffamierungskampagnen, Pathologisierungen, Kündigungen und Übergriffe auf geoutete Rechte europaweit belegen.

Rechte schämen sich übrigens grundsätzlich nicht, konnte ich vor kurzem in der WIENER ZEITUNG lesen. Die jüdisch-österreichische Schriftstellerin Isolde Charim kommt durchs Wiederlesen und Weiterspinnen von Elfriede Jelinek zu folgender aktueller Diagnose über die bestürzend "schamlosen" FPÖ-Politiker:
Die völlige Schamlosigkeit, mit der diese öffentlich agieren und auftreten. Die Unverfrorenheit in Bezug auf Gerüchte, Halbwahrheiten, Unwahrheiten, in Bezug auf Aggressionen, Denunziationen und Angriffe - diese Unverfrorenheit beruht auf einem gänzlichen Mangel an Schamgefühl.

Jelinek sah es schon 2008 so: Die Linke hat sich immer brav für den Stalinismus als schlechte Umsetzung der guten Idee geschämt (was weder stimmt, noch sachlich richtig ist - die meisten Linken betrachten die Greuel des Stalinismus und Maoismus eher als vernachlässigenswerte historische Notwendigkeiten, außerdem war der "Stalinismus" nicht die schlechte Umsetzung einer guten Idee, sondern ist dem marxistischen Utopismus inhärent). Charim kommt nun mit Jelinek zum logischen Schluß:
In einer rechten Perspektive hätte der real existierende Nationalsozialismus demnach genau seiner eigenen Idee entsprochen: Er wäre also deren Realisierung. Genau deshalb, wegen dieser "Entartung" ihrer Idee, müssten sich die Linken noch heute "immer für etwas schämen" - für das, was schief gelaufen ist, während die Rechten keine Scham kennen. Eine solche sei ihnen "wesensunmöglich."

Die Rechten kennen keine Scham, weil der NS so prima gelaufen ist - anders kann man diese These nicht interpretieren. Das ist entweder hirnrissig (die Niederlage der Deutschen 1945 zu leugnen schafft keiner), oder infam ("Rechten" zu unterstellen, sie agierten heute auf der politischen Bühne so selbstbewußt, weil sie insgeheim den NS feiern).

Könnte es sein, daß es völlig andere Gründe hat, warum rechtes Denken die Kategorie der "Scham" einfach nicht recht bedienen mag? Auch an Donald Trump und seiner "Schamlosigkeit" beißen sich die linken Journalisten ja spektakulär die Zähne aus.

Welche Gründe könnte es haben?



Ein Grund ist sicherlich das Problem mit der medialen "Realität", das Linke und Rechte fundamental trennt. Am Beispiel Trump sieht man: er ist ein simulacrum (also: kein manipulativer Lügner, sondern jenseits von Wahrheit und Lüge ein mediales Ereignis), und deswegen, wie Martin Sellner bemerkte, "undissbar". Das Phänomen Trump ist ja nicht dieser schamlose Typ da auf der Bühne und seine konservative Wählerschaft, sondern das, was er auslöst, respektive im Netz.
Ein digitaler Sturm der Übertreibung und Provokation, der die politisch korrekten Barrikaden, Sprachbarrieren und Denkverbote wegfegt.Das Phänomen Trump hat eine befreiende Wirkung auf die gesamte US-amerikanische Metapolitik, die gerade aus seiner Übertreibung und Zuspitzung, seiner offensichtlichen Unkorrektheit herrührt.

Ein zweiter Grund ist: Houellebecq stellt sein Licht unter den Scheffel zweier französischer Schriftstellerkameraden, Muray und Dantec, der eine schrieb unkorrekt über den Islam, der andere ungegendert über den Untergang der Männlichkeit.
Und ihre Freiheit war befreiend. Dank ihnen sind die französischen Intellektuellen heute in einer neuen Lage, so neu, dass sie sie noch gar nicht ganz ermessen haben: Sie sind frei. Sie sind frei, denn sie sind befreit aus der Zwangsjacke der Linken. Und sie sind auch deshalb frei, weil sie nicht mehr leiden (oder jedenfalls weniger leiden) unter der Art von Faszination, von heiligem Zauber, der auf ihre Vorgänger ausgeübt wurde durch die vorgeblich großen Denker des voraufgegangenen Jahrhunderts.

Schämen muß sich jemand, dem die Angst vor der vergangenen Tat ("Vergangenheitsbewältigung") immer noch im Nacken sitzt, und die Angst vor den Blicken der Anderen auf der sozialen Bühne. Schamkulturen erzeugen konstante Furcht vor öffentlicher Mißbilligung. Das gesellschaftliche Ansehen stellt den größten Wert und die üble Nachrede eine existenzielle, oft irreversible Schädigung dar. Die linken "Progressivisten" haben mithin ein Schamregime errichtet, das gerade dabei ist, zerstört zu werden. Es wird zerstört, weil die Diskursbegründer der Entstrukturierung (Marx und Freud, Houellebecq glaubt, auch bald Nietzsche, hoffentlich nicht!) ihre Autorität eingebüßt haben, und man schreiben und denken kann, ohne in ihrem Schatten zu agieren.

In der ZEIT hat man nach der Lektüre der houellebecqschen Preisrede gar nichts von diesem politischen Drama verstanden. Leider ist die aktuelle Ausgabe noch nicht online, also fasse ich zusammen, was Jörg Lau erkannt hat: Houellebecq sagte über den Agon der Linken, "es handelt sich um den klassischen Fall des in die Enge getriebenen Tiers, das Todesangst verspürt und gefährlich wird". Dieser Agon ist der Todeskampf des Schamregimes. Jörg Lau sieht nun dieses Verhalten exakt bei - Trump! Weil er so rumbrüllt und einen auf Macho macht und droht. Und er wünscht ihm Mißerfolg, also hält er ihn für "in die Enge getrieben".

Weiters hat er noch erkannt, daß Houellebecq und Trump eines gemeinsam haben, nein, nicht daß sie reaktionär sind, sondern: frauenfeindlich! In der Artikelspalte sieht man ein Bild von beiden misogynen älteren Herren, einer introvertiert, einer extrovertiert, und drunter steht: "Trump und Houellebecq hassen Frauen".

Beleg: Trumps Machismo und Pavianalphatiergehabe, Houellebecqs Klage über die Abschaffung der Prostitution und die Dekadenz der Männlichkeit. Auch daß Houellebecq die Ehe erhalten möchte, wird ihm zur Last gelegt. Lau erweist sich so als ein musterhafter Vertreter des "neuen Progressivismus". Da kann ich mich als Frau nur freuen, daß Houellebecq das Wort oder Schwert den befreiten "Intellektuellen" in seinem Sinne übergibt. Doch noch ist es nicht ganz so weit:
Frau Charim fordert uns heute stramm progressivistisch-feministisch zum kollektiven Schämen für den "raunenden" Houellebecq auf:
Als hätten sie die Worte des Autors vernommen, hat die polnische Regierung die erste, die wesentliche Maßnahme zur Rettung der bedrohten Spezies der Männlichkeit ungefähr zeitgleich vollzogen: Das polnische Parlament hat ein Verbot der Abtreibung beschlossen.

Schamlosigkeit tut bitter not. Sie könnte uns auch eine Steigerung der europäischen Geburtenraten bescheren.

Kommentare (82)

Direkte Aktion
02. Oktober 2016 07:25
Wofür sollte sich ein Rechter auch schämen? Dafür das er Volk und Vaterland beschützen und erhalten will; dafür das er in einem weitgehend ethnisch homogenen Volk leben will?
Darauf sollte er stolz sein.

Schämen sollten sich die westlichen Linken, die in letzter Konsequenz ein grenzenloses Gebilde erschaffen wollen, in dem es keine Nationen, keine Völker, keine Rassen mehr gibt in einem Welteinheitsregime, welches dann von den führenden 30-50 Weltkonzernen gelenkt wird und quasi zu einer globalen kapitalistischen Großdiktatur verkommen sein wird.

Die westliche Linke ist überhaupt nicht mehr antikapitalistisch, sondern fördert diese Entwicklung brachial. Die Linke ist einfach nur (noch) antideutsch, antiweiß, antinational. Mehr nicht.

Und sie passt damit hervorragend zu einer Angela Merkel.
Nicht genug das diese schlimme Unperson permanent gegen das Grundgesetz verstößt. Zuletzt diametal als sie die Grenzen öffnete für alle Menschen der Welt; entgegen Art. 16a GG, der bestimmt, das nur asylberechtigt ist, wer nicht aus sicheren Drittstaaten einreist. Da Deutschland aber von sicheren Drittstaaten umgeben ist, ist jeder - ausnahmslos jeder - der auf dem Landweg nach Deutschland kommt in illegaler Einwanderer und kein "Flüchtling".

Weiter ging es als sie ohne ausländergesetzlich vorgeschriebene Statusprüfung per Kanzlererlass mal so eben en passant alle Syrer (oder die, die sich dafür ausgeben, ohne Passkontrolle!) als asylberechtigt erklärt hat. Keiner von denen wurde asylrechtlich überprüft, alle durften daraufhin als berechtigt Asylanten hier leben! Was für ein Verrat!

Schämen sollte sich Merkel auch für ihre gestrige Äußerung. Sie sagte jeder gehöre zum Volk.
Wider eine ihrer unverständlichen Aussagen. Meint sie damit alle hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund? Meint sie damit ihre Gäste, die sie persönlich eingeladen hat, also die "Flüchtlinge"?
Oder meint sie die ethnisch reinen Bio-Deutschen, die zur Schicksals- und Abstammungsgemeinschaft des deutschen Volkes gehören, so wie man das Volk nahezu überall auf der Welt definiert (wie ich diese Volksverräterin kenne, wohl eher nicht!)?

Es geht mit immer klareren Schritten Richtung Vernichtung des deutschen Volkes mittels eines Großen Austausches, eines Ethnozids, einer Umvolkung, eines Transformationsprozesses von ethnisch reinem Volk in afrikanisch-arabisch-deutsche Mischbevölkerung, oder wie auch immer man diesen gewollten Durchmischungsvorgang auch sonst definieren will.

Wohin führt das im alltäglichen Leben? Hier mal ein Beispiel aus der Stadt Herford:

Eine 22-jährige Studentin unterschrieb im vergangenen Oktober einen Arbeitsvertrag über eine geringfügige Beschäftigung in einem Asylantenheim. Doch bereits an ihrem allerersten Arbeitstag bekam sie dafür die Quittung: Ein illegaler Einwanderer, angeblich zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt, angeblich aus dem Irak (überprüfen lassen sich solche Angaben ja meistens nicht, da die Asylbewerber meist keine Pässe haben, wird deren Altersangabe von den Behörden einfach geglaubt. Viele geben sich einfach als minderjährig aus, obwohl sie oft schon um die 30 Jahre sind, um höhere Leistungen und sonstige Vergünstigungen zu erschleichen), fragte die Mitarbeiterin nachts um 1.30 Uhr nach einer Wärmflasche.

Die Studentin gab sie ihm und forderte ihn auf, damit zurück in sein Zimmer zu gehen. Doch dem Asylanten paßte es überhaupt nicht in den Kram, Anweisungen von einer Frau zu bekommen, wie das Westfalen-Blatt schreibt. Es kam zu einem lautstarken Streit, schließlich packte der halbwüchsige Ficki-Ficki-Asylant die Studentin und wollte sie zum Sex zwingen. Die junge Frau konnte sich wehren und flüchtete in ihr Büro.

Eine Tat, die man durchaus als versuchte Vergewaltigung einstufen kann. Doch das Jugendschöffengericht Herford sah in dem Verhalten des kriminellen Asylanten nur eine versuchte sexuelle Nötigung und verurteilte ihn – immerhin – zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und einem zweiwöchigen Dauerarrest.

Was das Opfer betrifft, so dürfte die Studentin wohl erstmal die Nase voll davon haben, sich um minderjährige Asylanten zu kümmern: Nach der Tat ließ sie sich zunächst für sechs Monate aus psychischen Gründen arbeitsunfähig schreiben, danach kündigte sie.

Deutsche fordert die rigorose Abschiebung krimineller Asylanten in ihre Heimatländer – ohne Rücksicht auf Alter oder Herkunftsland. Wer sein Gastrecht mißbraucht, hat kein Recht darauf, weiterhin in unserem Land bleiben zu dürfen!

Das Drei-Punkte-Sofortprogramm für alle Städte und Landkreise in Ostwestfalen-Lippe:

1. Die Bezirksregierung Detmold, die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung werden umgehend darüber informiert, daß OWL ab sofort keine illegalen Einwanderer mehr aufnimmt.

2. Die Asylanträge der in OWL untergebrachten Asylanten werden zügig abgearbeitet. Wer keinen Asylgrund nach Art. 16a GG (politische Verfolgung) nachweisen kann, wird konsequent in sein Heimatland abgeschoben. Dadurch würde die Zahl der in OWL untergebrachten Asylanten innerhalb eines Jahres um 98-99 % sinken.

3. Die Zahl der in OWL untergebrachten Asylanten würde dann somit nur noch etwa 320 Personen betragen, die den verschiedenen städtischen Haushalten in OWL pro Jahr insgesamt etwa 1,7 Millionen Euro kosten würden. Durch die Abschiebung von 98-99 % der in OWL untergebrachten Asylanten würden finanzielle Mittel von etwa 180 Millionen Euro pro Jahr freiwerden. Dieses Geld könnte zum Schuldenabbau und für das Gemeinwohl eingesetzt werden: bessere Ausstattung von Schulen und Kindergärten, Sanierung von Straßen und Spielplätzen, bessere finanzielle Unterstützung von Jugendzentren und Kultureinrichtungen, Absenkung kommunaler Steuern und Abgaben.
jack
02. Oktober 2016 11:07
Wo ist mein Kommentar geblieben?

M.L.: Gelöscht, weil off-topic, wir sind hier nicht bei pi-news.
Simplicius
02. Oktober 2016 11:44
Diese Rede von Michel Houellebecq muss man gelesen haben!

Aber kann es, nach solcher Erkenntnis der Lage, noch Hoffnung auf eine erstrebenswerte Zukunft geben?

@ Caroline Sommerfeld
„Die linken „Progressivisten“ haben mithin ein Schamregime errichtet, das gerade dabei ist, zerstört zu werden.“


Naja, mögen Sie recht haben, Frau Sommerfeld. Noch ist es aber so, dass die linksdominierte Berichterstattung in einer Weise funktioniert, dass man den Eindruck hat, die linken "Intellektuellen" würden von oben herab, wie der überlegene Psychiater, die Rechten als psychisch Gestörte analysieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Verständnis.

Diese linken Realitätskonstrukteure wissen zweifellos um ihre Wirkung auf die Köpfe und Geister. Sie wissen, was sie tun.

Man zuckt schon hin und wieder innerlich als Rechter, wenn z.B. im Radio Pegida, AfD und Sympathisanten als undankbare, minderbemittelte Verlierer der Deutschen Einheit bezeichnet werden, die die fröhlichen, bunten, Feierlichkeiten in Dresden mit ihrer proletenhaften Übellaunigkeit (und potentiellen Gefährlichkeit) stören und das Ansehen Deutschlands in der Welt schädigen würden.
JeanJean
02. Oktober 2016 12:40
„Neuen Progressivismus“ nennt er präzis das, was im deutschen Sprachraum gerade erst als diese seltsame unheimliche Nachbarschaft zwischen der Linken und dem New-World-Order-Kapitalismus beobachtet wird."

Neu ist an diesem "Progressivismus" eigentlich nur die Offenheit mit der uns die Wurzeln des Kommunismus oder von mir aus auch Progessivismus im New World Order Kapitalismus vorgeführt werden. Die Verzögerung, mit der diese unheimliche Beobachtung im deutschen Sprachraum vorsichtig ausgesprochen wird sagt viel aus über die uns gesetzten Grenzen des Erlaubten .

Neu ist, dass wir durch das Internet in der Lage sind, zeitnah das direkte Wirken der NWO Milliardäre im Handeln der betrogenen weißen, schwarzen oder moslemischen Fußtruppen zu erkennen, weil wir nun die Geldströme sehen können, die für die Organisierung der betrogenen Kampfgruppen eingesetzt werden.

Die Enteignung der Massen und die Konzentration von Geld und Macht, die globale Kontrolle durch die Zerstörung der Völker und die Versklavung der entwürdigten, ihrer Herkunft und natürlichen Gemeinschaft beraubten Menschen sind von Beginn an Ziel "linker Politik" gewesen, und Stalin wird doch eigentlich nur als Synonym für den Bolschewismus herangezogen, weil er Situationsbedingt vom Internationalismus/ Globalismus abwich und "völkisch" auftrat. Das hat seinen guten Ruf zerstört und dieser Teil der sowjetischen Geschichte wird absichtsvoll preisgegeben, während Trotzki gerettet wurde, im Hintergrund versteckt wird und nun auch im Kostüm der Neocons auftritt.

Die Fokussierung auf Stalin macht den scheinbaren Bruch möglich und bietet zudem die Entlastung der zentralen Gruppe der Akteure, die in die Opferrolle geschlüpft und damit von Schuld und Scham freigesprochen ihre Führungsrolle in jeweils passender Kostümierung beibehalten kann.

Wirklich neu ist am "neuen Progressivismus" doch eigentlich nur seine durch den Stand der erreichten Kulturzerstörung scheinbare Normalität die, weil sie ja dennoch immer gegen die Natur ankämpfen muss, im Zusammenwirken von Geld, Staat und Schlägertruppen unentwegt verteidigt werden muss.

Die "Entartung" der "großen Idee" durch Stalin, schnurrt letztlich auf dessen Politik ein, in der kriegerischen Konfrontation zur Idee des Vaterlandes und damit des Selbst (Volk) als Maß zurückgekehrt zu sein, um die natürliche Kampfkraft der Unterjochten betrügerisch zu nutzen. Der daraufhin folgende Auszug der Akteure der ersten Stunde aus der Sklaverei und seine Verurteilung durch die reingewaschenen Opfer machten den Sprung in die kapitalistischen USA und die bruchlose Kontinuität möglich.

Wenn eine Personengruppe, die sich recht offen selbst zum Maß jeder Moral erklärt und damit für sich selbst Scham als "wesensunmöglich" feststellt, anderen Schamlosigkeit vorwirft, wird nicht die Schamunfähigkeit der Anderen sondern der totale Machtanspruch der Ankläger deutlich.

Mit schon bis zum Überdruss bekannter Bosheit wirft Charim/Jelinek den "Rechten" vor, im Nationalsozialismus nicht die "Entartung einer großen Idee" oder eine "schlechte Realisierung" zu erkennen und daher zu einem ehrlichen Bruch unfähig zu sein. (Wie die linke Rettung der "großen Idee" durch Kritik an deren Umsetzung zum Bruch erklärt werden kann, ist mal wieder dieses spezielle Denken, dass Kopfweh und Übelkeit verursacht) Beide Großdenkerinnen wären wohl auch unter den Ersten, die genau so einem öffentlich geäußerten rechten Gedanken, "es war ja nicht alles schlecht" argumentativ mit den Mitteln des Strafrechts antworten würden.

Die unter Anklage stehende schamfreie und bruchlose Kontinuität, die in dem Text heraufbeschworen und als rechts denunziert wird, lässt sich leicht als Anklage gegen die schlichte biologische Existenz im "ununterbrochenen Zeitkontinuum" der Generationenfolge erkennen, als das über dem politischen Rechtslinks stehende geschichtliche Selbstgefühl von Verwandtschaft und Herkunft, das die beiden Frauen in uns, den verhassten Völkern noch sehen, zur politischen Konstruktion erklären und durch die Verhängung der Schamkultur und das Gebot an uns, nicht in uns selbst, sondern ausschließlich in ihrer, der Gruppe dieser Anklägerinnen, ein Maß zu finden, bekämpfen.

Ich sehe nichts Neues in diesem Vernichtungswahn, der sich nur hin und wieder einen anderen Namen gibt unter dem er seine alten Ziele verfolgt.
Links oder Rechts sind auch keine Kategorien der Trennung, denn es besteht ja auch nicht der geringste Unterschied zwischen den Kriegen und Kriegszielen der neokonservativen die mit Bush, oder den Menschenrechtskriegen, die mit Obama verbunden werden oder zwischen der Vernichtung der Völker durch den globalen Freien Markt oder durch die kulturmarxistische Globalisierung der Pornografie.
der Gehenkte
02. Oktober 2016 13:04
Houellebecq scheint die einzige scham- und angstlose Stimme von literarischem Rang zu sein. Das hatte er im November bereits, nach den Terroranschlägen, mit einem wunderbar zynischen Text bewiesen. Zu seinem Habitus gehört, sich nur sehr selten sichtbar zu sein. Umso wichtiger ist es, seine Gedanken bekannt zu machen, denn selbst wenn man ihnen inhaltlich nicht immer zustimmen mag, ist ihr Ton doch erfrischend genug.

Dabei darf man den französischen Kontext nicht vergessen: @
„Es wird zerstört, weil die Diskursbegründer der Entstrukturierung (Marx und Freud, Houellebecq glaubt, auch bald Nietzsche, hoffentlich nicht!) ihre Autorität eingebüßt haben“


Houellebecq schreibt gegen das Differenzdenken an, gegen „den Tanz um das Goldene Kalb Signifikant“ (Sloterdijk), also gegen die französische Postmoderne, die wiederum einen anti-Starteschen Affekt auslebt (von dem die Scham und Ekel und mauvaise foi letztlich herrühren.
Nietzsche war für Derrida, Nancy, Klossowski, Blanchot und andere ein Schlüsselerlebnis aber sie haben ihn dekonstruiert und deshalb geht er mit dem Untergang der Postmoderne nun auch den Bach herunter – zumindest in der französischen Wahrnehmung. Ausgenommen ist Deleuze' bahnbrechende Nietzsche-Lektüre. Wer Nietzsche nicht genuin Deutsch lesen kann, wird nie an sein dunkles Herz herankommen. Ähnliches gilt für die französische Heidegger-Lektüre. So mag er in Frankreich Konjunkturen und Rezessionen erleben, im deutschen Denken ist er längst ins „Unbewußte“ eingedrungen.

@ Trump als simulacrum – ein spannender Gedanke. Allein, mir fehlt der Glaube. Den ungeschützten Trumpismus Sellners et. al. kann ich nicht verstehen. Die Ereignisse werden schließlich sehr konkret sein.

@Progressivisms und Scham – man wird nicht umhin können, den technischen Progressivismus der vom Silicon Valley ausgeht, mitzubedenken. Die „Linke“ bewegt sich weg von Marx hin zur technizistischen Utopie der Allmachbarkeit – siehe „Piraten“. Dort wird wirklich vollkommen schamlos gedacht und gearbeitet: Was machbar ist, wird gemacht. Keine Rücksicht auf Verluste. „Disruption“ als Konzept. Wenn sich das durchsetzt, wenn die „Singularität“ einsetzt, dann wird der Begriff der „Tradition“ und des „Konservativen“ letztlich unverständlich werden.
Winston Smith 78699
02. Oktober 2016 13:10
@ Simplicius

... dass man den Eindruck hat, die linken „Intellektuellen“ würden von oben herab, wie der überlegene Psychiater, die Rechten als psychisch Gestörte analysieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Verständnis. Diese linken Realitätskonstrukteure wissen zweifellos um ihre Wirkung auf die Köpfe und Geister. Sie wissen, was sie tun. Man zuckt schon hin und wieder innerlich als Rechter, wenn z.B. im Radio Pegida, AfD und Sympathisanten als undankbare, minderbemittelte Verlierer der Deutschen Einheit bezeichnet werden ...


Ich erhoffe mir, dass irgendwann auf Seiten der Identitären solche realen biographischen Episoden als Wunden der Hiebe von oben akzeptiert werden, besonders in einer sanften, klandestinen Diktatur - und die herrschende entwickelte sich so schleichend wie keine vorher. Denn manch einer etwa, der seit der sogenannten Wiedervereinigung immer wieder scheiterte, sagen wie beruflich oder politisch, konnte diese Vorgänge kaum einordnen, wenn er nicht ahnte, dass es für junge Akademiker möglichereweise längst Persönlichkeitsprofile geben könnte, die den Werdegang bestimmen, sogar wenn man ein zu aufmüpfiger Linker war. Natürlich ist ist das Spekulation, denn was könnte es denn zum jetzigen Zeitpunkt anderes sein? So ein Scheitern, dessen Mitursache in z.B. Gleichschaltung des Bildungswesens man nicht erkennen kann, führt bei jemandem, der es nicht gelernt hat, den Fehler grundsätzlich bei anderen zu suchen - etwa in Diskriminierung -, zu tiefen Selbstzweifeln und Krisen mitsamt verstärkenden Rückkopplungen, die dann zwecks Hilfe (durchaus gut gemeint) in irgendein KV-abrechenbares Begriffskorsett reinmüssen - und schon haben Sie zum Versager auch gleich den Irren mit dazu und das Vorurteil ist auch real belegt.

Mit der Menschlichkeit in Form vorläufiger Schwäche der eigenen Mitstreiter sollte der Identitäre Widerstand klarkommen lernen, die Verwundeten verstehen und in ihnen Veteranen erkennen, wozu das eine oder andere geradeeben bei Houellebecq beitragen kann. Daß im vorherigen Strang mehrfach geradezu mystifizierend calvinistische Töne über den finanziellen Erfolg und gesellschaftlichen Status anklangen, macht mir aber weniger Mut. Stellen Sie sich vor, Sie betrachten sich selbst als Linken und Nichtegalitaristen und sind als solcher mit Einzelgängen aufgefallen (zu vermeintlich sicherer Zeit in einem vermeintlich freien Land, nicht um sich zu profilieren, sondern aus punktueller Wut ohne Ventil und aus Überzeugung wegen der Verantwortung vor der Geschichte, als antitotalitärer Antifaschist) - aber genau dieser Individualismus hängt Ihnen nun insgeheim als Makel an - Sie sind bereits persona non grata, ohne dass jemand das zugeben darf, ohne selbst tieferen Einblick in ein Tabu zu gewähren. Was Sie dann erleben, darf man im vollen Sinne "kafkaesk" nennen, und das halte man erstmal zwanzig Jahre unbeschadet durch, bevor man über Gefallene spotte!

Als mir vor ein paar Jahren jemand attestierte, dass ich (Linker, wo die Regierung rechts, und umgekehrt) offenbar ein "Waldgänger" sei, dachte ich, er meine damit "ausdauernder Waldläufer" oder "verschrobener Pilzesammler", also einfach einen Individualisten. (Danke nochmals, verspätet, konnte damals nur nicken und doof lächeln. Ich hab Deine DVD's noch, aber die Fime von Dammbeck sind ja online.)
Arminiuns Arndt
02. Oktober 2016 13:15
Diese Rede kann und durfte nicht an der "Sezession" vorbei gehen - evtl. gibt es ja noch den einen oder anderen Artikel dazu, der die Vielschichtigkeit der Rede herausarbeitet, denn in diesem Beitrag heute wird vermutlich wohl der Versuch einer schnellen Reaktion unternommen, um die Rede selbst und einen Hauptaspekt der Rede auch hier auf diesen Seiten zeitnah zu reflektieren.

mir scheint, man könnte aus meinen Büchern radikal entgegengesetzte Schlüsse ableiten, mit gleicher Plausibilität.


sagt M.H. in seiner Rede und dieser Halbsatz ist aus meiner Sicht ein wichtiger Satz zur Rezeption seiner Bücher. Die Lektüre von M.H.´s Werken hat durchaus stark katalytische Wirkung, die, je nach dem, wo und wie der Leser steht, zu unterschiedlichen Ergebnissen führen mag.

Im Übrigen werden in dieser Rede sehr viele Themen angesprochen und aufgezeigt, die auch dem regelmäßigen Leser der Sezession und SiN nicht unbekannt sein dürften, wie als weiteres zentrales Thema das Thema Männlichkeit, Toqueville kommt ausführlich zu Wort, ein Autor, der einfach ein "Muss" auch heute noch ist, und anhand eines Zitats von ihm wird der totalitäre Nanny-Staat beschrieben. Der Geburten-Jihad, das sterbende Europa etc. sind weitere Themen.

Insgesamt eine Rede, die mehrfach gelesen werden kann, auch wenn sie vermutlich von vielen nur überflogen wird und gerade die linken und Feministinnen werden wieder nur ihre eigenen stereotypen Fixierungen wie Honig daraus saugen wollen (Prostitution als Korrektiv der Ehe etc. - "ja, klar," geht da bei vielen vermutlich dann schon das Schubkästchen auf und zu).

Auf jeden Fall bin ich dankbar, M.H.´s Bücher schon recht früh kennen gelernt zu haben und bin froh, dass so ein Autor in Deutschland überhaupt noch eine Rede halten durfte, auch wenn deren Inhalt vermutlich jetzt entweder totgeschwiegen oder selektiv ausgeschlachtet und entsprechend im Sinne des Progressivismus interpretiert wird.
E.
02. Oktober 2016 13:24
Auch ein deutscher Schriftsteller hat kürzlich eine sehr beachtliche Rede gehalten, von den Mainstream-Medien ignoriert und auch der MDR sendete nicht - denn dieser Schriftsteller wagte es, die Merkelsche Politik zu kritisieren und das, was Deutschland nun bevorsteht, zu benennen. Die Kamenzer Rede von Jörg Bernig - unbedingt lesenswert:

http://kamenz.de/files/inhaltsgrafiken/Presse/04.%20Endfassung%20J.%20Bernig%20-%203.%20Kamenzer%20Rede.pdf
E.
02. Oktober 2016 13:32
Nachtrag: Ich bin dazu übergegangen. solche Zeitdokumente wie diese Kamenzer Rede (mein Hinweis 2.10.2016, 13:24) abzuspeichern, aber auch auszudrucken und zu bewahren. Es soll später niemand mehr sagen können, es habe keine mahnenden Stimmen gegeben. Doch, es gab sie, und das zuhauf: sie wurden in diesem Klima einer Meinungsdiktatur á la Merkel, Systemparteien und GEZ nur unterdrückt.
Olle
02. Oktober 2016 13:43
Das Scham-Gerede ist weniger wichtig und eine leicht ad acta zu legende Propagandaente aus dem Hause Mitscherlich.
Die entscheidende These bei Sommerfeld ist doch, daß die Linke " nimmer antikapitalistisch" sei. Es ist aber umgekehrt. Natürlich ist die Linke antikapitalistisch; anderenfalls wäre sie keine Linke mehr. Es sind die "Fürsprecher des frei um den Globus flottierenden Geldes usw.", die antikapitalistisch sind wie die Linke, weil es sich um Interventionisten handelt. Wir stehen einem von oben und unten gestützten interventionistischen Regime gegenüber, daß ist das eigentliche politische Problem. Und Interventionisten sind keine Kapitalisten, auch, wenn sie Geld haben sollten - "nimmer"!
Gustav
02. Oktober 2016 14:09
Die völlige Schamlosigkeit, mit der diese öffentlich agieren und auftreten. Die Unverfrorenheit in Bezug auf Gerüchte, Halbwahrheiten, Unwahrheiten, in Bezug auf Aggressionen, Denunziationen und Angriffe – diese Unverfrorenheit beruht auf einem gänzlichen Mangel an Schamgefühl.


Das ist eine ganz typische

Projektion, ein zentraler Abwehrmechanismus, das unbewußte Übertragungen von Affekten und Impulsen auf ein Gegenüber. Anteile des eigenen Selbst werden in einer mit Affekten und Wünschen einhergehenden Interaktion dem Interaktionspartner unterstellt – in der festen Überzeugung, dieser sei so, wie man ihn wahrnehme. Die Projektion dient aus Sicht der Psychoanalyse der Abwehr von Angst und der Aufrechterhaltung des Selbstbildes: Nicht ich selbst habe manipulierende Absichten, sondern mein Gegenüber und Interaktionspartner.

Die Vorwürfe, die die Linken erheben, kann man restlos auf sie selbst anwenden. Ihre sich ständig steigernde Wut auf diejenigen, die sie immer öfter der Lüge und des Betruges überführen, wird noch einmal böse enden. Man schaue sich ihre "Heiligen" an, und man bekommt eine Ahnung!
Hajo Blaschke
02. Oktober 2016 14:15
ich glaube und befürchte, dass sich ein Final nähert, ab dem die Wiederherstellung der Ordnung in Deutschland mittels Wahlen und Koalitionsbildungen nicht mehr möglich sein wird.
Monika
02. Oktober 2016 14:27
Es ärgert mich ein bißchen, daß ein so vielschichtiger und grundlegender Text von Houellebecq als Aufhänger benutzt wird, um eigene Gedankengänge zu rechter Scham und linker Schamlosigkeit zu entwickeln.
Auch wenn dieser grandiose Text natürlich Denker aller Couleur verführt.
So richtet er sich gegen " Verführtes Denken ".( Czeslaw Milosz)

Man sollte den Text mehrmals genau lesen. Und erst dann mit ihm "arbeiten".
Das ist unter vielerlei Aspekten möglich.
1. M. H. "Die heiligen Kühe sind tot"
" Die Intellektuellen sind frei. Sie sind frei, denn sie sind befreit aus der Zwangsjacke der Linken.
Das ist keine Arbeitshypothese, nein, das ist eine Proklamation !
Das muß man in aller Tiefe nachvollziehen. Welch Aufatmen.
Welch geistige Freiheit.
2. Muray und Dantec schrieben, so Houellebecq , als freie Männer. Ihm intellektuell überlegen. Und deren Freiheit war auch für Houellebecq befreiend. Die Texte beider liegen allerdings nicht in deutsch vor.
Murays Titel Liebe Djihadisten ( 2002) scheint doch ein Schlüsseltext zu sein ( Herr Lichtmesz, übersetzen Sie ?)
Und nach Dantec kann nur eine spirituelle Macht wie das Christentum oder das Judentum es mit der spirituellen ( nicht intellektuellen) Macht des Islam aufnehmen. ( ML Kann nur ein Gott uns retten ?)
3. Die liberale Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts entfacht keinen beseelenden Glauben mehr, sie wird vom Gegner/ Feind gar nicht ernst genommen. Das wäre ein Thema für Herrn Kubitschek.
4. Nicht nur die heiligen Kühe der Linken sind tot, Houellebecq ist guter Dinge, daß auch Nietzsche Marx und Freud bald ins Grab folgt".
D. h. auch das rechte Denken wird befreit !!!
Warum aber sollte auch Nietzsche aus dem Horizont des Denkens verschwinden ? Dem sollte man auch nachgehen, Frau Sommerfeld.
Wieso sollte Nietzsche eine Heilige Kuh bleiben ?
( schon André Glucksmann zählte 1977 auch Nietzsche zu den Meisterdenkern, die totalitäres Denken begünstigen.
5. Nicht zuletzt scheint alles Intellektuelle reine, farblose Theorie.
Der einzig relevante Faktor, so Houellebecq sei der Zustand der Familie. Und die Demographie spricht gegen die Intellektuellen...

Ich hoffe, dieser Text von Houellebecq wird noch genauer und unter verschiedenen Aspekten betrachtet.
da sollten noch einige Fortsetzungen folgen,.....
Oder, wie Houellebecq schreibt:
Wir haben das Denken befreit.
Jetzt ist es an den Intellektuellen, sich ans Denken zu machen.
Und wenn sie ein neues Denken hervorbringen können,
das dann auch zu tun.
Waldgänger aus Schwaben
02. Oktober 2016 14:40
Ein sehr guter Gastbeitrag, der das Wesentlich aus der Houellebecq'schen Rede raus destilliert.

Über Houellebecqs schräge These von der Gefährung der Ehe durch das Verbot der Prostitution sehe ich mal weg, als wäre es je gelungen die Prostitution zu verbieten. Aber wer heute gehört werden will, muss wohl solche Appetitanreger anbieten.

Der Autor des Gastbeitrag schreibt von der "seltsame unheimliche Nachbarschaft zwischen der Linken und dem New-World-Order-Kapitalismus." und meint mit dem "Neuen Progressivismus“ dafür einen Begriff gefunden zu haben. Das es einen Begriff dafür gibt, ist sicher ein Fortschritt. Nur die Beziehung sich beiden, die der Autor vage mit "seltsame unheimliche Nachbarschaft" beschreibt, muss noch genauer analysiert werden. Diese Vagheit begrüße ich, denn das ist Stoff für noch zu führende Debatten.

Klar ist, dass wir es bei der Linken und den New-World-Order-Kapitalisten nicht mit intellektuell gleichwertigen Partnern zu tun haben.
Auch hinsichtlich des Zugriffs auf Machtmittel besteht ein gewaltiges Gefälle.
Waldgänger aus Schwaben
02. Oktober 2016 14:42
Nachtrag:
Der Autor ist eine Autorin.
Ein gebürtiger Hesse
02. Oktober 2016 15:21
Prächtiger Aufsatz, der, indem er wesentliche Punkte der Houellebecq-Rede mit eigenen Worten (und hiesiger Perspektive) noch einmal sagt, diese geradezu überflügelt und mit zusätzlicher "acuteness" auflädt. Die Rede wird so für uns vollends nutzbar gemacht. Dank an die Autorin, die künftig bitte öfters zu Gast sein möge!
Der_Jürgen
02. Oktober 2016 16:06
Ein lesenswerter Artikel. Es freut einen immer, wenn sich bei Sezession neben den altbewährten Autoren auch neue zu Wort melden, die Wesentliches zu sagen haben.
Der Gutmensch
02. Oktober 2016 16:17
Ein schwieriger Text, wie ich finde. Mir ist er zu assoziativ. Da bleibe ich lieber erstmal bei Houellebeqc:

Wie missvergnügt muss man denn bitte sein, dessen Worte über die Ehe und die Prostitution als „frauenfeindlich“ zu interpretieren? Das Wesen der Ehe ist - naja na schön, sagen wir „sollte sein“: die Hingabe ohne Berechnung (geht Ihr mit, Ihr Christen?!). Das Wesen der Prostitution bildet das Gegenstück dazu. Heben wir die Gegensätze auf, haben wir - simsalabim - etwas Steriles geschaffen und so erklärt sich Houellebeqc dann wohl die Nachwuchssorgen der alteingesessenen europäischen Völker. Aber wenn unsere Intellektuellen nun auf einmal den Stein der Weisen gefunden und eine bessere Erklärung haben - dann nur zu, erklärt uns das! Wenn´s machbar wäre - bevor wir alle ausgestorben sind, weil wir nämlich (wie in den letzten 50 Jahren) alle so kreuzbrav Euren klugen Winken folgten!

Was die Progressiven angeht ... so bin ich da offenbar (genau weiß ich es aber nicht) anderer Meinung als die Autorin. Sie hängen dem Kapitalismus halt am Hals wie Gollum am Ring. Sollten sie sich dereinst gegenseitig meucheln (vielleicht lässt sich Lau in diesen Kontext stellen?) - so hab ich da keine Aktien dran. (Auch noch vorauseilende) Freudentänze empfinde ich da als unangebracht.

Und wo wir nun schließlich bei „Schamlosigkeit“ ankommen ... insbesondere bei der, den armen Franzosen für die dezent starrkrampfige Haltung der Polen verantwortlich zu machen ... ich weiß auch nicht, wieso mir bei der Szene immer die grünen Kinder der Katholiken einfallen https://www.youtube.com/watch?v=tgXPRxmHk6Q.

Aber Houellebeqcs Frivolität finde ich immerhin erfrischend und entlastend. Sie erinnert mich an einen saarländischen Philosophen, der was von „Überholen ohne Einzuholen“ sprach, ohne dass ihm jemand das glauben wollte. Seinen Namen habe ich längst vergessen.

Gruß!

d. G.
Simplicius
02. Oktober 2016 17:14
Ich kann nicht sagen, dass einer wie Michel Hollerbeck meine ungeteilten Sympathien hat. Ich kenne ihn ja auch gar nicht. Ich sollte vielleicht mal ein Buch von ihm lesen. Aber man braucht nicht viel Verstand, um den Kernsatz seiner Rede zu finden und zu verstehen; alles andere ist „intellektuelle“ Spiegelfechterei, die sich bald erübrigt hat.

@ M. Houellebecq
„Aber das Vordringen des Islams beginnt gerade erst, denn die Demographie ist auf seiner Seite und Europa hat sich, indem es aufhört, Kinder zu bekommen, in einen Prozess des Selbstmords begeben. Und das ist nicht wirklich ein langsamer Selbstmord. Wenn man erst einmal bei einer Geburtenrate von 1,3 oder 1,4 angekommen ist, dann geht die Sache in Wirklichkeit sehr schnell.“
Arminius Arndt
02. Oktober 2016 17:16
Monika,
danke für Ihren Beitrag, dem ich zustimmen möchte.

Houellebecq ist einer der wenigen, lebenden und vor allem auflagenstarken Autoren, die ernsthaft etwas zu sagen haben und die es lohnt, zu lesen.

Thema Nietzsche als heilige Kuh:
Nietzsche würde sich wohl selber vehement gegen eine solche Einstufung wehren ...

PS:
Klarstellung: Ich verwende keine Autovervollständigung etc. und habe bei meinem Beitrag weiter oben, 13:15 Uhr, einen Tippfehler beim Namen gemacht - kommt leider vor, zumal ich meine Beiträge quasi live und ohne große Bearbeitung schreibe. Der Beitrag, 13:15 Uhr, war von mir.
Lutz Meyer
02. Oktober 2016 18:38
Schamlosigkeit tut bitter not. Sie könnte uns auch eine Steigerung der europäischen Geburtenraten bescheren.


Wie jetzt!? Wittere ich da einen erfrischenden Aufruf zur Begehung schamloser bzw. ungenierter Saturnalien, bei denen bekanntlich unter Weineinfluss die Moral sich erheblich lockert, was dann unweigerlich eine Steigerung der Geburtenrate nach sich zieht? Wie naheliegend im Grunde - und wie sympathisch!
Unke
02. Oktober 2016 20:43
Bin ja schon seit langem ein Houellebecqianer... das so jemand den "Schirrmacher-Preis" bekommt irritiert mich aber. Warum er? Denn H. ist ein schonungsloser Analytiker und nimmt weder bei der Beschreibung der aktuellen Zustände noch bei seinen Schlussfolgerungen einen Blatt vor den Mund. Und dem Kulturmarxismus, dem gerade das Feuilleton der FAZ huldigt bringt er nun mal gar kein Opfer dar; im Gegenteil, er teilt gegen den kulturellen Mainstream aus wo er nur kann.
Also: was soll das Ganze? Ich versteh's nicht.
Der Gutmensch
02. Oktober 2016 20:46
Ich weiß nicht, was Sie wollen, Winston. Die Leute zu Verschwörungstheorien aufstacheln, Paranoia kreieren? Ein Land besteht aus mehr als aus seinen Gesetzen. Und dass man Vertrautes/Vertraute bevorzugt, versteht sich von selber. Dass sich vor dem Hintergrund eines materiellen Gefälles in einem kapitalistischen Staat also ohne Protektion kein kultureller Transfer einstellen kann, ist ebenfalls folgerichtig. Soweit man damals argwöhnte, da könne es ggf. doch Gemeinsamkeiten geben, hat man mit Institutionen vorgebaut, die eine um so dämonischere Kulisse aufbauen sollten, wie sie andererseits jede tatsächliche (ergebnisoffene) Forschung unterbanden.
Nochmal: Dafür ist keine Verschwörung verantwortlich, sondern das ist einfach Konsens und Folge des Elitenwechsels. Die Aufgabe der DDR (die nunmal deutsch war) war - erledigt. Nun kam es auf die BRD an. Entsprechend pragmatisch verlief auch das Ausleseverfahren der Nachrücker: Was, zum Henker, hätte man denn auch mit "in überkommenden Denkmustern Steckengebliebenen" anfangen wollen? Den Turbokapitalismus zu meistern, waren und sind die nicht qualifiziert.

Und was diese Psychologisiererei angeht: Auch die Aufgabe der Psychologen besteht darin, die Menschen arbeitsfähig zu halten, deshalb zahlt das die Krankenkasse. Wer unter diesen Randbedingungen nicht arbeiten kann (weil ihm sein Gefühl oder im Ausnahmefall wirklich sein Intellekt dabei im Wege steht) der kommt in die finanzielle Bredouille, ist folglich ein Versager und wenn er den Leidensdruck nicht aushält/nicht reflektiert - dann landet er in irgendeiner Praxis.

Der Rest ist dann Roheit und Niedertracht. Dass man nicht mal einem schlüpfrigen Franzosen wie dem Houellebeqc mit Gelassenheit begegnen kann, weil der darüber nachsinnt, wie die Geschichte vielleicht doch noch weitergehen könnte, spricht Bände - die Sie alle längst gelesen haben und keine Veranlassung, den Überraschten zu mimen.

d. G.
Bran
02. Oktober 2016 21:39
Mir geht das Demographie-Gereite ein wenig auf meine Testikel. Unsere Demographie ist nur ein Problem, weil wir mittlerweile Millionen von den Anderen reingelassen haben. Aber ansonsten war Europa demographisch schon immer im Hintertreffen. "Der Islam", der von PI immer so gerne heraufbeschworen wird und er eigentlich einfach immer nur eine erobernde Macht war, wobei es völlig egal war und ist, welche fremde Religion oder Ethnie sich dahinter verbirgt, war uns zahlenmässig schon immer überlegen. Man vergleiche mal die Landflächen Arabiens, Afrikas, Zentralasiens und Europas und überlege sich dann mal, ob im Mittelalter die Demographie wohl auf unserer Seite war. Eher nicht.
Aber Strategie, Taktik, Bewaffnung, unbedingter Verteidigungswille waren auf unserer Seite.
Wieso sollte sich das heute geändert haben? Und was soll es bringen, die ganze Zeit den Demographie-Gaul zu Tode zu reiten, wenn wir doch alle wissen, dass wir den Geburtendjihad nicht mehr gewinnen können? Besinnen wir uns lieber wieder auf die anderen Punkte.
Caroline
02. Oktober 2016 21:43
Ich sehe: diese Rede ist viel, viel größer (im ästhetischen und im politischen Sinne, was m.M. dasselbe sein muß!), als ich mit einem kleinen tagesaktuellen Kommentar zu erfassen versuchen konnte.
Prognose: diese Rede wird ein Klassiker! So wie Botho Strauß' Bocksgesang 1993 mindestens, weil eben europäisch und nicht nur deutsch.

@Simplicius: ob sich die Linke schon im Todeskampf windet, wie Houellebecq sagt, oder sich immer perfiderer Mittel bedient (Pathologisierung und Projektion sind richtig gute Waffen!)? Da dürfen wir nur hoffen.
@Monika: wer ist ärgerlich, die Charim oder ich? Nicht linke Schamlosigkeit und rechte Scham, sondern andersherum. Daß das aus dem Mitscherlich-Arsenal kommt, ist klar, umso ärger, daß man damit heut noch hausieren gehen kann. Nur: die uns attribuierte "Schamlosigkeit" befreit, das ist mein Punkt. Danke für Ihr Insistieren, daß das keine wissenschaftliche Arbeitsshypothese ist, sondern ein SCHLAG!
Nietzsche ist keine heilige Kuh, sondern anders als Marx und Freud eben kein Entstrukturierer und Dekonstruierer aller Werte und Wahrheiten, sondern einer, der ihr Gegenteil denken muß um sie zu feiern.
@Gehenkter: sein Nietzscheabgesang ist wichtig, um Houellebecq zu verstehen - er steht in der französischen dekonstruktivistischen Tradition, von der er sich freiarbeiten muß. Denn: mit Dekonstruktivismus gewinnt man keine Kriege! Daß die Realität von Trumps "reality" uns ganz gewaltig einholen könnte, stimmt mich nachdenklich.
@Waldgänger: die "unheimlichen Nachbarschaften" sind ein Titel von Helmut Lethen, der für die 20er Jahre die gemeinsamen Lektüren und den gemeinsamen Kältehabitus linker und rechter Literaten und Denker herausgearbeitet hat. Genauso uncanny neighbors sind die Linken und die Globalisten, erstere merken das aber nicht, während sich letztere die Hände reiben dürften über soviel Zuarbeit.
@Lutz Meyer: schön wär's doch, nicht wahr? Soviel innuendo war gar nicht geplant ...
Winston Smith 78699
02. Oktober 2016 22:22
@ Der Gutmensch

Ich will den Identitären, den Rechten, den Konservativen zurufen: wenn Euch wirklich solche Vewirrten, Zurückgebliebenen, Verlierer, Dropouts begegnen, von denen da die Rede ist, dann steigt von Euren edlen Rössern ab und hört ihnen zu. Das sind nicht einfach nur Faulpelze oder Unfähige, also bespuckt sie nicht mit Worten und schimpft auch Eure Gegner vom linken Lager nicht als arbeitsscheues Gesindel.

Damit nämlich wiederholt Ihr die Rolle von deren Eltern und Großeltern, derentwegen, aus Ablehnung nur, viele von den 68ern und auch den jetzigen Progris erst so geworden sind. Das verfolge ich gerade: wie ging das zu, daß der Konservative oder Rechte so einen schlechten Ruf bekam, viel schlechter noch als in den 50ern. Allein mit Rock'n Roll und Ekel Alfred kann ich mir das nicht erklären, auch mit Entnazifizierung nicht. Das muß individuell und persönlich passiert sein, in den Familien - die psychologische Kriegsführung, der verdeckte Teil der Umerziehung, konnte daran erst andocken und die Eltern und Kinder gegeneinander aufbringen - radikal weltanschaulich, nicht einfach als Generationenkonflikt oder Effekt von Fortschritt. Bis dahin, daß viele lieblos oder gar familienlos aufgewachsene Kinder so verkorkst waren und sind, daß sie die Fortpflanzung einstellten. Wie wurden die konservativen Väter zu solchen Unholden, zumindest in der Wahrnehmung der Kinder? Das ging auch mir selbst noch so und ich kenne einige Fälle mehr!

Warum waren zu uns Kindern die Alten irgendwie fast alle nur streng und übellaunig und "rechts", und dagegen die kinderlieben und zu Jugendlichen verständnisvollen Netten alles so lockere Linke? Alles Pädos? Denn nur zu sagen, daß die Kids durch Elvis, Cola und Pille verdorben worden seien und nur deswegen die Alten sie nicht verstanden hätten, reicht mir nicht - so borniert waren die nicht. Auch Pille und Karrierefrau, Abtreibung und Scheidung reichen mir als Erklärung nicht. Irgendwas über die offene Umerziehung und Todesfuge hinaus muß dazu geführt haben, dass junge BRD-Deutsche sich bereits in den 60ern und 70ern als unwert empfunden haben und zusehends auch so miteinander umgingen. Deswegen Mitscherlich oder vielleicht Arno Gruen oder so. Zeitlich fokussiere ich derzeit in etwa auf die Heimkehrer aus Krieg und Gefangenschaft. Die Erklärung durch ein Kriegstrauma reicht mir auch nicht. Jemand sagte mir, dass die Deutschen so hohe Ansprüche an sich stellen, daß eine totale Niederlage im Feld für viele nicht akzeptabel ist und einem Todesurteil gleichkommt, zumal dies von der Propaganda ja ausgebaut worden ist. Dieses müßte dann seit 1918 im Raum stehen. Die Schuld kam dann noch oben drauf, aber ob die Umerziehung durch die Besatzer bei diesen Männern überhaupt noch viel ausrichten konnte? Dass so ein mehrfaches Todesurteil in eine Art Liebesverbot - was wiederum von Elternseite aus als Todesurteil über das Kind ankommt - ausgeleitet oder umgeformt werden könnte, habe ich hier provokant anzusprechen versucht. Und schon steht da eine Generation von Elternhassern und Zeugungsverweigerern, wahnhaft bestrebt, alles Alte (Väterliche, Deutsche) auszulöschen, also die idealen Utopisten und Progressivisten: Forget your Past.

Das treibt mich um. Übrigens wollte ich da oben keine Ost-Story erzählen, sondern nahm die Wiedervereinigung als Zeitmarke, weil mir mit dieser ein vorheriger Leistungsanspruch und Vergleich weggefallen scheint und eine Elite sich ohne weitere Rücksichten gegen das Volk abschotten konnte: die Besten wurden nicht mehr gebraucht - gegen welchen Feind denn noch? Man konnte die nationale Bildung, Rekrutierung und Auslese daher langfristig verlottern lassen zugunsten der Firmenerben und anderer Pläne, und man konnte vielleicht gar eine dezente BRD-Stasi an der Schwelle zur gesellschaftlichen Initiation aufbauen. Dass eine Durchleuchtung aller Anwärter im staatlichen Bereich zu Forschung und Bildung stattfand, da bin ich mir sicher. Und sehen Sie hier, wann die politische Säuberung hin zu einer sinnentleerten Willkürherrschaft bereits benannt wurde: http://www.sezession.de/7655/merkels-patriotismus.html
Sebastian-Maximilian
02. Oktober 2016 22:55
Genug der falschen Scham. Ich lass mich nicht mehr länger von Linken pathologisieren nur weil ich normal denke:

Für Erhalt der Familie, gegen Homoehe, patriotisch, gegen Genderwahn, gegen Euro, gegen die EU.

Warum soll ich mich deswegen schämen?

Wir muessen wieder politisch unkorrekt reden und uns nicht von der politischen Korrektheit Redeverbote auferlegen lassen.

Davon lebt der Kultur-Marxismus. Wenn wir keine Angst mehr haben in der Öffentlichkeit wieder Klartext zu reden dann ist der boese Zauber schnell vorbei.

Das System lebt von der Täuschung, der Luege und der politischen Korrektheit.

Durchbrechen wir den Wahn.
Meier Pirmin
02. Oktober 2016 22:55
@Nietzsche wurde in der Regel überschätzt und nur sehr zwischendurch unterschätzt. Albert Schweitzer und Eduard Engel haben ihn lange vor hundert Jahren in vielem angemessen kritisiert. Wichtig sind seine Aussagen über Homer und Goethe und Nietzsche hatte als Leser von Jung-Stillung und Stifter natürlich keinen schlechten literarischen Geschmack. Es lohnt sich zumal, Nietzsches Begriff des unvollständigen Nihilismus zu verstehen, wie ihn Heidegger interpretiert hat. Dass es hier einige irritiert, weil Houellebecq einen Preis angenommen hat, der meines Erachtens nach einem der schwächsten Intellektuellen der deutschen Geistesgeschichte benannt ist, gilt unbeschadet davon, dass ich bei www.portal-der-erinnerung.de einen Nachruf auf denselben geschrieben habe, bereits mit der Andeutung des oben Gesagten. Ich glaube nicht, dass ich über das Zitierte hinaus Houellebecq in den nächsten paar Jahren lesen kann, muss mich noch stärker mit der historisch-kritischen Ausgabe von Novalis befassen. Und was heisst schon schämen und nicht schämen? Dass sich vor 70 Jahren einer für Deutschland grundsätzlich nicht geschämt hat, wiewohl er sich für sein eigenes Leben und seine eigene Karriere auch betr. Reichstagsbrand und 30. Juni sehr wohl hätte schämen dürfen oder gar müssen, war angesichts des Todes und eines fragwürdigen Gerichtes ein tapferes Nichtschämen, auch wie er rief "Göbbelspropaganda!", als in einem Film Leichenhaufen vorgeführt wurden, ja, Göbbels hat solche Propgaganda als Beispiel für die Nachwelt gemacht, ich glaube im Zusammenhang mit Katin, wobei auch dort zu unterscheiden ist vom Geschehen selber und mit der Propgaganda, die man damit machte. Ein vergleichbares, aber doch noch stärkeres Nichtschämen haben dann später Heidegger und Jünger hingelegt, wiewohl man selbst diese beiden nicht gerade überschätzen sollte, auch wenn sie als Publizisten mutmasslich bedeutender waren als Houellebecq. Wichtig ist natürlich, dass Houellebecq noch lebt, noch relativ jung ist innerhalb einer oft mittelmässigen Szene und eine in vielem beindruckende Verweigerungshaltung an den Tag legt.
Der_Jürgen
02. Oktober 2016 23:37
Von den vielen inhaltsreichen Kommentaren, die dieser gute Artikel von Caroline Sommerfeld nach sich zog, scheinen mir die von

@Direkte Aktion
und
@JeanJean

die treffendsten. Dankbar bin ich auch
@e.

für den Hinweis auf den Vortrag des (mir bisher unbekannten) Schriftstellers Jörg Bernig, den man nur empfehlen kann, weil er sehr viel Wahres enthält und manche der linken Götzenbilder, um es mit Nietzsche zu sagen, "mit dem Hammer abklopft" und als hohl entlarvt. Manche - aber eben nicht alle. Auch Bernig wagt es nämlich nicht, die Wurzeln der Immigrationskatastrophe mit letzter Konsequenz zu analysieren.

Auf der einen Seite, schreibt er, stünden "die Verdunkler und Verheimlicher, die Unterminierer von Aufklärung und offener Gesellschaft, auf der anderen "die Verteidiger der aufgeklärten Vernunft (...), der offenen Gesellschaft, der Gleichwertigkeit der Religionen und Geschlechter". Unter den Muslimen, meint Bernig, gebe es "nicht wenige, die unsere Art zu leben, unsere offene Gesellschaft (...) verachten".

Hier liegt der Hase im Pfeffer! Wie die allermeisten Liberal-Konservativen oder gemässigten Konservativen ist auch Bernig offensichtlich nicht in der Lage, oder nicht gewillt, zu begreifen, dass die Kolonisierung Europas durch islamische Siedler erst durch von ihm gepriesene "offene Gesellschaft", die von der "Gleichwertigkeit der Religionen" ausgeht, möglich wurde.

Eine offene Gesellschaft, die sich weigert, der eigenen Religion, Kultur und Tradition den Vorzug vor anderen, fremden zu geben, vollzieht hierdurch einen Akt der Kapitulation. Die grössten kulturellen Blütezeiten Europas ereigneten sich durchaus nicht in "offenen Gesellschaften". Für die alten Athener waren Nichtgriechen "Barbaren". Die Hochkulturen des Mittelalters luden die Muslime nicht nach Europa ein, sondern bekämpften sie mit dem Schwert und schlugen sie vor Wien und bei Lepanto aufs Haupt.

Sie anerkannten den Islam nicht als "gleichwertig", sondern betrachteten ihn als existentielle Bedrohung. Sie betrieben, um einen Buchtitel von Martin Lichtmesz zu zitieren, die "Verteidigung des Eigenen".

Viele Muslime, klagt Bernig, verachteten "unsere Art zu leben, unsere offene Gesellschaft". Man kann diesen "vielen Muslimen" gar nicht unrecht geben, wenn sie die heutige Lebensart der Europäer, ihr Gender Mainstreaming, ihre Unmoral, ihre Schwulenparaden und ihre Abtreibungskultur verachten. Für den Liberalen, den Liberalkonservativen, den koscheren Konservativen ("Cuckservative", sagen die Amis) sind diese Zerfallserscheinungen Ausdrucksformen der "offenen Gesellschaft", die es gegen die "unaufgeklärten" Muselmanen zu verteidigen gilt.

Wer den islamischen Fanatismus mit der offenen Gesellschaft, dem Grundgesetz (Michael Stürzenberger) bekämpfen will, hat schon verloren. Entweder findet Europa zu seinen traditionellen Werten zurück, oder es geht unter. Dass diese Rückkehr zu den traditionellen Werten die Zerstörung des heutigen politischen Systems sowie die gründliche Dekonstruktion seiner ideologischen Grundlagen bedingt, liegt auf der Hand.

Auch wenn persönliche Anekdoten eher Sache meiner gelehrten Landsmanns Pirmin Meier als meine sind, will ich doch eine anführen, weil sie hierher passt. Anno 1999, als sich die heraufziehende Katastrophe bereits deutlich am Horizont abzeichnete, diskutierte ich mit einer aufgeweckten Gymnasiastin über Lessings "Nathan", den diese gerade in der Schule durchnahm, und bezeichnete ihn als zwar literarisch ausgezeichnetes, aber ideengeschichtlich verhängnisvolles Stück. Der Werterelativismus, die Vorstellung von der Gleichwertigkeit der Religionen, die Lessing propagiert, erwiesen sich als geistiger Sprengsatz, der die Fundamente Europas zu zerstören droht.
Gustav Grambauer
03. Oktober 2016 00:53
"Sie sind frei" heißt, daß die Riesen-Aufgabe des Exorzismus der marxistischen Ideologie, die sich in die intimsten Winkel der Seele eingefressen hat, jetzt vor ihnen liegt.

Wenn wir schon die Scham-Diskussion an die Reflexion der Rede knüpfen (was Monika zu recht beklagt):

Die Sache ist gaaanz, gaaanz simpel. Leute, denen steht das Wasser bis zum Hals, H. sagt es doch, es ist das in die Enge getriebene Tier. Jetzt überlegen sie sich, wie sie den Rheuma-Arzt Dr. XY noch davon abhalten können, die AfD zu wählen. Und da besinnt sich die Ganovenbande auf dessen tiefsitzende Aversion gegen ihre eigene 68er-Hemmungslosigkeit und fängt an, diese in ihrem Sinne zu instrumentalisieren, sie knüpft sie an die von ihr selbst aufgestellten Tabus. Eine ganz billige Masche und zugleich eines der allerletzten Register, das sie überhaupt noch ziehen können. Ich amüsier` mich einfach nur köstlich, wenn die Jellinek nach dieser Schablone kalkuliert aufjault, es zeugt von letzter Hilflosigkeit (und ich wette, daß die unter ihresgleichen hinter geschlossenen Türen so vom Leder zieht, daß Dr. XY vor Scham in den Boden versinken würde). Noch mehr amüsiere ich mich über das echte, getroffene Aufjaulen der Zielgruppeder Farce, der Spießer, der Drs. XY beim Einsturz ihrer verheuchelten Etepetete-Diskurs-Welt. Und so richtig bitterböser Spaß kommt bei mir auf, wenn ich mitbekomme, wie schwer die in diesen Tagen zu tun haben, z. B. einen Peter Tauber als CDU-Gensek zu verdauen!!!

Winston

"... reichen mir als Erklärung nicht ..."

Sie gehen davon aus, daß alle wie unbeschriebene Blätter auf diese Erde kommen und hier erst geprägt werden. Ich teile dieses letztlich marxistische Denken in Kategorien von "Sozialisierung" nur zu einem sehr geringen Grad. Nein, es gibt böse Seelen, Minus-Seelen, die von verlorenen Weltkriegen magnetisch angezogen werden und sich dann hier gern tummeln.

- G. G.
Gustav Grambauer
03. Oktober 2016 01:20
Nachtrag

"Und so richtig bitterböser Spaß..."

Das nenne ich nietzscheanische Fröhlichkeit, und ich verstehe gar nicht, was H. dagegen haben kann.

- G. G.
Simplicius
03. Oktober 2016 01:43
@ Caroline. - Die Hoffnung zu behalten, fällt schwer. Die „politisch-mediale Klasse“ hat Staat und Gesellschaft von oben bis unten durchdrungen und hat alle Macht. Sie haben die Massenmedien; das sind Großkaliber-Waffen für die psychologische Kriegsführung.

Uns rechten Systemkritikern lässt man vor der Öffentlichkeit keinerlei Verständnis oder Gerechtigkeit widerfahren. Wir werden nur wie dumme und/oder gefährliche Untermenschen dargestellt und behandelt. Was wir als die Ohnmächtigen zu erwarten haben, ist Hass, Hohn und Spott. Betrachten Sie das bitte nicht als Wehleidigkeit, sondern als Lagebeschreibung.

Habe heute zufällig in einem Öffentlich-Rechtlichen Radio-Interview gehört und gelernt, dass wir Rechten in einer „Filterblase“ leben. In einem „Parallel-Deutschland“. Und da bin ich dann wieder bei den vorgegebenen Rollen „Psychiater“ (die herrschenden Linken) und „Patient“ (die Deutschen, die Deutsche oder wenigstens abendländische Europäer bleiben wollen).

Im Radio-Interview: Ein Undercover-„Journalist(?)“ war auf facebook mit dem Pseudonym „Melanie“ unterwegs und hat innerhalb kurzer Zeit unter Rechten viele „Freundschaften“ geschlossen. Seine vernichtenden Ergebnisse hat er mitgeteilt.

„Inwieweit muss man diese Leute denn ernst nehmen?“ fragte schnoddrig die Radio-Sprecherin. „Wird da auch mal diskutiert?“ Nein, natürlich nicht: „In diesem Parallel-Deutschland glaubt man nur, was einem gerade ins Weltbild passt.“ Den Rechten bzw. den AfD-Sympathisanten wird eine selbstverständlich völlig unbegründete, „irrsinnige Angst vor allem Fremden“ unterstellt.

Null Verständnis dafür, dass Viele, insbesondere AfD-Wähler, kein Vertrauen in Merkel und Konsorten haben, wenn es um die Vertretung deutscher Zukunfts-Interessen geht.

So bin ich dann aber doch einer Eingebung gefolgt
und habe noch rumgegoogelt,
und da musste ich feststellen,
dass diese obige „facebook“-Geschichte im Internet bereits wohl ein alter Hut ist: „7 Tage undercover auf dunkelfacebook“.

http://www.lavievagabonde.de/2016/03/13/7-tage-undercover-auf-dunkelfacebook/

Diese Geschichte und darunter die dortigen 88 (!) Kommentar-Einträge geben schon zu denken. Bin ich vielleicht genauso billig und verblendet in meiner Argumentation und Sichtweise? Bloß halt von der anderen Seite her?

Ein Jonathan Seyfried kommentiert dort (Nr.6) bezüglich der AfD-Wähler:

„Glaube das Grundproblem ist dass wir die Dummen nicht mitgenommen haben. Davon gibt es in jeder Gesellschaft 20-30 % (je nach Definition von Dummheit, sh. auch Gaussche Intelligenzkurve). Die Dummen nicht mitzunehmen ist aber eine Spezialdiszipin des globalisierten und in gewisser Weise mit dem Rücken zur Wand stehenden Kapitalismus. Die einzige Lösung liegt auf der Hand: nicht nachlassen im Kampf gegen dieses kannibalistische System.“


Oder ist das auch gefaked?
Paul
03. Oktober 2016 02:00
Ich will kein Fatalist sein. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob sich nicht alles unwillkürlich seiner unabwendbaren Vollendung zuwendet. Alles kommt, wie es kommen muss. Das ist der Untergang des Abendlandes. Lassen sie ihn uns einen würdigen preussischen Rahmen geben. Da braucht es doch keinen Franzosen.
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 03:40
@Frank Schirrmacher. Mit dem genannten mittelmässigen Intellektuellen, betr. den Preis, nach dessen Namen sich Houllebecq ehren liess, ist natürlich Frank Schirrmacher genannt, den ich auf www.portal-der-erinnerung.de wohl noch sehr höflich, wenn auch nicht unkritisch gewürdigt habe. Auch ist der Schriftsteller, den Friedrich Nietzsche als Autobiographen über fast alle schätzte, Johann Heinrich Jung-Stilling, notabene einer der bedeutendsten deutschen Spezialisten über Geister und auch ein erfolgreicher Augenarzt, der eine Schweizerreise machte als Therapeut, dabei Winterthur ("den Vorhof des Himmels") besuchte und Langenthal, es war zur Zeit Napoleons. Eine weitere Rätselfigur, einen "Nicht-Schämer" betreffend, ist der vor 70 Jahren durch Freitod der Strangulierung entgangene Hermann G. Es muss erlaubt sein zu sagen, dass seine Auftritte in Nürnberg dank Askese und Todesnähe die stärksten seines Lebens waren und er den dortigen Akteuren wohl geistig deutlich überlegen war. Natürlich hätte er die von der Gegenseite genau so unverfroren aufhängen lassen wie sie es mit seinen Kollegen getrieben haben. So machen es nun mal diejenigen, die sich nicht schämen.
Heinrich Brück
03. Oktober 2016 04:30
Die Kultur basiert auf der Moral eines Volkes, die Politik auf der Lüge. Politik ist niemals moralisch. Außerdem sind die beiden streng getrennt zu betrachten. In der Ausführung können die Fehler der Politik als moralisch negativ hingestellt werden, was aber ein Niederlagenbewußtsein nach 1945 voraussetzt. Und nicht so sehr die Scham der Niederlage ist die Ursache, sondern der Verlust der Macht. Die Demokratie kann niemandem wehtun. Glauben die Linken wirklich, es wäre ihre Demokratie?
Von welcher Kultur spricht Jörg Bernig? Die Aufklärung hat Beschreibungen und Naturvorstellungen des Menschen im Angebot. Aus welcher Perspektive die Aufklärung als Hemmnis in der Verteidigung des Eigenen auftritt, zeigen Parolen wie "Deutschland verrecke!". Eine grandiose Aufklärungsarbeit, nur halt im Dienste der Politik, und weniger der Kultur.
Die Aufklärung ist erst dort gegeben, wo sie ihre biologischen Beweise nicht vernichten kann. Der Gleichwertigkeitsgedanke überzeugt keineswegs in der Rechtfertigung des Fortschritts, zumal die Natur ihre festgeschriebenen Gesetze entfaltet und die Praxis jede Theorie massakriert. In diesem Zusammenhang stellen die Linken gerade ihre Machtlosigkeit fest. Als Schamgefühl dieser Demütigung wird weiterhin mit Unterstellungen gearbeitet. Die religiöse Einsicht wäre eine Option, aber die vielgepriesene Aufklärung scheint nicht gegeben zu sein?
Wozu sollte ein Bismarck einen Nietzsche brauchen? Die beiden treffen sich nie.
Andreas Walter
03. Oktober 2016 05:28
Seltsam. In englisch findet man recht viel auf Google über Manipulation mittels induzierter Scham- und Schuldgefühle (das Ziel ist Verunsicherung und Diminution des Selbstwertgefühls, der Selbstsicherheit und des Selbstbewusstseins zum Zweck der Unterwerfung und Unterdrückung, Kontrolle).

Bei Frau Jelinek ist mir der Ursprung solchen Verhaltens klar, bei der Frau Charim noch nicht, liegt aber immer in der Kindheit und/oder Jugend und macht sich gegen Mitte des Lebens immer stärker bemerkbar.
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 06:59
_derjürgen. Wir begegnen uns immer wieder durch verwandte Themen. Es geht um die Lessing-Kritik, die zwar meines Erachtens behutsam formuliert werden sollte.

Ich habe in meiner längst vergriffenen Studie "Fundamentalismus - Eine neue Bedrohung?", erschienen 1989 im vom Dr. Robert Vögeli einst geführten Zürcher "Institut für politolologische Zeitfragen" darauf verwiesen, dass die Ideologie von "Nathan dem Weisen" nun mal nur von Gleichgesinnten geteilt würde und letztlich Religiösen keinen Eindruck mache, insofern handle es sich um einen überschätzten Vorschlag. Natürlich ist die Lehre Lessings so etwas wie eine zivile Alternativreligion, nicht weit von Rousseaus Zivilreligion, mit dem Unterschied, dass Rousseau für die Zivilreligion keine Toleranz beansprucht, ihre Anerkennung ist schlicht Bedingung der bürgerlichen Mitwirkung. Der Satz "Keine Toleranz den Intoleranten" bleibt freilich eine spezielle westliche Lehre. Es ist die Ideologie eines Hundes, der sich in den Schwanz beisst.

Unter den Dramen, die Humanität verkündigen, würde ich Goethes "Iphigenie" den Vorzug geben. Kommt dazu, dass die Ringparabel, über die Lessing berühmt wurde, eigentlich ein Plagiat von Boccaccio ist, der die Geschichte aber ideologisch weniger aufgeladen hat. Lessing sollte als Humanitarier auch deswegen tiefer gehängt werden, als er in seinem frühen Stück über den Berner Revolutionär Henzi aus dem Schweizer Frühdemokraten Micheli du Crest einen südländischen perfiden Messerstecher-Verschwörer gemacht hat, das Beispiel eines aus seiner Sicht falschen Revolutionärs. Es bleibt aber dabei, dass Micheli du Crest der Erwecker Rousseaus war, und zwar ohne totalitäre Züge, noch dazu ein genialer Thermometerbauer und der am längsten eingesperrte politische Gefangene der Schweiz, 19 Jahre Einzelhaft auf der Aarburg, von wo aus er die Alpen vermass. Ein Mandela ohne Happy End und auch ohne die mehr als fragwürdige Winnie Mandela, überdies noch ein bedeutender Denker. Dass Lessing ihn schlecht gemacht hat, allerdings aufgrund bloss von Informationen der damaligen "Lügenpresse", nehme ich als Biograph von Micheli du Crest dem Verfasser der Hamburgischen Dramaturgie ein für allemal übel. Mein bestgeschätzte Stück von Lessing bleibt "Emila Galotti", Goethe sah es ähnlich und er verstand wohl mehr von Theater, wiewohl er zum Beispiel Kleist verkannt hat.
Lutz Meyer
03. Oktober 2016 07:08
@Caroline:

Ja, wäre schön. Aber das - ob intendiert oder nicht - Anzügliche kann man auch als das Bezügliche sehen - man sollte stets im Hinterkopf behalten, daß es nicht die an sich ja recht dröge linke Theorie war, sondern die dezidierte Schamlosigkeit des Sex and Drugs and Rock 'n'Roll, von dem seit Mitte der 60er (und anhaltend bis heute) die magische Anziehung vor allem auf die jüngere Generation ausging. Die linke Theorie war die Konterbande darin.
Paul Benares
03. Oktober 2016 08:07
Linke schämen sich, Rechte ekeln sich. Progressive ebnen neue Wege, Konservative laufen ihnen wie brave Hündchen hinterher, freilich mit einer Verspätung von ein paar Jahrzehnten. Da sind die Rechten schamlos. Allein würden sie sich nie vorwagen. Zu groß sind Angst und Übelkeit und Neurasthenie und Ressentiment.
Valjean72
03. Oktober 2016 09:04
Auf NZZ.ch ist Houellebecqs Rede abgedruckt. Für mich mit Abstand am bemerkenswertesten ist folgende aus Tocquevilles «Über die Demokratie in Amerika» (Erscheinungsjahr: 1840) entnommene Passage:

Ich will mir vorstellen, unter welchen neuen Merkmalen der Despotismus in der Welt auftreten könnte: Ich erblicke eine Menge einander ähnlicher und gleichgestellter Menschen, die sich rastlos im Kreise drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu verschaffen, die ihr Gemüt ausfüllen.

Jeder steht in seiner Vereinzelung dem Schicksal aller andern fremd gegenüber: Seine Kinder und seine persönlichen Freunde verkörpern für ihn das ganze Menschengeschlecht; was die übrigen Mitbürger angeht, so steht er neben ihnen, aber er sieht sie nicht; er berührt sie, und er fühlt sie nicht; er ist nur in sich und für sich allein vorhanden, und bleibt ihm noch eine Familie, so kann man zumindest sagen, dass er kein Vaterland mehr hat.

Über diesen erhebt sich eine gewaltige, bevormundende Macht, die allein dafür sorgt, ihre Genüsse zu sichern und ihr Schicksal zu überwachen. Sie ist unumschränkt, ins Einzelne gehend, regelmässig, vorsorglich und mild. Sie wäre der väterlichen Gewalt gleich, wenn sie wie diese das Ziel verfolgte, die Menschen auf das reife Alter vorzubereiten; stattdessen aber sucht sie bloss, sie unwiderruflich im Zustand der Kindheit festzuhalten; es ist ihr recht, dass die Bürger sich vergnügen, vorausgesetzt, dass sie nichts anderes im Sinne haben, als sich zu belustigen.


Allerdings hat mich die Rede auch irritiert.

Houellebecq führt zunächst die Eigenbeschreibung Maurice Dantecs als „gläubigen und zionistischen Kämpfer“ an, um anschließend folgendes Zitat von ihm anzubringen:

„Einzig eine spirituelle Macht wie das Christentum oder das Judentum wäre seiner Meinung nach imstande mit einer anderen spirituellen Macht wie dem Islam zu kämpfen.“

Und an eben dieser Stelle schlagen bei mir meine ganz persönlichen Alarmglocken an.
Waldgänger aus Schwaben
03. Oktober 2016 09:53
Aus dem Artikel:
Sie könnte uns auch eine Steigerung der europäischen Geburtenraten bescheren.

Vor wohl mehr als vierzig Jahrne las ich in einer katholischen Zeitschrift einen Satz, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist:

"Wenn die Deutschen keine Kinder mehr bekommen, werden fremde Völker die Wiegen füllen."


Das war natürlich damals auch schon eine nicht gerade neue Erkenntnis. Interessant ist die Betrachtung dieses Satzes im Lichte der Gegenwart. Kein katholischer Bischof in Deutschland würde heute so predigen oder es einem seiner Pfarrer erlauben. Er würde wohl auch geschmäht und verlacht.

Ein Houellebecq aber erfeut sich heute unter anderem mit derselben Aussage gewaltiger medialer Aufmerksamkeit.

Warum hört man ihm zu, hörte der Kirche aber vor Jahrzehnten nicht zu?
Liegt an der Person Houellebecqs, an der Kirche, am Lauf der Zeit?
Monika
03. Oktober 2016 09:58
Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht;
denn es ist eine Kraft Gottes,
die da selig macht alle, die daran glauben.

1Röm 18

Hier ist die Verbindung von Kraft und 'sich nicht schämen'.

Dynamis als Kraft, eine Veränderung herbeizuführen, meint etwas anderes als thymos ( Lebenskraft).
https://www.heise.de/tp/artikel/47/47649/2.html

Was da wie zusammenhängt, darüber kann man philosophieren.
Schamlosigkeit jedenfalls führt nicht zu mehr Kindern.

Wenn der Islam eine religiöse Macht ist - was sind dann wir ?

Houellebecq

@Valjean 72

Die ganz persönlichen Alarmglocken sind beim "Drama der Umvolkung " völlig bedeutungslos !
Der "Djihadist fürchtet nicht den Zorn des Mannes in Bermudashorts" (Philippe Muray) .
'Bermudashorts ' kann auch durch 'Trachtenjanker' ersetzt werden.
ene
03. Oktober 2016 10:05
Uns rechten Systemkritikern lässt man vor der Öffentlichkeit keinerlei Verständnis oder Gerechtigkeit widerfahren. Wir werden nur wie dumme und/oder gefährliche Untermenschen dargestellt und behandelt.

Simplicius,
in einem privaten Kreis erlebte ich es kürzlich so: kein "Hohn und Spott" sondern Kopfschütteln und Besorgnis: wie kann es nur sein, daß so viele Menschen bei uns so unaufgeklärt sind-??
Aber ich gebe zu bedenken: die Unterschätzung, das Nichternstnehmen, das Noch nicht einmal Kennenlernenwollen der "anderen" Position ist mitnichten ein Ausdruck der Stärke! - Es ist unklug, um das Mindeste zu sagen. -
Wer sein ganzes Leben lang immer auf der richtigen Seite war, immer erfolgreich warüber eien lange periode hinweg, wie die jetzt tonangebende Schicht - wird zwangsläufig dumm. (Stärke macht dumm - darüber hat Nietzsche Bedenkenswertes geschrieben, beiläufig gesagt)
Winston Smith 78699
03. Oktober 2016 10:43
@ Gustav Grambauer @ Simplicius

- Die Fundsachen von Simplicius kommen mir wie der erste Treffer in der Suchmaschine, als ich auf meiner Suche nach dem verborgenen Faktor "Thomas Goodrich" in die Suchmaschine eingab. Dort scheint mir allerlei pflichtgemäße Schelte abgespult zu werden, um sich gegenseitig den Literaturtip rüberzuschieben.

- Kann man junge deutsche Progris (etwa Antifanten) mit denen aus anderen Ländern überhaupt in einen Topf werfen (wozu M.H.'s vielleicht zurecht anleitet), oder liegt der Fall da nicht im Kern völlig anders?

- Daher gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es einen leichteren Weg für Überläufer gibt, als man denen einredet. In jenem bekannten Film von den Thermopylen gibt die Frau dem Mann mit, er solle gefälligst mit Schild heimkehren oder gar nicht. Meinetwegen auf dem Schild, aber nicht als Gefangener oder Geflohener. Wie wäre es, wenn insgeheim die deutschen Weiber und Kinder - vor allem die Kinder - den Vätern nicht, wie öffentlich befohlen, die Übeltaten vorwürfen, sondern vielmehr das Überleben der Niederlage? (Dies übrigens nicht seit '18 - das war ein Fehler, weil keine Niederlage in diesem Sinne.) Natürlich ist das unaussprechlich, weswegen sich die Schmach in den Vorwurf der Schuld kleidete. Die deutschen Progris drängen oder pochen damit insgeheim noch immer auf den Gehorsam, auf den Führerbefehl, weswegen sie ja derartig fixiert auf die "schlechte Zeit" sind. Siege oder Stirb. Dieser tabuisierte Imperativ kommt für sie nicht von außen, sondern aus der eigenen ethnischen Familie.

- Denkt man die Sache mit diesem Todesurteil weiter, erklärt sich mir jener rätselhafte Film "Rosa und Lin" (1972) von Klaus Emmerich etwas besser. Dort verbergen sich Kälte und Lieblosigkeit in der Erziehung in Modernität, pädagogischer Progressivität, Perfektion (er ist gewissermaßen Teil 2 von "Das weiße Band"). Die gräßlichen Folgen sind dann aber ein spezifisch deutsches Phänomen, weil noch immer jener alte Befehl im Raum steht und sich ein Werkzeug sucht.

Das Gegenstück zur designbewußten Modernität der Eltern in jenem Film, nämlich den französischen Spät-Futurismus, fand ich schon immer ulkig (kennt jemand das "Futuroscope" in Poitiers?), aber wie Jaques Tati vorführt, bleibt dort die wahnhafte Progressivität zuletzt an einer riesigen Oberfläche und okkupiert nicht das intime Seelenleben. Deswegen sind sind all ihre Spielarten, von LeCorbusier über Boulez bis Piaget, Lacan, Barthes, beginnend vielleicht schon bei DeSaussure, harmloser als deren Adaptionen oder Gegenstücke in Deutschland. Ich stelle mir hypermoderne Franzosen in Pierre Cardin vor, die sich beim Familientreffen auf dem Land nahtlos in gallische Bauern zurückverwandeln, gar keinen Widerspruch darin sehen.

(@ Grambauer: hatten wir nicht mal den Jugendstil als Thema? Die Franzosen erfinden es als Asiamode wegen Hokusai, die Deutschen machen es zur Symbol ihrer Reformhygienik und wieder andere dann erst zur Bildsprache der frühen Eugenikbewegung.)

Als ob Franzosen umso überzeugender und begeisterter mit Moden - auch der Technik, der Modernität, bis in ihre verrückten Denkschulen und die hibbeligen Pariser Unruhen hinein - spielen konnten, indem sie darin nie radikal wurden, während die Deutschen durch das Fallbeil über ihnen, als untimative Krieger, Verlierern und Täter, grundsätzlich zum Fundamentalismus gezwungen sind und zugleich zum Herunterspielen desselben.

Mehrfach schon - das gerät ins kollektive Gedächtnis - haben die Deutschen auch körperlich ihr autonomes Menschsein aufgeben müssen und verschmolzen mit einer kollektivistisch-technischen Maschine - Sinnbild dafür sind mir das Verbot des Frakturdrucks und die Kaliummasken im Uboot, die Panzerschokolade, die einkalkulierte Bewußtlosigkeit des Stukapiloten, die Margarine, der NVA-Helm und manches mehr. Was als das Schicksal ihrer Zwangsarbeiter gezeigt wird, haben sie in Teilen selbst erlebt und mußten es verdrängen. Vielleicht konnte die großangelegte Aufarbeitung der Shoa erst einsetzen, als in den 70ern nicht "Abstand" genug da war, sondern demographischer Wandel, weil die persönliche Erfahrung der Zeitzeugen, am eigenen Leib, schlichtweg nicht von neuen Bildern zu überwinden war. Diesen totalen Krieg kennen die Franzosen nicht, kennen auch die Italiener nicht. Nicht einmal die Demütigung der Italiener (Malaparte, Haut) durch die Sieger ist doch vergleichbar mit dem, was sich in das kollektive Gedächntnis der Deutschen eingebrannt hat, und weitergegeben wird, ohne dass es überhaupt benannt werden braucht. (Siehe viele Heavy-Metal-Schallplattenhüllen, siehe die deutsche Rezeption von Giger und Helnwein.)

Deswegen meine These: M.H.'s Rede schön und gut und vielleicht richtig, aber ist nicht das ganze Spiel, der Gegner, für die Deutschen noch etwas anderes als dieser weltweite Progressivismus?
Ein Fremder aus Elea
03. Oktober 2016 11:09
Houellebecq hat doch nichts weiter gesagt, als daß unsere Gesellschaft atomisiert ist, und daß eine atomisierte Gesellschaft Schwierigkeiten hat, starke Verbindungen zu bilden.
Sebastian-Maximilian
03. Oktober 2016 11:12
@ Valjean

Auf jeden Fall brauchen wir einen Glauben an ein Leben nach dem Tode.

Wenn jeder denkt er hat nur sein jetziges Leben wird er feige sein um sein kümmerliches Leben zu retten.

Wir brauchen einen Glauben. Alleine schon um den sittlichen und moralischen Verfall zu stoppen.

Es muss eine echte Religion sein. Eine Kampfreligion. Kein halte die andere Backe hin wie dieses degenerierte Pseudochristentum. Eine Religion die es zur obersten Pflicht macht unsere Frauen und Kinder zu schützen und grausame und rücksichtslose Vergeltung an denen zu nehmen die sich an unsere Zukunft vergreifen.

Wo Feigheit als todeswürdige Schande gilt.
Unke
03. Oktober 2016 11:16
@Simplicius
Bin ich vielleicht genauso billig und verblendet in meiner Argumentation und Sichtweise?

Na und? Dann gehöre ich eben zu den "20% Dummen im Lande".
Ich weiß, das mein Kompass intakt ist. Da brauche ich nicht die Bestätigung eines oder der Linken.
Karl K
03. Oktober 2016 11:16
Ob denn nun H. und seine beiden Freunde den französischen Intellektuellen und Schriftstellern tatsächlich jene Freiräume erschuf, die er so eindrucksvoll in seiner Berliner Rede offerierte, muss ich für Deutschland bezweifeln.

Die Meute derer, den er ihre im Stammhirn verankerte Verdächtigkeiten ausräumen müsste, dass der freimütiger Schreibende also kein „Nazi, Rassist, islamophober, völkischer, Antisemit, Rassist, Ausländerfeind, Dumpfer, Ewiggestriger, Beifall von der falschen Seite erheischender“ usw. sei ist gewaltig – und ihre Bühne in den Massenmedien und den TV-Anstalten mächtig, so dass wir m.E. noch eine Zeit lang damit leben müssen, dass das „sapere aude“ ebenso missbräuchlich gegen jene gerichtet wird, wie die physischen Waffen gegen die Ungläubigen.
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 11:21
_derjürgen. Nachtrag zu Lessing, als dessen bestgeschätztes Stück Goethe "Emilia Galotti" beurteilte. Bei allen Einschränkungen von Lessing betreffend seine Funktion als Ideologen der westlichen Moderne bleibt es dabei, dass er jenseits von Schirrmacher und weit über Houellebecq hinaus zumal ein überragender Prosaschriftsteller war und darüber hinaus ein unvergleichlicher Publizist als Meister des Wortgefechts. Nichts hasste er mehr als Mainstream-Meinungen, etwa Aussagen, "die niemand wird leugnen können". In dieser Hinsicht äusserte er sich zum Beispiel im Goetze-Streit betreffend protestantische Orthodoxie und im Streit um Gottsched als Dogmatiker des Theaters.



"Siebzehnter Brief, den 16. Februar 1759

'Niemand', sagen die Verfasser der Bibliothek, 'wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen grossen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe.'

Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu."


Ja, solche "Niemand" wie Lessing sollte es mehr geben. Zu seinen stärksten Texten gehören über Briefe und theoretische Schriften hinaus die Fabeln, die jetzt noch zum Besten gehören, was in der Schule gelehrt werden könnte.


@Valjean72. Ich begreife Ihre Aversion gegen Christlich-Jüdisch contra Islam. Bei Lessing war es noch fast eher Jüdisch-Muslimisch contra Christentum. Der Ausdruck, es handle sich beim Islam um eine "spirituelle Macht" ist irgendwie daneben, kaum als Teilwahrheit geniessbar. Man sollte auch den angeblich christlich-rämischen Sieg bei der Milvischen Brücke vom 28. Oktober 312 durch Kaiser Konstantin mit dem angeblichen Zeichen, durch das er siegen werde, nicht mit der "spirituellen Macht des Christentums" verwechseln, es war ohnehin das Zeichen de Sol invictus, des Sonnengottes, möglicherweise sogar das Zeichen des Mithras. Noch weniger bestand die sogenannte Macht des Judentums je hauptsächlich aus der jüdischen Spiritualität. Im Begriff der christlich-jüdischen Wertgemeinschaft war und bleibt wohl viel Heuchelei mitenthalten. Ich schreibe dies nicht nur deswegen, weil traditionelle Antijudaisten sich ungern zu dieser Wertgemeinschaft bekennen, überzeugte gläubige Juden wohl schon gar nicht. Das Modewort "Spiritualität" müsste wohl von einer anderen Basis neu errungen und mit Sinn gefüllt werden. Ich nannte gelegentlich Meister Eckhart.


Noch interessant ist, dass es mal eine Zeit gab, da sogenannt christlich-islamische Gemeinsamkeiten gegen das Jüdische oder gegen das Zionistische in den Vordergrund gerückt wurden. Zu dieser Auffassung neigte der Schweizer Konvertit zum Islam, Achmed Huber, der in Ägypten zur Zeit Nassers noch den deutschnationalsozialistischen Antichristen Leers kennengelernt hatte, nach dem 2. Weltkrieg zum Selbstschutz zum Islam konvertiert. Leers hatte noch in den Dreissigerjahren zum Teil pseudonym äusserst polemische Schriften gegen das Christentum und speziell auch gegen den Katholizismus geschrieben. Ein Beispiel, dass die Bundesgenossenverhältnisse von Epoche zu Epoche wechseln konnten. Es gab dazu noch Phasen von jüdisch-islamischen Gemeinsamkeiten, die aber gegenwärtig keine Konjunktur haben. Dafür ist es üblich geworden, politisch-korrekte Einwanderungskritik aus muslimischen Ländern auch damit zu begründen, eine solche Einwanderung würde den Antisemitismus fördern. Hauptsache, man hat ein "Argument" gegen die Einwanderung, in diesem Fall müsste es ohnehin Antijudaismus heissen.
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 11:24
zweitletzter Abschnitt: den christlich-r ö m i s c h e n Sieg bei der Milvischen Brücke...
Arminius Arndt
03. Oktober 2016 12:02
ich glaube nicht, dass ich über das Zitierte hinaus Houellebecq in den nächsten paar Jahren lesen kann,


@ P.M.
und alle, die bisher noch nichts von M.H. gelesen haben:

Man muss natürlich nicht M.H.´s Werk komplett gelesen haben (schadet aber auch nicht), ich empfehle als schnellen und kompakten Einstieg für den eher intellektuellen Leser:

- "Gegen die Welt, gegen das Leben" - das Essay über H.P Lovecraft.
Damit weiß man schon einmal sehr viel - für mich ein (oder gar das?) Schlüsselwerk zum Verständnis aller Bücher von M.H.

danach
- "Ausweitung der Kampfzone" (kann auch durch den Film ersetzt werden)
und dann
- "Unterwerfung," der letzte, große Roman, da es hier auch um das Thema Islam geht.

(ist natürlich sehr schwer, so eine Auswahl für Schnelle zu treffen, da ich alle Romane von ihm mit Gewinn gelesen habe).

Ich würde M.H. übrigens niemals politisch als Rechten verorten. So wie Nietzsche sicher ebenfalls kein Rechter war.

Was M.H. meiner Meinung nach so bedeutend macht ist, dass er in der aussterbenden literarischen Welt noch nennenswerte Leser- und Auflagenzahlen erreicht (womit auch die Frage beantwortet sein dürfte, warum M.H. Preise erhält. An ihm kommt man nicht so ohne weiteres vorbei) - wohl auch Dank der Kunst der Provokation und der teilweise vorkommenden pornografischen Stellen, auf welche die genuin verklemmten Linken (die 68er sind verklemmt!) wohl besonders scharf sein dürften. Was dann eine Rezeption durch "Progressivisten" daraus macht, sieht man ziemlich gut an der Verfilmung des Romans "Elementarteilchen" ....

M.L.: Siehe auch hier:
https://phinau.de/jf-archiv/online-archiv/file.asp?Folder=06&File=200609022446.htm


Die Verfilmung von "Ausweitung der Kampfzone" ist dagegen recht werkgetreu (bis auf den Schluss) gelungen - Mein Filmtipp daher für alle, die nicht gleich ein ganzes Buch von M.H. lesen wollen.

Also, ad fontes, gibt wahrlich schlechtere zeitgenössische Literatur ... wenn man sich denn zeitgenössisches überhaupt antun will ;)
Westpreuße
03. Oktober 2016 12:59
@ Lutz Meyer

Sie beklagen "die dezidierte Schamlosigkeit des Sex...seit Mitte der 60er (und anhaltend bis heute)"...

Das mag wohl so sein! Aus Sicht jenseits von Oder und Neiße ist Deutschland das Bordell der Welt und BERLIN ist die schwärende Pestbeule darin, ein Geschwür der Lüste, Perversionen und (im besten Falle) der aus-gelebten Leidenschaften...
Leider (wie so häufig) habe ich auch zu diesem Thema zwei Meinungen.
Mir ist die soziale Funktion der Prostitution schon klar...

Deutschland, insbesondere BERLIN, ist der Dreh- und Angelpunkt des Sexgeschäftes im "Abendland":

Die richtig großen Bordelle befinden sich an den Landesgrenzen, immer nah an einem Flughafen/Regionalflughafen: Saarland, alles westlich/südwestlich bedienen; Nordrhein-Westfalen, westlich Belgien/ Niederlande/ Großbritannien bis in die USA bedienend, Schleswig-Holstein nördlich davon, Skandinavien bedienend; B-W und Bayern, die Schweiz und den äußersten Südosten bedienend usw.
BERLIN; arm, aber sexy, die Glitzerstadt, die nix auf die Reihe bekommt, sexuell -verkommen aber schon. Einschließlich aller sexuellen Perversitäten...alles geht...Berlin bedient den kompletten Osten bis nach Rußland...

Durch die gesetzliche Liberalisierung der Prostitution in D. im Jahre 2002 gilt Deutschland als immer einen Trip wert, sofern man es sich leisten kann: Saubere Bordelle, insgesamt gute Hygiene, amtsärztliche Kontrolle, allgemein ungefährich für Freier, Sicherheit in den Bordellen, Wellness-Angebote jeglicher Art, ein durchschaubares und angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis, das eingehalten wird; hübsche junge Frauen en masse...

Ich lese hier ja (und anderswo) manchmal die lobenden Worte, die Moral betreffend, insbesondere auch die der Polen...
Ach, Pustekuchen. Ich kann nur Polen und die baltischen Länder beurteilen: Polen ist ein Land extremer doppelbödiger Moral. Ja, die Kirchen sind immer noch voll. Ja, die Gesetze sind rigoros. Ja, die veröffentlichte Meinung ist stramm konservativ. Ja, die Familienbande werden hoch gehalten...
Unter dieser Oberfläche bürgerlicher und bäuerlicher sympathischer Bilder tobt das Leben. An einem Beispiel illustriert:

Die Galerianka - Mädchen, Shopping - Girls, die sich in den Malls und Kaufhaus - Galerien herumtreiben.
Der Film GALERIANKI von 2009, gedreht von einer Frau, brachte das Thema den Polen schmerzlich nahe. Junge Mädchen, die grüppchenweise in den riesigen Malls und Galerien (Kaufhäusern) scheinbar plaudernd und herumalbernd, also niedlich irgendwie, auf ihre Kunden warten. Es geht nicht um Geld, sondern Sex gegen Klamotten, neues Smartphone, Schmuck, was das Mädchenherz halt begehrt...Blickkontakt und Zunicken reicht, dann folgt man der Auserwählten, geht mit ihr shoppen, kurze Wege; der eigentliche Tausch Konsum gegen Ware Sex wird dann in der Tiefgarage im Auto abgewickelt...

Die Polen haben anonyme Umfragen gemacht. Ein Viertel der Jugendlichen haben angegeben, daß sie in ihrem Umfeld Mädchen kennen, die das betreiben, ab und zu oder häufiger. 40 % der Befragten haben aber angegeben, daß sie das...selten...auch schon mal ab und zu gemacht haben...Das schockte das offizielle Polen, die Menschen auch...
Es geht nicht um Armuts-Prostitution, sondern um Konsum - Prostitution.
Viele Mädchen aus gutsituierten Aufstiegs - Familien...

Galerianki (2009):
http://static.dvdmax.pl/grafika/produkty/allegro2/41513_0003.jpg

Ansonsten: Hübsche verheiratete junge Frauen, die ab und zu für 14 Tage nach BERLIN fahren, in einem Bordell arbeiten und so den Lebensunterhalt der Familie sichern. Die Familie weiß oder ahnt es...Hübsche junge Töchter, auch Studentinnen, die in den Ferien / Semesterferien für einige Zeit nach D. fahren, um anzuschaffen...Die Familie ahnt es, weiß es vielleicht; aber auf dem Lande und in den Städten ist das Leben in Polen doch noch häufig sehr grenzwertig. Es gibt echte Not. Da gibt es noch richtige Armut. Man akzeptiert und beschweigt es. Ist wahrscheinlich auch dankbar..

@ Herr Meyer, eine alte Sache also, eigentlich nichts Neues. Gab es ja immer. Aber: Deutschland vorneweg...Ich habe das oben nicht wertend geschrieben, folgte lediglich der Phänomenologie Edmund HUSSERLS, die an der Betrachtung der Phänomene zum "Kern der Sachen" vordringt:

Und welche politisch-ethischen Lehren müßten wir für D. ziehen? Das Land, an dessen Wesen heutzutage die ganze Welt genesen soll, ginge es nach den handelnden Protagonisten in BERLIN?!
P.S. Das Kindergeld ist, so las ich, in Deutschland um 2 (zwei) Euro pro Kind und Monat erhöht worden....Und dann wundern sich und sind diese Leute auch noch fürbaß erstaunt über das undankbare Volk...
: Grüße von der Weichsel
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 14:19
@Brück. Dass Politik auf Lügen beruhe und "niemals moralisch" sei, ist wohl Ausdruck von Ohnmacht und macht den Anschein, dass man selber nie in seinem Leben politisch handelnde Subjekt gewesen sei. Insofern wäre es gut, Sie hätten, was ich zwar vermute, trotz allem bescheidene politische Rechte inne im Sinne von Verfügungsmöglichkeiten, damit sie von Fall zu Fall vielleicht doch etwas moralischer oder vielleicht weniger moralisch handeln könnten. Stellen Sie sich nur vor, Sie gehörten dem Ausschuss zur Wahl einer Kochschulmeisterin an und Sie treffen dann wenigstens diese Wahl frei von Korruption, wirklich nach bestem Wissen und Gewissen, Sie hätten bereits für einmal moralisch gehandelt und dieses Handeln wäre dann hoffentlich nicht auf einer Lüge aufgebaut gewesen. Ihre pauschale Meinung, fürchte ich, trägt dazu bei, dass die Politik, die Sie als schlecht einschätzen, noch schlechter wird.
Urwinkel
03. Oktober 2016 15:01
@ Simplicius,

Das:

Ein Jonathan Seyfried kommentiert dort (Nr.6) bezüglich der AfD-Wähler:

„Glaube das Grundproblem ist dass wir die Dummen nicht mitgenommen haben. Davon gibt es in jeder Gesellschaft 20-30 % (je nach Definition von Dummheit, sh. auch Gaussche Intelligenzkurve). Die Dummen nicht mitzunehmen ist aber eine Spezialdiszipin des globalisierten und in gewisser Weise mit dem Rücken zur Wand stehenden Kapitalismus. Die einzige Lösung liegt auf der Hand: nicht nachlassen im Kampf gegen dieses kannibalistische System.“


klingt wie aus der übervollen Feder Winstons' rezitiert. Wo ihr euch so rumtreibt...? - bei Zuckerberg. Ernsthaft: Es ist erstens lächerlich Facebook-Kommentare ernst zu nehmen, zweitens rechnen die Zwielichter hinter dieser Plattform, daß man es tut. Drittens ist es eine launige Spekulation zum Feiertag meinerseits. Musik?

Die Streuner - Des Geyers schwarzer Haufen

YT-Link:

https://www.youtube.com/watch?v=0idOIGRrbHU
Keats
03. Oktober 2016 15:28
Houellebecq speist als einziger bekannter Autor noch wirklich relevante Themen in den Kulturbetrieb ein. Dort ist er mit Sicherheit ein Vordenker. Ein TV-Moderator meinte nach der Veröffentlichung von "Soumission", dank Houellebecq wüßten "wir" nun, daß "Islam" nicht nur "Frieden", sondern auch "Unterwerfung" bedeuten würde. So viel zum Thema "Filterblasen".

Die regressive Linke verteidigt trotzig ihre Lebenslügen, zieht sich in "Safe Spaces" zurück und reagiert mit kindischen Tobsuchtsanfällen auf jeden, der ihr Einhorn-affines Weltbild in Frage stellt. Sie kämpfen mit Gefühlen und Dogmen gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, die ihnen nicht passen. Sie sind den Herrschenden nützlich, deshalb werden sie gehegt und gepampert. Es wird keine Zukunft für sie geben. Sie ahnen, daß sie Geblendete sind. Und von ihnen wird bleiben: nichts. Der unterwürfige Kulturbetrieb produziert für die historische Müllhalde. Diese lebenden Toten als "Progressivisten" zu bezeichnen, ist nicht zynisch, sondern ganz und gar absurd.

Wir befinden uns in einer geschichtlich notwendigen Phase, die in eine Entschleierung und in eine neue, wirkliche Aufklärung führen wird. Es gibt keine Postmoderne, es gibt kein Zurück. Jede erhoffte Zukunft ist eine Utopie. Jeder, der daran glaubt, eine neue Gesellschaft ermöglichen zu können, die seinen Vorstellungen entspricht, ist ein Utopist. Fatalisten sollten sich von der Politik fernhalten.

Von Anfang an ist mir bei Houellebecq sein "vice signalling" aufgefallen. Mit seiner Inszenierung als völlig kaputter Typ hat er sich das Recht erworben, Skandalöses zu sagen. Verbreiteter ist die komplementäre Unterwerfungsgeste des "virtue signalling". "Ich kann kein Nazi sein, ...
... ich bin mit einer Afrikanerin verheiratet."
... ich bin ein glühender Anhänger Israels."
... ich habe einen Migrationshintergrund."
... ich kenne einen ganz großartigen türkischen Gemüsehändler."
"Virtue signalling" ist bei Rechten sehr weit verbreitet. Sie schämen sich ganz ganz doll ihrer eigenen Meinungen.
Solche Signalisierungen sind grundsätzlich ein starkes Anzeichen intellektueller Korruption. Sie mögen als notwendig empfunden werden, um sich in den Massenmedien zu halten, aber sie bedeuten vor allem eins: Bitte nehmt mich nicht so ernst.
Lutz Meyer
03. Oktober 2016 15:53
@ Westpreuße: Oh nein, ich beklage die Schamlosigkeit des Sex and Drugs and Rock 'n' Roll ganz gar nicht - sie ist geradezu beispielhaft dafür, wenn man zeigen will, wie leicht und mühelos ein Lebensstil, der auf das Lustprinzip und individuelle Freiheit setzt, politische Inhalte transportiert. DAS muss man erst einmal nachmachen!
Winston Smith 78699
03. Oktober 2016 16:38
@ Pirmin Meier

M. H.'s Großthemen, linker Progressismus und Transhumanität, zusammengeführt in einem wilden Essay über Gibson, Cronenberg, Pynchon, Baudrillard, Marx, Kant, Ikarus: https://socialecologies.wordpress.com/2016/02/20/our-vanishing-estate-exiting-nature-and-cunning-reason/

S.C. Hickman zitiert Reza Negarestani, welcher den Wahn mit der Aufklärung starten läßt, wie Mary Shelley also (ausgerechnet Ingolstadt, Deutschland) und insofern nicht gerade einfallsreich - Metropolis drängt sich auf. Wann aber war die Welt noch heil? Laut Shelley bei Paracelsus und Agrippa? Laut Wackenroder in einem Mittelalter vor Luther (also auch Morus, mit dem die ganze neuzeitliche Utoperei startet)? Pirmin Meier, helfen Sie! Ihr Artikel zu Kaltenbrunner hat mich verführt, die Romantik (über Herder, Hamann, aber auch Walpole) als direkte christliche Entgegnung auf den Rationalismus aufzufassen. Aber ist dieses Mittelalter-Renaissance-Gebilde nicht selbst eine bewußte, zweckdienliche Fiktion (so wie im Mittelalter bisweilen die Antike funktional konstruiert wurde)? Wenn Schlegel den Franz Sternbald von Tieck frech mit dem Don Quijote vergleicht, heißt dies doch, dass alle Beteiligten von der Konstruktion wissen. Überall nur noch Prismen und Spiegel, oder hab ich zuviel Eco intus? Hatte nicht jede Zeit ihre Transhumanisten und Progressisten? Tritt nicht der Umerziehungspsychologe Gregory Bateson selbst als Kritiker des Rationalismus und der Aufklärung auf? Gab es je eine Zeit vor dem Wahn?
Nero
03. Oktober 2016 19:10
@ Sebastian Maximilian

Es gibt auch Leute die sagen, dass man keine Religion bräuchte.
Dies würde die Menschen nur davon abhalten im Hier und Jetzt alles zu geben. Man würde alle Hoffnung auf ein Danach legen.

Christentum ist das Eine Katholizismus das Andere.
Ich hatte früher eine ähnliche Einstellung wie Sie, dann hatte ich folgendes Gespräch:

Ich: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen! Was für eine lähmende Religion... sie stellt sicher, dass der Sklave auch wirklich Sklave bleibt und nicht gegen Herrn aufbegehrt.

Katholik: Ja, stimmt. Deswegen sagen wir ja auch, dass man das Schwert erst gar nicht aus der Hand legen soll.

Ziemlich banal. Aber die Möglichkeit des Christentums zur Interpretation und damit zur Umdeutung, ist unser zukünftiges Potential.
Waldgänger
03. Oktober 2016 19:13
„Neuen Progressivismus“ nennt er präzis das, was im deutschen Sprachraum gerade erst als diese seltsame unheimliche Nachbarschaft zwischen der Linken und dem New-World-Order-Kapitalismus beobachtet wird.“


"Gerade erst (...) beobachtet wird"?
So neu ist diese Allianz nun allerdings nicht, denn sie war bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in Deutschland zu beobachten.
Simplicius
03. Oktober 2016 19:41
@ ene

Gerne gebe ich Ihnen recht, dass im privaten Umfeld Kopfschütteln oder gar Besorgnis unter linksgerichteten oder linksopportunistischen Bekannten gelegentlich herauszuhören ist, vor allem anlässlich der Wahlerfolge der AfD oder vorher schon ob der erfolgreichen, mutigen Pegida-Demonstrationen, die der Auftakt zur „Tendenzwende“ waren. Zumindest ist das meine Hoffnung.

Aber wenn ich von „Hohn, Spott, und Hass“ rede, die täglich über Pegida, AfD, Sympathisanten und Teilen der CSU ausgeschüttet werden, dann meine ich die Darstellung der „Rechten“ in den Hauptstrommedien, da, wo die „Intellektuellen“, die Drahtzieher sitzen, von denen M.H. in seiner Rede spricht, die nach ihrer hohepriesterlichen Abwägung das ideologische Meinungsklima steuern und manipulieren (wollen). Wo Fakten ganz frech fallgelassen oder uminterpretiert werden, wenn die Realität nicht zum Weltbild passt.

Der enorme Wahl-Erfolg der AfD hängt glaube ich auch damit zusammen, dass immer mehr Deutsche die zweckdienliche Verlogenheit der massenmedialen Berichterstattung durchschauen und kaum mehr ertragen können. Der Westen hat da Aufholbedarf.
Der Gutmensch
03. Oktober 2016 19:42
@Monika
„Schamlosigkeit jedenfalls führt nicht zu mehr Kindern.“

Natürlich nicht! Scham führt aber auch nur zur Bedeckung - und noch nicht zu Kindern. http://www.bibleserver.com/text/EU/1.Mose3

Was sagt uns das? Die Aufhebung der Gegensätze führt in die - Sterilität. Man muss aktiv unterscheiden, wann man sich schämen sollte und wann nicht - genau wie Sie es sagen! Und eben deshalb plädierte Houellebeqc für das BESTEHENLASSEN der Gegensätze; es kann nur dann eine Ehe geben, wenn es auch die Prostitution gibt (damit man was zum Unterscheiden hat)! Wobei ich ganz privat der Meinung bin - Prostitution gibt es genug. Ehe gibt es hingegen eher wenig; aber nach dem zu schließen, was da im Nebenstrang geäußert wurde, ist das wohl ein hausgemachtes Problem der Christen.
Meier Pirmin
03. Oktober 2016 20:17
@Lieber Winston Smith,


Sowohl in der Reformationszeit als auch in der Aufklärung gab es je zwei Hauptrichtungen, in der Reformationszeit nebst den herkömmlichen Scholastikern vor allem die Philologen, auf der anderen Seite die Alchemisten und Magier und Naturphilosophen; schön, dass Sie Agrippa von Nettesheim ausdrücklich nennen, natürlich das enorme Bergwerk Parcelsus, der "teutsche Arzt", auch Luther der Medizin genannt. In der Aufklärung gab es nun mal zum Beispiel die Fortsetzung der Alchemie, in England den Fludd, in Deutschland/Oesterreich/Frankreich den Franz Anton Mesmer, nicht zu vergessen Jung-Stilling und die ganze Richtung, die dann in die Geisteswelt und Geisterwelt Romantik hineinmündet, siehe Novalis, auch Schelling, dessen Naturphilosophie eine grosse Fussnote zum Satz des Paracelsus ist: "Was ist die Philosophie anderes denn die unsichtbare Natur? Das ist das Wesen der Philosophie, dass sie im Menschen, wie ausserhalb, unbegreiflich steht, wie einer, der sich selbst im Spiegel sieht. Gott aber bleibt in allen Dingen der oberste Scribent, der erste, der höchste, und unser aller Text." Wenn hier indes von Gott die Rede ist, denken Sie an alles, nur nicht an irgendeinen deutschen Bischof, eher schon an den verloren gegangenen und gelegentlich wiedergefundenen und am Ende ganz preisgegebenen Gott von Meister Eckhart. Das führt wohl allenfalls in jene Richtung, die Sie "Transhumanismus" nennen. Es war freilich nicht verwunderlich, dass dieser Weg einen Gerd-Klaus Kaltenbrunner am Ende zum politischen Verstummen brachte.


Als einen der grössten Meister in der Vermittlung einer alternativen deutschen Geistesgeschichte betrachte ich den schlesischen Volkskundler, Historiker und Humanismus-Forscher Will-Erich Peuckert. Er veröffentlichte 1943 in Deutschland im Rahmen eines gewaltigen Werkes mit Sebastian Franck im Zentrum sowie über die Renaissance einen grossen Essay über das Widerstandsrecht und den Tyrannenmord, freilich auf schlechtem Papier. Es ist unglaublich, was man damals schreiben konnte. Ich glaube aber nicht, dass es einen Einfluss auf die Juli-Ereignisse 1944 hatte. Sicher ist, dass auch damals bedeutende und lesenswerte Bücher erschienen sind, man reimt sich manchmal die Augen, dass so etwas möglich war. Von Peuckert stammt ausserdem eine hervorragende Biographie von Nikolaus Kopernikus, nicht zu vergessen die Volkskunde des im Bergbau arbeitenden Proletariats.

M.L.:So, ich bremse jetzt einmal diese ausschweifenden Co-Referate. Bitte beim Thema bleiben. Der nächste Eintrag dieser Art wandert in den Papierkorb!
brukterer
03. Oktober 2016 20:50
@benares

...ja, da haben Sie wohl recht, auch wenn es traurig ist.

Ich hab noch nie verstanden, warum die Rechte nicht einfach mal die kreative Ader aufmacht und dem Durchschnittsbürger endlich mal die Zukunftsvision zum Konsumkapitalismus kredenzt, die er doch braucht, um zu wissen, wohin es gehen soll.

Oder ist da einfach keine Vision? Das wäre ein bisschen peinlich.

Allerdings würde ich dann auch besser das ewige Lamentieren über die achso verkommene Linke verstehen, solange man schimpft, muss man es eben nicht besser machen.
Dabei wäre es doch ein interessantes Thema, man könnte sich dank Weltnetz basisdemokratisch darüber austauschen. Naja, es ist halt noch alles viel zu schön hier. Da "geht noch was" in Richtung abwärts.
Dystopianer
03. Oktober 2016 22:58
Bran

Sonntag, 2. Oktober 2016, 21:39 (URL) | Kurz-URL

Mir geht das Demographie-Gereite ein wenig auf meine Testikel. Unsere Demographie ist nur ein Problem, weil wir mittlerweile Millionen von den Anderen reingelassen haben. Aber ansonsten war Europa demographisch schon immer im Hintertreffen. „Der Islam“, der von PI immer so gerne heraufbeschworen wird und er eigentlich einfach immer nur eine erobernde Macht war, wobei es völlig egal war und ist, welche fremde Religion oder Ethnie sich dahinter verbirgt, war uns zahlenmässig schon immer überlegen. Man vergleiche mal die Landflächen Arabiens, Afrikas, Zentralasiens und Europas und überlege sich dann mal, ob im Mittelalter die Demographie wohl auf unserer Seite war. Eher nicht.
Aber Strategie, Taktik, Bewaffnung, unbedingter Verteidigungswille waren auf unserer Seite.
Wieso sollte sich das heute geändert haben? Und was soll es bringen, die ganze Zeit den Demographie-Gaul zu Tode zu reiten, wenn wir doch alle wissen, dass wir den Geburtendjihad nicht mehr gewinnen können? Besinnen wir uns lieber wieder auf die anderen Punkte.


Sehe ich auch so. Zumal die Demographie-Mähre ja gerne von der Umvolkungslobby geritten wird. Produktive und effiziente westliche Hochtechnologienationen sind nicht mehr auf prekäre Menschenmassen angewiesen, weshalb ja auch offensichtlich ist, dass es keine nutzbringende Verwendung für die hereingewunkenen afroorientalischen Hoffnungsträger gibt. Das macht die rein destruktive Absicht dahinter ja erst recht deutlich, zumal Deutschland eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas ist.
Oswaldo
04. Oktober 2016 00:36
Houellebecqs ist mit seiner Linkenverachtung (übrigens auch Liberalenverachtung, der Mann ist ein halber Monarchist und Anhänger der Gegenmoderne) eine Wohltat.

Nur: man übersieht hierzulande vor lauter Begeisterung für die französische Rechte allzu leicht, dass sich die Lage von der in Frankreich unterscheidet.

Einmal was die Parteien angeht: In Frankreich ist der Front National eine rechtssozialistisch-republikanische Kampfansage an die liberalkonservativen, aber innerlich postdemokratischen Gaullisten.

In Deutschland versucht die AfD ganz im Gegensatz dazu die alte Union zu kopieren. Sie ist so gesehen keine richtige Rechtspartei, sondern nur zurechnungsfähiges Liberalkonservativ. Gewissermaßen das Substitut gesunder Mitte. Figuren wie Alice Weidel oder Jörg Meuthen sind, was immer man sonst von ihnen hält, keine Rechten.

Es sei an Moeller van den Bruck erinnert, der im Liberalismus den Hauptfeind der Rechten sah. Ich weiß nicht, Houellebecq das auch so sieht.

Da jubeln hierzulande dieselben Leute, die die (durchaus seelenlosen und irreligiösen) Errungenschaften der europäischen Moderne vor dem Islam retten wollen, einem Houellebecq zu, der die Neuzeit mit Joseph de Maistre für ein katholisches Königtum opfern würde.

Ja was denn nun? Will man die Neuzeit zugunsten des Mittelalters loswerden oder sie vor dem Islam retten? Oder das zweite vor dem ersten? Oder nur das Zweite? Ist man Teil der Moderne oder der Antimoderne?

überhaupt: Ist man Atheist? Und wenn nein, ist man dann Heide oder Christ? Plato oder Benedikt? Oder wenn Heide, warum dann nicht gleich Ur-Germane? Welches Deutschland meint man denn?

Empfindet man die Liberalen (womit ich nicht die FDP meine, sondern den Menschentyp) als Gegner oder als Verbündeten?

Die Intellektuellen im Nachbarland sind reaktionäre Träumer, ihre Partei rechtssozialistisch. Aber das ist immer noch stimmiger, als eine schwarzrotgolden-Wirmerflaggen-schwarzweißrotes Fahnenmeer mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner "Claudia Roth ist unmöglich" sich hinter der Neo-CDU versammeln zu sehen.

In Frankreich weiß die Rechtspartei, dass sie eine ist und die Rechtsintellektuellen sind welche. In Deutschland will die Rechtspartei keine sein und die Rechtsintellektuellen wirken wie Musterschüler der bürgerlichen Welt.

Den Juni-Club und die AfD cool finden, verträgt sich das wirklich?
Meier Pirmin
04. Oktober 2016 08:13
@Osvaldo. Niemand in Frankreich, schon gar nicht die Plebejerin le Pen, will trotz Jeanne d'Arc als Maskottchen die Monarchie wiederherstellen, selbst auch Napoleon ist kein Thema. Aber Joseph de Maistre, der sich als Savoyer empfand, nicht Franzosen, und Louis de Bonald waren nun mal bei aller reaktionären Einstellung systematische und methodische Denker und Mitbegründer der empirischen Staatswissenschaft. De Maistre hat sogar das Unfehlbarkeitsdogma in seinem Buch "Du pape" nun mal nicht religiös gedeutet, sondern dezisionistisch, d.h. entscheidungstheoretisch, was allerdings von den Katholiken zur Zeit des Kulturkampfes nicht vestanden wurde. Im Vergleich zu Bonald und de Maistre scheint mir Ihr Moeller van den Bruck, über den ich gearbeitet habe, geistesgeschichtlich eine sehr kleine Nummer. Auf Moeller van den Bruck kann man in Deutschland allenfalls rechte Sektengrüppchen bauen. "Tretet weg vom Herde!", würde sich Stefan George da ausdrücken. De Maistre aber, scheint mir, ist auf der Gegenseite unweit der Liga von Rousseau und Marx. In Chambéry gibt es sowohl für Rousseau als auch für de Maistre je ein verdientes Denkmal. Für beide gilt als grosse Denker, dass man von ihnen den richtigen Gebrauch machen müsste. Sie haben aber wohl recht, dass es in Deutschland wohl noch eine Generation oder länger dauern dürfte, bis man von Rechtsintellektuellen sprechen kann. Derzeit kann eigentlich von einem intellektuellen Leben generell kaum die Rede sein.
Meier Pirmin
04. Oktober 2016 09:52
@Lichtmesz. Betrifft Exkurs für Winston Smith. Er forderte mich am 3. Okt. um 16.38 mit namentlichem Aufruf "Helfen Sie!" dazu auf. Bei Houellebecq ist ein breiter geistesgeschichtlicher Zusammenhang zu sehen, wobei freilich de Maistre besser passt als was ich zu Winston Smith ausführte.
Valjean72
04. Oktober 2016 10:38
@Sebastian Maximilian

@ Valjean

Auf jeden Fall brauchen wir einen Glauben an ein Leben nach dem Tode.

Wenn jeder denkt er hat nur sein jetziges Leben wird er feige sein um sein kümmerliches Leben zu retten.

Wir brauchen einen Glauben. Alleine schon um den sittlichen und moralischen Verfall zu stoppen.


Kein Widerspruch meinerseits, im Gegenteil: ich stimme diesen Zeilen zu.

Mein Punkt ist ein anderer: sich nicht missbrauchen lassen und auf der Hut bleiben.
Meier Pirmin
04. Oktober 2016 11:27
@Nero. Zu Ihrem Dialog zwischen dem Christen und dem Katholiken. Der spanische surrealistische Künstler Salvador Dali, zwischen dem Futurismus fluktuierend und der spanischen Rechten, bekannte einmal: "Ich bin Katholik, aber nicht Christ." In erschreckender Weise trifft dieser Satz auch für den Grossinquisitor von Dostojewskij zu, aus einem grandiosen Text moderner Ideologiekritik aus der Sicht der Versuchungen Jesu, der bis heute nicht eingeholt ist. Die Gestalt des Grossinquisitors kann durchaus mit Joseph de Maistre und der französischen Rechten verglichen werden.

Ich glaube indes nicht, dass Marine le Pen in irgendeiner Weise auf Charles Maurras und Maurice Barrès "zurückgeführt" werden kann. An Maurice Barrès erinnert @Monika eine Gedenktafel beim Wallfahrtsort St. Ottilienberg im Elsass. Bemerkenswerterweise hat selbst Thomas Mann Maurice Barrès im zustimmenden Sinne zitiert, in seinem Opus "Leiden und Grösse der Meister".
Winston Smith 78699
04. Oktober 2016 12:26
@ Meier Pirmin @ Martin Lichtmesz

Der verlinkte Artikel hat's in sich, und er hat sehr viel mit Houellebecqs Rede zu tun. Dabei geht es mir gar nicht um den bekloppten Reza Negarestani oder um dessen These, daß die Abschaffung des Menschen (dieser Transhumanismus) mit zwingender Logik bei Kant beginnt, sondern um endlich einen Rahmen für merkwürdige Entwicklungen in der jüngeren angelsächsischen Philosophie, wie zum Beispiel diesen langweiligen, unwitzigen (bitte Gegenteil beweisen) Robert Brandom. In dessen Gefolge wird ein Denken voll traditionsgeladen abendländischen Esprits und lebendigen Genies, etwa von Wittgenstein, für mein Empfinden von leicht dämlichen, geistig blassen Technokraten vereinnahmt und möglichst ins Geistlose entzaubert ("herunterbrechen", "verständlich machen": das ist nach unten offen), und schließlich - daher mein Ekel daran - zum Unterdrückungsinstrument umgeformt. Kontextualismus, Sprachspiele, Regelfolgen usw., das sind brisante Erkenntnisse, aber vom Anspruch her die Quantentheorie und kein Spielzeug für kindliche Zauberlehrlinge, denn dann landen sie mittelfristig auch bei den Schergen. Jedoch haben sich, wie etwa Heidegger oder natürlich Hegel, sogar diese avantgardistischen Überlegungen noch, durch Kanonisierung und simplifizierende Ausdeutung und dann allgemeine Mode, als anfällig für Jargonbildung und somit Scholastik gezeigt. Den Gletkin-Typ Jungakademiker, der sich der schnellen Karriere wegen an einen solchen Trend ranhängt und seine Umgebung eigentlich fachfremd mit oberflächlichem Gesabbel über Ideen ... nein, besser Wörter eines Mathematikers wie Wittgenstein überzieht, habe ich bildlich vor mir, und er scheint mir seit zwanzig Jahren die Szene zu dominieren. Wilde Essayisten, respektlose Bohemiens wie Hickman oder Lichtmesz sind mir da vielmals lieber als solche (letztlich ideologischen) Funktionsträger, die im Rahmen eines vormals freien und durch radikale Letzthinterfragung durchaus entgrenzten Themenbereichs, in welchem aber der Diskurs zugleich durch den elitären Anspruch geprägt war, das Niveau herabzwingen und zugleich das Doktrinäre und Autoritäre einziehen lassen wie in einer Psychosekte oder im Rahmen einer politischen Säuberung. Solche jahrzehntelangen Entwickungen an der Ideologiefront müssen einem Intellektuellen wie Houellebecq aufgefallen sein, wesewegen ich den Artikel für ein legitimes Coreferat halte.
eulenfurz
04. Oktober 2016 13:17
@ Bran
Aber ansonsten war Europa demographisch schon immer im Hintertreffen.


Das stimmt nicht. In den etwa 500 Jahren vor dem zwanzigsten Jahrhundert gab es Bevölkerungsüberschüsse, die in innereuorpäischen Verteilungskriegen und Auswandererströmen in ferne (mehrheitlich dünnbesiedelte) Länder und Kontinente mündeten.

Aber Strategie, Taktik, Bewaffnung, unbedingter Verteidigungswille waren auf unserer Seite.


Richtig, im Präteritum. Eine öffentliche Meinung, die sich über F. Petrys angeblichen "Schießbefehl auf flüchtende Frauen und Kinder" echauffiert, realisiert Raspails Beschreibungen einer wehrlos und willkommensbesoffen gemachten Bevölkerung im "Heerlager der Heiligen". Dessen soziologischen Beschreibungen treffen weitestgehend zu: Wozu Waffentechnik und Strategien, wenn niemand sie einzusetzen willens ist?

@ Paul Benares
Progressive ebnen neue Wege, Konservative laufen ihnen wie brave Hündchen hinterher, freilich mit einer Verspätung von ein paar Jahrzehnten.


Sicherlich ein Manko, der Konservativen, welche wg. Wohlstandslähmungen, sozialer Kontrolle/Ächtung oder Repressionen keine neuen Strategien und Gegenprojekte entwickeln (können). Gerade der allen natürlichen und traditionellen Grundlagen enthobene und aufgeblähte Nonsens der Herrschenden müßte eigentlich animieren, Möglichkeiten der Verbindungen von Tradition und Zukunft für eine (neue) (Rest-)Gemeinschaft zu finden. Rechte und Konservative aber sind ebenso atomisiert, wie die übrige "Gesellschaft", welche sich vor langer Zeit noch als "Volk" verstand. Und zu vergangenheitsfixiert: Wollen Dinge retten, die unrettbar verloren sind, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
t.gygax
04. Oktober 2016 13:56
@meierpirmin
Marine le Pen ist eine Plebejerin. Ah, es ist faszinierend, wieder eine neue Erleuchtung aus dem Lande Wilhelm Tells , verkündet durch den geistesgewaltigen Großschriftsteller Pirmin Meier vermittelt zu bekommen.
Und was ist dann unsere Kanzlerin?
Marine le Pen kann wenigstens reden, hat Humor ( "ich begrüße den Vizekanzler Frankreichs neben seiner Kanzlerin" das Gesicht von Merkel und Hollande ist des Anschauens wert!) , ist ohne Zweifel eine engagierte Frau ( die Szene, in der sie den pädophilen Cohn-Bendit im Straßburger Parlament demaskiert, ist genial ) , zudem ist sie Mutter von Kindern und kennt außer Politik auch noch andere Lebensbereiche.
Offenbar ist man laut Pirmin Meier damit Plebejerin.

Sollte Plebejerin positiv konnotiert sein, nehme ich alles zurück und verneige mich vor Pirmin Meiers Sprachgewalt.
Meier Pirmin
04. Oktober 2016 15:17
@Gygax. Der Begriff "Plebejerin" grenzt sich ab gegen Patrizierin und vor allem gegen Monarchistin, der Kontext hat zu tun mit der These, dass Houellebecq angeblich oder wirklich einer halber Monarchist sei.


Der Begriff Plebejer wurde in der Schweiz wiederholt auf Christoph Blocher angewendet, von wegen seinem Aufstieg relativ von unten, eigentlich Kleinbürgertum; wobei für Blocher die le Pen vor allem zu etatistisch und in einem gewissen Sinn peronistisch ist. Der Begriff des Plebejers ist in der Schweiz grundsätzlich nicht negativ konnotiert, wird allerdings von Blocherkritikerin oft so gemeint. Für deutsche Leser: Natürlich waren zum Beispiel die Bismarck und die Stauffenberg und die Guttenberg tatsächlich keine Plebejer, jedoch durchaus Franz Josef Strauss, Metzgerssohn wie Joschka Fischer, jedoch mit abgeschlossenem Studium. Intellektuell stark und auf eindrückliche Weise zum Beispiel auch in der Antike zu Hause. Dass der Front national eine plebejische Bewegung sei, grenzt ihn einerseits gegen das Grossbürgertum ab und andererseits gegen den Sozialismus. Die Erstunterzeichnung der schweizerischen Bundesverfassung von 1848 waren durchwegs radikaldemokratische Plebejer, nämlich Jonas Furrer, Ulrich Ochsenbein und Jakob Robert Steiger, letzterer der Sohn eines ärmlichen Schneiders in Büron im Suhrental, der einzige Schweizer Liberale, der zum Tode verurteilt wurde, jedoch von gleichgesinnten Polizisten als Akt des Staatswiderstandes aus Luzerns Kesselturm befreit. Das Beeindruckende an der Karriere von Plebejern ist, dass ihnen in der Regel nichts geschenkt wurde, was im "populistischen" Selbstbekenntnis in der Regel auch betont wird.
rautenklause
04. Oktober 2016 15:36
@ Oswaldo (Dienstag, 4. Oktober 2016, 0:36)

auch wenn es immer wieder so zitiert wird, so bleibt es doch falsch:
MvdB sagte nicht "am Liberalismus" sondern "an Liberalismus" - was zwar buchstabentechnisch einen kleinen, inhaltlich aber einen erheblichen Unterschied zeitigt. Und wenn selbst ein radikaler Nationalrevolutionär wie A.E. Günther (den es IMHO neu zu entdecken und zu deuten gälte) den Liberalismus als notwendiges Korrektiv benannte (was ihn nicht hinderte, den zeitgenössischen Liberalismus zu bekämpfen), dann sollte man auch solchen Wegweisungen nachgehen ...
Bran
04. Oktober 2016 18:39
eulenfurz: Ich sehe nicht, inwiefern meine Äusserung Ihrer Feststellung widersprechen sollte. Nur weil Europa im Bezug auf schlechte Versorgungsmöglichkeiten (aufgrund mangelhaft genutzter Landressourcen, Missernten, kleiner Eiszeit, übermütigem Adel oder diversen Kriegen) der Bevölkerung einen sogenannten Geburtenüberschuss hatte, bedeutet das noch lange nicht, dass es dem Orient zahlenmässig überlegen gewesen wäre.
Sie stellen eine simple Abwanderung aus Not fest.
Ich stelle Zahlenverhältnisse einander gegenüber.
Oswaldo
05. Oktober 2016 00:31
@ Meier Pirmin

Wo lesen Sie denn heraus, ich hielte Marine Le Pen für eine Monarchistin? Klarer als "rechtssozialistisch-republikanisch" geht es doch nicht, oder?

Houellebecq ist ein reaktionärer Träumer, während der Front National auf progressivem, aber eben nicht linkem Boden steht. Er wird sie schon wählen, obwohl sie keine Reaktionärin ist. Man kann gegenmodern sein, ohne reaktionär zu sein, ja selbst die Aufklärungsphilosophie (einen wesentlichen Kern der "Moderne") ablehnen, ohne zwingend Monarchist zu sein.

Denken Sie an den Futurismus in Italien, oder die faktische Vernichtung des deutschen Adels durch die Nazis. Das geschah alles von rechts (oder jedenfalls nicht aus einer linken oder liberalen Richtung), aber reaktionär war es ganz bestimmt nicht.

Die Pointe ist ja gerade, dass Houellebecq brav den Front National wählen wird, einfach weil der nicht linksliberal ist, aus einem Überdruss heraus, obwohl er ihm gewiss nicht die Bourbonen zurückbringen wird. Was so vollends utopisch nun auch wieder ist; in Spanien stand am Ende einer Rechtsregierung die Monarchie, wobei sich der neue König Juan Carlos am Ende als Anhänger der Demokratie erwies ^^; und ruckzuck regierte unter dem wiedereingesetzten König - ein Sozialdemokrat.)

Vermutlich wird die Reaktion Literatur bleiben. Und selbst wenn nicht, kann man diese auch nicht vollends austoben. Wenn man sich überlegt, dass es selbst Metternich zu krass war, was die Piemonteser nach 1815 in Turin so getrieben haben. Das Ziel des Untertanenanalphabetismus und solche Sachen.

Und so eiert man hin und her, wenn man nur den Linksliberalismus loswerden will und genau darauf hinzuweisen war mein Ziel. "Eigentlich", im abstrakten Denken, komme ich immer bei so etwas wie einem taoistischen Harmoniekaiser heraus, der bei Tee das Land blühen lässt, in so feinen Zügen, dass dieses es nicht einmal bemerkt. Der Laozi sagt mir etwas.

Aber der Blick auf die historischen Wirklichkeiten lässt mich an rechtssozialistische Formationen glauben. Das Zeitalter der Massen wurde schon 1930 beschrieben und es ist keineswegs vorbei. Es hebt erst an.

Das erste nennt sich Phantasie, das zweite Wetterbericht.
Meier Pirmin
05. Oktober 2016 07:04
@Es ging um den Begriff des Plebejers, der zwar mit "republikanisch" nicht identisch ist, aber überschneidend. Beispielsweise war Guiscard d'Estaing ein Republikaner, aber kein Plebejer. Natürlich war die SA ebenfalls plebejisch, ändert aber nichts an der hohen Bedeutung des Adels in Diplomatie, Wehrmacht bis in die Ministerriege hinein im 3. Reich. Was der Schriftsteller wählen wird und ob er wählen wird, müssen Sie ihm schon selber überlassen, siehe Ernst Jünger, der sich der Demokratie generationenlang verweigert hat. Er war, von der Analyse her, "Der Arbeiter", kein Reaktionär. Die Aufklärungsphilosophie kann man gar nicht pauschal ablehnen, weil die radikale Kritik der Aufklärung einschliesslich dem Demokratiekritik und jeglicher Systemkritik, auch Religionskritik und Religionsphilosophie ein Teil der selben ist, beginnt schon mit Rousseau. Auch der Konservativismus usw. wurde in der Aufklärung geboren. Vgl. Justus Möser. Ob und was der Schriftsteller wählt, bleibt Nebensache. Es kommt auf sein Wort an, "vox et praeterea nihil", gilt für Houellebecq wohl in hohem Ausmass. Es geschieht kein Wandel ohne die Vorarbeit, den Beifall und die Reue des Geistes.
Winston Smith 78699
05. Oktober 2016 10:23
@ Oswaldo

Ich fände es aber unverzichtbar für ein Reich gleich welcher Couleur, dass so ein begabtes Kind von illiteraten Teepflückern auch im hintersten Winkel noch entwder erkannt und gefördert wird, oder sich in fairen Spielen (nicht Collosseum, nicht Menschenjagd, nicht Superstar) beweisen und auszeichnen darf. Bei aller Weisheit und allem Frieden muß eine Orientierung des Daseins nach oben (Evola) möglich sein, ein Streben nach Exzellenz anstatt nur eines Kreisens im Kleinen, sonst verkümmern die Besten, und was ist so eine Welt dann wert? Despoten, auch sanfte, gutmütige, trauen dem Volk aber eher nichts zu. So kann sich eine Elite (sagen wir eine militärisch-adelige, klerikale, politische, monetäre) gegen diese Provokation durch Parvenues abschotten, wo doch die Geschichten der Weihnacht und die vom Kind im Tempel alle Symbolkraft dagegen aufbieten wollen (anders als leider das Leben des Siddharta Gautama).

Sowohl Kommunisten als auch Nazis als auch Kirche selbst betrieben aber diese Auslese und Förderung und gaben ein Signal in die Gesellschaft, dass der Einzelne mit seinem ganz spezifischen Können und Streben akzeptiert und gewollt ist. Etwas anderes wäre doch Frevel an der Schöpfung. Aber leider gehört der Verzicht auf diese Durchlässigkeit nach oben zum Reaktionären, oder? Selbst der gebildete, rechtskonservative Bohemien, einer wie Gabriele Rapagnetta (Rübchen), legt doch schnöselig noch Wert auf Abkunft, ob echt oder inszeniert.

Auch die neoliberale These (oder Lüge), dass die Guten sich von selbst durchsetzen werden - mit der merkantilen Welt selbst als Prüfung -, vergeht sich noch an Gottes Wille bei der Verteilung der Gaben, denn sie spricht für eine sich selbst überlassene Selektions-Dreckschlacht wie in einem Multikulti-Konfliktkessel - und wer übesteht diese am besten, mit geringster Verzehrung? Richtig: die miesesten Charaktere. Damit hat man gottlos eine moralische Negativauslese erzwungen, die dann wiederum die Abgrenzung der eigentlichen Elite von diesem Plebs rechtfertigt, der sich in seinen prominenten Vertretern, seinen vermeintlich Besten, offenbart. Zugleich verbraucht sich die Energie der des Volkes (oder nurmehr der Gesellschaft) in diesem Auslesekrieg. Der Antichrist herrscht.

Sind das jetzt faschistische Gedanken?
Hesperiolus
05. Oktober 2016 13:46
@ Oswaldo

Irgendwo gibt es bei Ernst Jünger das Apercu, wie es Frankreich unter einem Ludwig dem XXIV (?) doch wohl besser ergangen wäre. Und vergleichen Sie, Assoziation zu Turin, die Freimaurerfresse von Cavour, den Prototyp jener technokratischen Visagen der vergoldmann-sachsianerten EU-Bonzen, mit zeitgenössischen Prälatenportraits des Kirchenstaates, dann wissen warum man au fond du coeur nur Reaktionär sein kann.
Oswaldo
05. Oktober 2016 15:58
@ Winston Smith

Zumindest sind es Gedanken, welche die liberale Demokratie nicht vorsieht.

Machen wir uns doch nichts vor: Das Ringen der Systeme geht jetzt welthistorisch in die zweite Runde. Ich halte das für eine gute Nachricht.

Es hatte nämlich seine Gründe, dass die liberale Demokratie (es klingt so fein: oben Plutokratie und unten Jeder gegen Jeden) um 1930 in fast ganz Europa verschwunden war. Es ist nämlich ziemlich widerlich und ziemlich anstrengend, schon gar, wo es nicht wenigstens ein bisschen "rheinisch" und korporatistisch eingehegt ist.

Tatsächlich hatte jeder der Faszismen, der Figurationen des organischen "Wir hier zusammen" und des Schließens der Reihen, seine Denkfehler, zum Teil gravierende, aber bis auf das Etikett und Symbol des Rutenbündels und den Inhalt der durchgeknallten Nationalsozialistischen Spielart muss man das dahinterstehende organische Denken, am schönsten in Deutschland bei Edgar durchdacht, ganz unbedingt als lebendig und vor allem als aktuell ansehen.

Halb Europa ein heute ein rechtes Experimentierfeld.

Putin regiert in einem Bündnis aus Kirche, Gazprom und zentristischer Staatspartei. Woran erinnert das?

Orban arbeitet mit Volksentscheiden. Wann gab es solche in Deutschland nochmal und warum fürchtet sie die Bundesrepublik?

Kaczinski verbietet gerade die Abtreibung. Das ist antiliberal bis zum Anschlag und wäre einen Positivartikel in einschlägigen deutschen Medien wert.

Strache,..., Le Pen,..., ja - auch wenn kein Teil des Abendlandes - selbst Erdogan. (Einen Linksliberalen wird man den ja wohl kaum nennen können und das Abräumen des Kemalismus ist - aus Sicht der Türkei - richtig. So wie der Bruch mit dem Amerikanismus in Deutschland richtig ist. Kein Volk dieses Planeten wird innerlich fremdbestimmt leben wollen und leben können. Schon gar nicht auf Dauer. Und schon gar nicht mutwillig. Was das Sultanat dem türkischen Volke ist, ist ein Wahlkönigtum dem Deutschen. Wir sind schon "Prozessstaatler". Man denke an das jahrhundertelange Küren des Kaisers. Wir sind nur keine lobbyzerfressenen Parteimenschen und spielen den selbstgemachten Siegern von Vorgestern hier immer noch etwas vor. In Wahrheit steht der heutige Deutsche vor dem Begriff der Demokratie stramm wie 1900 vor dem Kaiser. Ohne innerlich Demokrat zu sein. Was immer man davon hält. :) Klammer zu.)

Auf Europa zu schauen: Die Pointe ist doch, dass man in der linken wie in der liberalen Welt das militärische Ergebnis des zweiten Weltkrieges für eine geschichtsmetaphysische Entscheidung hält. Das stimmt aber nicht. Der dümmsten Rechten (der in Deutschland, auch damals) war mit der preußischen Armee und der rheinisch-schlesischen Industrie eine ganz
ungeheure Waffe vor die Füße gefallen, mit der sie ganz gewaltigen Unfug anrichtete, und das nicht einmal von innen (Goerdeler, Tresckow & Co.) in den Griff bekam.

Aber das ändert nicht daran, dass vor Hitlers irrem Krieg die Welt der Liberalen spätestens mit dem schwarzen Freitag zusammengekracht war und der Welt der Linken, das Sowjetreich, überhaupt nur durch Berliner Unsinn aus dem Reich der Phantasie herbeigezwungen wurde. Ohne Ludendorff kein Lenin in Petersburg und ohne Hitler keine rote Armee in Berlin.

Die Geschichte des Deutschen Reiches ist keine Lebensversicherung für die liberale Welt von heute, für eine linksliberale von heute schon gar nicht. Sie hat dieser allenfalls Zeit gewährt, aber keiner der Gründe, der in den 20er und 30er Jahren das Scheitern des Liberalismus, vor allem "sozioökonomisch", bewirkte, ist verschwunden.

Ganz im Gegenteil, sie sind alle noch da und haben sich sogar verschärft. Und wer gewinnt die Wahlen auf dem Boden der kapitalistischen "Demokratie"? Genau: Die Rechte. Egal welche. Siehe oben.

Man muss a droite nur begreifen, dass man Linke und Liberale, erst recht ihre zum Himmel stinkende Verbindung, gleichzeitig und unterschiedlos attackieren muss, schon weil sie gemeinsam nur sehr bedingt kampffähig sind. Beim Strategiemeeting zwischen Bankenverband und Antifa wäre ich gern mal Mäuschen. s ist deswegen falsch, "liberalkonservativ" zu fühlen. Den Habitus mag man haben, aber man sollten ihn nicht mit einem politischen Programm verwechseln, das eine Notgemeinschaft gegen die Sowjets war. Und wenn doch "liberal", dann deutsch, schwarzrotgolden, Körner und Uhland. Das waren keine Weltverschacherer, Nahrungsmittelspekulanten und Ideologen des "Wenn jeder an sich denkt ist doch an jeden gedacht".

Allerdings muss die Rechte die Extremismen und die Etiketten von gestern weglassen. Harmonie ist ein besseres Stichwort als organischer Staat, wiewohl semantisch benachbart. Und der Narr im Saarland hätte eine bessere Presse, wenn er nicht mit dem Rutenbündel auf dem Parteitag herumlaufen würde, sondern einfach ein Taichi-Symbol (Yin & Yang) aufhinge...
Winston Smith 78699
05. Oktober 2016 22:56
@ Winston Smith 78699

Sowohl Kommunisten als auch Nazis als auch Kirche selbst betrieben aber diese Auslese und Förderung und gaben ein Signal in die Gesellschaft, dass der Einzelne mit seinem ganz spezifischen Können und Streben akzeptiert und gewollt ist. Etwas anderes wäre doch Frevel an der Schöpfung.

Die geförderten Begabungen und Bestrebungen sind "spezifisch", aber in allen drei Beispielen natürlich nicht beliebig oder beliebig anwendbar, vielmehr in ein mehr oder weniger rigides Ideologieprogramm einzupassen. Gleichwohl werden die Menschen nicht vollkommen gleichgemacht, einfach weil nicht jeder alles gleich gut können braucht und verschiedene Arten von Können gefördert werden. Ganz glücklich bin ich mit meinen Formulierungen schon nicht mehr, aber kann es hoffentlich erklären.
Und nicht dass das jetzt absichtlich mißverstanden wird: alle drei grenzten natürlich Andersdenkende radikal und zeitweise bis zur Extinktion aus. Auch dies kann, oder muß, je nach Einstellung, natürlich als Frevel an der Schöpfung gesehen werden, aber darum ging es hier nicht, sondern darum, dass sich sogar noch ganz Üble und weniger Üble bei aller himmelweiten weltanschaulichen Differenz dennoch im Prinzip einig waren, dass es diese Idee der Aufstiegsperspektive als eine Hoffnung und als Anreiz für Einzelne braucht - eine Idee, die im momentanen Egalitarismus bei gleichzeitiger Cliquenherrschaft über Bord gegangen ist - alles andere scheint mir Desinformation zu sein. Bedingt "allgemeine" Aufstiegsangebote gibt es durchaus noch, aber gruppenbeschränkt für Migranten und Minderheiten - aber dies kann aus Prinzip nicht nachhaltig und dauerhaft praktiziert werden, sondern lediglich bis zur Sättigung - und dann wird aus dem Entzug dieser Droge Sprengstoff. Außerdem mündet diese allgemeine positive Diskriminierung letztlich in ein Negativbild der angeklagten früheren Ausgrenzungen, was den leisen Geruch der Vergeltung nicht verbergen kann.
Meier Pirmin
05. Oktober 2016 23:33
@Hesperiolus. Reaktionär kann man wohl in der Praxis fast nur in Geschmacksfragen sein, das Leben muss irgendwie vorwärts gelebt werden. Sie wissen, dass ich für Reaktionäre von de Maistre bis Grillparzer viel übrig habe.

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