»Brandherd Syrien« – Teil 2

Der Krieg in Syrien eskaliert auf jeder Ebene: Wer mischt mit, wie wird desinformiert, wie geht es weiter mit Syrien? Nach dem ersten folgt nun der zweite und abschließende Teil des Berichts zur Tagung der »Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik e. V.« (GIF) am 22. und 23. Oktober:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kevork Almas­si­an
Der 1987 gebo­re­ne Kevork Almas­si­an stammt selbst aus der umkämpf­ten Metro­po­le Alep­po. Sei­ne Eltern besa­ßen dort ein Laden­ge­schäft, das den Bom­ben der »Rebel­len« zum Opfer fiel. Er stammt aus einer christ­lich-arme­ni­schen Fami­lie, die seit Genera­tio­nen in Syri­en lebt. Nach einem Stu­di­um der Inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen an der Uni­ver­si­ty of Kala­moon (Syri­en) wech­sel­te er zu einem Ver­tie­fungs­stu­di­en­gang in den Liba­non. Nach sei­nem Abschluß in »Midd­le Eas­tern Poli­tics« ging er nach Deutsch­land, wo er als Ana­lyst und Pro­jekt­ko­or­di­na­tor arbei­tet, zudem ist er Nah­ost-Exper­te für das von Manu­el Och­sen­rei­ter gelei­te­te »Ger­man Cen­ter for Eura­si­an Stu­dies«. Sein Vor­trags­the­ma »Die geo­po­li­ti­schen Grün­de hin­ter dem neo-osma­ni­schen Pro­jekt der Tür­kei in Syri­en« ergab sich gewis­ser­ma­ßen durch den Zwang der Verhältnisse.

In Nord-Alep­po, also der länd­lich gepräg­ten Gegend im Nor­den der Groß­stadt, rücken der­zeit tür­ki­sche Sol­da­ten mit syri­schen Isla­mis­ten gegen kur­di­sche Sepa­ra­tis­ten und den Isla­mi­schen Staat vor, wäh­rend in Süd-Alep­po und in der Stadt Alep­po selbst die syri­sche Armee gegen – ehe­dem eben­falls von der Tür­kei gespon­ser­te – Dschi­ha­dis­ten kämpft. Die kom­pli­zier­te Situa­ti­on beson­ders in Nord-Alep­po konn­te von Almas­si­an anschau­lich erklärt wer­den. Den Tür­ken geht es dabei vor allem um die Ver­hin­de­rung einer zusam­men­hän­gen­den Kur­den­re­gi­on, weni­ger um einen tota­len Sieg über den IS, mit dem man bis vor kur­zem Ölge­schäf­te abwi­ckel­te. Es kam so zur bizar­ren Situa­ti­on, daß syri­sches Öl, das auf­grund der Sank­tio­nen gegen Damas­kus nicht direkt impor­tiert wer­den darf, vom IS in die Tür­kei gelang­te und von dort an west­li­che Staa­ten wei­ter­ver­kauft wur­de. Sank­tio­nen gegen Syri­en also, die dem Ter­ro­ris­mus direkt zugu­te kommen.

Almas­si­an ging prä­zi­se auf die ein­zel­nen Inter­es­sen der Tür­kei ein. Er unter­schied die stra­te­gi­schen Vor­ge­hens­wei­sen der Soft und Hard pene­tra­ti­on, stell­te tür­ki­sche Bünd­nis­part­ner vor und ana­ly­sier­te die Bedeu­tung der Han­dels­me­tro­po­le für impe­ria­le Ambi­tio­nen Anka­ras. Als iro­ni­sche Begleit­mu­sik zum Vor­trag mel­de­te die ara­bi­sche Nach­rich­ten­sei­te Al-Mas­dar, daß Erdo­gan just an eben­die­sem 23. Okto­ber ver­kün­de­te, Alep­po (und Mos­sul) ste­he dem tür­ki­schen Volk zu. Die Mil­lio­nen­stadt Alep­po sei indes einst­wei­len nicht in tür­ki­scher Reich­wei­te. Denn Ruß­land als Schutz­macht Syri­ens wer­de nicht zulas­sen, daß die Tür­kei ihre »Euphrat-Schutzschild«-Kampagne, die sich gegen Kur­den­mi­li­zen und den IS rich­tet, auf syri­sche Regie­rungs­ge­bie­te aus­wei­te. Den­noch blei­be die Situa­ti­on mehr als ange­spannt, da inner­halb weni­ger Kilo­me­ter die Herr­schafts­ge­bie­te des IS, Tür­kei-finan­zier­ter Dschi­ha­dis­ten, syri­scher Armee und kur­di­scher Sepa­ra­tis­ten anein­an­der gren­zen. Die Fron­ten blei­ben vola­til, Ände­run­gen sind täg­lich zu erwarten.

 

Maram Sus­li
Nach Almas­si­an sprach mit Maram Sus­li (Damaskus/Sydney) eine jun­ge Frau, die in eini­gen west­li­chen Medi­en als ulti­ma­ti­ves Feind­bild fun­giert, wenn es um den syri­schen Krieg geht. Sie wird wahl­wei­se als »Assad-Fan­girl« oder gar als »Anti­se­mi­tin« dif­fa­miert. Der Grund für die­sen Haß auf die Jour­na­lis­tin, deren Spitz­na­me »Par­ti­s­an­girl« lau­tet, liegt dar­in begrün­det, daß die Exper­tin meh­re­rer ara­bi­scher Fern­seh­sen­der kein Blatt vor den Mund nimmt und nicht sel­ten pole­misch und harsch auf west­li­che oder israe­li­sche Expan­si­ons­po­li­tik reagiert. Zur »Migra­ti­ons­kri­se aus syri­scher Sicht« war sie gela­den, und es war denn auch eine syri­sche Sicht, kei­ne »assa­dis­ti­sche«. Denn ganz unpas­send zum Label als »Assad-Pro­pa­gan­dis­tin« hat­te Sus­lis (sun­ni­ti­sche) Fami­lie nach der Macht­über­nah­me der Baath-Regie­rung das Land ver­las­sen: Die Fami­lie galt auf­grund ihres Land­be­sit­zes als »bour­geois« und unzu­ver­läs­sig. Das hin­dert Maram Sus­li frei­lich nicht, einen dezi­dier­ten Stand­punkt bezüg­lich der Legi­ti­mi­tät der »Rebel­li­on« einzunehmen.

Ihr Ein­stieg reg­te zum Nach­den­ken an: »Aus syri­scher Per­spek­ti­ve begann die Flücht­lings­kri­se, als Euro­pä­er ille­gal nach Syri­en ein­reis­ten« und Ter­ror­struk­tu­ren unter­stütz­ten. Ange­sichts Tau­sen­der euro­päi­scher Isla­mis­ten unter­schied­li­cher Cou­leur, die seit 2011 nach Syri­en sicker­ten und all­mäh­lich wie­der zurück nach Euro­pa strö­men, ist es in der Tat her­vor­he­bens­wert, daß der Ter­ror zuerst aus Euro­pas Pro­blem­stadt­tei­len nach Syri­en wan­der­te, bevor er nun den Wes­ten heim­sucht. Das wer­de, so Sus­li, nicht zuletzt von euro­päi­schen Rechts­po­pu­lis­ten ver­ges­sen. Sie zitier­te eine UKIP-Ver­laut­ba­rung, wonach »die« Syrer nach einem »guten Leben in Euro­pa« stre­ben wür­den. Nein, mein­te Sus­li, die meis­ten Syrer hat­ten bereits ein gutes Leben, bevor west­li­che und Golf-Staa­ten das Land mit Krieg über­zo­gen. Sie wies in die­sem Zuge eben­falls dar­auf hin, daß nach unter­schied­li­chen Schät­zun­gen rund 80 Pro­zent der Flücht­lin­ge in Euro­pa gar nicht aus Syri­en stam­men, son­dern u. a. aus dem Sudan, Afgha­ni­stan, Paki­stan oder Libyen.

Sus­li griff die The­se bel­li­zis­ti­scher West­me­di­en auf, die pro­pa­gier­ten, man müs­se »Assad weg­bom­ben«, um die Flücht­lings­kri­se zu lösen. Ihre Fra­ge in Rich­tung von BILD und Co.: Wenn das Gros der syri­schen Flücht­lin­ge in die von Assad gehal­te­nen Gebie­te flüch­te­te (sie­ben Mil­lio­nen), um sich in Sicher­heit vor unter­schied­li­chen Ter­ror­mi­li­zen isla­mis­ti­scher und dschi­ha­dis­ti­scher Fär­bung zu brin­gen: Wie löse man die Flücht­lings­kri­se, indem man nun die­se Schutz­bas­ti­on (die sich von Damas­kus über Tartous bis Lata­kia streckt) bom­bar­die­re? Wie hel­fe man den sie­ben Mil­lio­nen Flücht­lin­gen, wenn man sie erneut mit Krieg heimsuche?

Die Refe­ren­tin, die in weni­gen Tagen auch in Linz spre­chen wird, hob zudem die Rol­le Syri­ens vor 2011 her­vor. Mil­lio­nen Paläs­ti­nen­ser und Ira­kis wur­den auf­ge­nom­men und gänz­lich inte­griert in den Arbeits­markt, in das Bil­dungs- und auch Gesund­heits­sys­tem, erhiel­ten aller­dings kei­ne syri­sche Staats­bür­ger­schaft. Da Iden­ti­tät zum Wesens­kern eines jeden Men­schen zäh­le und die natio­nal­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät ein wesent­li­cher Bau­stein der Per­sön­lich­keit sei, war und ist es der Stand­punkt des syri­schen Staa­tes, daß die Men­schen, die nach Syri­en flüch­te­ten, zwar gleich­be­rech­tigt leben kön­nen, aber wei­ter­hin sehen soll­ten, daß Paläs­ti­na oder der Irak ihr Hei­mat­land blei­ben, in das sie eines Tages zurück­keh­ren wür­den. Sie emp­fahl die­ses iden­ti­tä­re Ver­ständ­nis von Flucht und Auf­nah­me­be­reit­schaft auch Europa.

Tim Ander­son
Der drit­te Refe­rent die­ses the­ma­ti­schen Blocks war der in Syd­ney leh­ren­de Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Tim Ander­son. Sein Vor­trag ori­en­tier­te sich am jüngst ins Deut­sche über­tra­ge­nen Werk Der Schmut­zi­ge Krieg gegen Syri­en. Ander­sons Ziel ist die Offen­le­gung der »Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne der USA und der Golf­mon­ar­chien im Krieg gegen Syri­en«. Ent­spre­chend die­ser Prä­mis­se nahm er sich ein­zel­ner »Höhe­punk­te« des Syri­en­krie­ges an. 2011, so Ander­son, habe – den west­li­chen Mythen nach – ein fried­li­cher Auf­stand gegen eine Des­po­tie im süd­sy­ri­schen Dar­aa begon­nen, der bru­tal nie­der­ge­schla­gen wur­de, wor­auf­hin syri­sche Sol­da­ten, die das Leid der geschun­de­nen Bevöl­ke­rung nicht mehr ertru­gen, die Sei­ten wech­sel­ten und die »Freie Syri­sche Armee« grün­de­ten. So sei der Bür­ger­krieg ins Rol­len gekom­men, weil das Regime zu kei­nen Zuge­ständ­nis­sen bereit gewe­sen sei. Ander­son beton­te: Nichts davon sei wahr. Der Auf­stand in Dar­aa sei von Anbe­ginn von sun­ni­ti­schen Extre­mis­ten geführt wor­den, Ver­mitt­lungs­an­ge­bo­te wur­den aus­ge­schla­gen, Sicher­heits­kräf­te von Insur­gen­ten getö­tet. Doch die Golf­me­di­en und ihre Kol­le­gen im Wes­ten waren ganz im »Ara­bi­schen Früh­ling« gefan­gen und ver­mit­tel­ten den Nach­rich­ten­kon­su­men­ten, hier sei ein wei­te­rer Sturz eines Tyran­nen durch das Volk im Gange.

Der Bür­ger­krieg nahm sei­nen Lauf, der Wes­ten und die Golf­staa­ten heiz­ten isla­mis­ti­sche Grup­pen an, die Rede von einer »huma­ni­tä­ren Inter­ven­ti­on« wur­de lan­ciert. Dafür muß­ten unter­schied­li­che Mythen her­hal­ten, dar­un­ter Gift­gas­ein­sät­ze, Faß­bom­ben­mas­sa­ker oder die Behaup­tung, Assad füh­re einen Krieg gegen sein eige­nes Volk. Ander­son beton­te, daß Assad – nach Umfra­gen aus West und Ost, nach Mit­tei­lun­gen von Geheim­diens­ten und Spit­zeln – bei der Mehr­zahl der Syrer beliebt sei. Nur haben die­se Men­schen kei­ne Lob­by in Ber­lin und Washing­ton, wäh­rend die Mär vom »Schläch­ter Bas­har« wider bes­se­res Wis­sen über alle Kanä­le läuft, um die Anti-Assad-Grund­stim­mung der west­li­chen Bevöl­ke­rung unter Kon­trol­le zu hal­ten, damit wei­te­re Schrit­te gegen Syri­en (Sank­tio­nen­ver­län­ge­rung, Ruß­land-Schel­te usw.) gebo­ten erschei­nen. Ander­son griff sich eini­ge beson­ders pro­mi­nen­te Greu­el­mär­chen über syri­sche Ver­bre­chen her­aus und wies (wie im Buch Schritt für Schritt und quel­len­ge­sät­tigt nach­voll­zieh­bar!) nach, daß das Sche­ma (leicht ver­ein­facht dar­ge­stellt) so ablau­fe: US-Kräf­te und Isla­mis­ten behaup­ten eine schreck­li­che Tat des Regimes, der Medi­en­block ver­brei­tet es glo­bal, nach ein paar Wochen kommt die Wahr­heit her­aus, aber nun blo­ckie­ren die Medi­en die Rich­tig­stel­lung, wes­halb bei den Bevöl­ke­run­gen das Ursprungs­bild gefes­tigt blei­be. Ander­son wies dem­ge­gen­über – durch­aus in Über­ein­stim­mung mit der Refe­ren­tin vom Vor­tag, Schwes­ter Hatu­ne – auf die »Geno­ci­de men­ta­li­ty« der sun­ni­tisch-dschi­ha­dis­ti­schen Regie­rungs­geg­ner hin, und zwar von »mode­ra­ter« FSA bis hin zum IS.

Ander­sons Fazit lau­tet wie folgt: Des­in­for­ma­ti­on gegen Syri­en ist nötig, um die »eige­ne« (west­li­che) Legi­ti­mi­tät in die­sem inter­na­tio­na­len Stell­ver­tre­ter­kon­flikt zu wah­ren. Wür­de man jetzt die Geno­zid­men­ta­li­tät der Oppo­si­ti­on ein­räu­men, wür­de man den Mythos der fried­li­chen Erhe­bung gegen einen Tyran­nen fal­len las­sen müs­sen. Fällt aber die­ser Mythos, fällt der US-Plan eines Neu­en Mitt­le­ren Ostens! Und für die­ses hege­mo­nia­le Pro­jekt ist man offen­bar bereit, Hun­dert­tau­sen­de Tote, Mil­lio­nen Flücht­lin­ge und end­lo­se huma­ni­tä­re Kata­stro­phen in Kauf zu nehmen.

Dis­kus­si­on Almas­si­an, Sus­li, Anderson
Der Ein­stieg in die leb­haf­te Dis­kus­si­on gelang dem Mode­ra­tor, Oberst­leut­nant a. D. Jochen Scholz, mit sei­ner Bemer­kung, man dür­fe nicht ver­ges­sen, daß die Syrer schon eine Hoch­kul­tur hat­ten, als die Ger­ma­nen noch vor­zi­vi­li­sa­to­risch leb­ten. Das wer­de im Wes­ten zu oft vergessen.

Dis­ku­tiert wur­de her­nach im einzelnen:
– die pein­li­che Rol­le ver­meint­lich lin­ker, kriegs­kri­ti­scher Medi­en im Ein­klang mit der bür­ger­li­chen Mainstreampresse
– die per­so­nel­len Über­schnei­dun­gen zwi­schen NGOs wie Human Rights Watch und west­lich-hege­mo­nia­len poli­ti­schen Struk­tu­ren, etwa dem Sta­te Department
– die Rol­le des Alep­po-Rin­gens in die­sem Krieg (Almas­si­an: Assad will, anders als die Isla­mis­ten, kei­ne »Apo­ka­lyp­se«, daher kön­ne er nicht all in gehen, da er noch Män­ner braucht, die das Syri­en von mor­gen bau­en werden)
– die Funk­ti­on der Al-Qai­da-nahen »NGO« der Weiß­hel­me, die bekann­ter­ma­ßen von den USA und Groß­bri­tan­ni­en finan­ziert wurden
– die Posi­ti­on Isra­els: Sus­li ver­wies in ihrer Ant­wort auf einen Fra­ge­stel­ler, daß Isra­el mit sei­ner isla­mis­ten­freund­li­chen Poli­tik in Syri­en Ver­schie­de­nes errei­chen möch­te: dau­er­haf­te Siche­rung der syri­schen (aber israe­lisch besetz­ten) Golan­hö­hen, Bal­ka­ni­sie­rung Syri­ens, Unter­stüt­zung kur­di­scher Sepa­ra­tis­ten, dau­er­haf­te Schwä­chung der Ach­se Beirut-Damaskus-Teheran
– die Bedeu­tung der Sank­tio­nen gegen das syri­sche Volk (Ander­son: ein­zi­ge posi­ti­ve Aus­nah­me im Wes­ten ist Tschechien)
– die Rol­le der Mos­lem­bru­der­schaft in der Tür­kei, in Syri­en, in Ägypten
– die Heu­che­lei des Wes­tens, wonach US-Angrif­fe auf Zivi­lis­ten stän­dig als bedau­er­li­che, feh­ler­haf­te »Ein­zel­fäl­le« rela­ti­viert wer­den, wäh­rend syrisch-rus­si­sche Bom­bar­de­ments pau­schal als Ver­bre­chen dar­ge­stellt wer­den, selbst wenn sie sich nach­weis­lich gegen Ter­ro­ris­ten­struk­tu­ren richten.

Nach­mit­tags refe­rier­ten u. a. noch Dr. Salem El-Hamid und Wil­liam Eng­dahl. El-Hamid, der kein gutes Haar an der destruk­ti­ven Flücht­lings­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung ließ, ver­öf­fent­licht in die­sen Tagen sei­ne deutsch-syri­sche Lebens­ge­schich­te, wäh­rend Eng­dahl zuvor die Heart­land-Theo­rie sowie die Geschich­te der US-Hege­mo­nie und ihr zuar­bei­ten­der Denk­fa­bri­ken wie­der­gab. Er hob zudem die Rol­le der Öl-Kon­zer­ne her­vor, die eng ver­schränkt mit der US-Poli­tik agie­ren wür­den. Auf­schluß­reich waren auch sei­ne Aus­füh­run­gen zum Pro­jekt Neue Sei­den­stra­ße und der Shang­hai Coope­ra­ti­on Orga­ni­sa­ti­on (SCO). Man darf gespannt sein, was Ruß­land, Chi­na und wei­te­re Staa­ten auf dem Weg zu einer neu­en mul­ti­po­la­ren Welt­ord­nung leis­ten wer­den. Die USA sieht Eng­dahl jeden­falls am Anfang vom Ende: »Ame­ri­ka ist ein Hege­mon im Untergang.«

Die Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Frie­dens­po­li­tik berei­tet eine DVD der Ver­an­stal­tung vor. Die GIF-Vor­sit­zen­de Frie­de­ri­ke Beck, die aus gesund­heit­li­chen Grün­den der Ver­an­stal­tung fern­blei­ben muß­te, hat außer­dem ein neu­es Buch ver­öf­fent­licht, das bei Inter­es­se am The­ma »Mas­sen­zu­wan­de­rung« über Antai­os zu bezie­hen ist. 2017 soll ein wei­te­rer Kon­greß statt­fin­den, der sich am Niveau der dies­jäh­ri­gen Tagung zu ori­en­tie­ren hat.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (10)

Der_Jürgen

25. Oktober 2016 16:09

Ganz herzlichen Dank, Benedikt Kaiser, für diesen hervorragenden Bericht.

Bezüglich der in Ihrem Artikel erwähnten trüben Rolle, die Israel bei der syrischen Tragödie spielt, sei auf folgendes hingewiesen: 1982 veröffentlichte der israelische Journalist Oded Yinon in der Zeitschrift "Kivunim" (Richtlinien) einen Aufsatz mit dem Titel "Einne Strategie für Israel in den achtziger Jahren", der vom Antizionisten Prof. Israel Shahak unter dem Titel "The Zionist Plan for the Middle East" ins Englische übersetzt wurde und leicht im Netz zu finden ist. Als Hauptfeind Israels ortete Yinon den Irak, dessen Auflösung für Israel "noch wichtiger als die Syriens" sei.

In vollem Übereinklang mit diesem Plan hetzten die Neokonservativen (Norman Podhoretz,Douglas Feith, Charles Krauthammer, Paul Wolfowitz, Richard Perle, Elliott Abrams, Bernard Lewis etc.) jahrelang zum Krieg gegen den Irak, der durch das gnadenlose Lebensmittelembargo (Madame Albright, 1937 als Tochter jüdischer Eltern in Prag geboren, zur Journalistin Leslie Stahl als Antwort auf deren Frage, ob der Tod von bis zu 500.000 irakischen Kindern durch Hunger kein zu hoher Preis sei: "Nun, es ist eine harte Wahl, aber ich denke, es ist es wert") schon schwer gebeutelt war. Unter dem lügenhaften Vorwand der "irakischen Massenvernichtungswaffen" führte Bush junior die Invasion des Irak durch, nachdem die unter falscher Flagge inszenierten Anschläge vom 11. September 2001 in der US-Öffentlichkeit ein interventionistisches Klima geschaffen hatten.

Am 9. April, dem Tag, an dem Bagdad fiel, schrieb der israelische Pazifist Uri Avnery: "Amerika kontrolliert die Welt, und wir kontrollieren Amerika. Nie zuvor haben Juden einen dermassen unermesslichen Einfluss im Zentrum der Weltpolitik ausgeübt."

(www. counterpunch.org/2003/04/09/the-night-after)

"Propagandistischer Antizionismus", nicht wahr, lieber Pirmin Meier?

Das Ergebnis: 2,2 Billionen Dollar Kosten für die USA allein bis März 2013; bisher über 5.000 gefallene und ca. 100. 000 verwundete Amerikaner. Die Zahl der irakischen Toten wird auf bis zu 1,4 Millionen geschätzt. Als Ergebnis der Anarchie entstand mit ISIS eine Terrororganisation, wie sie die Welt seit den Roten Khmer nicht mehr sah.

In Syrien wurde dasselbe versucht, mit bisher ca. 300.000 Toten oder mehr und vielen Millionen Entwurzelten. Und dies in einem Land, wo die Christen unter der Baath-Regierung volle Glaubensfreiheit hatten, wie früher unter Saddam im Irak. Aber der russische Bär lässt Assads Sturz Gott sei Dank nicht zu.

Zum Schluss eine durchaus nicht rhetorische, sondern sehr
ernst gemeine Frage an Pirmin Meier, der die Schweizer Politik zehnmal besser kennt als ich:

Mit welchen Mitteln die BRD-Lügenpresse kontrolliert wird, wissen wir (Atlantikbrücke, Aspen Institute etc. sowie direkte Bestechung, man lese Stefan Scheil, Eva Herman, Udo Ulfkotte). Wie wird denn in der Schweiz erreicht, dass (fast) alle Journalisten dieselben Lügen verzapfen, sei es über Syrien, die Ukraine oder die "Flüchtlinge"? (Rühmliche Ausnahme "Die Weltwoche"). Wie wird die Gleichschaltung bei uns durchgesetzt? Ich frage ja nur; vielleicht wissen Sie als ehemaliger Berater von Politikern es.

(Den von Ihnen im letzten Strang erwähnten Dr. Schlüer kenne ich übrigens; er ist ein wackerer Mann, hält sich aber auch an die roten Linien des Systems, ebenso wie der schneidige Roger Köppel. Man muss halt Realist sein.)

Meier Pirmin

25. Oktober 2016 17:08

@_derjürgen. Ich riet und rate noch heute jedem Politiker von falsch verstandener Solidarität ab. Mehr habe ich hier nicht zu sagen.

Dietrich Stahl

25. Oktober 2016 17:38

@Der_Jürgen
Ihre Darstellung der zionistischen Strategielinie Oded Yinon – Wolfowitz & Friends – Irakriege – Libyen – Syrien ist schlüssig.
Die Tagung des GIF skizziert sehr verdienstvoll die aktuellen ökonomischen/geopolitischen Spieler und Interessen.

Politische Probleme erinnern mich Zwiebeln. Die GIF Tagung entfernt vielleicht die zwei äußeren Schalen der Syrienzwiebel.
Wenn man die obige Strategielinie zeitlich weiter zurückverfolgt, schält man die syrische Problemzwiebel und nähert sich dem Kern. Und man sieht mit tränenden Augen, dass die Paneuropa Bewegung mit dem, was heute in Syrien geschieht verknüpft ist.

Graf Coudenhove-Kalergi und seine zionistischen Förderer sind genauso Glieder der Kette wie heute die zionistische Aktivistin Barbara Lerner Spectre, der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy und der US Stratege Thomas P. M. Barnett.

Youtube – Klartext Barbara Lerner Spectre
https://www.youtube.com/watch?v=p7flRWCzJfo

Sarkozy über strategische „Notwendigkeiten“
https://www.youtube.com/watch?v=gY3nVUD8eqE

Das vereinigende strategische Ziel ist die Umvolkung Europas. Sie ist der Kern der Zwiebel oder, wenn man so will, des Pudels.

Klar wird gerne mitgenommen, dass man noch ein paar Dollar verdienen kann – am Sterben und durch die Bodenschätze, die man sich unter den Nagel reißt.
Der Kern des Zwiebelzopfes Irak-Libyen-Syrien ist aber das NWO Motto Ordnung aus Chaos.

Arminius Arndt

25. Oktober 2016 18:27

nachdem die unter falscher Flagge inszenierten Anschläge vom 11. September 2001 in der US-Öffentlichkeit ein interventionistisches Klima geschaffen hatten.

Dem möchte ich widersprechen (maximal let it happen ist hier denkbar - möchte diese Diskussion aber nicht aufmachen und erspare uns allen daher eine Begründung). Und da ich dem Rest jetzt nicht ausdrücklich widerspreche, dürften Sie eigentlich zufrieden sein.

Aber jetzt zum Thema:
Syrien bestätigt den alten Spruch, dass das erste, was bei einem Krieg stirbt, die Wahrheit ist. Man kann als Außenstehender nicht richtig durch blicken.

Einen etwas kontroversen Punkt möchte anfügen: Russland agiert doch erstaunlich schwach, denn sonst wäre der Konflikt schon deutlich weiter in Richtung Assad verlaufen. So viel scheint Russland offenbar dann doch nicht aufzubieten zu können - oder zu wollen.

Dies stimmt nachdenklich, da damit eigentlich nur noch das Nuklearpotential die glaubhafteste Abschreckung Russlands darzustellen scheint - und das ist für uns in Europa meiner Meinung nach mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Ein Gleichgewicht des Schreckens hat im kalten Krieg vor allem auch deshalb recht gut funktioniert, da wir auf beiden Seiten gut durchorganisierte, rational agierende Player hatten, die zudem über ein enormes Eskalationspotential verfügten, ohne gleich zu Nuklearwaffen greifen zu müssen.

Wenn man es etwas enger sieht, dann sind wir wieder näher an einer atomaren Auseinandersetzung als vor 89 ... und wenn der Präsident der USA diejenige wird, welche interessierte Kreise schon immer haben wollten, dann sind wir noch einen Schritt weiter ...

Der_Jürgen

25. Oktober 2016 19:29

@Dietrich Stahl

Alles richtig, was Sie schreiben. Den Coudenhove-Kalergi-Plan dürfen Sie aber hier nicht mehr erwähnen. Über den wurde früher hier so ausführlich debattiert, dass Martin Lichtmesz jedem, der ihn nochmals zur Sprache droht, eine lebenslange Sperre angedroht hat. Das wollen Sie sich doch nicht antun, oder?

Auch die anderen von Ihnen erwähnten Damen und Herren sind mit ihren Aussprüchen den allermeisten Sezessionisten vermutlich längst ein Begriff. Aber es lesen hoffentlich auch Frischlinge mit, und für die ist all das vielleicht noch neu.

Dietrich Stahl

25. Oktober 2016 21:12

@Der_Jürgen

Danke für den Hinweis. Ich bin hier auch noch "the new kid on the blog".
Da kann man schon mal ins Fettnäpfchen treten.

Cheers.

Der_Jürgen

25. Oktober 2016 23:27

@Arminius Arndt

Sie werfen die legitime Frage auf, weshalb der Krieg ein Jahr nach der russischen Intervention nicht schon längst zu Assads Gunsten entschieden sei. Es gibt hierfür zwei Gründe:

1) Im Gegensatz zu den USA, die mit Vorliebe Hochzeitsfeiern und Begräbniszeremonien zu bombardieren scheinen, tun die Russen ihr Bestes, um zivile Opfer zu vermeiden. Dass es nicht ganz ohne solche abgehen dürfte, liegt leider in der Natur der Sache. Wenn man heute in Ost-Aleppo, wo die Halsabschneider die ganze Zivilbevölkerung als Geisel nehmen, militärische Positionen der Terroristen bombardiert, werden dabei zwangsläufig viele Zivilisten getötet oder verletzt. Baschar Assads Vater Hafez hatte solche Skrupel nicht. Als die Moslembrüder anno 1982 in der Stadt Hama einen Aufstand anzettelten, schlugen Assad seniors Truppen diesen innerhalb einiger Wochen nieder - um den Preis von ca. 20.000 zivilen Toten und der Zerstörung der Stadt.

2) Putin hat vor einem Jahr versprochen, keine Bodentruppen zu entsenden. Mit 50 Armata-Panzern und 2000 Speznaz-Kämpfern könnte man den Halsabschneidern sehr rasch "zeigen, wo die Krebse überwintern", wie man in Russland sagt, aber das widerspräche der erklärten Doktrin. Also geht es nur "the hard way", wie die Angelsachsen zu sagen pflegen. Jedenfalls werden die Russen dafür sorgen, dass Aleppo allerspätestens vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten im Januar, wer es auch sei, befreit wird. Das schaffen die, um eine sattsam bekannte "deutsche" Politikerin zu persiflieren.

Erik

26. Oktober 2016 08:34

Interessante Veranstaltung, guter Tagungsbericht. Klar ist mittlerweile, dass sich die Gründe für den „Konflikt“ aus vielerlei Faktoren speisen. Wirtschaftliche, geopolitische, religiöse. Viel gibt es darüber auch nicht mehr zu schreiben. Zumindest nicht, ohne Gefahr zu laufen sich ständig zu wiederholen. Wichtig wäre es nun, dass die Menschen nun endlich aufwachen und gegen dieses satanische Spiel der Westmächte und der Golfmonarchien opponieren.

Raskolnikow

26. Oktober 2016 10:06

Jungs, Jungs, Jungs ...

Immer wieder ließ ich es mir angelegen sein, hier auf die unbedingte Notwendigkeit einer globalen/außenpolitisch-strategischen Perspektive hinzuweisen; aber, um gottes Willen doch nicht so!

Laßt mich kurz replizieren: Diese Tagung ist sicher gut und schön, auch die Intention mit Syrern zu reden, anstatt mit den üblichen retirierten Generälen oder einem Scholl-Latour vom Grunde der Moccatasse zu lesen, ist hervorragend. (Ich weiß, Ihr liebt S-L, ich nicht, aber weder er noch wir sind hier das Thema, also haltet an Euch!)

Wer allerdings schon einmal im Orient war, wird feststellen, was "die Sichtweise der Einheimischen" bedeutet. Man sollte sich das anhören und zum eventuellen Gebrauch bereithalten, mehr nicht. Meine Oma kam erst vor ein paar Tagen mit einem rosaroten Zeppelin aus der in Rede stehenden Gegend zurück an die heimische Kaffeetafel. Sie fuhr mit ihrem Landauer die M5 von Süden nach Norden hinauf und sprach in recht kurzen Zeitabständen mit Männern verschiedener Gruppen (Liwa al-Quds, Nujaba, Basij und; Omas Lieblinge von der PLA), mit den syr. SOF-Offizieren, die den ausländischen Verbündeten zugeteilt sind, sowie mit Zivilisten aller Art und Nuance.

Glauben Sie ihr bitte, sie hörte von jedem eine schlüssige Version, worum es in diesem Krieg wirklich, wirklich!, ginge und wer was, wann, wo, wie, wozu tut. Und jeder hat auf irgendeiner Ebene, aus irgendeiner Perspektive recht. Nur, sind diese Sichten und Nuancen allein für Leute interessant, die sich dort bewegen.

Für uns als Deutsche/Europäer, als Oppositionelle, als intellektuelle Widerständler, die vllt. einmal verantwortliche Entscheidungen treffen werden müssen (Ja, ich bin wieder Optimist, was bestimmt an meiner starken Medikation, Tramal, Baclofen u.a., liegt, aber wer weiß ...!) sind diese Spielchen nichts als Kickifax! Ähnlich MH17, Brutkastengreuel in Kuweit, WMD im Irak oder die Faßbombenmärchen aus Syrien sollten uns die Diskussionen um UNO-Konvois oder White Helmets nicht interessieren.

Diese Bespaßungs- und Kriegsmotivationsgeschichtchen sind für die Massen gedacht und sollten ernsthafte Leute nicht interessieren, denn die Dinge, die wirklichen Dinge, laufen woanders ab. Und die Arbeit und Aufmerksamkeit, die z.B. Diplomaten unseres fake-Staates und zahlreiche Außenpolitikexperten in die Sortierung solcher Meldungen stecken, ist ein Witz sondergleichen und beweist nur Uninformiertheit und, vom Hegemon gewollte, Belanglosigkeit unseres Apparates.

Was läuft ab? Was ist für uns von Relevanz? (Ich hoffe, ich schaffe das irgendwie kurz zu halten, pirminsche Ausmaße liegen mir eigentlich fern ...)

In der Ukraine und in Syrien sehen wir zum ersten Mal das Aufeinandertreffen der Nachkriegsordnung und der Zukunft. Die Konfrontation des US-Imperiums und eines, vllt. des momentan entschlossensten, Herausforderers.

Es geht für uns nicht um Poroshenko, Kolomoijski oder Sacharchenko, Plotnitzki; auch nicht um Assad, Saud oder Bazani. Es geht vor allem um die Vereinigten Staaten von Amerika vs. die Russische Föderation.

Und auch wenn hier in kaum zu übertreffendem Maße des Bescheuertseins immer wieder vor einer russischen Hegemonie gewarnt und für einen "deutschen Weg" geworben wird, (Wir werden mindestens 10 Jahre brauchen, aus Deutschland überhaupt wieder einen Staat zu machen. An selbstständige Außenpolitik zu denken, ist Buddelkastengrößenwahn!) kämpft Russland momentan für alle Völker dieser Erde, um den Sturz des Wallstreet-Imperiums. Jeder Mann, dem die notwendigen und nicht zu unterschätzenden Demonstrationen in DD und anderswo zu wenig sind, fände hier eine hervorragende Betätigung!

Antwort Benedikt Kaiser:
In aller Kürze: Aleppo ist das wirtschaftliche Zentrum Syriens, die zweitgrößte Agglomeration nach Damaskus ...

Diese Sicht ist natürlich nicht falsch, aber sie ist, wie oben angedeutet, eben nur der unwichtige Teil der Antwort. Fällt Aleppo, ist Washington (erneut) blamiert. Die USA unterstützen die Terroristen mittlerweile ganz offen und die Russen machen ihnen den Garaus. Das ist keine Weltmacht mehr.

Seit der ersten Oktoberwoche ist das US-Imperium im freien Fall. Der Putsch den Ashton Carter und seine Cowboys gegen Obama-Kerry veranstaltet haben, ließ die Dinge zu Tage treten. Die Russen haben diese Schwächen genutzt und mit heftigen Schlägen beantwortet (Wer Bescheid weiß: Plutonium-Vertrag, S300/400, Venezuela, WDW in Ägypten, die Kuba-Vietnam-Frage, KalibrS, der Bunker im Samaam-Gebirge usw ...) Mit dem Angriff auf Deir-Ezz (dort starben 7 russ. FAC´s!) haben sich die Cowboys verspekuliert und alles läuft ganz schnell ab.

Russland agiert doch erstaunlich schwach, denn sonst wäre der Konflikt schon deutlich weiter in Richtung Assad verlaufen. So viel scheint Russland offenbar dann doch nicht aufzubieten zu können – oder zu wollen.

Lieber Arndt, ich glaube, Sie gehören auch zu den von mir angesprochen Vor-Russland-Warnern, bitte verlassen Sie doch mal Ihren Vorgarten!

Es geht eben nur in zweiter Linie um Assad. Natürlich haben sie recht, sowohl Syrien, als auch die Ukraine wären in zwei Wochen von US-Püppchen gesäubert. Das wird Putin ja von russ. Nationalisten immer vorgeworfen (Girkin und Co). Nur haben diese Kritiker keine Ahnung! Der Kreml will keinen full-scale-Krieg. Und ein großer Krieg ist auch unnötig. Es reicht, die Unfähigkeit des Imperiums zu demonstrieren.

Die Rückzüge vor der russ. Flugabwehr, der Versuch, die Takfiris aus Mossul nach Syrien (am besten Aleppo) zu schieben, der moderate Ton der letzten Wochen aus Think-Tanks usw.

Warten Sie ab, was passiert, wenn der russ. Trägerverband im Mittelmeer ist! Die Pjotr Weliki (und noch zwei weitere Schiffe) hat Oniks-Raketen an Bord. Ich bin sehr gespannt, denn US-Admiräle haben bereits geäußert, daß sie ihren eigen Verbänden eigentlich einen Mindestabstand von 250 bis 300 km befehlen müssten. Ob sie sich bei den Hardlinern durchsetzen, bleibt abzuwarten ...

Jedenfalls hat das russ. Verteidigungsministerium verkündet, diese Schiffe seien keineswegs für die Bekämpfung terroristischer Gruppen in Syrien gedacht.

Auch Israel unterstützt die JaS, aN, al-Zenki u.a., nicht, um Europa mit Flüchtlingen zu fluten, sondern, um das Imperium, ihre Schutzmacht zu stützen. Nur die Angst vor US-Feuerkraft garantiert die Unversehrtheit dieser Entität. Momentan wird diese Feuerkraft aber als virtuell entlarvt, als gigantischer Bluff. Wo sind denn die F-35? Das USAF-Kontigent im Irak, im persischen Golf und im Mittelmeer besteht aus F-16, F-18 - 70er-Jahre-Schrott (und Cruise Missiles)!

Wenn ich mich für den Mittelpunkt der Welt, oder den Mittelpunkt der Zwiebel halte, komme ich zu so absurden Schlußfolgerungen, wie der Syrienkrieg sei inszeniert worden, um Deutschland mit Flüchtlingen zu zerstören. Diese Art zu denken, hat Nietzsche sicher zu der Aussage inspiriert, jede Mücke halte sich für den Mittelpunkt des Universums ... Deutschland ist so unrelevant, wie nur irgendwas unrelevant sein kann.

Ich muss hier abbrechen, das wird zu lang. Und ich befleissige mich schon jener gewöhnlich-ordinären Sprache, die ich so verabscheue.

Meine Oma würde bestimmt zu einer strategischen Plauderstunde anreisen, sollte Kubitschek oder Lehnert (oder Kaiser?) Derartiges organisieren ....

Völlig zugedröhnt,

R.

Benedikt Kaiser

26. Oktober 2016 10:21

Könnte es ein besseres Schlußwort geben? Nein. Daher: Danke an alle Beteiligten.

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