Sezession
4. Dezember 2013

Autorenporträt C.S. Lewis

Gastbeitrag

PDF der Druckausgabe aus Sezession 57 / Dezember 2013

von Johannes Ludwig

Anläßlich seines 50. Todestages am 22. November 2013 hat Clive Staples Lewis einen Gedenkstein in der »Poets’ Corner« der »Westminster Abbey« erhalten. Es ist kein Zufall, daß dies auf eine private Initiative hin geschehen ist, die von der Abtei zwar geduldet, aber nicht unterstützt wird. Denn bei dieser bemerkenswerten Ehrung – Lewis steht damit in einer Reihe mit William Shakespeare, Charles Dickens und Jane Austen – handelt es sich um ein starkes Signal;

ein Signal, das so gar nicht zur offiziellen Linie der Anglikanischen Kirche paßt, die in Streitfragen wie der Frauenordination und der Segnung homosexueller Paare sukzessiv traditionelle Positionen abräumt; ein Signal, das auch dem britischen Thronfolger nicht gefallen dürfte, der angekündigt hat, den dem englischen Königshaus im 16. Jahrhundert vom Papst verliehenen Titel Defender of the Faith im Namen des interreligiösen Dialogs in Defender of Faith umzuwandeln. In dieser Situation C.S. Lewis zu den großen Dichtern der englischen Nation zu schlagen, ist ein symbolischer Akt des Widerstandes.

Man würde Lewis nämlich unterschätzen, wenn man in ihm nicht mehr sähe als den Autor einer außerordentlich erfolgreichen Kinderbuchreihe, den Chroniken von Narnia. Im angelsächsischen Raum hat man ohnehin nie vergessen, daß er nicht nur Fantasy geschrieben hat, sondern auch literaturwissenschaftliche, philosophische und theologische Bücher. Die englischsprachige Sekundärliteratur über Lewis ist längst unüberschaubar geworden, und der wissenschaftliche Ritterschlag wurde ihm spätestens mit dem 2010 erschienenen Cambridge Companion to C.S. Lewis erteilt.

In Deutschland ist das anders. Hier ist Lewis, von ein paar Evangelikalen und vereinzelten katholischen Denkern abgesehen, noch immer nahezu unbekannt. Nicht einmal die Kinoadaption seiner Narnia-Bücher hat daran wesentliches geändert. Dabei ist die Relevanz seines belletristischen und politisch-philosophischen Werkes eigentlich ungebrochen, was vor allem seine Gegner längst erkannt haben: Der bekennende Atheist und linke Fantasy-Autor Philip Pullman warnt regelmäßig vor Lewis, dessen Bücher »rektionären Hohn, Frauenfeindlichkeit und Rassismus« enthielten. Es existiert eine umfangreiche Gegenliteratur, die sich der Widerlegung einzelner Lewisscher Argumente oder gleich seiner ganzen Weltanschauung widmet.

Ein wesentlicher Grund dafür, daß Lewis von linker Seite als Feind so ernstgenommen wird, dürfte darin liegen, daß er selbst von links kam. 1898 in Belfast als Sohn eines zwar nicht streng puritanischen, aber doch religiösen Vaters geboren, wandte er sich schon als Jugendlicher vom Glauben seiner Vorfahren ab. Der Einfluß der Reste des Rationalismus des 19. Jahrhunderts einerseits, die sozialistische Atmosphäre unter den spät- und postviktorianischen Intellektuellen Englands andererseits ließen es dem Studenten Lewis als selbstverständlich erscheinen, daß ein intelligenter Mensch Atheist und Linker sein müsse. Lewis studierte in Oxford Philosophie und englische Sprache, und erst nach Abschluß des Studiums und infolge eines beständigen Streitgespräches mit Freunden wie Owen Barfield und J.R.R. Tolkien erlebte Lewis seine »zweite Geburt« (Armin Mohler) als Konservativer und Verteidiger der abendländischen Tradition.

Die Herkunft aus dem linken und rationalistischen Lager prädestinierte ihn, zum »Apostel der Skeptiker« (Chad Walsh) zu werden; das um so mehr, als seine Bekehrung zum Christentum nicht abrupt erfolgte, sondern das Ende eines langwierigen Prozesses war, in dem Lewis einmal durch sämtliche modernen Häresien und philosophischen Moden hindurchging – und sie daher von innen kannte. Er identifizierte dabei einen 1789 vollzogenen Traditionsbruch in Europa, der im wesentlichen aber keine sozialen oder politischen, sondern kulturelle und geistige Ursachen gehabt habe.

Deren Zentrum, so Lewis, sei eine in allen möglichen Spielarten – vom aufklärerischen Rationalismus über den marxistischen Materialismus bis zum sprachphilosophischen Konstruktivismus – vertretene Infragestellung der konkreten, erlebten Realität. Lewis entwickelte in Auseinandersetzung mit diesen erfahrungsfeindlichen Weltanschauungen eine ausgearbeitete erkenntnistheoretische Gegenlehre, die einen essentialistischen Standpunkt begründete. Im Kern stand die Auffassung, daß es sich bei der erfahrenen Realität um keine Illusion oder »Konstruktion« handle, sondern daß ein tatsächliches Erkennen der Wirklichkeit und ihrer Eigenschaften möglich sei.


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