07. Dezember 2016

Österreich nach der Wahl: Wie weiter?

von Martin Lichtmesz / 16 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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    Kommentare (16)

    Mario
    08. Dezember 2016 12:39
    Harte Zeiten machen starke Männer.
    Starke Männer bringen gute Zeiten.
    Gute Zeiten machen schwache Männer.
    Schwache Männer bringen harte Zeiten.

    Krebs tötet, wer ihn hat,
    Islam, wer ihn nicht hat.
    Ein gebürtiger Hesse
    08. Dezember 2016 13:28
    Was im letzten Satz steht, ist am allerwichtigsten. Wir müssen selbst was tun, mehr tun als immer wieder. Der Schlendrian derer, denen es "noch zu gut geht", betrifft eben auch die Rechten. Hier darf man sich ruhig an die eigene Nase fassen. Wer weiß, ob es letzten Sonntag nicht doch für die ersehnte Wende gereicht hätte, wenn man mehr agitiert, geackert, mehr Gesicht gezeigt hätte (Sellner & friends ausgenommen). Im nächsten Jahr muß da einfach mehr kommen.
    cherusker69
    08. Dezember 2016 14:00
    Warum Hofer die Wahl verloren hat? tja das hat für mich folgende Gründe.
    Man muss ja wirklich sagen, dass diese Medien übermächtig sind..Medien machen Meinungen. Das ist nichts neues den wer diese besitzt, hat die Macht und kann das Volk manipulieren..

    Dazu kommt das natürlich der Schuldkult nach wie vor in den Köpfen der Menschen sitzt, ja nicht mehr so stark, packen kann man sie aber trotzdem noch.

    Als nächstes kommt natürlich, das Patrioten keine offene Bühne gegeben wird zu protestieren. Bei uns in Deutschland ist es ja noch schlimmer..Bekennt man sich zur AFD und co, droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Ein Familienvater wird sich zwei dreimal überlegen ob er das riskiert. Repression und Einschüchterung.

    Was Thorsten Hinz hat in seinen Buch Weltflucht und Massenwahn geschrieben, dass viele diesen grossen Austausch überhaupt nicht mehr als bedrohlich wahrnehmen..

    Das ist ein Bündel von Ursachen, die es Patrioten erheblich schwer machen uns Gehör zu verschaffen..
    John Glenn
    09. Dezember 2016 12:16
    Lichtmesz zählt zahlreiche Gründe auf, warum Hofer verloren hat, jedoch sticht einer besonders hervor, nämlich der Mangel an Kreativität und Aktionismus im rechten Lager. Der Hofer - Wahlkampf wurde hauptsächlich von der FPÖ geführt, was einen völligen Kontrast du den vielen kreativen Aktionen grüner Aktivisten darstellt. Die Unterstützer Hofers waren viel zu bequem, um Eigeninitiative zu zeigen. Ihre Meinung war, dass es reicht am Wahltag ein Kreuz bei Hofer zu machen. Wir haben es hier mit einer besonderen Art von politischer Ignoranz zu tun. Auf den Punkt gebracht: Viele konservative Studenten wagen es nicht mal in einem Toilettenhäuschen einen Aufkleber anzubringen, denn das wäre ja "Sachbeschädigung". In diesem Bereich muss ein völliges Umdenken stattfinden. Wir haben die Pflicht nach außen zu vermitteln, dass es uns gibt, dass wir existieren. Allein dadurch unterminiert man schon die Absicht der Linken uns in einem atomisierten Zustand verharren zu lassen. Wir brauchen eine eigene kampagnenfähige Blogosphäre mit Trollarmeen. Wir brauchen bessere und zahlreichere Memes. Wir müssen von Trumps Anhängern in den sozialen Medien lernen, wie man gewinnt.
    Sven Jacobsen
    09. Dezember 2016 14:46
    Das Establishment verfügt v.a. mit den traditionellen Medien (insbesondere den bedeutenden Tageszeitungen oder den bekanntesten Fernsehsendern) über zuverlässige Möglichkeiten der Einflussnahme. Alle Statistiken der Mediennutzung, mit den altersspezifischen Vorlieben quergelesen, belegen, wie hartnäckig sich die traditionellen Medien halten. Auch altgediente Wahlkämpfer wissen zu berichten, wie unverzichtbar Faltblätter im Briefkasten, Zeitungsartikel oder die nach kurzer Zeit demolierten Wahlplakate an den Straßenrändern sind. Sie verkörpern in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit Präsenz. Bis auf Weiteres ist das zwingend. Präsenz zeigt man übrigens, indem man sachlich, zu seiner Meinung offen stehend und argumentativ gut ausgestattet auftritt (z.B. in den Leserbriefen der Lokalzeitung). Was das Fernsehen angeht: Dort schneiden „Rechtspopulisten“ i.d.R. eher schlecht ab. Die Zusammenstellung der Gäste ist ungünstig und die Moderatoren greifen schnell mit peinlichen Zitaten aus ganz anderen Zusammenhängen ein, wenn sich Punktsiege abzeichnen. Selbst der intelligenteste, ruhig auftretende und rhetorisch begabteste Mensch wird auf Dauer regelrecht zerrieben, weil spätestens die Nachbereitungen am Folgetag nicht vorhersehbar sind und Darstellungen verzerren können. Es stellt sich daher die Frage, ob man diese Bühne nicht medienwirksam meiden sollte. Das sorgt für Gespräche, die irgendwo immer etwas Positives hinterlassen, weil die Leute auf der Straße mittlerweile wissen, wie sich der Verzicht auf TV-Auftritte begründet. Anstatt also eine weitere inszenierte Talkshow abzusitzen, bietet man deren Veranstaltern besser – für sie kostenpflichtige - Pressemitteilungen an und konzentriert sich bis auf Weiteres darauf, andere Kanäle, vom Wachstumssektor Internet bis hin zur bekannten Postwurfsendung, kreativ zu besetzen.
    Thunderbellen
    09. Dezember 2016 16:48
    Ein gelungener Schachzug des VDB-Wahlkampfleiters Lothar Lockl war mit Sicherheit diese beharrliche Fixierung auf Heimatsujet, ausgerechnet von den polyglotten Grünen, auch wenn VDB diese parteiliche Zuordnung aus gutem Grund (die Grünen sind in Ö nur eine 10-12% Partei) strikt ablehnte und sich als unabhängiger, parteifreier Kandidat positionierte. So sah man VDB in Lederhosen, auf Volksfesten Hände schütteln und Schnaps trinken, auf Almen herumwandern und mit den Sennern scherzend - wieviel Überwindung mag das gekostet haben? Bei ÖVP-Wählern kam es allem Anschein nach jedoch gut an, links von der Mitte graste er ohnehin alles ab. Ein Kommentator gestern meinte, es könnte Hofer geschadet haben, aus der r-k Kirche ausgetreten zu sein, das hätte ihm 1953 wohl wirklich geschadet, 2016 dürften das vielleicht ein paar Dutzend Stimmen sein, ohne Bedeutung. Die aggressive, medienwirksame Haselsteiner-Kampagne ("Hofer bedeutet Öxit") hat im feigen bürgerlichen Lager gewiss Angst erzeugt und Stimmen für VDB gebracht. Ich selbst habe Hofer zwar gewählt, auch wenn er mich nicht im Geringsten überzeugt hat und wählen meiner Ansicht nach nicht viel bringt oder verändert, und schon gar nicht eine gleich wie geartete politische Wende herbeiführen kann. Das dürfte nur die Hoffnung von Greisenvölkern sein.
    Jürg_Jenatsch
    10. Dezember 2016 00:36

    Die Analyse ist wie zumeist von Martin Lichtmesz messerscharf analysiert und brilliant zu Papier gebracht. Von ähnlicher Qualität wie die Analyse von Manfred Kleine-Hartlage. Auch ich sehe in der Niederlage keine wirkliche Katastrophe, denn dazu ist das Amt nicht gewichtig genug. Sollen sie auch fürderhin ihre Fehler machen. Nur ein Punkt, wenn die europäischen Völker nicht bald mehr Kinder bekommen, dann werden sie demographisch von den virileren und fruchtbareren Ethnien überrollt, die sie noch dazu in absoluter Verblendung auf den eigenen Boden siedeln lassen. Die Zukunft Europas wird im Kreißsaal entschieden. Wer sich die Geburtsstationen und die meisten Schulen ansieht, der bekommt eine Ahnung wohin die Reise geht. Ich muß nur in die Klassen meiner Töchter schauen. Da ist eine knapp verlorene Wahl um das Amt des Staatsnotars das geringste Problem. Aber es wird standgehalten, mag die Lage auch aussichtslos aussehen.

    Der_Jürgen
    10. Dezember 2016 10:50

    Das neue Format von Sezession ist sehr ansprechend, deutlich besser als das alte, wenn man die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat. Gut ist insbesondere, dass die Kommentare jetzt numeriert sind, so dass man bei Hinweisen einfach die betreffende Nummer nennen kann. Kommentar 4 stammt von mir.

    Erzreaktionär
    10. Dezember 2016 13:12
    Kann es nicht auch sein, daß vielen Österreichern der sich immer länger hinziehende Dauerwahlkampf auf den Senkel gegangen ist, und man das irgendwie der FPÖ angelastet hat, da diese auf Einhaltung einer ordentlichen Durchführung der Wahl gepocht hat? (Als Nicht-Demokrat bin ich über den laxen Umgang gerade der "Deine Stimme zählt!"-Fraktion mit den Spielregeln der Demokratie immer wieder erstaunt...). Zumal das Niveau der Auseinandersetzung von beiden Seiten ja wohl über weite Strecken unterirdisch war. Daß Hofer nicht gewonnen hat - schade, aber sei's drum. Ich sehe es so: Typen wie Van der Bellen sind das letzte Aufgebot des Systems. Im Herbst 2016 braucht es eine "Volksfront" von linksaußen bis in die "Mitte", um mit Ach und Krach diesen Sandler (solche zerknautschten und unrasierten Figuren schnorren einen normalerweise am Bahnhof um 50 Cent an...) auf den Präsidentensessel zu hieven. Viel interessanter dürften doch die Auswirkungen auf die kommenden Parlamentswahlen sein. Die Zahlen legen ja irgendwie nahe, daß ein Großteil der traditionellen ÖVP-Wähler den Vorgaben der Parteileitung nicht gefolgt ist und für Hofer gestimmt hat. Ob sich die "Christlichsozialen" damit langfristig einen Gefallen getan haben?
    Richard Cobden
    10. Dezember 2016 21:38
    Man sollte sich in diesen Tagen die beeindruckende "Masters of the Universe" - Rede von Alex Kurtagic durchlesen, die klar ausführt, dass die Rechte metapololitisch ein Sieger-Image und eine Gegenkultur mit einer eigenen Symbolsprache aufbauen muss. Ziel muss sein, dass die Menschen fühlen wofür wir stehen. Wir müssen die Menschen dazu bringen zu fühlen, bevor wir sie zum denken bringen. Hier ein Auszug: http://www.counter-currents.com/2011/09/masters-of-the-universe/ "And a winning formula means acting as if. Acting as if we are already there. Which implies operating like an alternative society, offering access to a parallel universe, physical and metaphysical. Access to a different cosmology, a different system of symbols, a different way of understanding life. The new nationalism looks like an establishment in waiting." [...] "And to be attractive we have to be image conscious—because a picture speaks a words. If we want our fellow citizens to see, we have to help them visualize. We have to show them what we mean, and we have to do it in less than a second. Most people make up their minds about something or someone in less than a second."
    Miena Eiben
    11. Dezember 2016 08:46
    Österreich hat seinen Staatsvertrag. In Bezug auf die ehemalige britische Besatzungsmacht wird man sicherlich bald die Fesseln lösen können. Die Brexit-Verhandlungen. Spanien wird Gibraltar fordern. Österreich sollte einen Grundlagenvertrag mit den Briten schließen, der die Fesseln seiner Souveränität lockert und auch die Südtirolfrage anspricht. Denn der Brexit gibt europäischen Staaten Verhandlungsmacht. Ein grüner Präsident, der mit dem Staatsvertrag gepudert ist, wird kaum treibende Kraft werden.
    la vie est belle
    08. Dezember 2016 15:00
    Mangel an Kreativität und Innovation

    Vollkommen richtig. Das heißt für uns: Kreativität und Innovation maßgeblich vorantreiben und solche Kräfte auch gezielt fördern. Aber dann brauch man eben auch eine VISION für die Zukunft, eine noch nicht existente Utopie (=linkes Grundparadigma) die beschreibt, wie das denn aussehen soll, WOHIN wir wollen. Ist das Ziel einigermaßen umrissen, so kann auch ein Weg gefunden werden, der dahin führt. Und der führt niemals in die Wiederherstellung des Gestrigen, es ist ein kollossaler Irrtum zu glauben, man könnte die guten alten Tage wiederherstellen. Es ist unmöglich, da die Zeitachse sich nunmal nur in eine Richtung bewegt.

    Ja. Wenn die Rechte sich weiterentwickeln will, dann muss sie auch gewinnbringende Eigenschaften wie Innovation und Fantasie einbringen. Ein Graus für alle verstockten Konservativen, die sich neurotisch in der Analyseschleife befinden.

    Aber gute Zeiten für Sellner und Co....!
    Dietrich Stahl
    08. Dezember 2016 15:08
    Die Wahl Trumps und die Nichtwahl Hofers haben zweierlei gezeigt.
    Es kann überraschende Sprünge nach vorn geben; und es wird nicht ohne Rückschläge abgehen – wie im richtigen Leben [jeder, der möchte – es werden nicht so viele sein, kann sich an dieser Stelle ein Smiley, ganz nach eigener Fasson, denken].

    Ein großer Schwachpunkt des patriotischen Lagers ist sein Mangel an Kreativität, Innovation und Energie.


    Freude und Humor möchte ich unbedingt ergänzen. Oben in Klammern dazu ein mehr oder weniger (Ihre Entscheidung und Geschmack) gelungener Versuch von mir.

    Humor ist sehr anziehend. Dazu gibt es einige Studien. Mit dem anderen lachen zu können, wird von vielen an Nummer 1 auf die Frage nach den Kriterien für die Partnerwahl gesetzt. Man fühlt sich einfach wohler mit Menschen, die Freude haben, an dem was sie tun, und die über sich lachen können.

    Nicht zuletzt: Das Eigene.



    Das hat sich zu einem Mantra für mich hier bei SiN entwickelt. Ich halte es für das Wichtigste. Das Eigene in einem weiten Sinn. Identität, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein und Volk, Nation Rasse.

    Das patriotische Lager muss hier aktiv an einer Veränderung mitarbeiten, auch außerhalb des Wahllokals und der Wahlkampfsaison. Vielleicht sollte dies die wichtigste Lehre der Wahl sein.

    Karl K
    08. Dezember 2016 15:37
    Die Österreicher haben die Tür sehr weit aufgemacht. Immerhin haben sie nun ein Zwei-Parteien System - und die Regierenden welcher Couleur auch immer können sich mit ihrer Politik ganz sicher nicht mehr gegen das Volk richten wie noch in Merkel-Land, wo das Volk wütend zusehen muss, wie die Sozialkassen geplündert werden und die Zukunft der Kinder gefährdet wird, damit die Eliten ihre Lohndrücker bekommen.
    thotho
    08. Dezember 2016 17:51
    Mir haben zur Nachwahlbetrachtung die Worte Mölzers gut gefallen.

    Man muss vom Stil her die Mitte ansprechen, aber von der Sache her hart bleiben. Die FPÖ ist deshalb eine Systemalternative, weil sie für die autochthone Bevölkerung, für die Erhaltung der österreichischen Identität, gegen Massenzuwanderung, gegen Sozialmissbrauch eintritt. Würde sie da aufweichen, wäre sie historisch obsolet. Sie wird es vom Stil her moderat machen müssen.


    So kann man das in Österreich am ehesten bewerkstelligen. Hofer sollte, meiner Meinung nach, Strache ablösen (auch wenn der die Partei wieder nach oben gebracht hat). Es geht schließlich um die Sache, nicht um Personen, gebe ML vollkommen Recht.

    MS liegt in puncto zivilgesellschaftliches Engagements vollkommen richtig. Es gibt schon Kreative neben den Leuten der IB (siehe etwa die Freunde der Tagespolitik oder hier und da ein paar Sachen von Gegenargument.at auf Facebook), aber einen Vergleich zu dem, was die VdB-Jünger auf die Beine gestellt haben, hält das alles nicht stand.

    Ich glaube aber weniger, dass es mit der typischen rechten Anonymität zu tun hat aufgrund des sozialen Drucks, sondern mit mangelnder kreativer Affinität aus unserem Lager. Nicht erst seit Sellners Video frage ich mich, wo zum Teufel all die Progammierer, Informatiker, Grafikdesigner etc. sind, die hier locker etwas leisten könnten.

    Denn auch qualitativ ist das linke Zeug nicht immer schlecht, das muss man zugeben. Rechts ist hier spröde, bieder und konservativ unterwegs, auch was die FPÖ selbst anbelangt. Man kann ja konservativ sein, aber dann sollte man den Inhalt lässig verpacken und unter die Menschen bringen.

    Reichsvogt
    08. Dezember 2016 20:29
    Nicht erwähnt wurde die Tatsache und die Begründung für den Austritt Hofers aus der katholischen Kirche. Das hat sicherlich katholisch-konservative, österreichische Patrioten verschreckt. http://www.kath.net/news/23397

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