Sezession
8. Dezember 2016

Österreich nach der Wahl: Wie weiter?

Martin Lichtmesz / 8 Kommentare

Diesen Artikel habe ich für das österreichische Netzportal Unzensuriert verfaßt. Seit 1986 hatte ich nicht mehr ein so lebhaftes, auch emotionales Interesse an einer österreichischen Bundespräsidentenwahl - damals, als Zehnjähriger, habe ich glühend zu Kurt Waldheim gehalten, ohne wirklich die Hintergründe der Kampagne gegen seine Person zu verstehen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Mir genügte das Gefühl, daß mein Land ungerechtfertigt verunglimpft wird, was mich ziemlich erboste und in eine ähnliche Trotzhaltung brachte wie viele Österreicher, was auch dazu führte, dass Waldheim "jetzt erst recht" gewählt wurde.

Ein Sieg Norbert Hofers hätte in vielerlei Hinsicht einen politischen und metapolitischen Durchbruch bedeutet; und darüberhinaus habe ich schon lange nicht mehr so viel Sympathie und Respekt für einen Politiker empfunden wie für ihn. Der Bundespräsident ist allerdings nicht der wichtigste politische Posten Österreichs. Heinz Fischer, wohl der bisherige Tiefpunkt in der Gallerie unserer Präsidenten, war eine konturlose Nullpersönlichkeit mit gauckartigen Zügen, der auch sonst nicht weiter aufgefallen ist.

Mit Van der Bellen hat sich ein korrumpiertes und auf die Dauer unhaltbares System eine Galgenfrist und seinen geeigneten Repräsentanten verschafft. Ich kann mir gut vorstellen, daß er vielleicht sogar noch als Katalysator wirken wird, um es umso gründlicher an die Wand zu fahren und zu diskreditieren. Verbohrt genug scheint er ja zu sein. Wer weiß, welche Finten der Weltgeist noch auf Lager hat!

Hier also der Text für Unzensuriert.

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Nach dem zweiten Anlauf zur Bundespräsidentenstichwahl stehen wir im Wesentlichen wieder dort, wo wir beim ersten Mal waren. Meine Analyse vom Mai ist im Großen und Ganzen nach wie vor gültig: etwas überspitzt gesagt, haben wir nun einen grünen Präsidenten in einem weitgehend blauen Land, der sich auch nach diesem Land richten muß, wenn er es ernsthaft zusammenhalten will.

Die Lage ähnelt verblüffend jener in den USA, mit dem Unterschied, dass dort Donald Trump dank des Systems der "electoral vote" gewonnen hat: In beiden Fällen stimmten die urbanen Ballungsgebiete überwiegend für den eher "linken" Establishment-Kandidaten und der auf der Karte größere Rest für den eher rechten "populistischen" Herausforderer (lustigerweise mit umgedrehten Farben: Blau steht für die Demokratische Partei).

Auch sonst gab es, trotz aller nicht minder großen Unterschiede, erhebliche Parallelen zwischen beiden Wahlkämpfen: Trumps großes Thema war der Schutz der Interessen der Nation und des Volkes vor dem Zugriff des Globalismus und der von ihm proftierenden übernationalen Mächte. In diesen Zusammenhang gehören auch Phänomene wie Brexit, das Italienreferendum und die "Fünf-Sterne"-Partei, der Auftstieg des Front National in Frankreich und der AfD in Deutschland, wie auch die betont nationale Politik von osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei oder Bulgarien. Nicht anders als in Österreich spielte in den USA die Frage nach sicheren Grenzen und einer besseren Einwanderungskontrolle und -politik eine ebenso große Rolle wie die Wiederaufwertung und Wiederbelebung des Patriotismus ("Make America Great Again!"). Das Ergebnis der US-Wahl erschütterte die Allmacht der politisch korrekten Medien und Meinungsmacher, die zu 90 % gegen Trump angeschrieben hatten, und rüttelte an den komfortablen Blasenwelten der BoBos und linksliberalen Eliten.

All dies wäre einen eigenen Artikel wert, doch soll es an dieser Stelle um Hofer vs. Van der Bellen gehen. Es wäre für die FPÖ nun wichtig, die Ursachen der Niederlage zu analysieren. Dazu empfehle ich diesen hervorragenden Kommentar des Identitären Martin Sellner, aus dem ich im folgenden einige Punkte und Gedanken herausgreifen werde.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (8)

Mario
8. Dezember 2016 12:39

Harte Zeiten machen starke Männer.
Starke Männer bringen gute Zeiten.
Gute Zeiten machen schwache Männer.
Schwache Männer bringen harte Zeiten.

Krebs tötet, wer ihn hat,
Islam, wer ihn nicht hat.

Ein gebürtiger Hesse
8. Dezember 2016 13:28

Was im letzten Satz steht, ist am allerwichtigsten. Wir müssen selbst was tun, mehr tun als immer wieder. Der Schlendrian derer, denen es "noch zu gut geht", betrifft eben auch die Rechten. Hier darf man sich ruhig an die eigene Nase fassen. Wer weiß, ob es letzten Sonntag nicht doch für die ersehnte Wende gereicht hätte, wenn man mehr agitiert, geackert, mehr Gesicht gezeigt hätte (Sellner & friends ausgenommen). Im nächsten Jahr muß da einfach mehr kommen.

cherusker69
8. Dezember 2016 14:00

Warum Hofer die Wahl verloren hat? tja das hat für mich folgende Gründe.
Man muss ja wirklich sagen, dass diese Medien übermächtig sind..Medien machen Meinungen. Das ist nichts neues den wer diese besitzt, hat die Macht und kann das Volk manipulieren..

Dazu kommt das natürlich der Schuldkult nach wie vor in den Köpfen der Menschen sitzt, ja nicht mehr so stark, packen kann man sie aber trotzdem noch.

Als nächstes kommt natürlich, das Patrioten keine offene Bühne gegeben wird zu protestieren. Bei uns in Deutschland ist es ja noch schlimmer..Bekennt man sich zur AFD und co, droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Ein Familienvater wird sich zwei dreimal überlegen ob er das riskiert. Repression und Einschüchterung.

Was Thorsten Hinz hat in seinen Buch Weltflucht und Massenwahn geschrieben, dass viele diesen grossen Austausch überhaupt nicht mehr als bedrohlich wahrnehmen..

Das ist ein Bündel von Ursachen, die es Patrioten erheblich schwer machen uns Gehör zu verschaffen..

la vie est belle
8. Dezember 2016 15:00

>Mangel an Kreativität und Innovation

Vollkommen richtig. Das heißt für uns: Kreativität und Innovation maßgeblich vorantreiben und solche Kräfte auch gezielt fördern. Aber dann brauch man eben auch eine VISION für die Zukunft, eine noch nicht existente Utopie (=linkes Grundparadigma) die beschreibt, wie das denn aussehen soll, WOHIN wir wollen. Ist das Ziel einigermaßen umrissen, so kann auch ein Weg gefunden werden, der dahin führt. Und der führt niemals in die Wiederherstellung des Gestrigen, es ist ein kollossaler Irrtum zu glauben, man könnte die guten alten Tage wiederherstellen. Es ist unmöglich, da die Zeitachse sich nunmal nur in eine Richtung bewegt.

Ja. Wenn die Rechte sich weiterentwickeln will, dann muss sie auch gewinnbringende Eigenschaften wie Innovation und Fantasie einbringen. Ein Graus für alle verstockten Konservativen, die sich neurotisch in der Analyseschleife befinden.

Aber gute Zeiten für Sellner und Co....!

Dietrich Stahl
8. Dezember 2016 15:08

Die Wahl Trumps und die Nichtwahl Hofers haben zweierlei gezeigt.
Es kann überraschende Sprünge nach vorn geben; und es wird nicht ohne Rückschläge abgehen – wie im richtigen Leben [jeder, der möchte – es werden nicht so viele sein, kann sich an dieser Stelle ein Smiley, ganz nach eigener Fasson, denken].

Ein großer Schwachpunkt des patriotischen Lagers ist sein Mangel an Kreativität, Innovation und Energie.

Freude und Humor möchte ich unbedingt ergänzen. Oben in Klammern dazu ein mehr oder weniger (Ihre Entscheidung und Geschmack) gelungener Versuch von mir.

Humor ist sehr anziehend. Dazu gibt es einige Studien. Mit dem anderen lachen zu können, wird von vielen an Nummer 1 auf die Frage nach den Kriterien für die Partnerwahl gesetzt.
Man fühlt sich einfach wohler mit Menschen, die Freude haben, an dem was sie tun, und die über sich lachen können.

Nicht zuletzt: Das Eigene.

Das hat sich zu einem Mantra für mich hier bei SiN entwickelt.
Ich halte es für das Wichtigste. Das Eigene in einem weiten Sinn.
Identität, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein und Volk, Nation Rasse.

Das patriotische Lager muss hier aktiv an einer Veränderung mitarbeiten, auch außerhalb des Wahllokals und der Wahlkampfsaison. Vielleicht sollte dies die wichtigste Lehre der Wahl sein.

Karl K
8. Dezember 2016 15:37

Die Österreicher haben die Tür sehr weit aufgemacht. Immerhin haben sie nun ein Zwei-Parteien System - und die Regierenden welcher Couleur auch immer können sich mit ihrer Politik ganz sicher nicht mehr gegen das Volk richten wie noch in Merkel-Land, wo das Volk wütend zusehen muss, wie die Sozialkassen geplündert werden und die Zukunft der Kinder gefährdet wird, damit die Eliten ihre Lohndrücker bekommen.

thotho
8. Dezember 2016 17:51

Mir haben zur Nachwahlbetrachtung die Worte Mölzers gut gefallen.

Man muss vom Stil her die Mitte ansprechen, aber von der Sache her hart bleiben. Die FPÖ ist deshalb eine Systemalternative, weil sie für die autochthone Bevölkerung, für die Erhaltung der österreichischen Identität, gegen Massenzuwanderung, gegen Sozialmissbrauch eintritt. Würde sie da aufweichen, wäre sie historisch obsolet. Sie wird es vom Stil her moderat machen müssen.

So kann man das in Österreich am ehesten bewerkstelligen. Hofer sollte, meiner Meinung nach, Strache ablösen (auch wenn der die Partei wieder nach oben gebracht hat). Es geht schließlich um die Sache, nicht um Personen, gebe ML vollkommen Recht.

MS liegt in puncto zivilgesellschaftliches Engagements vollkommen richtig. Es gibt schon Kreative neben den Leuten der IB (siehe etwa die Freunde der Tagespolitik oder hier und da ein paar Sachen von Gegenargument.at auf Facebook), aber einen Vergleich zu dem, was die VdB-Jünger auf die Beine gestellt haben, hält das alles nicht stand.

Ich glaube aber weniger, dass es mit der typischen rechten Anonymität zu tun hat aufgrund des sozialen Drucks, sondern mit mangelnder kreativer Affinität aus unserem Lager. Nicht erst seit Sellners Video frage ich mich, wo zum Teufel all die Progammierer, Informatiker, Grafikdesigner etc. sind, die hier locker etwas leisten könnten.

Denn auch qualitativ ist das linke Zeug nicht immer schlecht, das muss man zugeben. Rechts ist hier spröde, bieder und konservativ unterwegs, auch was die FPÖ selbst anbelangt. Man kann ja konservativ sein, aber dann sollte man den Inhalt lässig verpacken und unter die Menschen bringen.

Reichsvogt
8. Dezember 2016 20:29

Nicht erwähnt wurde die Tatsache und die Begründung für den Austritt Hofers aus der katholischen Kirche. Das hat sicherlich katholisch-konservative, österreichische Patrioten verschreckt.
http://www.kath.net/news/23397

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