Sezession
16. Januar 2017

Das war’s. Diesmal mit: Vornamenhits, einem impotenten Holocaustforscher und antikapitalistischer Mutterschaft

Ellen Kositza / 10 Kommentare

11.1.2017 -- Ben und Mia! Die beiden sind also als die beliebtesten Vornamen des Jahres 2016 ermittelt worden. Da es hierzulande keine amtliche Statistik gibt, wurde wie üblich auf diverse Standesamt- und Krankenhausdaten zurückgegriffen

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

196.000 Neugeborenennamen hat man dabei erfaßt. Also ein gutes Viertel der letztjährig in Deutschland geborenen Kinder.

Sehr ulkig (und jedes Jahr staunenswert): Der allerexotischste Jungename unter den „Top 50“ lautet „Mats“, bei den Mädels ist es wohl „Isabella“. Es wirkt, als seien unsere ausländischen Mitbürger entweder extrem gebärmüde oder sämtlich so integriert, daß der dunkelhäutigere Nachwuchs, der früher Mohamad, Yussuf oder Büsra geheißen wurde, plötzlich Leon, Maximilian oder Maria benannt wird. Machen viele neudeutsche Asiaten ja schon lange in der Tat so.

Oder muß man von einem großen Zufall reden? Und alle Alis und Rachidas befinden sich ausschließlich unter den Namensdaten, die eben nicht erfaßt werden konnten? Sprich: Lüge, Lücke oder Wunder?

Die Österreicher handhaben das nun anders, dort gibt es eine Bundesanstalt, die sich um Vornamenstatistik kümmert. Und sehr geschmeidig! Der deutsche Vornamenforscher Knut Bielefeld (der seit vielen Jahren die deutsche Hotlist ermittelt) lobt das smarte Vorgehen unseres Nachbarlandes.

Erstmals wurden auch etymologisch gleiche Vornamen zusammengefasst, dazu hat Statistik Austria zusammen mit dem Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine umfangreiche Liste der Vornamenvarianten erstellt.

Heißt: Beispielsweise unter dem in Österreich drittbeliebtesten Mädchenvornamen „Maria“ werden nun auch irgendwie „verwandte Namen“ subsummiert: „Maariyah“, „Meriyem“, „Moira“, Marijam“. Unter dem drittbeliebtesten männlichen Vornamen „Jakob“ finden wir auch „Jacub“, „Giacomo“, „Yacoub“, „Jakow“ usw.

Zum Favoriten „Alexander“ zählen ebenfalls „Alastair“, „Aleksandru“, „Eskandar“, „Iskender“ und andere. Younes und Yunus, typische Arabernamen, gehen als „Jonas“ durch.

Was soll man sagen? Schall und Rauch? Oder Omen?

12.1.2017 -- Stolperte bei der ZEIT-Lektüre zufällig über eine Kinowerbung; Die Blumen von gestern. Regisseur: Chris Kraus. Oh! Kraus ist nicht nur Großneffe der von mir verehrten Dichterin Oda Schaefer (die wiederum die Frau von Horst Lange, Kubitscheks und mein Herzensschriftsteller war), sondern auch Regisseur eines meiner absoluten Lieblingsfilme, Poll von 2010. Ein Meisterwerk! Vielfach gesehen!

Ich sah mir daraufhin kurz den Trailer des neuen Films von Kraus an. Na klar, ein Muß!

Es wurde der bislang schrägste Abend des Jahres. Wie ist ein solcher Film – bereits vielfach preisgekrönt auf Festivals und von der Kritik (ein paar Ausnahmen: Spiegel und Tagesspiegel) bejubelt – eigentlich möglich? Und: mögbar? Immerhin wurde dieser Film auch von der offiziösen Bewertungsstelle mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet, und er wurde aus den üblichen Förderungstöpfen finanziert.

Ich weiß es nicht. Chris Kraus, dieser genialische Regisseur, kann mir diese Frage auch nicht wirklich lösen. Ich lese im papiernen Werbemittel zum neuen Film seine Aussage: „Wir leben in einer Zeit, in der man dem rechten Wahnsinn mit allen Mitteln die Stirn bieten muss, warum also nicht mit anarchischer Fröhlichkeit?“

Anarchie also!, im Zeichen des Holocaust – na hoppla!

Es geht um Totila Blumen. Der Vierzigjährige ist ein renommierter Holocaustforscher. Extrem populärer Autor zum Thema. Er arbeitet in der sogenannten „Zentralstelle“ und darf den ganz großen Auschwitzkongreß mitorganisieren.

Totila ist ein Fanatiker. Er erlaubt nicht, daß in der „Zentralstelle“, deren Tagungsraum ein gigantisches Auschwitzposter schmückt, irgendwas „geknabbert“ wird. Da wird er zum Tier, denn: Respektlosigkeit gegenüber den Opfern!

Er faßt es nicht, daß jemand sich erlaubt, privat deutsche Lyrik zu lesen. Denn: Deutsche Gedichte nach Auschwitz! No-go.

Er hat Verständnis dafür, daß seine neue Assistentin es begrüßenswert fände, wenn alle Deutschen Schäferhunde eliminiert würden.

Holocaustexperte Totila hat aber einen ganz grundsätzlichen Knall; nein, mehrere. Er ist ein unzurechnungsfähiger Gewalttäter, ein brutaler Schläger. Er ist psychisch schwer krank, darüber hinaus impotent.

Er erlaubt seiner Frau, sich mehrere Liebhaber zu halten, er sucht sie gelegentlich gemeinsam mit ihr aus. Die beiden haben eine schwarze Tochter (wörtlich: „Ersatzkind“). Totilas geliebter Großvater war ein prominenter Nazi und Judenmörder. Geheim hält Totila, daß er, der Holocauststarautor, selbst eine Vergangenheit als Neonazi hat.

Nun wird ihm diese französische Assistentin Zazie auf's Auge gedrückt, Enkelin eines Holocaustopfers. Auch Zazie ist offensichtlich nicht ganz dicht. Sie flippt aus, als sie mit Totila in einen Mercedes steigen soll. In einem Mercedes sei ihre Großmutter vergast worden! (Totila, genervt: Ausgerechnet Mercedes hat keine Vergasungswagen hergestellt.)

Sie flippt ebenfalls aus, als Totila unsensibel „polnische Putzfrauen“ lobt! Und auch, als der Starhistoriker ihre „körperlichen Vorstellungen“ nicht erwidern will.

Es sei doch, so Zazie, ganz natürlich, daß traumatisierte Opferenkel mit Täterenkeln intime Beziehungen eingehen wollen. Ein Barbar, der solche Wünsche zurückweise! Tolle, im Doppelsinne, Dialoge: „Du bist immer so negativ!!!“ – „Ich bin Holocaustforscher! Ich muß negativ sein! Dafür werde ich bezahlt!“

Hier haben sie alle nicht mehr alle. Die Zentralstellen-Historiker sind schlimme Zyniker oder Kaffeetanten, der Sponsor des Auschwitz-Kongresses (Daimler-Benz) würde sein Fördersümmchen durchaus erhöhen, falls die prominente Überlebendenrednerin sich bereiterklärte, sich einen Mercedesstern anzustecken.

Sogar diese Shoa-Überlebende, Frau Rubinstein, hat ganz offensichtlich einen Dachschaden: Sie möchte lieber über Sex und Schönheitsoperationen reden und fährt jedem über den Mund, der das nicht hören will. Denn: Wer habe schon gelitten wie sie?

Nö, eine „klare Haltung“ (auf der Filmwerbung abgedrucktes Kritikeretikett) hat diese Vergangenheitsbewältigungskomödie auf gar keinen Fall. Die Blumen von gestern ist ein Film über Deutschland. Totila Blumen, dieser kranke, durcheinandere, labile, impotente antifaschistische Erbnazi verkörpert sein Land. Zumindest einen Teil davon. Andere Aspekte werden von den Nebendarsteller personifiziert. Alle: haltlos, heillos. Wie sollte man da ausgerechnet von „Haltung“ reden?

Selten solch einen verrückten Film gesehen.

 

13.1.2017 -- Die allgemein (und von mir persönlich auch) hochgeschätzte Literaturkritikerin Ursula März hat in der ZEIT einen Großartikel verfaßt: über Mutterschaft als Akt der antikapitalistischen Rebellion. Achtung, Frauenthema!

Sie hat zusammengerechnet, daß sie als Mutter 1900 Stunden ihres Lebens mit „Herumhocken“ verbrachte. 30mal war sie in der Kinderbibliothek, 1200mal hat sie abends vorgelesen usw. Frau März vermutet, daß sie durch diese ihre mütterliche Lebenspraxis quer zu der „von forcierten Effizienznormen geprägten Lebenskultur“ stand. Wie sympathisch!

Ursula März ärgert sich über ihre ebenfalls kindhabenden Kolleginnen, die sich mit Ekel abwenden, wenn sie endlich durch einen tollen Schreib- und Business-Auftrag „vom Anblick glotzäugiger Frauen erlöst waren, die auf Spielplätzen Bananenbrei von den Fingern schlecken“.

Die kluge Frau März berichtet, wie sie solche Attitüden gekränkt haben. Zumal sie selbst gelegentlich Bananenbrei von genau jenen Fingern schleckte, mit denen sie hernach vielgelesene Literaturkritiken über Nobelpreisträger geschrieben habe! Frau März ruft den am Sandkasten herumsitzenden Müttern zu: „Elternschaft hat in einer Kultur wie unserer was Revolutionäres! Sie ist der Sand im Getriebe!“

Ist sie das? Na, um so besser. Ich selbst hielt mein eigenes Tun bislang für normal, notwendig und für gar kein revolutionäres Wagnis. Netter & keineswegs entlegener Gedanke, es so zu drehen.

Aber Frau März schreibt von hohem Roß. Ihr antikapitalistisches Mamatum ist ja – und sie betont es – gerechtfertigt von ihrer ungeheuren publizistischen Aktivität. Die typische Mutter, die sich dem kapitalistischen Erwerbszwang widersetzt (oder einfach nur ohne solche komplizierten Hintergedanken für ihre Kinder da sein will), ist normalerweise nicht nebenbei renommierte Literarturkritikerin. Sie ist im Normalfall auch nicht nebenbei Professorin, Ministerin oder Künstlerin.

Nö, sie ist im Normalfall pausierende Schuhverkäuferin, Grundschullehrerin oder Krankenkassenangestellte. Sie widmet Jahre ihres Lebens dem Nachdenken über Sandkastenkonflikte und den Mini-Sorgen der eingemachten Brut. Ein Hoch auf diese verkannten Unzeitgemäßen!

Märzens „Kampfschrift“ ist hingegen ein Artikel einer intellektuellen/akademischen Mutter für intellektuelle/akademische Mütter und keinesfalls ein Entschuldigungstableau für die Normalmutter, die ihren (sicher: „gefühlten“) Erziehungsauftrag ernstnimmt.

Im Gegenteil, die bei ihren Kindern rumhockende, kochende und Hausaufgaben betreuende Normalmutter wird sich nach der ZEIT-Lektüre fragen, ob sie es nicht übertreibt mit ihrem drögem Gluckentum ohne selbstgeschriebene Artikel über Nobelpreisträger.

Frau März ist Jahrgang 1957. Ihr Einzelkind ist gerade volljährig.

Ich sollte ihre gigantisch wirkenden Punk- und Aussteigermutter-Zahlen mal für mich selbst hochrechnen. Dann wirkt der März-Artikel so, als würde einer, der einmal ein fleischloses Gericht bestellt hat, gleich den kämpferischen Supervegetarier mimen!

Bei Märzens aufgezählten 30 H&M-Besuchen, vier Staffeln "Germany's Next Topmodel" und drei Tokio-Hotel-Konzertbesuchen kann ich trotz einer Vielzahl von Töchtern nicht mithalten. Ich schreibe bewußt nicht: leider.

Ich finde auf meiner Liste hingegen ein Dutzend Elternabende, ein paar hundert Vorlesestunden, ein paar hundert gekochte Mahlzeiten etc. mehr.

Wenn Frau März sich nun auf der Kippe zum nichtsnutzigen Vertrödlertum sieht: Ich selbst hab diese Grenze zwischen antikapitalistischem Streik und borniertem Mutterberuf (trotz gelegentlicher nichthausfräulicher Tätigkeit) vermutlich längst überschritten. Mit rund 20.000 sogenannten Rumhockstunden undsoweiter.

Wenn eine renommierte Intellektuelle wortreich ihre Einkindteilzeitmutterschaft verteidigen muß (wiewohl ihr das, kein Wunder, gutgelaunt gelingt), dann sind wir schon „weit“ gekommen, scheint mir! Ich bin ja selbst noch mittendrin in der antikapitalistischen Superrevolution. (Bananenbrei gab´s bei mir nie.) Immerhin: Gut zu wissen, daß man Teil eines revolutionären Aktes ist. It‘ s so easy.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.


Kommentare (10)

Großstadtpauker
16. Januar 2017 11:23

Hat Daimler auch Gaswagen im Programm ? Darf der Daimler das ? Daß der das darf . 

https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/auto-verkehr/mercedes-e-200-ngd-mit-erdgas-bequem-abschalten-13417226.html

Meier Pirmiin
16. Januar 2017 11:49

Namen sind im höchsten Grade Kulturkampf. Beeindruckend bleibt, wie Muslime und Juden in dieser Hinsicht zu ihrer Kultur zu stehen pflegen. Dasselbe gilt im Allgemeinen für den spanisch-portugiesischen und slawischen Kulturkreis. Beliebige und vergleichgültigte Namengebung, oft noch von Fernsehserien und vom Sport beeinflusst, gilt vorwiegend für Christen und Nichtmehrchristen im deutschsprachigen Raum, wobei mit neumodisch "Mia" oder dergleichen sicher niemand seine Verehrung für die Muttergottes ausdrücken will. Noch interessant aber, dass die Sängerin "Madonna" ihre Tochter "Lourdes" taufte, in Mexiko ist "Lupita" beliebt als Referenz an den Wallfahrtsort der Muttergottes von Guadeloupe. Die baskische Spitzentennisspielerin Garbine Muguruza hat ihren Namen vom 1854 von Papst Pius IX. verkündeten Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariä, welches Dogma in der Schweiz und in Deutschland den Kulturkampf mit auslöste, wobei Garbine zugleich im höchsten Grade baskisch und katholisch ist. Ein stolzes Denkmal von Identität.  In der Schweiz waren ab dem Mittelalter Chuenz oder Kueni (Konrad) und Ueli nach den süddeutschen Bischöfen Konrad und Ulrich nebst Hans die beliebtesten Männernamen, bis tief ins 20. Jahrhundert hinein, während Horst und Uwe als radikal unschweizerisch galten: Überfremdung von draussen rein, natürlich auch Jürgen, bei uns sagt man Jörg oder Jürg oder dann rätoromanisch Gieri, oder auch "Schorsch" vom Französischen her. Mit der Zeit wurden aber dann nordische Namen wie Björn und Nils, Niels Hintermann, Schweizer Lauberhornsieger 2017,  Mode. Unter den ausländischen Namen wurde Kevin beliebt, wobei man sich nicht bewusst war, dass es sich um einen ausgesprochen katholischen irischen Heiligennamen handelte.   Einen unglaublichen Rückgang stellt man seit Jahrzehnten beim Namen "Elisabeth" fest, wobei sich "Lisa" noch einigermassen hält. Dabei bezeichnete  der rechtskatholische Kulturkämpfer Alban Stolz aus Bühl/Baden in seiner Biographie der gesamtdeutschen und ungarischen Heiligen Elisabeth von Thüringen dieselbe als die "beliebteste Frau des Abendlandes  nach der Muttergottes". Jenes Buch erreichte über 100 Auflagen.  Ur-christlich und zugleich deutsch wären natürlich Bärbel, Margarethe oder Gretchen und natürlich Katharina, welch letzterer Name sich noch erfreulich hält, alle drei haben es zu den 14 Nothelfern gebracht, siehe Wallfahrtsort Vierzehnheiligen in Bayern. Zum deutsch-jüdischen Gegensatz dichtete Paul Celan in der "Todesfuge".

"Dein goldenes Haar Margarethe, dein aschenes Haar Sulamith."

Jüdische Frauennamen wie Sarah und sogar Abigail setzten sich im angelsächsischen Raum bei strenggläubigen und fundamentalistischen Protestanten durch, wobei Lea neuerdings ein Modename ist, dessen jüdischer Charakter nicht allen Eltern bewusst ist. Stark ausser Gebrauch gekommen ist die Gewohnheit, für Kinder den Namen des Taufpaten oder der Taufpatin zu verwenden, so wie es heute immer mehr Paten gibt auch für zunehmend kaum mehr getaufte Kinder. Der Vorname der Paten spielt in der Regel keine Rolle. Namengebungen können  aus politischer Euphorie erfolgen, so in der Schweiz um 1800 Bonaparta, Helvetia und Victoria, letztere als Jubelname für einen napoleonischen Sieg, die Namen dieser drei Arzttöchter aus Langenthal wurden nach dem Sturz Napoleon wieder geändert. In der Sowjetunion kamen Lenina und Stalina vor, auf welche Namen in Italien Don Camillo allerdings nicht taufen wollte. Meine nächsten Verwandten in Richtung Zukunft heissen Marie Antoinette und Sophie, womit eine politisch-geschichtliche Präferenz und die Philosophie irgendwie zu Ehren kommen. Sophie erblickte das Licht der Welt 1976 am Tage, da der Tod von Heidegger in den Nachrichten gemeldet wurde. Einer gelungenen Probelektion über Heidegger und Nietzsche verdankte ich dann bald darauf meine langjährigste Stelle als Lehrer der Philosophie, obwohl ein gewerkschaftlich orientierter Kollege und Dr. phil. nachdrücklich vor dieser Wahl gewarnt hatte. Meine mehrfache Erwähnung im Buch "Die unheimlichen Patrioten", einem linken Feindlexikon, erwies sich als nur bedingt karriereförderlich. Es gibt Namen, die stehen im Buche des Lebens und andere, welche nun mal eher eine Hypothek darstellen. Für den Ruf seines Namens ist man am Ende selber verantwortlich.

PS. Ergänzung zur historischen Namenspraxis bei den Juden. Es war zumal zu früheren Zeiten üblich, dass zum Beispiel ein Jude namens Scholem sich in Schule und Öffentlichkeit Gerhard nennen liess, jüdisch intern aber Gershom. Gershom Scholem war ein zeitweiliger Kollege von Carl Schmitt, welch letzterer sich gemäss Briefwechsel Ernst Jünger - Carl Schmitt im guten Sinn über seinen jüdischen Kollegen äusserte.

Ernst-Fr. Siebert
16. Januar 2017 12:23

Erst nachdem ich Ihr, Frau Kositza, "Mit rund 20.000 sogenannten Rumhockstunden undsoweiter." gelesen hatte, habe ich oben nachgeschaut. Ich meinte dort "Rumbockstunden" gelesen zu haben. Naja, hätte oben vielleicht auch gepasst :-))

Gruß nach Schnellroda

Schöne Neue Welt
16. Januar 2017 15:46

Tut mir leid, aber ich kann diese "sympathischen linken Spinner" in Filmen nicht mehr sehen. Ich finde teilweise Lars von Trier Filme gut, weil die zeigen, wie verlogen diese "linke Moral" ist. Was ich auch noch ganz gut fand, war die Rolle der Lucy in dem Film "Schande" mit John Malkowich. Eine Supergrüne, die sich (aus Schuldgefühlen oder um sich Jesus-like für die Sünden der Welt zu bestrafen?) selbst masochistisch auf dem Altar der politischen Korrektheit selbst opfert. Es hat mich gewundert, dass so ein Film durch die Zensur kam.

PAule
16. Januar 2017 17:11

"dass so ein Film durch die Zensur geht" (@schöne neue Welt) und "Wie sollte man da ausgerechnet von „Haltung“ reden?" (@Ellen Kositza)

Beide Fragen sind mit der gleichen Antwort zu versehen: "Past schon!". Verrücktes ist eben Normal, wenn man nur verrückt genug ist. Dann sind die Verrückten halt Vorbilder mit der richtigen Haltung. Streng selbstzerstörerisch, anti-deutsch und PC-förderwürdig.

Kasi
16. Januar 2017 17:11

Der Film ist doch nur ein Vehikel, um Förderknete abzusahnen. Und das ist noch gar nichts: Ich habe neulich Werbung für ein "Holocaust-Tanztheater" gesehen mit der Überschrift "getanzter Holocaust"!! Das Bild zeigte vier Erwachsene, die auf einer Bühne sowas wie Sackhüpfen betrieben. Und das war keine Satire! Eine wirklich lustige Satire gabs in einem Comic von Peter Puck, in dem auf einem Baumarkt-Prospekt mit dem "Preis-Holocaust" geworben wird!

marodeur
16. Januar 2017 18:06

Das Neugeborenen-Phänomen ist relativ leicht zu erklären. Dazu braucht es keine Verschwörungstheorien. Laut offizieller Statistik hatte 2015 jedes 5. Neugeborene keine deutsche Staatsbürgerschaft. Das sind ca. 180.000 der 740.000 Geburten. Davon stellen die Türken die größte Gruppe mit ca. 21.500 (3% der Grundmenge). Geht man jetzt davon aus, dass die einzelnen Ethnien eine gewisse Bandbreite und unterschiedliche Vorlieben für der Wahl der Lieblingsnamen haben, dann ist sehr schnell klar, warum Aische und Murat (noch) keine Chance auf die Top-50 haben. Wer es nicht glaubt, der möge bitte eine Stichprobe auf den jeweiligen Klinikseiten machen. Dort trifft man in den Geburtsanzeigen i.d.R. einen Mix aus den Top-50 und allerlei Migrantennamen.

Kositza: Von Verschwörung redet auch keiner. Trotzdem überzeugt mich Ihre Argumentation nicht. Daß "nur" jedes 5. Neugeborene keine dt. Staatsbürgerschaft hatte, heißt doch nicht, daß die all die Fremdstämmigen (oder auch nur ein nennenswerter Teil davon) mit dt. Staatsbürgerschaft ihre Kinder nun Mats und Lili nennen. Und was die gewisse Bandbreite der Namensvorlieben versch. Ethnien angeht: In Deutschland ist diese Bandbreite seit etwa 70 Jahren schon extrem ausgeprägt. In fast alle europ. Ländern gibt es solchen Wechsel von Namensmoden nicht,; Polen, Engländer, Spanier und Italiener schöpfen bei der Namensgebung im Schnitt aus einem viel kleinerem Fundus. Kurz, das fehlen von wenigstens Yusuf oder Mehmet/Mohamed in den Toplisten erklärt sich mir nicht.

 

Mein persönlicher Favorit war übrigens vor ein paar Jahren auf den Seiten einer Meininger Klinik zu finden: Channel Chantal Gertrud Uschpelkat, 3500g

Kositza  hatte vor Jahren hier schon mal auf den Chantalismus hingewiesen.

marodeur
17. Januar 2017 12:19

@Kositza:

"Daß 'nur' jedes 5. Neugeborene keine dt. Staatsbürgerschaft hatte, heißt doch nicht, daß die all die Fremdstämmigen (oder auch nur ein nennenswerter Teil davon) mit dt. Staatsbürgerschaft ihre Kinder nun Mats und Lili nennen."

Von 'nur' habe ich nicht geredet. Ich finde die Statistik erschreckend. Es gibt kaum eingebürgerte Türken, da diese bekanntlich eine besonders enge Verbindung zum Heimatland haben. Der erste Jahrgang der doppelten Staatsbürger kommt erst später in die Statistik.

"Kurz, das fehlen von wenigstens Yusuf oder Mehmet/Mohamed in den Toplisten erklärt sich mir nicht."

Yusuf und Mehmet fehlen nicht. Yusuf ist auf Platz 138 und Mehmet kommt auf Platz 227. Beide Namen haben einige Plätze gutgemacht im Vergleich zum Vorjahr.

Der Gehenkte
17. Januar 2017 12:34

Einfach mal gegoogelt "Mohammed Vorname" und gleich auf diese Erklärung gestoßen.

https://www.beliebte-vornamen.de/25450-mohammed-deutschland.htm

Unter den Zugereisten der letzten beiden Jahre befinden sich viele Araber. Dort sind koranische Namen sehr weit verbreitet, meiner persönlichen Erfahrung nach der Name Mohammed am häufigsten. Sollten die sich über Familiennachzug in einigen Jahren replizieren, dann ist ein starker Anstieg solcher Namen - Hussain, Omar, Saladin, Salim, Hakim etc. - zu erwarten. Die Frage ist einfach zu zeitig gestellt. Im Übrigen vergleichbar mit der Frage nach der Kriminalitätsrate - auch die kann sinnvollerweise erst gestellt werden, wenn die "Integration" vollzogen wurde oder gescheitert ist.

Milo
17. Januar 2017 21:46

Das mit den Namen finde ich gar nicht so einfach. Hat auch keiner gesagt, ich weiß. Aber: Wir haben zum Beispiel nichtsahnend unser erstes Kind Aeneas genannt. Kann man machen, wenn man 'ne Macke mit griechischen Sagen hat. Muß man nicht. Aber das daraus dann irgendwann E-ni wird, das zumindest hätte keiner von uns geahnt. Ich will jetzt nicht alle Namen durchgehen, aber unser viertes Kind sollte eigentlich Leberecht heißen. Es kam nicht dazu, unter anderem, weil das Kind sich als weiblich herausstellte. Aber in ruhigen Momenten bin ich manchmal froh, daß es eben kein Leberecht wurde, wobei ich diesen Namen nicht nur für unglaublich schön sondern eben auch und offensichtlich als Weisung verstehe.

Aber das Kind muß damit sein Leben verbringen. Und sei es Mats, Sophie oder Marie, alle an der Spitze der Listen. Sie sind vielleicht alle zusammen und einzeln besser als Leberecht, weil sie heute so vergeben werden. Leberecht nicht.

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