Not to be normal

Das "Normale" wird gemacht. Endlich mal ein Phänomen, bei dem unstrittig ist, daß wir es mit sozialer Konstruktion zu tun haben und nicht mit Naturgegebenheiten, nicht wahr?

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

In der U‑Bahn sit­ze ich heu­te zwei Leh­rern gegen­über, die Order bekom­men haben vom Stadt­schul­rat, daß für­der­hin jede “Vor­wis­sen­schaft­li­che Arbeit” in der Ober­stu­fe gegen­dert sein müs­se, sonst wer­de sie nicht akzep­tiert. Nor­ma­le Haus­übun­gen soll­ten mit Feh­lern ange­stri­chen zurück­ge­ge­ben wer­den, wo der Schü­ler das gen­dern nicht kor­rekt berücksichtigte.

Die bei­den Päd­ago­gen erklär­ten ein­an­der erst, was genau gemeint sei (Binnen‑I, Stern­chen, bei­de Geschlech­ter immer aus­schrei­ben oder neu­tra­le Par­ti­zi­pi­alen­dun­gen wie “Stu­die­ren­de” oder “Ler­nen­de”). Die Leh­re­rin über­leg­te, ob man das wohl auch müs­se, wenn eine Grup­pe rein aus einem Geschlecht bestehe, ver­mu­te­te, dann müs­sen man wohl auch gen­dern, und dann – ja, dann nah­men sie das Dekret zur Kennt­nis. “Ist ja eine wich­tig­te Infor­ma­ti­on”, mein­te ihr Kollege.

Ihnen fiel nicht auf, daß die­se Rege­lung einen mas­si­ven Ein­schnitt in die deut­sche Spra­che und die Frei­heit der Rede bedeu­tet: Wer sich wei­gert, die­se Schreib- und Sprech­wei­se zu über­neh­men, wird bestraft, im Zwei­fels­fal­le nicht zur Matu­ra zuge­las­sen, denn Vor­aus­set­zung dafür ist eine bestan­de­ne VWA. Schlei­chend ist für die­se bei­den reprä­sen­ta­ti­ven Prot­ago­nis­ten des Bil­dungs­sys­tems Gen­der Main­strea­ming nor­mal gewor­den, so daß ein neu­es Gesetz nur noch eine For­ma­lie zu sein scheint.

Die Idee der “Nor­ma­li­sie­rung” ist aus der Dis­kurs­ana­ly­se her­aus in den soge­nann­ten Cri­ti­cal stu­dies ent­wi­ckelt wor­den, um die unbe­wuß­te Macht sprach­li­cher Mus­ter, die eine schein­bar unbe­zwei­fel­ba­re Nor­ma­li­tät schaf­fen, zu kri­ti­sie­ren. Kei­ner merkt von innen, in wel­chen Nor­ma­lis­men er drin­steckt, wie er zuord­net, kate­go­ri­siert, urteilt. In laten­tem “Ras­sis­mus” oder der durch die Queer stu­dies in die Welt gesetz­ten, ubi­qui­tä­ren “Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät” zei­gen sich die­se nor­ma­li­täts­kon­stru­ie­ren­den Mus­ter, die unter der indi­vi­du­el­len Wahr­neh­mungs­schwel­le ihr übles Eigen­le­ben führen.

“Nor­ma­lis­mus” ist ein typi­sches lin­kes Theo­rie­ge­spenst. Doch viel­leicht benutzt rech­te Kri­tik genau das­sel­be Mus­ter? Wenn ja, setzt sie ein kon­struk­ti­vis­ti­sches Den­ken vor­aus, das sie eigent­lich gar nicht vetre­ten kann? Oder läßt sich ein sub­stan­ti­el­ler Begriff des “Nor­ma­len” begrün­den und dann als halt­ba­re Kri­tik­fo­lie für fal­sche Nor­ma­li­sie­run­gen benutzen?

In Jür­gen Links Stan­dard­werk zum The­ma “Nor­ma­lis­mus” liest man, daß von “Nor­ma­li­tät” erst seit dem 18. Jahr­hun­dert sinn­voll gespro­chen wer­den kann. Um 1800 kon­sti­tu­ie­ren sich die spä­ter als Human­wis­sen­schaf­ten bezeich­ne­ten Fächer. Michel Fou­cault, Links Gewähr­s­au­tor, hat­te das ein­ge­hend dargestellt.

Zuerst ist das Begriffs­feld besetzt durch pro­to­nor­ma­lis­ti­sche Begriffs­paa­re wie “Gleichgewicht/Ungleichgewicht”, “Iden­ti­tä­t/­Nicht-Iden­ti­tät”, “gesund/krank”, “legitim/illegitim”, “schön/häßlich”, “natürlich/unnatürlich” usw. Die­se Zwei­sei­ten­for­men sind phä­no­me­nal „in der Welt“, sie reflek­tie­ren ihren Code­cha­rak­ter nicht mit, die beob­ach­te­ten Objek­te sind gesund, krank, natür­lich, unnatürlich.

Mit einer kla­ren his­to­ri­schen Teleo­lo­gie trifft Link die für sei­ne Unter­su­chung zen­tra­le Dif­fe­renz zwi­schen “Pro­to­nor­ma­lis­mus” und “Fle­xi­bi­li­täts­nor­ma­lis­mus”: Der Pro­to­nor­ma­lis­mus ori­en­tiert sich an prä­exis­ten­ten Nor­men. Mit Link (und – man ver­zei­he mir das plum­pe Wort­spiel – allen ande­ren Lin­ken) darf man die­sen für his­to­risch über­holt hal­ten, sowas von 18. Jahrhundert!

Heu­te geschieht, was Link einen fle­xi­blen Nor­ma­lis­mus nennt: Die Gesell­schaft bil­det zuneh­mend Mecha­nis­men der Selbst­be­ob­ach­tung aus. Nor­men wer­den nicht mehr ein­fachh gesetzt, sie kris­tal­li­sie­ren sich als eine Zone des ›Nor­ma­len‹ her­aus, die Ori­en­tie­rungs­wert für die Indi­vi­du­en gewinnt; der Wunsch, nor­mal zu sein und sich in der kom­for­ta­blen Mit­te der Gauß­kur­ve zu bewe­gen, ver­knüpft Input und Out­put zu einer Art Regel­kreis: Die zuneh­men­de Beru­fung auf Nor­ma­li­tät, die Link beob­ach­tet, bringt die Gauß­kur­ve gleich­zei­tig hervor.

Typisch für die­se Art der Nor­ma­li­sie­rung ist, daß in den fla­chen Rand­zo­nen der Nor­mal­ver­tei­lung die Gren­zen des Nor­ma­len immer aufs Neue aus­dis­ku­tiert wer­den müs­sen und jeder weiß, daß „nor­mal“ ja schließ­lich rela­tiv ist.

Para­dox dar­an ist, daß gera­de das, was dis­kur­siv beson­ders prä­sent, domi­nant und häu­fig und damit, wie man den­ken soll­te, beson­ders sicht­bar ist, unter die Schwel­le der Wahr­neh­mung gerät. Als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt, kön­nen sol­che Inhal­te von der tex­tu­el­len Ober­flä­che der Dis­kur­se sogar ganz ver­schwin­den; sie gehen in das Reser­voir jener stum­men Vor­er­war­tun­gen ein, die den Dis­kurs struk­tu­rie­ren, jen­seits und unter­halb sei­ner Oberfläche.

Links Argu­men­ta­ti­on ist inso­fern trick­reich, als er durch Para­doxa­li­sie­rung die oben vor­an­ge­schick­te Dif­fe­renz “naturgegeben/konstruiert” sel­ber noch ein­mal kon­struk­ti­vis­tisch über­wölbt mit der Fou­cault­schen Unsicht­bar­keits­the­se. “Unter die Schwel­le der Wahr­neh­mung gera­te­ne Mecha­nis­men der Nor­ma­li­sie­rung” heißt doch, daß jed­we­der Ver­such, irgend etwas Sozia­les noch für natür­lich zu hal­ten, eben dadurch wegerklärt wer­den kann, daß hier sich eben „para­do­xer­wei­se“ Kon­struk­ti­on „unsicht­bar macht“. Ideo­lo­gie­kri­tik hat es immer schon geschafft, sich auf die­se Wei­se unan­greif­bar zu machen, daß jeder Ein­wand Aus­druck der abge­lehn­ten Ideo­lo­gie sei.

Das Schlim­me am fle­xi­blen Nor­ma­lis­mus ist, daß man ihn eigent­lich nicht mehr schlimm fin­den darf. Denn nor­ma­ti­ve Wer­tung („Schlimm­fin­den“) gehört in eine his­to­ri­sche Vor­stu­fe, den “Pro­to­no­ma­lis­mus”. Da ließ die his­to­ri­sche Seman­tik noch zu, Begriffs­paa­re wie “gesund/krank”, “legitim/illegitim”, “schön/häßlich”, “natürlich/unnatürlich” zu ver­wen­den und sozia­le Fra­gen ent­spre­chend zu beantworten.

In der christ­li­chen Kul­tur ist man Kreu­ze gewöhnt. Des­halb hat ein Kreuz in einem Ver­hand­lungs­saal bei uns kei­nen Auf­fäl­lig­keits­wert – im Gegen­satz zu Kopf­tuch oder Kip­pa bei Amts­trä­gern. Das darf man nicht vermengen.

Dies äußer­te der öster­rei­chi­sche Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf­gang Brand­stet­ter in einem KURIER-Inter­view. Es geht dar­um, daß im öffent­li­chen Dienst und in Brand­stetters Zustän­dig­keits­be­reich, dem Gerichts­saal, reli­giö­se Klei­dungs­stü­cke und Sym­bo­le in Zukunft ver­bo­ten sein sol­len. Kreu­ze in öster­rei­chi­schen Gerichts­räu­men stell­ten nun eine Aus­nah­me dar, so der Minis­ter. Begrün­dung: “kein Auffälligkeitswert”.

Hier kann man das Pro­blem des fle­xi­blen Nor­ma­lis­mus beob­ach­ten, das ihn womög­lich erle­di­gen könn­te. Brand­stet­ter will einer­seits dem Com­mon sen­se Aus­druck ver­lei­hen, daß Kru­zi­fi­xe in öffent­li­chen Räu­men dazu­ge­hö­ren und sie zu ent­fer­nen eben ein dezi­dier­tes Bekennt­nis gegen die christ­li­che Kul­tur Öster­reichs dar­stel­len wür­de, mit­hin begrün­dungs­be­dürf­tig wäre. Er ist von jedem Pro­to­nor­ma­lis­mus weit ent­fernt. Schwach nor­ma­tiv wäre noch der Rekurs auf die christ­li­che Geschich­te die­ses Lan­des, stark nor­ma­tiv wäre der Schutz Got­tes, unter dem die Jus­tiz handelt.

Brand­stet­ter begrün­det fle­xi­bel nor­ma­lis­tisch, denn “Auf­fäl­lig­keits­wert” hat, was in der Nor­mal­ver­tei­lungs­kur­ve am Rand liegt. Der nor­ma­le Öster­rei­cher trägt eben weder Kopf­tuch noch Kip­pa und ist “Kreu­ze gewöhnt”. Damit hat er aber – und das ist das Pro­blem der fle­xi­blen Nor­ma­li­sie­rung – kei­nen Maß­stab mehr in der Hand, mit dem er irgend etwas dage­gen­hal­ten könn­te, daß halt in ein paar Jahr­zehn­ten oder schnel­ler der durch­schnitt­li­che Öster­rei­cher sehr wohl Kopf­tuch trägt und Kreu­ze nicht nur nim­mer gewöhnt ist, son­dern als dis­kri­mi­nie­rend empfindet.

Oder wie die zwei Leh­rer es für “nor­mal” hiel­ten, ihre Schü­ler zum Gen­der-New­speak zu zwin­gen: Jetzt ist es eben nor­mal, lie­be Lehrer*innen, Leh­re­rIn­nen, Leh­rer und Leh­re­rin­nen, lie­be Leh­ren­de. Sie wer­den jetzt “nor­ma­li­siert”, falls Sie noch über­hol­ten Nor­ma­li­sie­run­gen anhän­gen soll­ten und das “männ­li­che Geschlecht” (Sexus wie Genus) für nor­mal hal­ten. Fle­xi­bler Nor­ma­lis­mus ist sel­ber ein Macht­mit­tel und kann das nicht sehen.

Was pas­siert, wenn nun rech­te Kri­tik sich des “Nor­ma­lis­mus” bedient? Auf der ame­ri­ka­ni­schen Alt­Right-Sei­te radixjournal.com fin­det sich ein pole­mi­scher Auf­satz, über­ti­telt schlicht: “Nor­mal”.

Der Autor bezieht sich auf Richard Spen­cers auf­se­hen­er­re­gen­de Rede, in der er sar­kas­tisch kon­sta­tier­te, was in „this cur­rent year“ 2016 in den USA  „nor­mal“ gewor­den sei. Bei­spie­le aus bei­den Tex­ten: Ein Pro­fes­sor kün­digt an, eine gan­ze Men­schen­ras­se aus­lö­schen zu wol­len. Wer dies für ver­rückt hal­te, sei böse, denn White geno­ci­de sei doch das eigent­li­che Gute. Mas­sen von Ille­ga­len üben mehr und mehr Ver­bre­chen aus, ein neu­ge­wähl­ter Prä­si­dent kün­digt ihre Aus­wei­sung aus dem Land an. Was ist das? Ein “Angriff auf Fami­li­en”, was sonst. Wenn die Mäch­ti­gen den Ohn­mäch­ti­gen ein­re­de­ten, sie wür­den ihre „Pri­vi­le­gi­en“ igno­rie­ren, kann man nur sagen:

This is ’nor­mal’.

Dage­gen heißt es, Donald Trump sei nicht “nor­mal.” Man dür­fe ihn und sei­ne Anhän­ger auf kei­nen Fall “nor­ma­li­sie­ren”, und die­je­ni­gen, die Trump als ganz nor­ma­len Mann dar­stell­ten, wür­den verflucht.

This isn’t nor­mal. Not­hing about our cul­tu­re is nor­mal. Not­hing about the sta­te of our peop­le is nor­mal. But Trump’s elec­tion is one tiny step towards normality.

Wird hier ein „pro­to­nor­ma­lis­ti­scher“ Nor­ma­li­täts­be­griff in Anschlag gebracht? Das steht zu hof­fen. Schließ­lich wis­sen die Alt­Righ­ter ganz genau, was auf dem Spiel steht, was hier ver­lo­ren geht, wenn man der fle­xi­blen Nor­ma­li­sie­rung das Feld räumt. Ein Kämp­fer, wer das heu­te noch kann! Klug, wer die­se Waf­fe im Kampf der Kul­tu­ren wie­der­erlangt. Vom fle­xi­blen Nor­ma­lis­mus hat er gelernt, die unbe­wuß­te Macht sprach­li­cher Mus­ter, die eine schein­bar unbe­zwei­fel­ba­re Nor­ma­li­tät schaf­fen, zu kri­ti­sie­ren. Er nutzt das ideo­lo­gie­kri­ti­sche Arse­nal der Lin­ken aus, das ja offen daliegt.

Aber er hat auch gelernt, daß es in hand­lungs­läh­men­de, ent­schei­dungs­hem­men­de Para­do­xien führt, die eige­nen Wert­set­zun­gen stän­dig selbst in Abre­de zu stel­len und für dis­kur­si­ve „Nor­ma­li­sie­run­gen“ zu hal­ten. „I wish ever­ything to my child, but not to be nor­mal.“ Die­sen Wunsch einer Mut­ter las ich vor Jah­ren auf einer ame­ri­ka­ni­schen Hoch­be­gab­ten­sei­te. Reich­lich über­heb­lich. Inzwi­schen fürch­te ich, daß es die­sen Geist braucht, um Nor­ma­li­tät zu bewahren.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (13)

A. Kovács

23. Januar 2017 12:14

Ich erlaube mir, zu diesem Thema das Buch des Philosophen und Soziologen Alexander Ulfig zu empfehlen, der schlüssig nachweisen kann, dass all diese "Thesen" im postmodernen Relativismus ihre Ursache haben, also in einer von enttäuschten Ex-Marxisten à la Lyotard geschaffenenen Ideologie: Wege aus der Beliebigkeit: Alternativen zu Nihilismus, Postmoderne und Gender-Mainstreaming. Baden-Baden: Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV) 1. Aufl. 2016. Broschur. 141 S. € 24,95.

Stil-Blüte

23. Januar 2017 12:24

Liebe Frau Sommerfeld,

Ihr Beitrag regt mich zu folgendem Vorschlag an: Die Genderitis auf die Spitze treiben, 100%ig korrekte Schreib- und Sprechweise.

Beispiel:

falsch

'die Bezirksbürgermeisterämter'.  

politisch korrekt

die Bezirksbürgermeisterämter (nur m/nur m)* 

Bezirksbürgerinnenmeisterämter (nur f/m)*

BezirksbürgerInnenmeisterinnenämter(f+m/nur f)

Bezirksbürgerinnenmeisterinnenämter (nur f/nur f)

BezrksbürgerInnenmeisterämter (m+f/ nur m)

BezirksbürgerInnenmeisterInnenämter (m+f/m+f)

BezirksbürgerinnenmeisterInnen (nur f/f+m)

* f = feminin, m = maskulin

Noch Fragen?

Liebe gegenderte Wissenschaftler der Genderitis: Nie was von der Abstraktion des grammatischen Geschlechts und seinen Derivaten (z.B. -in/innen) gehört ? Ach, wie beneide ich die Englischsprachigen mit ihrem einzigen grammatischen Geschlecht! Jetzt verstehe ich auch, warum man so erpricht darauf ist, die englische Sprache als Weltsprache einzuführen.

PS 1 - war es nicht Hitler, der als einer der ersten öffentlichen Redner gegendert hat, indem er seine Reden mit 'Volksgenossen und Volksgenossinnen' eröffnete?

PS 2 - Hat Irgendjemand (jefraut) von Ihnen in der Presse die gegenderte, politisch korrekte Formulierung 'Gefährder und Gefärderinnen' oder GefährderInnen oder Gefährder_* (oder so)  gelesen?

Stefanie

23. Januar 2017 13:28

 „I wish everything to my child, but not to be normal.“

Der Intelligenzquotient wird definiert, als der Wert auf einer Skala, die der Gaußchen Normalverteilung folgt und bei der das 50. Perzentil bei 100 liegt, das 15. bei 85 und das 85. bei 115. Es gibt keine objektive Normierung - auch wenn z.B. Lynn mit einem Test arbeitet, der weitgehend kulturunabhängis sein soll und den Wert 100 mit dem Durchschnittswert der Nordeuropäer gleichsetzt. Da der IQ 100 aber vom Durchschnitt der derzeit lebenden Bevölkerung ausgeht, wandelt sich diese Normgröße: so stieg die gemessene Leistung bis etwa in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ständig an (Flynn-Effekt), während er in den nächsten Jahrzehnten durch den Zuzug weniger intelligenter Menschen und die höheren Geburtenraten dieser Gruppe und auch der unterdurchschnittlich intelligenten Autochtonen,  wohl weiter sinken wird. Derzeit liegt der deutsche Durchschnitts-IQ nach Lynns Skala wohl bei um die 97. Für mich, wie auch für viel andere Teilnehmer für dieses Forums bedeutet das, daß wir uns in den kommenden Jahrzehnten unwideruflich in die geistige Elite dieses Landes vorarbeiten werden - ohne daß sich irgendetwas an mir oder den geschätzten Mitforisten ändern würde. I love the new normal! (Manchmal denke ich, daß auch die Freunde der Migration um diesen Effekt wissen - jedenfalls unterschwenglich - und sich nun darauf freuen in den oberen Ligen des Geisteslebens mitspielen zu dürfen.)

Andererseits  kommt kein einziger dieser neunormierten Hochbegabten damit näher an die kognitive Leistungsfähigkeit eines Genies heran: der Abstand zwischen 125 und 145 bleibt gleich, man ist keinesfalls deshalb auf einmal zu bahnbrechenden Erfindungen oder Entdeckungen fähig, nur weil man anders eingestuft wird. Es macht insofern keinen Sinn, sich an einem irgendwie zu definierenden Normalnull der Intelligenz  zu messen, sondern man sollte sich an den wahren Geistesgrößen orientieren - und von ihnen lernen.

Oder um es anders auszudrücken: ein mäßig intelligenter Chef stellt Mitarbeiter ein, die ein klein wenig dümmer sind, als er selbst, damit er sich ihnen überlegen fühlen kann. Die etwas dümmeren Angestellten stellen ihrerseits wieder etwas dümmere Arbeiter ein und diese bekommen noch dümmer Handlanger unterstellt. Ein wirklich kluger Chef sucht nach Angestellten, die ihn geistig überragen und macht sich ihre Intelligenz zu nutze. Diese Analogie kann man leicht auf die Einwanderungspolitik verschiedner Staaten anwenden. 

Eine weitere praktische Anwendung des New-Normal findet sich im Gesundheitswesen:  Bluthochdruck hatten zu einem bestimmten Zeitpunkt alle, die einen Gewissen Grenzwert überschritten, der so um das 90. Perzentil lagt. Der Blutdruck dieser Personengruppe wurde medikamentell gesenkt. Nach einigen Jahren ermittelt man erneut die Blutdruckwerte der Bevölkerung, da der Blutdruck der nun medikalisierten Personengruppe nun im definierten Normalbereich lag, sank der Grenzwert des Behandlungsbedürftigen Blutdrucks definitionsgemäß unterhalb des ersten ermittelten Grenzwertes. Das gleiche Spiel wiederholte sich mehrmals (ebenso z.B. bei den Cholesterinwerten) womit der Anteil behandlungsbedürftiger Personen in der Bevölkerung ständig zunahm. The New Normal kreiert also auch Profite, wenn man es  klug anwendet. 

Andereseits kann man natürlich auch gezielt neue Normen setzen, um einen Standart zu heben: man denke nur an die Deutschen Indurtrienormen. Ein Bekannter, der in einer dieser Normierungskomissionen Beisitzer für das Handwerk ist, erklärte mir einmal, wie die Normensetzung abläuft: eine Gruppe von Professoren, z.B. für Werkstoffmechanik, läßt sich auf die Niederungen der Praxis herab und erklärt den Handwerkern, wie sie nach guter fachlicher Praxis einen Hof zu Pflastern, eine Wand zu verkleiden oder Heizungsrohre zu verlegen haben. Diese Empfehlungen werden als DIN ausformuliert: der Umfang dieser Verordnungen wächst ständig (in etwa in der Geschwindigkeit mit der die Leistungsfähigkeit elektronischer Schaltkreise wächst) und jeder, der in pflastert, klempnert oder tapeziert, ist gut beraten sich diese immer umfangreicheren  Handreichungen zu eigen zu machen, denn sollte es einmal in einem von ihm gepflasterten Hof zu einem Unfall kommen, der auf mangelnde Verarbeitung zurückzuführen ist, so wird er schadenersatzpflichtig und ist damit im Zweifelsfall bankrott. Wer also Einfluß auf die Normensetzungsverfahren hat, der kann auf einfache Art und Weise Konkurenten, die nicht ganz State-of-the-Art arbeiten (z.B. im Mittelstand) das Leben schwer machen. Ein weiters schönes Beispiel dazu sind die Euro-6 Abgasnormen, die wohl indirekt dem Dieselmotor den Garaus machen werden.

Am interessantesten ist es jodoch, wie sich sogenannte "Nonkonformisten" oder "Alternative" den gesellschaftlichen Normen unterwerfen - bzw. den Normen ihrer Subkultur. (Gilt in gewissem Umfang natürlich auch für dei rechte Subkultur) Überhaupt hat ja jede elitäre oder avantgardische Bewegung das Problem ihre Vorstellung einem Massenpublikum schmackhaft zu machen. Gerade die Genderproblematik zeigt, wie wenig sich Sprachregeln ohne expliziten Zwang (Notenvergabe, rechtliche Konsequenzen z.B. bei Stellenausschreibungen) in der Wirklichkeit durchsetzen. Ich überlege gerade, wann ich in einem alltäglichen Gespräch jemals die Begriffe "Studierende" oder "Azubi"  gehört hätte. (In diesem Zusammenhang hält sich auch die Neusprechfraktion in den Schulbuchverlagen zurück; ein "Zauberazubi" würde wahrscheinlich selbst bei den unpolitischsten Lehrern ein Stirnrunzeln bzw. schallendes Gelächter hervorrufen). Ein Grund für die relative Erfolglosigkeit im sprachlichen Bereich könnte in der Euphemismusspirale liegen: ein abwertend gemeinter Begriff wie "Zigeuner" oder "Asylant" wird zwar durch einen neuen Begriff ersetzt, doch dieser erlangt nach kurzer Zeit wieder die gleiche pejorative Bedeutung, da die Haltung gegenüber der bezeichneten Personengruppe gleich bleibt (da diese ihre Handlungs- bzw. Lebensweise ja nicht mitändert, die zu der negativen Einschätzung der Gruppe geführt hatte). Aus diesem Grunde verwässern auch die Bezeichnungen "Nazi" oder "Rechter" mit der Zeit, je weiter der Personenkreis ausgelegt wird, der damit bezeichnet werden soll. Indirekt tut der linke Sprachgebrauch wohl viel dafür "rechte" Positionen der Vergangenheit zu normalisieren. Man achte nur auf die Reaktionen auf die Höcke-Rede: er mag zwar "Jehova" gesagt haben, doch der Personenkreis, der dazu "Na und?" sagt scheint zu wachsen, der Ausschnitt auf der Skala der Normalverteilung wird größer. So erscheint es jedenfalls auf den Diskussionsseiten der "Abgrenzer".

Gustav Grambauer

23. Januar 2017 17:02

Herrlich die Künast ("Eh, komma ...") mit ihrem Sponti-Protonormalitätspolitikansatz, mit dem sie die Polizeigewerkschaften auf ihrer eigenen Ab(!)normalitätsskala einteilt - in deviante und weniger deviante am von ihr selbst aufgestellten Normativ, sie mit Polemik zu verschonen (a. E.):

https://www.youtube.com/watch?v=EVjm-SNn5iU

- G. G.

Sven Jacobsen

23. Januar 2017 21:01

Faszinierend genug - über erhöhten Druck soll es gelingen, die besagten und für gewöhnlich als anormal empfundenen Schreibweisen der "geschlechtergerechten Sprache" normal werden zu lassen. Anormal deswegen, da sich bei der Mehrzahl aller Menschen innerliche Abneigung regt; es ist einfach umständliches, scheußlich klingendes Deutsch. Interessanterweise teilen ausnahmslos alle (!) Frauen in meinem privaten und beruflichen Umfeld diese Einschätzung. 

Olle

23. Januar 2017 21:17

Die Befürchtung Frau Sommerfelds besteht m. E. zu recht. Wer Normalität in höherem Sinne bewahren will, kann unter den aktuellen postkulturellen Umständen nicht einfach "normal" sein. Ich hege aber begründete Zweifel, ob die nicht-linke Seite des politischen Spektrums gut beraten ist, weiter gegen einen Normalitätsrelativismus, der eigentlich ein Werterelativismus ist, theoretisch zu Felde zu ziehen. Die Frage ist, wie man den gegebenen Destruktionsgrad hinsichtlich politischer Ordnung und v.a. kultureller Restbestände qualitativ und quantitatv einschätzt. Diesbezüglich scheinen mir v.a. die Konservativen immer noch viel zu optimistisch zu kalkulieren.

Da ist nichts mehr! Ich erinnere mich, schon zu Schulzeiten in den 70ern Linken gegenüber, die mir mangelnde (politische) Normalität vorwarfen, immer offensiv darauf bestanden habe, selbstverständlich nicht normal sein zu wollen. Klar: Ich rebellierte ja gegen die von links vorgegebenen Normen, sonst hätte ich ja die Klappe halten können.

Besonders glaube ich aber, daß es ein schwerer taktischer Fehler ist, heute noch argumentativ sein Heil in einer auf neue "Normalität" zielende Wertediskussion zu suchen. Damit wird nur die eigene Klientel erreicht, die sowieso bescheid weiß. Wenn wir mainstream-Geschädigte überzeugen wollen, müssen wir lernen, utilitaristisch zu begründen, d.h., wir müssen unseren Diskussionspartnern zeigen, auf welche Weisen er persönlich dafür zahlt, daß er links ist. Wir müssen lernen, nachzuweisen, daß das persönliche Unglück der vielen Frustrierten und Depressiven eine einzige Ursache hat: Die eigene am mainstream orientierte Grundausrichtung. Sowas interessiert die Leute auch unter postkulturellen Verhältnissen. Substantielle Normalitätspostulate scheinen mir dagegen nur unter kulturellen Rahmenbedingungen propagandistisch haltbar zu sein.

Der Gehenkte

24. Januar 2017 00:12

Im Grunde sind doch alle genannten protonormalen Dichotomien noch immer flexible Normalismen: einen an sich gesunden Körper gibt es nicht oder doch nur als Ideal. Denn in jedem noch so gesunden Körper schlummert bereits die kommende oder schon latente Krankheit.

Wenn es überhaupt ein protonormales Begriffspaar gibt, dann exakt jenes, was alle metaphysikfeindliche Philosophie ausschließt: Leben und Tod. Daß ein Stein nicht lebt, kann ich ebenso gewiß feststellen, wie daß Herr A, mit dem ich gerade spreche, lebt, auch wenn in ihm der Tod als Entelechie bereits enthalten ist, wohingegen der Stein nie zum Leben erweckt werden wird.Es geht also um die Differenz von Tod/Leben als Begriff oder als Seinszustände.

Dennoch macht uns auch hier das Werden einen Strich durch die Rechnung, denn zum einen stirbt alles Leben jeden Tag ein wenig und auf der molekularen Ebene ohnehin, zum anderen haben uns die  Debatten um Abtreibung oder Hirntod etc. gelehrt, daß Definitionen stets Krücken sind und nur subjektiv tauglich.

Das ist ja das Perfide am Begriff der „Konstruktion“, daß er Berechtigung hat. Selbst Geschlechter sind bis zu einem gewissen Grade konstruiert, denn wie männlich oder weiblich ich werde, hängt durchaus auch mit den Entwicklungseinflüßen zusammen und männliches oder weibliches Verhalten ist durchaus kulturell determiniert. Beeindruckende Beispiele, wenn auch eher im anekdotischen Bereich liefert  Ricardo Coler in „El reino de las mujeres“. Dort beschreibt er kleine matriarchale Gesellschaften, etwa die Mosuo, in denen sich Männer nach unserem Verständnis gänzlich weiblich benehmen und umgekehrt.

Das Konstruktions-Argument per se abzulehnen gleicht einer Auflehnung gegen die Realität. Es kann sich nur um eine graduelle Entscheidung handeln. Das sind wir wieder bei der Norm und da muß zwischen Normalität und Normativität unterschieden werden. Normal im Sinne der Normalität, des statistischen Mittels, ist es, daß sich in Guyana 44 von 100 000 Menschen suizidieren und in Deutschland 12, normal im Sinn der Normalität ist es, daß ein Jungmännerüberschuß zu erhöhter Vergewaltigungsrate führt … aber normal, also akzeptabel, im Sinne der Normativität ist das nicht.

Es kommt immer wieder auf die gleiche Frage hinaus: Wo sind die Kriterien, worauf will man gründen?

Der_Jürgen

24. Januar 2017 05:35

Diesmal kein Kommentar, sondern eine simple Frage an besser informierte Mitforisten, pardon,MitforistInnen: Was bedeutet der Hinweis auf "Jehova" in der Höcke-Rede? Ich werde daraus nicht klug, Jehova sei's geklagt.

 

M.L.: Nach einer Szene aus dem Film "Das Leben des Brian" von Monty Python:

https://www.youtube.com/watch?v=2haQJ-dfNFE

 

Stil-Blüte

24. Januar 2017 14:27

@ Der_Gehenkte

'Daß ein Stein nicht lebt, kann ich ebenso gewiß feststellen, wie, daß Herr A, mit dem ich gerade spreche, lebt, ... wohingegen der Stein nie zum Leben erweckt werden wird. Es geht also um die Differenz von Tod/Leben...

'Ich möchte wie Orpheus singen, dem es einst gelang/Felsen selbst zum Weinen zu bringen mit seinem Gesang./ Wilde Tiere scharrten sich rings um ihn her/wenn er über die Saiten strich,/ schwieg der Wind und das Meer.' (Reinhard Mey)

Wir alle kennen die Sagen des Klassischen Altertums, die Nibelungensage, Grimms Märchen. Sind sie wirklich? Höre ich das über von Orpheus, wird es in mir lebendig als wäre es wirklich, wirklicher als wirklich. Alle unsere Gefühle, Hoffnungen, Erfindungen (nicht um sonst doppeldeutig), Sehnsüchte, Wünsche leben davon. Sie sind real, existent, mehr noch, sie bestimmen unser Dasein.

Tut mir leid, etliche zu diesem Thema geäußerten Kommentare sind sicher fachlich korrekt, aber helfen sie uns, unsere Position zu bestimmen? Ich finde, etliche Kommentare sind gar zu 'normal' formuliert, so daß man gar keinem Standpunkt mehr erkennen kann. Gar keinen.

Über 'politisch korrekt' und sein Gegenteil lässt sich trefflich streiten. Das hat sich mit Pro und Contra etabliert. Jeder weiß, was gemeint ist. Das hat einen hohen praktischen Wert. Was quälen wir uns jetzt mit 'Normalität' und dem 'Normativen' ab? Ich habe nichts gegen DIN, durch und durch 'Made in Germany', nichts gegen die Norm der Uhr, die Norm eines Liters, eines Stück Butters von 250 g, die Norm einer Steckdose, die genormten Schriftzüge, die Normen (Regeln) unserer Grammatik, die Normen für das Reinheitsgebot von Bier - 'den goldenen Schnitt'.  Gegen die Willkürnormen der EU aber schon. Ach,lieber Fontane, hilf: 'Das ist ein weites Feld.'

Der Gehenkte

24. Januar 2017 15:40

@ Stil-Blüte

"Tut mir leid, etliche zu diesem Thema geäußerten Kommentare sind sicher fachlich korrekt, aber helfen sie uns, unsere Position zu bestimmen?"

Auf jeden Fall - allerdings nicht im Sinne einer Selbstbestätigung und eines Bekenntnisses. Ich weiß, daß viele hier das Bekenntnis und die Wärme suchen und halte das auch für verständlich. Dabei sind es solche Gedanken wie die von Frau Sommerfeld vorgetragenen, die den eigentlichen Glutkern des Rechtsseins und Rechthabens anbohren. Sie bleiben auffällig gering kommentiert.

Wichtiger als alle Bekenntnistexte sind die Analysen des Denkens und der Strukturen, des Unsichtbaren, des Dahinterliegenden, der Bäume, die man vor lauter Wäldern nicht sieht. Das ist oft harte Kärrnerarbeit am Begriff, aber notwendig. Nicht weil man rechts ist, sollte man die Welt so und so sehen, sondern weil die Welt so und so ist, sollte man rechts sein. Daher braucht es die permanente ontologische und epistemologische und linguistische Auseinandersetzung - "ergebnisoffen" ... sollte sich die Welt doch als eine andere herausstellen, dann müsste man Konsequenzen ziehen. 

"Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter." (Matth.12.46ff.)

Stil-Blüte

24. Januar 2017 20:15

@ Der Gehenkte

'...daß viele hier das Bekenntnis und die Wärme suchen...'

Irrtum!  Eher Austausch, Ermutigung, Haltung, die Bestandsaufnahme, Klärung der Fronten. 

'Bekenntnis':  Das legt man,  so mir nichts dir nichts, nicht einfach x-beliebige Male ab. Wenn schon, dann nur vor EINER EINZIGEN Instanz. Wie gut ich Sezession auch seit Jahr und Tag treu geblieben bin, das ist sie nicht.

'Wärme''? Dafür sind Familienangehörige, Boullions, Heizkörper, Opa-Sessel, der Morgen-Kaffee, etliche Bücher, die StammKneipe, der Garten zuständig. Auch Nachbarn, Babygesichter, Spatzen, Unverhofftes. Ab und zu schmachtende Ausflüge, ich geb's zu, es sind Ausflüchte, in die Idylle -  alte Filme, Fotos, Schlager, Freunde, Erinnerungen. 

Sie schlagen eine Brücke von einem anspruchsvollen Artikel mit Wissenschaftsbegriffen, z. B. 'Protonormnalismus', um nur einen von vielen zu nennen, zum Neuen Testament. Diese Brücke ist für mich nicht Verbindung, ist Hürde.

 

Bran

24. Januar 2017 22:10

Frau Sommerfeld driftet mir persönlich in letzter Zeit nach einem fulminanten Einstieg zu sehr in hähere Sphären ab.

Normal? Normativ?

Als ehemaliger Linker kenne ich diese Diskussionen bis zum Abwinken. In mir lösten sie immer, auch als ich noch überzeugt war, das Bedürfnis aus, eine 9mm-Glock hervorzuholen, sie dem Gesprächspartner durchgeladen vor das Gesicht zu halten und dann zu fragen:

Ist das real? Kannst du allen ernstes sagen, dass dieser Gegenstand weder bedrohlich noch eine Glock ist? Glaubst Du, dass Deine Philosophie am Ende meine Glock schlagen wird?

Normativ ist, was durchschlägt. Normal ist, was diesem folgt. Beides erfordert Durchsetzungsstärke und diese wird dadurch erwirkt, dass man dem Beispiel der Linken folgt. Keine Entschuldigungen, keine Distanzierungen, keine Differenzierungen und keine Abmilderungen in der Öffentlichkeit. Beharren. Beharren. Nie weichen. Nur so gewinnt man Anhang.

Kennt heute noch jemand das Buch "Briefe an einen Terroristen"?

Natürlich nicht.

Kennt aber noch jemand "Handbuch des Stadtguerillero"? Ja, natürlich. Suche den Unterschied.

 

Dietrich Stahl

25. Januar 2017 14:28

@ Bran

Normativ ist, was durchschlägt. Normal ist, was diesem folgt. Beides erfordert Durchsetzungsstärke […] Keine Entschuldigungen, keine Distanzierungen, keine Differenzierungen und keine Abmilderungen in der Öffentlichkeit.

Die Normative der links-liberalen Politik/Medien/Finanz/Kultur-Mafia gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Insbesondere die Tabus – Danke, Björn Höcke! Genauso der Toleranz und Genderwahnsinn, die Unwörter und Sprache der PC. Und ja, die unsägliche Gutmensch-Ideologie.

Der Mief von 60 Jahren Linksruck gehört durch den Wind in den Äther geblasen. Wir sind mitten drin in diesem historisch einmaligen Prozess. Inzwischen sind Deutschland-Fahnen, Tattoos, Perücken etc. normal. Das war vor der Jahrtausendwände noch ganz anders. Volk, völkisch und Nation sind Begriffe, die gerade gereinigt werden. Liebe zu Deutschland und dem deutschen Volk kann wieder öffentlich bekundet werden. Das ist nicht wenig! Dafür lohnt es, dankbar sein. Und weiter geht´s!

@ Stil-Blüte

Austausch, Ermutigung, Haltung, die Bestandsaufnahme, Klärung der Fronten. 

Dafür ist SiN da. Björn Höcke hat in seiner hervorragenden Dresdner Rede die Notwendigkeit von Vision[en] für „unser liebes Deutschland“ mehrfach betont.

Genau das wird gebraucht. Jeder Einzelne kann dazu beitragen. Den Blick auf das Positive richten und es in die Zukunft projizieren.

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