Das 20-Punkte-Programm für den Widerstand

„Ich bin seit Wochen damit beschäftigt, sie auszudrucken und Leuten im Samizdat-Verfahren in die Hand zu drücken.“ -- Was man mit den Lehren aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts tun muß, weiß der Welt-Interviewer des US-Historikers Timothy Snyder.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Dabei hat Sny­der die Kunst ent­wi­ckelt, Trump expli­zit nicht mit Hit­ler zu ver­glei­chen, er spricht also von der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on in den USA und nicht von Deutsch­land. Im Novem­ber hat­te der Autor der Bücher Bloo­d­lands. Euro­pa zwi­schen Hit­ler und Sta­lin und Black Earth. Der Holo­caust und war­um er sich wie­der­ho­len kann ein 20-Punk­te-Pro­gramm publiziert.

Ich habe es über­setzt als Ver­hal­tens­leh­re für jetzt und hier. Set­zen Sie „Deutsch­land“ statt „Ame­ri­ka“ ein, und mit ein wenig kom­pa­ra­tis­ti­schem Zwi­schen­den­zei­len­le­sen haben Sie ein ganz gutes Rüst­zeug für den hie­si­gen Wider­stand: “Was Sie per­sön­lich tun kön­nen, um die Demo­kra­tie in Deutsch­land zu retten.”

Teil­wei­se habe ich frei über­setzt, teil­wei­se die Refle­xi­ons­schrau­be eine Run­de rechts­her­um höher­ge­dreht, ein paar klei­ne eige­ne Ein­schü­be in Gedan­ken­stri­chen, nur an einer Stel­le ist die deut­sche Ver­si­on sinn­ent­stel­lend anders, weil Sny­der bloß die ewig dräu­en­de Gefahr sieht, wo es auch gute Zei­chen geben könnte.

1) Do not obey in advance.

Much of the power of aut­ho­ri­ta­ria­nism is free­ly given. In times like the­se, indi­vi­du­als think ahead about what a more repres­si­ve government will want, and then start to do it without being asked. You’­ve alrea­dy done this, haven’t you? Stop. Anti­ci­pa­to­ry obedience tea­ches aut­ho­ri­ties what is pos­si­ble and acce­le­ra­tes unfreedom.

1) Kein vor­aus­ei­len­der Gehorsam!

Über­ge­ben wir dem auto­ri­tä­ren Regime nicht frei­wil­lig sei­ne Macht. Heut­zu­ta­ge gehen wir wie selbst­ver­ständ­lich davon aus, was in einem repres­si­ven Sys­tem von uns erwar­tet wird, und han­deln unge­fragt schon ent­spre­chend. Unter­läuft Ihnen das auch? Halt! Vor­aus­ei­len­der Gehor­sam lehrt die Auto­ri­tä­ten nur, daß sie sich auf uns ver­las­sen kön­nen – unge­ahn­te Mög­lich­kei­ten der Repres­si­on tun sich auf.

2) Defend an institution.

Fol­low the courts or the media, or a court or a news­pa­per. Do not speak of “our insti­tu­ti­ons” unless you are making them yours by acting on their behalf. Insti­tu­ti­ons don’t pro­tect them­sel­ves. They go down like domi­no­es unless each is defen­ded from the beginning.

2) Ver­tei­di­gen Sie kon­kre­te Institutionen!

Ver­fol­gen Sie Gerichts­pro­zes­se und Medi­en­be­richt­erstat­tung, am bes­ten vor Ort im Gerichts­saal, oder abon­nie­ren Sie eine bestimm­te Zei­tung. Spre­chen Sie nicht von „den Insti­tu­tio­nen“ und „den Medi­en“, ohne sie sich anzu­eig­nen oder in ihnen mit­zu­ar­bei­ten. Insti­tu­tio­nen kön­nen sich nicht sel­ber schüt­zen, sie fal­len um wie die Domi­no­stei­ne, wenn man sie nicht von Anfang an und von innen her­aus verteidigt.

3) Recall pro­fes­sio­nal ethics.

When the lea­ders of sta­te set a nega­ti­ve examp­le, pro­fes­sio­nal com­mit­ments to just prac­ti­ce beco­me much more important. It is hard to break a rule-of-law sta­te without lawy­ers, and it is hard to have show tri­als without judges.

3) Was war noch­mal ein Berufsethos?

Wenn die Regie­ren­den mit schlech­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen, ist es um so wich­ti­ger, daß sich Rich­ter und Anwäl­te der Gerech­tig­keit ver­pflich­ten. Es ist fast unmög­lich, Rechts­staat­lich­keit zu zer­stö­ren ohne kom­pro­mit­tier­te Anwäl­te, und Schau­pro­zes­se funk­tio­nie­ren nun ein­mal nicht ohne will­fäh­ri­ge Richter.

4) When lis­tening to poli­ti­ci­ans, dis­tin­guish cer­tain words.

Look out for the expan­si­ve use of “ter­ro­rism” and “extre­mism.” Be ali­ve to the fatal noti­ons of “excep­ti­on” and “emer­gen­cy.” Be angry about the treache­rous use of patrio­tic vocabulary.

4) Ach­ten Sie auf bestimm­te Wör­ter in Politikerreden.

Wird stän­dig vom „Leben mit dem Ter­ror“ und „Rechts­ex­tre­mis­mus“ gere­det? Behal­ten Sie die gefähr­li­chen Bedeu­tun­gen von „Ein­zel­fall“ und „unse­re Demo­kra­tie ver­tei­di­gen“ im Kopf. Regen Sie Sich über betrü­ge­ri­sche Ver­wen­dung patrio­ti­scher Begrif­fe wie „Hei­mat“ und „Deut­sche“ auf.

5) Be calm when the unt­hin­ka­ble arrives.

When the ter­ro­rist attack comes, remem­ber that all aut­ho­ri­ta­ri­ans at all times eit­her await or plan such events in order to con­so­li­da­te power. Think of the Reichs­tag fire. The sud­den dis­as­ter that requi­res the end of the balan­ce of power, the end of oppo­si­ti­on par­ties, and so on, is the oldest trick in the Hit­le­ri­an book. Don’t fall for it.

5) Ruhig blei­ben, wenn das Unglaub­li­che passiert.

Bei einem Ter­ror­an­schlag müs­sen Sie davon aus­ge­hen, daß uns die Regie­ren­den unter­stel­len, den Ter­ror für unse­re fins­te­ren Zwe­cke zu instru­men­ta­li­sie­ren. Sie wer­den den Reichs­tags­brand her­bei­zi­tie­ren, um das durch uns (nicht durch den Anschlag) unwei­ger­lich dro­hen­de Sze­na­rio von Auf­he­bung der Gewal­ten­tei­lung, der Nie­der­schla­gung der Oppo­si­ti­on und allen ande­ren ein­schlä­gi­gen Hit­le­ris­men auf­zu­bau­en. Fal­len Sie dar­auf nicht herein!

6) Be kind to our language.

Avoid pro­noun­cing the phra­ses ever­yo­ne else does. Think up your own way of spea­king, even if only to con­vey that thing you think ever­yo­ne is say­ing. (Don’t use the inter­net befo­re bed. Char­ge your gad­gets away from your bedroom, and read.) What to read? Perhaps The Power of the Power­less by Václav Havel, 1984 by Geor­ge Orwell, The Cap­ti­ve Mind by Czes­law Milosz, The Rebel by Albert Camus, The Ori­gins of Tota­li­ta­ria­nism by Han­nah Arendt, or Not­hing is True and Ever­ything is Pos­si­ble by Peter Pomerantsev.

6) Sei­en Sie behut­sam mit unse­rer Sprache.

Plap­pern Sie nicht nach, was alle ande­ren sagen. Den­ken Sie sich eine eige­ne Rede­wei­se aus, um ihnen zu ver­mit­teln, daß sie alle nur Phra­sen nach­plap­pern. Gehen Sie vorm Schla­fen­ge­hen nicht ins Inter­net, son­dern laden Sie ihre elek­tro­ni­schen Gerät­schaf­ten woan­ders auf, und lesen Sie! Was zum Bei­spiel? Vaclav Havels Ver­such, in der Wahr­heit zu leben. Von der Macht der Ohn­mäch­ti­gen, Orwells 1984, Ver­führ­tes Den­ken von Czes­law Milosz, Albert Camus’ Rebell, Ursprün­ge tota­ler Herr­schaft von Han­nah Arendt oder – hier schla­ge ich etwas ande­res vor – Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge: Die libe­ra­le Gesell­schaft und ihr Ende.

7) Stand out.

Someo­ne has to. It is easy, in words and deeds, to fol­low along. It can feel stran­ge to do or say some­thing dif­fe­rent. But without that une­a­se, the­re is no free­dom. And the moment you set an examp­le, the spell of the sta­tus quo is bro­ken, and others will follow.

 7) Fal­len Sie auf!

Irgend­ei­ner muß es tun. Es ist leicht, in Wor­ten und Taten ein­fach mit­zu­ma­chen. Fühlt sich viel­leicht komisch an, etwas ande­res zu sagen oder zu tun. Aber ohne die­ses Unbe­ha­gen gibt es kei­ne Frei­heit. Wenn Sie ein Vor­bild sind, ist der Bann des Sta­tus quo gebro­chen, und ande­re fol­gen Ihnen.

8) Belie­ve in truth.

To aban­don facts is to aban­don free­dom. If not­hing is true, then no one can cri­ti­ci­ze power, becau­se the­re is no basis upon which to do so. If not­hing is true, then all is specta­cle. The big­gest wal­let pays for the most blin­ding lights.

 8) Glau­ben Sie an die Wahrheit.

Tat­sa­chen preis­zu­ge­ben, heißt Frei­heit auf­zu­ge­ben. Wenn nichts mehr wahr ist, kann nie­mand mehr die Mäch­ti­gen kri­ti­sie­ren, weil es kei­ne Grund­la­ge der Kri­tik mehr gibt. Wenn nichts mehr wahr ist, ist alles Thea­ter, dann zahlt nur mehr das dicks­te Geld­bör­sel für die grells­te Beleuchtung.

9) Inves­ti­ga­te.

Figu­re things out for yourself. Spend more time with long arti­cles. Sub­si­di­ze inves­ti­ga­ti­ve jour­na­lism by sub­scrib­ing to print media. Rea­li­ze that some of what is on your screen is the­re to harm you. Book­mark Pro­pOr­Not or other sites that inves­ti­ga­te for­eign pro­pa­gan­da pushes.

9) For­schen Sie nach!

Fin­den Sie sel­ber her­aus, was Sache ist. Lesen Sie län­ge­re Zeit län­ge­re Arti­kel, unter­süt­zen Sie inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus durch Zeit­schrif­ten- und Zei­tungs­abon­ne­ments. Erken­nen Sie, daß vie­les am Bild­schirm nur dazu da ist, Ihnen zu schaden.

10) Prac­ti­ce cor­po­re­al politics.

Power wants your body sof­tening in your chair and your emo­ti­ons dis­si­pa­ting on the screen. Get out­side. Put your body in unfa­mi­li­ar pla­ces with unfa­mi­li­ar peop­le. Make new friends and march with them.

10) Wer­den Sie echt politisch!

Die Mäch­ti­gen haben Inter­es­se dar­an, daß Ihr Kör­per auf dem Sofa ver­weich­licht und Ihre Gefüh­le sich, an den Bild­schirm gebannt, ins All­ge­mei­ne auf­lö­sen. Gehen Sie raus! Suchen Sie unge­wohn­te Orte auf und merk­wür­di­ge Leu­te. Schlie­ßen sie sich denen an.

11) Make eye con­ta­ct and small talk.

This is not just poli­te. It is a way to stay in touch with your sur­roun­dings, break down unne­cessa­ry social bar­ri­ers, and come to under­stand whom you should and should not trust. If we enter a cul­tu­re of den­un­cia­ti­on, you will want to know the psy­cho­lo­gi­cal land­s­cape of your dai­ly life.

11) Augen­kon­takt und ein biß­chen Plau­dern bitte.

Das ist nicht nur ein Gebot der Höf­lich­keit. Beim Reden kom­men die Leut’ zusam­men. So kom­men Sie in Kon­takt mit Ihrer Umge­bung und krie­gen mit, wem im ech­ten Leben zu trau­en ist und wem nicht. Wenn wir in einer immer ärge­ren Kul­tur der Denun­zia­ti­on leben, soll­ten wir in All­tags­psy­cho­lo­gie abso­lut firm sein.

12) Take respon­si­bi­li­ty for the face of the world.

Noti­ce the swas­ti­kas and the other signs of hate. Do not look away and do not get used to them. Remo­ve them yourself and set an examp­le for others to do so.

12) Die sicht­ba­re Ober­flä­che der Umwelt ist den Mäch­ti­gen wichtig.

Auf Haken­kreuz­schmie­re­rei­en und Ver­bal­ra­di­ka­lis­men sprin­gen sie sofort an. Las­sen Sie sowas blei­ben, Trol­le nicht füt­tern. Gewöh­nen Sie sich auch nicht dar­an, daß die Mäch­ti­gen über­all „Haß“ ent­de­cken. Anti­fa­auf­kle­ber abklet­zeln ist aber schon vorbildlich.

13) Hin­der the one-par­ty state.

The par­ties that took over sta­tes were once some­thing else. They explo­i­ted a his­to­ri­cal moment to make poli­ti­cal life impos­si­ble for their rivals. Vote in local and sta­te elec­tions while you can.

13) Den Ein­par­tei­en­staat verhindern.

Die Main­stream­par­tei­en sind jede für sich frü­her ein­mal mit unter­scheid­ba­ren wich­ti­gen Anlie­gen ange­tre­ten. Sie haben dann einen güns­ti­gen his­to­ri­schen Moment aus­ge­nützt, um geschlos­sen ihre poli­ti­schen Geg­ner unmög­lich zu machen. Gehen Sie unbe­dingt zur Wahl, alle Ebe­nen von Stadt­par­la­ment oder Bun­des­tag sind wichtig.

14) Give regu­lar­ly to good cau­ses, if you can.

Pick a cha­ri­ty and set up auto­pay. Then you will know that you have made a free choice that is sup­por­ting civil socie­ty hel­ping others doing some­thing good.

14) Spen­den Sie regel­mä­ßig für einen guten Zweck.

Das ist im Inter­net aus­ge­spro­chen ein­fach, und die Zivil­ge­sell­schaft lebt davon, daß Sie frei ent­schei­den kön­nen, wem sie Geld spenden.

15) Estab­lish a pri­va­te life.

Nas­tier rulers will use what they know about you to push you around. Scrub your com­pu­ter of mal­wa­re. Remem­ber that email is sky­wri­ting. Con­si­der using alter­na­ti­ve forms of the inter­net, or sim­ply using it less. Have per­so­nal exch­an­ges in per­son. For the same rea­son, resol­ve any legal trou­ble. Aut­ho­ri­ta­ria­nism works as a black­mail sta­te, loo­king for the hook on which to hang you. Try not to have too many hooks.

15) Schüt­zen Sie Ihre Privatsphäre!

Böse Regie­run­gen ver­wen­den alles gegen Sie, das sie über Sie wis­sen. Com­pu­ter regel­mä­ßig auf Viren che­cken. Mail­ver­kehr ist abso­lut durch­sich­tig. Über­le­gen Sie, ob geschütz­te Berei­che im Inter­net oder weni­ger Inter­net­nut­zung eine Lösung wären. Per­sön­li­chen Aus­tausch bes­ser per­sön­lich pfle­gen. Der Über­wa­chungs­staat ist ein Erpres­ser: jede Ihrer Spu­ren kann gefähr­lich wer­den. Ver­wi­sche die Spuren!

16) Learn from others in other countries.

Keep up your friendships abroad, or make new friends abroad. The pre­sent dif­fi­cul­ties here are an ele­ment of a gene­ral trend. And no coun­try is going to find a solu­ti­on by its­elf. Make sure you and your fami­ly have passports.

16) Von ande­ren Län­dern lernen.

Fri­schen Sie Ihre trans­at­lan­ti­schen – und rus­si­schen – Freund­schaf­ten auf oder ent­wi­ckeln sie über­haupt erst ein­mal wel­che. Die Schwie­rig­kei­ten bei uns könn­ten einem welt­wei­ten neu­en Trend wei­chen. Kein Land ist dabei auf sich allein gestellt. Besor­gen Sie für sich und Ihre Ange­hö­ri­gen gül­ti­ge Reisepässe.

17) Watch out for the paramilitaries.

When the men with guns who have always clai­med to be against the sys­tem start wea­ring uni­forms and mar­ching around with tor­ches and pic­tures of a Lea­der, the end is nigh. When the pro-Lea­der para­mi­li­ta­ry and the offi­cial poli­ce and mili­ta­ry inter­ming­le, the game is over.

17) Bür­ger­weh­ren sind Zeitzeichen.

Wenn die Leu­te mit Waf­fen­schein, die schon immer gegen das Sys­tem waren, sich zusam­men­tun, ist das Ende des­sel­ben nahe. An Fackeln und Füh­rer­pla­ka­ten erkennt man sie heu­te nicht mehr. Kommt es soweit, daß die­se Bür­ger­weh­ren mit Poli­zei und Mili­tär fusio­nie­ren, ist das Spiel aus – ob für das Sys­tem oder für die Frei­heit, läßt sich an den Zeit­zei­chen nicht ablesen.

18) Be reflec­ti­ve if you must be armed.

If you car­ry a wea­pon in public ser­vice, God bless you and keep you. But know that evils of the past invol­ved poli­ce­men and sol­di­ers fin­ding them­sel­ves, one day, doing irre­gu­lar things. Be rea­dy to say no. (If you do not know what this means, con­ta­ct theU­ni­ted Sta­tes Holo­caust Memo­ri­al Muse­um and ask about trai­ning in pro­fes­sio­nal ethics.)

18) Wenn Sie Waf­fen tra­gen, ste­hen Sie in beson­de­rer Ver­ant­wor­tung.

Falls Sie Dienst an der Waf­fe ver­se­hen, möge Gott Sie seg­nen und behü­ten. Die Ver­gan­gen­heit lehrt, daß Poli­zis­ten und Sol­da­ten sich in ihrer Rol­le in Dienst genom­men sahen für Din­ge, auf die sie nie ver­pflich­tet wor­den waren. Sei­en Sie bereit, Nein zu sagen. Falls Sie nicht wis­sen, was Wider­stands­pflicht bedeu­tet, schau­en Sie ein­mal hier nach oder erin­nern Sie sich an Ihr Berufsethos.

19) Be as cou­ra­ge­ous as you can.

If none of us is pre­pa­red to die for free­dom, then all of us will die in unfreedom.

19) Sei­en Sie so mutig wie Sie kön­nen.

Wenn kei­ner von uns bereit ist, für die Frei­heit zu ster­ben, dann ster­ben wir alle in Unfreiheit.

20) Be a patriot.

The inco­m­ing pre­si­dent is not. Set a good examp­le of what Ame­ri­ca means for the genera­ti­ons to come. They will need it.

20) Sei­en Sie Patriot.

Die gegen­wär­ti­ge Regie­rung ist das Gegen­teil. Sei­en Sie ein Bei­spiel für das, was Deutsch­land für die kom­men­den Genera­tio­nen bedeu­tet. Sie wer­den die­ses Bei­spiel drin­gend nötig haben.

 

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (28)

Radistschew

31. Januar 2017 20:50

Einer der wenigen wirklich politischen Artikel bei Sezession. Passend zu Höckes Forderung nach einer fundamental-oppositionellen Bewegungspartei. Das ist die Richtung!

Nemo Obligatur

31. Januar 2017 21:38

Mir kommt der Begriff "Ein-Mann-Kaserne" in den Sinn, der irgendwo in der Spurbreite des schmalen Grats auftaucht. Das hier dürfte dann die entsprechende Dienstvorschrift für diese Kaserne sein. Die kürzeste Fassung dieser Vorschrift wäre übrigens "ego non". Ausgehend von diesem Motto klärt sich in unseren alles weitere schon fast wie von selbst.

Monika L.

31. Januar 2017 22:26

"Americans are no wiser than the Europeans who saw democracy yield to fascism, Nazism or communism. Our one advantage is that we might learn from their experience. Now is a good time to do so."

Snyder im Vorspann zu seinen 20 Punkten. 

Da die Amerikaner nicht klüger sind als die Europäer, brauchen wir auch kein 20-Punkte-Programm  aus Amiland. Ein autoritäres Regime ist zudem etwas anderes als ein totalitäres System, wie es Havel, Milosz und andere osteuropäische Dissidenten beschrieben haben. Wie sollen die Amis aus europäischen Erfahrungen lernen können ? Ohne die Erfahrung des Bombenterrors ? Ohne die Erfahrung der absoluten Niederlage ?

Sie spielen nur Dissident. Ja, das ist ein großes Gefühl. In Hollywood.

Fräulein von Trense

31. Januar 2017 22:43

Punkt 15 ist in Netzzeiten im Grunde herzerreißend einfach zu befolgen: alles wesentliche, wichtige nie virtuell, sondern archaisch. Also mündlich bzw. (hand)schriftlich kommunizieren, wenn es um privates oder eben heikles geht (wobei der Rechner als Schreibmaschine auch nicht taugt. Nicht umsonst besagt das Gerücht, daß Putin keine empfangs- und sendefähige Elektronik im Umkreis von gut 200 m um seinen Schreibtisch duldet und hochvertrauliche  Regierungspapiere in Rußland inzwischen wieder nur noch handschriftlich oder allenfalls mit altmodischen Schreibmaschinen verfaßt werden).

Es kriecht sich heuer in eine Kladde, einen Wust Bögen (am besten noch in Sauklaue) ungleich mühsamer hinein als in ordentlich aufgereihte Dateienpäckchen.

marodeur

31. Januar 2017 23:42

Monika L.:

"Da die Amerikaner nicht klüger sind als die Europäer, brauchen wir auch kein 20-Punkte-Programm  aus Amiland."

Das ist mir zu wenig. Inhalte nur aufgrund der Quelle abzulehnen ist das Geschäft des politischen Gegners. Da muss bitte mehr konkrete Kritik folgen.

Raskolnikow

1. Februar 2017 09:53

Liebe Caroline Sommerfeld!

In meiner Zurückhaltung bei der Nominierung von Gesprächsgegenständen, kam mir bezüglich Ihrer Sezessionsautorschaft bisher wenig in den Sinn, außer den ländlichen Augustassoziationen, die Ihr zauberhafter Name in mir auslöst. Etwas das ohne Zweifel kein gutes Licht auf mich wirft. Vor allem wegen umfassender Verständnisschwierigkeiten und Bildungslücken was Ihr bevorzugtes Sujet anbelangt, saß ich meist stumm lesend und vor mich hin starrend neben meinem köchelnden Samowar, der nervösen Gewohnheit folgend, die Kiefer eines erzgebirgischen Nußknackers in schnappende Bewegung zu versetzen... Aber diesmal muß ich laut werden und sogar widerschreiben.

Das Interesse an "der Demokratie in Deutschland" rangiert auf meiner persönlichen Rettungsprioritätenliste, die ich einesnachts im Lichte meiner Glasrüschenlampe gebar, weit hinter Pflaumenkompott, Fachwerkhäusern und Russisch-Ei in Aspik. Politische Systeme sind kein Selbstzweck, sondern Mittel. Eine Rettung der Demokratie käme mir nur in den Sinn, wenn sie gut wäre. (Ich verwende das simple Wort "gut" bewußt!)

Es bleibt mir bezüglich der zeitgenössischen Demokratie aber leider nur das kühle Fazit, daß dieses politische System zwar für gigantischen Reichtum gesorgt hat, aber sonst (oder deshalb) nur Hässliches, Niederträchtiges und Ehrloses hervorbringen konnte. Es ist das Bösartigste, das uns je widerfuhr. Und ich sah nicht, daß es gut war. Retten wir doch lieber etwas anderes...!

Die Heimat ist eine gute Sache! Oder die Schönheit! Hering in Aspik kann auch niemand kritisieren!

Kurze Anmerkungen zu Snyders Punkten:

ad 1) Jede Herrschaft ist autoritär. Gerade die vermeintliche Herrschaft der Massen vulgo "des Einzelnen" kann nur in Repression enden. Wo das Absolute fehlt, bricht sich die menschliche Niedertracht Bahn.

ad 2) Gerade in den Berufsständen des Juristen und Journalisten erfährt die Massenherrschaft ihren Höhepunkt. Sie sind immer Machtmittel in den Händen der Herrschenden. Das Gaukelspiel unabhängiger Kontrollinstanzen ist für die Dummen gerade recht. Die Verwischung der Grenzen zwischen den Professionen des Politikers, des Juristen und des Journalisten sind heute offensichtlicher denn je: Journalisten sind Politaktivisten, Politiker nutzen die willfährigen Richter und Journalisten zur Stabilisierung des Machtsystems.

ad 6) 999 von 1000 Leuten sind nicht in der Lage, sich etwas Eigenes auszudenken oder sich einer adäquaten Sprachbenutzung zu befleißigen. Wer so etwas behauptet, setzt den Menschen manipulative Flausen in den Kopf.

ad 8) Es ist geradezu lächerlich, in einem Text, der ohne das Absolute auskommt, von Wahrheit zu sprechen. Die Leugnung Gottes oder der Götter erzwingt die Erosion der Wahrheit und kann nur zum Relativismus führen. Nihilisten, die mit Werten und Wahrheiten operieren, sind das Lächerlichste auf Gottes Erde.

ad 9) Lange Artikel lesen und Journalistenauswurf konsumieren, führt sicher zu demokratischer Gesinnung, aber garantiert nicht zu Persönlichkeit, Geist oder Freiheit.

ad 10) Je weniger weich, je weniger gewöhnlich, je mehr echtes Leben, desto weniger Demokratie. Die Demokratie ist eine Massenveranstaltung. Ihr einziger Antrieb ist die große Zahl. Die Punkte 10 und 11 widersprechen jedem liberalen Demokratieverständnis. (Übrigens auch die imperative Form der Aufzählung.)

ad 13) Jeder Parteienstaat ist ein Einparteienstaat. Eine Ablehnung des parlamentarisch-demokratischen Systems wird nicht gestattet. "Feinde unserer Demokratie" (Das Possessivpronomen ist wichtig!) werden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

ad 16) Jedes Volk ist auf sich gestellt. Jedes Volk ist für sich selbst verantwortlich. Das ist auch die Erkenntnis, aus der echte Völkerfreundschaft entsteht.

ad 19) Für welche Freiheit stirbt ein Demokrat?

Ich glaube, liebe Frau Doktor Sommerfeld, Sie sind dem Snyder auf den Leim gegangen. Kein Mensch, der so schön heißt wie Sie, kann liberal sein; nehmen Sie mir diese Illusion bitte nicht! Kein Mensch, der sich ehrlich betrachtet, wird den Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens stellen. Das Postulieren von Menschenrechten ist auf die Spitze getriebene Eitelkeit.

Natürlich kann ich ruinöses Menschlein nicht mit einem Gegenprogramm bzw. einem echten Widerstandsrezept dienen, um der Frage darnach zuvor zu kommen. Ich bin viel zu irrational, treibe mich über die Maßen herum und bin weitgehend unzurechnungsfähig. (Die Oberärztin zum Beispiel ist ein aus der Weltweiblichkeit weit herausragendes Exemplar und nur wegen ihr suche ich als eigentlich träger und zutiefst lyrisch-verweichlichter Charakter Orte auf, deren blutige Prosa der Herausragenden Eindruck machen soll...)

Lassen Sie uns doch gemeinsam ein gutes Programm, ein Manifest des ehrlichen Widerstandes entbinden!

Propositum rascolnicovis:

1. Kein Mensch wird frei geboren! Niemandem steht irgendein Recht von selbst zu. Alles, was wir sind, kommt aus der Gnade.

2. Seien wir ehrlich zu unseren Mitmenschen: Freiheit und Würde gehen mit weniger Geld im Portefeuille einher.

3. Schuster bleib bei Deinen Leisten! Keine Verkäuferin und kein Maurer kann die Entscheidungen eines Generals oder Richters umfassend bewerten. Wer etwas anderes behauptet, lügt.

4. Statt Zeitungen lest die Bibel oder in der Edda, lernt Lieder, Gebete, Litaneien oder Gedichte auswendig. Singt, wann immer möglich.

5. Duldet Vergehen wie etwa geistliche Albernheit, vorlautes Gebaren, ungeziemende Kleidung und allgemeine freiwillige Häßlichkeit nicht in Eurer Umgebung.

...zu vervollständigen.

Erwartungsfroh,

R.

Monika L.

1. Februar 2017 10:11

@marodeur 

Natürlich ist ein Widerstandsprogramm sinnvoll. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Europäischen Völker aufgrund ihrer leidvollen Erfahrungen genug Widerstandspotential entwickelt haben. Auch, wenn das im Moment abzuschlaffen droht. Es kann nur aus uns selbst kommen.

Amerikanische Ratgeberliteratur nehme ich zur Kenntnis. Und bewahre das Brauchbare. Daraufhin kann man die einzelnen Punkte durchgehen. Konkrete Kritik am amerikanischen Widerstand:

Nach Trumps Wahl formierte sich der sog". Woman's March on Washington", eine gezielte Kampagne, die von George Soros weltweit finanziert wird. Linda Sarsour, Direktorin der Arab American Association of New York, meinte zum Widerstand gegen Trump: "Es gibt nur einen Mann, dem ich folge, und das ist mein geliebter Prophet Mohammed." siehe da: https://www.taz.de/!5373536/

Eine abgehalfterte Popsängerin will gar das Weiße Haus in die Luft sprengen. Und führt sich auf wie der "Engel der Armen", der die Massen aufstacheln will. Herrlich zu inszenieren: "Don't cry for me America" .

Ist das der amerikanische Widerstand? Der ' March for life' ein paar Tage nach dem 'Woman's march'"wurde von der Presse kaum gewürdigt. Trotz beträchtlicher Teilnehmerzahl. Eine Madonna war an diesem gewichtigen' Event ' leider auch nicht erschienen.

Was können wir also von Amerika lernen? Ich schlage vor: Einen Woman's March am 3. Silvester ( Neue europäische Zeitrechnung) in Köln. Nach der BTW 2017 wird eine fundamentale Opposition not-wendig sein. Ein Frauensternmarsch auf Köln also. Eine Grupper holder Jungfrauen trägt das Banner: Es gibt nur einen Mann, dem ich folge, und das ist Jesus Christus.So geht Widerstand.

Stefanie

1. Februar 2017 10:42

Das ist das schöne am Kulturrelativismus: wenn man keine festen Werte mehr hat, laßen sich wunderbare Anleitungen für jeden Daseinszweck generieren, völlig unabhängig vom Ziel der Bewegung. Ein Schnittmuster für alle: one size-fits-all, ob nun aus Kashmir, Nylon oder Teflon gefertigt.

Sehr aufschlußßreich ist auch der Artikel von ihm in der Welt. Man fragt sich warum zu solchen Vergleichen immer die 1930er Jahre herangezogen werden, warum den nicht mal zur Abwechslung das Ende der Römischen Republik? Nur haben die entsprechenden Intellektuellen, da nicht ihr Fachgebiet, die entsprechenden Ereignisse einfach nicht auf dem Schirm. Ein Kommentator im Welt-Forum meint, sie wären so vernarrt in ihre Gedankengebäude, daß sie sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufstellen müssen und das Neue und die Offenheit der Geschichte dabei völlig übersehen.

Von Salman Rushdi stammt deer Satz: "Die Vergangenheit ist ein Land, aus dem wir alle emigriert sind." Nun versuchen all die Emigranten sich in dem neuen , noch unbetretenen Land mit einer Landkarte aus der Vergangenheit zu rechtzufinden. - Stellen sie sich vor, Sie wollen einen Stadtrundgang durch Prag machen, haben aber leider nur eine Karte von Rom dabei. Da sagen Sie sich "Damit ich mich nicht ganz verlaufe, nehme ich eben den alten Stadtplan, vielleicht finde ich wenigstens ein paar Wegmarken darauf." (Und da es auch noch ein richtig alter Stadtplan ist, glauben Sie an jeder Ecke ein Standbild des Duce ausmachen zu können...)  

Thomas Bez

1. Februar 2017 10:53

Wer so intensiv Trump explizit und eindeutig NICHT mit Hitler vergleicht und das so penetrant betont, hat den Hitlervergleich längst abgefeuert. Das darf Snyder gern tun, das darf jeder gern tun, ein Gewährsmann für gute Ratschläge zur Durchführung konservativen Widerstands ist diese Person für uns dann nicht mehr, mangels Seriosität nämlich, auch wenn die Ratschläge erst einmal sehr hübsch klingen. Wir wären nicht auf die Idee gekommen, Ratschläge zum Kampf um unsere Freiheit gerade bei Snyder zu suchen. Wenn er sagt, daß, wie wir im zitierten Welt-Artikel lesen können, "eine Wahl im November, die unerwartete Folgen hatte" oder er "sich sehr geschickt der neuen Medien zu bedienen weiß" eine auffällige Parallele zwischen Hitler und Trump sei, dann ist das demagogisches Grundlagenseminar, aber intellektuell eine ziemlich untere Schublade. Wenn es dann etwas ernsthafter klingt und um "die Überzeugung eines Anführers, daß die Wahrheit völlig irrelevant ist" geht, müssen wir uns fragen: (1.) Welche Wahrheit worüber ist hier gerade gemeint? (2.) Woran ist die Überzeugung des Anführers, daß die Wahrheit (für ihn oder überhaupt, wenns gerade paßt oder ganz grundsätzlich?) irrelevant ist, zu erkennen? - Weiter haben wir den Schmus in der Welt dann nicht gelesen. Denn wenn das nicht doch ein Hitlervergleich (sozusagen in den Rücken) ist, was dann? Wir sind von Hitlervergleichen inzwischen so maßlos gelangweilt... /

Aber schaun wir mal inhaltlich in Snyders 20 Thesen. (Daß es auch immer so eine schön runde Zahl sein muß, 10 oder 20. Wie die Top 10 der besten Smartphones. Nur einer hat sich bisher zu 95 Thesen verstiegen. Aber dies hier nur mal beiseit' gesprochen.) "Übergeben wir einem autoritären Regime nicht freiwillig die Macht." Aber klar doch, voll d'accord. Welches autoritäre Regime wäre das denn? Das der Revolution von Trump oder das der Konterrevolution nach geglücktem Attentat auf Trump und Handstreich gegen potentielle Amtsübernehmer? Man kann die 20 Ratschläge (im Original) gegen beide Szenarien lesen und sie passen immer. Das macht sie so toll und so wertlos. Der Spin, hochverehrte Frau Sommerfeld, den Sie der Vorlage geben durch Rechtsherumdrehen und kleine Einschübe (man vergleiche Original und Ihre Interpretation von These 4) ist ehrenwert und steht wofür nach unserer Auffassung Sezession steht. (Auch wenn beim Wort Demokratie mancher Leser schon wieder fragen mag: Welche Art von Demokratie ist hier gemeint? Wollen wir DIESE Demokratie retten oder wollen uns bei dem Wort etwas anderes vorstellen?) Wir teilen so ziemlich in allen Punkten Ihre Meinung, die aus dem spricht, was Sie aus Snyders angeblich handkopiertem Papier gemacht haben. (Wir stellen uns gerade Snyder in einer Fußgängerzone in Wichita, Kansas vor. Warum twittert er's eigentlich nicht oder schreibt in der Huff oder seinem Blog? Auch viele Trumpisten haben schon Internet.) /

Es ist frappierend, mit wie wenig Hinzufügens es möglich ist, aus einer einigermaßen strukturierten generischen Vorlage ein der Sache angemessenes und durchaus nützliches Brevier zu zimmern. Wenn das funktioniert, vielleicht nehmen wir uns für die konservative Revolution (in einer sachlich-praktischen Interpretation des Begriffs, keiner metaphorisch-metapolitischen) doch mal Lenin als Vorlage vor, angefangen mit "Was tun?". Oder die einzige deutsche Revolution die jemals zum Abschluß geführt wurde? Beides natürlich unter Weglassung aller ihrer ideologischen Bestandteile und ihrer Protagonisten, all dies ersetzt durch die Attribute gemäß dem Ziel, das wir mutmaßlich gemeinsam im Auge haben. Sozusagen Revolutionstheorie als technisches Gerüst. (Im Zeitalter der Smileys betonen wir extra: Diese Idee enthält nur den Hauch von Ironie, der uns normalerweise schützt, uns selbst zu überheben.) Vielleicht kann man auch aus den falschen Revolutionen Richtiges lernen, wie zum Beispiel Trump es augenscheinlich tat. Und die einzige (noch) oppositionelle Partei in Deutschland täte auch daran gut, wenngleich wir glauben, daß jenseits des dringend notwendigen massiven Zugewinns im September diese Partei nicht die eigentliche Bewegungspartei werden wird. Dafür braucht es eine Partei neuen Typus', welche vermutlich mangels hinreichender Implementierung innendemokratischer Prinzipien schon nach deutschem Vereinsrecht illegal wäre. /

Aber eh wir noch ins Schwafeln geraten, hören wir erst einmal auf. Nichts für ungut. /

PS: Eine Frage hätte wir doch noch, nämlich zu These 9: Vor gar nicht so vielen Jahren noch hätten wir die FAZ die beste Zeitung der Welt genannt, dicht gefolgt von der NZZ - und wir kennen ein wenig von der Welt. Sic transit gloria mundi. Letztes Jahr haben wir uns ihrer nach 12 Jahren Abonnement entledigt und sudeln nur noch dann und wann ein wenig auf FAZ.NET. Leider gibt es noch immer keinen deutschen Ersatz, der an das frühere Niveau der FAZ heranreicht, weder unter den Tages- noch unter den Wochenzeitungen. Wir fühlen uns etwas einsam ohne ein Stück Presse, das wir mögen können. Als Lektüre zum Frühstück können wir Camus oder Orwell einfach noch nicht verdauen. Kein Bier vor vier. Den Geheimtip (neben der Sezession, natürlich) suchen wir noch immer. Irgendwelche Anregungen?

Gotlandfahrer

1. Februar 2017 11:14

Der spannende Aussagekern dieses hinreißenden Fundstückes ist ja der: Schaut, wie sehr sich die an sich selbst gestellten Redlichkeitsansprüche auf beiden Seiten der Front ähneln. Die Erfahrung dabei zeigt, dass die allermeisten Menschen beiderseits der Barrikade ja zutiefst davon überzeugt sind, dem Bösen entgegenzutreten. In Zeiten, in denen Gleichgewichtszustände ins Rutschen geraten, erzeugt dieses Gefühl des ‚jetzt das Gute retten‘ zu müssen für hysterische Stimmungslagen, die leicht in Gewalt eskalieren. Und kaum jemand auf einer der Seiten wird dabei denken, wie schön, dass das mit dem Vorgaukeln von Redlichkeit geklappt hat und es mir jetzt gelingt das Üble durchzusetzen.

Diese Gegenüberstellung ist auch nicht, wie hier ja hinlänglich bekannt, objektivierbar, also per Argument und Diskurs verhandelbar (da der Mensch gesellschaftliche Stellungsfragen emotional entscheidet und erst danach beliebig hin zum emotionalen Ziel rationalisiert).

Dem Artikel lässt sich folglich die eigentliche Frage des sozialen Wesen Mensch entnehmen: Wie kann (die in Gruppen notwendige) Machtausübung  so geregelt werden, dass diese eine für die Aufrechterhaltung der Regelung und damit Gruppenstabilität hinreichende emotionale Befriedigung jedes einzelnen der Gruppe schafft? Die emotionale Befriedigung schlägt dabei ganz offenbar die rationale / materialistische, denn ich kann hungernd und verarmt ein glühender Anhänger meiner Staatsideologie sein, während Sattheit und Freiheit die Zustimmung zu den Bedingungen, die mir dies ermöglichen, tendenziell sogar schwächt.

Vermutlich, meine spontane Kaffeebecherthese, liegt die Undankbarkeit und irrationale Verachtung wohlhabender, weitgehend von Existenzproblemen verschonter Menschen gegenüber dem, was ihnen dies ermöglicht hat, in der fundamentalen Demütigung des Menschen begründet, sich zwecks Bedürfnisbefriedigung überhaupt Gruppenzwängen unterwerfen zu müssen. Leben in der Gruppe ist immer auch Bevormundung durch Regeln etc. Sind die Zeiten schlecht genug, sehe ich den Nutzen der Unterwerfung unmittelbar ein, denn Einzelgängertum wäre hier noch schadhafter. Geht es mir über lange Zeit gut genug kann ich aufgrund der Arbeitsteiligkeit und Versorgungskomplexität innerhalb meiner Gruppe den Zusammenhang zwischen Gruppe und meinem Wohlstand nicht mehr unmittelbar erfahren. Dann wird die Gruppe mit ihren Regeln zu einer täglichen Zwangskonvention ohne direkten Gegenwert. 

Der mit der Freiheit und den Möglichkeiten zum eigenen Glück einhergehende Erwartungsdruck dies auch zu schaffen,  bei gleichzeitig dafür zu befolgender Gemeinschaftsregeln, kann starke emotionale Ablehnung gegenüber der Gemeinschaft erzeugen. Trotzdem möchte ich ein guter Mensch sein und als solcher anerkannt sein, daher nutze ich die allgemeingültigen Redlichkeitsanforderungen im Sinne von politischen Haltungen, die meine emotionale Ablehnung gegenüber der Gemeinschaft, die mich demütigt, bedienen. Dieses Muster kann natürlich für Linke wie Rechte herhalten, mit dem Unterschied, dass Rechte ggf. nur Teile der heutigen Regelungen ablehnen aber die Gemeinschaft bewahren wollen, während Linke die Gemeinschaft als Ganzes im Auge haben.

Sollte dem denn so sein, hieße das für die Frage, wie Machtausübung gruppenstabil geregelt werden kann, dass dies in wohlhabenden, hoch differenzierten Gemeinschaften gar nicht möglich ist. Denn mit zunehmendem Wohlstand verstärkt sich die Tendenz in der Gruppe, ihre Grundlagen nicht mit einer stabilitätssichernden Hingabe zu erhalten. Oder anders: Gruppen streben zunächst ihrem Wohlstandsoptimum zu, um sich dann selbst zu zerstören, sofern sie nicht vor der Zerstörung erneut in einen Zustand geraten, der unterhalb dieses Optimums liegt. Man könnte von ‚gruppenstabilitätsoptimaler Armut‘ sprechen die anzustreben ist, will man die Gruppe vor der Selbstzerstörung bewahren. Dies wirft ein völlig neues Licht auf unsere unter Umständen doch sehr weise Finanzpolitik.

Um zum Artikel zurückzukommen: Wenn also a: Redlichkeitsansprüche gleichermaßen beliebigen weil eh nur emotional basierten politischen Haltungen vorangestellt und daher nicht als Unterscheidungsmerkmal dienen können und b: die emotionale Verbundenheit zu ‚gut funktionierenden‘ Gemeinschaften tendenziell abnimmt, kann unsere Seite tun und lassen was sie will, die Zahl unserer Fürsprecher hängt zwar auch von der Existenz unserer Seite ab (also: Weitermachen, sonst gäbe es keinen Ort zu dem man wechseln kann), ihr Anwachsen wird aber kein Ergebnis guter Argumentation sein, sondern allein der Gefühlslage. Die wiederum ein Mehr an Heimatverbundenheit aufweisen wird, je beschissener es den Menschen geht. Das Gute im Schlechten: Das schaffen unsere Herrschenden von ganz alleine.

Der_Jürgen

1. Februar 2017 13:20

 Zu Timothy Snyder: Der Bursche ist eine intellektuelle Nullnummer; wer sein Buch "Bloodlands" gelesen hat, weiss, dass er ausser plattem Wiederkäuen propagandistischer Behauptungen zur Zeitgeschichte nichts zu bieten hat. Er gehört zu den Kettenhunden des Establishments, die jetzt, wo sich letzteres durch den neuen Präsidenten herausgefordert fühlt, aufgeregt kläffen, um ihre tägliche Schappi-Ration auch weiterhin zu erhalten. Dass ein solcher Kettenköter von der Lügenpresse zum begnadeten Denker hochgejubelt wird, verwundert hier wohl keinen.

Zu Caroline Sommerfelds Um-Schreibung der zwanzig Snyderschen Punkte: Vieles kann man sofort unterschreiben, aber in einigen Fragen muss ich @Raskolnikow recht geben.

Zu Punkt 1: Das "autoritäre Regime", dem wir laut Frau Sommerfeld nicht "freiwillig die Macht übergeben" sollen, kommt so oder so; dies ist angesichts der Situation, welche die Herrschenden in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben, unvermeidlich. Es fragt sich nur, was für ein autoritäres Regime zur Macht kommen wird - ein volksfeindliches, das die Zerstörung Deutschlands vollenden wil (und als Vorwand für die Einführung einer offenen Diktatur zuvor vermutlich schwere Terroranschläge unter falscher Flagge inszeniert) oder ein volksfreundliches, das im letzten Augenblick das Ruder herumreisst. (Eine dritte, weniger wahrscheinliche, aber nicht auszuschliessende Möglichkeit wäre ein islamisches Regime; bei einer Fortsetzung der Masseneinwanderung und fortgesetztem Geburtenschwund der Deutschen könnte die demographische Basis für ein solches schon bald heranreifen.)

In anderen Worten: Wir haben nicht die Wahl zwischen "Diktatur" und "Demokratie", sonden jene zwischen der Diktatur des Floretts und jener der Mistgabel.

Noch zu Caroline Sommerfelds Punkt 3. Staatsanwälte und Richter, die wider den Stachel löcken und bei politischen Prozessen andere als die vom System erwünschten Urteile beantragen bzw. fällen, sind eine seltene Spezies. Manche werden sich noch an den Fall des Richters Rainer Orlet erinnern, der anno 1994 ein relativ mildes Urteil gegen den Revisionisten Günter Deckert fällte und diesen in seiner Urteilsbegründung noch als "charakterfesten Mann" lobte. Sofort entfachten die freien Medien des freisten Staates der deutschen Geschichte eine Hetze, als habe Heinrich Himmler soeben posthum den Friedensnobelpreis erhalten; das Urteil wurde kassiert und ein neues, schärferes gefällt. Meines Wissens haben seither ausnahmslos alle Richter bei politischen Prozessen in der BRD die Urteile gefällt, die von ihnen verlangt wurden.

Die Justiz ist in JEDEM System ein Instrument der Herrschenden. Wenn sie die ihr zugedachte Rolle nicht mehr spielt und sich Fälle wie der von Orlet häufen, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass das System nicht mehr fest im Sattel sitzt. Davon sind wir heute in Deutschland noch weit entfernt.

Monika L.

1. Februar 2017 13:27

@Raskolnikow

Na ja, ich verstehe zwar nur narod naja, aber diese "aus der Weltweiblichkeit herausragenden Exemplare" sind natürlich beim Frauenmarsch auf Köln 2017/18 gern gesehene Gäste. Da wäre die Polizei aus NRW entlastet. Und die Nafris würden nicht schlecht staunen !

Gotlandfahrer

1. Februar 2017 14:18

Grad gelesen, unsere Stars kommen drin vor:

https://www.altright.com/2017/02/01/what-is-the-alt-right/

 

Dietrich Stahl

1. Februar 2017 14:23

 

Liebe Frau Sommerfeld, Ihr Versuch, ein Programm für den Widerstand zu formulieren, ist eine gute Sache. Leider limitieren Sie sich selbst, indem Sie ein fremdes Programm zur Grundlage ihres Versuchs machen.

 

Was ist Ihr persönliches Programm für den Widerstand? Das ist viel interessanter und wirkmächtiger. Die Frage möchte ich an alle Foristen richten. Hier ist soviel intellektuelle und spirituelle Kraft und Lebenserfahrung im Austausch. Jedes individuelle Programm ist wichtig.

 

Ich möchte das Programm aber erweitern. Widerstand reicht nicht. Das erinnert mich an die Linken, die gegen alles sind. Das Programm muss, um wirken zu können, um die eigene Vision oder die Idee eines Zieles ergänzt werden. @ Raskolnikow weist in diese Richtung:

 

Retten wir doch lieber etwas anderes...! Die Heimat ist eine gute Sache! Oder die Schönheit! Hering in Aspik kann auch niemand kritisieren!

 

Rettung der Heimat ist ein gutes Programm. Laßt uns ein Programm zur Rettung der Heimat formulieren. Die Punkte Raskolnikows sind ein guter Ansatz. Insbesondere dies:

 

Es ist geradezu lächerlich, in einem Text, der ohne das Absolute auskommt, von Wahrheit zu sprechen. Die Leugnung Gottes oder der Götter erzwingt die Erosion der Wahrheit und kann nur zum Relativismus führen.

 

 

Seien wir ehrlich zu unseren Mitmenschen: Freiheit und Würde gehen mit weniger Geld im Portefeuille einher.

 

Drei Punke möchte ich für ein Programm zur Rettung der Heimat vorschlagen:

 

1. Rückbesinnung auf das Eigene und auf die geistigen Prinzipien.

 

2. Halte dein Wort.

 

3. Verletze nicht den Freiraum oder das Eigentum anderer Personen.

 

Gesellschaften, in denen die Menschen diese Punkte leben, prosperieren. In ihnen gibt es ein Höchstmaß an Freiheit. Insbesondere die Punkte zwei und drei sollten verpflichtend für alle Personen mit Verantwortung sein.

 

Aktuelles zum zweiten Punkt. In seiner Rede zur Nominierung von Neil Gorsuch als Richter am Obersten Gerichtshof der USA sagte Donald Trump:

 

„[…] Vor einigen Monaten legte ich als Kandidat den amerikanischen Wählern eine Liste von brillianten und versierten Leuten vor und gelobte, meine Auswahl aus dieser Liste zu machen. Millionen Wähler sagten, dies sei die wichtigste Angelegenheit für sie, als sie mich als Präsident wählten. Ich stehe zu meinem Wort. Ich werde machen, was ich sage. Etwas, worum das amerikanische Volk Washington seit einer sehr, sehr langen Zeit bittet. [langer Applaus, Donald Trump lächelt] Danke. Heute löse ich ein weiteres Versprechen an das amerikanische Volk ein. Ich nominiere Richter Neil Gorsuch als Richter für den Obersten Gerichtshof der USA.“

 

Wahrheitssucher

1. Februar 2017 15:07

@Thomas Bez

Auch ich habe schon lange die "FAZen dicke"; lese sie seit Jahrzehnten, ärgere mich ständig und stimme Ihrer Beurteilung zu. Doch würde sie einem mangels einer Alternative im Tageszeitungsbereich nicht doch fehlen, wenn man sie nicht mehr hätte?

"Irgendwelche Anregungen?"

Vielleicht die andere Allgemeine, die Preußische...!?

Raskolnikow

1. Februar 2017 15:16

Liebe Monika,

ich bin mir sicher, Sie verstanden mehr als nur "народная". Aber lassen wir das...

Ich fügte die Elena nur ein, damit alle Männer, die sich einem ähnlichen himmlisch-perfekten Frauentypus hingezogen fühlen, - jenem einzig-wahren kräftigen Typus, der (außer bei der Kindererzeugug) auch ohne Männer zurecht kommt, einem Typus der durch gewiefte Redewendungen nicht zu beeindrucken ist, die Sorte Frau die vom Мanne vor allem Mut, Haltung und Blut verlangt und die dem schwächlichen Schwätzer ggf. ins Maul haut, - verstehen was ich meine.

(Die meisten zeitgenössischen Männer sind ja verkappte Schwuchteln, die halbbekleidete Mädchen und Internetpornografie einer echten, soll ich sagen männlichen?, Frau vorziehen...)

https://www.youtube.com/watch?v=lYqV8srdOPU

Und all das ist nicht etwa trivial, sondern grundlegend...
Wer Augen hat, der sehe; wer Ohren hat der höre!

Alles, ja wirklich alles, hängt ab von diesem Punkte...

Mit Weininger grüßend,

R.

Heinrich Brück

1. Februar 2017 15:23

Auch im Blutrausch des 20. Jahrhunderts wurde der Stein der Weisen nicht gefunden. Und jetzt? Diese 20 Punkte des Widerstands richten sich allesamt gegen eine formulierte Interessenvertretung der Weißen in den USA.

Die USA zerfallen in mehrere Teile, grob gesagt: Weiße (europäisch), Nichtweiße (außereuropäisch). Unter den Nichtweißen befindet sich die größte Gruppe der Afroamerikaner, stark expandierend und aus dem historischen Opferstatus der Sklaverei stolz profitierend. Die Latinos und Asiaten, desgleichen mehrere indigene Völker ohne relevanten Bezug, schließlich die Juden als intelligenzstärkste Interessenvertretungsgemeinschaft eigener Präferenz.

Das demokratische Ausleseverfahren kann sehr profitabel sein, aber nicht für alle. Und genau an diesem Punkt wird es spannend. Wer den Sozialstaat in dieser Konstellation ins Feld führt, unterschätzt die Macht der Voraussetzungen, von einem Friedensstaat ist hier nicht die Rede, zur Lebensbefähigung eines solchen. Die Weißen haben in den letzten Jahrzehnten weniger profitiert, warum sollten sie also weiterhin solidarisch verlieren wollen?

Wenn die Weißen in ihren eigenen Ländern die Mehrheit behalten wollen, worüber es keine Diskussion geben kann, aber dieses Verhalten als antidemokratisch uminterpretiert wird und sich dagegen Widerstand formiert, ist dieses Recht der Mehrheit kompromißlos durchzusetzen!

t.gygax

1. Februar 2017 16:19

@derJürgen

Sie haben Recht. Ich habe bloodlands im englischen Original vor fünf Jahren gelesen, bis auf die Tatsache, dass er den Terror Stalins in der Ukraine benennt, enthält das Buch nur wenig Neues...und das "Böse" ist  auch bei ihm genau das, was alle anderen in der etablierten Zunft schreiben. Naja.

 

Ihre Kommentare sind übrigens äußerst lesenswert, ich habe das Gefühl, hier ist einer, der sich  den diversen Unterwerfungsgesten verweigert. Glück auf den Weg, der ein sehr einsamer und beschwerlicher Pfad wird.......lesen Sie mal zur Anregung Jüngers "Waldgang" oder Hamsuns " Auf überwachsenen Pfaden", das wiegt Berge anderer Literatur auf.

Der_Jürgen

1. Februar 2017 18:19

 @t.gygax

Vielen Dank für Ihre Zustimmung; ich bin mit Ihren Kommentaren auch praktisch immer einverstanden. Ich kenne sowohl Hamsuns "Auf überwachsenen Pfaden", das ich im Original las, als auch Jüngers "Waldgang". Noch viel eindrücklicher als den "Waldgang" finde ich übrigens Jüngers grossartiges Alterswerk "Eumeswil", in dem das Thema des Waldgangs auch eine wesentliche Rolle spielt. Vermutlich kennen Sie dieses Meisterwerk; ansonsten lege ich Ihnen - und anderen Foristen - seine Lektüre ans Herz.

silberzunge

1. Februar 2017 21:39

Unverbrüchliche Loyalität gegenüber dem und den Eigenen. Verachtung für die Feinde des und der Eigenen.

Monika L.

1. Februar 2017 22:44

Lieber Raskolnikow,

Diese Elena ist schon ein recht herber Frauentyp. Und da fiel mir doch mal wieder ein saublöder Witz ein.  Ich hoffe, dass ist kein vorlautes Gebaren, wenn ich den erzähle:

Wo sind die Unterschiede zwischen französischen, russischen und schwäbischen Frauen?

Was sagt eine Französin die am nächsten Morgen im Bett eines Mannes aufwacht?
„Cheri, Du warst so zärtlich. Was bist Du für ein guter Liebhaber! Was für eine wundervolle Nacht!“

Die Russin fragt am nächsten Morgen:
„Igor, lebst Du noch?“

Und was sagt die Schwäbin, wenn Sie am nächsten Morgen aufwacht?
„Ghöret die Möbl älle Ihne?“

Und natürlich kommen Frauen auch ohne Männer zurecht. Selbst zur Kindererzeugung braucht man keine Männer mehr. Mit Weiniger grüße ich nicht ( der ist bekloppt), aber vielleicht mit Barbara, die auch ganz gut ohne Männer auskommt, auf melancholische Art:

https://m.youtube.com/watch?v=WqA7D3I_f8U

Raskolnikow

2. Februar 2017 10:18

Ich wurde gestern,

durch einen überraschenden und erfreulichen Anlaß, in festliche Stimmung versetzt. Da ich, außer der Katze, die sich bei der Kälte gelegentlich durchs Fenster bettelt, keinerlei Gesellschaft ansichtig wurde, machte ich es mir allein mit dem Eierlikör und dem Tier gemütlich. Leider warf der Trunk mich etwas aus der Bahn, so daß mein zweiter Kommentar bedenklich bizarr geriet... Ich vergaß über all den peinlichen Geständnissen an die Oberärztinnen dieser Welt meinen eigentlich springenden Punkt:

Ich weiß oft gar nicht, wer da an meiner Seite steht! Auf unserer Seite!

Da ist ein mir bekannter Mann, der zweifellos zum Widerstand gehört und allen gängigen Argumentationen folgt. Dann tut er jedoch etwas, das all diese Bekenntnisse obsolet erscheinen läßt. (Im besagten Falle: eine Gattinnenwahl, die Kinderlosigkeit und nichts als Ausschweifung verspricht...)

Ähnlich geht es mir mit den Kommentaren unter Kaisers klugem Artikel ("Rückkehr der sozialen Frage"). Stehe ich wirklich auf der gleichen Seite mit Männern, die glauben, unsere Millionäre hätten alle ihr Geld ehrlich verdient?

Ich lese immer, die Vielfalt und die Bandbreite mache die rechte Opposition so stark; aber was verbindet mich mit Pazifisten, Atheisten, Libertären, Rasse-Leugnern ... R.-D.-Precht-Lesern, Verschwörungstheoretikern, mit Leuten, die in Vororten mediterrane Stadtvillen bauen, mit Progressisten, mit Leuten, die popeln oder sich beim Gähnen nicht die Hand vor den Mund halten...?

Ist unsere "Bandbreite" nicht viel zu breit für ein Widerstandsprogramm?

Reicht ein Bekenntnis aus? Mir, ehrlich gesagt, nicht.

Monika, Ihre Barbara singt ganz wunderbar, leider verstehe ich kein Französisch (in jeder Hinsicht)... Und das Scherzwort traf durchaus den Nerv!

Verschämt,

R.

Der_Jürgen

2. Februar 2017 11:58

@t. gygax

Vielen Dank für Ihr Lob, das ich gerne erwidere. Auch ich stimme Ihren Kommentaren praktisch immer zu.

Ich kenne Hamsuns "Auf überwachsenenen Pfaden" ebenso wie Jüngers "Waldgänger". Noch weit mehr als der "Waldgänger" hat mich freilich Jüngers grossartiges Alterswerk "Eumeswil" beeindruckt, in dem das Motiv des Waldgangs ebenfalls auftaucht.

Bran

2. Februar 2017 12:41

Schön, dass Frau Sommerfeld wieder auf tiefere Sphären runterkommt und an und für sich stimme ich in gewissen Punkten überein, muss aber Raskolnikow und Jürgen zustimmen, dass darin zu viele Trivialitäten, Irrtümer und Schlagworte erhalten blieben. Und nein, ich habe kein alternatives Rezept, aber wer so gut es geht versucht, sich an die folgenden  Tugenden zu halten, wird zumindest in seinem Umfeld eine gewisse Meinungsmacht erreichen:

 

mâze: maßvolles Leben, Zurückhaltung

 

zuht: Erziehung nach festen Regeln, Anstand, Wohlerzogenheit

 

êre: ritterliches Ansehen, Würde

 

triuwe: Treue

 

hôher muot: seelische Hochstimmung

 

höveschkeit: Höfischkeit, Höflichkeit

 

diemüete: Demut

 

milte: Freigiebigkeit, Großzügigkeit

 

werdekeit: Würde

 

staete: Beständigkeit, Festigkeit

 

güete: Freundlichkeit

 

manheit: Tapferkeit

 

Stil-Blüte

2. Februar 2017 13:06

Ich würde die Programmatik sprachlich direkter verfaßt sehen wollen. Immer hat mich der Rütlischwur so sehr beeindruckt, daß ich ihn auswendig kann. Und erbeginnt so: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern... Mehr Pathos, mehr Empathie für uns selbst täte uns not, siehe  

@ Raskolnikow

Nastrowje! Diese russische Sängerin - eine Gleichgesinnte  Wagnerscher Frauengestalten. Symptomatisch ist, daß Tusnelda in der degenerierten Spätphase Germaniens, genannt Bundesrepublik Deutschland, zur Tussi heruntergekommen ist. Auch das 'Mannweib' ist im Sprachgebrauch herabmindernd. Die Berolina, eine voluminöse  weibliche Herrschergestalt über Berlin ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Und die willensstarken, zähen Trümmerfrauen hat es laut türkischer Gastarbeiter gar nicht gegeben. 

Ihnen, Verehrtester, wünsche ich noch viele Eierliköre, schnurrende Katzen und mithin in Ihrer Imagination weiterhin einige ausgewählte, auserwählte tolle Frauenzimmer, tolle Weibsbilder, tolle Prachtweiber.

H. M. Richter

2. Februar 2017 22:01

In meiner Jugendzeit spielte der status confessionis keine geringe Rolle. Er bezeichnet, grob gesagt, eine theologische Grenzlinie, welche die Gegenseite nicht zu sehen oder anzuerkennen vermag. Wird diese überschritten, resultiert daraus der Bekenntnisfall

Carolin Sommerfelds Anfrage hat mich fragen lassen, inwieweit Ähnliches zur Anwendung kommen kann, ja muß, in Anbetracht der deutschen Lage.

Der Bekenntnisfall als Widerstandslinie.

Der_Jürgen

3. Februar 2017 12:11

Auch wenn es nur noch ganz wenige lesen werden, möchte ich die Anregung des Foristen @H. M. Richter aufgreifen: Wo liegt für uns das, was der Theologe den "Bekenntnisfall" nennt und was in weltlicher Sprache als "rote Linie" bezeichnet wird? In welchen Fragen dürfen wir unter dem Druck der Umstände Kompromisse machen, in welchen nicht? Caroline Sommerfeld wäre von ihrer Ausbildung und Bildung her wohl berufen, diese Frage in einem künftigen Beitrag aufs Tapet zu bringen. Sie würde sicherlich eine äusserst lebhafte Diskussion auslösen.

Hartwig aus LG8

3. Februar 2017 19:43

Die beiden Links von @Raskolnikow sind mir eine Sonderspende an SiN wert. Kommt in Bälde.

Nicht weil das mein Frauentyp wäre. Aber so etwas findet man einfach im Helene-Fischer-Deutschland nicht mehr. Prachtvoll. Und alleine hätt ichs in den Weiten des www auch nicht gefunden.

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