8. Februar 2017

Krankheit Politik I: Pathologisierungen

Lutz Meyer / 34 Kommentare

Gerade dieser Tage erst melden diverse Medien, daß Trump „unheilbar geistig krank“ sei: 

Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

  • Sezession

„Malignant Narcissism“ (Bösartige Selbstverliebtheit) lautet der Befund von Professor John D. Gartner von der renommierten Johns Hopkins Universität in Baltimore (Maryland). Der Psychotherapeut sagte dem Nachrichtenmagazin „US News“: „Anders als eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dies unheilbar!“

Der Psychotherapeut legitimierte seine Fern-Diagnose mit der Begründung, dass Trump seinen geistigen Zustand beinahe täglich in den Medien präsentiere. Daraus lässt sich demnach einiges ablesen: seine Körpersprache, seine Verherrlichung von Sadismus, seine Aggressivität, Symptome des Verfolgungswahns, anti-soziale Verhaltensmuster und sein Hang zu Alternativ-Fakten, wie die Überbetonung seines Wahlsieges. „Wir haben genug von Donald Trump in der Öffentlichkeit gesehen, um eine unumstrittene Diagnose zu stellen“, meint Gartner.

Unterstützung bekam der Professor von der Psychiaterin Carrie Barron, Assistenz-Professorin für Psychologie an der Universität von Texas. Die Medizinerin sagte über „Malignant Narcissism“: „Diese Krankheit macht die Betroffenen gefährlich und skrupellos.“

So eine Meldung von Bild online. Das ist geradezu ein Musterbeispiel für eine politische Krankschreibung. Doch auch körperliche Symptome müssen gelegentlich herhalten – man erinnert sich sicherlich, wie die Journalistin Mely Kiyak einst Thilo Sarrazin als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ verspottete und damit eine deutliche Affinität zum Sprachstil der Nationalsozialisten an den Tag legte.

Ein solches Verhalten mag vor dem Hintergrund von epidemischer Denkfaulheit oder Denkunfähigkeit als bequeme Ausrede dienen. Vielleicht verbirgt sich aber auch mehr dahinter. Dies darf man zumindest vermuten, wenn sich auch akademische Kreise an der Pathologisierung beteiligen.

Wer andere als „krank“ (irre, wahnsinnig, psychotisch etc.) bezeichnet und die Unterstellung einer Krankheit gleichsam zur Waffe macht, weckt niederste Instinkte und ruft zur Verfolgung auf. Der Verfolgungseifer, mit dem man Politiker als Irre beschimpft, lässt nicht Gutes erahnen. Dahinter steckt Methode – und zwar eine Methode, die sich anschickt, auch jenseits des groben Stils der Massenmedien salonfähig zu werden.

Im Zuge einer intensiven Beschäftigung mit Erhart Kästner (geplant ist ein Autorenporträt für die Aprilausgabe der Sezession) bin ich auf eine Neuerscheinung über den Autor gestoßen, deren Untertitel mich neugierig machte: Griechenlandsehnsucht und Zivilisationskritik im Kontext der „konservativen Revolution“. Verfasser ist Frank Schulz-Nieswandt, Professor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. Auffällig an dieser Schrift ist der Ansatz, Kästner und andere Autoren der konservativen Revolution zu pathologisieren.

Die Störung, an der Kästner und die Autoren der konservativen Revolution gleichsam kollektiv leiden, nennt Schulz-Nieswandt BENPAHM: B wie Borderline, E wie Eskapismus, N wie Narzißmus, P wie Passivität, A wie Aggressivität, H wie Heroismus, M wie Melancholie. Borderline scheint dabei eine Art Leitmotiv zu sein, denn das Widersprüchliche, das Schwanken zwischen Extremen, die Instabilität und das Paradoxe machen bei näherer Betrachtung das gesamte BENPAHM-Phänomen aus – wie sonst wäre es möglich, Merkmale wie beispielsweise Passivität und Heroismus in so enge Nachbarschaft zueinander zu rücken?

Schulz-Nieswandt möchte seine Diagnose zwar nicht als klinische Diagnostik, sondern als  „Fluchtpunkt einer habitushermeneutischen Approximation“ verstanden wissen. Eingeführt wird damit aber tatsächlich genau dies: die Pathologisierung einer Denkrichtung.

Natürlich kann man bei Autoren der Konservativen Revolution wie überhaupt bei Konservativen Melancholie oder Eskapismus und vielleicht auch einen gewissen Heroismus im Bestehen des täglichen Überlebenskampfes beobachten – wie auch nicht? Doch das ist weder sonderlich aussagefähig, noch ersetzt es die Auseinandersetzung mit den Gedanken.

Genau dem aber wird durch die Pathologisierung Vorschub geleistet – man verweigert den Austausch. Diese Ignoranz ist die eine, noch vergleichsweise menschenfreundliche Möglichkeit einer Reaktion auf politisch Unerwünschtes und spricht eher gegen den Pathologisierenden als gegen den Pathologisierten. Die andere Möglichkeit ist weitaus problematischer.

Denn was tut man, wenn jemand krank ist? Richtig – man behandelt ihn. Medikamentös, psychotherapeutisch, vielleicht auch mit Elektroschocks oder dem Skalpell. Doch wann liegt überhaupt eine behandlungsbedürftige Krankheit vor? Herrscht da nicht eine gewisse Beliebigkeit, um nicht zu sagen: Willkür? „Krank“ ist durchaus relativ – nämlich jeweils bezogen auf eine gesunde Norm. Was als gesund zu gelten hat, ändert sich mit dem medizinischen Fortschritt wie auch mit der Entwicklung gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Vielleicht gilt es bald als „gesund“ (oder zumindest als der Gesundheit zuträglicher), keine konservativen Wertvorstellungen zu haben?

Die medizinisch-anatomische korrekte Verortung des Problems ist dabei stets die Grundlage der Entwicklung möglicher Therapieansätze. 2011 erschien eine Studie über den Einfluß von Hirnstrukturen auf Persönlichkeitsmerkmale und politisches Denken. Sie kam zu der Erkenntnis, daß konservative Menschen eine vergrößerte rechte Amygdala haben. Dort aber entstehen Ängste – und diffuse Ängste sind bekanntlich das Hauptmerkmal konservativer Menschen.

Liberale hingegen haben mehr graue Hirnmasse. Diese begünstigt so sympathische menschliche Eigenschaften wie das Lernen, ein auf Harmonisierung abzielendes Sozialverhalten, die Kommunikationsfähigkeit sowie die Offenheit für neue Ideen – klingelt da was?

Leitet sich aus solchen Einsichten nicht fast zwangsläufig die Frage nach der Steuerbarkeit politischen Verhalten durch medizinische Eingriffe ab? Warum also nicht einfach Dissidenten chirurgisch oder medikamentös behandeln – etwa analog zu Kastrationsmethoden? Ansätze dazu gab es in allen totalitären Systemen der Moderne sowie in der diese reflektierenden dystopischen Literatur.


Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

  • Sezession

Kommentare (34)

Rainer Gebhardt
8. Februar 2017 16:48

Nach solchen aus der Hüfte geschossenen Erstdiagnosen wird nicht selten (und zunächst milde) die Behandlungsbedürftigkeit des missliebigen politischen Gegners festgestellt: Er verhält sich auffällig abweichend. Die nächste „präventive Vorsorgemaßnahme der Öffentlichkeit“ ist die zivilrechtliche Einweisung des Dissidenten mit der Begründung, seinem abweichenden politischen Verhalten liege ein psychischer Defekt zugrunde. Ist ja auch klar: Wenn wir in der besten aller Gesellschaften leben, mit den besten Parteien, der besten Politik – dann MUSS irre sein, wer das bezweifelt.

Der Vorgang ist nicht beispiellos in der Geschichte. Da könnte sich ein Blick in die Sowjetgeschichte der 1970er und 80er Jahren lohnen, als die Psychiatrie vom KGB zu politischen Diensten verpflichtet wurde.

Utz
8. Februar 2017 17:19

Passen Sie auf Herr Meyer, daß Ihnen nicht Angst, und damit rechte Denkweise attestiert wird, wenn sie das Ungeheuer chirurgischer Eingriffe an die Wand malen. :)

Ehrlich gesagt, halte ich das für eher unwahrscheinlich, daß bei uns von Staats wegen zum Skalpell gegriffen wird. Schließlich reichen die anderen Methoden völlig aus. Unsere Gesellschaft, das heißt die linken Gutmenschen geben sich zivilisiert und gewaltlos und erweitern gerade ihr Handlungsrepertoire bei der Frage: wie kann ich meine Gegner mit äußersten Mitteln besiegen, ohne daß man mir Gewalt vorwerfen kann. Da ist die Pathologisierung ein Mittel.

Bei Kindern würde man das was in unserer Gesellschaft gerade geschieht Mobbing nennen. Bei Erwachsenen, wenn die Opfer Rechte sind, ist es offensichtlich völlig OK.

Findling
8. Februar 2017 17:46

Der Quellcode der Psychiatrisierung Trumps ist wütender Hass. Da wird im Gewand der Wissenschaft ein Weg gebahnt in die Entmenschlichung des Gegners. Er wird außerhalb des demokratischen Konsenses und damit außerhalb des eigenen Stammes gestellt. In dieser Sphäre lebt der Feind.

Er gehörte in eine geschlossene Psychiatrie oder müsste mit Medikamenten vollgestopft werden, damit er keinen Schaden anrichtete. Die Psychiatrie des Sovietstaates kommt in Erinnerung!

Es ist grundsätzlich eines Psychiaters unwürdig, andere Menschen öffentlich zu diagnostizieren. Ich vermute, dass bei uns ein Verstoß gegen Standespflichten gesehen und geahndet würde.

Monika L.
8. Februar 2017 18:14

Auch ich fühlte mich wie Rainer Gebhardt an den Mißbrauch der Psychatrie in der Sowjetunion erinnert. 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Politischer_Missbrauch_der_Psychiatrie_in_der_Sowjetunion

Noch dümmlicher als die Pathologisierung der "Populisten" finde ich den therapeutischen Blickpunkt:

"Mittlerweile erscheinen gar nicht so wenige Essays, die sich an der Frage abarbeiten, ob für den unaufhaltsam scheinenden Aufstieg der Populisten in aller Welt nicht wir  hochintelligenten, ganz und gar nicht populistischen  Mittelschichtmenschen Mitverantwortung tragen. Die unbequeme Antwort lautet: Ja, tun wir. Weil wir aufgehört haben, uns für die Menschen zu interessieren, die Populisten wie Donald Trump, Marine Le Pen oder die AfD wählen. Weil wir immer nur über sie sprechen oder sie von oben herab wissen lassen, das ihre Positionen grässlich sind, aber nie mit ihnen selbst sprechen. Ihnen mit ihren Sorgen und Ängsten nicht zuhören. Wir wollen gar nicht wissen, was sie zu sagen sagen hätten, also fragen wir gar nicht. Deswegen halten sie uns nicht zu Unrecht für hochmütige Besserwisser und laufen zu jenen über, von denen sie sich erkannt, angehört und verstanden fühlen. Natürlich sind solche Texte, die gegen die Herablassung anschreiben, selbst ein wenig herablassend - weil sie so tun als würden Menschen, deren Positionen man nicht mag, sich magischerweise sofort eines besseren Besinnen, sobald man ihnen ein offenes Ohr schenkt. Ihre Befunde sollten uns dennoch nachdenklich machen. Denn es stimmt ja tatsächlich, dass wir oft genug nicht den Versuch unternehmen, mit Menschen ernsthaft zu reden, die anders denken, fühlen und leben als wir. Wir haben keine Probleme mit unseren Selbstdarstellungen  - aber möglicherweise damit, uns ähnlich  ausgiebig für sas Selbst anderer zu interessieren . Wir haben ja auch jedes Recht der Welt dazu. Schließlich ist es oft harte Arbeit, sich auf andere einzulassen - und das eigene Leben fordert einen schon genug." 

D ieser hüsche Text steht nicht etwa in Psychologie heute oder in dem Buch des Soziologen Ulrich Beck über das " Eigene Leben" , sondern in dem Hochglanzfrauenmagazin MADAME, Dez 16. Dort unter dem Titel " ICH HÖRE DIR ZU - Die Kunst echter Hinwendung.

Weshalb ich vor Weihnachten beim Friseur zu diesem Magazin griff, als Betroffene dysfunktionaler Kommunikation. Wer sehnt sich nicht nach echter Hinwendung.

Wer wendet sich etwa einem hochintelligenten populistischen Mittelschichtmenschen zu, wenn nicht die gepflegte, karriereorientierte Madame. Das ist doch besser als jedes Psychopharmaka ...siehe Melania Trump...

 

Der_Jürgen
8. Februar 2017 18:42

Den politischen Gegner als geistig abartig zu beschimpfen, ist eine sehr bequeme Strategie, weil man sich dadurch von der Notwendigkeit befreit, seine Denkweise zu verstehen. Es sei nicht verschwiegen, dass auch die Widersacher des Merkel-Regimes nicht selten zu diesem Trick greifen, indem sie der Merkel unterstellen, "verrückt" zu sein.

Diese Erklärung hält einer kritischen Untersuchung keinen Augenblick stand. Nichts deutet darauf hin, dass die Frau verrückt ist. Dagegen spricht, ausser ihrem Diplom in Physik - das in der DDR bestimmt nicht verschenkt wurde - die simple Tatsache, dass ihre Politik von der gesamten herrschenden Elite der BRD getragen wird; wie Lichtmesz in seinem ersten Artikel zu Martin Schulz festhielt, gibt es ideologisch keine nennenswerten Unterschiede zwischen Merkel und Schulz.

Ist Schulz also auch verrückt, und mit ihm seine ganze Partei? Und auch Seehofer mit seiner CSU, und Gysi mit seiner Linken, und die gesamte grüne Fraktion? Und hocken in den Redaktionen von BILD und ZEIT, von SPIEGEL und TAZ, lauter Geisteskranke, und in den Fernsehstudios desgleichen? Wenn ja, muss Deutschland schleunigst ein paar tausend Irrenärzte importieren, denn zur Behandlung all dieser Verrückten haben wir davon nicht genug im eigenen Land.

Nein, die Herrschenden sind keine Irren. Sie sind intelligente Bösewichter, die - sei es aufgrund einer kriminellen Ideologie, sei es aus banalem Opportunismus - die Zerstörung ihres Landes und Volkes anstreben. Deshalb werden sie nach der Wende (sofern diese überhaupt kommt) nicht auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren können, sondern die Verantwortung  für ihre Schandtaten übernehmen müssen.

Felix Treumund
8. Februar 2017 18:46

Treffend und Zielsicher Herr Meyer.

Ach was, die hier dem Konservativen zugeschriebenen Eigenschaften sind beim W3 Professor auch vorhanden. Sie schlummern, vielleicht sollte er eine Urschrei Therapie machen oder ähnliches, der Markt bietet ja für jede Brieftasche Einiges. Dann kommen die Schatten der Psyche auch bei Einem zutage, der ansonsten eingelullt und getragen von der herrschenden Meinung und vom Blick auf seinen Kontoauszug verschüttet bleiben. In jedem steckt der Schnauzbart.

Außerdem heißt das heutzutage nicht „Melancholie“ sondern „Depression“, auch ein sprachlicher Übergang zur Krankheit.

Brettenbacher
8. Februar 2017 21:53

@ Monika

welch ein Wink für Waldgänger:  Hochglanzmagazin im Damenfriseursalon.

(sind nicht Haare die Bäume der Haut?)

Vergesst überhaupt nicht die Gazetten, die kein "Intellektueller" auch nur mit spitzen Fingern anfasst. Es waren einst auch die von Handel und Handwerk geprägten Stadt - und Gemeindewochenblätter Reservate des gesunden Menschenverstandes. Inzwischen alle (? /Tipp?) ideologiasphaltiert.

Marc_Aurel
8. Februar 2017 21:58

Im Grunde hat sich ja nichts geändert: wie Herr Meyer richtig feststellt, geht es nur darum unter allen Umständen eine sachliche Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu vermeiden und ihm stattdessen die Disputwürdigkeit bzw.- fähigkeit abzusprechen und so ganz nebenbei, auch schon mal die Fundamente zu legen auf denen man dann, bei Bedarf, einen härtere Gangart aufsetzen und begründen kann. 

Der Versuch ist wie gesagt nicht neu, eigentlich wird dieses Taktik vom politisch-medialen Komplex schon seit einigen Jahren gefahren, nur wechseln die Kostüme, in denen man diese Vorgehensweise kleidet und die Bösartigkeit nimmt zu. In diesem Zusammenhang wurden auch die Begriffe Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger, Nazi, Wutbürger usw. verwendet und jetzt kommt eben noch der psychisch Gestörte dazu.

Derartig hinterfotzige Propaganda, um das Kind einmal deutlich beim Namen zu nennen, ärgert und schadet nicht nur den Gebrandmarkten, sie wird auch vom Gutmenschen gern gehört und willig konsumiert, denn es beruhigt ihn und liefert ihm eine weitere nette Ausrede, um sich wieder mit bestem Gewissen in die Hängematte begeben zu können, denn der Unruhestifter von vorhin hatte keine echten Argumente mit denen man sich beschäftigten müsste - er war unzurechnungsfähig, psychisch krank, sagt der Spiegel, da lohnt Diskussion nicht.

Fernmelder
8. Februar 2017 22:01

Für mich ist das eiskalte Berechnung. Man stelle Trump und co als verrückt hin und drängt ihn somit ausserhalb des Diskurs. Das versucht man doch bei der AFD ständig. Das beste Beispiel ist doch die Islmamophobie denen zu unterestellen, die eben islamkritisch sind. 

Ich bin gespannt,was von diesen Leuten noch alles kommt, es ist mit allem zu rechnen.

RMH
9. Februar 2017 07:31

Pathologisierungen sind die logische Konsequenz einer scheinbar aufgeklärten, sich auf rein "naturwissenschaftlichen" Fakten beziehenden Weltanschauung und eines daraus folgenden Menschenbildes, der den Menschen im Ergebnis nur als Biomasseapparat sieht, dessen Denken und Handeln das Ergebnis von Nerven, biochemischen und bioelektrischen Abläufen ist.

Im Strafrecht wird beispielsweise schon seit Jahren bzw. seit mindestens weit über 10 Jahren diskutiert, in wie weit die "Erkenntnisse" der neueren Hirnforschung nicht die Fragen der Schuld und damit auch das Strafrecht reformieren müssten, denn diese Ergebnisse zeigen immer mehr, dass von dem für einen strafrechtlichen Schuldvorwurf zuvor postulierten freien Willen in der Praxis der Hirnforschung angeblich nicht viel feststellbar sei. Man google dazu nur einmal die Begriffskombination Hirnforschung und Strafrecht und findet eine Fülle von Aufsätzen und Beiträgen dazu.

Insofern verwundert es nicht, dass man in letzter Konsequenz auch politische Ansichten als deviant, pathologisch und krankhaft bezeichnet und auch entsprechend behandeln will. Ergebnisse von Weltanschauungen, die eben dem Menschen seine Seele und seinen freien Willen absprechen wollen.

Um so mehr ein Grund dafür, dass sich konservative Anschauungen, die dem Menschen eben eine Seele und eine Handlungsfähigkeit ohne Vorbedingungen unterstellen, wieder durchsetzen müssen. Denn nur solche Ansichten gerantieren letztlich, dass dem Menschen seine viel bemühte "Würde" bleibt.

Schneekette
9. Februar 2017 07:35

Sehr ggehrte Frau Sommerfeld.

Ich bin sprachlos.

Bitte gestatten Sie mir einige Fragen:

Wie hat Ihr Mann reagiert?

Wie lange konnte diese Person nach ihren Äußerungen noch anwesend sein?

Verkehrt dies Person noch weiter in Ihrem Haus?

Schneekette
9. Februar 2017 08:01

Sehr geehrte Frau Sommerfeld,

Sie hatten in einem weiteren Beitrag eine berührende Liebeserklärung für Ihren Mann abgegeben. Gestatten Sie mir zu obigen Fragen noch eine Ergänzung:

Wie erträgt er solche Anwürfe? Wie geht es ihm? Ändern ihn nicht solche Vorfälle?

Sven Jacobsen
9. Februar 2017 09:31

Man kann es auch so sehen: Gleich mehrere Studien wie z.B. vom IfW Köln aus den Jahren 2014 bis 2016 bescheinigen der AfD, gut gebildete und beruflich erfolgreiche Leute anzuziehen. Wer ernsthaft die Intelligenz und den Erfolg konservativer Bürger in eine Geisteskrankheit umdichtet, begeistert schon bald die Psychiater. 

Maiordomus
9. Februar 2017 09:44

Impressionen einer Deutschlandreise zur Zeit der Trump-Pathologisierung

 

Klar muss die Verteidigung von Trump hier nicht das Geschäft sein. Er soll mit beeindruckenden und manchmal auch fragwürdigen Offensiven das Seine tun. Wie das Thema Trump in Deutschland behandelt wird, sagt ausschiesslich etwas über Deutschland aus. Dies wurde mir bei einem dreitägigen Ausflug nach Darmstadt - Bingen - Offenburg klar. In Darmstadt war am Sonnabend (4. Februar) die Welturaufführung der vom Schweizer Gustav Rueb als Regisseur abgewandelten Orestie in der Neuübersetzung meines Landsmannes Kurt Steinmann, inszeniert als Schauerdrama mit einem Übergang zum Rechtsstaat als Katharsis ganz am Schluss, verkörpert von der Göttin Athene, in beeindruckender Bühnenpräsenz gespielt von Chr. Koch, dem seit der Sendung "Wetten dass" Querschnittgelähmten, unglaublich, was der hinkriegte. Ein in jeder Hinsicht bedeutender Text. Erst bei der Premierenfeier wurde man vom Produktionsleiter, nicht von Übersetzer und Regisseur, darauf aufmerksam gemacht, dass das Stück gegen Trump gerichtet sei, als Bekenntnis zu Rechtsstaat und Gewaltentrennung. Davon habe ich bei der Aufführung wohltuenderweise gottseidank nichts bemerkt. Klar, dass Amerika von Deutschland aus über den sogenannten Rechtsstaat belehrt werden muss, erst noch über das Medium einer griechischen Tragödie. Die Inszenierung hat - nicht ohne Faszination - einige Anleihen bei Stanley Kubricks Horrorklassiker "The Shining" gemacht, insofern die Toten permanent aus den Gräbern hervorkommen als die eigentlichen Hauptpersonen der Geschichte. Das gilt in mancher Hinsicht auch für das heutige Deutschland. Die Aufführung der Orestie ist auf jeden Fall sehenswert. Es gibt keine verfremdete vordergründige Agitation im Rahmen der wohl noch bis zu den Herbstwahlen anhaltenden Hasswochen gegen den Menschheitsfeind.

 

Als Fernsehabstinent sah ich mir im Hotel erstmals die Sendung Anne Will an. Eine von Feindbildstilisierung getragene, nur durch den Ökonomen Otte halbwegs etwas gebremste Totalkampagne gegen Donald Trump. In Sachen Pathologisierung war Sylke Tempel, die über keine nähere Kenntnis der Wählersoziologie im Mitteleren Westen und wohl auch keine Kenntnis des amerikanischen Konservativismus verfügt, daran, in Trump alle amerikanischen Werte in Frage gestellt zu sehen. Auch sie gehört zur Front der Pathologisierer, insofern es sich ihr gemäss bei Trump um einen letzten Aufstand des kleinen weissen Mannes handelt. Historiker August Winkler machte fast mit jedem Satz eine Feindbezeichnung in Richtung "rechts"und "rechtsextrem", wobei für fast alle Gesprächsteilnehmer Stephen Bannon zwar nicht der Faschist, aber der absolute Rechtsaussen war, wobei aber interessanterweise seine Nähe zum Zionismus ausgeblendet wurde. Lambsdorff junior spielte die Rolle des Liberalen, der nicht realisieren wollte, dass "liberal" in Amerika nun mal links meint. Trump-Verteidiger Otte war insoweit in die Enge gedrückt, als er es ohne Distanzierung nicht schaffte. Insofern fast alle Medien ununterbrochen gegen Trump hetzen mit konsequenter Massierung von Negativnachrichten und Pathologisierung, kann man, da in Deutschland die Direkterfahrung fehlt, auch im Hinblick auf den monatelangen Negativwahlkampf davon ausgehen, dass wohl drei Viertel des Wahlkörpers Trump ablehnen oder zumindest sich über ihn Sorgen machen. Auf dieser Basis baut der Wahlkampf von Schweizhasser ("Niedere Instinkte") Martin Schulz auf. Sicher scheint, dass die Anti-Trump-Kampagne, der sich über weite Strecken auch das Magazin "Focus" anschliesst, wiewohl etwas weniger konsequent als der Spiegel, für die Herbstwahlen strategische Bedeutung erhält.

 

Mit zur Antitrump-Kampagne gehören die Talks in den Lokalradios, etwa Radio Darmstadt. Ist Trump in fast allen Medien der Menschheitsfeind, so werden wir dort hingegen vorurteilsfrei über Afghanistan aufgeklärt. Radio Darmstadt sei der einzige Sender, sagen sie, der positive Nachrichten über Afghanistan bringe, was jedoch nicht mit der Empfehlung an die Asylbewerber von dort zu verwechseln ist, sich wieder auf die Heimreise zu machen, vielmehr sollen die Einheimischen Gutnachrichten über die Herkunft der Zuwanderer erfahren und Afghanen als künftige zu integrierende Neubürger auf keinen Fall mit Terroristen verwechseln. Der andere Akzent des Senders sei, wie sie mehrmals betonen, das schwul-lesbische Gesellschaftssegment. Über anderes, etwa die Orestie-Aufführung oder sonstige Leistungen der einheimischen Kultur, war, solange ich eingeschaltet hatte, nichts zu vernehmen.

 

Auf der Heimreise kurzer Aufenthalt in Offenburg, wo ich mit einem durchaus vernünftig argumentierenden SPD-Rentner gemütlich ein Bier trinke. Ja, es sei ein sauberes Städtchen, im nahen Frankreich beginne es schon mit der Verwahrlosung, wiewohl das Elsass noch der sauberste Teil des Nachbarlandes sei. Ich beschaffte mir überdies noch den 192seitigen Katalog der Volkshochschule, "Demokratischer Ort des Lernens", im Vordergrund Gesundheit, Diätetik, Verbraucherbildung, Mode, Stil und Tai Chi, auch Film, darunter immerhin ein Gespräch über Lou Andreas-Salomé, womit historischer Feminismus abgedeckt ist. Heimatgefühl vermittelt ein angesagter Vortrag des Volkskundlers Professor Metzger, einem meiner Nachfolger als Bodenseeliteraturpreisträger. Der Fachbereich Philosophie wird ausschliesslich durch Asiatisches und Buddhistisches abgedeckt, Theologie ausschliesslich durch Islam, im Vordergrund steht das Verhältnis dieser Religion zur Gewalt, "Die Mehrheit der gemässigten Muslime argumentiert dagegen", wobei jedoch die radikalen Richtungen immerhin zur Darstellung kommen. Im Zusammenhang mit Multi-Kulti und Weltoffenheit, wozu auch die Sprachkurse der Volkshochschule beitragen sollen, erfährt man zwar im Volkshochschulprogramm nichts über Trump, dafür im Kapitel "Interkulturelle Kompetenz"  etwas über den inneren Feind: Die "Identitäre Bewegung". Sie würde durch den Verfassungsschutz beobachtet, womit der Volksfeind wohl genügend ausgegrenzt wird.

 

Insofern Deutschland nach neuesten Nachrichten wieder Exportweltmeister ist, wird sich an den politischen Verhältnissen wohl auch im kommenden Herbst nichts ändern.  

 

PS. Jenseits von Anti-Trumpkampagne und Werbung für Multikulti war die Erfahrung des Besuchs des Stefan-George-Museums in Bingen. Der hochästhetische Neo-Klassiker, dessen Familie französischen Migrationshintergrund hat, wird als Sohn des Weinstädtchens präsentiert, dessen Weinberge und Flusslandschaft von einst Zentrum eines "kindlichen Königtums" waren. Eine grosse Rolle spielt sodann die Beziehung der Brüder Stauffenberg zu dem Dichter, für den Hitler ein "Führer nicht von der Wölfin gesäugt" war. Das Museum, Mal-Stätte eines geheimen Deutschland, ist jeweils u.a. am Samstagnachmittag geöffnet.

 

Monika L.
9. Februar 2017 09:47

Mt 7,15-23:

„15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind! 16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20 Darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen.

 

21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. 22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? 23 Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“

Der Schriftsteller Andreas Maier bezog sich in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen immer wieder auf das Matthäusevangelium, das er als einen Urtext bezeichnet, der nur zwei Möglichkeiten zulässt:

"Entweder  ist Matthäus der größte Philosoph, den es je gab, oder Jesus Christus, dem das alles in den Mund gelegt wird, ist Gottes Sohn". 

(Anmerkung: Das Wort Gott läßt sich ebenso durch das Wort Wahrheit ersetzen)

Im Unterschied zur Pathologisierung oder Therapeutisierung von Kommunikation unterscheidet religiöse Kommunikation nicht nur theoretisch zwischen Immanenz und Transzendenz, sondern hebt die Trennung erfahrbar auf. 

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" ( Mt 18,20).

Aus Kommunikation wird communio. Jesus führt keine Dialoge von der  Qualität eines "lyotarschen Widerstreites". Er stellt eine Verbindung, ein tiefes Verstehen her. Das nicht von der Qualität dieser Welt ist. Er benutzt keine Diffamierungstechnik, der man nicht entkommen kann.

Perfide ist es deshalb auch , die durchaus erfahrbare Überwindung von Transzendenz und Immanenz "wissenschaftlich" zu eliminieren.

Stichwort: Neurologie und Religion, etwa: Wie die Gehirne von Gläubigen funktionieren/Hirnforscher auf der Suche nach Gott usw.

Das ist von der gleichen Qualität wie die Forschungen über die Verankerung von rechten Einstellunge im Hirn oder in der Genetik . Eine neue Form des Biologismus. Gefahr der Eugenik ?

Wie sehen eigentlich die Hirnstrukturen der Hirnforscher aus ?

Monika L.
9. Februar 2017 09:50

Mt 7,15-23:

„15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind! 16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20 Darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen.

21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. 22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? 23 Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“

Der Schriftsteller Andreas Maier bezog sich in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen immer wieder auf das Matthäusevangelium, das er als einen Urtext bezeichnet, der nur zwei Möglichkeiten zulässt:

"Entweder  ist Matthäus der größte Philosoph, den es je gab, oder Jesus Christus, dem das alles in den Mund gelegt wird, ist Gottes Sohn". 

(Anmerkung: Das Wort Gott läßt sich ebenso durch das Wort Wahrheit ersetzen)

Im Unterschied zur Pathologisierung oder Therapeutisierung von Kommunikation unterscheidet religiöse Kommunikation nicht nur theoretisch zwischen Immanenz und Transzendenz, sondern hebt die Trennung erfahrbar auf. 

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" ( Mt 18,20).

Aus Kommunikation wird communio. Jesus führt keine Dialoge von der  Qualität eines "lyotarschen Widerstreites". Er stellt eine Verbindung, ein tiefes Verstehen her. Das nicht von der Qualität dieser Welt ist. Er benutzt keine Diffamierungstechnik, der man nicht entkommen kann. Perfide ist es deshalb auch , die durchaus erfahrbare Überwindung von Transzendenz und Immanenz "wissenschaftlich" zu eliminieren. Stichwort: Neurologie und Religion, etwa: Wie die Gehirne von Gläubigen funktionieren/Hirnforscher auf der Suche nach Gott usw. Das ist von der gleichen Qualität wie die Forschungen über die Verankerung von rechten Einstellunge im Hirn oder in der Genetik . Eine neue Form des Biologismus. Gefahr der Eugenik ? Wie sehen eigentlich die Hirnstrukturen der Hirnforscher aus ?

Valjean72
9. Februar 2017 10:00

 

Es ist heftig bis gruselig, führt man sich die Perfidie vor Augen, mit welcher gegen Dissidenten vorgegangen wird. Es verdeutlicht mE aber auch, dass BILD und andere Organe keineswegs den "grossen Kurs" geändert und sich wieder den Interessen des Volkes zugewandt haben.


In diesem Zusammenhang verweise ich auf ein Strategiepapier, welches der Europäische Rat für Toleranz und Versöhnung für das EU-Parlament hat ausarbeiten lassen und das auf dem Server des EU-Parlamentes hinterlegt ist. Darin sind Vorschläge für die Regierungen der EU-Länder aufgeführt, um in diesen Ländern ein „Klima der Toleranz“ zu fördern.

 

Sektion 7 (b) "Jugendliche, welche für das Vergehen solcher Straftaten für schuldig befunden wurden, müssen sich einem Rehabilitierungsprogram unterziehen, das in ihnen eine Kultur der Toleranz einimpft."


(Quelle: https://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/libe/dv/11_revframework_statute_/11_revframework_statute_en.pdf)


@Der Jürgen :

Nein, die Herrschenden sind keine Irren. Sie sind intelligente Bösewichter, die - sei es aufgrund einer kriminellen Ideologie, sei es aus banalem Opportunismus - die Zerstörung ihres Landes und Volkes anstreben.“

---

 

Vielleicht sind viele auch nur gutgläubig und setzen aufgrund einer tief greifenden, unterschwelligen Konditionierung eine Politik um, die ihnen gut und richtig erscheint?

 

Valjean72
9. Februar 2017 10:05

@Caroline Sommerfeld:

"Danke, guter Freund. Ein Glanzstück des "gaslightings"! Wie gut, daß ich inzwischen gerüstet bin"

---

"Gasleuchten" sagt mir nichts aber diesem Menschen haben Sie doch wohl die Freundschaft entzogen oder diese zumindest pausiert?

Wer solche Freunde hat, der braucht nun wahrlich keine Feinde mehr.

Der_Jürgen
9. Februar 2017 11:14

@Valjean 1972

Zum Begriff des "Gaslighting" finden Sie in einem  guten Artikel von J. K. Poensgen bei der "Blauen Narzisse" die nötige Erklärung.

https://www.blauenarzisse.de/gaslighting-oder-die-zerstoerung-der-wirklichkeit/

Hartwig aus LG8
9. Februar 2017 11:24

Die Deutsche Presselandschaft nach Trump - das wäre schon mal einen Lichtmesz wert.

Ich selbst sauge daraus vorwiegend Honig; zu köstlich die Mischung aus Panik, Verächtung und Hoffnung schöpfen.

Aber ganz oben in den Wahlkampfzirkeln hat man natürlich schon reagiert: Die Union bereitet eine Art Spagat zwischen Willkommenskultur und  Anti-Flüchtlingswahlkampf vor.  Merkel reist nach Ankara und versichert sich rück.

Aber die Stimmung im Volke wird vor der BTW noch mehrmals kräftig nach verschiedenen Seiten ausschlagen. Mal sehen, wie Niederland und Frankreich wählen werden; mal sehen, ob Erdogan dicht hält (oder ob Putin (oder Trump) ihm einen anderslautenden Tipp geben); mal sehen, ob nicht eine ausgewachsene Eurokrise im Sommer auf jemandes Agenda steht.

 

Maiordomus
9. Februar 2017 12:10

PS zur Deutschlandreise zu Zeiten der Trump-Pathologisierung

 

Der eindrücklichste Darsteller der Neuübersetzung der Orestie (griechische Tragödie von Aischylos in drei Teilen) heisst natürlich nicht Christian Koch, sondern Samuel Koch, was er mit der Rolle der Athene anfängt, ist für sich allein schon einen Besuch in Darmstadt wert. Dass das Stück angeblich gegen Trump gerichtet sei, ergibt sich aus keiner Silbe des Textes, sondern drückt nun ihrerseits eben die oben genannte aktuelle Trump-Psychose aus, wobei man als Kritiker jedoch nicht dazu neigen sollte, jetzt seinerseits den politischen Gegner zu pathologisieren. Dass aber bei keiner gegenwärtigen politischen Debatte Trump vergessen geht, zeigt, wie bedeutend diese Wahl und die Politik dieses Mannes tatsächlich geworden sind, wobei ich betonen möchte: Es geht wohl primär um die Instrumentalisierung von "Anti-Trump" für den Herbstwahlkampf. @Hartwig aus LG 8 schliesst nicht aus, dass Putin, Trump und Erdogan durch entsprechende Schleusen-Öffnungen Einfluss auf das Wahlgeschehen in Deutschland nehmen könnten. Ich schliesse hier nicht ganz aus, dass bei @Hartwig der Wunsch Vater des Gedankens sei.

Der_Jürgen
9. Februar 2017 13:48

@Maiordomus  @Hartwig

Erdogan sagte gegen Ende letzten Jahres zu Schirinowski, als dieser zum Besuch in der Türkei weilte, er werde ab März anderthalb Millionen Flüchtlinge nach Europa ziehen lassen, weil dieses seine Versprechungen gegenüber der Türkei nicht erfüllt habe. Ob er diese Ankündigung wahr machen wird, bleibt abzuwarten. Hoffen darf man ja immer...

@Caroline Sommerfeld

Ich hätte diesen Flegel sofort rausgeworfen. Auf Nimmerwiedersehen.  Jede Sekunde, die Sie an eine solche Person verschwenden, hält Sie von Wichtigerem ab, wozu das Zubereiten einer schmackhaften Mahlzeit ebenso gehören kann wie das Schreiben eines neuen Artikels. Wozu denn Perlen vor die wohlbekannten Borstentiere werfen?

Schneekette
9. Februar 2017 15:28

@Caroline Sommerfeld

Es muss Grenzen geben. Diese Person hat ein Verbrechen an Ihnen und Ihrem Mann begangen. Diese absolute Grenze, die überschritten wurde muss eindeutig und endgültig aufgezeigt werden. Dass die Person nicht sofort und mit allen notfalls gebotenen Mitteln entfernt wurde, zeigt, wie hilflos sie beide sich fühlten, besser: von ihr gemacht wurden. Ich tue mich schwer, Verständnis für Ihren Mann zu haben. Um es ganz klar zu sagen: Dieses Subjekt hätte sofort und hochkant herausfliegen müssen. Was sind wir nur geworden?

Hartwig aus LG8
9. Februar 2017 15:48

@ Der_Jürgen

Ich möchte nicht missverstanden werden: Ich hoffe nicht, das erneut hundertausende über unsere Grenze gehen.

Aber ich halte es für eine Waffe, die andere in der Hand haben, um auf die etablierten Parteien zu schießen.

Die sogenannte wahlentscheidende deutsche Mitte bewegt man wahrscheinlich wirksamer mit einer Eurokrise.

Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Kommt ja immer darauf an, wer was will. Möglicherweise ist ein vorübergehend neutralisiertes Deutschland mit einer labilen Mehrparteien-Regierung, die sich erst nach Monaten findet und nur ein paar Sitze Mehrheit hat, ein Szenario, was einigen gut in den Kram passt.

 

Valjean72
9. Februar 2017 17:32

 @Der Jürgen: "Zum Begriff des "Gaslighting" finden Sie in einem  guten Artikel von J. K. Poensgen bei der "Blauen Narzisse" die nötige Erklärung."

---

Vielen Dank für diese Verlinkung. Tja, man lernt nie aus. Interessanter Artikel, auch wenn ich der gehäuften Uebernahme englischsprachiger Begriffe aus Prinzip sehr kritisch gegenüber stehe.

Randbemerkung: Die im verlinkten Artikel thematisierte Einschätzung Eisenhowers von Revilo P. Oliver teilte wohl auch General Patton.

Stil-Blüte
9. Februar 2017 17:33

Lutz Meyer, vortrefflich!

Wie Sie, mir nichts, dir nichts, so unvemittelt Fensterläden aufreißen! Frischluft! Frohgemut, vital, bedenkenlos -  Tief Luft holen. Einatmen.  Durchatmen. 

(Erhart Kästner kündigen Sie an! Wohlan! Über Krankenbesuch eines Freundes ohne Blumen, aber mit  Lektüre: Erhart Kästner!  Was in großer Not zu tun, zu sagen, zu lassen ist, wenn Haxen, Herzen, Seelen gebrochen sind: Aufzeichnen, beobachten; Standhalten, sich vom Lebendigen impfen lassen.)

Zur Pathogenese der Herrschenden: Bitte in die Runde: Nennen Sie einen Potentaten, den man nicht als pathologisch bezeichnen könnte. Sogar August dem Starken, eine Frohnatur, vital, anpassungsfähig (prot.-kath.), viel mehr kunst- als kriegsbeflissen (Krieger gegen Prozellan), wäre nach heutigen Maßstäben -sexsüchtig. d. h. krank.

Wer hat ursprüngich die Trennung von Amt und privat (idiot) deklariert? Geht das nicht bis in die griechische Antike zurück? Wir sollten uns daran halten.  

Schneekette
9. Februar 2017 17:53

Sehr geehrte Frau Sommerfeld.

Bitte verzeihen Sie mir meinen erneuten Beitrag, aber ich bin ehrlich entsetzt.

Sie scheinen die Auseinandersetzung mit diesem Subjekt ähnlich wie die Auseinandersetzungen mit Ihrem Mann noch immer als Geplänkel anzusehen. Dies mag bezüglich Ihres Mannes so sein, da vertraue ich Ihrer berührenden Intuition.

Bezüglich dieses In... Subjekts war mir zunächst entgangen, dass es sich um einen ,Psycholggen' handelt. Bitte nehmen Sie diesen unglablichen Angriff ernst. Diese Leute sind mehr als fähig zu wissen was die tun. Gehen Sie sicher davon aus, dass diese Person Ihre Ehe vorsätzlich zerstören will.

Er will in Ihrem Mann den Gedanken an Trennung einpflanzen und in Ihnen Verachtung gegen Ihren Mann. Es ist unbedingt nötig sich von dieser Person endgültig zu trennen und mit Ihrem Mann zu klären, wie er noch vorbehaltslos weiter auf einer Seite stehen kann, die solche Wesen und solche Methoden zu ihrem angeblich menschheitsguten Zweck hervorbringt. 

Hartwig aus LG8
9. Februar 2017 19:54

@ Schneekette

Sie überschätzen das Thema innerhalb einer guten Ehe.  Ich beziehe das auf die Aussagen von C. Sommerfeld.

Ich könnte Ihnen einiges über meine Frau und mich erzählen (ist mir aber zu persönlich). Die Situation ist vergleichbar, wenn auch anders. Schon mal deswegen anders, weil bei uns der Mann rechts und die Frau links steht. Ich halte das für eine natürliche Konstellation, wenn man rechts und links nicht rein politisch, sondern als vorpolitische Begriffe nimmt.

Um es mit wenigen Worten zu sagen: Es geht. Es geht sogar gut.

 

Schneekette
9. Februar 2017 23:29

@Hartwig aus LGB

Ich meine nicht die Sommerfelds. Das ist absolute Privatsache und im Übrigen, gerade nach Frau Sommerfelds  berührenden Worten, halte ich es auch für wahrscheinlich, dass es eine gute Ehe sein wird.

Es geht um diese... Person. Was er versucht. Was er gewagt hat. Ich frage mich, wie weit wir von unseren legitimen und natürlichen Handlungen und Gefühlen weggekommen sind, dass man dies überhaupt erklären muss. 

t.gygax
10. Februar 2017 07:15

@Carolin Sommefeld

"Er will Freundschaften erhalten".

Genau das geht heute nicht mehr-weil die andere Seite solche Bindungen wie "Freundschaften" zerstören will, und zwar bewußt.

Ich habe -man verzeihe mir den persönlichen Bericht- einmal  einer alten Bekannten, die nach Frankreich verzogen ist, in einer mail geschrieben, dass ich, um mein jammervolles Französisch aufzubessern, ab und zu Marine le Pen auf youtube anhöre, weil deren Pathos eine gute Hörübung ist. Das war eingebettet in eine längere Passage, man hat sich nach 40 Jahren einiges mitzuteilen.......

Mit dieser Bekannten verband mich nicht nur frühere Sympathie, sondern auch gemeinsames Arbeiten an pädagogischen Projekten.

 

Ihre Antwort, ganz trocken und eiskalt: "mit Leuten, die Marine Le Pen zuhören, will ich nichts zu tun haben, die gehören nicht zu meinem Bekanntenkreis. "

 

Dann kamen noch die üblichen Diffamierungen des FN etc....

Ich kann mich ohne Mühe mit andersdenkenden und auch anders wählenden Leute zusammensetzen, sogar Gefühle für die entwickeln, aber die können das nicht mehr! oder: die dürfen das nicht mehr, und das ist übel.

Dietrich Stahl
10. Februar 2017 10:09

Liebe Frau Sommerfeld, daß Sie Ihren Gast immer noch „einen Freund“ nennen, stimmt mich bedenklich. Die Worte und Handlungen dieses Mannes waren ein ernstzunehmender, böswilliger psychischer Angriff. So handelt kein Freund. Der Einzelne hat die Pflicht, seinen psychischen Freiraum zu schützen. Rigorose Selbstschutzmaßnahmen sind aus meiner Sicht gegenüber diesem Psycho absolut notwendig.

Stil-Blüte
10. Februar 2017 17:48

'Gaslihgting' ist ein Phantom. Vertrauen - Mißtrauen, Täuschung - Enttäuschung, Rat - Verrat sind normale Äußerungen eines jeden Lebens in unserer hochentwickelten Reflexions- und Aufmerksamkeitsebene.

Daß Geheimdienste und andere moderne Institutionen, die die Irritation von Menschen forcieren, diese 'Gaslihgting' als Methode gezielt zur Destabilisierung von unliebsamen Personen benutzt und ausprobiert, stimmt höchstwahrscheinlich.

Doch zu bedenken gilt auch, daß z. B. Menschen, die vergesslich, zerstreut, besonders agil im Denken bis hin - die Spannbreite der Ursachen ist riesig -  zu altersdemenz sind - oft affinitiv mißtrauisch sind, sich aber in den allermeisten Fällen der Verdacht eines äußeren Eingriffs bzw. Angriffs als harmlos herausstellt.

Wer hat das nicht schon mal erlebt: Der Schlüssel ist weg. Man routiert. Wer was wie wo? Geklaut? Und dann hat man ihn nur verlegt. Und wer hat das nicht auch schon mal erlebt, daß jemand einem auf's Butterbrot schmiert: 'Musst du dich immer streiten?' Das ist doch situationsabhängig! Gibt es denn wirklich keine Charaktereigenschaften mehr, mit denen man, so wenig man sie an anderen oder an einem selbst mag, einfach leben muß? Muß denn jeder Fehler, jeder Mangel pathologisiert werden? Ich kann meine Mutter, meine Liebsten, meine Kinder, meine Freunde nicht backen. Denn ich bin kein Bäcker. Ich habe das Gefühl, bald gibt es mehr Psycho-Bäcker als Brote, alles aus der Luft gegriffen.

Lese ich die großen Tragödien, Romane des Abendlandes - was für Pathologien im Sinne von 'Gaslighting'. Eine Psychologisierung dieser Schicksale wäre doch aber völlig uninteressant, interessant ist das Sagen und Versagen oder wie Heidegger sagt, das 'Geworfensein'.

Der 'psychologischen Kriegsführung' entkommen: Kriegslist: 'Hase und Igel', 'Alibaba und die 40 Räuber' (als die Sklavin {hört! hört!} feststellt, daß das Haus ihres Herrn markiert wird, um ihn zu töten, bringt sie dieses Zeichen an allen Häusern an), Felix Krull (grandios der Film mit Horst Buchholz), Karl Valentin, der dem Führer einen Brief mit übertriebenen Lobeshymnen schreibt, Wiener Schmäh (Martin Sellner - unzerstörbar sein spitzbübisches Augenblinzeln), Berliner Schnauze, Sächs'sche 'Vischelanz', Hamburger Hanse-Distinguiertheit, Köll'scher Klüngel, rheinländische Frohnatur, westfälische Sturheit  - alle Spielarten der Überlebenskunst sollen in einer Zeit, die in jeder anderen Zeit ebenso als schwere Zeit bezeichnet worden wäre, Geltung haben.  

Schiller: 'Blut ist dicker als Tinte'. Politisch mit mir übereinstimmend oder nicht, Familie, wahre Freundschaft geht vor. Nehmen wir es doch als vorübergehende Verstimmung. Ich schwör' darauf!

Schneekette
10. Februar 2017 19:17

@ Stil Blüte

Sagen Sie mal, ist das Ihr Ernst? Haben sie wirklich gelesen, was dieser Kerl gemacht hat? Ein ausgebildeter Psychologe gemacht hat???

Schneekette
11. Februar 2017 09:16

So, letzter Beitrag von mir zu diesem Thema.

Diese Geschichte hat definitiv etwas bei mir ,getriggert'. Man könnte herumanalysieren, ob das an eigenen Verletzlichkeiten und noch nicht überwundenen schmerzlichen Erfahrungen liegt - und hätte wahrscheinlich völlig recht.

Eine Trennung von ehemalifen Freundwn ist immer schmerzlich, manchmal im Nacherein falsch gewesen, manchmal aber auch absolut notwendig.

Ich habe lange überlegt, ob Stil Blüte vielleicht doch Recht haben könnte, bun aber zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Ein anschauliches Bild: Zwei Personen diskutieren, inzwischen vielleicht beiderseits etwas zu hitzig, über ein kontroverses Thema, sagen wir Abtreibung. Der eine wird den anderen wohl nicht überzeugen können, der eine hat im Moment mehr Anhänger als der andere, aber die Diskussion ist dennoch durchaus intellektuell fruchtbar für beide.

So, und dann rammt der eine dem anderen unvermittelt das Knie in die Leiste.

Ich denke ws ist klar, dass es Grenzen geben muss, nicht wahr?

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